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Im Kreis

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Im Kreis

Und dann habe ich geweint, ohne zu wissen, wie das geht, und jetzt weine ich immer noch manchmal, um mich besser zu fühlen. Ich habe geraucht und wieder aufgehört und dann wieder angefangen, siebenundzwanzig Mal, und dann wieder aufgehört – mit dem Zählen. Ich hab mit diesem Typen geschlafen und seinen Namen vergessen und seitdem habe ich nur noch alleine geschlafen und habe rein gar nichts vermisst, bis auf das Übliche: Die Zufriedenheit, das Gefühl des Angekommenseins, aber das war schon immer so.

Und davon erzähl ich auch niemandem, denn das interessiert ja keinen, und außerdem bin ich fantasiebegabt. Ich lese Romane und weiß, wie man eine gute Geschichte strickt, und so erzähle ich Jenny von diesem Typen auf Tinder, den es nicht gibt, und von seinen Nachrichten, die es genauso wenig gibt, den respektvollen, einfühlsamen Nachrichten, nur wenige Smileys, viel Text.
„Und er fragt mich jeden Morgen, wie ich geschlafen habe.“
„Klingt wie ein Langweiler, wenn du mich fragst.“
Jenny freut sich für mich, ist aber gleichzeitig misstrauisch, weil sie selbst auf Tinder nur Bilder von Schwänzen geschickt bekommt und deshalb die Theorie vertritt, dass Tinder-Männer einer Außerirdischenrasse angehören, die mit erigierten Geschlechtsorganen kommuniziert, eine Sprache, die bis heute keine Frau verstanden hat, und spätestens jetzt hat der Intellekt sich für den Abend verabschiedet. Er wäre ja gerne noch geblieben, sagt er, in der halboffenen Tür stehend, den Zylinder in der Hand, sich das Monokel richtend, aber wir beachten ihn schon gar nicht mehr und googlen stattdessen nach ugly assholes, mit denen wir dann Jennys Cock-Alien-Männern antworten, wir lachen, erst leise, dann immer unkontrollierter, irgendwer klopft gegen die Decke und dann gegen die Tür und wir drehen die Musik auf, um nichts zu hören. Unsere Gespräche drehen sich im Kreis wie die alkoholbetriebenen Karussells in unseren Köpfen und irgendwann lassen wir uns gemeinsam ins Bett fallen, fallen durch das Laken und durch die Matratze und greifen nach Eimern, bis ich irgendwann wach werde und unsanft auf dem Fliesentisch meiner Oma aufschlage.

Meine Oma hatte drei Schlaganfälle in zwei Jahren. Trotzdem könnte man auf den ersten Blick meinen, dass ich hier die Pflegebedürftige bin: Die Decke bis zum Kinn hochgezogen, mit zittrigen Händen den schalen Tee schlürfend.
„Lange Nacht, hm?“
Langes Leben, will ich antworten, lasse es dann aber bleiben, weil ich merke, wie pathetisch und vielleicht auch sinnlos das klingt, und nicke einfach nur.
„Das hast du von deinem Onkel. Der wusste auch nie, wann Schluss ist.“
Kurz will ich widersprechen und erwidern, dass mein Onkel ganz genau wusste, wann Schluss war, nämlich dann, als er sich nach fast zwanzig Jahren Alkoholikerdasein dazu entschlossen hatte, eine Zweitkarriere als Tablettenjunkie anzustreben, lasse dann aber auch das lieber bleiben, um keinen vierten Schlaganfall zu provozieren.
Stattdessen frage ich: „Sag mal, hast du heute schon genug Wasser getrunken?“
„Ihr immer mit eurem Trinken. Ja, hab ich, ich bin alt genug, um …“
Weiter kommt sie nicht. Kurz blickt sie mich suchend an, fast flehend, so, als ständen die Wörter, die ihr auf halber Strecke abhanden gekommen waren, irgendwo in meinen Augen, dann winkt sie ab, hievt sich aus ihrem Sessel und kämpft sich schwerfällig in die Küche, wo ich sie ein Glas Wasser einschenken höre.
„Sei froh, dass bei dir noch alles funktioniert“, sagt sie, als sie zurückkommt und sich wieder in den Sessel fallen lässt.
„Als ich so alt war wie du, sind dein Opa und ich jedes Wochenende in die Pfalz gefahren und gelaufen, den ganzen Tag, ohne Pause, und jetzt komme ich schon ins Schwitzen, wenn ich mal zur Toilette muss.“
Das stimmte nicht ganz, ich wusste das, immerhin war ich oft genug dabei bei diesen Ausflügen, die meistens nach den paar Schritten vom Parkplatz zur Hütte wieder vorbei waren, zumindest für mich, für meine Großeltern aber erst so richtig losgingen: Schwartenmagen, Saumagen, Leberknödel, Schorle, vor allem Schorle stand jetzt auf dem Programm, und ich sehnte mich zurück nach dem kurzen Waldstück, das wir entlanggegangen waren, nach den Esskastanien und den Eicheln und den dicken Käfern, die pechschwarz glänzend über den Boden krabbelten und laut knackten, wenn man versehentlich auf sie drauftrat.
„Denk dran, mich anzurufen, wenn dir noch was einfällt. Morgen geh ich einkaufen.“
Meistens fiel ihr Schokolade ein oder Klopapier, Klopapier aber immer zu spät, sodass ich dann noch mal kommen musste oder stundenlang in Sorge fast verging, wenn sie sich dazu entschloss, den Gang zum Penny selbst zu wagen.
Auf wackligen Beinen, an den Rollator geklammert, malte ich sie mir dann aus, und Daheim jetzt ausruhen LG Deine Oma war die erlösende SMS, die mich nach diesen Höllentrips für einen kurzen Moment wieder durchschnaufen ließ. Ich stellte sie mir dann vor, wie sie alleine in ihrem abgewetzten Ledersessel saß, der mal ihrem Mann gehört hatte, wie sie mit steifen Fingern auf der viel zu kleinen Handytastatur von anno dazumal herumtippte, bis die unsortierten Silbenfetzen in ihrem Kopf sich endlich zu einem stimmigen Satz formten, und wie sie dann fast auf der Stelle im Sitzen einschlief, natürlich, ohne vorher etwas getrunken zu haben. Und abends würde sie dann aufwachen, dehydriert, verwirrt, und ich würde jede Sekunde beten, dass sie nicht umkippte und dann alleine dort in ihrer Wohnung lag, nur unter den hoffnungsvollen Blicken ihres Mannes und ihres Sohnes, die aus den Fotorahmen auf sie hinabsahen, sehnsüchtig wartend.

Als ich zuhause ankomme, dämmert es. Ich schleiche durchs Treppenhaus und schließe leise die Tür hinter mir ab. Ich würde mir gerne ein Bad einlassen, aber nach der letzten Nacht habe ich Sorge, dass der klopfende Nachbar wiederkommt, und so verkrieche ich mich lieber ungewaschen auf der Couch und lade mir zum tausendsten Mal Tinder aufs Handy. Ich wische durch nichtssagende Profile und Gesichter, während im Hintergrund leise der Fernseher läuft, im Nahen Osten ist die Hölle los und ich frage mich, warum es Naher Osten heißt, wenn die Dinge, die dort passieren, mir so unfassbar fern erscheinen, hier, bei mir daheim, wo mich die Wände jeden Abend zu erdrücken drohen, wo das Gemurmel der Nachbarn hinter den Wänden an meinen Schädelinnenwänden schabt und das Getrampel vom Nachbar über mir wie Nadelspitzen in meine Kopfhaut dringt. Ich bin so schrecklich privilegiert, dass ich kotzen könnte, und ich bin mir so schrecklich im Unklaren darüber, was ich mit meiner Lebenszeit anfangen soll, dass ich am liebsten wieder weinen würde. Aber davon erzähle ich niemandem, weil ich weiß, dass es keinen interessiert.

 
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Hey @Lani,

na, was für eine Überraschung! Habe ich mich doch gleich aufs Lesen gefreut, als ich deinen Nick entdeckt hab. Und ja, ich mochte den Text. Aber ich mag deine Art die Worte aufzufädeln eh total gern, mochte ich schon vor drei Jahren.

Ich habe geraucht und wieder aufgehört und dann wieder angefangen, siebenundzwanzig Mal, und dann wieder aufgehört, mit dem Zählen.
Und damit hattest Du mich auch gleich an der Angel. Sehr, sehr hübsch und es malt Charakter, sagt doch ziemlich viel über eine Person, mehr jedenfalls, als was man denkt, das es in einen Satz passt. Aber es passt!

Ich hab mit diesem einen Typen geschlafen und seinen Namen vergessen und seitdem habe ich nur noch alleine geschlafen und habe rein gar nichts vermisst, bis auf das Übliche: Die Zufriedenheit, das Gefühl des Angekommenseins, aber das war schon immer so.
Das ist so traurig und so einsam ... und so zeitgemäß. Leider.

Und davon erzähl ich auch niemandem, denn das interessiert ja keinen, und außerdem bin ich fantasiebegabt.
Das mag ich an deinen Texten ja sehr, diese Ironie, dieser feine Humor - und man möchte lachen und im gleichen Augenblick bleibt es einem im Hals stecken. Diese vorgegaukelte Leichtigkeit die Du wie ein Seidentuch über die Tragik ausbreitest, ja, ich bin ein Fan davon.

Ich lese Romane und weiß, wie man eine gute Geschichte strickt, ...
Okay, ich nehme es vorweg, weil es sich hier so schön anbietet. Am Ende schließt Du den Kreis, indem Du den Satz wieder aufnimmst - aber dass interessiert ja keinen - und dadurch schaffst Du es auch mir das Gefühl von Anfang und Ende einer Geschichte zu vermitteln, die ein Kreis ist, und das Ende wieder zum Anfang führt usw. usw. in der Endlosschleife.
Man könnte dem Text jetzt vorwerfen, dass da aber irgendwie der Spannungsbogen fehlt, der Omateil etwas lose dazwischen hängt und Schreibratgebermäßig fehlt da doch was - aber ich finde das nicht. Mir fehlt hier rein gar nichts. Ich finde die Einsamkeit und die Verlorenheit und die Liebe, die der Text transportiert, das erreicht mich total und nimmt mich mit und lässt mich traurig zurück.

und so erzähle ich Jenny von diesem Typen auf Tinder, den es nicht gibt, und von seinen Nachrichten, die es genauso wenig gibt, den respektvollen, einfühlsamen Nachrichten, nur wenige Smileys, viel Text.
Ja. Und mit dem Fantasietypen klappt es dann auch. Und die sind so perfekt, dass die Realität nie einen solchen zu liefern in der Lage ist. Diese Typen sind so gefährlich wie sie tröstlich sind ;).

Jenny freut sich für mich, ist aber gleichzeitig misstrauisch, weil sie selbst auf Tinder nur Bilder von Schwänzen geschickt bekommt und deshalb die Theorie vertritt, dass Tinder-Männer einer Außerirdischenrasse angehören, die mit erigierten Geschlechtsorganen kommuniziert, eine Sprache, die bis heute keine Frau verstanden hat,
hehe! Ja, warum sollten sie auch? So einen Außerirdischen will man ja nicht mal als Haustier haben.

und spätestens jetzt hat der Intellekt sich für den Abend verabschiedet. Er wäre ja gerne noch geblieben, sagt er, in der halboffenen Tür stehend, den Zylinder in der Hand, sich das Monokel richtend,
Ach, ich mag das einfach! Nice Bild für den Intellekt.

Unsere Gespräche drehen sich im Kreis wie die alkoholbetriebenen Karussells in unseren Köpfen und irgendwann lassen wir uns gemeinsam ins Bett fallen, fallen durch das Laken und durch die Matratze und greifen nach Eimern, ...
Und das Bild mag ich auch. Das sind so die feinen Dinge, die ich an deinen Texten so mag.

Langes Leben, will ich antworten, lasse es dann aber bleiben, weil ich merke, wie pathetisch und vielleicht auch sinnlos das klingt, und nicke einfach nur.
Ja, sie wirkt einfach echt auf mich.

Kurz will ich widersprechen und erwidern, dass mein Onkel ganz genau wusste, wann Schluss war, nämlich dann, als er sich nach fast zwanzig Jahren Alkoholikerdasein dazu entschlossen hatte, eine Zweitkarriere als Tablettenjunkie anzustreben,
Irgendwie zitiere ich voll viel. Aber das ist auch schön.

Das stimmte nicht ganz, ich wusste das, immerhin war ich oft genug dabei bei diesen Ausflügen, die meistens nach den paar Schritten vom Parkplatz zur Hütte wieder vorbei waren, zumindest für mich, für meine Großeltern aber erst so richtig losgingen: Schwartenmagen, Saumagen, Leberknödel, Schorle, vor allem Schorle stand jetzt auf dem Programm, und ich sehnte mich zurück nach dem kurzen Waldstück, das wir entlanggegangen waren, nach den Esskastanien und den Eicheln und den dicken Käfern, die pechschwarz glänzend über den Boden krabbelten und laut knackten, wenn man versehentlich auf sie drauftrat.
So ist das mit den Erinnerungen. Manche werden einfach romantisiert zu eine Postkarte, die so nie geschrieben worden ist. Und die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo zwischen den beiden.

Meistens fiel ihr Schokolade ein oder Klopapier, Klopapier aber immer zu spät, sodass ich dann noch mal kommen musste oder stundenlang in Sorge fast verging, wenn sie sich dazu entschloss, den Gang zum Penny selbst zu wagen.
Und in der Sorge um die Oma, die sie dann beschreibt, da steckt so viel Liebe drin, zu der sie fähig ist, die aber keiner haben will, noch nicht mal der Fantaboy. Die hat sie ganz für sich allein und die wird sie nicht los. Okay, Oma freut sich sicher und Oma ist Oma aber Oma ist eben auch nur Oma.

... und dann alleine dort in ihrer Wohnung lag, nur unter den hoffnungsvollen Blicken ihres Mannes und ihres Sohnes, die aus den Fotorahmen auf sie hinabsahen, sehnsüchtig wartend.
Ja, so ist das mit der Einsamkeit. Die einen schauen zurück, die anderen nach vorn. Die einen können auf Erlösung hoffen, die anderen müssen sich mit ihr arrangieren.

... im nahen Osten ist die Hölle los und ich frage mich, warum es naher Osten heißt, wenn die Dinge, die dort passieren, mir so unfassbar fern erscheinen, ...
Schön!

Ich bin so schrecklich priviligiert, dass ich kotzen könnte, und ich bin mir so schrecklich im Unklaren darüber, was ich mit meiner Lebenszeit anfangen soll, dass ich am liebsten wieder weinen würde. Aber davon erzähle ich niemandem, weil ich weiß, dass es keinen interessiert.
Ich mag das Ende. Weil es einfach so ist. Wir haben Luxussorgen. Aber sie quälen uns. Selbst wenn man weiß, dass sie Luxus sind. In dieser Hinsicht ist es wohl eine Art von Luxus den keiner recht haben will, auf den wir aber auch um nichts in der Welt verzichten wollten.

Sehr gern gelesen!
Liebe Grüße, Fliege

 
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Wow, @Fliege, ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich auf eine "alte Bekannte" treffe, mein letztes Mal ist ja schon ein ganzes Weilchen her. Es freut mich sehr, dass du meine Geschichten in (guter) Erinnerung behalten hast!

Das mag ich an deinen Texten ja sehr, diese Ironie, dieser feine Humor - und man möchte lachen und im gleichen Augenblick bleibt es einem im Hals stecken. Diese vorgegaukelte Leichtigkeit die Du wie ein Seidentuch über die Tragik ausbreitest, ja, ich bin ein Fan davon.

Schön, dass du das so wahrnimmst. Ich habe den Text jemand anderem gezeigt, der ihn bzw. die Protagonistin als "zu schwermütig" empfunden hat, zu leidend. Leichtigkeit ist mir da eindeutig lieber, wenn auch nur vorgegaukelt ;)

Mir fehlt hier rein gar nichts. Ich finde die Einsamkeit und die Verlorenheit und die Liebe, die der Text transportiert, das erreicht mich total und nimmt mich mit und lässt mich traurig zurück.

Ach, und das freut mich so richtig! Also nicht das mit dem Traurigsein, aber dass der Text etwas mit dir macht und du ihn nimmst, wie er ist. Aber ich sehe auch, was du da anklingen lässt: Dass da möglicherweise etwas fehlt, ein Spannungsbogen, eine Entwicklung ... Wenn es hier bei deinem Kommentar bleibt, verdränge ich diese Zweifel vielleicht einfach, auch in Ordnung :D

Ja, danke für den großen Streichler, zu oft darf ich mir das jetzt aber nicht mehr durchlesen, sonst mache ich es mir womöglich noch gemütlich zwischen all den flauschigen Worten ...

Liebe Grüße!

 
Wortkrieger-Team
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Guten Morgen @Lani,

da hast du das Alleinsein/die Einsamkeit aber mit Spraydose auf das Brückenfundament aufgetragen. Für mich die Frage dabei: Alleinsein oder Einsamkeit? Das sind zwei unterschiedliche Nährböden. Aus Alleinsein kann bestenfalls Unglück entstehen. Aus Einsamkeit bestenfalls Weisheit.

Menschen kennenlernen ist - im Grunde - ein ganz einfache Sache. Aber du hast es eingebettet in die moderne Welt. Tinder, das Netz. Dort fehlt uns das Wichtigste: die Einschätzung des Gegenüber durch Mimik, Gestik, Augenkontakt, Sprache, Klang der Stimme ... all unsere jahrtausendelange Erfahrung, nutzt uns da nichts mehr. Wir können jederzeit reingelegt werden. Um dem zu begegnen, erfinden wir, denn wir wollen vor anderen bestehen - die vielleicht ebenso bestehen wollen, weil da niemand ist, weswegen wir uns in einen Haufen allein bleibende Menschen verwandeln, dem die Fähigkeiten abhanden kommen, die uns zu dem gemacht haben, was wir -noch- sind.

Ironischerweise hat Corona uns ein wenig auf die Sprünge geholfen, den Webcamverkauf angeheizt, und wir können, wenn wir möchten, wieder mehr Mimik, Gestik, Stimme, Klang beobachten und: genießen. Oder abschalten, bei Nichtgefallen.

Aber, ich bin ganz ehrlich, kontaktarm war ich nie. Meine Neugier war viel zu groß. Und in der Kneipe eine Person ansprechen, im Bus, der Straßenbahn, beim Sport oder im Park, ohne Hintergedanken, nur neugierig sein auf diese oder jene Gestik, einen Schmerz zu erkennen, ein Gefühl von Seelenverwandtschaft, das war schon das Spannendste im Leben. All die Geschichten dahinter aufsaugen und ... eine wichtige soziale Funktion: zuhören. Deswegen war ich gerne Briefträger in der nicht wirklich schlechten Bundespost-Zeit.

Selbst wenn man beim Kennenlernen einsam ist oder bleibt, alleine ist man/frau nie. Eines darf man halt nicht vergessen: die Erwartungen und Ansprüche muss man zuhause im Schrank lassen. Nimmt man sie mit, wird das nichts.

Lange Rede, kurzer Sinn. Eine schöne Geschichte, verpackt in einem Stil, der mir gefällt. So kann es weitergehen. Ach ja, eines noch ...

im nahen Osten ist die Hölle los
Der Nahe Osten ist ein Eigenname. Also '... im Nahen Osten ist die Hölle los.'

Grüße
Morphin

 
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21.12.2015
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Liebe @Lani ,

wo eine Omi vorkommt, bin ich zur Stelle. Und ich behalte recht, weil es ohne Omi gar nicht geht. ;)
Aber schön der Reihe nach.

und habe rein gar nichts vermisst, bis auf das Übliche: Die Zufriedenheit, das Gefühl des Angekommenseins, aber das war schon immer so.
Tja, dieses 'Tinder' scheint mir wie ein Supermarkt der Gefühle, ein riesiges Angebot mit einer Menge Mogelpackungen und Verpackungsmüll, wie es halt passiert, wenn man die Ware nur online besichtigen kann. Und Corona hat diese Tendenz verstärkt, wenn es auch Stimmen gibt, die das Gegenteil behaupten. Vielleicht vermissen wir ja doch mehr die persönlichen Begegnungen, als uns bewusst ist. Manche im Forum freuen sich zu Recht über die Möglichkeiten, die uns zum Beispiel Zoom bietet. Aber noch lieber wäre den meisten ein Treffen in natura.
Ich lese Romane und weiß, wie man eine gute Geschichte strickt, und so erzähle ich Jenny von diesem Typen auf Tinder, den es nicht gibt, und von seinen Nachrichten, die es genauso wenig gibt, den respektvollen, einfühlsamen Nachrichten, nur wenige Smileys, viel Text.
Sehr schön, liebe Lani, wo die Wirklichkeit versagt, hilft die Fantasie weiter. Und ein Buch in der Hand zu halten, ist ein haptisches Vergnügen.
Jenny freut sich für mich, ist aber gleichzeitig misstrauisch, weil sie selbst auf Tinder nur Bilder von Schwänzen geschickt bekommt und deshalb die Theorie vertritt, dass Tinder-Männer einer Außerirdischenrasse angehören, die mit erigierten Geschlechtsorganen kommuniziert, eine Sprache, die bis heute keine Frau verstanden hat,
Ist das so? Arme Jenny! Da wären Goethes "Die Leiden des jungen Werthers" eine schöne Abwechslung, oder auch Eichendorffs "Aus dem Leben eines Taugenichts", statt siebenundzwanzigtausend Mal Tinder anzuklicken.
Meine Oma hatte drei Schlaganfälle in zwei Jahren. Trotzdem könnte man auf den ersten Blick meinen, dass ich hier die Pflegebedürftige bin: Die Decke bis zum Kinn hochgezogen, mit zittrigen Händen den schalen Tee schlürfend.
sehr schön beobachtet. Gebrechlichkeit ist nicht unbedingt Hilflosigkeit in seelischen Dingen.
stattdessen frage ich: „Sag mal, hast du heute schon was getrunken?“
„Ihr immer mit eurem Trinken. Ja, hab ich, ich bin alt genug, um …“
siehste, da bist du ja zu etwas nutze. Es stimmt, dass man die Oldies dauernd zum Wasser oder Tee trinken ermuntern muss.
„Sei froh, dass bei dir noch alles funktioniert“, sagt sie, als sie zurückkommt und sich wieder in den Sessel fallen lässt.
Das ist sicher tröstend gemeint und nicht jammernd. Eine liebe Oma ist das.
Auf wackligen Beinen, an den Rollator geklammert, malte ich sie mir dann aus, und Daheim jetzt ausruhen LG Deine Oma war die erlösende SMS, die mich nach diesen Höllentrips für einen kurzen Moment wieder durchschnaufen
Ja was denn! Die Prota hat das Herz auf dem rechten Fleck und sorgt sich um die Oma. Gutes Kind, noch ist nichts verloren.
Ich bin so schrecklich privilegiert, dass ich kotzen könnte, und ich bin mir so schrecklich im Unklaren darüber, was ich mit meiner Lebenszeit anfangen soll, dass ich am liebsten wieder weinen würde. Aber davon erzähle ich niemandem, weil ich weiß, dass es keinen interessiert.
Die schreckliche Privilegierung ist natürlich weltweit gesehen, ein Problem. Gerechtigkeit wird gerade überall thematisiert, in der Politik ebenso wie im privaten Umfeld. Da muss wahrscheinlich deutlich über den Tellerrand geschaut werden. Und man darf ruhig ein wenig weinen dabei.

Liebe Lani, mir hat die Geschichte gut gefallen, gerade auch wegen der gelegentlichen ironischen Unter- und Übertreibungen. Für mich sehe ich dahinter ein schönes Maß an Souveränität.

wieselmaus

 
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Nach dem schönen Ausflug in die Eichendorff’sche Idylle des Mühlenedgar nun ein kurzer in die soziale Geometrie.

Eine – wie ich finde - gelungene kleine, sehr persönliche Geschichte, die an die Anfängen der Geschichte als Historie erinnert, denn am Anfang war die Vorstellung von Geschichte als ewiger Wiederholung im Kreis, bevor das lineare, vermeintlich fortschrittliche des eurozentrischen Bildes alle anderen Geschichtsbilder von der kleinsten Einheit, dem Paar, bis hin zu Sippe und Clan und schließlich Stamm (in dem die gemeinsame Abstammung steckt), Volk und Nation, das von Karl Kraus auf den Punkt gebracht wurde, wir sind noch immer die alten Troglodyten, wenn auch auf technologisch (und sei’s der wirrtuelle Raum) höherem Niveau, zur Menschheit (ein unvollendetes Projekt, schließlich zählen nicht allein die itzo Lebenden dazu, sondern alle Vergangenen und KOmmenden),

liebe Lani.

Ein paar Flüschen gilt es aufzulesen, hier buchstäblich zu nehmen

Ich habe geraucht und wieder aufgehört und dann wieder angefangen, siebenundzwanzig Mal, und dann wieder aufgehört, mit dem Zählen.
Komma 2 & 3 weg

Ich hab mit diesem einen Typen geschlafen und seinen Namen vergessen …
„einen“ kann gestrichen werden, denn auf einen bestimmten Typen weist ja schon das singuläre Demonstrativpronomen hin, eben diesem Typ!
(da kannstu tatsächlich die Endung am Typ-en weglassen – musstu aber nicht! Ähnlich hier bei „niemand"
Und davon erzähl ich auch niemandem, denn das interessiert ja keinen, …

Gern gelesen vom

Friedel

 
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Liebe @Lani ,

eben habe ich in deinen Geschichten geblättert, von denen ich noch gar keine kannte. Es war wegen @Friedrichard mit seinem Bezug auf den Mühlenedgar. Da ist mir mit meinem Lesefuttervorschlag „Taugenichts“ tatsächlich ein Treffer geglückt. Ganz ehrlich, ich habe nix abgekupfert :read:.

viele Grüße von der überraschten
wieselmaus

 
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Hallo @Morphin,

da hast du das Alleinsein/die Einsamkeit aber mit Spraydose auf das Brückenfundament aufgetragen.

Ich finde es total spannend, wie die Geschichte hier wahrgenommen wird. Überraschen tut mich dabei vor allem meine eigene ... was ist da denn das richtige Wort, Blauäugigkeit, Ahnungslosigkeit, irgendwie so. Ich habe mich nämlich nicht bewusst entschieden: So, jetzt schreibe ich etwas über das Einsamsein. Aber wie es aussieht, scheint das für die meisten Leser hier das bestimmende Thema zu sein.

Aber, ich bin ganz ehrlich, kontaktarm war ich nie. Meine Neugier war viel zu groß. Und in der Kneipe eine Person ansprechen, im Bus, der Straßenbahn, beim Sport oder im Park, ohne Hintergedanken, nur neugierig sein auf diese oder jene Gestik, einen Schmerz zu erkennen, ein Gefühl von Seelenverwandtschaft, das war schon das Spannendste im Leben. All die Geschichten dahinter aufsaugen und ... eine wichtige soziale Funktion: zuhören. Deswegen war ich gerne Briefträger in der nicht wirklich schlechten Bundespost-Zeit.

Meine Oma startete morgens mit einem Packen Briefen ihre Tour, mittags kam sie mit einem noch viel volleren Packen Klatsch wieder nach Hause :) Bei offenohrigen Briefträgern wie euch wurden sicher selbst die sehnsüchtigst erwarteten Briefchen schnell mal zur Nebensache ...

Ich mag, was du da sagst, und denke ja, unbedingt richtig, so sollte man leben. Und ich werde hoffentlich daran denken, wenn ich das nächste Mal im Bus oder in der Straßenbahn oder beim Sport im Park angesprochen werde und erst mal misstrauisch reagiere. Vielleicht, weil mich die "Großstadt"-Erfahrung gelehrt hat, dass so etwas nur in den allerseltensten Fällen "ohne Hintergedanken" passiert ... Aber wenn es dann tatsächlich so ein Mensch wie du ist, dann nehm ich den abends mit ins Bett. Nicht körperlich natürlich (außer er ist sehr, sehr reich!), sondern in Gedanken. Und freue mich über das kleine bisschen Seelenverwandtschaft :)

Der Nahe Osten ist ein Eigenname. Also '... im Nahen Osten ist die Hölle los.'

Tatsächlich. Macht Sinn. Danke für den Hinweis!

Danke auch für deinen Kommentar, ich habe sehr gerne gelesen, welche Gedanken die Geschichte bei dir angeregt hat bzw. dass sie das überhaupt getan hat.

Liebe Grüße!

 
Wortkrieger-Team
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(außer er ist sehr, sehr reich!)
:lol: :rotfl:Ich hab ja noch nicht mal en Konto ...
Ich habe mich nämlich nicht bewusst entschieden: So, jetzt schreibe ich etwas über das Einsamsein.
Vielleicht ja unbewusst. Zumindest bei mir ist es so, dass die Geschichten aus dem tiefen Keller kommen, wenn sie reif sind.

 
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06.02.2021
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Und dann habe ich geweint, ohne zu wissen, wie das geht, und jetzt weine ich immer noch manchmal, um mich besser zu fühlen. Ich habe geraucht und wieder aufgehört und dann wieder angefangen, siebenundzwanzig Mal, und dann wieder aufgehört, mit dem Zählen. Ich hab mit diesem Typen geschlafen und seinen Namen vergessen und seitdem habe ich nur noch alleine geschlafen und habe rein gar nichts vermisst, bis auf das Übliche: Die Zufriedenheit, das Gefühl des Angekommenseins, aber das war schon immer so.
Hi @Lani

Dein Einstieg ist prima. Da will ich weiter lesen und das habe ich dann auch gemacht.
Ich fand es mal Interessant, dass jemanden über Tinder schreibt und von erfundenen Männern erzählt. Tinder kommt so selten in Texten vor und wird doch soviel betrieben.
Ich sehe es als eine Generationen-Geschichte.
Vielleicht entsteht die Einsamkeit gerade an den gescheiterten Kommunikationen. Es ist eine Geschichte über das scheitern würde ich sagen. Über das scheitern von verschiedenen Generationen auf verschiedenen Arten.

Auf wackligen Beinen, an den Rollator geklammert, malte ich sie mir dann aus, und Daheim jetzt ausruhen LG Deine Oma war die erlösende SMS, die mich nach diesen Höllentrips für einen kurzen Moment wieder durchschnaufen ließ. Ich stellte sie mir dann vor, wie sie alleine in ihrem abgewetzten Ledersessel saß, der mal ihrem Mann gehört hatte, wie sie mit steifen Fingern auf der viel zu kleinen Handytastatur von anno dazumal herumtippte, bis die unsortierten Silbenfetzen in ihrem Kopf sich endlich zu einem stimmigen Satz formten, und wie sie dann fast auf der Stelle im Sitzen einschlief, natürlich, ohne vorher etwas getrunken zu haben.
Das sind tolle Bilder. Ich sehe meine Mutter wie sie durchs Dorf eilt. Ja, die Generation Tinder einerseits und dort die Generation Rollator
Ich würde mir gerne ein Bad einlassen, aber nach der letzten Nacht habe ich Sorge, dass der klopfende Nachbar wiederkommt, und so verkrieche ich mich lieber ungewaschen auf der Couch und lade mir zum siebenundzwanzigtausendsten Mal Tinder aufs Handy. Ich wische durch nichtssagende Profile und Gesichter, während im Hintergrund leise der Fernseher läuft, im Nahen Osten ist die Hölle los und ich frage mich, warum es Naher Osten heißt, wenn die Dinge, die dort passieren, mir so unfassbar fern erscheinen, hier, bei mir daheim, wo mich die Wände jeden Abend zu erdrücken drohen, wo das Gemurmel der Nachbarn hinter den Wänden an meinen Schädelinnenwänden schabt und das Getrampel vom Nachbar über mir wie Nadelspitzen in meine Kopfhaut dringt.
Wie vielen Menschen in unserer Generation und in unseren Ländern wird es so gehen? Du spielst geschickt mit der Nähe und der Ferne. Wo sind da noch wir zu finden? Gibt es uns überhaupt noch? Haben wir uns nicht schon aufgelöst? Was geht uns was an? Mit wem sollen wir kommunizieren und mit wem könnten wir kommunizieren?
Ich mag deine Fragestellungen, die dir vielleicht selbst gar nicht so bewusst sind.

Danke für den Lesespaß, viel kannst Du aus meinem Kommentar wohl nicht heraus holen, doch leider habe ich im Augenblick nicht mehr zu bieten.

Ich wünsche Dir eine schöne Zeit

G.

 
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Hallo @wieselmaus,

eben habe ich in deinen Geschichten geblättert, von denen ich noch gar keine kannte.

Nein, da war ich mir ganz sicher, dass das nicht stimmt. Und siehe da, vor beinahe drei Jahren hast du gesagt:

es ist die erste Geschichte, die ich von dir gelesen habe, aber bestimmt nicht die letzte.

Somit hast du dann zumindest hier die Wahrheit gesagt, deshalb lasse ich dir das andere noch mal durchgehen ;) (Ich war mir so sicher, weil du damals im gleichen Kommentar den "Engelmacher" erwähnt hast, woraufhin ich unbedingt eine Engelmacher-Geschichte schreiben wollte, mich dabei aber ... verlaufen habe)

Tja, dieses 'Tinder' scheint mir wie ein Supermarkt der Gefühle, ein riesiges Angebot mit einer Menge Mogelpackungen und Verpackungsmüll, wie es halt passiert, wenn man die Ware nur online besichtigen kann. Und Corona hat diese Tendenz verstärkt, wenn es auch Stimmen gibt, die das Gegenteil behaupten. Vielleicht vermissen wir ja doch mehr die persönlichen Begegnungen, als uns bewusst ist. Manche im Forum freuen sich zu Recht über die Möglichkeiten, die uns zum Beispiel Zoom bietet. Aber noch lieber wäre den meisten ein Treffen in natura.

Ja, hier in der Geschichte wird Tinder sehr einseitig beleuchtet. Die von dir erwähnten gegenteiligen Stimmen kenne ich aber auch, zumindest ein Paar, das sich dort kennengelernt und jetzt seit Jahren glücklich miteinander ist. Fluch und Segen, wie so oft.

Ist das so? Arme Jenny! Da wären Goethes "Die Leiden des jungen Werthers" eine schöne Abwechslung, oder auch Eichendorffs "Aus dem Leben eines Taugenichts", statt siebenundzwanzigtausend Mal Tinder anzuklicken.

Ich bin beeindruckt, mit welcher Leichtigkeit du hier die Brücke von mit erigierten Geschlechtsorganen kommunizierenden Außerirdischen zu Eichendorff und Goethe schlägst :D Aber recht hast du.

sehr schön beobachtet. Gebrechlichkeit ist nicht unbedingt Hilflosigkeit in seelischen Dingen.

Ein schöner Satz, wie ich finde, der eigentlich eine ganze Geschichte wert ist. Möchtest du? Bitte?

Vielen Dank für deine Auseinandersetzung mit der Geschichte, wieselmaus (was für ein toller Name übrigens!), hat mich sehr gefreut!

...

Hallo @Friedrichard,

Eine – wie ich finde - gelungene kleine, sehr persönliche Geschichte, die an die Anfängen der Geschichte als Historie erinnert, denn am Anfang war die Vorstellung von Geschichte als ewiger Wiederholung im Kreis, bevor das lineare, vermeintlich fortschrittliche des eurozentrischen Bildes alle anderen Geschichtsbilder von der kleinsten Einheit, dem Paar, bis hin zu Sippe und Clan und schließlich Stamm (in dem die gemeinsame Abstammung steckt), Volk und Nation, das von Karl Kraus auf den Punkt gebracht wurde, wir sind noch immer die alten Troglodyten, wenn auch auf technologisch (und sei’s der wirrtuelle Raum) höherem Niveau, zur Menschheit (ein unvollendetes Projekt, schließlich zählen nicht allein die itzo Lebenden dazu, sondern alle Vergangenen und KOmmenden),

ein Satz ist das. Ein einziger. Einer, den ich sehr oft lesen musste, um ganz dahinterzusteigen :schiel: Aber es freut mich, dass du einen solchen Bogen spannst bzw. sogar zu erkennen glaubst in den Hirngespinsternissen der Protagonistin.

Ich habe geraucht und wieder aufgehört und dann wieder angefangen, siebenundzwanzig Mal, und dann wieder aufgehört, mit dem Zählen.

Komma 2 & 3 weg

Hier bin ich nicht ganz überzeugt, um ehrlich zu sein. Aus grammatikalischer Sicht schon, beim zweiten Komma vor allem, aber das sitzt da auch nicht aus Grammatikgründen. Ohne das Komma ginge der "Witz" verloren (ob der jetzt gut ist, sei mal dahingestellt, aber er ist).

„einen“ kann gestrichen werden, denn auf einen bestimmten Typen weist ja schon das singuläre Demonstrativpronomen hin, eben diesem Typ!

Hier bin ich voll überzeugt, klingt gleich viel besser!

Vielen Dank auch dir für deine Rückmeldung, Friedrichard!

...

@Morphin,

Ich hab ja noch nicht mal en Konto ...

Das ist ja wie ... keine Versichertenkarte haben, also eigentlich nicht vorstellbar in einem bürokratisch geführten Staat. Lebst du in einer Hütte im Wald? Falls ja, kannst du mir bitte verraten, wie du das geschafft hast? Gerne privat, um hier nichts aufzublähen und keine anderen Geschichten zu verdrängen.

...

Hallo @G. Husch,

vielen Dank für den Gegenbesuch :)

Ich fand es mal Interessant, dass jemanden über Tinder schreibt und von erfundenen Männern erzählt. Tinder kommt so selten in Texten vor und wird doch soviel betrieben.

Interessant, dass du das so siehst. Ich habe mich hier auf die Kritik eingestellt: Alles schon gesehen, alles schon gehört.

Ich sehe es als eine Generationen-Geschichte.
Vielleicht entsteht die Einsamkeit gerade an den gescheiterten Kommunikationen. Es ist eine Geschichte über das scheitern würde ich sagen. Über das scheitern von verschiedenen Generationen auf verschiedenen Arten.

Und ich finde es super, dass du das so siehst. Ein bisschen möchte ich auch ehrfürchtig in meiner Couch versinken, weil ich denke, nein, das passt doch so gar nicht zu der Geschichte, die ich dort geschrieben habe, das erscheint mir zu ... groß, zu viel, ähnlich wie schon bei Friedrichards Kommentar. Aber gleichzeitig freut es mich total, dass solche Gedanken bei dir angestoßen werden und dass du in der Lage bist, die so in Worte zu fassen. Das gibt mir selbst nämlich einen ganz neuen, interessanten Blickwinkel auf den Text.

Hier sagst du das ja auch:

Ich mag deine Fragestellungen, die dir vielleicht selbst gar nicht so bewusst sind.

So ist es tatsächlich, wenn ich die Kommentare hier lese. Sehr inspirierend, sehr motivierend.

Danke für den Lesespaß, viel kannst Du aus meinem Kommentar wohl nicht heraus holen, doch leider habe ich im Augenblick nicht mehr zu bieten.

Viel kannst du aus meinem Kommentar wohl nicht heraus holen ... Wenn du wüsstest. Danke für das Wenige, das du im Augenblick zu bieten hast und das so sehr viel mehr ist, als dir bewusst ist ;)

Liebe Grüße!

 
Seniors
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21.12.2015
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Liebe @Lani ,
Vergesslichkeit ist auch eine Gebrechlichkeit des Alters. Leider:cry: Hier hat sie aber was Gutes. Bei den „Engelstrompeten“ dämmerte mir, dass da etwas mit „Engelmacherinnen“ angedacht war. Deine Geschichte von 2018 gefällt mir immer noch sehr gut. Schön, dass du wieder im Forum bist. Und die Idee, eineAbtreibungsgeschichte zu schreiben, ist sicher ambitioniert. Dir traue ich sie auf jedenfalls zu:thumbsup:

Liebe Grüße
wieselmaus

 
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Ein bisschen möchte ich auch ehrfürchtig in meiner Couch versinken, weil ich denke, nein, das passt doch so gar nicht zu der Geschichte, die ich dort geschrieben habe, das erscheint mir zu ... groß, zu viel, ähnlich wie schon bei Friedrichards Kommentar. Aber gleichzeitig freut es mich total, dass solche Gedanken bei dir angestoßen werden und dass du in der Lage bist, die so in Worte zu fassen
Hi @Lani

Nur kurz:
Ja, das darfst Du auch. Und ich als Leser freue mich Dir neue Seiten deiner Geschichte aufzuzeigen. So haben wir beide eine Freude...hehehe

lass es Dir gut gehen!
Auf ein bald und viele schöne Sternchen in einer bewölkten Nacht.

G.

 
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Ich habe geraucht und wieder aufgehört und dann wieder angefangen, siebenundzwanzig Mal, und dann wieder aufgehört, mit dem Zählen.
darauf Ich:

Komma 2 & 3 weg

Darauf, Du,

liebe @Lani:

Hier bin ich nicht ganz überzeugt, um ehrlich zu sein. Aus grammatikalischer Sicht schon, beim zweiten Komma vor allem, aber das sitzt da auch nicht aus Grammatikgründen. Ohne das Komma ginge der "Witz" verloren (ob der jetzt gut ist, sei mal dahingestellt, aber er ist).
Hm, kenn ich von Theaterleuten und Kleist, der ja eher dem Theater zuneigte als der schlichten Prosa, Kommas als Regieanwiesung zu verwenden.

Aber wofür und -zu gibt es denn Gedankenstriche - die Bezeichnungen wie halbgeviert-Strich u. a. halte ich für eine Verballhornung kurzsichtiger Leute und den Sieg der Geometrie über die Belletristik, und ich bin - wenn man so will - in angewandter Mathematik ganz gut ... und schließlich kommt das Verb erzählen von der Zahl ...

Hm - was die Satzlänge betrifft so wäre das auch ein gutes Gedächtnistraining.

Schau mal hier rein
Einsatzgeschichte

Auf jeden Fall bin ich neugierig auf Dein nächstes Werk, denn wir Poet(inn)en müssen zusammenhalten ...

Tschüss

Friedel

 
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@wieselmaus

Und die Idee, eine Abtreibungsgeschichte zu schreiben, ist sicher ambitioniert. Dir traue ich sie auf jedenfalls zu

Zumindest eine von uns beiden, die mir das zutraut - ich gehe jetzt schon vorläufig auf Zehenspitzen, wenn ich an all die Tretminen denke, die da schlummern ;) Aber wer weiß ...

@G. Husch

Ja, das darfst Du auch. Und ich als Leser freue mich Dir neue Seiten deiner Geschichte aufzuzeigen. So haben wir beide eine Freude...

Wohl wahr :thumbsup:

@Friedrichard

Aber wofür und -zu gibt es denn Gedankenstriche

Mensch, da sagst du was, da war ja was ... Nehm ich. Danke für die erneute Rückmeldung :)

Liebe Grüße!

 
Wortkrieger-Globals
Wortkrieger-Team
Monster-WG
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Hallo Lani

Der erste Absatz hat mich voll reingezogen, ich mag den Stil, den Aufbau, die Länge, das ist alles so stimmig. Auch das Spiel mit den Gegensätzen, sehr schön gemacht.

Wurden ja bereits viele schöne Stellen zitiert, deshalb hier nur meine Stolpersteine:

Kurz will ich widersprechen und erwidern, dass mein Onkel ganz genau wusste, wann Schluss war, nämlich dann, als er sich nach fast zwanzig Jahren Alkoholikerdasein dazu entschlossen hatte, eine Zweitkarriere als Tablettenjunkie anzustreben, lasse dann aber auch das lieber bleiben, um keinen vierten Schlaganfall zu provozieren.
Ich kann dir nicht mal sagen, warum, aber das riss mich aus dem Lesefluss, fühlte sich an wie Kaugummi. Ist der Satz etwa zu lang? Ist die Information nicht gleich erfassbar? Ich weiss es nicht. Möglicherweise war es auch die Erwartungshaltung, dass der Onkel eben wusste wann Schluss war und sozusagen Schluss gemacht hatte. Also so was wie:
"... dazu entschlossen hatte, sich ne ganze Packung Tabletten einzuwerfen, lasse dann aber ..."

Stattdessen frage ich: „Sag mal, hast du heute schon was getrunken?“
„Ihr immer mit eurem Trinken. Ja, hab ich, ich bin alt genug, um …“
Hier musste ich an Alk denken und nicht an Wasser/Dehydrierungsangst. Vielleicht nur mein Problem des Leseverstehens, andererseits "hast du heute schon dein Glas Wasser getrunken" würde es auch der olle dot schnallen. Muha.

und so verkrieche ich mich lieber ungewaschen auf der Couch und lade mir zum siebenundzwanzigtausendsten Mal Tinder aufs Handy.
für mich to much. Eine kleinere Zahl tuts auch :D

Danke für dieses Lesevergnügen, hast mich gut unterhalten,
Gruss dot

 
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25.05.2018
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115

Hallo @dotslash,

Der erste Absatz hat mich voll reingezogen, ich mag den Stil, den Aufbau, die Länge, das ist alles so stimmig. Auch das Spiel mit den Gegensätzen, sehr schön gemacht.

Schön, so etwas zu lesen :)

Ich kann dir nicht mal sagen, warum, aber das riss mich aus dem Lesefluss, fühlte sich an wie Kaugummi. Ist der Satz etwa zu lang? Ist die Information nicht gleich erfassbar? Ich weiss es nicht. Möglicherweise war es auch die Erwartungshaltung, dass der Onkel eben wusste wann Schluss war und sozusagen Schluss gemacht hatte. Also so was wie:
"... dazu entschlossen hatte, sich ne ganze Packung Tabletten einzuwerfen, lasse dann aber ..."

Ja, ich sehe, was du meinst. Das sind schon sehr viele Einschübe und der von dir zitierte ist auch noch irgendwie ... hakelig. Auf Anhieb finde ich keine perfekte Lösung, ist aber markiert.

Hier musste ich an Alk denken und nicht an Wasser/Dehydrierungsangst. Vielleicht nur mein Problem des Leseverstehens, andererseits "hast du heute schon dein Glas Wasser getrunken" würde es auch der olle dot schnallen. Muha.

Naheliegende Assoziation :anstoss: Und ein guter Hinweis, den ich jetzt ausgebügelt habe.

für mich to much. Eine kleinere Zahl tuts auch :D

Tausend ist in Ordnung? ... Ja, doch, klingt besser.

Danke für dieses Lesevergnügen, hast mich gut unterhalten

Super, mehr kann ich mir gar nicht erhoffen. Danke für deinen Besuch, gar-nicht-so-sehr-oller dot :)

Liebe Grüße!

 

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