Was ist neu

Immer noch Alexander

AWM

Mitglied
Beitritt
26.03.2018
Beiträge
468
Zuletzt bearbeitet:

Immer noch Alexander

Ich bin Alexander und abends nach der Arbeit fahre ich mit dem Bus in die Stadt, um für das Wochenende zu trainieren.
Ich bleibe am mittleren Eingang stehen und greife mit der Rechten nach der Haltestange über mir. Der Ärmel meines Shirts rutscht herunter und ich spanne leicht den Bizeps an. Dann nehme ich mit der Linken die Persol von der Nase und mache mir ein Bild: Rechts sitzt eine Rothaarige in einem Zweier. Aber die ist mit der breiten Nase selbst mit viel gutem Willen nicht annähernd Hot Babe Material. Ich drehe den Kopf und bleibe beim Vierer vor mir hängen. Da sitzt ein älteres Ehepaar. Die Frau hat ihre fleckige Hand auf das Knie des Mannes gelegt, er schaut an ihr vorbei aus dem Fenster. Ihnen gegenüber lehnt ein vielleicht 30-Jähriger mit dem Kopf an der Scheibe. Er trägt einen Filzhut mit Nadelstreifen, dessen Krempe am Glas abgeknickt ist. Er hat so einen dünnen Bart, der fast nur am Hals wuchert und liest in einem Buch. Auf dem Cover ist das Gesicht von Arnold Schwarzenegger abgebildet:
Total Recall – Die totale Erinnerung.
Auch solche Leben sind möglich, denke ich und kurz schießt mir Säure die Speiseröhre herauf.

Und dann entdecke ich mein Target. Auf der Rückbank. Sie trägt einen beigen Trenchcoat. Doppelreihig. Könnte Givenchy sein. Dazu Blue Jeans. Used Look. Weiße Common Projects Sneaker. Sie hat den Trenchcoat nicht zugeknöpft; nur gebunden. Der Gürtel macht vielleicht eine Taille und drückt die Brüste nach oben – olala. Das ist wirklich hervorragend mit diesem Gürtel. Ich lasse die Haltestange los und gehe ein paar Schritte den Gang hinunter, um ihr Gesicht zu checken. Ich komme ins Wanken, weil der Bus eine Kurve fährt, aber kann mich fangen, bevor es peinlich wird. Ich stelle mich also relativ breitbeinig in den Gang. Mache mich groß. Zeige Präsenz. Magnetic Eyes. Aber ich bin noch nicht auf ihrem Radar: Sie schaut weiter aus dem Fenster. Augen tannengrün. Hohe Wangenknochen, Schmollmund. Sie hat so eine „helle“ Grundschönheit, die ich schon oft gesehen habe und auf diese Grundschönheit hat man noch das Quäntchen extra gelegt, das sie zu etwas Besonderem macht.
Kurz: zu einem High Class Hot Babe.

Ich nehme den Handspiegel aus der Bum Bag von C.P. Company und prüfe, ob das Puder auf der Stirn noch deckt. Ich habe da so einen lästigen Pigment-Fleck. Den habe ich schon immer. Kommt nur in so alternativen Läden gut an. Eine hat mal gesagt, das mache mich interessant.
Wie ich da so nachdenke und die Stirn begutachte, dröhnt ein Lied durch den Bus: „Oh no, oh no, oh no no no no.“
Im Vierer vor der HCHB sitzen junge Männer. Solche mit Seiten auf null und gefälschten Bauchtaschen von Gucci quer über den drahtigen Körpern. Der eine zeigt den anderen etwas auf dem Smartphone. Die Jungs lachen und schlagen mit den flachen Händen auf die Oberschenkel.
Die werden mir dazwischenfunken.
Kurz: Ein Set, das viel abverlangt. Ein Approach unter Social Pressure.

Und jetzt passiert es. Mein Inner Game sackt ab. Mein Inner Game, das ich die vergangenen Monate mühsam auf Level gebracht habe. Ich bekomme die Krise, echt: Die Haut an den Achseln klebt vom Schweiß. Die Kopfhaut juckt.
Ich puste dreimal kräftig in die offene Faust, achte auf die Luft, die zwischen den Fingern hindurchströmt und schließe die Augen. Ich atme jetzt mit dem Bauch und nicht mit der Brust und stelle mir vor, wie ein Meteorit im Weltall an Planeten vorbeirast und einer davon – ein verhältnismäßig kleiner - ist die Erde. Und ich weiß, dass er noch unendlich lange unterwegs sein wird. Und wenn er am Ende des Weltalls angekommen ist, ist er am Anfang. Das Weltall könnte durchaus eine Kugel sein. Das hat mich schon fasziniert, als ich noch in der Schule war. Das hat mir geholfen.
Ich öffne die Augen und betrachte die Brüste der HCHB. Und ich kann mir wieder ihre Funktion bewusst machen: einzig und allein, ein Kind zu säugen. Ganz egal wie „erhaben“ schön. Da ist nichts Erhabenes mehr, wenn ich einsahne.
Und als ich zu den Jungs schaue, kann ich mir auch wieder bewusst machen, dass es völlig egal ist, ob sie einen Spruch drücken. Nichts zählt. Wir sind Tiere. Ich bin Alpha. Ich bin Alexander.
Ich setze mein Alphalächeln auf und approache.

Ich setze mich neben die HCHB und lasse einen Platz zwischen uns frei. Not needy. Dann lege ich das rechte Bein auf den linken Oberschenkel und präsentiere meine Tassel Loafer von Angelo Baque. Ein bisschen peacocken. Aber sie springt nicht an. Schaut immer noch aus dem Fenster. Also nehme ich den Fuß wieder runter und streife mit dem Zeigefinger fast unmerklich über ihre Schulter. Sie zuckt, dreht sich zu mir. Alphalächeln.
„Keine Angst“, sagen meine Augen.
„Steht dir wahnsinnig gut“, sage ich.
Positiver Ausschlag. Sie hebt verwundert die Augenbrauen. „Schwarz würde dir noch besser stehen.“ Negativer Ausschlag. Ich grinse. Balanced. Sie lässt die Schultern sinken, bläst Luft durch die Zähne.
Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass sich die Jungs umdrehen. Einer hält die Faust vor die Lippen und sagt: „Sheeesh.“
Die anderen lachen. Ich spüre, wie mir hinten ein Schweißtropfen den Hals herabläuft. Ich lege den Kopf in den Nacken. Er saugt sich in den Shirt-Kragen.
„Kennen wir uns?“, sagt die HCHB.
Lamer Bitchshield in jedem Fall. Aber sie sagt das in so einem komischen Ton, dass es durchgeht. Ich schürze die Lippen und schüttele betont langsam den Kopf.
„Denk mal an die Zeit, die wir verpasst haben.“ Ich grinse. Sie sagt nichts, wendet sich ab. Einer der Jungs richtet ein Smartphone auf mich.
„Ich kann dir die Stadt zeigen. Ich kenne Salzburg gut. Ich bin quasi Salzburg. Mehr musst du nicht erlebt haben.“ Ich greife mir mit Daumen und Zeigefinger an die Nasenspitze, lege den Kopf schräg und mein Alphalachen auf.
„Danke“, sagt sie. Ihre Mimik zeigt nicht den geringsten Indicator of Interest. Draußen zieht das Hotel Sacher vorbei. Langsam bekomme ich Schiss, das Set zu burnen. Ich lasse mich in den Sitz zurückfallen und swipe ein bisschen über die Webseite der „Zeit“, bevor ich auf schlechte Gedanken komme. Ich rede mir ein, dass ich die HCHB freeze. Ignoranz als Strafe für Desinteresse. Konditionierung. Ich lüge mich an.

Etwas trifft mich am Augenlid. Eine Kugel aus Kaugummi-Papier fällt in meinen Schoß. Die Jungs lachen. Sie filmen immer noch. Ich fange an zu schwitzen. Ich meine, richtig zu schwitzen. Der Schweiß beißt in den Achselhöhlen, juckt in den Haaren und rinnt in die Augenbrauen. Ich wische mit dem Handrücken über die Stirn. Kein gutes Signalling, klar. Aber besser als tränende Augen. Die Hand putze ich am Hosenbein ab und hinterlasse einen fetten Fleck von dem blöden Puder. Wieder versuche ich, mit dem Bauch und nicht mit der Brust zu atmen. Aber es gelingt mir nicht. Angriff.
Ich sage zu ihr: „Ich meine …“
Sie streckt mir die Handfläche entgegen, dreht sich zu mir: „Setzen Sie sich bitte woanders …“ Sie kneift die Augen zusammen und starrt auf meine Stirn. „Alexander? Aus der 10c." Ein ungläubiges, kurzes Lachen.
Ich stehe auf, setze einen Fuß in den Gang. Den anderen. Der Bus bremst. Ich falle. Kopf gegen den Schoß eines der Typen. Dann auf den Boden. Ihr Lachen überlagert sich, wird zu Gebrüll. Tiere. Sie stampfen mit den Solen ihrer Air Force One Sneaker auf den Boden. Ein scharfer Schmerz hängt unter meiner Schädeldecke. Kathrin steht über mir. Sie hat so ein mildes Lächeln aufgesetzt und streckt mir die Hand entgegen. Und in dem Moment sage ich irgendwie „Fotze“.
Ich bin Alexander. Immer noch.

 
Wortkrieger-Team
Seniors
Beitritt
31.01.2016
Beiträge
2.014

Hej @AWM ,

ich habe seit der Geschichte eines jungen Mannes, der sich mit seiner Mutter im Kino einen Film über einen transexuellen Mann ansieht, bzw. über dessen Umwandlungsprozess, leider all deine Geschichten verpasst, aber das Erstaunliche ist, dass sich „So Jemand“ und „Immer noch Alexander“ in meinem Kopf ähnlich anhört.

Es ist eine leise Hoffnung und das laute Sich-Verstellen, glaub ich, ein Ton, der aufmerksam macht, auch weil beide Protagonisten so genau hinsehen, wenig kommunizieren, aber reflektieren und beide scheitern in ähnlicher Weise. Der erste an der Beziehung mit seiner Mutter, der zweite an seinem eigenen Bild von sich.

Du machst das hier sehr spannend und geschickt. Vom ersten Satz an bekomme ich den Eindruck, dieser Alexander ist ein Produkt seines Selbst. Er betrachtet sich von außen und will kontrollieren, vor allem sich. Ein Kunstprodukt, äußerlich und in der Sprache. Dass etwas nicht stimmt zeigst du im unkontrolliertem Schwitzen. Er beginnt zu schwanken, zu fallen und zu stürzen, um an Ende die antrainierte Figur zu verlieren und als junger Mann ohne Maske am Boden zu liegen. Du baust in inmitten von ähnlichen Kunstfiguren auf, dort probieren sie sich aus, verstecken sich hinter Kleidung und Sprache.

Blöd von mir, das jetzt alles zu wiederholen, was du so stimmig dargestellt hast, aber ich habe mir damit geholfen, das zu erfassen, was du komponiert hast.

Entschuldige bitte, denn ich will im Grunde nur sagen, wie gerne ich diese Szene gelesen habe, wie oft ich diese Menschen gesehen und versucht habe zu erraten, wer sie wohl sind, wenn sie abends, müde vom Tag im Bett liegen. Jemand wie Alexander eben. Man findet sie in vielen Altersklassen und Temperamenten. Und ich habe nicht erst Mitgefühl mit Alexander als enttarnt wird, sondern von Anfang an.

Vielen Dank für diese Geschichte und ein freundlicher Gruß.

Kanji

 
Mitglied
Beitritt
21.03.2021
Beiträge
63

Moin @AWM,
und danke für deine Geschichte.

Ich finde sie sehr gekonnt geschrieben. Dir gelingt es, mit wenigen Wörtern unfassbar gute, klare Bilder entstehen zu lassen.

Im Vierer vor der HCHB sitzen junge Männer. Solche mit Seiten auf null und gefälschten Bauchtaschen von Gucci quer über den drahtigen Körpern.
Zum Beispiel solche. Ich habe die vier jungen Männer sofort vor Augen. Richtig gut.

Auch das Einflechten der vielen Markennamen hat sich beim Lesen total passend in der Story angefühlt, etwas, das ich bei anderen Storys eher als "zu viel" und "ja, ich habs verstanden" empfunden habe.

Das einzige, was mich öfter herausgerissen hat, waren die vielen eingestreuten englischen Begriffe. Nicht, weil ich sie nicht kenne (okay, Bitchshield war neu), sondern weil ich die pure Menge tatsächlich für eine Spur zu viel halte. Da wäre mMn weniger tatsächlich mehr gewesen.

Aber wie gesagt, sehr gerne gelesen.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und mit besten Grüßen
Seth

 
Mitglied
Beitritt
10.09.2016
Beiträge
699
Zuletzt bearbeitet:

Lieber @AWM ,

etwas Neues von dir. Sofort dabei :D

Sehr einfühlsam geschrieben. Ja. Es stellen sich einem richtig die Nackenhaare auf. Man schämt sich für Alexander, für seine Selbstgehirnwäsche. Er spricht quasi schon in einer anderen Sprache. Es riecht nach Moschus-Parfüm und billigen Hütchenspielertricks. Die Figur ist dir absolut gelungen. Ich bin auch bis zum Schluss super neugierig drangeblieben und gefolgt. Und deine Sprache ist wie immer crispy clean :-)
Was ich zu bedenken geben will, ist einerseits das Problem, dass diese bare Auflistung von Begriffen und Psychotricks schon fast wieder etwas Anonymisierendes hat, um nicht zu sagen auch was Recherchiertes haben kann in der Fülle. Du machst das schon gut. So richtig, finde ich, spürt man die Konstruktion nicht. Es ist authentisch. Aber es ist auch sehr zugespitzt. Sehr typische, fast archetypische Attribute dieser Aufreißerzunft, die du ihm mitgibst. Das andere ist der klassische Bogen der Geschichte, dieser fatale zugespitzte Schluss, der im letzten Satz noch einmal gebrochen wird durch Alexanders Behauptung, trotz aller Wendungen noch immer derselbe zu sein. Als sei diese Szene an ihm vorbeigegangen. Es läuft dann schon alles sehr glatt: sie kennt ihn zufällig aus der Schule und er erhält seine gerechte Strafe (ich glaube Lajos Egri oder sein Verehrer Frey haben das immer so gefordert). Am Ende trampeln die Kids mit ihren Sneakern, vielleicht auch Symbolträger einer neuen Zeit, sinnbildlich über ihn hinweg. Das ist schon ganz schön dick. Es fühlt sich auch richtig an, dieses Bild von der Komposition des ganzen. Aber moralisch ist es schon sehr deutlich, da hilft dann die Brechung am Ende auch nicht viel.
Ich würde diese griechisch tragödienhafte Wendung, um es mal überspitzt zu sagen, dass sie ihn dann auch noch erkennt und daraus seine Scham erwächst, gerade das würde ich rausnehmen. Das könnte etwas viel Intimeres sein. Etwas das nur bei ihm abgeht, das diesen Reveal überhaupt nicht braucht. Denn tatsächlich braucht es ihn nicht. Denn er ist unverändert, nur das Bild, dass man von ihm hat als Leser ist am Schluss ein anderes. Das kriegst du auch hin, wenn sie ihm einfach eine Abfuhr gibt. Ein bescheideneres Bild.


Auch so ein Leben ist möglich,

hehe

Kommt nur in so alternativen Läden gut an

:-)

Brocken fallen an herab

da fehlt was oder?

Und in dem Moment sage ich irgendwie „Fotze“.

:-)

Viele Grüße
Carlo

 
Monster-WG
Beitritt
10.07.2019
Beiträge
233

Hallo @AWM,

Alexander ist definiert. Werte: Realität, Wille, Kontrolle, jetzt bitte Englisch: Power. Reality. Social Control. Dein Mind nur so stark wie dein Wille. Mann-Sein. Und: Show-Stage. Ich bin auf einer Bühne und zeige der Welt, wie ich das geschafft habe.

Was mir an deinem Text sehr gut gefällt, ist die spezielle, unnatürliche Sprache, der sich Alexander bedienen muss. Wörter wie "HCHB", "Social pressure". Seine Sprache könnte vielleicht "militärischer" sein, schnörkelloser, kurzer Satz, technischer. Es ist ein Text - jetzt spinne ich ein bisschen - in dem der Punkt als Satzzeichen sehr wichtig wird (jetzt lache ich über mich selbst). Aber hier endet mit einem Punkt kein Gedankengang, sondern eine Ziellerreichung. Gedanke öffnen. Sprechen. Abschließen. Wer Punkte setzt, hat Macht und Kontrolle. Ich laufe zur Wand. Ich stehe vor der Wand. Definiertes Maurerhandwerk. Höhe zwei Meter zehn. Breite: Unendlich. Er denkt seriell. Er assoziiert nicht, Phantasie bedeutet Umweg und Umwege sind Zweckentfremdung.

Er scheint Kontrolle zu suchen, Kontrolle zu wollen, bleibt aber einem recht starren Mann-Frau-Denken verhaftet. Mich hat gewundert, dass er nicht gelegentlich in der Du-Perspektive spricht. "Du brauchst das. Du musst die Situation analysieren. Den Social Pressure catchen." Quasi zu einem imaginärem Publikum. Er überwacht sich ja selbst. Sein Verhalten, seine Reaktionen, die der Fahrgäste. Er hofft, auf jede Verhaltensweise die perfekte selbstbewusst-vorspielende Antwort zu finden. Das bestätigt ihn. Vielleicht eine Form prekärer Männlichkeit, die sich permanent bestätigen muss. Das setzt ihn unter Druck. Eigentlich ein armer Kerl.

Für mich ist diese Stelle ungewöhnlich:

Ich puste dreimal kräftig in die offene Faust, achte auf die Luft, die zwischen den Fingern hindurchströmt und schließe die Augen. Ich atme jetzt mit dem Bauch und nicht mit der Brust und stelle mir vor, wie ein Meteorit im Weltall an Planeten vorbeirast und einer davon – ein verhältnismäßig kleiner - ist die Erde. Und ich weiß, dass er noch unendlich lange unterwegs sein wird. Und wenn er am Ende des Weltalls angekommen ist, ist er am Anfang. Das Weltall könnte durchaus eine Kugel sein. Das hat mich schon damals in der Schule fasziniert. Das hat mir geholfen.
Hier zeigt sich ein ganz anderer Alexander, einer, der eine phantasievolle Assoziation beginnt und sie fortführt. Du bedienst dich hier dem Weltall-Motiv. Ich finde, das Weltall-Motiv löst die Regeln, die Zielpunkte, die erreicht werden, die Kontrolle, der sich Alexander bedienen muss, vollkommen auf. Klingt für mich nach einem alten Alexander, einem vor-pubertären, irgendwie. Mehr Kind. Aber zum Ende holt ihn sein Mind-Set wieder ein. Da stelle ich als Leser die Frage: Warum? Was hat den Alexander dazu gebracht, sich dieser Sprache bedienen zu müssen?

Wenn ich deinen Text richtig gelesen habe, befindet sich Alexander in der 10. Klasse. Sollte er eine Real- oder Oberschule besuchen, stehen Abschlussprüfungen an. Die Suche nach einem Ausbildungsplatz und einer Lehrstelle. Oder simpel die Pubertät. Identitätsdiffusion. Das wären Motive.

High Class Hot Babe.
Dein Text ist einer über Männlichkeit/Weiblichkeit. Alexander beschreibt die Frauen als Material, als High Class Hot Babes. Ich denke, hier könntest du die englische "Fachsprache" (im Grunde ist es ja eine, der er sich bedient, oder?) brechen. Königin. Oder zu kitschig?
Sie stampfen mit den Solen ihrer Air Force One Sneaker auf den Boden. Ein scharfer Schmerz hängt unter meiner Schädeldecke. Kathrin steht über mir. Sie lacht nicht mehr. Hat so ein mildes Lächeln aufgesetzt. Sie streckt mir die Hand entgegen. Und in dem Moment sage ich irgendwie „Fotze“.
Das Ende. Hier lese ich eine schwere Niederlage für Alexanders Mind-Set. Seine Strategie ist gescheitert. Nur, wie sehr ist die gescheitert? Dein vorletzter Satz lautet "Ich bin Alexander". Der definierte? Oder ein anderer? Aufgeblasene Stärke ...

Ich bin mir des Endes unschlüssig. Ich habe eine kleine Befürchtung: Nach dem Lesen der Geschichte fühlt sich der Leser in seiner Abneigung gegen Alexanders Mind-Set (ich weiß wirklich nicht, wie ich es anders bezeichnen könnte) bestätigt. Vielleicht ein Ende, das auf Schadenfreude abzielt. Auf der Ebene des Reptiliengehirns: Guck' mal, wie dumm der eigentlich ist. Wie bescheuert. Wie lächerlich. Sein ganzes "High Class Babe"-Gehampel. Und jetzt reflektiert das Reptiliengehirn: Aber ich bin aufgeklärt. Ich bin ein respektvoller Mensch. Ich habe sogar Abitur. Und sehe mich als humanistischer Mensch bezüglich Gleichberechtigung.

Okay, AWM, hier bediene ich mir Stereotypen. Ich weiß es. Ich denke aber, dass dein schöner Text eine zweifelnden, phantasievolleren Alexander auch zeigen könnte. Vielleicht braucht es der Lektion am Ende gar nicht. Vielleicht ist das kein Text, der auf etwas zuspitzen muss. Sondern der seine Spannung aus der Unsicherheit Alexanders zieht. In was für einer Familie lebt er? Sind die Frauen wirklich nur "material" oder hat er auch Respekt gegenüber Menschen, die ihr Leben in die Hand nehmen? Will er für eine Frau da sein? Will er für sie sorgen, will er Familie, will er Haus und Garten, vermischen sich prekäre Männlichkeit und Fürsorge? Wie reagiert er auf eine selbstbewusste Frau? Ist sein Geschlechterbild wirklich so veraltet (nur in moderner Sprache?)?

Lieber @AWM, der Kommentar klingt kritischer, als er ist. Ich habe deinen Text sehr gerne gelesen. Nimm', was du aus den wirren Gedanken gebrauchen kannst.

Lg
kiroly :-)

 
Beitritt
03.10.2020
Beiträge
58
Zuletzt bearbeitet:

Hallo @AWM

Nicht mein Genre, aber hey, das lässt sich so flott lesen, da habe ich nur kurz draufgeklickt und dann hast Du mich einfach mal so durch den Text gezogen. Ich musste als erstes – vor allem aufgrund der Ausdrücke – sofort an diese "Pick-up Artists" denken ... Ich kenne diese Gattung Mensch zum Glück nicht näher, habe mich aber mal kurz mit der Szene befasst (rein aus Interesse, nicht weil ich von denen irgendwelche "Tricks" lernen wollte, haha!) und kann mir deshalb sehr gut vorstellen, dass die genau so oder so ähnlich denken und handeln.

Bezüglich dem Thema Fashion hast Du paar schöne Markennamen untergebracht. Allerdings fällt Givenchy etwas aus der Reihe im Vergleich zum Rest. Das ist nochmal gehobener, zumindest was die Preisklasse anbelangt. Hättest auch auf die bekannteren "Klassiker" setzen können: Prada, Balenciaga, Saint Laurent, Tom Ford, Brunello Cucinelli etc. Das wäre imo konsequenter gewesen. Der Typ verbindet ja auch so zwei Charaktere ineinander, also PUA und dann ist er auch noch "Fashion-Opfer". Ich glaube, bei den PUAs geht es nicht hauptsächlich um Mode, sondern neben dem ganzen Alpha-Gehabe einfach auch darum gut auszusehen, das müssen dann ja nicht zwangsläufig überteuerte Markenklamotten sein, auch wenn eine Verbindung bzw. Überschneidung bei diesen Charakteren wohl naheliegt.

Ich bin Alexander. Und abends nach der Arbeit fahre ich mit dem Bus in die Stadt, um für das Wochenende zu trainieren.
Ich habe mich gefragt, wieso das nicht ein Satz ist. Wäre als Einleitung doch auch prima, so klingt es für mich wegen dem "Und" etwas zerhackt.

Kurz: Ein Set, das viel abverlangt. Ein Approach unter hoher Social Pressure.
Er muss noch Anfänger sein in diesem Game. Ein paar Jungs – scheinbar völlig ausserhalb der Liga dieser HCHB – verunsichern ihn schon bzw. geben ihm dermassen Pressure, das sein inner Game absackt?

Ich rede mir ein, dass ich die HCBC freeze.
Müsste HCHB lauten, oder habe ich was verpasst?

Sauber geschrieben, das auf jeden Fall. Wie schon gesagt, irgendwie wollte ich nur kurz reinklicken und dann ZACK BUMM! hatte ich den ganzen (wenn auch kurzen) Text gelesen. Also der kleine Einblick in Alexanders Welt gefällt mir ziemlich gut. Auch die Entwicklung deiner Figur: Am Anfang kommt er mir so als richtiger Aufreisser vor und diese Fassade bröckelt dann immer mehr, bekommt Risse, enthüllt sein wahres Ich, sein tatsächliches inner Game oder mehr sein inner Struggle. Auch seine Anmache bzw. sein Approach lässt mich vermuten, dass er eher noch Anfänger ist, ein "Professioneller" hätte das wohl anders gemacht, der hätte den Dialog mit dieser HCHB anders aufgezogen. "Steht dir wahnsinnig gut" scheint mir zu plump für einen Profi. Ich erwähne das, weil ich deinem Alexander zu Beginn den Profi wirklich abgekauft habe und dann überrascht war, dass er diesen Approach überhaupt nicht im Griff hat! Wenn ich es mir recht überlege, so im Nachhinein, revealst Du das ja eigentlich schon im zweiten Satz:

Und abends nach der Arbeit fahre ich mit dem Bus in die Stadt, um für das Wochenende zu trainieren.
Vielleicht könntest Du das umformulieren oder rausnehmen, um seinen Fall für mich als Leser noch höher zu gestalten? Vor allem auch, wenn Du das Ende etwas abschwächen würdest (siehe unten).

Dann sehr schön hier:

Und in dem Moment sage ich irgendwie „Fotze“.
Klingt nach einem kleinen, beleidigten Jungen :D

Das Ende finde ich etwas übertrieben (vor allem das er sich noch auf die Fresse legt), wie er da "erniedrigt" wird, eine ordentliche Abfuhr der HCHB hätte es wohl auch getan. Nicht das ich Mitleid hatte, irgendwo war da schon eine kleine Schadenfreude, aber das war mir einen Tick zu deftig (so im Sinne von, dass Du diese PUA-Szene / Fashion-Victims etwas zu sehr blossstellen wolltest). Die Reaktion der Jungs mit den gefälschten Gucci-Taschen finde ich ebenfalls etwas übertrieben, gibt es wirklich Leute, die so reagieren? Selbst wenn der Typ sich lächerlich macht? Grinst man sich da nicht einfach gegenseitig an und diskutiert vielleicht danach drüber, wenn man nicht mehr im Bus sitzt oder der Typ sich vom Acker gemacht hat? Die werfen ihm Kaugummipapier an die Rübe und nehmen ihre Smartphones hervor, um scheinbar seinen Untergang für Tiktok oder was auch immer festzuhalten... Die heutige Jugend, meine Güte! Wie dem auch sei, habe das irgendwie sehr gerne gelesen.

Mit luxuriösem Gruss,
DM

 

Bas

Mitglied
Beitritt
16.09.2018
Beiträge
216

Hallo @AWM,

vielleicht sortierst du gerade noch die bereits eingetrudelten Kommentaren für dich und bist gar nicht unglücklich, dass hier etwas Ruhe eingekehrt ist. Trotzdem würde ich dir gerne ein, zwei Gedanken dalassen, das ist nämlich für mein Verständnis ganz klar eine tolle Geschichte, die Aufmerksamkeit verdient hat.

Ich erinnere mich noch, dass vor Jahren auf ... ich glaube, MTV war das, dass da der "Pick-Up-Artist" lief. Und obwohl wir rückblickend betrachtet komplette Hohlroller waren, mitten in der Pubertät, fanden wir damals schon bekloppt, was da geredet wurde. Aus heutiger Sicht ist das wahrscheinlich noch viel bekloppter. Frauen sind zum Aufreißen da, Punkt.

Deshalb finde ich deinen psychologischen Ansatz hier auch echt spannend. Tatsächlich wäre mein "Pick-Up-Artist" wohl auch so ein Alexander geworden, wenn ich mich an einem probiert hätte, ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein in sich ruhender, mit der Welt im Reinen seiender Dude dieser "Szene" irgendetwas abgewinnen kann - aber hey, vielleicht irre ich mich auch, vielleicht kapiere ich es einfach nicht. Ich befürchte aber, dass dem nicht so ist.

Fast hätte ich mir deshalb ja auch einen nachvollziehbaren Alexander. Nicht den schwitzenden, offensichtlich komplexbehafteten Außenseiter-Alexander. Aber hey, er ist, wie er ist, und ich vermute, dass er auch nicht einfach nur Klischee ist, sondern dass es so Typen ehrlich gibt.

Ich öffne die Augen und betrachte die Brüste der HCHB. Und ich kann mir wieder ihre Funktion bewusst machen: einzig und allein, ein Kind zu säugen. Ganz egal wie „erhaben“ schön. Da ist nichts Erhabenes mehr, wenn ich einsahne.

Schrecklich. Aber gut veranschaulicht. Aber, ja, aber ... Auch ein bisschen einfach vielleicht. EIn bisschen einseitig. Ein bisschen zu sehr: Guck mal, was fürn'n Depp. Da bekomme ich den Eindruck, der Autor bedient zu sehr, was ich lesen möchte.

Sprachlich macht es wahnsinnig Spaß, den Text zu lesen, die Sätze knallen richtig, pamm-pamm, ich entdecke da kein Wort zu viel und keines zu wenig und vor allem der "Fachjargon" und auch die Markennamen fügen sich super ein und wirken auf mich genau richtig. Und auch die Komposition passt, keine Längen, gut auf den Punkt gebracht.

Daher: Sehr gerne gelesen, danke dafür!

Bas

 

AWM

Mitglied
Beitritt
26.03.2018
Beiträge
468

Hallo an alle und vielen Dank für eure Kommentare. Es hat mich sehr gefreut, dass sie insgesamt positiv sind. Zudem noch sorry, dass meine Antwort so lange gedauert hat. Da der Hauptkritikpunkt immer ähnlich ist, finde ich es einfacher, vorangestellt darauf einzugehen und mich erst danach den einzelnen Kommentaren zu widmen.
Die Stoßrichtung ist (in meinen Worten), dass ich eine moralische überdeutliche Botschaft sende, indem ich den PUA-Lifestyle von Alexander so scheitern lasse und ihn lächerlich mache – und dass das Ende zu dick aufgetragen ist.

Beides war nicht meine Absicht, aber ich kann verstehen, dass man das so lesen kann. Man lernt ja zunächst einmal eine Maske kennen in diesem Text, der ja auch noch recht kurz ist. Beides birgt die Gefahr, dass man Alexander eben als überzeichnetes PUA-Klischee liest – der stellvertretend für diese Szene steht – der dann sein „verdientes“ Ende erfährt. Mein Gedanke war aber, dass der Text mit einer großen Leerstelle arbeitet, die der Plot nicht erzählt. Der Alexander von früher vs. der Alexander mit seiner Maske von jetzt: Was ist mit ihm passiert, dass er sich dieses Gehabe aufgelegt hat und wie war er früher in der Schule? Darauf sollte schon das „Theme“ mit dem Nerd, der die totale Erinnerung liest hindeuten: Alexander erwartet in dieser Geschichte die totale Erinnerung, die ihn völlig aus dem Konzept wirft und ihn unsouverän werden lässt. Ganz deutlich sollte das werden, indem er am Ende „Fotze“ sagt.
Der Satz: Ich bin Alexander. Immer noch. Der ja die Klammer des Textes bildet, sollte dann doppeldeutig gemeint sein. Er kann gelesen werden als Mantra von Alexander, der sich nach dieser Niederlage trotzdem einredet, Alpha zu sein. Oder eben als: Er ist immer noch der Alexander von damals geblieben (der Nerd?, der Unsouveräne, über den die Mädchen lachen? etc.)

Zum überdeutlichen Ende:
Kathrin erkennt ihn ja endgültig anhand seines Pigmentfleckes auf der Stirn, den er freilegt, weil er sich Schweiß wegwischt. Das sollte auch schon vorbereitet werden, indem sie zuvor sagt „kennen wir uns?“ Das kann ja wiederum auch als so eine Floskel in dieser Situation gelesen werden oder eben nach der Lektüre des Textes als Andeutung, dass er ihr wirklich bekannt vorkommt. Ihr Lachen sollte dann eben auf diese krasse Veränderung von Alexander hindeuten. Ein Kontrast zu dem Alexander, den sie aus der Schule kennt, der für Kathrin so komisch ist, dass sie eben einfach lachen muss.
Wie die Jungs sich verhalten finde ich nicht übertrieben. Ich habe schon viel auf Busfahrten erlebt. Ich akzeptiere natürlich, dass man das übertrieben finden kann, aber gehe nicht näher auf diesen Punkt ein.
Was ich ändern werde: Ich denke, dass der Eindruck, dass das Ende dick aufgetragen ist, auch daher kommt, dass ich Alexanders Reaktion auf diese „totale Erinnerung“ durch dieses Bild erzähle, dass der Schweiß zu Salz wird und dann in Brocken herabfällt, Kleidung und Haut mit sich reißt. Das finde ich jetzt auch ein wenig drüber und auch überdeutlich in Bezug auf seine „Demaskierung“. Deshalb werde ich das herausnehmen.

Hallo @Kanji

das Erstaunliche ist, dass sich „So Jemand“ und „Immer noch Alexander“ in meinem Kopf ähnlich anhört.
Ja, das stimmt. Das war nicht mal beabsichtigt, aber jetzt, wo du es sagst, erkenne ich auch Parallelen. Wobei der Text durch die vielen englischen Begriffe auch viel mit "Roundworm" gemein hat.
das laute Sich-Verstellen
Das finde ich schön ausgedrückt
Du machst das hier sehr spannend und geschickt
Vielen Dank!
Und ich habe nicht erst Mitgefühl mit Alexander als enttarnt wird, sondern von Anfang an.
Das freut mich besonders. Ich wollte eben genau keinen Abziehbild Pick-Up-Artist haben und es ist schön, dass du das so gelesen hast-

Vielen Dank für deinen Kommentar und Gruß

Hallo @Seth Gecko

Das einzige, was mich öfter herausgerissen hat, waren die vielen eingestreuten englischen Begriffe. Nicht, weil ich sie nicht kenne (okay, Bitchshield war neu), sondern weil ich die pure Menge tatsächlich für eine Spur zu viel halte. Da wäre mMn weniger tatsächlich mehr gewesen.
Ja, ich finde das stimmt. Ich werde das ein wenig reduzieren. Ich glaube nicht, dass der Text dadurch verliert.
Hat mich gefreut, dass du vorbeigeschaut hast und dir der Text gefallen hat.
Gruß!

Servus @Carlo Zwei
die meisten deiner Kritikpunkte beantworte ich, glaube ich, in der vorangestellten Antwort an alle. Deshalb nicht wundern, dass meine Antwort auf deinen Kommentar etwas kurz ausfällt.

Und deine Sprache ist wie immer crispy clean :-)
Danke :)
dass diese bare Auflistung von Begriffen und Psychotricks schon fast wieder etwas Anonymisierendes hat
Das verstehe ich schon. Dazu die vorangestellte Antwort an alle.
um nicht zu sagen auch was Recherchiertes haben kann in der Fülle
Das hier überzeugt mich aber. Ich werde das ein bisschen reduzieren.

Das andere ist der klassische Bogen der Geschichte, dieser fatale zugespitzte Schluss, der im letzten Satz noch einmal gebrochen wird durch Alexanders Behauptung, trotz aller Wendungen noch immer derselbe zu sein.
Ich habe mich in letzter Zeit ziemlich viel mit Plot etc. beschäftigt und ich denke schon, dass man dem Text anmerkt, dass er ziemlich klassisch aufgebaut ist.
Diese Behauptung, immer noch derselbe zu sein, sollte dabei aber doppeldeutig gemeint sein. Der Text deutet ja schon früh an, was Alexander erwartet: die totale Erinnerung. Und die wirft ihn aus der Bahn. Da ist eine Leerstelle zwischen dem Alexander aus der Schulzeit und dem Pick up Alexander im Bus. Er beobachtet einen Nerd, der dieses Buch liest.
da fehlt was oder?
geändert

Vielen Dank für deine Kommentar Carlo. Hat mich sehr gefreut!

Hallo @kiroly
ich habe dir ja schon kurz nach deinem Kommentar eine Nachricht geschrieben. Auch bei dir glaube ich, dass das meiste in meiner vorangestellten Antwort an alle, beantwortet wird.

"Du brauchst das. Du musst die Situation analysieren. Den Social Pressure catchen." Quasi zu einem imaginärem Publikum. Er überwacht sich ja selbst. Sein Verhalten, seine Reaktionen, die der Fahrgäste.
Ja, das ist eine gute Idee. Ich kann da nur als Antwort drauf sagen, dass ich so eine Publikumsansprache persönlich nicht so gerne mag. Aber du hast da einen guten Punkt.
Ich finde, das Weltall-Motiv löst die Regeln, die Zielpunkte, die erreicht werden, die Kontrolle, der sich Alexander bedienen muss, vollkommen auf. Klingt für mich nach einem alten Alexander, einem vor-pubertären, irgendwie. Mehr Kind. Aber zum Ende holt ihn sein Mind-Set wieder ein. Da stelle ich als Leser die Frage: Warum? Was hat den Alexander dazu gebracht, sich dieser Sprache bedienen zu müssen?
Da schimmert für mich der alte Schulzeit-Alexander durch und vereint sich ein wenig mit dem Neuen. Der alte, der vielleicht ein wenig nerdig, verträumt, kindlich etc war (wie ich ihn mir zumindest vorstelle) und der PUA-Alexander, der solche Methoden nutzt, um Selbstbewusstsein zu tanken, indem er sich deutlich macht, dass nichts wirklich zählt.

Ich denke, hier könntest du die englische "Fachsprache" (im Grunde ist es ja eine, der er sich bedient, oder?) brechen. Königin. Oder zu kitschig?
Ne. Die Fachsprache soll schon so bleiben. Aber ich werde es ein bisschen reduzieren, damit der Text mehr atmen kann zwischen diesen Begriffen.

Ich bin mir des Endes unschlüssig. Ich habe eine kleine Befürchtung: Nach dem Lesen der Geschichte fühlt sich der Leser in seiner Abneigung gegen Alexanders Mind-Set (ich weiß wirklich nicht, wie ich es anders bezeichnen könnte) bestätigt. Vielleicht ein Ende, das auf Schadenfreude abzielt. Auf der Ebene des Reptiliengehirns: Guck' mal, wie dumm der eigentlich ist. Wie bescheuert. Wie lächerlich. Sein ganzes "High Class Babe"-Gehampel. Und jetzt reflektiert das Reptiliengehirn: Aber ich bin aufgeklärt. Ich bin ein respektvoller Mensch. Ich habe sogar Abitur. Und sehe mich als humanistischer Mensch bezüglich Gleichberechtigung.
Ja, auch dazu die vorangestellte Antwort.
Ist sein Geschlechterbild wirklich so veraltet (nur in moderner Sprache?)?
Ich finde das nicht veraltet. Ein veraltetes Geschlechterbild schätzt ja die Frau in ihrer traditionell zugeteilten Rolle. Alexanders Geschlechterbild ist eher nihilistisch für mich.

Vielen Dank für deinen Kommentar und Gruß!

Hallo @DissoziativesMedium

(rein aus Interesse, nicht weil ich von denen irgendwelche "Tricks" lernen wollte, haha!)
Ja, klar ;)
Allerdings fällt Givenchy etwas aus der Reihe im Vergleich zum Rest. Das ist nochmal gehobener, zumindest was die Preisklasse anbelangt.
Danke erstmal, dass dir der Einbau der Marken grundsätzlich gefallen hat. Sowas ist ja auch immer eine Gratwanderung. Bei Givenchy sehe ich nicht so das Problem. Trenchcoats sind generell nicht billig von solchen Marken. Givenchy kriegt man aber auch einen ab 1600 ca.
Ich glaube, bei den PUAs geht es nicht hauptsächlich um Mode, sondern neben dem ganzen Alpha-Gehabe einfach auch darum gut auszusehen, das müssen dann ja nicht zwangsläufig überteuerte Markenklamotten sein, auch wenn eine Verbindung bzw. Überschneidung bei diesen Charakteren wohl naheliegt.
Ja, das stimmt. Vielleicht ist der Fokus da etwas zu stark.
Ich habe mich gefragt, wieso das nicht ein Satz ist. Wäre als Einleitung doch auch prima, so klingt es für mich wegen dem "Und" etwas zerhackt.
Ja, habe ich eigentlich nur gemacht, damit ich die Klammer des Textes schöner habe.

Müsste HCHB lauten, oder habe ich was verpasst?
geändert
Steht dir wahnsinnig gut" scheint mir zu plump für einen Profi. Ich erwähne das, weil ich deinem Alexander zu Beginn den Profi wirklich abgekauft habe und dann überrascht war, dass er diesen Approach überhaupt nicht im Griff hat!
Ja, er ist kein Vollprofi. Was nicht heißt, dass er keine Erfolge hat. Aber das ist eben so ein PUA-Klassiker. Kompliment machen. Dann was leicht negatives. Immer abwechselnd. Dann bleibt man der Frau maximal in Erinnerung. Wenn man nur Komplimente macht, erscheint man unterwürfig. Bei nur Negativem findet sie einen unsympathisch. Und keine Ausschläge nach oben oder unten bedeuten Langeweile
Klingt nach einem kleinen, beleidigten Jungen
Nach dem Alexander aus der Schulzeit :)
Das Ende finde ich etwas übertrieben (vor allem das er sich noch auf die Fresse legt), wie er da "erniedrigt" wird, eine ordentliche Abfuhr der HCHB hätte es wohl auch getan.
Dazu auch die vorangestellte Antwort.
(so im Sinne von, dass Du diese PUA-Szene / Fashion-Victims etwas zu sehr blossstellen wolltest).
Auch dazu

Vielen Dank für deinen Kommentar. Hat mich sehr gefreut!

Hallo @Bas

vielleicht sortierst du gerade noch die bereits eingetrudelten Kommentaren für dich und bist gar nicht unglücklich, dass hier etwas Ruhe eingekehrt ist
Hatte zuerst keine Zeit. Dann war ich krank von der blöden Impfung :D
mit der Welt im Reinen seiender Dude dieser "Szene" irgendetwas abgewinnen kann - aber hey, vielleicht irre ich mich auch, vielleicht kapiere ich es einfach nicht. Ich befürchte aber, dass dem nicht so ist.
Denke ich mir auch.
Schrecklich. Aber gut veranschaulicht. Aber, ja, aber ... Auch ein bisschen einfach vielleicht. EIn bisschen einseitig. Ein bisschen zu sehr: Guck mal, was fürn'n Depp. Da bekomme ich den Eindruck, der Autor bedient zu sehr, was ich lesen möchte.
Ja, das ist eben das Problem des Textes. Dazu die vorangestellte Antwort. Ich weiß aber gerade auch nicht, wie ich es anders machen kann und dabei das beibehalte, was ich mit dem Text vorhatte.
Sprachlich macht es wahnsinnig Spaß, den Text zu lesen, die Sätze knallen richtig, pamm-pamm, ich entdecke da kein Wort zu viel und keines zu wenig und vor allem der "Fachjargon" und auch die Markennamen fügen sich super ein und wirken auf mich genau richtig. Und auch die Komposition passt, keine Längen, gut auf den Punkt gebracht.
Vielen Dank! Habe mich sehr über deinen Kommentar gefreut.

 
Mitglied
Beitritt
10.09.2016
Beiträge
699

Hey @AWM ,

gut, dass du dir Zeit gelassen hast. Klingt nach produktiver Textarbeit.

Was ich ändern werde: Ich denke, dass der Eindruck, dass das Ende dick aufgetragen ist, auch daher kommt, dass ich Alexanders Reaktion auf diese „totale Erinnerung“ durch dieses Bild erzähle, dass der Schweiß zu Salz wird und dann in Brocken herabfällt, Kleidung und Haut mit sich reißt. Das finde ich jetzt auch ein wenig drüber und auch überdeutlich in Bezug auf seine „Demaskierung“. Deshalb werde ich das herausnehmen.

Mach das. Vielleicht wird diese Sache mit der totalen Erinnerung dadurch sogar noch deutlicher. Eben weil es dann zum Ende nicht nochmal so ein Schwergewicht gibt, das alle Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Diese Behauptung, immer noch derselbe zu sein, sollte dabei aber doppeldeutig gemeint sein.

Das verstehe ich jetzt. Ich finde das auch gut und denke, dass das nach deinen Modifikationen des Textes noch mehr Wirkung haben dürfte.

Viele Grüße

 
Seniors
Beitritt
02.01.2011
Beiträge
888
Zuletzt bearbeitet:

Moin @AWM!

Ich bin Alexander. Und abends nach der Arbeit fahre ich mit dem Bus in die Stadt, um für das Wochenende zu trainieren.
Ich würde den Anfang kürzen zu: Abends nach der Arbeit fahre ich mit dem Bus in die Stadt, um für das Wochenende zu trainieren. (weiter unten hab ich mehr dazu geschrieben)

Im Vierer vor der HCHB sitzen junge Männer. Solche mit Seiten auf null und gefälschten Bauchtaschen von Gucci quer über den drahtigen Körpern.
Starke Beschreibung

Ich bin Alexander. Und das bleibe ich.
Den letzten Satz würde ich kicken. Mir ist das etwas drüber und ich finde, der erste Satz "Ich bin Alexander" drückt das, was du im zweiten sagen möchtest, bereits aus: So ein Push, UH, ich bin der GRÖSSTE - wenn ich danach im Kopf denken würde: Und das bleibe ich, würde mich das eher runterziehen, weil da schon wieder die Möglichkeit implementiert ist, dass ich doch nicht der Größte bin, dass das einfallen kann und ich doch nur eine Wurst sein könnte. Also weniger ist hier für mich mehr, man bekommt den Vibe mit, wenn er nur den ersten Satz sagt, my opinion

Ich setze mein Alphalächeln auf und approache.
geil

manspreade
Ist das wirklich ein Begriff aus der Pick-up-Szene? :D Ich denke an diese geile funk-Doku über feministische Jeans ...

Hat so ein mildes Lächeln aufgesetzt. Sie streckt mir die Hand entgegen. Und in dem Moment sage ich irgendwie „Fotze“.
Gutes Ende

Ich bin Alexander. Immer noch.
Ah, ich bin kein Fan dieses Endes bzw. Satzes, auch der Klammer, dass der Satz am Anfang einführt und am Ende abschließt. Ich hab jetzt lange darüber nachgedacht, was mich daran stört. Ich glaube, dass dieser Satz im Endeffekt redundant ist. Also, du zeigst in der Geschichte, auch mit der Pointe am Ende, dass Alex stürzt, dass dein Prot immer noch der Alexander ist, der er in der Schule war: unsicher, Minderwertigkeitskomplex, so lese ich das aus dem Text, der Junge scheint ja in ihm zu stecken und diesen Jungen verabscheut dein Prot und versucht sich auf äußerst ungesunder Art und Weise ein neues Ich überzustülpen, eine Maske, mit der er endlich das machen kann, was er natürlich immer wollte, und das ist natürlich möglichst heiße Bitches aufreißen.
Also, der Text zeigt mir das, man/ich verstehe das auch beim Lesen, und das dann am Ende noch auszuformulieren im zitierten Satz ist mir zu viel Holzhammer; da steckt mir auch zu viel Autor drin, den ich hinter dem Satz spüre, der mir noch mal zeigen möchte: Schau, Leser, Alexander ist immer noch der "Loser"-Alexander. Auch das, dass ich den Autor an dieser Stelle so stark spüre, gefällt mir an dem Satz nicht und an der Klammer von Anfangs- und Endsatz.

Ich bin Alexander. Und abends nach der Arbeit fahre ich mit dem Bus in die Stadt, um für das Wochenende zu trainieren.
Zum Anfangssatz noch mal: Ich weiß, dass man Ich bin Alexander auch als eine Art Affirmation lesen kann, als ein sich einreden, was für ein krasser Alexander dein Prot ist. Aber dadurch, dass man es gleichzeitig als "Hallo, mein Name ist Alexander, ich bin Alexander!" lesen kann, also in dieser sehr harmlosen und banalen Bedeutung, kommt der "Effekt", dass man hier eine Pick-Up-Affirmation liest, nicht so stark herüber. Du musst auch beachten, dass du an dieser Stelle im Text - im ersten Satz - als Leser noch nicht weißt, dass es sich hier um eine Story über einen Pick-Up-Artist handelt, zumindest möchte er das sein, also besteht die Gefahr, dass man diesen Satz als Banalität und nicht als Affirmation liest. Und in dieser "banalen Bedeutungslesart" finde ich den Satz nicht schön für den Anfang. Dass er Alexander ist, erfahren wir ja in der Story, auch, wer er ist. Also ich würde den zitierten Satz zu Abends nach der Arbeit fahre ich mit dem Bus in die Stadt, um für das Wochenende zu trainieren kürzen, dann hätte der Text für mich viel mehr Wucht.


Ich finde den Text an sich ausgezeichnet und ich hatte großen Spaß, ihn zu lesen. Ich finde, das ist eine Story, die man auch öfter lesen kann, auch, weil sie so kurz ist, und man entdeckt immer wieder neue Details. Ich glaube am Ende hast du bereits etwas gekürzt oder? In der aktuellen Fassung finde ich die Geschichte sehr stark, ich mag auch den Sog, den sie entwickelt, die Sprache und die Endszene, als sie ihn erkennt und er in den Vierer stolpert und alle ihn auslachen; das würde ich auf jeden Fall drin lassen.

Für mich eine starke Story, auch in ihrer Kürze, dem gut beschriebenen und nachvollziehbaren inneren Konflikt deines Prots und der Lebendigkeit der Figuren.


Beste Grüße
zigga

 

AWM

Mitglied
Beitritt
26.03.2018
Beiträge
468

Servus @zigga und vielen Dank für deinen Kommentar

Den letzten Satz würde ich kicken. Mir ist das etwas drüber und ich finde, der erste Satz "Ich bin Alexander" drückt das, was du im zweiten sagen möchtest, bereits aus: So ein Push, UH, ich bin der GRÖSSTE - wenn ich danach im Kopf denken würde: Und das bleibe ich, würde mich das eher runterziehen, weil da schon wieder die Möglichkeit implementiert ist, dass ich doch nicht der Größte bin, dass das einfallen kann und ich doch nur eine Wurst sein könnte. Also weniger ist hier für mich mehr, man bekommt den Vibe mit, wenn er nur den ersten Satz sagt, my opinion
Ja, da hast du mich überzeugt. Habe ich herausgenommen.
Ist das wirklich ein Begriff aus der Pick-up-Szene? :D Ich denke an diese geile funk-Doku über feministische Jeans ...
Ne, ist natürlich ein feministischer Begriff. Ich fand das an dieser Stelle ein bisschen ironisch von Alexander und diese Art zu sitzen, zeigt ja schon irgendwie männliche Dominanz. Daher dachte ich, das passt. Aber jetzt bin ich mir nicht mehr sicher. Alexander ist eher nicht so der ironische Typ :D Ich denke ich streiche das einfach.
Ah, ich bin kein Fan dieses Endes bzw. Satzes, auch der Klammer, dass der Satz am Anfang einführt und am Ende abschließt.

Also, der Text zeigt mir das, man/ich verstehe das auch beim Lesen, und das dann am Ende noch auszuformulieren im zitierten Satz ist mir zu viel Holzhammer; da steckt mir auch zu viel Autor drin, den ich hinter dem Satz spüre, der mir noch mal zeigen möchte: Schau, Leser, Alexander ist immer noch der "Loser"-Alexander. Auch das, dass ich den Autor an dieser Stelle so stark spüre, gefällt mir an dem Satz nicht und an der Klammer von Anfangs- und Endsatz.
Zu diesen beiden Anmerkungen: Ich verstehe das grundsätzlich und du hast auch gute Argumente. Ich finde, dass die Perspektive und auch Alexanders Charakter das "Ich spüre den Autor"-Argument aber etwas abschwächt. Er redet ja auch davor schon so über sich, auch als er Selbstbewusstsein tankt: Ich bin Alpha. Ich bin Alexander etc. Daher finde ich, dass das in seiner Sprache etc. im Text schon vorbereitet und angelegt ist und jetzt nicht so einordnend und holzhammermäßig daherkommt. Ich finde nicht, dass es ein Fremdkörper im Text ist. Zweitens ist es so, dass wenn ich diese Klammer - auch am Anfang - nicht habe, die Gefahr wahrscheinlich noch größer wird, dass man den Text einfach als einen liest, in dem ein PUA-Abziehbild eins auf den Deckel bekommt. Das ist ja jetzt schon bei vielen Kommentatoren der Fall gewesen.
Du musst auch beachten, dass du an dieser Stelle im Text - im ersten Satz - als Leser noch nicht weißt, dass es sich hier um eine Story über einen Pick-Up-Artist handelt, zumindest möchte er das sein, also besteht die Gefahr, dass man diesen Satz als Banalität und nicht als Affirmation liest. Und in dieser "banalen Bedeutungslesart" finde ich den Satz nicht schön für den Anfang.
Das betrifft dann auch das. Da muss ich einfach noch darüber nachdenken. Vielleicht mache ich es erstmal so, dass ich das "Ich bin Alexander" zumindest in den ersten Satz mit dem Bus hineinnehme, damit es nicht so isoliert dasteht.
Ich finde, das ist eine Story, die man auch öfter lesen kann, auch, weil sie so kurz ist, und man entdeckt immer wieder neue Details. Ich glaube am Ende hast du bereits etwas gekürzt oder? In der aktuellen Fassung finde ich die Geschichte sehr stark, ich mag auch den Sog, den sie entwickelt, die Sprache und die Endszene, als sie ihn erkennt und er in den Vierer stolpert und alle ihn auslachen; das würde ich auf jeden Fall drin lassen.
Vielen Dank. Und ja, ich habe das Bild mit der Salzkruste und den herabfallenden Brocken seiner Haut und Kleidung herausgenommen. Mir gefällt es jetzt auch viel besser, weil das ein wenig kitschig war. Zudem habe ich noch einen Satz eingebaut, damit klarer wird, dass er sich das Puder an der Stirn durch das Schweißabschwischen wegschmiert. Ich hoffe, dass jetzt deutlicher wird, dass Kathrin ihn an dem Pigmentfleck auf seiner Stirn erkennt.

Gruß
AWM

 
Mitglied
Beitritt
09.12.2019
Beiträge
733

Hi @AWM ,

bezogen auf die Sprache schließe ich mich den vorherigen Kommentaren an, es ist für mich einer der Texte, der einen schon alleine durch die Formulierungen bis zum Ende mitzieht. Wahrscheinlich war es Absicht, aber m.E. könntest du weniger Sätze mit "Ich" beginnen.

Im Mittelpunkt steht Alexander und ich lerne hautpsächlich seine Fassade kennen. Da frage ich mich, wie er wäre, wenn er nicht versuchen würde, eine Rolle zu spielen. Mit der er hofft, "erfolgreich" zu sein, was ihm offensichtlich überhaupt nicht gelingt. Sein eigentlicher Charakter, seine Ängste kommen ein wenig zum Vorschein durch seine Unsicherheit, als er die anderen Männer sieht, die ihn beobachten. Und dass er schnell anfängt zu schwitzen.

Genau von seinem Charakter hinter der Fassade hätte ich zum Ende hin gerne mehr erfahren. Bisher ist es eher ein erwarteter Schluss, jemand macht sich zum Clown und fällt damit auf die Nase. Erwartungsgemäß verhalten sich dann auch die Frau und die vier Männer. Interessant fände ich z.B., wenn die Frau ihn noch aus der Schule kennt, ihn aber nicht verspottet, sondern versucht, an den eigentlichen Alexander hinter der Maske zu kommen. Vielleicht weil sie ihn zu Schulzeiten auch mal anders erlebt hat, oder schon damals gemerkt hat, dass er eigentlich unsicher und schüchtern ist.

Auch in dieser Version finde ich deine Geschichte sehr gelungen, sie lässt mich nur mit dem Eindruck zurück, dass ich über den eigentlichen Alexander gar nichts erfahren habe. Am Ende sagt er "Ich bin Alexander. Immer noch." Aber eigentlich ist er überhaupt nicht Alexander, er bleibt für mich derjenige, der sich noch immer hinter einer Maske versteckt.

Ich hoffe, ich konnte einigermaßen erklären, was ich meine. Hier noch ein paar Details:

Ich bin Alexander und abends nach der Arbeit fahre ich mit dem Bus in die Stadt, um für das Wochenende zu trainieren.
Ich bleibe am mittleren Eingang stehen und greife mit der Rechten nach der Haltestange über mir.
Sind nur Kleinigkeiten:
Fährt er nur an diesem Abend in die Stadt, oder macht er dies grundsätzlich?
Warum trainiert er für das Wochenende? Wahrscheinlich um gut auszusehen für seine Targets, aber ggf. könntest du es genauer schreiben. War mir zu Beginn nicht klar.

Die Frau hat ihre fleckige Hand auf das Knie des Mannes gelegt und er schaut an ihr vorbei aus dem Fenster.
Ich würde das "und" durch eine Komma ersetzen.

Auch solche Leben sind möglich, denke ich und kurz schießt mir Säure die Speiseröhre hinauf.
"rauf" statt "hinauf" ?

Er trägt einen Filzhut mit Nadelstreifen, dessen Krempe am Glas abgeknickt ist. Er hat so einen dünnen Bart, der fast nur am Hals wuchert und liest in einem Buch.
ggf. beim Satzbeginn variieren

Sie hat so eine „helle“ Grundschönheit, die ich schon oft gesehen habe und auf diese Grundschönheit hat man noch das Quäntchen extra gelegt, das sie zu etwas Besonderem macht.
Das zweite "Grundschönheit" könntest du streichen.

Den habe ich schon immer.
Muss es nicht "hatte" heißen? Bin nicht sicher ...

Ich puste dreimal kräftig in die offene Faust, achte auf die Luft, die zwischen den Fingern hindurchströmt und schließe die Augen. Ich atme jetzt mit dem Bauch und nicht mit der Brust und stelle mir vor, wie ein Meteorit im Weltall an Planeten vorbeirast und einer davon – ein verhältnismäßig kleiner - ist die Erde.
Satzbeginn

Nichts zählt. Wir sind Tiere. Ich bin Alpha. Ich bin Alexander.
Ich setze mein Alphalächeln auf und approache.
Vielleicht findest du für das zweite "Alpha" ein anderes Wort?

Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass sich die Jungs umdrehen.
Vorschlag:
"Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie die Jungs sich umdrehen."
(mal ein anderer Nebensatzbeginn als mit "dass")

Ich fange an zu schwitzen. Ich meine, richtig zu schwitzen. Der Schweiß beißt in den Achselhöhlen, juckt in den Haaren und rinnt in die Augenbrauen. Ich wische mit dem Handrücken über die Stirn. Kein gutes Signalling, klar. Aber besser als tränende Augen. Ich putze die Hand am Hosenbein ab und hinterlasse einen fetten Fleck von dem blöden Puder. Wieder versuche ich, mit dem Bauch und nicht mit der Brust zu atmen. Aber es gelingt mir nicht. Angriff.
Ich sage zu ihr: „Ich meine …“
Sie streckt mir die Handfläche entgegen, dreht sich zu mir: „Setzen Sie sich bitte woanders …“ Sie kneift die Augen zusammen und starrt auf meine Stirn. Ein ungläubiges, kurzes Lachen. „Alexander? Aus der 10c!“
Sie lacht. Sie reißt den Mund so weit auf, dass ich ihre Mandeln sehe.
Ich stehe auf, setze einen Fuß in den Gang.
Und noch mal der Satzbeginn.

Danke auch für deinen Kommentar zu "Hinter Glas", werde ihn demnächst beantworten!

Viele Grüße,
Rob

 

AWM

Mitglied
Beitritt
26.03.2018
Beiträge
468

Hey @Rob F und vielen Dank für deinen Kommentar

Interessant fände ich z.B., wenn die Frau ihn noch aus der Schule kennt, ihn aber nicht verspottet,
Das finde ich eine gute Idee. Ich schreibe das mal so, dass sie ihn nicht auslacht.
Vielleicht weil sie ihn zu Schulzeiten auch mal anders erlebt hat, oder schon damals gemerkt hat, dass er eigentlich unsicher und schüchtern ist.
Ja, genau das war ja die Idee. Aber sie scheint nicht zu funktionieren. Es sollte eben so sein, dass der Plot nicht erzählt wie Alexander war, dass aber diese Reaktion von Kathrin zeigt, dass er eben ganz anders gewesen sein muss. Deshalb ist der Auftritt von Alexander für sie unfreiwillig komisch, als sie ihn schließlich erkennt.
"Ich bin Alexander. Immer noch." Aber eigentlich ist er überhaupt nicht Alexander, er bleibt für mich derjenige, der sich noch immer hinter einer Maske versteckt.
Ja, auch dieser Satz sollte eben doppeldeutig sein. Einmal sein Mantra, dass er sich einredet, immer noch der Alpha-Alexander zu sein, den wir im Bus kennengelernt haben und einmal sollte es auch so gelesen werden können, dass er immer noch der Alexander von früher ist (unsouverän? uncool? etc.)
Fährt er nur an diesem Abend in die Stadt, oder macht er dies grundsätzlich?
Warum trainiert er für das Wochenende? Wahrscheinlich um gut auszusehen für seine Targets, aber ggf. könntest du es genauer schreiben. War mir zu Beginn nicht klar.
Ja, weil er am Wochenende eben richtig aufreißen geht. Abends nach der Arbeit war so gemeint, dass er das öfter macht.
Ich würde das "und" durch eine Komma ersetzen.
Mache ich. Ich habe das, glaube ich, kurz bevor du den Text gelesen hast geändert. Davor war da ein Punkt. Und ich hatte das Gefühl, zu viele kurze Hauptsätze hintereinander zu haben. Deshalb habe ich dann da ein "und" eingefügt.
"rauf" statt "hinauf" ?
Danke. Ein Fehler, der mir immer wieder passiert.
Muss es nicht "hatte" heißen? Bin nicht sicher ...
Nein, dann hätte er ihn ja jetzt nicht mehr.

Gruß
AWM

 

Letzte Empfehlungen

Neue Texte

Neue Kommentare

Anfang Bottom