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Ins Innere

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Ins Innere

Luisa näherte sich dem Meer. Nur noch wenige Meter trennten sie von den kleinen Wellen, die den Strand erreichten. Ihr Eltern hatten ihre Abwesenheit noch nicht bemerkt, wie ein Blick über die Schulter zeigte. Beide waren zu sehr damit beschäftigt, regungslos und mit geschlossenen Augen die Sonne zu genießen.
Sie wollte weitergehen, als etwas aus dem Wasser krabbelte. Es sah aus wie ein Krebs, nur größer, fast so wie … eine Katze, oder ein kleiner Hund. Luisa trat einige Schritte zurück und dachte daran, ihre Eltern zu rufen, als das seltsame Geschöpf stehen blieb und sich schüttelte. Wassertropfen flogen in alle Richtungen. Dann blieb es ruhig und schien sie zu betrachten. Schließlich bewegte es eine der Scheren, als würde es sie zu sich winken. „Luisa“, drang es leise zu ihr, wie ein vom Wind getragenes, entferntes Flüstern.
Mit hochgezogenen Augenbrauen blickte sie zu der Kreatur und fing an zu lächeln, als sie weiter winkte und den Körper wie betrunken hin und her schwenkte. „Luisa, komm …“, wehte es erneut zu ihr.
Nachdem sie sich nochmal zu ihren Eltern umgedreht hatte, ging sie auf den großen Krebs zu.
„Wer bist du?“, fragte sie, als sie fast vor ihm stand.
„Erinnerst du dich nicht? Wir haben uns schon einmal gesehen, als du früher unter den Steinen gesucht hast.“ Wieder eine leise Stimme, die übers Meer geweht wurde.
Luisa blickte das Geschöpf an, kniff die Augen zusammen und schüttelte den Kopf. „Warum früher? Ich bin doch erst elf!“
„Komm“, äußerte es erneut, drehte sich um und ging zurück ins Meer.
Unschlüssig blieb sie stehen, dann hörte sie eine leise Melodie. Erst nach einigen Sekunden erkannte sie es, das Lied der Spieluhr mit Handkurbel, die sie zum achten Geburtstag bekommen hatte. Der Krebs war fast unter Wasser und sie begann ihm zu folgen. Die Kälte umspülte ihre Füße, die Knöchel. Aber es störte sie nicht, es gab in ihren Gedanken nur die Musik, deren Ursprung sie finden wollte.
Als sie bereits bis zur Hüfte unter der Oberfläche war, ließ sie sich nach vorne fallen und tauchte unter. Sie rechnete damit, das Salzwasser in den Augen zu spüren, aber es machte ihr nichts aus. Die Kreatur war bereits einige Meter entfernt und krabbelte am Grund entlang. Luisa tauchte hinterher. Ein Schwarm kleiner, bunter Fische näherte sich, wirbelte um sie herum und verschwand wieder. Danach sah sie gerade noch, wie das Geschöpf vornüber kippte und verschwand. Der Stelle näherkommend, erblickte sie ein Loch im Boden und spürte einen leichten Sog. Er wurde stärker und sie wollte umkehren, aber es war zu spät, die Dunkelheit zog sie zu sich und umhüllte sie.

Luisa fühlte sich wie in einer Wasserrutsche, nur war alles finster. Erst jetzt merkte sie, dass sie normal atmen konnte. Nach und nach wurde der Sog schwächer, bis sie schwerelos dem Meeresgrund entgegen trieb. Aber war er das wirklich? Er leuchtete in einem hellen Blau. Als sie näher kam, erkannte sie feinen, lockeren Sand, wie sie ihn hier unten nicht erwartet hätte.
Bevor sie den Boden berührte, ruderte sie mit den Armen und richtete ihren Körper so aus, dass sie mit den Füßen zuerst landete. Sie sank einige Zentimeter ein, der blaue Sand wirbelte auf wie in einer Zauberkugel.
„Da bist du ja“, erreichte sie die Stimme. Nur etwas lauter, als würde das Wasser sie verstärken. Vor ihr arbeitete sich der Krebs mit mühsamen Bewegungen aus dem Grund. Auch diesmal schüttelte er sich, um die blaue Schicht loszuwerden, die ihn bedeckte.
„Warte“, sagte er, als er fertig war und klapperte mit den Scheren.
Um sie herum bildete sich eine Kuppel wie aus milchigem Glas, die sich weiter ausdehnte und das Wasser von ihnen fernhielt. Erst als sie die Größe mehrerer Fußballfelder hatte, hörte sie auf zu wachsen. Luisa und der Krebs standen im Trockenen.
„Wo sind wir hier?“, fragte sie und sah sich mit großen Augen um.
„Du hast das Meer immer geliebt. Unter Wasser zu sein.“
„Ja, ich möchte Meeresbiologin werden, genau wie Mama. Aber warum sprichst du in der Vergangenheit?“
„Zeit ist hier unten nicht wichtig.“
Er klapperte erneut die Zangen aufeinander, ein paar übrig gebliebene Sandkörner lösten sich und fielen herunter. Um sie herum schoben sich langsam einige Gebäude aus dem weichen Grund. Es dauerte nicht lange, bis Luisa erkannte, was hier entstand. Der Reiterhof, auf dem sie im letzten Sommer mit ihrer Freundin Sarah gewesen war. Die Holzhütten, eine Scheune und die Reithalle. Auch die Bäume drumherum hoben sich empor. Als letztes kamen die Pferde hinzu und … Sarah, die Reitlehrerin sowie die anderen der kleinen Gruppe. Zunächst starr wie Schaufensterpuppen, dann begannen sie, sich zu bewegen.
„Darf ich es erneut erleben?“, fragte Luisa, fast flüsternd. Ihre Neugier verdrängte für den Moment die Verwirrung.
„Ja“, drang die entfernt klingende Stimme des Krebses zu ihr. Er war bereits dabei, sich wieder einzugraben. „Bis später.“

„Na endlich!“, rief Sarah von ihrem Pferd, als Luisa sich näherte. Sie schien die Umgebung nicht seltsam zu finden. Der hellblau leuchtende Grund, die Kuppel um sie herum. Zumindest war hier der Boden hart, sie sank nicht mehr ein.
„Beeil dich, es geht gleich los“, sagte die Reitlehrerin. „Komm, ich helfe dir.“
Luisa trat mit einem Fuß in ihre zusammengeführten Hände und bestieg das Pferd. Mit neidischem Blick betrachtete sie das hellbraune, glänzende Fell von Sarahs Reitpony. Die kräftige und stolze Körperhaltung. Ganz anders als ihr altes Pony, mit dem weiß-grauen, eher schmutzig wirkenden Fell und den müden Augen.
„Heute bleiben wir nochmal auf dem Gelände, aber morgen machen wir endlich den ersten Ausritt!“, sagte Sarah und grinste übers ganze Gesicht. Sie band sich die langen, blonden Haare zusammen und trabte langsam zum Reitfeld. Der Sand hatte dort seine normale, helle Farbe.
„Es geht los, reiht euch hinter Sarah ein!“, rief die Reitlehrerin.
Nach und nach folgten die anderen, Luisa als letzte. Immer wieder sah sie zu Sarah, wie sie aufrecht sitzend und lächelnd die jeweils ausgerufenen Übungen mitmachte. Genauso perfekt wie ihr Pferd, dachte sie. Wie immer, egal, was sie machte. Warum kann ich nicht wenigstens ein schönes Pony haben?
Schon nach wenigen Runden verließ Luisa das Übungsfeld und stieg ab. Niemand rief etwas, als würde ihr Fehlen gar nicht bemerkt. Sie ging zu der Stelle, an der sich der Krebs eingegraben hatte. Nach einigen Sekunden lugten die Spitzen seiner Scheren hervor, wieder zog er sich schwerfällig aus dem blauen Grund.
„Das war aber ein kurzes Vergnügen“, sagte er.
„Ich hatte gehofft, dass es diesmal anders wird, aber so …“
„Es war dein Wunsch, noch mal hier zu sein. Möchtest du zurück? Oder weiter?“
„Warum mein Wunsch … wohin geht es denn weiter?“
Wieder öffnete sich ein Loch im Boden, nicht weit entfernt. Luisa spürte den leichten Sog und hörte erneut die Melodie ihrer Spieluhr, diesmal etwas lauter. Die Dunkelheit in der entstandenen Öffnung wirkte hier bedrohlicher auf sie, vielleicht, weil es noch tiefer hinabging? Was mochte sie dort erwarten? Auch die Musik klang nicht mehr nur anziehend, einige Töne wirkten schief. Irgendetwas war passiert in ihrer Nähe, aber sie erinnerte sich nicht.
„Finde es heraus.“ Der Krebs schob mit den Zangen die letzten Reste des Sandes von seinem Panzer.
Noch während sie nachdachte, näherte sie sich der Öffnung und wurde nach vorne gesogen, bis erneut alles finster wurde.

Luisa spürte den starken Zug des Wassers, sie rauschte noch schneller abwärts als beim ersten Mal. Bis er schon nach wenigen Sekunden nachließ und sie sich erneut einem blau leuchtenden Grund näherte. Nur war seine Farbe hier etwas dunkler, wie ein Königsblau.
Diesmal schaffte sie es nicht, sich auszurichten und kam mit einem Purzelbaum auf. Die Sandkörner zerstoben in alle Richtungen. Nur wenige Meter entfernt landete der Krebs und versank vollständig im Boden, bis er kurz danach wieder behäbig hervorkrabbelte. Auch diesmal klapperte er mit den Scheren, erneut bildete sich eine Kuppel um sie herum.
„Was erwartet mich hier? Warum ist es dunkler?“, wollte Luisa wissen. Das Licht innerhalb der Kuppel wirkte wie bei einer Dämmerung.
„Wir sind tiefer im Inneren, du näherst dich dem Grund deines Hierseins.“
Nach erneuten schnellen Bewegungen mit den Zangen kamen wieder die Gebäude des Reithofes hervor. Hinter den Fenstern der zwei Wohnbaracken brannte Licht.
Der Krebs begann sich einzugraben. „Bis später“, hörte Luisa gerade noch.

Neugierig und mit Gänsehaut ging Luisa zu der Baracke, in der sie sich ein Zimmer mit Sarah teilte. Die Holzstufen und der Boden knarzten, als sie hinauf zu der kleinen Terrasse ging und das Haus betrat. Sie schloss die Tür hinter sich und hörte Stimmen aus den Zimmern links und rechts des Flurs. Alle redeten aufgeregt über den Tag. Warum endeten so wenige ihrer eigenen Tage mit so viel Freude?
Leise ging sie den Flur entlang und betrat den Raum ganz am Ende. Sarah war nicht da, wahrscheinlich duschte sie oder war bei den anderen. Den Interessanten. Luisa setzte sich auf ihr Bett und betrachtete die Sachen ihrer Freundin. Alles war ordentlich gefaltet und in dem Wandregal verstaut. Sie muss sich für ihr Glück noch nicht mal anstrengen, dachte Luisa. Als würde sie wie ein Magnet alles Positive anziehen.
Die Spieluhr, deren Melodie sie hierhin gelockt hatte, stand auf ihrem Nachttisch. Für einige Umdrehungen betätigte sie die Handkurbel und lächelte, als sie die Melodie hörte. Aber bekam auch Gänsehaut, ohne zu wissen, warum. Auch Sarah mochte die Melodie, sie hatten sie jeweils abends vor dem Einschlafen gespielt.
Dann fiel ihr Blick auf die Allergietabletten, die neben Sarahs Kopfkissen lagen. Sie zählte nach, es waren noch genau sieben. Hatte Sarah wirklich exakt so viele mitgenommen, wie sie benötigte? Es würde zu ihr passen, andererseits war sie auch nicht unvorsichtig, vielleicht hatte sie in ihrer Tasche noch weitere?
„Was solls?“, flüsterte Luisa. „Vielleicht bekomme ich wenigstens am letzten Tag dein schönes Pferd.“
Sie lauschte, ob sie Schritte hörte, aber es blieb ruhig. Dann griff sie auf die andere Seite des Doppelbetts und nahm eine der Tabletten heraus. Vielleicht merkt sie es ja nicht direkt, in der Vorfreude auf den nächsten Tag, hoffte sie. Bevor sie den Raum verließ, betrachtete sie sich in dem kleinen Spiegel, der an der Wand hing. Die vielen Sommersprossen. Ihr kurzgeschnittener Pony, der Rest der Haare schulterlang. Wie ein Lampenschirm, dachte sie und ging zur Toilette, um die Pille zu entsorgen.

„Es ist die letzte Station deiner Erinnerungen“, sagte der Krebs, nicht weit vom Loch im Boden entfernt. Diesmal war es größer, ein Strudel zirkulierte darin, kaum zu erkennen in der Finsternis des Wassers.
„Aber ich könnte auch wieder zurück?“, fragte Luisa leise, ihre Augen starr auf den Durchgang gerichtet.
„Ja. Aber dann erfährst du nicht den Grund dieses Weges.“
Sie betrachtete den Weg in die Tiefe. Was verbarg sich dahinter? Die Melodie der Spieluhr erklang diesmal nicht. War das, was sie begonnen hatte, nicht mehr aufzuhalten?
„Also gut.“
Sie ging auf das Loch zu, ließ sich von der Kraft des Wasser erfassen. Es ging diesmal alles so schnell, gerade befand sie sich noch in totaler Schwärze, dann erreichte sie schon den nächsten Grund. Er war dunkel, das schwach leuchtende Blau kaum zu erkennen. Mit den Füßen voran versank sie im Boden, fast bist zu den Knien. Neben ihr musste der Krebs angekommen sein, eine Wolke des Sandes versprühend.
Mühsam zog Luisa erst den einen, dann den anderen Fuß heraus, auch wenn sie danach wieder bis zu den Knöcheln einsank. Erst nach einigen Minuten schaffte es der Krebs, die Oberfläche zu erreichen.
„Da wären wir“, sagte er und schüttelte sich kräftig.
Der Sand war hier grobkörniger als in den vorherigen Ebenen. Wieder entstanden Kuppel und Gebäude durch das Klappern der Scheren. Von dem milchigen Glas um sie herum ging diesmal ein Licht aus, es wurde fast taghell, trotz des dunklen Bodens.
Die anderen sieben aus der Gruppe standen bereits mit ihren Pferden in der Nähe des Weges, der vom Hof aus in den Wald führte. Sie ging zu ihnen und auch die Reitlehrerin näherte sich, führte mit einer Hand ihr eigenes Pferd und mit der anderen das weiß-graue Pony. Luisa nahm es entgegen und stieg mühsam auf, als sie die Gruppe erreichten.
„Da bist du ja endlich“, sagte Sarah heiser. Sie putzte sich die Nase, ihre Augen waren leicht gerötet.
„Was ist …“, begann Luisa.
„Hab wohl ne Tablette zu wenig mitgenommen, ist mir noch nie passiert.“
„Dann mach doch heute mal Pause, oder du nimmst jetzt noch eine und am letzten Tag nicht?“
„Ich brings einfach direkt …“ Sarah nieste. „Einfach direkt hinter mich. Ich glaube heute wird es eh erst mal ein kurzer Ausritt. Wird schon gehen, sonst kann ich ja umdrehen.“
„Aber …“
Weiter kam Luisa nicht, die Reitlehrerin rief: „Reiht euch hinter mir ein!“ und führte ihren Wallach im Schritttempo in den Wald.
Nach und nach folgten ihr die anderen, als vorletztes Sarah und dann Luisa. Für ungefähr eine Viertelstunde ging es gemächlich durch den Wald. Die Schritte der Pferde waren auf dem weichen Boden kaum zu hören, dafür aber ab und zu ein Rascheln abseits des Weges, der Gesang der Vögel und das gelegentliche Schnaufen der Pferde. Schließlich verließen sie den Wald und erreichten einen breiten Feldweg.
„Übergang in einen mittleren Trab!“, rief die Lehrerin und führte ihr Pferd an den Rand des Weges, um die Gruppe zu überblicken.
Die vorderste Reiterin erhöhte das Tempo und der Rest der Gruppe passte sich an, bis sie alle einen zügigen Trab erreicht hatten. Luisa lächelte, auch aus Stolz über ihren Lernerfolg. Sarah nieste ab und zu, schien ihr Pony aber sicher zu führen.
Nach einigen Minuten ragte ein dicker, abgebrochener Ast auf einen Teil des Feldweges. Die vorderste Reiterin lenkte ihr Pferd gekonnt auf die freie Seite des Weges, wie auch die folgenden Reiter. Als Sarah ebenfalls nach links führen wollte, nieste sie erneut. Diesmal so stark, dass sie kurz die Zügel losließ. Das hellbraune Pony ritt nicht von alleine um den Ast herum, sondern kam mit aller Kraft zum Stehen. Sarah wurde nach vorne geschleudert. Mit einem Aufschrei flog sie seitlich nach vorne und drehte sich dabei, landete mit dem Rücken auf dem Gehölz.
Luisa wusste nicht, was sie knacken hörte. Den Ast, oder Sarahs Rücken. Trotz des Schrecks wich sie aus und brachte ihr Pferd zum Stehen. Führte ihre Hände zum Mund und flüsterte: „Oh Gott.“
Die Reitlehrerin hatte den Unfall mitbekommen und ritt zurück. „Halt!“, wies sie die Gruppe an. Sie stieg ab und lief zu Sarah, die mit dem Rücken auf dem Hindernis lag. Ihr ganzer Körper zitterte.
Zum ersten Mal in dieser seltsamen Welt sah Luisa sich selbst. Als bliebe sie als Geist auf dem Pony sitzen und ihr Körper stieg ab. Rannte zu ihrer verletzten Freundin und kniete sich neben sie. Tränen liefen ihre Wangen hinab, sie wollte Sarah berühren, ihre Hand nehmen, aber die Lehrerin rief: „Nicht, bleib zurück!“. Dann sprach sie leise zu ihrer verletzten Freundin, legte ihr vorsichtig eine Hand auf die Stirn, während sie mit der anderen ihr Handy aus der Tasche zog.
Luisa konnte nicht mehr länger zusehen. Die Erinnerung an den Unfall, an alles was danach kam, überflutete ihre Gedanken, als wäre eine Schleuse geöffnet worden. Sie sprang vom Pferd und lief den Weg zurück, durch den Wald bis zum Reithof. Immer wieder wischte sie sich die Tränen weg, hörte durch ihr Schluchzen die Geräusche des Waldes nicht mehr.
Als sie auf dem Hof ankam, sah sie durch ihre verschwommene Sicht den Krebs vor der Baracke, in der sie mit Sarah ein Zimmer teilte. Er blickte sie traurig an. „Es tut mir leid“, drang es entfernt, wie von allen Seiten, zu ihr.
„Warum bin ich hier?“, schrie sie ihn an, mit all ihrer Trauer und Wut.
Er wartete einige Sekunden, bis sie sich etwas beruhigt hatte. „Es war dein Wunsch, du wirst es verstehen, wenn du wieder an der Oberfläche bist. Du hast nicht mehr viel Zeit.“
„Was meinst du?“, fragte sie.
„Vielleicht noch ein Jahr“, antwortete er. „Du solltest nun zurückzukehren.“
Er klapperte wie schon so oft mit den Scheren, diesmal mehrmals kurz nacheinander. Wenige Meter entfernt entstand ein Wasserstrudel. Sein Ende war nicht zu sehen, so weit reichte er hinauf.
„Hier gibt es nichts mehr für dich“, sagte der Krebs und begann sich in den dunkelblauen Boden zu arbeiten.
„Werden wir uns wieder sehen?“, wollte Luisa wissen, die Stimme nun gefasster.
Sie bekam keine Antwort, ihr Begleiter verschwand unter der Oberfläche. Vorsichtig näherte sie sich dem Strudel und streckte eine Hand aus, berührte ihn. Das zirkulierende Wasser fühlte sich weich an, sie konnte es leicht durchdringen, ohne mitgezogen zu werden. Mit einem letzten Blick zurück zum Reithof trat sie ins Innere und wurde sanft nach oben getragen. Gleichzeitig schwand das Licht, bis sie sich wie schwerelos in unendlicher Dunkelheit fühlte.

Luisa hob den Kopf und blickte sich um. Der Strand war fast verlassen. Sie war anscheinend beim Lesen eines Artikels über Meerestiere eingeschlafen. Aber es war kein wirrer Traum, den sie gehabt hatte. Eine lange verdrängte Erinnerung war wie eine Luftblase an die Oberfläche gestiegen. Was hatte der Krebs am Ende gesagt? Ihr blieb vielleicht noch ein Jahr? Es sollte sie nicht wundern, mit nun gut sechsundachtzig Jahren.
Sie setzte sich langsam auf. Wie lange hatte sie nicht mehr an Sarah gedacht? In den Wochen nach dem Unfall war sie einige Male zusammen mit ihren Eltern im Krankenhaus gewesen. Aber es dauerte nicht lange, bis das Vergessen einsetzte. Die Verdrängung ihrer Schuld, sie hatte bis heute mit niemand über die entfernte Tablette gesprochen.
Ob Sarah noch lebte? Wie hieß sie mit Nachnamen? So sehr sie es auch versuchte, sie konnte sich nicht erinnern. Dann sah sie gedankenverloren Richtung Meer und erblickte davor etwas, jemand hatte anscheinend in den Sand gemalt oder geschrieben. Sie stand leise stöhnend auf und erkannte das Wort Fennerson.
„Sarah Fennerson“, flüsterte Luisa. Ich habe dich nicht vergessen, nicht vollständig, dachte sie. Vielleicht finde ich dich noch. Du hast ein Recht auf die Wahrheit.
Aus dem Augenwinkel bemerkte sie eine Bewegung. Etwas krabbelte im flachen Wasser, verschwand Schritt für Schritt unter der Oberfläche. Ziemlich groß für einen Krebs, dachte sie und lächelte. Die Sonne begann unterzugehen. Sie drehte sich um und ging zurück zu ihrem Handtuch.

 
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Hallo wiedermal @Rob F

Deine Neue hat mir gut gefallen und ich bin gerne mit der Protagonistin auf den wunderlichen Meeresboden getaucht, um ihre Vergangenheit bzw. eine besonders prägende Stelle daraus zu durchleben. Ein angenehmer Flow, gut geschrieben, passende Länge. Da habe ich überhaupt nichts zu meckern (abgesehen von ein paar klitzekleinen Kleinigkeiten). Etwas schade fand ich dann die Auflösung, also dass sie alles nur geträumt hat (auch wenn es am Schluss eine Anspielung darauf gibt, dass doch nicht ganz alles nur geträumt war), dass ist halt ein wenig einfach. Ich hätte mir da eine andere Auflösung gewünscht. Dann hätte aber wohl auch der Tag anders sein müssen, eher so Richtung Fantasy vielleicht? Anyway, im großen Ganzen fand ich deine Geschichte spannend und ich konnte sie in einem Zug durchlesen.

Die Prota hast Du mMn gut charakterisiert. Sie ist wohl eher etwas scheu, zurückhaltend, wird gerne von den anderen übersehen und nicht wirklich aktiv wahrgenommen. In Sarah sieht sie eine Art Vorbild, auch wenn sie nicht alles an ihrer umgänglichen, beliebten Kollegin mag, sie blickt zu ihr auf und ist auch etwas neidisch auf sie. Was Luisas Alter anbelangt, hast Du mich schön in die Irre geführt. Da sie ja kein kleines Mädchen, sondern eigentlich schon eine alte Frau ist. Zumindest das hat mir gut gefallen, nachdem sie am Strand aufwacht und es war eine Überraschung. Mit dem Pferdereiten kenne ich mich nicht aus, fand aber den Unfall nicht ganz glaubwürdig. Das Pferd muss ja wirklich extrem hart stoppen, dass Sarah dermaßen nach vorne katapultiert wird. Sind ihre Füsse nicht in den Steigbügeln? Halten diese sie nicht zurück? Auch der Hals/Kopf des Pferdes muss doch "im Weg" sein ... Aber wie gesagt, kenne mich mit dem Reiten nicht aus und somit auch nicht mit Reitunfällen. Kann also gut sein, dass dies sehr plausibel ist und mein Unwissen mir hier einfach im Weg steht.

Wie immer ein wenig Detailarbeit:

Es sah aus wie ein Krebs, nur größer, fast so wie … eine Katze, oder ein kleiner Hund.
Hier stockte ich erst wegen dem Vergleich. Also der bezieht sich ja rein auf die Größe der Kreatur/des Krebses. Aber irgendwie habe ich das beim Lesen auch mit dem Erscheinungsbild in Verbindung gebracht und dachte mir erst so: "Hä? Ein Krebs der aussieht wie eine Katze oder ein Hund? Wie soll das gehen? Wie muss ich mir das vorstellen?" Der Krebs schüttelt sich dann gleich darauf auch noch und Wassertropfen spritzen umher, weshalb dieses Bild verstärkt wurde, dass es sich nicht um einen Krebs sondern eben eher um eine Katze/Hund handelt. Ich musste dann nochmal zurück und das erneut lesen, um wirklich zu begreifen, was für ein Bild Du hier malen möchtest.

„Luisa, komm …“, kam es erneut bei ihr an.
Nachdem sie sich erneut zu ihren Eltern umgedreht hatte, die weiterhin nichts mitbekamen, ging sie auf den großen Krebs zu.
Eine Wortwiederholung, die mir aufgefallen ist. Könntest Du eliminieren.

Der Stelle näherkommendKOMMA erblickte sie ein Loch im Boden und spürte einen leichten Sog.
Ich glaube, da gehört ein Komma in den Satz.

Er wurde stärker und sie wollte umkehren, aber es ging nicht mehr, die Dunkelheit zog sie zu sich und umhüllte sie.
Schöner fände ich: Er wurde stärker und sie wollte umkehren, doch es war zu spät, die Dunkelheit zog sie zu sich und umhüllte sie.

Er leuchtete in einem hellen Blau.
Blau hier groß schreiben mMn.

Luisa fühlte sich wie in einer Wasserrutsche, nur war alles finster. Erst jetzt merkte sie, dass sie normal atmen konnte. Nach und nach wurde der Sog schwächer, bis sie wie schwerelos dem Meeresgrund entgegen trieb.
Die beiden Wie-Vergleiche direkt nacheinander gefallen mir nicht so recht. Im zweiten Satz das wie vielleicht einfach streichen? Ich fände den Satz ohne das wie besser.

Ja, ich möchte Meeresbiologin werden.
Wusste sie das schon, mit elf Jahren? Das ist ja sehr spezifisch. Denkt man in dem Alter nicht vielleicht eher an: Was mit Natur/Umwelt, oder: ich möchte etwas Arbeiten, was mit dem Meer zu tun hat? Was ist Luisa wohl schlussendlich geworden? Ich glaube, das beantwortet die Geschichte nicht.

Zunächst starr wie Schaufensterpuppen, dann begannen sie, sich ganz normal zu benehmen, wie sie es in Erinnerung hatte.
Starr und benehmen passt irgendwie nicht zusammen. Ich würde anstatt benehmen bewegen schreiben, da sie ja zuvor starr sind und sich das auf diese Erstarrung bezieht. Den letzten Satzteil könntest Du somit streichen.

Hab deinen Spaß, ich komme wieder.
Mmmh, ihren Spaß wird sie ja nicht wirklich haben, wenn sie Sarahs Unfall und ihre Schuld daran nochmal durchleben muss? Böser Krebs! :D

Luisa trat mit einem Fuß in ihre zusammengeführten Hände und bestieg das Pferd. Mit neidischem Blick betrachtete sie das hellbraune, glänzende Fell von Sarahs Reitpony.
Es gibt also keine Steigbügel. Aber dann: Du wechselst zwischen Pferd und Pony. Auch Sarah sitzt mal auf einem Reitpony und dann wieder auf einem Pferd. Also soviel weiß ich: Das ist schon ein ziemlicher Unterschied zwischen diesen beiden Tieren ;) Ein Pferd ist ja viel grösser als ein Pony. Deshalb wohl auch meine leichte Verwirrung mit dem Unfall. Also wenn sie ohne Steigbügel auf dem Pony sitzt und dieses abrupt stoppt und Sarah dabei unglücklich auf den dicken Ast fällt, kann ich mir das schon besser vorstellen ... bzw. es wirkt dann plausibler auf mich. Sie muss aber mMn wirklich unglücklich fallen, die Risthöhe eines Ponys ist nicht sehr ... hoch. Schau mal, hier ein Vergleich: Pony (Pferd) – Wikipedia
Pony ist denke ich auch die bessere Wahl, weil ich nicht glaube, dass so kleine Mädchen schon ohne irgendwelche Hilfsmittel auf einem ausgewachsenen Pferd reiten können. Wie zuvor aber schon gesagt: Kenne mich da Null aus! :shy:

„Warum mein Wunsch … wohin geht es denn weiter?“
Ja, warum war das denn ihr Wunsch? Es klingt hier auch so, als wüsste Luisa, dass der Krebs sie noch weiter in die Tiefen führt, als ahnte sie, dass sich ein weiteres Loch im Boden auftun würde.

Die Dunkelheit in der entstandenen Öffnung wirkte hier bedrohlicher auf sie, vielleicht, weil es noch tiefer hinabging? Was mochte sie dort erwarten? Auch die Musik klang nicht mehr nur anziehend, einige Töne wirkten schief.
Da dachte ich beim ersten Lesen: Achtung, jetzt kommt was Horror-mäßiges! Es klingt ein wenig danach. Das passiert dann zwar nicht, aber hier stieg für mich die Spannung nochmal an.

Nur war seine Farbe hier etwas dunkler, wie ein Königsblau.
Mir ist bis hierher aufgefallen, dass Du einige Sätze drin hast, die mit Nur beginnen. Oder das Wort auch sonst öfters vorkommt. Fand ich etwas ermüdend zum lesen. Vielleicht kannst Du hie und da etwas umstellen, um das Wörtchen an ein paar Stellen loszuwerden. Ist aber rein persönlicher Geschmack.

Die Holzstufen und der Boden knarzten, als sie die Stufen zu der kleinen Terrasse hinaufging und das Haus betrat.
Wortdoppelung Stufen.

Wie ein Lampenschirm, dachte sie und ging zur Toilette, um die Pille zu entsorgen.
Wow, sie mag sich selbst nicht wirklich und geht hart mit sich ins Gericht (zumindest für eine Elfjährige).

Verbargen sich dahinter die Folgen ihres Handels?
Das nimmt sie ja an. Für den Leser nimmt es aber die Handlung danach etwas vorweg (foreshadowing, hat man mir bei einem meiner Texte mal gesagt), ich würde das eher weglassen.

Neben ihr musste der Krebs angekommen sein, eine Wolke des Sandes versprühte nach seinem Einschlag.
Der zweite Satzteil klingt nicht rund in meinen Ohren. Wenn Du das so lassen möchtest, müsste es aber (mMn) korrekterweise lauten: Neben ihr musste der Krebs angekommen sein, eine Wolke des Sandes nach seinem Einschlag versprühend.

„Reiht euch hinter mit ein!“
mir anstelle mit

Luisa lächelte, auch aus Stolz, was sie alle in den letzten Tagen gelernt hatte.
entweder hatten, wenn es sich auf alle Teilnehmer bezieht, oder was sie alles in den letzten Tagen gelernt hatte wenn es sich nur auf Luisa bezieht.

Nach einigen Minuten lag ein großer Ast zum Teil auf dem Feldweg.
Klingt nicht ganz rund. Vielleicht: Nach einigen Minuten ragte ein dicker, abgebrochener Ast auf den Feldweg und blockierte ihn teilweise. Etwas in diese Richtung fände ich runder.

Als sie auf dem Hof ankam, sah sie durch ihre verschwommene Sicht den Krebs vor der Baracke sitzen, in der sie mit Sarah ihr Zimmer hatte.
Der Krebs sitzt vor der Baracke? Klingt seltsam.

Sie bekam keine Antwort, ihr Traumbegleiter verschwand unter der Oberfläche.
Hier wird der Krebs dann als Traumbegleiter bezeichnet. Wieso weiß Luisa denn plötzlich, dass es sich nur um einen Traum handelt? Vorher habe ich es so gelesen, dass sie ihre Unterwasserumgebung eigentlich als gegeben hinnimmt, also nicht wirklich als traumartig. Zumindest aus ihrer Sicht, denn die Unterwasserwelt hat schon etwas Verträumtes an sich, so wie Du sie beschreibst.

Das Ende fand ich schön!

Hoffe, Du kannst mit meinen Anmerkungen was anfangen und wünsche ein baldiges, schönes Wochenende! Bin gespannt auf deine nächste Story.

Mit scherenklapperndem Gruss,
DM

 
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Hallo @DissoziativesMedium ,

danke auch hierbei fürs Lesen und deine aufmerksamen Anmerkungen!

Ein angenehmer Flow, gut geschrieben, passende Länge. Da habe ich überhaupt nichts zu meckern (abgesehen von ein paar klitzekleinen Kleinigkeiten).
Vielen Dank! Gerade beim ersten Kommentar rechne ich erstmal mit allem und freue mich umso mehr, wenn ich nicht direkt ein paar auf den Deckel bekomme! :)

Etwas schade fand ich dann die Auflösung, also dass sie alles nur geträumt hat (auch wenn es am Schluss eine Anspielung darauf gibt, dass doch nicht ganz alles nur geträumt war), dass ist halt ein wenig einfach.
Ja, ich habe für das Ende bisher keine Beschreibung ohne das Wort "Traum" gefunden. Luisa erlebt es wie einen Traum, im Prinzip ist es das ja auch. Aber im Kern geht es um die seit vielen Jahren verdrängte Kindheitserinnerung und ihre damit verbundene Schuld. Die nun, wo sie - vielleicht - nicht mehr lange zu leben hat, doch wieder hervorkommt und ihr noch die Möglichkeit geben könnte, ein letztes Mal mit Sarah zu sprechen.

Die Prota hast Du mMn gut charakterisiert. Sie ist wohl eher etwas scheu, zurückhaltend, wird gerne von den anderen übersehen und nicht wirklich aktiv wahrgenommen. In Sarah sieht sie eine Art Vorbild, auch wenn sie nicht alles an ihrer umgänglichen, beliebten Kollegin mag, sie blickt zu ihr auf und ist auch etwas neidisch auf sie.
Danke, es sind ja gar nicht so viele Momente mit Luisa und Sarah zusammen, freut mich also, wenn die beiden und ihre Beziehung zueinander deutlich werden.

Mit dem Pferdereiten kenne ich mich nicht aus, fand aber den Unfall nicht ganz glaubwürdig.
Ich auch nicht, das mit den Steigbügeln kann ich z.B. nicht beantworten ... aber da gebe ich dir recht, zumindest der Salto ist wohl etwas zu theatralisch. Ich habe den entsprechenden Satz etwas abgeändert in:
"Mit einem Aufschrei flog sie seitlich nach vorne und drehte sich dabei, landete mit dem Rücken auf dem schweren Gehölz."

Hier stockte ich erst wegen dem Vergleich. Also der bezieht sich ja rein auf die Größe der Kreatur/des Krebses.
Rein von der Logik her ist es m.E. richtig beschrieben, aber es ist wahrscheinlich ein Satz, der den Lesefluss stört, weil verschiedene Inhalte (die Größe/das Aussehen) genannt werden und auf den ersten Blick nicht klar ist, was nun wozu gehört.
Ich könnte es vereinfachen, in dem ich nur schreibe, dass der Krebs deutlich größer ist, aber das ist mir im Moment zu unkonkret, werde es wohl erstmal so lassen.

Eine Wortwiederholung, die mir aufgefallen ist. Könntest Du eliminieren.
habe ich

Der Stelle näherkommendKOMMA erblickte sie ein Loch im Boden und spürte einen leichten Sog.
Ich glaube, da gehört ein Komma in den Satz.
Bin mir auch nach erneutem Lesen nicht sicher, habe es aber mal wie von dir vorgeschlagen übernommen.

Schöner fände ich: Er wurde stärker und sie wollte umkehren, doch es war zu spät, die Dunkelheit zog sie zu sich und umhüllte sie.
Ja, das drückt deutlicher aus, dass es kein Zurück mehr gibt. Habe es so übernommen, danke für den Vorschlag!

Die beiden Wie-Vergleiche direkt nacheinander gefallen mir nicht so recht. Im zweiten Satz das wie vielleicht einfach streichen? Ich fände den Satz ohne das wie besser.
Ich habe das zweite wie entfernt, auch wenn mir nun das Wort "schwerelos" hier nicht mehr ganz passend erscheint, werde es aber erstmal so lassen.

Wusste sie das schon, mit elf Jahren? Das ist ja sehr spezifisch. Denkt man in dem Alter nicht vielleicht eher an: Was mit Natur/Umwelt, oder: ich möchte etwas Arbeiten, was mit dem Meer zu tun hat? Was ist Luisa wohl schlussendlich geworden? Ich glaube, das beantwortet die Geschichte nicht.
Für ein Mädchen mit erst elf Jahren wäre es schon ungewöhnlich, aber vielleicht ist es nun nachvollziehbar, in dem ich ergänze:
"Ja, ich möchte Meeresbiologin werden, genau wie meine Mama."

Starr und benehmen passt irgendwie nicht zusammen. Ich würde anstatt benehmen bewegen schreiben, da sie ja zuvor starr sind und sich das auf diese Erstarrung bezieht. Den letzten Satzteil könntest Du somit streichen.
habe es so übernommen

Mmmh, ihren Spaß wird sie ja nicht wirklich haben, wenn sie Sarahs Unfall und ihre Schuld daran nochmal durchleben muss? Böser Krebs!
Es ist ja noch die erste Etappe/Ebene und Luisa ist der Grund dieser "Traumreise" noch nicht klar ... ich lasse es also für den Krebs mal durchgehen ;)

Aber dann: Du wechselst zwischen Pferd und Pony. Auch Sarah sitzt mal auf einem Reitpony und dann wieder auf einem Pferd. Also soviel weiß ich: Das ist schon ein ziemlicher Unterschied zwischen diesen beiden Tieren
Ich hatte zuvor zumindest mal oberflächlich gegoogelt und den folgenden Satz gefunden:
"Als Pony bezeichnet man ein Pferd, das kleiner ist als 1,48 Meter."
Demnach dachte ich, dass es in Ordnung ist, beides zu verwenden, hauptsächlich, um nicht mehrfach hintereinander Pony schreiben zu müssen.
Da bin ich noch unschlüssig, inhaltlich wäre es wohl passender, bei Pony zu bleiben, aber mir gefallen die Wortwiederholungen dann nicht. Ich bräuchte dann anstatt Pferd ein anderes Alternativwort ...

Ja, warum war das denn ihr Wunsch? Es klingt hier auch so, als wüsste Luisa, dass der Krebs sie noch weiter in die Tiefen führt, als ahnte sie, dass sich ein weiteres Loch im Boden auftun würde.
An dieser Stelle finde ich es ganz gut, wenn es so rüberkommt, denn letzten Endes befindet sich ja alles in Luisas Gedanken und kommt nach und nach durch.

Da dachte ich beim ersten Lesen: Achtung, jetzt kommt was Horror-mäßiges! Es klingt ein wenig danach. Das passiert dann zwar nicht, aber hier stieg für mich die Spannung nochmal an.
Wäre eine überraschende Wendung ... aber hiermit wollte ich nur verdeutlichen, dass es in einen "dunkleren" Teil ihrer Erinnerung geht.

Das nimmt sie ja an. Für den Leser nimmt es aber die Handlung danach etwas vorweg (foreshadowing, hat man mir bei einem meiner Texte mal gesagt), ich würde das eher weglassen.
Ich habe den Satz nicht komplett gestrichen, aber geändert in:
"Was verbarg sich dahinter?"

Der zweite Satzteil klingt nicht rund in meinen Ohren. Wenn Du das so lassen möchtest, müsste es aber (mMn) korrekterweise lauten: Neben ihr musste der Krebs angekommen sein, eine Wolke des Sandes nach seinem Einschlag versprühend.
Ich habe stattdessen "nach seinem Einschlag" gestrichen.

Klingt nicht ganz rund. Vielleicht: Nach einigen Minuten ragte ein dicker, abgebrochener Ast auf den Feldweg und blockierte ihn teilweise. Etwas in diese Richtung fände ich runder.
Danke für den Vorschlag, ich habe es etwas abgewandelt übernommen.

Der Krebs sitzt vor der Baracke? Klingt seltsam.
Vielleicht ist es ein ziemlich entspannter Krebs ... aber ich habe sitzen mal entfernt.

Hier wird der Krebs dann als Traumbegleiter bezeichnet. Wieso weiß Luisa denn plötzlich, dass es sich nur um einen Traum handelt? Vorher habe ich es so gelesen, dass sie ihre Unterwasserumgebung eigentlich als gegeben hinnimmt, also nicht wirklich als traumartig. Zumindest aus ihrer Sicht, denn die Unterwasserwelt hat schon etwas Verträumtes an sich, so wie Du sie beschreibst.
Guter Hinweis, da war ich wohl etwas zu voreilig ... ich habe hier nun nur noch als Begleiter beschrieben.

Das Ende fand ich schön!
Danke, ich wollte hiermit zeigen, dass auch nach dem Aufwachen Luisas kindliche Phantasie noch ein wenig zurückkehrt.

Vielen Dank für dein Feedback und die vielen Vorschläge, haben den Text auf jeden Fall besser gemacht!

Viele Grüße und ebenfalls ein schönes Wochenende,
Rob

 
Monster-WG
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Lieber Rob,

ich habe Deine Geschichte sehr gern gelesen. Sie ist geheimnisvoll, man taucht in unbekannte Welten ab. Der Text ist flüssig geschrieben und ich mag auch die Auflösung. Sie war überraschend. Ein insgesamt sehr tiefgründiger Text, der mir gut gefallen hat. Du beschreibst sowohl die Unterwasserwelt, als auch die Szenen auf dem Reiterhof sehr bildhaft. Ich finde es toll, dass sich bei Deiner Prota das Unterbewusstsein regt. Sie hat jahrelang etwas verdrängt und hat nun die Chance, etwas gut zu machen.

Hier ein paar Leseeindrücke:

Sie wollte weitergehen, als etwas aus dem Wasser krabbelte. Es sah aus wie ein Krebs, nur größer, fast so wie … eine Katze, oder ein kleiner Hund. Luisa trat einige Schritte zurück und wollte schon nach ihren Eltern rufen, als das seltsame Geschöpf stehen blieb und sich schüttelte. Wassertropfen flogen in alle Richtungen. Dann blieb es ruhig und schien sie zu betrachten. Schließlich bewegte es eine der Scheren, als würde es sie zu sich winken. „Luisa“, drang es leise zu ihr, als würde der Wind ein entferntes Flüstern tragen.

Sehr schön beschrieben. Tolles Kopfkino :thumbsup:

Mit hochgezogenen Augenbrauen blickte sie zu der Kreatur und fing an zu lächeln, als sie weiter winkte und den Körper wie betrunken hin und her schwenkte. „Luisa, komm …“, kam es erneut bei ihr an.
Nachdem sie sich nochmal zu ihren Eltern umgedreht hatte, die weiterhin nichts mitbekamen, ging sie auf den großen Krebs zu.

Wortwiederholung

„Was bist du?“, fragte sie, als sie fast vor ihm stand.
„Erinnerst du dich nicht? Du fandest uns früher doch immer so toll, hast uns unter den Steinen gesucht.“ Wieder wie eine leise Stimme, die übers Meer geweht wurde.
Luisa blickte das Geschöpf an, kniff die Augen zusammen und schüttelte den Kopf. „Das kann nicht sein, ich bin doch erst elf!“
„Komm“, äußerte es erneut, drehte sich um und ging zurück ins Meer.

Das hat mich etwas irritiert. Oben sprichst Du von "ihm" und unten von "es".

Aber es störte sie nicht, es gab in ihren Gedanken nur die Musik, dessen Ursprung sie finden wollte.

deren

Aber war er das wirklich? Er leuchtete in einem hellen Blau. Als sie näher kam, erkannte sie feinen Sand, wie sie ihn hier unten nicht erwartet hätte.

Hier frage ich mich, was eine 11-jährige denn erwartet hätte.

Bevor sie den Boden berührte, ruderte sie mit den Armen und richtete ihren Körper so aus, dass sie mit den Füßen zuerst aufkam. Sie sank einige Zentimeter ein, der blaue Sand wirbelte auf wie in einer Zauberkugel.

Die Doppelung ist mir aufgefallen.

Sie ging zu der Stelle, an der sich der Krebs eingegraben hatte. Schon nach einigen Sekunden lugten die Spitzen seiner Scheren hervor, wieder zog er sich schwerfällig aus dem blauen Grund.

Sehr schön beschrieben. Während dem Lesen frag ich mich dauernd, was es mit der geheimnisvollen Unterwasserwelt auf sich hat. Finde es gut, wie Du die Spannung hältst.

Was hatte der Krebs am Ende gesagt? Ihr blieb vielleicht noch ein Jahr? Es sollte sie nicht wundern, mit nun gut sechsundachtzig Jahren.

Das war überraschend. Finde die Auflösung gut, also, das es ein Traum war. Und dann ihr wahres Alter.

Ob Sarah noch lebte? Wie hieß sie mit Nachnamen? So sehr sie es auch versuchte, sie konnte sich nicht erinnern. Dann sah sie gedankenverloren Richtung Meer und erblickte davor etwas, jemand hatte anscheinend in den Sand gemalt oder geschrieben. Sie stand leise stöhnend auf und erkannte das Wort Fennerson.
„Sarah Fennerson“, flüsterte Luisa.

Da hatte ich echt Gänsehaut :thumbsup:

Aus dem Augenwinkel bemerkte sie eine Bewegung. Etwas krabbelte im flachen Wasser, verschwand Schritt für Schritt unter der Oberfläche. Ziemlich groß für einen Krebs, dachte sie und lächelte. Die Sonne begann, unterzugehen. Sie drehte sich um und ging zurück zu ihrem Handtuch.

Sehr schönes Ende. Hat mir gut gefallen.

Ganz liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
Silvita

 
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Hallo @Silvita ,

danke für deinen Kommentar! Freut mich sehr, dass du meine Geschichten weiterhin liest! :gelb:

Ein insgesamt sehr tiefgründiger Text, der mir gut gefallen hat.
Danke, ich fand die Idee ganz passend, dass Luisa in ihre Vergangenheit, ihre Erinnerungen "abtaucht" und es dann in ihrer Vorstellung tatsächlich unter Wasser geht, auch da das Meer ein fester Bestandteil ihres Lebens war.

Ich finde es toll, dass sich bei Deiner Prota das Unterbewusstsein regt. Sie hat jahrelang etwas verdrängt und hat nun die Chance, etwas gut zu machen.
Ja, wer weiß, was zum Lebensende hin dann doch nochmal an die Oberfläche kommt. Und vielleicht ist es gut, sich nochmal damit zu beschäftigen.

„Luisa, komm …“, kam es erneut bei ihr an.
Wortwiederholung
ist bereinigt

Das hat mich etwas irritiert. Oben sprichst Du von "ihm" und unten von "es".
Um Wortwiederholungen zu vermeiden, habe ich entweder "Krebs", "Geschöpf" oder "Kreatur" geschrieben. Daher z.B. "ihm", wenn es zuvor "Krebs" hieß, oder"es", wenn zuvor "Geschöpf" stand.
Ich bin den ersten Absatz mehrfach durchgegangen, bevor ich den Text hier eingestellt habe, aber so ganz zufrieden bin ich mit genau diesem Punkt auch noch nicht. Werde es aber mangels anderer Ideen erstmal so lassen.

Aber es störte sie nicht, es gab in ihren Gedanken nur die Musik, dessen Ursprung sie finden wollte.
deren
habe es korrigiert

Aber war er das wirklich? Er leuchtete in einem hellen Blau. Als sie näher kam, erkannte sie feinen Sand, wie sie ihn hier unten nicht erwartet hätte.
Hier frage ich mich, was eine 11-jährige denn erwartet hätte.
Unter Wasser einen eher festen, schlammigen Boden. Ich habe daher noch das Wort "lockeren" ergänzt vor "Sand".

Bevor sie den Boden berührte, ruderte sie mit den Armen und richtete ihren Körper so aus, dass sie mit den Füßen zuerst aufkam. Sie sank einige Zentimeter ein, der blaue Sand wirbelte auf wie in einer Zauberkugel.
Die Doppelung ist mir aufgefallen.
habe es angepasst

Sehr schön beschrieben. Während dem Lesen frag ich mich dauernd, was es mit der geheimnisvollen Unterwasserwelt auf sich hat. Finde es gut, wie Du die Spannung hältst.
Danke, vielleicht erinnert es durch die verschiedenen/tieferen Bewusstseinsebenen ein wenig an den Film Inception von Christopher Nolan. Wobei es hierbei ja um eine verborgene Erinnerung geht, nicht darum, jemandem wie in dem Film einen anderen Gedanken einzusetzen.

Sehr schönes Ende. Hat mir gut gefallen.
Das freut mich, Realität und Luisas Phantasie verschwimmen am Ende ein wenig ;)

Danke für deine hilfreichen Anmerkungen und noch einen schönen Sonntag!

Rob

 
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Sie [Luisa] wollte weitergehen, als etwas aus dem Wasser krabbelte. Es sah aus wie ein Krebs, nur größer, …

Starker Einstieg für einenn wie mich, der den Mythos für den Ursprung aller Kunst weiß, und die Bandbreite des „Krebs’“ aufgrund seiner biologischen Fähigkeiten als Symbol ist unermesslich vom „Krebsgang“ des Unglücks der Massen („Im Krebsgang“ eine der letzten Veröffentlichungen G. Grass’) des individuellen Schicksals (Cancer) bis zur Fähigkeit des „rückläufigen“ Tieres zum Symbol der Sonnenwende,

lieber Rob,

aber was mir so auffällt ist zunächst die würde-Flut (warum traut sich jeder, Wortwiederholungen aufzuzeigen – nur eben nicht beim Konjunktiv …?)

Dann blieb es ruhig und schien sie zu betrachten. Schließlich bewegte es eine der Scheren, als würde es sie zu sich winken. „Luisa“, drang es leise zu ihr, als würde der Wind ein entferntes Flüstern tragen.
Wortwiederholungen sind ja nix Falsches – aber schon das unscheinbare „als (ob)“ sollte jeden auf den Konjunktiv irrealis hinweisen, dass eine Verwechselung mit dem Prät. vermieden werden kann, sofern keine Umlautung durch den Konjunktiv erfolgt, was hier im zwoten Teil überhaupt nicht möglich ist
„Schließlich bewegte es eine der Scheren, als winkte es sie zu sich. „Luisa“, drang es leise zu ihr, als trüge der Wind ein entferntes Flüstern.“
Ja gar noch statt des trägen Wortspiels mit dem Betrug sich leisten kann, statt "träge" zu wirken.

Der Krebs war fast unter Wasser und sie begann, ihm zu folgen.
Komma weg!, es zerschlägt das komplexe Prädikat „zu folgen beginnen“ -
vergleichbar weiter unten, hier –

Der Krebs begann, sich einzugraben. „Bis später“, hörte Luisa gerade noch
erstes Komma weg!

Und noch weiter unten quasi ein Wiederholung

„Hier gibt es nichts mehr für dich“, sagte der Krebs und begann, sich in den dunkelblauen Boden zu graben.
zwotes Komma weg!

Nach und nach folgten die anderen, Luisa als Letzte.
Hier empfehl ich, „als letzte“, Attribut der „anderen“. Weiter oben ging’s m. E. mit „als letztes“ korrekt zu.

Genauso perfekt wie ihr Pferd, dachte sie. Wie immer, egal, was sie macht.
M. E. besser „machte“

„Es war dein Wunsch, nochmal hier zu sein. Möchtest du zurück? Oder weiter?“
Besser auseinander, weil eigentlich ein verkürztes „noch einmal“

Vergleichbar hier

„Einfach direkt hinter mich. Ich glaube heute wird es eh erstmal ein kurzer Ausritt.
eigentlich „erst einmal“

Da sträubt sich die Schreibfeder gegen die üble Tat

Dann griff sie auf die andere Seite des Doppelbetts und nahm eine der Tablette heraus.

..., aber die Lehrerin rief: „Nicht, bleib zurück!“. Dann sprach sie leise zu ihrer verletzten Freundin, legte vorsichtig eine Hand auf ihre Stirn, während sie mit der anderen ihr Handy aus der Tasche zog.

Nach dem wortlosen Hinweis ein zwotes:
Normalerweise müsste „ihre Stirn“ korrekt zugeordnet werden – vorsichtshalber aber, um potentielle Verwechselungen vorzubeugen – nichts und niemand ist vor Flüchtigkeit geschützt – würd ich „deren Stirn“ empfehlen

Als sie auf dem Hof ankam, sah sie durch ihre verschwommene Sicht den Krebs vor der Baracke, in der sie mit Sarah ihr Zimmer hatte.
Besser „mit Sarah ein Zimmer teilte“
klingt auch nicht so besitzergreifend wie "haben" als Vollverb ...

Sein Ende war nicht zu sehen, soweit reichte er hinauf.
„so weit“, nur die Konjunktion wird zusammengeschrieben.
Hab ich vllt. schon mal zu geraten: Im Zweifel immer auseinander und die Wahrscheinlichkeit, falsch zu liegen, sinkt von 0,9 auf 0,1

Die Verdrängung ihrer Schuld, sie hatte bis heute mit Niemandem über die entfernte Tablette gesprochen.
Pronomen i. d. R. klein, hier kannstu sogar die Endung weglassen (wenn Du dich traust), „niemand“, es ist ursprünglich ein „nieman“ und dann schlicht „niemannen“, kein Mann/Mensch, was natürlich in Zeiten, da die Frage „haben Sie Kinder“ gestellt wird, korrekt mit „nein“ beantwortet werden müsste in jeder Einkindfamilie ... Man glaubt gar nicht, wie schnell man heutigentags in Erwartungshaltung wenn schon nicht lügt, so doch unwahr Zeugnis abgibt

Und was hier schließt – weißtu schon

Die Sonne begann, unterzugehen.

Gerne gelesen vom

FRiedel

 
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@Friedrichard

Hallo Friedel,

freut mich, dass du mal wieder vorbeischaust! Und vielen Dank auch diesmal für deine Erläuterungen!

Starker Einstieg für einenn wie mich, der den Mythos für den Ursprung aller Kunst weiß, und die Bandbreite des „Krebs’“ aufgrund seiner biologischen Fähigkeiten als Symbol ist unermesslich vom „Krebsgang“ des Unglücks der Massen („Im Krebsgang“ eine der letzten Veröffentlichungen G. Grass’) des individuellen Schicksals (Cancer) bis zur Fähigkeit des „rückläufigen“ Tieres zum Symbol der Sonnenwende
Danke! Ich hatte hierbei, da Luisa in dieser Erinnerung ja noch ein Kind ist, erstmal an die eigenen frühen (Urlaubs-)Erinnerungen gedacht, an die Krebse. die sich an der Nordsee unter großen Steinen tummeln.
Erst zum Ende hin dachte ich an die Bezeichnung der Krankheit, aber so gesehen passt ja auch das ganz gut. Es ist für Luisa eine verdrängte "bösartige" Erinnerung, die die meiste Zeit ihres Lebens an ihr genagt hat.

Dann blieb es ruhig und schien sie zu betrachten. Schließlich bewegte es eine der Scheren, als würde es sie zu sich winken. „Luisa“, drang es leise zu ihr, als würde der Wind ein entferntes Flüstern tragen.

Wortwiederholungen sind ja nix Falsches – aber schon das unscheinbare „als (ob)“ sollte jeden auf den Konjunktiv irrealis hinweisen, dass eine Verwechselung mit dem Prät. vermieden werden kann, sofern keine Umlautung durch den Konjunktiv erfolgt, was hier im zwoten Teil überhaupt nicht möglich ist
Es ist mir beim Schreiben nicht so aufgefallen, an der ein oder anderen Stelle aber m.E. ganz passend, da Luisa zu Beginn ja selbst versucht, die seltsamen Geschehnisse zu verstehen.
Ich habe in dem o.g. Beispiel aber den abschließenden Nebensatz angepasst:
"..., wie ein vom Wind getragenes, entferntes Flüstern."

Der Krebs war fast unter Wasser und sie begann, ihm zu folgen. ...

Komma weg!, es zerschlägt das komplexe Prädikat „zu folgen beginnen“ -
vergleichbar weiter unten, hier –

Habe das Komma entfernt, mal sehen, ob ich mir das als grundsätzliche Regel merken kann ...

erstes Komma weg!
...
zwotes Komma weg!
ist geschehen

Hier empfehl ich, „als letzte“, Attribut der „anderen“. Weiter oben ging’s m. E. mit „als letztes“ korrekt zu.
...
M. E. besser „machte“
...
Besser auseinander, weil eigentlich ein verkürztes „noch einmal“
ebenfalls übernommen

Dann griff sie auf die andere Seite des Doppelbetts und nahm eine der Tablette heraus.

Da sträubt sich die Schreibfeder gegen die üble Tat

Leider nicht genug, sonst hätte ich es gemerkt! :)
Ist nun korrigiert.

Dann sprach sie leise zu ihrer verletzten Freundin, legte vorsichtig eine Hand auf ihre Stirn, während sie mit der anderen ihr Handy aus der Tasche zog.

Normalerweise müsste „ihre Stirn“ korrekt zugeordnet werden – vorsichtshalber aber, um potentielle Verwechselungen vorzubeugen – nichts und niemand ist vor Flüchtigkeit geschützt – würd ich „deren Stirn“ empfehlen

Danke für den Hinweis, ich habe es mal geändert in:
" ..., legte ihr vorsichtig eine Hand auf die Stirn, während sie ... "
So wird m.E. deutlich, wer handelt und um wessen Stirn es geht.

Besser „mit Sarah ein Zimmer teilte“
klingt auch nicht so besitzergreifend wie "haben" als Vollverb ...
habe es übernommen

Sein Ende war nicht zu sehen, soweit reichte er hinauf.

„so weit“, nur die Konjunktion wird zusammengeschrieben.
Hab ich vllt. schon mal zu geraten: Im Zweifel immer auseinander und die Wahrscheinlichkeit, falsch zu liegen, sinkt von 0,9 auf 0,1

Ja, hast du bestimmt ... ich bemühe mich weiter, Grundsätzliches zu behalten :)
Ist nun geändert.

Die Verdrängung ihrer Schuld, sie hatte bis heute mit Niemandem über die entfernte Tablette gesprochen.

Pronomen i. d. R. klein, hier kannstu sogar die Endung weglassen (wenn Du dich traust), „niemand“

Das klingt besser, also traue ich mich mal nur mit "niemand".

Die Sonne begann, unterzugehen.

Und was hier schließt – weißtu schon

So ist es, zum Glück ... :gelb:

Danke für die Detailarbeit, viele Grüße!

Rob

 

CoK

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Hallo @linktofink

ich habe gerade deine Geschichte gelesen und sie hat mir gut gefallen, als der Hinweis ein neuer Beitrag erschien.
So habe ich sie ein zweites Mal gelesen.
Deine Geschichte lebt von den Erinnerungen einer alten Frau. In einem Traum sieht sie sich als Elfjährige mit einem schwachen Selbstbewusstsein und dem Neid auf das vermeintliche Glück der Schulfreundin. Um ihr Selbstbewusstsein aufzupolieren, lud sie Schuld auf sich.
Als Greisin holt sie diese Schuld in einem Traum ein. Ich denke, es geht vielen Menschen im Alter so.


Ins Innere
Für mich wird dieser Titel deiner Geschichte nicht gerecht.
Luisa näherte sich dem Meer. Nur noch wenige Meter trennten sie von den kleinen Wellen, die den Strand erreichten. Ihr Eltern hatten ihre Abwesenheit noch nicht bemerkt, wie ihr ein Blick über die Schulter zeigte. Beide waren zu sehr damit beschäftigt, regungslos und mit geschlossenen Augen die Sonne zu genießen.
Sie wollte weitergehen, als etwas aus dem Wasser krabbelte.
Finde diesen Einstieg uninteressant für Deine Geschichte.
Es sah aus wie ein Krebs, nur größer, fast so wie … eine Katze, oder ein kleiner Hund.
Ich würde hier beginnen.
Luisa blickte das Geschöpf an, kniff die Augen zusammen und schüttelte den Kopf. „Das kann nicht sein, ich bin doch erst elf!“
Ich habe mich gefragt warum sie das jetzt sagt, es ist klar dass sie ein Kind ist, wenn sie nach ihren Eltern rufen wollte
ging sie auf den großen Krebs zu.
„Was bist du?“, fragte sie, als sie fast vor ihm stand.
Sie ging auf den Krebs zu und dann fragt sie was bist du?
Da bist du ja“, erreichte sie die Stimme, (die sie schon zuvor gehört hatte.) Nur etwas lauter, als würde das Wasser sie verstärken. Vor ihr arbeitete sich der Krebs mit mühsamen Bewegungen aus dem Grund.
Würde ich weglassen zumal man erfährt, dass es der Krebs ist.
Warte“, sagte er, als er fertig war und klapperte mit den Scheren.
Um sie herum bildete sich eine Kuppel wie aus milchigem Glas, die sich weiter ausdehnte und das Wasser nach außen sog. Erst als sie die Größe mehrerer Fußballfelder hatte, hörte sie auf zu wachsen. Luisa und der Krebs standen nun im Trockenen.
Ich frage mich ob du diese Kuppel überhaupt brauchst. Der Traum ist fantastisch und in der Fantasie kann man auch ohne Kumpel auf dem Meeresboden sein.
Die Holzhütten, eine Scheune, und natürlich die Reithalle.
Warum natürlich?
Zunächst starr wie Schaufensterpuppen, dann begannen sie, sich ganz normal zu bewegen.
Auch hier würde ich weglassen.
Hab deinen Spaß, ich komme wieder.“
Ebenso empfinde ich diesen Satz als überflüssig.
Schon nach wenigen Runden verließ Luisa das Übungsfeld und stieg ab. Niemand rief etwas, als würde ihr Fehlen gar nicht bemerkt. Sie ging zu der Stelle, an der sich der Krebs eingegraben hatte. (Schon) nach einigen Sekunden lugten die Spitzen seiner Scheren hervor, wieder zog er sich schwerfällig aus dem blauen Grund.

(Was mache ich eigentlich hier?“)

(Finde es heraus, wenn du möchtest.“ Der Krebs schob mit den Zangen die letzten Reste des Sandes von seinem Panzer.)
Passt für mich nicht.
Bis er schon nach wenigen Sekunden nachließ und sie sich erneut einem blau leuchtenden Grund näherte.
Diesen Satz empfinde ich auch als zu viel.

Neugierig und mit Gänsehaut ging Luisa zu der Baracke, in der sie sich ein Zimmer mit Sarah teilte. Die Holzstufen und der Boden knarzten, als sie hinauf zu der kleinen Terrasse ging und das Haus betrat. Sie schloss die Tür hinter sich und hörte Stimmen aus den Zimmern links und rechts des Flurs. Alle redeten aufgeregt über den Tag. Warum endeten so wenige ihrer eigenen Tage mit so viel Freude?
Leise ging sie den Flur entlang und betrat den Raum ganz am Ende. Sarah war nicht da, wahrscheinlich duschte sie oder war bei den anderen. Den Interessanten. Sie setzte sich auf ihr Bett und betrachtete die Sachen ihrer Freundin. Alles war ordentlich gefaltet und in dem Wandregal verstaut. Sie muss sich für ihr Glück noch nicht mal anstrengen, dachte Luisa. Als würde sie wie ein Magnet alles Positive anziehen.
Mir ist nicht nur hier aufgefallen, dass du sehr oft das Personalpronomen „sie“ benützt. Vielleicht kannst du das ein oder andere Mal den Namen einsetzen oder den Satz umstellen.
Die vorderste Reiterin erhöhte das Tempo und der Rest der Gruppe passte sich an, bis sie alle einen zügigen Trab erreicht hatten. Luisa lächelte, auch aus Stolz, was sie alle in den letzten Tagen gelernt hatten. Sarah nieste ab und zu, schien ihr Pony aber sicher zu führen.

schweren
Woher weißt du dass das Gehölz schwer war? Ich würde das Wort weglassen.
Als bliebe sie als Geist
Auch das würde ich der Fantasie des Lesers überlassen.
es war auch nicht notwendig.
Ebenso war diese Info für mich nicht notwendig.
wie zuvor ihr Ich aus der Erinnerung
Auch hier das ist auch nicht notwendig.
Er klapperte wie schon so oft mit den Scheren, diesmal mehrmals kurz nacheinander. Wenige Meter entfernt entstand ein Wasserstrudel. Sein Ende war nicht zu sehen, so weit reichte er hinauf.
„Hier gibt es nichts mehr für dich“, sagte der Krebs und begann sich in den dunkelblauen Boden zu arbeiten.
Mir ist es fast ein bisschen zu viel Scherengeklapper und Ausführung würde diesen Absatz auch weglassen.
Du hast ein Recht auf die Wahrheit
Dieses wirkt so noch mal den Finger auf die Wunde. Das braucht es nicht.


Dein Schluss hat mir sehr gut gefallen.
Vielleicht kannst du meine Anmerkungen und Gedanken auch nicht brauchen und dir gefällt deine Geschichte so wie sie ist.
Freue mich auf deine nächste Geschichte.

Liebe Grüße
CoK

 
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09.12.2019
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Hallo @CoK ,

danke für den Gegenbesuch! Auch hierbei geht es ja unter Wasser, wenn auch nur im übertragenen Sinne, bei Luisas Reise zu einer verdrängten Erinnerung.

Für mich wird dieser Titel deiner Geschichte nicht gerecht.
Der Titel würde mich als Leser wahrscheinlich auch nicht sonderlich anziehen, inhaltlich finde ich ihn jedoch ganz passend. Luisa reist ins Innere ihres Unterbewusstseins, nähert sich einer lange "untergetauchten" Erinnerung.
Ich wollte hierbei einen Titel, der nicht zuviel zur Handlung verrät, aber auch zum Kern der Geschichte passt. Alternativ hatte ich noch an "Unter der Oberfläche" gedacht, aber das war mir dann etwas zu deutlich.


Finde diesen Einstieg uninteressant für Deine Geschichte.
(...)
Ich würde hier beginnen.
(...)
Es würde kein wichtiger Teil der Handlung wegfallen, wenn ich die ersten Zeilen entferne. Ich wollte hierbei jedoch einen Einstieg, der nicht direkt verrät, dass es ein Traum/eine Erinnerung ist. Daher hatte ich es zunächst wie einen Sommertag beschrieben, an dem Luisa mit ihren Eltern am Strand ist. Ich lasse es also mal so.

Luisa blickte das Geschöpf an, kniff die Augen zusammen und schüttelte den Kopf. „Das kann nicht sein, ich bin doch erst elf!“

Ich habe mich gefragt warum sie das jetzt sagt, es ist klar dass sie ein Kind ist, wenn sie nach ihren Eltern rufen wollte

Sie wundert sich hier über die Aussage des Krebses, der von "früher" spricht. Luisa wird ja erst zum Ende hin bewusst, dass sie das alles gar nicht aktuell/real erlebt.

Sie ging auf den Krebs zu und dann fragt sie was bist du?
Findest du es in der Reihenfolge unpassend? Sie fragt "was bist du?" wegen der ungewöhnlichen Größe des Krebses,

Da bist du ja“, erreichte sie die Stimme, (die sie schon zuvor gehört hatte.)

Würde ich weglassen zumal man erfährt, dass es der Krebs ist.

Guter Hinweis, habe den Satz angepasst.

Ich frage mich ob du diese Kuppel überhaupt brauchst. Der Traum ist fantastisch und in der Fantasie kann man auch ohne Kumpel auf dem Meeresboden sein.
Nicht unbedingt, Luisa merkt ja auch zuvor, dass sie unter Wasser atmen kann. Ich konnte es mir nur allgemein von den Bewegungen her schwer vorstellen, gerade wenn sie reiten. Daher also die Kuppel, die bei der Entstehung das Wasser nach außen leitet.

Die Holzhütten, eine Scheune, und natürlich die Reithalle.

Warum natürlich?

Gute Frage ... habe das Wort entfernt.

Zunächst starr wie Schaufensterpuppen, dann begannen sie, sich ganz normal zu bewegen.

Auch hier würde ich weglassen.

hab ich

"Hab deinen Spaß, ich komme wieder."

Ebenso empfinde ich diesen Satz als überflüssig.

Ich habe den Satz mal verkürzt in: "Bis später."
Die Aussage "Hab deinen Spaß ..." war vielleicht doch etwas unpassend ;)

Mir ist nicht nur hier aufgefallen, dass du sehr oft das Personalpronomen „sie“ benützt. Vielleicht kannst du das ein oder andere Mal den Namen einsetzen oder den Satz umstellen.
Ich habe es in diesem Absatz mal an einer Stelle durch "Luisa" ersetzt. Insgesamt finde ich es über den Text hinweg ganz passend, da ich i.d.R. Namen nicht zu häufig Namen wiederholen möchte, wenn auch so klar ist, welche Person ich meine.

Ich habe entsprechend deiner Anmerkungen noch weitere Stellen angepasst, vielen Dank fürs aufmerksame Lesen!

Viele Grüße und noch einen schönen Abend,
Rob

 
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21.03.2021
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Hallo @Rob F,

vielen Dank für deine neue Geschichte. Sie las sich angenehm, in einem Rutsch.

Nach dem zweiten Mal Abtauchen fragte ich mich, wo die Reise denn hingeht, dann hast du es durch Sätze wie diese hier geschafft, die Spannung zu halten:

Die Dunkelheit in der entstandenen Öffnung wirkte hier bedrohlicher auf sie, vielleicht, weil es noch tiefer hinabging? Was mochte sie dort erwarten? Auch die Musik klang nicht mehr nur anziehend, einige Töne wirkten schief. Irgendetwas war passiert in ihrer Nähe, aber sie erinnerte sich nicht.

Der weitere Verlauf der Story wirkte auf mich rund. Die Charaktere Luisa, Sarah und der Krebs liefen durch deinen Stil in Farbe auf der Leinwand meines Kopfkinos. :thumbsup:

Das Ende, also alles ab

Luisa hob den Kopf und blickte sich um.
wirkte auf mich dann allerdings doch ein klein wenig holprig. Sätze wie:
Die Verdrängung ihrer Schuld, sie hatte bis heute mit niemand über die entfernte Tablette gesprochen.
rochen ein wenig nach Show, don´t tell...?

Einige Wortkrieger vor mir haben bereits Kleinigkeiten an Form und Interpunktion angemerkt, das spare ich mir an dieser Stelle.

Wie gesagt, gerne gelesen, ich bin auf weitere deiner Geschichten gespannt.
Beste Grüße,
Seth

 

CoK

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24.08.2020
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Hallo @Rob F

Findest du es in der Reihenfolge unpassend? Sie fragt "was bist du?" wegen der ungewöhnlichen Größe des Krebses,
Du schreibst im Satz vorher: Sie ging auf den Krebs zu. Es ist hier also klar das es ein Krebs ist. Dann kommt die Frage, „ was bist du?“
Logisch wenn überhaupt: „Bist du groß“ oder „so einen großen Krebs hab ich noch nie gesehen.”
Ja, es ist die Reihenfolge.

Ich wünsche dir noch einen schönen Feiertag
Liebe Grüße CoK

 
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09.12.2019
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Hallo @Seth Gecko ,

danke für dein Feedback!

Nach dem zweiten Mal Abtauchen fragte ich mich, wo die Reise denn hingeht, dann hast du es durch Sätze wie diese hier geschafft, die Spannung zu halten
Danke, so war es gedacht! Auch dass die Umgebung, vor allem der Meeresgrund, zunehmend dunkler wird, sollte hierzu beitragen.

Der weitere Verlauf der Story wirkte auf mich rund. Die Charaktere Luisa, Sarah und der Krebs liefen durch deinen Stil in Farbe auf der Leinwand meines Kopfkinos.
Auch das freut mich, wenn die drei hauptsächlich durch Dialoge und ihre Handlungen vorstellbar werden.

... wirkte auf mich dann allerdings doch ein klein wenig holprig. Sätze wie:
(...)
rochen ein wenig nach Show, don´t tell...?
Ja, da gebe ich dir recht, inhaltlich wäre auch nicht alles unbedingt notwendig.
Auf der anderen Seite wäre dann nur das Ende, der letzte Absatz, sehr kurz. Außerdem spiegeln diese Sätze hier ja auch Luisas Gedanken wieder, die sie nach ihrer Traumerinnerung hat, ich fand es daher so ganz passend.

Wie gesagt, gerne gelesen, ich bin auf weitere deiner Geschichten gespannt.
Ich bin jetzt erst mal wieder auf der Suche nach Handlungsideen, aber irgendwann geht es weiter!

Danke für deine Eindrücke und noch einen schönen Feiertag!

Viele Grüße,
Rob


Hallo @CoK ,

danke für die Ergänzung!

Stimmt, so wie bisher macht Luisas Frage nicht viel Sinn. Ich habe es nun wie folgt geändert, vielleicht wird so der Beginn der Geschichte auch noch etwas geheimnisvoller:

Nachdem sie sich nochmal zu ihren Eltern umgedreht hatte, die weiterhin nichts mitbekamen, ging sie auf den großen Krebs zu.
„Wer bist du?“, fragte sie, als sie fast vor ihm stand.
„Erinnerst du dich nicht? Wir haben uns schon einmal gesehen, als du früher unter den Steinen gesucht hast.“ Wieder eine leise Stimme, die übers Meer geweht wurde.
Luisa blickte das Geschöpf an, kniff die Augen zusammen und schüttelte den Kopf. „Warum früher? Ich bin doch erst elf!“
„Komm“, äußerte es erneut, drehte sich um und ging zurück ins Meer.

Viele Grüße und noch einen schönen Tag,
Rob

 

CoK

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24.08.2020
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Hallo @Rob F

Ich habe die Stelle jetzt auch noch mal gelesen, mein Gefühl ist, das Kind würde nicht fragen: „Wer bist du?“ sondern: „Was willst du?“

Schönen Abend
CoK

 
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Wirklich schön erzählt!
Und im Kern hat die Geschichte so eine extrem wichtige Aussagekraft....
Wie schnell können wir einerseits aus Dummheit, Unüberlegtheit oder Oberflächlichkeit, starken Einfluss auf das Leben eines anderen Menschen nehmen?!
Aber vielleicht noch wichtiger, auch wenn es natürlich nicht bösartig geschehen ist, "warum haben wir oft die Meinung, dem anderen eine Lehre erteilen zu müssen?" Ohne dabei die Folgen abzuwägen oder einzuberechnen! Denn so habe ich das jedenfalls verstanden, dass sie eine der Tabletten wegnimmt, um ihr'lehrmeisterhaft' zu zeigen, dass 7, also nur eine für jeden Tag, leichtsinning wenig sind! Unter dem Motto, 'na, du wirst schon sehen, was du davon hast' und im Hinblick darauf, dass sie selbst dann ihr Pony reiten kann, wenn sie ausfällt, ist es schon ganz schön berechnend und hat letzten Endes heftige Konsequenzen....
Diese Denkweise, finde ich zumindest, ist auch aktuell in der Öffentlichkeit immer wieder zu erkennen. Schlaumeierei und den anderen Auflaufen lassen ist eher an der Tagesordnung, anstatt ihn vor Unheil, welches er vermeintlich selbst gerade nicht erkennt, zu bewahren, auch wenn man dadurch keinen Vorteil hat...
Gut geschrieben..! #writeon

★~(◠‿◕✿)​

 
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09.12.2019
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Zuletzt bearbeitet:

Hallo @gertomat ,

danke für dein Feedback!

Wie schnell können wir einerseits aus Dummheit, Unüberlegtheit oder Oberflächlichkeit, starken Einfluss auf das Leben eines anderen Menschen nehmen?!
Ja, die Gründe können wohl vielfältig sein, aber wahrscheinlich denken wenige darüber nach, was sie damit bei anderen anrichten (ich nehme mich selbst dabei nicht aus). Es kann ja z.B. auch nur eine eher witzig gemeinte Bemerkung gegenüber jemandem sein, der ohnehin schon unsicher ist und sich daraufhin noch mehr zurückzieht.

"warum haben wir oft die Meinung, dem anderen eine Lehre erteilen zu müssen?"
Ohne dabei die Folgen abzuwägen oder einzuberechnen!
Eine gesunde Einstellung ist wahrscheinlich, andere so zu akzeptieren, wie sie sind. Es kann ja jeder entscheiden, ob er mit jemandem etwas zu tun haben möchte. Wobei das natürlich in der Arbeitswelt oder innerhalb der Familie nicht immer so einfach ist.
Aber ich sehe es auch, wie kann sich jemand herausnehmen, jemand anderen verändern zu wollen? Es hat ja wahrscheinlich niemand etwas gegen den ein oder anderen Tipp, aber mehr sollte es dann m.E. auch nicht sein.

Denn so habe ich das jedenfalls verstanden, dass sie eine der Tabletten wegnimmt, um ihr'lehrmeisterhaft' zu zeigen, dass 7, also nur eine für jeden Tag, leichtsinning wenig sind! Unter dem Motto, 'na, du wirst schon sehen, was du davon hast' und im Hinblick darauf, dass sie selbst dann ihr Pony reiten kann, wenn sie ausfällt, ist es schon ganz schön berechnend und hat letzten Endes heftige Konsequenzen....
Das finde ich eine gute Frage, was stand für Luisa im Vordergrund? Ihrer "perfekten" Freundin, die immer im Mittelpunkt steht, eine Lektion zu erteilen? Ihr zumindest mal einen schlechten Tag zu bereiten? Oder durch ihre Tat mal selbst besser dazustehen und gesehen zu werden, alleine dadurch, dass Sarah mal einen Tag ausfällt. Wird wohl beides eine Rolle spielen.

Diese Denkweise, finde ich zumindest, ist auch aktuell in der Öffentlichkeit immer wieder zu erkennen. Schlaumeierei und den anderen Auflaufen lassen ist eher an der Tagesordnung, anstatt ihn vor Unheil, welches er vermeintlich selbst gerade nicht erkennt, zu bewahren, auch wenn man dadurch keinen Vorteil hat...
Es ist m.E. ein großer Unterschied, was in der Öffentlichkeit passiert und was eher im Verborgenen. Wahrscheinlich gilt bei allem: "Jeder ist sich selbst der nächste." Nach außen hin gut darstehen, aber wenn´s keiner sieht, kann man ja auch mal fies sein ...

Danke auf jeden Fall fürs Lesen und deine Eindrücke!

Viele Grüße,
Rob

 
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Ich habe die Stelle jetzt auch noch mal gelesen, mein Gefühl ist, das Kind würde nicht fragen: „Wer bist du?“ sondern: „Was willst du?
Hallo @CoK ,

nun habe ich nochmal drüber nachgedacht.

Da der Krebs offenbar intelligent ist und mit Luisa kommuniziert, bleibt für mich jedoch die erste Frage: "Wer bist du?". Was er möchte, deutet er ja zuvor schon an.

Aber danke für den Denkanstoß!

Viele Grüße,
Rob

 
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Ich kann dir nur zustimmen! ;-) #writeon LG Gert

 
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Salü @Rob F,

hatte ich vorgemerkt ... aber momentan ist viel zu tun. Jetzt aber ...
Ich möchte fast sagen: Ein Rob-Text. So langsam bildet sich ein Rahmen, innerhalb dessen ich deine Ideen und Texte verorten kann. Du hast dir dein Zuhause geschaffen, in dem du dich locker bewegst. So muss es sein.

Hat mir sehr gut gefallen. Zwar keine neun Kreise hinab, nur drei, aber für Erkenntnis und Schuld allemal genug. Und lehrreich. Könnte man gut für den Unterricht nehmen. So, Zusammenfassung, Interpretation, was lernen wir daraus, Kinder?

Was mir auffiel:

Ihr Eltern hatten ihre Abwesenheit noch nicht bemerkt, wie ihr ein Blick über die Schulter zeigte.
eventuell könnte das zweite 'ihr' weg
Sie wollte weitergehen, als etwas aus dem Wasser krabbelte. Es sah aus wie ein Krebs, nur größer, fast so wie … eine Katze, oder ein kleiner Hund. Luisa trat einige Schritte zurück und wollte schon nach ihren Eltern rufen
vielleicht ... dachte daran, ihre Eltern zu rufen ...
Nachdem sie sich nochmal zu ihren Eltern umgedreht hatte, die weiterhin nichts mitbekamen, ging sie auf den großen Krebs zu.
das liest sich im Fluss etwas holprig. Da würde ich, glaube ich, den ganzen Satz umbauen, etwas kürzen.
Um sie herum bildete sich eine Kuppel wie aus milchigem Glas, die sich weiter ausdehnte und das Wasser nach außen sog.
presste oder drückte
Luisa und der Krebs standen nun im Trockenen.
ohne nun fände ich das präsenter
Für einige Umdrehungen betätigte sie die Handkurbel und lächelte, als sie die Melodie hörte. Aber bekam auch Gänsehaut, ohne zu wissen, warum.
Vielleicht ... Luisa drehte die kleine Kurbel, lächelte, als sie die Melodie hörte, spürte Gänsehaut auf den Armen und fragte sich, warum.
„Ja, nur bist du deswegen hierher gekommen.“
Hier würde ich stärker betonen, um was es geht, also: 'Ja. Nur deswegen bist du hierher gekommen.'

Sodele, eine feine Geschichte. Ich empfand sie als überaus lesenswert.

Grüße
Morphin

 
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Salü @Rob F, hatte ich vorgemerkt ... aber momentan ist viel zu tun. Jetzt aber ...

Hallo @Morphin ,

gerade noch rechtzeitig ... ich bin so langsam dabei, den Text gedanklich beiseite zu legen und mich mal etwas Neuem zu widmen. Danke für dein Feedback!

Ich möchte fast sagen: Ein Rob-Text. So langsam bildet sich ein Rahmen, innerhalb dessen ich deine Ideen und Texte verorten kann. Du hast dir dein Zuhause geschaffen, in dem du dich locker bewegst. So muss es sein.
Vielleicht zeigt sich auch durch diesen Text, dass ich mir allgemein Themen eher ausführlich aneigne. Mit den Basics anfange und dann Schritt für Schritt weitergehe, bis es am Ende (hoffentlich) eine Runde Sache ist. Danke für diesen Eindruck!

Zwar keine neun Kreise hinab, nur drei, aber für Erkenntnis und Schuld allemal genug. Und lehrreich. Könnte man gut für den Unterricht nehmen. So, Zusammenfassung, Interpretation, was lernen wir daraus, Kinder?
Ja, für eine Kurzgeschichte reichen wohl erst mal drei Ebenen. Die Anbahnung, die Tat und die Folgen. Alles hat seine Konsequenzen.

Ihr Eltern hatten ihre Abwesenheit noch nicht bemerkt, wie ihr ein Blick über die Schulter zeigte.
eventuell könnte das zweite 'ihr' weg
habe es entfernt, klingt so besser

vielleicht ... dachte daran, ihre Eltern zu rufen ...
übernommen

Nachdem sie sich nochmal zu ihren Eltern umgedreht hatte, die weiterhin nichts mitbekamen, ging sie auf den großen Krebs zu.
das liest sich im Fluss etwas holprig. Da würde ich, glaube ich, den ganzen Satz umbauen, etwas kürzen.
Ich habe den markierten Teil einfach entfernt. Dass ihre Eltern nichts mitbekommen, geht ja im Prinzip daraus hervor, dass Luisa weitergeht.

Um sie herum bildete sich eine Kuppel wie aus milchigem Glas, die sich weiter ausdehnte und das Wasser nach außen sog.
presste oder drückte
Ich habe den Satz mal beendet mit: "... und das Wasser von ihnen fernhielt."

Luisa und der Krebs standen nun im Trockenen.
ohne nun fände ich das präsenter
gekauft

Vielleicht ... Luisa drehte die kleine Kurbel, lächelte, als sie die Melodie hörte, spürte Gänsehaut auf den Armen und fragte sich, warum.
Danke für den Vorschlag, ich bin im Moment mit dem Abschluss beider Varianten (... und fragte sich, warum) nicht so ganz zufrieden. Luisa spürt hier ja eher unbewusst, dass mit der Situation in der Vergangenheit etwas Negatives verbunden war, vielleicht fällt mir noch etwas grundsätzlich anderes ein, um das anzudeuten. Ich lasse es also erstmal so.

Hier würde ich stärker betonen, um was es geht, also: 'Ja. Nur deswegen bist du hierher gekommen.'
So würde es nicht zum vorherigen Dialog passen, ich habe es mal geändert in:
"„Ja. Aber dann erfährst du nicht den Grund dieses Weges.“

Danke für den Kommentar und viele Grüße,
Rob

 

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