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Iva und Cal

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09.12.2019
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Iva und Cal

Iva saß auf einem Felsen und blickte auf die Zeltstadt. Um sie herum existierte bis zum Horizont nichts anderes als felsiger, fast weißer Boden. Der Wind wirbelte den Staub der Steinwüste durch das Gebiet.
Es war noch früh am Morgen, die Sonne stand tief an dem grünlichen Himmel, als die ersten Bewohner ihre Zelte verließen. Sie trugen die hellgraue Uniform der Föderation, für die Arbeit in den Minen. Iva erinnerte sich an die Erzählungen ihrer Eltern: Die langen, dunklen Gänge, bis sie die tief liegenden Kammern mit dem Eisenerz erreichten. Zu schmal für die Minenroboter der Föderation. Staub und Dunkelheit, immer wieder Unfälle.
Sie und ihr Zwillingsbruder Cal hatten noch knapp ein Jahr, bis sie sechzehn wurden und ihren Dienst in den Minen beginnen mussten. Ihre Eltern starben vor einigen Monaten, einer der Tunnel war eingestürzt und hatte sie unter sich begraben. Es gab nie einen Versuch, ihre Leichen zu bergen.
Die Arbeit in den Minen bedeutete immer den Tod. Entweder durch einen Unfall, oder man wurde irgendwann zu einer seelenlosen Hülle. Iva stand auf und ging zurück zu dem Zelt, das sie sich mit Cal teilte. Es wurde Zeit, ihren Plan in die Tat umzusetzen.

„Na immerhin bist du schon wach“, sagte Iva und schüttelte sich den Staub aus ihren langen braunen Haaren. Sie setzte sich zu ihrem Bruder aufs Bett. Cal gähnte und sah sie mit verschlafenem Blick an. „Heute Abend. Es gibt keinen Grund mehr, es hinauszuschieben, sonst tun wir es nie und enden hier, wie alle anderen.“
Cal blickte sie einige Sekunden an, als würde er nach der Lösung einer Aufgabe suchen, und fragte: „Hast du alles vorbereitet?“
„Klar. Den Schlüssel zum Lagerbereich hab ich ohnehin meistens bei mir. Criv'ahn weiß, dass er mir vertrauen kann. Glaubt er zumindest. Ich lasse die Tür unverschlossen, du kannst dich also rein schleichen und alles vorbereiten, während ich ...“
Cal legte seine Hand auf ihre. „Es tut mir leid ...“, begann er, aber Iva zog ihre Hand weg und stand auf.
„Lass gut sein, das hatten wir oft genug. Wenn wir dadurch eine Chance haben, zu fliehen, ist es mir das Wert."
„Und was meinst du, wie lange werden wir brauchen?", fragte Cal, um auf ein anderes Thema auszuweichen.
„Denk mal an unsere Ankunft, als wir hierhin geflogen wurden. Vom Rand des Plateaus war es zwar noch ein gutes Stück, aber ich schätze, dass wir es in ein bis zwei Tagen schaffen können. Falls ich die Geschwindigkeit des Gleiters richtig einschätze. Vielleicht treffen wir dort ja sogar andere Menschen, denen die Flucht gelungen ist.“
„Meinst du? Auf jeden Fall hoffe ich, dass wir beide in der Lage sind, in dem Wald zu überleben.“
Iva lächelte. „Na klar. Wir kommen ja auch miteinander aus, da können uns einige seltsame Waldkreaturen doch nicht erschrecken. Wir sind dort auf jeden Fall sicher, sie werden sich nicht die Mühe machen, uns in dem schwierigen Gelände zu suchen. Sie können jederzeit neue Sklaven anfordern, es wundert mich ohnehin, dass sie uns nach dem Tod unserer Eltern hierbehalten haben.“
Bevor Cal etwas antworten konnte, steckte ein Arbeiter den Kopf in ihr Zelt und rief: „Kommt schnell zum Hauptplatz, es ist wieder jemand erwischt worden!“

Han'ra stand in der Mitte des Hauptplatzes, auf dem sonst die Nahrungsrationen verteilt und die Arbeiter zu ihren Schichten in den Minen eingeteilt wurden. Drei ihrer Wachsoldaten standen bei ihr, die Gewehre im Anschlag. Sie war als Aufseherin der Zeltstadt genauso schön wie unbarmherzig, mit ihrer bronzefarbenen Haut und den weißen langen Haaren.
Ihr Bruder, Criv'ahn, war nicht nur der Bewacher und Verwalter des Lagerbereichs, er war auch Han´ras rechte Hand, wenn es darum ging, die Arbeiter in ihren Grenzen zu halten. Und zu bestrafen, sollte es nötig sein. Er stand mit seiner Hellebarde neben einem Arbeiter, der mit geneigtem Kopf und leerem Blick vor Han'ra kniete.
Viele Arbeiter hatten sich auf dem Platz eingefunden. Han'ra freute sich über die Menge der Schaulustigen, je öffentlicher die Bestrafung, desto wirkungsvoller. Sie ging einen Schritt auf den vor ihr knienden Mann zu und sagte: „Du bist beim Stehlen erwischt worden. Ich lasse auch dir die Wahl: Kopf oder Beine.“
„Immer das gleiche!“, flüsterte Iva ihrem Bruder ins Ohr.
„Wenigstens hat er eine Wahl, sie könnte ihn auch direkt töten“, gab er zurück.
Es war nur der Wind zu hören, während alle auf eine Antwort warteten. Der Mann hob kurz den Blick und sah Han´ra an, schloss dann die Augen und senkte seinen Kopf wieder nach vorne, ohne etwas zu sagen.
Han´ra nickte ihrem Bruder zu. Criv'ahn war eine beeindruckende Erscheinung, fand Iva. Fast zwei Meter groß und scheinbar nur aus Muskeln bestehend. Er müsste es nicht tun, arbeitete aber dennoch ab und zu in den Minen. Es lag einfach in seiner Natur, körperlich zu arbeiten. Er trat neben den Mann und holte mit seiner Hellebarde aus. Auch diesmal brauchte er nur einen Schlag.
Iva betrachtete den abgetrennten Kopf. Sie würde ihren Weg in die Sicherheit finden. Aber anders als Cal glaubte.

Es begann dunkel zu werden, als Iva sich auf den Weg zu Criv'ahn machte. Sie ging dabei erneut über den Hauptplatz, der zu dieser Zeit von Scheinwerfern beleuchtet wurde.
Iva betrachtete die Arbeiter, die sich jeden Abend hier trafen. Auch die Föderation wusste, wie wichtig es war, die Arbeiter bei Laune zu halten. Die meisten hatten sich einfach in Gruppen zusammengesetzt und unterhielten sich. In einer Ecke des Platzes versuchten sich einige daran, gemeinsam zu musizieren. Es wurden ihnen hierfür Instrumente zur Verfügung gestellt. Iva erinnerte sich daran, dass sich vor einigen Wochen sogar eine Gruppe gefunden hatte, die ein kleines Theaterstück aufführte. Der anschließende tosende Applaus hatte sogar Han'ra und ihre Wachen auf den Platz gelockt.
Iva war abends gerne auf dem Platz. Meistens setzte sie sich alleine irgendwo an den Rand und beobachtete einfach die anderen. Es beruhigte sie, nicht alleine zu sein, alle hier teilten das gleiche Schicksal.
Manche Arbeiter konnten jedoch die Abende nur noch erschöpft in ihren Zelten verbringen. Ein trauriger Kreislauf aus Arbeit und Erholung. Genau hiervor hatte Iva am meisten Angst.
Sie betrachtete die vielen Blutflecken auf dem hellen Boden. Sie würde nicht den Schrecken der Minen erleben.

Iva erreichte den durch einen Stacheldrahtzaun umgebenen Lagerbereich am Rand der Zeltstadt. Sie konnte Criv'ahn nirgendwo sehen, als sie die Tür im Zaun aufschloss und eintrat. Um sie dann wieder zu verschließen. „Es tut mir leid, Cal“, flüsterte sie.
Sie betrat Criv´ahns Zelt, er war gerade dabei, eines der Werkzeuge zu reparieren, das in den Minen eingesetzt wurde. Ein Lächeln umspielte seine Lippen, als er sah, wer ihn besuchte. Sie sahen sich einige Sekunden in die Augen, dann legte Criv'ahn das Werkzeug weg und ging auf sie zu.
„Ich wusste, dass du irgendwann abends hier sein würdest“, sagte er.
Iva sah ihn weiter an und ließ sich Zeit mit ihrer Antwort. „Wirst du gut zu mir sein? Mich beschützen?“
„Ja. Solange du bei mir bleibst.“
Beide wussten, dass es nicht mehr war als ein Deal. Iva würde alles tun, um den Minen zu entgehen. Sie ging zu Criv'ahn und öffnete den Reißverschluss ihrer Uniform.

Iva lag neben Criv'ahn, genau wie er unter einer dünnen Decke. Sie dachte an Cal und ihren gemeinsamen Plan, den sie bis vor wenigen Wochen mit ihm zusammen durchziehen wollte. Bis ihr Criv'ahns Interesse an ihr immer mehr auffiel und ihr nach und nach klar wurde, dass es für sie eine andere Möglichkeit gab. Als Han´ras Bruder würde er die Möglichkeit haben, sie vor der Arbeit in den Minen zu verschonen. Wenn sie ihm gab, was er wollte.
Mit dem Verrat an Cal würde sie leben müssen. Sie versuchte, nicht daran zu denken, welche grenzenlose Enttäuschung und Wut er verspürt haben musste, als er merkte, dass die Tür zum Lagerbereich verschlossen war. Sie kannte ihn ihr Leben lang und wusste, dass ihm die Wahrheit und ihre Absicht dahinter schnell klar werden würde.
"Wie lange bist du schon hier?", fragte sie Criv'ahn, auch um sich selber abzulenken.
Er sah sie an, als wäre er überrascht, dass sie mit ihm sprach. "Müssten mittlerweile sieben oder acht Jahre sein. Ich hätte auch eine der anderen Zeltstädte übernehmen können, aber so ist es für mich in Ordnung. Ich bleibe lieber im Hintergrund."
"Ich arbeite schon lange für dich, und habe mich immer gefragt, ob du zufrieden hier bist."
"Und was meinst du?", wollte Criv'ahn wissen.
"Ich glaube, dass du gar nicht darüber nachdenkst, sondern hier immer weiter deinen Auftrag erfüllen wirst. Oder hast du mal daran gedacht, woanders hinzugehen? Dich von Han'ra zu lösen?"
Er blickte sie einige Sekunden an, und Iva hatte zum ersten mal das Gefühl, dass er sich ihr etwas öffnete. "Dieser Weg wurde von unseren Eltern immer so vorgezeichnet. Han'ra würde bei der Föderation Karriere machen, und ich bin ihr Beschützer im Hintergrund. Aber auch sie steckt nun hier fest, und ohne sie ... würde ich vielleicht ein anderes Leben führen. Ich habe neben Han'ra noch eine weitere Schwester, Ven'ra, sie war hier für die Sicherheit zuständig. Sie hatte immer den Traum, in Freiheit zu leben, fernab der Zwänge der Föderation."
"Und wo ist sie nun?"
Bevor Criv'ahn antworten konnte, hörte sie nicht weit entfernt einen schmerzerfüllten Schrei, gefolgt von einem dumpfen Aufprall, so als wäre ein schwerer Gegenstand auf den Boden gefallen. Criv'ahn sah sie kurz an, stand auf und lief nach draußen, ohne sich etwas anzuziehen. Iva band sich die dünne Decke um und folgte ihm in die Nacht.
Criv´ahn stand in der Nähe des Zauns, mit dem Rücken zu ihr. Er sprach zu jemandem, der vor ihm lag, anscheinend war jemand über den Zaun geklettert. „Wolltest du etwas stehlen oder zu deiner Schwester?“
Iva trat neben Criv'ahn, und sah Cal am Boden liegen. Er hatte sich an dem Stacheldraht auf dem Zaun verletzt, seine Arme und Beine bluteten. Sie begann zu zittern, wollte etwas sagen, schloss dann aber wieder den Mund. Zuviel strömte auf sie ein. Ihren Bruder verletzt zu sehen. Die Tatsache, dass er für sie über den Zaun geklettert war, wahrscheinlich weil er Angst hatte, dass ihr etwas passiert war. Genauso kannte sie ihn, immer besorgt und selbstlos. Gleichzeitig ihr Verrat und die Nacht mit Criv´ahn, nur auf ihre eigene Sicherheit bedacht.
„Sieht danach aus, dass wir schon bald die nächste Bestrafung haben“, sagte Criv'ahn und ging zu Cal.

Es war einer der wenigen windstillen Tage. Auf dem Hauptplatz hatten sich viele Arbeiter eingefunden, es herrschte dennoch eine gespenstische Stille, niemand sagte ein Wort.
Han'ra war wie üblich von drei ihrer bewaffneten Soldaten umgeben, sie blickte auf den vor ihr knienden Cal. Einige Minuten sah sie ihn nur an, dann begann sie: „Die Bestrafung gestern war wohl nicht abschreckend genug. Was kann ich machen, damit ihr einfach nur brav eure Arbeit macht?“. Wieder eine Pause, sie sah in die Menge um sich herum. Schaute einigen Arbeitern direkt in die Augen, die ihren Blick zum Boden abwendeten.
Iva stand weit hinten, sie hoffte, dass Cal sie nicht gesehen hatte. Sie hatte Criv'ahn wieder und wieder angebettelt, seine Schwester um Gnade zu bitten. Hatte ihm versichert, dass Cal bestimmt nichts stehlen wollte, sondern nur besorgt um sie war. Criv'ahn hatte ihr zumindest versprochen, mit Han'ra zu sprechen. Er schien weniger ein Eisblock zu sein, als sie dachte, aber er respektierte auch die Regeln seiner Schwester. Sie war die Herrscherin, und war nicht unbedingt offen für andere Meinungen.
Han'ra fuhr fort: „Vielleicht versuche ich mal etwas anderes. Bringt seine Schwester zu mir!“.
Jemand drückte Iva den Lauf eines Gewehres in den Rücken. Sie wollte sich umdrehen, wurde aber am Kragen ihrer Uniform gepackt und durch die Menge zu Han'ra geschoben. „Auf die Knie!“, rief der Soldat hinter ihr und drückte sie nach unten.
„Hallo, Iva! Ich hörte, du hast den Wunsch, nicht in den Minen zu arbeiten, sondern ein bequemes Leben zu führen? Dann sollst du genau das haben! Aber vorher wirst du die Strafe erhalten, die eigentlich dein Bruder verdient hat. Und Cal, du darfst dafür bereits ab heute in den Minen arbeiten. Und solltest du nicht genug leisten, werde ich deine Schwester weiter bestrafen. Wir fangen heute mit ihrem linken Arm an“. Sie sah zu Criv'ahn. „Fang an. Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit!“
Er zögerte nur einen kurzen Moment, dann ging er zu Iva und zog sie an ihren Haaren auf den Rücken. „Halt still“, sagte er, und hielt ihr die Klinge der Hellebarde vors Gesicht.
Iva sah die Entschlossenheit in seinen Augen, er würde den Befehl seiner Schwester wie eine Maschine ausführen. Sie hatte sich doch in ihm geirrt, er würde ihr nicht helfen. Widerstandslos ließ sie es zu, dass er an ihrem linken Handgelenk zog, bis ihr Arm ausgestreckt auf dem Boden lag.
Sie blickte zu Cal, der von einem der Soldaten zum Rand der Menge gebracht worden war. Er hatte Tränen in den Augen. So ist es gerecht, dachte sie. Sie hatte die Strafe verdient, nicht Cal. Wäre sie bei ihrem Plan geblieben, wären sie jetzt vielleicht beide in Freiheit.
Han'ra war einen Schritt näher gekommen und lächelte. Criv'ahn hob die Hellebarde über seinen Kopf und führte sie hinab, auf Ivas Arm zu. Er begann sich dabei nach links zu drehen, und schwang die Waffe in einem weiten Bogen mit sich. Han'ra hatte keine Chance zu reagieren. Er durchtrennte ihren Körper mit all seiner Kraft oberhalb der Hüfte.
Bevor einer der Soldaten verstand, was passierte, ließ Criv'ahn die Hellebarde fallen, und griff die Wache in seiner Nähe am Kragen, zog sie zu sich. Mit seiner rechten Hand umgriff er die Hand des Mannes und den Finger am Abzug. Er erschoss die anderen drei Soldaten, bevor er dem vor sich mit beiden Händen das Genick brach. Dann hob er drei der Gewehre auf und gab davon jeweils eins an Iva, die aufgestanden war, und Cal. Er schoss mit seinem Gewehr einmal in die Luft und schrie: „Niemand folgt uns!“.
Iva und Cal wussten nicht, wie ihnen geschah, als Criv'ahn sie mit sich zog und in Richtung des Lagerbereichs lief.
„Was hast du vor?“, rief Iva, als sie an dem Zaun angekommen waren.
„Sieht danach aus, als hätte ich mich für dich entschieden. Jetzt habe ich endlich keine andere Wahl mehr, als aus dieser trostlosen Stadt zu fliehen. Es wird nicht lange dauern, bis die Föderation ein Team schickt, um den Vorfall zu untersuchen. Also sollten wir schleunigst von hier verschwinden.“
Sie liefen zu dem großen Zelt, in dem sein Gleiter stand. „Cal, du holst aus dem Nachbarzelt genügend Wasser und Lebensmittel, beeil dich! Iva, du hilfst mir, den Gleiter startklar zu machen, mach einfach genau, was ich dir sage.“

Bis zum Horizont gab es unter dem grünen Himmel nichts anderes als das helle, fast weiße Gestein. Sie waren bereits mehr als einen Tag unterwegs, mit nur zwei kurzen Pausen, um zu Essen und Benzin nachzufüllen. Wasser hatten sie schon während des Flugs genug getrunken.
„Ich schätze, es sind noch vier bis fünf Stunden, bis wir den Rand des Plateaus erreichen“, sagte Criv'ahn, als sie erneut auf den Gleiter stiegen.
„Wie kommt es, dass sie uns nicht verfolgen?“, wollte Cal wissen.
„Sie machen wahrscheinlich genau das, womit Han´ra auch beginnen wollte: Sie bestrafen andere für das, was wir getan haben. Außerdem ist es für die Föderation kein Problem, Menschen und Material zu ersetzen, sie haben alles im Überfluss.“
Weder Iva noch Cal antworteten darauf, sie flogen für eine Weile schweigend weiter. Nach ungefähr einer Stunde erschien eine breite und hohe Felsformation vor ihnen, mit nur wenigen Lücken, durch die sie hindurch fliegen konnten. Criv'ahn hatte sich für einen Durchweg entschieden und steuerte etwas nach rechts.
„Das sieht aber eng aus. Vielleicht fliegen wir besser oben drüber?“, schlug Iva vor.
„Könnten wir, aber das würde uns auch mehr Benzin kosten, und ich glaube, es wird eh schon knapp“, meinte Criv'ahn, und blieb auf seinem Kurs.
Kurz bevor sie die Lücke in den Felsen erreichten, bemerkte er, dass er zu weit rechts flog, und korrigierte den Gleiter. Die Anstrengung und der wenige Schlaf machten sich nun doch bemerkbar, und er zog zu weit nach links.
„Pass auf!“, schrie Iva, doch es war zu spät. Der Gleiter streifte den Felsen mit dem linken Flügel und begann, sich um die eigene Achse zu drehen. Iva und Cal wurden zur Seite herunter geschleudert, schlugen hart auf dem Felsboden auf und kamen erst nach einigen Metern zum Liegen. Criv'ahn versuchte, sich auf dem Gleiter zu halten und ihn zu stabilisieren, verlor jedoch nach einigen Sekunden ebenfalls den Halt und rutschte auf den rechten Flügel. Der Gleiter prallte aus der Drehbewegung heraus frontal gegen einen weiteren Felsen. Criv'ahn wurde nach vorne geschleudert und knallte gegen das Gestein.

Iva drehte sich auf den Rücken und setzte sich stöhnend auf. Sie hatte überall am Körper Schürfwunden, auch im Gesicht, schien sich aber nichts gebrochen zu haben. Einige Meter entfernt rappelte Cal sich auf und kam mit schmerzverzerrtem Gesicht zu ihr.
„Geht es? Kannst du aufstehen?“, fragte er.
„Ich denke schon“, meinte sie, und ließ sich von ihm aufhelfen.
Sie gingen langsam zu den Überresten des Gleiters. Dadurch, dass er frontal gegen den Felsen geprallt war, war das Cockpit vollständig zerstört, und er war zwischen den Flügeln auseinander gebrochen. Iva sah zu Criv'ahn und musste ihren Blick direkt wieder abwenden. Er war mit dem Rücken gegen den Felsen geschleudert worden und wäre wahrscheinlich schon dadurch gestorben. Die rechte Seite des zerbrochenen Gleiters war ebenfalls an dieser Stelle gegen den Felsen geschlagen, und er war von dem Flügel in der Mitte durchtrennt worden. Sein Oberkörper lag auf dem Flügel, seine abgetrennten Beine darunter. Trotz des schrecklichen Anblicks dachte Iva an Han'ra, vielleicht war es eine Ironie des Schicksals, dass nun ihr Bruder so starb.
„Mein Gott“, sagte Cal, als auch er gesehen hatte, was mit Criv'ahn passiert war. Er ging zu Iva und nahm sie in den Arm. Zunächst blieb sie sehr ruhig, dann kam alles, was seit Cals Verhaftung passiert war, aus ihr heraus. Die Angst, dass er hingerichtet wurde. Ihre innere Aufgabe, als sie fest damit rechnete, von Criv'ahn verstümmelt zu werden. Und nun dieser schreckliche Unfall, als sie sich so sicher war, dass sie es schaffen würden. Sie zitterte und weinte, Cal hielt sie und fing sie auf. Trotz ihres Verrats, sie war seine Schwester und er liebte sie.
Nachdem sie sich etwas beruhigt hatte, löste sie sich von Cal und wischte ihre Tränen weg. „Das hier soll nicht umsonst gewesen sein. Wir können es noch immer schaffen, auch zu Fuß.“
Sie sah zu dem zerstörten Gleiter. Die Vorräte, die sich im Innenraum des Rumpfs befunden hatten, lagen auf dem Boden. „Wir nehmen mit, soviel wir können, und halten uns in die Richtung, in die wir geflogen sind.“

Cal hatte keine Kraft mehr. Sein Fieber hatte vor einigen Stunden begonnen, und es würde nicht mehr lange dauern, bis er auch mit Iva als Stütze nicht mehr weiter gehen konnte. Auch Iva war nah dran, aufzugeben. Ihre Vorräte waren bis auf einen Rest Wasser aufgebraucht.
„Setz dich hin, ich gebe dir noch was zu trinken“, sagte sie zu Cal und ging in die Hocke, damit er es einfacher hatte.
Cal setzte sich und legte sich dann auf den Rücken, schloss die Augen. „Für mich ist es vorbei, Iva. Du wirst nur eine Chance haben, den Wald zu erreichen, wenn du ohne mich weitergehst.“ Seine Stimme war kaum noch zu hören.
„Red keinen Quatsch“, erwiderte Iva und setzte ihm die Trinkflasche an die Lippen. Er öffnete ein wenig den Mund, das meiste Wasser lief ihm jedoch an den Wangen herab. Sie hatte Tränen in den Augen und blickte zum Horizont. War es das nun? Sie konnte noch nicht mal mehr mit Sicherheit sagen, ob sie in den letzten Stunden in die richtige Richtung gegangen waren.
Als sie gerade ebenfalls ihre Augen schließen und sich hinlegen wollte, flog etwas vor ihrem Gesicht herum. Sie hatte so ein Geschöpf noch nie gesehen, es erinnerte sie von der Form her an Criv´ahns Gleiter. Es war ungefähr halb so groß wie ihre Hand, hatte bläuliche Flügel und einen schmalen Körper. Ein zweites dieser Geschöpfe erschien, seine Flügel waren gelb und grün.
Iva sah in die Richtung, aus der sie gekommen waren, und bemerkte zum ersten Mal, dass dort der helle Boden der Steinwüste nicht bis zum Horizont reichte. Weitere der kleinen Kreaturen flogen von dort auf sie zu.
„Cal!“, rief sie und schüttelte ihn leicht. Er öffnete nur kurz die Augen und blickte sie mit müden, tränenden Augen an. Sie fühlte seine Stirn. Das Fieber schien etwas nachgelassen zu haben, vielleicht bestand ja noch Hoffnung. „Ich bin gleich wieder bei dir.“
Iva stand auf und lief in die Richtung, aus der die fliegenden Geschöpfe kamen. Nach wenigen Minuten bekam sie die Gewissheit, am Rand des Plateaus zu sein. Sie konnte den Abgrund sehen, lief weiter und hielt kurz vor dem Rand an.
Der Anblick war so atemberaubend, dass ihre Beine zitterten und sie sich setzen musste. Sie blickte auf eine grüne Fläche, die bis zum Horizont reichte. Auch wenn sie weit über dem Dach des Waldes war, konnte sie sein Leben sehen und spüren. Kleine Geschöpfe stiegen von den Baumkronen in die Luft und verschwanden wieder im Wald. Auch zwischen den Bäumen gab es immer wieder Bewegungen, sie konnte jedoch nicht erkennen, was es war.
So sehr sie von alledem fasziniert war, wurde ihr nach und nach bewusst, dass es keine Möglichkeit gab, dieses grüne Paradies zu erreichen. Der Rand des großen Plateaus befand sich weit über dem Wald, es führte kein Weg hinunter.
Iva begann eine innere Leere zu fühlen, wehrte sich aber dagegen, aufzugeben. Ihr Blick kehrte immer wieder zu einer weit entfernten Lichtung zurück. Sie war sich nicht sicher, ob es auf diese Entfernung eine Sinnestäuschung war, oder ob sie dort tatsächlich eine Ansammlung von braunen zeltähnlichen Behausungen sah. Auch dort glaubte sie, immer wieder Bewegungen zu erkennen.
Aber sie musste zurück zu Cal und wollte gerade aufstehen, als sich in der Nähe der Lichtung etwas zwischen den Bäumen erhob. Iva hatte so etwas noch nie gesehen, es sah aus wie ein riesiges fliegendes Zelt, unter dem mit Seilen ein Korb befestigt war.
Sie blieb sitzen und starrte das Fluggerät wie ein fasziniertes Kind mit großen Augen an. Es kam näher, und sie erkannte in dem Korb zwei Menschen, einen Mann und eine Frau. Sie lächelten ihr zu.
Iva wollte ebenfalls lächeln, dann sah sie die Frau aus der Nähe. Die bronzefarbene Haut und die weißen Haare. Die Ähnlichkeit zu Han'ra war unverkennbar.
„Hallo, Iva“, sagte sie.
 
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Hi @Rob F

Wir hatte noch nicht das Vergnügen, also erlaube ich mir ein verspätetes: Willkommen! :herz:

Gibt ja nicht allzu viele aktive SF-Schreiberinnen hier, also freue ich mich, dass ich einmal dazu gekommen bin, etwas von Dir zu lesen (ist ja schon Deine zweite in dieser Rubrik). Ich habe sonst noch keine von Deinen Geschichten gelesen. Hier habe ich den Eindruck, dass ich es mit einer sehr weit entwickelten Welt zu tun habe. Das finde ich schön! :thumbsup:

Allerdings gibt es für mich auch einige größere Kritikpunkte, die ich Dir gerne detaillierter darlegen möchte: Erklärungen, Dialoge und Perspektive. Wobei Dialoge und Erklärungen ein ziemlich verbundener Aspekt sind.

Erklärungen

Hier haben wir es mit einem Problem zu tun, dass sicher alle kennen, die sich im Bereich Fantastik probieren (mich eingeschlossen): Wie bringen wir die Leserinnen in eine Welt, die sie nicht kennen, ohne dass sie ständig Verständnisprobleme haben? Du löst dieses zentrale Problem der Fantastik, indem Du erklärst. Das springt mir gleich zu Anfang ins Auge:

Alle waren nur zu einem Zweck hier: Im Auftrag der Föderation in den Minen Eisenerz abzubauen. Die Zeltstadt war nur für diese Arbeit errichtet worden, genauso wie zahllose weitere Städte auf diesem Planeten.

Das ist eine astreine Erklärung, sonst gar nichts. Davon gibt es sehr viel in Deiner Geschichte – nicht nur, wenn es um den Weltenbau geht, sondern auch, wenn Du Dich mit den Motiven Deiner Prota beschäftigst:

Mit dem Verrat an Cal würde sie leben müssen. Sie versuchte nicht daran zu denken, welche grenzenlose Enttäuschung und Wut er verspürt haben musste, als er merkte, dass die Tür zum Lagerbereich verschlossen war. Sie kannte ihn ihr Leben lang und wusste, dass ihm die Wahrheit und ihre Absicht dahinter schnell klar werden würde.

Hier zeigt sich ganz gut, dass Erklärungen ein generelles Problem sind, das wir meistern müssen, während wir das Schreibhandwerk erlernen. In der Fantastik ist das Problem eben nur noch durch die Komponente des Weltenbaus erweitert, das heißt, es wird NOCH schwieriger.

Warum sind Erklärungen ein Problem? Das Problem ist, dass unser oberstes Ziel sein sollte, das Kopfkino in den Köpfen der Leserinnen anzuschmeißen. Sie sollen etwas vor ihrem inneren Auge SEHEN. Dass die Leserinnen etwas sehen sollen, bedeutet, dass wir bildhaft schreiben müssen. Erklärungen sind nicht bildhaft. Dass alle Arbeiter nur da sind, um Eisenerz abzubauen, erzeugt kein Bild. Dass Iva weiß, dass Cal ihr Handeln verstehen wird, erzeugt kein Bild.

Die Lösung des Erklärproblems ist das allseits beschworene: "Show, don't tell!" Im Zeigen versteckt sich auch die explizite Aufforderung an Dich als Autor, konsequent und ununterbrochen Bilder zu erzeugen, erlebbar zu erzählen.

Eine Geschichte in einer anderen Welt zu beginnen, indem Du diese Welt erklärst, ist kein guter Stil. Es erzeugt keine Bilder in meinem Kopf. Du musst die Geschichte beginnen, indem Du die Welt in Bildern und in Bewegung zeigst. Und das bedeutet, dass konsequent gehandelt, gefühlt, erlebt werden muss. Wenn vor dem inneren Auge der Leserinnen ununterbrochen Bilder laufen (ja, die Handlung darf auch nicht anhalten), DANN können sie die Welt auch erleben. Und auf diese Weise wirst Du sie viel eher auch in Deine Welt entführen können.

Dialoge

Verwandt mit diesem Problem sind Deine Dialoge. Vor allem zu Anfang fällt mir auf, dass Du Dialoge nutzt, um MIR (nicht den Gesprächspartnern Deiner Prota) etwas zu erklären. Dass das Quatsch ist, möchte ich Dir ganz kurz an konkreten Textbeispielen zeigen:

Den Schlüssel zum Lagerbereich hab ich ohnehin meistens bei mir, Criv´ahn vertraut mir mittlerweile fast alles an. Ich arbeite seit ich zehn bin für ihn und er weiß, dass er mir vertrauen kann. Glaubt er zumindest.

Das sagt Iva zu Cal. Zu ihrem Bruder Cal, mit dem sie in einem Zelt wohnt. Und doch nicht erst seit gestern. Warum muss sie ihm sagen, für wen sie in den letzten zehn Jahren gearbeitet hat? Es ist für mich als Leserin völlig offensichtlich, dass das ein unauthentischer Dialog ist, den der Autor mir nur präsentiert, um etwas zu erklären. Das glaube ich Dir nicht, dass die so miteinander reden.

Nachdem wir uns dem Boden näherten, sind wir längere Zeit über den Wald geflogen. Vom Rand des Plateaus war es zwar noch ein gutes Stück bis hierhin

Iva erzählt Cal sogar, wie sie mit ihm ZUSAMMEN in dieser Gegend gelandet ist. Warum macht sie das? Ja, na ja, die Antwort ist mir als Leserin schon klar, ich bin ja nicht blöd. Fühle mich nur etwas für dumm verkauft. Ein authentischer Dialog funktioniert so nicht.

Auch sonst kann ich nicht glauben, dass die beiden am Abend vor der Ausführung ihres Plans über die Details reden, als würden sie das zum ersten Mal tun:

„Ich hoffe, es ist genug Benzin im Tank, um den Rand des großen Plateaus zu erreichen, und in den Wald zu flüchten“, erwiderte Cal, um auf ein anderes Thema auszuweichen.
„Ich werde sehen, dass ich aus dem Lagerbereich genügend Proviant mitnehme, vielleicht finde ich ja auch Kanister mit Ersatzbenzin. Und falls wir tatsächlich den Wald erreichen, hoffe ich, dass wir beide in der Lage sind, dort zu überleben.“

Später erfahre ich, dass die beiden das Ganze länger geplant haben. Warum reden sie über die Details, als würde ihnen das jetzt erst einfallen?

Okay, ich höre auf, so zu fragen, als wüsste ich die Antwort nicht. Wahrscheinlich muss ich meinen Punkt nicht näher begründen (wenn doch, sag Bescheid): Dialoge zu benutzen, ausschließlich um den Leserinnen etwas zu erklären, während die Figuren im Gespräch eigentlich alle Bescheid wissen müssten, ist kein guter Stil.

Perspektive

Hier habe ich keine Zitate gesammelt, weil ich einfach generell zu diesem Punkt verwirrt bin. Die meiste Zeit habe ich den Eindruck, Du schreibst aus Ivas Perspektive, aber manchmal erfahre ich, worüber Han'ra sich freut und was Criv'ahn so denkt. Und ich habe deshalb nur eine Frage: Welche Perspektive soll das sein? Hast Du Dir etwas dabei gedacht?

Ich persönlich muss sagen, dass ich kaum Erfahrungen mit anderen Erzählerinnen als der personalen Erzählerin habe. Deshalb stoßen mir Perspektivwechsel mitten im Absatz sauer auf. Aber vielleicht bin ich in dieser Hinsicht auf einfach nur intolerant und unerfahren.

Kleinscheiß (in order of appearance)

Cal gähnte und sah sie mit zerzausten, ebenfalls braunen Haaren und verschlafenem Blick an.

Er sah sie mit ... Haaren ... an? Das klingt sehr schief. Niemand sieht andere Leute mit seinen Haaren an. Außer vielleicht Medusa. :p

während ich...“

Wenn Du nicht das Wor..., sondern den Satz abbrichst ..., dann kommt vor die drei Punkte ein Leerzeichen. Das kannst Du im gesamten Text nachbessern.

Han´ra stand in der Mitte des Hauptplatzes, auf dem sonst die Nahrungsrationen verteilt, und die Arbeiter zu ihren Schichten in den Minen eingeteilt wurden.

Kann es sein, dass Du kein Apostroph ' sondern ein Accent tigue ´ verwendest? Das richtige Apostroph findest Du auf einer Taste mit dem #, direkt neben der Entertaste. Gerne auch im ganzen Text korrigieren. ;) Außerdem Komma weg vor "und".

Einheitsuniform

Das ist ja wohl ein Pleonasmus. Habe das Wort extra nochmal nachgeschlagen: Wortreichtum ohne Erkenntnisgewinn, also so etwas wie eine tote Leiche oder ein junges Kind. Uniformen sind immer uniform, also einheitlich.

Es wird keinen Prozess geben,

Das klingt für mich sehr aus der Perspektive eines Menschen unserer Welt erzählt. Denn ein Prozess wird ja sicher auch nicht erwartet, oder?

Er trat neben den Mann und holte mit seiner Hellebarde aus. Auch diesmal brauchte er nur einen Schlag.

Eine Hellebarde ist eine praktische Waffe, aber kann man damit Menschen köpfen? Ich frag nur. Kann's mir leider gar nicht vorstellen.

Auch die Föderation wusste, wie wichtig es war, die Arbeiter bei Laune zu halten.
Es war nur eine Frage der Zeit, bis es in den Gedanken nichts anderes gab außer Arbeit und Einsamkeit.

Diese beiden Sätze sind a) natürlich wieder Erklärungen, also sollten sie vielleicht sowieso rausfliegen, b) schließen sie sich aber auch gegenseitig aus. Verstehst Du, was ich meine? Der zweite Satz sagt, dass alle irgendwann gebrochen sind und auch keine Laune mehr brauchen. Der erste Satz betont die Wichtigkeit der Laune. I don't get it.

Er war fest am Schlafen.

Wie wäre es mit: "Er schlief fest."

Bis ihr Criv´ahns Interesse an ihr immer mehr auffiel, und ihr nach und nach klar wurde, dass es für sie eine einfachere Möglichkeit gab.

Komma weg am "und". Generell setzt Du viel zu häufig ein Komma am "und". Du musst Dir klarmachen, dass dort das Komma nur erlaubt ist, wenn davor und danach zwei vollständige und gleichrangige Haupt- oder Nebensätze stehen. Hier braucht der Satz nach dem "und" dringend noch das "Bis", um vollständig zu sein, deshalb darfst Du dort kein Komma setzen.

Am Rande möchte ich erwähnen, dass ich finde, das vermittelte Frauenbild hat ein ziemliches Geschmäckle. Aber da Du Deine Figuren emotional sowieso kaum ausgestaltet hast, ist es bisher auch nicht mehr als das. Iva wirkt halt wie eine, die völlig bedenkenlos, emotionslos und auch folgenlos (sie ist weder vorher noch nachher auch nur bisschen angefasst) ihren Körper verkauft. Könnte natürlich besser werden, wenn Du das Innenleben der Figuren lebendiger erzählst (nicht erklärst, sondern zeigst). Oder Du meinst, dass sie wirklich so drauf ist.

„Wolltest du etwas stehlen, oder zu deiner Schwester?“

Am "oder" kann ein Komma nur stehen, wenn die verbundenen Sätze nicht gleichrangig sind. Das hier ist sogar noch eine Aufzählung, und auf beiden Seiten vom "oder" wird dringend das "Wolltest du" gebraucht. Also Komma weg.

Sie begann zu zittern, wollte etwas sagen, schloss dann aber wieder ihren Mund.

Ja, wessen Mund auch sonst, wenn nicht ihren eigenen? Versuche, nicht unnötig Possessivpronomen zu verwenden.

Einige Minuten sah sie ihn nur an, dann begann sie:
„Die Bestrafung gestern war wohl nicht abschreckend genug. Was kann ich machen, damit ihr einfach nur brav eure Arbeit macht?“.

Kein Zeilenumbruch vor der wörtlichen Rede. Außerdem kommt, wenn Du den Redebegleitsatz voranstellst, nach der wörtlichen Rede kein Punkt mehr. Das Satzzeichen in der wörtlichen Rede (hier ein Fragezeichen) reicht vollkommen aus, um den Satz zu beenden. Das machst Du immer wieder und solltest Du im ganzen Text korrigieren.

Blickte einigen Arbeitern direkt in die Augen, die ihren Blick zum Boden abwendeten.

Ziemlich viel "Blick" hier.

„Auf die Knie!“, rief der Soldat hinter ihr, und drückte sie nach unten.

Komma weg am "und".

„Hallo Iva! Ich hörte du hast den Wunsch, nicht in den Minen zu arbeiten, sondern ein bequemes Leben zu führen?

Komma vor "Iva" und vor "du".

Auf dem Weg der Waffe nach unten begann er sich nach links zu drehen, und schwang die Hellebarde in einem weiten Bogen mit sich.

"Auf dem Weg der Waffe nach unten", das klingt umständlich. Komma vor "sich nach links". Hier ist das Komma am "und" übrigens richtig, weil der Infinitivsatz "sich nach links zu drehen" von Kommata umgeben sein sollte.

Dann hob er drei der Gewehre auf und gab davon jeweils eins an Iva, die aufgestanden war, und Cal.

Hier habe ich doch einmal einen sehr subtilen Perspektivfehler rausgesucht. Eigentlich denke ich, dass ich die Geschichte aus Ivas Perspektive erlebe. Aber Du beschreibst erst die Handlungen anderer Person (den Kampf) und erzählst danach, dass Iva in der Zwischenzeit auch was gemacht hat. Wenn wir die Geschichte tatsächlich aus ihrer Perspektive erleben würden, dürfte das nicht passieren; dann hätten ihre Handlungen Vorrang.

Oder vielleicht gefiel mir auch einfach euer Plan, in den Wald zu fliehen, endlich weg aus dieser trostlosen Umgebung.

Woher weiß Criv'ahn von dem Plan?

Iva, du hilfst mir den Gleiter startklar zu machen,

Komma vor "den".

„Könnten wir, aber das würde uns auch mehr Benzin kosten, und ich glaube es wird eh schon knapp“, meinte Criv´ahn, und blieb auf seinem Kurs.

Komma vor "es", Komma weg vor "und blieb auf seinem Kurs". Beim anderen "und" ist das Komma angemessen.

Criv´ahn versuchte sich auf dem Gleiter zu halten und ihn zu stabilisieren, verlor jedoch nach einigen Sekunden ebenfalls den Halt und rutschte auf den rechten Flügel.

Komma vor "sich".

Cal befand sich nur einige Meter entfernt, er war bereits aufgestanden und kam mit schmerzverzerrtem Gesicht zu ihr.

"befinden", das ist einfach kein Verb, das in mir Begeisterungsstürme auslöst. Eher im Gegenteil. Du könntest so viel kräftigere, bildhaftere Verben verwenden und einfach direkt zur Action kommen: "Einige Meter entfernt rappelte Cal sich auf und ..." Bewegung statt Statik. Das lässt sich auch durch geschickt eingesetzte Verben erreichen.

„Ich denke schon“, meinte sie, und ließ sich von ihm aufhelfen.

Komma weg vorm "und".

Iva blickte zu Criv´ahn und musste ihren Blick direkt wieder abwenden.

Wieder viel "Blick".

Er war mit seinem Rücken gegen den Felsen geschleudert worden, und wäre wahrscheinlich schon dadurch gestorben.

Mit wessen Rücken auch sonst? Komma weg vorm "und".

„Das hier soll nicht umsonst gewesen sein. Wir können es noch immer schaffen, auch zu Fuß“.
„Für mich ist es vorbei, Iva. Du wirst nur eine Chance haben, den Wald zu erreichen, wenn du ohne mich weitergehst“.

Der Punkt muss in beiden Fällen vor dem schließenden Anführungszeichen stehen.

„Red keinen Quatsch“, erwiderte Iva, und setzte ihm die Trinkflasche an die Lippen.

Du ahnst es sicher schon: Komma weg vorm "und".

Er öffnete ein wenig den Mund, das meiste des Wassers lief ihm jedoch an den Wangen herab.

Wie wäre es mit: "das meiste Wasser", statt "das meiste des Wassers". Wir sind hier ja nicht im Russischen. ;)

Iva sah in die Richtung, aus der sie gekommen waren, und bemerkte zum ersten mal, dass dort der helle Boden der Steinwüste nicht bis zum Horizont reichte.

"Mal" groß.

Sie konnte den Abgrund sehen, lief weiter, und hielt kurz vor dem Rand an.

Komma weg vorm "und".

Auch dort glaubte sie immer wieder Bewegungen zu erkennen.

Komma vor "immer".

Aber sie musste zurück zu Cal, und wollte gerade aufstehen, als sich in der Nähe der Lichtung etwas zwischen den Bäumen erhob.

Komma weg vorm "und".

Es kam näher, und sie erkannte in dem Korb zwei Menschen, ein Mann und eine Frau.

"Sie erkannte ... einen Mann ..." Denke ich. Könnte mich auch täuschen.

Iva begann ebenfalls zu lächeln, bis sie die Frau besser sehen konnte.

Das klingt, als würde Ivas Lächeln dafür sorgen, dass sie die Frau besser sieht.

„Hallo Iva“, sagte sie.

Komma vor "Iva".

Das soll's von mir erstmal gewesen sein. Als ich angefangen habe, hier Fantastik zu schreiben, habe ich eine Geschichte unzählige Male umgeschrieben, um das mit den Erklärungen rauszubekommen. Keine einfache Aufgabe. Ich bin daran und an meiner mangelnden Erfahrung gescheitert, aber ich denke, der Versuch würde sich lohnen: möglichst ohne Erklärungen auszukommen. Diese Welt zu zeigen.

Ich bin gespannt, was Du draus machst. Make it work!

Cheers,
Maria
 
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Hallo @TeddyMaria ,

dann erstmal vielen Dank für dein ausführliches Feedback!

Ich habe, gerade was die Kommasetzung angeht, schon mal einiges korrigiert. Es hilft mir auf jeden Fall, dass du jeweils die grundsätzlichen Regeln dazu geschrieben hast, danke.

Die schwierigeren Inhalte (Bildliche Sprache statt Erklärungen und Erzählperspektive) nehme ich mir in den nächsten Tagen vor, mal sehen, ob ich da etwas weiter komme...

Noch zu deinen Anmerkungen:

Ich habe gehofft, dass Ivas emotional kühl wirkende Entscheidung, ihren Körper zu verkaufen, nach vollziehbarer wird, dadurch dass sie in einer Arbeiterstatt groß geworden ist, in der es kaum etwas anderes gibt als den "Schrecken der Minen". Ohne eine Perpektive, irgendwann davon wegzukommen, also so zu Leben bis zum Tod. Ich hatte deswegen ihre Angst davor ab und zu erwähnt, auch dass ihre Eltern in den Minen gestorben sind. Es sollte also eigentlich nicht das "Gescmäckle" entstehen, dass eine Frau dies grundsätzlich leichtfertig macht, falls es so rüber gekommen ist.

Ich bin kein Waffenexperte, aber ich habe mir mal ein paar Bilder einer Hellebarde angesehen. Ich glaube die größeren Exemplare eignen sich schon dafür, jemanden zu köpfen... Jedenfalls ist es bei Criv'ahns Hellebarde so ;-)

Ein sehr guter Hinweis, woher kurz vor der Flucht Criv'ahn von dem Plan weiß, dass Iva und Cal ohnehin fliehen wollen. Ist mir tatsächlich (peinlicherweise) durchgegangen, habe diese Stelle mal etwas angepasst.

Ich finde es auch nach deiner Rückmeldung schwierig, dem Leser Hintergrundinformationen näher zu bringen, ohne nicht doch das ein oder andere einfach zu beschreiben. Manche professionelle Autoren machen es ja teilweise auch so, in Ergänzung zu bildlichen Beschreibungen, wenn es z.B. um die (Vor-) Geschichte einer Stadt oder Person geht. Aber ich bemühe mich ;-)

Und du hast geschrieben, dass du daran gescheitert bist, eine Geschichte im Bereich Fantastik zu schreiben, wenn es darum geht, dem Leser die Welt zu zeigen. Ich habe noch keine deiner Geschichten gelesen, aber nach den ganzen Tipps, die du mir gegeben hast, kann ich mir das eigentlich nicht vorstellen. Ich denke, dann lese ich auch mal was von dir, wenn ich hoffentlich demnächst die Zeit hierfür finde.

Viele Grüße!
Rob
 
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Hallo @Rob F

ich möchte auf einen Widerspruch aufmerksam machen, der mir am Setting der Geschichte ins Auge gesprungen ist. Es handelt sich um eine Zivilisation, die technologisch in der Lage ist, zu den Sternen zu reisen und auf fernen Planeten Rohstoffe abzubauen. Und sie beschäftgen Sklaven für diese Arbeit!? Sklaven brauchen Essen, müssen schlafen, werden krank, alt und müssen bewacht werden, weil sie sonst abhauen. Warum setzt man nicht Roboter ein?
Seit dem Mittelalter wird die Produktion auf der realen Erde Stück für Stück auf Automation umgestellt. Experten befürchten eine Explosion der Arbeitslosigkeit in den nächsten Jahrzehnten aufgrund der Digitalisierung und technischer Weiterentwicklungen. Und die Menschen sind noch weit davon entfernt, Planeten außerhalb des Sonnensystems zu besuchen.

Also, ich kann eine Geschichte nicht ernst nehmen, in der eine technisch hochentwickelte Gesellschaft anstatt die Effizienz von Maschinen zu nutzen, auf schwache, unzuverlässige Sklaven zurückgreift.

Schöne Grüße!
Kellerkind
 
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09.12.2019
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Hi @Kellerkind ,

ich bin für jedes Feedback hier dankbar, deswegen habe ich die Geschichte ja auch eingestellt. Ich frage mich dennoch, bei dem was du schreibst, ob das wirklich ernst gemeint ist, denn:

Denk mal z.B. an den Science Fiction-Klassiker "Die totale Erinnerung". Spielt auch in einer hochtechnisierten Zukunft, die Menschen fliegen u.a. zum Mars und haben ihn bevölkert. Dennoch arbeitet der Prota (Quaid) als einfacher Arbeiter und macht dabei etwas, was Maschinen viel besser und effizienter erledigen könnten.

Die Frage, warum Menschen trotz aller technologischen Möglichkeiten noch immer einfache Tätigkeiten ausüben, könntest du dir wahrscheinlich bei den meisten SF-Geschichten stellen.

Ich bin auch bei diesem Thema kein Experte, aber vielleicht ist die Antwort ganz einfach: Weil Menschen eine Beschäftigung brauchen. Was würde denn passieren, wenn kaum noch jemand etwas zu tun hat? Und was kann eine Regierung machen, in meiner Geschichte die Föderation, wenn es einfach zu viele Menschen gibt? Anstatt sie nur durchzufüttern, werden sie z.B. irgendwo als Sklaven eingesetzt. Selbst wenn Maschinen effizienter wären.

Abgesehen davon bildet das Ganze ja nur den Rahmen der eigentlichen Geschichte, die Flucht von Iva und Cal, zu der du leider gar nichts geschrieben hast.

Also falls du wirklich Geschichten direkt schlecht und unglaubwürdig findest, nur weil du einen Inhalt nicht nachvollziehen kannst, bist du bei Science Fiction vielleicht nicht unbedingt richtig.

Der Film "Starship Troopers" von Paul Verhoeven ist meiner Meinung nach immer noch einer der besten SF-Filme. Und das obwohl die Menschen trotz aller technischen Möglichkeiten zu Fuß mit Maschinengewehren gegen riesige Insekten kämpfen. Völlig unglaubwürdig, hat aber dennoch seinen Sinn: Die Überheblichkeit der Menschen zu zeigen, vor allem dadurch, dass sie direkt beim ersten Angriff gnadenlos niedergemetzelt werden.

Viele Grüße
Rob
 
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07.01.2018
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Hi @Rob F nochmal

Ich wollte noch einmal auf ein paar Punkte eingehen, die Du in Deiner Antwort aufwirfst.

Ich finde es auch nach deiner Rückmeldung schwierig, dem Leser Hintergrundinformationen näher zu bringen, ohne nicht doch das ein oder andere einfach zu beschreiben.

Ich denke, hier ist das große Geheimnis, gerade im Bereich Kurzgeschichten: Du musst Dich wirklich fragen, welche Hintergrundinformationen überhaupt notwendig sind. Denn es handelt sich ja um HINTERGRUNDinformationen. Sie können häufiger, als viele Autorinnen glauben wollen, so weit in den Hintergrund treten, dass die Leserinnen sie gar nicht mehr direkt erfahren. Wozu zum Beispiel ist es wichtig zu wissen, dass es auf diesem Planeten sehr viele von diesen Zeltstädten gibt? Ich behaupte: Das ist vollkommen egal.

Wenn Du Dich darauf konzentrierst, mehr zu zeigen, wirst Du automatisch Deinen Leserinnen mehr zutrauen müssen. Und dann wirst Du wahrscheinlich irgendwann bemerken, dass sich ganz viele Infos übers Zeigen selbst erschließen – oder halt einfach der Geschichte nicht weiterhelfen und weggelassen werden können. Ich weiß, das kann wehtun. Wenn ich mir eine ganze Welt ausgedacht habe, möchte ich auch gerne, dass alle ALLES darüber wissen, all die Erweiterungen und Anbauten, die sich am Rande oder sogar jenseits des Rahmens der Geschichte abspielen. Aber so etwas hilft der Geschichte nicht.

Hier gilt – wie in so vielen Lebensbereichen – Occam's Razor: "It is in vain to do with more what can be done with less."

Und du hast geschrieben, dass du daran gescheitert bist, eine Geschichte im Bereich Fantastik zu schreiben, wenn es darum geht, dem Leser die Welt zu zeigen.

Das war meine allererste Geschichte hier. :D Ich habe sie irgendwann aufgegeben. Inzwischen glaube ich schon, dass ich im Zeigen besser geworden bin. Diese erste Geschichte habe ich aber so oft überarbeitet, bis sie ein zerstückeltes, grässliches Ungeheuer wurde. Ohne wirklich verstanden zu haben, was ich tue. Na ja, vielleicht gehe ich da irgendwann wieder ran. Gerade aber eher nicht.

Ich denke, dann lese ich auch mal was von dir, wenn ich hoffentlich demnächst die Zeit hierfür finde.

Natürlich freue ich mich über jedes Feedback, aber ich erwarte das wirklich nicht, wenn ich Kommentare schreibe. Zumal ich hier im letzten Jahr auch als Autorin eher mäßig aktiv war. :lol:

Zu den Frauen:

Es sollte also eigentlich nicht das "Gescmäckle" entstehen, dass eine Frau dies grundsätzlich leichtfertig macht, falls es so rüber gekommen ist.

Ich bin ganz ehrlich: Genauso ist es rübergekommen. Und es hat mich mehr geärgert, als ich hier ausbreiten will. Denn das liegt eigentlich nicht (ausschließlich) an Dir, das ist einfach ein Klischee, das mir in einem so männerdominierten Genre immer wieder über den Weg läuft. Dass nicht besonders einfühlsam mit weiblichen Figuren umgegangen wird, obwohl es im Genre teilweise wimmelt von Prostitution und Vergewaltigung. Das finde ich erschütternd, aber diese Empfindung spielt sich relativ unabhängig von Deiner Geschichte in mir ab, sondern es ist einfach die Frequenz und Masse, in der ich mit diesem Klischee konfrontiert werde, die mich ärgert.

Ich habe gehofft, dass Ivas emotional kühl wirkende Entscheidung, ihren Körper zu verkaufen, nach vollziehbarer wird, dadurch dass sie in einer Arbeiterstatt groß geworden ist, in der es kaum etwas anderes gibt als den "Schrecken der Minen".

Ich habe darüber nachgedacht, ob Du das so zeigen möchtest, und ich fände das tatsächlich plausibel. In einem Umfeld wie diesem wäre es nicht überraschend, eine Psychopathin anzutreffen. Denn Traumatisierung, verflachte Emotionen und auch, Sexualität als Werkzeug einzusetzen, sind ja – soweit ich weiß, keine Expertin hier – quasi prototypisch für weibliche Psychopathie. Wenn das aber so wäre, müsste Iva sich auch gar nicht allzu viele Gedanken um Cal machen. Denke ich. Warum sollte eine emotional verflachte Person ein Problem damit haben, ihre Familie zu verraten? Vielleicht machst Du Dir darüber einmal Gedanken.

Übrigens fand ich die Anmerkung von @Kellerkind gar nicht schlecht und habe mich gefragt, warum ich nicht selbst darauf gekommen bin. Ich glaube, die Antwort hast Du schon gegeben:

Die Frage, warum Menschen trotz aller technologischen Möglichkeiten noch immer einfache Tätigkeiten ausüben, könntest du dir wahrscheinlich bei den meisten SF-Geschichten stellen.

Dass es mir als SF-Leserin nicht aufgefallen ist, liegt wohl daran, dass wir es mit einem relativ generischen Setting der SF zu tun haben, würde ich sagen. Ich vermute, das meinst Du auch. Ich finde allerdings schade, dass Du praktisch nur auf Meta-Ebene und kaum auf der Ebene Deiner Geschichte auf Kellerkind antwortest. Du erklärst ja praktisch nur, dass das eben im Genre so ist, dass es ja eigentlich um die Flucht geht und dafür eine schreckliche Umgebung nötig ist ...

Das finde ich schade, denn das entkräftet das Argument inhaltlich überhaupt nicht. Kellerkinds Argument ist ein STARKES Argument, und ich denke, auch Autorinnen der Fantastik müssen versuchen, eine kohärente Welt zu zeichnen. In der Welt, nicht im Genre.

Weil Menschen eine Beschäftigung brauchen. Was würde denn passieren, wenn kaum noch jemand etwas zu tun hat? Und was kann eine Regierung machen, in meiner Geschichte die Föderation, wenn es einfach zu viele Menschen gibt? Anstatt sie nur durchzufüttern, werden sie z.B. irgendwo als Sklaven eingesetzt. Selbst wenn Maschinen effizienter wären.

Das ist das inhaltliche Argument, das Du bringst. Ich finde das nicht überzeugend. Tatsächlich ist es ja eine interessante ökonomische Überlegung, über die sich viele Leute heute schon Gedanken machen: Allein aus unserer Zeit in die Zukunft gedacht, steigt der Wohlstand immer weiter (das liegt an dieser ewigen Wachstumskurve). Wenn das ewige Wachstum hält, dann werden spätere Generationen immer reicher und reicher, und immer mehr Menschen werden am Reichtum teilhaben.

Aktuell, wenn Du Leute fragst, die Zukunftsideen haben, wie wir mit steigendem Wohlstand und zunehmender Automatisierung umgehen sollen, ist die Antwort ganz einfach: Wir machen immer leichtere, immer angenehmere und immer weniger Arbeit. Dass wir uns versklaven und in Minen knechten lassen, weil wir plötzlich so viel Zeit haben – sorry, das ist doch sehr, sehr unplausibel.

Tatsächlich lässt sich das Problem innerhalb der Geschichte leicht lösen: Lass sie auf der Erde spielen. Mit viel Wüste, wenig Wasser, heruntergewirtschafteten Ländern und wenig Technologie. Da es ja sowieso, wie Du sagst, größtenteils um die Flucht geht, ist ja eigentlich völlig egal, wo die Geschichte spielt. Und viel technischen Schnickschnack brauchst Du auch nicht, hast Du auch gar nicht. Occam's Razor. Problem gelöst.

Denke ich zumindest. Du weißt es selbst natürlich am besten. Ist Deine Geschichte. Make it work!

Cheers,
Maria
 
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Hallo @TeddyMaria und @Kellerkind ,

ich kann den Punkt "Warum noch Menschen statt Maschinen?" einzeln auch nachvollziehen, genauso wie alle anderen Kritikpunkte.

Ich finde es nur sehr schade, wenn nur wegen einem Inhalt, der zunächst nicht plausibel scheint, direkt die ganze Geschichte abgehakt wird. Für den es aber durchaus eine Erklärung geben kann, wenn auch nicht aus technologischer oder wirtschaftlicher Sicht. Ich werde auch sehen, dass mir hierzu noch etwas einfällt, wenn ich mich in den nächsten Tagen nochmal dran setze.

Vielleicht habe ich es unterschätzt, mal etwas im Science Fiction-Umfeld zu schreiben, aber noch gebe ich mich nicht geschlagen ;-)

Danke für euer Feedback und noch ein schönes Wochenende,

Rob
 
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15.01.2019
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Hallo @Rob F ,
War lange nicht mehr hier, aber das wollte ich generell mal ändern. Ich bin tatsächlich ein Fantastik fan und freue mich sehr, wenn mal wieder eine Geschichte in die Richtung gepostet wird.

Die anderen Kommentare habe ich nur überflogen also verzeih, wenn sich was doppelt. Zu dem Problem, das Kellerkind angesprochen hat will ich aber auch noch kurz meinen Senf dazu geben. In jeder Geschichte gibt es Aspekte, die nicht ganz logisch/aufgearbeitet sind und den Leser stutzig machen können. In manchen Geschichten mehr, in manchen weniger. Fantasy und Science Fiction sind besonders anfällig dafür. Normalerweise ist das auch nicht allzu schlimm. Wenn man sich genug Mühe gibt kann man jeden Text in Zweifel ziehen, aber warum sollte ich mir diese Mühe machen. Kellerkind ist die Ungereimtheit mit den Sklaven aber ohne ausführliche Analyse aufgefallen und sowas solltest du versuchen zu vermeiden. Überleg dir am besten eine simple Erklärung. Vielleicht sind die Schächte ja sehr uneben und deshalb nicht geeignet für Roboter. Oder manche Materialien dort unten machen Roboter zu schnell kaputt. Dir fällt bestimmt was ein. Das wäre ein Satz um Kellerkind glücklich zu machen. Einen Versuch wärs doch wert, oder nicht?

Jetzt aber ein anderer Punkt, über den ich noch reden will. Ich verstehe criv'ahns Motivation nicht so ganz. An sich hat sein Charakter etwas sehr extraordinäres. Er arbeitet manchmal in den Minen, er benutzt eine antiquierte Waffe, er entscheidet sich spontan, seine Schwester umzubringen. Aber am Ende erfahre ich absolut nichts über seine Motivation. Ich weiß nicht, ob du dir genauere Gedanken über seinen Charakter gemacht hast, oder ob er einfach alles abbekommen hat, was seltsam ist, aber letztendlich erfahre ich leider nicht mehr über ihn, obwohl ich ihn super interessant finde.

Auch noch was zum Ende. Wer ist die Frau im Heißluftballon? Sie kann wohl kaum von der Föderation sein. Die würden keinen Heißluftballon benutzen. Aber andererseits kennt sie Iva. Ich kann mir nicht wirklich einen Reim darauf machen. Vielleicht checke ich es aber auch gerade einfach nicht

Wie dem auch sei. Es hat mich gefreut, mal wieder Science Fiction zu lesen. Danke dafür,

Träumerle
 
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Hi @Rob F

Also falls du wirklich Geschichten direkt schlecht und unglaubwürdig findest, nur weil du einen Inhalt nicht nachvollziehen kannst, bist du bei Science Fiction vielleicht nicht unbedingt richtig.
Ja, das wird es wohl sein.
Aber ich habe beschlossen, mich in Richtung anspruchsvoller Science Fiction weiterzubilden. Zuerst sehe ich mir den Klassiker Plan 9 From Outer Space an und danach gibt es einen
Godzilla-Marathon.

Schönen Gruß!
Kellerkind
 
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09.12.2019
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Hi @Träumerle ,

ich habe nun noch den folgenden Dialog zwischen Iva und Criv'ahn beschrieben, in der Szene, kurz bevor Cal erwischt wird, als er über den Zaun klettert. Ich denke hierdurch wird ein wenig bekannt über den Hintergrund von ihm und seiner Schwester Han'ra, und seiner Motivation zu fliehen. Und außerdem ein Hinweis darauf, wer die Frau am Ende der Geschichte ist:

"Wie lange bist du schon hier?", fragte sie Criv'ahn, auch um sich selber abzulenken.
Er sah sie an, als wäre er überrascht, dass sie mit ihm sprach. "Müssten mittlerweile sieben oder acht Jahre sein. Ich hätte auch eine der anderen Zeltstädte übernehmen können, aber so ist es für mich in Ordnung. Ich bleibe lieber im Hintergrund."
"Ich arbeite schon lange für dich, und habe mich immer gefragt, ob du zufrieden hier bist."
"Und was meinst du?", wollte Criv'ahn wissen.
"Ich glaube, dass du gar nicht darüber nachdenkst, sondern hier immer weiter deinen Auftrag erfüllen wirst. Oder hast du mal daran gedacht, woanders hinzugehen? Dich von Han'ra zu lösen?"
Er blickte sie einige Sekunden an, und Iva hatte zum ersten mal das Gefühl, dass er sich ihr etwas öffnete. "Dieser Weg wurde von unseren Eltern immer so vorgezeichnet. Han'ra würde bei der Föderation Karriere machen, und ich bin ihr Beschützer im Hintergrund. Aber auch sie steckt nun hier fest, und ohne sie... würde ich vielleicht ein anderes Leben führen. Ich dürfte es dir eigentlich nicht erzählen, aber ich habe neben Han'ra noch eine weitere Schwester, sie war hier für die Sicherheit zuständig. Auch sie hatte den Traum, das Ende des großen Plateaus zu erreichen, in dem Wald ein neues Leben zu beginnen."
"Und wo ist sie nun?"
Bevor Criv'ahn antworten konnte, hörte sie nicht weit entfernt einen schmerzerfüllten Schrei,

Außerdem habe ich einen Hinweis zu Beginn der Geschichte ergänzt, warum auf diesem Planeten noch immer Sklaven eingesetzt werden. Auch wenn ich es mir zunächst wieder einfach gemacht habe, und es einfach beschrieben habe, aber mir fehlen noch die Ideen, es anders rüber zu bringen:

Das Eisenerz befand sich in tief liegenden Kammern, die durch die schmalen Gänge nur schwer erreichbar waren. Die Föderation setzte daher auf diesem Planeten noch immer Sklaven für den Abbau ein.

Und noch zum Ende der Geschichte:
Ich hatte gehofft, dass durch die Ähnlichkeit zu Han'ra deutlich wird, dass es sich um ihre Schwester handelt. Aber du hast recht, ich habe hierbei zu viel offen gelassen. Aber durch den zuvor erwähnten neuen Dialog zwischen Iva und Criv'ahn wird dies ja nun deutlich.
Offen ist daher nur die Frage, woher sie von Iva weiß, und ob sie ihr freundlich gesonnen ist. Aber zu dem ersten Punkt kommt ja nur in Frage, dass sie mit Criv'ahn noch in Kontakt stand, zum Beispiel durch ein Funkgerät oder ähnliches, und daher wusste, was er vor hatte. Die Antwort zu dem zweiten Punkt ist denke ich soweit klar, sie wäre ja nicht geflohen, wenn sie von dem System der Föderation überzeugt wäre.

Also danke für dein Feedback und noch einen schönen Sonntag!
Viele Grüße, Rob
 
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07.01.2018
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Hi @Rob F

Auch wenn ich es mir zunächst wieder einfach gemacht habe, und es einfach beschrieben habe, aber mir fehlen noch die Ideen, es anders rüber zu bringen:

Ich habe in meinem ersten Kommentar zwar sehr deutlich gemacht, dass ich finde, Du musst dringend aus dem Erklären raus und rein ins Zeigen kommen. Dabei habe ich bewusst keinen konkreten Vorschlag gemacht, weil ich dachte, es sei vielleicht schöner, Du würdest selbst eine Idee entwickeln. Ist ja schließlich Deine Geschichte.

Aber das ist nun einmal kein triviales Thema, bei dem ich MONATE gebraucht habe, bis ich in meiner Anfangszeit hier überhaupt annähernd verstanden habe, was hinter dem Grundsatz "Show, don't tell" steckt. Und da ich nun hier verfolge, dass Du versuchst, Plotlücken zu stopfen, indem Du einfach noch mehr reinen Infodump raushaust – so wie hier:

Das Eisenerz befand sich in tief liegenden Kammern, die durch die schmalen Gänge nur schwer erreichbar waren. Die Föderation setzte daher auf diesem Planeten noch immer Sklaven für den Abbau ein.

– oder eben noch mehr erklärende Dialoge schreibst, dachte ich, ich mache doch einmal einen konkreten Vorschlag für den Anfang.

Um die Motive für Ivas Flucht klarzumachen, musst Du darstellen, wie schrecklich es dort ist, wo sie lebt. Und wovor sie sich fürchtet, wenn sie an die Arbeit in den Minen denkt. Momentan sitzt sie am Anfang der Geschichte bei Sonnenaufgang auf einem Felsen. Wenn Du den ganzen Infodump rausstreichst und nur die gezeigte Handlung behältst, bleibt vo der ersten Szene das hier:

Iva saß auf einem Felsen und blickte auf die Zeltstadt. Der Wind wirbelte den Staub der Steinwüste durch die Straßen. Es war noch früh am Morgen, die Sonne stand tief an dem grünlichen Himmel, als die ersten Bewohner ihre weißen Zelte verließen. Sie trugen die hellgraue Uniform der Föderation, für die Arbeit in den Minen. ...
Um sie herum existierte bis zum Horizont nichts anderes als felsiger, fast weißer Boden. ...
„Soweit wird es nicht kommen“, sagte Iva zu sich selbst. Sie stand auf und ging zurück zu dem Zelt, das sie sich mit Cal teilte. ...

Das ist nicht viel und vor allem, und das ist der große Punkt: Es zeigt keinerlei Schrecken. Tatsächlich ist die erste Szene geradezu idyllisch. Ich würde anregen, dass Du eine andere Einstiegsszene wählst. Zum Beispiel könnten Iva und Cal am Ende der Schicht vor der Mine auf ... ihren Onkel T'ran warten (ich spinne mal ein bisschen rum, nur zu Demonstrationszwecken). Das könnte sich so lesen:

Am Ende der Schicht tauchte Onkel T'ran nicht auf. Iva reckte den Kopf, tänzelte auf den Zehenspitzen, spähte über die grauen Helme der Arbeiter hinweg, die ihr aus der Mine entgegen strömten. Von dort unten, aus den Gängen, die zu schmal waren für die Mechs. Mit ihnen ein Gestank nach Dynamit, Staub, Schweiß. Der Geruch von Tod, der sich tief in Ivas Lunge ablagerte, seit Jahren abgelagert hatte.
Sie presste die Hand vor den Mund, hustete. Ihr Bruder Cal zog sie beiseite, um einem Mann ohne Beine Platz zu machen, der sich auf dem steinigen Boden entlang zog. Die Arbeiter sprachen nicht, während sie die Werkzeuge und Helme bei den Vorarbeitern abgaben.
Neben der Baracke, in die die Werkzeuge gekarrt wurden, stand ein Junge, starrte auf seine schwarzen Hände, die zersplitterten Fingernägel. Als er den Kopf hob, kreuzten sich Ivas und sein Blick. Er war kaum älter als sie.
Der Strom der Arbeiter versiegte, die Leute schlichen zu ihren Zelten, gebeugte Rücken, steife Arme. Onkel T'ran tauchte nicht auf.
»Gehen wir«, sagte Cal schließlich.


Siehst Du, was ich meine? DAS ist eine Szene. Du brauchst nicht mehr Erklärungen. Du brauchst mehr Intensität, mehr Szenen, eine größere, wuchtigere Nähe zu Deinen Figuren. Dann kannst Du Dich auch trauen, Leerstellen zu setzen, in die Deine Leserinnen etwas hindeuten können. Wenn Du Leerstellen setzt, dann werden sie damit anfangen.

Zum Beispiel wäre eine wuchtige Leerstelle, wenn Iva Criv'ahn nach seinem Befinden fragt und er nicht antwortet. Ins Leere starrt. Wenn Deine Leserinnen viele Fragen stellen, muss das nicht unbedingt schlecht sein. Ich glaube, wenn Du jedes Fitzelchen genaustens erklären möchtest, bekommst Du eher Leserinnen, die noch mehr Fragen stellen. Weil wir Menschen faule Kreaturen sind und uns nur allzu gerne das Denken abnehmen lassen. Damit darfst Du gar nicht erst anfangen. Wenn Du den Leserinnen nämlich den Raum für Interpretationen lässt, dann stellen sie Dir weniger Fragen, sondern kommen selbst ins Fühlen, ins Denken. Und das ist, was Du willst. Dass sie in der Welt so gefangen sind, dass sie in der Welt denken und diese Welt deuten.

Ich fand zum Beispiel das offene Ende gar nicht schlecht. Das regt meine Fantasie an. Und dafür sind Geschichten doch da.

Ich hoffe, ich konnte deutlich machen, was ich mit Zeigen statt Erklären meine. Und bitte sieh mir die Frechheit nach, eine Szene in Deiner Geschichte geschrieben zu haben. Sie soll lediglich demonstrieren, wie Du zeigen könntest, was Du erklären willst. Und sie ist sicherlich nicht die perfekte Lösung – denn es bleibt ja Deine Geschichte, und Du wirst die für Dich perfekte Lösung finden. Aber gutes Schreibhandwerk, davon bin ich überzeugt, zeigt sich im guten szenischen Erzählen. Und das wollte ich noch einmal deutlich machen.

Jetzt lasse ich Dich in Ruhe. Make it work!

Cheers,
Maria
 
Wortkrieger-Team
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Hallo @Rob F

habe angefangen, mir einige Stellen zu markieren, dann sah ich, dass dir schon viel über "Zeigen statt Erklären" gesagt wurde.
Ich lass mal trotzdem einen kleinen Kommentar hier. Mag zwar doppelt sein, aber doppelt hält besser.

Iva saß auf einem Felsen und blickte auf die Zeltstadt. Der Wind wirbelte den Staub der Steinwüste durch die Straßen.
Hm, wenn ich Felsen höre, Zeltstadt und Staub und Steinwüste, denke ich niemals an "Straßen".

ihre weißen Zelte verließen. Sie trugen die hellgraue Uniform
Wofür die Farben?

Das Eisenerz befand sich in tief liegenden Kammern, die durch die schmalen Gänge nur schwer erreichbar waren. Die Föderation setzte daher auf diesem Planeten noch immer Sklaven für den Abbau ein.
Abgesehen davon, dass es reinster Infodump ist, stören mich persönlich die vielen Eigenschaftswörter.
tief liegend, schmal, nur schwer erreichbar ...

Es gab nie einen Versuch, ihre Leichen zu bergen.
Die Arbeit in den Minen bedeutete immer den Tod. Entweder durch einen Unfall, oder man wurde irgendwann zu einer seelenlosen Hülle.
„Soweit wird es nicht kommen“, sagte Iva zu sich selbst.
Der Erzähler erzählt vom Tod in den Minen, und Iva nimmt diesen Faden auf und spricht zu sich selbst darüber.
Besser wäre es m.E., du würdest das vorher zu ihren Gedanken machen und nicht zum Text des Erzählers.

aus ihren langen braunen Haaren
wichtig?

während ich...“
ich ...

„Lass gut sein, das hatten wir oft genug. Nur so ist es sicher, dass er nicht rauskommt und uns erwischt. Du kannst also den Gleiter startklar machen, und wir verschwinden dann, sobald ich es überstanden habe. Wenn wir dadurch frei sind, ist es mir das wert.“
„Ich hoffe, es ist genug Benzin im Tank, um den Rand des großen Plateaus zu erreichen, und in den Wald zu flüchten“, erwiderte Cal, um auf ein anderes Thema auszuweichen.
„Denk mal an unsere Ankunft, als wir mit unseren Eltern von der Raumstation aus hierhin geflogen wurden. Nachdem wir uns dem Boden näherten, sind wir längere Zeit über den Wald geflogen. Vom Rand des Plateaus war es zwar noch ein gutes Stück bis hierhin, aber ich schätze, dass wir es in ein bis zwei Tagen schaffen können. Falls ich die Geschwindigkeit des Gleiters richtig einschätze. Vielleicht treffen wir dort ja sogar andere Menschen, denen die Flucht gelungen ist.“
Die Dialoge sind rein für den Leser mit Infos vollgestopft. Die beiden würden das doch niemals so sagen.

Ich schaue vielleicht später nochmal rein.

Viel Saß hier und schönen Sonntag.
Liebe Grüße, GoMusic
 
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09.12.2019
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Hi @GoMusic ,

danke für dein Feedback! Zu deinen Rückmeldungen:

Der Erzähler erzählt vom Tod in den Minen, und Iva nimmt diesen Faden auf und spricht zu sich selbst darüber.

Auch das ist mir selber nicht aufgefallen, aber ich fand es nach deinem Hinweis eigentlich ganz witzig: Iva führt nahtlos den Inhalt des Erzählers weiter... Aber so kann es natürlich nicht sein, ich habe den ersten Absatz also nun komplett dem Erzähler überlassen.

Die Dialoge sind rein für den Leser mit Infos vollgestopft. Die beiden würden das doch niemals so sagen.

Das ist auch jetzt noch so, aber ich habe den Dialog zwischen Iva und Cal im zweiten Abschnitt zumindest etwas "ausgedünnt", ich hoffe es wirkt so schon mal etwas authentischer.

Und noch zu deinen Hinweisen, ob die ein oder andere Beschreibung notwendig ist, z.B. zur Umgebung, der Haarfarbe von Iva usw.:

Für die Handlung selber sind diese Beschreibung nicht wichtig. Aber ich habe als Leser auch gerne das ein oder andere Stichwort, wie jemand aussieht, die Umgebung usw. Ich habe mich glaube ich hiermit insgesamt in der Geschichte recht kurz gehalten, und lasse es erstmal so.

Danke für dein Feedback und viele Grüße,
Rob
 
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