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Kreise Schlaufen Schlingen

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Kreise Schlaufen Schlingen

In den Tagen nach dem Ereignis trafen wir uns am Bernhardbaum, einer fürchterlich verwachsenen Traubeneiche nahe der Tankstelle, nicht der am Dorfeingang, sondern nahe der stillgelegten, der etwas verfallenen Tankstelle, die wenig mehr war, als die Zusammenstellung einer Betonplatte, eines Häuschens und vier grellgelber oder blättriggelber und blätternd grellgelber Säulen, die einst ausgesehen hatten, sagte man, wie in den Boden gerammte Sonnenstrahlen, die ich auch seitdem mir dies über sie gesagt worden war, wobei ich mich nicht entsinnen kann, wer es mir gesagt hatte, nur dass es mir gesagt worden oder wenigstens dass es an mich herangetragen worden war, irgendwann, denke ich, irgendwie, denke ich, vier blättriggrellgelber Säulen also, die ich auch seitdem stets als in den Boden gerammte Sonnenstrahlen sah, die ich seitdem gar nicht mehr anders sehen konnte, und diese Tankstelle bestand also aus wenig mehr als den in den Boden gerammten Sonnenstrahlen und der großen Betonplatte, die zur einen Seite auf der blättriggelben Sonne und zur anderen auf dem ruinierten Glashäuschen lag, denn ich denke, ein entglastes Glashäuschen lässt sich nicht anders als als ruiniert beschreiben.

In den Tagen nach dem Ereignis trafen wir uns an der verwachsenen, fürchterlich verwachsenen Traubeneiche, um über das Geschehene, um über das, was zuvor, vor diesen Tagen, wobei wir zu diesen Tagen noch ganz genau, aufs Genaueste, denke ich, mit einer Genauigkeit, scheint mir, die ich, wobei ich nicht weiß warum, einer Genauigkeit aber, die ich schmerzhaft nennen würde, wir zu diesen Tagen also noch mit zweifellos schmerzhafter Genauigkeit hätten sagen können, wann es passiert oder eingetreten war, dieses Geschehene, wir trafen uns unter der fürchterlich verwachsenen Traubeneiche, um, und rauchten dort, um, und lasen Äste vom Waldboden, um, und zerschlugen sie an der fürchterlich verwachsenen Traubeneiche, um über das Ereignis zu sprechen, es zu Sprache zu machen, nicht daran zu denken, um zu vergessen, was sich wenige Tage zuvor ereignet hatte. Das waren Christian, Merle, Peter und ich, meine ich, wobei ich nicht weiß, nicht auf dem Niveau eines Glaubens oder Meinens, meine ich, ob Luise, eine von Natur aus zurückhaltende Person, gar nicht schüchterne aber zweifellos zurückhaltende, sich zurückhaltende Person, sich von Natur aus nicht aus Angst aber dennoch zweifellos zurückhaltende, insofern man denn von Natur sprechen, beziehungsweise insofern ich ihre gesamte Geschichte und Prägung und alles sonst, alle Dinge, die ich nicht weiter benennen kann, auch gar nicht benennen will, da sie nur indirekt, also in Luises An- oder Abwesenheit in den Tagen nach dem Ereignis, eine Rolle spielten, insofern ich also all das, was in den Tagen nach dem Ereignis nur indirekt durch Luise eine Rolle spielte, als Natur zusammenfassen darf, aber insofern ich das denn darf, kann ich sagen, dass ich nicht auf dem Niveau eines Glaubens oder Meinens, sagen kann, ob Luise, diese von Natur aus zurückhaltende Person, auch oder überhaupt an diesem Treffen an der fürchterlich verwachsenen Traubeneiche teilnahm oder auch nur anwesend war.

Das Zerschlagen der vom Boden aufgelesenen Äste vom Waldboden, dieser Klimax unserer Schlagbewegungen, derer wir jeder und jede eine ganz eigene, also eine ganz eigene Art des Schlagens hatten, wie Christian zum Beispiel, der in den Tagen nach dem Ereignis pflegte, die vom Boden des Waldes aufgelesenen Äste mit beiden Händen zu greifen, mit beiden Händen nach Art eines Baseballschlägers zu umgreifen und ein Bein hinter das andere zu setzen, sich in sich selbst zu drehen, sich gewissermaßen in den Waldboden nahe des ruinierten Glashäuschens zu schrauben, um diese Torsion dann entlang des vom Waldboden aufgelesenen Astes zu entladen, sie am Stamm des furchtbar verwachsenen Bernhardbaumes zu entladen, sich ihrer zu entledigen, sich von dieser Anspannung zu trennen, sich allgemein zu entspannen, also in einen spannungsfreieren oder von Spannung befreiteren Zustand ein- oder zurückzutreten, oder wie Merle zum Beispiel, die gar keinen vom Boden des Waldes gelesenen Ast nahm, sich nie einen solchen nahm, beziehungsweise darauf bestand, dass Peter ihr einen vom Waldboden aufgelesenen Ast auflas und ihr diesen vom Waldboden aufgelesenen Ast dann auch noch mit den Händen von grobem Schmutz befreite, bevor er ihn ihr übergab, sie also darauf bestand, dass sie ihre ihr in den Tagen nach dem Ereignis ganz eigene Art des Zerschlagens nicht mit einem vom Waldboden nahe der in den Boden gerammten Sonnenstrahlen aufgelesenen Astes, sondern mit einem von grobem Schmutz befreiten und ihr von Peter übergebenen Astes ausüben würde, dies dann auch tat, kraftlos tat, erinnere ich mich, ganz im Gegensatz zu Christian schlug, denke ich, den Ast nur mit einer Hand griff und kaum anhob, ihn, glaube ich, eher entlang einer seltsamen Kraft, einer Schwerkraft, einer zweifellos schwachen Kraft der Schwere, ihn entlang dieser höchstens fallen ließ, diesem von grobem Schmutz befreiten Ast vielleicht folgte, ihm also statt mit ihm zu schlagen nur nachfolgte, nachfiel und als Blatt oder Fußnote oder blätterndgrellgelbe Fußnote dem Bernhardbaum entgegestürzte, oder wie Peter zum Beispiel, der sich weigerte, einen vom Waldboden aufgelesenen Ast, auch einen Ast aus der Sammlung, der durch Christian oder mich vom Waldboden nahe des ruinierten Glashüttchens, das man wirklich nicht anders als als ruiniert bezeichnen konnte und heute sicher umso mehr nicht kann, aufgesammelten Äste, generell irgendeinen Ast an der Traubeneiche, die der Bernhardbaum genannt wurde, niemals aber die Bernhardeiche oder der Traubenbaum genannt wurde, zu zerschlagen, sich sogar weigerte, ungeachtet des Ergebnisses und gleichwohl womit, sagte er, überhaupt dagegen zu schlagen, wo es doch nicht der Baum, der Bernhardbaum oder die Traubeneiche, niemals aber die Bernhardeiche oder der Traubenbaum, wo es dieser Baum doch nicht gewesen war, kein Baum gewesen war, sagte er, denke ich, wo dieser Baum doch der letzte, wirklich der allerletzte aller Bäume sein sollte, wo wir doch vor dem Bernhardbaum jeden anderen Baum schlagen sollten und müssten, wo die furchtbare Ge- oder Verwachsenheit der Traubeneiche, wo diese doch nicht ihre Schuld sei, wo dieses Symbol, das Symbolische daran, von uns doch in diesem Moment des Schlagens oder Zerschlagens völlig falsch gelesen werde, sagte er, denke ich, und sah in unsere Gesichter, denke ich, sah das wir nicht verstanden, denke ich, und fuhr schweigend fort Äste vom Waldboden nahe der in den Boden gerammten blättriggrellgelben Sonnenstrahlen aufzulesen und von grobem Schmutz zu befreien, oder wie ich zum Beispiel, der immer wieder schlug und prügelte und schrie, erinnere ich mich, in den Tagen nach dem Ereignis, und schrie in diesen Tagen nahe der Betonplatte und nicht am Dorfeingang, ich, der immer wieder neue Äste vom Boden las, ganz wahllos las, das Nächstbeste las, das nächstbeste Stück Holz, meistens einen Ast, vom Waldboden nahe der in den Boden gerammten Sonnenstrahlen las und diesen völlig ohne eine ganz eigene Art des Zer- oder Schlagens, ganz und gar ohne jede Eigenheit, ohne jede Kraft zur Entwicklung einer solchen mir eigenen Art des Schlagens, auch kaum im Besitz einer zum Schlag überhaupt, zum Minimalschlag überhaupt ausreichenden Kraft, kaum aber gerade noch im Besitz eines solchen letzten Kerns, eines vor meiner geistigen Entkräftung bewahrten Kerns physischer Kraft, diesen Ast also ganz einfach dagegen schlug und darauf schlug und hinein schlug und zerschlug und schlug, nur um die Teile, die in den Tagen nach dem Ereignis im Akt des Zerschlagens zerteilten Äste, die vielleicht Astteile waren, nur um diese Äste schreiend vom Boden zu heben und auf ein Neues und ganz uneigenartig, ganz allgemein und verfügbar gegen und in und auf und durch den Bernhardbaum zu schlagen, oder wie Luise zum Beispiel, die vielleicht gar nicht teilnahm oder gar nicht anwesend war in diesen Tagen nach dem Ereignis, dieses vielförmige Zerschlagen brachte ein Krachen und Donnern mit sich, ein Krachen und Donnern des Holzes oder der Schläge oder der Holzschläge, sodass es nahe der in den Boden gerammten, blättriggrellgelben Sonnenstrahlen krachte und donnerte, sodass es dermaßen krachte und donnerte, nahe dieser grellgelben Strahlen, dass man sie dort und nicht am Dorfeingang für blättriggrellgelbe Blitze eines Gewitters hätte halten können, wiewohl ich mich niemals in der Lage fand, sie anders als als Sonnenstrahlen zu sehen, denke ich. Es war mir nicht möglich, denke ich. Es ist mir nicht möglich, denke ich.

In den Tagen nach dem Ereignis, zweifellos nicht am selben Tag, wobei ich auch das nicht mehr ohne Zweifel sagen will, aber zweifellos nicht, als es krachte und donnerte und man die Sonne, die Teilsonne, die blättriggrellgelben Sonnenstrahlen, die nahe der großen Betonplatte, sehr nahe der Platte in den Waldboden gerammt worden waren, für blättriggrellgelbe Blitze eines zweifellos ungelben, eher grauen, eher schwarzen, zweifellos schieferfarbenen, denke ich, obwohl es mir niemals möglich war und auch nicht möglich ist, die Dinge selbst so zu sehen, wo es doch zweifellos blättriggrellgelbe Speere waren, die ich sah, denke ich, in den Tagen, in denen man sie für Blitze eines Gewitters hätte halten können, in diesen Tagen nach dem Ereignis, wie auch in den Tagen vor dem Ereignis, also in den Tagen vor und nach dem Ereignis, in den Tagen um das Ereignis, in den Tagen, die eine Klammer um das Ereignis herum bildeten, aber nicht am Tag des Ereignisses, ich kann mir nicht vorstellen, dass an diesem Tag, am Ereignistag etwas außerhalb des Ereignisses stattfand oder auch nur existierte, ich kann mir nicht vorstellen, dass es an diesem Tag zwischen den Tagen vor und nach dem Ereignis, zwischen den Tagen, die doch allesamt blätterndes Wasser waren, dass es an diesem Tag etwas außerhalb dieses Tages gab, doch in der Zeit vor und nach dem Ereignis wurde zweifellos das Herbstfest veranstaltet.

Dennoch darf ich, trotz dieser Verknüpfung der Tage nach dem Ereignis mit den Tagen vor dem Ereignis, trotz dieser Gemeinsamkeit und der ihnen gemeinsamen Funktion, ihrer teilgemeinsamen Natur des Klammerhaften, des, wenn auch nicht Haltenden, so doch Rahmenden, welches am ehesten, welches, wenn es denn überhaupt möglich ist, die Zusammenhänge vor und nach dem Ereignis zu vergleichen, entfernt mit der Natur von Stützelementen, solchen, wie man sie vielleicht aus Bücherregalen kennt, verglichen werden kann, wiewohl sie den Tag des Ereignisses auch nicht stützen, ihn aber rahmen und gleich solcher Bücherstützen, den Dingen, mit denen man sie am ehesten, noch am ehesten und wenn überhaupt, aber außerhalb der Funktion des Stützens, vergleichen darf, gleich dieser Elemente keinen eigenen Inhalt, das heißt in Relation zum Ereignis vor und nach dem sie sich befinden, sie gleich dieser keinen nennenswerten Inhalt besitzen, sich in der Verbindung ihrer Form, Masse und Position voll und ganz erschöpfen, darüber nicht hinausragen, auch nicht hineinragen, gleich der Bücherstützen also keine selbstreferentiellen Eigenschaften aufweisen, niemals Gefahr laufen, unter Krachen und Donnern in und über sich zusammenzufallen oder zu stürzen oder zu brechen oder zu ertrinken, wo diese am ehesten mit Bücherstützen vergleichbaren Tage vor und nach dem Ereignis, diese Klammern des Ereignistages selbst blättriggrellgelbes Wasser sind, also unmöglich an oder in sich auch nur ertrinken könnten, und dennoch darf ich trotz dieser Verknüpfungen nicht behaupten, sie wären verknüpft oder verbunden, die Tage, an denen zweifellos das Herbstfest veranstaltet wurde.

Der Inhalt der Tage vor dem Ereignis, der Tage, an denen zweifellos das Herbstfest veranstaltet wurde, der Tage, an deren Anfang, der gerade dadurch ihr Anfang ist, dass er in ihnen liegt und an ihm das Herbstfest, welches zweifellos in den Tagen und vor und nach dem Ereignis, aber nicht am Tag des Ereignisses, an dem, denke ich, sonst nichts war, nichts neben dem Ereignis existierte oder existieren konnte, realisiert wurde, der also gerade der Anfang dieser Tage vor dem Ereignis ist, weil an ihm das Herbstfest eröffnet wurde, wodurch er zusammen mit den bis zum Ereignistag folgenden Tagen vor dem Ereignis von den allgemeineren Tagen, den referenzlosen Tagen, welche zwar gewissermaßen auch vor dem Ereignistag lagen, aber eben nicht losgelöst worden waren, nicht durch etwas wie der Eröffnung des Herbstfestes, ausgezeichnet oder auch nur gekennzeichnet worden waren, wodurch er zusammen mit den gleichfalls ausgezeichneten, bis zum Ereignistag folgenden Tagen vor dem Ereignis, also Kraft der Eröffnung des Herbstfestes von den allgemeineren Tagen abgespalten worden war, auf eine ganz ähnliche Art, denke ich, hoffe ich, denke ich, wie auch in Zukunft die Tage nach dem Ereignis von den ihnen folgenden, gewissermaßen zwar auch nach dem Ereignistag liegenden Tagen, aber, wie zum Spaltungszeitpunkt oder spätestens nach aber direkt nach diesem Punkt der Spaltung und Abtrennung klar werden wird, hoffe ich, von den Tagen nach dem Ereignis ganz unterschiedlichen, ganz gelösten Tagen, abgespalten sein werden, hoffe ich, an deren Anfang nun das Herbstfest unter großem Aufgebot, dem größtmöglichen Aufgebot, dessen unsere oder diese Gemeinde in den Tagen vor dem Ereignis fähig war, eröffnet wurde, was unter anderem ein Umzug der hiesigen Traktoren und anderer massiger Landwirtschaftsgeräte durch die Straßen, eine stundenlange Prozession durch das ganze Dorf und auch um das Dorf herum, eine sich stundenlang wiederholende Prozession unter großem Beifall und Jubel der Familien der Landwirte, der Landwirtsfamilien, der Landwirtsfrauen und Kinder, der Landwirtssöhne und Landwirtstöchter, die allesamt den Zug begleiteten, ihn stundenlang und wieder und wieder begleiteten im Dorf und auch um das Dorf herum, sich dabei die Hände taub schlugen und die Stimmen rissig brüllten und johlten, wie auch wir, Christian, Merle, Peter, zweifellos Luise und ich, uns die Hände taub schlugen und die Stimmen rissig und rissig und rissig brüllten, uns die Stimmen mit Rissen schnürten, zweifellos zuschnürten mit Gejohle, vom Dorfeingang zum furchtbar verwachsenen Bernhardbaum zu den in den Boden gerammten blättrigschieferfarbenen Blitzen zu dem ruinierten Glashäuschen zur Betonplatte zum Bernhardbaum zum Dorfeingang und zurück, johlten und klatschten auch wir uns die Stimmen rissig und die Hände wund, was unter anderem also diese Prozession, sowie kostenfreien Alkohol, kostenfreies Bier und kostenfreien Schnaps vom letzten Wagen, dem Transportwagen mit den darauf geladenen Fässern Korn und Bier, selbstgebranntem Korn und eingekauftem Bier, vom letzten mit Blumen und Korn und Bier beladenen Wagen, sowie die Wahl zur Herbstkönigin, die Auswahl und Ernennung zur Königin des Herbstfestes, dessen Eröffnung zweifellos das blättriggrellgelbe Wasser vor dem Ereignis von allem sonst vor dem Ereignis abtrennte, und somit auch zur Königin des Herbstes insgesamt, also unter anderem die Prozession, den Alkohol und die Wahl der Herbstkönigin, welche Luise zweifellos gewann, welche Luise zweifellos die Krone einbrachte, welche Luise, diese von Natur aus nicht schüchterne aber zurückhaltende Person, zweifellos zur Krone verpflichtete, sie zur Krone zwang, ihr die Krone aufzwang, wie wir dort johlten und klatschten und grölten, wund und rissig und wundrissig, die Wahl zur Königin des Herbstes, die ihr die Plastikkrone auf dem Wagen mit den Blumen und dem Bier und dem Korn, dem kostenlosen Bier und dem kostenlosen Korn, aufzwang, ihr kostenlos kostenlosen Korn und kostenlos die kostenlose Krone bescherte, dachten wir, irrten wir, während die Landwirte und die Landwirtsfamilien und die Landwirtsfrauen und Töchter und Söhne und die Söhne und wir, aber zweifellos nicht Luise, dort oben auf dem Wagen, uns die Hände wund klatschten, die Stimmen rissig schrien, die Zähne brüchig schlugen, in den Tagen vor dem Ereignis, den Tagen, die vielleicht nur Stunden waren, die vielleicht brüchiggrellgelbe Stunden waren, Stunden, die in den Boden gerammt waren, entglast waren, Stunden, nahe des furchtbar verwachsenen Krachens und Donnerns, unter anderem all das, die Prozession, den Alkohol und die Krönung der weinenden Luise, umfasste, der Inhalt dieser Stunden vor dem Ereignis ist also nicht nennenswert.

In den Stunden vor dem Ereignis, vor der Sache, die sich nach diesen Stunden ereignen würde, die geschehen würde, die vorfallen und überfallen und unweigerlich, unaufhaltbar zerfallen lassen würde, in den Stunden also vor dem Überfall auf der einen und dem Zerfall auf der anderen Seite, in den Stunden auf und vor und rund um den hintersten Wagen, den Wagen am hintersten Ende der Prozession, in den Stunden entlang dieses, mit selbstgebranntem Korn, eingekauftem Bier, Blumen und Luise, der gekrönten Luise, der weinenden Luise, der weinenden Herbstkönigin beladenen, mit all solchen Dingen beladenen Wagens, weitab aber nahe des Bernhardbaumes, wie wir ihn scherzhaft nannten, nie ernsthaft so nannten, nur so nannten, aufgrund eines Umstands, eines Todesumstands, eines theoretischen und hypothetischen, eines fiktionalen Todesumstands, wegen der rein fiktionalen Todesumstände des Erhängens, die wir, so bemerkten wir scherzhaft und scherzten und lachten, die wir in Thomas Bernhards Büchern gefunden hatten, die wir in all den Büchern gefunden hatten, neben vielen anderen Dingen gefunden hatten, aber immer wieder vor und vor allem gefunden hatten, diese Todesumstände, diese rein fiktionalen Umstände des Sich-Erhängens, die wir uns in Flachs und Scherz und Spaß nahe des Bernhardbaumes, der doch eigentlich und in Wahrheit, in der Wahrheit, die nahe der in den Boden gerammten blättriggelben, blättriggrellgelben Sonnenstrahlen, die, zusammen mit dem entglasten und somit nicht anders als als ruiniert zu bezeichnenden Glashäuschen, die Betonplatte, die riesige unendlich schwere Betonplatte, entgegen aller Wahrscheinlichkeit, dachte ich, als ich sie zum ersten Mal sah, als ich sah, wie die Sonnenstrahlen, die eigentlich verfallende, zerfallende, ganz und gar nutzlose Säulen, nichts als nutzlose Säulen waren, dachte ich, wie diese säulenformigen Nutzlosigkeiten zusammen mit dem Skelett eines Glashäuschens entgegen aller Wahrscheinlichkeit diese erdrückend schwere Betonplatte, diese himmelgroße Platte aus Beton trug, in der Wahrheit, die also dort hing, an dem Baum, der eigentlich und in seiner ihm eigenen Wahrheit eine ganz reguläre, ganz gewöhnliche und erst später durch uns aufgeladene Sache und nichts als eine gewöhnlich, bevor wir sie aufluden mit unseren Späßen, ganz gewöhnlich gewachsene Traubeneiche, so wie es sie gewöhnlicher nicht geben konnte, war, in den Stunden vor dem Überfall also, ahnten wir nichts, ahnten wir zweifellos nichts von dem unweigerlichen und unaufhaltbaren Zerfall, nicht Christian, nicht Merle, nicht Peter, nicht ich, doch Luise weinte, dort auf dem hintersten aller Wagen, sah ich, vor Freude, dachte ich, vor Überwältigung, aus der Gewalt des Moments heraus, dachte ich, diese von Natur aus nicht schüchterne aber zurückhaltende Person, unter der ihr aufgezwungenen Krone, zwischen den Blumen, und wir jubelten, Christian, Merle, Peter, die Landwirte, die Landwirtssöhne, sie grölten und jubelten und klatschten am lautesten, und ich.
Und ich schlug und ich schlage, lange nachdem erst Merle, dann Christian, dann Peter, Peter, der gar nicht schlug, nie zuschlug, nie einen Ast griff, um selbst zu schlagen, lediglich Merle Äste gereinigt und gereicht hatte, der dennoch am längsten bei mir blieb, mir zusah, schweigend zusah, als letzter noch dort mit mir stand und schwieg und zusah, ich schlage, lange nachdem erst Merle, dann Christian und dann schlussendlich doch auch Peter gingen, das erstbeste Holzstück, den erstbesten Ast oder Teil eines Astes oder die Arme, wenn ich kein Holz greifen kann, wenn ich direkt am Waldrand, nahe der alten Tankstelle, der verfallenen und verfallenden Tankstelle, der ruinierten Krach und Donner und Gewittertankstelle, kein Holz finde, nicht schnell genug einen Ast oder den Teil eines Astes zu greifen bekomme, wenn mir das nicht gelingt, wenn ich schlagen muss, bevor ich etwas zu greifen bekomme, schlage ich die Arme, die bloßen Arme gegen den furchtbar verwachsenen Bernhardbaum, der durch das Ereignis, durch das Geschehnis, durch den Überfall und schließlich den Zerfall nun endgültig der furchtbar verwachsene Bernhardbaum geworden ist, zum furchtbar verwachsenen Bernhardbaum gekrönt worden ist, zum furchtbar verwachsenen Bernhardbaum ruiniert worden ist, und warte darauf, dass die Tage abgespalten werden, dass die Tage und der Strick der Tage getrennt wird vom furchtbar verwachsenen Tag der Gewalt und des Zerfalls und der Prozession und der Krönung und der zweifellos weinenden Luise.
 
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28.12.2012
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Diese Geschichte wurde von einem Autor geschrieben, der hier im Forum angemeldet ist, es für diese Geschichte aber bevorzugt hat, eine Maske zu tragen.
Der Text kann, wie jeder andere Text im Forum, kommentiert werden, nach zehn Tagen wird die Identität des Autors enthüllt.
Als Kritiker kann man bis dahin Vermutungen über die Identität des Autors anstellen. Damit man anderen mit einem schlüssigen Rateversuch nicht den Spaß raubt, sind Spekulationen und Vermutungen bitte in Spoiler-Tags zu setzen.
*Beispiel *
Ich vermute, dass der Autor der Geschichte Rumpelstilzchen ist. Der schreibt doch auch immer von güldenem Haar und benutzt so viele Ausrufezeichen!
Die Spoiler-Markierung findet ihr direkt über dem Texteditor unter den drei Punkten.
Da dies jedoch kein Ratespiel ist, sind Beiträge ohne Textarbeit, also reine „Vermutungen“, nicht erwünscht.

Viel Spaß beim Kommentieren und Raten!
 
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17.08.2019
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Tja, liebe Maske

Entweder du bist genial, deppert, humorvoll oder humorlos. Oder alles.
Egal, ich will einfach der Erste sein, der hier kommentiert.

Ich habe jedes Wort gelesen. Von Kreise bis Luise. Habe Verbindungen gesucht. Die schrägsten Wortkombinationen gegoogelt. (Bin gespannt, welche Werbung ich in den nächsten Stunden/Tagen kriege.) ... und bin zum Schluss gekommen, dass ich zum Schluss komme, ohne eine Ahnung zu haben.

Das Lesen des Textes ist streng. Liest sich so, als ob man einem aufgebrachten, unruhigen Autisten zuhört. Bis zum Schluss habe ich auf irgendeine Verbindung gehofft, auf ein klitzekleines Aha-Erlebnis. Vergebens.

Sorry, ich kann absolut nichts damit anfangen. Fühle mich auch ein bisschen dumm. Aber ich bin extrem gespannt auf weitere Kommentare.

der zweifellos weinende
snif

... Vielleicht hinter Aachen von jimmysalaryman, obwohl er mMn nicht hinter der Maske steckt. Da waren nur Luise + Louisa, der Bezug zu Thomas Bernhard und die wirre Gedankenflut, die ich bei jimmys Geschichte jedoch einordnen konnte. Hier geht das nicht - und hier kommt noch das sich ständig Wiederholende hinzu.
 
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09.12.2019
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Hallo Maske,

ich habe zwar eine Vermutung, wessen Schreibstil du imitieren möchtest:

jimmysalaryman mit dem Text "Vielleicht hinter Aachen"

Aber ich finde es leider ziemlich misslungen. Du wiederholst m.E. völlig sinnfrei Wörter, immer wieder, nur um diesen Eindruck zu erzeugen. Ich glaube dabei keine Sekunde, dass du mit dieser Art der Formulierungen etwas anderes im Sinn hast, als die Leser auf die entsprechende falsche Fährte zu locken.

Sorry, aber es sollte m.E. auch hierbei ein ernst gemeinter Text geschrieben werden und das kann ich bei deiner Geschichte leider nicht erkennen.

Wer du sein könntest hinter der Maske?
Keine Ahnung! Vielleicht habe ich ja später noch eine Idee ...

Viele Grüße,
Rob
 
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Monster-WG
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18.06.2015
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Hey Maske

Nur kurz, weil ich jetzt grad nicht die Energie habe, mich dem Text im Detail zu widmen (ich habe ihn aber inzwischen ein paar Mal gelesen). Ich weiss, dass es nicht einfach ist, unter der Maske zu stecken, und wenn dann die ersten Rückmeldungen so ausfallen wie hier, na ja, da dachte ich, schreibst du etwas, das vielleicht ein wenig ressourcenorientiert ist. Vorläufig also mal Folgendes:

- Daumen hoch für den Mut, einen solchen Text einzustellen.

- Für mich ist das einer der interessantesten Texte seit langem hier im Forum. (Ich mag halt auch Texte, die stilistisch deutlich von dem abweichen, was mir bei meinen eigenen Texten vorschwebt.)

- Der Text macht was mit mir, er lässt mich ahnen, er gibt mir Bilder und das mag ich ebenfalls. Dieses Umkreisen des Ereignisses, dieses Herantasten, beinahe in einer Art Traumaarbeit, das hat schon was, und irgendwie finde ich es am Ende auch stimmig, dass nicht klar wird, was das Ereignis/Trauma eigentlich ist (oder aber ich hab's fünfmal überlesen :D ).

Soviel fürs Erste. Falls ich dazu komme, werde ich mich nochmal melden und auch Kritik formulieren, so richtig überzeugt bin ich nämlich nicht, denn ich empfinde es so, dass du übers Ziel hinausschiesst und der Text deutlich gekürzt werden könnte. An einigen Stellen entgleitet dir die Syntax und offene Klammern werden nicht geschlossen. An diversen Stellen bricht der Rhythmus, zum Beispiel, wenn du Nebensätze mit "wobei" einleitest und sich die Struktur des Satzes verändert. Und ja, das epigonenhafte (Weshalb im Forum nach Vorbildern suchen? Da steht ja gleich im ersten Satz, an wessen Schreibstil sich der Text orientiert), da müssen wir noch ein Wörtchen drüber reden. Der erste Reflex ist halt, dass man sich denkt, also der Bernhard verhaspelt sich nie in seinen Sätzen und der macht es irgendwie schon besser, aber dieser Reflex ist unangemessen, wir sind nicht in Klagenfurt. Und vielleicht hat sich Bernhard ständig verhaspelt und dessen Lektorin viertausend Überstunden angehäuft. So oder so: Der Text war mir insgesamt zu artifiziell, zu langatmig, zu anstrengend, am Ende dann vielleicht auch inhaltlich etwas zu offen. Aber: Ich finde das Potenzial, das in diesem Text zum Ausdruck kommt, höchst bemerkenswert.

Falls ich noch mal vorbeikäme, würde ich auch nochmal loben. Zum Beispiel das sprachliche Niveau, nicht nur, weil der Text praktisch fehlerfrei ist, sondern auch weil Wortschatz, Rhythmus und Eleganz zumindest phasenweise bestechen und - wenn man sich umblickt - herausragen. Oder eben die erzählerische Offenheit, das Schwebende in diesem Text, da wird nicht einfach eine Story von A nach B runtererzählt und das finde ich schon mal was Besonderes.

Ah ja, noch auf die Schnelle:
die wenig mehr war, als die Zusammenstellung einer Betonplatte,
Kein Komma.

Lieber Gruss
Peeperkorn
 
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Monster-WG
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10.09.2014
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Hola @Maskenball,

freut mich, wieder etwas von Dir zu lesen. Bist ja bekannt als großer Grenzausloter und gelegentlich auch -überschreiter – sozusagen als literarischer Experimentator vor dem Herrn.

Am Ende Deines Textes drehte sich mir der Kopf, ich wollte aus der Küche einen Kaffee holen, mir wurde schwindlig und ich stürzte in der Steifheit meines Alters auf die Fliesen und zerbrach.
Meine Haushälterin klebte mich wieder notdürftig zusammen und so kann ich noch meine VermutungÜberzeugung einbringen und Dich beim Namen nennen:
Bas

José
 
Wortkrieger-Team
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Monster-WG
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16.03.2015
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Hi Maske,

Respekt für diesen Text. Mein Lieblingstext wird er nicht werden, gehöre ich doch eher zu den ungeduldigen Lesern, die schnelle Abfolge mögen, nicht ewig lang hingehalten werden möchten.
Ich fand es anstrengend. Am Ende bin ich wieder am Anfang - gut, das ist der Stil des Autors, den du hier imitiert hast. Von daher m.E. an dieser Stelle gelungen.

kiroly

Liebe Grüße, GoMusic
 
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17.08.2019
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Hey Maske

- Daumen hoch für den Mut, einen solchen Text einzustellen.

- Für mich ist das einer der interessantesten Texte seit langem hier im Forum. (Ich mag halt auch Texte, die stilistisch deutlich von dem abweichen, was mir bei meinen eigenen Texten vorschwebt.)

- Der Text macht was mit mir, er lässt mich ahnen, er gibt mir Bilder und das mag ich ebenfalls. Dieses Umkreisen des Ereignisses, dieses Herantasten, beinahe in einer Art Traumaarbeit, das hat schon was, und irgendwie finde ich es am Ende auch stimmig, dass nicht klar wird, was das Ereignis/Trauma eigentlich ist
Mutig ist es, ja. Es kann auch stilistisch von meinen Vorlieben abweichen, klar. Nur beim dritten Punkt von @Peeperkorn passiert bei mir zu wenig - ich krieg keine Bilder, ich möchte es mögen, doch es geschieht nicht, das Ende lässt mich leer - vielleicht ist das gewollt. Aber wenn ja, ist mir das als Effekt zu wenig. Bin gespannt, ob und wie sich die Wirkung des Textes auf mich im Verlaufe der Kommentare hier verändert. Wenn das passiert, ist es umso interessanter für mich ... :-)

lg snif
 
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28.12.2009
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Ja, hahaha, ich musste oft lachen. Das repetitive Element ist ja Stilmittel; und noch mal, und noch mal, und noch mal. TB benutzt oft "naturgemäß", hier ist es "furchtbar", der furchtbar verwachsene Baum. Natürlich ist das schon ein derber TB-rip off, muss man sagen, und dass es naturgemäß bei einem solchen Text, da Bernhard diesen, seinen Stil, sein Grundeigenes, seine Sprache, die Sprache, die immer wieder auf sich selbst zurückführt und gerade deshalb seine eigene, die Sprache des Thomas Bernhard ist, nahezu perfektioniert hat, so perfektioniert, das da nur ein semantisches Perlen stattfindet, eine Kaskade aus Rhythmen und Worten und Rhythmen und Klängen, man muss sagen, dass es schwierig ist und immer schwieriger wird, einen ebensolchen Text zu verfassen, denn er, der im Stile des Thomas Bernhards verfasste Text, darf weder ermüden noch die Sinne zu sehr vom Eigentlichen ablenken, womit wir bei der Frage angelangt sind, was denn das Eigentliche eigentlich ist, das Eigentliche in einem im Stile der Sprache Thomas Bernhards verfassten Textes? :D

Kiroly war mein erster Gedanke, vor allem nach dem Komm zu "Aachen", aber das wäre zu offensichtlich, ich tippe deswegen auf Carlo.
 
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20.05.2017
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Moin Maske,

hab mir jetzt mal ne Nacht genommen, um über das Teil zu schlafen, aber ich weiß immer noch nicht so recht, was ich damit anfangen soll. Ich kenne Bernhard, zugegebenermaßen, nicht besonders gut, hab nur wenig von ihm gelesen, aber ja, klar, Du hast versuchst seinen Stil zu kopieren. Machst ja auch keinen Hehl daraus. Nur irgendwie passt es nicht ganz. Klar, Du hast die Wiederholungen, diese ewige Gefaser und Gefasel, schaffst es aber mMn. im Gegensatz zu Bernhard nicht, den Elementen eine Musik abzuringen. Gleichzeitig ist da irgendetwas. Irgendetwas, das vor mir herzulaufen scheint, während ich die Sätze entlanghechte, eine herausgestreckte Zunge, die selbst am Schluss noch in sicherer Distanz ätschbätscht. Mir wird ganz mittelalterlich zumute und wie von selbst tastet meine Hand nach der Zange.
Ich kann nicht sagen, ob ich nur krampfhaft etwas im Text sehen möchte, um vor mir selbst behaupten zu können, ich hätte etwas Komplexes durchschaut, oder ob da wirklich etwas ist. Gerne würde ich sagen können: Scheiße! oder Geil! aber ich fürchte, liebe Maske, das ist gerade nicht drin.

über das Ding müssen wir noch mal reden @kiroly
 
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Monster-WG
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19.05.2015
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Wer's fließen lassen will, so Thomas-Bernhard-mäßig, mäandernd, von einem zum anderen, vom nahen zum fernen, von den glimmenden Sonnenstrahlen bis hinauf zu den Tankwärtersgöttern, hinüber zu den Milkakuhbergen der Alpenländler, die zwar abgrundtief, also tiefsttief dümmlich ihre Kärntnerkürbiskernromantik pflegen, weil sie nichts anderes kennen, weil sie sich selbst - zurecht - hassen, wie die Maßbierbayern diese ekelhafte Weißwurschd mit noch widerlicherem Süßsenf in die bierverklebte Kehle hauen, damit sie sich umso besser im Bier ihrer Dummheit ersaufen können, was man schon an den handelnden Personen bemerkt, den Dödelpolitikern der Fiakerwiener Gesellschaft, den Slimelinetypen des Nizzas vor den Alpen und den - was kotzensmäßig noch viel schlimmer ist - weihrauchschwingenden Gottesbekennern und überhaupt den Wortkriegerbekennern, den Strebern nach den Weihen allerleier Empfehlungstexte, Literaturpreisen, Ach-so-toller-Leserbekennerschreiben, wer's also fließen lassen will, wie der obengenannte Grandler, der braucht Furor. Mehr nicht. Vor allem Furor. Der muss die Traubeneiche zerschlagen. Zerfetzen. Bis nix mehr übrigebleibt! Fett. Krass. Endgültig.

Kurzum: ein interessanter Text, der mir zu artifiziell klingt, dem der Ausklang fehlt, der nicht aus dem Mäandern herausfindet. Dem vor allem die Wut fehlt.

die zur einen Seite auf der blättriggelben Sonne und zur anderen auf dem ruinierten Glashäuschen lag, denn ich denke, ein entglastes Glashäuschen lässt sich nicht anders als als ruiniert beschreiben.
viele Stellen lese ich übrigens mit Schmunzeln, diese zB, da musste ich laut lachen

um diese Torsion dann entlang des vom Waldboden aufgelesenen Astes zu entladen, sie am Stamm des furchtbar verwachsenen Bernhardbaumes zu entladen, sich ihrer zu entledigen, sich von dieser Anspannung zu trennen, sich allgemein zu entspannen, also in einen spannungsfreieren oder von Spannung befreiteren Zustand ein- oder zurückzutreten, oder wie Merle zum Beispiel, die gar keinen vom Boden des Waldes gelesenen Ast nahm, sich nie einen solchen nahm, beziehungsweise darauf bestand, dass Peter ihr einen vom Waldboden aufgelesenen Ast auflas und ihr diesen vom Waldboden aufgelesenen Ast dann auch noch mit den Händen von grobem Schmutz befreite,
mm, einige Stellen verlieren den Fokus, da geht's nur drum, noch was dranzuhängen

wo es doch nicht der Baum, der Bernhardbaum oder die Traubeneiche, niemals aber die Bernhardeiche oder der Traubenbaum, wo es dieser Baum doch nicht gewesen war, kein Baum gewesen war, sagte er, denke ich, wo dieser Baum doch der letzte, wirklich der allerletzte aller Bäume sein sollte, wo wir doch vor dem Bernhardbaum jeden anderen Baum schlagen sollten und müssten,
auch hier: Erweiterung des Textgefüges ohne rechtes Ziel

In den Stunden vor dem Ereignis, vor der der Sache, die sich nach diesen Stunden ereignen würde, die geschehen würde, die vorfallen und überfallen und unweigerlich, unaufhaltbar zerfallen lassen würde, in den Stunden also vor dem Zerfall,
mit dem Zerfall, das könnte interessant werden, wird's dann aber nicht, weil's zerbröselt wird

durch das Geschehnis, durch den Zerfall nun endgültig der furchtbar verwachsene Bernhardbaum geworden ist, zum furchtbar verwachsenen Bernhardbaum gekrönt worden ist, zum furchtbar verwachsenen Bernhardbaum ruiniert worden ist, und warte darauf, dass die Tage abgespalten werden, dass die Tage und der Strick der Tage getrennt wird vom furchtbar verwachsenen Tag des Zerfalls und der Prozession und der Krönung und der zweifellos weinenden Luise.
Rätselende, klingt poetisch, gefällt mir, gleitet aber ins Ungefähre.

Ließe sich dran arbeiten, würde mir gefallen, wenn da ein wirklich außergewöhnlicher Text entstünde.

viele Grüße
Isegrims
 
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Ich finde das einen interessanten Text, den ich durchaus gerne gelesen habe. Mir kommt das Bernhard-Imitieren wie eine Art Spiel vor für jene Leser, die ihn kennen - und für die Leser, die ihn als Autor nicht kennen, könnte der Text ein wenig wie Klamauk wirken, weil er schon sehr humoristisch aufgebaut ist, die Sprache ist Selbstzweck. Das kann für beide Leserarten klappen, wobei mir der Text eher für Erstere gemacht zu sein scheint. Für Zweitere ist mir da zu wenig Plot und zu wenig eigenständiger Inhalt abseits des durchaus ulkigen Protagonisten und seiner eigenwilligen Art, die Welt zu sehen und zu beschreiben. (Du lässt ja bspw. absichtlich die Auflösung des Ereignisses außen vor, was ich dir als erfahrenen Autor als Absicht anrechne, die den Hunoristischen Aspekt deines Textes unterstreichen soll.) Kann man natürlich auch argumentieren, dass das Drüberhinausschießen gewollt ist und Teil des Humors sein soll. Selbst in diesem Fall würde ich sagen, gibt es einfach „technische“ Redundandzen. Ich reite gerade ein wenig darauf herum, weil gerade in diesem Text glaube ich Redundandzen ärgerlich und besonders hinderlich für Leser sind, weil sie einen im Bernhardstil besonders raushauen und man beim Stolpern besonders misstrauisch ggü dem Text wird, ob er nicht doch geschwätzig sei. (Und das wäre schade, weil ich ihn nicht so empfinde)

Ich finde die Sprache, den Flow, gut gemacht, auch abseits Bernhards, das fließt und zieht rein. Hier und da schießt du mMn aber, was Redundandzen angeht, über das Ziel hinaus und wiederholst Satzteile und einzelne Worte, ohne dass sie den Text/Plot/Figur nach vorne bringen. Hier würde ich noch mal kürzen. (Bspw. ist das ein paar Mal, wenn der Prot sich selbst widerspricht und in Superlative korrigiert.)

Insgesamt finde ich das Teil gut gemacht, das hat was, was mir fehlt ist die Auflösung, was das Ereignis denn nun war (denn hier habe ich mich als Leser etwas um die Auflösung betrogen gefühlt) und einige Kürzungen von Redundandzen. Doch, der Text hat Bock gemacht. Gerne gelesen.

Carlo Zwei, Bas oder - ganz crazy :D - Asterix

Beste Grüße
zigga
 
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Kling, klong zur letzten Runde. Wer will noch mal, wer hat noch nicht, schon morgen wird es aufgedeckt.
 
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Liebe Maske,

bevor du gelüftet wirst, will ich auch noch mitraten (vielleicht bin ich es ja auch selbst und möchte mir ein kleines Selbstfeedback geben oder die anderen nur ein bisschen Verwirren :p ).

Bernhard habe ich noch nicht gelesen, aber scheinbar gibt es da ja eine Verwandtschaft. Deshalb auch der "Bernhardbaum"? – verwachsen.

Ich finde das einen guten Text. Sehr anstrengend zu lesen und ab und an denke ich mir, muss das so verkompliziert sein? Aber andererseits ist das schon gut durchgehalten. Zum richtigen Kern der Geschichte bin ich noch nicht vorgedrungen. Da braucht es für mich sicher einen zweiten oder dritten Lesedurchgang. Wie nah das jetzt an Bernhard dran ist, weiß ich, wie gesagt, nicht. Es ist definitiv ein interessantes Stück. Vielleicht auch eine Studie über einen solchen Erzählton und die vielen Kapriolen und Schleifen, die das aufweist. Da schreibt jemand, der sich viel fürs Schreiben an sich interessiert; für den Klang und die Ästhetik. Inhaltlichkeiten erscheinen hier nachrangig, wenn das auch eine Geschichte erzählt oder mehrere, die sich an der verwachsenen Eiche treffen, vielleicht wie das Wurzelwerk. Diese inhaltlichen Schichten, liegen unter der Sprache und den eindeutigen Bildern, Baum, Dorf etc., den Namen verborgen. Da kann graben, wer will. Ich denke, solche Texte haben es immer schwierig, aber es ist schon gut, immer mal wieder so etwas zu lesen.

Sisorus oder Kiroly. Beide schon im Text und Chat gute Ablenkungsmanöver hingelegt, aber ich bin mir recht sicher, einer von beiden. Eher Sisorus. Ich hab mich auch gefragt, ob ich den Text selbst geschrieben habe, war dann aber an manchen Stellen nicht ganz so überzeugt. Mir macht es auch Spaß, so einen Stil durchzuziehen; aber dieser, glaube ich, hätte mir nicht so viel Freude bereitet; zumal ich so etwas mit dem Einzeltiere-Text auch schon durchexerziert habe und dahingehend etwas gesättigt bin, denke ich. Isegrims hätte ich auch noch getippt, aber der war ja schon kürzlich Maske. Also letztes Wort: Sisorus!
 
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xy schrieb:
Deine Sätze sind sehr lang. Manche gehen über drei Zeilen!!!

Dieses vernichtende Urteil musste ich (mitsamt den drei Rufzeichen!) tatsächlich einmal unter einer Geschichte hier im Forum lesen, und als ich dem Kritiker damals kommentarlos (und ja, ich geb’s zu, augenverdrehend :drool:) dieses Zitat
Ludwig Wittgenstein schrieb:
„Die Grenzen deiner Sprache bedeuten die Grenzen deiner Welt“
... unter seinen Kommentar setzte, war mein Offtopic-Beitrag schneller wieder gelöscht, als was ich „‘tschuldigung, was ist dein Problem mit langen Sätzen? Leidest du an Leseschwäche?“ fragen konnte.
Ich will mir lieber nicht vorstellen, wie diese Leuchte dieser Sprachpurist auf deinen Text reagiert hätte. Vermutlich wäre er angesichts der nachgerade endlosen Wortkaskaden von einem Gehirnschlag darniedergestreckt worden.
Was ich sagen will, liebe Maske:
Müsste ich eine Rangliste derjenigen Schriftsteller erstellen, die – wenn schon nicht mein Leben – so doch mein Sprach- und Stilempfinden nachhaltig beeinflusst haben, würde Thomas Bernhard vermutlich keinen Podestplatz erringen, das nicht, aber mit Sicherheit wäre er unter den Top Ten zu finden. (Irgendwo so auf Platz sieben oder acht, sag ich mal, möglicherweise ex aequo mit der Jelinek.) Und selber habe ich in meinem einstigen Maskenballtext immerhin einen dreizehn-Zeilen-Satz (mit dreiunddreißig Kommas) drin.
Will sagen: Im Grunde müsste ich eigentlich der ideale Leser für deinen Text sein. Und tatsächlich fand ich den Beginn, also vor allem den ersten Absatz, schlicht grandios, da hab ich mir noch gedacht, Alter, was für eine Wahnsinnssprachkunst! Auch wenn ich, zugegeben, mich letztlich eines Tricks bediente: Ich schmiss kurzerhand die allerärgsten Redundanzen raus, verdichtete und destilillierte die Sätze gewissermaßen, um die Satzstrukturen quasi kenntlich zu machen:
In den Tagen nach dem Ereignis trafen wir uns am Bernhardbaum, einer fürchterlich verwachsenen Traubeneiche nahe der Tankstelle, nicht nahe der Tankstelle am Dorfeingang, sondern nahe der stillgelegten, der etwas verfallenen Tankstelle, die wenig mehr war, als die Zusammenstellung einer Betonplatte, eines Häuschens und vier grellgelber oder blättriggelber und blätternd grellgelber Säulen, die einst ausgesehen hatten, sagte man, wie in den Boden gerammte Sonnenstrahlen, diese Tankstelle bestand also aus wenig mehr als den in den Boden gerammten Sonnenstrahlen und der großen Betonplatte, die zur einen Seite auf der blättriggelben Sonne und zur anderen auf dem ruinierten Glashäuschen lag, denn ich denke, ein entglastes Glashäuschen lässt sich nicht anders als als ruiniert beschreiben.
In den Tagen nach dem Ereignis trafen wir uns an der verwachsenen, fürchterlich verwachsenen Traubeneiche, um über das Geschehene, um über das, was zuvor, vor diesen Tagen, passiert oder eingetreten war, zu sprechen, es zu Sprache zu machen, nicht daran zu denken, zu vergessen, was sich wenige Tage zuvor ereignet hatte.
Das waren Christian, Merle, Peter und ich, meine ich, wobei ich nicht weiß, ob Luise, diese von Natur aus zurückhaltende Person, auch oder überhaupt an diesem Treffen an der fürchterlich verwachsenen Traubeneiche teilnahm oder auch nur anwesend war.
Und da zeigte sich, dass die Sätze grammatisch und semantisch völlig korrekt und verständlich sind.

Aber wie ich dann zum zweiten Absatz komme, war's vorbei mit sinnerfassendem Lesen. Ich schaffte es (als konventioneller Leser, der ich nun mal bin) einfach nicht, den Satzanfang (in diesem Falle war es das Satzsubjekt) solange im Kopf zu behalten, dass ich am Ende noch hätte sagen können, ob ich nun einen in sich stimmigen Satz gelesen habe oder schlicht ein Wörter-Kuddelmuddel. Und das hat mich fast verrückt gemacht. Selbst am Versuch, einfach wieder Passagen rauszustreichen, um quasi ein Satzdestillat herzustellen, bin ich gescheitert. Es gelang mir einfach nicht, einen in sich stimmigen, sinnvollen Satz herauszulesen. Und ich hab's mehrmals probiert, das kannst du mir glauben.
Zwischen:
Das Zerschlagen der vom Boden aufgelesenen Äste vom Waldboden, ...
und dem ersten Punkt hinter:
... sie anders als als Sonnenstrahlen zu sehen, denke ich.
liegen mehr als achthundert(!) Wörter. Definitiv zu viele für mein schlichtes offshore-Gemüt, musste ich mir eingestehen, und, da will ich jetzt gar nichts beschönigen, nach diesem Satzmonster habe ich dann auch die Lektüre abgebrochen. Es war mir einfach zu anstrengend. Auch wenn da jede Menge wirklich hübscher Sprachbilder zu finden waren, stellenweise auch großartige Formulierungen, war es einfach nicht das, was ich mir unter mitreißender, beeindruckender Lektüre vorstelle.
Ich möchte Sätze nur aus einem einzigen Grund mehrmals lesen müssen: Weil sie so außergewöhnlich, so stilistisch brillant formuliert sind. Nicht, weil ich immer wieder den semantischen Faden verliere.

Trotzdem: Hochachtung vor deinem Versuch. (Den ich am ehesten als Parodie bezeichnen würde. Oder ist er gar so etwas wie die Bewältigung eines Traumas aus der Schulzeit, als dir ein Lehrer mit Thomas Bernhard-Lektüre auf den Sack gegangen ist? :D)

offshore
 
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20.05.2017
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Entweder du bist genial, deppert, humorvoll oder humorlos. Oder alles.
Sorry, aber es sollte m.E. auch hierbei ein ernst gemeinter Text geschrieben werden und das kann ich bei deiner Geschichte leider nicht erkennen.
Daumen hoch für den Mut, einen solchen Text einzustellen.
Am Ende Deines Textes drehte sich mir der Kopf, ich wollte aus der Küche einen Kaffee holen, mir wurde schwindlig und ich stürzte in der Steifheit meines Alters auf die Fliesen und zerbrach.
Mein Lieblingstext wird er nicht werden
das Eigentliche in einem im Stile der Sprache Thomas Bernhards verfassten Textes?
Dem vor allem die Wut fehlt.
Doch, der Text hat Bock gemacht.
Sehr anstrengend zu lesen und ab und an denke ich mir, muss das so verkompliziert sein?
Trotzdem: Hochachtung vor deinem Versuch.
Bozhe moi! Was n Spaß! Ich habe lange nicht mehr so viel gelacht.

Selbstverständlich ist es kein Zufall, dass ich gerade diesen Text als Maskentext gewählt habe. Die "es könnte jeder sein"-Legitimität des Anonymen schien mir perfekt, für diesen zugegebenermaßen wirklich anstrengenden Text.

Nun zu meinen Beweggründen: Vor kurzem las ich die Korrektur von Bernhard. Dort schreibt der Mensch sich noch zwanghafter ins Zwanghafte, dreht sich noch aggressiver um die eigene Sprache als in anderen Texten. Und es hat mich höllisch genervt. Wenigstens in der ersten Hälfte des Buches, da die Sprache dort wirklich, wie es auch der Sprache dieses Texts einige Male (vielleicht zu Recht) vorgeworfen wurde, Selbstzweck zu sein scheint, vielleicht selbst diesen Titel nicht verdient und sogar Selbstverständlichkeit geschimpft werden sollte, da sie mit dem Inhalt so wenig zu tun hat.
Bernhard, so scheint mir, schreibt oft wie er schreibt wie er schreibt und scheißdrauf worüber. Selbst seine spießbürgerlichen Antispießbürger-, Antiösterreich- und Antiallestiraden (mit denen er oft gleichgesetzt wird) streckt der Mann über Seiten und Seiten, unabhängig davon, in ob es denn gerade wirklich passt. Dabei ist seine Sprache die der Neurose, der krankhaft reflektierenden Reflexion, die Sprache des Zitterns und Zähneknirschens; Pupillenschwarz auf Knöchelweiß ... Ich übertreibe. Er machts auch oft richtig. Variiert den Ton so, wie er sollte und ich glaube, meine Bernhardlektüre hat mir jetzt schon etwas (neben der neuen Angewohnheit beim Lesen mit dem Zeigefinger den Zeilen zu folgen, um nicht minutenlang immer wieder dasselbe zu lesen) gebracht. Aber ich bin ein gehässiger Mensch (neben der neuen Angewohnheit beim Lesen mit dem Zeigefinger den Zeilen zu folgen, um nicht minutenlang immer wieder dasselbe zu lesen).

Da dachte ich mir:
1. Die Sprache kann man besser nutzen
2. Die Sprache sollte man besser nutzen
3. Ich kann und sollte die Sprache besser nutzen (Ritt der Walküren aus dem Off)

Dementsprechend habe ich mir einen Neurotiker als Erzähler hergenommen (besorgniserregend ist, wie nah mir solche Erzähler sind). Er hat etwas erlebt und verarbeitet es hier. Die Leserin soll ihm quasi live dabei zusehen. So sind viele der Redundanzen gar keine wirklichen Redundanzen, glaube ich. Immer wieder gibt es kleine Veränderungen in Bildern, Phrasen und Zusammenhängen, immer wieder bleibt der Erzähler an bestimmten Punkten hängen (und Söhne und Söhne). Ich schwöre euch, dass sehr viele ulkige Dinge Absicht sind :)!
Ich überlege noch, inwiefern es ein Problem ist, dass der Text (zumindest, wenn man die Hintergründe nicht herausliest) offensichtlich lustig ist. Aktuelle Meinung: Das ist völlig richtig so. Der Neurotiker ist lustig, wenn wir ihn nicht verstehen.
Die Prämisse ist simpel, der Plot zwar vorhanden, aber zur einen Seite vergangen und zur anderen rein innerlich. Für die, die den Plot nicht erraten wollen (don't blame ya):
Luise wurde zur Herbstkönigin gekrönt und vergewaltigt. Danach hat sie sich am Bernhardbaum erhängt (Daher ist auch der Bernhardbaum am Ende auch endgültig der Bernhardbaum).
Bezüge zum Titel: Die Prozession dreht Schlaufen durch und ums Dorf, die Sprache dreht Kreise, Luise knüpft die Schlinge usw.
Hinweise und Spuren sind in Inhalt und Sprache vorhanden, wenn auch, das gebe ich zu, vielleicht nicht klar genug gestreut. Vielleicht ist mein Erzähler zu unzuverlässig? War Luise da, war sie nicht da? Ich werde sie immer als Sonnenstrahlen sehen ---> Es sind Blitze. Luise bekommt kostenlosen Alkhohol, dachten wir ---> irrten wir. Tage ---> Stunden Usw. usw.
Dieser Text sollte keine reine Bernhardkopie werden. Wäre das mein Ziel gewesen, wär mein Erzähler kein neurotischer Jugendlicher vom Dorf, sondern ein furchtbar hochgebildeter, mittelalter Mann mittleren Alters, der die Erzählung über seinen ACH SO GENIALEN, NUN ABER TOTEN FREUND (Lass mich in Ruhe, Thomas!) mit treffenden philosophischen Betrachtungen und beißender Kulturkritik garniert ("Warum san die Leit net so gscheit wie i!?" - frei zitiert).
Ihr seht, das Ganze liegt mir nahe am ... naja, nahe an irgendeinem Organ. Ich wollte es besser machen. Habch natürlich nicht geschafft, aber wer hoch springen will, muss höher springen wollen ... oder so?

Ich gehe demnächst Mal genauer auf einzelne Kommentare ein und mache mich an eine Überarbeitung des Textes. Wird ein Spaß, hier das Essenzielle vom Überflüssigen zu trennen. Heiei.
Danke euch allen für die Zeit, die Lektüre, die Kommentare und vor allem den Riesenspaß!

LG
Sisorus

P.S.: Glückwunsch, @Carlo Zwei :) Dachte mir schon, dass entweder Du oder @kiroly mich erwischen, hihi.
 
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Moin @alle ! Ich werde diesen Post also quasioffiziellen Antwortpost sukzessive erweitern.

@snif
Erstmal Props dafür, dass Du das Ding komplett gelesen hast, obwohl der Text sich Dir gegenüber sehr widerständig gab! Das ist keine Selbstverständlichkeit. Danke, danke, danke.

Die schrägsten Wortkombinationen gegoogelt.
Do tell! Ich bin total neugierig :D
Bis zum Schluss habe ich auf irgendeine Verbindung gehofft, auf ein klitzekleines Aha-Erlebnis.
Hat sich da mittlerweile etwas dran geändert? Wie sieht es denn zusammen mit meiner Offenlegung des Hintergrunds aus? Was würdest Du am Text ändern, um die Auseinandersetzung mit dem Geschehenen sauberer (was auch immer das jetzt heißen mag) zu machen?

@Rob F
Auch Dir tausend Dank fürs Lesen :) Ich steh voll drauf, eins auf den Deckel zu bekommen, also geil! Dein Kommentar hat mir echt Freude gemacht.
jimmysalaryman mit dem Text "Vielleicht hinter Aachen"
Jimmy hat mit dem Ding echt seine Spuren hinterlassen, huh? Tatsächlich habe ich beim Schreiben dieses Texts aber wirklich gar nicht an die kindsmordende Kassiererin gedacht. Mein Kopf war ganz T.B.
Ich glaube dabei keine Sekunde, dass du mit dieser Art der Formulierungen etwas anderes im Sinn hast, als die Leser auf die entsprechende falsche Fährte zu locken.
Das war wirklich nicht meine Intention, haha! Ich glaube aber gern, dass einige der Wiederholungen überflüssig sind. Nur welche ... das weiß ich gerade nicht. Ich bin versucht, mich damit aus der Affäre zu ziehen, dass ich eben ein Bewusstsein "abbilden" (nagelt mich hier bitte nicht fest) wollte und dass Denkprozesse nunmal Kreisen Schlaufen Schlingen drehen, nicht zum Punkt kommen, immer wieder auf sich selbst zurückfallen usw.
Aber das wäre zu einfach. Werde mir hier echt noch einige Köpfe zerbrechen müssen, glaube ich. Immer her mit Vorschlägen ;D

@Peeperkorn
Auch Dir vielen Dank :) Für die lieben Worte, aber vor allem für die Lektüre. Wenig ist schöner als gelesen zu werden. Ich glaube, es ist dieses kommunikative Element des Geschriebenen, um dessen Willen ich überhaupt schreibe. Persönliche Interaktionen gehen so oft fehl, hinterlassen so oft eine tiefe, tiefe Leere, Einsamkeit und ein Gefühl des Nicht-Erkannt- und Nicht-Verstanden-Werdens. Und um diese Dinge im wortwörtlichen Sinne zu um-schreiben, braucht es auch Leser*innen, die einem genug vertrauen, um einem auf den Um- und Unwegen dieses Prozesses zu folgen. Viel ge-umt im letzten Satz, uff.
ich habe ihn aber inzwischen ein paar Mal gelesen
<3
Für mich ist das einer der interessantesten Texte seit langem hier im Forum.
<3 <3 <3
Dieses Umkreisen des Ereignisses, dieses Herantasten, beinahe in einer Art Traumaarbeit,
DAS war die Idee! Zu Anfang hatte der Text einen anderen Titel; Luise oder sowas. Aber im letzten Moment beschloss ich, einen großen Wegweiser (so dachte ich) aufzustellen.
Der Text war mir insgesamt zu artifiziell, zu langatmig, zu anstrengend, am Ende dann vielleicht auch inhaltlich etwas zu offen.
Ja, kann ich verstehen, völlig. Das Ding muss entschlackt werden. "Kill your darlings", nicht? Aber gerade, wenn die Liebchen "furchtbar verwachsen" sind, ist es so unendlich schwer, das Band zu trennen, welches überhaupt stark genug sein musste, um ins Verwachsene hineinzureichen. Ich werde mir den Text die Tage nochmal ausdrucken und mit dem Kugelschreiber auf die Jagd gehen ...
Das überflüssige Komma wird gleich gelöscht :)

@josefelipe
Ein Umschlag auf dem Grab? Gundula Gutwisch stopfte die ausgebrannte Grabkerze in die mit faulköpfigen Totenblumen gefüllte Alditüte. Hatte wohl jemand dem alten Kauz noch was zu sagen, hm? Fällt den' ja früh ein. @Jose und dann noch in soner krakelichen Handschrift.
Gundula wartete die schlurfenden Schritte des Friedhofsgärtners ab, nickt ihm kurz zu – furchtbar verwachsener Mann. Wirklich grausich anzusehn. Was hatter da im Karren? Totes Holz, ah. Äste, ah – und pflückte dann ein durchnässtes Stück Papier aus dem Briefumschlag:
Am Ende Deines Textes drehte sich mir der Kopf, ich wollte aus der Küche einen Kaffee holen, mir wurde schwindlig und ich stürzte in der Steifheit meines Alters auf die Fliesen und zerbrach.
Danke Dir fürs Lesen, lieber Jose :) Wo genau hat man Dich denn verscharrt? Ich komme gerne Mal vorbei.
Gundula schüttelte den Kopf. Legts Ding aufs Grab un fragt, wos Grab is. Bscheuert.
Sie rollte Brief und Umschlag zum Ball, ging in die Knie, legte an – GUTWISCH WIRFT UND TRIIIIIIIFFT. Wien Fünfer inner Bohnendose vonnem Penner. Bissl Rascheln, bissl Rumpeln.

Rest kommt noch :)
 
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Senior
Monster-WG
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18.06.2015
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Hey @Sisorus

Hast du das Ding vergessen?

Ich habe ja gesagt, dass ich mich vielleicht nochmal melde, und ich will noch was zum Inhalt sagen. Es ja so, dass sich 99% aller Sätze aus den Kommentaren auf die Sprache beziehen, da kann man wirklich sagen, dass in deinem Text die Form über den Inhalt triumphiert hat, was ich aber schade finde. Und dann hast du - ich will dir nicht zu nahe treten, ich mag deine Kommentare und deinen, ich sag mal: flapsigen Esprit wirklich sehr - in deinen Antworten nicht so richtig durchblicken lassen, ob und wie sehr dir der Text am Herzen liegt. Es hat mich denn auch nicht so heftig überrascht, dass die Diskussion danach verstummt ist.

Was ich aber doch noch loswerden will: Ich finde den Text auf der inhaltlichen, erzählerischen Ebene wirklich stark, beziehungsweise nahe daran. Dieses Herantasten an das Ereignis, das leichte Grauen, das den Leser packt, wenn er mehr und mehr erfährt, das fand ich - wie gesagt - sehr gut gemacht. Ich war auch nahe dran, den Inhalt und das Ereignis so zu verstehen, wie du dir das gedacht hast, es war meine erste Hypothese. Ich habe sie aus folgenden zwei Gründen verworfen: Erstens glaube ich, dass du tatsächlich zu unzuverlässig erzählst, wenn da steht: Ich weiss nicht, ob Luise dabei war oder nicht. Das ergibt im Kopf schon so eine Schrödinger Katze, dabei oder nicht dabei, was ändert sich, wie lese ich den Text im einen oder dem anderen Fall? Der Gedanke, dass der eine Fall - sie ist dabei - gar nicht real gedacht werden kann, liegt da etwas zu fern für meinen Geschmack. Wenn sie dabei ist, dann ja nur als Geist oder in den Gedanken der anderen. Und wenn sie dabei wäre, dann müsste sie doch anders agieren als die anderen, sie müsste sich in ihrem Verhalten deutlich unterscheiden. Also knapp auf den Punkt gebracht: Wenn Luise tot wäre, dann würde der Erzähler niemals so reden, habe ich mir gedacht. Zweitens hat mich der Ausdruck "Zerfall" davon abgebracht. Du hast mehrfach das Überwältigen drin, die Gewalt und da hatte ich sofort den Verdacht, dass Luise vergewaltigt wurde. Aber "Zerfall". Das passt ja weder zu einer Vergewaltigung noch zum Erhängen. Da dachte ich, nein, da ist noch was anderes, etwas Tieferes, Abgründigeres, etwas, das das ganze Dorf betrifft. Da kam ich dann aber nicht mehr weiter.
Vielleicht würde auch ein Hinweis darauf weiterhelfen, wer denn Luise das angetan haben könnte. Einer, der nach dem Dorffest Sprüche gemacht hat, einer, den man in den Büschen verschwinden sah, einer aus der Gruppe sogar, vielleicht? Ich glaube, das würde genug offenlassen und doch kann der Leser sich eine stimmige Interpretation zurechtlegen.

Lieber Gruss
Peeperkorn
 
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20.05.2017
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Moin @Peeperkorn

vergessen habe ich es nicht, nein. Aber ich wage mich nicht so recht ran. Hab wieder so'n Sinnkrischen, dazu dann dieses ächte Leben usw. und jammer, jammer. Ich werde auch keine Geschichten mehr posten, bis ich diese hier überarbeitet habe, versprochen. Bis dahin bleibt's bei flapsigen Kommentaren hier und dort :) Wie lange das genau dauern wird, kann ich gerade nicht sagen. Ich schreibe so blödsinnig wie ich lese. Alles gleichzeitig und gar nicht.
Mein Tonfall, also die (scheinbare?) Indifferenz, ist, glaube ich, allem voran ein Symptom so'nes protonarzisstischen Gezitters zwischen dem Wunsch, sich selbst als genialisch zu empfinden bzw. von anderen so wahrgenommen zu werden, und dem Gefühl, diesem Anspruch mit Tatsachen nicht gerecht werden zu können, ihn also immer auf das nächste Projekt, ins Potenzielle zu verlagern; von Scholle zu Scholle über die eisige Einsicht, hinten knackt's und knackt's, also hopp! Viel Unsicherheit, viel Selbstüberschätzung. Und um niemals wirklich zu versagen, betrachtet man die Dinge eben als Spielereien. So! Genug Emo-Exhibitionismus, haha. Das meiste dürfte dem aufmerksamen Betrachter sowieso klar sein.

Aber "Zerfall".
Ich dachte da ans Psychische. An den Zerfall der Einheit, der nur durch die absolute Konkretisierung, ne, absolute Zusammenführung, ne, absolute Reduktion aufgehoben werden kann. Aber ich verstehe, was du meinst. (Auch Zerfall der Freundesgruppe. Aber eher untergeordneter Aspekt.)
Die Gewalt-Spielerei fand ich beim Schreiben etwas plump. Bzw. hatte das Gefühl, dort zu sehr ins offen Hysterische zu gehen, musste mich dann jedoch daran erinnern, dass ich selbstverständlich einen ganz anderen Zugang zum Ganzen habe.
Der Gedanke, dass der eine Fall - sie ist dabei - gar nicht real gedacht werden kann, liegt da etwas zu fern für meinen Geschmack.
Der Erzähler sollte hier so etwas unfreiwillige Psychoarchäologie betreiben. Erst ist er sich nicht sicher, dann:
oder wie Luise zum Beispiel, die vielleicht gar nicht teilnahm oder gar nicht anwesend war in diesen Tagen nach dem Ereignis,
bleibt von Luise nur diese dünne Lücke und zuletzt wird sie in Bezug auf die Baumprügelei nicht mehr aufgezählt.
Ich habe mir die entsprechenden Teile gerade nochmal durchgelesen und muss zugeben, dass dieser Aspekt total schwach ist. Entweder muss ich Exhumierung sauberer machen oder die Ungewissheit verringern. Vielen Dank, für den Hinweis!
Vielleicht würde auch ein Hinweis darauf weiterhelfen, wer denn Luise das angetan haben könnte. Einer, der nach dem Dorffest Sprüche gemacht hat, einer, den man in den Büschen verschwinden sah, einer aus der Gruppe sogar, vielleicht?
Auch wieder so ein Zugangsding. Meine Intuition sagt mir: Boah! Mega plakativ! Am besten leckt sich noch einer die Lippen, wenn er die sieht oder so!11!!!1
Aber wahrscheinlich hast du recht und ich bin einfach zu sehr in meiner Position gefangen. Gerade möchte ich mir selbst gegenüber subtil sein, aber das macht den Text anderen gegenüber einfach nur unverständlich. Hm.

Danke dir fürs nochmalige Vorbeischauen und die Anregungen!
Und @alle anderen euch habe ich auch nicht vergessen, keine Sorge :)

LG
Sisorus
 
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20.05.2017
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So, uff. Heute ein paar Stunden damit verbracht winzige Änderungen zu machen, ne, mir den Text überhaupt Mal wieder vorzunehmen und dann eine Audioversion einzulesen. Ist leider stellenweise etwas gehetzt und ich schnaufe wie ein Walross, aber vllt. mag sich das ja jemand antun.

LG
 

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