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Kurze Pause

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09.12.2019
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Kurze Pause

Vera folgte der staubigen Straße durch die Mojave-Wüste Nevadas. Die Sonne brannte vom wolkenlosen Himmel.
„Wie weit noch bis Austin?“, fragte Colleen von der Rückbank. Sie lehnte an der Seite des Ford Explorer und hatte die Beine ausgestreckt.
„Das Navi hängt noch immer, aber ich schätze, noch gut zwei Stunden“, sagte Vera.
Nach einigen Minuten verlangsamte sie den Wagen auf Schritttempo.
„Was machst du?“, wollte Colleen wissen und nahm sich eine Dose Cola aus der Kühlbox.
Vera zeigte auf eine Felsformation, etwa hundert Meter abseits der Straße. „Die Felsen dort, mit dem Überhang. Lass uns den Schatten nutzen und eine kurze Pause machen. Ich muss mal für ein paar Minuten raus aus der Klimaanlagenluft. Kannst du dann den Rest der Strecke fahren?“
„Klar.“ Colleen trank einen Schluck, setzte dann aber wieder ab. „Hey, halt doch hier. Die paar Meter können wir auch zu Fuß.“
„Warum? Ist doch niemand in der Nähe.“
Vera fuhr weiter und wollte gerade vor der Formation halten, als der Wagen vibrierte. Der Boden gab nach. Staub wirbelte auf. Sie umklammerte das Lenkrad fest mit beiden Händen, als sie nach vorne in den Sicherheitsgurt gedrückt wurde.
Colleen war nicht angeschnallt, rutschte seitlich gegen den Fahrersitz und zu Boden. Die Coladose fiel ihr aus der Hand und lief aus.
Mit der Vorderseite prallte der Ford auf Felsboden. Die Frontscheinwerfer zerbrachen, Glas klirrte auf den Boden. Sie hingen in einem 45-Grad-Winkel in dem entstandenen Loch.
„Fuck!“, rief Colleen. "Was war das denn?"
„Nicht bewegen“, flüsterte Vera mit zittriger Stimme. Sie reckte den Hals und betrachtete den Grund des Lochs. „Ich hoffe, wir stehen stabil. Meine Tür ist blockiert, aber deine müsste sich öffnen lassen.“
Colleen strich sich die langen, schwarzen Haare aus dem Gesicht und drehte den Oberkörper, um die Tür aufzustoßen. „Ich denke, es wird gehen“, sagte sie und zog sich an der Lehne des Rücksitzes hoch.
„Schön langsam“, meinte Vera.
Colleen trat auf das Trittbrett und stieg vorsichtig auf den Wüstenboden. „Der Boden hier ist fest, glaub ich.“
Vera stütze sich mit der linken Hand am Lenkrad ab und öffnete den Sicherheitsgurt. Sie prüfte bei jeder Bewegung, ob sich der Wagen bewegte. Nichts geschah. Sie erreichte die Rücksitze und gab zunächst ihre Handtaschen und dann die Kühlbox an Colleen. „Ich komme raus.“
Colleen ging zur Seite. „Konntest du so etwas nicht ahnen, Frau Geologin?“
Vera hob abwehrend die Hand, als sie sicher unten angekommen war. „Nicht jetzt.“ Sie schloss die Autotür und betrachtete die Grube. „Keine Ahnung, wie das hier entstanden ist. Lass uns erstmal in den Schatten.“

„Hast du Empfang?“, fragte Vera.
„Nein. Scheiße!“ Colleen steckte das Smartphone zurück in die Handtasche.
Vera öffnete die Kühlbox und prüfte den Inhalt. „Noch knapp zwei Liter Wasser und drei Dosen Cola. Und natürlich unsere exquisiten Thunfischsandwichs.“ Sie nahm eine der Wasserflaschen, trank einen Schluck und gab die Flasche weiter.
„Was nun?“, fragte Colleen, nachdem sie ebenfalls getrunken hatte.
Vera holte ein Tuch aus ihrer Tasche und band es sich um den Kopf, verdeckte damit ihre kurzen, braunen Haare. „Ich gehe mal Richtung Straße, vielleicht habe ich ja dort Empfang. Bleib besser hier, falls ich in wieder ein Loch falle.“
Sie ging zur Straße, zunächst vorsichtig, dann etwas schneller. Ihr Smartphone zeigte weiterhin keinen Empfang. Auch weiter, hinter der Straße, war es nicht besser.
„Sieh mal!“, rief Colleen, gut hörbar an diesem windstillen Tag.
Vera blickte zurück und folgte Colleens Fingerzeig. Eine Staubwolke war zu sehen, ein blaues Auto näherte sich. Sie deutete Colleen ihren nach oben gestreckten Daumen und lief zurück zur Straße. Der Wagen näherte sich und verlangsamte sein Tempo. Der Beifahrer hielt sein Smartphone aus dem Fenster.
Vera wollte sich gerade zum Fahrer beugen, auch sein Fenster war offen, als er Gas gab und davon fuhr. Eingehüllt in eine Staubwolke blickte sie hinterher.

„Mistsau! Hast du dir das Nummernschild gemerkt?“, fragte Colleen, als Vera zurückkam.
„Ja, denke schon. Falls ich es in dem Staub richtig gelesen habe. Sie haben Fotos gemacht. Vielleicht erwischen wir sie, wenn sie die Bilder irgendwo hochladen. Unterlassene Hilfeleistung.“
„Wie kannst du so sachlich bleiben? Ich dachte eher daran, sie an den Eiern aufzuhängen.“
„Auch dafür müssen wir erstmal hier weg.“ Vera sah zu dem abgesunkenen Wagen. „Alleine werden wir ihn nicht rausbekommen. Hoffentlich ist der nächste Fahrer nicht so ein Arsch.“ Sie setzte sich wieder neben Colleen.
„Wir haben einen Besucher“, sagte sie nach einigen Minuten und deutete entlang der Felsformation.
Colleen sah ruckartig dorthin. „Ein Meerschweinchen?“
„Nicht ganz. Ein Gundi. Sie leben in Felsspalten. Keine Sorge, sie gehören nicht zu den gefährlichen Wüstentieren. Glaube ich. “

Die Dämmerung setzte ein.
„Wir sollten die Sandwichs essen, lange werden sie nicht mehr halten“, sagte Vera und öffnete die Kühlbox. „Mit ner Cola?“
„Ja, danke." Colleen nahm die Lebensmittel entgegen.
Sie aßen und beobachteten die Straße. Ein leichter Wind wirbelte Staub auf.
„Wir sollten im Wagen übernachten, falls niemand mehr kommt“, schlug Colleen vor. „Wie kann es sein, dass kaum jemand diese Straßen benutzt?“
„Keine Ahnung“, antwortete Vera und gähnte. Sie tastete ihre Taschen ab. „Hast du den Autoschlüssel?“
„Nein, muss im Wagen sein.“
„Scheiße!“ Vera stand auf und lief zur Grube. Ihre Befürchtung bestätigte sich, die Türen waren verschlossen.
„Was ist?“, fragte Colleen hinter ihr.
„Scheiße!“, rief Vera erneut und schlug mit der Unterseite der Faust gegen die Scheibe. „Er hat sich automatisch verriegelt. Freu dich auf eine Nacht im Freien.“

„Kennst du die Geschichte Der Überlebenstyp?“, fragte Colleen, als es fast dunkel war. Sie saßen eng beieinander an einen Felsen gelehnt.
„Nein, warum?“
„Ach, nur so. Wie kalt wird es nachts?“
Vera überlegte kurz. „Knapp zehn Grad, glaube ich.“
Beide schwiegen für einige Minuten, betrachteten die Wüste im letzten Tageslicht.
„Wie läuft es mit deinem Mann? Habt ihr noch Sex, seit ihr verheiratet seid?“, fragte Colleen schließlich.
„War ja klar, dass so eine Frage kommt“, lächelte Vera.
„Erzähl doch mal.“
„Geht dich doch nichts an. Such dir selbst einen Mann.“
Diesmal lächelte Colleen. „Ich brauche für guten Sex keine Beziehung. Dazu fällt mir ein, dass ich mal das Klo suchen werde. Bis gleich."
"Warum auch immer du beim Thema Sex ans Klo denkst."
Colleen drehte sich um und ging rückwärts weiter. "Sei kreativ und …“ Der Boden unter ihr brach ein. Sie fiel fast zwei Meter und schlug mit dem Hintern zuerst auf dem Boden auf.

„Fuck“, stöhnte Colleen. Sie hatte sich auf die Seite gedreht, lag fast wie ein Embryo. „Ich glaub, mein Steißbein ist gebrochen.“
„Beweg dich nicht, bin sofort bei dir“, rief Vera. An einer Stelle war die Felswand leicht schräg. Vera rutschte hinunter und ging zu Colleen.
„Geht es?“, fragte sie.
Colleen lag ganz ruhig, hatte die Augen geschlossen. „Vielleicht ist es ja nur verstaucht. Ich traue mich nicht, mich zu bewegen.“
„Versuch mal, vorsichtig das obere Bein ausstrecken.“
Sie holte tief Luft und bewegte langsam das Bein, nur um es direkt wieder anzuziehen. „Vergiss es“, zischte sie mit schmerzverzerrtem Gesicht.
„Dann bleib so liegen. Willst du ein Aspirin?“
Colleen blickte sie an, überlegte kurz. „Ja, ist wohl besser. Scheiße, tut mein Arsch weh!“
"Bin gleich wieder da." Vera kletterte nach oben und holte die Handtaschen und die Kühlbox.
Die Nacht begann.

Vera wollte erneut auf die Uhr ihres Smartphones blicken, aber das Display blieb aus. „Meins ist auch leer“, sagte sie. „Wahrscheinlich ist es gegen Mitternacht.“ Sie saß mit dem Rücken an Colleens gelehnt, die weiterhin auf der Seite lag. „Ich habe noch nie von solchen Hohlräumen gehört, dicht unter der Oberfläche.“
„Vielleicht sind sie durch ein Erdbeben entstanden?“, vermutete Colleen.
„Ist hier eher unwahrscheinlich, aber wer weiß.“
Sie schwiegen einige Minuten, lauschten dem stärker gewordenen Wind.
"Wie geht´s deinem Hintern?", fragte Vera.
"Mein Steißbein schmerzt nicht mehr so sehr, dafür fühlt sich mein Hintern an wie ein Ballon. Was ist denn hier nachts so unterwegs?“
„Frag lieber nicht. Wenn etwas über dich krabbelt, bleib besser ruhig.“

Vera schreckte hoch. Etwas hatte sie geweckt. Ein schabendes Geräusch, neben ihr in der Felswand. „Colleen“, flüsterte sie und stupste sie leicht mit dem Rücken an.
„Wasn?“
„Hör doch. Da ist irgendwas, im Fels.“ Für einige Sekunden war es still, dann ging es weiter. Aus dem Schaben wurde ein Knirschen, als würden Steine aneinander reiben. Etwas sprang auf Veras Schulter und dann auf den Boden. Fell streifte ihr Bein.
Vera zuckte zusammen, atmete schneller. „Irgendetwas ist in der Grube, vielleicht eine Ratte oder so.“ Das reflektierte Licht des Halbmondes ließ sie nur Umrisse erkennen.
„Vielleicht eins von deinen Gandis?“, fragte Colleen. Auch ihr Körper spannte sich an.
„Gundis. Glaub nicht, sei mal leise.“
Zunächst war es ruhig, dann hörten sie nicht weit entfernt tippelnde Schritte.
Etwas biss Vera in die Ferse. „Aaaah, verdammt!“, schrie sie und schlug mit der Faust danach. Das Wesen quiekte und rannte davon.
„Was ist?“, wollte Colleen wissen.
„Das Vieh hat mich gebissen. Ich blute.“ Sie wollte nach ihrer Handtasche greifen, die Taschentücher suchen, als sie weiteres Knirschen und Quieken aus verschiedenen Richtungen hörte.
„Verpiss dich!“, schrie Colleen. Eins der Geschöpfe lief über ihre Hand.
„Wir müssen hier raus!“, sagte Vera und stand auf. „Geht es?“
„Denke schon, aber du musst mir hoch helfen.“ Mit einem Stöhnen drehte sie sich auf die Knie und nahm Veras Hände. Setzte einen Fuß auf und ließ sich hochziehen. „Das gibt nen blauen Fleck für die Ewigkeit.“
Immer wieder streiften die Geschöpfe ihre Füße, bissen in ihre Sneaker und Beine. Colleen trat auf dem Weg zur Felswand auf eins, ließ es quiekend zurück.
„Warte, ich helfe dir gleich“, sagte Vera. Sie sprang und drückte sich mit den Ellenbogen nach oben. Hob ein Bein über die Kante und stieg hinauf. „Greif meine Hände!“, rief sie, als sie vor der Grube in die Knie ging.
„Drecksviecher“, schrie Colleen und trat nach den Geschöpfen. Sie umklammerte Veras Hände und half, indem sie mit den Füßen Halt an der Felswand suchte, sich hochdrückte. Vera ging rückwärts und zog sie nach oben.
Colleen blieb auf dem Bauch liegen. Vera setzte sich und zog die Beine an, legte Arme und Kopf ab. Beide atmeten schwer, hörten aber dennoch die Geräusche der Wesen, die unter ihnen durch die Grube geisterten.
„Wir müssen hier weg, Richtung Straße. Komm!“ Vera stand auf und wollte Colleen helfen, aber sie war schon dabei, alleine aufzustehen.
„Es geht schon, mein Hintern ist mittlerweile eher taub.“
Schon nach wenigen Metern hakte sich Colleen bei Vera ein. Humpelnd erreichten sie die Straße, gingen darüber und noch etwas weiter.
„Ich glaube, das reicht“, sagte Vera schließlich. Sie hielten an und setzen sich erschöpft auf den harten Boden. Colleen legte sich wieder auf die Seite.
Vera hatte das Tuch, das sie zuvor auf dem Kopf getragen hatte, noch um den Hals gebunden und nahm es ab. Entfernte damit zuerst das Blut von Colleens Beinen, dann von ihren eigenen.
„Und nun?“, fragte Colleen, zitternd.
„Wir warten.“

„Bist du noch wach?“, flüsterte Colleen.
„So gerade.“
„Weißt du noch, wie wir mal in eurem Garten gezeltet haben? Auch das war fies kalt, aber wenigstens hat uns das Zelt vorm Wind geschützt.“
„Das war die Variante für Weicheier. Jetzt hast du mal eine echte Geschichte für dein Magazin.“
„Sieht so aus. Was waren das für Viecher?“
„Keine Ahnung. Vielleicht können wir sie uns morgen mal bei Tageslicht ansehen.“
Sie schwiegen einige Minuten.
„Vera?“, fragte Colleen.
„Hmm?“
"Ich bin froh, dass du bei mir bist."
"Jemand muss ja auf dich aufpassen. Wenn ich uns schon in diese Lage gebracht habe."
„Das nächste Mal bleibste auf der Straße. Ich glaube, eine Spinne krabbelt über meinen Rücken.“
„Ich hab eine auf dem Fuß.“

„Guten Morgen“, sagte jemand mit tiefer, kräftiger Stimme.
Vera und Colleen blinzelten und sahen nach oben. Ein älterer Mann mit Cowboyhut stand vor der aufgehenden Sonne und legte ihnen eine Decke um.
„Was ist euch denn passiert?“
Vera wollte antworten, aber ihr Mund war zu trocken.
„Hier.“ Der Mann hielt ihr eine Flasche Wasser hin. Sie trank und gab sie an Colleen weiter.
„Wir sind verunglückt, unser Wagen ist eingebrochen. Nachts hat uns irgendwas angegriffen, in der Nähe der Felsen.“
„Na, kommt erstmal mit. Ich habe noch etwas Kaffee in der Thermoskanne und zumindest ein paar Kekse.“

„Ich bin Hank“, sagte der Mann, als er eine Tasse mit Kaffee füllte. Sie standen an seinem Jeep, direkt neben der Straße. Die Wunden hatten sie bereits notdürftig verbunden.
„Danke.“ Diesmal trank Colleen zuerst.
„Das ist ja ne Geschichte. Hab noch nie von solchen Gruben gehört.“
Vorsichtig gingen sie zu dem Loch, in das Colleen gefallen war, während sie sich mit dem Kaffee abwechselten.
„Heiliger Strohsack!“, rief Hank, als er die Grube betrachtete.
Auch Vera und Colleen blickten hinab. Von den Geschöpfen war nichts zu sehen, aber an den Wänden befanden sich einige faustgroße Löcher. Ihre Handtaschen und die Kühlbox waren mitsamt Inhalt zerfetzt und über den Boden verteilt. Als hätte sie jemand durch einen Häcksler geschickt.
Colleen hielt sich die Hände vor den Mund.
„Das waren definitiv keine Gundis“, sagte Vera mit trockener Stimme.
Alle drei betrachteten stumm die Überreste, bis Hank sagte: „Ich werde euren Ford rausziehen. Dann fahre ich mit euch und dem Wagen im Schlepptau nach Austin zum Krankenhaus.“
Er ging zu seinem Jeep und fuhr im Schritttempo näher an den verunglückten Ford. Vera und Colleen sahen angespannt zu. Einige Meter entfernt blieb er stehen und holte ein Abschleppseil aus dem Kofferraum. Befestigte es zuerst an seinem Wagen und dann an ihrem.
„Ob das mal gut geht“, flüsterte Colleen und trank vom Kaffee.
Hank stieg in seinen Wagen und fuhr langsam rückwärts. Schon nach gut einem Meter bildeten sich Risse in einem Umkreis von zwei Metern um seinen Wagen.
„Hank!“, schrie Vera.
Er hatte keine Zeit mehr, zu reagieren. Mit einem lautem Knirschen brach der Boden weg. Hanks Jeep verschwand in der Tiefe und zog den Ford mit sich. Sie hörten zweimal kurz hintereinander ein Scheppern.
Vera und Colleen betrachteten mit offenem Mund das große Loch. Sahen sich an und gingen wortlos dorthin, prüften bei jedem Schritt vorsichtig den Boden.
Stumm blickten sie in die Tiefe. Unter ihnen befand sich ein fast zwanzig Meter hinab reichender Hohlraum, sein Umfang wurde trichterförmig größer. Ein Geruch von Exkrementen und abgestandener Luft stieg ihnen in die Nase.
Der Ford hatte Hanks Jeep zerquetscht. Am Boden wuselten kleine, rattenartige Geschöpfe. Etwas sandfarbenes robbte an die beiden Wagen heran. Es sah aus wie ein riesiger, getarnter Regenwurm. Das Wesen öffnete sein Maul und biss in ihren Wagen. Metall knirschte.
Colleen fiel die Tasse aus der Hand. Wie in Zeitlupe näherte sie sich dem felsigen Grund. Erschlug eine der kleinen Kreaturen und zerschmetterte in unzählige Teile. Der riesige Wurm ließ das Auto los und reckte den Kopf nach oben. Blickte sie an und öffnete sein mit spitzen Zähnen gefülltes Maul.
Vera nahm Colleens zitternde Hand. Sie rannten zur Straße, folgten ihr Richtung Austin. Der Boden vibrierte.

***

„Was zur Hölle …“, rief der Mann und zeigte nach vorne.
„Was ist?“, fragte seine Freundin vom Beifahrersitz und blickte von der Zeitschrift auf. Sie kniff die Augen zusammen, reckte den Hals nach vorne. „Vor was rennen die beiden davon? Was ist das?“
„Keine Ahnung.“ Seine Stimme zitterte leicht. „Vielleicht sind wir auf dem Wüstenplanet."
Sie schwiegen einige Sekunden, dann nahm sie ihr Smartphone und aktivierte die Kamera.

***

"Chemiekonzern in Erklärungsnot", las Vera die Überschrift des Zeitungsartikels laut vor.
Colleen kam gerade aus dem Bad des Hotelzimmers und blickte ihr über die Schulter. "Zwei Urlauberinnen entdecken Nest mutierter Würmer und Gundis", ergänzte sie.
Sie schwiegen, während sie weiterlasen.
Unter dem Artikel war ein Bild von ihnen, kurz bevor sie es ins Auto ihrer beiden Retter schafften.
"Sehen wir fertig aus", meinte Vera.
"Aber auch gut in Form", sagte Colleen. "Ich bestell mal Frühstück."
 
Zuletzt bearbeitet:
Monster-WG
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02.05.2020
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Hi @Rob F ,

ich fand deine Geschichte angenehm unterhaltsam, habe jedoch (natürlich) trotzdem ein paar Anmerkungen.
Insgesamt habe ich überlegt, ob du hier den auktorialen Erzähler ausprobiert hast, denn du bleibst deinen Protagonisten etwas fern. Das ist ein bisschen schade, denn obwohl du Konflikt und Schmerz auf menschlicher Ebene aufbaust, ist es dadurch schwierig wirklich eine Bindung aufzubauen. Der Schock und Schmerz kommt nicht beim Leser an, weil er offenbar auch bei den Protagonisten nicht so wirklich präsent ist.


Im Detail:
Vera fuhr weiter und wollte gerade vor der Formation halten, als sich der Wagen nach vorne neigte. Der Boden gab nach. Sie wurde nach vorne in den Sicherheitsgurt gedrückt. Colleen war nicht angeschnallt, rutschte seitlich gegen den Fahrersitz und zu Boden. Die Coladose fiel ihr aus der Hand und lief aus. Nach ungefähr einem Meter prallte die Vorderseite des Ford auf Felsboden. Die Frontscheinwerfer zerbrachen, Glas klirrte auf den Boden. Sie hingen in einem 45-Grad-Winkel in dem entstandenen Loch.
Hier nutzt du das gegebene Kreisch-Potential nicht. Ich meine ... wenn ich in ein spontan entstehendes Loch fallen würde, würde ich kreischen. Egal ob Fahrer oder Beifahrer und obgleich generell gern mit brüsken Kommentaren zur Stelle. Ja, es ist nur ein Meter, aber ein Meter fühlt sich trotzdem nicht so toll an, wenn er spontan auftaucht und dir jegliche Kontrolle über dein Fahrzeug raubt. Entweder kreischen oder absolute Starre. Beides wären aber auszuführende Emotionen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass Vera eher die Starre ist, die das Lenkrad steif umklammert und Coleen die Kreischerin ist.

„Ich glaube, wir stehen stabil. Meine Tür ist blockiert, aber deine müsste sich öffnen lassen.“
Mir fehlt da etwas "Fuck, Fuck, Fuck" davor. Aka Stressabbau nach Schock.

Colleen ging zur Seite. „Konntest du so etwas nicht ahnen, Frau Geologin?“
Vera hob abwehrend die Hand, als sie sicher unten angekommen war. „Nicht jetzt.“
Verstehe ich nicht ganz. Ist "Nicht jetzt" kurz für "Das ist der falsche Moment um mich damit aufzuziehen?" Dafür bräuchte ich ein bißchen mehr "Fuck" drumrum oder irgendeine andere Form von (s.o.) Stressabbau.

„Kennst du die Geschichte Der Überlebenstyp von Stephen King?“, fragte Colleen, als es fast dunkel war.
:D:lol::rotfl:
Colleen öffnete die letzte Dose Cola und trank einen Schluck. „Halt ihm mal den Arsch hin, dann geht er richtig ab.“
Vera sah sie an. „Was war das?“
„Was? Nichts, ich dachte nur …“
„Hast du mit meinem Mann gefickt?“
Colleen schwieg und schüttelte leicht den Kopf.
Vera stand auf und ging auf und ab. „Ich glaubs nicht. In unserem Bett?“
Ich bin am zweifeln, ob du diesen Mini-Subplot brauchst, denn bis auf einen kleinen Mini-Streit, der durch Coleens Absturz sofort terminiert wird, löst er nichts aus, und das Coleen sich bewegt könntest du auch mit anderen Mitteln erreichen. Wenn sie daraufhin Coleen im Loch zurücklässt und am nächsten Tag ihre Leiche findest, ja dann wäre er relevant. Aber so?
Falls du ihn trotzdem in dieser Form behalten möchtest: Da geht mir zuviel im Subtext ab. Klar, Vera könnte so schnell in der Interpretation sein, denn schließlich ist sie die Frau ihres Mannes und hat eventuell schon gewisse Verdachtsmomente gehabt, dein Leser ist jedoch nicht so vertraut mit den Protagonisten und ihren Problemen, das überfährt mich daher eher. Ich würde wohl noch einen Zwischensatz einbauen, um die Erkenntnis nicht so spontan aufploppen zu lassen.

Colleen öffnete die letzte Dose Cola und trank einen Schluck. „Halt ihm mal den Arsch hin, dann geht er richtig ab.“
Vera lächelte leicht. "Nicht jeder Mann steht da drauf."
Colleen legte den Kopf schräg und verzog bedauernd den Mund.
Vera sah sie an. „Was willst du mir damit sagen?“
„Was? Nichts, ich dachte nur …“


Der Boden unter ihr brach ein. Sie fiel fast zwei Meter und schlug mit dem Hintern zuerst auf dem Boden auf.
Sowas von Kreisch-Potential.

„Es war nur einmal. Du bist an dem Abend früher aus der Disco abgehauen und …“
„Lass gut sein“, unterbrach Vera. „Ich brauche keine Details. Du wirst nicht die Einzige gewesen sein, wahrscheinlich wollte ich es nur nicht wahrhaben. Er hatte ja auch seine vorherige Freundin mit mir betrogen.“
Deswegen Mini-Subplot ohne wirkliche Konsequenzen. Thema auf, Thema zu. Erledigt. Keine Auswirkungen.

Aaaah, verdammt!“, schrie Vera. Etwas biss ihr in die Ferse. Sie schlug mit der Faust danach. Das Wesen quiekte und rannte davon.
Das ist eigentlich ja schon gut gemacht, du schaffst es schon ganz gut den jeweiligen Schmerz visuell darzustellen, aber es bleibt durch die Beschränkung auf den einen Sinn (Sehen) sehr dünn.

Schon nach wenigen Metern hakte sich Colleen bei Vera ein. „Sorry.“
„Schon in Ordnung.“
Bezieht sich das immer noch auf das Fremdgeh-Thema? Das ist von der Situation jetzt her ein bisschen deplatziert. Vera hat ihr ja schon verziehen und wenn du gerade von nicht-identifizierbaren Viechern attakiert wurdest und humpelst (Fuß-Biss) ist das, nachdem Vera es davor ja eh schon großzügig abgeschmettert hat, unnötig und ich denke schon, dass sie eher bei den Viechern wäre. Wenn du in der Nacht in ein Loch fällst, dich gerade noch da rausretten kannst und keine Ahnung hast, was das überhaupt ist, was dich da gerade angegriffen hat, bleibst du dann nicht bei Spekulationen darüber?

Außerdem behaupte ich jetzt mal einfach, dass man ein "ich-hab-mit-deinem-Mann-geschlafen"-Thema nach Abschluss (und sei er noch so schnell) nicht nochmal aufmacht, weil man generell froh sein wird, dass es (offenbar) abhakt ist.

Das Ende ist nicht gaaanz meins, aber du hast da eine hübsche Klammer und von der Hinsicht habe ich "technisch" nichts zu bemängeln.
Außer vielleicht:
„Fahr näher ran.“

Entweder die zwei Mädels laufen ihnen entgegen, oder von ihnen weg. In beiden Fällen gehe ich davon aus, dass wenn der Mann nicht bremst, fährt er darauf zu und nähert sich (Auto schneller als Sprinter), auch ohne den Hinweis der Frau.
Falls der Subtext kommunizieren soll, dass sie filmen und vorbeifahren will, wäre mir allerdings sowas wie "Halt bloß Abstand." lieber.
Für ein offenes Ende braucht es den letzten Satz mMn nicht.

Grüße
Feurig
 
Monster-WG
Beitritt
20.08.2019
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Guten Morgen lieber @Rob F

eine weitere Geschichte von Dir. Schön :thumbsup: Ich habe sie gerne gelesen. Sie ist flüssig geschrieben, ich kann mich in die Protagonisten einfühlen und finde auch die Location sehr treffend beschrieben. Du lässt mich mit einigen Fragen zurück. Es geht darum, dass 2 Frauen in der Patsche sitzen. Dann geht es um unterlassene Hilfeleistung, plötzlich um den Ehebruch und dann um ein Monsterwurm. So ganz schlau werde ich aus der Geschichte nicht. Was ist denn Dein Hauptanliegen? Was möchtest Du mit der Geschichte ausdrücken?

Hier ein paar Anmerkungen:

„Wie weit noch bis Austin?“, fragte Colleen von der Rückbank. Sie lehnte an der Seite des geräumigen Ford Explorer und hatte die Beine auf der Rückbank ausgestreckt.

... und hatte die Beine ausgestreckt

Vera fuhr weiter und wollte gerade vor der Formation halten, als sich der Wagen nach vorne neigte. Der Boden gab nach. Sie wurde nach vorne in den Sicherheitsgurt gedrückt.

Hier würde ich mir wünschen, dass eine der Mädels sofort reagiert, als das Drama losgeht. Das "Fuck!" von Colleen kommt mir zu spät.

Colleen band sich die langen, schwarzen Haare zusammen und drehte den Oberkörper, um den Türöffner zu erreichen.

Bei dem Schlamassel denkt doch ne Frau nicht erstmal dran, die Haare zusammenzubinden.

Falls ich in ein Loch falle, kannst du mir raus helfen

... raushelfen

Der Wagen näherte sich und verlangsamte sein Tempo. Der Beifahrer hielt sein Smartphone aus dem Fenster und schien Fotos von dem verunglückten Ford zu machen.

Die Reaktion finde ich sehr seltsam. Helfen tut er nicht und macht Fotos?

„Mistsau! Hast du dir das Nummernschild gemerkt?“, fluchte Colleen, als Vera zurückkam.
„Ja, denke schon. Falls ich es in dem Staub richtig gelesen habe. Er hat Fotos gemacht, vielleicht erwischen wir ihn so, wenn er sie irgendwo einstellt. Unterlassene Hilfeleistung ist soweit ich weiß keine Kleinigkeit.“

Wieso sollte er sie irgendwo einstellen?
Irgendwie strange. Die beiden sitzen echt in der Sch ... und rätseln, ob der Unbekannte irgendwo Fotos von ihnen einstellt.

„Wie läuft es mit deinem Mann? Habt ihr noch Sex, seid ihr verheiratet seid?“, fragte Colleen schließlich.
„War ja klar, dass so eine Frage kommt“, lächelte Vera.

Dieser Themenwechsel kommt ziemlich abrupt

Mit einem Stöhnen drehte sie sich auf die Knie und nahm Veras Hände. Setzte einen Fuß auf und ließ sich hoch ziehen

... hochziehen

„Greif meine Hände“, rief sie, als sie vor der Grube in die Knie ging.

Da fehlt ein Ausrufezeichen

Sie umklammerte Veras Hände und half, in dem sie mit den Füßen Halt an der Felswand suchte, sich hoch drückte.

... hochdrückte

„Heiliger Strohsack!“, rief Hank, als er in die Grube sah.
Auch Vera und Colleen blickten hinab. Von den Geschöpfen war nichts zu sehen, aber an den Wänden befanden sich einige faustgroße Löcher.

Wortwiederholung

Ich werde euren Ford raus ziehen

... rausziehen

Er hatte keine Zeit mehr, zu reagieren. Mit einem Knall brach der Boden weg. Hanks Jeep verschwand in der Tiefe und zog den Ford mit sich.

Krass! Sehr spannend.

Sie schwiegen einige Sekunden, dann nahm sie ihr Smartphone und aktivierte die Kamera. „Fahr näher ran.“

Auch ne sehr seltsame Reaktion. Da ist ein Monster unterwegs. Ich würd schauen, das ich da wegkomme.

Ganz liebe Grüße und einen schönen Tag,
Silvita
 
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Beitritt
09.08.2020
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Moin Rob,

ein echt spannender Text, gerne gelesen. Sehr gefallen hat mir auch die freche Art der beiden Protagonistinnen, da hat das Lesen wirklich Spaß gemacht. Und die Spannung hältst du auch über den ganzen Text, das ist dir ja schon bei Zu den Anfängen gut gelungen und hier wieder. Hast du echt drauf.

Erst dachte ich, das wird so ein komtemplativer Text. Die beiden Frauen, die in der Wildnis festsitzen und sich aussprechen, sich zanken und ihr Handeln, ihre Vergangenheit reflektieren; da hätte ich auch nichts gegen gehabt. Die plötzlichen Horrorelemente habe ich natürlich auch gerne angenommen, vor allem, weil ich nicht damit gerechnet habe. Darin liegt aber auch ein bisschen die Crux. Es fühlt sich ein bisschen nach einer Trennung an. Das Festsitzen und Aussprechen in der Wildnis auf der einen Seite, der Würmerekel auf der anderen. Ist nicht ganz konsistent, aber es war unterhaltsam und gut geschrieben. Meckern auf hohem Niveau. Und vielleicht gibt es ja doch eine Verbindung ... auf der allegorischen Ebene. Würmer als Sinnbild für ... Männlichkeit? Die Frauen sprechen sich allein in der Wildnis aus und dann kommt der Hank und der Stress beginnt wieder ... würde auch zu dem Titel passen, eine kurze Pause von all den Ärschen und Mistschweinen, aber da interpretiere ich wohl zu viel hinein. :D

Ein paar Dinge noch, dir mir beim Lesen aufgefallen sind:
Colleen trat auf den schmalen Einstiegsbereich vor dem Sitz und stieg vorsichtig auf den Wüstenboden.
Meinst du hier den Fußraum?
„Nein. Scheiße!“, fluchte Colleen und legte das Smartphone zurück in die Handtasche.
Das ist immer so eine Sache, dass sie flucht geht ja aus der wörtlichen Rede hervor, ich würde das weglassen, das ist so erklärend.
„Wie auch immer du es schaffst, direkt wieder so sachlich zu denken. Ich dachte eher daran, sie an den Eiern aufzuhängen.“
Es war doch vorher von einem er die Rede, der Bezug ist hier ein bisschen undeutlich.
„Ein Mehrschweinchen?“
Meerschweinchen
„Hast du den Autoschlüssel?“
Auch Colleen suchte, fand ihn aber nicht. „Nein, muss im Wagen sein.“
„Scheiße!“ Vera stand auf und lief zur Grube. Ihre Befürchtung bestätigte sich, die Türen waren verschlossen.
„Was ist?“, rief Colleen hinter ihr.
„Scheiße!“, rief Vera erneut und schlug mit der Unterseite der Faust gegen die Scheibe. „Er hat sich automatisch verriegelt. Freu dich auf eine Nacht im Freien.“
Ach ja, die liebe Technik. Sehr guter Einfall. :)
Habt ihr noch Sex, seid ihr verheiratet seid?
seit
„Hast du mit meinem Mann gefickt?“
Sagt man das so? Es klingt doch irgendwie komisch. „Hast du meinen Mann gefickt?“ wäre mMn besser.
Colleen blickte sie an, überlegte kurz. „Ja, ist wohl besser. Scheiße, tut mein Arsch weh!“
„Tja“, flüstere Vera und öffnete ihre Handtasche.
Wegen der vorangegangenen Unterhaltung musste ich da echt lachen. Aber natürlich flüsterte Vera.
Sie umklammerte Veras Hände und half, in dem sie mit den Füßen Halt an der Felswand suchte, sich hoch drückte.
indem; hochdrückte
„Sieht aus wie einer der Sandwürmer aus dem Film Dune.“
Ketzerei, Dune ist ein Roman. :D Davon abgesehen würde man ja nie sagen, dass es ein Film ist. Der Todesstern aus dem Film Star Wars? Klingt komisch. Ich würde einfach ... aus Dune daraus machen.

So viel erstmal von mir. Ich wünsche dir einen schönen Start in die Woche
 
Zuletzt bearbeitet:
Mitglied
Beitritt
09.12.2019
Beiträge
382
Hi @feurig ,

danke für deine Zeit und das Feedback!

Insgesamt habe ich überlegt, ob du hier den auktorialen Erzähler ausprobiert hast, denn du bleibst deinen Protagonisten etwas fern. (...) Der Schock und Schmerz kommt nicht beim Leser an, weil er offenbar auch bei den Protagonisten nicht so wirklich präsent ist.
Ich hatte hierbei nicht vor, mich auf eine der beiden Protagonistinnen zu konzentrieren, ich denke, das passt dann zu deinem Eindruck. Die Geschichte hat, hoffe ich zumindest, einen nicht ganz so ernsten Ton, vielleicht kommt dein Eindruck auch daher. Ich habe nun das Subthema entfernt, dass Colleen mit Veras Mann geschlafen hat, vielleicht passt der Schreibstil so eher zur Handlung, wenn dieses emotionale Thema nicht mehr dazugehört.

Hier nutzt du das gegebene Kreisch-Potential nicht. (...) Ich könnte mir auch vorstellen, dass Vera eher die Starre ist, die das Lenkrad steif umklammert und Coleen die Kreischerin ist.
Ich habe die Stelle, an der sie mit ihrem Wagen in das Loch stürzen, ein wenig ergänzt. Colleen flucht etwas mehr, Vera umklammert das Lenkrad und spricht mit zittriger Stimme.

Verstehe ich nicht ganz. Ist "Nicht jetzt" kurz für "Das ist der falsche Moment um mich damit aufzuziehen?" Dafür bräuchte ich ein bißchen mehr "Fuck" drumrum oder irgendeine andere Form von (s.o.) Stressabbau.
An dieser Stelle ist es ja Vera in ihrer eher nüchternen Art, sie möchte damit Colleen erstmal zum Schweigen bringen, damit sie nicht einen Vorwurf nach dem anderen abbekommt. Sie baut hierdurch zwar nicht direkt Stress ab, verhindert aber zumindest, dass durch Colleens Gemecker noch mehr dazukommt. Ich denke, das passt so ganz gut zu ihrer Art.

Ich bin am zweifeln, ob du diesen Mini-Subplot brauchst, denn bis auf einen kleinen Mini-Streit, der durch Coleens Absturz sofort terminiert wird, löst er nichts aus, und das Coleen sich bewegt könntest du auch mit anderen Mitteln erreichen. Wenn sie daraufhin Coleen im Loch zurücklässt und am nächsten Tag ihre Leiche findest, ja dann wäre er relevant. Aber so?
Ich entferne ja normalerweise ungerne etwas wieder aus einer Geschichte, aber hierbei sehe ich es mal direkt ein ;)
Es ist für die Handlung nicht wichtig, und auch kein Thema, das nur mal kurz nebenbei erwähnt werden sollte. Vielleicht ist die Handlung nun auch so ein wenig nachvollziehbarer und konzentrierter auf die gruseligen Ereignisse.

Schon nach wenigen Metern hakte sich Colleen bei Vera ein. „Sorry.“
„Schon in Ordnung.“

Bezieht sich das immer noch auf das Fremdgeh-Thema?
Hier war das "Sorry" von Colleen darauf bezogen, dass sie zunächst versucht hat, alleine zu gehen, sich dann aber doch bei Vera einhakt. Ich habe diese beiden Aussagen von Vera und Colleen aber entfernt, so liest sich der Teil nach dem Angriff im Erdloch etwas flüssiger, danke für den Hinweis!

Falls der Subtext kommunizieren soll, dass sie filmen und vorbeifahren will, wäre mir allerdings sowas wie "Halt bloß Abstand." lieber.
Ich greife mit dem Ende nochmal das ergänzende Thema auf, dass Leute auch schon mal zuerst ihre Smartphones benutzen, um zu filmen oder Fotos zu machen, anstatt direkt zu helfen.
Vor einigen Jahren war es tatsächlich mal in den Nachrichten, dass in einem See jemand Schwierigkeiten hatte, die Menschen in der Nähe aber erstmal begannen, denjenigen zu filmen. Und einer derjenigen hat die Leute gefilmt, die am filmen waren, und hat das dann den Nachrichtensendern zur Verfügung gestellt ... leider wirklich wahr.
Hier ist es natürlich total abwegig und übertrieben, aber ich fand es als Abschluss trotzdem ganz passend. Und es zeigt ja auch, dass Vera und Colleen durchaus noch gerettet werden können. Den abschließenden Satz mit der Aufforderung der Beifahrerin habe ich entfernt.

Also danke für deine Mühe und die Vorschläge!

Viele Grüße,
Rob
 
Monster-WG
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02.05.2020
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@Rob F,
Ich greife mit dem Ende nochmal das ergänzende Thema auf, dass Leute auch schon mal zuerst ihre Smartphones benutzen, um zu filmen oder Fotos zu machen, anstatt direkt zu helfen.
Ja, das dachte ich mir. Im Film Kickass ist das auch recht prägnant dargestellt, passend zum Thema Horror gibt es aber auch diese künstlerische Interpretation :)
' und wir haben das wackelige' Poster von AlisterLockhart

Grüße
Feurig
 
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09.12.2019
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Hi @Silvita ,

danke fürs Lesen und den Kommentar!

So ganz schlau werde ich aus der Geschichte nicht. Was ist denn Dein Hauptanliegen? Was möchtest Du mit der Geschichte ausdrücken?
Es soll hauptsächlich eine spannende, etwas trashige Gruselgeschichte sein, mit zwei Protagonistinnen, die sich nicht so leicht einschüchtern lassen. Die unterlassene Hilfeleistung sehe ich nicht unbedingt als ein Thema der Handlung, eher eine Randnotiz. Ich habe nun den Inhalt entfernt, dass Veras Mann sie mit Colleen betrogen hat, ich hoffe also, der Schwerpunkt dieser Unterhaltungsgeschichte kommt nun deutlicher hervor.

Hier würde ich mir wünschen, dass eine der Mädels sofort reagiert, als das Drama losgeht. Das "Fuck!" von Colleen kommt mir zu spät.
Ich habe die Szene etwas angepasst.

Colleen band sich die langen, schwarzen Haare zusammen und ...
Bei dem Schlamassel denkt doch ne Frau nicht erstmal dran, die Haare zusammenzubinden.
Ich hatte hier gedacht, dass ihr nach dem Unfall die Haare ins Gesicht hängen und sie sie deshalb zusammenbindet. Aber stimmt schon, so steht es dort nicht. Habe den Satz also angepasst, nun streicht sie sich die Haare aus dem Gesicht.

Die Reaktion finde ich sehr seltsam. Helfen tut er nicht und macht Fotos?
Es ist in dieser Szene, genauso wie am Ende, zwar etwas übertrieben durch die Situation, aber vielleicht auch nicht allzu sehr. Es ist halt eine Anspielung auf das, was tatsächlich passiert:
Die Menschen holen ihre Smartphones hervor und filmen etwas, als wenn sie gar nicht registrieren, dass jemand Hilfe braucht (s. oben mein Beispiel an @feurig).
Selbst wenn es "nur" eine Schlägerei ist: Wie viele fangen an zu filmen und wie viele gehen dazwischen oder rufen die Polizei?

Wieso sollte er sie irgendwo einstellen?
Irgendwie strange. Die beiden sitzen echt in der Sch ... und rätseln, ob der Unbekannte irgendwo Fotos von ihnen einstellt.
Ich glaube schon, dass es Leute gibt, die nicht nur Fotos machen, anstatt zu helfen, sondern sie auch noch irgendwo einstellen. Als wenn sie davon ausgehen, ohnehin nicht erwischt werden zu können.
Vera drückt sich hier sehr sachlich aus, aber dafür bekommt sie von Colleen ja auch einen entsprechenden Kommentar.
Ich würde mir nach so einer Aktion auch denken "Den erwische ich noch!"

Auch ne sehr seltsame Reaktion. Da ist ein Monster unterwegs. Ich würd schauen, das ich da wegkomme.
Gerade hier ist es eher abwegig, aber wie zuvor erwähnt, scheint es ja häufig ein Reflex zu sein, erstmal etwas als Foto oder Film festzuhalten. Und ich dachte, es passt als Ende auch ganz gut zu der etwas trashigen Handlung, um dieses absurde Verhalten entsprechend übertrieben darzustellen.

Ich habe entsprechend noch einige Stellen korrigiert, danke für deine Hinweise!

Noch einen schönen Abend!
Rob


Hi @Steppenläufer ,

danke für deine Einschätzung!

Sehr gefallen hat mir auch die freche Art der beiden Protagonistinnen, da hat das Lesen wirklich Spaß gemacht.
Danke, hat mir beim Schreiben auch Spaß gemacht, zwei wenig ängstliche, freche Urlauberinnen.

Erst dachte ich, das wird so ein komtemplativer Text. Die beiden Frauen, die in der Wildnis festsitzen und sich aussprechen, sich zanken und ihr Handeln, ihre Vergangenheit reflektieren; da hätte ich auch nichts gegen gehabt.
Ich hatte zunächst vor, dass während der Nacht in der Wüste gar nicht viel passiert, es also eher genau dadurch unheimlich wird. Die Geräusche der Wüste, sie haben kein Licht und wissen nicht, ob sich ein "Wüstenbewohner" nähert ... Gesteigert dann dadurch, dass Vera davon erfährt, dass Colleen mit ihrem Mann im Bett war. Nur fiel mir hierbei nicht genügend ein für mehrere spannende Absätze, daher bin ich dann auf diese Handlung umgeschwenkt. Ich habe nun jedoch den Inhalt herausgenommen, dass Veras Mann sie betrogen hat, ich denke so ist die Handlung dann auch gradliniger.

Und vielleicht gibt es ja doch eine Verbindung ... auf der allegorischen Ebene. Würmer als Sinnbild für ... Männlichkeit? Die Frauen sprechen sich allein in der Wildnis aus und dann kommt der Hank und der Stress beginnt wieder ... würde auch zu dem Titel passen, eine kurze Pause von all den Ärschen und Mistschweinen, aber da interpretiere ich wohl zu viel hinein.
Eine interessante Idee, aber soweit habe ich tatsächlich nicht gedacht ;)
Aber wie erwähnt, der Teil des Betrugs ist nun raus.

Colleen trat auf den schmalen Einstiegsbereich vor dem Sitz und stieg vorsichtig auf den Wüstenboden. Meinst du hier den Fußraum?
Nein, ich meine tatsächlich den kleinen Bereich, auf den man treten kann, wenn die Autotür geöffnet ist. Ich kann es vielleicht nicht richtig beschreiben, bin auch nicht sicher, ob es hierfür ein eigenes Wort gibt. Ich habe es mal geändert auf "... neben dem Sitz ..."

„Wie auch immer du es schaffst, direkt wieder so sachlich zu denken. Ich dachte eher daran, sie an den Eiern aufzuhängen.“
Es war doch vorher von einem er die Rede, der Bezug ist hier ein bisschen undeutlich.
Ich habe den vorherigen Satz von Vera auf "sie" geändert, es waren ja zwei Männer in dem Auto.

Meerschweinchen
Ja, so ist es richtig :gelb:
Peinlich ...

Ketzerei, Dune ist ein Roman. :D Davon abgesehen würde man ja nie sagen, dass es ein Film ist. Der Todesstern aus dem Film Star Wars? Klingt komisch. Ich würde einfach ... aus Dune daraus machen.
Ja, da haste mich erwischt ... Ich hatte mich so darüber gefreut, dass Ende des Jahres eine Neuverfilmung von Dune ins Kino kommen soll, von dem Regisseur (Denis Villeneuve), der auch vor zwei oder drei Jahren eine m.E. gelungene Fortsetzung von Blade Runner gedreht hat. Leider wurde der Filmstart auf nächstes Jahr verschoben, daher hab ich wohl hierbei direkt an den Film gedacht. Habe den Satz nun korrigiert und schäme mich kurzzeitig!

Danke für deine Hinweise, habe entsprechend noch andere Stellen korrigiert!

Viele Grüße,
Rob
 
Monster-WG
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10.07.2020
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Hi @Rob F,

ich finde deine Schreibe - in diesem Text, aber auch in deinen anderen Texten - total gut. Sehr klar, sehr einfach, nie überladen oder missverständlich. Das muss man erstmal schaffen - und auch auf der ganzen Strecke durchhalten. Sehr cool!

Zur Story insgesamt: Ich finde sie sehr gut. Gar nicht mal trashig, aber so ein bisschen, mmh, ist ein überladenes Wort, aber: postmodern? Sie strotzt nur so vor Referenzen, Zitaten. Zwei Frauen machen gemeinsam einen Roadtrip durch die Wüste, da denke ich sofort an Thelma und Louise. Stephen King und Frank Herbert zitierst du explizit. Die Stephen-King-Referenz führt den Leser absichtlich auf eine falsche Fährte (glaube ich?). Dann gibt‘s da noch Motiv-Referenzen, vielleicht Tremors, vielleicht Picknick am Valentinstag..? Langer Rede kurzer Sinn: Ich finde, die Story hat zwei Ebenen: einmal die einfache Handlung, den Plot. Und dann dieses Spiel mit Zitaten und Bildern, in dem du dem Leser zuzwinkerst und sagst: Siehst du, was ich hier gerade mache?

Das finde ich ziemlich gut.

Okay, eine sprachliche Anmerkung hätte ich auch noch, aber die musst du nicht sehr ernst nehmen:

Wer sagt denn heute noch „Heil’ger Strohsack“?! 🤪

Viele Grüße!

Christophe

EDIT: Den Titel finde ich auch passend, der gibt so gar nix her, das funktioniert.
 
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09.08.2020
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Hallo nochmal Rob,

Ja, da haste mich erwischt ... Ich hatte mich so darüber gefreut, dass Ende des Jahres eine Neuverfilmung von Dune ins Kino kommen soll, von dem Regisseur (Denis Villeneuve), der auch vor zwei oder drei Jahren eine m.E. gelungene Fortsetzung von Blade Runner gedreht hat. Leider wurde der Filmstart auf nächstes Jahr verschoben, daher hab ich wohl hierbei direkt an den Film gedacht. Habe den Satz nun korrigiert und schäme mich kurzzeitig!
Oh nein, kein Grund für Scham, ich habe mich auch schon riesig auf den Film gefreut (die Sandwürmer sahen fantastisch aus) und bin ebenso betrübt. 2020 bleibt wohl ein verbrauchtes Filmjahr. :( Mein Kommentar war eher flapsig gemeint, weil Bücher ja immer besser sind. ;) ;) Was ich in diesem Fall aber nicht annehmen möchte, da ich mit Frank Herberts Epos vor einigen Jahren nicht recht warmgeworden bin. Natürlich gibt es auch schon einen Dune-Film. Aus den 80ern; der ist sogar von Altmeister David Lynch. Seinerzeit zerrissen und für schlecht befunden, aber nicht ohne Kultstatus (wie fast jede Science Fiction aus den 80ern). Also dass da Film stand, war schon in Ordnung, mir ging es eher darum, dass man das so nicht sagen würde, aber ich sehe, du hast das ja schon geändert.

Weiterhin frohes Schaffen und noch einen schönen Abend
 
Senior
Monster-WG
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18.06.2015
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Hallo @Rob F

Ich finde die Geschichte etwas blutarm, vor allem empfand ich sie als wenig spannend. Habe darüber nachgedacht, weshalb das so ist, vielleicht hilft dir die eine oder andere Überlegung.

1. Du lässt die Katze bisweilen etwas schnell aus dem Sack.
Vera schreckte hoch. Etwas hatte sie geweckt. Ein schabendes Geräusch, neben ihr in der Felswand. „Colleen“, flüsterte sie und stupste sie leicht mit dem Rücken an.
„Wasn?“
„Hör doch. Da ist irgendwas, im Fels.“ Für einige Sekunden was es still, dann ging es weiter. Aus dem Schaben wurde ein Knirschen, als würden Steine aneinander gerieben. Etwas sprang auf Veras Schulter und dann auf den Boden. Fell streifte ihr Bein.
Vera zuckte zusammen, atmete schneller. „Irgendetwas ist in der Grube, vielleicht eine Ratte oder so.“ Das reflektierte Licht des Halbmondes ließ sie nur Umrisse erkennen.
„Vielleicht eins von deinen Gandis?“, fragte Colleen. Auch ihr Körper spannte sich an.
„Gundis. Glaub nicht, sei mal leise.“
Zunächst war es ruhig, dann hörten sie nicht weit entfernt tippelnde Schritte.
Das hier ist gut gemacht und für mich die beste Stelle im Text. Da weiss ich über mehrere Zeilen hinweg nicht so recht, was Sache ist, die Fantasie setzt ein. Du hast hier auch die eine oder andere Emotion (zusammenzucken, schneller Atem), und das eine oder andere atmosphärische Details (tippelnde Schritte, rekflektiertes Licht des Halbmondes). Zusammengenommen lässt das Stimmung aufkommen, ich kann eintauchen.
„Was ist los?“, wollte Colleen wissen.
„Das Vieh hat mich gebissen. Ich blute.“
Aber die Szene wird danach sehr schnell geklärt. Die beiden versichern sich im Text ständig, wie es ihnen geht und was los ist. Da hätte ich mir mehr Raum gewünscht für meine eigenen Sorgen. Ich will auch wissen, was los ist und ich finde es schade, dass ich da fast immer sofort eine Antwort erhalte.
„Wir haben einen Besucher“, sagte sie nach einigen Minuten und deutete entlang der Felsformation.
Colleen sah ruckartig dorthin, entspannte sich dann aber wieder. „Ein Meerschweinchen?“
„Nicht ganz. Ein Gundi. Sie leben in Felsspalten. Keine Sorge, sie gehören nicht zu den gefährlichen Wüstentieren.“
Hier exepmplarisch eine zweite Stelle. Sogar im gleichen Satz erfolgt Anspannung und Entspannung. Viel zu schnell, um als Leser einzutauchen und mitzufiebern.
Stumm blickten sie in die Tiefe. Unter ihnen befand sich ein fast zwanzig Meter hinab reichender Hohlraum, dessen Umfang trichterförmig größer wurde. Der Ford hatte Hanks Jeep zerquetscht. Am Boden wuselten kleine, rattenartige Geschöpfe. Von links robbte etwas sandfarbenes an die beiden Wagen heran. Es sah aus wie ein riesiger, getarnter Regenwurm. Das Wesen öffnete sein Maul und biss in ihren Wagen.
Das betrifft auch das Ende. Das liest sich, finde ich, sehr emotionslos, beinahe versicherungstechnisch, zwanzig Meter Hohlraum, kleine Geschöpfe, riesiger Wurm, beisst in den Wagen, fertig.

2. Die Dialoge sind zu glatt und zu erklärend.
Du lässt deine Figuren immer wieder erklären, was sie vorhaben. Du lässt sie häufig Fragen stellen, die dann auch stets brav beantwortet werden. Das führt zu wenig authentischen Dialogen:
„Was machst du?“, wollte Colleen wissen und nahm sich eine Dose Cola aus der Kühlbox.
Vera zeigte auf eine Felsformation, etwa hundert Meter abseits der Straße. „Die Felsen dort, mit dem Überhang. Lass uns den Schatten nutzen und eine kurze Pause machen. Ich muss mal für ein paar Minuten raus aus der Klimaanlagenluft, außerdem können wir dann tauschen und du fährst den Rest der Strecke.“
„Okay.“ Colleen trank einen Schluck, setzte dann aber wieder ab. „Hey, halt doch hier. Die paar Meter können wir auch zu Fuß.“
„Warum? Ist doch fester Boden und niemand in der Nähe.“
Zum Beispiel hier: Sie zeigt auf den Felsen und sagt, der Felsen dort. Dann die ausführliche Begründung, weshalb im Folgenden geschieht, was geschieht. (Ich fand das nebenbei auch etwas seltsam. Ich bin schon mit dem Wagen dort durchgefahren und da will man wirklich nicht aussteigen, auch nicht, wenn es Schatten hat. Okay, wir hatten 42 Grad, ist ja vielleicht nicht immer so. Mich beschlich dennoch das Gefühl, dass sie nur deshalb hier halten und aussteigen will, weil der Autor das so will. Weshalb sieht sie nicht etwas, das sich bewegt, ein Schatten, der über den Felsen huscht? Das wäre doch hübsch, nicht? (Wir sind mal in der Nacht einen Berg hochgefahren und ich hab den Fahrer dazu gebracht, anzuhalten, weil ich an einem Ast am Waldrand ein Mädchen im weissen Kleid hängen sah.)
„Ich gehe mal von den Felsen weg, vielleicht habe ich ja dann Empfang. Bleib besser hier. Falls ich in ein Loch falle, kannst du mir raushelfen.“
Sie ging zur Straße, zunächst vorsichtig, dann etwas schneller. Ihr Smartphone zeigte weiterhin keinen Empfang. Auch weiter, hinter der Straße, war es nicht besser.
Auch hier: Handlung angekündigt, Handlung ausgeführt.
„Wir sollten im Wagen übernachten, falls niemand mehr kommt“, schlug Colleen vor. „Wie kann es sein, dass kaum jemand diese Straßen benutzt?“
„Keine Ahnung“, antwortete Vera und gähnte.
Hattest du Angst, dass sich der Leser diese Frage stellen könnte? Der Dialog führt ins Leere, finde ich, wird mit "keine Ahnung" abgeschlossen.
„Ich klettere zuerst hoch und helfe dir dann“, sagte Vera. Sie sprang und drückte sich mit den Ellenbogen nach oben. Hob ein Bein über die Kante und stieg hinauf. „Greif meine Hände!“, rief sie, als sie vor der Grube in die Knie ging.
„Drecksviecher“, rief Colleen und trat nach den Geschöpfen. Sie umklammerte Veras Hände und half, indem sie mit den Füßen Halt an der Felswand suchte, sich hochdrückte. Vera ging rückwärts und zog sie nach oben.
Handlung angekündigt, Handlung ausgeführt.
Insgesamt würde ich die beiden glaub weniger reden lassen, mehr Schweigen, mehr Raum für Angst und Zittern, für Verunsicherung.

3. Wenig Emotion und Atmosphäre, sehr viel Körperbewegung. Du beschreibst zum Teil sehr ausführlich, wie die beiden sich bewegen, aber kaum, wie sie sich dabei fühlen, was sie riechen, schmecken, hören.
Sie reckte den Hals und betrachtete den Grund des Lochs. „Ich glaube, wir stehen stabil. Meine Tür ist blockiert, aber deine müsste sich öffnen lassen.“
Colleen strich sich die langen, schwarzen Haare aus dem Gesicht und drehte den Oberkörper, um den Türöffner zu erreichen. Sie betätigte ihn und stieß mit der anderen Hand die Tür auf. „Ich denke, es wird gehen“, sagte sie und zog sich an der Lehne des Rücksitzes hoch.
„Schön langsam“, meinte Vera.
Colleen trat auf den schmalen Einstiegsbereich neben dem Sitz und stieg vorsichtig auf den Wüstenboden. „Alles gut, der Boden hier ist fest.“
Vera stütze sich mit der linken Hand am Lenkrad ab und öffnete den Sicherheitsgurt. Während ihrer vorsichtigen Bewegungen beobachtete sie, ob sich der Wagen weiter bewegte. Nichts geschah.
Hier exemplarisch. Keine Bedrohung? Rauch, der aus der Kühlerhaube aufsteigt? Ein Knarzen? Räder, die durchdrehen? Der Geruch von Benzin? Dieses Gefühl, wenn man oben auf der Achterbahn ist und weiss, jetzt geht's runter? Stattdessen werden Türöffner betätigt, es wird auf Einstiegsbereiche getreten, versichert, dass es gehen wird, und am Ende: "Nichts geschah."
„Bist du noch wach?“, flüsterte Colleen.
„So gerade.“
„Weißt du noch, wie wir mal in eurem Garten gezeltet haben? Da war´s ähnlich kalt, aber wenigstens hat uns das Zelt vor dem Wind geschützt.“
„Das war die Variante für Weicheier. Jetzt hast du mal eine echte Geschichte für dein Magazin.“
Die beiden plaudern, als wären sie auf dem Campingplatz. Eventuell liesse sich ein solcher beruhigender Dialog durch ein paar beunruhigende Geräusche etc. ersetzen?
„Ich weiß nicht, wie das hier entstanden ist. Tut jetzt auch nichts zur Sache. Lass uns erstmal in den Schatten. Vorsicht bei jedem Schritt, wer weiß, was hier noch lauert.“
Ebenfalls exemplarisch dafür, dass du sehr viel dem Dialog zumutest. Dieses "... was hier noch lauert" kommt für mich als Leser aus dem Nichts. Die sind ja einfach in einen Graben gefahren, der Boden hat nachgegeben. Weshalb sollte da noch etwas lauern? Die Ahnung, dass da noch mehr kommt, sollte beim Leser durch gut platzierte Details entstehen und nicht von einer Figur ausgesprochen werden.

Details:
Colleen war nicht angeschnallt, rutschte seitlich gegen den Fahrersitz und zu Boden. Die Coladose fiel ihr aus der Hand und lief aus
„Fuck!“, rief sie. "Was war das denn?"
Nach ungefähr einem Meter prallte die Vorderseite des Ford auf Felsboden.
Das fand ich seltsam. Ein Meter und danach "prallen", also nicht ein sanftes Rutschen. Bleibt da wirklich Zeit für ein "Was war das denn?"?
Der Beifahrer hielt sein Smartphone aus dem Fenster und schien Fotos von dem verunglückten Ford zu machen.
Das scheint mir überflüssig zu sein, ist ja klar, was der da macht.
„Kennst du die Geschichte Der Überlebenstyp von Stephen King?“, fragte Colleen, als es fast dunkel war. Sie saßen wieder an einen der Felsen gelehnt, eng beieinander.
„Nein, warum?“
„Ach, nur so.
„Sieht aus wie einer der Sandwürmer aus Dune.“
Diese beiden Anspielungen empfand ich als plump und in den Text hineingeprügelt. Ich finde solche Anspielungen sollten so funktionieren, dass diejenigen, die den Hinweis verstehen, ein Kennerlächeln aufsetzen, und diejenigen, die den Hinweis nicht verstehen, gar nicht mitbekommen, dass sie etwas nicht verstanden haben.
„Das Navi hängt noch immer, aber ich schätze, noch gut zwei Stunden“, vermutete Vera.
„Was machst du?“, wollte Colleen wissen
„Schön langsam“, meinte Vera.
„Nein. Scheiße!“, fluchte Colleen
„Mistsau! Hast du dir das Nummernschild gemerkt?“, fluchte Colleen
„Wir sollten die Sandwichs essen, lange werden sie nicht mehr halten“, meinte Vera
„Keine Ahnung“, antwortete Vera und gähnte.
„Vielleicht sind sie durch ein Erdbeben entstanden?“, vermutete Colleen.
Es gibt ja die Puristen, die sagen, "sagen" reiche als Redebegleitung. Muss man nicht befolgen, diesen Ratschlag. Aber ich würde etwas seltener zu Redebelgeitungen greifen, die genau das besagen, was die Rede bereits ausdrückt (antworten, fluchen, vermuten).


Es mag sein, dass ich völlig am Text vorbei kritisiere. Wie gesagt, bin ich vom Tag "Spannung" ausgegangen. Ich habe allerdings schon den Eindruck, verstanden zu haben, dass du hier nicht zwei verängstigte Frauchen in die Wüste schicken willst und du die eine oder andere augenzwinkernde Anspielung machst. Vielleicht ist das ja insgesamt als Parodie gedacht. Aber dann müsste der Text überraschender, absurder, komischer, anspielungsreicher werden, damit ich ihn so lesen kann.

Das war jetzt einiges an Kritik und Bedenken. Vieles funktioniert aber sehr gut, sprachlich hat der Text Zug drauf, du erzählst straightforward und grundsätzlich gut, wie ich finde.

Lieber Gruss
Peeperkorn
 
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Monster-WG
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Guten Morgen lieber @Rob F

ich habe die überarbeitete Version gelesen und finde die Geschichte jetzt viel besser und stimmiger. :thumbsup:

Ein paar Anmerkungen habe ich noch:

„Sieh mal!“, rief Colleen, gut hörbar an diesem windstillen Tag.

Könnte man streichen.

„Wie auch immer du es schaffst, direkt wieder so sachlich zu denken. Ich dachte eher daran, sie an den Eiern aufzuhängen.“

Wortwiederholung.

„Wir werden ihn alleine dort nicht rausbekommen.

Satzbau
Vorschlag: Alleine werden wir ihn nicht rausbekommen.

Kein weiterer Wagen war vorbei gekommen.

... vorbeigekommen

„Fuck“, stöhnte Colleen.

Hier fehlt ein Ausrufezeichen

„Hör doch. Da ist irgendwas, im Fels.“ Für einige Sekunden was es still, dann ging es weiter. Aus dem Schaben wurde ein Knirschen, als würden Steine aneinander gerieben. Etwas sprang auf Veras Schulter und dann auf den Boden. Fell streifte ihr Bein.
Vera zuckte zusammen, atmete schneller. „Irgendetwas ist in der Grube, vielleicht eine Ratte oder so.“ Das reflektierte Licht des Halbmondes ließ sie nur Umrisse erkennen.

Die Stelle ist mega spannend. Da hab ich Gänsehaut gekriegt

"Ich bin froh, dass du bei mir bist."
"Jemand muss ja auf dich aufpassen. Wenn ich uns schon in diese Lage gebracht habe."
„Bleib das nächste Mal besser auf der Straße. Ich glaube, eine Spinne krabbelt über meinen Rücken.“
„Ich hab eine auf dem Fuß.“

Auch diese Stelle finde ich sehr schön. Der Zusammenhalt der beiden und die Erwähnung der Spinnen. Da musste ich grinsen :)

Der riesige Wurm ließ das Auto los und reckte den Kopf nach oben. Blickte sie an und öffnete sein mit spitzen Zähnen gefülltes Maul.

Boah! Sooo fies, geil, spannend :thumbsup:

Es soll hauptsächlich eine spannende, etwas trashige Gruselgeschichte sein, mit zwei Protagonistinnen, die sich nicht so leicht einschüchtern lassen. Die unterlassene Hilfeleistung sehe ich nicht unbedingt als ein Thema der Handlung, eher eine Randnotiz. Ich habe nun den Inhalt entfernt, dass Veras Mann sie mit Colleen betrogen hat, ich hoffe also, der Schwerpunkt dieser Unterhaltungsgeschichte kommt nun deutlicher hervor.

Nach der Überarbeitung finde ich die Story viel besser. Ich kann mich jetzt total auf die Spannungshandlung konzentrieren.

Es ist in dieser Szene, genauso wie am Ende, zwar etwas übertrieben durch die Situation, aber vielleicht auch nicht allzu sehr. Es ist halt eine Anspielung auf das, was tatsächlich passiert:
Die Menschen holen ihre Smartphones hervor und filmen etwas, als wenn sie gar nicht registrieren, dass jemand Hilfe braucht (s. oben mein Beispiel an @feurig).
Selbst wenn es "nur" eine Schlägerei ist: Wie viele fangen an zu filmen und wie viele gehen dazwischen oder rufen die Polizei?

Wahrscheinlich hast Du Recht und ich bin zu gutgläubig :)

Gerade hier ist es eher abwegig, aber wie zuvor erwähnt, scheint es ja häufig ein Reflex zu sein, erstmal etwas als Foto oder Film festzuhalten. Und ich dachte, es passt als Ende auch ganz gut zu der etwas trashigen Handlung, um dieses absurde Verhalten entsprechend übertrieben darzustellen.

Für mich ist jetzt alles stimmig.

Ganz liebe Grüße und einen schönen Dienstag,
Silvita
 
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09.12.2019
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Hi @Christophe ,

danke auch hierbei für dein Feedback!

ich finde deine Schreibe - in diesem Text, aber auch in deinen anderen Texten - total gut. Sehr klar, sehr einfach, nie überladen oder missverständlich. Das muss man erstmal schaffen - und auch auf der ganzen Strecke durchhalten. Sehr cool!
Vielen Dank! Ich schreibe bisher lieber (fast) jeden Tag nur ein paar Zeilen, die dann aber halt entsprechend sorgfältig. Anstatt erstmal eher auf die Schnelle meine Ideen runterzuschreiben und dann mehrmals nachzubearbeiten. Aber es hat wahrscheinlich beides Vor- und Nachteile.

Gar nicht mal trashig, aber so ein bisschen, mmh, ist ein überladenes Wort, aber: postmodern?
Über den gesamten Text hinweg trifft es postmodern wahrscheinlich eher. Beim trashigen Inhalt hatte ich vor allem an das Ende gedacht, als auch noch ein riesiger Wurm auftaucht, Vera und Colleen flüchten zu Fuß durch die Wüste ... dann nähert sich ein Auto und die Beifahrerin fängt erstmal an zu filmen ...

Sie strotzt nur so vor Referenzen, Zitaten. Zwei Frauen machen gemeinsam einen Roadtrip durch die Wüste, da denke ich sofort an Thelma und Louise. Stephen King und Frank Herbert zitierst du explizit. Die Stephen-King-Referenz führt den Leser absichtlich auf eine falsche Fährte (glaube ich?). Dann gibt‘s da noch Motiv-Referenzen, vielleicht Tremors, vielleicht Picknick am Valentinstag..?
Hierbei freut mich vor allem, dass du den Film Tremors erwähnst!
Ich habe ihn tatsächlich auf blu ray, und schon früher häufig gesehen. Die Handlung ist ja im Prinzip nicht sonderlich ausgefallen, aber ich fand die Idee super, dass sich alle auf den Dächern "verstecken" und im Prinzip nicht runter können. Außerdem passende Schaupieler, u.a. Kevin Bacon.
Ich war gespannt, ob auch jemand den ebenfalls älteren Film Critters erwähnt. Obwohl diese sich ja nicht unter der Erde aufgehalten haben, aber soweit ich mich erinnere, war es auch eher eine staubige Umgebung, und zugebissen haben sie auch.

Okay, eine sprachliche Anmerkung hätte ich auch noch, aber die musst du nicht sehr ernst nehmen:

Wer sagt denn heute noch „Heil’ger Strohsack“?!
Wahrscheinlich nicht mehr viele! :gelb:
Ich dachte bei Hank an einen älteren, eher großväterlichen Typ, der so etwas noch ruft, wenn er sich über etwas wundert.

Den Titel finde ich auch passend, der gibt so gar nix her, das funktioniert.
Der Titel war erstmal eine spontane Idee, bei dem ich jedoch davon ausgegangen bin, ihn später noch zu ändern. Aber auch jetzt fällt mir nichts passenderes ein, ohne einen Teil der Geschehnisse vorwegzunehmen. Also ich denke auch, er passt schon ganz gut, gerade da er die Handlung völlig offen lässt.

Danke für den Kommentar und viele Grüße!
Rob


Hi @Silvita ,

freut mich, dass du die überarbeitete Version nochmal gelesen hast! Ich denke (mittlerweile) auch, der Fremdgeh-Inhalt hat die eigentliche Handlung eher gestört.

„Wie auch immer du es schaffst, direkt wieder so sachlich zu denken. Ich dachte eher daran, sie an den Eiern aufzuhängen.“
Wortwiederholung.
Ich habe "denken" nun auf "sein" geändert.

Satzbau
Vorschlag: Alleine werden wir ihn nicht rausbekommen.
habe deinen Vorschlag übernommen

Kein weiterer Wagen war vorbei gekommen.
... vorbeigekommen
ist korrigiert

„Fuck“, stöhnte Colleen.
Hier fehlt ein Ausrufezeichen
Ich hatte es hier mal weggelassen, da Colleen es ja eher vor sich hin stöhnt, also nicht ruft oder schreit.

Die Stelle ist mega spannend. Da hab ich Gänsehaut gekriegt
Danke, so war es gedacht! ;)

Auch diese Stelle finde ich sehr schön. Der Zusammenhalt der beiden und die Erwähnung der Spinnen. Da musste ich grinsen :)
Auch bei dieser Geschichte sollte es nicht zu ernst werden ...

Viele Grüße und dir noch eine gute Woche!
Rob


Hi @feurig ,

... passend zum Thema Horror gibt es aber auch diese künstlerische Interpretation
Danke für den Link! Witziges Bild, vielleicht bestelle ich es mir irgendwann.

Noch besser fände ich es, wenn die riesige Kreatur ein Smartphone hält und die Menschen filmt :gelb:

VG, Rob
 
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09.12.2019
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Hallo @Peeperkorn ,

danke für die strukturierte Darstellung! Ich beantworte dein Feedback mal weitestgehend anhand der Überschriften:

1. Du lässt die Katze bisweilen etwas schnell aus dem Sack.
Bezogen auf die einzelnen Szenen kann ich deine Kritik nachvollziehen, bezogen auf die Gesamthandlung jedoch nicht so ganz. Dabei beziehe ich auch die anderen Kommentare mit ein, auch das ein oder andere aus meinem Freundeskreis.
Auch nach der Szene, in der Vera und Colleen in dem Erdloch angegriffen werden, ist nicht klar, was für Geschöpfe sie genau angegriffen haben. Sie sehen ja keins von ihnen, außer Umrisse im Mondlicht.
Es ist ab diesem Zeitpunkt keine längere Sequenz, bis wieder etwas Beruhigung eintritt, jedoch bleibt ja die Frage, was weiterhin passiert, vor allem ob und wie Vera und Colleen dort wegkommen.
Es herscht nicht durchgehend Hochspannung, bei der der Leser permanent befürchten muss, dass Vera oder Colleen dran glauben müssen, da gebe ich dir natürlich recht. Ich hoffe bei dieser Geschichte eher auf eine subtile Spannung, es ist nie ganz klar, was als nächstes passiert und ob sie gerettet werden.

2. Die Dialoge sind zu glatt und zu erklärend.
Es sind keine gravierenden Änderungen, ich habe jedoch die ein oder andere Aussage herausgenommen.
Ich habe mal nur die Dialogzeilen gelesen und bin demnach noch etwas unschlüssig, ob die "Vorankündigungen" so unrealistisch in den Dialogen sind. Gerade, da die beiden zu zweit sind, fände ich es z.B. seltsam, wenn sie sich über etwas unterhalten und dann z.B. Colleen einfach aufsteht und weggeht, da sie mal muss. Hier z.B. finde ich es schon naheliegend, dass sie vorher zu Vera sagt, warum und wo sie hingeht.
Das nur als ein Beispiel, aber ich habe wie erwähnt diese Aussagen etwas reduziert.

3. Wenig Emotion und Atmosphäre, sehr viel Körperbewegung.
Ich habe zu Beginn ein wenig ergänzt und umgestellt, als sie in die Grube stürzen (ist aber nicht viel neues).
Ich kann deinen Eindruck hierbei gut nachvollziehen, ich denke es liegt auch an der Art, wie Vera und Colleen mit den Geschehnissen umgehen. Im Prinzip ja ein wenig so, als wären sie eher in einem Erlebnispark, als in der Wüste gestrandet.
Es ist halt nur die Art dieser Erzählung, den (teilweisen) Vergleich von @Christophe mit dem Film Tremors ("Im Land der Raketenwürmer") oder von meiner Seite her mit Critters finde ich schon passend, auch hier verfallen die Darsteller nicht in dauerhafte Panik. So ganz realitätsnah ist es nicht, das finde ich jedoch auch als Leser bei einer Unterhaltungsgeschichte schon in Ordnung. Im Prinzip ein wenig "Hollywood-Coolness".

Und noch zu den Details:

„Ich weiß nicht, wie das hier entstanden ist. Tut jetzt auch nichts zur Sache. Lass uns erstmal in den Schatten. Vorsicht bei jedem Schritt, wer weiß, was hier noch lauert.“
Ebenfalls exemplarisch dafür, dass du sehr viel dem Dialog zumutest.
Ja, das ist z.B. eine der Aussagen von Vera, die ich deutlich reduziert habe.
Danke für die detaillierten Hinweise!

Das fand ich seltsam. Ein Meter und danach "prallen", also nicht ein sanftes Rutschen. Bleibt da wirklich Zeit für ein "Was war das denn?"?
Ich habe den Ablauf zu Beginn, als sie in das Loch stürzen, ein wenig umsortiert.

Der Beifahrer hielt sein Smartphone aus dem Fenster und schien Fotos von dem verunglückten Ford zu machen.
Das scheint mir überflüssig zu sein, ist ja klar, was der da macht.
habe den zweiten Satzteil entfernt

Diese beiden Anspielungen empfand ich als plump und in den Text hineingeprügelt. Ich finde solche Anspielungen sollten so funktionieren, dass diejenigen, die den Hinweis verstehen, ein Kennerlächeln aufsetzen, und diejenigen, die den Hinweis nicht verstehen, gar nicht mitbekommen, dass sie etwas nicht verstanden haben.
Ja, war wohl etwas zu einfach, diese beiden Inhalte direkt zu erwähnen.
Ich habe bei der Erwähnung der Geschichte zumindest entfernt, dass sie von Stephen King ist.
Und der vorletzte Satz lautet nun:
„Keine Ahnung.“ Seine Stimme zitterte leicht. „Vielleicht sind wir auf dem Wüstenplanet."

Es gibt ja die Puristen, die sagen, "sagen" reiche als Redebegleitung. Muss man nicht befolgen, diesen Ratschlag. Aber ich würde etwas seltener zu Redebelgeitungen greifen, die genau das besagen, was die Rede bereits ausdrückt (antworten, fluchen, vermuten).
Ich habe die Redebegleitungen mal mehr auf sagen/fragen konzentriert, aber auch nicht alle anderen Varianten entfernt.
Es ist zwar lange her, aber wir hatten tatsächlich mal im Deutschunterricht eine Übung, eben auch mal andere Wörter/Formulierungen zu verwenden, also auch hierbei abwechslungsreich zu bleiben.
Auch als Leser habe ich hierzu noch nicht so recht eine Meinung. Wenn durch die Situation oder den Inhalt einer Aussage schon klar ist, wie jemand spricht, sollte es durch die Redebegleitung wohl nicht noch zusätzlich verdeutlicht werden.
Aber manchmal ist es halt nicht klar, in einer Situation könnte es z.B. sein, dass jemand normal redet, oder eher flüstert, dann muss ich es m.E. auch entsprechend explizit schreiben.

Es mag sein, dass ich völlig am Text vorbei kritisiere. Wie gesagt, bin ich vom Tag "Spannung" ausgegangen. Ich habe allerdings schon den Eindruck, verstanden zu haben, dass du hier nicht zwei verängstigte Frauchen in die Wüste schicken willst und du die eine oder andere augenzwinkernde Anspielung machst. Vielleicht ist das ja insgesamt als Parodie gedacht. Aber dann müsste der Text überraschender, absurder, komischer, anspielungsreicher werden, damit ich ihn so lesen kann.
Ich würde bei den Tags "Spannung" und "Horror" wahrscheinlich auch eher eine düstere, vielleicht auch brutalere Geschichte erwarten. Ich fand Veras und Colleens eher freche, unbekümmerte Art jedoch auch nicht ausreichend, um zusätzlich den Tag "Humor" zu vergeben. Wenn ich mir die Wörter Spannung, Horror und Parodie als Dreieck vorstelle, würde ich die Geschichte in etwa in der Mitte platzieren, vielleicht zeigt das ja in etwa meine Absicht. Von der Art her ist Vergleich mit dem Film Tremors m.E. schon ganz passend.

Ich hoffe, ich habe hiermit meine Absicht soweit erklärt, welcher Art diese Unterhaltungsgeschichte sein soll.

Also vielen Dank für deine Mühe! und viele Grüße,
Rob
 

AWM

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Hallo @Rob F
ein bisschen Tremors mit Sozialkritik. Ich habe drei Hauptkritikpunkte:
-Da ist meiner Meinung nach einiges an Kürzungspotential. Das betrifft vor allem unnötige Füllwörter und deine Dialoge.
-Die Situation spitzt sich zu, aber deine Protagonistinnen reagieren da nicht drauf. Sie reißen noch in der größten Gefahr Witzchen.
-Mit deinem auktorialen Erzähler tust du dir keinen Gefallen. Wärst viel näher dran, wenn du aus Veras Sicht erzählen würdest. Punkt zwei und drei verhindern, dass eine große Spannung entsteht.
Vera folgte der staubigen Straße durch die Mojave-Wüste Nevadas. Die Sonne brannte vom wolkenlosen Himmel.
Vielleicht stimmt es nicht, was ich sage: Aber dass der Himmel über der Mojavewüste wolkenlos ist, ist doch überflüssig. Das ist doch quasi immer der Fall, nicht? Vera steuerte den Wagen über die staubige Straße durch die Mojave-Wüste. Die Sonne brannte durch die Windschutzscheibe.
Sie lehnte an der Seite des geräumigen Ford Explorer und hatte die Beine ausgestreckt.
geräumigen" streichen
„Was machst du?“, wollte Colleen wissen und nahm sich eine Dose Cola aus der Kühlbox.
, fragte Coleen. Sie nahm sich eine Dose Cola aus der Kühlbox.
Ich muss mal für ein paar Minuten raus aus der Klimaanlagenluft, außerdem können wir dann tauschen und du fährst den Rest der Strecke.“
In deinen Dialogen solltest du alles Überflüssige kürzen, damit sie sich natürlicher anhören. Davor sagt sie, sie will eine kurze Pause machen. Also: "Ich muss mal raus aus der Klimaanlagenluft. Wär mir auch recht, wenn du weiterfährst."
setzte dann aber wieder ab.
setzte wieder ab
Vera fuhr weiter und wollte gerade vor der Formation halten, als sich der Wagen nach vorne neigte.
Hier würde ich in eine Szene gehen. Der Leser merkt, dass gleich was passiert, wenn sie von der Straße abfährt. Würde das beschreiben, wie es rumpelt, der Staub aufgewühlt wird etc. Der Übergang von der sicheren Straße in die "Wildnis". Das macht es spannender. Und dann neigt sich der Wagen nach vorne und die Vorderräder drehen durch.
Die Coladose fiel ihr aus der Hand und lief aus
Da fehlt ein Punkt
Nach ungefähr einem Meter prallte die Vorderseite des Ford auf Felsboden.
Diese Meterangaben und Durchmesser-Sachen würde ich alle streichen. Das ist so distanziert und eben völlig auktorial. Der Ford prallte auf Felsboden.
"Was war das denn?"
Finde ich zu nüchtern in der Situation
Ich glaube, wir stehen stabil.
Nimmt Spannung. Ist doch viel spannender, wenn niemand weiß, ob sie stabil stehen. So ist die ganze Sache, wie sie versuchen, aus dem Wagen zu steigen, nicht besonders spannend.
Colleen strich sich die langen, schwarzen Haare aus dem Gesicht und drehte den Oberkörper, um den Türöffner zu erreichen. Sie betätigte ihn und stieß mit der anderen Hand die Tür auf
Finde ich viel zu umständlich. Coleen stieß die Tür auf. Dass sie davor ihren Oberkörper dreht etc. brauche ich nicht.
„Ich denke, es wird gehen“, sagte sie und zog sich an der Lehne des Rücksitzes hoch.
Auch den Satz würde ich streichen
Colleen trat auf den schmalen Einstiegsbereich neben dem Sitz
Der Einstiegsbereich hat einen Namen. Glaube, man nennt es Trittbrett.
„Alles gut, der Boden hier ist fest.“
Finde ich auch unspannend. Würde ich eher zeigen. Sie stapft mit den Füßen in den Sand, prüft so, ob er fest ist.
Während ihrer vorsichtigen Bewegungen beobachtete sie, ob sich der Wagen weiter bewegte.
Der Während-Satz ist unschön. Sie prüfte bei jeder Bewegung, ob sich der Wagen rührte.
„Ich komme runter.“
Habe das mit dem "runter" zuerst nicht verstanden. Hört sich zuerst an, als ob sie aus dem Wagen in das Loch steigen.
„Keine Ahnung, wie das hier entstanden ist.
Streichen
„Hast du Empfang?“, fragte Vera.
„Nein. Scheiße!“ Colleen legte das Smartphone zurück in die Handtasche.
Würde ich so machen.
Colleen steckte das Smartphone zurück in die Handtasche. "Kein Empfang."

nachdem sie ebenfalls getrunken hatte.
streichen
„Ich gehe mal von den Felsen weg, vielleicht habe ich ja dann Empfang. Bleib besser hier. Falls ich in ein Loch falle, kannst du mir raushelfen.“
"Ich gehe nach Empfang suchen. Bleib du hier, falls ich abstürze."

gut hörbar an diesem windstillen Tag.
Kann weg.
Eine Staubwolke war zu sehen, ein blaues Auto näherte sich.
Eine Staubwolke näherte sich.
Sie deutete Colleen ihren nach oben gestreckten Daumen und lief zurück zur Straße
verstehe den Satz nicht
Der Wagen näherte sich und verlangsamte sein Tempo
Der Wagen verlangsamte sein Tempo
„Ja, denke schon. Falls ich es in dem Staub richtig gelesen habe. Sie haben Fotos gemacht, vielleicht erwischen wir sie so, wenn sie die Bilder irgendwo einstellen. Unterlassene Hilfeleistung ist soweit ich weiß keine Kleinigkeit.“
"Ja. Falls ich es in dem Staub richtig gelesen habe. Sie haben Fotos gemacht. Vielleicht erwischen wir sie, wenn sie die Bilder irgendwo hochladen."
„Wie auch immer du es schaffst, direkt wieder so sachlich zu sein. Ich dachte eher daran, sie an den Eiern aufzuhängen.“
"Wie kannst du so sachlich bleiben. Ich dachte daran, sie an den Eiern aufzuhängen."
„Nicht ganz. Ein Gundi. Sie leben in Felsspalten. Keine Sorge, sie gehören nicht zu den gefährlichen Wüstentieren.“
.... Keine Sorge. Sind ungefährlich."
Kein weiterer Wagen war vorbeigekommen.
Kann weg. Ist doch klar, wenn sie noch da sind.
„Ja, danke."
Kann weg
Sie aßen schweigend und beobachteten die Straße.
schweigend" kann weg
Ein leichter Wind wehte und wirbelte Staub auf.
Ein leichter Wind wirbelte Staub auf.
„Wir sollten im Wagen übernachten, falls niemand mehr kommt“, schlug Colleen vor.
Das ist der naheliegendste Vorschlag. Finde nicht, dass das gesagt werden muss.
Keine Ahnung“, antwortete Vera und gähnte. Sie tastete ihre Taschen ab. „Hast du den Autoschlüssel?“
Auch Colleen suchte, fand ihn aber nicht. „Nein, muss im Wagen sein.“
"Auch Collen suche, fand ihn aber nicht" kann weg.
„Scheiße!“, rief Vera erneut und schlug mit der Unterseite der Faust gegen die Scheibe. „Er hat sich automatisch verriegelt. Freu dich auf eine Nacht im Freien.“
erneut" kann weg. Dass es die Unterseite der Faust ist auch.
Und hier ist das auch so lapidar. Ja, schlafen wir halt bei Kälte in der Wüste. Freu dich mal auf ne unangenehme NAcht. Die raffen gar nicht, in was für ner Situation die sich befinden.
Sie saßen wieder an einen der Felsen gelehnt, eng beieinander.
Sie saßen eng beieinander an einen Felsen gelehnt.
im letzten Tageslicht.
Kannst du schöner. Und: es ist ja nicht das letzte Tageslicht. Morgen ist auch wieder ein Tag.
„Wie läuft es mit deinem Mann? Habt ihr noch Sex, seid ihr verheiratet seit?“, fragte Colleen schließlich.
„War ja klar, dass so eine Frage kommt“, lächelte Vera.
Ne war nicht klar, dass so eine Frage kommt. FInde ich recht deplatziert. Und wie bringt dieser Dialog deine Story voran?
„Fuck“, stöhnte Colleen. Sie hatte sich auf die Seite gedreht, lag fast wie ein Embryo. „Ich glaub, mein Steißbein ist gebrochen.“
„Beweg dich nicht, bin sofort bei dir“, sagte Vera, lief zurück und holte die Handtaschen und die Kühlbox.
Auch hier: Das ist alles so beiläufig. Da schreit jemand vor Schmerz, weint vor Schreck. Die ist gerade in ein Loch gefallen und dann analysiert sie, dass ihr Steißbein gebrochen ist und die andere kümmert sich erstmal darum, Handtaschen und Kühlbox zu holen, statt ihr da herauszuhelfen.
Vera rutschte hinunter und ging in dem ungefähr drei Meter im Durchmesser großen Loch zu Colleen.
Vera rutsche hinunter zu Colleen.

„Versuch mal, vorsichtig das obere Beine ausstrecken.“
Welches obere Bein?

"Wie geht´s deinem Hintern?", fragte Vera schließlich.
Schließlich" streichen
„Wasn?“
So haben sie davor nicht geredet. Was denn?
„Hör doch. Da ist irgendwas, im Fels.“
"Da ist irgendwas im Fels."
Für einige Sekunden was es still
war
als würden Steine aneinander gerieben.
als würden Steinen aneinander reiben.
Vera zuckte zusammen, atmete schneller. „Irgendetwas ist in der Grube, vielleicht eine Ratte oder so.“
Auch das ist viel zu distanziert. Keine Emotion und beide wissen doch, dass da was in der Grube ist.
„Aaaah, verdammt!“, schrie Vera. Etwas biss ihr in die Ferse.
Da stimmt die Chronologie nicht. Es beißt zuerst und dann schreit sie.
„Wir müssen hier raus!“, sagte Vera und erhob sich.
und stand auf
„Das gibt nen blauen Fleck für die Ewigkeit.“
Auch hier. Die checken nicht, dass sie in Gefahr sind und als Leser denkt man dann auch, so schlimm kann es ja nicht sein.
„Wir müssen hier weg, Richtung Straße. Komm!“, meinte Vera schließlich und stand auf.
"schrie Vera und rappelte sich auf.
Mit einem Knall brach der Boden weg.
Knall finde ich hier unpassend.
ein lautes Scheppern.
Scheppern ist immer laut.
das neu entstandene, große Loch.
das Loch
Sahen sich an und gingen wortlos dorthin, prüften bei jedem Schritt vorsichtig den Boden.
Kannst du ganz streichen.

Gruß
AWM
 
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Vielleicht stimmt es nicht, was ich sage: Aber dass der Himmel über der Mojavewüste wolkenlos ist, ist doch überflüssig. Das ist doch quasi immer der Fall, nicht?
Hallo AWM und @Rob F - Nein, absolut nicht. Kommt halt drauf an, wann die da durch fahren, bei uns lag (im Januar) Schnee. Wir fanden das total bizarr, mussten uns aber dann belehren lassen, dass das jedes Jahr so ist. :D

Dafür hab ich auch Kleinkram zu kritteln:
Vera folgte der staubigen Straße durch die Mojave-Wüste Nevadas.
Im Gegensatz zur Mojave-Wüste in ...?

Zur Geschichte insgesamt:
Für mich funktioniert so ein fataler Road Trip entweder als Psychogramm (wie in The Descent) oder als Trash, dann aber eher im Film. Für die reine, trashige Unterhaltung wird mir zu brav erzählt, zu langwierig, da hätte ich mir mehr Sprachwitz und Tempo gewünscht. Ich denke aber auch, dass es extrem schwierig ist, guten Horror-Trash zu schreiben.
Eigentlich darf dann nicht nur das Erzählte Trash sein, sondern auch der Stil - wenn du willst, sowas in Richtung mat/norther, oder vor x Jahren Darkwriter: total drüber, eben viel, viel selbstbewußter.

Ich schließe mich auch den Kommentaren an, dass durch die flapsige Art der Figuren überhaupt keine Spannung aufkommt, weil ich nicht den Eindruck habe, denen könnte etwas passieren, und wenn doch, dass es eigentlich keine Konsequenz hätte. Wenn du auf Tremors gehst, fehlt hier das Unterhaltsame, das over the top.

Bissl schade, weil ich guten Trash - genau wie guten Splatter - eigentlich gern lesen und nicht nur im Film anschauen würde. Bin gespannt, ob du noch was dran schrauben magst (kürzen wäre z. B. eine gute Option).

Herzliche Grüße,
Katla
 
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09.12.2019
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Hallo @AWM und @Katla ,

danke für eure Kommentare!

Ich habe seit der ersten Version schon einige Stellen angepasst und werde den Text erstmal eine Zeitlang so lassen.

Aber ich komme zu einem späteren Zeitpunkt auf eure Vorschläge zurück. Die Arbeit, die ihr euch gemacht habt, geht also nicht verloren!

Viele Grüße und noch einen schönen Sonntag!
Rob
 
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09.12.2019
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Hi @AWM ,

danke nochmal für dein Feedback!

Da ist meiner Meinung nach einiges an Kürzungspotential. Das betrifft vor allem unnötige Füllwörter und deine Dialoge.
Vielen Dank für die vielen Formulierungsvorschläge! Ich habe die meisten Stellen angepasst, auch wenn ich hiermit nur zusammengefasst antworte.

Die Situation spitzt sich zu, aber deine Protagonistinnen reagieren da nicht drauf. Sie reißen noch in der größten Gefahr Witzchen.
Ich hatte in einem vorherigen Kommentar die Art der Geschichte, so wie ich sie sehe, wie folgt beschrieben:

Wenn ich mir die Wörter Spannung, Horror und Parodie als Dreieck vorstelle, würde ich die Geschichte in etwa in der Mitte platzieren

Nun ist es für mich ein wenig schwierig, diese nicht ganz so ernste Erzählart einzuschätzen, da die Feedbacks hierzu in beide Richtungen gehen, von "ganz unterhaltsam, aber trotzdem spannend" zu "nicht spannend, da die Protagonisten die Situation nicht sonderlich ernst nehmen".

Ich werde es bei dieser Geschichte mal so lassen, für zukünftige Texte muss ich mir da noch eine Meinung bilden, mal sehen.

Mit deinem auktorialen Erzähler tust du dir keinen Gefallen. Wärst viel näher dran, wenn du aus Veras Sicht erzählen würdest.
Ja, da geb ich dir recht, der Schrecken der Geschehnisse könnte so viel deutlicher rüberkommen. Wenn ich mir das Ganze als Film vorstelle, stelle ich es mir auch hierbei nur so vor, dass die Kameraeinstellung aus einer gewissen Distanz zeigt, was die beiden so machen und sagen. Für eine eher lockere Art der Unterhaltung, auch bei dieser Handlung, finde ich es schon ganz passend, aber dein Hinweis ist für zukünftige Text auf jeden Fall wichtig, die entsprechende Wirkung war mir hierbei bisher nicht so klar.

Danke für deine Mühe! und viele Grüße,
Rob


Hi @Katla ,

auch dir nochmal danke für den Kommentar!

Vera folgte der staubigen Straße durch die Mojave-Wüste Nevadas.
Im Gegensatz zur Mojave-Wüste in ...?
Weiß nicht, vielleicht auf dem Wüstenplanet? ;)
Nicht jeder (mir eingeschlossen) war schon mal in den USA und weiß auf Anhieb, in welchem Bundesstaat sich die Mojave-Wüste befindet. Daher finde ich diese Zusatzinformation nicht verkehrt, ist ja auch nur ein Wort.

Für die reine, trashige Unterhaltung wird mir zu brav erzählt, zu langwierig, da hätte ich mir mehr Sprachwitz und Tempo gewünscht. Ich denke aber auch, dass es extrem schwierig ist, guten Horror-Trash zu schreiben.
Auch mit ein paar Tagen Abstand würde ich der Geschichte nicht unbedingt mehr Tempo geben, aber beim Sprachwitz könnte ich wohl noch zulegen. Das setzt natürlich auch entsprechende Ideen voraus, und ich möchte halt auch darauf achten, die Geschichte nicht zu überladen. Aber ich werde bestimmt irgendwann nochmal etwas in diese Richtung schreiben, da helfen mir alle bisherigen Feedbacks auf jeden Fall, die Wirkung bei der Lesern besser einzuschätzen.

Ich schließe mich auch den Kommentaren an, dass durch die flapsige Art der Figuren überhaupt keine Spannung aufkommt, weil ich nicht den Eindruck habe, denen könnte etwas passieren, und wenn doch, dass es eigentlich keine Konsequenz hätte.
Bezogen auf die Spannung sind die Meinungen recht unterschiedlich, aber ich gebe dir recht, es ist keine Geschichte, bei der der Leser dauernd befürchten muss, dass den beiden wirklich etwas schlimmes passiert.
So gesehen wäre es ja eine überraschende Wendung, wenn Vera oder Colleen am Ende tatsächlich auf eine sehr unschöne Art von dem riesigen Wurm gefressen werden!
Ich finde nur das Ende mit der entsprechend übertriebenen Sozialkritik ganz passend, aber auch diese Variante/Wendung behalten ich mal im Hinterkopf, vielleicht passt es ja irgendwann bei einer anderen Geschichte.

Danke für deine Einschätzung! und viele Grüße,
Rob
 
Mitglied
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07.03.2016
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Hallo Rob F.

Unterhaltsame Geschichte, der ich gerne gefolgt bin. Am Ende hätte ich noch gerne gewusst, was es mit den Löchern auf sich hat und mit diesen pelzigen Nagetieren. Wie auch immer: Gefallen hat mir deine Geschichte trotzdem.

Einen Satz habe ich gefunden, den fand ich nahezu witzig:
"Habt ihr noch Sex, seid ihr verheiratet seit?“
Da müsste das "seit"vorne in den Satz und das "seid" nach hinten.
"Habt ihr noch Sex, seit ihr verheiratet seid?" ;)

Gruß, Ronnie
 
Mitglied
Beitritt
09.12.2019
Beiträge
382
Hi @Ronnie ,

danke für dein Feedback!

Unterhaltsame Geschichte, der ich gerne gefolgt bin. Am Ende hätte ich noch gerne gewusst, was es mit den Löchern auf sich hat und mit diesen pelzigen Nagetieren.
Danke, das freut mich!
Die Löcher bzw. Hohlräume unter der Oberfläche werden von den Nagern und dem riesigen Wurm gegraben. Ob sie einfach unter der Erde leben, oder es bewusste Fallen sind, lasse ich mal dahingestellt ;)
Bisher habe ich keine Andeutung, wodurch diese Wesen entstanden sind. Ich könnte noch etwas andeuten, z.B. dass Vera oder Colleen mal von einer illegalen Entsorgung von Chemikalien oder so ähnlich gehört haben, denke aber im Moment, dass ich es so wie bisher lasse.

Da müsste das "seit"vorne in den Satz und das "seid" nach hinten.
"Habt ihr noch Sex, seit ihr verheiratet seid?" ;)
Danke für den Hinweis, gut aufgepasst!
Ich fand den Fehler auch witzig, habe es aber dennoch korrigiert.

Viele Grüße,
Rob


Hi @Dosenfood ,

danke für deinen Leseeindruck!

... und werde nicht schlau aus der Geschichte
Es geht eigentlich nur um unheimliche Geschehnisse während einer Fahrt bzw. "kurzen Pause" in der Wüste, mehr nicht. Mit ein wenig Sozialkritik zum Thema "filmen statt helfen".

Flüssig durchgeschrieben ist sie und makellos, wie üblich bei Dir.
Danke, ich werde mich weiterhin bemühen!

Auch dir noch einen schönen Sonntag und gesund bleiben!

Viele Grüße, Rob
 
Senior
Beitritt
01.09.2005
Beiträge
1.008
Hallo @Rob F.,

als das Auto in den Boden kracht, musste ich eher an Dolan's Cadillac denken, als an den Überlebenstypen. Gegrinst habe ich da auch, aber an der Stelle machst du die Geschichte ein bisschen zu für Nicht-Freaks, die den meisten King-Kram aus dem FF kennen. Ich meine jetzt gar nicht, dass ich das ändern würde, gebe das halt nur mal zu bedenken.

Dass keine Spannung aufkommt, weil die die ganze Zeit rumblödeln, habe ich jetzt gar nicht so krass empfunden. Ich fand das alles recht spannend, einfach und gut.

Lange Analysen hast du ja schon, ich hänge mich mal an einer Sache auf: Das Ende. Ist mir zu offen. Ich mag den Einfall, diese "Handy raus, vllt geht's viral"-Seuche in einer Horrorgeschichte zu verarbeiten, aber nur für diese bittere Pointe ist mir die Vorgeschichte zu lang. Im positiven Sinne, man will schon wissen, ob sie da jetzt rauskommen, und dann ... ist das irgendwie Klappe zu, Affe tot. Also, man fragt sich, warum man jetzt so lang diesen Figuren gefolgt ist, nur für diese eigentlich recht schnell formulierte, gesellschaftskritische Botschaft. Es ist, als würdest du die Geschichte dem opfern, dass du diesen Punkt machen kannst/willst. Und der Dune-Witz, im letzten Absatz, der ja sicher auch ein bisschen nachhallen soll, der verwässert das dann auch noch. Also, wenn du irgendwann nochmal an die Geschichte willst, wäre mein Vorschlag, entweder den letzten Absatz wegzuhauen und die Geschichte weiter zu schreiben oder deutlich zu kürzen.

Als dritte Alternative könnte ich mir noch vorstellen, dass das Paar im Auto filmt, wie die beiden gefressen werden. Damit wäre ein Abschluss da und die Clip-Kritik bliebe auch erhalten.

vorsichtig das obere Beine ausstrecken.“
Bein

Hör doch. Da ist irgendwas, im Fels.
Spannend


sagte Vera und erhob sich
stand auf, dass da klingt ziemlich majestätisch


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Sneaker.

Da war´s ähnlich kalt,
auch so, "ähnlich kalt" ist zu steif für das, was die sonst so von sich geben.


Viele Grüße
JC
 

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