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  • Macht bis zum 15.08.2020 mit bei der ersten jährlichen Sommer-Challenge für Kindergeschichten: Zielgruppe Krümel.

Miriams Traum

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19.05.2006
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Miriams Traum



Alles geben Götter, die unendlichen,
ihren Lieblingen ganz.
Alle Freuden, die unendlichen,
alle Schmerzen, die unendlichen, ganz.
(J.W. Goethe)​


Langsam kamen sie näher. Ruhig, mit gleichmäßigen Schwanzschlägen. Das war kein Angriffstempo, eher ein neugieriges Herantasten. Schon umkreiste ein halbes Dutzend Schwarzspitzenhaie die Schnorchlerin. Jetzt hatte sie der erste erreicht, mit eleganten Bewegungen schwamm er neben ihr her. Karin lächelte hinter ihrer Taucherbrille. Hätte sie den Arm ausgestreckt, eine Berührung wäre unvermeidlich gewesen. Der Gedanke war reizvoll, sie überlegte kurz, wagte es aber nicht. Auch zu ihrer linken schwammen zwei Haie, neugierig wurde sie von allen Seiten beäugt. Karin genoss das Gefühl, ein Fisch unter Fischen zu sein. In solchen Momenten verschmolz sie mit ihrer Umgebung zu einer lebendigen, pulsierenden Einheit, einem größeren, untrennbaren Ganzen.
Rundum war das tiefblaue Wasser erfüllt von einem Sprühregen aus Licht. Korallenfische tummelten sich unter ihr, suchten zwischen Schwämmen und Anemonen nach Futter. Ein Zackenbarsch steckte den Kopf aus seiner Höhle, blies sich auf, spreizte die Kiemendeckel ab und machte ruckartige Drohbewegungen. Karin stieß Luftblasen aus. Der Zackenbarsch blieb unbeeindruckt, aber im selben Moment, als hätte eine Peitsche geknallt, kam Bewegung in ihre graue Eskorte. Mit mächtigen Schwanzschlägen stoben die Schwarzspitzenhaie auseinander, Sekunden später waren sie vom Meer verschluckt.
Karin steckte den Kopf aus dem Wasser und schob die Taucherbrille zurück. Möwen kreischten, der Geruch von Seetang stieg in ihre Nase, eine sanfte Dünung hob und senkte ihren Körper. Aufkommender Wind trieb kleine Wellen landeinwärts, dann und wann schwappte eine über ihr Gesicht. Sie schob die Tauchermaske zurecht, steckte den Schnorchel in den Mund und begann den langen Rückweg. Die Umrisse des Korallenriffes verschwammen allmählich hinter ihr, das Wasser wurde tiefer, Karin verlor die Bodensicht. Sie vermied es, in den langen Minuten über grundlosem Wasser, ihren Blick nach unten zu richten. Sie hatte Angst davor, nichts zu sehen als undurchdringliches Blau, nichts zu hören als leises, sirrendes Rauschen, das aus weiter Ferne zu kommen schien. In diesem konturlosen Nichts existierten keine Begriffe wie Raum und Zeit, bis irgendetwas, ein Stein, ein Fisch, ein Stück Seetang in Karins Blickfeld geriet und ihrer Umgebung wieder fassbare Dimensionen verlieh. Und dann, endlich, lag das tiefe Wasser hinter ihr. Karin entspannte sich. Sie hob den Kopf und blickte in Richtung Ufer. Erleichtert erkannte sie die Palmblattdächer der vordersten Holzbungalows. Wie Strohhüte schwammen sie für ein paar Sekunden auf der Wasseroberfläche, um gleich darauf wieder unterzutauchen, wenn Karin in das nächste Wellental sank.
Als sie aus dem Wasser stieg, warf sie einen Blick zu Miriams Bungalow. Eine einfache Holzhütte auf Pfählen, von der die blaue Farbe abblätterte. Die Fensterläden waren geschlossen, unter dem hölzernen Vorbau scharrten Hühner. Vom Dachbalken, mittig über der Hüttentür, hing ein Traumfänger herab, den Miriam aus Muscheln, Korallenästchen, Glasperlen und Hühnerfedern gebastelt hatte. Der Wind warf ihn hin und her, Karin konnte das Klappern bis zur Wasserlinie hören.
Offenbar war Miriam noch nicht zurück. Sie war vor drei Tagen nach Manila aufgebrochen, um zum Zahnarzt zu gehen. Bis Samstag wollte sie wieder am White Beach sein. Heute war Samstag. Es gab keine Taifunwarnung, die Fähre zwischen Batangas und Puerto Galera ging zweimal täglich. Vielleicht würde sie mit der Nachmittagsfähre kommen. Kein Grund zur Sorge.
Karin schlüpfte aus den Flossen, huschte hinter ihren Bungalow und legte sich in die Hängematte. Sie schloss die Augen und genoss die ruhige Atmosphäre, die über den Holzhütten lag. Der schwache Wind brachte den Geruch nach gebratenem Fisch vom Gästehaus herüber und ließ die Palmwedel leise rascheln. Karin dachte an Miriam. An ihre Unruhe in den vergangenen Tagen, ihren flackernden Blick, als sie sich von einander verabschiedeten. "Was ist los, Miriam? Angst vor dem Zahnarzt?"
"Ach was", hatte sie geantwortet. "Hab' nur wieder meine Kopfschmerzen." Ein verzerrtes Lächeln, Küsschen auf die Wange, dann hatte sie ihre gute Handtasche genommen, die sie sonst nie trug, und war in den grell bemalten Jeepney gestiegen, der sie zur Fähre nach Puerto Galera bringen sollte.
Miriam und ihre Kopfschmerzen. Meist kamen sie morgens und immer verbunden mit Übelkeit und Erbrechen. Manchmal waren sie so stark, dass sie sich in ihrer Hütte verkroch, die Vorhänge schloss und stundenlang niemandem öffnete. Wenn sie dann wieder auftauchte, strahlte sie lächelnd Zuversicht aus und tat, als wäre nichts gewesen.
Karin dachte an jenen Tag, an dem sie einander kennengelernt hatten. Drei Wochen zuvor, am Abend ihrer Ankunft in Mindoro, hatte sie in der Hängematte vor ihrem Bungalow Gras geraucht. Kaum war der Spliff entzündet, schälte sich aus der klebrigen Tropennacht eine junge Frau mit langem Haar und unruhigen Kajalaugen. Sie ging barfuß und trug eine goldbestickte Pluderhose, dazu ein bauchfreies Oberteil. "Hi, my name is Miriam", sagte sie und trat in das weiche Kerzenlicht auf Karins Veranda. "I am from Austria." Sie lächelte einnehmend. "We are neighbours."
"Dann lass uns doch Deutsch miteinander reden." Karin hielt ihr den Spliff hin. "Magst du?" Die junge Frau war ihr sofort sympathisch.
"Ja, gerne." Miriam setzte sich im Türkensitz neben die Hängematte. An den Fußgelenken trug sie silberne Kettchen, deren Glöcklein bei jeder Bewegung leise bimmelten. Sie nahm einen tiefen Zug und hielt den Rauch lange in ihren Lungen.
"Übrigens, ich bin Karin und komm' aus Liesing, das liegt im Süden Wiens."
Miriam lachte. "Dann sind wir ja Nachbarn im doppelten Sinn. Ich bin auch aus Wien. Wohn' allerdings drüber der Donau, in Transdanubien, wie wir sagen. Kommst du direkt von zu Hause?"
"Ja." Karin gähnte und streckte alle Glieder von sich. "Bin heute frühmorgens in Manila gelandet. Dann drei Stunden mit dem Bus nach Batangas, noch mal zwei Stunden mit der Fähre nach Puerto Galera und zuletzt eine Stunde zum White-Beach. Und jetzt ...", sie seufzte erschöpft, "und jetzt bin ich fix und fertig. Ein wenig kiffen und dann ins Bett. Mehr will ich heute nicht mehr."
"Wie lange wirst du denn bleiben?"
"Ich weiß noch nicht." Karin nahm einen Zug und gab den Spliff an Miriam zurück. "Dachte an länger. Muss einiges mit mir abklären. Hab‘ meinen Freund vor kurzem rausgeschmissen. Wir waren einige Jahre zusammen und ich hab‘ ihn geliebt. Aber er war ein Arschloch. Hat mich betrogen und ausgenützt ... zuletzt sogar mein Konto geplündert als er arbeitslos wurde. Leider bin ich viel zu spät draufgekommen. Jetzt hab ich mal für eine Weile genug von den Typen. Drum bin ich auch allein‘ hier. Wollt‘ mich mal so richtig erholen, von all dem Krampf zu Hause.“
„Und trotzdem hast du noch Geld genug, um nach Asien zu reisen?“
„Mein Papa ist vor kurzem gestorben. Er hat mir Geld vererbt. Nicht genug, um den Rest meines Lebens Urlaub zu machen, aber doch eine ordentliche Summe. Den Job im Büro hab‘ ich auch geschmissen. Wollt‘ ich schon länger tun. Ich bin fast Dreißig. Es wird Zeit, mal was Neues zu probieren."
„Und? Was?“
„Weiß ich noch nicht genau, jedenfalls will ich selbstständig sein. Aber mir wird schon was einfallen.“ Sie lachte. „Manchmal ist es wichtiger zu wissen, was man nicht will, als was man will. - Und du?“
"Bin seit einem Monat auf den Philippinen. Wird wohl noch dauern. War zuvor schon in Indien."
"In Indien? Wo denn?"
"Angefangen hab ich in Delhi. Auf dem Markt hat mich eine junge Hijra angesprochen. Sie hat mir alles gezeigt, was in Delhi sehenswert ist, ein paar Tage später ging es gemeinsam nach Goa. Wir sind zwei Wochen geblieben." Miriam seufzte. “War eine schöne Zeit.“
"Was ist denn eine Hidschra?"
"So nennen sich die indischen Transfrauen."
"Ach so. Auf den Philippinen soll es viele geben. Eine hab ich heute morgen am Schalter der Schiffsanlegestelle gesehen. Aber die war beneidenswert hübsch. Wär' mir fast nicht aufgefallen."
Miriam lächelte. "Ich weiß, manche sind unglaublich attraktiv. Aber wenn man genau hinschaut, bemerkt man es doch immer."
"Was machst du sonst noch?"
"Momentan nichts. Bis vor kurzem habe ich Jura studiert. Meine Eltern sind Rechtsanwälte. Sie führen gemeinsam ein Büro und verdienen soviel Geld, dass sie nicht mehr wissen, wieviel' Vorsorgewohnungen sie noch kaufen sollen. Ich bin die einzige Tochter. Meine Eltern unterstützen mich finanziell, auch wenn ich nicht ganz ihren Erwartungen entspreche." Sie lächelte. "Ich sollte später das Anwaltsbüro übernehmen. Dazu hab' ich überhaupt keine Lust. "
Karin grinste. "Und die Männer?"
"Ach, mein Freund ist vor ein paar Monaten abgehauen. Er hat was über mich erfahren, mit dem er nicht leben konnte." Sie zuckte mit den Schultern. "Was soll's. Ist wahrscheinlich besser so."
Karin wurde neugierig. "Was hat er über dich erfahren?"
Miriam schüttelte den Kopf. "Darüber will ich nicht reden. Aber es ist nichts, wofür ich mich schämen muss."
Das Kerzenlicht lockte Mücken an. Sie kamen in Massen, bald wurden sie unerträglich. Nicht lange und Miriam stand auf. Die Glöcklein an ihren Gelenken bimmelten leise. "Verzeih mir, aber ich bin müde und geh' zu Bett. Dein Spliff hat mich schläfrig gemacht." Sie verzog angewidert das Gesicht und kratzte sich am Hals. "Diese Moskitos rauben mir den letzten Nerv. Werd' mich wohl nie daran gewöhnen."
Karin nickte. "Passt mir gut. Ich bin ebenfalls hundemüde. Also dann, ab in die Falle."
Miriam war bereits ein paar Schritte entfernt, als sie sich umwandte. "Eins noch, Karin. Tauchst du? Also, ich meine, schnorchelst du gerne?"
"Wenn ich am Meer bin, so gut wie jeden Tag. Warum?"
"Ich kenn' ein wunderschönes Riff. Es liegt ein paar Meter unter Wasser, vom Strand aus nicht zu sehen. Ich bin jeden Tag da draußen. Aber wir müssten ein gutes Stück über tiefes Wasser schwimmen, um es zu erreichen. Man sieht lange Zeit keinen Grund." Sie grinste schelmisch. "Also, wenn du Lust hast und mutig genug bist, komm morgen mit." Karin streckte einen Daumen hoch und nickte gähnend. Dann blies sie die Kerze aus.
Am nächsten Vormittag, die Sonne stand schon hoch, krochen sie unter ihren Moskitonetzen hervor, und nachdem sie gefrühstückt hatten, schwammen sie gemeinsam zum Riff hinaus.

***

Eine Wolkenschicht hatte sich zwischen Manila und die Sonne geschoben. Wie eine Heizdecke lag sie über der Stadt und trieb die Luftfeuchtigkeit ins nahezu Unerträgliche. Miriam stand trotz ihrer leichten Kleidung der Schweiß auf der Stirn, als sie die Treppe emporstieg, die zur Ordination von Doktor Martinez führte. Sie war schon zweimal hier gewesen. Gleich nachdem sie auf den Philippinen angekommen war, und nochmals vor drei Wochen. Seit ihrem letzten Gespräch mit Doktor Martinez verspürte sie Unruhe. Eine Unruhe, genährt von Angst und Hoffnung, die sie nachts schlecht schlafen ließ und tief in ihrem Inneren einen schmerzhaften Punkt erschaffen hatte, um den all ihre Gedanken kreisten.
Miriam fühlte Angst. Eine lähmende Angst, die ihr den Mund austrocknete und einen feuchten Film auf die Handflächen trieb. Zögernd griff sie nach dem Treppengeländer, ihre Finger ertasteten die Struktur des Palmholzbogens, der in sanftem Linksschwung hinauf zum Obergeschoss verlief. Die Riefen und Poren erschienen ihr wie eine Leiter, an der sie sich von Sprosse zu Sprosse weiterzog. Vor einer Mahagonitür mit Messingschild hielt sie an. Ein tiefer Atemzug, dann drückte sie den Klingelknopf. Es summte, die Tür öffnete sich. Angenehme Kühle empfing Miriam, begleitet vom Rauschen einer Klimaanlage. Das Lächeln der Empfangsdame wirkte steril und passte perfekt zu den weißen Wänden der Ordination mit ihren blank geputzten Kacheln.
"Hello, Miss Schneider! Nice to see you."
"Hello!" Miriam versuchte ein Lächeln.
"Just a minute. Doctor Martinez is busy." Die Empfangsdame wies mit der Hand zur Sitzecke. Miriam nahm in einem Ledersofa Platz, schlug die Beine übereinander und betrachtete die europäischen Diplome von Doktor Martinez, die an den Wänden hingen. Im Grunde genommen interessierte es sie nicht, wofür er ausgezeichnet worden war. Sie wollte sich nur ablenken. Je länger Miriam auf die Zeugnisse starrte, desto mehr verschwammen sie vor ihren Augen zu einer formlosen Masse. Sie wandte den Blick ab und sah auf die Uhr. Erst wenige Minuten waren seit ihrem Eintreten vergangen, dennoch kam es ihr vor, als säße sie bereits seit Stunden im kühlen Leder des Wartebereichs. Miriams Hände zitterten immer noch. Auch ihr Herzschlag blieb so heftig wie zuvor. Sie erinnerte sich an den Yogakurs in Mysore, den sie gemeinsam mit ihrer indischen Freundin besucht hatte. Miriam schloss die Augen, lauschte auf das Rauschen der Klimaanlage und atmete ein paar Minuten lang tief und gleichmäßig ... ein, aus, ein, aus, ein ... Mit lautem Klacken sprang die gepolsterte Tür zum Behandlungsraum auf, im selben Moment ertönte die Stimme des Arztes. Er sprach deutsch, mit spanischem Akzent. "Frau Schneider. Bitte kommen Sie."
Miriam riss die Augen auf. Doktor Martinez stand im Türrahmen und lächelte einladend. Sie ließ sich von ihm zu seinem Schreibtisch führen und nahm Platz. Den Blick gesenkt setzte sie sich, die Handtasche auf dem Schoß, ihre Finger umklammerten den Trageriemen wie ein Ertrinkender die Rettungsleine.
Doktor Martinez zog mit spitzen Fingern ein Blatt Papier aus dem Ablagefach und warf einen flüchtigen Blick darauf. "Ich möchte gleich zur Sache kommen, Frau Schneider. Mein Verdacht hat sich leider bestätigt. Seit wenigen Tagen liegen mir die letzten CT-Aufnahmen vor, ebenso die MRTs. Auch der Laborbericht spricht Bände." Er versuchte ihr in die Augen zu sehen, aber Miriam wich seinem Blick aus. Doktor Martinez seufzte. "Wie nicht anders zu erwarten war, ist der Tumor im linken Frontallappen immer noch da." Er zog die Augenbrauen hoch. "Und ... leider hat er sich vergrößert." Doktor Martinez stand auf, schaltete den Röntgenbildbetrachter ein und befestigte ein CT darauf. "Hier kann man es genau erkennen.“ Er zeigte auf eine Stelle des CTs. "Im Vergleich dazu", er fixierte ein zweites Bild auf dem Betrachter, "hier die Aufnahme, die sie aus Österreich mitgebracht haben. Da war der Tumor noch deutlich kleiner."
Miriam sah kurz auf, dann hielt sie wieder den Blick gesenkt und starrte auf ihre verkrampften Finger, die sich immer noch an der Handtasche festklammerten. Der glühende Punkt in ihrem Inneren, um den sich seit Wochen jeder ihrer Gedanken gedreht hatte, verwandelte sich in ein schwarzes Loch, das alles zu verschlingen begann, woran sie ihre verzweifelten Hoffnungen festgemacht hatte. Sie fühlte sich leer, einsam und hilflos, wie zwei Wochen zuvor in der Röhre des Kernspintomografen im Privat-Hospital-Manila.
Miriam spürte Tränen aufsteigen. "Aber ... ich bin doch extra nach Baguio gefahren, zum berühmtesten Heiler, den es auf den Philippinen gibt. Er hat mir versprochen, den Tumor vollständig entfernt zu haben. Ich sei wieder ganz gesund, sagte er, könne tun und lassen, was ich will." Jetzt war es so weit. Ihre Schultern zuckten, sie begann zu weinen. "Hab' doch selbst im Spiegel zugesehen, wie er ihn durch das Ohr herausgeholt hat, mit all dem Blut und Schleim", würgte sie hervor. "Und ich hab' mich nachher so befreit gefühlt, hatte tagelang keine Beschwerden." Sie wischte sich mit dem Handrücken die Tränen aus den Augen, verschmierte Kajal und Wimperntusche.
Doktor Martinez blickte sie über seine Brillengläser hinweg an und schüttelte den Kopf. "Ein wenig Hühnerblut, Gedärm und Knöchelchen. Nichts weiter. Sie wurden betrogen. Wie unzählige andere verzweifelte Menschen auch."
Doktor Martinez hob in hilfloser Geste die Schultern. "Frau Schneider, ich hatte Sie eindringlich gewarnt, als sie mir von Ihrem Vorhaben erzählten. Sie wollten nicht auf mich hören. Ich bin froh, dass sie wenigstens die Kontrolluntersuchungen gemacht haben." Er runzelte die Stirn. "Ich sage es Ihnen jetzt noch einmal. Sie sind schwer krank und müssen sofort nach Hause fliegen. Nur dort können Sie richtig behandelt werden. Bitte keine weiteren Experimente mit Wunderheilern! Sie haben schon viel zu viel Zeit vergeudet. Mit indischen Quacksalbern ebenso, wie mit unseren weltberühmten Geistheilern." Er schob einen Stuhl neben sie, setzte sich, ergriff sanft ihre Hände und blickte ihr in die Augen. "Ich will ganz offen sein, Frau Schneider. Noch kann man den Tumor entfernen. Mit anschließender Bestrahlung und Chemotherapie haben Sie eine Chance." Er räusperte sich. "Aber es muss rasch gehandelt werden. Das Zeitfenster ist äußerst knapp. Wenn Sie weiterhin auf Wunder hoffen, dann ..."
"Was ... was kommt dann auf mich zu?"
"Übelkeit und Kopfschmerzen kennen Sie bereits. Besonders nachts und frühmorgens werden diese Attacken stärker werden, dazu kommen Empfindungsstörungen in den Gliedmaßen, vielleicht Krampfanfälle ..."
"Und dann bin ich tot!", stieß Miriam hervor.
"So weit wird es nicht kommen, Frau Schneider. Sie nehmen die nächste Maschine nach Hause und begeben sich sofort in Behandlung. Es gibt hervorragende Onkologen im AKH-Wien. Ich habe dort ein längeres Auslands-Praktikum gemacht und weiß, wovon ich spreche." Doktor Martinez ließ behutsam ihre Hände los. "Ich werde Sie sofort in Wien avisieren und verschreibe Ihnen ein zusätzliches Medikament." Er öffnete eine Lade und reichte ihr eine Arzneischachtel. "Das ist eine Probepackung. Nehmen Sie diese Tabletten nur, wenn sie Taubheitsgefühle entwickeln sollten. Keinesfalls prophylaktisch! Und bitte vergessen Sie nicht, die anderen Medikamente weiterhin einzunehmen. Dazu erhalten Sie meinen medizinischen Bericht, die neuesten CTs und MRTs, sowie den aktuellen Laborbefund." Er beugte sich vor und berührte erneut ihren Arm. "Bitte, seien Sie vernünftig, Miriam. Ich darf doch Miriam sagen?" Sie nickte.
"Was haben Sie in der Vergangenheit nicht alles auf sich genommen, um Ihr Lebensziel zu erreichen? Und Sie haben es erreicht. Viele Frauen würden Sie um Ihr Aussehen beneiden. Wollen Sie das jetzt kampflos wegwerfen?" Er legte die Handflächen sanft auf ihre Schultern und suchte ihren Blick. "Nicht aufgeben, Miriam. Kämpfen Sie. Bestimmt wird noch alles gut."
Wie wohl ihr seine Berührung tat. Selbst in dieser Situation. Wie sehr hatte sie sich, seit sie von ihrem Freund verlassen wurde, danach gesehnt, wieder von einem Mann berührt zu werden. Es war paradox, aber ein Gefühl zärtlicher Zuneigung zu Doktor Martinez überkam sie, zugleich das Verlangen, ihren Kopf an seine Schulter zu lehnen. Sie stellte sich vor, er würde sie in den Arm nehmen und streicheln, bis sie eingeschlafen wäre und wenn sie wieder erwachte, gäbe es keinen Tumor mehr. Sie würde die Augen öffnen, in die Sonne blinzeln und vor Lebenslust lachen. Wie lange hatte sie nicht mehr aus ganzem Herzen gelacht? Sie wusste es nicht und sehnte sich doch so sehr danach. All den seelischen Müll einfach wegzulachen, den sie zeitlebens mit sich herumschleppte und der ihr mehr und mehr die Luft zum Atmen nahm. Miriam hatte gehofft, nach ihrem Geschlechtswechsel in ein neues, ein erfülltes Leben starten zu können, nach langer Irrfahrt im falschen Körper endlich bei sich selbst angekommen zu sein. Und jetzt? Der alte Drache war tot, aber ein neues Monster war erstanden und in seiner ganzen Schrecklichkeit in ihr Gehirn gekrochen.
Doktor Martinez schrieb ein Rezept aus, steckte die Fotos und Befunde in ein Kuvert und legte alles vor Miriam auf den Schreibtisch. "Versprechen Sie mir, unverzüglich die Heimreise anzutreten. Am besten buchen Sie noch heute." Er streckte ihr seine Hand entgegen und sah sie erwartungsvoll an. "Also?"
"Versprochen!" Miriam drückte seine Hand, nahm das Kuvert und verließ die Ordination, ohne auf die Frage der Vorzimmerdame nach einem neuen Termin zu antworten.

***

Eine Rußwolke hinter sich herziehend brummte der Jeepney die holprige Straße des Hügels herab, zu dessen Füßen die kleine Bungalowanlage am White Beach lag. Es war später Vormittag. Karin saß im Vorgarten des Gästehauses und las, als sie den Klang der mehrstimmigen Hupe vernahm, mit der die Jeepneys den Stränden ihre Ankunft verkünden. Sie hob den Blick und suchte nach Miriam, während das farbenprächtig lackierte Fahrzeug die letzten Meter zum Gästehaus zurücklegte. Erleichtert klappte sie ihr Buch zu. Miriam stand auf dem hinteren Ende der Ladefläche des vollbesetzten Jeepneys und klammerte sich mit beiden Händen an den Dachstreben fest, um auf der holprigen Piste nicht umgeworfen zu werden.
"Schön, dass du wieder zurück bist." Karin strahlte über das ganze Gesicht, als sie Miriam beim Absteigen half. "Ich hab' mir Sorgen um dich gemacht. Du wolltest doch schon vorgestern kommen. Alles in Ordnung?" Sie warf ihr einen prüfenden Blick zu.
"Ach, ich hab' noch einen Tag in Manila abgehängt. Hab' in der Lodge einen süßen kanadischen Rastafari kennengelernt. Der hatte blonde Zöpfe bis hierhin. Sie zeigte mit der Hand an ihre Hüften. Erst führte er mir sein Motorrad vor, abends waren wir tanzen und nachher ..." Sie grinste zweideutig. "Ist spät geworden. Und natürlich hab' ich gestern die Morgenfähre von Batangas verschlafen. Nachmittags waren dann die Wellen zu hoch, da sind sie nicht gefahren", sie zuckte mit den Achseln, "was soll's, dafür waren es heute nur drei Stunden ... jetzt bin ich ja hier." Sie umarmte Karin und küsste sie auf beide Wangen. "Wie sieht's aus? Heute schon im Wasser gewesen?"
"Nein, aber wenn du nicht zu müde bist, können wir das gleich nachholen."
Kurze Zeit später schwebten sie über dem Riff. Ebbe sorgte für glasklare Sicht, die kräuselnde Wasseroberfläche brach die fast senkrecht einfallenden Sonnenstrahlen wie ein Prisma in unzählige Lichtpunkte, die in zuckenden Bewegungen über die Korallenstöcke tanzten. Wie immer an diesem Ort umfing Karin ein Gefühl von Geborgenheit. Ein Gefühl, das sie seit ihrer frühen Kindheit nicht mehr empfunden hatte. Damals, wenn sie manchmal aus bösen Träumen erwachte, kam sie ins Bett der Eltern gekrochen, kuschelte sich an ihren Vater und erst in seiner warmen Umarmung fand sie wieder Schlaf. Zu ihrer Mutter hatte sie kein ähnlich liebevolles Verhältnis aufbauen können. Auch wenn sie beide darunter litten, war es ihnen nie gelungen, etwas an dieser Situation zu ändern.
Eine Muräne tauchte tief unter Karin auf, wand sich die Riffwand hoch, öffnete das Maul, als würde sie gähnen und verschwand in einer Felsspalte. Karin tauchte mit Miriam ein paar Meter ab, die beiden hielten sich an einem abgestorbenen Korallenbrocken fest. Miriam wies zur Wasseroberfläche. Knapp darunter hingen ein paar Long-Toms mit offenem, zähnestarrendem Maul. Bewegungslos folgten die großen Seehechte mit wachen Augen jeder Bewegung Karins, die langsam zu ihnen aufstieg. Erst als sie ganz nahe war, schossen sie davon.
Kurz danach hatten die beiden genug für diesen Tag. Sie verständigten sich darauf, zum Strand zurückzukehren.
Als das Riff aus ihrem Blickfeld verschwunden war und sie über tiefblauem, grundlosem Nichts schwammen, tauchte der riesige Hai unter ihnen auf. Karin erstarrte und biss mit aller Kraft in das Mundstück ihres Schnorchels. Sie wagte kaum zu atmen, schon gar nicht, den Kopf nach Miriam zu wenden, die hinter ihr herschwamm. Einen Hai dieser Größe hatte sie noch nie gesehen. Das war etwas anderes, als die freundlichen Black-Tips die sie vom Riff kannte. Der Koloss war geradezu aus dem Nichts aufgetaucht und näherte sich mit langsamen Schwanzschlägen. Im einfallenden Sonnenlicht schimmerten die dunklen Streifen an seinen Flanken, dazu der helle Bauch und das breite, flachkantige Maul. Kein Zweifel, es war ein Tigerhai. In wenigen Momenten würde er sie erreicht haben. Karin versteinerte. Unter ihnen grundloses Wasser, und viel zu weit vom rettenden Strand entfernt. Das Monster kam immer näher. Noch zehn Meter ... fünf ... drei ... da drehte der Hai plötzlich ab, kehrte aber sofort wieder um und begann Karin und Miriam langsam zu umkreisen.
Das war kein Angriffsverhalten. Karin schöpfte Hoffnung. War er nur neugierig? Haie waren dafür bekannt, Unbekanntes in Augenschein zu nehmen, gelegentlich ihre Nase daran zu reiben, um dann meist wieder in den Weiten des Ozeans zu verschwinden. Karins Biss lockerte sich etwas, sie versuchte gleichmäßiger zu atmen. Sie fühlte Miriam neben sich, wagte es aber immer noch nicht, den Blick vom Hai abzuwenden.
Der Koloss hielt an. Nur wenige Meter entfernt, den gewaltigen Kopf ihnen zugewandt, schwebte der Hai im Wasser, schwerelos wie ein gasgefüllter Zeppelin. Wie war das möglich? Karin wusste, dass Haie keine Schwimmblase besitzen und daher ständig in Bewegung bleiben müssen, um nicht abzusinken. Dieses Tier war ein rätselhaftes Phänomen und mehr und mehr erschien es Karin, als würden sie nicht von einem Fisch, sondern von einem denkenden Wesen beobachtet, das tief in ihre Seelen blickte. So benahm sich kein blutrünstiger Feind. Der Hai würde ihnen nichts tun, sie war sich dessen jetzt sicher. Die ungeheure Anspannung der ersten Minute ließ nach.
Einige Atemzüge lang geschah nichts. Plötzlich spürte Karin eine Bewegung neben sich. Miriam holte hörbar Luft, tauchte ab und schwamm auf den Hai zu, der immer noch bewegungslos seine Position hielt. Was hatte sie vor? Miriam erreichte den Hai und ... Karin traute ihren Augen nicht ... strich sanft über sein riesiges Maul. Einmal, zweimal, ein paar Mal. Er ließ es reaktionslos geschehen, blieb selbst unbewegt, als Miriam zum Luftholen kurz an die Oberfläche musste. Sie tauchte erneut zu ihm ab und legte die rechte Hand an seine Rückenflosse. Jetzt setzte sich der Koloss in Bewegung und zog Miriam mit sich. Gemeinsam umkreisten sie Karin, die gebannt zusah, dann nahm der Hai Fahrt auf und gewann rasch Tiefe. Als die Konturen der beiden zu verschwimmen begannen, ließ Miriam los und stieg, heftig mit den Flossen schlagend, zur Oberfläche auf, um Luft zu holen. Der Tigerhai kehrte zurück, umkreiste sie erneut, es schien Karin, als würde er auf sie warten, dann drehte er ab und verschwand in der Tiefe.
Der Spuk war vorüber. Sie waren allein. Über ihnen wolkenloser Himmel und gleißendes Sonnenlicht, unter ihnen grundloses, dunkles Meer. Karin schwamm zu Miriam und steckte ihren Kopf aus dem Wasser. "Miriam, was ... was ... bitte sag doch was ... " Aber Miriam hielt nur einen Zeigefinger vor den Mund und schüttelte heftig ihren Kopf. So aufgeregt Karin war, sie wollte Miriam nicht drängen. Nicht jetzt. Nicht hier. Sie konnten später darüber reden. Wortlos schwammen sie los. Es war das erste Mal, dass Karin keine Angst vor dem tiefen Wasser hatte.

***

Eine schwache Brise strich durch die Palmen und Kasuarinen, die den wackeligen Holzbungalow umstanden, und brachte Miriam und Karin etwas Kühlung in der brütenden Nachmittagshitze. Es roch nach offenem Feuer, die Luft war erfüllt vom Sirren der Zikaden.
Die beiden saßen in Schwimmkleidung im Schatten der überdachten Holzveranda bei einem späten Mittagessen. Wie üblich gab es gebratenen Fisch mit Reis und Salat. Vor dem Bungalow hatte sich ein halbes Dutzend verwilderter, bis auf die Knochen abgemagerter Hunde gruppiert. Miriam betrachtete sie mitleidsvoll, auch wenn sie längst an dieses Bild gewöhnt war, das sich ihr vor vielen Bungalows und Strandrestaurants bot. Ins Innere der Lokale zu kommen oder die Veranda eines der Bungalows zu erklettern, wagten die Tiere nicht. Schmerzhafte Erfahrungen hatten sie eines Besseren belehrt. So lagen sie, halb eingegraben, im heißen Sand, durchkämmten mit den Zähnen ihr Fell nach blutsaugenden Fliegen und warteten auf die Reste menschlicher Mahlzeiten. Wenn von Zeit zu Zeit ein Happen geflogen kam, brachen wilde Kämpfe darum aus. Sand stob auf, Zähne wurden gefletscht, nach allen Richtungen hin wurde geknurrt und gebissen, gekläfft und gejault.
Miriam hatte ihre Mahlzeit beendet und warf das Fischgerippe nebst den übrigen Essensresten von der Veranda auf den heißen Sand. Die Hunde von Hand zu füttern war gefährlich. Allzu leicht konnte man von den kranken, halbverhungerten Tieren gebissen werden.
Sie wandte sich mit lauter Stimme an Karin, um die Kampfgeräusche der Hunde zu übertönen. "Es war nicht das erste Mal, dass ich diesem Hai begegnet bin!"
Es klang wie nebenbei, Miriam ließ ihren Blick weiterhin auf den Hunden ruhen. Seit dem Rückweg vom Riff hatte sie jeden Versuch Karins abgewehrt, über das Erlebnis zu sprechen. "Später", hatte sie nur gesagt. "Später werde ich dir alles erzählen."
Karin hatte gerade einen Bissen im Mund und musste erst schlucken, bevor sie antworten konnte. "Du bist ihm schon einmal begegnet?", stieß sie hervor und sprang auf. "Warum hast du mir nie davon erzählt?" Sie beugte sich über das Balkongeländer und putzte die Reste ihrer Mahlzeit vom Teller, mitten zwischen die tobenden Hunde.
"Na ja, nicht im richtigen Leben." Miriam lächelte. "Ich ... ich hab' bisher nur von ihm geträumt."
"Geträumt?" Karin drehte ihre Handflächen nach oben und sah sie fragend an. "Miriam, das heute war aber kein Traum. Das Monster war real. Ich wär' fast gestorben vor Angst, als er plötzlich auftauchte. Ich dachte, das wär' unser Ende. Aber dann, als er uns so nachdenklich anstarrte und du einfach auf ihn zugeschwommen bist und ..." Karin hob erneut die Hände und schüttelte den Kopf. "So was gibt's doch gar nicht. War das wirklich ein Fisch oder doch ein Geist? Ich kann immer noch nicht glauben, was ich heute erlebt habe." Sie lachte gekünstelt auf. "Das war alles so unwirklich, geradezu fantastisch. Wer weiß, vielleicht haben wir ja beide nur geträumt."
"Er ist mir sogar schon zweimal im Traum erschienen", setzte Miriam fort. "Und das Seltsame dran ist, es war alles genauso wie heute. Nur, dass ich ganz allein' war. Auch im Traum hab' ich keine Angst gehabt. Wie heute. Ich hab' ihn gestreichelt und er hat mich mitgenommen. Das erste Mal wurde ich wach, als er sich mit mir in Bewegung gesetzt hat. Konnte vor Aufregung lange nicht mehr einschlafen. Letzte Nacht, in Manila, hab' ich wieder von ihm geträumt. Diesmal ist er mit mir in die Tiefe geschwommen. Ich hatte überhaupt keine Atemnot und hab' mich so wohl gefühlt, so geborgen und glücklich war ich, wie schon lange nicht. Ich wollte ihn gar nicht mehr loslassen und hab‘s dann doch getan. Danach bin ich aufgewacht." Sie legte ihr Gesicht in die Hände und schüttelte den Kopf.
Vor der Veranda war Ruhe eingekehrt. Die Hunde hatten sich getrollt, nachdem keine Nahrungsreste mehr kamen und suchten anderswo ihr Glück.
"Miriam!" Karin setzte sich neben sie und legte den Arm um ihre Schultern. "Was ist denn los? Wie kannst du nur träumen, mit einem Hai im Meer zu verschwinden? Das, was heute passiert ist, macht mir eine Heidenangst. Um dich und überhaupt. Irgendwas stimmt doch nicht! "
Miriam hob den Kopf und holte tief Luft. Und dann erzählte sie Karin ihre ganze Geschichte. Und Karin hörte still zu und stellte keine Fragen, bis sie zu Ende war.

***

Es war früher Abend geworden. Die Zikaden sirrten immer noch um die Wette, vom Strand hörte man sanften Wellenschlag, erste Rufe der Nachtvögel ertönten. Karin und Miriam saßen seit Stunden auf der Veranda von Miriams Bungalow. Die Sonne ging unter und färbte den Horizont in tiefes Rot. Für den späten Abend und die kommende Nacht waren Gewitter angekündigt, doch der nächste Morgen sollte Schönwetter bringen.
Karin fasste sich ein Herz. „Das war eine lange Geschichte und sie macht mich traurig. Aber du hast mir nicht erzählt, warum dein Freund abgehauen ist.“
Miriam zuckte gleichgültig mit den Schultern . „Er hat zufällig die Untersuchungsberichte meiner Krebserkrankung in die Finger gekriegt. Da stand auch die Transdiagnose drin.“
„Na und? Ihr wart doch schon zwei Jahre zusammen.“
„Tja. Mit einem Mann kann er nicht zusammenleben, hat er gesagt. Er sei nicht schwul. Das müsse ich verstehen. Ein paar Tage später ist er ausgezogen.“
Sie schwiegen eine Weile.
Karin gab sich einen Ruck. „Wir fahren morgen, gleich nach dem Frühstück, gemeinsam nach Puerto Galera und buchen deine Heimreise.“ Sie versuchte ein Lächeln. „Was sagst du dazu?“
Miriam blickte zu Boden und nickte. Karin ergriff ihre Hand. „Es wird alles gut gehen. Ich bin bald wieder in Österreich. Dann komme ich dich besuchen und wir treiben allerhand Schabernack.“ Sie grinste. “Ganz ohne blöde Typen!“
Jetzt lächelte auch Miriam. Karin stand auf und streckte alle Glieder von sich. „Komm, lass uns essen gehen. Mir kracht der Magen.“
Sie teilten sich eine große Portion Kingfish mit Bratkartoffeln und Salat. Nachher gingen sie schweigend ein Stück den Strand entlang. Noch war von den angekündigten Gewittern nichts zu merken. Vom tiefschwarzen Nachthimmel leuchteten die Sterne. Sogar das weiße Band des Milchstraßenzentrums war zu sehen. Ein Stück weit ab vom Gästehaus setzten sie sich in den Sand, Karin entzündete einen Spliff. „Schau, siehst du das Plankton?“ Sie blies den Rauch aus und wies mit der Hand ins Wasser. Miriam konnte eine grünlich glitzernde Wolke erkennen, die sich mit dem Wellenschlag bewegte. „Leuchtendes Plankton sieht man heutzutage nur noch selten an den Stränden. Es soll Glück bringen und man darf sich was wünschen.“ Sie nahm einen tiefen Zug, schloss die Augen und legte sich rücklings in den Sand.
"Wünsch' dir etwas, Miriam. Es wird in Erfüllung gehen."
Langsam zogen immer mehr Wolken auf, aus der Ferne hörte man leises Donnern. Sie verließen den Strand und erreichten ihre Bungalows, noch bevor die ersten Tropfen fielen. Karin umarmte Miriam und küsste sie auf beide Wangen. „Also dann, schlaf gut, und bis morgen.“
„Ja, bis morgen.“

***

Das Gras hatte Miriam müde gemacht. Sie schlief rasch ein und träumte vom Riff. Alles war wie immer. Sonnenstrahlen tanzten über die Korallen, Fische suchten nach Futter, das Riff wimmelte von Leben. Eine sanfte Dünung wiegte Miriams Körper, sie empfand Geborgenheit und Wärme. Hier war sie zu Hause, hier gehörte sie hin. Sie schloss die Augen und ließ sich treiben. Ein überwältigendes Glücksgefühl stieg in ihr auf, wie sie es lange nicht mehr empfunden hatte, und dann, wie aus dem Nichts, tauchte er auf. Der riesige Hai umkreiste sie, langsam, geradezu abwartend kam er näher. Miriam streckte ihre Hand nach ihm aus, er glitt an ihre Seite und hielt an. Sie streichelte ihn zärtlich am Kopf, dann ergriff sie seine Rückenflosse ...

***

Als Karin am nächsten Morgen erwachte, fand sie Miriams Bungalow verschlossen vor. Sie dachte zunächst, sie wäre schon beim Frühstück und ging ins Gästehaus. Aber auch dort war Miriam nicht, niemand hatte sie an diesem Morgen gesehen. Karin nahm eine hastige Tasse Tee mit Toast und Butter, wartete noch eine Weile, dann ging sie zurück zu ihrer Strandhütte. Miriams Bungalow wirkte verlassen. Kein Geräusch drang aus der Hütte, die Fensterläden waren geschlossen, die Wäscheleine leer, nur der Traumfänger klapperte im Wind. Zunächst dachte sie, Miriam hätte wieder einen ihrer Anfälle. Karin klopfte energisch an die Tür, rief mehrmals ihren Namen, sie erhielt keine Antwort. Dann kam ihr eine Idee. Vielleicht war Miriam frühmorgens zum Riff hinausgeschwommen, um Abschied zu nehmen. Entschlossen griff sie zu Taucherbrille und Schnorchel, schlüpfte in ihre Flossen und schwamm los. Die Sicht war schlecht, der Regen der letzten Nacht hatte das Wasser getrübt. Endlich tauchten die nebelhaften Umrisse des Riffs vor ihr auf.
Von Miriam keine Spur. Karin begann das Riff abzusuchen, auch wenn sie nicht wusste wonach. Das trübe Wasser ließ kaum mehr als ein paar Meter Sicht zu. Aber dennoch. Da war etwas. Karin erkannte ein blaues Schimmern zwischen zwei Korallenstöcken, die tief unter ihr lagen. Sie holte Luft und tauchte ab. Erst beim zweiten Versuch gelang es. Eingeklemmt zwischen Korallen steckte der Schnorchel Miriams. Karin hatte ihn so oft gesehen, es gab keinen Zweifel. Sie zog ihn mit zitternden Fingern heraus. Nervös umkreiste sie das Riff, suchte, bis die Augen schmerzten, aber es gab nichts mehr zu finden. Sie steckte Miriams Schnorchel hinter das Halteband ihrer Taucherbrille und machte sich auf den Heimweg.
Karin hoffte, dass Miriam den Schnorchel nur verloren hatte und längst zurück war. Aber warum waren sie einander dann nicht begegnet? Als sie den Strand erreichte, trieb ein Stück grüner Stoff im flachen Uferwasser. Die Dünung ließ ihn hin und her schwappen. Karin zog ihn aus dem Wasser. Es war der Oberteil von Miriams Bikini.

***



 
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Liebe Manuela K.,

ganz wichtig, alles, alles Liebe zum Geburtstag. Gesundheit und viele schöne Momente soll das neue Lebensjahr Dir bringen. Und Glück. Und Dinge, über die man Lachen kann. Und tolle Geschichten. Und ...

Dann noch, schön mal wieder was von Dir zu lesen. Ich habe mich sehr gefreut, als ich dein Profilbild in den neuen Texten gesehen habe. Und nun zu dem, worauf Du wartest, ein Kommentar :).

Liest sich sehr gut weg. Habe ich jetzt eigentlich auch nicht anders erwartet. Ich mochte das Setting, den seltsamen Hai, die beiden Frauen. Ich war sehr drin in deiner Geschichte und habe den Text wirklich genossen. Zu deiner Frage, ob Du gegen Ende zu gerafft schreibst - für mein Empfinden - ja. Vor allem weil Du Dir am Anfang sehr viel Zeit nimmst, das ist schon ein Bruch, der sich auftut. Auf der anderen Seite frage ich mich, ob Du den Rückblick von Miriam wirklich erzählen musst. Ich hätte den nicht gebraucht. Das Gespräch beim Arzt, die Tatsache, dass sie eine Geschlechtsangleichung hinter sich gebracht hat, das zu wissen reicht doch. Mir jedenfalls. Ansonsten hätte ich gern fast noch mal die doppelte Menge an Text zum Rückblick, weniger Bericht, mehr Geschichte - Du weißt schon, was ich meine. Auf der anderen Seite schadet er dem Text auch nicht, nur bringt er ihn m.E. nicht voran.
Meine Lesart der Geschichte - Miriam durch die Jahre des inneren und äußeren Kampfes um ihr Geschlecht + die verlorene Liebe hat nicht mehr die Kraft sich dem Kampf gegen den Krebs zu stellen. Kleine Versuche okay, aber nicht noch mal monatelang, zudem mit ungewissem Ausgang. Sie ist müde. Der Tod (in Form des Haies) erscheint ihr als eine Versuchung, der sie schließlich nachgibt. Das ist herb. Jetzt, wo das Leben endlich losgehen kann, gibt es eine Vollbremsung. Ich bewundere zutiefst Menschen, die es Schlag auf Schlag trifft und die mit scheinbar unerschöpflicher Kraft weitermachen. Ich glaub, ich wäre auch eher vom Typ Hai, aber das kann man natürlich nie wissen oder sagen, ohne es erlebt zu haben. Und vorstellbar ist es sowieso nicht. Was ich eigentlich sagen will, ist, mir erscheint der Hai und Miriam Verhalten durchaus plausibel. Wenn es natürlich auch tragisch und unendlich schade ist, die Chance auszuschlagen. Eine Freundin von mir, Ärztin, sagt, es ist nicht so selten, dass Patienten Chemo, Bestrahlung und/oder OP ausschlagen.

Um dich und überhaupt. Irgendwas stimmt doch nicht. Willst du dich nicht endlich ausreden?"
Das klingt sehr nach Autorin, weniger nach echtem Dialog. Und von mir aus kann das ganz weg. Miriam beginnt zu erzählen, Punkt.

Und noch eine Frage, Karin wird um ihr Geld betrogen, macht dann aber erst mal eine ordentlich Auszeit. Wie geht das zusammen? Wird schon irgendwie, aber die Frage drängte sich mir auf und ich habe keine Antwort darauf.

Das als ersten Leseeindruck. Jetzt lass ich das mal in mir sacken und wenn mir noch was einfällt oder es mit Abstand eine andere Wirkung zeigt, melde ich mich noch mal.

Liebe Grüße und einen wunderbaren Tag für Dich,
Fliege
 
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Hallo Fliege!

Danke für die Glückwünsche, war aber nicht beabsichtigt, quasi einen Geburtstagstext einzustellen. ;)
Ich bin froh, dich mit diesem Text erreicht zu haben. Seit rund 8 Jahren vegetierte er auf meiner Festplatte und träumte vor sich hin. Dann und wann raffte ich mich auf, schrieb ein bisschen weiter, überarbeitete längst Geschriebenes, aber es ging nichts weiter, obwohl ich genau wusste, wohin ich wollte. Ich war schon richtig zornig ob meiner Faulheit.
Jetzt habe ich ihn endlich fertiggestellt, bin aber (noch) nicht zufrieden. Du hast deinen Finger exakt auf meine Unsicherheiten gelegt und mich darin bestätigt, ihn noch einmal gründlich zu überarbeiten. Genau deshalb habe ich ihn hier eingestellt!
Nicht, um zu hören, wie gut er ist, sondern wie ich ihn besser machen kann.
Ich werde die ersten beiden Drittel behutsam straffen, und die letzten beiden Bilder noch etwas stimmig/sinnlicher gestalten. Und ja, der narrative Rückblick liegt mir auch im Magen. War ein Experiment, an sich mag ich keine langen narrativen Einschübe; ich gebe dir Recht, die Story braucht ihn gar nicht. Er wird vermutlich der Schere zum Opfer fallen. Mal sehen, ob sich noch andere Leser dazu äußern, und wo sie die Schwachstellen sehen.
Dir jedenfalls herzlichen Dank, habe mich gefreut, von dir - noch dazu weitgehend positiv - kommentiert zu werden.

Manuela :)
 
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Liebe Manuela K.

Mit dem Setting hattest du mich sofort. Einer meiner Totentänze (den ich nicht ins Forum gestellt habe) handelt von zwei Frauen, die zum Tauchen auf die Philippinen reisen. Nebenthema Kinderprostitution. Hat mich damals sehr schockiert, als ich einen Monat auf den Philippinen verbracht und dort tauchen gelernt habe.

Aber zu deinem Text. Ich habe den sehr gerne gelesen, die Stimmung, die Details, das Meer in seiner Faszination aber auch Bedrohlichkeit. Und ich hätte gerne noch mehr gelesen, vor allem, nachdem für Karin alles auf dem Tisch liegt. Danach geht es dann tatsächlich etwas schnell.
Ich finde die Figurenkonstellation gelungen und ergiebig. Ich denke aber auch, dass es noch Möglichkeiten gäbe, in dramaturgischer Hinsicht noch mehr herauszukitzeln:
Vielleicht liesse sich der Fokus noch etwas schärfen. Dieser liegt ja mehrheitlich auf Karin: Aus ihrer Perspektive ist der grössere Teil des Textes geschrieben. Wenn du Miriams Szene in Manila streichst - was ich begrüssen würde -, dann hättest du nur noch eine Szene aus der Sicht von Miriam, die sich locker aus der Perspektive von Karin erzählen liesse (die Szene beim Mittagessen) plus Miriams Traum kurz vor Schluss, den sie ja auch Karin erzählen könnte.
Das bringt mich auf die Idee, dass du die ganze Geschichte aus Karins Perspektive schreiben könntest und das vielleicht auch noch etwas chronologischer: Vor allem das erste Kennenlernen, das fand ich irgendwie schade, dass das in einer Rückblende geschieht. Also: Karin lernt Miriam kennen, die beiden freunden sich an, Karin merkt, dass da etwas nicht stimmt, die ständigen Kopfschmerzen, sie spricht Miriam drauf an, erhält ausweichende Antworten, und irgendwann - vor Miriams Begegnung mit dem Hai oder auch danach - erfährt Karin die ganze Geschichte. Und hier liegt doch der Konflikt, finde ich zumindest. Karin merkt, dass ihre neugewonnene Freundin nicht kämpfen will. Karin muss erst lernen zu akzeptieren, was Miriam bereits entschieden hat. Und da fände ich es schön, wenn das auch von der Textmenge her entsprechendes Gewicht bekäme.

Diese Idee ist vielleicht erzähltechnisch etwas bieder, das gebe ich zu. Ich will sie daher noch ex negativo herleiten: Ich fand es bei der Lektüre deines Textes aufgrund der Perspektivenwechsel nicht ganz einfach, emotional so richtig einzuhaken. Die (reale) Dramatik liegt bei Miriam: Sie ist todkrank. Aber du verwendest - ausser dem Gespräch mit dem Arzt - darauf wenig Text. Ihre Entscheidung steht ja auch schnell fest, da gibt es kein inneres Ringen, kein grösserer innerer Konflikt, zumindest habe ich das so wahrgenommen. Das bringt mich dazu, die ganze Sache mit den Augen von Karin zu lesen. Aber da dauert es wiederum sehr lange, bis der Konflikt auf dem Tisch liegt. Davor ist sie eher Beobachterin, sie beschreibt das Meer, ihre neue Freundin, macht sich Sorgen, aber da ist noch nichts Konflikthaftes. Um es etwas auf den Punkt zu bringen: Ich finde, die beiden Figuren gehen noch etwas nebeinander her durch die Geschichte. Daher meine Idee, den Fokus ganz auf Karin zu legen und den Konflikt, den sie auszutragen hat, stärker auszuarbeiten. Sie muss doch auch mal wütend auf Miriam sein, daran verzweifeln, dass sie nicht nach Hause reisen und kämpfen will. Also Fokus auf Karin, aber die Figuren stärker aneinander reiben lassen, das wäre meine Grundidee.
Oder aber, du machst beides. Das wäre natürlich der Hammer. Du erzählst aus beiden Perspektiven, arbeitest die inneren Konflikte beider Frauen vollständig aus. Da würde Miriam noch sehr viel mehr Raum benötigen und der Text würde insgesamt deutlich länger werden. Fände ich reizvoll.

Ja, ist immer so eine Sache: Ich weiss manchmal nicht, ob meine Vorschläge einfach dem entsprechen, wie ich eine solche Geschichte aufgezogen hätte, und dem Text überhaupt nicht gerecht werden. Aber die Vorschläge sind doch zumindest aus bestimmten Fragen entstanden, die sich mir bei der Lektüre aufgetan haben. Nimm, was du brauchen kannst.

Wie gesagt, und das möchte ich zum Schluss noch mal betonen, habe ich die Geschichte sehr gerne gelesen, die macht Kopfkino und als Leser habe ich mich immer wohlgefühlt im Text.

Wo ich etwas gestutzt habe: Ein Riff direkt vor der Haustür und da kann man mit Haien tauchen und das Gebiet ist touristisch erschlossen? Meiner Erfahrung nach wenig plausibel, dass das ein Geheimtip bleibt. Wir sind immer mit Booten zu den Spots gefahren worden. Aber wie üblich bei solchen Einwänden, wirst du mich wohl eines Besseren belehren.

Lieber Gruss
Peeperkorn
 
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Hallo @Manuela K.
Ich war sofort mit Karin im Wasser. Und musste den Text erstmal weglegen. Denn vor Haien habe ich unglaublich Schiss. Hab wohl zu viele Horrorfilme gesehen. Aber wie auch da, gucke/lese ich dann natürlich doch weiter. Und fand es total spannend, mit Karin zurückzuschwimmen, die Angst im Nacken, das gleich was passiert. Aber es passiert nichts. Und ich atme erstmal auf.

Du beschreibst diese erste Szene so atmosphärisch, präzise und eindrucksvoll, da ist kein Wort zuviel, keins zu wenig. Druckreif. Und das zieht sich für mich - mit wenigen Ausnahmen - durch den gesamten Text. Hut ab!
Mir gefallen auch die Rückblicke. Die Enthüllungen wirken dadurch geheimnisvoller. Wie nebenbei erzählt.
Und auch das Ende ist gut gemacht, denn ich beginne, mir Fragen zu stellen, was jetzt eigentlich die Wahrheit ist.
Hat Miriam mit ihrem Glauben Berge versetzt? Oder ist sie vom Hai zerfetzt worden? Lebt sie schon so in ihrer Welt, dass sie denkt, sie träumt? Allerlei Szenarien spielen sich in meinem Kopf ab und das gefällt mir. Ich brauche die eine Wahrheit nicht zu wissen. Es könnte alles möglich sein.

Spannend finde ich auch die zwei Perspektiven. Für mich wird dadurch unter anderem deutlich, dass das nach außen hin vertraute Verhältnis der beiden Frauen eben doch nicht so verbindlich ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Karin ahnt, dass etwas nicht stimmt, aber Miriam sagt ihr nichts. Im ersten Moment habe ich sogar gedacht, dass die Nacht mit dem Rasta nur erfunden war und sie in Wirklichkeit stundenlang kopflos durch Manila gerannt ist. Aber das lässt der Text ja offen.

Was mich irritiert, ist, dass ich eigentlich nichts über Karin erfahre. Sie bleibt seltsam blass für mich. Es gibt da zwar diesen Absatz mit dem Verhältnis zu ihren Eltern, aber das war mir ein bisschen zu gewollt. Erst erfahre ich gar nichts und plötzlich kommt dieser Infoblock. Das hat für mich nicht gepasst.
Auch Miriams Geschlechtsumwandlung scheint völlig an Karin vorbeizugehen.
Grundsätzlich finde ich es geschickt gemacht, wie ich als Leser nebenbei davon erfahre. Als sich die zwei über das Thema unterhalten, habe ich mir schon gedacht, dass da noch was kommt. Nur wird das von Karin gedanklich gar nicht mehr aufgegriffen. Hat sie die ganze Zeit nicht gemerkt, dass Miriam mal ein Mann war? Nicht mal ansatzweise? Miriam sagt ja sogar, dass man es bei genauem Hinsehen bemerkt. Da fehlt mir ein Zwischenschritt. Oder einfach tiefer in Karins Perspektive einzutauchen, denn auch durch die Dialoge erfahre ich nicht wirklich etwas über sie. Was sie eigentlich für ein Typ ist, wie sie tickt. Die beiden Frauen wirken in ihren Gesprächen zunächst sehr ähnlich, beide ein bisschen steif, obwohl sie es anhand der Beschreibungen nicht zu sein scheinen. Aber ihre Dialoge wirkten auf mich wie aus dem Text gefallen.


Hier meine Highlights und ein paar Stolpersteine:

Wie Strohhüte schwammen sie für ein paar Sekunden auf der Wasseroberfläche, um gleich darauf wieder unterzutauchen, wenn Karin in das nächste Wellental sank.
Tolle Beschreibung!

schälte sich aus der klebrigen Tropennacht eine junge Frau mit langem, glatten Haar und unruhigen Kajalaugen.
Das auch!

My name is Miriam", sagte sie und trat in das weiche Kerzenlicht auf Karins Veranda. "I am from Austria." Sie lächelte einnehmend. "We are neighbours."
Da habe ich gestutzt. Kein "hi", sie legt gleich mit Namen und Herkunft los. Unwillkürlich sehe ich die beiden vor meinem inneren Auge Hände schütteln, und das passte für mich nicht zum Rest der Atmosphäre.


"Übrigens, ich bin Karin und komm' aus Wien. Genauer, aus Liesing, das liegt im Süden der Stadt."
Das wirkt so ein wenig wie ein Vorstellungsgespräch. Auch die Angabe, wo Liesing liegt, hat mich irritiert. Ich weiß, Reisende quatschen sich ständig an, und natürlich stellt man sich erstmal vor. Aber vielleicht ginge das auch etwas lockerer? Dass Miriam erstmal sagt, dass das Gras gut riecht oder so. Oder sich einfach nur mit ihrem Namen vorstellt, nicht gleich sagt, woher sie kommt.

Eine Hidschra hast du kennengelernt? Was ist denn das?"
Hier würde ich nur schreiben:"Was ist denn eine Hidschra?"

Auf den Philippinen, soll es besonders viele davon geben.
Komma kann weg.

Sie verzog angewidert ihr Gesicht und kratzte sich am Hals. "Diese Moskitos rauben mir den letzten Nerv. Werd' mich wohl nie daran gewöhnen."
angewidert passt hier nicht für mich. Vielleicht eher genervt? Mir geht sie hier zu lapidar mit der Moskitoplage um. Die Biester sind echt fies. War zwar noch nie auf den Philippinen, aber kann mir vorstellen, dass es dort genauso wie anderswo in den Tropen ist. Ich für meinen Teil konnte manchmal nur noch ins Haus laufen und die Füße unter kaltes Wasser halten, obwohl ich zu dem Zeitpunkt schon lange da war. Aber ich würde auch keinen Hai streicheln. :shy:

Verzeih, aber ich bin müde und geh' zu Bett. Dein Joint hat mich schläfrig gemacht."
Verzeih klingt so nach altem Schriftdeutsch in meinen Ohren. Kann aber auch ein regionales Ding sein.


krochen sie unter ihren Moskitonetzen hervor, und nachdem sie gefrühstückt hatten, schwammen sie gemeinsam zum Riff hinaus.
Hier bekomme ich eine Ahnung, wie zäh Karin ist. Am Abend vorher angekommen, und schon in praller Sonne ab zum Riff.
Grundsätzlich könnte der Satz aber raus. Das war die einzige Stelle im Text, die mir vom Tempo nicht gepasst hat. Das wirkt nach der ausführlichen Erzählung so zusammengerafft, als würde ich aus dem Schlendern plötzlich einen kurzen Sprint starten.

Miriam fühlte Angst, die ihr die Beine weich machte, den Mund austrocknete und einen feuchten Film auf ihre Handflächen trieb. Zögernd griff sie nach dem Treppengeländer, ihre tastenden Finger spürten die Struktur des Palmholzbogens, der in sanftem Linksschwung hinauf zum Obergeschoss verlief. Die Riefen und Poren erschienen ihr wie eine Leiter, an der sie sich von Sprosse zu Sprosse weiterzog.
Super Beschreibung, ich bin ganz bei ihr.

Den Blick gesenkt setzte sie sich, die Handtasche auf dem Schoß, ihre Finger umklammerten den Trageriemen wie ein Ertrinkender die Rettungsleine.
Gefällt mir auch sehr!

"Aber ... ich bin doch extra nach Baguio gefahren, zum berühmtesten Heiler den es auf den Philippinen gibt. Er hat mir versprochen, den Tumor vollständig entfernt zu haben. Ich sei wieder ganz gesund, sagte er, könne tun und lassen, was ich will."
Oh je ...

Sie wischte sich mit dem Handrücken die Tränen aus den Augen, verschmierte Kajal und Wimperntusche.
Auch ein sehr eindrucksvolles Bild. Obwohl ich mir vorstellen kann, dass vorher schon alles verlaufen war bei der hohen Luftfeuchtigkeit.

Bitte keine weiteren Experimente mit Wunderheilern! Das kostet nur wertvolle Zeit. Sie haben schon viel zu viel davon vergeudet. Mit indischen Quacksalbern ebenso, wie mit unseren weltberühmten Geistheilern."
Ganz genau.

"Was haben Sie in der Vergangenheit nicht alles auf sich genommen, um Ihr Lebensziel zu erreichen? Und Sie haben es erreicht. Und wie! Viele Frauen würden Sie um Ihr Aussehen beneiden. Wollen Sie das alles jetzt kampflos wegwerfen?"
Gut aufgebaut.

Es war paradox, aber ein Gefühl zärtlicher Zuneigung zu Doktor Martinez überkam sie, zugleich das Verlangen, ihren Kopf an seine Schulter zu lehnen.
Das fand ich sehr berührend. Überhaupt, wie sie sich in ihrer Verzweiflung zu Doktor Martinez hingezogen fühlt, finde ich sehr gut gemacht.

Sie stellte sich vor, er würde sie in den Arm nehmen und streicheln, bis sie eingeschlafen war und wenn sie wieder erwachte, gäbe es keinen Tumor mehr.
Ich möchte sie auch sofort in den Arm nehmen.

Miriam hatte gehofft, nach ihrem Geschlechtswechsel in ein neues, ein erfülltes Leben starten zu können,
Bamm! Ganz nebenbei. Gefällt mir sehr.

"Ach, ich hab' noch einen Tag in Manila abgehängt.
Kann auch wieder was Regionales sein, aber ich kenne nur: abgehangen. Es sei denn, sie meint, sie hätte noch einen Tag in Manila angehängt, weil sie länger geblieben ist. Das würde auch passen.

Damals, wenn sie manchmal aus bösen Träumen erwacht war, kam sie ins Bett der Eltern gekrochen, kuschelte sich eng an ihren Vater und erst in seiner warmen Umarmung fand sie wieder Schlaf.
Ich würde es bei diesem Satz belassen, der Rest ist mir zu infodumpig.

Als das Riff aus ihrem Blickfeld verschwunden war und sie über tiefblauem, grundlosen Nichts schwammen, tauchte der riesige Hai unter ihnen auf. Karin erstarrte und biss mit aller Kraft in das Mundstück ihres Schnorchels
Hier musste ich den Text erstmal wieder weglegen. :D

Allzu leicht konnte man von den kranken, halbverhungerten Tieren gebissen werden, was unabsehbare Konsequenzen nach sich ziehen konnte.
Hier hat mich das unabsehbar irritiert. Die Konsequenzen sind ja nicht unabsehbar. Wahrscheinlich würde sie Tollwut kriegen, wenn sie sich nach dem Biss keine Spritzen geben lässt. Möglicherweise noch andere Krankheiten.

Seit dem Rückweg vom Riff hatte sie alle Versuche Karins abgewehrt, über das Erlebnis zu sprechen.
alle Versuche klingt, als ob Karin die ganze Zeit gebohrt hätte. Das passte für mich nicht. Oder sie müsste von Anfang an aufdringlicher sein.

Du bist ihm schon einmal begegnet?", stieß sie hervor und sprang auf. Warum hast du mir nie davon erzählt?"
Hier fehlen die Anführungszeichen vor Warum

Wie kannst du nur davon träumen, mit einem Hai im Meer zu verschwinden?
Komische Frage. Man träumt doch alles mögliche. Vielleicht werde ich aber auch nur mit der Art der Dialoge nicht warm, und sie will darauf hinaus, dass Miriam Alpträume hat.

Sie wollten ja heute ihre Heimreise organisieren, und für die kommenden Tage war Schlechtwetter angesagt.
Das würde ich streichen. Der Leser weiß das ja schon, und das schlechte Wetter zeigt sich im nächsten Absatz, als es geregnet hat. Ansonsten hat es ja auf die Geschehnisse keinen Einfluss, es sei denn, ich habe etwas überlesen.

So, liebe Manuela, das war jetzt unverhältnismäßig viel Kritik, verglichen mit meinem Lesegenuss. Ein wirklich spannender Text!

Sehr gern gelesen von Chai.
 
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Hi Peeperkorn!

Wie schön, von dir besprochen zu werden. :)


Aber zu deinem Text. Ich habe den sehr gerne gelesen, die Stimmung, die Details, das Meer in seiner Faszination aber auch Bedrohlichkeit. Und ich hätte gerne noch mehr gelesen, vor allem, nachdem für Karin alles auf dem Tisch liegt. Danach geht es dann tatsächlich etwas schnell.
Ja, der Schluss geht relativ schnell. Zu schnell vielleicht. Mittlerweile habe ich den längeren Rückblick in Miriams Entwicklung rausgenommen, das war tatsächlich ein Stilbruch, und die beiden Schlussbilder etwas ausgebaut und fusioniert. Aber ich schau mir das nochmal an.


Vielleicht liesse sich der Fokus noch etwas schärfen. Dieser liegt ja mehrheitlich auf Karin: Aus ihrer Perspektive ist der grössere Teil des Textes geschrieben. Wenn du Miriams Szene in Manila streichst - was ich begrüssen würde -, dann hättest du nur noch eine Szene aus der Sicht von Miriam, die sich locker aus der Perspektive von Karin erzählen liesse (die Szene beim Mittagessen) plus Miriams Traum kurz vor Schluss, den sie ja auch Karin erzählen könnte.

Na ja. Die Hauptfigur ist natürlich Miriam und ich denke, sie ist ausreichend profiliert. Ich wollte die Story am Riff und mit Karin beginnen lassen und am Riff mit Karin beenden. Der Rückblick des Kennenlernens der beiden ist wohl ein Rückblick, aber szenisch, bildhaft dargestellt. Nicht narrativ. Ich denke, das wird so bleiben.
Die Manila-Szene kann ich nicht löschen. It's my darling!
Ich weiß, "kill your darlings" ist eine literarische Regel, aber diese Szene kann und will ich nicht löschen. Sie bleibt! :p


Das bringt mich auf die Idee, dass du die ganze Geschichte aus Karins Perspektive schreiben könntest und das vielleicht auch noch etwas chronologischer: Vor allem das erste Kennenlernen, das fand ich irgendwie schade, dass das in einer Rückblende geschieht. Also: Karin lernt Miriam kennen, die beiden freunden sich an, Karin merkt, dass da etwas nicht stimmt, die ständigen Kopfschmerzen, sie spricht Miriam drauf an, erhält ausweichende Antworten, und irgendwann - vor Miriams Begegnung mit dem Hai oder auch danach - erfährt Karin die ganze Geschichte. Und hier liegt doch der Konflikt, finde ich zumindest. Karin merkt, dass ihre neugewonnene Freundin nicht kämpfen will. Karin muss erst lernen zu akzeptieren, was Miriam bereits entschieden hat. Und da fände ich es schön, wenn das auch von der Textmenge her entsprechendes Gewicht bekäme.
Das ist eine sehr interessante Idee. Du kritisierst hier wohlwollend den Ablauf, ich werde darüber nachdenken. Ursprünglich hatte ich vor, einen Anfall Miriams während der Rückkehr vom Riff, also nach der Haibegegnung einzubauen, Karin zieht sie an Land und beginnt sie später mit Fragen zu löchern. Als ich die Geschichte vor Jahren begann, wollte ich alles aus Karins Perspektive erzählen, dann zog ich aber die wechselnde vor. Mal sehen. Dein Vorschlag ist jedenfalls reizvoll. Aber bevor ich so eine gravierende Änderung vornehme, muss der Text mal eine Weile abkühlen.

Die (reale) Dramatik liegt bei Miriam: Sie ist todkrank. Aber du verwendest - ausser dem Gespräch mit dem Arzt - darauf wenig Text. Ihre Entscheidung steht ja auch schnell fest, da gibt es kein inneres Ringen, kein grösserer innerer Konflikt, zumindest habe ich das so wahrgenommen.
Sie versuchte ja schon zuvor, ihrem esoterisch angehauchten Weltbild entsprechend, von Alternativheilern geheilt zu werden. Es war also nicht sofort klar, dass sie mit dem Hai in eine andere Welt verschwinden würde. Sie machte ja dennoch alle schulmedizinischen Untersuchungen. Anbei: Der Titel bezieht sich nicht nur auf ihren letzten Traum. Es geht (auch) um ihren gefährdeten, wenn nicht missglückten Lebenstraum schlechthin.


Oder aber, du machst beides. Das wäre natürlich der Hammer. Du erzählst aus beiden Perspektiven, arbeitest die inneren Konflikte beider Frauen vollständig aus. Da würde Miriam noch sehr viel mehr Raum benötigen und der Text würde insgesamt deutlich länger werden. Fände ich reizvoll.
Ebenfalls ein interessanter Vorschlag. Ursprünglich wollte ich Karin eine überwundene Krebserkrankung anhängen, als erfolgreichen Gegensatz zur "Flucht" Miriams in die Traumwelt. Das wäre dann Stoff genug für einen umfangreicheren Ausbau. Die Geschichte könnte dann gut doppelt so lange werden, als sie jetzt ist.


Nimm, was du brauchen kannst.
Das werde ich durchaus. Vielleicht wird ja ein Kurzroman daraus. Ich denke, das Potential dafür wäre vorhanden, folgte ich deinen Ausführungen.

Wie gesagt, und das möchte ich zum Schluss noch mal betonen, habe ich die Geschichte sehr gerne gelesen, die macht Kopfkino und als Leser habe ich mich immer wohlgefühlt im Text.
Und das ist letzten Endes wohl das Wichtigste! :)

Wo ich etwas gestutzt habe: Ein Riff direkt vor der Haustür und da kann man mit Haien tauchen und das Gebiet ist touristisch erschlossen? Meiner Erfahrung nach wenig plausibel, dass das ein Geheimtip bleibt. Wir sind immer mit Booten zu den Spots gefahren worden. Aber wie üblich bei solchen Einwänden, wirst du mich wohl eines Besseren belehren.
Ich hoffe keine Forumsregeln zu verletzen, wenn ich das etwas ausführlicher kommentiere:
Das Setting ist etwas zusammengestoppelt. Die Handlung spielt auf Mindoro, Mitte der 80iger Jahre. Damals war es dort noch möglich, quasi vom Ufer aus, in "blühenden" Korallengärten, umgeben von Fischschwärmen, Turtels und Seeschlangen zu schnorcheln. Wir lebten in einfachsten Holzhütten, ohne Strom und Fließwasser. Auch das beschriebene Riff liegt vor dem Talipanan-Point, ich war dort ehedem selbst mehrfach Apnoetauchen. Und man musste eine knappe halbe Stunde schwimmen, um hinzukommen. Mir zeigte damals ein dort lebender Tscheche und hervorragender Apnoetaucher, der aus der CSSR abgehauen war, dieses Traum-Riff. Ich sah dort alles, wirklich alles, aber keine Haie. Die holte ich mir aus Thailand. Von der felsigen Ostküste Koh Taos, die - im Gegensatz zur Westküste - bis vor wenigen Jahren touristisch kaum berührt war. Damals wimmelte es vor Ao Tanote, Ao Leuk, noch mehr am Laem Tian, primär in den Morgenstunden, von Blacktips, auch ihre größeren Verwandten, die eigentlichen Grauhaie konnte man gelegentlich sehen. Heute ist das LEIDER vorbei. Nach jahrelangem organisierten "Sharkwatching" und dem geradezu überbordenden Tauch- und übrigen Massentourismus, mit knatternden Dieselmotoren, Drachenbooten und Kompressorlärm - teils sogar bei Nacht - haben sich die Haie, nebst vielen anderen Lebensformen, wohl endgültig verflüchtigt. Dafür wimmelt es dort heute von Plastikmüll und anderem menschlichen Dreck. Wie überall, wo wir unseren Fuß hinsetzen.

Danke nochmals für deine durchwegs konstruktive Kritik und das Lob für gelungene Abschnitte. Ich nehme die Geschichte sicher nochmal zur Hand.

Grüezi,
Manuela :)
 
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Hi Chai!

Mit deiner Besprechung tue ich mich leicht, da sie überwiegend positiv ausgefallen ist. Vor allem: Es gibt für mich nichts Schöneres, als den Leser (auch) emotional zu erreichen, seine Empathie für die Figuren zu wecken, sodass er mitfühlen kann. Nur dann sind sie lebendig und plastisch. Diesen Eindruck gewann ich von deinem Statement, was mich außerordentlich freut. :)
Die offenen Fragen im Text, wohin verschwindet Miriam, was ist Traum, was ist Wirklichkeit, und deren großer Interpretationsspielraum sind durchaus Absicht. Das soll im Auge des Lesers liegen und auch dort bleiben.

Anbei: Karin muss nicht zwingend erkannt haben, dass Miriam transident ist. Ich selbst kenne einige Betroffene, die derart gut aussehen (im Sinne von authentisch), auch stimmlich gut angepasst sind, sodass es kaum möglich ist, sie als Transgender zu erkennen. Und das trifft nach Ansicht des Onkologen auf Miriam durchaus zu.

Deine Vorschläge zur Textverbesserung habe ich großteils und gerne übernommen. Nur Weniges beließ ich, aus Gründen der österreichischen Sprachfärbung.
Ich zitiere dazu Karl Kraus: Das Trennendste Element zwischen Österreichern und Deutschen ist die gemeinsame Sprache.

Danke für deinen Kommentar.

Yours sincerely,
Manuela :)
 
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Hallo @Manuela K. ,

ich bin noch nicht sicher, ob ich dieses Jahr noch in den Urlaub fahre, umso mehr freue ich mich, durch deine Beschreibungen ein wenig Urlaubsfeeling zu bekommen. Tolle Schilderungen der Unterwasserwelt, als wäre man mit dabei!

Ich finde es grundsätzlich bei Geschichten interessant, wenn nicht so ganz klar ist, was nun wirklich passiert und was nicht, auch deswegen und durch deine anschaulichen Formulierungen habe ich sie gerne gelesen. Du verbindest geschickt ein ernstes Thema mit der idyllischen Umgebung.

Einziger Kritikpunkt aus meiner Sicht sind die Dialoge, ich finde sie teilweise zu sachlich und allgemein erklärend, aber das wurde ja zuvor schon erwähnt. Hierdurch wird es dann auch schon mal etwas tellig.

Und noch einige Details:

In solchen Momenten verschmolz sie mit ihrer Umgebung zu einer lebendigen, pulsierenden Einheit, einem größeren, untrennbaren Ganzen, in dem sie Ehrfurcht, Respekt, aber auch Geborgenheit empfand.
Ein langer Satz, ich würde einen Punkt nach "Einheit" setzen.

Karin entspannte sich, hob den Kopf und blickte in Richtung Ufer. Erleichtert erkannte sie die Palmblattdächer der vordersten Holzbungalows. Wie Strohhüte schwammen sie für ein paar Sekunden auf der Wasseroberfläche, um gleich darauf wieder unterzutauchen, wenn Karin in das nächste Wellental sank. Das Meer wurde seichter, abgestorbene Korallenstöcke und wogendes Seegras tauchten unter ihr auf, Karin entspannte sich.
Das zweite "Karin entspannte sich" würde ich umformulieren, ggf. kann du es auch ganz entfallen lassen.

"Was ist los, Miriam? Something wrong?"
Warum englisch?

Wenn sie dann wieder auftauchte, strahlte sie lächelnde Zuversicht aus und tat, als wäre nichts gewesen.
lächelnd

Karin dachte an jenen Tag, an dem sie einander kennengelernt hatten.
Vorschlag: ... an dem sie einander kennenlernten.

"Jaaa." Karin gähnte und streckte alle Glieder von sich. "Bin heute frühmorgens in Manila gelandet. Ich hab gedacht, der Flug nimmt kein Ende. Dann drei Stunden mit dem Bus nach Batangas, noch mal drei Stunden mit der Fähre nach Puerto Galera und zuletzt noch eine Stunde mit dem Jeepney zum White-Beach. Und jetzt ..."
Ein Beispiel für einen Dialog, den ich mir so recht schwer vorstellen kann, wo sich beiden doch gerade erst kennenlernen. Klingt doch sehr ausführlich und sachlich, gerade wenn beide auch entsprechend müde sind.

Sie verzog angewidert ihr Gesicht und kratzte sich am Hals.
"das" statt "ihr", passt dann auch besser zum Rest des Satzes

Karin streckte den rechten Daumen hoch und nickte gähnend. Dann blies sie die Kerze aus.
Vorschlag: Sie blies die Kerze aus. (damit der Satz nicht mit "Dann" beginnt)

Eine geradezu lähmende Angst, die ihr die Beine weich machte, den Mund austrocknete und einen feuchten Film auf ihre Handflächen trieb.
Hab gerade auch keine Idee, aber vielleicht findest du noch etwas besseres als "weich machte" ;
"die" statt "ihre", du benutzt ja zuvor auch keine Pronomen

Das Lächeln, der in westlicher Eleganz gekleideten Empfangsdame wirkte frostig und passte perfekt zu den weißen Wänden der Ordination mit ihren blank geputzten Kacheln.
Kein Komma nach "Lächeln", glaube ich ...

"Hello, Miss Schneider! Nice, to see you."
Kein Komma nach "Nice"

Im Grunde genommen interessierte es sie nicht, wofür er ausgezeichnet worden war, sie wollte sich nur ablenken und je länger Miriam auf die Zeugnisse starrte, desto mehr verschwammen sie vor ihren Augen zu einer formlosen Masse.
Auch diesen langen Satz würde ich trennen, also ein Punkt nach "ablenken" ; "und" streichen und "je" groß geschrieben

Sie fühlte sich leer, einsam und hilflos, wie zwei Wochen zuvor in der Röhre des Computertomografen im Privat-Hospital-Manila und erneut vermeinte sie, die halblauten Stimmen der untersuchenden Ärzte zu hören, die sich in fremder Sprache über ihren Zustand austauschten.
Auch hier: Ein Punkt nach "Manila", den Satz unterteilen

Karin saß im schattigen Vorgarten des Guesthouse und las, als sie die mehrstimmige Hupe vernahm, mit dem die Jeepneys den Stränden ihre Ankunft verkünden.
der ; verkündeten (oder geht "verkünden", da es allgemein/immer gilt?)

Damals, wenn sie manchmal aus bösen Träumen erwacht war, kam sie ins Bett der Eltern gekrochen, kuschelte sich eng an ihren Vater und erst in seiner warmen Umarmung fand sie wieder Schlaf ...
erwachte ; die drei Punkte am Ende würde ich entfernen

Noch zehn Meter ... fünf ... drei ... da drehte der Hai plötzlich ab, kehrte aber sofort wieder um und begann Karin und Miriam langsam in weiten Bögen zu umkreisen.
Sehr spannend geschrieben!

Dieses Tier war ein rätselhaftes Phänomen und mehr und mehr schien es Karin, als würden sie nicht von einem Fisch, sondern von einem denkenden Wesen beobachtet, das tief in ihre beiden Seelen blickte.
"beiden" könntest du streichen

Der Spuk war vorüber. Die beiden waren alleine.
"Sie" statt "Die beiden"

Aber Miriam hielt nur einen Zeigefinger vor ihren Mund und schüttelte heftig den Kopf.
"den" statt "ihren" , vor "Kopf" verwendest du ja auch einen Artikel

Es gab kaum einen Hund, dessen Körper nicht von Narben und schwärenden Bisswunden übersät war
Ich finde die Beschreibung zu den Hunden zu ausführlich, es ist ja so detailliert für die Handlung nicht wichtig und wirkt fast wie ein kleiner Exkurs zu diesem Thema

Dabei ist er extra zurück gekommen und hat auf mich gewartet."
zurückgekommen (glaube ich)

Noch war von den angekündigten Gewittern nichts zu bemerken.
merken

Langsam zogen immer mehr Wolken auf, von Ferne hörte man leises Donnern.
"aus der" statt "von"

Miriam streckte ihre Hand nach ihm aus, er glitt an ihre Seite und hielt an. Miriam streichelte ihn zärtlich am Kopf, dann ergriff sie seine Rückenflosse ...
Zweimal hintereinander der gleiche Satzbeginn

Karin hoffte, dass Miriam den Schnorchel nur verloren hätte und längst zurück wäre.
hatte ; war

Danke für die interessante Geschichte und viele Grüße!
Rob
 
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Hallo Rob F!

Vielen herzlichen Dank für deine ausführliche Textarbeit. Ich weiß, wieviel Arbeit dazu nötig ist. Du hast mir damit sehr geholfen! Ich habe nahezu alle Vorschläge angenommen, sie haben meinen Text besser gemacht. No na, sagt man da in Österreich. (Was sonst?)
Ich freue mich natürlich vor allem, dass ich dich mit meiner Geschichte erreichen konnte und dir Lesefreude bescherte. No na. ;)
Die Hundeszene ist wohl einer meiner Lieblinge, aber du hast schon Recht, sie ist relativ groß ausgebaut und bringt weder den Plot weiter, noch profiliert sie eine Figur. Na ja, etwas schon ... Miriams Empathie ... aber ich will sie noch nicht straffen, obwohl ich vorhabe, später die gesamte Geschichte behutsam zu vertikutieren. Das mache ich aber erst, wenn der Text eine Weile liegt und etwas abgekühlt ist. Dazu brauche ich emotionale Distanz. Noch bin ich meinen Figuren zu eng verbunden.

Karin saß im schattigen Vorgarten des Guesthouse und las, als sie die mehrstimmige Hupe vernahm, mit dem die Jeepneys den Stränden ihre Ankunft verkünden.

der ; verkündeten (oder geht "verkünden", da es allgemein/immer gilt?)
Das laute Hupen gilt (galt) allgemein. Ich denke, das ist auch heute noch so.


Damals, wenn sie manchmal aus bösen Träumen erwacht war, kam sie ins Bett der Eltern gekrochen, kuschelte sich eng an ihren Vater und erst in seiner warmen Umarmung fand sie wieder Schlaf ...

erwachte ; die drei Punkte am Ende würde ich entfernen
Ist halt so eine Sache mit dem Plusquamperfekt. Wenn ich einen Rückblick aus dem Präteritum mache, muss er im Plusquamperfekt stehen. Normalerweise leite ich die Vorvergangeneheit nur mit dem ersten Satz ein und kehre dann in die Mitvergangenheit zurück, um mich dann mit dem letzten Satz des Rückblicks wieder aus dem sperrigen Plusquamferfekt zu verabschieden.
Habe dennoch deinen Vorschlag angenommen. Um der flüssigeren Lesart Willen. ;)

Aber Miriam hielt nur einen Zeigefinger vor ihren Mund und schüttelte heftig den Kopf.

"den" statt "ihren" , vor "Kopf" verwendest du ja auch einen Artikel
Habe wegen der Artikeldoppelung einmal "ihren" geschrieben. Bin dabei geblieben, habe aber die Abfolge getauscht.

Noch einmal allerherzlichsten Dank für deine Textarbeit!!

Lieben Gruß,
und vielleicht wird's ja noch was mit dem Urlaub. Vergiss nicht auf die Taucherbrille!

Manuela :)




 
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Karin saß im schattigen Vorgarten des Guesthouse und las, als sie die mehrstimmige Hupe vernahm, mit dem die Jeepneys den Stränden ihre Ankunft verkünden.
der ; verkündeten (oder geht "verkünden", da es allgemein/immer gilt?)

Das laute Hupen gilt (galt) allgemein. Ich denke, das ist auch heute noch so.
ist ja geradezu die richtige Einleitung für einen Kühlschrank wie mich,

liebe Manuela,

und meine, es geht jenseits von Temporalsätzen so einiges mehr, als sich der reine Grammaticus vorstellen mag, wie hier, wo man einen Einschub der Art mitdenken kann, ohne ihn aussprechen, pardon, ausschreiben zu müssen
Karin saß im schattigen Vorgarten des Guesthouse und las, als sie die mehrstimmige Hupe vernahm, mit dem die Jeepneys den Stränden ihre Ankunft [auch morgen noch]
verkünden.
Es kommt immer darauf an, was der Autor sagen will und nicht nur auf das, was die mehr oder weniger heiligen Schriften verlangen – aber gemach, dafür hab ich an dem Satz einen Genitiv, wenn auch minimalistisch anzuprangern, nämlich den schattigen Garten „des Guesthouse‘“.

Mitgenommen hat mich übrigens neben der eigentlichen, tragischen Geschichte das Schlaglicht aufs Schicksal der verwildernden Hunde, die sich ja auch im Mittelmeerraum finden lassen nebst den Tötungsstationen („Belgia“, eine Groenendaele, immer noch meine Lieblingshündin und in meinen Anfängen hierorts verewigt, deren Fell in der Sonne hennafarben leuchtete, wurde von einer Tötungsstation „freigekauft“). Aber wie dem auch sei, alles schon gesagt, dass nur mehr noch ein paar Flusen aufzulesen wären
(in der Reihenfolge ihres Auftritts), zunächst etwas keineswegs falsches, jedoch entbehrliches Wörtchen

Jetzt hatte sie der erste erreicht, mit eleganten Bewegungen schwamm er neben ihr her.
Und hier in der Folge des Konj. irrealis
Hätte sie den Arm ausgestreckt, eine Berührung wäre unvermeidlich gewesen.
lässt sich gefahrlos das letzte Hilfsverb einsparen (eigentlich alle etwa in der Art „streckte sie den Arm aus, eine Berührung bliebe unvermeidlich“ oder noch eleganter „… eine Berührung ließe sich nicht vermeiden.“)

aber was ist ein „dickes“ Blau?
Mit mächtigen Schwanzschlägen stoben die Schwarzspitzenhaie auseinander, Sekunden später waren sie vom dicken Blau des Meeres verschluckt.
Da wird doch keine Farbe „dick“ aufgetragen in der Lichtbrechung oder als Widerspiegelung des himmlischen Blau‘! Vllt. meinstu besonders dunkles Blau?, wird doch gleich ein „undurchdringliches“ Blau genannt ...

Sie vermied es[,] in den langen Minuten über grundlosem Wasser ihren Blick nach unten zu richten.
Sie hatte Angst davor, nichts zu sehen, als undurchdringliches Blau, nichts zu hören, als leises, sirrendes Rauschen, das aus ferner Weite zu kommen schien.
Die vergleichende Konj. „als“ leitet keinen vollständigen Satz ein – also Kommas auf jeden Fall weg. Wenn eine Pause angezeigt werden soll, wären Gedankenstriche sinnvoll, im Folgesatz erfolgt die Kommasetzung ja korrekt
Als sie aus dem Wasser stieg, warf sie …
Warum hier
"Jaaa."
die comic-hafte Dehnung, da böten sich ans standardgemäße ja „nachhallende“ Auslassungspunkte, -strich an

"Auf den Philippinen … war beneidenswert hübsch. Wär' mir fast nicht aufgefallen.[…]"
"Aber ... ich bin doch extra nach Baguio gefahren, zum berühmtesten Heiler[,] den es auf den Philippinen gibt.
Jetzt war es so[...]weit, ihre Schultern zuckten, sie begann zu weinen.
Soweit ich weiß, nur als Konjunktion zusammen, ansonsten als unbestimmte zeit/örtliche Angabe immer auseiander.
Mein Tipp: Im Zweifelsfall auseinander und die Fehlerquote sinkt von 0,9 auf 0,1!
Was werd ich also hier „empfehlen“?
"Soweit wird es nicht kommen, Frau Schneider.
Klassische als-ob-Situarion, nix irrealeres als das
Sie stellte sich vor, er würde sie in den Arm nehmen und streicheln, bis sie eingeschlafen war und wenn sie wieder erwachte, gäbe es keinen Tumor mehr.
und schreit förmlich nach Konj. II auch an der Stelle, „bis sie eingeschlafen wäre“!

Hier leitet das „als“ einen vollständigen Satz ein, der aber auch sein Ende vorm „und“ schon findet, das gleichrangige Satzteile des Hauptsatzes verbindet
Eine Muräne tauchte tief unter Karin auf, wand sich die Riffwand hoch, öffnete das Maul, als würde sie gähnen[,] und verschwand in einer Felsspalte.
Da ist es noch mal, aber eleganter als ein „dickes“ Blau, darüber aber nicht in die Fälle-Falle tappen!
Als das Riff aus ihrem Blickfeld verschwunden war und sie über tiefblauem, grundlose[m] Nichts schwammen, tauchte der riesige Hai unter ihnen auf.
Dieses Tier war ein rätselhaftes Phänomen und mehr und mehr schien es Karin, als würden sie nicht von einem Fisch, sondern von einem denkenden Wesen beobachtet, das tief in ihre Seelen blickte.
Warum Du hier, wiewohl es ansonsten gelingt (s. o.), „scheinen“ für ein Vollverb betrachtest, bleibt mir ein Rätsel. Entweder „erschien es Karin“ oder „schien es zu sein“
- ein Beispiel folgt noch weiter unten im
Sie blies den Rauch aus und wies mit der Hand ins Wasser. Miriam konnte eine grünlich glitzernde Wolke erkennen, die sich mit dem Wellenschlag zu bewegen schien.
Komma!,
Eine schwache Brise strich durch die Palmen und Kasuarinen, die den wackeligen Holzbungalow umstanden[,] und brachte Miriam und Karin etwas Kühlung in der brütenden Nachmittagshitze.
der Relativsatz ist zu Ende „und“ der Hauptsatz fortgeführt

Die Hunde hatten sich getrollt[,] nachdem keine Nahrungsreste mehr kamen und suchten anderswo ihr Glück.
und letztlich
Die Sicht war schlecht, der Regen der letzten Nacht hatte das Wasser trübe gemacht.
Warum „trübe machen“ wenn „trüben“ doch als Verb voll anerkannt ist?

Trotz der Arbeit und vor allem des ernsten Themas, gern gelesen vom

Friedel
 
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Bonsoir Monsieur Friedel!

Und gleich zu Beginn herzlichen Dank für's Vorbeischauen. Ich hatte insgeheim auf deinen sprachlichen Feinschliff gehofft, wissend um deine Kompetenz, und siehe, er ist eingetreten. Im eigenen Text ist mancher etwas sehbehindert, ich auch. Manche Kleinigkeiten entstehen auch während der Bearbeitung, durch Straffung, Satzumbau etc. Da rutscht schon mal ein Komma fälschlich raus oder rein, da steht ein Nebensatz gleich mal im falschen Kasus, wie bei der mehrstimmigen Hupe. :)
Die allermeisten deiner Vorschläge und Korrekturen habe ich gerne übernommen, nur Weniges nicht, wie z.B. die Konjunktiv-Alternative im Eröffnungsbild.
Mein Text ist jedenfalls Dank deines Kommentars wieder um ein Stück besser geworden. Wenn dir die Geschichte insgesamt gefallen hat, freut mich das um so mehr. Jetzt, nach deutlicher Straffung (4 Normseiten weniger), Ausbau des Schlussbildes und Stilglättung, gefällt sie mir auch schon viel besser, als noch vor einer Woche. Langsam denke ich ans Ausdrucken. ;)
Ja, die Hunde auf den Philippinen. Arme Hunde! Allerdings hatte ich bei meinem letzten Aufenthalt 2019 das Gefühl, ihre Situation hätte sich gebessert, war aber nur auf zwei Inseln und in Manila. Derart krasse Bilder, wie in den 80igern, sah ich nur noch in kleineren Städten, was durchaus Hoffnung gibt.

Tja, was soll ich noch sagen? Am besten erneut Danke, und gerne wieder!

Alles Liebe,
Manuela :)
 
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Hallo @Manuela K. :-)

Mir hat die Stimmung, die Atmosphäre Deiner Geschichte sehr, sehr gut gefallen. Eine ruhige, eine reduzierte Geschichte, trotz der scheinbaren Dramatik. Ich mag Texte, die "in einem Ganzen" flüssig sind. Anders ausgedrückt: Es ist kein Text, in dem man von einer Stelle, einer Insel zur nächsten springt und das dazwischenliegende Meer wabert als textueller Füllstoff. Der Text wirkt rund. Es gibt keine Stellen, die herausragen. So etwas empfinde ich als außerordentlich, da ja der Arbeitsprozess des Schreibens oft von einer Stelle zur nächsten hangelt, man arbeitet sich stationsweise vor, das merkt man als Leser. Kann gut gehen, kann schlecht gehen, kann gar nicht gehen.

Rein subjektiv ist das kein Thema, was mich anspricht, was aber überhaupt nichts mit der Qualität deiner Geschichte zu tun hat, jeder haben eben seinen eigenen Geschmack (fünf Euro in das Phrasenschwein, tada). Die Atmosphäre deiner Geschichte zieht sich über alle Szenen. Sie ist losgelöst von dem, was passiert. Das zeigt mal wieder, was Schreiben vermitteln vermag. Dein Text behält die Balance: Er löst sich nicht im diffus-philosophischen Nichts auf, er plakatiert nicht mit blöder Westler-in-den-Tropen-Kritik oder dem Glaubenskonflikt empirisch-evidente Medizin vs. Naturheilweisheit. Und: Er reduziert auf zwei Personen. Oft versucht man ja, über eine Nebenfigur die Hauptfigur zu pointieren. Bin inzwischen sehr kritisch, was das angeht, aber das ist ein anders Thema.

Interessant finde ich, wie wenig man über Karin erfährt. Sie wohnt in Transdanubien, auf der anderen Donauseite Wiens. Und sie macht Urlaub oder Sabbatical, Findungsphase, Harmoniesuche, Erholung, bissche Abenteuer, Abschöpfen guter Geschichten zur heimischen Verwertung im Büro, etwas in die Richtung, auf den Philippinen. Oder, das wäre ein Stoff für eine Weiterentwicklung, sie spielt, genau wie Miriam ihr gegenüber, nur etwas vor.

Ich schreibe einfach auf, was mir aufgefallen ist. Jetzt werden es doch Stellen.

Langsam kamen sie näher. Ruhig, mit gleichmäßigen Schwanzschlägen. Das war kein Angriffstempo, eher ein neugieriges Herantasten. Schon umkreiste ein halbes Dutzend Schwarzspitzenhaie die Schnorchlerin. Jetzt hatte sie der erste erreicht, mit eleganten Bewegungen schwamm er neben ihr her. Karin lächelte hinter ihrer Taucherbrille. Hätte sie den Arm ausgestreckt, eine Berührung wäre unvermeidlich gewesen. Der Gedanke war reizvoll, sie überlegte kurz, wagte es aber nicht. Auch zu ihrer linken schwammen zwei Haie, neugierig wurde sie von allen Seiten beäugt. Karin genoss das Gefühl, ein Fisch unter Fischen zu sein. In solchen Momenten verschmolz sie mit ihrer Umgebung zu einer lebendigen, pulsierenden Einheit. Einem größeren, untrennbaren Ganzen, in dem sie Ehrfurcht, Respekt, aber auch Geborgenheit empfand.
Ein toller Beginn. Was mir auffällt: Alles ist in Bewegung, aber passend. Harmonisch, ich nehme mal das Wort. Nicht nur die Haie, die sich bewegen, sondern auch die Gedanken. Obwohl die Szene ja prinzipiell super furchteinflößend sein könnte. Ein sehr stimmungsvolles, zeitloses Bild.

Die Frau in Seide war ihr sofort sympathisch.
Vielleicht das "in Seide" streichen? Subjektiv empfand ich Seide für Miriam unpassend. Der Stoff ist für eine Miriam zu schickimicki, finde ich.

Ich werde Sie sofort in Wien avisieren
Ein schönes Wort. Avisieren, seltsam, da eröffnete sich gleich eine Assoziation an etwas komplizierter klingende Wörter für routinierte Alltagshandlungen, ich mag keine Stereotype befeuern, aber: Typisch österreichisch :-) Obwohl, manchmal hört man hier in der Leipziger Tieflandsebene auch ein "Konsultation beim Phoniater" :-)

"Was haben Sie in der Vergangenheit nicht alles auf sich genommen, um Ihr Lebensziel zu erreichen? Und Sie haben es erreicht. Und wie! Viele Frauen würden Sie um Ihr Aussehen beneiden. Wollen Sie das alles jetzt kampflos wegwerfen?" Er legte seine Handflächen sanft auf ihre Schultern und suchte ihren Blick. "Nicht aufgeben, Miriam. Kämpfen Sie. Bestimmt wird noch alles gut."
Nach der Information über die Geschlechtsumwandlung las ich die Stelle noch einmal. Vielleicht denkt Herr Martinez: Na, da hat die Medizin doch ganze Arbeit geleistet. Eine Geschlechtsumwandlung hat doch in erster Linie etwas mit der Identitätssuche zu tun und in zweiter Linie mit der Gestaltung seines Äußeren. Wenn Miriam am Südpol steht, steht dieser Arzt am Nordpol - er redet vom Kämpfen, obwohl deine Miriam nach Einheit, Harmonie strebt, vielleicht im Alltag auch konfliktscheu handelt. Er redet von Zielen, vom Erreichen, von dem Zerteilen des Alltags in viele kleine Ziele, Miriam von zeitlosem Dasein. Zwei völlig unterschiedliche Charaktere. Zwei völlig andere Arten, mit der Welt umzugehen. Mich hat verwundert, dass Miriam ihm die Erfahrung mit dem Wunderheiler erzählt hat. Ich schätze deine Miriam als außerordentlich empathisch ein. Sie wird wissen, dass ein Dr. Martinez dieses Verhalten so richtig schlecht findet und nur über unkontrollierte Verzweiflung begreifen kann. Ist sie so verzweifelt in der Situation, dass es aus ihr "herausplatzt"?

Er streckte ihr seine Hand entgegen und sah sie erwartungsvoll an. "Also?"
"Versprochen!" Miriam drückte seine Hand, nahm das Kuvert und verließ die Ordination, ohne auf die Frage der Vorzimmerdame nach einem neuen Termin zu antworten.
Die Vorzimmerdame weiß nicht, dass Miriam nach Wien zurückreisen soll, oder? Sonst erübrigt sich die Frage nach dem Termin eh.

Bis spätestens Samstag wollte sie wieder am White Beach sein. Heute war Samstag. Es gab keine Taifunwarnung, die Fähre zwischen Batangas und Puerto Galera ging zweimal täglich.
Ja, so etwas kann eben nur Sprache: Über das Gegenteil einen Effekt erzeugen, hier das Erwähnen einer Taifunwarnung, die ja eben gar nicht verkündet wird und so bleibt das Bild einer ruhigen, wellen-wiederholenden See.

White Beach: Herrlich touristischer Begriff aus der Ersten Welt. Ich lese so etwas schnell satirisch. Ist ja eine beliebte, platte Kulturkritik: Der auf Authenzität und neuer kultureller Erfahrung suchende Erstweltler sucht nur jene Form von Authentizität, die er sich selbst exakt vorstellt. Also ernährt er sich wie ein armer Philippine von gebratenem Fisch und Reis (auch, weil er es kann), liebt die Ruhe, legt sich in Hängematten am White Beach an Hütten, die für ihn typisch philippinisch wirken. Da kann man jetzt eine ewige Diskussion beginnen. Ich meine das nicht wertend. Aber vielleicht nutzt Miriam einen anderen, einheimischen Begriff für den Strand, während Karin eher vom White Beach redet? Sagt ja viel darüber aus, wie wichtig ihnen Authentizität und bewusstes Reisen bedeutet.

"Ach, ich hab' noch einen Tag in Manila abgehängt. Hab' in der Lodge einen süßen kanadischen Rastafari kennengelernt. Der hatte blonde Zöpfe bis hierhin. Sie zeigte mit der Hand an ihre Hüften. Erst führte er mir sein Motorrad, eine englische Royal Enfield vor, abends waren wir tanzen und nachher ..." Sie grinste zweideutig. "Ist spät geworden. Und natürlich hab' ich gestern die Morgenfähre von Batangas verschlafen. Nachmittags waren dann die Wellen zu hoch, da sind sie nicht gefahren", sie zuckte mit den Achseln, "was soll's, dafür waren es heute nur drei Stunden ... jetzt bin ich ja hier." Sie umarmte Karin und küsste sie auf beide Wangen. "Wie sieht's aus? Heute schon im Wasser gewesen?"
"Nein, aber wenn du nicht zu müde bist, können wir das gleich nachholen."
Für mich eine zentrale Stelle (jetzt also doch Stelle!): Warum diese Geschichte? Warum erzählt sie Karin etwas über einen kanadischen Rastafari in Manila und nicht etwas von, du, ich habe ein paar Leute kennengelernt und es wurde eben spät oder, du, ich wollte noch in ein Museum zur Kolonialgeschichte oder, du, Manila, da gibts eine wunderschöne Aussicht auf den Hafen, mit dem TukTuk bis zur spanischen Mole ... mein Verdacht: Sie erzählt eine Geschichte, die Karin hören will. What happens at White Beach, stays at White Beach, vielleicht einer der Motive für Karins Reise. Wir wollen etwas erleben, deswegen ab zum White Beach. So ist Miriam eine ungewöhnlich feinfühlige, harmoniesuchende und empathische Persönlichkeit. Vielleicht erklärt das auch ihre Geschlechtsumwandlung, der ja eine lange, lange Identitätssuche vorausgegangen ist.

***

Liebe @Manuela K. , mir hat deine Geschichte sehr gut gefallen. Vielleicht kann man Karin noch etwas stärker charakterisieren, was sie dort macht, was sie erlebt hat, was sie sucht, die Motive. Deine Geschichte empfand ich aber auch deswegen als sehr schön, weil sie so reduziert wirkt: Sie arbeitet mit wenigen Szenen, mit sehr wenigen Charakteren, der rote Faden ist immer erkennbar und führt durch die Story. Ich bin mir unsicher, ob die Geschichte daher verlängert werden sollte (Karins Reaktion) oder gar mehrere Jahre später rückschaut.

Lg an den Donaukanal,
kiroly
 
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19.05.2006
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Hallo Kiroly!

Was soll ich noch zu einer derart positiven Besprechung sagen? Ich freue mich aus ganzem Herzen über deinen Kommentar und bedanke mich ausdrücklich dafür. :kuss:
Habe heute zusätzlich ein "außerforales" lobendes Feedback erhalten, das aber ebenfalls ein stärkeres Profil Karins einfordert. Das hat ja auch hier schon der eine oder andere angedacht. Muss wohl was dran sein.
Ich hatte im Erstentwurf bereits mit einer Einleitung zu Karins Hinergrund begonnen, sie aber dann doch wieder verworfen, davon übrig blieb nur der kurze Anriss mit ihrem Vater. Ich habe fix vor, die Story noch etwas auszubauen, was Karins Innen- und Vorleben anbelangt. Aber: Ich kann nur eine gewisse Zeit lang in einer Story herumwühlen, dann brauche ich Abstand. Emotionalen Abstand, besonders bei dieser Geschichte. Die zwei sind mir in den letzten Wochen einigermaßen ans Herz gewachsen.
Die Geschichte mit dem kanadischen Rastafari kann wahr sein, oder aber auch nicht. Dies zu interpretieren überlasse ich dem Leser. Ebenso wie die Interpretation des Endes der Story.
White Beach heißt der Strand in Oriental Mindoro seit den frühen 70iger Jahren. Gleich daneben liegt der "White Sand Beach". Namensgeber waren die Philippinischen Landbesitzer, nicht die Touris. Damals, in der Zeit, in der die Geschichte spielt, gab es dort nichts anderes, als einfache Holzhütten ohne Strom und Fließwasser, dazu ein hölzernes Guesthouse auf gestampftem Sandboden, mit Öllämpchen und einfachen Mahlzeiten. Wer das wollte, war hier richtig und ideologisch meilenweit entfernt von Massentourismus und Ballermann.

Wohn' zwar nicht am Donaukanal, sondern am Rand des Wienerwaldes,
aber von dort schicke ich herzliche Grüße,

Manuela :)
 
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Guten Tag,

irgendwie nörgelt es wie folgt in mir :

"Sie vermied es in den langen Minuten über grundlosem Wasser ihren Blick nach unten zu richten"
( Mit dem Satz stimmt in Bezug auf Zeichensetzung -meiner bescheidenen Meinung nach -defintiv etwas nicht ).

"das aus ferner Weite zu kommen schien."
(Wie ? )

Schönen Sonntag,

DF
 
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Tja, die mangelhaft dargestellte Parenthese. Da fehlen wohl die beiden Kommas.
Tja, und wie ist das mit: Die Zeit schien still zu stehen??? Eine Ausdrucksform, die durchaus zulässig ist, meiner bescheidenen Meinung nach. Außer in diesem Forum wurde "es schien sich zu ..." noch nie in meinen Texten moniert. Aber, man lernt nie aus.
Tja, und dann noch: die ferne Weite. So weit, so fern von guter Literatur.

Danke, für den konstruktiven und umfassenden Kommentar.
 
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Liebe Manuela,

der Einstieg Deiner Geschichte ist mega! Ich bin sofort mitten in der Szene. Sehr poetisch, detailgetreu und wunderschöne Bilder, die da in meinem Kopf entstehen. Die Protagonistin ist mir sofort sympathisch und ich kann fühlen, was sie fühlt, bin voll bei ihr.

Als Du zum ersten Mal von Miriam sprichst und andeutest, wie schlecht es ihr geht, mache ich mir als Leser sofort Sorgen und frage mich, was mit ihr los ist. Die Neugierde ist geweckt. Das Kennenlernen der beiden Frauen ist ebenfalls sehr schön beschrieben. Ich habe das Gefühl, dass ich es live miterlebe.

Die Beschreibung über Indien ist mir dann etwas zu genau. Wie wichtig ist das denn für die Story? Finde ich ein wenig langweilig und reißt mich aus dem Flow.

Auch die Perspektive von Miriam zieht mich sofort in ihren Bann. Es ist, als würde ich sie zu ihrem Arztbesuch begleiten. Sehr interessant finde ich es, dass sie ihr Geschlecht gewechselt hat. Du hattest zwar oben in der Unterhaltung die Thematik einfließen lassen, aber so subtil, dass ich nicht draufgekommen wäre, dass es auf eine der Protagonistinnen zutrifft.

Die Szene mit dem Hai ist einfach unglaublich und verursacht mir Gänsehaut. Mega geil beschrieben. Ich finde es gut, dass Miriam sich danach endlich öffnet und Karin alles erzählt.

Das Ende ist aufwühlend. In einem Thriller wäre das ein sehr gelungener Cliffhanger. Man kann einen Punkt setzen oder sich als Leser tausend Fragen stellen? Warum hat sie nicht gekämpft, ist nach Hause geflogen und hat sich behandeln lassen? Hatte sie Halluzinationen aufgrund des Tumors und ist deswegen mit dem Hai geschwommen? Wollte sie vor der Abreise einfach nur noch mal schwimmen gehen und dann ist ein grauenvoller Unfall passiert?

Die Geschichte lässt mich atemlos zurück. Sehr gut gemacht!

Das Einzige, was ich ein wenig bemängeln würde, sind hier und da zu ausschweifende Beschreibungen, aber das ist Geschmackssacke.

Eine Kleinigkeit ist mir aufgefallen:
Zitat Manuela: Der Wind warf ihn hin und her, Karin konnte das leise Klirren bis zur Wasserlinie hören.
Das passt für mich nicht zusammen. „warf“ und dann „leises Klirren“. Das widerspricht sich irgendwie

Alles in allem wirklich grandios.

Danke fürs Teilen dieser wundervollen Geschichte.

LG Silvita
 
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Hallo Silvita!

Deine positive Besprechung freut mich außerordentlich! Zumal mit deinem allerersten Beitrag in diesem Forum! Be warmly welcomed! :)
Ich bin gerade dabei, die Geschichte behutsam zu straffen. Da wird - neben "allzu ausschweifenden Bildern" - wohl auch der indische Rückblick ein paar Sätze verlieren. An Ablauf, Perspektive und Figurenprofilen werde ich nichts Wesentliches mehr ändern. Das sollte mittlerweile halbwegs stimmig sein.
Das "leise Klirren" schaue ich mir gleich an. Danke für den Hinweis!

Dir alles Liebe, du hast mir einen gelungenen Start in den Tag beschert!

Manuela :)
 
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20.08.2019
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Liebe Manuela,

das ist schön. Kommt von Herzen. Ich bin zwar hier neu, war aber schon in anderen Foren und habe viel Erfahrung im Testlesen, schreibe außerdem selbst.
Ich war sehr erfreut, hier so einen tollen Text auf hohem Niveau lesen zu können.

Vielen Dank :-) Ich wünsche Dir auch alles Liebe und weiterhin viel Spaß beim Schreiben.

Liebe Grüße, Silvita
 
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19.05.2006
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Hi Silvita,

mittlerweile habe ich die Figurenprofile vertieft, auch Miriam hat jetzt mehr Hintergrund. Dazu "ausschweifende Bilder" behutsam gestrafft und das Schlussbild leicht abgeändert. Nur zwei Wörter, in den letzten beiden Sätzen, aber sie ändern deren Aussage enorm.
Danke für das Kompliment mit "toll" und "hohem Niveau". So etwas liest sich gut, liegt aber immer im Auge des Lesers. ;)
Vielleicht stellst du ja mal einen Text hier ein, aber auch gute Testleser sind immer und überall gefragt.

Alles Liebe,
Manuela :)
 
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20.08.2019
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Liebe Manuela,

wenn Du Deinen Text aktualisiert, kann ich das dann an Deinem ersten Post sehen oder wie funktioniert das hier?

Ich habe eben auch mal was von mir im Forum eingestellt :-)

Hab einen schönen Tag,
Silvita
 

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