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Nürburgring

MRG

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Nürburgring

Ein Rennwagen raste vorbei, das Echo klang nach und löste bei ihm eine Gänsehaut aus. Sie standen auf der Naturtribüne zwischen der Ex-Mühle und der Rechtskurve am Bergwerk; hier erreichten sie keine Lautsprecherdurchsagen und die Kameras hatten freie Sicht. Heute würde er seinem Kollegen zeigen, wie überlegen er wirklich war. „Diesmal gewinne ich. Du hattest nur Glück mit dem Licht.“
„Meins war einfach besser, das haben alle gesagt“, antwortete sein Kollege.
Das Bild war besser gewesen, das musste er schon zugeben. Er hatte immer gewusst, dass er der talentiertere Fotograf war, aber an diesem Tag waren mehrere Umstände zusammengekommen. Das Seitenlicht, was sonst für Tiefe sorgte, ließ das Auto zu dunkel wirken. Von wegen goldener Stunde. Darüber hinaus war er zu geizig gewesen, um sich auch eine Nikon F3 zu kaufen.
„Wo bleibt er denn?“, fragte sein Kollege.
„Ich weiß es nicht. Ich will ein Siegerfoto.“ Er schaute auf den Nürburgring: Vor ihm schien die Sonne auf den Asphalt, die Rennstrecke krümmte sich zu einer scharfen Linkskurve; hinter den etwa fünfzehn Zentimeter hohen Randsteinen und dem Zaun ragten grüne Sträucher und Bäume empor. Ihm gefiel der Kontrast. Weitere Wagen rasten vorbei.
„Das muss er sein.“

Der weiß-rote Ferrari bog in die Linkskurve ein, das Motorgeräusch des 12-Zylinders dröhnte trotz der Schaumstöpsel in seinen Ohren und er bildete sich ein, Benzin zu riechen. Ihm war bewusst, dass das eine Täuschung war. Soweit von der Rennstrecke entfernt roch es nie nach Benzin. Dafür musste man bei den Pit-Stops stehen, aber diese Plätze waren nur für Snobs reserviert, die sich selbst für etwas Besseres hielten. Er konzentrierte sich wieder auf den Rennwagen. Wie es wohl war, in dem Cockpit zu sitzen? Die Beschleunigung und die G-Kräfte mussten unvorstellbar sein. Als er in einem Magazin ein Interview mit Niki gelesen hatte, war er überrascht - untrainierte Fahrer konnten ihren Kopf in einer Kurve nicht gerade halten und ein Rennfahrer verlor bis zu fünf Kilogramm Wasser. Niki war ein Elite-Sportler, ein Gewinner. Er konnte sich mit ihm identifizieren.
In dem Moment schlingerte der Wagen und alles ging unfassbar schnell: Der Ferrari krachte gegen die Randsteine, wurde von der Wucht des Aufpralls zurückgeworfen und kreiste um die eigene Achse. Flammen und schwarzer Rauch stiegen in die Luft wie bei einer Explosion in den überzogenen Actionfilmen. Sie umhüllten den kreisenden Wagen. Nikis Helm wurde ihm vom Kopf gerissen und seine weiße Haube hob sich gegen die Schwärze ab. Es waren Schreie zu hören. Der Ferrari kam in horizontaler Ausrichtung auf der Rennstrecke zum Stillstand. Ein anderer Rennwagen krachte in das Wrack.
„Oh Gott, das überlebt er nicht!", rief sein Kollege.
Er hingegen schaute durch das Objektiv auf die Unfallstelle. Das würde ein unvergessliches Bild geben. Die grüne Hölle war zu einem Inferno geworden: Nikis Ferrari war eingehüllt von Flammen, der hineingefahrene Rennwagen stand seitlich davor. Das erhöhte die Dramatik. Diesmal würde er sicher gewinnen. Weitere Rennwagen bremsten ab und vier Fahrer eilten zum brennenden Ferrari und versuchten, Niki aus dem Wagen zu zerren. Während sie den Körper aus dem Cockpit hievten, näherte sich ein Rettungswagen; Niki wurde eingeladen und davongefahren.
„Was bist du für ein Mensch?“
„Ein Gewinner.“
Sein Kollege schüttelte den Kopf, packte die Kamera ein und verließ den Schauplatz. Sie gingen nie wieder zusammen zu einem Rennen.
Zum ersten Mal verkaufte er ein Bild an ein Magazin.

 
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Hallo @MRG

Mir gefällt deine Geschichte, habe sie folglich gerne gelesen. Ich bin mit Flash Fiction (noch?) nicht vetraut, finde aber, in deiner Geschichte steckt alles, was so eine Kürzeststory wohl ausmacht. Das Setting wird schnell klar, die beiden Hauptcharakere kurz und knackig eingeführt, ein schreckliches Ereignis nimmt seinen Lauf, während der eine entsetzt ist (beinahe mehr über das Handeln des Hauptchars als über das Ereignis selbst, zumindest ist das mein Eindruck), zieht der andere einen persönlichen Gewinn daraus. Dein Stil wirkt sicher, schnörkellos, soweit keine Ausreisser, gibt nur ganz wenige Dinge, über die ich beim Lesen gestolpert bin. Gerne gehe ich in ein paar Details näher darauf ein.

Er schaute auf den Boden, ich wand mich meiner Kamera zu.
Bin mir nicht sicher, ob das korrekt ist. Das Wort wand ist doch die Vergangenheitsform von winden, oder? Aber er wendet sich ja wieder seiner Kamera zu. Es müsste deshalb meiner Meinung nach wandte heissen.

„Das die überhaupt fahren, das ist doch so gefährlich.“
„Die paar Schauer sind ja vorbei. Aber gefährlich ist das immer, jeder Fahrer weiß, was er hier riskiert.“
Wirkt auf mich nicht ganz authentisch. Sind die beiden das erste Mal an einem Rennen? Wenn nicht, denke ich, würden sie wohl nicht so darüber reden, weil ihnen die Gefährlichkeit dieser Rennen eh schon längst bewusst ist. Ich hoffe, Du verstehst, was ich damit meine. Ausserdem ist das wohl so eine Art von Foreshadowing auf den Unfall, das nimmt diesem etwas die Überraschung, finde ich.

das Motorgeräusch des 12-Zylinders dröhnte trotz der Schaumstöpsel in meinen Ohren, ich bildete mir ein Benzin zu riechen (obwohl ich dafür zu weit entfernt war)
Ich persönlich erachte die Worte in der Klammer als überflüssig und würde sie streichen. Wahrscheinlich wolltest Du damit aber ein wenig Vorgreifen, denn obwohl er zu weit weg steht, riecht er den Benzingeruch danach tatsächlich, weil der Crash seinen Lauf nimmt:
ein Benzingeruch stieg mir in die Nase; der Wagen fing Feuer; Niki Lauda brannte; ich hörte seine Schreie; ein anderer Rennwagen krachte in das brennende Wrack.
Irgendwie bin ich über diesen Benzingeruch zweimal so kurz hintereinander gestolpert bzw. es las sich nicht ganz so schön wie der Rest, weil es für mich wie eine Wiederholung klingt (auch wenn einmal Einbildung und das andere Mal Wirklichkeit). Naja, nur mein sehr subjektives Empfinden.

Schön, der Bruch zwischen den beiden Charakteren, der Hauptchar geht sozusagen über Leichen für ein Foto, ist längst der Sensationsgeilheit verfallen. Sein Kollege bewahrt die Moral und ist entsetzt. Das die beiden nach diesem Vorfall nie mehr zusammen an ein Rennen gehen, finde ich etwas heftig. Kann ein solches Ereignis bzw. eine solche Handlung des einen wirklich Kollegialität/Freundschaft zerstören? Wenn ich es mir recht überlege, je nach persönlicher Einstellung, wahrscheinlich schon.

Der Unfall ist das zentrale Ereignis deiner Geschichte. Auf mich wirkt er etwas zu wenig ausformuliert, um nicht zu sagen, zu einfach, zu schnell abgehandelt. Ich meine damit nicht, den Finger länger auf den brennenden Niki oder so zu halten, sondern dass mir als Leser beim Crash so richtig die Fetzen um die Ohren fliegen. So wie es momentan da oben steht, ist mir das zu distanziert, ist eine reine Abfolge. Was ich sagen will: Den Crash (und vor allem dessen Wirkung auf die Chars) könntest Du meiner Meinung nach noch mit ein paar mehr Details ausschmücken, so wirkt er auf mich etwas zu unspektakulär.

Alles Gute,
d-m

 
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Hallo @MRG ,

freut mich, dass auch du beim Schreiben dabei bleibst.

Diesmal eine kurze und schlimme Szene, die wohl jeder Motorsportfan kennt. Gleichzeitig auch eine moralische Frage zu einem Thema, das durch Smartphones und Seiten wie youtube fast schon an der Tagesordnung ist: Auch Unfälle und Verletzte werden fotografiert oder gefilmt und über das Internet zur Schau gestellt. Gibt es hierbei eine Grenze, die allgemein schon als "in Ordnung" wahrgenommen wird?

Ich habe den Text auch gerne gelesen, durch die Kürze bleibt nur leider nicht viel hängen. Die beiden Protagonisten sind eher namenlose Statisten, zu denen ich zu wenig erfahre, um mich für sie zu interessieren. Eine Handlungsentwicklung ist zwar da, aber wie erwähnt habe ich gerade erst angefangen zu lesen, da bin ich auch schon durch.

Der Text wirkt daher auf mich eher wie eine Schreibübung, als wie eine Geschichte, die du erzählen möchtest (es ist nur mein Leseeindruck und klingt wahrscheinlich negativer, als ich es meine). Auch die Dialoge wirken eher ausführlich ausgearbeitet, damit der Leser auch genau weiß, worum es geht.

Hier noch ein paar Details:

Ein Rennwagen raste vorbei, das Echo klang nach und löste bei mir eine Gänsehaut aus.
Ich würde entweder das Wort "eine" streichen, oder anders formuliert:
"... und ich bekam Gänsehaut."

„Du hattest nur Glück mit dem Licht. Ich habe ein neues Modell.“
Es herrschte kurz Stille.
„Wo bleibt Niki?“
Das klingt sehr förmlich, du beschreibst hier ja einen Dialog der beiden. Also vielleicht eher: "Beide schwiegen für einen Moment."

„Wahrscheinlich ja.“
"ja" streichen, die Aussage mit "Wahrscheinlich" reicht ja schon.

Das die überhaupt fahren, das ist doch so gefährlich.“
Dass ;
Ich kann mir nicht vorstellen, dass er das so sagen würde, es klingt eher wie ein Kind, das zum ersten Mal an der Rennstrecke steht ...

Er schaute auf den Boden, ich wand mich meiner Kamera zu.
Er schaute zu Boden, ich wandte mich meiner Kamera zu.

Der weiß-rote Ferrari, ein 312T2 mit der Nummer 18, bog in die Linkskurve ein, das Motorgeräusch des 12-Zylinders dröhnte trotz der Schaumstöpsel in meinen Ohren, ich bildete mir ein Benzin zu riechen (obwohl ich dafür zu weit entfernt war) und stellte mir vor, wie es wohl sein müsste, selbst in diesem Cockpit zu sitzen.
Neuer Satz nach "Ohren" ; Komma vor "Benzin" ;
den eingeklammerten Inhalt würde ich entfernen, wie schon im vorherigen Kommentar erwähnt

ich sah wie Niki Lauda seinen Helm verlor (er trug eine weiße Haube)
Den markierten Teil würde ich entweder entfernen, oder zumindest anstatt der Klammern einfach ein Komma verwenden.

ein Benzingeruch stieg mir in die Nase;
"ein" streichen

„Hilfe! Hilfe!“, brüllte mein Kollege. „Niki Lauda brennt, ich glaube, er stirbt! Wir müssen etwas tun!“
Trotz des schlimmen Unfalls hat für mich dieses Rufen eine gewisse Komik. Würde ich noch mal überdenken ...

Konzentriert richtete ich die Linse auf die Unfallstelle und drückte auf den Auslöser.
Das zweite "auf" streichen.

Soweit meine Eindrücke, viele Grüße,
Rob

 

MRG

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Hallo @deserted-monkey,

vielen Dank für deinen Kommentar und deine Zeit; hat mich sehr gefreut. Ich gehe im Detail auf deine Punkte ein:

Mir gefällt deine Geschichte, habe sie folglich gerne gelesen. Ich bin mit Flash Fiction (noch?) nicht vetraut, finde aber, in deiner Geschichte steckt alles, was so eine Kürzeststory wohl ausmacht. Das Setting wird schnell klar, die beiden Hauptcharakere kurz und knackig eingeführt, ein schreckliches Ereignis nimmt seinen Lauf, während der eine entsetzt ist (beinahe mehr über das Handeln des Hauptchars als über das Ereignis selbst, zumindest ist das mein Eindruck), zieht der andere einen persönlichen Gewinn daraus. Dein Stil wirkt sicher, schnörkellos, soweit keine Ausreisser, gibt nur ganz wenige Dinge, über die ich beim Lesen gestolpert bin.
Schön, dass sie dir gefällt hat. Ich habe den Text als ein Experiment angesehen und einen längeren Text nach den Prinzipien, die ich bei Otto Schumann gelesen habe, gekürzt. Ziel war es, alles Überflüssige rauszuhauen (vorher hatte ich noch die Frau drin und einen längeren Dialog über das Wetter und Informationen über die Formel 1 bzw. über die anderen Fahrer) und trotzdem die 6-W Fragen beantwortet zu haben. Daher freut es mich, dass es für dich funktioniert hat. Vielen Dank auch, dass du den Stil als sicher empfunden hast, hat mich gefreut.

Bin mir nicht sicher, ob das korrekt ist. Das Wort wand ist doch die Vergangenheitsform von winden, oder? Aber er wendet sich ja wieder seiner Kamera zu. Es müsste deshalb meiner Meinung nach wandte heissen.
Ich habe das korrigiert.

Wirkt auf mich nicht ganz authentisch. Sind die beiden das erste Mal an einem Rennen? Wenn nicht, denke ich, würden sie wohl nicht so darüber reden, weil ihnen die Gefährlichkeit dieser Rennen eh schon längst bewusst ist. Ich hoffe, Du verstehst, was ich damit meine. Ausserdem ist das wohl so eine Art von Foreshadowing auf den Unfall, das nimmt diesem etwas die Überraschung, finde ich.
Guter Punkt, darüber muss ich noch einmal nachdenken. Ich wollte den Unfall nicht so aus dem Nichts passieren lassen, sondern ihn vorbereiten. Hm, kann deinen Punkt allerdings sehr gut nachvollziehen. Da schlafe ich eine Nacht drüber und gehe das dann noch einmal an.

Ich persönlich erachte die Worte in der Klammer als überflüssig und würde sie streichen. Wahrscheinlich wolltest Du damit aber ein wenig Vorgreifen, denn obwohl er zu weit weg steht, riecht er den Benzingeruch danach tatsächlich, weil der Crash seinen Lauf nimmt:
Irgendwie bin ich über diesen Benzingeruch zweimal so kurz hintereinander gestolpert bzw. es las sich nicht ganz so schön wie der Rest, weil es für mich wie eine Wiederholung klingt (auch wenn einmal Einbildung und das andere Mal Wirklichkeit). Naja, nur mein sehr subjektives Empfinden.
Das habe ich für mich noch nicht entschieden, gehe da morgen noch einmal mit etwas Distanz dran. Auf so einen kurzen Raum ist die Wiederholung natürlich deutlicher, hm ja, mal schauen, wie ich das mache. Ist ein guter Punkt, den ich gar nicht auf dem Schirm hatte.

Schön, der Bruch zwischen den beiden Charakteren, der Hauptchar geht sozusagen über Leichen für ein Foto, ist längst der Sensationsgeilheit verfallen. Sein Kollege bewahrt die Moral und ist entsetzt. Das die beiden nach diesem Vorfall nie mehr zusammen an ein Rennen gehen, finde ich etwas heftig. Kann ein solches Ereignis bzw. eine solche Handlung des einen wirklich Kollegialität/Freundschaft zerstören? Wenn ich es mir recht überlege, je nach persönlicher Einstellung, wahrscheinlich schon.
Das hat mich gefreut! Ich habe den Film "Rush" gesehen, da geht es ja um die Geschichte von Niki Lauda und dann habe ich da etwas recherchiert und es gibt tatsächlich jemanden, der den Unfall fotografiert hat. Da musste ich daran denken, dass ich das schon krass finde. Da brennt jemand vor mir und es ist nicht sicher, ob er überlebt und ich halte mit meiner Kamera drauf.

Der Unfall ist das zentrale Ereignis deiner Geschichte. Auf mich wirkt er etwas zu wenig ausformuliert, um nicht zu sagen, zu einfach, zu schnell abgehandelt. Ich meine damit nicht, den Finger länger auf den brennenden Niki oder so zu halten, sondern dass mir als Leser beim Crash so richtig die Fetzen um die Ohren fliegen. So wie es momentan da oben steht, ist mir das zu distanziert, ist eine reine Abfolge. Was ich sagen will: Den Crash (und vor allem dessen Wirkung auf die Chars) könntest Du meiner Meinung nach noch mit ein paar mehr Details ausschmücken, so wirkt er auf mich etwas zu unspektakulär.
Das nehme ich mir gerne mit. Darunter verstehe ich vor allem, dass dieser Crash noch besser erlebbar werden müsste, ja. Muss allerdings auch direkt zugeben, dass ich mich hier nicht zu weit aus dem Fenster lehne möchte, weil es nicht unglaubwürdig wirken soll.

Vielen Dank für deinen Kommentar, hat mich gefreut und ich habe einige Punkte mitnehmen können, über die ich weiternachdenke.

Beste Grüße
MRG


Hallo @Rob F,

vielen Dank für deinen Kommentar, freue mich da immer drüber. Ich habe deine Anmerkungen übernommen und eingearbeitet, vielen Dank, finde, dass es sich jetzt flüssiger liest.

freut mich, dass auch du beim Schreiben dabei bleibst.
Das kann ich nur zurückgeben. Wusstest du übrigens, dass du den ersten Kommentar für meine erste Geschichte geschrieben hast? Ist mir nach wie vor sehr präsent geblieben und ich schätze deine Kommentare sehr.

Diesmal eine kurze und schlimme Szene, die wohl jeder Motorsportfan kennt. Gleichzeitig auch eine moralische Frage zu einem Thema, das durch Smartphones und Seiten wie youtube fast schon an der Tagesordnung ist: Auch Unfälle und Verletzte werden fotografiert oder gefilmt und über das Internet zur Schau gestellt. Gibt es hierbei eine Grenze, die allgemein schon als "in Ordnung" wahrgenommen wird?
Genau und ich hatte als Beweggrund oder als Motiv diesen Siegeswillen: Er ist bereit über jede Grenze zu gehen, um sein Ziel zu erreichen.

Ich habe den Text auch gerne gelesen, durch die Kürze bleibt nur leider nicht viel hängen. Die beiden Protagonisten sind eher namenlose Statisten, zu denen ich zu wenig erfahre, um mich für sie zu interessieren. Eine Handlungsentwicklung ist zwar da, aber wie erwähnt habe ich gerade erst angefangen zu lesen, da bin ich auch schon durch.
Danke, schön, dass du den Text gerne gelesen hast, auch wenn du ihn etwas kurz fandest. Habe eine längere Version runtergekürzt, um wirklich nur das Notwendige drin zu haben und trotzdem eine Geschichte zu haben. Schade, dass die beiden Figuren für dich nur Statisten bleiben, vielleicht fehlt da wirklich noch mehr Handlung bzw. mehr Szenen oder Konflikte, wo sie entwickelt werden können.

Der Text wirkt daher auf mich eher wie eine Schreibübung, als wie eine Geschichte, die du erzählen möchtest (es ist nur mein Leseeindruck und klingt wahrscheinlich negativer, als ich es meine). Auch die Dialoge wirken eher ausführlich ausgearbeitet, damit der Leser auch genau weiß, worum es geht.
Ich hatte es als Schreibübung angesehen, die eben eine Geschichte ist, die ich erzählen möchte. Es sollte alles drin sein, also eine kürzest Geschichte, die alles erfüllt.
Den Punkt mit den Dialogen kann ich sehr gut nachvollziehen, habe da etwas nachgeschraubt, um die gröbsten Schnitzer rauszunehmen. Da gehe ich morgen noch einmal mit etwas Distanz dran. Habe gemerkt, dass mir das hilft, gute Verbesserungen vorzunehmen. Danke für deinen Eindruck!

Beste Grüße
MRG

 
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Hallo @MRG ,

noch als Ergänzung:

Ich habe bei deinen Protagonisten immer wieder den Eindruck, dass du sie eher von außen beschreibst, damit beim Leser ein entsprechendes Bild entsteht. Dazu kommen Dialogzeilen, die du genau so gestaltest, um dieses Bild zu unterstreichen. Das wirkt dann halt eher gekünstelt und nicht lebensnah.

Demnach der Vorschlag, etwas mehr darauf zu vertrauen, dass auch ein Eindruck von den Personen entsteht, wenn du dich mehr in sie hineinversetzt und durch ihre Handlungen und Aussagen die Emotionen zeigst. Ihre Wut, die Ängste ... aber dann auch so, wie du es im Alltag erwarten würdest und nicht durch Aussagen wie:

"Oh nein, Niki Lauda brennt, wir müssen etwas tun!"

Sorry, ich habe es geringfügig abgeändert um zu zeigen, was ich meine. Stelle dir die Szenen vorher gedanklich vor, bevor du sie schreibst, aber dann auch so, wie du sie im richtigen Leben erwarten würdest. Dabei wirst du wahrscheinlich immer mal wieder den Gedanken haben: Aber ich muss doch auch dieses und jenes noch erwähnen und beschreiben - oft ist das jedoch m.E. nicht so, vielleicht probierst du es mal mit "Mut zu weniger" ...

Ich hoffe, ich konnte erklären, was ich meine. Wünsche dir auf jeden Fall einen guten Rutsch!

Rob

 
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Hallo @MRG ,

das ist eine interessante kurze Geschichte.

Flott geschrieben und ein spannender Konflikt. Ich bin allerdings nicht so richtig reingekommen. An der einen oder anderen Stelle ist vermutlich Verbesserungspotential.

Ich habe ein paar Punkte, über die ich gestolpert bin.

Ein Rennwagen raste vorbei, das Echo klang nach und löste bei mir Gänsehaut aus. Wir standen auf der Naturtribüne zwischen der Ex-Mühle und der Rechtskurve am Bergwerk; hier erreichten uns keine Lautsprecherdurchsagen und die Linsen der Kameras hatten freie Sicht.
Warst Du schon 'mal am Ring? Ich finde das mit den Echo nicht wirklich überzeugend. Was an dem Geräusch löst die Gänsehaut aus? Was verbindest Du mit diesem Geräusch?

Die Lautsprecher könntest Du vermutlich streichen. Trägt, zumindest so, wenig zur Stimmung bei. Lass' uns beim Lesen mehr von der Stimmung spüren.

Es herrschte kurz Stille.
Dazu hast Du ja schon Feedback bekommen. Auch da... was ist das für eine Stille, warum schweigt ihr?

Ich glaube, gerade bei Flash Fiction sind alle Sätze wichtig für den Eindruck.

Vielleicht liegt es an dem Regen von heute morgen?“
„Wahrscheinlich.“
„Dass die überhaupt fahren.“
„Die paar Schauer sind ja vorbei. Aber gefährlich ist das immer."
Klingt unnötig steif.

„Es gibt keine bessere Strecke. Die Nordschleife ist legendär“, sagte ich und schaute auf den Nürburgring: Vor uns schien die Sonne auf den Asphalt, die Rennstrecke krümmte sich zu einer scharfen Linkskurve; hinter den etwa fünfzehn Zentimeter hohen Randsteinen und dem Zaun ragten grüne Sträucher und Bäume empor. Mir gefiel der Kontrast. Weitere Wagen rasten an uns vorbei.
Das gefällt mir. So würde ich beim Fotografieren auch denken.

„Das muss Niki sein“, sagte mein Kollege. Der weiß-rote Ferrari, ein 312T2 mit der Nummer 18, bog in die Linkskurve ein, das Motorgeräusch des 12-Zylinders dröhnte trotz der Schaumstöpsel in meinen Ohren, ich bildete mir ein, Benzin zu riechen (obwohl ich dafür zu weit entfernt war) und stellte mir vor, wie es wohl sein müsste, selbst in diesem Cockpit zu sitzen.
Die Formel 1-Wagen dröhnen nicht. Sie klingen eher wie Hornissen auf Speed.

Lass das Benzin an der Stelle weg, konzentrier Dich eher darauf, den Wagen zu fotografieren. Schau durch den Sucher, zieh mit oder beschreibe, wie nah Du am Geschehen bist, weil Du durch das Tele schaust.

Der Gedanke, selbst im Cockpit zu sein, gefällt mir aber.

In dem Moment schlingerte der Wagen, krachte gegen die Randsteine, wurde von der Wucht des Aufpralls zurückgeworfen und kam in horizontaler Ausrichtung auf der Rennstrecke zum Stillstand; ich sah wie Niki Lauda seinen Helm verlor, er trug eine weiße Haube; Benzingeruch stieg mir in die Nase; der Wagen fing Feuer; Niki Lauda brannte; ich hörte seine Schreie, ein anderer Rennwagen krachte in das brennende Wrack.
Das wirkt irgendwie noch zu sachlich.

„Niki Lauda brennt, ich glaube, er stirbt! Wir müssen was tun!", rief mein Kollege.
Konzentriert richtete ich die Linse auf die Unfallstelle und drückte den Auslöser.
„Das kann nicht dein Ernst sein?!“, schrie mein Kollege.
Die Linse richten, das würde kaum ein Fotograf sagen. Schreib, wie Du den Ausschnitt wählst, wie die Flammen einen Kontrast zu dem schwarzen Rauch bilden oder so.

„Diesmal gewinne ich“, antwortete ich. Wieder drückte ich den Auslöser.
Weitere Rennwagen bremsten ab und ich sah, wie vier Fahrer zum brennenden Ferrari eilten und versuchten, Niki Lauda aus dem brennenden Wagen zu zerren. Während sie den Körper aus dem Cockpit hievten, näherte sich ein Rettungswagen des ONS; Niki Lauda wurde eingeladen und der Rettungswagen fuhr davon.
Das wirkt asynchron. So schnell sind auch die Rettungswagen am Ring nicht wirklich.

„Was bist du für ein Mensch?“, fragte mich mein Kollege.
„Ich bin ein Gewinner.“
Er schüttelte den Kopf, packte seine Kamera zusammen und verließ den Schauplatz. Wir gingen nie wieder zu einem Rennen. / Zum ersten Mal verkaufte ich ein Bild an ein Magazin.
Da würde ich einen Absatz machen.

Trotzdem gerne gelesen und kommentiert.

Viele Grüße, Gerald

 
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Hi @MRG, ein frohes neues (und hoffentlich produktives Schreib-) Jahr wünsche ich dir!

Mit deiner Themenauswahl überraschst du mich immer wieder aufs Neue und ich finde es sehr spannend zu sehen, wie du dich an den verschiedenen Genres ausprobierst. Weiter so! Hast du schon eine Genre-Präferenz entwickelt oder machst du das mehr aus dem Bauch heraus?

Deine neueste FF-Story habe ich sehr gerne gelesen und finde, dass du dich mit jeder neuen Geschichte steigerst und verbesserst. Wie ich den vorhergehenden Kommentaren entnehme, hast du schon einige Stellen überarbeitet und gerne möchte auch ich dir ein paar Eindrücke dalassen (die einzelnen Eindrücke und Vorschläge sind dabei natürlich komplett subjektiv).

Ein Rennwagen raste vorbei, das Echo klang nach und löste bei mir Gänsehaut aus.
Den Einstieg finde ich prinzipiell gut, man ist sofort verortet und kriegt einen ersten Hinweis darauf, in welcher Szenerie man sich befindet. Beim Echo bin ich ein wenig unsicher, ob das der treffende Begriff ist, weil der Schall ja durch irgendein grösseres Objekt zurückgeworfen werden müsste. Ist das auf einer Rennstrecke gegeben? Zwar weiss ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, auf welcher Rennstrecke wir uns befinden, aber das Echo hat mich dennoch kurz stoppen lassen. Auch weiß ich zu Beginn nicht, dass der Erzähler schon öfter Rennen besucht hat, weshalb ich ihm die Gänsehaut hier (noch) abnehme. Aber später stellt sich dann heraus, dass er A) schon einige Rennen besucht hat und B) dass er mittlerweile ein ziemlich abgebrühter Kerl ist. Würde der tatsächlich noch eine Gänsehaut beim Hören der Motorgeräusche bekommen?

„Niemals, erinnerst du dich an letztes Mal? Meins war will viel besser, das haben alle gesagt“, antwortete mein Kollege.
Den Teil "erinnerst du dich an letztes Mal" finde ich noch ein bisschen sperrig (und auch nicht zwingend notwendig). Hier ein Vorschlag:

"Niemals", antwortete mein Kollege. "Meins war viel besser. Das haben alle gesagt."

Es herrschte kurz Stille.
Das klingt für mich ein wenig so, als würde die Stille von außen, von äußeren Umständen ausgehen oder erzwungen werden. Aber die beiden schweigen ja einfach nur einen Moment. Das würde ich allenfalls auch genau so sagen: "Wir schwiegen einen Moment." oder "einen Moment lang sagten wir nichts."

„Wundere mich auch, wo er bleibt“, sagte ich. „Er ist nur im Mittelfeld, ich will ein Siegerfoto.“
"Wundere mich auch" finde ich ein wenig künstlich bzw. unnatürlich. Vielleicht ginge das einen Tick natürlicher, etwas in der Art "Habe mich auch gefragt, wo er bleibt", sagte ich. Was ich mich zudem gefragt habe: Schießt man ein Siegerfoto von der Naturtribüne aus? Liegt die nicht ein wenig abseits? Die müssten doch dann bei der Ziellinie stehen, und dort gibt's wiederum bestimmt Lautsprechergeräusche (denen sie ja explizit aus dem Weg gehen). Aber vielleicht verstehe ich das auch einfach falsch, ich kenne mich mit der F1 oder dem Streckenlayout des Nürburgrings leider gar nicht aus.

Er schaute zu Boden, ich wandte mich meiner Nikon F3 zu.
Hier erwähnst da explizit das Modell. Als Laie auf dem Gebiet der Photographie ziehe ich aus dieser Info keinen Mehrwert. Willst du hiermit vor allem sagen, dass es sich um eine analoge Kamera handelt (hab's gegoogelt 😉)? Oder um ein besonders teures Modell? Das müsstest du meiner Meinung nach aber anders verpacken, z.B. indem der Kollege die neue Kamera bewundert oder neidisch betrachtet.

„Es gibt keine bessere Strecke. Die Nordschleife ist legendär“, sagte ich und schaute auf den Nürburgring: Vor uns schien die Sonne auf den Asphalt, die Rennstrecke krümmte sich zu einer scharfen Linkskurve; hinter den etwa fünfzehn Zentimeter hohen Randsteinen und dem Zaun ragten grüne Sträucher und Bäume empor.
Dieser Teil bzw. diese Beschreibung gefällt mir eigentlich sehr gut, dadurch kann ich mir das Setting noch besser vorstellen. Ich denke aber, dass du gewisse Infos (ich habe sie oben markiert) gar nicht brauchst und allenfalls streichen könntest.

Der weiß-rote Ferrari, ein 312T2 mit der Nummer 18, bog in die Linkskurve ein, das Motorgeräusch des 12-Zylinders dröhnte trotz der Schaumstöpsel in meinen Ohren, ich bildete mir ein, Benzin zu riechen (obwohl ich dafür zu weit entfernt war) und stellte mir vor, wie es wohl sein müsste, selbst in diesem Cockpit zu sitzen.
Dieser Teil ist ziemlich dicht und man könnte ihn vom Rhythmus her allenfalls ein wenig umstrukturieren:

Der weiß-rote Ferrari, ein 312T2 mit der Nummer 18, bog in die Linkskurve ein; trotz der Schaumstöpsel dröhnte das Motorgeräusch des 12-Zylinders in meinen Ohren. Ich bildete mir ein, Benzin zu riechen. Wie es wohl wäre, selbst in diesem Cockpit zu sitzen?

In dem Moment schlingerte der Wagen, krachte gegen die Randsteine, wurde von der Wucht des Aufpralls zurückgeworfen und kam in horizontaler Ausrichtung auf der Rennstrecke zum Stillstand; ich sah wie Niki Lauda seinen Helm verlor, er trug eine weiße Haube; Benzingeruch stieg mir in die Nase; der Wagen fing Feuer; Niki Lauda brannte; ich hörte seine Schreie; ein anderer Rennwagen krachte in das brennende Wrack.
Schwierige Stelle. Das ist ja eigentlich das Schlüsselereignis der Geschichte und es passiert sehr viel auf einmal, aber ich muss mir doch den Großteil der Szene irgendwie selber zusammenreimen. Ich denke, dass du hier noch Details einbauen könntest, damit der Unfall vor meinem geistigen Auge so abläuft, wie er eben (leider) stattgefunden hat. Vielleicht könnte man den Aufprall detaillierter beschreiben, in der jetzigen Form "passiert er einfach". Flogen da keine Funken/Teile oder wirbelte da kein Rauch auf? Waren keine anderen Wagen in der Nähe, die ausweichen mussten? Waren da sonst irgendwelche Leute oder Fans in der Nähe der Unfallstelle? Das würde ich noch besser erlebbar machen. Auch in der Zeitabfolge scheint etwas nicht zu stimmen, denn Lauda verliert den Helm erst dann, als der Wagen zum Stillstand kommt (aber vielleicht war auch tatsächlich so, ich habe das Video nicht gesehen). Ich denke zudem, dass du mit den Semikolons am Ende vor allem Geschwindigkeit oder eine schnelle Abfolge andeuten möchtest, aber irgendwie fände ich hier Punkte bzw. mehrere kurze, durch Punkte getrennte Sätze passender. Dass ein anderer Wagen in Laudas Ferrari kracht, stelle ich mir ziemlich heftig vor … Was löst das alles beim Erzähler und seinem Kollegen aus? Ist dem anderen Fahrer dabei etwas passiert?

„Niki Lauda brennt, ich glaube, er stirbt! Wir müssen was tun!", rief mein Kollege.
Die Reaktion des Kollegen empfinde ich als unnatürlich. Ich denke, der würde diese drei Gedanken nicht in einem einzigen Satz zusammenfassen. Vielleicht könntest du auch noch ein bisschen Aktion bzw. physische Reaktion einbauen, z.B. indem er seine Kamera (die hoffentlich an einem Nacken-/Tragegurt hängt) fallen lässt oder etwas in der Art.

„Das kann nicht dein Ernst sein?!“, schrie mein Kollege.
Das Fragezeichen würde ich streichen.

„Diesmal gewinne ich“, antwortete ich. Wieder drückte ich den Auslöser.
Du deutest am Anfang der Geschichte zwar an, dass es dem Erzähler wichtig ist, dieses Mal zu gewinnen, aber dass er so abgebrüht ist, war dann irgendwie doch überraschend. Die Entwicklung kommt etwas gar plötzlich (was natürlich auch an der ultrakurzen Form liegt), aber vielleicht könnte man doch irgendwie in den Dialogen davor andeuten, dass der Erzähler ein ziemlich verbissener Kerl ist.

„Diesmal gewinne ich“, antwortete ich. Wieder drückte ich den Auslöser.
Weitere Rennwagen bremsten ab und ich sah, wie vier Fahrer zum brennenden Ferrari eilten und versuchten, Niki Lauda aus dem brennenden Wagen zu zerren.
Ich glaube, dass du den Zeilenumbruch hier nicht brauchst, da du beim Erzähler bleibst.

Während sie den Körper aus dem Cockpit hievten, näherte sich ein Rettungswagen des ONS; Niki Lauda wurde eingeladen und der Rettungswagen fuhr davon.
ONS? Das ließ mich stoppen (und nicht nur, weil ich die Abkürzung aus einem ganz anderen Kontext kenne 😄).

Wir gingen nie wieder zu einem Rennen.
Hier könntest du noch sagen, dass sie nie wieder zusammen zu einem Rennen gingen (denn der Erzähler wird jetzt bestimmt Blut geleckt haben und noch viele Rennen besuchen).

Zum ersten Mal verkaufte ich ein Bild an ein Magazin.
Der letzte Satz gefällt mir sehr gut 👏🏼

Was mir allgemein noch aufgefallen ist: Du hast einen Ich-Erzähler gewählt, dieser bleibt jedoch ziemlich distanziert. Vor allem im zweiten Teil, also ab dem Moment, wo der Unfall geschieht, erzählt er die Geschichte vorwiegend in berichtender Form und so bleibt diese Distanz bis zum Ende bestehen. Ich erfahre sehr wenig über diese Person oder ihre Motivation. Beim Unfall und den darauffolgenden Ereignissen wäre es aber sehr spannend zu lesen, was dabei in ihm vorgeht. Ist er denn kein bisschen schockiert? Was denkt er, als Laudas Wagen in den Randstein kracht? Denkt er dabei nur an seinen Sieg gegen den Kollegen? Da du einen Ich-Erzähler hast, könntest du doch einige Gedankengänge aufzeigen, denn derzeit nehme ich ihm die Kaltschnäuzigkeit und die plötzliche Entwicklung nicht ab. Momentan verlässt du dich vollkommen auf die Dialoge, aber die reichen meiner Meinung nach nicht aus, die Handlungen des Erzählers zu erklären. Da heißt es plötzlich "Diesmal gewinne ich" oder "Ich bin ein Gewinner", aber nachvollziehen kann ich es nicht wirklich.

Mein Kommentar liest sich jetzt bestimmt kritischer, als ich ihn eigentlich geplant habe. Da sind natürlich auch viele Stellen dabei, die mir sehr gut gefallen haben. Wie eingangs bereits erwähnt, finde ich es super spannend zu sehen, wie du experimentierst und dich mit immer neuen Themen, Formen und Perspektiven beschäftigst. Da werde ich mir eine Dicke Scheibe davon abschneiden 👍🏼

Einen super Start ins neue Jahr wünsche ich dir!

Liebe Grüße
sevas

 
Seniors
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12.04.2007
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„Wo bleibt Niki?“

Ein kleines, aber gekonntes „Schlag“licht wirfstu auf die „Gesellschaft der Singularitäten“(A. Reckwitz),

MRG,

die einer Logik des „Besonderen“ folgt und sei es, das Unglück eines „Großen“ zu fotografieren, den man auch noch vertraulich benennt, um etwas Einzigartiges zu schaffen, das nicht jeder schaffen kann, auf dass der Ruhm des Großen für fünf oder zehn Minuten auf den bis dato Unbekannten falle, wobei mir das kurze Konkurrenzgebaren zu Anfang

„Diesmal gewinne ich.“
„Niemals, erinnerst du dich an letztes Mal? Meins war will viel besser, das haben alle gesagt“, antwortete mein Kollege.
„Du hattest nur Glück mit dem Licht. Ich habe ein neues Modell.“
schon auf das viel Gefährlichere hinweisen kann, wenn eine Journaille unter Konkurrenzgebaren sensationshalber Stories erfindet ...

Wie dem auch wird, gern gelesen und - bevor's wieder vorbei ist - ein gutes neues Jahr!

Friedel

 

MRG

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Hallo @Rob F,

vielen Dank, dass du noch einmal reingeschaut hast und ich hoffe, dass du gut ins neue Jahr gekommen bist. Ich gehe im Detail auf deine Punkte ein:

Ich habe bei deinen Protagonisten immer wieder den Eindruck, dass du sie eher von außen beschreibst, damit beim Leser ein entsprechendes Bild entsteht. Dazu kommen Dialogzeilen, die du genau so gestaltest, um dieses Bild zu unterstreichen. Das wirkt dann halt eher gekünstelt und nicht lebensnah.
Interessanter Punkt, das trifft ziemlich zu. Ich überlege mir, wie die Personen sein müssten, damit die Geschichte funktioniert (oder zumindest habe ich das hier bei dieser Geschichte genau so gemacht). Daher bringt mich deine Anmerkung zum Nachdenken, finde nämlich, dass ich gerade bei der Charakterzeichnung noch großes Verbesserungspotential habe.

Demnach der Vorschlag, etwas mehr darauf zu vertrauen, dass auch ein Eindruck von den Personen entsteht, wenn du dich mehr in sie hineinversetzt und durch ihre Handlungen und Aussagen die Emotionen zeigst. Ihre Wut, die Ängste ... aber dann auch so, wie du es im Alltag erwarten würdest und nicht durch Aussagen wie: "Oh nein, Niki Lauda brennt, wir müssen etwas tun!"
Das nehme ich mir mit. Ich verstehe das so, dass ich mich selbst mehr in die Figuren reindenke und eher einen intuitiven Zugang suche als einen analytischen. Hört sich nach einer guten Herausforderung an, gerade weil du ja auch hier einen ersten Ansatzpunkt für mich mit im Gepäck hast:

Stelle dir die Szenen vorher gedanklich vor, bevor du sie schreibst, aber dann auch so, wie du sie im richtigen Leben erwarten würdest. Dabei wirst du wahrscheinlich immer mal wieder den Gedanken haben: Aber ich muss doch auch dieses und jenes noch erwähnen und beschreiben - oft ist das jedoch m.E. nicht so, vielleicht probierst du es mal mit "Mut zu weniger" ...
Hört sich für mich ein bisschen wie "Methode acting" an; ich bin sozugagen noch sehr viel stärker mit meinen Figuren identifiziert und versuche sie so mehr ins Leben zu rufen. Coole Idee, das hört sich für mich ziemlich lohnenswert an.

Vielen Dank, dass du noch einmal reingeschaut hast, war sehr hilfreich für mich. Ich wünsche dir ein erfolgreiches Jahr 2022, mit hoffentlich vielen Geschichten und Gesundheit.

Beste Grüße
MRG

Hallo @C. Gerald Gerdsen,

ich hoffe, du bist gut ins neue Jahr gestartet. Ich habe mich jedenfalls sehr über deinen Kommentar und deine Zeit gefreut; du hast auch einige gute Punkte für mich dabei:

Flott geschrieben und ein spannender Konflikt. Ich bin allerdings nicht so richtig reingekommen. An der einen oder anderen Stelle ist vermutlich Verbesserungspotential.
Vielen Dank, schön, dass du es als flott geschrieben wahrgenommen hast und den Konflikt mochtest. Deine Punkte nehme ich gerne mit auf; die weniger aufwändigen Punkte habe ich größtenteils sofort eingearbeitet und die größeren Baustellen nehme ich mir gerne für eine Überarbeitung mit (das wird etwas dauern, weil der Januar bei mir sehr voll ist, geht ja jetzt alles wieder los).

Warst Du schon 'mal am Ring? Ich finde das mit den Echo nicht wirklich überzeugend. Was an dem Geräusch löst die Gänsehaut aus? Was verbindest Du mit diesem Geräusch? Die Lautsprecher könntest Du vermutlich streichen. Trägt, zumindest so, wenig zur Stimmung bei. Lass' uns beim Lesen mehr von der Stimmung spüren.
Ich war als kleiner Junge mit meinem Opa auf dem Nürburgring, war aber noch nie bei einem Event live dabei. Mein Wissen basiert daher vor allem auf der Netflix-Serie "Drive to survive" und auf der Recherche in einem Online-Forum. Die Idee mit dem Echo kommt aus der Netflixserie; damit meinte ich dieses Geräusch, dass noch immer in der Luft liegt, wenn die Rennwagen schon vorbeigedüst sind.
Die Funktion der Lautsprecher ist die Begründung, weshalb der Prota überhaupt an dieser sonderbaren Stelle steht: Er will sich sein eigenes Bild vom Rennen machen, möchte nicht von den Lautsprecherdurchsagen gestört werden.

Dazu hast Du ja schon Feedback bekommen. Auch da... was ist das für eine Stille, warum schweigt ihr? Ich glaube, gerade bei Flash Fiction sind alle Sätze wichtig für den Eindruck.
Du bist der Zweite, der das anspricht; daher habe ich das geändert und angepasst. Es sollte ja nicht zu förmlich klingen.

Klingt unnötig steif.
Hm ja, bei den Dialogen habe ich auch noch viel Potential nach oben. Ich finde, dass Dialoge wirklich viel Übung erfordern. Mal sind sie bei mir noch zu sehr an die Lesenden gerichtet und an anderen Stellen sind sie nicht ausführlich genug; da bin ich noch am Experimentieren. Mal schauen, ob ich das hier etwas lockerer hinbekommen kann. Ist eine hilfreiche Rückmeldung.

Das gefällt mir. So würde ich beim Fotografieren auch denken.
Das hat mich gefreut, danke.

Die Formel 1-Wagen dröhnen nicht. Sie klingen eher wie Hornissen auf Speed. Lass das Benzin an der Stelle weg, konzentrier Dich eher darauf, den Wagen zu fotografieren. Schau durch den Sucher, zieh mit oder beschreibe, wie nah Du am Geschehen bist, weil Du durch das Tele schaust.
Für mich verbinde ich das Wort "dröhnen" mit diese Hornissengeräusch; hier muss ich mal schauen, ob ich einen besseren Ausdruck finde. Ziel war jedenfalls genau dieses Geräusch bei den Lesenden hervorzurufen, was du beschrieben hast.
Die Idee mit dem Sucher finde ich eine geschickte Idee, so könnte ich auf elegante Weise den Charakter des Protas weiterdarstellend und ihn von anderen abgrenzen, weil er eben den Fokus auf der Fotografie hat. Das gefällt mir!

Das wirkt irgendwie noch zu sachlich.
Ja, das ist wohl auch noch nicht optimal; der Unfall ist noch nicht genug geschildert, das ist noch nicht wirklich erlebbar. Hm, das ist für mich eine größere Baustelle, da habe ich auch noch keine zündende Idee, wie ich das auf meine Weise machen kann. Werde ich jedenfalls drüber nachdenken und bei der Überarbeitung den Fokus drauflegen.

Die Linse richten, das würde kaum ein Fotograf sagen. Schreib, wie Du den Ausschnitt wählst, wie die Flammen einen Kontrast zu dem schwarzen Rauch bilden oder so.
Ich befürchte, dass hier meine eigene Unwissenheit zum Tragen kommt: Ich habe nicht besonders viel Ahnung von Fotografie oder Kameras. Das ist eine Schwachstelle, die mir im Vorfeld gar nicht so bewusst war (ich war so auf die Formel 1 fokussiert, dass ich gar nicht zur Fotografie recherchiert habe, das hole ich nach).

Das wirkt asynchron. So schnell sind auch die Rettungswagen am Ring nicht wirklich.
Die Informationen habe ich aus einem Online-Forum, wo der Unfall geschildert wurde. Da hieß es, dass der Rettungswagen schnell da war, die Rettungskräfte aber aufgrund der falschen Kleidung nichts ausrichten konnten. Ohne die vier Fahrer wäre Niki Lauda sicher verbrannt und gestorben.

Da würde ich einen Absatz machen.
Ist erledigt. Möchte mich bei dir für deinen sehr guten Kommentar bedanken; vor allem der Ansatz, dass ich den Prota noch stärker über die Fotografie charakterisiere, hat mir gut gefallen.

Wünsche dir alles Gute für 2022.

Beste Grüße
MRG


Hallo @sevas,

vielen Dank für diesen schönen Kommentar, den ich sehr, sehr gerne gelesen habe. Das sind viele hilfreiche Punkte drin, ich gehe ausführlich darauf ein:

ein frohes neues (und hoffentlich produktives Schreib-) Jahr wünsche ich dir!
Das wünsche ich dir auch! :-)

Mit deiner Themenauswahl überraschst du mich immer wieder aufs Neue und ich finde es sehr spannend zu sehen, wie du dich an den verschiedenen Genres ausprobierst. Weiter so! Hast du schon eine Genre-Präferenz entwickelt oder machst du das mehr aus dem Bauch heraus?
Das finde ich ein sehr schönes Kompliment, danke dafür! Ich habe keine Genre-Präferenz, wobei mir aufgefallen ist, dass Romantik mir am schwersten fällt. Ziel ist es, so viel wie möglich zu schreiben und alles auszuprobieren. Was mir sehr gut gefallen hat, ist die "psychology of interest"; das ist ein Unterthema der Psychologie, die sich damit befasst, wann etwas als interessant wahrgenommen wird. Das versuche ich mir so ein bisschen als Rahmenwerk zur Hand zu nehmen, um zu schauen, was ein Thema für mich hergibt.

Deine neueste FF-Story habe ich sehr gerne gelesen und finde, dass du dich mit jeder neuen Geschichte steigerst und verbesserst. Wie ich den vorhergehenden Kommentaren entnehme, hast du schon einige Stellen überarbeitet und gerne möchte auch ich dir ein paar Eindrücke dalassen (die einzelnen Eindrücke und Vorschläge sind dabei natürlich komplett subjektiv).
Das hat mich ermutigt und auch sehr gefreut; mein Ziel ist es, mich Schritt für Schritt zu verbessern, meine Grenzen auszureizen und so viel wie möglich zu lernen.

Den Einstieg finde ich prinzipiell gut, man ist sofort verortet und kriegt einen ersten Hinweis darauf, in welcher Szenerie man sich befindet. Beim Echo bin ich ein wenig unsicher, ob das der treffende Begriff ist, weil der Schall ja durch irgendein grösseres Objekt zurückgeworfen werden müsste. Ist das auf einer Rennstrecke gegeben? Zwar weiss ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, auf welcher Rennstrecke wir uns befinden, aber das Echo hat mich dennoch kurz stoppen lassen. Auch weiß ich zu Beginn nicht, dass der Erzähler schon öfter Rennen besucht hat, weshalb ich ihm die Gänsehaut hier (noch) abnehme. Aber später stellt sich dann heraus, dass er A) schon einige Rennen besucht hat und B) dass er mittlerweile ein ziemlich abgebrühter Kerl ist. Würde der tatsächlich noch eine Gänsehaut beim Hören der Motorgeräusche bekommen?
Guter Punkt mit dem Echo, das muss ich mir noch einmal anschauen; ich bin mir noch nicht ganz sicher, was hier der richtige Begriff sein muss. Nehme ich mir mit, um das noch einmal zu recherchieren. Auch der Punkte zur Persönlichkeit des Protas finde ich ziemlich überzeugend! Das hatte ich gar nicht so auf dem Schirm, gebe dir allerdings recht; hier muss ich noch einmal tiefer reingehen, mich stärker in die Figur reindenken. Sehr hilfreich!

Den Teil "erinnerst du dich an letztes Mal" finde ich noch ein bisschen sperrig (und auch nicht zwingend notwendig). Hier ein Vorschlag: "Niemals", antwortete mein Kollege. "Meins war viel besser. Das haben alle gesagt."
Ja, die Dialoge, das ist noch so ein Thema, was ich wohl generell unbedingt verbessern will. Da gehe ich in der Überarbeitung noch einmal in mich und versuche den Vorschlag von @Rob F umzusetzen.

Das klingt für mich ein wenig so, als würde die Stille von außen, von äußeren Umständen ausgehen oder erzwungen werden. Aber die beiden schweigen ja einfach nur einen Moment. Das würde ich allenfalls auch genau so sagen: "Wir schwiegen einen Moment." oder "einen Moment lang sagten wir nichts."
Die Stelle habe ich angepasst, danke!

"Wundere mich auch" finde ich ein wenig künstlich bzw. unnatürlich. Vielleicht ginge das einen Tick natürlicher, etwas in der Art "Habe mich auch gefragt, wo er bleibt", sagte ich. Was ich mich zudem gefragt habe: Schießt man ein Siegerfoto von der Naturtribüne aus? Liegt die nicht ein wenig abseits? Die müssten doch dann bei der Ziellinie stehen, und dort gibt's wiederum bestimmt Lautsprechergeräusche (denen sie ja explizit aus dem Weg gehen). Aber vielleicht verstehe ich das auch einfach falsch, ich kenne mich mit der F1 oder dem Streckenlayout des Nürburgrings leider gar nicht aus.
Mir ist noch nicht so genau klar, wann etwas natürlich ist oder unnatürlich; die Dialoge aus dem echten Leben zum Beispiel würde ich als "natürlich" bezeichnen, aber wenn ich das in eine Geschichte genau so machen würde, dann wäre das ja doch sehr chaotisch. Ich verstehe das so, dass Dialoge so einfach wie möglich sein müssen, ohne zu sperrig zu sein.

Hier erwähnst da explizit das Modell. Als Laie auf dem Gebiet der Photographie ziehe ich aus dieser Info keinen Mehrwert. Willst du hiermit vor allem sagen, dass es sich um eine analoge Kamera handelt (hab's gegoogelt 😉)? Oder um ein besonders teures Modell? Das müsstest du meiner Meinung nach aber anders verpacken, z.B. indem der Kollege die neue Kamera bewundert oder neidisch betrachtet.
Wollte hier noch ein Detail reinbauen, um zu zeigen, dass der Prota Ahnung von Fotografie hat; da habe ich gar nicht so tief drüber nachgedacht.

Dieser Teil bzw. diese Beschreibung gefällt mir eigentlich sehr gut, dadurch kann ich mir das Setting noch besser vorstellen. Ich denke aber, dass du gewisse Infos (ich habe sie oben markiert) gar nicht brauchst und allenfalls streichen könntest.
Hm, ich kann durchaus verstehen, dass ich das hier stärker komprimieren könnte; frage mich allerdings, ob dann noch dieser Kontrast rauskommt. Ich habe das Grün der Natur gegen die Nordschleife und die Randsteine.

Dieser Teil ist ziemlich dicht und man könnte ihn vom Rhythmus her allenfalls ein wenig umstrukturieren: Der weiß-rote Ferrari, ein 312T2 mit der Nummer 18, bog in die Linkskurve ein; trotz der Schaumstöpsel dröhnte das Motorgeräusch des 12-Zylinders in meinen Ohren. Ich bildete mir ein, Benzin zu riechen. Wie es wohl wäre, selbst in diesem Cockpit zu sitzen?
Guter Punkt, nehme ich mir für die Überarbeitung mit, mal schauen, was sich dann am Ende am besten anhört. Danke!

Schwierige Stelle. Das ist ja eigentlich das Schlüsselereignis der Geschichte und es passiert sehr viel auf einmal, aber ich muss mir doch den Großteil der Szene irgendwie selber zusammenreimen. Ich denke, dass du hier noch Details einbauen könntest, damit der Unfall vor meinem geistigen Auge so abläuft, wie er eben (leider) stattgefunden hat. Vielleicht könnte man den Aufprall detaillierter beschreiben, in der jetzigen Form "passiert er einfach". Flogen da keine Funken/Teile oder wirbelte da kein Rauch auf? Waren keine anderen Wagen in der Nähe, die ausweichen mussten? Waren da sonst irgendwelche Leute oder Fans in der Nähe der Unfallstelle? Das würde ich noch besser erlebbar machen. Auch in der Zeitabfolge scheint etwas nicht zu stimmen, denn Lauda verliert den Helm erst dann, als der Wagen zum Stillstand kommt (aber vielleicht war auch tatsächlich so, ich habe das Video nicht gesehen). Ich denke zudem, dass du mit den Semikolons am Ende vor allem Geschwindigkeit oder eine schnelle Abfolge andeuten möchtest, aber irgendwie fände ich hier Punkte bzw. mehrere kurze, durch Punkte getrennte Sätze passender. Dass ein anderer Wagen in Laudas Ferrari kracht, stelle ich mir ziemlich heftig vor … Was löst das alles beim Erzähler und seinem Kollegen aus? Ist dem anderen Fahrer dabei etwas passiert?
Das finde ich einen sehr, sehr guten Punkt von dir. Genau hier hängt die Geschichte in meinen Augen noch am stärksten. Es ist noch zu berichtend und zu wenig erlebbar. Deine Anmerkungen dazu, wie ich das szenischer machen kann, helfen mir auf jeden Fall weiter. Auch die Gedanken mit den Punkten statt den Semikolons finde ich gut, mein Grundgedanke war, dass ich das in die Länge zerdehne und mehrere Geschehnisse simultan stattfinden lasse. Auch das mit dem anderen Wagen, hatte ich bislang noch gar nicht so auf dem Schirm. Interessant, da habe ich noch viele Möglichkeiten noch gar nicht bedacht, geschweige denn ausgeschöpft.

Die Reaktion des Kollegen empfinde ich als unnatürlich. Ich denke, der würde diese drei Gedanken nicht in einem einzigen Satz zusammenfassen. Vielleicht könntest du auch noch ein bisschen Aktion bzw. physische Reaktion einbauen, z.B. indem er seine Kamera (die hoffentlich an einem Nacken-/Tragegurt hängt) fallen lässt oder etwas in der Art.
Gute Idee! Das gefällt mir außerordentlich, weil ich da auch gar nicht drüber nachgedacht habe. Wahrscheinlich bleibt er auch daher noch lediglich ein Statist, der nicht so richtig zum Leben erweckt wird. Die physische Reaktion nehme ich mir sehr gerne mit.

Das Fragezeichen würde ich streichen.
Ist angepasst, danke.

Du deutest am Anfang der Geschichte zwar an, dass es dem Erzähler wichtig ist, dieses Mal zu gewinnen, aber dass er so abgebrüht ist, war dann irgendwie doch überraschend. Die Entwicklung kommt etwas gar plötzlich (was natürlich auch an der ultrakurzen Form liegt), aber vielleicht könnte man doch irgendwie in den Dialogen davor andeuten, dass der Erzähler ein ziemlich verbissener Kerl ist.
Hm ja, da sind wir wieder bei den Figuren, die nicht so richtig zum Leben erweckt werden. Das ist eine gute Herausforderung für mich und ich kann auch einsehen, dass die Entwicklung zu plötzlich kommt, dass da noch Zwischenstufen fehlen. Mal sehen, ob ich das über die Dialoge hinbekommen kann.

Ich glaube, dass du den Zeilenumbruch hier nicht brauchst, da du beim Erzähler bleibst.
Stimmt, das habe ich angepasst.

Hier könntest du noch sagen, dass sie nie wieder zusammen zu einem Rennen gingen (denn der Erzähler wird jetzt bestimmt Blut geleckt haben und noch viele Rennen besuchen).
Das hatte ich tatsächlich auch erst so drin, aber dann ist mir die Dopplung aufgefallen, weil er ja schon davor seine Kamera zusammenpackt.

Der letzte Satz gefällt mir sehr gut 👏🏼
Danke, das habe ich gerne gelesen.

Was mir allgemein noch aufgefallen ist: Du hast einen Ich-Erzähler gewählt, dieser bleibt jedoch ziemlich distanziert. Vor allem im zweiten Teil, also ab dem Moment, wo der Unfall geschieht, erzählt er die Geschichte vorwiegend in berichtender Form und so bleibt diese Distanz bis zum Ende bestehen. Ich erfahre sehr wenig über diese Person oder ihre Motivation. Beim Unfall und den darauffolgenden Ereignissen wäre es aber sehr spannend zu lesen, was dabei in ihm vorgeht. Ist er denn kein bisschen schockiert? Was denkt er, als Laudas Wagen in den Randstein kracht? Denkt er dabei nur an seinen Sieg gegen den Kollegen? Da du einen Ich-Erzähler hast, könntest du doch einige Gedankengänge aufzeigen, denn derzeit nehme ich ihm die Kaltschnäuzigkeit und die plötzliche Entwicklung nicht ab. Momentan verlässt du dich vollkommen auf die Dialoge, aber die reichen meiner Meinung nach nicht aus, die Handlungen des Erzählers zu erklären. Da heißt es plötzlich "Diesmal gewinne ich" oder "Ich bin ein Gewinner", aber nachvollziehen kann ich es nicht wirklich.
Den Ich-Erzähler noch stärker darüber reflektieren lassen, nachdenken lassen, ja das stimmt, habe ich gar nicht miteingebaut. Die Distanz will ich beheben und die Figuren sollen ja auch emotional greifbar sein. Das Hauptmotiv des Erzählers ist dieser Siegeswille, da kann ich wirklich noch mehr von seinem Charakter zeigen.

Mein Kommentar liest sich jetzt bestimmt kritischer, als ich ihn eigentlich geplant habe. Da sind natürlich auch viele Stellen dabei, die mir sehr gut gefallen haben. Wie eingangs bereits erwähnt, finde ich es super spannend zu sehen, wie du experimentierst und dich mit immer neuen Themen, Formen und Perspektiven beschäftigst. Da werde ich mir eine Dicke Scheibe davon abschneiden 👍🏼
Dein Kommentar hat sich für mich sehr hilfreich gelesen, du bist nah am Text geblieben, hast mir gute Beispiele und Vorschläge mitgegeben und ich habe jetzt einen richtig guten Ansatz, wie ich an die Überarbeitung gehen kann. Vielen Dank!

Beste Grüße
MRG

Hallo @Friedrichard,

vielen Dank für deinen Kommentar und deine Zeit. Ich hoffe, dass du gut ins neue Jahr gekommen bist. Ich gehe im Detail auf deine Punkte ein:

Ein kleines, aber gekonntes „Schlag“licht wirfstu auf die „Gesellschaft der Singularitäten“(A. Reckwitz),
Dankeschön! A. Reckwitz kenne ich gar nicht, den schaue ich mir gleich mal näher an.

die einer Logik des „Besonderen“ folgt und sei es, das Unglück eines „Großen“ zu fotografieren, den man auch noch vertraulich benennt, um etwas Einzigartiges zu schaffen, das nicht jeder schaffen kann, auf dass der Ruhm des Großen für fünf oder zehn Minuten auf den bis dato Unbekannten falle, wobei mir das kurze Konkurrenzgebaren zu Anfang
Das ist sehr gut zusammengefasst, mein Ziel war diesen Siegeswillen um jeden Preis darzustellen und zu zeigen, wie merkwürdig das eigentlich ist (ich hatte diesen Eindruck, als ich das Bild gesehen habe).

schon auf das viel Gefährlichere hinweisen kann, wenn eine Journaille unter Konkurrenzgebaren sensationshalber Stories erfindet ... Wie dem auch wird, gern gelesen und - bevor's wieder vorbei ist - ein gutes neues Jahr!
Schön, dass du es gerne gelesen hast, hat mich sehr gefreut. Dir auch ein erfolgreiches neues Jahr!

Beste Grüße
MRG

 
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Hallo @MRG

ich habe deinen Text gerne gelesen. Trotz der Kürze war ich recht schnell drin und konnte mir das alles auch gut vorstellen. Das Ende hat bei mir ebenfalls gut funktioniert. Ein ganz klein wenig musste ich dabei an den Film Nightcrawler denken. Auch das Thema, das du hier anschneidest, Gewinnen um des Gewinnens willen und unter Ausblendung aller Moral fand ich passend. Gerade in unserer heutigen Zeit. Die Gegenüberstellung dieser Thematik mit dem Wettrennen-Kontext (ob nun beabsichtigt oder nicht) hat für mich ebenfalls funktioniert. Ein guter Text, wie ich finde.
Ich habe aber auch ein paar Stellen markiert, die mir nicht so gefallen haben. Ist aber nur meine Sicht. Vielleicht kannst du damit ja trotzdem was anfangen.

Viele Grüße
Habentus

Eintrag vom 1. August 1976
Mir ist nicht klar, warum du das voranstellst. Um es zeitlich einzuordnen? Das bräuchtest du meiner Meinung nach nicht tun, weil ja spätestens bei Niki Lauda klar wird, wo wir uns befinden. Mich hat es auf jeden Fall direkt zu Beginn ein wenig irritiert. Eben weil ich die Bedeutung nicht sehe. Es ist ja kein Tagebucheintrag des Protagonisten. Jedenfalls wird das nicht ersichtlich, denn sonst müsste es insgesamt anders formuliert sein, denke ich.
Ich habe ein neues Modell.“
Also es sind ja zwei (Hobby-) Fotografen. Die würden sich vermutlich anders über ein neues Modell unterhalten. Da das aber ggf. den Lesefluss stören würde, würde ich diese Stelle eher komplett streichen.
„Es gibt keine bessere Strecke. Die Nordschleife ist legendär“, sagte ich
Finde nicht, dass es diesen Satz braucht.
Der weiß-rote Ferrari, ein 312T2 mit der Nummer 18, bog in die Linkskurve ein, das Motorgeräusch des 12-Zylinders dröhnte trotz der Schaumstöpsel in meinen Ohren,
Tja, hier hat mich detaillierte Ausformulierung gestört. Was interessiert es mich, ob es ein 312T2 ist? Dass es ein 12-Zylinder ist? Es trägt für mich auch nicht zur Atmosphäre des Textes bei, das auszuformulieren. Aber das ist sicherlich Geschmackssache.
ich bildete mir ein, Benzin zu riechen (obwohl ich dafür zu weit entfernt war)
Würde den Teil in der Klammer streichen. Dann wirkt es für mich stärker.
Benzingeruch stieg mir in die Nase
Bilde mir ein, dass du in einer früheren Version geschrieben hattest, dass dieses Mal wirklich Benzingeruch in die Nase stieg oder so. Das fand ich ehrlich gesagt besser. Oder hab ich mir den Satz eingebildet?
brannte; ich hörte seine Schreie; ein anderer Rennwagen krachte in das brennende Wrack.
„Niki Lauda brennt,
Dopplung
„Das kann nicht dein Ernst sein!“, schrie mein Kollege.
„Diesmal gewinne ich“
Also ich weiß ja, worauf du hinaus willst. Aber es bräuchte für mich den protestierenden Kollegen gar nicht. Es wirkt so oder so stark, dass der Protagonist sagt, Diesmal gewinne ich. Der Protest des anderen nimmt dieser Stelle sogar ein wenig die Wirkung, wie ich finde.
„Was bist du für ein Mensch?“, fragte mich mein Kollege.
„Ich bin ein Gewinner.“
Vor allem weil du hier im Prinzip die Stelle wiederholst. Würde also Das kann nicht dein Ernst sein! streichen und den Kollegen nur an dieser Stelle sprechen lassen. Aber vielleicht geht das auch nur mir so.
Wir gingen nie wieder zu einem Rennen.
Das hat für mich nicht gepasst. Gingen sie nie wieder zusammen zu einem Rennen? Das könnte ich verstehen. Aber warum sollte denn der Protagonist jetzt nie wieder zu einem Rennen gehen? Jetzt, wo er Blut geleckt hat und sich vielleicht ja genau auf diese Art von Elendsjournalismus festlegen könnte? Oder ist mir etwas Grundlegendes entgangen?

 
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Hallo MRG,

Deine Geschichte hat mich nicht losgelassen und ich habe sie gleich noch einmal durchgelesen. Das ist auf jeden Fall schon mal ein gutes Zeichen.

Ein paar Dinge sind mir noch aufgefallen, die Du eventuell nutzen könntest, um die Geschichte noch packender zu schreiben. Das sind natürlich alles nur sehr subjektive Vorschläge.

Ein Rennwagen raste vorbei, das Echo klang nach und löste bei mir Gänsehaut aus. Wir standen auf der Naturtribüne zwischen der Ex-Mühle und der Rechtskurve am Bergwerk; hier erreichten uns keine Lautsprecherdurchsagen und die Linsen der Kameras hatten freie Sicht.
Wie wäre es mit: "Hier waren wir weit genug weg von den nervigen Lautsprecherdurchsagen und hatten freie Sicht für unsere Kameras.
("Linsen der Kameras" ist zu sperrig. So redet kein Photograph.)

„Du hattest nur Glück mit dem Licht. Ich habe ein neues Modell.“
Es kam zu einer kurzen Stille.
Ich könnte mir vorstellen, dass hier ein guter Platz wäre, die Nikon F3 einzubauen.
... ich habe ein neues Modell. "
Grinsend beugte ich mich zu meiner Nikon F3 und prüfte die Einstellungen. Kurze Belichtungszeiten, offene Blende, so sollte es klappen. X. sagte nichts.

In dem Moment schlingerte der Wagen, krachte gegen die Randsteine, wurde von der Wucht des Aufpralls zurückgeworfen und kam in horizontaler Ausrichtung auf der Rennstrecke zum Stillstand; ich sah wie Niki Lauda seinen Helm verlor, er trug eine weiße Haube;
Ich habe auch das mal ein bisschen zugespitzt. Wie gesagt: Das sollen nur Vorschläge sein.

Ich riss die Nikon hoch und visierte den Wagen an. Gerade, als er in den Schärfebereich kam, begann der Ferrari zu schlingern, dann nach rechts auszubrechen. Im Tele konnte ich sehen, wie er gegen die Felswand prallte und zurück auf die Fahrbahn schlitterte. Lauda wurde im Cockpit herumgeschleudert und verlor seinen Helm.

(Ich würde die Haube an dieser Stelle weg lassen.)

Der Ferrari bliebt quer zur Fahrbahn stehen und fing Feuer. Ich hörte Lauda schreien, während zwei weitere Wagen in das Wrack krachten.

„Niki Lauda brennt, ich glaube, er stirbt! Wir müssen was tun!", rief mein Kollege.
Wie wäre es mit "Lauda brennt. Das überlebt er nicht", rief mein Kollege. "Wir müssen was tun."

ich sah, wie vier Fahrer zum brennenden Ferrari eilten und versuchten, Niki Lauda aus dem brennenden Wagen zu zerren. Während sie den Körper aus dem Cockpit hievten, näherte sich ein Rettungswagen;
Lass das "Ich sah" weg.

Vier Fahrer rannten zum brennenden Ferrari und versuchten, Niki Lauda aus dem brennenden Wagen zu zerren. Es schien eine Ewigkeit zu dauern.

Und dann wäre meine Empfehlung ...
1. den Protagonisten durch das Tele die Flammen sehen lassen, vor dem dunklen Rauch, und
2. Irgend etwas von seinen Emotionen erlebbar zu machen, wie er plötzlich seine Chance sieht. Fiebrig anfängt, Bilder zu machen, bis der Film leer ist. Irgend so etwas.

Herzliche Grüße,
Gerald

 

MRG

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Vielen Dank für eure Kommentare @Habentus und @C. Gerald Gerdsen, habe mich sehr gefreut! Werde allerdings erst am Wochenende ausführlich darauf eingehen können.

Beste Grüße
MRG

 

MRG

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12.03.2020
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Hallo @Habentus,

vielen Dank für deinen Kommentar, hat mich sehr gefreut und deine Anmerkungen gefallen mir. Ich steige direkt ein:

ich habe deinen Text gerne gelesen. Trotz der Kürze war ich recht schnell drin und konnte mir das alles auch gut vorstellen. Das Ende hat bei mir ebenfalls gut funktioniert. Ein ganz klein wenig musste ich dabei an den Film Nightcrawler denken. Auch das Thema, das du hier anschneidest, Gewinnen um des Gewinnens willen und unter Ausblendung aller Moral fand ich passend. Gerade in unserer heutigen Zeit. Die Gegenüberstellung dieser Thematik mit dem Wettrennen-Kontext (ob nun beabsichtigt oder nicht) hat für mich ebenfalls funktioniert. Ein guter Text, wie ich finde.
Schön, dass du den Text gerne gelesen hast und gut reingekommen bist, auch was die Thematik angeht. Danke!

Mir ist nicht klar, warum du das voranstellst. Um es zeitlich einzuordnen? Das bräuchtest du meiner Meinung nach nicht tun, weil ja spätestens bei Niki Lauda klar wird, wo wir uns befinden.
Sehe ich ein, habe ich gestrichen.

Also es sind ja zwei (Hobby-) Fotografen. Die würden sich vermutlich anders über ein neues Modell unterhalten. Da das aber ggf. den Lesefluss stören würde, würde ich diese Stelle eher komplett streichen.
Das finde ich schwierig, weil ich darüber zeigen will, wie sehr die Niederlage an ihm gekratzt hat, ohne da zu sehr in die Details zu gehen. Kann deinen Punkt allerdings sehr gut nachvollziehen, weil da ja sofort Interesse bestehen müsste und das nicht einfach übergangen werden würde. Ja, ich habe es gestrichen, um diesem Fettnäpfchen zu entgehen, ist ein guter Punkt.

Finde nicht, dass es diesen Satz braucht.
Ist so ein Darling von mir, kann ich mich noch nicht von trennen. Mal sehen, ob ich das nicht doch noch rausnehme, werde es in der jetzigen Version allerdings erst einmal drin lassen.

Tja, hier hat mich detaillierte Ausformulierung gestört. Was interessiert es mich, ob es ein 312T2 ist? Dass es ein 12-Zylinder ist? Es trägt für mich auch nicht zur Atmosphäre des Textes bei, das auszuformulieren. Aber das ist sicherlich Geschmackssache.
Hat mich zum Nachdenken gebracht, weil ich genau hier einiges an Zeit investiert habe, um die Details richtig platzieren zu können und die Glaubwürdigkeit etwas zu erhöhen.

Würde den Teil in der Klammer streichen. Dann wirkt es für mich stärker.
Habe ich gestrichen, wurde ja auch schon an anderer Stelle vorgeschlagen und ich probiere es einmal aus.

Bilde mir ein, dass du in einer früheren Version geschrieben hattest, dass dieses Mal wirklich Benzingeruch in die Nase stieg oder so. Das fand ich ehrlich gesagt besser. Oder hab ich mir den Satz eingebildet?
Ne, das war schon in der Anfangsversion genau so, da habe ich nicht dran rumgebastelt.

Dopplung
Guter Punkt, ist angepasst.

Also ich weiß ja, worauf du hinaus willst. Aber es bräuchte für mich den protestierenden Kollegen gar nicht. Es wirkt so oder so stark, dass der Protagonist sagt, Diesmal gewinne ich. Der Protest des anderen nimmt dieser Stelle sogar ein wenig die Wirkung, wie ich finde.
Hier tue ich mich noch schwer, weil ich die Figuren selbst nicht so gelungen finde, je mehr Abstand ich zu dem Text habe. Das ist etwas, wo ich noch einmal nachschärfen muss, allerdings will ich den Text auch nicht verschlimmbessern. Mal sehen, wie ich das am besten angehe.

Vor allem weil du hier im Prinzip die Stelle wiederholst. Würde also Das kann nicht dein Ernst sein! streichen und den Kollegen nur an dieser Stelle sprechen lassen. Aber vielleicht geht das auch nur mir so.
Ist auch angepasst, danke.

Das hat für mich nicht gepasst. Gingen sie nie wieder zusammen zu einem Rennen?
Ja, dann habe ich die Dopplung, aber das scheint ja wirklich zu stören (wurde ja von einigen angesprochen), ich habe es angepasst.

Vielen Dank für deinen Kommentar und deine Zeit.

Beste Grüße
MRG


Hallo @C. Gerald Gerdsen,

schön, dass du noch einmal vorbeischaust, das sehe ich nicht als selbstverständlich an.

Deine Geschichte hat mich nicht losgelassen und ich habe sie gleich noch einmal durchgelesen. Das ist auf jeden Fall schon mal ein gutes Zeichen.
Cool! Das ist ja ein gutes Zeichen und ich finde deine Anmerkungen an vielen Stellen sehr hilfreich:

Wie wäre es mit: "Hier waren wir weit genug weg von den nervigen Lautsprecherdurchsagen und hatten freie Sicht für unsere Kameras.
("Linsen der Kameras" ist zu sperrig. So redet kein Photograph.)
Ich habe die Linsen gestrichen, das hat mich überzeugt.

Ich könnte mir vorstellen, dass hier ein guter Platz wäre, die Nikon F3 einzubauen.
... ich habe ein neues Modell. "
Grinsend beugte ich mich zu meiner Nikon F3 und prüfte die Einstellungen. Kurze Belichtungszeiten, offene Blende, so sollte es klappen. X. sagte nichts.
Habe diesen Teilsatz jetzt mal komplett rausgestrichen, um hier nicht die Kamera zu thematisieren, mal schauen, wie es funktioniert.

Ich habe auch das mal ein bisschen zugespitzt. Wie gesagt: Das sollen nur Vorschläge sein. Ich riss die Nikon hoch und visierte den Wagen an. Gerade, als er in den Schärfebereich kam, begann der Ferrari zu schlingern, dann nach rechts auszubrechen. Im Tele konnte ich sehen, wie er gegen die Felswand prallte und zurück auf die Fahrbahn schlitterte. Lauda wurde im Cockpit herumgeschleudert und verlor seinen Helm. (Ich würde die Haube an dieser Stelle weg lassen.) Der Ferrari bliebt quer zur Fahrbahn stehen und fing Feuer. Ich hörte Lauda schreien, während zwei weitere Wagen in das Wrack krachten.
Das ist für mich die bislang schwierigste Stelle; hier stecke ich momentan auch fest, weil ich hier für mich selbst noch keinen richtigen Weg gefunden habe, diese Szene zu schreiben. Da brauche ich noch etwas Zeit, sodass ich das auf meine Weise hinbekomme.

Wie wäre es mit "Lauda brennt. Das überlebt er nicht", rief mein Kollege. "Wir müssen was tun."
Ich habe mir erlaubt den zweiten Satz miteinzubauen.

Lass das "Ich sah" weg. Vier Fahrer rannten zum brennenden Ferrari und versuchten, Niki Lauda aus dem brennenden Wagen zu zerren. Es schien eine Ewigkeit zu dauern.
Habe ich gekauft, so wirkt es in meinen Augen unmittelbarer und ich habe diese überflüssigen Worte weg.

Und dann wäre meine Empfehlung ...
1. den Protagonisten durch das Tele die Flammen sehen lassen, vor dem dunklen Rauch, und
2. Irgend etwas von seinen Emotionen erlebbar zu machen, wie er plötzlich seine Chance sieht. Fiebrig anfängt, Bilder zu machen, bis der Film leer ist. Irgend so etwas.
Zwei gute Vorschläge, die ich mir mitnehmen werden; mal schauen, wie ich das für mich umsetzen kann. Momentan stecke ich nämlich insofern fest, dass ich mich frage, wie ich einen emotionalen Zugang zu meinen Figuren bekommen kann. Es kommt mir so vor, als seien sie noch weit von mir entfernt und in meinem Kopf sind sie nicht wirklich lebendig. Das ist wohl so eine grundsätzliche Frage, wie ich mich Figuren nähern kann. Das blockiert mich etwas, was die Überarbeitung angeht. Werde mir da etwas Zeit geben und dann mit frischen Kräften da dran gehen. Denke, dass mich das auch generell weiterbringen wird.

Danke für deinen Kommentar und das erneute Reinschauen.

Beste Grüße
MRG

 
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Hallo @MRG ,

das ist ein interessanter kleiner Text, ich lasse dir auch mal ein paar Eindrücke da, vielleicht kannst du was davon gebrauchen.

Vorab: Ich hab keinen Plan von Autorennen (obwohl mir dieser Unfall natürlich bekannt ist), bin also auf Infos im Text angewiesen.

Ein Rennwagen raste vorbei, das Echo klang nach und löste bei mir Gänsehaut aus. Wir standen auf der Naturtribüne zwischen der Ex-Mühle und der Rechtskurve am Bergwerk; hier erreichten uns keine Lautsprecherdurchsagen und die Kameras hatten freie Sicht.
„Diesmal gewinne ich.“
Ich finde die Idee mit dem etwas anders aufgezogenen Konflikt gut, aber der Anfang erschwert mir die Verortung des Erzählers: es geht um Rennwagen und jemand sagt, er solle gewinnen. Da es nicht in der Zeile nach 'freie Sicht' steht, gehe ich davon aus, dass es nicht der Icherzähler ist, der spricht und ich gehe davon aus, dass es ein Rennfahrer ist, der gewinnen will.
Rückblickend sieht es doch so aus, als würde die erste wörtliche Rede doch zum Icherzähler gehören und dann geht es beim Gewinnen wohl um einen Photowettbewerb. Vielleicht das etwas entfusseln?

Es kam zu einer kurzen Stille.
Das ist ziemlich bürokratisch ausgedrückt und beinahe auktorial - vllt. lieber ein schlichtes Wir schwiegen eine Weile.
„Wo bleibt Niki?“
„Wundere mich auch, wo er bleibt“, sagte ich. „Er ist nur im Mittelfeld, ich will ein Siegerfoto.“
„Vielleicht liegt es an dem Regen von heute morgen?“
„Wahrscheinlich.“
„Dass die überhaupt fahren.“
Tut der Dialog eigentlich was für den Text? Das mit dem Siegerfoto wissen wir vom Beginn (jetzt, im Nachhinein), und es ist für den Unfall doch eher egal, wie er entstand, oder? Das klingt für mich eher wie rückwärts aufgezogen: aus heutiger Sicht noch mal aufgerollt, als wüssten wir nix.
„Die paar Schauer sind ja vorbei. Aber gefährlich ist das immer."
Sehr auffälliges Foreshadowing. Da von Niki die Rede ist funktioniert es nicht so richtig, weil man sich denken kann, um welches Rennen es hier geht.
Vor uns schien die Sonne auf den Asphalt, die Rennstrecke krümmte sich zu einer scharfen Linkskurve; hinter den etwa fünfzehn Zentimeter hohen Randsteinen und dem Zaun ragten grüne Sträucher und Bäume empor. Mir gefiel der Kontrast.
Das finde ich richtig gut - hier bin ich nämlich beim Erzähler, im Setting und bei seinen Wünschen. Das ist ein toller, individueller Moment, der zeigt, wie der Prota quasi alles fotografisch sieht. Aus dieser Sicht würde ich gern mehr haben - also mit einer Meinung/Wertung des Erzählers, die ihn etwas unabhängiger von der Haltung des Autors macht.
In dem Moment schlingerte der Wagen, krachte gegen die Randsteine, wurde von der Wucht des Aufpralls zurückgeworfen und kam in horizontaler Ausrichtung auf der Rennstrecke zum Stillstand; ich sah wie Niki Lauda seinen Helm verlor, er trug eine weiße Haube; Benzingeruch stieg mir in die Nase; der Wagen fing Feuer; Niki Lauda brannte; ich hörte seine Schreie; ein anderer Rennwagen krachte in das Wrack.
„Das überlebt er nicht!", rief mein Kollege.
Konzentriert richtete ich die Linse auf die Unfallstelle und drückte den Auslöser.
„Diesmal gewinne ich“, sagte ich. Wieder drückte ich den Auslöser. Weitere Rennwagen bremsten ab und vier Fahrer eilten zum brennenden Ferrari und versuchten, Niki Lauda aus dem Wagen zu zerren. Während sie den Körper aus dem Cockpit hievten, näherte sich ein Rettungswagen; Niki Lauda wurde eingeladen und wurde davongefahren.
Das erste Mal spricht der Erzäher nur von "Niki", jetzt immer mit vollem Namen und dazu bissl Overkill. Ich würde raten, den Nachnamen ganz wegzulassen. Wenn ich weiß, um wen es geht, schnallt es jeder. ;)
ich bildete mir ein, Benzin zu riechen
Tut er das nicht? Man riecht auch auf dem Flughafen Kerosin, selbst wenn die Flugzeuge gar nicht gerade aufgetankt werden.
Das mit dem Benzin-riechen sagst du oben schon mal genauso, ich sehe aber keinen Grund für eine Doppelung - lieber hier, das erhöht die Unmittelbarkeit.

Naturtribüne
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich mir hier vorzustellen habe - vllt. nur Tribüne? Oder, wenn es gar keine ist: Abhang ... Hügel ... irgendwie so?

„Was bist du für ein Mensch?“, fragte mich mein Kollege.
„Ich bin ein Gewinner.“
Er schüttelte den Kopf, packte seine Kamera zusammen und verließ den Schauplatz. Wir gingen nie wieder zusammen zu einem Rennen.
Zum ersten Mal verkaufte ich ein Bild an ein Magazin.
Das Ende kommt natürlich nicht überraschend, wenn man den Beginn in Kombi mit dem Setting bedenkt. Ich finde es ganz interessant, dass du vom klassischen Aufbau abweichst: Prota will dringend etwas / es gibt einen Widerstand / Konflikt / Auflösung.
Er will etwas und bekommt es ohne einen Konflikt, der Konflikt liegt außerhalb des Textes beim Leser. Sowas mag ich. Noch schöner fände ich es, wenn mir dieser implizite Konflikt nicht so arg um die Ohren gehauen wird, sondern es etwas offener bleibt, wie der Autor dazu steht. Denn du hast einen Icherzähler, der völlig okay findet, was er macht, und einen Autor, der das verurteilt - so führst du also deinen eigenen Erzähler vor. Das mag einen großen Teil der Distanz ausmachen.

Deine zweite Figur ist (ähnlich wie John Simms Figur in Life on Mars, das kann schon super funzen) das moralische Korrektiv. Vielleicht sollte er aber mehr sein als das? Alles ein wenig dezenter, nicht in so starkem gut/böse-Gegensatz? Die zweite Figur hat ja nur diese Funktion, in einem so kurzen Text fände ich es besser, wenn sie mehr Persönlichkeit bekäme, was ihre Rolle weniger offensichtlich oder vielleicht sogar ambivalent macht.

Das ist ja alles nicht so schwarz/weiß: einerseits ist es voyeuristisch, vielleicht menschenverachtend, egoistisch. Rückblickend ist es ein Zeitdokument, das dich ja wohl auch zu diesem Text inspiriert hat. Photojournalismus allgemein zu verdammen, weil es Leute gibt, die Selfies mit Toten machen ... Gäbe es das Photo nicht, gäbe es diesen Text nicht - du urteilst über deinen Prota jetzt aber härter als über dich selbst. Das ist doch eigentlich ein interessanter, ambivalenter Ansatz: sind sämtliche Photos von Katastrophen verwerflich oder können sie Empathie auslösen, und spielt dabei die Intention des Photographen eine Rolle oder nicht?

Übrigens: Ich habe bei dem Titel an sonstwie ein Inferno gedacht: Ramstein oder Deepwater Horizon ... Sicher war es das für Lauda, aber aus seiner Sicht ist der Text ja nicht verfasst, wir sind ja gar nicht am Wagen. Ich finde daher, der Titel deutet mehr an, als dann passiert - das mag aber an mir liegen. (Ketzerisch vorgeschlagen: Wenn du die emotionale Wertung des Titels rausnimmst - denn der Titel ist immer auf Autoren-, nicht auf Erzählerbene - und das "Nürburgring" nennst? Dann könntest du den 'leeren' Dialog sogar ganz streichen und dich voll auf die Charaktere und die Handlung anstatt auf die Verortung konzentrieren.)

Insgesamt ein sehr interessanter Text, der mit etwas pointierteren Passagen noch mehr glänzen könnte. Was für mich aber toll rüberkommt, ist ein gewisses Retro-Feeling, diese Stern-Magazin-Optik, es wird nicht auf die Betroffenheitsschiene gehievt, kurze Sätze, knapp, das alles finde ich schon sehr gut gelungen. Finde klasse, dass du sowas ausprobierst.

Meine 5 Cent, mit herzlichen Grüßen,
Katla

 

MRG

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Liebe @Katla,

vielen Dank für diesen schönen Kommentar und deine Zeit. Hat mir sehr dabei geholfen, mich aus dieser Blockade rauszuarbeiten und den Text noch einmal neu zu sehen. Bin dir daher besonders dankbar für deinen Kommentar:

das ist ein interessanter kleiner Text, ich lasse dir auch mal ein paar Eindrücke da, vielleicht kannst du was davon gebrauchen.
Vielen Dank für deine Einschätzung und vor allem für deine Eindrücke, die mich inspiriert haben.

Ich finde die Idee mit dem etwas anders aufgezogenen Konflikt gut, aber der Anfang erschwert mir die Verortung des Erzählers: es geht um Rennwagen und jemand sagt, er solle gewinnen. Da es nicht in der Zeile nach 'freie Sicht' steht, gehe ich davon aus, dass es nicht der Icherzähler ist, der spricht und ich gehe davon aus, dass es ein Rennfahrer ist, der gewinnen will.
Rückblickend sieht es doch so aus, als würde die erste wörtliche Rede doch zum Icherzähler gehören und dann geht es beim Gewinnen wohl um einen Photowettbewerb. Vielleicht das etwas entfusseln?
Guter Punkt, das habe ich angepasst und ich habe die Perspektive verändert; irgendwie hatte ich den Eindruck, dass ich so noch näher an den Prota kommen könnte. Bin sehr gespannt, ob das funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe.

Das ist ziemlich bürokratisch ausgedrückt und beinahe auktorial - vllt. lieber ein schlichtes Wir schwiegen eine Weile.
Habe ich rausgenommen, das ist ja einigen aufgefallen. Hoffe, dass es jetzt besser ist.

Tut der Dialog eigentlich was für den Text? Das mit dem Siegerfoto wissen wir vom Beginn (jetzt, im Nachhinein), und es ist für den Unfall doch eher egal, wie er entstand, oder? Das klingt für mich eher wie rückwärts aufgezogen: aus heutiger Sicht noch mal aufgerollt, als wüssten wir nix.
Habe ich in der Überarbeitung noch etwas runtergekürzt. Ist auch ein treffender Punkt, das sich das aus heutiger Sicht aufgerollt habe; da wollte ich wohl zu sehr, meine Recherche mit einfließen lassen.

Sehr auffälliges Foreshadowing. Da von Niki die Rede ist funktioniert es nicht so richtig, weil man sich denken kann, um welches Rennen es hier geht.
Habe ich gestrichen; tat gut diese Perspektive zu lesen, weil mir das gar nicht so klar war, wie es wirkt.

Das finde ich richtig gut - hier bin ich nämlich beim Erzähler, im Setting und bei seinen Wünschen. Das ist ein toller, individueller Moment, der zeigt, wie der Prota quasi alles fotografisch sieht. Aus dieser Sicht würde ich gern mehr haben - also mit einer Meinung/Wertung des Erzählers, die ihn etwas unabhängiger von der Haltung des Autors macht.
Danke! Das habe ich als Kernstück für meine Überarbeitung genommen und generell näher bei dem Prota zu sein. Versuch war so, die Wertung einerseits etwas rauszubekommen und noch mehr die innere Welt des Protas zu zeigen.

Das erste Mal spricht der Erzäher nur von "Niki", jetzt immer mit vollem Namen und dazu bissl Overkill. Ich würde raten, den Nachnamen ganz wegzulassen. Wenn ich weiß, um wen es geht, schnallt es jeder. ;)
Das habe ich auch runtergekürzt, danke!

Tut er das nicht? Man riecht auch auf dem Flughafen Kerosin, selbst wenn die Flugzeuge gar nicht gerade aufgetankt werden.
Das mit dem Benzin-riechen sagst du oben schon mal genauso, ich sehe aber keinen Grund für eine Doppelung - lieber hier, das erhöht die Unmittelbarkeit.
Das dachte ich auch zuerst, aber habe mich da etwas in ein Forum eingelesen und da hieß es, dass man kein Benzingeruch riecht.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich mir hier vorzustellen habe - vllt. nur Tribüne? Oder, wenn es gar keine ist: Abhang ... Hügel ... irgendwie so?
Hm, Naturtribüne fand ich ganz passend, gerade weil die Strecke auch Grüne Hölle genannt wird.

Das Ende kommt natürlich nicht überraschend, wenn man den Beginn in Kombi mit dem Setting bedenkt. Ich finde es ganz interessant, dass du vom klassischen Aufbau abweichst: Prota will dringend etwas / es gibt einen Widerstand / Konflikt / Auflösung.
Er will etwas und bekommt es ohne einen Konflikt, der Konflikt liegt außerhalb des Textes beim Leser. Sowas mag ich. Noch schöner fände ich es, wenn mir dieser implizite Konflikt nicht so arg um die Ohren gehauen wird, sondern es etwas offener bleibt, wie der Autor dazu steht. Denn du hast einen Icherzähler, der völlig okay findet, was er macht, und einen Autor, der das verurteilt - so führst du also deinen eigenen Erzähler vor. Das mag einen großen Teil der Distanz ausmachen.
Sehr interessante Rückmeldung. Habe mich allerdings immer noch schwer getan, wie ich diesen Konflikt etwas subtiler gestalten kann, da wusste ich noch keine direkte Lösung. Übrigens war es sehr Augen öffnend, dass ich meinen eigenen Erzähler vorführe. Das stimmte. Als ich jetzt die Perspektive verändert habe, ist es mir fiel leichter gefallen, hatte das Gefühl näher bei ihm zu sein.

Deine zweite Figur ist (ähnlich wie John Simms Figur in Life on Mars, das kann schon super funzen) das moralische Korrektiv. Vielleicht sollte er aber mehr sein als das? Alles ein wenig dezenter, nicht in so starkem gut/böse-Gegensatz? Die zweite Figur hat ja nur diese Funktion, in einem so kurzen Text fände ich es besser, wenn sie mehr Persönlichkeit bekäme, was ihre Rolle weniger offensichtlich oder vielleicht sogar ambivalent macht.
Mir ist hier leider noch nicht klar, wie ich der Figur mehr Persönlichkeit geben kann, ohne den Text länger zu machen. Daher habe ich mich entschieden, das so zu lassen und ihm nur diese eine Funktion zu geben.

Das ist ja alles nicht so schwarz/weiß: einerseits ist es voyeuristisch, vielleicht menschenverachtend, egoistisch. Rückblickend ist es ein Zeitdokument, das dich ja wohl auch zu diesem Text inspiriert hat. Photojournalismus allgemein zu verdammen, weil es Leute gibt, die Selfies mit Toten machen ... Gäbe es das Photo nicht, gäbe es diesen Text nicht - du urteilst über deinen Prota jetzt aber härter als über dich selbst. Das ist doch eigentlich ein interessanter, ambivalenter Ansatz: sind sämtliche Photos von Katastrophen verwerflich oder können sie Empathie auslösen, und spielt dabei die Intention des Photographen eine Rolle oder nicht?
Hm, interessant. Muss sagen, dass mich dieses Bild selbst geschockt habe und ich mich gefragt habe, ob ich in so einer Situation auch auf die Kamera gedrückt hätte. Mir kam das irgendwie so grausam vor. Allerdings kann ich deinen Punkt sehr gut nachvollziehen. Die Intention ist wichtig, das stimmt und ich unterstelle hier, dass es eine egoistische Intention ist.

Übrigens: Ich habe bei dem Titel an sonstwie ein Inferno gedacht: Ramstein oder Deepwater Horizon ... Sicher war es das für Lauda, aber aus seiner Sicht ist der Text ja nicht verfasst, wir sind ja gar nicht am Wagen. Ich finde daher, der Titel deutet mehr an, als dann passiert - das mag aber an mir liegen. (Ketzerisch vorgeschlagen: Wenn du die emotionale Wertung des Titels rausnimmst - denn der Titel ist immer auf Autoren-, nicht auf Erzählerbene - und das "Nürburgring" nennst? Dann könntest du den 'leeren' Dialog sogar ganz streichen und dich voll auf die Charaktere und die Handlung anstatt auf die Verortung konzentrieren.)
Das hat mich auch zum Nachdenken gebracht und ich probiere das mal mit dem neuen Titel aus, weil es stimmt schon, dass ich hier etwas zu viel verspreche.

nsgesamt ein sehr interessanter Text, der mit etwas pointierteren Passagen noch mehr glänzen könnte. Was für mich aber toll rüberkommt, ist ein gewisses Retro-Feeling, diese Stern-Magazin-Optik, es wird nicht auf die Betroffenheitsschiene gehievt, kurze Sätze, knapp, das alles finde ich schon sehr gut gelungen. Finde klasse, dass du sowas ausprobierst.
Vielen Dank für deine motivierenden Worte. Dein Kommentar hat mir sehr gut gefallen und dafür gesorgt, dass ich da noch einmal mit anderen Augen dran gehen konnte. Danke, das war ein sehr guter Kommentar für mich.

Beste Grüße
MRG

 
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Servus @MRG,

bin auch Fan des Motorsports, deswegen hat der Text ein Stein bei mir im Brett.

Ein Rennwagen raste vorbei, das Echo klang nach und löste bei ihm eine Gänsehaut aus.
Ich würde hier zwei Sätze draus machen. Auch: "löste eine Gänsehaut aus" - ich finde das zu wenig bildhaft. Im Grund ist das Tell, nicht Show. Ich würde es aktiv beschreiben, was passiert, wie das aussieht, dann sieht der Leser das vor dem inneren Auge: "Seine Armhaare stellten sich auf." oder: "Seine Armhaare stellten sich zur Gänsehaut auf."
Vorschlag: Ein Rennwagen raste vorbei, das Echo klang nach. Seine Armhaare stellten sich zur Gänsehaut auf.

Sie standen auf der Naturtribüne zwischen der Ex-Mühle und der Rechtskurve am Bergwerk
Ist spitzfindig, aber für mich ist das Gestrichene Ballast in dem Satz, auch an der prominenten Stelle zu Beginn der Geschichte - ohne vermisse ich nichts

hier erreichten sie keine Lautsprecherdurchsagen und die Kameras hatten freie Sicht.
Vorschlag: und ihre Kameras hatten freie Sicht.
Dann würdest du das gleich mit den Prots verbinden und als Leser wüsste man gleich, ah, die stehen da mit ihren Kameras.

Heute würde er seinem Kollegen zeigen, wie überlegen er wirklich war.
Das ist mir zu gerade raus. Hier spüre ich den Autor präsent. Im Grunde ist das die Prämisse deiner Figur, ganz gerade heraus gesagt. Das finde ich unschön und verrät mir an der Stelle auch viel zu viel über die Agenda deiner Figur.

Mir würde im Allgemeinen gefallen, wenn du das, was du im Zitat schreibst, durch eine Szene zeigen würdest. Show don't tell. Bspw. packt dein Prot seine neue Kamera aus, baut sie auf das Stativ, und der Kollege sagt: Na, nachgerüstet? Und man merkt, dass dein Prot neidisch und angefressen blickt und lakonisch etwas zurück sagt. Eine Szene eben, wo man das, was du hier als Prämisse ausgeschrieben hast, als Leser selbst feststellen, herauslesen kann.

„Diesmal gewinne ich. Du hattest nur Glück mit dem Licht.“
Ich verstehe auch, dass es da einen Konkurrenzkampf zwischen den Fotografen gibt. Nehme ich dir absolut ab. Aber dass sie den so ausdrücken, kommt mir infantil vor. "Diesmal gewinne ich", alleine dass sie das "gewinnen" nennen, kommt mir unauthentisch vor. Also, innerlich denken sie das, in einem infantilen Anteil von ihnen, aber äußerlich sind solche Fotografen doch zumindest gespielt kollegial, vielleicht zynisch oder lakonisch und abweisend, aber sie würden doch so etwas - in unironischer Art - nicht von sich geben. So zumindest mein persönliches Menschengefühl.

Er hatte immer gewusst, dass er der talentiertere Fotograf war, aber an diesem Tag waren mehrere Umstände zusammengekommen.
Hier verstehe ich nicht, wer "er" ist - der Prot oder sein Kollege?

Das Seitenlicht, was sonst für Tiefe sorgte, ließ das Auto zu dunkel wirken. Von wegen goldener Stunde.
Das finde ich ein authentisches Detail über Fotografie. Kaufe ich dir ab.

Er hatte immer gewusst, dass er der talentiertere Fotograf war, aber an diesem Tag waren mehrere Umstände zusammengekommen.
Das ist mir wieder zu sehr ausgeschrieben, zu sehr getellt. Das hätte ich gerne aus einer Szene herausgelesen, aus Mimik, Gestik oder einem Dialog.

Darüber hinaus war er zu geizig gewesen, um sich auch eine Nikon F3 zu kaufen.
Das ebenso

Er schaute auf den Nürburgring: Vor ihm schien die Sonne auf den Asphalt, die Rennstrecke krümmte sich zu einer scharfen Linkskurve; hinter den etwa fünfzehn Zentimeter hohen Randsteinen und dem Zaun ragten grüne Sträucher und Bäume empor. Ihm gefiel der Kontrast. Weitere Wagen rasten vorbei.
Authentisch

das Motorgeräusch des 12-Zylinders
braucht es nicht

und er bildete sich ein, Benzin zu riechen. Ihm war bewusst, dass das eine Täuschung war. Soweit von der Rennstrecke entfernt roch es nie nach Benzin. Dafür musste man bei den Pit-Stops stehen
Ohne finde ich besser, "er bildete sich ein" und Folgesatz machen das Gestrichene redundant

aber diese Plätze waren nur für Snobs reserviert, die sich selbst für etwas Besseres hielten.
Redundant - im Begriff Snob ist schon impliziert, dass sie sich für etwas Besseres halten

Wie es wohl war, in dem Cockpit zu sitzen? Die Beschleunigung und die G-Kräfte mussten unvorstellbar sein. Als er in einem Magazin ein Interview mit Niki gelesen hatte, war er überrascht - untrainierte Fahrer konnten ihren Kopf in einer Kurve nicht gerade halten und ein Rennfahrer verlor bis zu fünf Kilogramm Wasser.
Sehr authentisch. Gefällt mir sehr gut

Niki war ein Elite-Sportler, ein Gewinner. Er konnte sich mit ihm identifizieren.
Zum Fetten: Das ist wieder viel zu direkt! Das ist im Endeffekt das, was du als Autor sagen möchtest. Aber so ausgeschrieben wirkt das seltsam und offensichtlich. Ich würde es viel passiver ausdrücken, etwa: "So wie er ein Gewinner war." Da steckt das identifizieren mit drin, aber nicht so aktiv. Mir kommen solche aktiven Sätze wie der Bauplan vor, um mal einen Vergleich zu ziehen, und wenn du etwas im Passiv erzählst, wie das tatsächliche Gemäuer.

Der Ferrari krachte gegen die Randsteine, wurde von der Wucht des Aufpralls zurückgeworfen und kreiste um die eigene Achse. Flammen und schwarzer Rauch stiegen in die Luft wie bei einer Explosion in den überzogenen Actionfilmen.
Gefällt mir, außer:
wie bei einer Explosion in den überzogenen Actionfilmen.
Wie schaut das tatsächlich aus? Hier breitest du mMn ein Klischee aus: Leser sollen auf ihr Wissen, wie eine Explosion - die ja im Film gestellt ist - aussieht zurückgreifen, und dieses - klischeehafte! - Bild einer Explosion in deine Geschichte übernehmen. Das finde ich nie gut. Viel besser wäre es, wenn du die Explosion, das Feuer, den Rauch hier beschreibst. Das macht dein Explosionsbild einmalig und man sieht das Feuer, riecht den Rauch, das Benzin, und wenn man dann einen Menschen verbrennen sieht vor dem inneren Auge, tut das dem Leser noch mal mehr weh, weckt Emotionen.

Nikis Ferrari war eingehüllt von Flammen, der hineingefahrene Rennwagen stand seitlich davor. Das erhöhte die Dramatik. Diesmal würde er sicher gewinnen. Weitere Rennwagen bremsten ab und vier Fahrer eilten zum brennenden Ferrari und versuchten, Niki aus dem Wagen zu zerren.
Würde ich kicken - das weiß der Leser!

„Was bist du für ein Mensch?“
„Ein Gewinner.“
Ja, schwierig. Wieso sollte der Kollege kein Foto davon machen? Gibt es überhaupt Fotografen, die hier aus moralischen Gründen wegdrehen? Ich kann es mir kaum vorstellen. Auch nicht, dass diese moralische Ebene unter Fotografen so eindeutig gezogen ist und so universell bekannt ist, als dass der Fotograf sagt: Was bist du für ein Mensch?, und dein Prot sofort weiß, was er damit meint. Nee, hier glaube ich dem Text nicht.

Grundsätzlich schätze ich deine Arbeit und den Text sehr. Meinem Geschmack nach, solltest du mehr zeigen und weniger über deinen Prot behaupten. Wenn er neidisch auf den Erfolg des anderen ist, dann würde ich das viel lieber in einer Szene gezeigt bekommen, als vom Erzähler erzählt bekommen. Mir gefällt die Idee, dass der Fotograf hier neidisch ist und endlich ein starkes Foto machen will. Ich glaube auch, er hätte sich nicht direkt neben dem anderen gestellt, einfach, weil ihn das triggern würde. Er hätte sich gleich von Anfang an womöglich auffällig abseits vom besseren Fotografen gestellt, oder eben sehr nah am anderen Fotografen, damit er mit der neuen Kamera, die vllt noch besser als die des anderen ist, prahlen kann. Die beiden müssen interagieren und dabei muss herauskommen, was die Dynamik zwischen ihnen ist. Soweit meine persönliche Meinung.

Ich habe dem Text auch nicht ganz abgekauft, dass es hier unter Fotografen eine Art Ehrenkodex gibt, Unfälle nicht zu fotografieren. Come on, das ist die F1! Der Unfall ist so oder so auf Kamera, Millionen schauen das live. Die Bilder sind in den Köpfen. Es geht jetzt nur noch darum, das hochauflösend, in Farbe abzufotografieren. Weswegen gibt es hier das moralische Dilemma? Ich verstehe den anderen Fotografen auch nicht ganz. Wenn er hier so ein großes Problem mit Moral hätte, wieso wird er dann F1-Fotograf und nicht Hochzeitsfotograf? Frage ich mal provokant! ;)
Ich denke, die moralische Grenze verläuft nicht hier, auf der Wiese, den Unfall zu fotografieren. Die moralische Grenze unter Fotografen wäre möglicherweise, dass dein Prot zum Zaun vorrennt, die Notärzte den verbrannten Niki Lauda auf der Trage mit Decken o.ä. vor den Blicken schützen wollen, und dein Fotograf auf den Zaun klettert und den halbtoten Niki fotografiert. Das könnte ich mir als moralische Grenzüberschreitung in der Sportfotografie vorstellen. Hier würde ich auch abkaufen, dass der Kollege sagt: Hast du sie noch alle? Und dein Fotograf grinst und sagt: Damit werde ich reich.

Also die Idee ist sehr gut, dass es hier im Moral geht, aber es ist mir zu plakativ umgesetzt. Wenn Moral plakativ umgesetzt wird, bekommen Figuren immer sehr eindeutige Zuweisungen: Hier ist der Gute, hier der Schlechte. Wenn Figuren darüber hinaus - ich weiß, es ist eine Shortfiction, aber es gilt auch hier - keine andere Seite aufweisen, bin ich als Leser ganz schnell in einer Position, das Spiel des Autors durchschaut zu haben und mich manipuliert zu fühlen bzw. der Sache nicht über den Tisch zu trauen.

Nur meine persönliche Meinung. Ich denke, dass die Grundidee gut ist für die Geschichte. Wenn du die Figurendynamik mehr zeigen und weniger behaupten würdest und den Zwist, wo moralische Grenzen in der Sportfotografie verlaufen, für mein Gefühl an einer anderen Stelle verorten würdest, könnt daraus ein starker Text werden. Bin gespannt, was daraus wird.

Beste Grüße
zigga

 

AWM

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Servus @MRG
Hier meine Anmerkungen.

Ein Rennwagen raste vorbei, das Echo klang nach und löste bei ihm eine Gänsehaut aus.
Würde den Einstieg einfacher machen und zugleich vielsagender. So ist es wirklich nur das Echo, das eine Gänsehaut auslöst. Ich glaube aber, es ist mehr. Es ist der ganze Sport die Motoren die Atmosphäre etc. Zudem gefällt mir das "auslösen" nicht. Das klingt so fad und technisch irgendwie. Mein Vorschlag: "Ein Rennwagen rauschte vorbei, er bekam Gänsehaut."

Aber: Ich finde du könntest generell schon mehr Spannung und einen sich andeutenden Konflikt reinbekommen.
"Jetzt kamen die Rennwagen. Er löste seine Kamera aus, ließ den Finger auf dem Knopf liegen. Tack, Tack, Tack. Als die Wagen die Anhöhe mit dem perfekten Seitenlicht erreichten, streikte die Serienbild-Funktion. "Das darf nicht wahr sein", rief er und schlug mit der flachen Hand auf das Gehäuse. Neben ihm hörte er die nagelneue Nikon F3 von Peter ihren Dienst verrichten."
Das als Beispiel

Das geht dann auch ..

hier erreichten sie keine Lautsprecherdurchsagen und die Kameras hatten freie Sicht. Heute würde er seinem Kollegen zeigen, wie überlegen er wirklich war. „Diesmal gewinne ich. Du hattest nur Glück mit dem Licht.“
... in die Richtung von @zigga s Vorschlag, das hier szenischer auszugestalten. Da kann ich ihm nur zustimmen und da kannst du schön mit show arbeiten. Und nachdem du das gemacht hast, gezeigt hast, wie er akribisch auf alles achtet, einstellt etc.
„Meins war einfach besser, das haben alle gesagt“,
machst du mit dem hier weiter und lässt das genau so stehen. Da würde für mich alles drinstecken dann.
Von wegen goldener Stunde.
goldene
Das Seitenlicht, was sonst für Tiefe sorgte, ließ das Auto zu dunkel wirken.
Da bin ich hängen geblieben. Licht kann nichts dunkel wirken lassen. Das würde ich anders beschreiben. Vielleicht ist es zu krass und dadurch ist der Kontrastumfang für seine Kamera zu hoch. Eine Seite brennt aus die andere ist zu dunkel
Weitere Wagen rasten vorbei.
Würde hier weitere" streichen
Er schaute auf den Nürburgring: Vor ihm schien die Sonne auf den Asphalt, die Rennstrecke krümmte sich zu einer scharfen Linkskurve; hinter den etwa fünfzehn Zentimeter hohen Randsteinen und dem Zaun ragten grüne Sträucher und Bäume empor. Ihm gefiel der Kontrast.
Das gefällt mir grundsätzlich gut. So der Blick eines Fotografen. Aber ich finde das könntest du noch deutlicher machen, auf was der hier achtet. Dass da zb. eine Linkskurve ist, ist wohl nichts was ihm jetzt für sein Foto auffällt. Die ist schon die ganze Zeit da. Kontraste wie zwischen den Bäumen und den Randsteinen passen dagegen. Die Linkskurve hätte hier ihren Platz, wenn ihm auffallen würde, dass sie eine schöne Diagonale im Bild bildet, oder den Blick meinetwegen zu etwas Bestimmtem lenkt. Weißt du, was ich meine?
„Das muss er sein.“
"Das ist er." Die sind ja aus einem ganz bestimmten Grund da und wissen, in welchem Wagen Lauda sitzt
Der weiß-rote Ferrari bog in die Linkskurve ein
ein" streichen
Wie es wohl war, in dem Cockpit zu sitzen? Die Beschleunigung und die G-Kräfte mussten unvorstellbar sein.
Würde ich streichen
Niki war ein Elite-Sportler, ein Gewinner. Er konnte sich mit ihm identifizieren.
Ersten Satz streichen. Und zweiter ist tell.
wie bei einer Explosion in den überzogenen Actionfilmen.
streichen
Nikis Helm wurde ihm vom Kopf gerissen und seine weiße Haube hob sich gegen die Schwärze ab.
Mir ist aufgefallen, dass du gegen Ende öfter ins Passiv rutschst. Die Kraft des Aufpralls riss Niki den Helm vom Kopf
„Oh Gott, das überlebt er nicht!", rief sein Kollege.
Würde nur Oh Gott machen
„Was bist du für ein Mensch?“
„Ein Gewinner.“
Sein Kollege schüttelte den Kopf, packte die Kamera ein und verließ den Schauplatz. Sie gingen nie wieder zusammen zu einem Rennen.
Das Ende gefällt mir nicht. Zu moralisch. Aber das ist gar nicht das Hauptproblem. Das Problem ist, dass dieses Art von Moral hier deplatziert ist - außer es handelt sich um wirkliche Hobby-Fotografen. Dann okay. Aber die hier wollen ja was erreichen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass es Sportfotografen gibt, die hier aus moralischen Gründen kein Foto machen würden. Zumindest keine erfolgreichen. Und das ist der Konkurrent deines Protas anscheinend ja.

Wo wir da schon dabei sind. Ich würde das Ganze mehr in die professionelle Schiene heben. Ich finde das z.B. komisch, dass er davor noch nie ein Foto verkauft hat. Das erzeugt überhaupt keinen Druck auf die Figuren, weil man das Gefühl hat, das ist eben so ein Hobby.
Anders wäre es, wenn das ein junger ambitionierter Kerl wäre, der von seinem Arbeitgeber das erste Mal zu sonem Rennen geschickt wird und da vielleicht sogar vorne an die Box zu den Snobs darf, um zu knipsen mit den Profis. Und er ist überfordert, hat wahnsinnige Angst das zu versauen und hat dazu noch diesen Konkurrenten der besser ist. Da hätte man dann das Gefühl, es steht was auf dem Spiel. Hier ist das für mich nicht der Fall.
Das Ende würde ich dann eben nicht so moralisch abgerundet machen, sondern offener. Ich meine, du hast das vorbereitet, du schreibst, er identifiziert sich mit Niki dem Siegertyp und am Schluss will er eben auch ein Siegertyp sein. Das ist grundsätzlich ein guter erzählerischer Ansatz, aber es funktioniert hier wegen der Kürze der Geschichte nicht und weil das eben rein behauptet ist.

Gruß
AWM

 

MRG

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Lieber @zigga, lieber @AWM,

eure Kommentare finde ich sehr intensiv und sie haben einiges bei mir angestoßen. Um euren Kommentaren gerecht zu werden, werde ich noch etwas Zeit brauchen. Ziel ist es, eure Anregungen mit einzubauen. Allerdings habe ich bei meiner Geschichte davor gemerkt, dass auch immer die Gefahr des "Verschlimmbesserns" bei mir besteht.

Hinter den Kulissen arbeite ich mit den Kommentaren und bitte seht es mir nach, dass ich mir diesmal etwas mehr Zeit nehme. Denn ich bin überzeugt, dass ich hier kurz vor einem Klick-Moment stehe, wenn ich die angesprochenen Punkte mit einbauen kann.

In dem Sinne, vielen herzlichen Dank. Eine ausführliche Antwort auf diese beiden sehr guten Kommentare folgt inklusive einer Überarbeitung.

Beste Grüße
MRG

 
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06.02.2021
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95

Hi @MRG

Der weiß-rote Ferrari bog in die Linkskurve ein, das Motorgeräusch des 12-Zylinders dröhnte trotz der Schaumstöpsel in seinen Ohren und er bildete sich ein, Benzin zu riechen. Ihm war bewusst, dass das eine Täuschung war. Soweit von der Rennstrecke entfernt roch es nie nach Benzin. Dafür musste man bei den Pit-Stops stehen, aber diese Plätze waren nur für Snobs reserviert, die sich selbst für etwas Besseres hielten.
Er konzentrierte sich wieder auf den Rennwagen. Wie es wohl war, in dem Cockpit zu sitzen? Die Beschleunigung und die G-Kräfte mussten unvorstellbar sein. Als er in einem Magazin ein Interview mit Niki gelesen hatte, war er überrascht - untrainierte Fahrer konnten ihren Kopf in einer Kurve nicht gerade halten und ein Rennfahrer verlor bis zu fünf Kilogramm Wasser. Niki war ein Elite-Sportler, ein Gewinner.
Nur kurz, weil ich nicht viel zu sagen haben, obwohl ich zweimal dein Geschichte las, die mir gefiel, doch beim ersten Mal in der einfachen Fassung, wenn teilweise auch etwas eckiger, doch ohne diesem vielen Erklärenden und dem Fachausdrücken, mir frischer vorkam...
Deshalb habe ich hier oben zwei Stellen heraus geschnitten die erst einmal anders waren, wenn ich mich recht erinnere und nicht irre und die mir vorher besser gefielen.

Es ist ein gelungener kurzer Text... der viel zum Nachdenken anregt. Mir hat er beim Lesen ein vergnügen bereitet... und mich nachdenklich gestimmt...
Ja, in welcher Gesellschaft leben wir...? Mit was können wir Aufmerksamkeit für unsere Arbeit bekommen? Ja wo ist die Moral?

Danke.
Ich wünsche Dir eine wunderbare Zeit
Viele liebe Grüße

G.

 

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