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Noch einmal die Sonne

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Noch einmal die Sonne

Auch das Feuer konnte den Nebel nicht verdrängen. Yuna starrte in die Flammen und aß den Rest des Kaninchens. Wieder war das Läuten einer Glocke zu hören, wie von einem entfernten Kirchturm.
„Wir sollten weiter“, sagte der Fremde, dessen Namen sie noch immer nicht kannte.
„Warum? Was soll es dort geben, außer einem weiteren sterbenden Teil dieser Welt?“
Yuna warf die vom Fleisch befreiten Knochen ins Feuer.
„Irgendwo wird der Nebel enden. Oder irgendwann.“
Er stand auf und nahm seinen Rucksack. Blickte noch einmal zu ihr, drehte sich um und verschwand in dem alles durchdringenden Grau.
„Warte!“, rief sie nach einigen Sekunden und sprang auf. Nahm ihre Umhängetasche und den Speer, folgte ihm.

„Sagst du mir nun deinen Namen?“, fragte Yuna, als sie weiter in Richtung des verhallenden Glockenläutens gingen.
„Früher hieß ich Nayan, der Sehende. Aber der bin ich nicht mehr.“
Yuna blickte zu ihm. „Dann brauchst du einen neuen Namen.“
„Wir müssen die Schläuche auffüllen, achte auf das Geräusch von Wasser“, antwortete er, als hätte er sie nicht gehört.
Sie gingen schweigend nebeneinander, immer darauf bedacht, Sträucher und Bäume früh genug zu erkennen. Yuna stimmte ein Schlaflied an, das ihre Mutter oft gesungen hatte. Manchmal sogar ihr Vater, ruhig und melodisch.
Der Fremde sah kurz zu ihr. Keine Geräusche störten den Gesang.

Es wurde etwas heller, irgendwo machten die Wolken der Sonne Platz. Noch hatte der Nebel nicht alles Licht dieser Welt verdrängt.
Das Läuten erklang wieder, nur einmal, aber so laut, dass sie zusammenzuckten. Eine Mauer aus rötlichen Steinen trat aus dem Grau hervor. Sie tasteten sich entlang, bis sie ein hölzernes Tor erreichten. Einer der beiden Türflügel war etwas nach außen geöffnet. Der Fremde zog daran, bis sie hindurch konnten. Sie lauschten, bevor sie weitergingen, aber die Welt war still.
Die ersten Häuser tauchten links und rechts des Weges auf, nur schemenhaft zu erkennen, wie gezeichnete Umrisse. Yuna ging näher an eins heran, ein Einfamilienhaus, wie es sie in den Vororten der Städte gab. Es war einer der seltenen Momente, die sie an die Vergangenheit erinnerten. Die Fahrten in den Urlaub mit ihren Eltern, wenn sie sich aus der Großstadt zu einem der kleinen Küstenorte aufmachten. Wie schnell sich die Umgebung verändert hatte. Wolkenkratzer wurden durch urig aussehende, kleine Häuser verdrängt. Die Hektik der Menschen wich Ausgeglichenheit.
Der Weg führte weiter geradeaus, sie passierten eine überwucherte Straße. Ein verrosteter Kleinbus lag auf der Seite, die Scheiben zersprungen. Aus dem offen stehenden Kofferraum flüchtete ein Kleintier, wahrscheinlich ein Eichhörnchen, so schnell wie davonflitzte.
Nach einigen Minuten kamen sie auf einen Platz, an dessen Rand sie den Kirchturm ausmachten. Sie gingen näher heran. Auf der Treppe zur Eingangspforte saß ein Junge, barfuß und in zerrissener Jeans. Auch der blaue Pullover hatte an einigen Stellen Löcher. Er lächelte ihnen mit müden Augen zu. „Kommt!“, rief er und rannte in den Nebel.

Yuna und der Fremde folgten ihm und gelangten auf einen weiteren, kleineren Platz. In seiner Mitte stand eine Holzkonstruktion. Sie erinnerte Yuna an einen Aussichtsturm, den sie früher mal auf einer Wanderung gesehen hatte. Bevor der Nebel die Welt in seine Gefangenschaft nahm. Die im Inneren der Konstruktion gebaute Treppe ließ sie vermuten, dass er weit hinaufreichen würde.
Der Junge blieb davor stehen. Neben dem Eingang war ein Schild aus Holz angebracht. „Zum Himmel“ stand darauf in weißer Schrift.
„Wer hat das gebaut?“, fragte der Fremde.
Der Junge sah ihn ruhig an und zuckte mit den Schultern.
„Wo sind die Einwohner?“ Yuna ging zu ihm und strich ihm eine Strähne des hellblonden Haares aus dem Gesicht.
Er ließ es geschehen und deutete nach oben, in Richtung des Holzturms. „Himmel“, sagte er mit trockener Stimme.
Yuna und der Fremde sahen sich an.
„Sie sind gestorben?“, fragte sie und legte eine Hand an seinen Rücken.
Wieder zuckte der Junge nur die Schultern und senkte den Kopf.
Sie standen einige Sekunden schweigend beieinander, bis sich der Junge von Yuna löste und erneut „Kommt!“ rief.

Sie gingen ihm hinterher. Yuna hielt den hölzernen Speer nach vorne gerichtet, um frühzeitig Hindernisse zu bemerken. Die Sicht betrug kaum zwei Meter. Auf einem der Wege, die von dem Platz wegführten, sahen sie den Jungen gerade noch nach links abbiegen und in ein weißes Haus verschwinden. Er ließ die Haustür offen, sie folgten ihm hinein. Der Nebel durchdrang auch das Innere des Hauses. Sie tasteten sich den Flur entlang, am Ende betrat der Junge ein kleines Zimmer.
Dort lag auf einem Bett eine Frau, die Augen geschlossen. Yuna wollte näher herangehen, aber der Fremde hielt sie am Ellenbogen.
„Sie ist krank“, sagte er, ohne Rücksicht auf den Jungen zu nehmen, der sich auf einen Holzstuhl neben das Bett gesetzt hatte.
Yuna blieb stehen und betrachtete sie genauer. Die Frau war bleich, Schweiß bedeckte ihr Gesicht und die Stirn. Sie atmete rasselnd durch den Mund.
„Ist sie deine Mutter?“, fragte Yuna den Jungen mit leiser Stimme.
„Mutter“, antwortete er. „Helfen. Himmel.“
Yuna sah zu dem Fremden.
„Der Holzturm?“, fragte er.
Der Junge nahm ein Tuch, das neben dem Bett lag und tupfte vorsichtig das Gesicht seiner Mutter ab. „Himmel“, sagte er erneut und nickte.
„Es wird bald dunkel, wir können morgen früh darüber sprechen. Dürfen wir hier übernachten?“
Er antwortete nicht, nickte aber erneut.
„Wie heißt du?“, wollte Yuna wissen.
„Ich. Shin.“

Hinter dem Haus hatte der Junge einige Eimer aufgestellt. Genauso wie selbstgebaute Fallen, mit denen er Ratten, Hasen und Eichhörnchen fing, die ihnen ein ausreichendes Abendessen beschert hatten. Die Eimer waren mit Wasser gefüllt, vom Regen vor einigen Tagen. Sie hatten einen davon mit reingenommen, ins Badezimmer, um sich zu waschen.
Yuna trocknete sich ab und versuchte nicht darüber nachzudenken, wie oft das Handtuch wohl schon benutzt worden war, das sich im Bad befand. Zumindest sah es soweit sauber aus. Sie zog die dünne Stoffhose an, die sie in ihrer Umhängetasche zum Wechseln hatte und ein anderes T-Shirt. Ihre Sachen vom Tag hatte sie hinters Haus zum Lüften gelegt.
Sie verließ das Bad und tastete sich die Treppe hinauf, zu einem früheren Gästeraum auf der ersten Etage. Dort befand sich ein Doppelbett, das der Fremde auseinander gezogen und sich auf die linke Seite gelegt hatte. Er lag auf dem Rücken und atmete gleichmäßig, mit einer dünnen Wolldecke zugedeckt. Zum ersten Mal seit ihrem zufälligen Aufeinandertreffen vor einigen Tagen hatte er seine langen, schwarzen Haare nicht zusammengebunden.
Yuna blickte zur freien Betthälfte, legte sich dann aber neben ihn, auf die Seite, so dass sie ihren Kopf an seine Brust legen konnte. Sie hörte seinen beruhigenden Herzschlag und begann, leise zu singen. Spürte, wie er lächelte.

„Bist du sicher?“, fragte Yuna am nächsten Morgen.
Sie standen vor dem Zimmer der erkrankten Frau. Shin saß wieder auf dem Stuhl und blickte sie erwartungsvoll an.
„Ja“, antwortete der Fremde. „Es wird nicht mehr viele Möglichkeiten geben, jemandem in dieser Welt zu helfen.“ Er legte ihr kurz seine Hand an den Rücken und betrat den Raum. Hinter der Tür stand ein Rollstuhl, den er auseinanderklappte und neben das Bett schob.
Shin rüttelte seine Mutter leicht an der Schulter. Sie hustete und öffnete die Augen, blickte ihren Sohn erschöpft an. Er stand auf und deutete auf den Rollstuhl. „Komm.“ Die Andeutung eines Lächelns erschien auf ihrem bleichen Gesicht. Sie nickte, kaum erkennbar. Shin zog die dünne Decke zurück, legte eine Hand zwischen ihre Schultern und half ihr, sich aufzurichten.
Yuna hatte nicht damit gerechnet, aber sie schaffte es, sich auf die Bettkante zu setzen und mit Shins Hilfe in den Rollstuhl zu wechseln. Er legte ihr die Decke über die Beine und streichelte ihre dünnen grauen Haare glatt.
„Dann los“, sagte der Fremde und übernahm den Rollstuhl.

Ein böiger Wind wehte, als sie den Holzturm erreichten. Der Nebel blieb dennoch unverändert, als befände er sich in einer anderen Sphäre. Immer sichtbar, aber unerreichbar. Yuna strich sich die Haare aus dem Gesicht.
Der Fremde stellte den Rollstuhl vor dem Schild „Zum Himmel“ ab. Shins Mutter hatte den Kopf gesenkt und starrte auf den Boden.
„Ich denke, ich nenne dich Goku“, sagte Yuna spontan. „Wie der Himmel.“
Er drehte sich zu ihr. „Macht es einen Unterschied, ob ich es gut finde?“
Yuna lächelte. „Kaum.“
„Helfen“, sagte Shin.
Sie gingen zu ihm, er nickte in Richtung der Treppe.
„Soll ich sie hochtragen?“, fragte Goku. „Wird es gehen?“, an die Frau gewandt.
„Vorsicht“, antwortete der Junge und nickte. Er ging rückwärts zur Treppe, während Goku seine Mutter vorsichtig anhob, eine Hand am Rücken, die andere unter den Kniekehlen.
Wie leicht sie wirkt, dachte Yuna, als sie die Decke geraderückte, bevor sie weiter verrutschen und runterfallen konnte. Langsam gingen sie die Treppe hoch, zuerst Shin, dann Goku mit der Frau und zuletzt Yuna.

Sie schwitzten, als sie das hölzerne Plateau erreichten. Auch Shins Mutter, welche Erkrankung auch immer sie befallen hatte.
Nachdem Yuna die Decke genommen und ausgebreitet hatte, legte Goku die Frau vorsichtig ab. Shin setzte sich neben sie und wischte ihr mit einem Taschentuch den Schweiß weg. Dann hob er vorsichtig mit beiden Händen ihren Oberkörper und hielt sie an sich gedrückt.
Yuna und Goku drehten sich weg, gaben Mutter und Sohn ihre gemeinsame Zeit. Auch hier oben waren sie vom Nebel umgeben, aber er war durchlässiger. Yuna schätzte, dass sie sich mehr als zehn Meter über dem Boden befanden.
„Sollen wir runtergehen und warten?“, flüsterte sie.
„Ja, ist vielleicht besser.“ Goku nahm ihre Hand. Sie drehten sich um und wollten zur Treppe, als sie Shin und seine Mutter direkt vor dem Abgrund sitzen sahen. Der Junge hatte sich mit dem Rücken zum Rand der Plattform gewandt und hielt seine Mutter umklammert. „Danke“, war das letzte Wort, das sie von ihm hörten. Er ließ sich nach hinten fallen und zog seine Mutter mit sich.

Yuna stand wie erstarrt, hielt sich dann die Hände vor den Mund. Machte die Augen zu und begann zu zittern, als sie den Aufprall hörte. Das Geräusch würde sie nie vergessen, als wenn ein vertrockneter Ast zerbricht.
Sie drehte sich zu Goku, drückte sich an ihn und begann zu weinen. Wieder zwei Leben weniger auf dieser Welt, sie hatten noch nicht mal begonnen, sich kennenzulernen. Nach einigen Sekunden bemerkte sie Gokus Ruhe und sah durch die Tränen zu ihm auf. Er blickte starr geradeaus, sie konnte seine Emotionen nicht deuten.
„Hast du es gewusst?“, fragte sie schließlich.
„Nein, aber vermutet. Dieser Turm war ihr persönlicher Weg in den Himmel. Wahrscheinlich hat das ganze Dorf so sein Leben beendet, vielleicht in der Hoffnung, vorher noch einmal die Sonne zu sehen.“
Für einige Minuten standen sie schweigend, bevor sie sich an den Abstieg machten.

Sie begruben Shin und seine Mutter hinter ihrem Haus, nachdem sie endlich in einem der anderen Gebäude eine Schaufel gefunden hatten. Yuna fügte aus Ästen zwei Kreuze zusammen und steckte sie in den Boden. Setzte sich im Schneidersitz vor die Gräber und sang ein Trauerlied.
Goku kam zu ihr, legte einen Arm um sie und sang leise mit.
„Wenn wir nach Norden gehen, sollten wir Niigata erreichen“, sagte Yuna nach dem Lied. „Oder zumindest die Küste, dann können wir am Meer entlang dorthin.“
„Warum?“, fragte Goku. „Jeder Ort ist nun derselbe, wir können auch hier bleiben.“
„Diese Stadt ist meine Heimat, ich hätte nie fortgehen sollen. Warst du schon mal dort?“
„Nein. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, mich hat es nie von dort weggezogen.“
„Dann ist dir auch das Bandaijima-Hochhaus entgangen.“
„Und?“
„Dort werden wir hingehen. Ich möchte noch einmal die Sonne sehen.“

Sie näherten sich Niigata am Strand. Der Nebel war hier noch dichter, das Meer kaum zu sehen. Die Wellen wie Stimmen, die sie zu sich riefen, diese Welt zu verlassen.
Ein Krebs krabbelte neben ihren Füßen. „Hat sich auch deine Welt verändert?“, fragte Yuna, bevor sie ihn mit ihrem Speer tötete. Und dachte an das Massengrab, das sie kurz hinter dem kleinen Ort von Shin und seiner Mutter entdeckt hatten.
Sie fühlte Gokus Stirn. Das Fieber hatte vor einigen Stunden begonnen, schien aber bisher nicht schlimmer zu werden. „Wir sollten eine Pause machen“, schlug sie vor, als sie den Stadtrand erreichten.
„Nein. Wenn ich mich jetzt ausruhe, weiß ich nicht, wann ich weitergehen kann.“
„Dann prüfen wir zumindest die Apotheken nach noch brauchbaren Medi…“
„Nein“, unterbrach Goku. „Keine Medikamente.“
„Aber sie könnten dir schnell …“
„Nein“, wiederholte er.
Yuna blickte ihn an, schweigend gingen sie weiter.

Auf dem Weg zum Bandaijima-Hochhaus sah Yuna mehrfach Bewegungen im Nebel. Einsame Seelen, die orientierungslos umherwanderten, ihr Leben noch nicht beendet hatten.
Es dämmerte, als sie das Gebäude erreichten. Die große Eingangstür aus Glas, die sich früher automatisch geöffnet hatte, war fast vollständig zerstört. Vorsichtig stiegen sie über spitze Glaskanten und betraten den Eingangsbereich. Links befand sich ein Empfangstresen, rechts eine Couchecke und ein zerstörter Glastisch, alles nur schemenhaft zu erkennen.
„Sollen wir hier übernachten?“, fragte Yuna und ging nach rechts. „Die Couch sieht noch einigermaßen brauchbar aus.“
„Befinden sich auf den unteren Etagen Wohnungen?“, fragte Goku heiser.
„Bin nicht sicher, kann aber gut sein. Die Unternehmen, die sich hier einquartiert hatten, waren, glaube ich, weiter oben.“
„Dann lass uns nach einer Wohnung suchen, hier unten ist es mir zu unsicher. Zu viele verwirrte Seelen in der Nähe.“
„Okay, aber dann ruhst du dich aus.“
Sie tasteten sich an der Wand entlang, bis sie das Treppenhaus fanden.

Auf der vierten Etage entdeckten sie endlich eine offen stehende Tür. Dahinter befand sich eine geräumige Wohnung. Sie fanden das Schlafzimmer, Goku legte sich erschöpft auf das Doppelbett, während Yuna sich weiter umsah. Abgesehen vom Staub war alles noch gut erhalten. Sogar das Wasser funktionierte, wenn es auch eiskalt war. Sie öffnete einige Fenster, ließ die kühle Abendluft herein.
Der Beutel mit den getöteten Krebsen stand noch vor der Tür. Yuna holte ihn und legte ihn in den Raum, der früher wahrscheinlich als Wohnzimmer genutzt wurde. Bevor sie sich an die mühsame Arbeit machte, die Krebse zu zerlegen, sah sie nochmal nach Goku. Er hatte sich die Decke bis ans Kinn gezogen und schnarchte leise.

Yuna war schon gut zwei Stunden auf, als Goku aufwachte. Immer noch bleich und leicht schwitzend, aber seine Stimme war wieder kräftiger. Sie hatte die Wasserschläuche am Waschbecken in der Küche gefüllt und reichte ihm einen davon.
„Danke“, sagte er nach einigen Schlucken. „Schmeckt seltsam.“
„Vielleicht hat jemand etwas Gesundmachendes hineingetan“, meinte Yuna lächelnd.
Guko sah sie mit leicht zusammengekniffenen Augen an.
„Hier haben die Apotheken auch nachts geöffnet. Vertrau mir, es wird dir helfen. Genauso wie ein weiterer Tag Bettruhe.“
„Vergiss es“, antwortete er und wollte sich aufrichten.
„Vergiss es“, imitierte sie und drückte ihn zurück ins Kissen. Sie nahm den Teller mit Krebsfleisch vom Beistelltisch und stellte ihn auf seine Brust. „Alles für dich. Schön aufessen, sonst gibt es einen weiteren Tag Zwangspause.“

Ihre Vorräte waren fast aufgebraucht, als sie nach drei Tagen das oberste Stockwerk erreichten. Der Nebel war hier nur noch ein dünner Schleier. Fast die Hälfte der Etage war ein Restaurant mit Panoramafenstern. Vor einer der Scheiben lag ein Skelett, den Schädel nach draußen gewandt, als wäre sie oder er beim Betrachten des Ausblicks gestorben.
Sie hatten beim Aufstieg selten länger nach draußen geblickt, schon das zunehmende Tageslicht erfreute sie. Aber nun stellten sie sich direkt vor die Fenster. Einige Schleierwolken waren am Himmel, die aufgehende Sonne deutlich zu sehen. Yuna lächelte und nahm Gokus Hand. Diesmal stimmte er ein Lied an, das sie nicht kannte, über einen hereinbrechenden Morgen.
„Wir können wieder hinunter, oder … aufs Dach“, sagte er im Anschluss.
Yuna blickte ihn an. „Lass uns noch etwas hierbleiben, wenn er nichts dagegen hat.“ Sie nickte in Richtung des Skeletts. „Und dann … sollten wir wieder runter. Bestimmt gibt es irgendwo noch eine bessere Aussicht.“
Sie schloss die Augen und genoss die beginnende Wärme der Sonne.

 
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Hi @Rob F,
eine schöne, angenehme Geschichte, die mir gut gefallen hat. :)

Hier ein paar Anmerkungen:

fragte Yuna, als sie weiter in Richtung des Glockenläutens gingen. Soweit sie es einschätzen konnten, vor einigen Minuten war es verstummt.
Sie gehen in die Richtung des Läutens, aber es läutet gar nicht mehr.
In die Richtung der verstummten Glocken? (oder so?)
Wie schnell sich die Umgebung geändert hatte, die Hochhäuser durch urig aussehende, kleine Häuser verdrängt wurden. Die Hektik durch ausgeglichen wirkende Menschen.
Die Menschen haben mir etwas verwirrt, denn man hat keinen Vergleich zu der An-Abwesenheit von Menschen in der vernebelten Stadt.
Sie atmete raspelnd durch den Mund.
Was heißt denn "raspelnd atmen"? rasselnd?
„Mutter“, antwortete er. „Helfen. Himmel.“
Warum kann der Junge nicht reden? Ist er traumatisiert?
Yuna blickte zur freien Betthälfte, legte sich dann aber neben ihn, auf die Seite, so dass sie ihren Kopf an seine Brust legen konnte. Sie hörte seinen beruhigenden Herzschlag und begann, leise zu singen. Spürte, wie er lächelte.
Erst ist er der Fremde und jetzt legt sie sich halb auf ihn drauf?
Sie schwitzten, als sie oben ankamen.
Was ist denn oben? Wie sieht es da aus?
„Warum?“, fragte Goku. „Jeder Ort ist nun derselbe, wir können auch hier bleiben.“
„Diese Stadt ist meine Heimat, ich hätte nie fortgehen sollen.
Warum ist sie dann weggegangen?
„Dort werden wir hingehen. Ich möchte noch einmal die Sonne sehen.“
Wenn alles voller Nebel ist, kann man die Sonne nicht sehen, oder?
Durch deine Erzählung habe ich eine Welt vor Augen, in der alles total vernebelt ist. Dann können sie aber dennoch den Jungen sehen und andere Leute. Wann fängt der Nebel an und wann hört er auf?
„Hat sich auch deine Welt verändert?“, fragte ihn Yuna,
Offenbar hat sich die Welt signifikant geändert. Das macht die Frage überflüssig. Schließlich sind beide heimatlos und reisen umher?
Einsame Seelen, die orientierungslos umherwanderten und entgegen den meisten ihr Leben noch nicht beendet hatten.
"entgegen den meisten" durch Kommata oder Gedankenstriche abtrennen?
Die Unternehmen, die sich hier einquartiert hatten, waren, glaube ich, weiter oben.
Komma
„Vielleicht hat jemand etwas Ggesundmachendes hineingetan“,

Ihre Vorräte waren fast aufgebraucht, als sie nach drei Tagen das oberste Stockwerk erreichten.
Bisschen klarer machen, dass das das Ziel ihrer Reise ist.

Schade finde ich, dass du dich sehr auf die Reise fokussierst. Ich hätte gerne mehr über die Welt und die Charaktere erfahren, da ich zu den beiden keine Beziehung aufbauen konnte.
Insgesamt ein schöner, melancholischer Text. Du hast einen (wie ich finde) angenehmen Erzählstil. :)

Liebe Grüße,
Waldläufer

 
Wortkrieger-Team
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Hi @Rob F,

Japan, Westküste. Was ist wohl passiert? Du magst dystopische Welten, habe ich den Eindruck. Dass die Geschichten immer nur so kurz sind, finde ich schade. Da liest man sich warm und Schwupps - ist es wieder vorbei. Das solltest du unbedingt ändern.

Ich habe durchaus eine Beziehung zu den Beiden aufgebaut. Der eine oder andere Charakter ist mir in den letzten Jahrzehnten schon begegnet. Sie haben was Beruhigendes, diese Persönlichkeiten. Asteroiden, die ihre Bahnen ziehen.

Hat mir sehr gut gefallen. Auch die Reise ist ein wichtiges Element. Der Mensch ist auf Reise. Immer. Und wenn es nur im Geiste ist. Er merkt es nur selten.

Daumen hoch und eine schöne, sonnige Woche.
Morphin

 
Monster-WG
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Lieber @Rob F

wieder eine Geschichte von Dir. Wie schön! Ich habe sie sehr gerne gelesen. Wie immer flüssig geschrieben, ich mag das Tempo und die Dichte des Textes. Im Verlauf der Geschichte lerne ich die Protagonisten kennen und baue Nähe zu ihnen auf. Ich kann mir alles gut vorstellen, bin in den Szenen mit dabei. Sprachlich alles topp, kein Wort zu viel oder zu wenig. Du hast mich auf eine interessante Reise mitgenommen. Die Vorstellung, die Sonne nicht mehr sehen zu können, überall nur Nebel - das ist beängstigend. Die Geschichte hat mich sehr berührt.

Hier einige Anmerkungen:

Eine Mauer aus rötlichen Steinen trat aus dem Grau hervor. Sie tasteten sich entlang, bis sie ein hölzernes Tor erreichten. Einer der beiden Türflügel war etwas nach außen geöffnet. Der Fremde zog daran, bis sie hindurch konnten. Sie lauschten, bevor sie weitergingen, hörten aber nur den verhallenden Glockenklang.
Die ersten Häuser tauchten links und rechts des Weges auf, nur schemenhaft zu erkennen, wie gezeichnete Skizzen.

Sehr schön beschrieben. :thumbsup:

Yuna ging näher an eins heran, ein Einfamilienhaus, wie sie in den Vororten der Städte vorkamen.

Das klingt irgendwie seltsam.
Vorschlag: .... ein Einfamilienhaus, wie es sie in den Vororten der Städte gab.

Sie zog die dünne Stoffhose an, die sie in ihrer Umhängetasche zum wechseln hatte und ein anderes T-Shirt.

Wechseln

Yuna blickte zur freien Betthälfte, legte sich dann aber neben ihn, auf die Seite, so dass sie ihren Kopf an seine Brust legen konnte. Sie hörte seinen beruhigenden Herzschlag und begann, leise zu singen. Spürte, wie er lächelte.

Ein sehr schöner Moment. Hat mich berührt.

Sie drehten sich um und wollten zur Treppe, als sie Shin und seine Mutter direkt vor dem Abgrund sitzen sahen. Der Junge hatte sich mit dem Rücken zum Rand der Plattform gewandt und hielt seine Mutter umklammert. „Danke“, war das letzte Wort, das sie von ihm hörten. Er ließ sich nach hinten fallen und zog seine Mutter mit sich.

Da hatte ich richtig Gänsehaut, hab mitgelitten.

Nein, aber vermutet. Dieser Turm war ihr persönlicher Weg in den Himmel. Wahrscheinlich hat das ganze Dorf so sein Leben beendet, vielleicht mit der Hoffnung, vorher noch einmal die Sonne zu sehen.“

Das ist sehr traurig.

ast die Hälfte der Etage war ein Restaurant mit Panoramafenstern. Vor einer der Scheiben lag ein Skelett, den Schädel nach draußen gewandt, als wäre sie oder er beim Betrachten des Ausblicks gestorben.

Toll beschrieben. Gutes Kopfkino.

Yuna blickte ihn an. „Lass uns noch etwas hierbleiben, wenn er nichts dagegen hat.“ Sie nickte in Richtung des Skeletts. „Und dann … sollten wir wieder runter. Bestimmt gibt es irgendwo noch eine bessere Aussicht.“
Sie schloss die Augen und genoss die beginnende Wärme der Sonne.

Ein sehr schönes Ende.

Vielen Dank für die schöne Geschichte!

Ich wünsche Dir einen tollen Wochenstart und sende ganz liebe Grüße,
Silvita

 
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Hallo @Waldläufer ,

danke fürs Lesen und den Kommentar!

Sie gehen in die Richtung des Läutens, aber es läutet gar nicht mehr.
In die Richtung der verstummten Glocken? (oder so?)
Ich habe es mal geändert in:
"... als sie weiter in Richtung des verhallenden Glockenläutens gingen."

Die Menschen haben mich etwas verwirrt, denn man hat keinen Vergleich zu der An-Abwesenheit von Menschen in der vernebelten Stadt.
Dieser Vergleich war auf die Vergangenheit bezogen, vor dem Nebel. Er sollte auch zeigen, dass Yuna die "normale" Zeit noch erlebt hat, zusammen mit ihren Eltern.

Was heißt denn "raspelnd atmen"? rasselnd?
Ja, rasselnd passt wohl besser :gelb:
Habe es geändert.

Warum kann der Junge nicht reden? Ist er traumatisiert?
Er ist in der fast verlassenen, vom Nebel eingehüllten Welt aufgewachsen. Ich hatte daher eher daran gedacht, dass er demnach auch nicht in die Schule gegangen ist und sich auch seine Mutter zu wenig mit ihm beschäftigt hat, in einer Welt, die für die Menschen ja ohnehin kaum noch eine Zukunft bietet.

Erst ist er der Fremde und jetzt legt sie sich halb auf ihn drauf?
Der Wunsch Yunas nach Nähe ist für mich ein Teil dieser einsamen, hoffnungslosen Welt. Unter normalen Bedingungen wäre es etwas schnell, da gebe ich dir Recht.

Was ist denn oben? Wie sieht es da aus?
Zu ausführlich wollte ich es hier nicht machen, ich habe den ersten Satz aber mal etwas erweitert:
"Sie schwitzten, als sie das hölzerne Plateau erreichten."

Warum ist sie dann weggegangen?
In der Hoffnung, dass der Nebel nicht überall ist ...

Wenn alles voller Nebel ist, kann man die Sonne nicht sehen, oder?
Durch deine Erzählung habe ich eine Welt vor Augen, in der alles total vernebelt ist. Dann können sie aber dennoch den Jungen sehen und andere Leute. Wann fängt der Nebel an und wann hört er auf?
Es sollte durchgehend so sein, wie ich es an einer Stelle beschrieben habe. Die Sicht beträgt nur ca. 2 Meter, bevor durch den Nebel gar nichts mehr zu sehen ist. Insofern können sie schon noch etwas erkennen, wenn sie nah genug heran gehen.
Auf dem Plateau merkt Yuna, dass der Nebel weiter oben durchlässiger wird und entschließt sich, zu einem Hochhaus zu reisen, um noch einmal die Sonne zu sehen.

Offenbar hat sich die Welt signifikant geändert. Das macht die Frage überflüssig. Schließlich sind beide heimatlos und reisen umher?
Die Frage stellt Yuna ja in Gedanken an den Krebs, bzw. sich selbst:
Hat sich durch den Nebel auch seine Welt verändert, oder ist für ihn - und einige Tiere allgemein - alles wie vorher.
Ich finde es insgesamt eine interessante Frage, was durch so einen Nebel mit den komplexen Abläufen der Welt geschehen würde. Kann ich aber nicht beantworten ...

"entgegen den meisten" durch Kommata oder Gedankenstriche abtrennen?
Ich habe diese drei Wörter mal entfernt, der Satz ist m.E. auch so ausreichend:
"Einsame Seelen, die orientierungslos umherwanderten, ihr Leben noch nicht beendet hatten."

Bisschen klarer machen, dass das das Ziel ihrer Reise ist.
Ich werde es erstmal so lassen, es wird m.E. durch das Ende schon deutlich. Und Yuna kündigt ja in einer vorherigen Szene an, dass sie zu dem Hochhaus möchte, um nochmal die Sonne zu sehen, demnach müssen sie ja ganz nach oben.


Schade finde ich, dass du dich sehr auf die Reise fokussierst. Ich hätte gerne mehr über die Welt und die Charaktere erfahren, da ich zu den beiden keine Beziehung aufbauen konnte.
Zumindest im direkteren Umfeld von Yuna ist es zwar eine überschaubare Darstellung, aber die ihm Nebel "versunkene" Welt wird halt nur immer einsamer, immer mehr Menschen nehmen sich selbst das Leben. An der ein oder anderen Stelle deute ich ja die Sinnlosigkeit an, die die Protagonisten darin sehen, überhaupt noch woanders hinzugehen. Daher habe ich hierzu auch nicht mehr beschrieben, durch die fehlende Sicht ist (fast) jeder Ort der selbe.
Bezogen auf die beiden Protagonisten wollte ich zumindest eine Entwicklung zeigen, sie nähern sich einander an und geben nicht auf, als sie am Ende nochmal die Sonne sehen.

Insgesamt ein schöner, melancholischer Text. Du hast einen (wie ich finde) angenehmen Erzählstil.
Vielen Dank! Das war der Plan! :gelb:

Danke für deine Eindrücke und viele Grüße!
Rob


Hallo @Morphin ,

danke für dein Feedback!

Japan, Westküste. Was ist wohl passiert?
Weiß auch nicht ... ;)

Du magst dystopische Welten, habe ich den Eindruck.
Ja, ich finde Endzeitgeschichten allgemein sehr interessant. Wie verhalten sich die Menschen, wenn die öffentliche Ordnung zusammenbricht? Oder durch eine Katastrophe nur wenige Menschen überleben.

Dass die Geschichten immer nur so kurz sind, finde ich schade. Da liest man sich warm und Schwupps - ist es wieder vorbei. Das solltest du unbedingt ändern.
Ich befürchte wahrscheinlich immer, dass es langweilig wird, wenn die Geschichte zu lang ist. Oder der ein oder andere sie gar nicht erst anfängt zu lesen, gerade bei einer Onlineveröffentlichung.
Es kann schon gut sein, dass ich mich irgendwann mal an einen ängeren Text wage, aber im Moment macht es mir im Umfang von Kurzgeschichten schon Spaß.

Ich habe durchaus eine Beziehung zu den Beiden aufgebaut. Der eine oder andere Charakter ist mir in den letzten Jahrzehnten schon begegnet. Sie haben was Beruhigendes, diese Persönlichkeiten. Asteroiden, die ihre Bahnen ziehen.
Ja, sie sind immer da, solange man die Geschichten noch zur Hand hat ... oder halt in der Erinnerung.

Danke für deine Anmerkungen und ebenfalls eine gute Woche!
Rob

 
Beitritt
03.10.2020
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Hallo @Rob F

Kann mich den vorgängigen Rückmeldungen nur anschließen. Eine schöne Geschichte. Die Melancholie zieht sich wie ein roter Faden durch den Text, eine verlorene, im Nebel versunkene Welt, nur wenige Menschen sind noch am Leben.

Dein Stil ist angenehm zu lesen, es gibt fast keine Stolpersteine, gut gemacht. Für meinen persönlichen Geschmack vielleicht etwas zu simpel und glattgestrichen teilweise. Gerade in einem dystopischen Setting könnte man meiner Meinung nach etwas wortgewaltiger und ausführlicher schreiben, vielleicht ein paar mehr gefühlvolle Metaphern einbauen, würde auch gut zu den melancholischen Grundzügen passen. Wie gesagt aber nur eine sehr persönliche Empfindung. Teilweise könntest Du die Sprache noch etwas präzisieren, nachfolgend liste ich Dir noch einige Beispiele auf.

Du hast mich trotzdem anschaulich mit auf die Reise von Yuna und Goku mitgenommen, das Kopfkino war stets gegeben und ich konnte mich auch gut in die Charaktere einfühlen. Von daher: Sehr gerne gelesen!

Nachfolgend ein bisschen Detailarbeit:

„Warum? Was soll es dort geben, außer einem weiteren sterbenden Teil dieser Welt?“ Yuna warf die vom Fleisch befreiten Knochen ins Feuer.
„Irgendwo wird der Nebel enden. Oder irgendwann.“ Er stand auf und nahm seinen Rucksack.
Hier vielleicht nach der direkten Rede jeweils einen Zeilenumbruch.

Sie gingen schweigend nebeneinander, immer darauf bedacht, Sträucher und Bäume früh genug zu sehen.
Anstelle sehen könntest du erkennen schreiben, klingt besser.

Yuna begann, leise zu singen. Ein Schlaflied, das ihre Mutter oft gesungen hatte.
Zweimal singen. Vielleicht kombinieren, um die Wortwiederholung zu vermeiden: Yuna begann leise ein Schlaflied zu singen, das sie an ihre Mutter erinnerte. Irgendwas in die Richtung.

Das Läuten erklang wieder, nur einmal, aber so laut, dass sie zusammenzuckten. Eine Mauer aus rötlichen Steinen trat aus dem Grau hervor. Sie tasteten sich entlang, bis sie ein hölzernes Tor erreichten. Einer der beiden Türflügel war etwas nach außen geöffnet. Der Fremde zog daran, bis sie hindurch konnten. Sie lauschten, bevor sie weitergingen, hörten aber nur den verhallenden Glockenklang.
Die Glocke läutet einmal und danach gehen sie an der rötlichen Mauer entlang und erreichen das Tor. Der Fremde öffnet das Tor und sie quetschen sich hindurch. Dann hören sie immer noch den verhallenden Klang der Glocke? Herrscht da dermaßen ein Echo, das sie es soviel später immer noch hören können?

Die ersten Häuser tauchten links und rechts des Weges auf, nur schemenhaft zu erkennen, wie gezeichnete Skizzen.
Hier stolperte ich über gezeichnete Skizzen. Sind Skizzen nicht immer gezeichnet? Ich denke, das Wort könntest Du weglassen.

Yuna ging näher an eins heran, ein Einfamilienhaus, wie sie in den Vororten der Städte vorkamen.
Klingt etwas seltsam. Anstelle vorkamen ein treffenderes Wort verwenden.

Wie schnell sich die Umgebung geändert hatte, die Hochhäuser durch urig aussehende, kleine Häuser verdrängt wurden.
Anstatt geändert könntest Du verändert schreiben, klingt runder.

Die Hektik durch ausgeglichen wirkende Menschen.
Ich verstehe, Du beziehst dich hier auf die Veränderung aus dem vorhergehenden Satz. Trotzdem klingt das für mich irgendwie unvollständig. Vorschlag: Die Hektik der Menschen wich Ausgeglichenheit. oder ganz einfach: Die Menschen wirkten ausgeglichener. Wie vieles, nur persönlicher Geschmack ;)

Der Weg führte weiter geradeaus, sie passierten eine überwucherte Straße. Ein Kleinbus lag auf der Seite, vergilbt und verrostet.
Vergilbt assoziiere ich z.B. mit Papier, also vergilbtes Papier. Aber nicht mit einem verrosteten Kleinbus. Meiner Meinung nach passt das Wort an dieser Stelle nicht. Vielleicht was von ausgebleichter Farbe schreiben, oder so?

Aus dem offen stehenden Kofferraum flüchtete ein Kleintier, wahrscheinlich ein Eichhörnchen, so schnell wie es war.
Das kannst Du eleganter formulieren. So schnell, wie es davonhuschte?

Auf der Treppe zur Eingangspforte saß ein Junge, barfuß und in zerrissener Jeans.
Hätte geschrieben: barfuß und in zerrissenen Jeans. Weiß aber nicht, ob das korrekt ist.

Yuna und der Fremde folgten ihm und gelangten auf einen weiteren, kleineren Platz. In seiner Mitte stand eine Holzkonstruktion. Sie erinnerte Yuna an einen Aussichtsturm, den sie früher mal auf einer Wanderung gesehen hatte. Bevor der Nebel die Welt in seine Gefangenschaft nahm. Die im Inneren der Konstruktion gebaute Treppe ließ sie vermuten, dass er weit hinaufreichen würde.
Ich denke, den durchgestrichenen Satz brauchst Du nicht. Das ist klar, dass Yuna von der Vergangenheit spricht.

„Wo sind die Einwohner?“ Yuna ging zu ihm und strich ihm eine Strähne des hellblonden Haares aus dem Gesicht.
Zeilenumbruch nach direkter Rede?

Yuna und der Fremde folgten ihm.
Der vorherige Absatz beginnt mit den genau gleichen Worten. Würde das ändern.

Der Nebel durchdrang auch das Innere des Hauses, wie überall.
Nebensatz würde ich streichen, braucht es nicht.

Yuna wollte näher herangehen, aber der Fremde hielt sie am Ellenbogen.
Hielt sie am Ellenbogen zurück? Denn das ist ja was er tut, er hält sie zurück, damit sie nicht näher an das Krankenbett herangeht.

„Sie ist krank“, sagte er, ohne Rücksicht auf den Jungen zu nehmen, der sich auf einen Holzstuhl neben dem Bett gesetzt hatte.
Hätte geschrieben: neben das Bett gesetzt hatte.

Die Frau war bleich, Schweiß bedeckte ihr Gesicht, die Stirn.
Klingt etwas abgehackt. Würde ein und zwischen ihr Gesicht, die Stirn setzen und das Komma streichen.

Sie atmete rasselnd durch den Mund.
Kannst Du streichen, man kann ja nicht rasselnd durch die Nase atmen.

Dort befand sich ein Doppelbett, das der Fremde, wie sie ihn weiterhin in Gedanken nannte, auseinander gezogen und sich auf die linke Seite gelegt hatte.
Braucht es das Durchgestrichene wirklich?

Er legte ihr kurz seine Hand an den Rücken und betrat den Raum. Hinter der Tür stand ein zusammengeklappter Rollstuhl, den er öffnete und neben das Bett schob.
Er öffnete den Rollstuhl? Könnte man präzisieren. Vielleicht faltete er ihn auseinander?

Der Nebel blieb dennoch unverändert, als befände er sich in einer anderen Sphäre. Immer sichtbar, aber unerreichbar.
Hier fragte ich mich, wieso sie den Nebel erreichen wollen? Bzw. was willst Du damit aussagen?

„Soll ich sie hochtragen?“, fragte der Fremde, Goku.
Der Leser weiß ja, dass sie den Fremden Goku getauft hat. Musst Du hier nicht nochmal wiederholen.

Shin setzte sich neben sie und wischte ihr mit langsamen Bewegungen den Schweiß weg.
Mit was wischte er ihr den Schweiß weg? Mit der bloßen Hand?

Auch hier oben waren sie vom Nebel umgeben, aber er war durchlässiger, sie konnten etwas weiter sehen als am Boden.
Den Nebensatz braucht es nicht, wird ja schon dadurch klar, dass der Nebel hier oben durchlässiger ist.

Yuna schätzte, dass sie sich mehr als zehn Meter hoch befanden.
Klingt etwas seltsam. Vielleicht: Yuna schätzte, dass sie sich mehr als zehn Meter über dem Boden befanden?

Das Geräusch würde sie nie vergessen, als würde ein vertrockneter Ast zerbrechen.
Zweimal würde im selben, kurzen Satz finde ich unschön.

Wieder zwei Leben weniger auf dieser Welt, sie hatten noch nicht mal begonnen, sich kennenzulernen.
Auch hier: Könnte man streichen. Das sie sich noch nicht richtig kennengelernt haben, weiß der Leser doch.

„Nein, aber vermutet. Dieser Turm war ihr persönlicher Weg in den Himmel. Wahrscheinlich hat das ganze Dorf so sein Leben beendet, vielleicht mit der Hoffnung, vorher noch einmal die Sonne zu sehen.“
Hier habe ich mich kurz gefragt, ob sie nicht eine wirkungsvollere Suizidmethode gefunden haben? Auch den Fall aus zehn oder mehr Metern kann man mit Glück überleben. Es klingt aber auch irgendwie nach einem Kult, oder einer Art rituellem Suizid, der hier begangen wurde. Der Turm als letzter Ausweg. Von daher passt das wahrscheinlich schon.

Diese Stadt ist meine Heimat, ich hätte nie fortgehen sollen.
Wieso ist sie weggegangen? Das erfährt man nicht.

Die Wellen wie Stimmen, die sie zu sich riefen, diese Welt zu verlassen.
Damit ich nicht nur Passagen zitiere, wo ich Verbesserungspotential sehe: Eine schöne Stelle.

Hat sich auch deine Welt verändert?
Finde die Frage interessant. Also die ist ja an den Krebs gerichtet, den sie nachher aufspießt mit ihrem Speer. Wahrscheinlich ist aber für den Krebs die Welt dieselbe geblieben und nur die Welt der Menschen hat sich grundlegend verändert.

„Nein“, unterbrach Goku. „Keine Medikamente.“
Wieso wehrt er sich gegen die Einnahme von Medikamenten?

Einsame Seelen, die orientierungslos umherwanderten und ihr Leben noch nicht beendet hatten. Und noch nicht verhungert waren.
Das ist ja eigentlich klar, wenn sie noch umherwandern können, dass sie noch leben und noch nicht verhungert sind ;)

„Bin nicht sicher, kann aber gut sein. Die Unternehmen, die sich hier einquartiert hatten, waren, glaube ich, weiter oben. Die Aussicht machte immer einen guten Eindruck auf Kunden. Damals.
Wieso erwähnt sie das mit den Kunden? Finde, es passt nicht ganz rein.

Dahinter befand sich eine geräumige Wohnung. Sie fanden das Schlafzimmer, Goku legte sich erschöpft auf das Doppelbett, während Yuna weiter die Wohnung prüfte.
Wortwiederholung.

Yuna holte ihn und legte ihn in den Raum, der früher wahrscheinlich das Wohnzimmer war.
Vorschlag: der früher wahrscheinlich als Wohnzimmer genutzt wurde.

„Vergiss es“, machte sie ihn nach und drückte ihn zurück ins Kissen.
Machte ihn nach? Imitieren würde besser passen.

Sie hatten beim Aufstieg selten länger nach draußen geblickt, schon das zunehmende Tageslicht erfreute sie.
Klingt seltsam. Wenn sie das zunehmende Tageslicht erfreute, warum schauten sie dann nicht länger nach draußen? Aber verstehe schon, sie wollten höher gehen, damit es noch eindrucksvoller wird. Vielleicht kannst Du das noch präzisieren.

Ich habe jetzt viele Stellen rauszitiert, ganz vieles oder fast alles ist nur persönliches Empfinden. Davon musst Du selbstverständlich nichts umsetzen. Hat mir gut gefallen, deine Story. Mein Hauptkritikpunkt liegt beim stilistischen, das ist mir etwas zu simpel und reduziert. Ansonsten habe ich nichts auszusetzen.

Danke für die unterhaltsamen Minuten!

Neblige Grüsse,
DM

 
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Hallo @Silvita ,

ich finde bei deinen Feedbacks immer interessant, wenn du bei der ein oder anderen Szene beschreibst, wie sie auf dich wirkt. Hilft mir auf jeden Fall auch bei zukünftigen Texten, besser einzuschätzen, wie etwas ankommt.

Also vielen Dank auch hierbei für deine Eindrücke!

Du hast mich auf eine interessante Reise mitgenommen. Die Vorstellung, die Sonne nicht mehr sehen zu können, überall nur Nebel - das ist beängstigend.
Finde ich auch ... deswegen passiert es auch nur in Geschichten! :gelb:

Das klingt irgendwie seltsam.
Vorschlag: .... ein Einfamilienhaus, wie es sie in den Vororten der Städte gab.
habe es angepasst

Wechseln
ist korrigiert

Vielen Dank für die schöne Geschichte!
Gern geschehen und vielen Dank fürs Lesen! :gelb:

Viele Grüße und einen nicht nebligen Tag!
Rob

 
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Hallo @DissoziativesMedium ,

ich habe bei den meisten von dir genannten Stellen die Formulierungen angepasst, danke für deine Mühe und die vielen Vorschläge!

Noch zu einigen Detailpunkten:

Der Nebel blieb dennoch unverändert, als befände er sich in einer anderen Sphäre. Immer sichtbar, aber unerreichbar.
Hier fragte ich mich, wieso sie den Nebel erreichen wollen? Bzw. was willst Du damit aussagen?
Ich wollte hiermit verdeutlichen, dass der Nebel durch nichts verdrängt werden kann. In dieser Szene ist es der Wind, zu Beginn der Geschichte das Feuer ... aber nichts führt dazu, dass sich der Nebel verändert.
Ich dachte daher, es wäre ein passender Gedanke: Nichts verändert den Nebel, er nimmt die Sicht, kann aber nicht beeinflusst werden, so in diese Richtung ...

Auch hier: Könnte man streichen. Das sie sich noch nicht richtig kennengelernt haben, weiß der Leser doch.
Ja, notwendig ist diese Information hier nicht. Ich wollte jedoch damit auch Yunas Gedanken zeigen, wie sehr sie bedauert, endlich andere getroffen, aber nicht kennengelernt zu haben. Habe es daher mal so gelassen.

Hier habe ich mich kurz gefragt, ob sie nicht eine wirkungsvollere Suizidmethode gefunden haben? Auch den Fall aus zehn oder mehr Metern kann man mit Glück überleben. Es klingt aber auch irgendwie nach einem Kult, oder einer Art rituellem Suizid, der hier begangen wurde. Der Turm als letzter Ausweg. Von daher passt das wahrscheinlich schon.
Die "sicherste" Variante ist es nicht unbedingt, aber es war ja auch damit verbunden, dass sie vor ihrem Tod nochmal etwas mehr Tageslicht erleben, vielleicht sogar zumindest erahnen können, wo sich die Sonne befindet.

Wieso ist sie weggegangen? Das erfährt man nicht.
Sie hatte die Hoffnung, dass der Nebel nicht überall ist und hat deswegen ihre Reise begonnen.
Würdest du das entsprechend deutlich dazu schreiben?

Damit ich nicht nur Passagen zitiere, wo ich Verbesserungspotential sehe: Eine schöne Stelle.
Danke! :)
Der Ruf des Meeres ist hier leider kein guter ...

Finde die Frage interessant. Also die ist ja an den Krebs gerichtet, den sie nachher aufspießt mit ihrem Speer. Wahrscheinlich ist aber für den Krebs die Welt dieselbe geblieben und nur die Welt der Menschen hat sich grundlegend verändert.
Würde ich auch so sehen, aber es ist ja schon interessant, wie die Tier- und Insektenwelt hiermit insgesamt zurechtkommen würde. Und welche sensiblen Abläufe der Natur durch so einen Nebel gestört würden, wenn kaum noch etwas zu sehen ist. Ist nur leider nicht mein Fachgebiet ...

Wieso wehrt er sich gegen die Einnahme von Medikamenten?
Es hatte für mich keinen bestimmten Grund, aber es gibt ja diejenigen, die solange es geht Medikamente ablehnen. Mehr sollte eigentlich nicht dahinterstecken.

Das ist ja eigentlich klar, wenn sie noch umherwandern können, dass sie noch leben und noch nicht verhungert sind
Ich habe den Teil mit dem verhungert mal entfernt. Da ich recht wenig zu der Welt insgesamt schreibe, sollte es nochmal verdeutlichen, dass die meisten Menschen sich selbst das Leben genommen haben.

Eine schöne Geschichte. Die Melancholie zieht sich wie ein roter Faden durch den Text, eine verlorene, im Nebel versunkene Welt, nur wenige Menschen sind noch am Leben.
Danke, dann bin ich auf jeden Fall beruhigt, dass es nicht zu melancholisch und eintönig ist!

Für meinen persönlichen Geschmack vielleicht etwas zu simpel und glattgestrichen teilweise. Gerade in einem dystopischen Setting könnte man meiner Meinung nach etwas wortgewaltiger und ausführlicher schreiben, vielleicht ein paar mehr gefühlvolle Metaphern einbauen, würde auch gut zu den melancholischen Grundzügen passen.
Ja, da gebe ich dir grundsätzlich recht. Ich versuche es auch hierbei mit eher wenigen Informationen, so dass genügend Spielraum für die Leser bleibt, sich die Welt vorzustellen.
Hierbei ist es auch deswegen schwierig, da außer dem Nebel ja tatsächlich kaum etwas für die Protagonisten zu erkennen ist, das sie/ich beschreiben könnten.

Danke für dein umfangreiches Feedback und viele Grüße!

Rob

 

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