Was ist neu

Copywrite Non te tango

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Non te tango

Reinste Zeitverschwendung. Stehe den ganzen Tag im Laden, Femora stechen in die Eingeweide, kein Arsch kommt. Verblödete Gesellschaft.
Buntes Geblinke im Fenster. Gegenüber das Hologramm einer Klippe vorm Plakat, künstlich grinsender Schauspieler springt hinab und breitet die Flügel aus, Werbung für eine VR-Welt. Ich habe Bücherstapel ins Schaufenster gestellt, damit ich es von meinem Platz aus nicht sehen muss.
Ab und an ein Schatten im Glas. Ignoranten. Das Plakat hängt draußen, neuer Otchorak. Genauso hätte ich einen Haufen vor die Wand setzen können. Zu wenig bunt, zu wenig blinki-blinki.
Hängen den ganzen Tag in ihren VR-Welten rum, verkoksen sich das Brain mit chemischer Pampe. Keinen Plan von nichts. Wollen mir dann noch erzählen, was ich brauche.
Musst dies machen, musst jenes machen. Musst studieren, arbeiten, heiraten, sterben. Studium hingeschmissen, alles sinnlos, da fragt später keiner nach dem Kram. Irgendein Schwachsinn, den sich jemand ausgedacht hat. Lieber was Vernünftiges lernen, eine Ausbildung anfangen. Doch der Chef eine Trantüte. Spielt auf der Arbeit mit dem Terminal herum und behauptet, ich würde zu viel im Netz hängen. Ich??? Ich hab das System durchschaut. Ich bin nicht von dir abhängig, alter Mann, Tschüss. Ich lass mich von keinem abhängig machen. Das Netz, die Unterhaltung, lenkt uns nur ab. Wir sollen arbeiten, arbeiten, arbeiten für ein bisschen Unterhaltung. Nicht mit mir.
Doch was soll man machen. Muss auch fressen und schlafen. Mach also nur das Nötigste. Können mich alle mal.
Ein Gehstock bleibt vor der altmodischen Tür stehen, sehe ihn im Fenster, wie er sich umguckt. Handbewegung vor der Tür. Musste dich schon selbst anstrengen, Alter.
Kommt herein. Straßenlärm fällt durch die offene Tür, das ufogleiche Sirren der Hover-Cars. Hätten geräuschlos sein können, aber nein, die Leute kleben den ganzen Tag mit ihren Augen auf virtuellen Bildschirmen und können sie nicht sehen. Müssen deshalb schrill und nervig piepen wie Tinnitus, dass sie durch Kopfhörer dringen. Nicht auszublenden.
Der Gehstock schaut sich um. »Sind das analoge Bücher?«, wundert er sich. »Liest die heutzutage noch jemand?« Drückt einen Knopf am Gehstock, Kamera schiebt sich heraus, begafft die Ware für ein unbekanntes Publikum.
»Verpiss dich.«
Schlag gegen die Kamera, Stock fliegt aus der Hand. Der Alte starrt mich an, Augen groß, Mund offen, als hätte ich ein Wunder oder ein Verbrechen begangen.
»Ich sag das nicht zweimal.«
Humpelt zum Gehstock - ach geht ja doch ohne. Aufheben, knurrt mich an, verschwindet zur Tür. Hat lang genug gedauert.
Endlich Ruhe. Däumchendrehen. Ich will was Nützliches machen, fange an umzusortieren, doch alles steht gut genug, erfüllt seinen Zweck, kein Bock, lohnt den Aufwand nicht.
Plötzlich steht sie da im Laden, hab sie nicht reinkommen sehen in ihrem Rollstuhl. Oder hören. Nur zwei Sekunden umgedreht. Muss durch die zufallende Tür reingeschlüpft sein. Wie auch immer.
Trainierter Oberkörper (bleibt ihr ja nichts anderes übrig), aber die Beine nur Striche, nur Streichhölzer, über denen Haut und Stoff hängen. Jämmerlich. So faul möchte ich auch mal sein. Den ganzen Tag dumm herumsitzen. Anderen Leuten auf die Nerven gehen. Niemand sagt was gegen Restricte.
»Habt ihr das von Otchorak?« Spricht in gallic-red, der neuste Schrei. Sieht aus, als wären die Lippen von feinsten Schuppen bedeckt, die reflektierend funkeln.
Sonnenbrille, glänzende Insektenaugen, die verbergen, dass sie einen anschauen. Doch ich spüre es. Meint mich. Wen auch sonst, keiner da.
»Was?« Die Überraschung fuckt mein Hirn down.
»Otchorak. Draußen auf dem Plakat.«
Meine Hand denkt mit, wenigstens eine. Hebt sich zur Treppe. »Unter O wie oben.« Ich gluckse.
»Gibt es das als v-book?«
»Von diesem neumodischen Kram halte ich nichts. Das lenkt nur ab.«
Sie hebt die Hände, prüft ihr Gepäck. Platz für ein Buch wird sie doch haben.
»Dann als Taschenbuch.«
Kann sie haben. Kann mir AR-Cover eh nicht leisten. Ich bin mal ganz der Influenzer und hole ihr eins.
»Hast du's gelesen?«, will sie wissen.
»Klar, sollte Pflicht in der Schule sein. Da steht alles drin, die ganze Wahrheit über unsere Gesellschaft. Wenn man das gelesen hat, weiß man Bescheid, wie der Kyberhase läuft.«
Sie zeigt sich unbeeindruckt. »Kann ich ein Transport-Pad bekommen?«
»Von diesem neumodischen Kram ...«
»Dann eine Tüte, bitte.«

Vor die Tür, einmal Pause vom Nichtstun. Überraschend anstrengend. Frischer Duft weht vom säulenförmigen Luftfilter an der Kreuzung rüber. Symptombekämpfung, anstatt allen Elektroschrott abzuschalten, tut so, als hätte man die Verschmutzung im Griff.
Schachtel schnappt auf, teurer Labortabak in kleinen Mengen herangezogen. Heute raucht man synthetisches Nikotin aus Sprays - nicht ich. Ziehe an der Zigarette. Muss Husten. Scheiß Feinstaub.
Der Kaffeebecher sitzt vor der Tür. Nein, nicht Coffee Cup, CoCu muss man sagen, mit allerlei Schnickschnack, hält ein Leben lang, Hauptsache bio. Das Display zeigt die enthaltenen CryptoCoins.
Frei von den Zwängen der Gesellschaft, unabhängig, Aussteiger, bewundernswert. Schaut zu Vorbeigehenden mit mitleidigem Blick auf, hebt den Becher. Was soll das Theater, alter Mann, wenigstens bist du gesund.
Ich werfe ihm eine Handvoll Münzen zu. Die zum Anfassen.
»Die kann ich nicht annehmen«, beschwert er sich. »Ich nehm nur digital.« Holt eine Münze heraus, dreht das Metall zwischen den Fingern, das nicht mehr wert ist, als das Material, aus dem es besteht, doch genau genommen mehr als die Bits in seinem Becher. »Die krieg ich nicht mal mehr umgetauscht.« Er grinst. »Bist wohl etwas zurückgeblieben, hm?«
»Steck sie gut weg. Das kommt alles wieder«, behaupte ich fest. »Spätestens wenn der Strom ausfällt.«
»Wenn der ausfällt«, er wirft mir das Geklimpere vor die Füße, »kann ich das auch nicht gebrauchen.«
Kurz überlegen. Grinse hinterhältig. »Sag Bescheid, wenn die Insektenaugen vorbeikommen, dann geb ich dir meinen Tagesverdienst.«
Der Kaffeebecher grinst. Er ahnt nicht, was für ein schlechtes Geschäft er macht.

Straßenlärm quillt herein. »Bescheid«, ruft der Kaffeebecher.
Ganz abgelenkt vom Grummeln im Bauch. Braunes Gewitter kündigt sich gegen Abend an. Denk ich an die Miete, ist der Tag gelaufen.
Da steht sie wieder im Rollstuhl wie hingezaubert. Nichts Besseres zu tun, als wie im Museum Bücher zu beglotzen.
»Hast du's gelesen?«, will ich wissen.
»Nicht erwartet, was?« Die Hand zeigt grob zur Elektronik, die sie chauffiert.
»Und?«
Hand lässt sich nieder wie ein Vogel im Schoß. »Ich finde, der Autor sucht die Schuld zu sehr bei anderen, anstatt sein Leben selbst in die Hand zu nehmen.«
»Das System steckt Grenzen, das ist Fakt. Ich bin keine Marionette.«
»Die Grenzen sind in unseren Köpfen, nicht im System.«
Die Augen weichen der Diskussion zur Decke aus. »Das sollst du denken.«
»Wann bist du das letzte Mal vor die Tür gekommen?«

Ich glaub ihr kein Wort. Vor der Tür, ein Wisch auf dem Pay-Display. Der Kaffeebecher frisst seinen CoCu mit den Augen.
»Was ist das denn? Ist dir das Komma verrutscht?«
»Der Tagesverdienst. Wie versprochen.«
»Du würdest vor dem Laden mehr verdienen.« Was jammert der. Er braucht's doch eh nicht.
Insektenauge zieht die Sonnenbrille zum Fragezeichen herunter. Goldbesprenkelte Saphire leuchten.
»Insider.« Die Saphire verschwinden.
Ich biete an, sie zu schieben, doch sie betätigt wie selbstverständlich die Steuerung. Eine Schramme lugt unter dem Ärmel hervor.
»Was isn da passiert?«
»Ich war letzte Woche beim Klippenspringen.«
»Muss schwer sein, nur zugucken zu dürfen, wenn andere Spaß haben.«
Sie erwidert nichts. Schweigend begeben wir uns Richtung Park. Die Bäume am Zaun ein Vorhang, die Vorstellung ist für den Moment gelaufen.
Da stehen wir auf dem Hügel, schauen den Sonnenuntergang an. Ja, verzieh dich nur.
»'N Vogel müsste man sein«, sage ich.
Sie richtet sich auf. Denke, sie will was sagen. Hand wandert entschlossen zur Steuerkonsole, schiebt einen Hebel nach vorne.
Aus dem Rollstuhl klappen sich Flügel und Antriebe aus. Feuer spuckt. Der Rollstuhl beschleunigt, hebt ab und fliegt in den Sonnenuntergang.

 
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Hey @Jellyfish,
in deinem Copywrite hast du die Rollen vertauscht - sie sitzt im Rollstuhl und taucht in die virtuelle Welt ab. Mir gefällt das futuristische Setting, mit Holo-Reklame, VR-Sumpf und Elektrosmogfilter und die Gegenüberstellung mit seiner analogen Welt. Bei den kurzen Sätzen bin ich zweigeteilt. Es passt zu seiner Grundablehnung. Aber an manchen Stellen war mir seine Angepisstheit dann zu überdeutlich. Deine Insektenauge bietet einen guten Kontrast. Insgesamt finde ich deine Gegenstücke zur Originalgeschichte gelungen.

Textkram:

Nichts Besseres zu tun[Komma] als wie im Museum die Bücher zu beglotzen.

»Ich war letzte Woche beim Klippenspringen.«
»Muss schwer sein, nur zugucken zu dürfen, wenn andere Spaß haben. Hat dich jemand angerempelt?«
Streichkandidat. Ansonsten gute Stelle.
»Hast du's gelesen?«, will ich wissen.
»Nicht erwartet, was?« Die Hand zeigt grob zur Elektronik, die sie chauffiert.
»Und?«
Hand lässt sich nieder wie ein Vogel im Schoß. »Ich finde, der Autor sucht die Schuld zu sehr bei anderen, anstatt sein Leben selbst in die Hand zu nehmen.«
»Das System steckt Grenzen, das ist Fakt. Ich bin keine Marionette.«
»Die Grenzen sind in unseren Köpfen, nicht im System.«
Für mich der Kern-Dialog der Geschichte. Sie sitzt im Rollstuhl, ist eigentlich in der Opferrolle. Trotzdem ist sie die Lebensbejahende von beiden.

Viele Grüße
wegen

 
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Hallo @wegen,

danke für deinen Kommentar. Ich habe die kleinen Korrekturen vorgenommen.

Bei den kurzen Sätzen habe ich mich am Stil der Vorlage orientiert.

Für mich der Kern-Dialog der Geschichte. Sie sitzt im Rollstuhl, ist eigentlich in der Opferrolle. Trotzdem ist sie die Lebensbejahende von beiden.
Ich bin verschiedene Möglichkeiten durchgegangen, was ich mit dem Original anstellen könnte. Könnte Luisa den Buchladen führen und Mats kommt im Rollstuhl herein? Könnte sie im Rollstuhl sitzen? Irgendwie hatte ich den Eindruck, wenn ich ihm sozusagen die Beine zurückgäbe, wäre er immer noch unzufrieden und sie der positive Charakter. Als hätte sein Missmut in der Vorlage in Wahrheit nichts mit seinem Zustand zu tun. Ich tausche die Umstände der beiden aus, aber es ändert sich nichts. Welche Ironie.

Viele Grüße
Jellyfish

 
Monster-WG
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Hey @Jellyfish,
schon merkwürdig und aufregend, ein CW vom eigenen Text zu lesen. Du hast die Rollen vertauscht, sie sitzt im Rollstuhl und ist weltbejahend und er hat kein Handicap mehr und schimpft trotzdem. Schön die Versatzstücke aus dem Text, die du neu anordnest in neuen Zusammenhängen. Aus dem Zyniker hast du einen Skeptiker und Verweigerer gemacht, der sich nichts sagen und andrehen lassen möchte. Schade nur, dass die romantischen Ebene abgeht, die führt im Original das Ganze ja zu einem Twist, der dem Ganzen eine neue Richtung gibt.
Sind viele schöne Ideen drin, dystopisch auch, AR-Cover kannte ich nicht, super Idee, Hover-Cars, ausklappende Kamera im Gehstock, fliegender Rollstuhl, etc.. Da sprudelt die Fantasie des SciFi-Autors und das ist gut so. ;) Nur was CoCu bedeuten soll, wurde mir nicht klar.

Symptombekämpfung, anstatt allen Elektroschrott abzuschalten, tut (man) so, als hätte man die Verschmutzung im Griff.

Ich werfe ihm eine Handvoll Münzen zu. Die zum Anfassen.
»Die kann ich nicht annehmen«, beschwert er sich. »Ich nehm nur digital.«
Nice, gefällt mir.
»Was?« Die Überraschung fuckt mein Hirn down.
das auch
Er grinst. »Bist wohl etwas zurückgeblieben, hm?«
»Steck sie gut weg. Das kommt alles wieder«, behaupte ich fest.
:D

Der Kaffeebecher frisst seinen CoCu mit den Augen.
»Was ist das denn? Ist dir das Komma verrutscht?«
»Der Tagesverdienst. Wie versprochen.«
»Du würdest vor dem Laden mehr verdienen.«
Klasse, mag den Humor. Die Dialoge mit dem Kaffeebecher finde ich gelungen. Nahe am Original und doch völlig anders.

Viele Grüße, peace, l2f

 
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Hallo @linktofink,

ich freue mich einen Keks, dass es dir gefällt. Ich habe den Anlass genutzt und versucht, deinen Schreibstil nachzuahmen, inklusive der "Vergewaltigung der deutschen Sprache" und dem "Quelle-Katalog aus dem Jahre 2100", um ein paar Kommentare zu zitieren. Das zu schreiben war ein Vergnügen. Dass ich deinen Geschmack getroffen habe ist die Kirsche auf dem Sahnehäubchen.

Schade nur, dass die romantischen Ebene abgeht, die führt im Original das Ganze ja zu einem Twist, der dem Ganzen eine neue Richtung gibt.
Ich hatte in Erwägung gezogen, ihm gewisse Gedanken zu geben, aber das kam mir zu plump vor und hätte hier nichts beigetragen, also habe ich mich dagegen entschieden.

Nur was CoCu bedeuten soll, wurde mir nicht klar.
Kaffeebecher, Coffee Cup, CoCu, ich dachte, das wäre naheliegend. Ich habe die Herleitung hinzugefügt.

Vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren, es war mir eine Freude.

Viele Grüße
Jellyfish

 
Wortkrieger-Team
Monster-WG
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Hi @Jellyfish

glücklicherweise ist der Text nicht allzu lang. Wegen der Sprache. Nix für mich. Kein Rhythmus. Unter der Prämisse, die Gedanken seinen ebenso abgehackt, ellipsig wie du es hier zelebrierst. Was ich auch an der Vorlage kritisch´gesehen habe. Weil Gedanken neben Ellipsen etwas epische Breite aufweisen. Selbst bei Ihr-könnt-mich-alle-mal-am-virtuellen-Arschloch-pardon-am-Joystick-lecken-Typen. Mehr hab ich nicht.

Ah doch: Story toll, klasse Plot. Was mir auch an der Vorlage gefällt. Und das mit dem Fliegen in die Sonnennacht kenne ich von einem Copywrite eines gewissen..., tolles Bild..., starker Schluss!

Paar Stellen:

Ab und an ein Schatten im Glas. Ignoranten. Das Plakat hängt draußen, neuer Otchorak. Genauso hätte ich einen Haufen vor die Wand setzen können. Zu wenig bunt, zu wenig blinki-blinki.
Hängen den ganzen Tag in ihren VR-Welten rum, verkoksen sich das Brain mit chemischer Pampe. Keinen Plan von nichts. Wollen mir dann noch erzählen, was ich brauche.
hier so eine Stelle, in der die Elipsen durch epische Elemente aufgelöst werden, mehr davon zwischen den Ellipsen gefiele mir besser.
Doch der Chef eine Trantüte. Spielt auf der Arbeit mit dem Terminal herum und behauptet, ich würde zu viel im Netz hängen. Ich??? Ich hab das System durchschaut. Ich bin nicht von dir abhängig, alter Mann, Tschüss.
hier eine Stelle, die mMn gut funktioniert
Muss auch fressen und schlafen. Mach also nur das Nötigste. Können mich alle mal.
na ja, klingt lau, nicht nur wegen des Fressens
»Liest die heutzutage noch jemand?« Drückt einen Knopf am Gehstock, Kamera schiebt sich heraus, begafft die Ware für ein unbekanntes Publikum.
»Verpiss dich.«
Schlag gegen die Kamera, Stock fliegt aus der Hand.
woher die Aggression kommt, mm, erschließt sich mir nicht
»Kann ich ein Transport-Pad bekommen?«
»Von diesem neumodischen Kram ...«
»Dann eine Tüte, bitte.«
was is'n n Transport-Pad? Gucci-Tasche?
»Steck sie gut weg. Das kommt alles wieder«, behaupte ich fest. »Spätestens wenn der Strom ausfällt.«
»Wenn der ausfällt«, er wirft mir das Geklimpere vor die Füße, »kann ich das auch nicht gebrauchen.«
hübscher Querverweis auf allerlei Verschwörungskram
Da stehen wir auf dem Hügel, schauen den Sonnenuntergang an. Ja, verzieh dich nur.
»'N Vogel müsste man sein«, sage ich. »Einfach fort, alles zurücklassen. Weg von dem ganzen Exkret hier.«
das fettmarkierte braucht es nicht, wenn du es weglässt, schwingt das Gesagte nach, finde ich.
Aus dem Rollstuhl klappen sich Flügel und Antriebe aus. Feuer spuckt. Der Rollstuhl beschleunigt, hebt ab und fliegt in den Sonnenuntergang.
wie gesagt: mag ich!

Liebe Grüße aus dem Sonnendämmerungsflug
Isegrims

 
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»Von diesem neumodischen Kram halte ich nichts. Das lenkt nur ab.«

Hm, SF ist so nicht mein Ding,

@Jellyfish

und doch hab ich durchgehalten - vielleicht, weil wir zwar etwa zur gleichen Zeit hierorts strandeten, uns aber - sofern ich mich itzo nicht irre - noch nicht „begegnet“ sind und was mir gleichwohl sehr gefallen hat, sind die Elipsen.

Es wäre ein Experiment wert, ob eine vollständige Geschichte eliptisch erzählt werden kann – wobei Subjektlosigkeit das i-Tüpfelchen bildete., Maschinen die Welt bestimmten und damit ein Schlaglicht auf die zukünftige Arbeitswelt lieferten mit dem Menschen als Anhängsel und potenziellem Bremsblock des Fortschritts.

Tut jetzt nicht sonders viel zu Deinem Beitrag - so stifte ich zur Entschädigung ein paar Verse aus meiner Anfangszeit, wenn auch sehr konservatiefe

Mancher Lahme frömmelt sehr,
Fährt hoffnungsfroh nach Lourdes.
Ruft lauthals dort „hilf Gott & Herr!“,
am End’ der langen Tour.

Seht!, das Wunder, es geschieht,
Ist kaum zu begreifen:
Eh der Rollstuhl sich versieht,
Trägt er neue Reifen.


(zur vollständigen Reimung „Bin ich hier richtig“https://www.wortkrieger.de/threads/bin-ich-hier-richtig.37285/; )

Bis bald

Friedel

 
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Hallo @Jellyfish ,

ist nicht ganz einfach, den Originaltext zu kopieren. Da muss man sich schon was einfallen lassen. Und ich muss erstmal Wörter nachschlagen. (In beiden Texten):sealed:

Stehe den ganzen Tag im Laden, Femora stechen in die Eingeweide, kein Arsch kommt. Verblödete Gesellschaft.
Okay, dein Prot ist nicht ganz gesund und deshalb äußerst schlecht gelaunt. Er will oder soll Bücher verkaufen, für die sich, so ist er fest überzeugt, kein Mensch interessiert.
Hängen den ganzen Tag in ihren VR-Welten rum, verkoksen sich das Brain mit chemischer Pampe. Keinen Plan von nichts. Wollen mir dann noch erzählen, was ich brauche.
Was er braucht oder will, erfährt man nicht, sondern eher ein Resümee:
Wir sollen arbeiten, arbeiten, arbeiten für ein bisschen Unterhaltung. Nicht mit mir.
Doch was soll man machen. Muss auch fressen und schlafen. Mach also nur das Nötigste. Können mich alle mal.
Ich will was Nützliches machen, fange an umzusortieren, doch alles steht gut genug, erfüllt seinen Zweck, kein Bock, lohnt den Aufwand nicht.

Und dann kommt der Rollstuhl rein. Und das Leben beginnt. Aber nicht gleich, erst müssen die weltanschaulichen Positionen noch geklärt werden.

»Nicht erwartet, was?« Die Hand zeigt grob zur Elektronik, die sie chauffiert.
»Und?«
Hand lässt sich nieder wie ein Vogel im Schoß. »Ich finde, der Autor sucht die Schuld zu sehr bei anderen, anstatt sein Leben selbst in die Hand zu nehmen.«
»Das System steckt Grenzen, das ist Fakt. Ich bin keine Marionette.«
»Die Grenzen sind in unseren Köpfen, nicht im System.«
Die Augen weichen der Diskussion zur Decke aus. »Das sollst du denken.«
»Wann bist du das letzte Mal vor die Tür gekommen?«
Klippenspringen. Sonnenuntergang. Frei wie ein Vogel. Nur etwas für die anderen? Die Rollstuhfahrerin zeigt es ihm:
Sie richtet sich auf. Denke, sie will was sagen. Hand wandert entschlossen zur Steuerkonsole, schiebt einen Hebel nach vorne.
Aus dem Rollstuhl klappen sich Flügel und Antriebe aus. Feuer spuckt. Der Rollstuhl beschleunigt, hebt ab und fliegt in den Sonnenuntergang.
Interessanter Ausflug in die zukünftige Welt. Aber die alten Fragen bleiben. Was stimmt denn nun :
Das Sein bestimmt das Bewusstsein oder das Bewusstein bestimmt das Sein.

Liebe Jellifish, ich hatte einige Mühe mit dem Lesen, vor allem mit den Kurzsätzen. Als Copywrite finde ich es beachtlich, vor allem wie du dich in SF auskennst und die Rollenumkehr der Protagonisten.

wieselmaus

 
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Hallo allerseits und danke für die vielen Kommentare! Unter der Woche ist es zeitlich eine Herausforderung zu antworten. Heute war der Kurs wegen der Hitze früher vorbei.

Hallo @Isegrims,

ich habe mich am Sprachstil der Vorlage orientiert und daher erwartet, dass die gleichen Dinge kritisiert werden. Insofern danke, dass du das hiermit gemacht hast. Ich verspreche, dass ich sonst nicht so schreibe.

Und das mit dem Fliegen in die Sonnennacht kenne ich von einem Copywrite eines gewissen..., tolles Bild..., starker Schluss!
Danke, ich habe den Plot extra im Sci-Fi gelassen, damit ich den fliegenden Rollstuhl schreiben konnte. Das Copywrite, auf das du anspielst, kenne ich nicht.

Muss auch fressen und schlafen. Mach also nur das Nötigste. Können mich alle mal.
na ja, klingt lau, nicht nur wegen des Fressens
Ich sehe, was du meinst. Streckenweise lässt mich Madame Inspiration im Stich, dann ist "fertig" besser als "perfekt".

was is'n n Transport-Pad? Gucci-Tasche?
Im Schreibfluss fallen manchmal Dinge heraus, fast schon traumartig tauchen neue Wörter auf. Wie transportieren die Leute in der Zukunft ihre Einkäufe? Ich stelle mit eine Scheibe vor, auf die die Leute die Sachen draufstellen und die dann brav eine Handbreit über dem Boden hinterherschwebt. Spielt eigentlich keine Rolle, hauptsache es kommen genug neuartige Wörter in der Geschichte vor, dass es klingt, wie ein "Quelle-Katalog aus dem Jahre 2100". Das ist, wie linktofinks Texte für mich klingen, wenn er Sci-Fi schreibt.

Danke für's Vorbeischauen. Ich habe von dir noch nichts gelesen und bin auf dein Copywrite gespannt.

Hallo @Friedrichard,

oh, stimmt, unsere Beitrittsdaten liegen nur wenige Tage auseinander.
Eigentlich bin ich seit Ende Februar diesen Jahres hier und habe seitdem etwa 80 Beiträge beigesteuert, daher sind wir einander all die Jahre nicht begegnet. Die Anzeigen in meinem Profil sind falsch ...

Hm, mir gefällt die Idee einer Geschichte nur aus Ellipsen. Bruce Holland Rogers hat zumindest mit "How Could a Mother" eine Geschichte geschrieben, die nur aus Fragen besteht. Ich lasse es dich wissen, wenn ich die Herausforderung annehme.

Faszinierend, wie deine Verse auf Luisa passen mit dem "hoffnungsfroh" und dem "Wunder". Die "neuen Reifen" meinen die Antriebe, die "eh er sichs versieht" ausklappen.

Hallo @wieselmaus,

Und ich muss erstmal Wörter nachschlagen. (In beiden Texten):sealed:
Jaja, so fühlen sich linktofinks Texte auch für mich an. ICH habe Wörter nachgeschlagen, damit ich das schreiben kann. :lol:

Liebe Jellifish, ich hatte einige Mühe mit dem Lesen, vor allem mit den Kurzsätzen. Als Copywrite finde ich es beachtlich, vor allem wie du dich in SF auskennst und die Rollenumkehr der Protagonisten.
Vielen lieben Dank!


Viele Grüße
Jellyfish

 

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