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Nordküste

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Nordküste

Bei Tagesanbruch stehen sie bis zu den Hüften im Wasser und schieben die Barke ans Ufer; mit einem knirschenden Geräusch gräbt sich der Bug in den Kies.
»Das war knapp«, sagt Luther. Er schnauft und hat beide Arme auf das Heck gestützt. Böen, die von den Hängen im Norden herabfallen, verwehen seine Atemwolken. An Bart und Fellmütze kleben Tropfen aus Eis.
»Ja«, sagt Swan, stapft an Land, fällt auf die Knie und streicht sich das salzverkrustete Haar aus dem Gesicht. Seine Hände erinnern an Rabenfüße, denn sie sind dunkel vom Dreck und die Finger sind lang und dünn; mit trockenem Blut versiegelte Risse überziehen die Innenflächen. Neben ihnen ein Schiffsskelett, dahinter das Gebälk eines Lagerplatzes; zu beiden Seiten glattgeschliffene Schädel und Knochen, halb versunken im schwarzen Kies.
Luther umläuft die Barke und zerrt die Bündel unter den Sitzbänken hervor. »Los, weiter!«, sagt er.
Swan sagt: »Wir bleiben bei ihm.«
»Nein!«, sagt Luther. »Wir müssen’s über den Kamm schaffen – heute noch!« Er reckt den Arm in die Luft und rotzt einen Batzen Schleim auf den Boden, dann fixiert er Swan mit seinen fuchsartigen Augen: »Wer weiß, wie viele noch da draußen sind. Ich sage, wir lassen ihn hier.«
Swan sagt: »Ich bleibe bei ihm.«
»Ha!« Mit beiden Händen umklammert Luther die Außenwand. »Wie du willst, aber ich geh jetzt da hoch.«
Swan sagt: »Du kannst sie nicht allein tragen, alter Mann.«
»Nein«, sagt Luther, der zwei Reihen graubrauner Zahnstümpfe entblößt. »Aber ich kenn den Weg.« Er hievt die Bündel aus der Barke und stapelt sie auf dem Kies; mit rostrotem Gesicht zischt er: »Allein wirst du’s nicht an die Nordküste schaffen.«
»Du wirst Spuren hinterlassen«, sagt Swan. Wie in Zeitlupe richtet er sich auf; der Hosenstoff klebt an seinen storchdünnen Waden. Er hustet, er hustet ein zweites Mal, er schnappt nach Luft. »Und vergiss nicht«, sagt er dann, »dass sie dich mit der halben Lieferung nicht einmal in die Nähe der Brücke lassen.«
Sie verharren, und beide drehen sie die Köpfe voneinander weg. Im Norden hüllen Wolken die Spitze des Gebirgszugs in Dunkelheit und im Westen ragen ein Dutzend Felsnadeln in den Himmel.
Luther sagt: »Hörst du sie singen?«
»Singen?«, sagt Swan.
»Die alten Jungfern«, sagt Luther und zurrt die aus Fischernetzen zusammengeknoteten Schnürsenkel an den Stiefeln fest. »S’ist der Wind, der hindurch bläst«. Er schlägt den Mantelkragen hoch, schmeißt Swan ein Bündel vor die Füße und wuchtet das andere auf die Schulter. Mit ächzender Stimme sagt er: »Für ihn singen sie«, und hält dann auf die Berge zu.

Im Osten ist die Sonne aus dem Wasser gestiegen. Swans Hosenbeine sind starr vor Kälte. Den Vogelkadaver, den er hinter dem Lagerplatz gefunden hat, packt er in die Manteltasche. Er beugt sich über die Außenwand der Barke, dreht den Jungen auf den Rücken: Der Atem ist kraftlos, die Augen sind glasig, das Gesicht hat die Farbe von unreinem Kalk. Swan legt dem Jungen die Hand auf die Brust, der sieht zu ihm hoch, versucht, etwas zu sagen, doch das Röcheln verschmilzt mit dem Brechen der Wellen. Stoßweise fließt mit roten Schlieren durchzogene Spucke aus den Mundwinkeln. Swan schließt die Augen und senkt den Kopf, dann wendet er sich ab. Er trabt zur Uferlinie, wo Schaumkronen im schwarzen Boden versinken, und hält sich die Hand an die Stirn. »Nein«, flüstert er, und gleich darauf: »Nein!« Noch dunkler wirkt sie jetzt, die Rabenhand, denn aus Swans Gesicht ist alle Farbe gewichen. Vor den Konturen der Südinsel tanzen die Silhouetten zweier Segel auf und ab.
Er stürmt zurück zur Barke: Unverändert liegt der Junge auf dem Rücken und röchelt. »Es ist besser so«, sagt Swan, und dann sagt er nochmals: »Es ist besser so!« Er blinzelt nicht, als er den Druck verstärkt und er blinzelt nicht, als er den Druck wieder löst; nicht ein einziges Mal blinzelt er. Bis zum Schluss bleibt er bei ihm. Nachdem er von dem Jungen abgelassen hat, schiebt er die Barke ins Wasser. Unruhig wiegt sie in der Brandung hin und her.
Swan zieht einen Oberarmknochen aus dem Kies und stellt ihn gegen das Schiffsgerippe; beim vierten Tritt zerbricht er in zwei Teile. Die Hälfte mit der spitzen Bruchkante schiebt er in den Hosenbund. Dann schultert er das Bündel und folgt Luther den Hang hinauf, während die Jungfern die nächste Strophe anstimmen. Fünfzig Meter landeinwärts beginnt der Schnee.

 
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Hey @sevas,
Nordküste, Tag Sonstiges, ich habe keine Vorstellung, was mich erwartet.

Bei Tagesanbruch stehen sie bis zu den Hüften im Wasser und schieben die Barke ans Ufer; mit einem scharrenden Geräusch gräbt sich der Bug in den Kies.
Knackiger erster Satz, würde scharren durch knirschen ersetzten, passt besser zum Kies, der beiseite gedrückt wird.
Er schnauft, hat beide Arme auf das Heck gestützt, während Böen, die von den Hängen im Norden herabfallen, seine Atemwolken verwehen.
Bin kein Freund von während-Konstruktionen in Beschreibungen, eher ein Freund von Punkt und klarer Trennung.
Neben ihnen ein Schiffsskelett, dahinter das Gebälk eines Lagerplatzes; zu beiden Seiten glattgeschliffene Schädel und Knochen, halb versunken im schwarzen Kies.
Lass mich raten: Nordpolarexpedition, gestrandet im Nirgendwo?
»Nein!«, sagt Luther. »Wir müssen’s über den Kamm schaffen – heute noch!« Er reckt den Arm in die Luft und rotzt einen Batzen Schleim auf den Boden, dann fixiert er Swan mit seinen fuchsartigen Augen: »Wer weiß, wie viele noch da draußen sind. Ich sage, wir lassen ihn hier.«
Swan sagt: »Ich bleibe bei ihm.«
Richtig gut! Schön rough, der Konflikt wird platziert.
»Allein wirst du’s nicht an die Nordküste schaffen.«
»Du wirst Spuren hinterlassen«, sagt Swan. Wie in Zeitlupe richtet er sich auf; der Hosenstoff klebt an seinen storchdünnen Waden. Er hustet, er hustet ein zweites Mal, er schnappt nach Luft. »Und vergiss nicht«, sagt er dann, »dass sie dich mit der halben Lieferung nicht einmal in die Nähe der Brücke lassen.«
Das ist sehr gut geschrieben, doch mehr Nebelkerzen sollten es nicht werden, sonst verliere ich als Leser den Faden, weil ich mit zu vielen Fragen beschäftigt bin. Was ist in den Bündeln? Wer steht auf der Brücke? Alles Fragen, die nicht beantwortet werden.
Swans Hosenbeine sind starr vor Kälte und den Vogelkadaver, den er hinter dem Lagerplatz gefunden hat, packt er in die Manteltasche.
Das sind unbedingt zwei Sätze, die sinngemäß nicht zusammenhängen, würde also das und durch nen Punkt ersetzen.
Er trabt zur Uferlinie, wo Schaumkronen zischelnd im schwarzen Boden versinken
zischelnd, da bin ich bei Schlangenzungen oder heimlich tuenden Teenagern.

Also lieber sevas, sehr kryptisch das Ganze. Die beiden Schmuggler(?) transportieren Bündel von etwas in einer Barke, die Barke des Charon, ein kleineres Boot, das nicht seetauglich ist, oder doch ein kleiner Segler? Du schreibst ja was von Brandung. Hilfreich wäre ein Hinweis auf Ruder oder Segel.
Ein Junge liegt darin, halbtot, ich erfahre nicht, ob er verletzt wurde oder aufgrund mangelnder Konstitution stirbt. Spuckt man dann Blut? Luther macht sich mit der Hälfte der Bündel auf den Weg über den Kamm, Swan bleibt bei dem Jungen. Als er ein Schiff aus Richtung Südinsel kommen sieht, erwürgt er den Jungen und schiebt die Barke, wo der drinliegt, ins Wasser. Final folgt er Luther in den Schnee, flieht vor dem Feind.

Ein dickes Lob für deine Formulierungskunst und die Sprache, die hat mich gefesselt. Ich mag diese spröde Rauheit, die dem Setting angemessen ist. Da sitzt jedes Wort, da wird nicht palavert, das ist sehr elegant und professionell. Würde ich gerne mehr davon lesen? Ja, denn in der Geschichte liegen mir persönlich zu viele lose Fäden rum, denen ich gerne nachgehen würde, weil ich bei diesem Stück Flash-Fiction von außen draufschaue, ohne dass sich mir weiter erschließt, was ich sehe. Deswegen berührt mich die Sprache, aber das Schicksal der Protagonisten nicht. Mir ist es egal, ob der Junge stirbt und ob die zwei es den Kamm hinaufschaffen oder von den Feinden eingeholt werden. Dir als Autor sollte vllt. daran liegen, das zu ändern? Als zukünftiger Leser wäre ich fest gebucht.

Peace, l2f

 
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Ein dickes Lob für deine Formulierungskunst und die Sprache, die hat mich gefesselt. Ich mag diese spröde Rauheit, die dem Setting angemessen ist. Da sitzt jedes Wort, da wird nicht palavert, das ist sehr elegant und professionell. Würde ich gerne mehr davon lesen?
Ja, durchaus richtig, guter Schreibstil. Auf die Gefahr hin, mich unwissend zu zeigen, was "Flash" ist - ähm - mich erreicht da nicht wirklich was. Der Konflikt führt zu nix, das Ende basiert nicht auf einer Entwicklung oder einem verstehbaren Ereignis, im Grunde bleibt nur Ratlosigkeit mit dem Eindruck, dass die Geschichte gar nicht zuende sein kann.

 
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Hey @sevas,

auch ich würde gerne weiterlesen. Sprachlich ziehst du mich gut rein, spannendes Setting, erinnert mich an The Terror. Ein prima Horsd'œuvre, da sind schon tolle Zutaten verarbeitet, die einfach Lust auf mehr machen. Vielleicht magst du das Teil ja noch ausbauen, ist halt auch so, dass ich bei dem Text gar keine Lust verspüre, den als Leser selbst auszuerzählen. Aufgezogen wirkt der jetzt eher eher wie eine klassische KG auf mich, nicht wie ein Flash-Fiction-Text. Die Fragen, die offenbleiben, hallen da nicht in dem Sinne nach, dass ich sie gerne durch mein Hirn mäandern lassen würde, sie lassen mich eher ein wenig unbefriedigt zurück. Und leider werde ich den Text bald wieder vergessen haben.

Kleinkram:

Bei Tagesanbruch stehen sie bis zu den Hüften im Wasser und schieben die Barke ans Ufer; mit einem scharrenden Geräusch gräbt sich der Bug in den Kies.
Grundsätzlich finde ich es prima, die ganze Satzzeichenklaviatur zu nutzen, hier würde mir ein banaler Punkt dazwischen aber besser gefallen. Der gute erste Satz wirkt auf mich sonst überladen.

Er schnauft, hat beide Arme auf das Heck gestützt, während Böen, die von den Hängen im Norden herabfallen, seine Atemwolken verwehen.
Würde hier auch auf die Während-Konstruktion verzichten, zeitlich aufzählen, nicht zeitlich gleichsetzen. Die Böen wehen doch bereits zuvor und auch danach.

Neben ihnen ein Schiffsskelett, dahinter das Gebälk eines Lagerplatzes
Bekomme da kein Bild.

Er reckt den Arm in die Luft und rotzt einen Batzen Schleim auf den Boden
Mir wird nicht klar, weshalb er den Arm in die Luft reckt. Falls sich das auf "wie viele noch da draußen sind" beziehen sollte, würde ich das anders schreiben. So würde ich eher ein "Wie-viele-noch-da-oben-sind" erwarten; das wirst du aber nicht gemeint haben.

»Ha!« Mit beiden Händen umklammert Luther die Außenwand und setzt nach: »Wie du willst, aber ich geh jetzt da hoch.«
Streichkandidat für mich.

Er hievt die Bündel aus der Barke und stapelt sie auf dem Kies; mit rostrotem Gesicht zischt er: »Allein wirst du’s nicht an die Nordküste schaffen.«
Nur mal zum Überdenken. Stellenweise könntest du für meinen Geschmack gerne ein wenig eindampfen, destillieren. Stellenweise ist mir das ein Tacken drüber.
Wie in Zeitlupe richtet er sich auf
Auch das.
Im Norden hüllen tiefhängende Wolken die Spitze des Gebirgszugs in Dunkelheit und im Westen ragen turmhohe und schroffe Felsnadeln in den Himmel auf.
Oder hier. Hüllen Wolken die Spitzen des Gebirgszugs ein, bekomme ich schon das Bild, dass sie tief hängen. Felsen sehen für mich vorm inneren Auge schroff aus, da es Felnsnadeln sind, brauche ich auch keinen Turm. Sehe da keinen Mehrwert.

Luther fragt: »Hörst du sie singen?«
»Singen?«, antwortet Swan.
Da du dich bislang weitestgehend konsequent auf die klassische Inquit-Formel (er sagt, sagt er) beschränkt hast - abgesehen vom Zischen mit rotem Kopf, was ich eh streichen würde :) -, sticht das hier schon prominent hervor. Kurzum: Das Frage- und Antwortspiel würde ich weglassen; konsequent bleiben.

Swans Hosenbeine sind starr vor Kälte und den Vogelkadaver, den er hinter dem Lagerplatz gefunden hat, packt er in die Manteltasche.
Hier bin ich kurz hängengeblieben, weil ich den Vogelkadaver mit den Hosenbeinen zusammenbringen wollte. Würde zwei Sätze daraus machen.

Er trabt zur Uferlinie, wo Schaumkronen zischelnd im schwarzen Boden versinken, und hält sich die flache Hand an die Stirn; hinter der zinngrauen See zeichnen sich die Umrisse der Südinsel ab.
Streichkandidaten für mich; würde auch hier zwei Sätze daraus machen.

»Nein«, flüstert er plötzlich, und gleich darauf: »Nein!« Noch dunkler wirkt sie jetzt, die dreckige Rabenhand an der Stirn, denn aus Swans Gesicht ist alle Farbe gewichen.
Auch hier.

Er stürmt zurück zur Barke: Unverändert liegt der Junge auf dem Rücken, die kindliche Fratze ist weiß wie der Pelz eines Polarbären, und röchelt.
Und hier. Mir ist das in Folge einfach too much, nimmt dadurch Wirkung, finde ich.

»Es ist besser so«, sagt Swan, und dann sagt er nochmals: »Es ist besser so!«
Vielleicht auch hier.

... beim vierten Tritt zerbricht er in zwei gleich große Teile. Die Hälfte mit der spitzen Bruchkante schiebt er in den Hosenbund.
Ist das wichtig?

So viel mal von mir, sevas. Vielleicht kannste ja was davon gebrauchen.

Vielen Dank fürs Hochladen

hell

 
Wortkrieger-Team
Monster-WG
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Hinweis:
Einige Kommentare, die sich nicht speziell ausschließlich auf diese Geschichte, sondern sich allgemein auf die Authentizität beziehen, wurden in einen neuen Thread überführt.

 

AWM

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26.03.2018
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Hallo @sevas und schön, wieder was von dir zu lesen.

Bei Tagesanbruch stehen sie bis zu den Hüften im Wasser und schieben die Barke ans Ufer; mit einem scharrenden Geräusch gräbt sich der Bug in den Kies.
Ich fände es besser, wenn du hier statt unspezfisch "sie" gleich die Protagonisten einführst. Es sind ja nur zwei. Und ich hatte Schwierigkeiten hier ein Bild zu bekommen.
»Das war knapp«, sagt Luther. Er schnauft, hat beide Arme auf das Heck gestützt, während Böen, die von den Hängen im Norden herabfallen, seine Atemwolken verwehen. An Bart und Fellmütze kleben Tropfen aus Eis.
»Ja«, sagt Swan, stapft an Land, fällt auf die Knie und streicht sich das salzverkrustete Haar aus dem Gesicht. Seine Hände erinnern an Rabenfüße, denn sie sind dunkel vom Dreck und die Finger sind lang und dünn;
Auch hier finde ich es nicht ganz so geschickt, dass du mit Luther anfängst, obwohl wir ja bei Swan bleiben und er der eigentliche Protagonist der Geschichte ist. Das würde ich irgendwie umstellen. Und ich würde auch nicht so spät den verwundeten Jungen einführen. So wie das jetzt ist, ist mir der Junge egal, weil er ein "Junge" ist. Ich sehe nicht, wie schlecht es um ihn steht, was die beiden vielleicht mit ihm verbinden. Und deshalb ist da auch kein Druck hinter dem Konflikt, ob sie ihn jetzt zurücklassen oder nicht. Ich würde das gleich zeigen, wie es ihm geht und gleich zeigen, was auf dem Spiel steht.
dahinter das Gebälk eines Lagerplatzes;
Würde ich genauer beschreiben. Gebälk alleine verbinde ich nicht mit einem Lagerplatz. Eher eine Feuerstelle und herumliegende Planen oder so kommen mir da als Erstes in den Sinn. Da kam bei mir kein Bild auf.
»Los, weiter!«, sagt Luther. Er umläuft die Barke und zerrt die Bündel unter den Sitzbänken hervor.
Swan sagt: »Wir bleiben bei ihm.«
Würde ich umstellen, dass er zuerst die Bündel herauszieht und dann sagt, dass sie losmüssen
»Wer weiß, wie viele noch da draußen sind. Ich sage, wir lassen ihn hier.«
... und verdeutlichen, dass hier eine Uhr tickt. Nicht, dass da vielleicht noch viele draußen sind, sondern eben dass sie bald da sind.
ragen turmhohe und schroffe Felsnadeln in den Himmel auf
"auf" kannst streichen
»S’ist der Wind, der hindurch bläst«.
Wo hindurch bläst? Fand die Stelle komisch. WÜrde eher denken, Luther ist der Abergläubische und Swan erklärt, dass das nur der Wind ist. So sagt Luther, dass es die Sirenen sind, dann der Wind (der wo genau hindurch bläst?) und dann wechselt er wieder in den Aberglauben, dass sie für den Jungen singen.

dreht den Jungen auf den Rücken: Der Atem ist kraftlos, die Augen sind glasig, das Gesicht hat die Farbe von unreinem Kalk
Ja, der Junge, da kann ich nicht mitfiebern, dass er überlebt. Der bleibt zu blass (wortwörtlich höhö)
, doch das Röcheln verschmilzt mit dem Brechen der Wellen
Würde eher sagen, dass das Brechen der Wellen das Röcheln überdeckt
hinter der zinngrauen See zeichnen sich die Umrisse der Südinsel ab. »Nein«, flüstert er plötzlich, und gleich darauf: »Nein!« Noch dunkler wirkt sie jetzt, die dreckige Rabenhand an der Stirn, denn aus Swans Gesicht ist alle Farbe gewichen. Vor den Konturen der Südinsel tanzen die Silhouetten zweier Segel auf und ab.
Würde den ersten Satz streichen. Es geht ja darum, dass er Ausschau nach den Verfolgern hält und sie dann erblickt. Der erste Satz ist völlig deplatziert finde ich und dann kannst du auch das hässliche "plötzlich" streichen. Er trabt zur Uferlinie, wo Schaumkronen zischelnd im schwarzen Boden versinken, und hält sich die flache Hand an die Stirn. "Nein", flüstert er. "Nein!" Noch dunkler wirkt sie jetzt ...
»Es ist besser so«, sagt Swan,
Ich kann den Umschwung seiner Motivation so nicht nachvollziehen. Es ist ja im Grunde genau das eingetroffen, was Luther gesagt hat. Sie müssen gehen und den Jungen zurücklassen, weil die anderen kommen. Seitdem hat sich nichts geändert. Dann sieht Swan die anderen und sagt, es ist besser das zu machen, was Luther die ganze Zeit gesagt hat. Da fehlt mir eine Entwicklung. Irgendwas Zwingendes, was sich geändert hat. Dummes Beispiel: Aber aufgespießte Leichen als Zierde an den Schiffen der anderen, man weiß der Junge darf ihnen nicht in die Hände fallen etc. Davor aber auch irgendein alternativer Versuch Swans, die Situation zu lösen. Er bleibt einfach nur da, versucht aber auch nicht, den Jungen irgendwie zu heilen in Sicherheit zu bringen oder sonstwas.

Gruß AWM

PS: Ich habe vergessen zu sagen, dass ich den Text trotz der Kritk gerne gelesen habe, weil das sprachlich schon gut ist :)

 
Monster-WG
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Hallo @sevas =)

Mein Gott, was ist dieser Kommentar kritisch geraten. Also schicke ich den Hinweis vorweg, dass ich Deinen Text sprachlich wirklich gut finde. Solche Geschichten aus den Polar- oder Subpolargebieten ... ich habe an der magischen Schwelle zwischen Kindheit und Jugend (auch so eine der vielen entwicklungspsychologischen, magischen Schwellen) einen bunten Haufen polarer Expeditionsberichte gelesen, Shackleton, Amundsen, Nansen, Scott ... egal. Sprachlich ein sehr, sehr schöner, voller, detailreicher Text. Also, sehr gerne gelesen.

In blauer Schrift subjektive Vorschläge. In klassisch schwarzer Allerweltsschrift Zusammenfassendes Deines kleinen Textes. Bitte denke daran, dass ich nichts mehr als einen subjektiven Eindruck geben kann.

Uraltes Thema: Überleben vs. Moral. Swan will bei dem Jungen bleiben (Kind? Schiffsjunge? Welche Beziehung?), Luther denkt, sie müssen es über den Kamm schaffen. Swan scheint den Jungen zu töten, nicht aus Mordlust, sondern aus Überlebensdrang oder Euthanasie? Woher sie kommen (Schiffsbrüchige? Expedition? Schmuggler? Geflüchtete? Werden sie gejagt?), was passiert ist, erfahre ich nicht. Für mich ein Manko des Textes. Da ich die Motivation nicht kenne, weiß ich auch das Ziel nicht einzuschätzen. Ich weiß auch nicht, warum der Junge in Lebensgefahr geraten ist. Unfall? Tuberkulose? Ging etwas schief? Hier deutest du einiges an, ohne jedoch konkreter zu werden. Insofern ein, aus meiner Sicht, mögliches Problem, da die Handlungen der Figuren ins Beliebige zerfallen. Alles ist jetzt denkbar, alles könnte irgendwie erklärt werden.

Also greife ich in meiner mentalen Suche auf Assoziationen der lebensfeindlichen Eisklimate zurück, sprich Orte wie Walfangstationen, Militärstationen, Bergbausiedlungen, Gefängnisinseln, Forschungsstationen ... eine Klimate, in der sich menschliche Aktivität auf Punkte konzentriert. Gibt einen schrägen Begriff dafür: Anökumene

Vielleicht könntest du Nordküste durch einen konkreten Ort ersetzen. Sie wollen dahin - sie müssen an diesen Ort. Du verortest die Menschen zwischen den vier Himmelsrichtungen, das suggeriert eine kahle, weite Landschaft, sehr kalt, eine Landschaft, die ausschließlich der physikalischen Erosion ausgesetzt wird. Metaphern sind aus der Landschaft übernommen und dienen zur Beschreibung kleiner Details in Körpernähe. So schaffst du eine außergewöhnlich intensive Atmosphäre, die durch die abgehackte Rede Deiner Figuren verstärkt wird.

»Ha!« Mit beiden Händen umklammert Luther die Außenwand und setzt nach: »Wie du willst, aber ich geh jetzt da hoch.«
Swan sagt: »Du kannst sie nicht allein tragen, alter Mann.«
»Nein«, sagt Luther, der zwei Reihen graubrauner Zahnstümpfe entblößt. »Aber ich kenn den Weg.«
Deine Figuren "sagen". Sie empören sich nicht, sie schreien und rufen nicht, sie widerlegen sich nicht. Auf mich wirkt die Konstellation der drei zufällig. Warum auch immer Swan, Junge und Luther an diesen Ort gerieten, sie scheinen ihre gemeinsame Barkenfahrt nicht geplant zu haben. Haben sie eine Katastrophe überlebt? Gemeinsam geflüchtet? Ein Geschäft? Ich weiß es nicht. Der Text scheint der Ausschnitt einer größeren Geschichte zu sein.

Der Junge bleibt passiv. Er scheint sich seiner Erkrankung, ich habe spontan an Tuberkulose gedacht, hinzugeben, der Tod eine Frage der Zeit. Mir fiel es etwas schwer, den Zeilenumbruch zeitlich zu deuten. Wie viel Zeit vergeht? Da Luther im zweiten Teil nicht vorkommt, scheint eine längere Zeit vergangen zu sein. Der Hinweis auf den Sonnenaufgang lässt aber nur drei Schlüsse zu: Es ist wenig Zeit vergangen, der Sonnenaufgang dauert sehr lang oder es sind 24 Stunden vergangen. Vorsicht aber mit der Sonne! Dein Text spielt in den hohen Breitengraden, der Tagesgang der Sonne gibt dem Leser einen sehr stichhaltigen Hinweis auf die Geographie. Auf der südlichen Hemisphäre und Nordamerika reichen die Subpolargebiete in niedrigere Breitengrade als in Eurasien. (Hamburg und Feuerland sind vom Äquator ähnlich entfernt, die Eisklimate kann in Kanada schon auf Höhe Stockholms beginnen!)

Sowohl das Schiffsskelett als auch die Knochen wirken auf mich jedoch unglaubwürdig. Sie haben eine kleine Barke, warum steuern sie genau diesen Ort an? Warum reagieren sie so wenig auf das Schiffswrack? Knochen, Schädel, Schiff, sie wirken auf mich wie die Deko in einem Aquarium. Auf dem Meeresgrund hat eben ein Wrack zu sein. Jetzt ist deine Landschaft aber kahl, weit, menschenleer, vegetationslos, vielleicht Flechten auf den Kieselsteinen ... sehr häufig findet man Schiffswracks dort nicht.

Mach' dir klar, wie scharf ein Wind im vegetationslosen Periglazialraum wehen kann. Anlegen mit einer Barke, das ist schon eine gewisse Kunst, wenn sich die Bucht weit zum Meer öffnet. Windstille sind an solchen Orten selten.

Nachtrag: Swan bricht einen Oberarmknochen. Dass er ihn aus dem Kies zieht, deutet auf ein Ereignis hin. Ist der Mensch bestattet worden? Oder eine Gewalttat? Sprich, was ist an diesem Ort passiert? Knochen können sich unter diesen klimatischen und erosiven Umständen sogar verhärten.

Die Spannung deines Textes entsteht nicht aus Rätseln, sondern aus dem emotionalen Konflikt zwischen Luther und Swan. Beide interpretieren ja ihre Lage gegensätzlich, aber - das finde ich schade - beide scheinen einander nicht zu benötigen. Sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit, wenn sich jeder alleine durchschlägt? Man mag darauf mit einem "Ja klar!" antworten. Aber Gewissheit erhalte ich als Leser darüber nicht. Sie streiten sich, der eine geht, der andere bleibt, schön, jetzt die harte Überquerung der Berge ...

Insgesamt habe ich deinen kleinen Text aber wirklich gerne gelesen, er gefällt mir. Irgendwie finde ich es auch sehr schön, dass du ein solch' klassisches Thema gewählt hast :-D

Lg
kiroly

 
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Hallo sevas,

in mir kämpft die Begeisterung über treffende Formulierungen gegen Unverständnis.
Vieles wurde von anderen bereits angemerkt und darum hier nur ein paar Stellen, die mich etwas stören:

*** Bei Tagesanbruch stehen sie bis zu den Hüften im Wasser und schieben die Barke ans Ufer; mit einem scharrenden Geräusch gräbt sich der Bug in den Kies.
»Das war knapp«, sagt Luther. Er schnauft, hat beide Arme auf das Heck gestützt, während Böen, die von den Hängen im Norden herabfallen, seine Atemwolken verwehen. An Bart und Fellmütze kleben Tropfen aus Eis.
***
Mein Problem ist, dass mir da so viel fehlt. Ich brauche einfach Atmosphäre. Die müssen vor Kälte am ganzen Körper zittern, dass sie kaum etwas richtig packen können. Dazu noch der eisige Wind.
Eine Barke ist sicher nicht leicht und die werden sie wohl auch nicht ganz aus dem Wasser gezogen haben.

*** Er schnauft, hat beide Arme auf das Heck gestützt, ***
Das würde ich nicht machen, bei dem eisigen Wasser.

*** Blut versiegelte Risse überziehen die Innenflächen. Neben ihnen ein Schiffsskelett, ***
Da fehlt mir ein Übergang. Vielleicht schaut er über den Strand?

*** Swans Hosenbeine sind starr vor Kälte und den Vogelkadaver, den er hinter dem Lagerplatz gefunden hat, packt er in die Manteltasche. ***
Warum macht er das?

Die ganze Geschichte scheint mir aus einem größeren Text herausgerissen, den ich wohl nach einer Überarbeitung gerne lesen würde.
Ich finde, überwiegend gut geschrieben, aber mir fehlt Atmosphäre und manchmal auch Logik und hat mich darum auch nicht ganz mitgenommen.

Interessant finde ich den Text allemal ;-)

Gruß Manfred

 

MRG

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Hallo @sevas,

schön mal wieder etwas von dir zu lesen, habe deine Geschichte Flipperautomat in guter Erinnerung; da war Zug und Spannung drin, fand ich. Das gilt jetzt auch hier wieder, das ist interessant zu lesen. Ansonsten ist mir aufgefallen, dass du die Semikolons geschickt eingesetzt hast und ich einen guten Lesefluss hatte, das mochte ich.

Ich gehe noch im Detail auf meinen Eindruck ein:

Bei Tagesanbruch stehen sie bis zu den Hüften im Wasser und schieben die Barke ans Ufer; mit einem scharrenden Geräusch gräbt sich der Bug in den Kies.
Ich finde, dass das ein guter Einstieg ist: Ich bin als Leser sofort in der Szene und habe auch die Geräuschkulisse im Ohr. Hat mir gefallen und gut funktioniert.

Seine Hände erinnern an Rabenfüße, denn sie sind dunkel vom Dreck und die Finger sind lang und dünn; mit trockenem Blut versiegelte Risse überziehen die Innenflächen.
Hier ist mir das Semikolon positiv aufgefallen, finde, dass das einen schönen Fluss erzeugt und ich lese das echt gerne.

»Ha!« Mit beiden Händen umklammert Luther die Außenwand und setzt nach: »Wie du willst, aber ich geh jetzt da hoch.«
Swan sagt: »Du kannst sie nicht allein tragen, alter Mann.«
Die Dialoge habe ich gut kaufen können, finde, dass dir das gelungen ist und sie erfüllen ihre Funktion. Ja, konnte ich gut mitgehen.

»Nein«, sagt Luther, der zwei Reihen graubrauner Zahnstümpfe entblößt.
Du hast immer wieder die Details mit eingebaut, an der ein oder anderen Stelle wirkt es etwas gewollt, finde ich.

Er hustet, er hustet ein zweites Mal, er schnappt nach Luft.
Großartiger Satz! Ich hatte das Husten im Ohr und durch einen so kurzen Satz einen Ablauf mehrere Bilder vor Augen. Sehr gut gemacht, finde ich.

Im Osten ist die Sonne aus dem Wasser gestiegen.
Schönes Bild, finde, dass es zu deiner Geschichte passt - für mich hat es jedenfalls gut funktioniert.

Swan legt dem Jungen die Hand auf die Brust, der sieht zu ihm hoch, versucht, etwas zu sagen, doch das Röcheln verschmilzt mit dem Brechen der Wellen.
Stark!

Insgesamt mochte ich deine Geschichte und hätte auch gerne noch weitergelesen. Freue mich auf weitere Sachen von dir und finde es cool, dass du wieder aktiv bist. :-)

Beste Grüße
MRG

 
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04.04.2020
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Liebe Wortkrieger,

ich danke euch ganz herzlich für die tollen und vor allem extrem hilfreichen Kommentare. Da sind so viele gute Inputs und Hinweise dabei, die mir beim Überarbeiten des Texts (und ganz allgemein beim Weiterkommen als Autor) helfen werden. Vielen Dank dafür, ich schätze die Zeit und Mühe, die ihr dem kleinen Text gewidmet habt, wirklich sehr und freue mich bereits auf Gegenbesuche bei euren Texten.

Als ich gestern (am frühen Nachmittag) auf den Forumseintrag gelinst habe, bin ich ziemlich erschrocken: 19 Kommentare, stand da geschrieben. Ich war zu der Zeit gerade in einem Kunden-Workshop und wahrscheinlich habe ich – genau wie eine meiner Figuren – kurzerhand die Gesichtsfarbe gewechselt 😄 Ich dachte mir: Entweder hast du etwas ziemlich richtig oder aber – wahrscheinlicher – ziemlich falsch gemacht. Und am Ende war's ja irgendwie beides: Die Sprache scheine ich gut getroffen zu haben, beim Aufbau bzw. beim Plot, beim Setting und bei den Figuren gibt's aber noch sehr, sehr viel zu tun. Auch die Authentizität war ein Thema, das ja mittlerweile in einen eigenen Thread ausgelagert wurde.

Gleich vorweg: Das Bauchgefühl von @Henry K. hat ihn nicht getäuscht. Weder bin ich ein erfahrener Seemann noch habe ich die kälteren Regionen unserer Erde bereist. Der Auslöser, diesen Text zu schreiben, war ein Gemälde: Gestade der Vergessenheit von Eugen Bracht (hier der Wikipedia-Artikel zum Gemälde). Ich plage mich generell ein wenig mit dem Problem herum, dass ich nicht so genau weiss, worüber ich schreiben soll. "Meine Themen" muss ich erst noch finden und fleißig experimentieren. Nordküste ist ein Text, der aus dem Zusammenspiel eines Writing Prompts und dem eben erwähnten Bild entstanden ist. In der überarbeiteten Fassung werde ich mich darum bemühen, der Authentizität und Recherche mehr Gewicht zu geben.

Ich verstehe mittlerweile auch, dass der Text in seiner jetzigen Form nicht funktionieren kann. Tatsächlich wollte ich den Text zuerst als Kurzgeschichte aufziehen, habe dann aber versucht, das Ganze auf ein absolutes Minimum einzudampfen und nur Andeutungen zu machen. Sehr wahrscheinlich hatte ich die Szenerie und den (möglichen) Fortgang der Geschichte selbst so klar vor Augen, dass ich gar nicht mehr neutral beurteilen konnte, ob ein Leser das überhaupt verstehen würde. Euer Feedback spricht da jedoch klare Worte und ich danke euch, dass ihr mich einstimmig darauf hinweist. Das Gleiche gilt auch für die Figuren: Dass da keinerlei Bindung oder Sorge um deren Schicksal aufkommen kann, wird mir jetzt klar.

Ich werde den Text noch einmal ganz neu als Kurzgeschichte aufziehen und dabei versuchen, eure Inputs bestmöglich einzuarbeiten, für mehr Klarheit und Authentizität und vor allem eine engere Bindung an (und zwischen) den Figuren zu sorgen.

Gerne möchte ich noch auf die einzelnen Kommentare eingehen:

Hi @linktofink und vielen herzlichen Dank für deinen Kommentar, der mir sehr Vieles klar gemacht hat.

Knackiger erster Satz, würde scharren durch knirschen ersetzten, passt besser zum Kies, der beiseite gedrückt wird.
Habe ich angepasst. Vom Sound her gefällt mit scharren zwar besser, aber knirschen ist auf jeden Fall die treffendere Wahl.

Bin kein Freund von während-Konstruktionen in Beschreibungen, eher ein Freund von Punkt und klarer Trennung.
Mit dem Satz hatte ich lange zu kämpfen. Mir gefällt der abgehackte Aufbau, aber ich gebe dir recht: Schön ist die während-Konstruktion nicht. Und wie @hell angemerkt hat, wehen die Böen ja auch vorher und nachher, wodurch das während überflüßig wird. Ist angepasst.

Das ist sehr gut geschrieben, doch mehr Nebelkerzen sollten es nicht werden, sonst verliere ich als Leser den Faden, weil ich mit zu vielen Fragen beschäftigt bin. Was ist in den Bündeln? Wer steht auf der Brücke? Alles Fragen, die nicht beantwortet werden.
Absolut, das sehe ich mittlerweile ein. Weiter oben habe ich einen Absatz zu diesem Thema geschrieben und werde in der überarbeiteten Fassung dafür sorgen, dass zumindest einige Fragen geklärt werden.

Das sind unbedingt zwei Sätze, die sinngemäß nicht zusammenhängen, würde also das und durch nen Punkt ersetzen.
Vielen Dank für den Hinweis, ich habe deinen Vorschlag eins zu eins übernommen.

zischelnd, da bin ich bei Schlangenzungen oder heimlich tuenden Teenagern.
Das stimmt, und das Wort passt auch allgemein bzw. vom Sound her nicht so ganz in den Text. Ich hab's gestrichen.

Also lieber sevas, sehr kryptisch das Ganze. Die beiden Schmuggler(?) transportieren Bündel von etwas in einer Barke, die Barke des Charon, ein kleineres Boot, das nicht seetauglich ist, oder doch ein kleiner Segler? Du schreibst ja was von Brandung. Hilfreich wäre ein Hinweis auf Ruder oder Segel.
Ein Junge liegt darin, halbtot, ich erfahre nicht, ob er verletzt wurde oder aufgrund mangelnder Konstitution stirbt. Spuckt man dann Blut? Luther macht sich mit der Hälfte der Bündel auf den Weg über den Kamm, Swan bleibt bei dem Jungen. Als er ein Schiff aus Richtung Südinsel kommen sieht, erwürgt er den Jungen und schiebt die Barke, wo der drinliegt, ins Wasser. Final folgt er Luther in den Schnee, flieht vor dem Feind.
Das ist perfekt zusammengefasst 👍🏼 Beim Boot hatte ich an ein Ruderboot gedacht, werde das in der Überarbeitung – zusammen mit den anderen Punkten – aber genauer ausarbeiten.

Ein dickes Lob für deine Formulierungskunst und die Sprache, die hat mich gefesselt. Ich mag diese spröde Rauheit, die dem Setting angemessen ist. Da sitzt jedes Wort, da wird nicht palavert, das ist sehr elegant und professionell.
Vielen Dank, das hat mich sehr gefreut und auch bestärkt. Ich war da nämlich ziemlich unsicher, weil der Stil selbst wie auch die Haltung des Erzählers neu für mich waren. Ich wollte mit einem rein beobachtenden (und hie und da wertenden) Erzähler arbeiten, der keinerlei "Zugriff" auf die Sinne und Gedanken der Figuren hat. Darum freue ich mich sehr, dass diese Sprache und Erzählhaltung zu funktionieren scheinen und hoffe, dass das Ganze auch in einem längeren Text noch so sein wird.

Würde ich gerne mehr davon lesen? Ja, denn in der Geschichte liegen mir persönlich zu viele lose Fäden rum, denen ich gerne nachgehen würde, weil ich bei diesem Stück Flash-Fiction von außen draufschaue, ohne dass sich mir weiter erschließt, was ich sehe. Deswegen berührt mich die Sprache, aber das Schicksal der Protagonisten nicht. Mir ist es egal, ob der Junge stirbt und ob die zwei es den Kamm hinaufschaffen oder von den Feinden eingeholt werden. Dir als Autor sollte vllt. daran liegen, das zu ändern? Als zukünftiger Leser wäre ich fest gebucht.
Ja, daran liegt mir auf jeden Fall. Wie weiter oben erwähnt, werde ich die Geschichte noch einmal ganz neu und umfassender aufziehen.

Nochmals vielen Dank lieber @linktofink für deinen wirklich hilfreichen Kommentar. Ich nehme da sehr viel mit und freue mich schon auf den Gegenbesuch 👍🏼 Ein super Wochenende wünsche ich dir!



Hi @FlicFlac und vielen Dank fürs Vorbeischauen.

Auf die Gefahr hin, mich unwissend zu zeigen, was "Flash" ist - ähm - mich erreicht da nicht wirklich was. Der Konflikt führt zu nix, das Ende basiert nicht auf einer Entwicklung oder einem verstehbaren Ereignis, im Grunde bleibt nur Ratlosigkeit mit dem Eindruck, dass die Geschichte gar nicht zuende sein kann.
Das verstehe ich (und ich habe die Flash-Kategorie in diesem Sinne wohl auch falsch verwendet). In der Einleitung des Posts habe ich versucht zu analysieren, wie es dazu gekommen ist, und werde die Geschichte nun so ausbauen, dass die Entwicklung und die Figuren hoffentlich greif- und erlebbar werden.

Hab ein super Wochenende und danke nochmals für deinen Input!



Hi @hell und ein großes Dankeschön für die vielen Tipps und Hinweise.

auch ich würde gerne weiterlesen. Sprachlich ziehst du mich gut rein, spannendes Setting, erinnert mich an The Terror. Ein prima Horsd'œuvre, da sind schon tolle Zutaten verarbeitet, die einfach Lust auf mehr machen. Vielleicht magst du das Teil ja noch ausbauen, ist halt auch so, dass ich bei dem Text gar keine Lust verspüre, den als Leser selbst auszuerzählen. Aufgezogen wirkt der jetzt eher eher wie eine klassische KG auf mich, nicht wie ein Flash-Fiction-Text. Die Fragen, die offenbleiben, hallen da nicht in dem Sinne nach, dass ich sie gerne durch mein Hirn mäandern lassen würde, sie lassen mich eher ein wenig unbefriedigt zurück. Und leider werde ich den Text bald wieder vergessen haben.
The Terror kenne ich noch nicht, schaue mir den Text aber auf jeden Fall an. Ich danke dir für den detaillierten Einblick, ich weiß jetzt, woran ich arbeiten muss. Ich werde die Geschichte – wie eingangs erwähnt – nochmals in Angriff nehmen und ausbauen. Und hoffentlich wird die neue Fassung dann etwas länger nachhallen 🤞🏼

Grundsätzlich finde ich es prima, die ganze Satzzeichenklaviatur zu nutzen, hier würde mir ein banaler Punkt dazwischen aber besser gefallen. Der gute erste Satz wirkt auf mich sonst überladen.
Ja, die Semikolons habe ich in diesem Text ziemlich inflationär verwendet (ich liebe die Dinger und finde es irgendwie schade, dass sie allgemein nicht öfters verwendet werden). Ich hadere noch damit, ob ich das Semikolon im ersten Satz weglassen soll oder nicht …

Würde hier auch auf die Während-Konstruktion verzichten, zeitlich aufzählen, nicht zeitlich gleichsetzen. Die Böen wehen doch bereits zuvor und auch danach.
Da hast du völlig recht, auch @linktofink hat die während-Konstruktion angesprochen. Die Stelle habe ich angepasst und denke, dass sie sich jetzt besser liest.

Bekomme da kein Bild.
Alles klar, ich werde mir überlegen, wie ich den Lagerplatz bildhafter darstellen kann 👍🏼

Mir wird nicht klar, weshalb er den Arm in die Luft reckt. Falls sich das auf "wie viele noch da draußen sind" beziehen sollte, würde ich das anders schreiben. So würde ich eher ein "Wie-viele-noch-da-oben-sind" erwarten; das wirst du aber nicht gemeint haben.
Den Arm reckt er quasi zu den Bergen, zum Gebirgszug hoch, um der vorangegangen Aussage (»Wir müssen’s über den Kamm schaffen – heute noch!«) mehr Ausdruck zu verleihen. Schaue ich mir aber noch einmal an.

»Ha!« Mit beiden Händen umklammert Luther die Außenwand und setzt nach: »Wie du willst, aber ich geh jetzt da hoch.«
Streichkandidat für mich.
Ich stimme zu, zumal das Nachsetzen auch ein wenig aus der restlichen Form fällt.

Er hievt die Bündel aus der Barke und stapelt sie auf dem Kies; mit rostrotem Gesicht zischt er: »Allein wirst du’s nicht an die Nordküste schaffen.«
Nur mal zum Überdenken. Stellenweise könntest du für meinen Geschmack gerne ein wenig eindampfen, destillieren. Stellenweise ist mir das ein Tacken drüber.
Hier wollte ich noch einmal verdeutlichen, dass die Bündel ziemlich schwer sind. Vielleicht tut's auch das hieven bereits, aber da bin ich noch unsicher. Es ging mir hier auch darum, den Erzähler wieder wertend in Erscheinung treten zu lassen. Bei der Überarbeitung werde ich mir diese Stelle noch einmal im Detail ansehen.

Wie in Zeitlupe richtet er sich auf
Auch das.
Ich finde das eigentlich noch passend, um seinen körperlichen Zustand zu unterstreichen. Wobei, vielleicht übernimmt das anschließende Husten auch bereits diese Funktion … Da schlafe ich noch einmal drüber, sehe aber, dass es ein Streichkandidat ist.

Oder hier. Hüllen Wolken die Spitzen des Gebirgszugs ein, bekomme ich schon das Bild, dass sie tief hängen. Felsen sehen für mich vorm inneren Auge schroff aus, da es Felnsnadeln sind, brauche ich auch keinen Turm. Sehe da keinen Mehrwert.
Absolut richtig, tiefhängende und schroffe sind gestrichen, vielen Dank. Die tragen echt nichts bei sind somit unnötig. Das turmhohe wollte ich erst drin lassen, aber du hast schon recht, auch diese Info ist doppelt gemoppelt. Ich habe jetzt stattdessen ein Dutzend daraus gemacht.

Da du dich bislang weitestgehend konsequent auf die klassische Inquit-Formel (er sagt, sagt er) beschränkt hast - abgesehen vom Zischen mit rotem Kopf, was ich eh streichen würde :) -, sticht das hier schon prominent hervor. Kurzum: Das Frage- und Antwortspiel würde ich weglassen; konsequent bleiben.
Ein super Hinweis, vielen Dank dafür. Das stimmt natürlich, hier breche ich mit dem restlichen Text und habe die zwei Stellen deswegen gleich angepasst.

Hier bin ich kurz hängengeblieben, weil ich den Vogelkadaver mit den Hosenbeinen zusammenbringen wollte. Würde zwei Sätze daraus machen.
Auch hier volle Zustimmung, jetzt sind's zwei Sätze 👍🏼

Er trabt zur Uferlinie, wo Schaumkronen zischelnd im schwarzen Boden versinken, und hält sich die flache Hand an die Stirn; hinter der zinngrauen See zeichnen sich die Umrisse der Südinsel ab.
Streichkandidaten für mich; würde auch hier zwei Sätze daraus machen.
Auch hier habe ich deine Vorschläge eins zu eins übernommen.

»Nein«, flüstert er plötzlich, und gleich darauf: »Nein!« Noch dunkler wirkt sie jetzt, die dreckige Rabenhand an der Stirn, denn aus Swans Gesicht ist alle Farbe gewichen.
Auch hier.
Same here, das klingt jetzt viel besser 👏🏼 Das sind sehr wertvolle Inputs, tausend Dank!

Er stürmt zurück zur Barke: Unverändert liegt der Junge auf dem Rücken, die kindliche Fratze ist weiß wie der Pelz eines Polarbären, und röchelt.
Und hier. Mir ist das in Folge einfach too much, nimmt dadurch Wirkung, finde ich.
Ich stimme dir zu, zumal ich die Gesichtsfarbe des Jungen zuvor schon einmal erwähnt bzw. beschrieben habe. Ist raus.

»Es ist besser so«, sagt Swan, und dann sagt er nochmals: »Es ist besser so!«
Vielleicht auch hier.
Diesen Teil werde ich wohl drin lassen, da diese Wiederholungen (wie zuvor schon das doppelte Nein), Swan ein wenig charakterisieren sollen, im Sinne von: Er muss sich selbst überzeugen bzw. sich selbst etwas einreden, bevor er etwas glaubt oder denkt, das Richtige zu tun.

... beim vierten Tritt zerbricht er in zwei gleich große Teile. Die Hälfte mit der spitzen Bruchkante schiebt er in den Hosenbund.
Ist das wichtig?
Nein, diese Info bringt tatsächlich nichts und ist bereits verschwunden 👍🏼

So viel mal von mir, sevas. Vielleicht kannste ja was davon gebrauchen.
Auf jeden Fall, das sind super Vorschläge, die den Text straffer und besser lesbar gemacht haben und ich danke dir ganz herzlich dafür. Der Gegenbesuch folgt und ich wünsche dir ein perfektes Wochenende!



@AWM, @kiroly, @Manfred Meier und @MRG, ich muss leider demnächst los, wollte euch aber kurz wissen lassen, dass ich eure Kommentare am Abend oder spätestens morgen beantworten werde. Fortsetzung folgt und ich danke euch schon jetzt für eure Zeilen!

Liebe Grüße
sevas

 
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04.04.2020
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Hi @AWM und ein dickes Dankeschön für deinen Kommentar, der mich den eigenen Text noch einmal aus einer ganz neuen Perspektive sehen/lesen lässt.

Hallo @sevas und schön, wieder was von dir zu lesen.
Vielen Dank, ich freue mich ebenfalls, nach einer längeren Pause wieder im Forum aktiv zu sein. Und wie ich gesehen habe, warst du in der Zwischenzeit sehr produktiv – toll! Ich werde in den kommenden Tages sehr gerne auf einen Gegenbesuch vorbeikommen.

Ich fände es besser, wenn du hier statt unspezfisch "sie" gleich die Protagonisten einführst. Es sind ja nur zwei. Und ich hatte Schwierigkeiten hier ein Bild zu bekommen.
Das stimmt, man erfährt hier nicht, ob es sich nur um zwei Personen oder eine ganze Gruppe handeln könnte. Da ich die Geschichte noch einmal neu schreiben werde, wird der Einstieg ohnehin anders ausfallen, und ich werde dabei diesen Hinweis im Hinterkopf haben.

Auch hier finde ich es nicht ganz so geschickt, dass du mit Luther anfängst, obwohl wir ja bei Swan bleiben und er der eigentliche Protagonist der Geschichte ist. Das würde ich irgendwie umstellen. Und ich würde auch nicht so spät den verwundeten Jungen einführen. So wie das jetzt ist, ist mir der Junge egal, weil er ein "Junge" ist. Ich sehe nicht, wie schlecht es um ihn steht, was die beiden vielleicht mit ihm verbinden. Und deshalb ist da auch kein Druck hinter dem Konflikt, ob sie ihn jetzt zurücklassen oder nicht. Ich würde das gleich zeigen, wie es ihm geht und gleich zeigen, was auf dem Spiel steht.
Volle Zustimmung, gerade was den Jungen betrifft. Ich denke mal, dass ich die neue Fassung schon früher werde beginnen lassen, damit der Junge und dessen Zustand besser oder eben früher greif- bzw. erfahrbar werden. Ein sehr guter Hinweis, vielen Dank dafür! Die Idee, Swan vor Luther einzuführen, finde ich ebenfalls sehr gut und werde dies so berücksichtigen.

Würde ich genauer beschreiben. Gebälk alleine verbinde ich nicht mit einem Lagerplatz. Eher eine Feuerstelle und herumliegende Planen oder so kommen mir da als Erstes in den Sinn. Da kam bei mir kein Bild auf.
Ja, diese Stelle wurde auch von anderen Kommentierenden angesprochen und ich werde mir überlegen, wie ich den verlassenen Lagerplatz besser einführen und beschreiben kann.

Würde ich umstellen, dass er zuerst die Bündel herauszieht und dann sagt, dass sie losmüssen
Stimmt, das ist vom zeitlichen Ablauf her logischer. Habe ich entsprechend angepasst.

... und verdeutlichen, dass hier eine Uhr tickt. Nicht, dass da vielleicht noch viele draußen sind, sondern eben dass sie bald da sind.
Ich verstehe, was du meinst. Der plötzliche und nicht nachvollziehbare Umschwung in Swans Motivation (den du weiter unten im Detail erwähnt hast) ist sowieso noch ein generelles Problem, das ich lösen muss. Für den Moment lasse ich die Stelle mal so, denn wenn ich hier bereits die Uhr ticken lasse, erscheint der spätere Motivationsumschwung irgendwie noch unvernünftiger. In der neuen Fassung werde ich das anders lösen und somit auch die Einführung des Konflikts anders und nachvollziehbarer gestalten.

ragen turmhohe und schroffe Felsnadeln in den Himmel auf
"auf" kannst streichen
Gone it is 👍🏼

»S’ist der Wind, der hindurch bläst«.
Wo hindurch bläst? Fand die Stelle komisch. WÜrde eher denken, Luther ist der Abergläubische und Swan erklärt, dass das nur der Wind ist. So sagt Luther, dass es die Sirenen sind, dann der Wind (der wo genau hindurch bläst?) und dann wechselt er wieder in den Aberglauben, dass sie für den Jungen singen.
Hier wollte ich eigentlich noch einmal unterstreichen, dass Luther derjenige ist, der sich in der Umgebung/Landschaft auskennt. Und es ist ja auch ein letzter Versuch Luthers, Swan zum Mitkommen zu bewegen. Ob Luther überhaupt daran glaubt … Das muss ich mir noch überlegen. Bei den Alten Jungfern handelt es sich um die Felsnadeln, durch die der Wind hindurch bläst und so den Gesang erzeugen.

Ja, der Junge, da kann ich nicht mitfiebern, dass er überlebt. Der bleibt zu blass (wortwörtlich höhö)
Absolut, das werde ich in der überarbeiteten Fassung berücksichtigen und ganz anders angehen. Daumen hoch für den Flat Joke! 😁

, doch das Röcheln verschmilzt mit dem Brechen der Wellen
Würde eher sagen, dass das Brechen der Wellen das Röcheln überdeckt
Hier bin ich unsicher, weil die Wellen ja nicht konstant brechen bzw. gleichbleibend laute Geräusche erzeugen. Darum finde ich das Verschmelzen fast noch treffender und plastischer.

Würde den ersten Satz streichen. Es geht ja darum, dass er Ausschau nach den Verfolgern hält und sie dann erblickt. Der erste Satz ist völlig deplatziert finde ich und dann kannst du auch das hässliche "plötzlich" streichen.
Für den Moment habe ich den Satz gestrichen, da er im Kontext dieser kurzen Szene tatsächlich keine Aufgabe erfüllt. Vielleicht baue ich ihn – an anderer Stelle – in der Überarbeitung wieder ein, weil in dieser dann die Geografie eine größere Rolle spielen wird. Das plötzlich ist ebenfalls weg, das braucht's wirklich nicht.

Ich kann den Umschwung seiner Motivation so nicht nachvollziehen. Es ist ja im Grunde genau das eingetroffen, was Luther gesagt hat. Sie müssen gehen und den Jungen zurücklassen, weil die anderen kommen. Seitdem hat sich nichts geändert. Dann sieht Swan die anderen und sagt, es ist besser das zu machen, was Luther die ganze Zeit gesagt hat. Da fehlt mir eine Entwicklung. Irgendwas Zwingendes, was sich geändert hat. Dummes Beispiel: Aber aufgespießte Leichen als Zierde an den Schiffen der anderen, man weiß der Junge darf ihnen nicht in die Hände fallen etc. Davor aber auch irgendein alternativer Versuch Swans, die Situation zu lösen. Er bleibt einfach nur da, versucht aber auch nicht, den Jungen irgendwie zu heilen in Sicherheit zu bringen oder sonstwas.
Völlig richtig, das ergibt hier nur wenig Sinn. Wie oben bereits erwähnt, ist dies eines der Hauptprobleme, die ich in der Überarbeitung werde angehen müssen. Ich danke dir, dass du mir das Problem so anschaulich und nachvollziehbar aufgezeigt hast 👍🏼

PS: Ich habe vergessen zu sagen, dass ich den Text trotz der Kritk gerne gelesen habe, weil das sprachlich schon gut ist :)
Das war eine super Kritik, von der ich wieder viel gelernt und mitgenommen habe, vielen herzlichen Dank @AWM! Dass die Sprache für dich funktioniert, freut mich ganz besonders und ich hoffe, dass ich diese auch in längerer Form durchziehen kann.

Wie gesagt komme ich sehr gerne zum Gegenbesuch vorbei und bin schon gespannt darauf zu sehen, womit du dich beschäftigt und auseinandergesetzt hast. Vielen lieben Dank für alles und einen wunderbaren Sonntag wünsche ich dir!



Hi @kiroly und ein herzliches Dankeschön auch an dich für die Zeit und Mühe, die du Text gewidmet hast. Auch hier nehme ich ganz viel mit und weiß jetzt, worauf ich bei der Überarbeitung zusätzlich zu achten habe.

Mein Gott, was ist dieser Kommentar kritisch geraten.
Hehe, das ist überhaupt kein Problem 😄 Ich möchte mich ja verbessern und schätze es darum sehr, dass du und die anderen Wortkrieger mich dabei so bereitwillig unterstützen. Ich hoffe, dass ich mich mit einem Gegenbesuch dann auch erkenntlich zeigen kann (habe eben in dein Profil gelinst und da scheinen viele spannende Texte zu warten)!

Also schicke ich den Hinweis vorweg, dass ich Deinen Text sprachlich wirklich gut finde.
Sprachlich ein sehr, sehr schöner, voller, detailreicher Text. Also, sehr gerne gelesen.
Das freut mich ganz besonders, vielen lieben Dank! Beim Überfliegen deiner Beiträge habe ich gesehen, dass immer wieder – aber natürlich nicht nur – deine Sprache besonders positiv hervorgehoben wird. Da bin ich also gleich doppelt gespannt 😏

Solche Geschichten aus den Polar- oder Subpolargebieten ... ich habe an der magischen Schwelle zwischen Kindheit und Jugend (auch so eine der vielen entwicklungspsychologischen, magischen Schwellen) einen bunten Haufen polarer Expeditionsberichte gelesen, Shackleton, Amundsen, Nansen, Scott ... egal.
Eine wahrlich magische Schwelle! Ich habe auch kürzlich meinen Atlas der großen Entdecker, den ich als Jugendlicher verschlungen habe, wieder einmal hervorgekramt. Von bzw. über Shackleton habe ich – ebenfalls kürzlich – 635 Tage im Eis gelesen. Heute absolut unvorstellbar und – vielleicht gerade deshalb – ebenso magisch.

Uraltes Thema: Überleben vs. Moral. Swan will bei dem Jungen bleiben (Kind? Schiffsjunge? Welche Beziehung?), Luther denkt, sie müssen es über den Kamm schaffen. Swan scheint den Jungen zu töten, nicht aus Mordlust, sondern aus Überlebensdrang oder Euthanasie? Woher sie kommen (Schiffsbrüchige? Expedition? Schmuggler? Geflüchtete? Werden sie gejagt?), was passiert ist, erfahre ich nicht. Für mich ein Manko des Textes. Da ich die Motivation nicht kenne, weiß ich auch das Ziel nicht einzuschätzen. Ich weiß auch nicht, warum der Junge in Lebensgefahr geraten ist. Unfall? Tuberkulose? Ging etwas schief? Hier deutest du einiges an, ohne jedoch konkreter zu werden. Insofern ein, aus meiner Sicht, mögliches Problem, da die Handlungen der Figuren ins Beliebige zerfallen. Alles ist jetzt denkbar, alles könnte irgendwie erklärt werden.
Mittlerweile ist mir klar, dass der Text in dieser Form und mit den vielen offenen Fragen nicht funktionieren kann. In der Einleitung meiner ersten Antwort habe ich bereits einmal versucht zu verstehen, wie es dazu kommen konnte. Ich werde den Text jetzt ausbauen und dafür sorgen, dass Umstände und Motivation dieser Dreiergruppe besser erleb- und nachvollziehbar werden. Durch die Fragen, die du hier stellst, habe ich ganz viele Ansatzpunkte und weiß, wo ich ansetzen muss.

Also greife ich in meiner mentalen Suche auf Assoziationen der lebensfeindlichen Eisklimate zurück, sprich Orte wie Walfangstationen, Militärstationen, Bergbausiedlungen, Gefängnisinseln, Forschungsstationen ... eine Klimate, in der sich menschliche Aktivität auf Punkte konzentriert. Gibt einen schrägen Begriff dafür: Anökumene Vielleicht könntest du Nordküste durch einen konkreten Ort ersetzen. Sie wollen dahin - sie müssen an diesen Ort. Du verortest die Menschen zwischen den vier Himmelsrichtungen, das suggeriert eine kahle, weite Landschaft, sehr kalt, eine Landschaft, die ausschließlich der physikalischen Erosion ausgesetzt wird.
Absolut, eine bessere Verortung der Geschichte werde ich auf jeden Fall vornehmen. Die vier Himmelsrichtungen reichen da nicht aus … Da muss ich – sprichwörtlich – noch einmal über die Bücher. PS: Anökumene – sehr spannend!

Metaphern sind aus der Landschaft übernommen und dienen zur Beschreibung kleiner Details in Körpernähe. So schaffst du eine außergewöhnlich intensive Atmosphäre, die durch die abgehackte Rede Deiner Figuren verstärkt wird.
Ich war ein wenig besorgt, ob die – in dieser kurzen Form – doch ziemlich zahlreichen Tier-Vergleiche allenfalls negativ aufgefasst werden könnten, freue mich aber umso sehr, dass diese zu funktionieren scheinen. In der längeren Neufassung werde ich damit jedoch gut haushalten müssen.

Deine Figuren "sagen". Sie empören sich nicht, sie schreien und rufen nicht, sie widerlegen sich nicht. Auf mich wirkt die Konstellation der drei zufällig. Warum auch immer Swan, Junge und Luther an diesen Ort gerieten, sie scheinen ihre gemeinsame Barkenfahrt nicht geplant zu haben. Haben sie eine Katastrophe überlebt? Gemeinsam geflüchtet? Ein Geschäft? Ich weiß es nicht. Der Text scheint der Ausschnitt einer größeren Geschichte zu sein.
In der kurzen Form habe ich mich tatsächlich auf sagen beschränkt (mit ein paar unbeabsichtigten Inkonsistenzen, auf die mich @hell hingewiesen hat und die ich mittlerweile ausgemerzt habe). Ich finde, dass die konsequente Verwendung von sagen irgendwie zu der Strenge und dem Klima der Geschichte passen. Aber du hast recht, vor allem in einer längeren Form muss ich da auf etwas Abwechslung achten. Wichtig war/ist mir auch, dass der Erzähler rein beobachtend von außen berichtet, weswegen bspw. empören – direkt ausformuliert – wegfällt. Schreien, rufen etc. sollten aber problemlos gehen und da werde ich ein Auge drauf haben 👍🏼

Der Junge bleibt passiv. Er scheint sich seiner Erkrankung, ich habe spontan an Tuberkulose gedacht, hinzugeben, der Tod eine Frage der Zeit. Mir fiel es etwas schwer, den Zeilenumbruch zeitlich zu deuten. Wie viel Zeit vergeht? Da Luther im zweiten Teil nicht vorkommt, scheint eine längere Zeit vergangen zu sein. Der Hinweis auf den Sonnenaufgang lässt aber nur drei Schlüsse zu: Es ist wenig Zeit vergangen, der Sonnenaufgang dauert sehr lang oder es sind 24 Stunden vergangen. Vorsicht aber mit der Sonne! Dein Text spielt in den hohen Breitengraden, der Tagesgang der Sonne gibt dem Leser einen sehr stichhaltigen Hinweis auf die Geographie. Auf der südlichen Hemisphäre und Nordamerika reichen die Subpolargebiete in niedrigere Breitengrade als in Eurasien. (Hamburg und Feuerland sind vom Äquator ähnlich entfernt, die Eisklimate kann in Kanada schon auf Höhe Stockholms beginnen!)
Mach' dir klar, wie scharf ein Wind im vegetationslosen Periglazialraum wehen kann. Anlegen mit einer Barke, das ist schon eine gewisse Kunst, wenn sich die Bucht weit zum Meer öffnet. Windstille sind an solchen Orten selten.
Auch hier sprichst du ganz viele Punkte an, auf die ich in der Überarbeitung achten muss. Das hilft mir extrem weiter, vielen Dank! Den Zustand des Jungen werde ich szenisch nachvollziehbar machen und die geographischen Verhältnisse besser berücksichtigen.

Sowohl das Schiffsskelett als auch die Knochen wirken auf mich jedoch unglaubwürdig. Sie haben eine kleine Barke, warum steuern sie genau diesen Ort an? Warum reagieren sie so wenig auf das Schiffswrack? Knochen, Schädel, Schiff, sie wirken auf mich wie die Deko in einem Aquarium. Auf dem Meeresgrund hat eben ein Wrack zu sein. Jetzt ist deine Landschaft aber kahl, weit, menschenleer, vegetationslos, vielleicht Flechten auf den Kieselsteinen ... sehr häufig findet man Schiffswracks dort nicht.
Nachtrag: Swan bricht einen Oberarmknochen. Dass er ihn aus dem Kies zieht, deutet auf ein Ereignis hin. Ist der Mensch bestattet worden? Oder eine Gewalttat? Sprich, was ist an diesem Ort passiert? Knochen können sich unter diesen klimatischen und erosiven Umständen sogar verhärten.
Auf die Gefahr hin, mich hier zu einfach aus der Affäre zu ziehen: Auch das sind alles Punkte, die ich bei der Überarbeitung berücksichtigen werde. Da hab ich's mir mit der Deko tatsächlich zu einfach gemacht. Ich hatte bzw. habe da etwas im Hinterkopf, aber klar, das muss und werde ich auch zeigen. Sehr wertvoll auch der Hinweis bzgl. der Verhärtung der Knochen. Ich habe versucht, mit den vier Tritten bereits in eine solche Richtung zu deuten, aber unter Umständen muss ich da noch konkreter werden.

Die Spannung deines Textes entsteht nicht aus Rätseln, sondern aus dem emotionalen Konflikt zwischen Luther und Swan. Beide interpretieren ja ihre Lage gegensätzlich, aber - das finde ich schade - beide scheinen einander nicht zu benötigen. Sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit, wenn sich jeder alleine durchschlägt? Man mag darauf mit einem "Ja klar!" antworten. Aber Gewissheit erhalte ich als Leser darüber nicht. Sie streiten sich, der eine geht, der andere bleibt, schön, jetzt die harte Überquerung der Berge ...
Den Konflikt und die gegenseitige Abhängigkeit muss ich noch stärker herausarbeiten, das verstehe ich jetzt. Versucht habe ich's dort, wo gesagt wird, dass nur Luther den Weg kennt und dass dieser (oder besser gesagt: beide) mit der halben Lieferung nicht ans Ziel kommen werden. Aber klar, das muss noch eine viel stärkere Auswirkung auf den Fortgang der Geschichte haben. Auch dies ein super Hinweis und ich danke dir sehr dafür!

Insgesamt habe ich deinen kleinen Text aber wirklich gerne gelesen, er gefällt mir. Irgendwie finde ich es auch sehr schön, dass du ein solch' klassisches Thema gewählt hast :-D
Super, das freut mich wirklich und ich werde mir größte Mühe geben, die aufgedeckten Schwächen in der Neufassung zu eliminieren.

Vielen Dank @kiroly für deine Unterstützung! Ich werde baldmöglichst auch unter einem deiner Texte auftauchen und wünsche dir einen schönen Sonntagabend.



Hi @Manfred Meier und vielen Dank für deine Inputs!

in mir kämpft die Begeisterung über treffende Formulierungen gegen Unverständnis.
Vieles wurde von anderen bereits angemerkt und darum hier nur ein paar Stellen, die mich etwas stören:
Ja, das mit dem Unverständnis ist allen so ergangen 🙈 Und mittlerweile verstehe ich auch, warum das so ist. Ich werde zusehen, dass ich das Unverständnis in Form einer Neuüberarbeitung ausräumen kann.

Mein Problem ist, dass mir da so viel fehlt. Ich brauche einfach Atmosphäre. Die müssen vor Kälte am ganzen Körper zittern, dass sie kaum etwas richtig packen können. Dazu noch der eisige Wind.
Eine Barke ist sicher nicht leicht und die werden sie wohl auch nicht ganz aus dem Wasser gezogen haben.
*** Er schnauft, hat beide Arme auf das Heck gestützt, ***
Das würde ich nicht machen, bei dem eisigen Wasser.
Die Logiklöcher werde ich stopfen und danke dir für die entsprechenden Hinweise.

*** Blut versiegelte Risse überziehen die Innenflächen. Neben ihnen ein Schiffsskelett, ***
Da fehlt mir ein Übergang. Vielleicht schaut er über den Strand?
Hier berichtet der Erzähler, weshalb ich im ganzen Text auf "sieht/blickt er" etc. verzichtet habe. Mal schauen, ob ich diese Erzählhaltung auch in einem längeren Text durchziehen kann 😬

*** Swans Hosenbeine sind starr vor Kälte und den Vogelkadaver, den er hinter dem Lagerplatz gefunden hat, packt er in die Manteltasche. ***
Warum macht er das?
Ja, das ergibt derzeit nicht wirklich Sinn. Im Rahmen der Neufassung werde ich für Klarheit sorgen, versprochen 😉

Die ganze Geschichte scheint mir aus einem größeren Text herausgerissen, den ich wohl nach einer Überarbeitung gerne lesen würde.
Ich finde, überwiegend gut geschrieben, aber mir fehlt Atmosphäre und manchmal auch Logik und hat mich darum auch nicht ganz mitgenommen.
Die Überarbeitung kommt 👍🏼 Ich danke dir, dass du mir hier viele gute Ansatzpunkte mit auf den Weg gegeben hast und freue mich schon jetzt auf den Gegenbesuch.

Ein super Abend wünsche ich dir!



Hi @MRG, wie schön, dich wieder unter meinem Text zu finden! Ich habe mich sehr über dein Feedback gefreut und danke dir ganz herzlich dafür!

Wir sind hier ja, wenn ich das richtig im Kopf habe, plus/minus gleichzeitig im Forum eingestiegen. Und gerade eben war ich auf deiner Profilseite … 13 Kurzgeschichten! Wahnsinn … Da warst du echt äußerst produktiv und ich freue mich schon jetzt darauf zu sehen, wie du dich weiterentwickelt und womit du dich befasst hast!

schön mal wieder etwas von dir zu lesen
Danke! Ich wünschte, ich wäre in der Zwischenzeit nur halb so fleißig wie du gewesen 🙈

Ansonsten ist mir aufgefallen, dass du die Semikolons geschickt eingesetzt hast und ich einen guten Lesefluss hatte, das mochte ich.
Hier ist mir das Semikolon positiv aufgefallen, finde, dass das einen schönen Fluss erzeugt und ich lese das echt gerne.
Ich hatte schon immer eine Schwäche für die Semikolons, und bei diesem Text bin ich wahrscheinlich an der Obergrenze angelangt. Mehr dürfen es nicht werden 😄

Ich finde, dass das ein guter Einstieg ist: Ich bin als Leser sofort in der Szene und habe auch die Geräuschkulisse im Ohr. Hat mir gefallen und gut funktioniert.
Ich freue mich, dass der Einstieg für dich funktioniert hat.

Die Dialoge habe ich gut kaufen können, finde, dass dir das gelungen ist und sie erfüllen ihre Funktion. Ja, konnte ich gut mitgehen.
Super! Bei Dialogen fühle ich mich generell noch unsicher … Deine Rückmeldung bestärkt mich aber und ich werde versuchen, in dieser Richtung weiterzuarbeiten.

Du hast immer wieder die Details mit eingebaut, an der ein oder anderen Stelle wirkt es etwas gewollt, finde ich.
Ja, die Platzierung von Details ist auch so eine Sache, die wohl nur mit der Erfahrung besser wird. Ich bin nicht einmal sicher, ob's die Info hier überhaupt braucht.

Großartiger Satz! Ich hatte das Husten im Ohr und durch einen so kurzen Satz einen Ablauf mehrere Bilder vor Augen. Sehr gut gemacht, finde ich.
Sehr schön, ich freue mich, dass der Satz bei dir lebendige Bilder erzeugen konnte 👍🏼

Insgesamt mochte ich deine Geschichte und hätte auch gerne noch weitergelesen. Freue mich auf weitere Sachen von dir und finde es cool, dass du wieder aktiv bist. :-)
Danke lieber @MRG, ich freue mich ebenfalls und werde den Text jetzt noch einmal ganz neu aufrollen. Und wie bereits gesagt: Ich schaue sehr bald bei dir vorbei und bin echt gespannt, was du in der Zwischenzeit gemacht und erreicht hast.

Hab einen tollen Abend und einen noch besseren Start in die neue Woche!

Liebe Grüße
sevas

 
Monster-WG
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20.08.2019
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Hallo @sevas

Deine Geschichte gefällt mir sprachlich ausgesprochen gut. Ich mag Deinen Schreibstil, da entstehen tolle Bilder im Kopf. Der Einstieg ist gelungen, kann mir die Szene gut vorstellen, die Neugierde wird geweckt. Text ist flüssig geschrieben, erzeugt Spannung und Emotionen. Für ne KG fehlt mir allerdings eine Aussage, ein Ende. Da ist ja alles offen. Wäre das der Einstieg in einen Krimi, würde ich mit Begeisterung weiterlesen. In der KG bleiben leider viele Fragen offen.

Hier ein paar Leseeindrücke:

Bei Tagesanbruch stehen sie bis zu den Hüften im Wasser und schieben die Barke ans Ufer; mit einem knirschenden Geräusch gräbt sich der Bug in den Kies.
»Das war knapp«, sagt Luther. Er schnauft und hat beide Arme auf das Heck gestützt. Böen, die von den Hängen im Norden herabfallen, verwehen seine Atemwolken. An Bart und Fellmütze kleben Tropfen aus Eis.
»Ja«, sagt Swan, stapft an Land, fällt auf die Knie und streicht sich das salzverkrustete Haar aus dem Gesicht. Seine Hände erinnern an Rabenfüße, denn sie sind dunkel vom Dreck und die Finger sind lang und dünn; mit trockenem Blut versiegelte Risse überziehen die Innenflächen. Neben ihnen ein Schiffsskelett, dahinter das Gebälk eines Lagerplatzes; zu beiden Seiten glattgeschliffene Schädel und Knochen, halb versunken im schwarzen Kies.

Der Einstieg gefällt mir sehr gut. Ich hab sofort Bilder vor Augen. Schön, wie Du das Raue beschreibst und die gewisse Düsternis spricht mich auch sehr an.

Er beugt sich über die Außenwand der Barke, dreht den Jungen auf den Rücken: Der Atem ist kraftlos, die Augen sind glasig, das Gesicht hat die Farbe von unreinem Kalk.

Hier erfahre ich endlich wer "er" ist. Und natürlich weckt das die Neugierde. Da entstehen Fragen im Kopf. Warum haben die 2 Seebären einen Jungen dabei? Oder haben sie ihn erst vor Ort angetroffen? Was ist passiert?

Noch dunkler wirkt sie jetzt, die Rabenhand, denn aus Swans Gesicht ist alle Farbe gewichen. Vor den Konturen der Südinsel tanzen die Silhouetten zweier Segel auf und ab.

Tolle Stelle!

Dann schultert er das Bündel und folgt Luther den Hang hinauf, während die Jungfern die nächste Strophe anstimmen. Fünfzig Meter landeinwärts beginnt der Schnee.

Die Geschichte hat für mich nur ein Manko: sie ist definitiv viel zu kurz :) Hätte sehr gerne noch weitergelesen.

Liebe Grüße und einen schönen Tag,
Silvita

 
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04.04.2020
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Hi @Silvita und vielen herzlichen Dank für deinen Kommentar. Mit meiner Antwort bin ich ja mehr als nur spät dran … Bitte entschuldige 🙈

Deine Geschichte gefällt mir sprachlich ausgesprochen gut. Ich mag Deinen Schreibstil, da entstehen tolle Bilder im Kopf. Der Einstieg ist gelungen, kann mir die Szene gut vorstellen, die Neugierde wird geweckt. Text ist flüssig geschrieben, erzeugt Spannung und Emotionen.
Das freut mich wirklich sehr, vielen lieben Dank! Die Sprache bzw. der Stil waren in gewisser Weise ein Experiment und ich bin echt froh, dass die Rückmeldungen diesbezüglich so positiv ausfallen.

Für ne KG fehlt mir allerdings eine Aussage, ein Ende. Da ist ja alles offen. Wäre das der Einstieg in einen Krimi, würde ich mit Begeisterung weiterlesen. In der KG bleiben leider viele Fragen offen.
Hier erfahre ich endlich wer "er" ist. Und natürlich weckt das die Neugierde. Da entstehen Fragen im Kopf. Warum haben die 2 Seebären einen Jungen dabei? Oder haben sie ihn erst vor Ort angetroffen? Was ist passiert?
Ja, da hast du natürlich recht und das Feedback (über sämtliche Kommentare hinweg) ist hier sehr eindeutig: So kann der Text nicht funktionieren. Ich habe das mittlerweile verstanden und werde jetzt versuchen, die Geschichte auszubauen bzw. überhaupt eine Geschichte daraus zu machen.

Die Geschichte hat für mich nur ein Manko: sie ist definitiv viel zu kurz :) Hätte sehr gerne noch weitergelesen.
Sie wird länger, versprochen 😉 Und ich werde mir Mühe geben, dass die offenen Fragen in der neuen Fassung beantwortet werden.

Ich wünsche dir einen schönen Abend und nachträglich einen super Start in die neue Woche!

Liebe Grüße
sevas

 
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Sei gegrüßt @sevas

hat mir sehr gut gefallen, deine kurze Geschichte. Ich finde, dir gelingt es wirklich außerordentlich gut, in wenigen Sätzen eine dichte Atmosphäre zu erzeugen. Ich war tatsächlich nach den ersten Sätzen bereits ziemlich drin. Und gespannt darauf, was da wohl noch passieren sollte. Und genau hier setzt auch meine Kritik an. Denn leider hat sich mir nicht wirklich erschlossen, was da genau abgeht. Es mag an mir liegen, aber irgendwie habe ich dann doch ein wenig vermisst, dass sich am Ende bei mir das Gefühl einstellt: "Aha, darum ging es also." So wirkt dein Text ein wenig so, also ob er aus einer längeren Geschichte herausgenommen wurde. Einer längeren Geschichte allerdings, die ich gerne lesen würde, denn deine Art zu schreiben hat mir wie gesagt gut gefallen.

Nachdem ja schon einige andere kommentiert haben hier nur ein paar wenige Anmerkungen von mir.

Bei Tagesanbruch stehen sie bis zu den Hüften im Wasser und schieben die Barke ans Ufer; mit einem knirschenden Geräusch gräbt sich der Bug in den Kies.
»Das war knapp«, sagt Luther. Er schnauft und hat beide Arme auf das Heck gestützt. Böen, die von den Hängen im Norden herabfallen, verwehen seine Atemwolken. An Bart und Fellmütze kleben Tropfen aus Eis.
»Ja«, sagt Swan, stapft an Land, fällt auf die Knie und streicht sich das salzverkrustete Haar aus dem Gesicht. Seine Hände erinnern an Rabenfüße, denn sie sind dunkel vom Dreck und die Finger sind lang und dünn; mit trockenem Blut versiegelte Risse überziehen die Innenflächen. Neben ihnen ein Schiffsskelett, dahinter das Gebälk eines Lagerplatzes; zu beiden Seiten glattgeschliffene Schädel und Knochen, halb versunken im schwarzen Kies.
Eben solche Beschreibungen sind es, die den Reiz bei deinem Text ausmachen und meiner Meinung nach Atmosphäre erzeugen. Kompliment dafür. Insgesamt ein starker Einstieg.

»Los, weiter!«, sagt er.
Swan sagt: »Wir bleiben bei ihm.«
»Nein!«, sagt Luther.
Ich weiß nicht, ob du das als Stilmittel nutzt. Mich hat es aber herausgerissen.
»Die alten Jungfern«, sagt Luther und zurrt die aus Fischernetzen zusammengeknoteten Schnürsenkel an den Stiefeln fest. »S’ist der Wind, der hindurch bläst«. Er schlägt den Mantelkragen hoch, schmeißt Swan ein Bündel vor die Füße und wuchtet das andere auf die Schulter.
Spannend. Wollte wissen, um was es da geht. Leider hast du uns bisher eine Vertiefung verwehrt ...
Er blinzelt nicht, als er den Druck verstärkt und er blinzelt nicht, als er den Druck wieder löst; nicht ein einziges Mal blinzelt er.
Finde ich auch wieder eine starke Stelle. Gut beschrieben, funktioniert bei mir.

Viele Grüße
Habentus

 

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