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Nur eine Kleinigkeit

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09.12.2019
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Nur eine Kleinigkeit

Wir werden niemals wissen, wie viele Menschen tatsächlich wegen Tschernobyl ihr Leben verloren.
Die meisten Schätzungen gehen von 4.000 bis 93.000 Toten aus.
Manche Organisationen glauben, die tatsächliche Zahl läge eher in den Hunderttausenden.
Die offiziell ausgegebene Zahl, die seit 1987 nicht mehr geändert wurde, liegt bei … 31.​


„Wir schließen den letzten Test heute ab. Fahren Sie die Reaktorleistung entsprechend runter.“
„Heute geht es nicht.“
„Was? Warum nicht?“
„Es ist Monatsende, die Fabriken versuchen ihre Produktionsziele noch zu erreichen. Der Energiebedarf ist zu hoch, wir können nicht drosseln.“
„Wir führen den Test trotzdem durch.“
„Aber das geht nicht, wir müssen warten bis …“
„Nein! Heute Abend. Dieser Test hätte schon vor der Betriebserlaubnis durchgeführt werden müssen, also keine Verzögerungen mehr!“

„Das Messgerät zeigt den Maximalwert.“
„Dann ist es defekt, wir hätten die alten Dinger schon längst austauschen sollen.“
„Aber die Erschütterung! Sie können doch nicht …“
„Es gab keine Erschütterung. Gehen Sie zum Reaktor und berichten Sie. Sicher ist es nur eine Kleinigkeit.“

„Das sieht nicht wie ein normales Feuer aus.“
„Nein, aber es ist wunderschön.“
„Bestimmt haben sie es bald gelöscht. Sieh mal, alle sind auf den Balkonen. Wie beim Silvesterfeuerwerk.“

„Mein Gott … der Reaktor liegt frei.“
„Wie ein Tor zur Hölle, aber auch … faszinierend.“
„Kommen Sie! Weg hier!“

„Der Reaktor ist explodiert, der Kern liegt frei …“
„Das ist nicht möglich! Ein solcher Reaktor kann nicht explodieren.“
„Aber …“
„Seien Sie still! Wir müssen den Brand löschen.“
„Und wie?“
„Na, wie wohl? Rufen Sie die Feuerwehr!“

„Was sollen wir hier löschen? Welche Tür wurde hier geöffnet?“
„Wir kühlen erstmal den Bereich um den Reaktor, arbeiten uns näher heran.“
„Was liegt hier herum? Graphit?“
„Nein, sicher nicht. Das würde ja bedeuten, dass …“

„Die Feuerwehrleute berichten von herumliegenden, teils großen Graphitstücken.“
„Reden Sie keinen Quatsch. Das einzige Graphit hier befindet sich im Reaktor, also wo soll es herkommen?“

„Es sind einige Feuerwehrmänner eingeliefert worden, weitere werden vom Kraftwerk hierhin gebracht.“
„Was ist mit ihnen?“
„Sie haben Verbrennungen, die Haut wirft Blasen. Die meisten sind kaum ansprechbar oder übergeben sich. Und …“
„Was?“
„Einigen konnten wir die Kleidung nicht ausziehen. Sie ist mit der Haut verschmolzen.“
„Mein Gott. Bringen Sie alles von ihnen, was entfernbar ist, in den Keller. So weit unten wie möglich.“

„Fliegen Sie noch etwas näher heran, aber auf keinen Fall direkt über den Reaktor.“
„Okay, also noch ein wenig … mein Gott!“
„Es ist wahr, auch wenn diese Holzköpfe da unten es nicht akzeptieren wollen. Der Reaktor liegt frei. Drehen Sie ab!“

„Was passiert nun?“
„Die Radioaktivität verteilt sich ungehindert in der Atmosphäre, in einer Höhe von 1.500 bis 10.000 Meter. Der Wind wird sie über Europa verteilen. In der näheren Umgebung des Kraftwerks wird keine Nutzung mehr möglich sein.“
„Nutzung wovon?“
„Allem.“

„Sie können es nicht löschen wie ein Feuer. So etwas hat auf dieser Welt noch nie existiert.“
„Und was brauchen Sie, um die Strahlung einzudämmen?“
„Sand und Bohr.“
„Wie viel?“
„Alles, was Sie kriegen können. Sie müssen das Gemisch aus der Luft abwerfen, am besten mit Hubschraubern. Aber niemand darf direkt über den Reaktor fliegen, es muss auch so gehen.“

„Bleiben Sie höchstens dreißig Minuten bei ihrem Mann und in jedem Fall vor dem Schutzvorhang. Wahrscheinlich schläft er, wir haben ihm starke Beruhigungsmittel gegeben.“
„In Ordnung.“
„Sind Sie schwanger?“
„Nein.“
„Okay, dann ... gehen Sie rein.“

„Wir haben den Reaktor mittlerweile mit einer Schicht aus Sand und Bohr bedeckt, aber selbstverständlich machen wir weiter.“
„Wird das reichen?“
„Nein. Wir müssen den Reaktorblock abschirmen, eine Konstruktion aus Stahl und Beton errichten. Aber zuvor müssen wir das hochverstrahlte Graphit entfernen. Der größte Teil liegt auf dem Dach. Wir versuchen es mit einem ferngesteuerten Fahrzeug.“

„Warum reagiert das verdammte Fahrzeug nicht? Ist es nicht aus Deutschland?“
„Ich habe eben mit der Zentrale telefoniert. Es war nie für eine solche Strahlenbelastung vorgesehen. Sie haben den Deutschen den Propagandawert genannt, nicht die tatsächliche Strahlung.“
„Scheiße! Und nun? Kriegen wir irgendwo ein neues Fahrzeug oder einen Roboter her?“
„Wir brauchen Bio-Roboter.“
„Was?“
„Menschen.“

„Sie haben neunzig Sekunden, sobald sie auf dem Dach sind. Mehr geht bei dieser Strahlung nicht. Werfen Sie mit der Schaufel möglichst viel von dem Graphit nach unten.“
„Woher wissen wir, dass die Zeit um ist?“
„Ich klopfe laut gegen dieses Rohr hier. Und passen Sie bloß auf, ihre Schutzkleidung muss intakt bleiben.“

„Es tut mir leid. Ihr Mann war sehr tapfer, wie alle anderen Feuerwehrmänner und Helfer.“
„Was haben Sie getan?“
„Was wir konnten, solche Strahlungsauswirkungen können wir nicht behandeln.“
„Sein Gesicht … er hatte kein Gesicht mehr.“

„Sie und ihre Männer werden einen Tunnel graben unter dem Reaktor. Rund um die Uhr. Teilen Sie sie in drei Schichten ein. Wir müssen verhindern, dass das Grundwasser verseucht wird.“
„Welche Hilfsmittel?“
„Keine Maschinen, wir können keine Vibrationen riskieren. Nur Schaufeln. Und sie bekommen Atemschutzmasken.“
„Taugen die was?“
„Ja.“
„Ja? Warum tragen Sie sie dann nicht?“

„Auch wir halten uns seit Tagen nahe dem Reaktor auf.“
„Ja. Lässt sich jetzt nicht mehr ändern.“
„Wie lange noch?“
„Vielleicht vier oder fünf Jahre.“
„Und dann?“
„Wahrscheinlich Krebs.“

„Wie groß wird die Sperrzone?“
„Ich schätze ein Umkreis von knapp vierzig Kilometern um das Kraftwerk. Also mehr als viertausend Quadratkilometer.“
„Und was bedeutet das?“
„Niemand wird dort wohnen. Wir setzen alle Möglichkeiten ein, um sie zu reinigen. Die kontaminierte Erde wird abgetragen und versiegelt gelagert. Bäume gefällt und Tiere getötet. Und wir verteilen eine Substanz, um den radioaktiven Staub zu binden, mit dem Namen Burda.“

„Hier ist dein Gewehr. Wenn du ein Tier nur verletzt, setzt du direkt nach und tötest es. Verstanden?“
„Ja.“
„Gut. Lass es nicht leiden, sonst mache ich dich fertig.“

„Sie ist tot. Nur vier Stunden in dieser Welt. Ich sage es gleich der Mutter.“
„Mein Gott, sie war so glücklich nach der Geburt.“
„Ihre Tochter hat ihr das Leben gerettet, sie hat die meiste Strahlung absorbiert. In was für einer Welt leben wir nun?“

„Das letzte Ereignis, das zur Explosion führte, war fatalerweise die Betätigung der Notabschaltung. Die Steuerstäbe fuhren in den Reaktor ein, um die Leistung zu drosseln. Das an den Spitzen der Stäbe angebrachte Graphit führte jedoch zunächst zu einer weiteren Erhöhung der Reaktivität. Niemand im Kontrollraum wusste das. Die Kettenreaktion war nicht mehr aufzuhalten, der Reaktor explodierte.“
„Warum wurde für eine Notabschaltung eine solche Technik verwendet?“
„Warum? Aus dem gleichen Grund wie immer. Sie kostete weniger.“

„Die Ärzte sagten mir, ich könne nie wieder Kinder bekommen.“
„Nach dem Tod Ihrer Tochter?“
„Ja. Aber sie lagen falsch.“

„Was machen Sie hier, in dieser Gegend?“
„Es ist so lange her, nun bin ich zurück. Ich ziehe wieder in mein Haus.“
 
Quellenangaben
Inhalte der HBO-Miniserie "Tschernobyl" sowie ergänzende Informationen hierzu

Wikipedia-Artikel "Nuklearkatastrophe von Tschernobyl"
Zuletzt bearbeitet:
Senior
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02.01.2011
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Hi Rob!

Ich finde, du machst hier viele Dinge richtig. Ich fand den Text spannend zu lesen, sowohl auf Mikroebene der Sprache fließt das sehr gut, wie auch im Großen ist das spannend zu lesen. Gerade die kurzen, Schlagschattenartigen Absätze bringen Geschwindigkeit.
Was mir auch gefällt, ist, dass man die Recherche spürt, die hinter dem Text steht. Das absorbierte Baby etc., da waren gute und originelle Details, die deine Geschichte echt und glaubwürdig erscheinen lassen.
Insofern stimmt hier vieles und ich sehe den Text durchaus in einem positiven Licht.
Kritisches: Wenn ich die Messlatte hoch anlege, muss ich sagen, dass mir persönlich - trotz der guten Details, die ich teilweise nicht kannte - der Text zu wenig Neues bietet. Man hat den Ablauf des Unfalls, die Strahlentote usw. eben schon oft gesehen/gelesen, dieser Text tut es ein weiteres Mal. In dem Sinne, für das Thema, bräuchte die Story für mich eine Note mehr Eigenes, das sie von anderen Berichten der Art unterscheidet, eine individuelle Note, eine eigene Erzählung in der großen Rahmenerzählung Tschernobyl. Bei Literatur mit Setting Nationalsozialismus ist das ja ähnlich - Romane und Filme versuchen immer, neue Figuren und Mikrokosmen in diesem großen Rahmen zu finden.
Vielleicht kommst du hier auch nicht drum herum, näher an deine Figuren ran zu gehen. Das Hauptmerk liegt derzeit auf das „Geschehen“, weniger auf den Leuten. Das Geschehen hat man öfters gehört, aber Einzelschicksale berühren einen noch mal immer anders und tiefer und bilden in so einem großen Kontext einen originellen Mikrokosmos.
Also, spannend geschrieben, gerne gelesen, aber mir fehlt etwas die eigene Note, auch das Persönliche.

Gruß,
zigga
 
Senior
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12.04.2007
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5.893
In was für einer Welt leben wir nun?,

fragst oder besser, lässtu fragen,

lieber Rob,

und ein Artikel unter Spektrum.de * zeigt, wie pervers Tourismus sein kann- - aber auch der von mir verehrte Vince Ebert hat einen Artikel unter Spektrum.de** veröffentlicht, der eine denkwürdige Statistik aufstellt.
Ich weiß noch, dass ich in den kalten Tagen nach dem Vorfall mir die Beine in den Bauch stand mit einer handvoll Gleichgesinnter inmitten einer Einkaufszone (keineswegs das Centro, das gab‘s noch nicht [erst seit 1996]), um vermeintlich die Freude am „Shoppen“ zu trüben – und es ist gut, dass auch die Gefahr der Energieversorgung und damit – wenn auch eher verschwiegen - vor allem unseres exzessiven Energieverbrauchs gedacht wird.

Bei der Quellenangabe „Wiki…“ stutz ich allerdings. Die Idee hinter Wikipdia ist an sich zu begrüßen, aber niemand weiß, welche Interessen dort vertreten werden und gelegentlich offenbaren sich Falschinformationen,vllt. sogar die modernen Fakes in den Artikeln. Aber dass muss hier nicht unser Thema sein.

Zigga hat schon einiges gesagt, sind aber auch Flusen aufzulesen in der Reihenfolge ihres Auftritts

„Wir kühlen erstmal den Bereich um den Reaktor, arbeiten uns näher heran.“
immer noch amtlich beglaubigt auseinander, weil eigentlich ein verkürztes „erst einmal“ (was ja eine gewisse Logik hat) - obwohl – da geht die Logik flöten - das ebenso „eigentlich verkürzte“ so etwas inzwischen zusammengeschrieben werden darf, na sowas!. Mein Tipp: Ich schreib es demnächst auch zusammen und jeder andere hierorts auch … Wofür sind wir denn Wortkrieger? Und der Regelbruch ist umso schöner, je mehr dem Folgen und vor allem darum wissen

Soweit unten wie möglich.“
„So weit“,
nur zusammen als Konjunktion (derart, soweit ich weiß). Im Zweifel auseinaderschreiben, denn die unbestimmte zeitl./örtl. Verwendung kommt wesentlich häufiger vor als die Konjunktion, was die Fehlerquote in der Nutzung nach unten drückt.

Der Reaktor liegt frei. Drehen sie ab!“
Ich weiß nun nicht, ob im Russischen oder Ukrainischenauch eine Höflichkeitsform gibt … Kommt nachher nochmals vor

Der größte Teil befindet sich auf dem Dach. Wir versuchen es mit einem ferngesteuerten Fahrzeug.“

nix falsch, aber in wörtl- Rede klingt „sich befinden“ arg gehoben, manchmal gar geschwollen. Warum nicht das schlichte „sein“ als Vollverb verwenden (der größte Teil ist …)?


Fuck! Und nun?
Ich bezweifel, dass 1986 schon Glasnost „herrschte“, selbst wenn der grundlegende Parteitag der KPdSU im gleich Jahr stattfand.
Aber was entsprechendes russisches oder ukrainisches weiß ich auch nicht. Warum nicht "verdammt(e scheiße!)"

„Sie und ihre Männer werden einen Tunnel graben, unter dem Reaktor. Rund um die Uhr, teilen Sie sie in drei Schichten ein. Wir müssen verhindern, dass das Grundwasser verseucht wird.“
zwo Kommas weg!

„Das letzte Ereignis, das zur Explosion führte, war ironischerweise die Betätigung der Notabschaltung.

Hm ,schwiertgste Stelle für mich - ist dies das richtige Wort an der Stelle? Wir könne spotten, beißen, höhnisch sein – zudem ist Ironie eine besondere Form von Humor – und den hat Historie und Natur überhaupt nicht (was die Natur belegt). Wie ich zugeben will, dass mir auch gerade nix besseres einfällt, klingelt es: Fatal, fatalerweise ...

Sofern man's überhaupt sagen darf: Nicht ungern gelesen vom

Friedel

* Extremtourismus: Urlaubstraum Tschernobyl

** Vince Ebert extrapoliert
 
Beitritt
23.11.2016
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Hallo @Rob F,

ich bin mir nicht sicher, welche Zielgruppe Du bei diesem Text vor Augen hast.

Für mich wirkt er auf jeden Fall wie für ein jüngeres Publikum geschrieben (Schüler?). Da könnte er vielleicht ganz gut funktionieren. Bei mir tut er das leider überhaupt nicht.

Das liegt sicherlich auch daran, dass ich in gewisser Hinsicht der falsche Adressat bin für so einen Text. Ich setze da schnell die Brille des "Wissenden" auf und stöhne ein wenig über unpräzise Wortwahl, auf die ich hier nicht näher eingehe, weil es sonst zu akademisch wird, was der Text ja gar nicht sein möchte.

Aber darin liegt für mich trotzdem auch die Crux begraben, in dem, was der Text sein möchte. Was bezweckst Du mit diesem Text? Welche Botschaft möchtest Du transportieren? Da stoße ich sozusagen in @zigga 's Horn, der ja mehr Originalität fordert in dem Sinne, dass der Text zu sehr den Allgemeinschauplatz des "Geschehenen" beleuchtet als ein individuelles Schicksal.

Ich glaube, man kann sich diesem Thema der Katastrophe auf vielen Ebenen nähern und interessante Aspekte beleuchten oder ausleuchten, aber hier wirkt das ein wenig wie eine in Sprechblasen gegossene Chronologie der Ereignisse.

Es fehlt mir also ein Zweck oder Ziel oder wenigstens eine Botschaft, oder soll es diejenige sein:

„Warum wurde für eine Notabschaltung eine solche Technik verwendet?“
„Warum? Aus dem gleichen Grund wie immer. Sie kostete weniger.“

Ich glaube, dass das übrigens falsch ist. Das ist so eine Binsenweisheit. Etwas geht nicht, ist schlecht, etc., weil es zu wenig kostet.

Man könnte das auf Literatur übertragen: Nur teure Literatur ist auch gute Literatur. Ist natürlich falsch. Gleiches gilt für Filme. Da leuchtet es unmittelbar ein, dass Geld nicht unbedingt Qualität erzeugt.

In anderen Bereichen wird leider oftmals gar nicht hinterfragt, ob Geld wirklich Qualität erzeugt.

Wie auch immer, bei Tschernobyl gibt es eine ganze Reihe von Faktoren, die zur Katastrophe geführt haben. Aber, dass es die Kosten der Notabschaltung waren, halte ich für eher unwahrscheinlich.

Hier mal ein kurzer Abschnitt aus einem Text, der auch fürs allgemeine Publikum geschrieben ist (Tschernobyl – 30 Jahre danach | pro-physik.de (pro-physik.de)):

"Um den Test fortzuführen, überbrückte das Personal aber vorsätzlich sicherheitsrelevante Einrichtungen. Fehleinschätzungen des unzureichend geschulten Personals sowie Designschwächen dieses Reaktortyps – insbesondere ein Ansteigen der Reaktorleistung bei Dampfblasenbildung und die Bauart der Abschalt- und Regelstäbe – führten zu einer sprunghaften Leistungsexkursion bis zum Sechzigfachen der Nennleistung innerhalb weniger Sekunden."

Wenn menschliche Dummheit/Unwissenheit und womöglich noch ein verdeckter Systemkrieg im Spiel ist, hilft die beste Technik nichts, egal wie viel sie kostet.

Wie auch immer, aus meiner Sicht täte es dem Text gut, wenn Du ihn für den von Dir gewählten Zweck noch stärker schärfen würdest. Hoffentlich hilft Dir mein Kommentar dabei.

Gruß Geschichtenwerker
 
Mitglied
Beitritt
09.12.2019
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485
Hi @zigga ,

danke für´s Lesen und Kommentieren!

Ich finde, du machst hier viele Dinge richtig. Ich fand den Text spannend zu lesen, sowohl auf Mikroebene der Sprache fließt das sehr gut, wie auch im Großen ist das spannend zu lesen. Gerade die kurzen, Schlagschattenartigen Absätze bringen Geschwindigkeit.
Danke! Ich hatte hierbei zunächst neben den Dialogzeilen noch das ein oder andere eher tellige Detail, aber mich hat es dann selbst gestört und im Lesefluss gebremst. So ist also diese Darstellung entstanden, ich denke, es geht auch dadurch, da der Leser ja nicht erkennen muss, wer spricht. Es soll durch die Aussagen die Situation deutlich werden und ggf., je nach Szene, ein Bild entstehen.

Was mir auch gefällt, ist, dass man die Recherche spürt, die hinter dem Text steht. Das absorbierte Baby etc., da waren gute und originelle Details, die deine Geschichte echt und glaubwürdig erscheinen lassen.
Insofern stimmt hier vieles und ich sehe den Text durchaus in einem positiven Licht.
Ich habe kürzlich die in den Quellen genannte HBO-Kurzserie Tschernobyl gesehen, sind nur fünf Folgen. Wäre auch als erfundene Geschichte schon ziemlich gruselig, aber durch den Realitätsbezug hat es nochmal eine ganz andere Wirkung.
Nach der Serie hab ich mir noch weiteres Info-Material durchgelesen und dann, bevor ich die Hälfte wieder vergesse, diesen Text geschrieben. Ging daher auch recht schnell, nachdem ich mich für eine Beschreibung durch Dialoge entschieden hatte.
Die Details sind hauptsächlich aus der Serie, die durchgehend den Eindruck macht, die Ereignisse realistisch rekonstruieren zu wollen. Also keine Effektshow im Sinne einer Mainstream-Produktion. Kann ich nur empfehlen, wenn es natürlich auch viele unschöne Szenen gibt.

Kritisches: Wenn ich die Messlatte hoch anlege, muss ich sagen, dass mir persönlich - trotz der guten Details, die ich teilweise nicht kannte - der Text zu wenig Neues bietet. Man hat den Ablauf des Unfalls, die Strahlentote usw. eben schon oft gesehen/gelesen, dieser Text tut es ein weiteres Mal. In dem Sinne, für das Thema, bräuchte die Story für mich eine Note mehr Eigenes, das sie von anderen Berichten der Art unterscheidet, eine individuelle Note, eine eigene Erzählung in der großen Rahmenerzählung Tschernobyl. Bei Literatur mit Setting Nationalsozialismus ist das ja ähnlich - Romane und Filme versuchen immer, neue Figuren und Mikrokosmen in diesem großen Rahmen zu finden.
Wenn ich bei diesem Text selbst versuche, etwas Individuelles zu finden, wäre es für am ehesten noch die Art der Darstellung insgesamt, also alles durch Dialogzeilen, ohne dass die Protagonisten bekannt werden. In diesem Sinne geht es also hauptsächlich um den Ablauf der Ereignisse und grob geschildert die Schrecken, die die Menschen erleben.
Dein Beispiel zum Thema Nationalsozialismus finde ich auf jeden Fall gut, eine Geschichte in diesem Umfeld zu finden, die so noch nicht erzählt wurde. Das liefert mein Text natürlich nicht, dafür müsste ich mir wahrscheinlich sehr viel durchlesen um eine Person oder einen Inhalt zu finden, der bisher nur am Rande erwähnt wurde.

Das Geschehen hat man öfters gehört, aber Einzelschicksale berühren einen noch mal immer anders und tiefer und bilden in so einem großen Kontext einen originellen Mikrokosmos.
Ja, da gebe ich dir auf jeden Fall Recht! Ich habe diesen Text aus meinem Interesse geschrieben, nachdem ich mir die o.g. Serie angesehen habe fand ich vor allem eins beachtlich:
Wie selbstverständlich die meisten Menschen ihre Pflicht getan haben, um eine noch schlimmere Katastrophe zu verhindern. In dem Wissen der ständigen Gefahr durch die Strahlenbelastung. Wenn auch vielen erstmal nicht klar war, was das für sie bedeuten wird.

Danke für deine Eindrücke und viele Grüße,
Rob


Hallo @Friedrichard ,

danke für deinen Kommentar!

Mal ein Text mit Realitätsbezug, ich fand es (dargestellt in der schon genannten HBO-Serie) beeindruckend, aber auch grausam ... wie viele Menschen trotz der Strahlenbelastung in der Nähe des Reaktors versucht haben, die Situation in den Griff zu bekommen.
Die meisten wurden zuvor zwar belogen, was die Gefahr angeht, dennoch haben sie die Lügen schnell durchschaut und trotzdem weitergemacht.
Es geht aus diesem Text wahrscheinlich nicht deutlich hervor, aber es gab noch weitere Reaktoren, die hätten explodieren können. Insofern war es eine schlimme Katastrophe, die vielen Menschen das Leben gekostet hat, früher oder später. Aber es wurden auch noch viel schlimmere Auswirkungen verhindert, auch unser Leben in Deutschland könnte heute, wenn das alles so stimmt, ganz anders aussehen.

Ich weiß noch, dass ich in den kalten Tagen nach dem Vorfall mir die Beine in den Bauch stand mit einer handvoll Gleichgesinnter inmitten einer Einkaufszone (keineswegs das Centro, das gab‘s noch nicht [erst seit 1996]), um vermeintlich die Freude am „Shoppen“ zu trüben – und es ist gut, dass auch die Gefahr der Energieversorgung und damit – wenn auch eher verschwiegen - vor allem unseres exzessiven Energieverbrauchs gedacht wird.
Ich erinnere mich auch noch an die Tage danach. Da war ich in der dritten Klasse und ein Lehrer versuchte uns kleinen Menschen zu erklären, was passiert ist ...

Bei der Quellenangabe „Wiki…“ stutz ich allerdings. Die Idee hinter Wikipdia ist an sich zu begrüßen, aber niemand weiß, welche Interessen dort vertreten werden und gelegentlich offenbaren sich Falschinformationen,vllt. sogar die modernen Fakes in den Artikeln. Aber dass muss hier nicht unser Thema sein.
Ja, gerade bei einem so komplexen Thema ist Wikipedia wohl mit Vorsicht zu genießen. Den Hauptteil der Informationen habe ich jedoch auch aus der genannten Serie, die sich ja zum Ziel gesetzt hat, alles möglichst so darzustellen, wie es bekannt ist. Die Gefahr und Beklemmung der Situation kommt schon deutlich rüber, ohne dass es übertrieben wirkt wie in Hollywood-Blockbustern.

Hm ,schwiertgste Stelle für mich - ist dies das richtige Wort an der Stelle? Wir könne spotten, beißen, höhnisch sein – zudem ist Ironie eine besondere Form von Humor – und den hat Historie und Natur überhaupt nicht (was die Natur belegt). Wie ich zugeben will, dass mir auch gerade nix besseres einfällt, klingelt es: Fatal, fatalerweise ...
Ja, da muss ich nochmal überlegen, ob mir ein besseres Wort einfällt als "ironischerweise". Hiermit will ich ja den Gegensatz der Wirkung darstellen - in letzter Sekunde wollen sie abbrechen und genau das ist dann der "letzte Funke".

Die Flusen sind entflust, danke auch hierbei für deine Hinweise!

Viele Grüße,
Rob


Hallo @Geschichtenwerker ,

danke für deine Eindrücke!

ich bin mir nicht sicher, welche Zielgruppe Du bei diesem Text vor Augen hast.
Ich würde die Zielgruppe weniger auf das Alter beurteilen, sondern eher diejenigen sehen, die sich dafür interessieren, was (in Grundzügen) zu der Katastrophe geführt hat und was danach alles versucht und gemacht wurde, um die Situation in den Griff zu bekommen. Also entsprechend Themeninteressierte, die die Art der Darstellung spannend finden.

Das liegt sicherlich auch daran, dass ich in gewisser Hinsicht der falsche Adressat bin für so einen Text. Ich setze da schnell die Brille des "Wissenden" auf und stöhne ein wenig über unpräzise Wortwahl, auf die ich hier nicht näher eingehe, weil es sonst zu akademisch wird, was der Text ja gar nicht sein möchte.
Wenn dir Inhalte auffallen, die nicht nur unpräzise, sondern falsch sind, wäre ich dir natürlich dankbar, wenn du sie mir nennst. Ich habe mich schon bemüht, alles entsprechend recherchiert darzulegen.
Einen akademischen Anspruch habe ich hiermit nicht, das stimmt schon. Das kann ich auch gar nicht bei meinem fehlenden Physik- und Chemiewissen ;)

Was bezweckst Du mit diesem Text? Welche Botschaft möchtest Du transportieren? Da stoße ich sozusagen in @zigga 's Horn, der ja mehr Originalität fordert in dem Sinne, dass der Text zu sehr den Allgemeinschauplatz des "Geschehenen" beleuchtet als ein individuelles Schicksal.
Hierbei ist mir nicht vollständig klar, was du meinst. Ich wollte die Ereignisse - in groben Zügen - in einer spannenden Form erzählen. Mehr eigentlich nicht ...
Vielleicht kann ich hierbei nicht ganz erklären, was ich meine - ich finde es nur eine teilweise schwer nachvollziehbare Kritik, wenn es heißt: "Der Text ist von seiner Art her so, aber nicht so."
So als hättest du z.B. einen Actionfilm erwartet, kritisierst ihn dann aber auch deswegen, weil er halt kein Actionfilm ist und auch nicht sein wollte.
Hoffe du weißt ungefähr, was ich meine ...

„Warum wurde für eine Notabschaltung eine solche Technik verwendet?“
„Warum? Aus dem gleichen Grund wie immer. Sie kostete weniger.“

Ich glaube, dass das übrigens falsch ist. Das ist so eine Binsenweisheit. Etwas geht nicht, ist schlecht, etc., weil es zu wenig kostet.
Auch hierbei verwende ich die Informationen, die ich hierzu gefunden habe. Das Thema Kosten bezieht sich nicht auf die gesamte Konstruktion des Reaktors, sondern - wenn ich es richtig verstanden habe - auf die Verwendung des Graphit bei dem Verfahren der Notabschaltung. Was kurzzeitig zu einer Erhöhung der Reaktivität führt. Grundsätzlich in einem unkritischen Ausmaß, aber als das Verfahren hier zur Anwendung kam, war der Reaktor ohnehin schon deutlich überlastet.
Es hat also schon einen detaillierten Hintergrund, worauf ich mich mit dieser Kostenaussage beziehe.

Man könnte das auf Literatur übertragen: Nur teure Literatur ist auch gute Literatur. Ist natürlich falsch. Gleiches gilt für Filme. Da leuchtet es unmittelbar ein, dass Geld nicht unbedingt Qualität erzeugt.
Wie zuvor erwähnt, als eine solche pauschale Aussage war es nicht gemeint.

Wie auch immer, bei Tschernobyl gibt es eine ganze Reihe von Faktoren, die zur Katastrophe geführt haben. Aber, dass es die Kosten der Notabschaltung waren, halte ich für eher unwahrscheinlich.
Die Gestaltung/Kosten der Notabschaltung waren nur der letzte Tropfen, der noch gefehlt hat. Ich erwähne zur genauen Entstehung nur wenige Fakten, im Detail gehörte natürlich deutlich mehr dazu.
Beispielsweise hat man diesen Test von der weniger geschulten Nachtschicht durchführen lassen. Mitarbeiter, die, während der Reaktor immer weiter erhitzte, in einem Handbuch blätterten und versuchten zu verstehen, was passiert. Und der Verantwortliche im Kontrollraum wollte unbedingt den Test abschließen und hat den Mitarbeitern Konsequenzen angedroht, wenn sie nicht weiter machen.
Es sind, wie du geschrieben hast, sehr viele Faktoren, aber ich glaube man kann zusammenfassend sagen, dass es im Schwerpunkt menschliches Versagen war, kein Versagen der Technik. Im Gegenteil, die Technik hat das alles erstaunlich lange ausgehalten.
Der Anfang war ja anscheinend eine Betriebserlaubnis, bevor alle notwendigen Tests abgeschlossen wurden. Bei dem letzten Test, um den es hier geht, ging es übrigens um eine Notstromversorgung, wenn das Kernkraftwerk/der Reaktor selbst mal keinen Strom bekommt. In dem Fall fällt u.a. die Kühlung aus und es dauert ca. eine Minute, bis die Notgeneratoren hochgefahren sind.
Also wie konnte ohne einen solchen Test eine Betriebserlaubnis erteilt werden ...? Da bin ich dann doch wieder beim Thema Kosten ;) Hängt halt alles zusammen!

Danke für deine Eindrücke und Hinweise!

Viele Grüße,
Rob
 
Zuletzt bearbeitet:
Senior
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12.04.2007
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5.893
MUss beim Laschet noch was ändern/korrgieren, darum auch noch mal kurz zu dem Problemwort "ironischerweise"

Rob,

- warum nicht stattdessen "fatal..."?

Tschüss

Friedel
 
Beitritt
23.11.2016
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525
Hallo @Rob F,

Hierbei ist mir nicht vollständig klar, was du meinst. Ich wollte die Ereignisse - in groben Zügen - in einer spannenden Form erzählen. Mehr eigentlich nicht ...

Ja, wenn das so ist, dann ist doch alles gut.

Ich glaube, das ist mir für einen Text einfach zu wenig, daher meine Kommentare, mit denen Du dann natürlich nicht so viel anfangen kannst.

Du beschränkst Dich ja eigentlich schon auf eine sehr enge Zielgruppe:

Ich würde die Zielgruppe weniger auf das Alter beurteilen, sondern eher diejenigen sehen, die sich dafür interessieren, was (in Grundzügen) zu der Katastrophe geführt hat und was danach alles versucht und gemacht wurde, um die Situation in den Griff zu bekommen. Also entsprechend Themeninteressierte, die die Art der Darstellung spannend finden.

Letztlich müssen es also Menschen sein, die sich interessieren, aber nicht zu viel darüber wissen dürfen. Interessieren tue ich mich für das Thema auch, aber sicherlich auf eine Weise, die eine Kurzgeschichte kaum bedienen kann. Denn wie Du selbst ausgeführt hast, wird die Sache sehr komplex, wenn man anfängt hineinzubohren, aber das macht es doch erst richtig spannend, wenn man auf der Faktenebene bleiben möchte.

Vielleicht kann ich hierbei nicht ganz erklären, was ich meine - ich finde es nur eine teilweise schwer nachvollziehbare Kritik, wenn es heißt: "Der Text ist von seiner Art her so, aber nicht so."
So als hättest du z.B. einen Actionfilm erwartet, kritisierst ihn dann aber auch deswegen, weil er halt kein Actionfilm ist und auch nicht sein wollte.
Hoffe du weißt ungefähr, was ich meine ...

Es geht hier gar nicht um meine Erwartungshaltung, sondern vielleicht mehr darum, wie man Texte noch besser machen kann.

Wenn Dein Ziel aber "nur" dasjenige ist, welches Du oben genannt hast, dann hast Du das ganz gut gelöst, denke ich. Für mich ist aber eine Kurzgeschichte mehr als das und ein guter Text bedient auch mehr als nur das Ziel, einen Ablauf irgendwie interessant darzustellen.

Und an der Stelle setzt meine Kritik an. Aber, wenn Du mit diesem Text kein weitergehendes Ziel verfolgt hast, dann bringt Dir meine Kritik auch nichts.

Ich habe strenggenommen sogar mal darüber nachgedacht, ob das überhaupt eine Kurzgeschichte ist. Aber das ist wieder ein anderes Thema und auch wenig zielführend.

Ich glaube, das war jetzt schon mein zweiter Kommentar unter einer Deiner Geschichten, mit dem Du nichts anfangen konntest. Naja, vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal (oder ich mache einfach einen Bogen um Deine Geschichten .. ;-) ).

Gruß
Geschichtenwerker
 
Wortkrieger-Team
Senior
Monster-WG
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16.03.2015
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Hi @Rob F

hm, ich weiß nicht, wo ich anfangen soll und ob ich überhaupt einen konstruktiven Kommentar hinbekomme.

Mir ist die genannte TV-Serie noch sehr gut in Erinnerung und gerade deshalb kommt mir dein Text so vor wie "The Best of HBO-Serie Tschernobyl".
Als hätte sich eine Schulklasse im Homeschooling die Serie anschauen müssen mit der Aufgabe, allein über die wichtigsten Dialoge die ganze Serie nachzuerzählen.
Übriggebliebene sind also nur die wichtigsten Dialoge und leider nichts anderes.
Für eine KG ist mir persönlich das zu wenig.

Was war denn deine Intention? Würde mich sehr interessieren.
Vielen Dank.

Schönen Abend und liebe Grüße,
GoMusic
 
Mitglied
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09.12.2019
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485
@Friedrichard

noch mal kurz zu dem Problemwort "ironischerweise"
- warum nicht stattdessen "fatal..."?
Hallo Friedel, so ist es nun:

Das letzte Ereignis, das zur Explosion führte, war fatalerweise die Betätigung der Notabschaltung.

Danke für den Tipp und noch nen schönen Abend!


Hi nochmal, @Geschichtenwerker !

Ich glaube, das ist mir für einen Text einfach zu wenig, daher meine Kommentare, mit denen Du dann natürlich nicht so viel anfangen kannst.
Ich würde mich grundsätzlich als Leser auch schwer damit tun, wenn ein Protagonist fehlt, für dessen Entwicklung ich mich entsprechend interessiere. Bei einer Darstellung wie hier geht es wahrscheinlich nur, wenn man sich für das Thema grundsätzlich interessiert.

Es geht hier gar nicht um meine Erwartungshaltung, sondern vielleicht mehr darum, wie man Texte noch besser machen kann.
Klar, ich freue mich auch über jeden Verbesserungsvorschlag. Es ist dann nur schwierig, wenn der Vorschlag ist, eine grundsätzlich andere Art von Text zu schreiben, aber ich kann deinen Punkt schon nachvollziehen. Grundsätzlich schreibe ich ja auch mit "normalen" Protagonisten. Hier geht es halt mal um die, leider nicht sehr erfreuliche, Entwicklung eines Kernkraftwerks ;)

Ich habe strenggenommen sogar mal darüber nachgedacht, ob das überhaupt eine Kurzgeschichte ist.
Ich hoffe das Ganze geht durch, wenn ich behaupte, dass das Kraftwerk der sich negativ entwickelnde Prota ist ...

Ich glaube, das war jetzt schon mein zweiter Kommentar unter einer Deiner Geschichten, mit dem Du nichts anfangen konntest. Naja, vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal (oder ich mache einfach einen Bogen um Deine Geschichten .. ;-) ).
Aller guten Dinge sind drei! :gelb:
Also bitte noch (mindestens) einmal versuchen!

Noch einen schönen Abend,
Rob


Hi @GoMusic ,

ich glaube, das wird nicht funktionieren ... also wenn jemand die Serie gesehen hat und dann den Text liest. Da hatte ich vorher nicht dran gedacht, aber das macht so natürlich wenig Sinn.

Mein Absicht war aber nicht, die Inhalte einer Fernsehserie nachzuerzählen - der Ursprung, auch für die Serie, sind ja die damaligen Ereignisse, soweit sie im Detail bekannt sind. Ich hätte also als Grundlage auch einen entsprechenden Artikel oder Augenzeugenberichte verwenden können.

Was war denn deine Intention? Würde mich sehr interessieren.
Zwar in einer deutlich reduzierten Version, aber ich wollte durch diese Darstellung die Ereignisse der Tschernobyl-Katastrophe spannend und informativ beschreiben. Ganz schlicht und einfach. Mir war vieles davon nicht bekannt, insofern hatte ich keine andere Absicht, als z.B. die Serie (die das Thema natürlich ausführlicher beleuchtet und auch die Personen gut darstellt).

Und bitte als Kurzgeschichte akzeptieren, ich beantrage hiermit, dass das Kernkraftwerk als degenerierender Protagonist durchgeht!

Viele Grüße,
Rob
 
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Hola @Rob F,

von mir ‚nur eine Kleinigkeit‘, aber ein großes Dankeschön für das Erstellen dieses Textes. Eine gigantisch-unfassbare Horrorgeschichte, die damals wie heute so irre ist, weil sie tatsächlich stattgefunden hat.

Da werde ich als Normalo tieftraurig, obwohl ich schreien müsste – aber was hülfe das? Wenn sich der ‚Beherrscher der Kernenergie‘ als Dilettant entpuppt, ausgebremst von seinem Steinzeitgehirn.
Doch den Idioten im weißen Mantel stehen echte Helden gegenüber.
Ich habe es damals nicht fassen können, was Menschen gaben, um noch größeres Unheil einzudämmen, oft im Wissen um ihre geringen Chancen, dort einigermaßen unversehrt herauszukommen.

Lieber Rob F, Dir ist es gelungen, das Grauen nochmals darzustellen. Das ist so heftig, dass ich gar nicht darüber nachdenke, ob mit den richtigen Mitteln, ob Details stimmen und diesen ganzen Quark.

Deutlicher sehe ich, dass Nationen ihre total sicheren Reaktoren immer schön an die Grenze zum Nachbarn platzierten; sehe, dass wir seit Tschernobyl unbeeindruckt weiterwursteln und alle Warnungen in den Wind schlagen – das Geschäft geht vor.
Gruselig.

Kompliment für Deinen Einsatz. Da stecken Arbeit und Idealismus drin!
Bin wirklich beeindruckt.
Viele Grüße!
José
 
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09.12.2019
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@josefelipe

Hallo José,

danke für dein positives Feedback bei diesem unschönen, aber immer noch aktuellen Thema!

In der genannten Serie ist unter anderem sehr gut dargestellt, wie lange die Beteiligten auch sich selbst gegenüber nicht eingestehen wollten, was passiert ist. Wie Kinder nach dem Motto:
"Ich halte mir die Augen zu, dann ist es auch nicht passiert."

Und anscheinend liegt die kontaminierte Kleidung der Feuerwehrleute noch immer im Keller des Krankenhauses ...

Trotz des Themas noch einen schönen Abend und viele Grüße,

Rob
 

CoK

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Hallo @Rob F

trauriges Thema, traurige Folgen.
Ich kenne die Serie nicht, die dich Inspiriert hat.
Durch deine Kurzgeschichte fühlte ich mich sofort wieder an den Tag erinnert als das Unglück geschah.
Mir dient deine Geschichte als Warnung.
Fehleinschätzungen, menschliches Versagen lauern überall und wir sollten alles tun um diese Gefahren zu minimieren. Wir haben damals sämtliche Stromfresser (Gefriertruhe) usw. entsorgt und unseren Stromanbieter gewechselt.
Ich bin allerdings auch beeindruckt, wie du es beschreibst mit welchem Einsatz die Feuerwehrleute es geschafft haben noch schlimmeres zu verhindern.
Erschütternd die Folgen dieser Katastrophe.

Mir hat deine Geschichte gut gefallen, ich fand sie interessant und glaubwürdig.
„Es sind einige Feuerwehrmänner eingeliefert worden, weitere sind auf dem Weg vom Kraftwerk.“
Habe ich hier etwas falsch verstanden oder müsste es nicht heißen, sind auf dem Weg zum Kraftwerk?
Liebe Grüße CoK
 
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09.12.2019
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Hallo nochmal, @GoMusic ,

noch als Ergänzung:

Der ein oder andere Satz wird dir aus der HBO-Serie bekannt vorkommen, ich hatte sie daher auch transparent als Quelle benannt.

Ich habe jedoch keinen einzigen Dialog 1:1 übernommen. Die letzten beiden Absätze kommen z.B. so in der Serie überhaupt nicht vor.

Demnach kann ich deine Einschätzung, dass ich nur Dialoge aus der Serie abgeschrieben habe, nicht nachvollziehen.

Viele Grüße,
Rob


Hallo @kathso60 ,

danke auch dir für deinen Eindruck!

Es freut, wenn du diese Darstellung interessant fandest, und da kommen natürlich Erinnerungen wieder, wie man die Zeit damals erlebt hat. Interessant auch, was du über die folgende Entsorgung von Stromfressern schreibst!

Den von dir genannten Satz habe ich angepasst, er lautet nun:

Es sind einige Feuerwehrmänner eingeliefert worden, weitere werden vom Kraftwerk hierhin gebracht.

Danke für den Hinweis und noch ein schönes Wochenende,

Rob
 
Wortkrieger-Team
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Hi Rob F,

danke für deine erneute Rückmeldung.

Ich habe jedoch keinen einzigen Dialog 1:1 übernommen.
Das habe ich so auch nie gesagt.

Demnach kann ich deine Einschätzung, dass ich nur Dialoge aus der Serie abgeschrieben habe, nicht nachvollziehen.
Siehe oben.
Gemeint war eher eine freie Nacherzählung der Dialoge.

Ich hätte mir meinen Kommentar wohl verkneifen sollen, da er keinen Mehrwert für dich hat. Wollte aber wissen, was du dir dabei gedacht hast, da ich kein Freund von puren Dialog-Texten bin. Also meinerseits alles in Ordnung.

Schönen Samstag und liebe Grüße,
GoMusic
 
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09.12.2019
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Hi @GoMusic ,

mein Eindruck zu deinem Eindruck ... kam hierdurch:

... kommt mir dein Text so vor wie "The Best of HBO-Serie Tschernobyl".
Als hätte sich eine Schulklasse im Homeschooling die Serie anschauen müssen mit der Aufgabe, allein über die wichtigsten Dialoge die ganze Serie nachzuerzählen.

Klar, es ist kein akademisches Werk, aber ich hoffe zumindest etwas mehr als das oben genannte ;)

Wie auch immer, auch dir noch einen schönen Samstag und viele Grüße,

Rob
 
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Hey @Rob F
Ich wollte die Ereignisse - in groben Zügen - in einer spannenden Form erzählen. Mehr eigentlich nicht ...
Meiner Meinung nach hast du dafür eine suboptimale Form verwendet. Auch ich hatte den Eindruck, einen in Dialoge verpackten Sachtext zu lesen. Das Problem dabei ist, dass die Leute ständig sagen, was die Gesprächspartner längst wissen oder direkt vor Augen haben: Es ist Monatsende, die Produktionsanlagen wollen ihre Ziele erreichen, der Reaktor liegt frei, wir müssen das Feuer löschen, das einzige Graphit befindet sich im Reaktor, Sie müssen das Gemisch aus der Luft abwerfen. Der drittletzte Abschnitt klingt, als werde ein Sachtext vorgelesen.
Ich hatte bei der Lektüre beinahe konstant den Eindruck, dass du nicht Menschen miteinander sprechen lässt, sondern zu den Lesern, was ein häufiges Problem bei Texten ist, die aufmerksam machen oder aufrütteln oder eben informieren wollen.
Der Text hier verlässt sich meines Erachtens zu sehr auf die Wucht des transportierten Inhalts, wohingegen ich die literarische Gestaltung und Aufarbeitung als unzureichend empfinde. Offensichtlich hast du einiges recherchiert. Das Umgiessen des Recherchematerials in einen wirklich packenden Text erscheint mir jedoch hastig ausgeführt, ein blosses Einwickeln in Dialoge macht sich die Sache selbst vor dem Hintergrund der von dir gesetzten Minimalziele zu einfach.

Lieber Gruss
Peeperkorn
 
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Hallo @Rob F, der Titel kündigt nur eine Kleinigkeit an, der Text will nicht viel mehr sein, mir persönlich ist das so zu wenig. Warum? Weil du zu sehr auf die Oberfläche baust, auf die Strahlkraft der Infos. Sicher sind das schockierende Bilder und Fakten und ja, es macht wie bei so vielem anderen Sinn, sich das immer wieder vor Augen zu führen. Abschreckende Wirkung, zweifellos, aber was kommt da noch? Was erwarte ich von einem Text, warum sollte ich den lesen und nicht die Doku anschauen, die mir die Fakten plastischer vor Augen führen kann?
Spannung ist für mich eine Kategorie von Text, die schnell verraucht, weil Aktion ohne Sinntiefe schnell reingezogen, wegkonsumiert und leider auch vergessen ist. Die Grenze zum reinen Entertainment (oder Infotainment) ist dünn. An die allermeisten Krimis kann ich mich null erinnern, lese ich auch gar nicht mehr (bis auf Ausnahmen wie Jo Nesbø). Was hängenbleibt, ist, wenn dich das Schicksal der dargestellten Figuren berührt, wenn dir der Text etwas über dich und dein Menschsein sagt und das erreichst du nicht durch eine gesichtslose Verpackung der Fakten, so spannend und erschütternd das in dem Moment auch sein mag.
Aus deinen bisherigen Texten weiß ich, dass du eine unglaubliche Fantasie hast und wirklich packend und sehr gut schreiben kannst. Ich würde dir gerne ans Herz legen, Spannung mal auszuklammern und mal den Schwerpunkt auf die Charaktere zu legen und die Handlung aus den Figuren und ihrer Logik entstehen zu lassen. Peace, ltf.
 
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Hallo @Peeperkorn und @linktofink ,

danke für eure Zeit und die Feedbacks! Ich antworte euch mal gemeinsam, da es inhaltlich in die gleiche Richtung geht.

Bei sämtlichen Hinweisen, was eine gute Geschichte ausmacht, gerade bezogen auf die Protagonisten, kann ich euch natürlich nur zustimmen. Da habt ihr als Autoren ja viel mehr Erfahrung als ich. Auch wenn ich nach euren Feedbacks die Art der Geschichte nicht grundsätzlich ändere, gehen eure Vorschläge ja nicht verloren, ich werde mit Sicherheit bei zukünftigen Texten daran denken.

Der Text liest sich wahrscheinlich recht einfach, ich musste jedoch in den kurzen Dialogszenen durch das Gesagte jeweils mehrere Informationen rüberbringen: Was passiert, wer spricht (zumindest auf der Ebene: Feuerwehrmann, Privatperson, Wissenschaftler ...), wo befinden sich die Personen, wie passt es inhaltlich und zeitlich in den Gesamtkontext ... und dabei dann noch darauf achten, dass die Dialoge nicht zu künstlich klingen. Das war halt der Versuch in dieser Darstellung, um dabei auch die o.g. Informationen unterzubringen.

Nun sind die Kommentare hierzu ja recht gemischt, ich muss also mit ein wenig Abstand mal schauen, ob ich nochmal etwas in die Richtung "die Handlung ist der Hauptakteur" versuche. Danke auf jeden Fall für eure Hinweise!

Der Text hier verlässt sich meines Erachtens zu sehr auf die Wucht des transportierten Inhalts, wohingegen ich die literarische Gestaltung und Aufarbeitung als unzureichend empfinde.
Ja, der Inhalt und die Abfolge der Ereignisse sollten hauptsächlich die Wirkung erzielen, daher habe ich auch alles drumherum weggelassen. Aber ich denke, ich weiß, was du meinst, es sind so halt hauptsächlich Fakten, es geht hierbei nicht um Einzelschicksale, an die man sich nach dem Lesen eher erinnern würde.

Ich würde dir gerne ans Herz legen, Spannung mal auszuklammern und mal den Schwerpunkt auf die Charaktere zu legen und die Handlung aus den Figuren und ihrer Logik entstehen zu lassen.
Jetzt bin ich ohnehin erstmal wieder auf Ideensuche, also mal schauen, ob ich etwas in diese Richtung finde. Danke für den Tipp!

Viele Grüße und noch ein schönes Wochenende!
Rob
 
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12.04.2007
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Nun sind die Kommentare hierzu ja recht gemischt, ich muss also mit ein wenig Abstand mal schauen, ob ich nochmal etwas in die Richtung "die Handlung ist der Hauptakteur" versuche.

Dein Beitrag mag keine Kurzgeschichte im herkömmlichen Sinne sein

lieber Rob,

(und die grundlegende Serie kenn ich nicht, ist mir auch ziemlich egal, ich fühl weniger literarisch mit – wozu sollte sonst der Kopf da sein?, zum Haareschneiden sicherlich nicht, bei mir darfstu das wörtlich nehmen, selbst wenn nächste Woche Matte und Bart gestutzt werden, der Zaharzt muss ja auch in mich reingucken können für den Stempel) - und identifizier oder weigere mich lieber in der realen Welt, sie hats nötiger, was mich schon nicht bei meinen Arbeitgebern – incl. Ausbildungsbetrieben – auf den Chefetagen sonders beliebt machte), dass ich Dein kleines Werk auf jeden Fall als sinnvolle Ergänzung ansehe zu „Schreiben for future …“ und da müssten uns „eigentlich“ die statistischen Größen zum SuperGaU erschüttern, der seit Three Miles Island bis hin zu Fukushima ja ziemlich pünktlich kommt – selbst wenn 10 bis 20 Jahre recht großzügig klingt und wir, eine andere Geschichte aus Be-Erde, auf idiotische Weise (Wattenfall lässt grüßen, auch ohne Freihandelsabkommen und damit verbundener eigener Rechtsprechung durch Konzerne) aus der Kernkraft seit Fukushima aussteigen. Nachbarn verschwinden nicht so einfach ...

Es gibt keine Insel der Glückseligen mehr und dem Amzonasindianer wird die schöne neue Welt mit Feuer und Sojaanbau nähergebracht – denn als eigentlicher Sündenfall erscheint die Sesshaftwerdung und der steigende Energieverbrauch und die Eigentumsordnung.

Lieber Rob!,

seit „Gretchen“ und der „Ballade vom Taler, der wandern muss“ versuch ich es mit Monologen (wie ja auch aktuell im Grunde genommen) und es gelingt durchaus – warum also nicht reine Dialoge wie Dein Versuch. "Kommunikation" ist nicht erst seit dem Konzept des Sprachspiels oder seit Jürgen Habermas die entscheidende Komponente in allen Handlungskonzepten.

Also nicht den Kopf hängen lassen. Du wirst Deinen Weg gehen – bin ich von überzeugt

Friedel,
der noch einen feinen 2. Advent wünscht!
 
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09.12.2019
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@Friedrichard
warum also nicht reine Dialoge wie Dein Versuch. "Kommunikation" ist nicht erst seit dem Konzept des Sprachspiels oder seit Jürgen Habermas die entscheidende Komponente in allen Handlungskonzepten.
Also nicht den Kopf hängen lassen. Du wirst Deinen Weg gehen – bin ich von überzeugt
Hallo Friedel,

vielen Dank! Wenn ich nochmal eine Idee habe für eine etwas andere Geschichtendarstellung, werde ich dem schon folgen.

Alle bisherigen Feedbacks waren ja schon sehr detailliert, vielen Dank nochmal hierzu an alle Beteiligten!

Ich finde es nur - grundsätzlich - schade, wenn im Bereich Literatur, Film oder Musik jemand mal etwas anderes versucht - und dann ein Teil der Kritik ist, dass jemand etwas anderes versucht.
Ich denke, du weißt, was ich meine ... Wird mich aber auch zukünftig nicht abhalten :gelb:

Viele Grüße!
Rob
 

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