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Schließ die Augen

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Schließ die Augen

Leonard blickte aus dem Fenster seines Wohnzimmers. Der Wind wurde stärker, trieb die grauen Wolken vom Meer aufs Festland. Ein Sturm zog auf. Er spürte es, genauso wie die bevorstehende Begegnung. Als wäre die Luft elektrisch geladen. Schon längst hätte er weiterziehen, erneut einen anderen Namen annehmen sollen. Aber es konnte auch hier stattfinden, unausweichlich, wie es war. Mit beiden Händen griff er die Räder des Rollstuhls und drehte sich weg vom Fenster.

„Sie sollten nach Hause gehen, Cora“, sagte Leonard, als sie gerade die Spülmaschine ausräumte. Der Geruch von Kaffee hing noch in der Luft. „Es wird bald ungemütlich da draußen, alles andere kann bis morgen warten.“
„Aber Ihr Abendessen …“
„Ist schon in Ordnung, heute reicht mal ein Butterbrot.“
Sie blickte ihn einige Sekunden an und zuckte mit den Schultern. „Na gut, ich räume nur noch die Maschine aus.“
Der Himmel war mittlerweile fast vollständig grau, nahm der Küche das Licht. Leonard schaltete die Deckenlampe ein. Die Helligkeit brannte in seinen Augen, ließ ihn blinzeln.
„Versprechen Sie, mich anzurufen, wenn Sie Hilfe brauchen?“, fragte Cora, als sie fertig war.
„Ich verspreche grundsätzlich nichts, das wissen Sie doch“, antwortete Leonard lächelnd.
Mit verschränkten Armen sah sie ihn an und wartete.
„Okay, vielleicht“, sagte er schließlich und zwinkerte mit einem Auge.
„Na gut, dann bis morgen.“
Sie legte ihm im Vorbeigehen eine Hand auf die Schulter und verließ die Küche. Wenig später hörte er die Haustür ins Schloss fallen.

Es dämmerte, als er die Gestalt auf sein Haus zukommen sah. Der Wind wehte den einsetzenden Regen gegen die Scheibe. Die Welt dahinter wirkte farblos, wie auch sein Besucher, kaum zu erkennen zwischen den flachen Dünen.
Leonard rollte zur Haustür, öffnete sie einen Spalt und fuhr zurück. Nur wenige Sekunden später wurde sie aufgezogen. Ein Mann trat hinein, zog eine Pistole unter dem Mantel hervor. Die grauen Haare hingen ihm tropfend ins Gesicht.
„Hallo Vincent“, sagte Leonard und blickte in den Lauf der Waffe. „Mach die Tür zu.“

„Seit wann sitzt du den ganzen Tag?“, fragte Vincent mit rauer Stimme, nachdem er die Tür mit dem Fuß zugestoßen hatte. Der salzige Geruch des Meeres umgab ihn.
„Lange genug. Autounfall“, entgegnete Leonard.
Vincent lachte. „Du warst schon immer ein beschissener Fahrer.“
Leonard zuckte mit den Schultern. „Dinge passieren.“
„Genau.“ Vincent hielt die Waffe auf ihn gerichtet und hob die andere Hand - eine schwarze Prothese. „Dann hast du einen Teil deiner Strafe ja schon bekommen.“
„Immer noch so nachtragend?“
„Immer noch so ein schlechter Gastgeber?“
Leonard fuhr weiter zurück, drehte den Rollstuhl um neunzig Grad und rollte ins Wohnzimmer. Vincent folgte ihm und hinterließ nasse Fußabdrücke.

„Was hast du anzubieten?“, fragte Vincent, nachdem er den Mantel ausgezogen und auf die Couch gelegt hatte. Er hielt die Pistole weiter in der Hand, nun auf den Boden gerichtet.
„Im Moment nicht viel.“ Leonard deutete auf eine Anrichte, auf der zwei Flaschen schottischer Whisky und einige Gläser standen.
„Du enttäuschst mich, aber zum Aufwärmen wird es reichen. Auch einen für dich?“
„Vielleicht später.“
„Da bist du aber zuversichtlich.“ Vincent legte die Waffe auf die Anrichte, den Arm mit der Prothese angelegt. Er füllte ein Glas, verschloss die Flasche und trank einen Schluck. „Gar nicht so schlecht", sagte er und sah sich um. "Schön eingerichtet für jemanden auf der Flucht. Ich hätte mit mehr Gegenwehr gerechnet. Keine Waffe?“
Leonard sah ihn einige Sekunden an. „Was willst du?“
Vincent nahm einen weiteren Zug vom Whisky, stellte das Glas ab und griff wieder die Pistole. „Kurz vor Ende deines Lebens wirst du dein eigener Zeuge. Du kennst das Spiel. Schließ die Augen.“
„Worum geht es?“
Er hob erneut die Handprothese und ging zur Couch. „Eine verlassene Lagerhalle am Rand von Danzig. Es ist der siebte Januar 1992, kurz nach 23 Uhr. Erzähl es mir, ich will es verstehen.“
Leonard hörte den Wind, der ums Haus fegte, schloss die Augen und begann:

Der Zeuge hängt kopfüber vor dir, erhellt von dem kleinen Standscheinwerfer. Ein zäher Brocken, fast achtzig Jahre alt und schweigsam wie ein Grab. Du sagst ihm, er soll die Augen schließen, aber er lacht nur und verhöhnt uns. Obwohl sein Kopf immer dunkler wird. Speichel läuft ihm aus dem Mund. Du hast ein großes Küchenmesser in der Hand, stellst ihm immer wieder die gleichen Fragen. Informationen zu Geldtransporten, die unser Auftraggeber haben wollte. Ich stehe etwa zwei Meter hinter dir, eine Schrotflinte in den Händen.“

„Sprich weiter“, sagte Vincent, als Leonard stockte.

Ich ertrage es nicht mehr. Nicht alleine die Aufträge, das Foltern und Töten. Dich. Dich ertrage ich nicht mehr. Deine Freude an der Angst und den Schmerzen anderer. Dein Lachen, die Verachtung, während ein Zeuge verblutet. Ich hätte es schon längst machen sollen.“

„Und dann? Beende es.“

Ich will dich nicht töten, dir nur deine Arbeit nehmen. Also trete ich neben dich und zerschieße deine Folterhand, als du auf das Opfer einstechen willst."

Beide schwiegen. Der Geruch des Whiskys hatte sich im Zimmer verteilt.
„Und dann bist du geflohen wie ein Feigling“, sagte Vincent schließlich. "Aber du hast dein Ziel nicht erreicht. Im Gegenteil, deinen Angriff zu überleben hat mir Flügel verliehen. Manche Opfer bekommen schon Panik, wenn sie meine Prothese sehen.“ Er richtete die Pistole auf Leonard. „Du hast Glück, ich lasse dich nicht leiden, der guten Zeiten wegen.“
„Aber zuvor bist du dran“, antwortete Leonard leise.
Vincent lachte. „Womit?“
„Auftrag Lapislazuli. Du hast mir nie erzählt, worum es dabei ging.“
„Die Sache auf Sardinien? Immer noch nicht verkraftet, dass du zu Hause bleiben musstest?“
"Sag mir den Grund. Ich habe meinen Teil erfüllt, schließ die Augen und erzähl.“
Vincent legte noch mal die Pistole weg, um vom Whisky zu trinken. „Bitte, viel ist es ohnehin nicht. Komm nicht auf dumme Ideen, ich höre jede Bewegung.“ Er tauschte das Glas wieder gegen die Waffe, lehnte sich zurück und schloss die Augen.

„Ein kleines Firmengebäude am Stadtrand von Orosei. Wir sind ... “

Leonards Smartphone klingelte, es lag auf dem Couchtisch.
Vincent öffnete die Augen und beugte sich nach vorne, sah auf das Display. „Cora wird wohl auf deinen Rückruf verzichten müssen. Deine Freundin?“
„Haushälterin.“ Leonard saß unverändert im Rollstuhl.
„Schon klar.“ Er wartete, bis das Klingeln aufhörte und schloss erneut die Augen. "Wo war ich ..."

Das Gebäude. Wir sind zu fünft. Und noch der Fahrer des Lieferwagens. Engagiert als Kammerjäger. Ich kenne noch nicht mal den Zweck der Firma. Die Tür zum Eingangsbereich steht offen, um die hübsche Lady am Empfang tut es mir am meisten leid. Mit unseren schallgedämften Pistolen laufen wir von Büro zu Büro, schon nach wenigen Minuten ist es erledigt. Habe noch nie in so kurzer Zeit so viel Kohle verdient."

„Und warum war ich nicht dabei?“

„Na, was meinst du? Weil du eine lahme Ente bist! Du machst nie etwas, ohne vorher dreimal drüber nachzudenken. Wahrscheinlich wärst du erst mal vor jedem Büro stehen geblieben und hättest die Personen gezählt. Wir konnten dich hierfür nicht gebrauchen, ganz einfach."

"Kann auch Vorteile haben, ruhig und überlegt zu handeln."

"Wohl kaum. Genug jetzt." Vincent öffnete die Augen. Leonard blickte ihn ruhig an und zielte ebenfalls mit einer kleinen Pistole auf ihn.
„Was zum …“, begann Vincent und hob seine Waffe. Sein Kopf wurde zurückgeworfen, als ihn eine Kugel in die Stirn traf. Blutend und zuckend sank er nach hinten.
Leonard blieb einige Minuten regungslos sitzen, sicherte dann die Pistole und legte sie auf seine Beine. Er rollte zur Anrichte, schenkte sich ein Glas ein und prostete seinem ehemaligen Kollegen zu. "Du hast es noch nie für nötig gehalten, jemanden zu durchsuchen." Mit geschlossenen Augen trank er den ersten Schluck.

Er wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war. Es war mittlerweile dunkel und der Wind hatte nachgelassen, als er ein Auto vorfahren hörte. Wenig später wurde die Haustür aufgeschlossen und Cora eilte ins Wohnzimmer. Als sie Vincents Leiche sah, blieb sie stehen und hielt sich die Hände vor den Mund.
Leonard seufzte. „Ach, Cora. Sie hätten nicht kommen sollen.“ Er entsicherte die Pistole.

 
Verwendete Wörter
Rollstuhl , Zeuge , Kopfüber , Flügel , Lapislazuli
Wortkrieger-Team
Monster-WG
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Hi Rob F,

das ist die Art Geschichte, die ich viel und gerne lese, die ich mag. Und das war ja anfangs gar nicht so klar für mich, dass es sich so entwickelt.

Ich konnte deine Geschichte schön in einem Rutsch durchlesen, die anhaltende Spannung trug mich. Zwei, drei Fehlerchen habe ich entdeckt, aber schnell übersprungen. Nicht wichtig für mich in dem Moment.

Mehrere Fragen kamen für mich auf, die die Spannung aufrecht hielten. Wusste der Prota von seinem Besuch, war gar der Whiskey vergiftet (er selbst trank ja keinen)? Spielt eine plötzlich auftauchende Cora eine Rolle? War das mit dem Rollstuhl ggf. Fake? (Gut, dann würde das anfangs mit Cora nicht passen.)

Wenn ich etwas zu bekritzeln hätte, dann vielleicht diese Nacherzählung der seinerzeitigen Ereignisse der beiden. Da muss man höllisch aufpassen, dass man nicht in den Superschurken-Modus verfällt. Der Gangsterboss erzählt mit der Waffe in der Hand lang und breit wie und warum er dies und das getan hat und wie er nun handeln möchte.
Hier trifft das m.E. nicht zu, und das ist gut so.

Ja, auch das Ende ist für mich logisch.

Ach, komm, ich such es doch mal eben raus: ;)

Leonard blickte aus dem Fenster seines Wohnzimmers. Der Wind wurde stärker, trieb die grauen Wolken vom Meer übers Festland.
Der Himmel war mittlerweile fast vollständig grau.
Beim ersten Mal sieht er aktiv aus dem Fenster. Check.
Wie weiß er das mit dem Grau?
Später kommt noch so ein Wetter-Ding.

Der Duft seines Nachmittagskaffees hing noch in der Luft.
Duft, Luft.
Würde ich ändern. Ggf. Aroma.

„Ich lasse mich auf ein Vielleicht ein“
Vorschlag: ein vielleicht ein

und füllte ein Glas zu fast einem Viertel.
Vorschlag: zu einem Viertel

Der Geruch des Whiskys hatte sich im Zimmer verteilt.
Erklär mir das bitte mal. Ich trinke auch ab und an mal Whisky, aber bei mir verteilt sich der Geruch nicht im Zimmer. Außer ich verschütte was beim vierten Glas :Pfeif:

Die Sache auf Sardinien? Etwas interessanteres möchtest du nicht wissen
Ich denke: etwas Interessantes

Schönen Abend noch und liebe Grüße von der vermutlich anderen Rheinseite,
GoMusic

 
Wortkrieger-Team
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Hallihallo @Rob F,

Rache ist ein Gericht, das am besten gar nicht serviert wird. Könnte nach hinten losgehen.

Auftraggeber wollte die Zielperson Tod wissen
tot
Er hielt die Pistole weiter in der Hand, aber nun auf den Boden gerichtet
Für mich war das ein kleiner Stolperstein. Ich schätze, das "aber" ist es.
Er hielt die Pistole weiter in der Hand, auf den Boden gerichtet.

Jedenfalls hat mir der kurze Text gefallen. Spannend, Dialoge kommen gut rüber und sind das Salz in der Suppe. Leonard bringt seine Arbeit zuende. Nun im Rollstuhl und wesentlich konsequenter als damals. Heute ist er also wesentlich tougher, was seiner Haushälterin nun auch zum Verhängnis wird.

Fein gemacht.
Griasle
Morphin

 

MRG

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Guten Abend @Rob F,

habe die Geschichte in einem Rutsch durchgelesen und das liest sich meiner Meinung nach sehr flüssig. Ich hatte allerdings mit dem Plot an sich meine Schwierigkeiten. Geht jemand, der auf Rache aus ist wirklich erst einmal für ein kleines Schwätzchen hinein? Und sein Wunsch, verstehen zu wollen, war für mich auch nicht ganz klar. Ich hatte eher gedacht, dass er Leonard leiden lassen will. Als er dann beim Erzählen seiner Geschichte die Auge geschlossen hat, war ich doch etwas skeptisch.

Der Wind wurde stärker, trieb die grauen Wolken vom Meer übers Festland. Ein Sturm zog auf. Er spürte es genauso wie die bevorstehende Begegnung.
Guter Einstieg, macht mich neugierig und mir gefällt, dass du mit dem Ort des Geschehens beginnst.

„Ich verspreche grundsätzlich nichts“, lächelte Leonard.
Ich mochte diesen Dialog ganz besonders, weil es so gut zu Leonard passt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Ja-Sager in seinem "Job" lange überlebt hätte.

Sie legte ihm im Vorbeigehen eine Hand auf die Schulter und verließ die Küche.
Ich habe mich gefragt, ob sie wirklich ihrem Chef, der dazu auch noch im Rollstuhl sitzt, die Hand auf die Schulter legt? Für mich bedeutet das dann, dass sich zwischen den beiden zumindest eine tiefe Freundschaft abspielt. Daher fand ich das Ende auch etwas zu brutal. Mein Vorschlag wäre, das hier rauszunehmen oder das Ende anzupassen.

Er hob erneut die Handprothese. „Eine verlassene Lagerhalle am Rand von Danzig. Es ist der siebte Januar 1992, kurz nach 23 Uhr. Erzähl es mir, ich will es verstehen.“
Sein Motiv verstehen zu wollen, muss wohl stärker sein, als sein Wunsch nach Rache. Wieso fesselt er ihn nicht erst oder quält ihn in irgendeiner Form? Mir kam es nicht ganz glaubwürdig vor, dass sich da so ein lockeres Gespräch entwickelt. Denn er ist ja gekommen, um ihn zu töten.

Im Gegenteil, deinen Angriff zu überleben hat mir Flügel verliehen.
Sehr geschickt eingebaut! Hat mit gut gefallen.

„Auftrag Lapislazuli. Du hast mir nie erzählt, worum es dabei ging.“
Das finde ich auch richtig kreativ gelöst, finde das Wort Lapislazuli nämlich gar nicht so handlich.

„Die Sache auf Sardinien? Etwas Interessanteres möchtest du nicht wissen, kurz vor deinem Tod?“
„Du hast nie darüber gesprochen. Tu mir den Gefallen, ich habe meinen Teil auch erfüllt. Schließ die Augen.“
Ist Leonard wirklich so ruhig, im Angesicht des Todes? Und würde er wirklich sein Augen schließen, obwohl er Leonard töten will? Das hat für mich nicht so gut funktioniert.
Leonard seufzte. „Ach, Cora. Sie hätten nicht kommen sollen.“ Er entsicherte die Pistole.
Und das kann er nicht mit einem Gespräch lösen? Hier muss er direkt zur Pistole greifen und seine sich liebevoll um ihn kümmernde Haushälterin umbringen?


Insgesamt finde ich es gut geschrieben. Und hoffentlich kannst du etwas mit den Punkten anfangen, die mir beim Plot aufgefallen sind.


Beste Grüße
MRG

 
Monster-WG
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Lieber @Rob F

ich habe Deine Geschichte sehr gerne gelesen. Der Text ist flüssig geschrieben, Leonard ist mir von Anfang an sympathisch (das ändert sich zunächst auch nicht, als er "böse" Dinge tut :D - nur als er es dann auf Cora absieht, da komm ich doch ein wenig ins Wanken - wobei das Ende ja offen bleibt :)), ich mag es, wie Du Spannung aufbaust und hältst. Und das Ende war für mich überraschend, was ich gut finde. Ich bin nah bei den Protagonisten, kann mir alles gut vorstellen. Tolles Kopfkino.
Die Rückblenden fand ich sprachlich ein wenig übertrieben, so hochgestochen, im Gegensatz zum Rest des Textes. Könnte ruhig derber sein. Kann mir nicht so recht vorstellen, dass die beiden im Dialog wirklich so reden. Aber das hat mir den Lesespaß nicht genommen. Die Geschichte ist kurzweilig und ich hatte Freude dabei.

Hier ein paar Anmerkungen:

Schon längst hätte er weiterziehen sollen, aber es konnte genauso gut hier stattfinden. Unausweichlich, wie es war.

Ich würde die Sätze miteinander verbinden: ... stattfinden, unausweichlich, wie es war.

Hier ist die Neugierde geweckt. :thumbsup:

Ein Mann trat hinein und zog dabei eine Pistole unter seinem Mantel hervor. Einige der nassen, grauen Haare hingen ihm tropfend ins Gesicht.

Das klingt ein wenig holprig.
Vorschlag: Ein Mann trat hinein, zog eine Pistole unter dem Mantel hervor.
"Nass" und "Tropfend" ist doppelt gemoppelt.
Vorschlag: Die grauen Haare hingen ihm tropfend ins Gesicht.

Vincent folgte ihm, nasse Fußabdrücke hinterlassend.

Kann Leonard das sehen, wenn er voran geht bzw. rollt?

Wenn Du es lässt, würd ich es aktiv machen: ... hinterließ nasse Fußabdrücke

Er hielt die Pistole weiter in der Hand, nun auf den Boden gerichtet.

Auch hier lieber aktiv: ... richtete sie nun auf den Boden

Vincent nahm einen weiteren Zug vom Whisky, stellte das Glas ab und nahm wieder die Pistole.

Vorschlag: Vincent nahm einen weiteren Zug vom Whisky, stellte das Glas ab, griff erneut zur Pistole.

Leonard hörte den Wind, der ums Haus fegte. Schloss die Augen und begann:

Würde ich verbinden.
Leonard hörte den Wind, der ums Haus fegte, schloss die Augen und begann:

Dein Lachen, die Verachtung, während ein Zeuge zu Tode blutete.

Klingt gestelzt.
Vorschlag: während ein Zeuge verblutete

Ich wollte dich nicht töten, dir nur deine Arbeit nehmen. Also ging ich neben dich, kam etwas näher. Als du die Hand mit dem Messer hobst, schoss ich sie mit der Schrotflinte zu einer blutigen Masse.“

Mit den Rückblenden hab ich ein kleines Problem. Die beiden unterhalten sich erst ganz normal und wechseln dann in diese etwas hochgestochene Frage. Hast Du Dir das selbst mal laut vorgelesen? Würden die sich wirklich so ausdrücken?

Vorschlag: "Ich wollte dich nicht töten. Mir gings darum, dich arbeitsunfähig zu machen. Also kam ich näher, stellte mich neben dich. Du hattest das Messer in der Hand, warst bereit zuzustechen. Ich konnte nicht anders, ich musste einfach abdrücken. Noch heute sehe ich deine Hand vor mir, das Loch, die blutige Masse."

„Aber du hast dein Ziel nicht erreicht. Im Gegenteil, deinen Angriff zu überleben hat mir Flügel verliehen. Manche Opfer bekamen schon Panik, wenn sie meine künstliche Hand sahen.“

Auch hier geht es hochgestochen weiter. Ich versteh auch die Vergangenheitsform nicht, denn er macht den Job ja immer noch.

Vorschlag:
"Aber du hast dein Ziel nicht erreicht, im Gegenteil. Ich lass mich nicht unterkriegen, dein Angriff hat mir Flügel verliehen. Manche Opfer bekommen schon Panik, wenn sie meine Protese sehen."

Wenig später wurde die Haustür aufgeschlossen und Cora betrat das Wohnzimmer. Sah Vincents Leiche, blieb stehen und hielt sich die Hände vor den Mund.
Leonard seufzte. „Ach, Cora. Sie hätten nicht kommen sollen.“ Er entsicherte die Pistole.

Klingt ein wenig holprig.
Vorschlag: Wenig später wurde die Haustür aufgeschlossen und Cora betrat das Wohnzimmer. Als sie Vincents Leiche sah, blieb sie stehen und hielt sich die Hände vor den Mund.

Und das Ende ist echt tragisch. Um die arme Cora tuts mir leid. Ich hab spontan gedacht, warum hat er ihr nicht ne passende Story serviert, von wegen, der Kerl wollte ihn töten, es war Notwehr. Aber es ist wie es ist und ich mag Deine Geschichte.

Ganz liebe Grüße,
Silvita

 
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Hi @GoMusic ,

danke für dein Feedback!

Ich konnte deine Geschichte schön in einem Rutsch durchlesen, die anhaltende Spannung trug mich.
Danke, das freut mich natürlich! Gerade wo es ja im Prinzip nicht viele Möglichkeiten gibt, wie es ausgehen kann.

Wenn ich etwas zu bekritzeln hätte, dann vielleicht diese Nacherzählung der seinerzeitigen Ereignisse der beiden.
Ja, ich fand es beim Schreiben auch etwas seltsam, aber sie verwenden hierbei ja die "Technik", die sie selber bei ihren Verhören angewandt haben: "Schließ die Augen und erzähl ..."
Beide lassen sich, auch der vielen gemeinsamen Jahre wegen, darauf ein. Und Leonard will Vincent damit in Sicherheit wiegen, als er zuerst die Augen schließt. Als hätte er ohnehin mit dem Leben abgeschlossen und würde nichts mehr befürchten.

Beim ersten Mal sieht er aktiv aus dem Fenster. Check.
Wie weiß er das mit dem Grau?
Ich wollte bei der zweiten Szene, in der Küche, nicht erneut das Wort Fenster benutzen. Ich habe es nun indirekt erwähnt, durch den Nebensatz:
Der Himmel war mittlerweile fast vollständig grau, nahm der Küche das Licht.

Duft, Luft.
Würde ich ändern. Ggf. Aroma.
habe es geändert

Erklär mir das bitte mal. Ich trinke auch ab und an mal Whisky, aber bei mir verteilt sich der Geruch nicht im Zimmer. Außer ich verschütte was beim vierten Glas
Oder du riechst ihn schon nicht mehr ;)
Nur Spaß ... Ich habe einfach mal, ohne genauer darüber nachzudenken, angenommen, dass es auch Whiskys gibt, die einen deutlicheren Geruch haben. Nach einer kurzen Google-Suche scheint dies auch möglich zu sein:

"Außerdem handelt es sich bei dem Geruch und Geschmack von Whisky mehr um ein Aromenspiel: süße Whiskys weisen häufig auch fruchtige und florale Noten auf und rauchige Whiskys bringen oft eine gewisse Salzigkeit mit."

Ich denke: etwas Interessantes
ist geändert

Auch deine anderen beiden Vorschläge habe ich übernommen, danke hierfür!

Viele Grüße aus dem Kölner Osten!
Rob


Hallo @Morphin ,

danke für deine Eindrücke!

Ich weiß nicht, ob die Geschichte in diese Kategorie fällt, aber ich hatte hierbei etwas an ein Kammerspiel gedacht. Es spielt ja fast alles in nur einem Raum und ist hauptsächlich ein Dialog zwischen Leonard und Vincent.

So ganz überraschend wird das Ende wohl nicht sein, es gibt ja nicht so viele Möglichkeiten, was passieren könnte ... aber auch gerade deswegen freut es micht, wenn dir diese kurze Geschichte gefallen hat!

Noch einen schönen Tag,
Rob


Hallo @MRG ,

danke fürs Lesen und Kommentieren!

Ich hatte allerdings mit dem Plot an sich meine Schwierigkeiten. Geht jemand, der auf Rache aus ist wirklich erst einmal für ein kleines Schwätzchen hinein? Und sein Wunsch, verstehen zu wollen, war für mich auch nicht ganz klar. Ich hatte eher gedacht, dass er Leonard leiden lassen will. Als er dann beim Erzählen seiner Geschichte die Auge geschlossen hat, war ich doch etwas skeptisch.
Ich hatte hierbei hauptsächlich an Vincents Neugier gedacht, Leonards Gründe für den Angriff zu verstehen. Und ihn mir gleichzeitig als arrogant vorgestellt, der Leonard, gerade als er ihn im Rollstuhl sieht, nicht mehr als sonderlich gefährlich betrachtet.
Aber es mag sein, dass ich die Handlung ein wenig von realitätsnah zu Unterhaltung geschoben habe :gelb:

Ich habe mich gefragt, ob sie wirklich ihrem Chef, der dazu auch noch im Rollstuhl sitzt, die Hand auf die Schulter legt? Für mich bedeutet das dann, dass sich zwischen den beiden zumindest eine tiefe Freundschaft abspielt. Daher fand ich das Ende auch etwas zu brutal. Mein Vorschlag wäre, das hier rauszunehmen oder das Ende anzupassen.
Ich wollte hiermit auch ausdrücken, dass sich Cora auch grundsätzlich um Leonard sorgt, auch um seine Gesundheit. An dieser Stelle sehe ich es anders, gerade dieser Gegensatz ist mir wichtig. Trotz allem ist Leonard am Ende der Profi, der keine Zeugen duldet. Nichts darf seinem weiteren Leben im Weg stehen.

Sein Motiv verstehen zu wollen, muss wohl stärker sein, als sein Wunsch nach Rache. Wieso fesselt er ihn nicht erst oder quält ihn in irgendeiner Form? Mir kam es nicht ganz glaubwürdig vor, dass sich da so ein lockeres Gespräch entwickelt. Denn er ist ja gekommen, um ihn zu töten.
Ich sehe es hiebei so, dass es Vincent keine Ruhe gelassen hätte, wenn er Leonard einfach direkt getötet hätte. Er hat ja über viele Jahre hinweg nie den Grund für den Angriff erfahren.

Im Gegenteil, deinen Angriff zu überleben hat mir Flügel verliehen.
Sehr geschickt eingebaut! Hat mit gut gefallen.
Danke, gerade bei diesem Wort musste ich doch immer wieder überlegen, wie ich es möglichst nachvollziehbar unterbringen kann.

„Auftrag Lapislazuli. Du hast mir nie erzählt, worum es dabei ging.“
Das finde ich auch richtig kreativ gelöst, finde das Wort Lapislazuli nämlich gar nicht so handlich.
Ja, ich kannte dieses Wort vor der Challenge gar nicht ... Aber diese Idee kam irgendwie schneller, vielleicht war ich trotz der aktuellen Lage in Urlaubsgedanken ... Ich war vor ca. 10 Jahren mal auf Sardinien und musste irgendwie direkt daran denken.

Ist Leonard wirklich so ruhig, im Angesicht des Todes? Und würde er wirklich sein Augen schließen, obwohl er Leonard töten will? Das hat für mich nicht so gut funktioniert.
Es kommt inhaltlich bei dieser kurzen Geschichte vielleicht nicht so deutlich hevor, bezogen auf die Vergangenheit der beiden, die Gemeinsamen Aufträge. In der ersten Rückblendenerzählung von Leonard erwähnt er, dass Vincent zu dem Opfer sagt, es solle die Augen schließen und erzählen. Es war demnach ihre Verhörmethode bzw. Aufforderung, nach immer weiteren Folterungen, zu "erzählen".
Nun wenden Leonard und Vincent es auf sich selbst an, bzw. machen mit, vielleicht auch ein wenig "der alten Zeiten" wegen.
Bei der ersten Erzählung schließt Leonard die Augen, um Vincent in Sicherheit zu wiegen.

Und das kann er nicht mit einem Gespräch lösen? Hier muss er direkt zur Pistole greifen und seine sich liebevoll um ihn kümmernde Haushälterin umbringen?
Nein, Leonard leider nicht ... keine Zeugen!

Danke fürs Aufmerksame Lesen und deine Zeit!

Viele Grüße,
Rob

 
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10.09.2016
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Hey @Rob F

Suspense ist auf jeden Fall richtig getaggt :D Die Idee mit dem Spiel finde ich originell. Und die Geschichte funktioniert als suspense-Story für mich auch grundsätzlich. Ein paar Fragen, Vorschläge, Rückmeldungen:

Er spürte es, genauso wie die bevorstehende Begegnung

das holpert. Das würde ich zwei grammatikalisch differente, kurze Sätze draus machen.

Schon längst hätte er weiterziehen sollen, aber es konnte genauso gut hier stattfinden. Unausweichlich, wie es war. Mit beiden Händen griff er die Räder des Rollstuhls und drehte sich weg vom Fenster.

Jetzt im Nachhinein denke ich, das reicht mir als Anspielung nicht um Lunte zu riechen und wirklich gespannt zu werden, wie es der Verlauf der Story hergegeben hätte. Ich glaube, dass liegt daran, dass weiterziehen und unausweichlich so poetisch klingt (weil wenig konkret). Ich dachte, es wäre eher so lebensphilosophisch. Eine Möglichkeit wäre, ihn darüber nachsinnen zu lassen, das er nicht längst unter einem anderen Namen in eine andere Stadt gegangen ist. Dann läuft der Film bei mir ab.

Das Aroma seines Nachmittagskaffees hing noch in der Luft.

Finde das zu technisch. Einfacher. Der Geruch von Kaffe hing in der Luft.
Das mit dem Nachmittagskaffee ist etwas offensichtlich. Das wird auch durchs Licht klar und dadurch, dass die Bedienstete Feierabend hat.

Die Helligkeit brannte in seinen alten Augen, ließ ihn blinzeln.

Zu viel des Guten, finde ich. Wieder eine Konstruktion, um das Alter anzudeuten. Das könntest du auch in einem kleinen Scherz im Gespräch mit der Bediensteten unterbringen.
"Ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste ..." "Na hören sie mal, ich bin vielleicht alt, aber nicht ..." etc.

fragte Cora, als sie die Spülmaschine schloss.

Die Spülmaschine kommt zu oft. Hier würde ich sie rausnehmen

„Ich verspreche grundsätzlich nichts“, lächelte Leonard.

vielleicht noch mit dem schönen Nebensatz "das Wissen sie doch".
Und lächeln statt sagen ist so eine Sache. Eine Möglichkeit wäre, einen Punkt zu setzen und dann weiter mit: Leonard lächelte oder meinetwegen ...setzte ein Lächeln auf.

„Ich lasse mich auf vielleicht ein“

auf ein Vielleicht

Er spürte es, genauso wie die bevorstehende Begegnung. Schon längst hätte er weiterziehen sollen, aber es konnte genauso gut hier stattfinden.
Genauso wie der Mantel seines baldigen Besuchers, kaum zu erkennen zwischen den flachen Dünen.

Da könnte man was machen.

„Seit wann sitzt du den ganzen Tag?“, fragte Vincent mit rauer Stimme

Der Satz hat mich verwirrt, weil zwei Hinweise auf Zeitliches drinstecken (wann, den ganzen Tag).
"Seit wann sitzt du im Rollstuhl" ist hier völlig in Ordnung, finde ich.

„Genau.“ Vincent zielte weiter auf ihn und hob die andere Hand. Eine schwarze Prothese.

das markierte finde ich noch nicht wirklich elegant. Wie wäre es mit "hielt den Lauf (eventuell spezifizieren) auf ihn gerichtet"

zu Tode blutete

verblutete

Vincent legte nochmal die Pistole weg, um vom Whisky zu trinken. „Bitte, viel ist es ohnehin nicht. Komm nicht auf dumme Ideen, ich höre jede Bewegung.“ Er tauschte das Glas wieder gegen die Waffe, lehnte sich zurück und schloss die Augen.

Najaaaaa, der Typische James Bond. Der Schurke legt nochmal gaaaanz kurz die Waffe weg. Hätte er das mal nicht gemacht. Aber ja, für suspense okay, finde ich.

als ihn eine Kugel in die Stirn traf. Blutend und zuckend sank er zur Seite.

Das stimmt für mein Empfinden von der Physik noch nicht. Gefühl müsste die Kugel seinen Kopf mit sich ziehen, ihn mindestens nach hinten über kippen lassen.

So viel von mir.
Gruß
Carlo

 

CoK

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24.08.2020
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Hallo @Rob F

Schöne Ganovengeschichte fand ich toll.
Er war mir so sympathisch, dein Prot und dann der Schluß … „schluchz"


Der Zeuge hängt kopfüber vor dir, erhellt von dem kleinen Standscheinwerfer. Ein zäher Brocken, fast achtzig Jahre alt und schweigsam wie ein Grab. Du sagst ihm, er solle die Augen schließen, aber er lacht nur und verhöhnt uns. Obwohl sein Kopf immer dunkler wird. Speichel läuft ihm aus dem Mund. Du hast ein großes Küchenmesser in der Hand, stellst ihm immer wieder die gleichen Fragen. Informationen zu Geldtransporten, die unser Auftraggeber haben wollte. Ich stand etwa zwei Meter hinter dir, eine Schrotflinte in den Händen.“
Das glaube ich nicht.
Man teilt Erinnerungen, um sich an dem gemeinsam Erlebten zu erfreuen oder auch um gemeinsam zu trauern.
Aber vielleicht geht es ja auch nur mir so.

Ich habe deine Geschichte auf jeden Fall gerne gelesen.
Wünsche dir einen schönen Abend
Lieber Gruß
CoK

 
Wortkrieger-Team
Monster-WG
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16.03.2015
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Hi Rob,

schön, dass du einiges gebrauchen konntest.

Erklär mir das bitte mal. Ich trinke auch ab und an mal Whisky, aber bei mir verteilt sich der Geruch nicht im Zimmer. Außer ich verschütte was beim vierten Glas
Oder du riechst ihn schon nicht mehr ;)
Nur Spaß ... Ich habe einfach mal, ohne genauer darüber nachzudenken, angenommen, dass es auch Whiskys gibt, die einen deutlicheren Geruch haben. Nach einer kurzen Google-Suche scheint dies auch möglich zu sein:
Ehrlich gesagt reicht mir ein Whisky (Ich bin eher ein Freund der Grünen Fee). Gibt tatsächlich Whiskys, die stark riechen. Nicht nur die mit Honig.
Dein Googleergebnis sagt nichts darüber, dass das ganze Zimmer nach Whisky riechen kann. Bei Kaffee oder Waffeln bin ich bei dir. 😁
So, genug herumgealbert. 😎


Viele Grüße aus dem Kölner Osten!
Ah, dann doch die gleiche Seite des Rheins.

Die Überarbeitung ist gut.

Viele Grüße,
GoMusic

 
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09.12.2019
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Hallo @Silvita ,

danke für dein ausführliches Feedback!

Leonard ist mir von Anfang an sympathisch (das ändert sich zunächst auch nicht, als er "böse" Dinge tut :D - nur als er es dann auf Cora absieht, da komm ich doch ein wenig ins Wanken - wobei das Ende ja offen bleibt :)
Das passt m.E. auch zu seiner grundsätzlichen Art - aber wenn es sein muss, ist er halt doch der eiskalkte Killer.
Aber du hast recht, was er genau macht, als er am Ende die Waffe entsichert, bleibt ja dem Leser überlassen! ;)

ich mag es, wie Du Spannung aufbaust und hältst. Und das Ende war für mich überraschend, was ich gut finde. Ich bin nah bei den Protagonisten, kann mir alles gut vorstellen. Tolles Kopfkino.
Danke, das freut mich sehr! Neben hoffentlich passenden Dialogen sollte es schon ab dem ersten Absatz spannend werden, gerade bei dieser eher kurzen Geschichte.

Die Rückblenden fand ich sprachlich ein wenig übertrieben, so hochgestochen, im Gegensatz zum Rest des Textes. Könnte ruhig derber sein. Kann mir nicht so recht vorstellen, dass die beiden im Dialog wirklich so reden.
Ja, die Art und Weise, wie sie nach dem "Schließ die Augen" über vergangenen Momente sprechen, ist der hauptsächliche Inhalt, über den ich im Moment nachdenke.
Ich stelle es mir im Moment so vor, dass sie jeweils selbst überlegen müssen, wie alles im Detail abgelaufen ist und es auch deswegen so erzählen, als wäre der jeweils andere gar nicht dabei gewesen.
Da muss ich nochmal schauen, ist ja noch ein wenig Zeit, bis die Challenge endet, danke schon mal für den Hinweis!

Ich würde die Sätze miteinander verbinden: ... stattfinden, unausweichlich, wie es war.
habe ich berücksichtigt

Das klingt ein wenig holprig.
Vorschlag: Ein Mann trat hinein, zog eine Pistole unter dem Mantel hervor.
"Nass" und "Tropfend" ist doppelt gemoppelt.
Vorschlag: Die grauen Haare hingen ihm tropfend ins Gesicht.
Deine Vorschläge machen diese Textstelle etwas schneller, habe es entsprechend übernommen.

Wenn Du es lässt, würd ich es aktiv machen: ... hinterließ nasse Fußabdrücke
Das stimmt, für eine passive Formulierung gibt es keinen Grund, ist auch geändert.

Auch hier lieber aktiv: ... richtete sie nun auf den Boden
An dieser Stelle werde ich es mal so lassen, es soll auch zeigen, dass er selbst im Moment nicht so richtig auf die Waffe achtet. Sie also nicht bewusst/aktiv auf den Boden richtet, sondern eher nachlässig ist in diesem Moment.

Ich versteh auch die Vergangenheitsform nicht, denn er macht den Job ja immer noch.
Ja, hier war die Zeit falsch, habe es korrigiert.

Klingt ein wenig holprig.
Vorschlag: Wenig später wurde die Haustür aufgeschlossen und Cora betrat das Wohnzimmer. Als sie Vincents Leiche sah, blieb sie stehen und hielt sich die Hände vor den Mund.
Auch das habe ich übernommen, genauso wie andere deiner Vorschläge, die ich nicht im Detail erwähnt habe.

Und das Ende ist echt tragisch. Um die arme Cora tuts mir leid. Ich hab spontan gedacht, warum hat er ihr nicht ne passende Story serviert, von wegen, der Kerl wollte ihn töten, es war Notwehr. Aber es ist wie es ist und ich mag Deine Geschichte.
Es war mir etwas zu wenig, wenn zum Ende hin "nur" Vincent von Leonard erschossen wird. Also habe ich dieses tragische Ereignis noch ergänzt, aber ich glaube, auch mir als Leser würde die Geschichte so eher in Erinnerung bleiben.

Danke für deine Mühe und viele Grüße!
Rob


Hi @Carlo Zwei ,

danke für den Kommentar!

Suspense ist auf jeden Fall richtig getaggt :D Die Idee mit dem Spiel finde ich originell. Und die Geschichte funktioniert als suspense-Story für mich auch grundsätzlich.
Danke, das freut und beruhigt mich. Ich hatte ein wenig Feedbacks befürchtet in die Richtung "vorhersehbar" ...

Jetzt im Nachhinein denke ich, das reicht mir als Anspielung nicht um Lunte zu riechen und wirklich gespannt zu werden, wie es der Verlauf der Story hergegeben hätte. Ich glaube, dass liegt daran, dass weiterziehen und unausweichlich so poetisch klingt (weil wenig konkret). Ich dachte, es wäre eher so lebensphilosophisch. Eine Möglichkeit wäre, ihn darüber nachsinnen zu lassen, das er nicht längst unter einem anderen Namen in eine andere Stadt gegangen ist. Dann läuft der Film bei mir ab.
Ich dachte, es kommt durch die vorherige Erwähnung einer bevorstehenden Begegnung schon ansatzweise durch, dass er vor jemandem auf der Flucht ist. Ich versuche auch hierbei, den richtigen Mittelweg zu finden zwischen Informationen und geben und manches offenzulassen, wenn auch hier nur zu Beginn.
Aber ich finde deinen Vorschlag gut, zu erwähnen, dass er auch regelmäßig seinen Namen ändert, ich habe diesen Inhalt also entsprechend ergänzt im ersten Absatz.

Finde das zu technisch. Einfacher. Der Geruch von Kaffe hing in der Luft.
Das mit dem Nachmittagskaffee ist etwas offensichtlich. Das wird auch durchs Licht klar und dadurch, dass die Bedienstete Feierabend hat.
habe deinen Vorschlag übernommen

Die Helligkeit brannte in seinen alten Augen, ließ ihn blinzeln.
Zu viel des Guten, finde ich. Wieder eine Konstruktion, um das Alter anzudeuten. Das könntest du auch in einem kleinen Scherz im Gespräch mit der Bediensteten unterbringen.
"Ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste ..." "Na hören sie mal, ich bin vielleicht alt, aber nicht ..." etc.
Ich muss mal sehen, ob ich ein wenig mehr Info zu Leonard noch in den Dialog übernehme. Auch hier kann es schnell gekünstelt wirken. Ich habe zunächst mal das Wort "alten" entfernt, so überlasse ich die Deutung mehr dem Leser, auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist.


... fragte Cora, als sie die Spülmaschine schloss.
Die Spülmaschine kommt zu oft. Hier würde ich sie rausnehmen
Ich habe den Satzabschluss geändert durch: "..., als sie fertig war."

vielleicht noch mit dem schönen Nebensatz "das Wissen sie doch".
Und lächeln statt sagen ist so eine Sache. Eine Möglichkeit wäre, einen Punkt zu setzen und dann weiter mit: Leonard lächelte oder meinetwegen ...setzte ein Lächeln auf.
Ich habe den Nebensatz noch ergänzt, die Formulierung "lächelte er" lasse ich erstmal so, ich finde, es liest sich so kurz und passend.

Da könnte man was machen.
Habe ich, nun zweimal weniger "genauso".

Das stimmt für mein Empfinden von der Physik noch nicht. Gefühl müsste die Kugel seinen Kopf mit sich ziehen, ihn mindestens nach hinten über kippen lassen.
Ich habe die Stelle angepasst, nun sinkt er nach hinten.

Ich habe entsprechend deiner Vorschläge noch andere Stellen angepasst, danke für die Vorschläge! Werde demnächst mal auf einen Gegenbesuch bei deinem Challengetext vorbeischauen.

Viele Grüße,
Rob


Hallo @CoK ,

freut mich, dass du die Geschichte gelesen hast, danke für den Kommentar!

Er war mir so sympathisch, dein Prot und dann der Schluß … „schluchz"
Da habe ich ja schon fast ein schlechtes Gewissen ... aber ich befürchte, es ist nun Teil der Geschichte. ;)

Das glaube ich nicht.
Man teilt Erinnerungen, um sich an dem gemeinsam Erlebten zu erfreuen oder auch um gemeinsam zu trauern.
Aber vielleicht geht es ja auch nur mir so.
Kann ich schon nachvollziehen, die Art und Weise, wie sie die Vergangenheit wiederholen, werde ich nochmal überdenken. Siehe hierzu auch meine Antwort an @Silvita

Ich habe deine Geschichte auf jeden Fall gerne gelesen.
Vielen Dank!

Und auch dir noch einen schönen Abend!
Rob

 
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Monster-WG
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Moin @Rob F ,
die Anzahl der Challenge-Beiträge wächst, da muss man schauen hinterher zukommen. Und mich zieht "Spannung" im Moment magisch an. Da habe ich offensichtlich Nachholbedarf. Lass mal schauen.

Schließ die Augen
Der Titel passt prima. Macht neugierig und erklärt sich im Nachhinein gut aus der Story.

Leonard blickte aus dem Fenster seines Wohnzimmers. Der Wind wurde stärker, trieb die grauen Wolken vom Meer übers Festland. Ein Sturm zog auf.
Dafür finde ich die ersten Sätze echt mau. Wetter? Da hast Du doch tolles Potential, aber trotz aufziehendem Sturm klingt das so brav. Lass sich Wolkenberge türmen, Gischt spritzen und bedrohliche Wolken heranpeitschen.

Er spürte es, genauso wie die bevorstehende Begegnung.
Wetterfühligkeit ist klar, bzw hier ja gar nicht mehr nötig. Aber er spürt, das heute "der" Tag ist?
Gibt es sowas?

Schon längst hätte er weiterziehen, erneut einen anderen Namen annehmen sollen. Aber es konnte auch hier stattfinden, unausweichlich, wie es war.
Ah! Hier erfolgt der Spannungsaufbau. Das passt zu einem anderen guten Tipp, den ich schon erhalten habe.

„Ich verspreche grundsätzlich nichts, das wissen Sie doch“, lächelte Leonard.
Mit verschränkten Armen sah sie ihn an und wartete.
„Ich lasse mich auf ein Vielleicht ein“, sagte er schließlich und zwinkerte mit einem Auge.
„Na gut, das muss reichen. Dann bis morgen.“
Die Dialoge sind Dir meiner Meinung nach super gelungen. Ich habe sofort ein Bild des Verhältnisses der Personen zueinander. Und ein bisschen Schmunzelpotential haben sie auch, schöne Kombi.

Es dämmerte, als er die Gestalt auf sein Haus zukommen sah. Der Wind wehte Regen gegen die Scheibe. Die Welt dahinter war grau, farblos.
Ich persönlich würde es dramatischer gestalten, daher hatte ich es rauszitiert. Andererseits lenkst Du dann natürlich von der Handlung ab. Bin gerade unentschlossen, nimm es nur als Eindruck.

„Hallo Vincent“, sagte Leonard und blickte in den Lauf der Waffe. „Mach die Tür zu.“
Herrlich cool, kauf ich aber.

„Seit wann sitzt du den ganzen Tag?“, fragte Vincent mit rauer Stimme, nachdem er die Tür mit dem Fuß zugestoßen hatte. Der salzige Geruch des Meeres lag in der Luft.
Sagt auch viel aus. Kein Mitleid, harter Typ, keine Rücksicht, ... Beim letzten Satz viel mir spontan ein "Er brachte den salzigen Geruch des Meere ins Haus." oder ähnlich

„Dann hast du einen Teil deiner Strafe ja schon bekommen.“
„Immer noch so nachtragend?“
„Immer noch so ein schlechter Gastgeber?“
:D
„Du enttäuscht mich, aber zum Aufwärmen wird es reichen. Auch eins für dich?“
„Vielleicht später.“
„Da bist du aber zuversichtlich.“
:Pfeif:
„Kurz vor Ende deines Lebens wirst du selbst zum Zeugen. Du kennst das Spiel. Schließ die Augen.“
Okay, das Wort "Zeuge" brauchst Du, aber im Ernst, ist das die richtige Bezeichnung. Also in der Ausgangssituation geht es ja um ein Verhör, der Typ am Strick ist ja kein Unfallzeuge oder ähnliches. Hier finde ich den Einbau des Wortes nicht glücklich.

Ich wollte dich nicht töten, dir nur deine Arbeit nehmen. Also ging ich neben dich, kam etwas näher.
trat eventuell?

Er tauschte das Glas wieder gegen die Waffe, lehnte sich zurück und schloss die Augen.
Warum muss der soviel hin und her tauschen, rechts die Waffe, links das Glas? Eigentlich steht er aber, oder?

Und ich behielt meine Verschwiegenheit, auch dir gegenüber.
Den Satz verstehe ich inhaltlich nicht, was soll "seine Verschwiegenheit" im Sinn von Eigenschaft sein. Ich behielt meine Kraft, mein Geld, meine Zukunft ... Vielleicht habe ich es aber auch einfach noch nie gehört ...

Wenig später wurde die Haustür aufgeschlossen und Cora betrat das Wohnzimmer. Als sie Vincents Leiche sah, blieb sie stehen und hielt sich die Hände vor den Mund.
Leonard seufzte. „Ach, Cora. Sie hätten nicht kommen sollen.“ Er entsicherte die Pistole.
Das Ende ist von der Idee her super (okay, ich bin böse). Aber es ist einfach passend zu dem Charakteren, wie Du sie dargestellt hast. Persönlich würde ich Coras Auftritt etwas hektischer, etwas dramatischer gestalten und dann Leonard ganz ruhig, wie Du es machst.

Aber das war alles Kleinkram. Eine wirklich gute Kurzgeschichte, die auch hinter dem Text noch viel Spielraum für die Beteiligten lässt. Habe ich wirklich gerne gelesen.
Wünsche einen guten Tag
witch

 
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Hallo @Rob F

danke für dein ausführliches Feedback!

Gern geschehen.

Das passt m.E. auch zu seiner grundsätzlichen Art - aber wenn es sein muss, ist er halt doch der eiskalkte Killer.
Aber du hast recht, was er genau macht, als er am Ende die Waffe entsichert, bleibt ja dem Leser überlassen!

Das hast Du auf jeden Fall sehr gut rübergebracht.
Ja, da sind wir ganz einer Meinung - und ich finde das super.

Danke, das freut mich sehr! Neben hoffentlich passenden Dialogen sollte es schon ab dem ersten Absatz spannend werden, gerade bei dieser eher kurzen Geschichte.

Das ist schön.
Ich finde, das ist Dir sehr gut gelungen.

a, die Art und Weise, wie sie nach dem "Schließ die Augen" über vergangenen Momente sprechen, ist der hauptsächliche Inhalt, über den ich im Moment nachdenke.
Ich stelle es mir im Moment so vor, dass sie jeweils selbst überlegen müssen, wie alles im Detail abgelaufen ist und es auch deswegen so erzählen, als wäre der jeweils andere gar nicht dabei gewesen.
Da muss ich nochmal schauen, ist ja noch ein wenig Zeit, bis die Challenge endet, danke schon mal für den Hinweis!

Okay und ich bin gespannt. Kannst mich gerne anstupsen, wenn Du fertig bist. Würde das dann gerne lesen.

An dieser Stelle werde ich es mal so lassen, es soll auch zeigen, dass er selbst im Moment nicht so richtig auf die Waffe achtet. Sie also nicht bewusst/aktiv auf den Boden richtet, sondern eher nachlässig ist in diesem Moment.

Okay. Klar, dann passt das so.

Auch das habe ich übernommen, genauso wie andere deiner Vorschläge, die ich nicht im Detail erwähnt habe.

Schön. Ich freu mich, dass ein paar passende Vorschläge dabei waren.

s war mir etwas zu wenig, wenn zum Ende hin "nur" Vincent von Leonard erschossen wird. Also habe ich dieses tragische Ereignis noch ergänzt, aber ich glaube, auch mir als Leser würde die Geschichte so eher in Erinnerung bleiben.

Das stimmt. Das Ende ist auf jeden Fall tragisch und bleibt in Erinnerung.

Ganz liebe Grüße und einen schönen Tag,
Silvita

 
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Hallo @Rob F,

die Geschichte hat mich gut unterhalten, ist kurzweilig und du hast echt humorvolle Dialoge drin. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann noch mehr Dialoge und diese Wetterbeschreibungen rausnehmen oder zumindest arg kürzen. Das hat man schon so häufig gelesen und ist m.E. wenig originell.

Er spürte es, genauso wie die bevorstehende Begegnung.

Hier würde ich konkreter beschreiben, wo genau im Körper spürt er es?

Schon längst hätte er weiterziehen, erneut einen anderen Namen annehmen sollen.
das ist gut, das macht neugierig.

Ein Sturm zog auf. Er spürte es, genauso wie die bevorstehende Begegnung. Schon längst hätte er weiterziehen, erneut einen anderen Namen annehmen sollen. Aber es konnte auch hier stattfinden, unausweichlich, wie es war.

Zwei Mal "wie" kurz hintereinander. Vorschlag: Nach "stattfinden" einen Punkt. Und dann weiter Es war unausweichlich oder irgendwie so ...

Die Welt dahinter war grau, farblos.

Ich bin gerade nicht sicher, ob das stimmt, was ich denke, aber ich schreibe es trotzdem auf. Frablos und grau passen für mich nicht zueinander.

„Vielleicht später.“
„Da bist du aber zuversichtlich.“

Herrlich deine Dialoge. Den nur mal kurz stellvertretend als Beispiel ...

Vincent legte den Revolver auf die Anrichte und füllte ein Glas zu einem Viertel.

ImO hört sich das ungeschmeidig an.

Viele Grüße
Aurelia

 
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Hey Rob F,

ich stimme mit ein: schöner Spannungsbogen, angenehm reduzierte Figurenanzahl, geschmeidig eingebaute Challenge-Wörter. Das Beste ist für mich der Schluss - Leonard bleibt, was er ist und wird nicht zum Saubermann. Was man zunächst fast glauben könnte, schäkert er doch so handzahm mit der sich sorgenden Cora. :thumbsup:


Kleinzeug auf dem Weg:

„Du enttäuscht mich, aber zum Aufwärmen
enttäuschst

„Wo war ich … die Zielperson.
Ich würde ein Fragezeichen vor die Auslassungszeichen setzen.

„Natürlich hat mich niemand mit dem Mord in Verbindung gebracht, sonst wäre ich jetzt kaum hier. Und warum fragst du …“
Du setzt Rückblicke kursiv, was für mich in der Erzählung gut funktioniert. Nur hier passt es mMn nicht, weil es Teil des Jetztzeit-Dialog ist.

Ach, und wenn mein Mann ab und an 2 Finger breit Whisky[Laphroaig] trinkt (keine 4 Gläser ;) ), riecht das Wohnzimmer noch am nächsten Tag nach Brennerei, warum anschließend immer gelüftet wird. :lol:

Viele Grüße
wegen

 
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Hallo @greenwitch ,

danke für deinen Besuch bei Leonard!

Dafür finde ich die ersten Sätze echt mau. Wetter? Da hast Du doch tolles Potential, aber trotz aufziehendem Sturm klingt das so brav. Lass sich Wolkenberge türmen, Gischt spritzen und bedrohliche Wolken heranpeitschen.
Ich wollte durch das graue, regnerische Wetter, den aufziehenden Sturm ... der Handlung nur ergänzend eine entsprechende Atmosphäre geben, mehr eigentlich nicht.
So anschaulich und lebhaft ich deine Beispiele auch finde, ist es ja eine eher ruhige Geschichte, hauptsächlich der Dialog zwischen Leonard und Vincent. Da passt es so wie bisher m.E. schon ganz gut. Vielleicht reduziere ich die Wetterbeschreibungen noch ein wenig.

Wetterfühligkeit ist klar, bzw hier ja gar nicht mehr nötig. Aber er spürt, das heute "der" Tag ist?
Gibt es sowas?
Nicht unbedingt, dass genau heute der Tag ist, aber es gibt m.E. schon so etwas wie ein Gefühl, dass sich etwas anbahnt. Gerade wenn wie hier es eine Begegnung ist, die Leonard schon seit langer Zeit fürchtet. Ich erwähne danach ja noch, dass er seiner Meinung nach schon längst hätte weiterziehen sollen, also auch deswegen rechnet er immer mehr mit Vincents Erscheinen.

Ah! Hier erfolgt der Spannungsaufbau. Das passt zu einem anderen guten Tipp, den ich schon erhalten habe.
So war es gedacht, die Leser sollen ja trotz langweiliger Wetterinfos nicht flüchten :gelb:

Die Dialoge sind Dir meiner Meinung nach super gelungen. Ich habe sofort ein Bild des Verhältnisses der Personen zueinander. Und ein bisschen Schmunzelpotential haben sie auch, schöne Kombi.
Danke! Es fällt mir grundsätzlich leichter, Dialoge zu schreiben, wenn sie nicht ganz so ernst sind. Sich die Protagonisten gegenseitig immer mal ein wenig hochnehmen.

Ich persönlich würde es dramatischer gestalten, daher hatte ich es rauszitiert. Andererseits lenkst Du dann natürlich von der Handlung ab. Bin gerade unentschlossen, nimm es nur als Eindruck.
Ich stelle mir Leonard ein wenig wie Patrick Stewart vor, falls du den Schauspieler kennst. Also ein eher ruhiger und überlegt handelnder Mensch, daher auch hier diese eher nüchterne Beschreibung, als er Vincent kommen sieht.

Herrlich cool, kauf ich aber.
Dementsprechend auch diese Stelle, er lässt sich (zumindest nach außen hin) nicht verunsichern. Und er hat ja einen Plan ...

Sagt auch viel aus. Kein Mitleid, harter Typ, keine Rücksicht, ... Beim letzten Satz viel mir spontan ein "Er brachte den salzigen Geruch des Meere ins Haus." oder ähnlich
Guter Hinweis, ich habe den Satz angepasst in:
"Der salzige Geruch des Meeres umgab ihn."

Okay, das Wort "Zeuge" brauchst Du, aber im Ernst, ist das die richtige Bezeichnung. Also in der Ausgangssituation geht es ja um ein Verhör, der Typ am Strick ist ja kein Unfallzeuge oder ähnliches. Hier finde ich den Einbau des Wortes nicht glücklich.
Ja, auch hier gebe ich dir Recht, so passt es nicht ganz. Ich habe den Satz mal wie folgt geändert, kann aber sein, dass ich ihn nochmal anpasse, wenn mir etwas besseres einfällt:
"Kurz vor Ende deines Lebens wirst du dein eigener Zeuge."

trat eventuell?
ist geändert

Warum muss der soviel hin und her tauschen, rechts die Waffe, links das Glas? Eigentlich steht er aber, oder?
Er hat doch nur eine Hand ... also muss er immer tauschen zwischen Waffe und Glas. Es ist nur ein Detail, sollte aber der Szene auch etwas Situationskomik geben.
Und auch hier ein guter Hinweis, ich hatte ja bisher gar nicht erwähnt, wann Vincent zur Couch geht. Ist nun aber vorhanden, gut aufgepasst!

Den Satz verstehe ich inhaltlich nicht, was soll "seine Verschwiegenheit" im Sinn von Eigenschaft sein. Ich behielt meine Kraft, mein Geld, meine Zukunft ... Vielleicht habe ich es aber auch einfach noch nie gehört
Ich fand das Wort beim Schreiben passend, aber nun hast du mich verunsichert und ich habe es mal gegoogelt. Scheint aber so schon verwendbar zu sein:

"Verschwiegenheit umschreibt – weiter gefasst – die Fähigkeit und Fertigkeit, Vertraulichkeit beispielsweise von Wort und Schrift zu wahren. Verschwiegenheit wird in diesem Sinne umgangssprachlich synonym zum Begriff Diskretion verwendet und gilt als positiv besetzte Verhaltensweise und Charaktereigenschaft."

Das Ende ist von der Idee her super (okay, ich bin böse). Aber es ist einfach passend zu dem Charakteren, wie Du sie dargestellt hast. Persönlich würde ich Coras Auftritt etwas hektischer, etwas dramatischer gestalten und dann Leonard ganz ruhig, wie Du es machst.
Danke, irgendwie musste am Ende noch etwas unerwartetes, gemeines her. Ich habe zumindest geändert, dass Cora nun ins Zimmer eilt. Bis dahin hat sie ja nur einmal versucht, Leonard zu erreichen und ist dann losgefahren. Ich hatte sie demnach zwar besorgt, aber auch nicht total panisch vor Augen.

Danke fürs Lesen und deine Hinweise!

Viele Grüße,
Rob

 
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Lieber @Rob F

endlich komme ich dazu, deine Geschichte zu lesen. Los geht's!

Ein Sturm zog auf. Er spürte es, genauso wie die bevorstehende Begegnung.

Klingt schon mal sehr bedeutungsschwanger.

Wie auch sein baldiger Besucher, kaum zu erkennen zwischen den flachen Dünen.

'baldiger' würde ich weglassen, er ist doch schon da.

„Seit wann sitzt du den ganzen Tag?“, fragte Vincent mit rauer Stimme, nachdem er die Tür mit dem Fuß zugestoßen hatte.

Ungewöhnliche Art zu fragen, ob jemand gelähmt ist. Absicht?

Okay, zuende gelesen.

Ab da, wo die Erinnerungen beginnen, die Schilderungen des Erlebten, empfinde ich den Text als verwirrend.

Vincent legte den Revolver auf die Anrichte und füllte ein Glas. Verschloss die Flasche und trank einen Schluck.

Der Satzbau irritiert mich. Logischer erscheint mir:

Vincent legte den Revolver auf die Anrichte. Er füllte ein Glas, verschloss die Flasche und trank einen Schluck.

„Gar nicht so schlecht. Ich hätte mit mehr Gegenwehr gerechnet. Keine Waffe?“

Der Gedankensprung kommt mir zu schnell. Erst der Bezug auf den Whisky, dann sofort die Überleitung zum eigentlichen Thema. Alternative:

„Gar nicht so schlecht."Er setzte das Glas ab. "Ich hätte mit mehr Gegenwehr gerechnet. Keine Waffe?“

Vincent nahm einen weiteren Zug vom Whisky, stellte das Glas ab und griff wieder die Pistole. „Kurz vor Ende deines Lebens wirst du dein eigener Zeuge. Du kennst das Spiel. Schließ die Augen.“
„Worum geht es?“
Er hob erneut die Handprothese und ging zur Couch. „Eine verlassene Lagerhalle am Rand von Danzig. Es ist der siebte Januar 1992, kurz nach 23 Uhr. Erzähl es mir, ich will es verstehen.“
Leonard hörte den Wind, der ums Haus fegte, schloss die Augen und begann:

Diesen Teil verstehe ich nicht so ganz. Du kennst das Spiel? Worum geht es? Eine bizarre Art, sich zu unterhalten und sich zu erinnern. Da beide am selben Ort waren ist diese explizite Erinnerung redundant, finde ich, und daduch konstruiert, weil sie darauf abzielt, den Leser zu informieren.

Ich fasse zusammen: zwei Bösewichte (Auftragsmörder?) sehen sich wieder, wollen einander töten, doch letztendlich behält der Rollstuhlfahrer die Oberhand, weil er plötzlich eine Waffe in der Hand hält. Hmm.

Die Wörter hast du ganz gut untergebracht, nur beim schwierigsten Wort finde ich deinen Einfall eher einfallslos. Auftrag Lapislazuli.

Fazit: Zu Beginn interessant und gut geschrieben, du hast meine Neugier geweckt mit der Andeutung auf das wichtige Treffen. Das Treffen an sich aber könnte noch besser ausgearbeitet werden, die Dialoge und die Art der Reminiszenz verwirrt mich.

LG,

HL

 
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Hallo @Aurelia ,

danke für deinen Kommentar!

Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann noch mehr Dialoge und diese Wetterbeschreibungen rausnehmen oder zumindest arg kürzen. Das hat man schon so häufig gelesen und ist m.E. wenig originell.
Noch etwas mehr Dialog würde inhaltich passen, bevor sie mit "Schließ die Augen" beginnen. Ich werde jedoch nur etwas ergänzen, wenn ich hierfür auch eine passende Idee habe, die zur bisherigen Handlung passt und nicht gekünstelt wirkt. Muss ich nochmal schauen.
Die Wetterbeschreibungen sind nicht unbedingt originell, da gebe ich dir recht. Sie sollen halt ein wenig zur Atmosphäre beitragen. Ich glaube, es wirkt recht viel durch die Kürze der Geschichte, viele Sätze hierzu sind es ja eigentlich nicht. Werde es erstmal so lassen.


Hier würde ich konkreter beschreiben, wo genau im Körper spürt er es?
Es beschreibt zwar nicht genau, wie er es körperlich spürt, aber ich habe mal folgenden Satz ergänzt:
"Als wäre die Luft elektrisch geladen."

Zwei Mal "wie" kurz hintereinander. Vorschlag: Nach "stattfinden" einen Punkt. Und dann weiter Es war unausweichlich oder irgendwie so ...
Ich könnte hierbei z.B. das erste "wie" weglassen, aber bisher finde ich beide Sätze so ganz passend. Bei einer anderen Variante, die ich eben mal versucht habe, ergab sich eine andere Wortwiederholung ... muss ich also nochmal schauen, ggf. lasse ich es auch so.
Aber danke für den Hinweis!

Ich bin gerade nicht sicher, ob das stimmt, was ich denke, aber ich schreibe es trotzdem auf. Frablos und grau passen für mich nicht zueinander.
Ja, grau und farblos ist ja schon etwas anderes. Ich habe es mal bei farblos belassen:
"Die Welt dahinter wirkte farblos. Wie auch sein baldiger Besucher, kaum zu erkennen zwischen den flachen Dünen."

Herrlich deine Dialoge. Den nur mal kurz stellvertretend als Beispiel ...
Danke! Bei Leonard und Vincent kamen die Dialoge fast wie von selbst ...

ImO hört sich das ungeschmeidig an.
Ich habe die Mengenangabe beim Whisky mal entfernt, ich denke auch, so liest es sich besser und diese Detailinfo ist ja nicht unbedingt notwendig.

Danke für deine Eindrücke und viele Grüße!
Rob


Hi @wegen ,

danke für dein Feedback!

schöner Spannungsbogen, angenehm reduzierte Figurenanzahl, geschmeidig eingebaute Challenge-Wörter. Das Beste ist für mich der Schluss - Leonard bleibt, was er ist und wird nicht zum Saubermann. Was man zunächst fast glauben könnte, schäkert er doch so handzahm mit der sich sorgenden Cora.
Vielen Dank! Ich wusste bei der ersten Szene mit Cora, in der Küche, noch gar nicht, wie genau das Ende aussieht. Aber ich denke, auch dieser Gegensatz macht den Text aus, zu Beginn scheint er ja eher auch allgemein etwas hilfsbedürftig zu sein, zum Ende hin entwickelt es sich etwas anders ...

enttäuschst
habe ich korrigiert

Ich würde ein Fragezeichen vor die Auslassungszeichen setzen.
ist nun da

Du setzt Rückblicke kursiv, was für mich in der Erzählung gut funktioniert. Nur hier passt es mMn nicht, weil es Teil des Jetztzeit-Dialog ist.
Inhaltlich ist er nun wieder in der Gegenwart. Aber ich werde es hier erstmal so lassen, da er ja noch die Augen zu hat, es gehört also noch zu dem Spiel "Schließ die Augen", das sie bei ihren Verhören auch mit ihren Opfern "gespielt" haben.

Ach, und wenn mein Mann ab und an 2 Finger breit Whisky[Laphroaig] trinkt (keine 4 Gläser ;) ), riecht das Wohnzimmer noch am nächsten Tag nach Brennerei, warum anschließend immer gelüftet wird.
Danke für diese Info, dann kann ich es ja mit gutem Gewissen so lassen! :gelb: :bier:
Und der Whisky passt ja auch gut zum eher schottischen Wetter!

Danke für deine Zeit und viele Grüße!
Rob

 
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Hallo @HerrLehrer ,

danke für deinen Kommentar!

'baldiger' würde ich weglassen, er ist doch schon da.
Stimmt, das ergibt sich ja schon aus einem vorherigen Satz, habe das Wort enfernt.

Ungewöhnliche Art zu fragen, ob jemand gelähmt ist. Absicht?
Ja, so wie ich Vincent vor Augen habe, ist es Absicht.
Ich weiß, dass es ziemlich danaben ist, so zu fragen ... aber hierbei bitte beachten, dass Vincent ein fieser Schurke ist. Gerade diese Ausdrucksweise soll ihn ja charakterisieren.

Der Satzbau irritiert mich. Logischer erscheint mir:
Vincent legte den Revolver auf die Anrichte. Er füllte ein Glas, verschloss die Flasche und trank einen Schluck.
Habe es so übernommen, danke für den Vorschlag!

Der Gedankensprung kommt mir zu schnell. Erst der Bezug auf den Whisky, dann sofort die Überleitung zum eigentlichen Thema. Alternative:
„Gar nicht so schlecht."Er setzte das Glas ab. "Ich hätte mit mehr Gegenwehr gerechnet. Keine Waffe?“
Ich finde die Idee gut, eine Pause zu setzen nach dem ersten Satz, habe es mal geändert in:
„Gar nicht so schlecht", sagte er und sah sich im Raum um. "Schön eingerichtet für jemanden auf der Flucht. Ich hätte mit mehr Gegenwehr gerechnet. Keine Waffe?“

Diesen Teil verstehe ich nicht so ganz. Du kennst das Spiel? Worum geht es? Eine bizarre Art, sich zu unterhalten und sich zu erinnern. Da beide am selben Ort waren ist diese explizite Erinnerung redundant, finde ich, und daduch konstruiert, weil sie darauf abzielt, den Leser zu informieren.
Aus dem, was Vincent vorschlägt und der ersten "Rückblendenerzählung" geht m.E. hervor, dass "Schließ die Augen" die Aufforderung ist, die die beiden jeweils ihren Opfern sagen, nach dem Motto: Schließ die Augen, erinnere dich und sprich!
Da also beide dieses Vorgehen/Spiel kennen, wiederholen sie es nun für Informationen, die sie selbst haben möchten. Gerade Leonard macht zu Beginn mit, da er ja mit einer Waffe bedroht wird.
Wegen der Art und Weise, wie die beiden dann bewusst "berichterstattend" erzählen, werde ich nochmal überlegen. Im Moment finde ich es ganz passend, gerade weil sie ja bewusst etwas spielerisch eine Verhörsituation nachstellen.

Die Wörter hast du ganz gut untergebracht, nur beim schwierigsten Wort finde ich deinen Einfall eher einfallslos. Auftrag Lapislazuli.
"Lapislazuli" konnte ich in der Umgebung nirgendwo direkt unterbringen. Es spielt ja fast nur in Leonards Wohnzimmer, draußen ist es grau und regnerisch. Daher die Idee der Erzählung eines Auftrags auf Sardinien, wo das Meer eine ähnliche Farbe hat. Mangels einer besseren Idee lasse ich es erstmal so, ich möchte auch nicht z.B. irgendeinen Gegenstand in dem Raum erwähnen, nur um künstlich dieses Wort unterzubringen.

Danke fürs Lesen und deine Eindrücke!
Rob

 
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Hallo @Rob F,

jetzt komme ich auch zu deiner Geschichte, schön, dass du teilnimmst an der Challenge. Ich steig mal direkt ein.

Leonard rollte zur Haustür, öffnete sie einen Spalt und fuhr zurück. Nur wenige Sekunden später wurde sie aufgezogen. Ein Mann trat hinein, zog eine Pistole unter dem Mantel hervor. Die grauen Haare hingen ihm tropfend ins Gesicht.
Warum tut er das? Woher weiß er, dass der andere nicht sofort schießen wird?

Ich wollte dich nicht töten, dir nur deine Arbeit nehmen. Also trat ich neben dich. Als du die Hand mit dem Messer hobst, schoss ich sie mit der Schrotflinte zu einer blutigen Masse.
Klingt für mich zu nüchtern, fast wie ein Kochrezept, "nun geben sie Schrot zur blutigen Masse". Das ist ja was völlig Unerwartetes, der Punkt, an dem der Prota genug hat, wo das Fass überläuft und sich seine Abscheu entlädt. Das ist auch ein gewaltiger Vertrauensbruch, das Sprengen einer stillschweigenden Übereinkunft, ein Betrug hinterrücks. Und dafür will Vincent Rache nehmen, denn die Prothese ist ihm beinahe dienlich, weißt?
Diese Abscheu, die du im Absatz vorher schon drin hast, die muss für mich auch aus diesem Satz sprechen, emotionaler, sowas wie: "Und dann habe ich dir deine verfluchte Mörderhand weggeschossen und dafür gesorgt, dass sie nie wieder ein Messer halten kann."

Tu mir den Gefallen, ich habe meinen Teil auch erfüllt. Schließ die Augen.“
Das "Schließ die Augen" ist mir zu offensichtlich, so dämlich kann Vincent nicht sein, oder?


Und ich behielt meine Verschwiegenheit, auch dir gegenüber. Was soll ich dir sonst noch sagen? Als er die Tasche entgegennahm und den Inhalt prüfte, schoss ich ihm in den Kopf. Auftrag ausgeführt
Für ein besonderes Geheimnis, das Leonard vor seinem Tod unbedingt noch erfahren will, ist mir das zu lapidar. Das muss ein besonderer Auftrag sein, etwas, dass Leonard nur von Vincent erfahren kann, weshalb er ihn nicht sofort tötet, sondern erst mit ihm redet. Da muss es einen Grund für geben. Den könntest Du hier liefern, z.B. die Frau, die Leonard liebte, ist damals auf mysteriöse Art verschwunden und klar, es war Vincent, auch wenn Leonard es nie beweisen konnte. Der Boss hat Vincent damit beauftragt, um zu verhindern, dass Leonard die Firma verlässt, so was. Und das ist die einzige Chance für den Prota, ein Geständnis zu hören und so endlich Gewissheit zu erlangen.

Zwei Punkte habe ich noch, lieber Rob.

1) Diese Pistolensache finde ich als Auflösung nicht ganz so gelungen. Warum? Es ist mir zu gewöhnlich. Die Ausgangslage ist: Er weiß, der andere wird kommen, um sich zu rächen und er ist es müde, wegzulaufen. Ich weiß nicht, ob du den Glanzrappen gelesen hast, dort findet sich am Ende dieselbe Ausgangslage. Robey wartet auf den Mann, den er bestohlen und fast getötet hat und ist vorbereitet, weil er weiß, diesmal muss er ihn töten. Bei deinem Prota würde Vorbereitung heißen, er führt die Pistole immer mit sich und das ohne dass die Haushälterin das merkt? Unwahrscheinlich.
Ich fände besser, es wäre was im Whisky, Curare oder so, das eine Lähmung auslöst, und er würde ihn in ein Gespräch verwickeln, damit das Gift wirken kann. Der Prota will Gewissheit und muss deshalb Vincent zum Reden bringen. Und das Gift ist so getaktet, dass Vincent sich nach dem Geständnis nicht mehr rühren kann. und dann nimmt Leonard Vincents Pistole und erschießt ihn auf dieselbe Art und Weise, wie seine Geliebte umgekommen ist. Als überraschender Twist.

2) Die Dialoge. Mir sind die zu unnatürlich, ich lese das und sage für mich: Nee, das würde der/die anders sagen. Ein paar Beispiele:

„Sind Sie sicher? Ihr Abendessen …“
"Aber ihr Abendessen ..."
„Ich lasse mich auf ein Vielleicht ein“,
"Okay, vielleicht."
„Na gut, das muss reichen. Dann bis morgen.“
"Na gut, bis morgen."
Seit wann sitzt du den ganzen Tag?
"Pech gehabt, hm?", sagte Vincent und schlägt mit dem Lauf an den Rollstuhl.

Schöne Spannungsgeschichte, ausbaufähig, Peace, l2f

 
Beitritt
18.11.2020
Beiträge
54

Hallo @Rob F,

eine super Kurzgeschichte, die sich sehr flüssig und schnell lesen lässt und die Wörter der Challenge wirklich sehr geschickt einbaut. Die Dialoge fand ich besonders unterhaltsam, weil sie trotz der düsteren Situation eine gewisse Leichtigkeit haben. Mir gefällt auch die Dynamik zwischen deinen beiden Hauptcharakteren.

Ich habe nur ein paar ganz kleine Anmerkungen. Vieles wurde ja bereits gesagt.

Die Welt dahinter wirkte farblos, wie auch sein Besucher, kaum zu erkennen zwischen den flachen Dünen.
Diesen Satz habe ich zweimal lesen müssen, um ihn zu verstehen. Ich würde den hinteren Teil einfach weglassen.

stellte das Glas ab und griff wieder die Pistole.
Wieso behält er die Pistole nicht locker in einer Hand? Sie komplett wegzulegen erscheint mir dann doch etwas leichtsinnig.

Vincent öffnete die Augen und beugte sich nach vorne. „Cora wird wohl auf deinen Rückruf verzichten müssen.
Hier würde ich noch einfügen, dass er sich nach vorne beugt, um aufs Display zu schauen. Man versteht zwar auch so, dass er wohl die Caller ID gesehen haben muss, aber im ersten Moment bin ich trotzdem etwas darüber gestolpert.

Leonard seufzte. „Ach, Cora. Sie hätten nicht kommen sollen.“ Er entsicherte die Pistole.
Großartiges Ende.

Für ein besonderes Geheimnis, das Leonard vor seinem Tod unbedingt noch erfahren will, ist mir das zu lapidar. Das muss ein besonderer Auftrag sein, etwas, dass Leonard nur von Vincent erfahren kann, weshalb er ihn nicht sofort tötet, sondern erst mit ihm redet. Da muss es einen Grund für geben. Den könntest Du hier liefern, z.B. die Frau, die Leonard liebte, ist damals auf mysteriöse Art verschwunden und klar, es war Vincent, auch wenn Leonard es nie beweisen konnte. Der Boss hat Vincent damit beauftragt, um zu verhindern, dass Leonard die Firma verlässt, so was. Und das ist die einzige Chance für den Prota, ein Geständnis zu hören und so endlich Gewissheit zu erlangen.
@linktofink nimmt mir die Worte aus dem Mund. Es erschließt sich einfach nicht, warum er ausgerechnet diese Geschichte noch hören wollte. Außerdem wäre es auch noch dramatischer, wenn Leonard Vincent aus persönlichen Gründen erschießt.
Es muss nicht unbedingt eine Liebe von Leonard sein. Vielleicht hatte das ganze auch etwas mit einem Auftrag zu tun, bei dem Vincent ihm in die Quere gekommen ist. Oder die Vincent hat ihn hintergangen. Oder es war ein besonders großer Coup, über den die verrücktesten Gerüchte kursieren und Leonard will endlich die Wahrheit wissen. Oder, oder, oder.
Ich habe mir einfach mehr von dieser Geschichte erwartet und war dann etwas enttäuscht.


Beste Grüße,
Nele

 

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