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Schmetterling

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05.11.2020
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Schmetterling

„Ich kann dich nicht loslassen, hörst du?“, sanft streicht er ihr über die Wange und sieht, wie sich ihre Augen mit Tränen füllen. Es schmerzt ihn, das Glitzern in ihren Augen zu sehen. Er spürt die Wärme ihrer Haut auf seiner, sie brennt sich durch seine Fingerkuppen.
„Ich weiß.“ Ihre Stimme ist nur ein Hauch. Ist unfassbar zerbrechlich.
Er fährt mit den Fingern durch ihr Gesicht, zeichnet ihre Konturen nach. Ihr Gesicht ist ein wunderschönes Gemälde. Hat die schönsten Formen, die schönsten Farben. Ihre Lippen sind weich. „Du weißt doch, dass ich dich liebe.“, wieder ist es seine Stimme, die sich in die Stille zwischen ihnen drängt.
„Ich weiß.“ Ihre Antwort und der Klang ihrer Stimme ist der gleiche. Die junge Frau bewegt sich nicht.
Die Atmosphäre um sie herum ist friedlich. Der Raum ist in gelbes Licht getaucht, das hin und wieder kurz verschwindet. Die Kerze auf dem Tisch flackert. Das Paar, welches Arm in Arm auf dem Sofa liegt wird von keinem Fernsehlicht gestört, keine Geräusche durchbrechen den Augenblick. Die Wohnung ist aufgeräumt. Und doch, etwas stört.
„Ich kann dich nicht loslassen.“, sagt er nochmal und sein Gesicht ist direkt an ihr Haar gelehnt. Es riecht nach Shampoo, Kokosnuss und Vanille. Er hatte es ihr mitgebracht. „Wenn ich das täte, wäre unsere Zukunft zerstört. Nicht mehr komplett.“
Sie lächelt ihn an. Dann nimmt sie seine Hand und sieht ihn lange an.
Er sieht nichts mehr von ihren Tränen. Nur noch den Ozean, in den er vor so langer Zeit gefallen war. Ihre Augen waren der Weg in eine andere Welt, zu der sie ihm bisher keinen Zugang gewährt hatte. Er war außen vor geblieben, weil etwas fehlte, weil etwas zwischen ihnen stand.
„Wir müssen einfach nur hierbleiben.“, sagt sie leise. Das Lächeln liegt noch immer auf ihrem Gesicht. Sie rutscht ein Stück weiter an ihn heran.
„Und wenn wir bleiben?“, fragt er. Unvermittelt rutscht er ein Stück von ihr weg. Verliert den Kontakt zu ihrer Haut, verliert den Kontakt, der zwischen ihnen so wichtig war. Er greift nach dem Glas vor sich, nimmt einen Schluck von der dunkelroten Flüssigkeit. Sie gleitet in seinem Mund hin und her, bevor er sie hinunterschluckt.
Sie schweigt. Tut es ihm gleich. Nimmt auch ihr Glas und ihre Hände zittern. Ihr Schlucken wird von einem lauten Geräusch begleitet. Früher hatte es ihn genervt. Früher.

***
„Komm mit.“ Die blonde zierliche Person lacht aus ihn aus roten Lippen an. „Na los, komm mit.“ Um sie herum tausend Regenbogen, die mit ihren kleinen Flügeln fleißig flattern. Ihr weißes Kleid wird vom Wind angehoben, gibt ein Stück ihrer Oberschenkel frei. Sie dreht sich wieder um und lacht erneut. Dann läuft sie mit ihren winzigen Füßen auf ihn zu, packt seine Hand und zieht. Mit aller Kraft.
Er macht unschlüssig einen Schritt auf sie zu und mit ihr mit. „Ich kann nicht.“, sagt er dann. „Ich kann nicht hierbleiben.“ Er sieht sich um. Es ist niemand da. Nur er, die Frau und ihre Schatten. Das Gras unter ihren Füßen und der Himmel über ihnen.
„Wir können bleiben, wo wir wollen.“, wieder dieses Lachen. Ihre Augen sind blau, klar, warm. Sie zieht ihn nochmal zu sich. Sie zerrt an ihm, an seiner Hand und an seinem Willen.
Er spürt den Widerstand in sich und er ist heiß, brennt irgendwo in seinen Füßen, die ihn mit dem Boden verbinden. Er schüttelt den Kopf und fragt sich, wie er hierhergekommen war.
Er hatte entfliehen wollen. Seinem Job, seiner Wohnung, seinem Trott. Dem Grau des Betons und dem Hallen seiner Schritte in seinem Büro. Die Sonne hatte seine Haut erwärmt und er war der Wärme gefolgt, hinein in den Park.
Es waren gefühlt Stunden vergangen, in denen er nur ein und ausgeatmet hatte. In denen er tausend Gedanken gedacht hatte und in denen seine Füße angefangen hatten wehzutun. Und dann, als er es endlich gesehen hatte, als er gewusst hatte, warum er hier war, war er in sie hineingelaufen. Hatte sie fast mit sich gerissen.
„Entschuldige.“, stammelt er.
Sie sieht ihn an. Wirkt fern. Sie steht einfach nur da. Und dann endlich sieht er sie richtig an. Sie steht vor einem Feld mit Blumen.
„Ich kann nicht bleiben.“, sagt er nochmal und doch nimmt er ihre Hand und folgt der ihm völlig fremden Frau. Folgt ihr in die Wolke aus Schmetterlingen und vergisst alles um sich herum.

***
Sie nimmt noch einen Schluck von der roten Flüssigkeit. „Wir müssen einfach nur hierbleiben.“, sagt sie nochmal. Ihre Stimme wird lauter. Ihre Augen weiten sich. Sie lächelt. Und wieder reißt ihm dieses Lächeln den Boden unter den Füßen weg, wieder ist er gewillt nachzugeben.
Ihre Augen leuchten, sie fällt in alte Erinnerungen, geht zurück in alte Tage. „Verstehst du?“, fragt sie ihn und sieht durch ihn hindurch.
Er nickt. Und er versteht. Versteht, dass das alles war, was sie wollte. Langsam löst sich eine einzige Schweißperle von ihrer Stirn, sie bahnt sich den Weg über ihr Gesicht, hinterlässt ein zartes Glänzen. Behutsam streicht er den Schweiß aus ihrem Gesicht.
Sie lächelt.
Sie sucht nach Worten und er sucht nach ihr. Sucht nach einem Zeichen, dass sie tatsächlich hierbleiben konnten. Und gleichzeitig spürt er, wie ihm die Zeit durch die Finger rinnt. Sie konnten nicht bleiben, nicht in diesem Leben.
Sie fährt langsam mit einer sanften Bewegung über seine Brust, hinab bis an seinen Beckenknochen, der in den letzten Monaten so viel spürbarer geworden war.
Er zuckt zusammen, verzieht das Gesicht. Er nimmt ihre Hand und legt diese auf seinen Oberschenkel. Er spürt, wie das Blut in seinem Bauch pulsiert.
Verunsichert sieht sie ihn an. Ihr Blick ist verschwommen. Er sieht die Schuld auf ihrem Gesicht, sieht ihren Schmerz und vergisst seinen eigenen. Vielleicht konnte er in diesem Moment wirklich noch einmal bleiben. Vielleicht war es nicht zu spät, nicht zu schwer, auch wenn es sich schon seit einiger Zeit so anfühlte. Auch wenn es ihn mit jedem Atemzug schmerzte.
Er entspannt sich wieder ein wenig und mit der Lockerung seiner Muskeln wird der warme Körper in seinem Arm weniger steif, weniger schwer. Er streckt die Finger nach einer honigblonden Strähne aus und lässt sie durch seine Fingerspitzen gleiten.

***
Sie war wütend gewesen, viel mehr auf sich selbst, als auf ihn. Er war zu spät aus dem Büro gekommen, hatte außerplanmäßig Überstunden gemacht und hatte so die Essensverabredung nur verspätet wahrnehmen können.
Sie war enttäuscht gewesen, hatte das Gefühl gehabt, dass sie etwas falsch gemacht hatte. Dabei war er es gewesen, der unzuverlässig gewesen war. Ihre Tränen waren unaufhaltsam über seine Finger gelaufen, die er ihr sanft an die Wange gelegt hatte. Und dann war alles zu schnell gegangen.
Sie war aufgesprungen, hatte ihn von sich gestoßen und dabei die Suppe umgestoßen. Auch er war aufgesprungen und hatte so schnell es nur eben ging die Hose ausgezogen, um Verbrennungen zu vermeiden und dabei in ihre fassungslosen Augen geguckt. Sie hatte den Kopf geschüttelt und die nächsten Tränen waren in ihren blauen Augen hochgestiegen.
„Es tut mir leid.“, bringt sie mit tränenerstickter Stimme hervor. „Ich hab alles vermasselt.“
Er kann sie kaum noch verstehen, aber das brauch er auch nicht. Denn was er vor sich sieht, reicht.
Sie greift nach dem Lappen und hockt sich auf den Boden. Der Lappen nimmt kaum Suppe auf, sie wischt die rote Flüssigkeit lediglich von rechts nach links. Und in die Flüssigkeit fallen ihre salzigen Tränen. Das Geräusch des Wischens mischt sich mit ihrem leisen Schluchzen.
Er steht einfach da. Beobachtet sie und weiß nicht was er tun soll. „Komm hoch.“, sagt er leise und obwohl er seine Stimme senkt, zuckt sie zusammen.
„Ich muss.“ Ihr Widerstand ist leicht und er weiß, dass er ihn so einfach brechen konnte. „Ich muss. Die Suppe.“ Sie schaut nicht hoch. Wiederholt einfach nur mechanisch die Bewegungen ihres Armes und noch immer verringert sich die Masse auf dem Boden nicht.
Er geht in die Hocke. Nimmt ihr sanft den Lappen aus der Hand und lässt ihn achtlos auf den Fleck fallen. Behutsam legt er die Hand auf ihre, umschließt sie und zieht sie mit sich hoch.
Mit seiner Hilfe setzt sie sich aufs Sofa, mit seiner Hilfe versiegen ihre Tränen. Irgendwie schafft er es, sie ins Bett zu bringen und sie zu beruhigen. Bereitwillig legt sie sich in seinen Arm und lässt ihn die ganze Nacht nicht von sich weichen. Er spürt die Wärme ihrer Haut und auf einmal ist es wieder sein Widerstand, der gebrochen wurde. Mal wieder hatte er alles liegen gelassen. Mal wieder hatte er sich darin verloren auf sie aufzupassen.
Ihr Haar ist weich und riecht nach Kirschen. So langsam musste er aufstehen, es war ohnehin schon zu spät um Frühstück zu machen. Trotzdem geht er leichtfüßig in die Küche, ohne auf die knarzenden Dielen zu treten. Er macht Kaffee und hört mit einem Ohr auf das leise Seufzen, das sie immer dann von sich gab, wenn sie gerade wach wurde.
Sein Herz pocht. So wie jedes Mal, wenn sie erwacht und die Stille des Morgens verschwindet. Er musste sich beeilen. Musste schnell sein. Hektisch nimmt er im Badezimmer seine Hose von der Heizung, die er gestern hatte schnell auswaschen müssen, um die verschüttete Suppe noch herauswaschen zu können.
Er holt die Socken, die er gestern achtlos neben dem Bett abgestrichen hatte, nachdem er nicht mehr gewagt hatte sich aus ihrer schweren Umarmung zu lösen. Er hatte sie nicht wecken wollen, nicht wecken können.
„Geh nicht.“, sagt sie leise.
Und dort, wo eben noch ein Stück Ruhe war, brach ein neuer Sturm los.
„Geh nicht.“
Er sieht sich um, unschlüssig was er tun sollte. „Ich muss los, ich muss ins Büro. Ich muss doch arbeiten, hörst du? Ich muss..“
„Geh nicht.“ Ist ihre Antwort.
„Ich muss die Suppe vom Boden entfernen, das Holz..“, weicht er aus. Er schafft fünf Schritte, bevor er ein weiteres leisen Schluchzen vernimmt. Er ist bei Schritt sieben, als ihn das schlechte Gewissen überkommt. Er schafft es fast in die Küche, als ihre dünne Stimme hinter ihm erklingt.
„Mir geht es nicht so gut.“ Ihr verzweifelter Versuch ihn wieder zu sich zu holen bohrt sich in seinen Rücken.
Er hat den klammen Lappen in der Hand und für einen Moment will er nichts mehr als nur dort zu stehen. Mit dem Stoff in der Hand und dem Wissen, dass er ins Büro musste.
Ein weiteres „Es tut mir leid. Geh nicht.“ und er setzt sich langsam in Bewegung. Er kümmert sich um die Flecken von gestern Abend. „Ich komme heute früher, ganz sicher.“, sagt er dabei und versucht unbekümmert zu klingen. Dabei fühlte sich auf einmal alles so unheimlich schwer an. Er sieht sie an. Lächelt.
Ihre Augen bleiben ausdruckslos. Sie erwidert seinen Blick, aber da ist nichts an dem er sich festhalten kann. Ganz so, als wäre sie gar nicht da. „Ich weiß.“, sagt sie dann leise. Und die Traurigkeit in ihrer Stimme begleitet ihn, als er unsicher die Haustür hinter sich ins Schloss zieht.

***
„Siehst du die Schmetterlinge?“, ihr Lächeln erhellt ihr zartes Gesicht. Sie ist schön. So schön, dass es ihm den Atem nimmt. „Schau nur, die bunten Flügel. Das zarteste Flattern, das ich je gesehen hab.“, sie sieht sich um. Streckt den Finger aus. Wieder. Dieses wunderschöne Lächeln.
Und er lächelt zurück. Lächelt anders, als sie es tut. Ist besorgt. Vorsichtig berührt er mit der Hand ihren Finger, sie lässt ihn mit seiner Berührung sinken. Schmerzlich wünscht er sich, er könne sie sehen. Könnte das leise rascheln der bunten empfindlichen Schwingen wahrnehmen. Die Menschen um sie herum beginnen den Mann und die Frau anzusehen. Im Café wird es stiller. Manch einer nippt peinlich berührt an seiner Tasse, andere wischen über ihr Smartphone. Ein kleines Mädchen lächelt die beiden an.
Er kriegt Angst, fühlt sich eingeengt zwischen all den Menschen. Er hebt die Hand. „Zahlen bitte.“, sagt er leise zu der Kellnerin, die an ihnen vorbeihuscht.
„Sieh nur wie bunt sie sind. Hast du so welche schon mal gesehen?“, nachdenklich verzieht sie die Stirn.
Er spürt die Blicke, wie sie immer schwerer auf ihnen Lasten. Dann, ganz plötzlich ist er nicht mehr bereit die Last still auszuhalten und macht sich frei von dem beklemmenden Gefühl. „Nein mein Liebling. So schöne bunte habe ich noch nie gesehen.“ Ihm treten Tränen in die Augen. Er legt einen Zwanzig Euro Schein auf den Tisch. „Komm wir gucken, ob draußen noch mehr Schmetterlinge sind.“ Er ist schwermütig, gibt ihr vorsichtig die Hand um ihr hoch zu helfen.
Sie folgt seiner stillen Aufforderung und steht auf. „Warum bist du so traurig?“, fragt sie, während sie das mittlerweile verstummte Café verlassen.
Er drückt ihre Hand. „Alles in Ordnung.“

Wenig später sitzt er mit ihr in der Notaufnahme.
Sie presst ihre Lippen zusammen. Sie versteht nicht, warum sie hier sitzen. Eine Weile lauschen sie den Geräuschen des langen Flures, dem geschäftigen Treiben der Krankenschwestern.
„Hier sind keine Schmetterlinge.“, sagt sie bedrückt.
„Ich weiß.“ Er streichelt ihre Wange.
„Was tun wir denn hier?" Jetzt mischt sich die Angst eines kleinen Mädchens in ihr sonst so frauliches Gesicht. „Ich möchte gehen.“ Sie macht Anstalten aufzustehen.
Behutsam legt er die Hand auf ihren Oberschenkel. „Bleib. Noch einen kleinen Moment. Dann schauen wir wieder nach den Schmetterlingen, ja?“ Der Kloß in seinem Hals nimmt ihm fast den Atem.
„Ich weiß nicht. Ich fühle mich nicht wohl.. Ich..“, Sie wird unterbrochen. Eine junge, freundlich aussehende Krankenschwester ruft ihren Namen.
Innerhalb von zwanzig Minuten war seine Welt zerbrochen. Er hatte nie in ernstere Augen geblickt, nie schlimmere Worte hören müssen. Und er hatte nie so sehr verstanden. Auf dem langen Flur nimmt er ihre kalte Hand in seine. „Komm.“, sagt er sanft. „Vielleicht sind die Schmetterlinge noch dort.

***
Das Plätschern der Dusche ist ein angenehmes Hintergrundgeräusch. Er steht am Herd, er hatte das Radio ausgestellt, die Musik nicht mehr ertragen.
Er kann sich kaum auf das Kochen konzentrieren, dabei war es einst seine größte Leidenschaft gewesen. Jetzt war es lieblos, ein Mittel zum Zweck, ein notwendiges Übel.
Er stöhnt, als es klingelt. Der Weg ist lang, länger als er nach diesem langen Tag erträgt.
Der Paketbote lächelt ihn an. Und zum ersten Mal an diesem Tag fühlt er sich gut. Er erwidert das Lächeln und unterschreibt. Der Karton fühlt sich unheimlich schwer an. Nur für einen Moment will er das Paket vor der Tür abstellen, die Tür schließen und nichts mehr von dem Inhalt wissen. Seine Finger suchen automatisch nach der Schere, er sieht von außen, wie das Paketband durchtrennt wird. Mit zitternden Händen öffnet er die Pappe.
Das zarte Kleid reiß ihm den Boden unter den Füßen weg, es war viel zu klein. Und doch wusste er, dass sie mittlerweile hinein passen würde. Sie hatte abgenommen, sich halbiert. Sie war kaum noch vorhanden. Sie war ein Schmetterling, so zart, dass er Angst hatte, dass er sie zerdrücken würde, wenn er sie nur berührte.
Er wusste, dass er das Kleid nicht sehen durfte, dass es ihr Traum war. Das sie sich so sehr wünschte, dass sie verbunden waren, dass sie von nichts anderem mehr sprach. Sie vergaß zu essen, zu trinken und sie vergaß manchmal auch die Schmetterlinge.
Er merkt nicht, dass längst Rauch seine Küche ausfüllt, sieht die Scherben nicht, in denen er steht. Er hört nur das Plätschern des Wassers und spürt das Kleid in seiner Hand.
Dann lösen sich seine Finger von dem weichen Stoff, Panik ergreift seinen Körper.
Sie war schon viel zu lange weg. Hatte geduscht, während er Kartoffeln geschält hatte. Hatte geduscht, als er das Gratin in den Ofen geschoben hatte und geduscht, als er längst das Fleisch in die Pfanne gelegt hatte. Und jetzt, jetzt hörte er noch immer das Geräusch des Wassers. Es musste längst kalt sein. In diesem Moment bewegen sich seine Glieder, er stürzt los. Er reißt das Paket mit hinunter und schneidet sich die Füße an den Scherben. Er hat keine Schmerzen, hinterlässt rote Flecken auf dem Boden.
Voller Angst reißt er die Tür auf, ihm stockt der Atem. Nichts geht mehr. Er bricht in tausend Teile, als er die roten Spritzer auf den Fliesen sieht. Er zerfällt, als er nach Mut sucht, um in die Dusche zu schauen. Erlangt die Erkenntnis, dass ein Teil von ihm nicht mehr gut werden würde.
Noch nie waren ihm einzelne Schritte so schwer gefallen. Noch immer plätschert es, nur war das Geräusch nicht mehr angenehm, sondern anklagend. Vorwurfsvoll.
Entgegen seiner Erwartung sieht sie friedlich aus. Ihre Augen sind geöffnet. Sie sieht ihn an, blinzelt und dann, dann lächelt sie.
Das Wasser im sie herum ist leicht rot gefärbt, ihre Lippen sind blau, ihre Haut ganz weiß. Ihre Arme und Beine von Gänsehaut überzogen. Sie zittert. Sie sitzt im Schneidersitz in der Duschwanne, ihre Hände zeigen mit den Handinnenflächen zu ihrem Schoß.
„Er war orange.“, sagt sie leise. „Und Schwarz.“ Sie blickt hinab auf ihre Hände. „Er hat sich auf meinen Arm gesetzt, dann war er fort.“ Ihre Stimme wird schwächer.
Er geht vor ihr auf die Knie. Seine Hose wird nass und er beginnt zu frösteln.

***
„Was ist passiert?“ Verloren liegt sie in dem weißen Bett, in dem weißen Zimmer. Sie sieht ihn an, ganz anders als sonst. Sie hebt ihren Arm, der dick in einen Verband eingebunden ist.
„Ich weiß es nicht.“, antwortet er und sagt die Wahrheit. Er hatte nicht aufgepasst, er war seinen Gedanken nachgehangen und für einen Moment nicht für sie gesorgt. Er bemerkt die stumme Frage in ihrem Gesicht.
„Was ist denn nur mit mir los?“ Noch eine Frage, die er nicht beantworten wollte.
Er hebt die Schultern, dann senkt er sie wieder. „Siehst du die Schmetterlinge?“, fragt er nur, ohne ihr eine Antwort auf ihre Frage zu geben.
Sie schüttelt ungläubig den Kopf. „Schmetterlinge?“
„Er war orange und schwarz. Er setzte sich auf deinen Arm und dann war er fort.“, wiederholt er leise.
Diesmal ist sie es, die nicht weiß, wovon er spricht.
„Es ist im Frontallappen. Dort wo Erinnerungen sitzen. Deine Persönlichkeit. Alles das, was dich ausmacht. Es verändert dich.“ Es tat ihm immer noch weh. Genau wie es beim ersten Mal weh getan hatte. Und während er spricht, wird ihm eines bewusst. Er wusste nicht, wer sie war. Er hatte sie nie richtig kennenlernen dürfen. Er kannte nur das, was es aus ihr gemacht hatte. Doch nun, nun war sie klar. Und ihn sah eine ganz andere Frau an. Er wollte schreien, wollte sie bitten, dass er auch sie kennenlernen dürfe. Er wollte das alles aufhalten, neu beginnen. Ohne Schmetterlinge und vielleicht auch mit ihnen, wenn er doch nur die Zeit anhalten könnte.
„Wird es wieder?“ Sie sackt in sich zusammen, noch bevor er ihr sagen konnte, dass sie sich verlieren würden, ohne sich je gefunden zu haben.
„Nein. Nicht operabel.“ Die Worte sind wie ein Messerstoß. „Weißt du, wer ich bin?“
Sie nickt. Dann lächelt sie. „Ja. Natürlich weiß ich, wer du bist. Ich liebe dich.“ Sie zeigt neben sich. „Aber du, du weißt nicht, wer ich bin, oder?“ Ihre Stimme wird lauter und klarer. „Ich weiß so vieles nicht mehr, nur wer du bist. Ich wünschte, du wüsstest es auch. Ich wünschte, ich hätte dich früher getroffen.“ Sie zuckt die Schultern.
Er setzt sich zu ihr und nimmt ihre Hand.
„Wir haben keine Zeit, oder?“ Ihre Frage steht im Raum, drückt den beiden jungen Menschen auf den Brustkorb.
Er wünschte, er könnte ihr etwas anderes sagen, als er den Kopf schüttelt. „Nein.“, seine Stimme ist heiser und in seinen Augen stehen Tränen.
„Dann will ich gehen.“, sagt sie.
Er nimmt ihre Tasche, packt ihre Sachen ein. Schaut sie ungläubig an, als sie seine Hand festhält und den Kopf schüttelt.
„Das meine ich nicht.“, flüstert sie sanft. „Ich habe keine Zeit mehr. Wir haben keine Zeit mehr. Und ich möchte nicht länger vergessen.“ Liebevoll lächelt sie ihn an.
Und er fällt. Fällt, obwohl er dachte, dass er nicht tiefer fallen konnte.
***
Es ist der letzte Arbeitstag vor seinem Urlaub. Mit verschwitzten Händen greift er nach seinem Schlüssel. Er hat sich beeilt, nachdem er seit zwei Stunden nichts mehr von ihr gehört hat. Er hat Angst, hatte die ganze Zeit nur Angst. Er weiß, dass er es nicht länger aushalten kann, der fehlende Schlaf machte sich längst bemerkbar. Er zittert, ihm ist kalt.
Der Schlüssel klickt im Schloss. „Schatz?“, seine Stimme hallt an den Wänden wieder. Er wartet auf eine Antwort. Nichts. Für einen kleinen Moment will er umdrehen. Er hat das Gefühl, er kann nicht nach ihr sehen. Aber seine Füße tragen ihn dennoch. Sie tragen ihn durch den langen Flur, bis ins Wohnzimmer.
Sie sitzt mit Kopfhörern da. Hat ein Küchenmesser in der Hand. Sie dreht es hin und her.
Er nähert sich langsam und legt ihr die Hand auf die Schulter.
Sie erschrickt, dreht sich ruckartig um und streift ihn am Bauch.
Ihm entfährt ein Schrei. Er legt die Hand auf seinen brennenden Bauch und setzt sich auf den freien Stuhl neben sie. Und obwohl er Schmerzen hat, lächelt er erleichtert.
Sie hat Essen vorbereitet. Hat nicht vorgehabt, ohne ihn zu gehen. Auf dem Tisch liegt geschnittenes Hähnchenfleisch, Gemüse und Kartoffeln, alles fein säuberlich aufgereiht.
„Oh scheiße.“, schreit sie und lässt das Messer fallen. Sie rennt ins Badezimmer und kommt mit einer Schüssel voll Wasser, Verbandszeug und Desinfektionsmittel wieder. „Es tut mir so leid.“, sagt sie aufgebracht. Sie war klar. Und wütend.
Und ihre Wut auf sie selbst, machte ihn traurig. „Alles gut.“, sagt er. Dennoch verzieht er das Gesicht.
„Rede nicht so einen Unsinn.“, sagt sie und zieht ihm sein T-Shirt aus.
„Die Musik war so laut und ich war in Gedanken. Ich muss noch so viele kleine Dinge erledigen, bevor .. Bevor ich gehen kann. Und hier sind den ganzen Tag schon so seltsame Geräusche im Haus. Ich glaube, die Nachbarn von oben haben Streit miteinander.“ Liebevoll desinfiziert sie die Wunde und verbindet seinen Bauch. „Ich wollte schon die Polizei rufen. Und dann auf einmal deine Hand auf meiner Schulter.“
„Ssscht.“ Er legt ihr die Hand an die Wange. „Ich bin dir nicht böse, Liebling. Das ist nur Haut. Alles was zählt ist, dass du da bist.“
„Red nicht so einen Unsinn.“, wiederholt sie.

Er steht auf und geht ins Bad. Er wirft sein T-Shirt achtlos über den Badewannenrand und versucht, den Fleck aus seiner Hose zu waschen. Er hört leise Musik aus dem Wohnzimmer und trocknet sich die Hände an seiner Jogginghose.
Auf dem Weg zurück ins Wohnzimmer bringt er etwas zu Essen mit. Für heute sollte eine ordentliche Brotmahlzeit reichen, er wollte die Zeit, die den beiden noch blieb damit verbringen sie kennenzulernen. Er wollte Gespräche mit ihr führen, an die er sich erinnern würde. Er wollte ihr noch all das sagen, was er seitdem sie sich das erste Mal getroffen haben empfand, was sie aus ihm gemacht hatte. Sie geb ihm eine Leichtigkeit, nach der er so lange gesucht hatte. Und diese Suche führte ihn an jenem Tag in den Park und er war ihr gefolgt, ohne zu wissen, dass sie seine Antwort sein würde. Sie sollte solange sie klar war, von jeder schönen Erinnerung in ihrem Leben erzählen und auch von jeder schlechten, damit er jede Sorge von ihr nehmen konnte.
Sie sitzt immer noch auf dem Stuhl. Das Verbandszeug liegt auf dem Tisch, das Desinfektionsmittel liegt umgestoßen da. Sie summt eine Melodie, die er nicht kennt. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages glitzern in ihren Haaren.
„Ich hab es nicht gesehen.“, sagt sie, während er noch in der Tür steht. Sie dreht sich nicht zu ihm um. Spielt mit einer Haarsträhne.
Er bleibt stehen und wartet. Sagt nichts, um sie nicht zu unterbrechen.
„Ich habe die ganze Zeit gesucht. Überall habe ich gesucht. In jeder einzelnen Ecke. Aber ich habe es nicht gesehen.“ Ihre Stimme überschlägt sich fast.
Sein Herz beginnt aufgeregt zu pochen.
„Auf einmal dieser tiefe Atemzug. Ich konnte doch so nicht helfen. Ich habe gesucht und gesucht und ich hatte Angst aber ich habe es nicht gesehen. Es war da einfach nicht. Und als es dann zu spät war, da hat sie es mir gezeigt. Sie hat es mir nachgetragen. Ich habe es doch gemerkt, danach war alles anders. Ich weiß doch, was sie ihr bedeutet hat. Aber ich habe es einfach nicht gesehen, verdammt.“ Er hört ihre Tränen, ohne, dass sie sich umdrehen muss. Sie steht ruckartig auf. „Verdammt, ich sollte doch aufpassen!“
„Was ist denn nur los?“, fragt er und weiß die Antwort längst. Sie war fort. Und ihm blieb die andere Frau. Die er so sehr liebte, die aber nicht richtig bei ihm sein konnte. Mit klopfendem Herzen wünscht er sich, sie würde noch einmal wiederkehren, bevor sie endgültig gehen würde.
„Ich hatte nur diese eine Aufgabe, was soll ich denn nur tun? Ich habe es nicht gesehen. Und dann ist sie gestorben. Sie hat diesen Hund so sehr geliebt, verstehst du das nicht?“ Endlich dreht sie sich zu ihm um. Ihr Gesicht ist unheimlich ernst.
„Natürlich verstehe ich das.“, sagt er leise. Er kann seine Enttäuschung nicht unterdrücken und fühlt sich dabei verloren. Er bereut, dass er den Umweg über die Küche gewählt hatte und doch weiß er, dass er sie nicht hätte halten können. „Setz dich, Liebling. Du musst etwas essen.“
„Ich habe keinen Hunger.“, antwortet sie und setzt sich dennoch. „Wie soll ich denn etwas essen, wenn ich schuld an dem Ganzen bin?“
Er sieht in ihren Augen die Traurigkeit. Sieht wie sie die Vergangenheit durchlebt, welche Schuld sie in diesem Moment empfand. Er geht einen Schritt auf sie zu, berührt sie jedoch nicht.
„Was ist passiert?“, fragt sie und zeigt auf den Verband, der sich unter seinem T-Shirt abzeichnet. „Hast du dir wehgetan?“
„Nein. Es ist nichts.“, sagt er leise und bringt das Tablett zurück in die Küche.
***
Er spürt das Brennen in den Augen und weiß, dass er die Tränen nicht länger aufhalten kann. Ihr Körper wird immer leichter in seinem Arm.
Sie drückt sich ein wenig von ihm ab. Sieht ihn an und macht große Augen. „Ich werde gehen.“, sagt sie leise. „Es ist Zeit.“ Ihr Kinn zittert leicht.
„Ja.“, er nickt. Er streicht ihr über die Wange. Sie war wieder da. Sie war klar. Jetzt wo er sie verlieren würde, war sie zu ihm zurückgekommen. „Ja.“, sagt er nochmal. Ihm tut auf einmal alles weh. Jeder Knochen in seinem Körper beginnt zu brennen.
„Das ist nicht fair.“ Sie schüttelt den Kopf. „Wir sollten so viel mehr Zeit haben. Ich habe noch nicht mal richtig begonnen. Ich kann nichts zu Ende bringen. Ich will bei dir bleiben.“ Ihre Stimme überschlägt sich. Er kann die Angst in ihren Augen sehen. „Ich kann nicht bleiben.“
„Ich kann einen Arzt rufen, ich kann das alles beenden.“
Sie lächelt ihn an und schüttelt erneut den Kopf, diesmal viel ruhiger. „Ich wünschte, du könntest das alles beenden. Aber ich kann nicht bleiben.“ Sie greift nach seiner Hand und legt sie sich auf die Brust. „Du wirst wieder glücklich, hörst du?“
Er spürt sein Herz stolpern, spürt, dass es immer schwerer wird. Er hatte die Dunkelheit in sein Herz gelassen. In dem Moment, indem er ihr das gewünschte Medikament in ihr Glas gemischt hatte. In dem Moment, indem er sie nicht vom Trinken abgehalten hatte. „Wie könnte ich in einer Welt ohne Schmetterlinge glücklich sein?“, fragt er leise und zieht sie zu sich.
Sie lässt sich wieder in seinen Arm sinken. „Du musst.“ Ihre Stimme wird immer leiser, immer dünner. Es war schon fast an der Zeit.
„Ich hab Angst.“, sagt er. Es war an der Zeit ehrlich zu sein, es war kein Raum für Stärke. Kein Raum für zurückgehaltene Gefühle. „Angst alleine zu sein. Vor dem Moment, in dem du einschläfst. Ich habe Angst, wieder der zu werden, der ich nicht mehr sein wollte, weil du in meinem Leben fehlst. Du bist die Farbe in meinem Leben. Ich habe Angst, nie wieder glücklich zu werden und noch mehr davor, dass ich doch jemanden finde. Angst vor den Konsequenzen wegen dem, was wir hier tun.“
Sie wird immer und immer leichter in seinem Arm. Atmet mit jeder Minute schwerer.
„Ich liebe dich. So sehr.“, er zieht sie noch viel enger zu sich, als sie zu zittern beginnt.
Sie sieht zu ihm hoch. In ihren Augen liegen so viele ungelebte Jahre, so viel das sie noch zu sagen hätte. „Siehst du die Schmetterlinge?“, fragt sie und lächelt unter Tränen.
Er nickt.
Sie trinkt einen letzten Schluck, leert das Glas und nimmt ihm damit den Rest seiner Hoffnung, dass sie bei ihm bleiben könnte. Dann sackt ihr Arm hinab, das Glas zerbricht auf dem Boden und hinterlässt einen glitzernden Teppich aus rosa gefärbten Scherben. Das Lächeln liegt noch immer auf ihrem Gesicht. Sie atmet tief ein und schließt dann die Augen.
Er sitzt eine Weile dort, hält sie warm, weint. Er weiß nicht, wie viel Zeit vergangen ist, als er aufschreckt. Ihren letzten Atemzug hat er verpasst. Und doch hat er sie begleitet.
Sie war frei.
Sie war bunt und schwarz. Sie flog durch sein Leben. Dann war sie fort.
Sein Schmetterling.
 
Zuletzt bearbeitet:
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16.03.2015
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Hallo @VerenaB und willkommen hier,

und leider auch im Korrektur-Center. (Siehe auch hier.)

Du sagst, dass du "irgendwann meinen Traum vom verlegten Buch erfüllen" möchtest. Bis dahin ist es ein harter und steiniger Weg.

(Ich habe übrigens schon viele Bücher verlegt. Wo ist denn nur der neue Thriller von Eschbach geblieben? Ich muss ihn wohl verlegt haben.) :D
Spaß beiseite, hier ein paar Stellen, die du noch korrigieren solltest, damit dein Text wieder aus dem KC zurück zu den Kurzgeschichten verschoben werden kann. Es sind nicht viele verschiedene, aber dafür immer die gleichen, die sich durch den ganzen Text fressen.
Sollte also relativ schnell behoben sein, auch damit nicht alle Leser über das selbe stolpern müssen.

Gerade die permanent falschen Redebegleitsätze erschweren das Lesen sehr (geht mir jedenfalls so).

Schmetterling

***
„Ich kann dich nicht loslassen, hörst du?“, sanft streicht er ihr über die Wange und sieht, wie sich ihre Augen mit Tränen füllen.
Das Fette oben kannst du löschen. Der Titel steht schon oben drüber.
Wofür die drei Sternchen am Anfang der Geschichte?

„Ich weiß.“, ihre Stimme ist nur ein Hauch.
Hier nur ein Beispiel, kommt ständig vor.
Korrekt: "Ich weiß." Ihre Stimme ist nur ein Hauch.

So wie du es machst, schreibt man sonst Redebegleitsätze, die i.d.R. alle möglichen Formen von "sagen" beinhalten.
Z.B.: "Ich weiß", hauchte sie.

Er fährt mit den Fingern durch ihr Gesicht, fährt ihre Konturen nach.
Fährt, fährt. Unschöne Wortwiederholung.

„Ich weiß.“, ihre Antwort und der Klang ihrer Stimme ist der gleiche. Sie bewegt sich nicht.
"Ich weiß." Ihre ...
Sie bewegt sich nicht, also die Stimme, steht da. Oder meinst du die Frau?
Umgehen könntest du das Problem, wenn du nicht über namenlose Anonyme schreiben würdest.

Die Kerze auf dem Tisch flackert. Das Paar, welches Arm in Arm auf dem Sofa liegt wird von keinem Fernsehlicht gestört, keine Geräusche durchbrechen den Augenblick.
Welches Paar? Sind das jetzt zwei andere Personen?

„Ich kann dich nicht loslassen.“, sagt er nochmal an ihr Haar. Es riecht nach Kokosnuss und Vanille. Er hatte es ihr mitgebracht.
Sagt er an ihr Haar? :confused:
Und er hat es (also das Haar) mitgebracht? Ist er etwa Perückenmacher? :confused:


Er sieht nichts mehr von ihren Tränen. Was blieb, war der Ozean,
Mal Gegenwart, dann Vergangenheit. Prüfe mal den ganzen Text auf verschiedene Zeiten.
Hier ein ganz großes Durcheinander:

Es war der letzte Arbeitstag vor seinem Urlaub. Mit verschwitzten Händen greift er nach seinem Schlüssel. Er hatte sich beeilt, nachdem er seit zwei Stunden nichts mehr von ihr gehört hatte. Er hat Angst, hatte die ganze Zeit nur Angst. Er wusste, dass er es nicht länger aushalten konnte, der fehlende Schlaf machte sich längst bemerkbar. Er zitterte, ihm war kalt.

Er macht Kaffee und hört mit einem Ohr auf das leise Seufzen, dass sie immer dann von sich gab, wenn sie gerade wach wurde.
... Seufzen, das sie


Früher.












***
„Komm mit.“, die blonde zierliche Person lacht aus ihn aus roten Lippen an.
Wofür die Leerzeilen? Zwei reichen. Hast du öfter.


bevor er ein weiteres leisen Schlurchzen vernimmt.
leises Schluchzen

ohne auf die knarsch ( :sealed:) enden Dielen zu treten.
knarzenden

Im Cafe wird es stiller.
Café


„Komm mit.“, die blonde zierliche Person lacht aus ihn aus roten Lippen an.
laut aus ihn aus?


Er greift nach dem Glas vor ihm, nimmt einen Schluck von der dunkelroten Flüssigkeit.
Glas vor sich meinst du sicher.


Kein Raum für zurück gehaltene Gefühle.
zurückgehaltene

Ich muss noch so viele kleine Dinge erledigen, bevor .. Bevor ich gehen kann.
bevor ... bevor ich
Regel: Immer drei Punkte, i.d.R. klein weiter, speziell hier, weil der Satz hier nicht endet.


Er wollte ihr noch all das sagen, was er seitdem sie sich das erste Mal getroffen haben empfand, was sie aus ihm gemacht hatte. Sie hatte ihm eine Leichtigkeit gegeben, nachdem er so lange gesucht hatte. Und diese Suche hatte ihn an jenem Tag in den Park gebracht
Versuch es mal mit weniger "hatte".
Vorschlag:
Er wollte ihr noch all das sagen, was er seitdem sie sich das erste Mal getroffen haben empfand, was sie aus ihm gemacht hatte. Sie gab ihm eine Leichtigkeit, nach der er so lange gesucht hatte/suchen musste. Und diese Suche brachte ihn an jenem Tag in den Park ...

Wünsche dir viel Erfolg bei der Korrektur und viel Spaß im Forum.

Viele Grüße,
GoMusic
 
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05.11.2020
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Hallo @VerenaB und willkommen hier,

und leider auch im Korrektur-Center. (Siehe auch hier.)

Du sagst, dass du "irgendwann meinen Traum vom verlegten Buch erfüllen" möchtest. Bis dahin ist es ein harter und steiniger Weg.

(Ich habe übrigens schon viele Bücher verlegt. Wo ist denn nur der neue Thriller von Eschbach geblieben? Ich muss ihn wohl verlegt haben.) :D
Spaß beiseite, hier ein paar Stellen, die du noch korrigieren solltest, damit dein Text wieder aus dem KC zurück zu den Kurzgeschichten verschoben werden kann. Es sind nicht viele verschiedene, aber dafür immer die gleichen, die sich durch den ganzen Text fressen.
Sollte also relativ schnell behoben sein, auch damit nicht alle Leser über das selbe stolpern müssen.

Gerade die permanent falschen Redebegleitsätze erschweren das Lesen sehr (geht mir jedenfalls so).

Schmetterling

***
„Ich kann dich nicht loslassen, hörst du?“, sanft streicht er ihr über die Wange und sieht, wie sich ihre Augen mit Tränen füllen.
Das Fette oben kannst du löschen. Der Titel steht schon oben drüber.
Wofür die drei Sternchen am Anfang der Geschichte?

„Ich weiß.“, ihre Stimme ist nur ein Hauch.
Hier nur ein Beispiel, kommt ständig vor.
Korrekt: "Ich weiß." Ihre Stimme ist nur ein Hauch.

So wie du es machst, schreibt man sonst Redebegleitsätze, die i.d.R. alle möglichen Formen von "sagen" beinhalten.
Z.B.: "Ich weiß", hauchte sie.

Er fährt mit den Fingern durch ihr Gesicht, fährt ihre Konturen nach.
Fährt, fährt. Unschöne Wortwiederholung.

„Ich weiß.“, ihre Antwort und der Klang ihrer Stimme ist der gleiche. Sie bewegt sich nicht.
"Ich weiß." Ihre ...
Sie bewegt sich nicht, also die Stimme, steht da. Oder meinst du die Frau?
Umgehen könntest du das Problem, wenn du nicht über namenlose Anonyme schreiben würdest.

Die Kerze auf dem Tisch flackert. Das Paar, welches Arm in Arm auf dem Sofa liegt wird von keinem Fernsehlicht gestört, keine Geräusche durchbrechen den Augenblick.
Welches Paar? Sind das jetzt zwei andere Personen?

„Ich kann dich nicht loslassen.“, sagt er nochmal an ihr Haar. Es riecht nach Kokosnuss und Vanille. Er hatte es ihr mitgebracht.
Sagt er an ihr Haar? :confused:
Und er hat es (also das Haar) mitgebracht? Ist er etwa Perückenmacher? :confused:


Er sieht nichts mehr von ihren Tränen. Was blieb, war der Ozean,
Mal Gegenwart, dann Vergangenheit. Prüfe mal den ganzen Text auf verschiedene Zeiten.
Hier ein ganz großes Durcheinander:

Es war der letzte Arbeitstag vor seinem Urlaub. Mit verschwitzten Händen greift er nach seinem Schlüssel. Er hatte sich beeilt, nachdem er seit zwei Stunden nichts mehr von ihr gehört hatte. Er hat Angst, hatte die ganze Zeit nur Angst. Er wusste, dass er es nicht länger aushalten konnte, der fehlende Schlaf machte sich längst bemerkbar. Er zitterte, ihm war kalt.

Er macht Kaffee und hört mit einem Ohr auf das leise Seufzen, dass sie immer dann von sich gab, wenn sie gerade wach wurde.
... Seufzen, das sie


Früher.












***
„Komm mit.“, die blonde zierliche Person lacht aus ihn aus roten Lippen an.
Wofür die Leerzeilen? Zwei reichen. Hast du öfter.


bevor er ein weiteres leisen Schlurchzen vernimmt.
leises Schluchzen

ohne auf die knarsch ( :sealed:) enden Dielen zu treten.
knarzenden

Im Cafe wird es stiller.
Café


„Komm mit.“, die blonde zierliche Person lacht aus ihn aus roten Lippen an.
laut aus ihn aus?


Er greift nach dem Glas vor ihm, nimmt einen Schluck von der dunkelroten Flüssigkeit.
Glas vor sich meinst du sicher.


Kein Raum für zurück gehaltene Gefühle.
zurückgehaltene

Ich muss noch so viele kleine Dinge erledigen, bevor .. Bevor ich gehen kann.
bevor ... bevor ich
Regel: Immer drei Punkte, i.d.R. klein weiter, speziell hier, weil der Satz hier nicht endet.


Er wollte ihr noch all das sagen, was er seitdem sie sich das erste Mal getroffen haben empfand, was sie aus ihm gemacht hatte. Sie hatte ihm eine Leichtigkeit gegeben, nachdem er so lange gesucht hatte. Und diese Suche hatte ihn an jenem Tag in den Park gebracht
Versuch es mal mit weniger "hatte".
Vorschlag:
Er wollte ihr noch all das sagen, was er seitdem sie sich das erste Mal getroffen haben empfand, was sie aus ihm gemacht hatte. Sie gab ihm eine Leichtigkeit, nach der er so lange gesucht hatte/suchen musste. Und diese Suche brachte ihn an jenem Tag in den Park ...

Wünsche dir viel Erfolg bei der Korrektur und viel Spaß im Forum.

Viele Grüße,
GoMusic
Danke für die Anmerkungen, ich habe es korrigiert und hoffe, dass es wieder verschoben werden kann.

Viele Grüße
Verena B
 

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