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Schneefresse

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26.12.2014
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Schneefresse

Seit Stunden über den lehmigen Boden, Humpelschritte, klein, oh, viel zu klein. Amani, Amani. Ist Atem in dir? Noch Atem? Schrei ihn heraus, solange du Atem hast. Wenn er sich mit Husten vermischt, rotz ihn auch heraus. Rotz den gelben, dickflüssigen Schleim heraus. Wenn er blutig ist, würg auch das Blut heraus. Würg den Schmerz zwischen den Beinen heraus. Immer beginnt er zwischen den Beinen, Amani. Hab dich mit Schmerzen geboren und jetzt hab ich Schmerzen, solche Schmerzen. Ein Hund mit geschecktem Fell streicht ihr um die Beine, läuft fort. Ja, tatsächlich, hinter der einzeln stehenden Palme, das Dorf. Ihre Lippen vibrieren, brechen auf in Töne, in Silben.

Wir sind es müde, unter dieser
können es nicht ertragen, dass
Können es nicht
tragen


Weitersingen, wie, oh, wie. Staubwolken wirbeln über das offene, ockerfarbene Land, tragen den Klang.

Die Dächer der Wellblechhütten, oh, so verschwommen. Sonne im Fenster. Erst kurz vor ihr ist das Kind auf dem rostigen Fahrrad ausgewichen. "Du, Schneefresse!" Sie hat nicht einmal Kraft, zu schimpfen.

Eine Frau, den Eimer auf dem Kopf, bleibt stehen, und ihr Kleid verrutscht.

Dieu auf der Treppe. Hohe Wangenknochen, die Zahnlücke. Wo kriegt er immer diese Zigaretten her.
"Zwei Tage! Wo bis' du gewesen? Du siehs' nich‘ gut aus." Sie möchte in seine Arme, er wird schmal und verschlossen.
"Is' das Mehl in dein'm Gesicht? Wo is' das andere Mehl?"
Sie schüttelt den Kopf, flüstert: "Amani. Amani?"
"Drin', Fieber. Nein, besser nich'. Malaika is' bei ihr."
"Du!"
Seine Hemdtasche, ausgebeult von der Packung Marlboro. "S'päter. S'päter, Bibi." Mein Arm im Schraubstock.

Und das grüne, dichte Gehölz, die Männer hocken beieinander wie lauernde Leoparden. Ein Regenguss ist gerade heruntergekommen.
Was wird er sagen. Dann wärst du ganz allein.

"Der kaputte Laster is' weg. Hat nich' viel gebracht. Jetz' sind Paka und die anderen bei Viviane, ihr Arschloch von Bruder wird dreißig", sagt Dieu, nimmt einen Zug.

Wolken am Halbrund, rötlich wie Haut. Der Druck einer Hand löst sich von ihrer Schulter, als flöge ein Vogel auf.

"Morgen fahr' ich wieder mit John raus. Wenn er nur nich‘ so ungeduldig wäre, das is‘ das Problem mit ihm, er verliert s'nell die Geduld ..."

Langsam zerrinnen die Wolken.

"Nun sag schon, wo is' das Mehl? Hattes' du einen Unfall?"
Sie spannt die Mundwinkel. Die Baracke am Ende des Waldes. Decken, offene Pfannen, auf denen Klebstoff schwelt. Weitere Männer, auf Kisten, auf dem Boden hingeräkelt. Einer von ihnen sagte aus dem Schatten: "Na?"

Wir sind müde

Ein Ohrring fehlt, der andere ist gebrochen.

Dieu schüttelt den Kopf, geht zu Shaquan hinüber, redet auf ihn ein. Sie hockt sich irgendwo hin, wischt über die Stirn. Mehl rieselt in hellen Flocken zu Boden. In der Ferne das Rauschen des Flusses.
 
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08.01.2018
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Hi @Manlio !
"Schöne Geschichte" mag ich da nicht sagen. Keine leichte Kost. Dazu passend lässt dein Schreibstil auch nicht zu, den Text "mal eben nebenbei" zu lesen. Da kriechen die Erkenntnisse Satz für Satz und Schritt für Schritt ins Bewusstsein. Dem Thema angemessen, wie ich finde. Und aus meiner Sicht schadet es nicht, wenn ein Text die Erbse zwischen den Ohren zum Rotieren bringt. Da spule ich dann auch gern mal ein Stück zurück, wenn ich einen Namen nicht gleich (oder nicht mehr) zuordnen kann. Von daher passt für mich die anspruchsvolle Form zum Inhalt, der so viel wuchtiger wirkt als kurz und knackig vor die Füße geworfen.

Zwei mögliche Flusen:
Eine Frau, den Eimer auf dem Kopf, bleibt stehen, und ihr blaues Kleid verrutscht.
Wenn wir den Einschub mal entfernen, steht da: "Eine Frau bleibt stehen und ihr blaues Kleid verrutscht." Da braucht es vor und kein Komma.
Wo kriegt er immer diese Zigaretten her.
Kleinlich, aber ich würde da ein Fragezeichen setzen.

Insgesamt von mir: Gut gemacht! Finde ich wichtig, solche unangenehmen Themen immer wieder ans Licht zu bringen.
Danke dafür!
LG
Joyce
 
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28.12.2009
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Hallo @Manlio

ein sehr guter Text, wie ich finde. Das sind kurze Passagen, hingeworfen wie Dialogfetzen, das löst die konventionelle Narration auf, da franst es aus, aber es soll ja auch gar nicht so sein, der Text will keine echte Geschichte sein, denke ich jedenfalls.

Mir sind manchmal zu viele Wörter aus dem ausgesucht düsterem Wortschatz dabei: toter Baum, schorfige Beine, trockene Lippen - da malst du mit kräftigen Strichen, aber es wirkt in der geballten Ladung zu krass, zu grell, zu viele Symbole, die etwas unterstreichen sollen, als würdest du da dem Text nicht ganz vertrauen. Hast du gar nicht nötig. Würde ich reduzieren.

Die Dialoge. Das erinnert mich an eine Übersetzung von den Gedichten John Berrymans, er hat einen Schwarzen als zweites Gesicht des Dichters, eine literarische Personae erfunden, die in der deutschen Übersetzung sehr ähnlich klingt.

Schneefresse. Der Titel spielt eine Rolle, ich weiß nur nicht genau, welche.

Gruss, Jimmy
 
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12.04.2007
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»Einsam stand ich und sah in die Afrikanischen dürren
Ebnen hinaus; vom Olymp regnete Feuer herab,
Reißendes! milder kaum, wie damals, da das Gebirg hier
Spaltend mit Strahlen der Gott Höhen und Tiefen gebaut.
...« aus Hölderlins »Der Wanderer«​

Glaubte zunächst, Hölderlin (natürlich der im Turm) zu lesen, was aber bei der Begegnung mit Gott
Dieu auf der Treppe.
abgehakt war und mit dem Namen Amani (Kisuaheli = „Friede/n“) Blechhütten u. a. verorten ließ. Ja, was wird aus der Wiege der Menschheit (wurde nicht Lucy in Ostafrika gefunden?), quasi unser aller Urmutter – und doch stutz ich auch hier, wenn ich an Trassen im Pott denke, die für Radfahrer und Fußgänger geöffnet sind und der Mountainbiker sich für den Herrn der Welt hält (da passte dann auch "Scheefresse" fürs Bleichgesicht), oder wenn sie den Wald entdecken und niederwalzen
Erst kurz vor ihr ist das Kind auf dem rostigen Fahrrad ausgewichen. "Du, Schneefresse!" Sie hat nicht einmal Kraft, zu schimpfen.
(auf die Zigaretten mit dem Versprechen von Freiheit des Cowboys, an sich Hilfsarbeitern, die das Vieh hüteten oder bis in die Schlachthöfe trieben, um sich hernach ggfs. einen neuen Job suchen zu müssen, will ich gar nicht zurückgreifen),

lieber Manlio.

"Drin', Fieber, hohes Fieber. Nein, besser nich'. Malaika is' bei ihr."
„Malaika“, ein „Engel“, passend zum Gott auf der Treppe ...

"S'päter. S'päter, Bibi."
Die Lösung des „schpäter“ mit dem s‘pitzen S‘tein zu lösen lässt mich alternativ Lautschrift vorschlagen, statt [‘ʃpætɐ], [‘spætɐ].

Friedel
 
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26.12.2014
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Hallo @joycec

Insgesamt von mir: Gut gemacht! Finde ich wichtig, solche unangenehmen Themen immer wieder ans Licht zu bringen.
Danke dafür!
Danke dir auch für den Kommentar! Die Flusen sehe ich mir noch an.

Hi @jimmy,

danke für deine freundliche Einschätzung. Ja, der Text ist sehr düster und adjektivlastig, ich schaue, ob ich das reduzieren kann. Man selbst sieht solche Sachen oft gar nicht, da ist dein Feedback sehr hilfreich.

Hola Friedel,

ja, sprechende Namen, sehr guter Hinweis. Leider ist aus dem Text die Hoffnung auf alles Metaphysische so ziemlich herausgenommen, wenn selbst Gott Marlboros raucht. Aber "Amani" als "Wunsch", als Hoffnung, das ist doch ziemlich real fundiert.

Die Lösung des „schpäter“ mit dem s‘pitzen S‘tein zu lösen lässt mich alternativ Lautschrift vorschlagen, statt [‘ʃpætɐ], [‘spætɐ].
Den Vorschlag muss ich mir noch ansehen, das hier ist ein Vorab-Kommentar, um Rückmeldung zu geben :)

Danke euch allen,
Manlio
 
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26.12.2014
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Lieben Dank nochmals für die Anmerkungen. Ich habe den Text etwas verändert und zum Teil gekürzt.

Viele Grüße
M.
 
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10.09.2016
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Hey @Manlio ,

bin spät, aber viel geschrieben wurde hier ja nicht.

Ich habe diesen Text gern gelesen, weiß nicht, ob das ein Auszug, Fragment oder wirklich eine knappe Erzählung ist. Für mich fühlt es sich nach Auszug an. Ich mag deine Sprache hier sehr gerne. Natürlich frage ich mich auch ein wenig, was du mir da eigentlich erzählst und werde mich nach meinem Kommentar noch mal auf die Anmerkungen der anderen stürzen. Aber das hat mich nicht sehr gestört und das ist auf jeden Fall ein Kompliment. Sehr viel mehr kann ich dir nicht schreiben. Nur, dass das für mich auch länger sein könnte, nicht muss. In der Kürze fällt es ein bisschen schwer zu beurteilen, wie viel hinter den Zeilen wirklich steckt. Das ist ein bekanntes Problem; vielleicht deshalb das mit der Länge. Schöne Zeilen jedenfalls.

Liebe Grüße
Carlo
 
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26.12.2014
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Hallo Carlo,

schön von dir zu hören! Auszug, Fragment oder knappe Erzählung, interpretier es am besten für dich selbst, mir ist das eigentlich gar nicht so wichtig. Ich hab versucht, durch diesen fetzenhaften Stil nah an die Prot. ranzukommen, möglichst wenig Schicht zwischen Erzählung und Erzähltes zu legen. Sodass das Verhalten und der Gedankenstrom der Prot. manchmal etwas seltsam (sprunghaft) rüberkommen und die Zeit nicht kontinuierlich abläuft ... Soviel dazu vielleicht. Ich weiß auch gar nicht, ob das geglückt ist, ich bin immer in Versuchung, noch was hinzuzufügen oder umzubauen, aber so richtig möchte ich es dann doch auch wieder nicht. Der Text ist sehr kurz, wahrscheinlich zu kurz, selbst für Flash Fiction, das führt zu Problemen, da gebe ich dir Recht.

LG Manlio
 
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02.01.2011
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Hi Manlio,

Würg den Schmerz zwischen den Beinen heraus.
Das ist zwei- oder sogar dreideutig an der Stelle: Entweder, sie übergibt sich im Sitzen zwischen seinen Beinen, oder es handelt sich um einen Schmerz, der zwischen den Beinen lokalisiert ist. Du klärst das ein paar Sätze später auf, wie es wohl gemeint ist, aber gerade zu Beginn des Textes finde ich, wirft das ein wenig raus

Seit Stunden über den lehmigen Boden, Humpelschritte, klein, oh, viel zu klein. Amani, Amani. Ist Atem in dir? Noch Atem? Schrei ihn heraus, solange du Atem hast.
Das ist entweder klar in der Ich-Perspektive geschrieben - und zwar, wenn Amani die Tochter der Prot ist - oder in einer kommentierten auktorialen Perspektive - wenn Amani der Name der Prot selbst ist. Gerade, weil man auch noch nicht klar wissen kann, dass der Prot eine Frau geschweige denn Mutter ist.
Ich finde, die Unsicherheit zu Beginn des Textes macht ihn etwas schwierig zum Einsteigen, weil die Rollenverteilung und Perspektive mehrere Möglichkeiten offen lässt.
Es könnte z.B. hier auch ein auktorialer Erzähler erzählen, der die Frau dort im Gehen beobachtet - wenn sie Amani heißen würde - und kommentiert, was er sieht.

Seit Stunden über den lehmigen Boden, Humpelschritte, klein, oh, viel zu klein. Amani, Amani.
Vorschlag: Mach das deutlicher, wer Amani ist. Sonst versteht man das nicht zu Beginn des Textes, dass das die Tochter ist, und nicht die Prot selbst, zu der ein auktorialer Erzähler spricht. Ich würde Amani, Amani, mein liebes Mädchen/Tochter o.ä. daraus machen

Die Dächer der Wellblechhütten, oh, so verschwommen. Sonne im Fenster. Erst kurz vor ihr ist das Kind auf dem rostigen Fahrrad ausgewichen.
Hier switched du von der Ich-Perspektive in die auktoriale Perspektive, oder? Also ich glaube, dass der Prot hier ein Mädchen mit dem Rad entgegen fährt, dass das im Jetzt passiert. Ich finde diese Switch verwirrend, zumindest wird auch nicht klar, ob es sich nicht vielleicht um den Unfall der Tochter der Prot handelt. Aber das Mädchen ist ja ausgewichen, und danach schreit sie noch etwas, Schneefresse - der Prot entgegen, so kommt es mir vor.

Eine Frau, den Eimer auf dem Kopf, bleibt stehen, und ihr Kleid verrutscht.
Auch hier: auktorial. Das ist ein Erzähler, der das sagt.

Dieu auf der Treppe. Hohe Wangenknochen, die Zahnlücke. Wo kriegt er immer diese Zigaretten her.
Wieder Ich-Perspektive

Ich finde das einen starken Text, allerdings musste ich ihn zweimal lesen, bis ich ihn wirklich begriffen habe - das liegt v.a. an der unklaren Rollen- und Perspektivverteilung zu Beginn. Das Switchen von auktorial zu personal führt dazu, dass nach einem "unsicheren" Einstieg (im Bezug darauf, dass ich mir zu Beginn nicht sicher war, wer über wen spricht) die Perspektivwechsel zusätzlich verwirrend wirken.

Sprachlich finde ich das sehr stark, auch die schlagschattenartigen Frequenzen, das ist ein sehr guter Text, Manlio, auch die Figuren, v.a. der Mann, wirken lebendig und authentisch. Der düstere, lyrische Flair kam gut rüber und hat mir sehr gut gefallen. Wie du hier mit Leerstellen spielst, finde ich sehr gut. Würdest du das Material, mit dem du arbeitest, noch klarer und eindeutiger für den Leser positionieren und Mehrdeutigkeiten nicht zulassen, würde der Text gewinnen.

Beste Grüße,
zigga
 
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Wortkrieger-Globals
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24.01.2009
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Hey @Manlio,

jetzt aber! Vorab, ich mag den Sound. Ich habe den Text laut gelesen und das klingt wirklich sehr schön, ein, zwei Stellen fügen sich für mich nicht, aber ansonsten mochte ich das sehr.

Seit Stunden über den lehmigen Boden, Humpelschritte, klein, oh, viel zu klein.
Ja, diese "oh" z.B. fügen sich für mich nicht ins Klangbild. Auch bin ich von den Wiederholungen bin ich nicht überzeugt. In meinem Text (der es nicht ist) würde ich : klein, oh,

Amani, Amani. Ist Atem in dir? Noch Atem? Schrei ihn heraus, solange du Atem hast.
Und auch das.

Oder hier:
Wenn er sich mit Husten vermischt, rotz ihn auch heraus. Rotz den gelben, dickflüssigen Schleim heraus.
Würg den Schmerz zwischen den Beinen heraus. Immer beginnt er zwischen den Beinen, Amani. Hab dich mit Schmerzen geboren und jetzt hab ich Schmerzen, solche Schmerzen.
Ja, ist mir zu dicke mit den Wiederholungen und die fügen sich auch nicht wirklich gut in den Klangteppich. Aber allein mein subjektives Empfinden.

Schmerzen zwischen den Beinen, Geburt ist klar, aber bei Amani? Ich musste an Beschneidung denken und eine anschließende Infektion, keine Ahnung ob das tatsächlich das Thema ist, der Text lässt mich nach diesem Satz mit meinen Gedanken allein. Könnte genau so gut eine Vergewaltigung gewesen sein oder auch hier eine Geburt oder ganz was anderes und die Erzählerin wünscht sich nur, Amani könnte den Schmerz herauspressen, das Leid. Finde ich ein wenig schade, dass der Text nicht konkreter wird, sondern sich so im Ungewissen verliert.

Weitersingen, wie, oh, wie.
Das ist ne Frage, oder?
Meine Variante wäre: Weitersingen. Wie nur wie? Also rein von der Melodie her.

Staubwolken wirbeln über das offene, ockerfarbene Land, tragen den Klang.
So schön!

Die Dächer der Wellblechhütten, oh, so verschwommen.
Ach diese "ohs" ... die sind beim still lesen nicht schlimm, aber laut sackt das immer so nach unten weg.

Sie hat nicht einmal Kraft, zu schimpfen.
Ach schön. Und hier würde ich auch auf das Komma verzichten.

Mein Arm im Schraubstock.
Verstehe ich nicht.

Und das grüne, dichte Gehölz, die Männer hocken beieinander wie lauernde Leoparden. Ein Regenguss ist gerade heruntergekommen.
Auch so ein Liebling.

Was wird er sagen. Dann wärst du ganz allein.
Verstehe ich auch nicht.

Der Druck einer Hand löst sich von ihrer Schulter, als flöge ein Vogel auf.
Mein Highlight.

Ein Ohrring fehlt, der andere ist gebrochen.
Ach schön. Kleine, ganz feine Details die so viel Bild malen.

Am Ende weiß ich zwar nicht, was der Text mir erzählen will, mag an mir liegen, aber ich mag den zweiten Teil total gern, die Fetzen der Wahrnehmung die sich zu einem Bild fügen, was echt Kraft hat. Der erste Teil wird ja sehr von den Sorgen der Mutter getragen, auch schön, aber für mich eine Spur zu nebellös, da fehlen mir ein, zwei Teile im Puzzle. Ist ein löchriges Bild. Mir fehlt gar nicht viel, nur eine Richtung. Trotzdem habe ich das sehr gern gelesen.

Beste Grüße, Fliege
 
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26.12.2014
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Hallo zigga,

toller Kommentar, hat mich sehr zum Nachdenken gebracht!

Das ist zwei- oder sogar dreideutig an der Stelle
ja, genau, sie schweift von Amani zu sich selbst ab, das ist schon ziemlich kompliziert, ich versuchte hier, so wirre Gedankengänge abzubilden, Assoziationsketten im s.o.c.

Das ist entweder klar in der Ich-Perspektive geschrieben - und zwar, wenn Amani die Tochter der Prot ist - oder in einer kommentierten auktorialen Perspektive - wenn Amani der Name der Prot selbst ist.
Ersteres, ja.

Ich finde, die Unsicherheit zu Beginn des Textes macht ihn etwas schwierig zum Einsteigen, weil die Rollenverteilung und Perspektive mehrere Möglichkeiten offen lässt.
Darauf beiße ich gern ein bisschen herum, grundsätzlich gefällt mir diese Unsicherheit gut, ist schon ein beabsichtigtes Merkmal des Textes.

Ich würde Amani, Amani, mein liebes Mädchen/Tochter o.ä. daraus machen
darauf kaue ich auch ein bisschen herum, ob ich das mache - mir ist das eine Spur zu "tellig", aber dein Vorschlag hat was für sich.

Hier switched du von der Ich-Perspektive in die auktoriale Perspektive, oder?
Gute Frage. Nein, so war es nicht gedacht. Es ist ein Switch in die personale Erzählperspektive, wobei ich hier verdeutlichen will, dass die Prot. etwas gerade Geschehenes erst nachträglich realisiert. Sie hat das Kind nicht bemerkt, weil sie so neben der Spur ist. Da findet quasi ein Zeitsprung statt. Ich muss noch mal überlegen, ob das so wirklich gut ist und ob ich das wirklich völlig korrekt analysiert und umgesetzt habe ;)

Auch hier: auktorial. Das ist ein Erzähler, der das sagt.
Also auktorial wollte ich in diesem Text eigentlich nirgends sein, es ist ein Hin und Her zwischen s.o.c. und personaler Perspektive, jedenfalls war es so gedacht

Wieder Ich-Perspektive
Richtig

Das Switchen von auktorial zu personal führt dazu, dass nach einem "unsicheren" Einstieg (im Bezug darauf, dass ich mir zu Beginn nicht sicher war, wer über wen spricht) die Perspektivwechsel zusätzlich verwirrend wirken.
Schlecht, wenn es zu sehr verwirrt, in jedem Fall. Gerade das kleine Vexierspiel mit Perspektiven, Zeitsprüngen etc. fand ich hier sehr reizvoll, um, wie jimmy es richtig schrieb, wegzukommen von der konventionellen Narration.

Vielen Dank!
Manlio
 
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26.12.2014
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Hallo Fliege!

Schön von dir zu hören (zu lesen)! Glückwunsch übrigens zum 3. Platz in der Challenge! Das war eine sehr schöne Geschichte vom Bürgermeisterkönig!

Über den meisten deiner Änderungsvorschläge, gesteh ich, werde ich einfach mal meditieren, lange meditieren, und dann schauen. Das hat sehr viel Berechtigung, ich muss es aber auf mich wirken lassen.

Ja, diese "oh" z.B. fügen sich für mich nicht ins Klangbild.
Gut möglich, ich hatte versucht, hier so eine Art "Keuchen" abzubilden, eine große Anstrengung, die der Marsch nach Hause mit sich bringt. Das lässt dann nach, wenn sie ins Dorf kommt; sie kommt quasi ganz langsam zur Ruhe.

Ja, ist mir zu dicke mit den Wiederholungen
Verstehe ich vollkommen, ist ganz schön geballt am Anfang, darüber muss ich nachdenken. Ich habe das glaub ich gemacht, um sowas abzubilden wie, dass die Gedanken in ihrem Schädel herumprallen wie ein Ball und sich immer wieder bemerkbar machen:

- Schmerzen
- Amani, die Tochter
- heraus

Warum "heraus"? Es ist ein mehrfaches Bild: 1) Geburt, gebären 2) Schande, von der sie sich befreien will ... 3) ???

Finde ich ein wenig schade, dass der Text nicht konkreter wird, sondern sich so im Ungewissen verliert.
Das hatten auch schon andere bemerkt, vermutlich ist es wirklich zu nebulös.

Meine Variante wäre: Weitersingen. Wie nur wie?
Auch gut, der Vorschlag!

Ach diese "ohs" ... die sind beim still lesen nicht schlimm, aber laut sackt das immer so nach unten weg.
Ich finde das auch durchaus gut, Interjektionen, die den Fluss ausbremsen, symbolisieren, wieviel Mühe ihr alles bereitet.

Verstehe ich nicht.
Ist etwas schief in den Wind gestellt, Wechsel des Personalpronomens, soll zeigen, dass sie an ihm nicht vorbeikommt, dass er sie festhält.

Ich glaube, ich habe deine wesentlichen Kritikpunkte verstanden, danke dafür.

Manlio
 
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