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Schreibendes Mädchen

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Schreibendes Mädchen

Meine Patentante Gertraud Holzner (55)​
besuche ich, Melanie Stein (16),​
fast jeden Freitag nach der Schule​
und wir essen zusammen.​
Sie schreibt seit ihrer​
Jugend Gedichte, die meisten reimen sich nicht.​
Sie sagt:​
„Oft macht es schon der Zeilenumbruch“ und​
„Schreib Momente auf, das macht Spaß.“​
Mein Onkel Willibald sah diese Zeilen, sagte,​
das sei ja fast eine Art Motto, da muss man​
noch was Klassisches anfügen (er ist Linguist):​
ficta voluptatis causa sint proxima veris.

Momente.

Die großen Ferien waren gestern zu Ende.
Und ich probiere es ohne Zeilenumbruch, vielleicht zeige ich Gertraud,
was ich geschrieben habe.

Erster Schultag im Gymnasium. Gottseidank setzte sich Natalie heute vormittags neben mich. Vorletzte Reihe am Fenster. Draußen wogt der Kastanienbaum.
Sie spinnt seit drei Monaten auf Ewald, eher ein Doofling, aber verdammt gut aussehend. Bisher ohne Erfolg.
"Du wirst nie erraten, was gestern passiert ist."
(Drei rosa Einhörner in jeder ihrer Pupillen.)

"Ewald hat dich geküsst."
"Hei! Woher weißt du das?"
"Na, ja."
Sie legte ihren Ballettarm um mich, sie hat einen Ballettarm. meiner sieht aus wie der eines Bonobos.

Wir hatten vor drei Wochen ausgemacht, in´s Kino zu gehen. Das konnte man jetzt vergessen. Dabei hatte ich mich so gefreut, dass er am Donnerstag anläuft: "Das Jahr der ersten Küsse". Der liebe Gott hatte heute seinen teuflischen Spaß mit mir, oder?
Natürlich, könnte auch allein gehen, bin schon groß, ich weiß, wie man eine Kinokarte kauft. Aber trotzdem. Mal gucken, was die nächste Katastrophe ist.
Die Tür ging auf. "Guten Tag. Ich bin Frau Martens, Ihre Klassenleiterin."
Wir schauten uns an, stolz und grinsend.
"Ja, Sie werden gesiezt ab diesem Schuljahr", seufzte die Dame in den Raum hinein.

Sie legte ihre Aktentasche auf den Schreibtisch und las die Klassenliste vor.
Wer neu dazugekommen ist, wer nicht. Dabei pendelte die Brille, die an einer Kette vor ihrer Brust hing, hin und her.
Sie guckte jeden kurz an.
"Melanie Stein", sagte sie.
"Hier", sagte ich.
Und wartete, was jetzt so kommt, wie immer beim Schulanfang.

"Klassensprecherwahl, Schülerausweise, Bücherausgabe, das macht der zweite Klassenleiter, Herr Ginschel."
Sie setzte die Brille auf. "Mein Fach ist Mathematik. Wir haben viel vor."
Noch 39 Minuten.

 
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Hallo @Willibald .

man kann bei dir sicher noch sagen: Ganz herzlich willkommen im Forum! :)

Ich falle mal mit der Tür ins Haus: Du hast seit einer (knappen?) Woche einen Text mit grad mal einem Komm, einen Text mit 0 und nun diesen eingestellt. Das halte ich nicht für sinnvoll, sorry. Du wirst nicht kommentiert, nur weil du das Forum mit Texten flutest.

Deine Kommentare finde ich erfrischend, manchmal vllt, ein bissl prosaisch, aber sympathisch. Ich will dir also nicht ans Bein pissen.

Du hast dich ja ne Weile her umgesehen und bestimmt gemerkt, dass es um Textarbeit geht (lakita sagte es ja bereits unter einem deiner anderen neuen Texte). Alle deine Beiträge lesen sich wie Blogeinträge - ja, vielleicht ist alles fiktiv, vielleicht sind alles Erzähler / Protas und keine Mary Sues, obwohl sie sich so lesen. Aber es sind eher ziemlich mäandernde Prosa-Artikel, Statements zu Lifestyle und Zeitgeist, und weniger tatsächliche Kurzgeschichten.

Was mich wirklich massiv abschreckt und auch verhindert, dass ich mich auf deine Texte konzentrieren kann, ist dieser Overkill an Bildern. Was den Blogeintrag-Charakter eben noch extrem verstärkt. Deine Texte können gar nicht für sich allein stehen - aber es geht hier ja um Texte. Sowas ist eher auf einer eigenen Homepage oder eben Blog angebracht.

In Büchern oder Magazinen finde ich Illustrationen toll, aber da sind die Texte (semi-)professionell, lektoriert, ausgereift. An dem Punkt sehe zumindest ich dich noch nicht. Wie wäre es, wenn du mal die Bilder rausnimmst und guckst, ob du dann mehr Rückmeldungen bekommst.

Und warte doch bitte einfach mal, bevor du einen Nullantworten-Text nach dem anderen postest. ;)

Ich hoffe, das klingt nicht unfreundlich, aber ich nehme stark an, die Form und der Stil dieser Texte lässt WKler warten und zögern (ich zumindest war sicher, die Texte würden gelöscht, weil Blogeinträge nicht erlaubt sind).

Es gibt irgendwo im Kaffeekranz einen Faden, in dem Leute reale oder fiktive Reiseerlebnisse posten können - würden deine Text vielleicht dort besser passen? Auch, wenn nix autobiographisch ist, sondern alles Fiktion?

Zum Text hier:
Bitte nicht für jeden Satz eine neue Zeile. Damit blähst du nur die Bedeutsamkeit künstlich auf, wobei die Sätze noch trivialer klingen, als sie eigentlich sind.
Form ist: einfache Zeilenschaltung bei Sprecher- oder Fokuswechsel; oder neuem Setting bzw. Zeitsprung.
Die wörtliche Rede muss bei der Figur bleiben, die spricht. Wenn du Redebegleitsätze oder Handlungen des Sprechers jeweils hast, muss das alles im Fließtext in einem Absatz. Sonst erschwert es das Verstehen und man fliegt dauernd raus.

In der momentanen Form nimmt mir das jede Lust, mehr als ein paar Zeilen zu lesen, sorry.

Überschriften ohne Punkt am Ende.

Wirklich ganz herzliche Grüße, nix für ungut,
Katla

 
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14.02.2022
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Grüsse Dich @Katla,

Dank für Deine Rückmeldung.
In der "Kissenburg" finden sich einige Textkommentare von mir, so dass das Verhältnis von Arbeit an fremden Texten und der Produktion eigener Texte wohl doch recht ausgewogen ist.

Blogcharakter und Bilderflut, ich weiss nicht. Aber das kann man natürlich so sehen.

Beste Grüße

 
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01.05.2009
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Hallo @Willibald ,

naja, wenn du dir mal bei langjährigen Mitgliedern das Verhältnis Texte vs Komms anschaust, weiß ich nicht, ob du dir da schon auf die Schulter klopfen solltest ... ;) Ich jedenfalls hab hier keine 1.000 Kurzgeschichten eingestellt. :D

Was ich meinte, war: Es ist üblich und auch sinnvoll, erst mal unter einem Text Kommentare zu sammeln, bevor du einen neuen einstellst. Wenn du keine Kommentare bekommst, rate ich, eher mehr Antworten unter Fremdtexten zu schreiben, anstatt mehr Texte reinzuballern.

Die Möglichkeit, Photos einzustellen, ist recht neu. Ich nehme an, das ging vorher aus gutem Grund nicht. Fakt ist, dass ich mich nicht erinnern kann, dass jemand, der so relativ aktiv ist wie du, derart wenig Antworten bekommt - daher vermute ich, es könnte mehr Leuten so gehen wie mir und daher rate ich eben, weniger blogartig illustrierte Beiträge zu posten.

Den Rat zu ignorieren steht dir selbstverständlich frei. Die angemerkten Formsachen sollten allerdings korrigiert werden.

Cheers,
Katla

 
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14.02.2022
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Salute@Katla ,
der Kurztext ist als Rollenprosa einer Sechzehnjährigen ausgewiesen, das Zeilenumbruch-Dings ist auch thematisiert. Einmal im Vorspruch. Dann in der Zeichnung des Schreibtisches, da findet sich der Umschlag für eine Lyrik-CD.
Beste Grüße
w

 
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Hallo @Willibald ,

und willkommen im Forum. Es fällt mir schwer, meine Gedanken zu diesem Text in Worte zu fassen, aber ich will es versuchen. Es mag also sein, dass ich nicht auf den Punkt bringen kann, was ich meine.
Zunächst einmal zu den Bildern, die Teil all Deiner Geschichten zu sein scheinen. Ich persönlich empfinde Bilder in Büchern eher als störend, das hat zwei Gründe:
1) Man fliegt aus dem Text. Man liest gemütlich und dann auf der nächsten Seite sind ganz andere Sinne gefragt, ich betrachte das Bild und vergesse den Text. Natürlich kann so etwas für Immersion sorgen, aber da wären wir bei
2) Anstatt meine Fantasie anzuregen, wirken diese Bilder auf mich eher hemmend, denn ich habe mir die ganze Zeit beim Lesen ein Bild im Kopf erstellt und dann plötzlich wird mir Freiheit genommen, das "vorgesetzte" Bild kämpft fortan mit der eigenen Fantasie.
Das sorgt für mich eher für ein negatives Gefühl mit diesen Bildern, und ich frage mich, welchen Mehrwert diese bringen. Aber hier liegt die Betonung definitiv auf "meine persönliche Meinung"
Ich habe gesehen, dass in Deinen anderen Geschichten noch mehr dieser selbst erstellten Bilder auftauchen und ich nehme an, dass es sich um ein Hobby von Dir handelt, um eine Eigenart, die Dir persönliche Freude bringt. Und warum auch nicht. Aber ganz im Sinne von "Der Kunde ist König" – oder der Leser in diesem Falle – solltest Du dich fragen, ob diese Vorliebe Deinen Texten einen Mehrwert bringt, zum Leseerlebnis beiträgt. Das ist zweifellos interessant und mal was Neues, aber zumindest diese ständigen "Bildunterbrechungen" sind für mich persönlich kein Plus für einen Text. (Dieses eine Bild am Ende – ja, ok, warum nicht)

Außerdem interessant ist der Aufbau dieses Textes im Speziellen. Du hast unter "Flash Fiction" gepostet und aufgrund seiner Länge ist er da sicherlich richtig. Wenn man den Aufbau betrachtet, vllt sogar eher Experimente? Für mich wirkt es jedenfalls wie ein solches und ich möchte in diesem Sinne auch gar nicht die Form beurteilen, denn allenfalls ist eine neue Idee immer interessant und man sollte sie nicht grundlegend verwerfen. Aber abgesehen davon hat mich der Inhalt nicht wirklich abgeholt. So eine richtige Geschichte ist das in meinen Augen nicht, es fehlt ja schlichtweg eine Handlung, und damit es diese geben kann, sogar ein Konflikt, ein Thema, ein Kern. Das sind nur einzelne Momente, die hier geschildert werden, wie eine Bildercollage wirkt das. Das war Deine Absicht und da Du in Flash Fiction gepostet hast, kann man in dieser Hinsicht vllt sogar ein Auge zudrücken, aber beide möchte ich nicht zudrücken müssen. Und das müsste ich, wenn ich diesem Text nicht den Status einer Geschichte absprechen wollte. Dafür passiert einfach zu wenig und Du hörst ja auch scheinbar mittendrin auf.

Meine Patentante Gertraud Holzner (55)besuche ich, Melanie Stein (16),fast jeden Freitag nach der Schuleund wir essen zusammen.Sie schreibt seit ihrerJugend Gedichte, die meisten reimen sich nicht.Sie sagt:„Oft macht es schon der Zeilenumbruch“ und„Schreib Momente auf, das macht Spaß.“ Die großen Ferien waren gestern zu Ende.
Und ich probiere es ohne Zeilenumbruch, vielleicht zeige ich Gertraud,
was ich geschrieben habe.
"Meine Oma sagte immer: „Oft macht es schon der Zeilenumbruch“ und „Schreib Momente auf, das macht Spaß.“ Und das probiere ich jetzt."
Das ist für mich die Kernaussage hierin. Alles andere hat eher Drehbuchcharakter und wenn ein Text solch eine Erklärung als Einleitung braucht ... Dann besser verpacken, in die Handlung einweben.

"Du wirst nie erraten, was gestern passiert ist."
(Drei rosa Einhörner in jeder ihrer Pupillen.) "Ewald hat dich geküsst."
"Hei! Woher weißt du das?"
"Na, ja."
Sie legte den Arm um mich, sie hat einen Ballettarm.
Meiner sieht aus wie der eines Bonobos. Wir hatten vor drei Wochen ausgemacht, in´s Kino zu gehen.
Das konnte man jetzt vergessen.
Dabei hatte ich mich so gefreut, dass er am Donnerstag anläuft: "Das Jahr der ersten Küsse ".
Man sieht: Gott hat einen teuflischen Spaß mit mir, oder?
Den jugendlichen, mädchenhaften Ton und die Gedankengänge dieser Person hast Du mMn wunderbar authentisch eingefangen und wiedergegeben, hier bekomme ich mit wenigen Zeilen schon ein Bild von diesem Mädchen. Schade, dass es davon nicht mehr gibt.
Natürlich könnte ich allein gehen, bin schon groß,
ich weiß, wie man eine Kinokarte kauft. Ironic Smile. Aber trotzdem.
Mal gucken, was die nächste Katastrophe ist. Die Tür geht auf. "Guten Tag. Ich bin Frau Martens, Ihre Klassenleiterin."
Wir schauen uns an, stolz und grinsend.
"Ja, Sie werden gesiezt ab diesem Schuljahr", seufzt die Dame in den Raum hinein.
Außerdem wirkt dieser schnelle Szenenwechsel sehr ungeschickt auf mich. Erst noch geht es um einen Kinofilm, dann ohne ersichtlichen Grund im Klassenzimmer. Hier sehe ich die erwähnte Bildercollage.
Das hat Charakter, oder könnte es haben, wenn es alles ein wenig mehr durchdacht und elaboriert wäre. Und dann hört der Text auch abrupt und mittendrin auf. Warum ist gerade das das Ende? Was wollte mir der Text sagen? Was hat er überhaupt erzählt?

Gut gemeint und gute Ideen/Ansätze, aber nein, sorry, als richtige Geschichte kann ich das nicht werten. Das alles nur mein Leseeindruck und meine persönliche Meinung dazu.

MfG

 
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14.02.2022
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Sei gegrüßt @Putrid Palace ,

kann gut nachvollziehen, was Du über das Einpflegen von Bildern in einen Worttext schreibst, und bin dankbar für Deine ausführliche Rückmeldung.

Mich fasziniert im Moment - das ist nicht nur privat - das Verhältnis von Bild-Text-Kombinationen bei W.G. Sebald und Hans Magnus Enzensberger . Und die poetische Struktur von "Faction". Und von lyrisch formatierter Prosa. Dass solche Features den Lesefluss stören können, stimmt.

Dann die Rollenprosa, eine Art Tagebucheintrag unter dem Motto ihres Gesprächs mi der Patentante.

Szenenwechsel liegt wohl nicht vor, die Ferien sind vorbei, die Schule beginnt. Und so setzt sich die Freundin neben sie, die "nächste Katastrophe" nach dem ausfallenden Kinobesuch ist dann, dass Frau Martens sich sofort in den Matheunterricht stürzt.

Also - sagen wir es wohlwollend - ein Impressionstext, eine Momentaufnahme, ein ... puh...der schulische Background wird deutlicher markiert.

LG
w

 
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Hallo @Willibald noch mal,

ich möchte mich gar nicht überengagieren, aber hierzu nur kurz einen Einwurf:

der Kurztext ist als Rollenprosa einer Sechzehnjährigen ausgewiesen, das Zeilenumbruch-Dings ist auch thematisiert.
Das mag sein, ist aber Latte.

Titel, Kapitelüberschriften, Anmerkungen, Fußnoten & Hochzahlen, voran- oder zwischengestellte Zitate (aus anderen Werken), Textformatierung, Font, Illustrationen und ihre Copyrights oder Bildunterschriften usw. sind alle auf Ebene des Autors, also außerhalb des Textes.

Die Erzählstimme ist aber auf Ebene des Erzählers, innerhalb des Textes.
Es gibt eine mikroskopisch kleine Anzahl von Genres, in denen der Autor mit dem Erzähler und ggfs. noch den Figuren zusammenfällt, ohne dass es ein handwerklicher Fehler ist, aber die Verwendung von Rollenprosa, Deep Point of View oder Soc gehört nicht dazu.

Du ziehst den Erzähler auf Autorenebene, und das sieht man sonst in Tagebüchern, Blogs, FanFiction bzw. Psychodrama-Geschichten.

Versteh mich nicht falsch: Prosa darf alles, der Autor kann machen, was er will. Die Frage ist eben, ob dein Umgang mit dem, was Stimme des Autors und was Stimme des Erzählers ist, deinen Texten nutzt oder - dramatisch ausgedrückt - schadet. Im Sinne des Bauhauses gesehen: Form Follows Function.

Das Bild hab ich mir nicht näher angeschaut, mir geht es hier um Textarbeit.

Ganz herzliche Grüße,
Katla

 
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Grüße Dich, @Katla,

noch kürzer: Als Kennerin slavischer Literatur und der Erzähltechnik ist dir bestimmt der Begriff Skaz oder Skas bekannt. Wolf Schmidt, der wackere Narratologe, hat - wie auch andere - damit feine Beobachtungen machen können.

Herzliche Grüße nach Finnland
w

 
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Hallo @Willibald ,

oh, mit slavischer Literatur kenne ich mich wenn nur sehr punktuell aus. Skaz sagt mir was, aber soweit ich weiß, bezieht sich das doch auch auf die Wahl der Erzählstimme (analog zu SoC, Rollenprosa oder Deep POV), nicht auf einen Zusammenfall von Autor und Erzähler.

Liebe Grüße in den Süden,
Katla

 
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Nanu,
Tschik, Fänger im Roggen, Call me not Ismael, Auerhaus, Die (neuen) Leiden des jungen Werther, Wiena und die wilden Tanten..

Der Ich- Erzähler der genannten Texte fällt genauso wenig mit dem Autor zusammen wie das Mädchen mit Willibald. Das ist ein fiktiver Text. Rollenprosa einer fiktiven oder fiktionalisierten Person/Figur, deren Position und Sprache der Autor einnimmt.

Beste Grüße in den Norden
w

 
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Hallo @Willibald ,

nicht zu vergessen: Platonovs Die Baugrube (wo er sich meiner bescheidenen Meinung nach keinen Gefallen mit den "Soziolekten" getan hat, abgesehen davon aber ein grandioses und grad sehr aktuelles Werk).

Der Ich- Erzähler der genannten Texte fällt genauso wenig mit dem Autor zusammen wie das Mädchen mit Willibald. Das ist ein fiktiver Text. Rollenprosa einer fiktiven oder fiktionalisierten Person/Figur, deren Position und Sprache der Autor einnimmt.
Ganz genau das ist ja mein Punkt. Aber du argumentierst hierbei die ganze Zeit mit der Ebene des Erzählers (die hab ich gar nicht kritisiert). Es geht um die Ebene des Autors, zu der u.a. Textbestandteile gehören, die ich oben aufgeführt hab.

Beispiel: Deine Protagonistin, die nicht du selbst bist, sondern die Erzählerin in einer Fiktion, würde den Titel mit einem Punkt schreiben. Du als Autor schreibst jetzt den Titel - der nicht auf Erzählebene, sondern Autorebene liegt - deswegen auch mit einem Punkt. Auf die Titelgestaltung hätte aber die Erzählerin, Protagonistin bzw. die Art der Erzählstimme überhaupt keinen Einfluß, weil die Gestaltung außerhalb des fiktionalen Textes liegt.

Das Gleiche gilt für die Formatierung. Für die Zwischenunterschriften, die Illustration, die Bildunterschrift etc.

Wenn du als Autor etwas mit dem Text machst (z. B. eine Überschrift- oder Textgestaltung), das auf der Ebene der Erzählerin, des fiktionalen Textes ist, fallen bei dir Autor und Erzähler formal zusammen, selbst wenn du als Person / Autor nix mit deiner Erzählerin zu tun hast. Verstehst du, was ich meine?

Sollte dieser Text quasi ein Faksimile des Tagebuches der Erzählerin sein, und das Bild hat sie ins Tagebuch gemalt, müsste zumindest die Bildunterschrift raus. Dann solltest du aber auch darauf verzichten, Infos an den Leser zu geben (z. B. das Alter von Figuren), die die Erzählerin selbst kennt und nicht notieren würde. Sie erzählt ja schon deutlich auch an den Leser gewandt, nicht für sich selbst.

Ich will dir das auch nicht ausreden, wenn du den Text so willst, dann sollst du ihn so machen. Gleiches gilt übrigens auch für deine anderen Texte. Aber wir reden die ganze Zeit aneinander vorbei, wollte ich nur kurz klären.

Herzliche Grüße,
Katla

 
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Hallo @Katla,

erst mal Danke für Deine Rückmeldung.
Sie ist gut verständlich. Den Punkt tu ich weg. Bleibt noch die Frage, ob der Titel "Schreibendes Mädchen" nicht recht deutlich auf einen Autor hinweist.
Deine Anmerkungen zu den paratextuellen Elementen sind ausführlich und bedenkenswert.

Aside: Bei dem Zyklopen geht es mir nicht um "realistischen" Slang oder Soziolekt, auffällig ist vielmehr die poetische Stilebene in der Figurensprache, fast schon "genus grande", so scheint mir

Herzliche Grüße
w

 
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Bleibt noch die Frage, ob der Titel "Schreibendes Mädchen" nicht recht deutlich auf einen Autor hinweist.
Das ist doch korrekt, weil dein Titel auf Autorenebene ist. Den Titel finde ich sehr gut, weil er eine gute Inhaltsangabe ist, ohne irgendwas zu spoilern. Macht neugierig, und - weil du ja eine Illustration hast - erinnert sogar an Titel von Gemälden.

Uff, sorry, ich will dich ja auch keineswegs zu was überreden, was du selbst gar nicht willst. Mir geht es also nicht um irgendwelche spießigen Regelsätze, sondern um die Kontrolle des Autors über seinen Text.

Fiktionales Tagebuch als Faksimile gestaltet kann übrigens sehr gut funktionieren, z. B. bei Emilie Autumns The Victorian Asylum for Wayward Victorian Girls. Es gibt echte, reale Tagebuchaufzeichungen, ihre eigenen Illustrationen, Photos, und dann auch noch einen spekulativen Prosateil, in dem sie ihre Erlebnisse in einem historischen Setting fiktionalisiert (als Mary Sue, aber ganz charmant und bewusst gemacht).

Ganz liebe Grüße,
Katla

 
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Man sieht: Gott hat einen teuflischen Spaß mit mir, oder?

Schön,

liebe Melanie,

dass du den Spaß verknüpfst

mit dem Antipoden

des Herrn, der buchstäblich

um sein Gleichgewicht muss

bangen, weil kein Kopfstand

garantiert sicher’n Stand.

Aber hier tut’s nicht der

Zeilenumbruch allein​


und so bietestu uns neben und nach der Theorie des Zeilenumbruchs den Zeilenumbruch für eine Kurzgeschichte, wie ich zB nicht nur in Kommentaren in Reimforem, gar klassisch (Seid so nett, zB) untergebracht habe. Mir gefällts und schon sind wir bei der Flusenlese,

lieber Wiilibald

Sie legte den Arm um mich, sie hat einen Ballettarm.

Natürlich darf sie ihre Arme behalten, aber im Satz sollte die Zeiteinheit gewahrt bleiben (und zeigt dann „haben“ in seiner ganzen Vielseitigkeit als Hilfs- und Vollverb).

Gern gelesen vom

Friedel

 
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Salute @Friedrichard,

Danke erst mal für die Rückmeldung. Das lyrische (nicht hinreichend für Lyrik>) Merkmal des Zeilenumbruches ist jetzt stark reduziert bis getilgt. Was bleibt, ist eine gewisse Poetizität trotzdem, so scheint mir. Und damit eine Annäherung an den Rat der Patentante und ein gewisser Erfolg des Schreibens: Momente, Shortcuts, Mosaik.

Das präteritale Vollverb in "sie hatte
einen Ballettarm" ist wohl nicht unbedingt erforderlich, stört vielleicht sogar ein wenig. Der Text setzt halt eine Erzählerin, die in einer sehr kurzen Erzähldistanz ("heute vormittags") agiert und so oszilliert ihr Text denn auch mehrmals zwischen dem Präsens der Vergegenwärtigung und dem Präteritum. Gewiss sieht die Melanie-Erzählerin den Kontrast zwischen dem Arm der schönen Nachbarin und ihrem Arm auch zum Schreibzeitpunkt als gegeben. Insofern kann man den "Gezeitenwechsel" als etwas Natürliches verknusen.

Wenn ich sage, der Text setzt eine Erzählerin, so geht das ein bisschen auf die Durchlässigkeit der Grenze zwischen Dokumentarischem und Fiktivem/Fiktionalem und um die gewisse Verunsicherung des Lesers hinsichtlich der Unterscheidbarkeit von Fiktion und Nichtfiktion.

Beste Grüße in das Rheinländische
w

 
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12.04.2007
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Sie legte den Arm um mich, sie hat einen Ballettarm.

Ob nun Fiktion oder Realität, es geht auch ohne vollständige Sätze der Art "Sie legte den Arm um mich, einen Ballettarm" und ginge natürlich noch kürzer "Sie legte ihren Ballettarm um mich."

Dichtung ist doch i. d. R. Verdichtung,

lieber Willibald

Friedel,
der noch ein schönes Wochenende wünscht!

 

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