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Türholz, rot

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Türholz, rot

"Ja?"
[Bäm. Bäm. Bäm.]
"Ach du bist das. Mein Arm tut ... weh von unserem letzten Treffen, du Blödmann."
[[sollteerauch, bohnenstangedurandnotiz]]
"Du ... wie der lebende Kopfschmerz, ..."
[Bäm, bäm. kopfepochtkrischanpochtsosehr]
"... nuschelst so. Bist du besoffen?"
[Hell. Bäm. kopfepochtsosehrkrissiwoissekrischan[lisa!wobistu?siehstumich?]]
"Bist besoffen. Wundert ... nicht. ..."
[gibsieraus, verdammterweiberficker]
"Um das hier kurz zu machen, Lisa ist zu ihrer Mutter ... Und selbst wenn ..."
[türmacheaufscheißkerl]
"Was? Den Teufel tu ich! Dass die Kette da hängt, hat seinen Grund! Die schützt uns nämlich vor Leuten wie dir!"
[Hell. Hell. Hell. türaufarschloch[binichwirklichsoschrecklichlisa]] Hell.
"Ich kann kein Wort verstehen. Wär‘ besser, du gingest jetzt."
[Hell. Hell, hell, [Tür, rot.]]
"... deinen Fuß aus der ...!"
[...][[redetwienpastorseinenaseimspaltwienpastorinnerritze]]
[Dunkel.]
"Wenn du hier Randale machst, rufe ich die Polizei. Nimm deinen Fuß aus der Tür, aber dalli!"
[... Dunkel. [ichbinnichtsolisa]]
„Wie bittebitte?“
[... Bäm. Bäm.]
"Wennichdichsoansehe ... und wie du riechst ... mein Gutt.[[Gott muss es heißen Gott]] Da muss ich sagen, sie hat kei... Fehler gemacht."
Knirsch. [Bäm, bäm. Bäm, bäm. [Lisawobistu guttwobistu bierflaschewobistu]]
"Das ist die letztewarnung."
[[Holzriechtnachdirlisariechtnachdir, riechtnachlack, nagellack]]
Quietsch.
"Wa...?"
[[Türholz, rot. riechtnachparfüm]]
"Hau jetz ab und gib Ruhe, kla...?"
Bums.
[... auau[kettedahängthatseinengrundgrundgrund gottmachdietürauf]]
"Ja, das hat schön weh getan was geh nach Hause schlaf deinen Rausch aus und dann überlege mal was bei dir schiefläuft Saufnasse das ist besser, al' hier 'rumzupöbeln."
[...]
"Was erzählstu?"
[ffffiikstsienur [ichliebedich]]
"Fickst sie nur? Hast du das gesagt? [[ja]] Fickst sie nur? [ja] Du ... reden! Was ist denn mit dir? Hast sie misshandelt!"
[weilsegeflirtethat[hatse!mitdir!]weilsegeflir]
"Geflirtet. Ist Flirten verboten? Darf sie das nicht? is erfachsen!"
[weilsemeinefrauismeinefrauis]
"Nur noch formal is sie deine deine Frau, mein Freund!"
[liebeliebeweil[...]]
"Liebe? Was verstehst du von Liebe!"
[liebesiemeinefrauisliebesie ... liebe ... fiiii .... ichliebesiefickstsienur ich würdeallesfürsietunalles]
"Das ist albern. Im Gegensatz zu dir kümmere ich mich um sie. Ich lade sie zum Beispiel mal zum Essen ein. Kennst du das 'Schlesingers' in der Innenstadt? Nein? Hab ich mir gedacht. Aber im Verprügeln, ... bist du groß. Nun verschwinde! Oder ich hau dir den Fuß kaputt!"
[warenfrüheroftamstrand. weißtdasnichtmehr. lisa!]
Rums, rums, rums.
"Und ab mit dir. Tschüss!"
Rums.
[lisa! sindwirnieessengegangen? ichhabedichgeschlagen ichhabedichgeschlagenweilichdichliebe hastgeflirtetlisamitihmmitihm wirgehörndochzusammen [weißtdunichtdassichdichliebe?]]
Bam. Bam.
"Hauan die Tür ... viel ... willst!"
Bam. Bam. Bam.
Bam. Bam. Bam. Bam. Bam.
[[sandflossdurchdeinhaarweißtnichtmehr]]
[Pfffllppp]
[Pfflp]
"Sind Sie in Ordnung in Ordnung in Ordnung in Ordnung?"
[lassemichlasselasseallealle]
"Iiiiiiiiiiiiiiiiiieeeeeeeeeeeh, er hat den ganzen Boden volllgekotzzzzt, Mami!"
[...]
"Okay. Ist okay. Wir gehen ja schon. Komm, Spatz, wir gehen."
"Wer ist der Mann, Mami?"
"Das ist egal, Spatz. Das geht uns nichts an. Komm, ... nichts an."
[[waren früher oft am strand. ham strandburgen gebaut und luftschlösser. die hingen in den wolken und waren so apart so apart]]
Hell. Rums. [[Lisa!]Lisa!washaterwasichnichthabediesebohnenstange?]Dunkel.[Dunkel.]

 
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Ich habe keine Ahnung, ob dieser Text funktioniert, weiß nicht einmal genau, ob er als Experiment durchgeht. Lasst mich eure Meinung wissen ...

LG, Manlio

 
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Hallo Manlio,

hhmm, ich versuch zu verstehen was da passiert. Ich glaube alles bekomm ich nicht zusammen. Ich versuch mal zu beschreiben was da bei mir ankommt.

"Ja?"
Bäm. Bäm. Bäm.
Person 1 steht in der Wohnung und Person 2 steht draußen und hämmert an die Wohnungstür.

"Ach du bist das. Mein Arm schmerzt immer noch von unserem letzten Treffen."
Person 1 schaut durch den Spion. Spricht durch die Tür, macht aber nicht auf. Warum tut der Arm von einem Treffen weh? Armdrücken?

Wofür stehen die Punkte? Eine Pause? Warum bleibt Person 1 an der Tür stehen? Oder stehen die Punkte für das was Person 2 sagt?

Hell. Bäm.
Das mit dem hell bekomm ich nicht hin. Geht das Licht im Treppenhaus an?

"Um es kurz zu machen, Lisa ist zu ihrer Mutter gefahren. Und selbst wenn ..."
Ok, Person 2 ist wohl der Nochmann von Lisa und Person 1 ist Freund/ Freundin von Lisa.

"Nein, ich mache die Tür nicht auf! Dass die Kette da hängt, hat seinen Grund!"
Die Tür wurde wohl doch geöffnet , nur die Kette hält sie noch zu.

Hell. Hell. Weiß.
Zweimal Licht an? Was soll das weiß?

Hell. Weiß, gelb, Türholz, rot.
Ich verstehs nicht.

Bums.
...
"Ja, glaub ich, dass das weh getan hat.
Person 2 wurde die Tür vor der Nase zugeknallt und hat sie wohl vors Gesicht bekommen?

Oder ich hau dir den Fuß kaputt!"
...
Rums, rums, rums.
"Tschüß!"
Rums.
Mhh, die Tür ist wohl doch nicht zu. Jett wird sie gegen den Fuß gehauen dr im Türspalt steht.

Pfffllppp
Pfflp
Hä?

"Sind Sie in Ordnung?"
...
Iiieh, er hat den ganzen Boden vollgekotzt, Mami!"
...
Andere Leute kommen vorbei. Warum hören wir was die sagen, aber nicht was Person 2 sagt?

Hell. Rums. Dunkel.
????

Wie du merkst, kann ich dem Geschehen nicht ganz folgen. Ich erahne nur was hier passiert. Soll das so sein? Ich empfinde es als etwas anstrengend. Irgendwie ärgert es mich, dass du mir so viel vorenthältst. Warum machst du das?
Wenn man zum Beispiel in der Wohnung ist und nur das hört was Person 1 sagt und ein paar Geräusche aus dem Flur, würde das Sinn machen. Das wäre dann jemand der im Wohnzimmer sitzt und lauscht. Aber sieht der dann auch das Helle und die Farben?
Und warum hört man dann die Leute im Flur?

So richtig überzeugt bin ich nicht, aber vllt bin ich auch nur zu faul und will alles vorgekaut bekommen. :Pfeif:

Liebe Grüße,
Nichtgeburtstagskind

 
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Hallo felixreiner,

ich freue mich, dass du mit dem Text etwas anfangen konntest.

die Idee, mit Auslassungen zu operieren, ist nicht neu, aber dennoch interessant!

Finde ich auch, deshalb dieser Versuch. Ob's geklappt hat, müsst ihr als Leser beurteilen.

Hi Nichtgeburtstagskind,

Ich glaube alles bekomm ich nicht zusammen.

Das Risiko, so sehr zu reduzieren, war mir schon ein Stück weit bewusst ;)

Oder stehen die Punkte für das was Person 2 sagt?

Ja.

Geht das Licht im Treppenhaus an?

Überlasse ich dir :D

Die Tür wurde wohl doch geöffnet , nur die Kette hält sie noch zu.

Jepp.

Wie du merkst, kann ich dem Geschehen nicht ganz folgen. Ich erahne nur was hier passiert. Soll das so sein? Ich empfinde es als etwas anstrengend. Irgendwie ärgert es mich, dass du mir so viel vorenthältst. Warum machst du das?

Ich habe das mit Absicht gemacht, um herauszufinden, ob es funktioniert. Wie weit kommen Leser noch an den Text heran? Welche Wirkung kann der Text überhaupt noch haben?

Und warum hört man dann die Leute im Flur?

Der Gedanke war: reduzierte Wahrnehmung. Die Wahrnehmung des Besoffenen ist reduziert.
Ob das zu willkürlich ist, bestimmte Wahrnehmungen zuzulassen, andere auszublenden, weiß ich noch nicht genau.

LG, Manlio

 
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Ist in Filmform vermutlich deutlich verständlicher und weniger experimentell wirkend, dein Text. Was qualifiziert jedoch ein Experiment als jenes? Seine Rohheit?

 
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Hallo Manlio,

ich finde die Idee sehr interessant. In dieser Form erscheint es mir aber unlogisch, auch wenn es über eine längere Passage scheinbar gut funktioniert. Inhaltlich mag ich es ohnehin. Aber die Szene macht nur Sinn, wenn ein Dritter abseits steht und die Person vor der Tür nicht verstehen kann, denn der Prot hört den Typ ja.

Anfangen müsste es doch eigentlich mit Bäm Bäm und dann „Ja?“. Das erste Bäm wegzulassen ist verwirrend, wenn auch ästhetisch besser.

Wenn die Tür einen Spalt weit geöffnet ist und die sich unterhalten, warum wird dann noch auf die Tür geklopft? Das erscheint mir unlogisch.

Hell habe ich nicht begriffen, erst als jemand im Kommentar spekulierte. Es könnte ja auch Tag sein oder der Eingang einer Doppelhaushälfte, deshalb wird der Leser das nicht unbedingt kombinieren können.

Hell. Weiß, gelb, Türholz, rot – das sagt mir gar nichts. Dunkelgrau auch nicht. Dunkel verstehe ich ja im Nachhinein, aber dunkelgrau? Und im dunkelgrau, was es auch sein möge, sagt er, wenn ich dich so ansehe … Kann er ihn im Dunkelgrau richtig sehen?

Knirsch, quietsch, Türholz, rot, ist für mich nicht zu interpretieren.

Am Anfang schreibst du Bäm, am Ende Bam.

Und wer klopft jetzt da, eine Nachbarin? Und warum?

Hell. Rums. Dunkel. Das Dunkel kann er doch eigentlich nicht mehr sehen.

Ich finde die Idee gut, um sie stilistisch in einem Text einzusetzen. In dieser Form funktioniert es für mich aber nicht. Viele Sachen sind nicht nachvollziebar und die Ausgangssituation ist für mich unlogisch. Trotzdem gerne gelesen, weil irgendwie faszinierend.

Es könnte jetzt natürlich noch sein, das "sie" von weiter weg zuschaut, aber darauf gibt es keine Hinweise und die Idee käme einem wahrscheinlich erst etwas später.

Liebe Grüße

Rainer Hohn

 
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Hallo Grayson,

Was qualifiziert jedoch ein Experiment als jenes? Seine Rohheit?

Bestimmt nicht, und wenn der Text zu roh wirkt und nicht verstanden wird, dann hat er sein Ziel verfehlt.
Das Experiment muss neue Wege gehen bei der Textgestaltung.

Hallo Rainer Hohn,

dein Kommentar war sehr aufschlussreich. Insofern, als dass der Text nicht abbildet, was ich zeigen wollte.
Ich habe den Text stark modifiziert; wahrscheinlich alles schlimmer gemacht ;)

Am Anfang schreibst du Bäm, am Ende Bam.

Scharf gesehen. Bäm = Inneres Pochen des Kopfschmerz; Bam = Pochen an die Tür; die Verbindung sollte aufgezeigt werden.

Es ging mir weniger darum, dass die Äußerungen des Ex-Mannes unhörbar bleiben, als dass sie ihm selbst unverständlich sind. Das ist als Nichtautor sicher schwer nachzuvollziehen.

Ich habe Markierungen eingebaut, um die Realitätsebenen voneinander abzuheben. Ob der Text dadurch verständlicher wird?

LG, Manlio

 
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Hallo Manlio,

Am Anfang schreibst du Bäm, am Ende Bam.
Scharf gesehen. Bäm = Inneres Pochen des Kopfschmerz;

Wie soll der Leser das wissen? Ich hatte allerdings noch interpretiert, dass es ein Schlagen in unterschiedlicher Stärke ist.

Ich habe den Text stark modifiziert; wahrscheinlich alles schlimmer gemacht

Ich fürchte, damit hast du untertrieben. Das ist ein einziges Chaos, so das ich nur ein paar Zeilen gelesen habe. Der alte Text war erheblich besser und hätte funktioniert, wenn die Frau es beobachtet.

Liebe Grüße

Rainer Hohn

 
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Moin Rainer Hohn,

nochmals danke für deinen Kommentar.

Ich fürchte, damit hast du untertrieben. Das ist ein einziges Chaos, so das ich nur ein paar Zeilen gelesen habe. Der alte Text war erheblich besser und hätte funktioniert, wenn die Frau es beobachtet.

Das war allerdings nie die Absicht des Textes. Die u.a. darin liegt, die gestörte Wahrnehmung des Besoffenen darzustellen. Wenn der Text jetzt zu chaotisch erscheint, ist das ein Problem - ich hätte das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Mir fällt es schwer, zu erkennen, wie weit man bei solchen Texten gehen kann.

Viele Grüße
Manlio

 
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Hallo Manlio

Ich muss leider auch sagen, dass mich die neue Form noch viel mehr verwirrt.

Ich denke mal laut: Also das in den eckigen Klammern ist in dem Kopf des Besoffenen?

[Bäm, bäm. kopfepochtkrischan]
Dass das Kopfschmerzen darstellen soll kann ich auch nur erkennen, weil du es schon erklärt hast. Was bedeutet krischan? Heißt der Typ hinter der Tür Christian?
[Hell. Bäm. kopfepochtwoissekrischan[krischan!lisa!]]
Hell ist also auch nur in dem Kopf? „Christian! Lisa!“ ruft er? Alles andere denkt er. Ahhh, er macht die Augen auf! Dann ist erst hell, dann kommt der Schmerz: Bäm!

"Bist besoffen. Wundert ... nicht. ..."
Es macht Sinn, dass der Besoffene nicht alles versteht was der hinter der Tür sagt.

Iiiiiiiiiiiiiiiiiieeeeeeeeeeeh,
Hier fehlen die Anführungszeichen vorne.

Ok: [ ] bedeutet er denkt und [[ ]] bedeutet er redet.

Pfffllppp
Pfflp
Das verstehe ich noch nicht.

Hell. Rums. [[Lisa!]Lisa!]Dunkel.[Dunkel.]
Da hier Hell und das erste Dunkel nicht in Klammern stehen ist es nicht in dem Kopf, sondern passiert außerhalb im Flur? Lisa ist gekommen und hat das Licht angemacht?

Oh mann, ich fühl mich wie bei der Textanalyse im Deutsch-LK. Und da ich so mit verstehen beschäftigt bin, bin ich noch gar nicht dazu gekommen darüber nachzudenken wie ich den Text überhaupt finde. Also den Inhalt.
Mhh, ein Betrunkener poltert und lallt und schläft vor der Tür eines Freundes von Lisa. Was sagt mir das? Es ist verdammt anstrengend wenn man so betrunken ist, dass man nichts mehr richtig versteht, sich nicht mehr artikulieren kann.
Aber das wars auch schon. Du zeigst eine kurze Szene, aber was ergibt sich daraus? Ich erfahre, oder verstehe vllt auch, zu wenig um hier mitfühlen zu können. Jetzt ist die Frage was deine Intention ist. Willst du den Leser herausfordern? Oder willst du etwas vermitteln?

Liebe Grüße,
NGK

 
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Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt einen deiner Texte kommentieren sollte. Ärger und auch Vorsicht waren zu groß, dich wieder mit meiner sehr direkten Meinung zu bestimmten Religionen oder Weltanschauungen auf die Palme zu bringen, und mit meiner Meinung halte ich nun mal nicht gerne hinter dem Berg. Aber bevor ich jetzt gar nichts mehr kommentiere, hab ich mir überlegt, ich lass den Ärger trotzdem mal beiseite und probiere es, vielleicht sind das Schreiben und Kommentieren, wegen derer wir ja beide hier sind, doch ein guter und wichtiger Verbindungsfaktor.
So das war Vorgeplänkel, jetzt zu der Geschichte. Ich hab die Kommentare nicht gelesen, weiß also nicht, ob sich nicht etwas wiederholt.
Mir ist der Sinn des gesamten Experiments nicht klar geworden. Ich verstehe (hoffentlich) worum es geht, verstehe auch, womit du experimentell arbeitest. Was ich aber nicht nachvollziehen kann, ist deine Gesamtintention dabei. Später mehr dazu.
Ich fang mal an: Du arbeitest mit Verkürzungen, Auslassungen, den eckigen Klammern und zwei verschiedenen Sprachebenen, um zwei verschiedene Personen deutlich zu machen. Einen, der an der Tür des anderen klopft und diesen wegen der davongelaufenen Ehefrau oder Freundin beschimpft. Jener, der Klopfende, ist betrunken und leidet unter erheblichen Störungen seiner Wahrnehmungsfähigkeit. Lallen, auch sonstige Störung der Sprachfähigkeit, Lichtblitze, akustische Phänomene, Schmerzen, all das machst du durch die Wortfetzen und generell durch die Klammerführung deutlich. Der andere ist ebenfalls aufgeregt, auch seine Sprache ist verschwommen und fragmentarisch, vermutlich hört der Betrunkene ihn nur undeutlich, nur teilweise (Tür dazwischen) und eventuell so ungenau wegen der verminderten Wahrnehmung duch den Alkohol. Warum der Nichtbetrunkene manchmal so eigenartig spricht, erschließt sich mir allerdings auch nicht ganz.
Es kristallisiert sich jedenfalls heraus, dass Lisa die ehemalige Freundin/Frau des Betrunkenen ist, sie ist zur Mutter geflohen, hat offensichtlich aber auch eine Verbindung/Beziehung zu dem Nichtbetrunkenen. Der Betrunkene beschimpft ihn deswegen und jammert, er liebe sie wirklich, während der andere nur Sex mit ihr wolle. Zum Schluss kotzt er vor die Tür des anderen. So zumindest verstehe ich das Pfflppp, eine Mutter mit Kind tritt hinzu, gehen auch wieder weg, während der Betrunkene zusammenbricht und vor seinem endgültigen Alkoholkoma noch eine Vision seiner Lisa hat, von der schönen Zeit, die sie hatten, von den gemeinsamen Träumen.

Wie gesagt, nicht klar ist mir die Intention. Das ist ja jetzt keine Geschichte mit großer Handlung oder Konflikten oder einer Entwicklung des Protagonisten. Zwischendrin hab ich mal kurz gedacht, die beiden Sprechenden gleichen sich einander an, das fand ich dann ganz interessant als Idee. Aber das war dann doch nicht so. Wolltest du ein bisschen in Richtung stream of consciousness hinarbeiten?
Ich finde es aber auch da wichtig, dass man dem Protagonisten eine gewisse Handlungsbreite einräumt. In deiner Geschichte ist er halt nur ein grober, betrunkener Klotz. Auch der andere ist nicht besonders interessant gezeichnet. Teilweise bei ihm auch eine wenig glaubwürdige Dialogführung, die weniger Gespräch zwischen beiden ist, sondern als Info an den Leser fungiert, und das ist dann häufig nicht besonders authentisch.
Diese Stelle hier meine ich:

"Das ist albern. Im Gegensatz zu dir kümmere ich mich um sie, mache mir Gedanken um sie. Ich lade auch mal zum Essen ein sie. Kennst du das 'Schlesingers'? Nein? Hab ich mir gedakt. Aber im Verprügeln, ... bist du groß. Und nun verschwinde! Oder ick hau dir den Fuß kaputt!"

Richtig interessant finde ich das Experiment erst am Schluss,
[waren früher oft am strand. ham strandburgen gebaut und luftschlösser. die hingen in den wolken und waren so apart, so apart]]
Hell. Rums. [[Lisa!]Lisa!]Dunkel.[Dunkel.]
Interessant deswegen, weil der Betrunkene für mich da auf einer neuen Ebene greifbar ist. Ich fand den auch vorher schon in seinem Gebrabbel und Geschimpfe ganz gut gemacht, sehr authentisch halt, auch wenn nicht alles eindeutig verstehbar ist, muss man aber auch nicht, finde ich. Aber er bleibt damit halt auch immer nur auf einer Ebene. Und hier mit den Sandburgen bringst du was Neues, was Positives zu ihm und zu seiner verlorenen Beziehung. Und es zeigt sich da auch, das mochte ich, diese Idee, dass dieser positive, aber verlorene Traum sprachlich viel schöner, viel harmonischer und bildlicher wirkt als das vorherige Betrunkenheitsbrabbeln und die tw recht originellen Beschimpfungen.
Ich hab das Gefühl, du bist vorher viel zu sehr damit beschäftigt, die Gesamtsituation auszugestalten, dich technisch zu betätigen, dich immer nur zu fragen, ob das Sprechen der beiden auch wirklich verstehbar und verständlich wird mit all den Klammern und Wortfetzen, dass du dann damit den Fokus aus den Augen verlierst, den Geschichten haben sollten. Jedenfalls aus meiner Sicht. Etwas zu erzählen über jemanden, über ein Leben, eine bestimmte Situation. Etwas Wichtiges, was dir am Herzen liegt, was du mit dieser kleinen bizarren Szene zeigen willst. Hier am Ende spüre ich was.
Viele Grüße von Novak

 
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Hallo Nichtgeburtstagskind,

Ich muss leider auch sagen, dass mich die neue Form noch viel mehr verwirrt.

Alles klar, glaube ich gern ;)

Ich denke mal laut: Also das in den eckigen Klammern ist in dem Kopf des Besoffenen?

Was ist im Kopf? ;)
Ich würde nur so weit gehen, zu sagen: die Klammern sind Markierungen, durch die die betreffenden Passagen als ähnlich gekennzeichnet werden.

Heißt der Typ hinter der Tür Christian?

Möglich.

Hell ist also auch nur in dem Kopf? „Christian! Lisa!“ ruft er? Alles andere denkt er. Ahhh, er macht die Augen auf! Dann ist erst hell, dann kommt der Schmerz: Bäm!

Gute Deutung, aber was ist im Kopf? ;)

Mhh, ein Betrunkener poltert und lallt und schläft vor der Tür eines Freundes von Lisa. Was sagt mir das? Es ist verdammt anstrengend wenn man so betrunken ist, dass man nichts mehr richtig versteht, sich nicht mehr artikulieren kann.

Ja!

Aber das wars auch schon. Du zeigst eine kurze Szene, aber was ergibt sich daraus? Ich erfahre, oder verstehe vllt auch, zu wenig um hier mitfühlen zu können. Jetzt ist die Frage was deine Intention ist. Willst du den Leser herausfordern? Oder willst du etwas vermitteln?

Diese Ebenen kommen möglicherweise zu kurz. Was ich versucht habe, anzureißen, ist das Thema der Liebe. Ich bin dir sehr dankbar für die Nachfrage und werde mir darüber Gedanken machen, wie der Text hier stärker werden kann.

LG, Manlio

 
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Was ich versucht habe, anzureißen, ist das Thema der Liebe.

Ein Eifersuchtsdrama um Lisa unter Freunden, die schon im Sandkasten / am Strand zusammen gespielt haben. Einer hinter, einer vor der Tür. Christian(?) hinter der Tür..
Der vor der Tür stößt sich die Stirn wund =
[Hell. Hell, hell, Tür, rot.] ..[Türholz, rot.]].
Stirn und Türblatt werden rot von Blut (Schneeflittchen und die siechen Zwerge)
...
wer ist der Mann, ...?"
"Das ist egal, Spatz. Das geht ... nichts an. Komm, ... nichts an."

Ein Versuch,

lieber Manlio,

wenn man bedenkt, dass Besitzansprüche in der Eifersucht mitschwingen, ist die Liebe hin.

Tschüss

Friedel

 
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Hallo Novak,

danke für deine ausführlichen Anmerkungen.

Wolltest du ein bisschen in Richtung stream of consciousness hinarbeiten?

Ja, Handlung spielt keine Rolle. Mein Ziel war, Bewusstseinsebenen sprachlich zu differenzieren, und im Nebeneinander darzustellen.

- Gedanken
- Gefühle, Sprache
- Sinneseindrücke

Ich finde es aber auch da wichtig, dass man dem Protagonisten eine gewisse Handlungsbreite einräumt. In deiner Geschichte ist er halt nur ein grober, betrunkener Klotz. Auch der andere ist nicht besonders interessant gezeichnet. Teilweise bei ihm auch eine wenig glaubwürdige Dialogführung, die weniger Gespräch zwischen beiden ist, sondern als Info an den Leser fungiert, und das ist dann häufig nicht besonders authentisch.

Ich denke, du hast recht. In der Überarbeitung habe ich versucht, an dieser Schwäche des Textes zu arbeiten, insbesondere, was den Betrunkenen betrifft. Richtig, ich habe das Augenmerk anfangs stark auf die Darstellung des Bewusstseins gelegt, dadurch kommen andere Aspekte zu kurz.

Ja, die Stelle mit dem 'Schlesingers' ist z.T. Leserinformation, dennoch habe ich sie fürs erste so belassen.
Ob der Dialog glaubwürdig ist, fällt mir immer noch schwer zu beurteilen.

Der Text kann sicher noch besser werden.

Hat mir sehr geholfen!

LG, Manlio

 
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Hey Manlio,

grundsätzlich bin ich ein Freund von solchen Stilexperimenten, wenn die Form dem Inhalt eine zusätzliche Information gibt. Wenn ich also auch aus der Form heraus, etwas für den Text erkenne. Das tue ich hier leider nicht. Hier sind jede Menge eckige Klammern, mal um Gesprochenes, mal um Geräusche/Licht, mal um Gedanken, und auch mal um Satzzeichen [...]. Ich erkenne da (für mich) kein Muster, keine Info die da drin stecken könnte. Vielleicht noch am ehesten, um dem Text so was wie Struktur zu verleihen. Aber irgendwie trägt es eher zu meiner Verwirrung bei, als das mich die Klammern da an die Hand nehmen und mich durch das Gewirr führen. Da sind die Zeilenumbrüche allemal hilfreicher.

[[sollteerauch, bohnenstangedurandnotiz]]

Doppelklammer bei Rede?

[türmacheaufscheißkerl]

Wäre dann hier aber nicht so.

[Hell. Hell. Hell. türaufarschloch[binichwirklichsoschrecklichlisa]] Hell.

Hier ein hell außerhalb der Klammer. Wozu? Ich raff es nicht.

[Hell. Hell, hell, [Tür, rot.]]

Tür rot - wird aber nicht gesprochen, oder?

[... Bäm. Bäm.]

Wozu hier die Auslassungspunkte?

"Wennichdichsoansehe ...
"Das ist die letztewarnung."

Wieso redet der jetzt wie der andere? Ich mein - kleinundzusammen?

"Fickst sie nur? Hast du das gesagt? [[ja]] Fickst sie nur? [ja] Du ... reden! Was ist denn mit dir? Hast sie misshandelt!"

Einmal doppelt, einmal einfach - aber mit der selben Bedeutung?

Ja, ist mir zu verkopft das Ganze, ohne, dass sich mir eine Tür öffnen würde. Alle Gedanken die mir dazu eingefallen sind, dienten der Struktur, aber auch das wurde nie wirklich konsequent durchgezogen, oder ich habs nicht gepeilt, was ja durchaus und gut möglich ist. Ansonsten ist der Text für mich eine Skizze, vor allem aber ein stilistisches Experiment, mit dem Ziel??? [tür. rot.[fliegetutkopfvomgegehauenweh]aua.aua.]

Aber mach mal. Manchmal kann man sehr gut, aus sehr schrägen Sachen Nutzen ziehen.

In diesem Sinne
beste Grüße, Fliege

 
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Hallo Friedel,

Stirn und Türblatt werden rot von Blut (Schneeflittchen und die siechen Zwerge)

Da schwingt manches mit, da lässt sich manches hineinlesen, danke dafür!

wenn man bedenkt, dass Besitzansprüche in der Eifersucht mitschwingen, ist die Liebe hin.

schwingen sie nicht auch in der Liebe mit?

Hier schwingt so viel, ich fühle mich schon ganz beschwingt.

Schön von dir zu hören, du origineller Kopf!

Manlio

 
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Hallo Fliege,

gedacht war das Ganze so, dass die Klammern anzeigen, auf welcher Ebene des Bewusstseins sich der Besoffene gerade bewegt. Je mehr verschachtelt, desto "interner" ist das Erleben:

- Klammerloser Text: "äußere" Sinneseindrücke
- Klammer: "innere" Sinneseindrücke, sprachliche Äußerungen
- Innere Klammer: Gedanken, Gefühle

Und das so unvermittelt wie möglich (keine Erzählerinstanz)!

Sollten die Klammern dich jetzt aber mehr verwirren als durch den Text leiten, ist das selbstverständlich ein Problem.

[[sollteerauch, bohnenstangedurandnotiz]]

nein, es sind Gedanken :)

Hier ein hell außerhalb der Klammer. Wozu? Ich raff es nicht.

Das ist wohl wirklich zu verquast und schwer zu verstehen - hell einmal als "innerer" und als "äußerer" Eindruck.

Wieso redet der jetzt wie der andere? Ich mein - kleinundzusammen?

Äußere Wahrnehmung und das Gefasel verschwimmen, nähern sich an.

Wozu hier die Auslassungspunkte?

Eine Leerstelle in der Wahrnehmung.

Danke Fliege, vielen Dank für's hartnäckige Nachfragen. Ich hoffe, dass ich ein paar Punkte erhellen konnte. Das Problem bleibt, dass der Text mehr Befremden als Aha-Erlebnisse auslöst.

LG, Manlio

 

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