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The untold lie (Sherwood Anderson)

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26.12.2014
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The untold lie (Sherwood Anderson)

RAY PEARSON and Hal Winters were farm hands employed on a farm three miles north of Winesburg. On Saturday afternoons they came into town and wandered about through the streets with other fellows from the country.

Ich halte Sherwood Anderson für einen der größten amerikanischen Erzähler. Warum nicht einmal eine Kurzgeschichte von ihm hier besprechen?
Ray Pearson und Hal Winters sind Farmarbeiter, und sehr unähnlich oder doch nicht so unähnlich. Vor dem Hintergrund der Landschaft leuchtet Anderson ihr Verhältnis aus.

Während Ray ein ernsthafter Mann in stabilen Verhältnissen ist, droht Hal, auf die schiefe Bahn zu geraten. Doch zunächst geht Anderson auf dessen Vater ein:

Windpeter Winters who had a sawmill near Unionville, six miles away, and who was looked upon by everyone in Winesburg as a confirmed old reprobate.

Die Episode von Winters' Tod offenbart ein Janusgesicht. Einerseits wird Winters für sein Verhalten von den Jungen des Ortes bewundert

Most boys have seasons of wishing they could die gloriously instead of just being grocery clerks and going on with their humdrum lives.

Andererseits richtet sich Winters' Zorn ausgerechnet gegen einen Zug,

raving and swearing at the onrushing locomotive

für mich ein Symbol des Fortschritts. Kündigt sich hier bereits an, wie zwiespältig die Moral der Geschichte zu sehen ist?

But this is not the story of Windpeter Winters nor yet of his son Hal who worked on the Wills farm with Ray Pearson. It is Ray’s story.

Das kann ich so nicht ganz unterschreiben ;) Vielmehr müssen die Schicksale und Entscheidungen der Personen als miteinander verwoben angesehen werden. Die Geschichte von Ray ist dann genauso Hals Geschichte.

Hal ist ein Herumtreiber und hat Frauengeschichten. Ray war aber auch kein Kind von Traurigkeit in seiner Jugend:

He had induced a girl who waited on trade in his father’s shop to go with him and something had happened.

Wir können dem Erzähler wohl nicht trauen, wenn er Hal und Ray so schroff gegenüberstellt.

Und dann kommt nun die wunderbare Szene, der dramatische Höhepunkt, wo Hal seinen Kollegen um Rat fragt, wie er sich verhalten soll. Er hat "Gad in trouble", soll er sie heiraten oder nicht?

Ray couldn’t answer. He shook Hal’s hands loose and turning walked straight away toward the barn. He was a sensitive man and there were tears in his eyes. He knew there was only one thing to say to Hal Winters, son of old Windpeter Winters, only one thing that all his own training and all the beliefs of the people he knew would approve, but for his life he couldn’t say what he knew he should say.

Es ist köstlich, wie Anderson gerade hier einen Schnitt macht und die "Antwort aufspart", um uns Lesern Zeit zu geben, das Ganze sacken zu lassen. Erst später entschließt sich Ray zu handeln.

“I didn’t promise my Minnie anything and Hal hasn’t made any promise to Nell. I know he hasn’t. She went into the woods with him because she wanted to go. What he wanted she wanted. Why should I pay? Why should Hal pay? Why should anyone pay? I don’t want Hal to become old and worn out. I’ll tell him. I won’t let it go on. I’ll catch Hal before he gets to town and I’ll tell him.”

Und wie dieser Entschluss wiederum ins Leere geht, das ist einfach wunderbar und macht "The untold lie" zu einem Kleinod amerikanischer Erzählkunst.

(Sherwood Anderson, The untold lie, in: Winesburg, Ohio. A group of tales of Ohio small town life, Bartleby, New York 1999)
 
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