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Tod der Sonne

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Tod der Sonne

Die Straße schwimmt im Regen, gegenüber, auf den Hausdächern, perlende Tropfen, Wasserspiele, von sich selbst besoffen. Man sagt, es hat seit Jahren nicht mehr solches Wetter gegeben hier. Solch ein Wetter. Ein Buch, das ich früher gelesen habe, das vergriffen ist, das man nicht mehr kaufen kann, nicht mal beim Kuntz drüben, der sonst alles hat, denke ich zumindest, dass er sonst alles hat, heißt "Tod der Sonne", oder ähnlich, und genauso kommt es mir vor, dass die Sonne tot ist, weggestorben, dass Wolken sich an ihrer Stelle breit gemacht haben wie Unkraut auf Gehwegplatten, dass niemals mehr die Sonne auf den Drewerplatz knallen wird.
Der Alte nimmt wie immer die Rundschau und seine Lights. Sie haben den Aufstieg nicht geschafft, ich wusste es vorher, ohne davon gehört oder gelesen zu haben, Werner ist ein Scheißtrainer, wenn auch gut angezogen, ich wusste es eh. Als der Alte mir den Geldschein herüberreicht, bin ich versucht, ihm zuzuraunen, hey, haben Sie darüber nachgedacht, mit dem Rauchen aufzuhören, das ist nicht gut für Sie, großes medizinisches Risiko und allzu gesund sehen Sie nicht aus, aber, tja, was würde er antworten? Hey, warum verkaufst du die Fluppen überhaupt, wenn du gegen das Rauchen bist? Wenn du gegen alles bist, was Spaß macht? Hast du, verdammt noch mal, darüber nachgedacht? Was ist das für eine Welt, in der der Mann vom Kiosk einen auf Doktor macht? In welcher Welt leben wir denn? Diese ganze bigotte Welt … Tja. Ich sollte den Mist nicht mehr verkaufen. Manchmal denke ich, ich sollte überhaupt nichts mehr verkaufen. Ein Auto fährt vorbei, ich muss an Betty denken. In der Ferne ein Hupkonzert wie von einer Kanakenhochzeit. Das Wechselgeld ist alle.

Wie sie auf dem Sofa sitzt und ihre gepunkteten rosa Socken auszieht und sie einfach durch die Gegend pfeffert! Keiner hat abgewaschen und unten spielt wieder Maffay. Ich glaube, wir haben nicht einmal die Miete pünktlich bezahlt, aber die Mannheimer Straße sagt uns bis heute nichts Schlechtes nach. Die Behrens … Die Strümpfe auf der Leine hinterm Haus … Kleine Mustis, die Scheiben einschmeißen … Sommer …

Der Alte, ich weiß nicht, wie er heißt, ich weiß nichts über ihn, obwohl er fast täglich vorbeischaut, um seine Rundschau und die Lights abzuholen, dreht noch einmal um, kommt auf krummen Beinen zurück zur Ausgabe gestiefelt. Jesus, das hat er noch nie gemacht, ist heute ein besonderer Tag? Will er mich jetzt anstarren aus seinen blutunterlaufenen Augen und mir irgendeinen Spruch entgegenschleudern wie in diesem Film? Aber er nuschelt bloß:

"Noch eine extra, bitte."
Als er mir den feuchten Geldschein in die Hand drückt, möchte ich ihn am liebsten fragen, ob heute ein besonderer Tag ist? Ob er Geburtstag hat? Unaufgefordert fügt er hinzu:
"Für meine Frau."

Betty, scheiße noch eins, steckte sich mal eine an in einem von diesen Fast-Food-Restaurants, und dann kommt die Mitarbeiterin und stellt sich vor uns hin und sagt: "Hier dürfen Sie aber nicht rauchen." Ich mochte meine Betty, ihrer Stimme wegen, die mir nie gegeben war, sie war nicht hübsch oder so, das nicht, aber eine Stimme ist viel wert, man möchte meinen, die macht schon fast den halben Menschen aus. Ich weiß nicht mehr, hat uns der Chef rausgeworfen oder kam am Ende die Polizei? Das weiß ich nicht mehr.

"Schön' Gruß an Ihre Frau."
"Danke. Werd's ausrichten."
Das waren, glaube ich, die ersten Worte, die wir je gewechselt haben, die über den bloßen Kauf hinausgingen.
Irgendwie mag ich den Burschen.

Die Straße schwimmt im Regen, und als er geht, sehe ich, wie das Wasser an seiner Hosenfalte hochkriecht wie ein graues, vielbeiniges Tier. Sie, die's wissen müssen, sagen, es hat seit Ewigkeiten hier nicht mehr so viel geregnet. Mir war immer klar, dass Werner ein Scheißtrainer ist. Drüben am Dach fließt die Regenrinne über und das Wasser pladdert aufs Vordach, eine Taube fliegt erschrocken davon.

 

AWM

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Hallo @Manlio ein Kioskverkäufer und ein Kunde kommen sich näher, weil der eine eine Frau hat und der andere hatte. Diese Gemeinsamkeit ist mir zu wenig und zu unkonkret. Ich finde auch, dass du die Distanz zwischen den beiden irgendwie herausarbeiten müsstest. Dass da irgendeine Antipathie zwischen den beiden liegt, die an irgendwas festgemacht wird und dann wird das durch eine spezifische Gemeinsamkeit überwunden. Da müsste mehr Konflikt rein, finde ich.
Zweitens finde ich, dass deine Sprache stark schwankt. Das ist manchmal viel zu gehoben und geht dann Stellenweise in Richtung Holzhammer-"Straßensprache".

Die Straße schwimmt im Regen, gegenüber, auf den Hausdächern, perlende Tropfen, Wasserfarbenspiele, wie von sich selbst berauscht.
Hier ist die Sprache z.B. gewollt poetisch. Redet und denkt er so? Dann müsste das irgendwie in der Figur mehr angelegt sein. Aber davon abgesehen, finde ich nicht, dass dieser Einstieg funktioniert. Eine Straße, die im Regen schwimmt. Das hört sich für mich lächerlich an. Folge ich aber dem Bild, das du damit erzeugst, habe ich auf jeden Fall Unmengen an Wasser im Kopf. Einen richtige Platzregen. Dann perlen aber die Tropfen und zeigen Wasserfarbenspiele. Das ist mir dann viel zu fein, wenn ich an so ein Unwetter denke.
Wolken sich an ihrer Stelle breit gemacht haben wie Unkraut auf Gehwegplatten,
Auch das finde ich unpräzise. Sie haben sich ja nicht an ihrer Stelle breitgemacht. Die Wolken verdecken vielleicht die Sonne. Und das ist aber auch nichts, was ich mit dem Tod der Sonne in Verbindung bringen kann, weil es etwas Gewöhnliches ist. Und Unkraut hat sich auch nicht an Stelle der Gehewegplatten breitgemacht. Deshalb funktioniert auch dieses Bild nicht. Das Unkraut ersetzt ja nicht die Platten sondern wuchert in den Spalten zwischen ihnen. Die Platten bleiben da und behalten ihre Funktion.
ie Mannschaft hat den Aufstieg nicht geschafft, ich wusste es vorher, ohne davon gehört oder gelesen zu haben, Werner ist ein Scheißtrainer, wenn auch gut angezogen.
Damit willst du zeigen, dass er da viele Gespräche mitbekommt am Kiosk, was ich grundsätzlich gut finde. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass er von sowas nichts gehört (was ja dann wiederum ein Widerspruch ist) oder gelesen hat. Er sieht ja zumindest die Schlagzeilen auf den Regionalzeitungen etc.
Diese ganze bigotte Welt
Auch hier: nutzt er Wörter wie bigott
In der Ferne ein Hupkonzert wie von einer Kanackenhochzeit.
und dann Kanackenhochzeit

Jesus, das hat er noch nie gemacht, ist heute ein besonderer Tag? Will er mich jetzt anstarren aus seinen blutunterlaufenen Augen und mir irgendeinen Spruch entgegenschleudern wie in diesem Film? Aber er nuschelt bloß:
Würde ich streichen. Da willst du irgendwie Spannung erzeugen. Aber zwischen den Figuren ist keine.
Betty, scheiße noch eins, steckte sich mal eine an in einem von diesen Fast-Food-Restaurants,
Ja und die Gemeinsamkeit, dass beide Frauen rauchen. Das ist mir auch zu wenig. Da bräuchte es mehr Spezifisches und mehr Tragweite

die über den puren Kaufvorgang hinausgingen.
auch hier die Sprache
ie das Wasser an seiner Hosenfalte hochkriecht wie ein graues, vielgliedriges Tier. Man sagt, es habe seit Jahren hier nicht mehr so viel geregnet. Ich wusste immer, dass Werner ein Scheißtrainer ist. Drüben am Dach fließt die Regenrinne über und das Wasser pladdert aufs Vordach, eine Taube fliegt erschrocken davon.
kriechen ist etwas Langsames. Hier würde schwappen oder spritzen oder sowas passen und dann hast du aber wieder ein Problem mit dem Tierbild, weil ein Tier eben nicht schwappt oder spritzt.

Gruß
AWM

 
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…, Wasserfarbenspiele, wie von sich selbst berauscht.​

Alle reden vom Wetter, inzwischen selbst die DB. Ich geh mal von aus, dass das Erscheinungsdatum Deiner kleinen Erzählung,

lieber @Manlio,

eng mit dem aktuellen Starkregen und seinen Folgen zu tun hat.

Die Sonne hat ja auch allen Grund, nicht so sehr über ihre eigene Endlichkeit, als über den Raubbau und die Energieverschwendung mit ihren Folgen zu trauern, schließlich sind Entfernung und irdische Umlaufbahn immer noch ideale Bedingungen für so etwas wie „Leben“ in den ansonsten eher still-dunklen Weiten. Aber wie die einen den biblischen Auftrag, sich die Welt untertan zu machen buchstäblich nehmen, gehen die andern vom Einzelnen über Sippe, Clan, Stamm und Volk erst mal in gutnachbarschaftlichen Verhältnissen unter - dabei fällt mir K. Deutschs (übrigen Tscheche!) Definition von Nation ein: „Eine Nation ist eine Gruppe von Menschen, die durch einen gemeinsamen Irrtum hinsichtlich ihrer Abstammung und eine gemeinsame Abneigung gegen ihre Nachbarn geeint ist“, die sich vom einzelnen Haushalt auf Nachbarn bis zur Völkerfamilie trotz Spiels der UNO verwenden lässt.

Beim Buchtitel hätt' ich Deinem Antihelden gern geholfen - hab ihn aber auf die Schnelle trotz metaGers nicht gefunden spielt auch keine Rolle. Ja, und weil der Drewerplatz ja gar nicht so weit weg ist von der Wiege der Ruhrindustrie, sind wir ja im weitesten Sinne Nachbarn … Was immer das jetzt bedeuten mag. Aber so eng wie AWM es sieht, seh ich es nicht. Denn es geschieht ja was – der Erzähler sucht seinen Nachbarn auf, der sinnigerweise einer von Hin(t)z und Kun(t)z ist, wie es Pott so heißt. Mir ist die derzeitige Sonnenlage zu heiß und schwül. Aber ich will nicht lamentieren: Mir gefällt die Szene durchaus, wie’t halt so im Pott is’, man quatscht am Kiosk über dies und dat – und sei’t dat Rauchen an sich, dat bekanntlich tödlich sein kann – wobei der Spruch natürlich die Reaktion auslöst, dass das Leben an sich tödlich endet. Ja, und jeder beweist, dass der Trainer (ach ja, der Klang ist nahe bei der) Träne ist.

Und wie die Küche wieder aussieht! (Die eigene Mutter hat das wahrscheinlich immer schon gewusst … Das mit der Küche ...) Und dann doch auf engstem Raum, sozusagen, eine Fluse oder Freudsche Fehlleistung

Der alte Mann, ich kenne seinen Vornamen nicht, ich weißt nichts über ihn, obwohl …
Wahrscheinlich ist dem besorgten Ich aufgefallen, wie lange schon nicht mehr tapeziert wurde (wo das doch im Mietvertrag festgelegt ist … fürchte ich).

Mehr Geheimnisse will ich nicht über den Pott preisgeben. Aber mir hat die kleine Erzählung gefallen, wenn der Titel auch ein bissken großspurig daherkommt. Aber dat is' so im Pott.

Gern gelesen vom

Friedel

 
Monster-WG
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Hallo @Manlio :-)

Die Straße schwimmt im Regen, gegenüber, auf den Hausdächern, perlende Tropfen, Wasserfarbenspiele, wie von sich selbst berauscht. Man sagt, es habe seit Jahren nicht mehr solches Wetter gegeben hier. Solch ein Wetter. Ein Buch, das ich früher gelesen habe, das vergriffen ist, das man nicht mehr kaufen kann, nicht mal beim Kuntz drüben, der sonst alles hat, denke ich zumindest, dass er sonst alles hat, heißt "Tod der Sonne", oder ähnlich, und genauso kommt es mir vor, dass die Sonne tot ist, weggestorben, Wolken sich an ihrer Stelle breit gemacht haben wie Unkraut auf Gehwegplatten, dass niemals mehr die Sonne auf den Drewerplatz knallen wird.
Du beginnt deinen Text mit einer Stimmungsskizze. Tod der Sonne hatte für mich etwas Endgültiges. Die Sonne ist gestorben, die Regenzeit beginnt. Aber der Tod der Sonne bedeutet für mich der Beginn einer dunklen, düsteren Zeit, einer Zeit ewigen Regens, Nässe, feuchter Keller und ständigem Trocknen eigener Kleidung. Den fett markierten Teil empfand ich als unpassend; er wirkt zu verspielt für den Text.

Ich lese in deinem Text drei "Kreise", einmal die unmittelbare dialogische Situation im Kiosk, dann die assoziativen Gedanken des Erzählers über Betty und sein soziales Milieu und drittens einen sehr weiten, vielleicht metaphysischen Kreis, den du mit der Stimmungsskizze einleitest: Wie ist die Welt, ist etwas, das ist, endgültig? Da steckt in Deinem Text, meiner Ansicht nach, etwas Fatalistisches, es ist jetzt so und es ist nicht änderbar und das wird so sein. Und so lese ich auch den Dialog oder besser das Verhältnis zwischen den beiden: Hier ist etwas endgültig entschieden, hier wird es nicht besser. Vielleicht habe ich ungenau gelesen, aber mir wurde nicht ganz klar, was zwischen den beiden vor sich gegangen ist. Ist da überhaupt etwas?

So frage ich mich, ob es überhaupt etwas gibt, was den täglichen Kaufvorgang unterbricht, etwas, das sich ändern lässt. Der Kioskbesitzer bleibt in seinem Milieu. Der alte Mann ja auch. Tja, alles schon recht bigott, aber ändern lässt sich nichts, die Menschen sehen nicht, wie sie handeln können. Vielleicht ein Form von Resignation, vielleicht, die Regeln, nach denen die Welt aufgebaut ist, nicht verstehen können? Aber vielleicht interpretiere ich zu viel.

Was ist das für eine Welt, in der der Mann vom Kiosk einen auf Doktor macht? In welcher Welt leben wir denn? Diese ganze bigotte Welt …
Für meinen Geschmack könnte der Text etwas runder, etwas geschliffener sein.
Will er mich jetzt anstarren aus seinen blutunterlaufenen Augen und mir irgendeinen Spruch entgegenschleudern wie in diesem Film?
Ich denke, ein solcher Satz ist für einen Gedanken könnte man trennen. Du hast ja eine sehr direkte, sehr unmittelbare Perspektive gewählt, ich erfahre direkt die Gedanken des Kioskbesitzers.
In der Ferne ein Hupkonzert wie von einer Kanackenhochzeit
Über solche Wörter charakterisierst du den Erzähler sehr pointiert. Ich empfand das Wort als zu wuchtig, es haut eine Unwucht in die Charakterdarstellung des Kioskbesitzers hinein.
mit dem Rauchen aufzuhören, das ist nicht gut für Sie, großes medizinisches Risiko und allzu gesund sehen Sie nicht aus, aber, tja, was würde er antworten?
Hier könntest du konkreter werden. Vielleicht starb ja Bettys Mutter an Herzinfarkt? Großes medizinisches Risiko, weiß nicht, ob das ein Kioskbesitzer so denkt.
Ich glaube, wir haben nicht einmal die Miete pünktlich bezahlt, aber die Mannheimer Straße sagt uns bis heute nichts Schlechtes nach! Die Behrens … Die Strümpfe auf der Leine hinterm Haus … Kleine Mustis, die Scheiben einschmeißen … Sommer …
Bemerkenswert an diesem Absatz ist das Auf- und Abzoomen des Erzählers. Das schafft eine ganz eigene Wirkung. Er erzählt von der Miete, ihm ist wichtig, was die Mannheimer Straße von einem denkt, er endet mit einem vagen, melancholischen "Sommer". Ich lese hier recht viel Energie im Denken des Besitzers, ein Gedanken-Verschweifen, er wird emotionaler, dann ruhiger, er betont und rechtfertigt und schwenkt auf Eindrücke ein.

Die Straße schwimmt im Regen, und als er geht, sehe ich, wie das Wasser an seiner Hosenfalte hochkriecht wie ein graues, vielgliedriges Tier
Hm, das meinte ich mit geschliff-en-er-er (^^) Sprache: Denkt er die Metapher? Sprich, wie unmittelbar ist die Sprache des Textes. Auf mich wirkte das ein wenig unschlüssig.

Lieber @Manlio, ich hoffe, du kannst mit den Hinweisen etwas anfangen. Ich habe den Text gern gelesen, denke aber, er könnte noch etwas Schliff gebrauchen.

Liebe Grüße aus Leipzig,
kiroly

 
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Moin,

vorweg, es ist immer wieder toll, wie viel Mühe ihr euch mit euren Kommentaren gebt. Es ist eigentlich nicht so, dass ich eine große Auseinandersetzung über den Text bräuchte, aber diese Arbeit zu ignorieren, dazu gar nichts zu sagen, geht irgendwie auch nicht.

Hallo AWM,

du legst ganz schön viel in deinen Kommentar, was du gern hättest und was der Text noch liefern sollte und leider nicht bietet und ich tue mich damit etwas schwer. Das kommt mir so ähnlich vor, wie wenn jemand ein simples Stilleben betrachtet und sagt, da müsste man doch noch Personen sehen und das Haus drumrum und überhaupt, noch viel mehr Kontext bieten ... Es ist halt ein Flash, eine Momentaufnahme, man erfährt nicht, warum die da sind, es bleibt ein wenig auf der Erahnungsebene.

Das ist manchmal viel zu gehoben und geht dann Stellenweise in Richtung Holzhammer-"Straßensprache".

Ich sehe es so, Sprache ist ja auch etwas, was sich Leute zusammengesucht haben, weil's ihnen gefällt. Ich glaube nicht, dass das immer vollständig konsistent ist. Wenn ich "Kanack" sagen, dann möglicherweise, weil das inneren Einstellungen entspricht oder aus dem Milieu, aus dem ich komme, weil da rassistische Einflüsse reinspielen, aber vielleicht hab ich trotzdem auch gelesen und nehme aus der Literatur etwas mit, das ich in meine Alltagssprache oder das Denken einbaue.

Auch das finde ich unpräzise. Sie haben sich ja nicht an ihrer Stelle breitgemacht. Die Wolken verdecken vielleicht die Sonne.

Alles klar, muss man nicht 100 % gut finden, ich habe an Unkraut gedacht, dass Platten überwuchert, sodass man sie nicht mehr sieht. Denke ich drüber nach.

Damit willst du zeigen, dass er da viele Gespräche mitbekommt am Kiosk

Vielleicht, vielleicht auch nicht.

Ich bleibe dran an deinem Kommentar, da habe ich einiges mitgenommen, danke.
-----------
Moin @Friedrichard, bester Friedel,

vielen Dank für deinen Kommentar! "Ein Text ohne Wetter ist kein Text", sagte glaube ich mal Hemingway, das nahm ich mir zu Herzen, Zeitgeschehen hin oder her. Auch dass du die Geschichte in den Pott verlegen möchtest, gefällt mir, das könnte passen, Recklinghausen oder so?
Tja, wenn du das Buch gefunden hättest, das wäre auch eine Leistung gewesen, aber ich zähle auf dich, dass du das hinkriegst.
Ich mag die Hitze auch nicht, die Wetterlage dürfte gern "schlechter" sein, wenn ich mir Unwetter wie dort unten auch nicht hierher wünsche ...

Liebe Grüße aus'm Norden
Manlio
------------------

Moin @kiroly

ein lesenswerter Kommentar! Der Gedanke mit den "drei Kreisen" ist sehr erhellend, sehr spannend. Die Situation wirkt sehr statisch, das gebe ich zu. Aber trotzdem bewegen sich auch Dinge, wenn auch nur langsam, unmerklich. Bewegung in der Statik? Könnte man das so sagen? Ist alles fatalistisch?

Ich empfand das Wort als zu wuchtig, es haut eine Unwucht in die Charakterdarstellung des Kioskbesitzers hinein.

Weil du ihn für einen freundlichen Menschen gehalten hast bisher?

Vielleicht starb ja Bettys Mutter an Herzinfarkt? Großes medizinisches Risiko, weiß nicht, ob das ein Kioskbesitzer so denkt.

Vielleicht ist der ja auch kein Dummkopf.

Hm, das meinte ich mit geschliff-en-er-er (^^) Sprache: Denkt er die Metapher?

Ich denke schon, er assoziiert den Vergleich, während er die Hose betrachtet

Besten Dank, ich werde mich mit deinen Gedanken noch lange beschäftigen, sie immer mal wieder lesen, drehen und wenden, und vielleicht wird sich dadurch der Text verändern.

Liebe Grüße
Manlio

 
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Moin @Manlio
ich glaube, 1-2 der Dinge, die ich anmerken werde, wurden schon gesagt, aber doppelt hält bekanntlich besser (überlege Wortspiele [2 Sonnen - hellt, 2 Protagonisten - Held/held besser usw.], aber kommt nix Solides bei rum).
Ab geht:

Die Straße schwimmt im Regen, gegenüber, auf den Hausdächern, perlende Tropfen, Wasserfarbenspiele
Sonne ist weg. Woher also die Farben? An sich mag ich die Bilder, mag dieses "entzückt von sich selbst" und so, aber die Gesamtheit ist hier noch etwas schief. Denke das Wasser sollte eher mit Form als mit Farbe spielen, Fäden ziehen, Perlen aufschnüren, Flächen verspiegeln usw.
denke ich zumindest, dass er sonst alles hat,
Finde ich hier unnötig, also diesen Moment der Reflexion. Nicht an sich verkehrt, wenn's mehr Thema wäre, dieses instantane Selbsthören, nur ist ja gerade der Alte der Vektor für die Selbstzweifel des Erzählers, scheint mir. Also: finde der zitierte Nebensatz klingt komisch pedantisch, neurotisch und wirkt etwas fehl am Platz.
haben wie Unkraut auf Gehwegplatten
Zwischen, nicht? Aber dazu wurde schon was gesagt, auch dazu, wie das Bild dadurch etwas schief wird. Sicher noch eine Überlegung wert.
Der alte Mann
Fände hier und im Rest "Der Alte" besser. "Der alte Mann" ist distanziert bis ins Auktoriale hinein, dabei kommt der Alte scheinbar regelmäßig vorbei. Gut, kannst sagen "Ja, aber ist ja gerade der Punkt, dass die sich nie auf soner menschlichen Ebene begegnet sind und deswegen ist's halt distanziert" und irgendwie ist da auch was dran, aber der "der alte Mann" scheint mir einfach nahezu steril, vor allem bei dieser Erzählhaltung, die sehr nah am Selbstgespräch ist und Höflichkeitsformen eigentlich nur in vorausgreifenden Selbstzitaten haben sollte (und dann sage ich "Was glauben Sie eigentlich wer Sie sind!?").
Der alte Mann, ich kenne seinen Vornamen nicht,
Auch hier wirkt die Haltung etwas wackelig. "Ich kenne seinen Vornamen nicht" ist so wenig involviert, fast tellig. Passender wäre vllt. ein Einschub wie: " ...Wolfram, Julius, Siegfried, Karl, sammelt Flaschen, sammelt Rente, vielleicht beides, ich weiß nichts über ihn, obwohl ..."
Also nicht genau so, weil ist kacke, glaube ich, aber etwas verwurzelter in den Gedankengängen des Typen, der doch sonst fragmentarisch von seinem sockenschleudernden Stimmwunder erzählt. Weißte?
kommt auf krummen Beinen zurück zur Ausgabe gestiefelt
Bin mir nicht sicher, ob krumme Beine stiefeln. Stiefeln klingt so nach gezielt, kraftvoll, gerade eben. Vllt. stakst er eher? Stolpert? Aber mag mich hier täuschen und selbst wenn nicht ist's nur ne Feinstheit.
Burschen
Kerl. Alter Mann und Bursche passt nicht ganz zusammen. Ja klar, kommen sich näher, Distanz verringern und so, aber auch da funktioniert "Kerl" oder "Typ" oder "Kollege".
Die Straße schwimmt im Regen, und als er geht, sehe ich, wie das Wasser an seiner Hosenfalte hochkriecht wie ein graues, vielgliedriges Tier.
Finde das vielgliedrige Tier cool (hab auch gar kein Problem mit diesen etwas blumigeren Formulierungen. Finde, man darf jedem Typen, egal wie roh, durchaus zutrauen, sich auf einen gegenwärtigen Moment so sehr einzulassen, ihn so intensiv zu empfinden, dass sich ihr oder ihm die bildhafte Poetik des Zeitausschnitts aufdrängt, aufzwingt, dass dieser Moment eindringt und eigenartig magnetisch durchs Vokabular mit allen seinen dunklen und selten betretenen Räumen, Kammern, Hinterzimmern geistert, um sich dort bildhafte Entsprechungen zusammenzusuchen.), aber mag den Rahmensatz "Die Straße schwimmt im Regen" nicht, jedenfalls nicht in dieser 1:1 Form. Zu statisch, zu abgeschlossen, da es doch die ganze Zeit durch geregnet hat. Die Straße, die zuvor schwamm, müsste doch nun ertrinken oder sowas?

Okay, ganz viel gemäkelt jetzt, haha. Will keinen falschen Eindruck entstehen lassen: die Geschichte gefällt mir, ich mag die unaufgeregte Einbettung ins aktuelle Zeitgeschehen, ein Unterfangen das ja gern hysterisch, moralisierend, theatralisch wird, hier aber so subtil und vereinzelt bleibt, wie es das Menschliche eben nunmal ist. Ein gutes Ding.

Liebe Grüße

 
Monster-WG
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Hola @Manlio,

wir sind bislang im Ungleichgewicht: Du hast schon was von mir kommentiert, ich jedoch noch nie etwas von Dir. Und das würde vielleicht noch länger so bleiben, weil auch dieser FF-Text mich in keinerlei Weise anspricht, geschweige denn überzeugt. Was will er mir sagen?
Die Stadt ist voll von einfältigen Leuten; ich brauch nur irgendwo stehenbleiben und zuhören. Belanglos.

Hier aber hast Du das Reizwort ‚Kana(c)kenhochzeit‘ eingebaut. Wolltest bisschen provozieren, gell? Gute Zeit dafür - ‚Wir gegen Rassismus‘ läuft auf vollen Touren:D.

Na ja, wenn der Trafikant von Türkenhochzeit gesprochen hätte, wär‘s mir deutlich genug gewesen, aber es mussten eben die Kanaken sein.
Du hast damit selbstverständlich nichts zu tun, schließlich handelt es sich um wörtliche Rede.
Autoren, die einer Figur eine Aussage über ‚Scheißjuden‘ in den Mund legen, finden vielleicht das Reduzieren auf ‚Juden‘ nicht zündelnd genug – und man möchte ja im Gespräch bleiben:cool:.

Die bisherigen Kommentare haben ja bis auf eine Ausnahme einen eleganten Bogen um den Fallstrick gemacht; einen hab ich gelesen, der hatte jedes Detail analysiert, aber die ‚Kanakenhochzeit‘ hat er geflissentlich übersehen. Wir gegen Rassismus – auch gegen indirekten!

Mit nachdenklichen Grüßen
José

Kleine Mustis, die Scheiben einschmeißen …
Wenn ich richtig gegoogelt habe, sind das kleine Mustafas. Typisch! Deutsche Kinder würden das nie tun.

PS: Dass der Text eine gute schriftstellerische Arbeit ist, würde ich nicht sagen. Wirkt auf mich eher, als wolle er mehr hermachen als er kann.

Etwas hab ich vergessen: Ich kann keinen Zusammenhang zwischen Titel und dem folgenden Text erkennen. Gibt's da eine Verbindung, die ich nicht sehe?

 
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26.12.2014
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Moin @Sisorus,

nur kurze Rückmeldung, danke für deinen Kommentar, darüber werde ich sicher noch etwas brüten. Einige Vorschläge habe ich schon übernommen, vielleicht noch mehr. Da war sehr viel Hilfreiches dabei.

Besten Gruß,
M.

 
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Hallo Manlio,
ich habe deinen Text sehr gerne gelesen. Ich finde ihn spannend. Dazu aber gleich mehr.
Vorweg noch die Bemerkung, dass ich das sprachlich zum Teil sehr schön finde, (auch wenn ich viele sprachlichen Hinweise der anderen Kommentierenden sehr gut nachvollziehen kann). Zum Teil jedoch hast du die Sätze aus meiner Sicht manchmal zu viel geschachtelt. Ich nehme an, du wolltest seine assoziativen Denkvorgänge dadurch charakterisieren. Ich gebe trotzdem mal zu Bedenken, dass man durch entsprechende Rhythmisierungen die Aufmerksamkeit des Leser auch mal lenken und fokussieren kann. Ich schreib schon lang nicht mehr, deswegen habe ich keinen Vorschlag, aber dieser Satz hier, da könnte man Streichungen ausprobieren oder sonstige Veränderungen durch Aufteilung. Ich fand ihn beim Lesen einfach sehr ermüdend und unübersichtlich.

Ein Buch, das ich früher gelesen habe, das vergriffen ist, das man nicht mehr kaufen kann, nicht mal beim Kuntz drüben, der sonst alles hat, denke ich zumindest, dass er sonst alles hat, heißt "Tod der Sonne", oder ähnlich, und genauso kommt es mir vor, dass die Sonne tot ist, weggestorben, Wolken sich an ihrer Stelle breit gemacht haben wie Unkraut auf Gehwegplatten, dass niemals mehr die Sonne auf den Drewerplatz knallen wird.
Ansonsten ging es mir nicht so, dass ich die Sprache des Protagonisten als grundsätzlich inkonsistent empfand. Ich gewann eher den Eindruck, dieser Mann hat eine gewisse Ambivalenz in sich. Alltägliche, ganz praktische Dinge kommentiert er für sich sehr umgangssprachlich, alle Betrachtungen, die nichts direkt mit seinem Alltag, seinem Verkauf, seinen Kunden zu tun haben, betrachtet er eher aufmerksam, fast liebevoll. Vielleicht ist das so, dass man sehr aufmerksam für natürliche Dinge (Sonne, Regen, Wind), bzw. ihre Veränderung wird, wenn man den ganzen Tag in seinem Kiosk steht und so vor sich hin schaut und denkt. Wenn dann plötzlich tagelang keine Sonne mehr scheint, sondern es nur noch regnet, widmet man sich dieser Betrachtung vielleicht liebevoller und genauer als sonst.
Ich empfand auch nicht, dass in dem Text nichts passiert oder die Veränderung in der Beziehung des Kioskverkäufers zu dem alten Mann zu knäpplich oder zu wenig konfliktreich geschildert wäre. Ist wahrscheinlich einfach eine Geschmacks- oder Erwartungssache.
Es ist ein kurzer Flash, den du auf zwei Personen in ihrer Verbindung und in der Veränderung dieser Verbindung wirfst. Und als solchen habe ich ihn sehr gerne gelesen. Als den Katalysator dieser Veränderung empfand ich übrgens nicht nur den Dialog selbst und die Info, dass beide Männer Frauen haben, sondern den Regen selbst. Und die Betrachtungen des Protagonisten darüber. Deswegen passt für mich das Genaue und Differenzierte seiner Regenbetrachtung ja auch so gut und die etwas andere sprachliche Gestaltung dieser Betrachtung. Es hat seit Jahren nicht so geregnet wie jetzt. Alles ist ein wenig anders. Das genau hat auch ihn bereit gemacht für eine veränderte Sicht auf diesen einen alten Mann.

Noch ein, zwei Lieblingsstellen:

Die Straße schwimmt im Regen, gegenüber, auf den Hausdächern, perlende Tropfen, Wasserspiele, von sich selbst besoffen

als er geht, sehe ich, wie das Wasser an seiner Hosenfalte hochkriecht wie ein graues, vielbeiniges Tier.

Das Ende selbst, da bist du wieder in seine alte umgangssprachliche
Betrachtung auch des Regens gewechselt: "pladdern" zum Beispiel. Überhaupt wirds da wieder lapidarer: Die Regenrinne läuft über etc. Wenn man so will, kehrt er da zu seiner alten, alltäglichen Betrachtung zurück. Vielleicht würde ich ja da auch noch mal die Sprache ein bisschen mehr brechen, jedenfalls mal ausprobieren, wie es wirkt.
Mir gefiel es jedenfalls sehr gut. Eine kleine Betrachtung über einen sehr alltäglichen Helden, nicht besonders sympathisch, aber eben ein Mensch.

Eine Sache noch für dich, lieber @josefelipe , ich fürchte, ich habe deine Anmerkungen zu "Kanaken" und "Mustis" nicht wirklich verstanden. Irgendwie hast du dich geärgert, aber ich habe nicht wirklich kapiert, worüber. Für den Fall, dass du meinst, man solle rassistische Wörter wie "Kanake" oder "Musti" besser nicht in einem literarischen Text verwenden, wollte ich dich fragen, wie du denn einen Menschen, der sich selbst in seiner Sicht total eingeschränkt hat, dessen Sicht auf andere Menschen durch Vorurteile und Rassismen geprägt ist, sprechen und denken lassen willst? Das geht nicht anders. Im Gegenteil, nur so, dass du seine Sprache und seine Denkweisen in deinem Text einbaust, wird der ganze Mensch authentisch und nachvollziehbar. Mit dem Autor hat das nichts zu tun, das sagst du ja eigentlich auch selbst, er denkt sich die Figur, de genau so, wie sie ist, existieren könnte, nur aus. Ich persönlich fand gerade die Mischung aus seinem ungehobelten und üblen Sprachgebrauch und diesen Regenbetrachtungen ganz reizvoll. Und von daher gerade passend. Aber wie so oft - wahrscheinlich auch das Geschmackssache.

Viele liebe Grüße an euch beide.
Novak

 
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23.02.2021
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Hey @Manlio,

ich mag diese Art Erzählung sehr. Dieser graue Schleier, der über dem Gesagten und ex- oder implizit beschriebenen umherwabert und alles einschließt, zwischendurch aber ganz unverhofft etwas Licht durchlässt. Und meinem Vorredner, der die Ähnlichkeiten der Lebensumstände als zu gering einstuft, kann ich mich überhaupt nicht anschließen. Ich habe mich als Barkeeper schon mit Menschen identifiziert, mit denen ich weitaus weniger gemein hatte. Da braucht es keinen Konflikt und auch keine anderweitigen "Spannungen", sondern einfach nur das Hier und Jetzt. Finde ich. Und das kommt bei dir hervorragend beiläufig und trotzdem irgendwie bedeutsam daher, das feier ich sehr.

Nur ein paar kleine Anmerkungen:

Kanakenhochzeit
Nicht unbedingt nötig, den Begriff zu benutzen, fällt irgendwie negativ auf.
Burschen
Kerl, Typen, ... aber Bursche klingt sehr kindlich.
Mir war immer klar, dass Werner ein Scheißtrainer ist. Drüben am Dach fließt die Regenrinne über und das Wasser pladdert aufs Vordach, eine Taube fliegt erschrocken davon.
Grandioser Schluss.
Will er mich jetzt anstarren aus seinen blutunterlaufenen Augen und mir irgendeinen Spruch entgegenschleudern wie in diesem Film?
In welchem? Das interessiert mich.

Jedenfalls sehr gelungen, freue mich drauf, noch mehr von dir zu lesen.

Liebe Grüße
oneill

 
Monster-WG
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10.09.2014
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Hola @Novak,

ich freu mich, wieder einmal etwas von Dir zu hören. Schade, dass Du das Schreiben eingestellt hast – da waren sehr ordentliche Sachen dabei! Die hab ich heut noch im Kopf.

Zu unserem Reizwort ‚Kanakenhochzeit‘ lese ich gerade bei @oneill:

Nicht unbedingt nötig, den Begriff zu benutzen, fällt irgendwie negativ auf.
Ja, genau. Das ist Holzhammer. Ich kann den Kioskmann ohne Provozierendes sehr wohl darstellen, beispielsweise in Szenen, in denen Migranten (mit Kind(ern) – besonders ergiebig für einen Autor) seinen Kiosk betreten. Wie bedient er die, weil umsatzorientiert? Oder sagt er: „Wir haben schon geschlossen“?

Für meinen Geschmack findet Manlios Text zu sehr auf der Laber-Ebene statt. Deswegen mag ich auch Dittsche nicht – da das Zuhören, hier das Lesen; mir macht beides keinen Spaß.
Ich meine, alles, was gesagt werden soll, müsste ein Autor auch auf gescheite, nuancierte Weise ausdrücken können. Wir hatten schon Texte mit zotigen Wörtern, die ebenfalls kein Mensch braucht.

Und die Regenbetrachtungen reichen nicht, den Text aufzuwerten, da fehlt die Feinarbeit.

Unterm Strich ist es, wie Du sagst:

… wahrscheinlich auch das Geschmackssache.
Obwohl:
Novak: Ich persönlich fand gerade die Mischung aus seinem ungehobelten und üblen Sprachgebrauch und diesen Regenbetrachtungen ganz reizvoll.
Wenn ich den üblen Sprachgebrauch wegdenke, bleibt nur der Regen :Pfeif: .
Flash Fiction darf die gleichen Qualitäten haben wie andere Kurzgeschichten auch.

Schöne Grüße! Ich hoffe, Manlio verzeiht, wenn ich Dir auf seinem Thread antworte.

José

 
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Dankschön, @josefelipe für die Antwort. Ich teile deine Sicht zwar nicht, aber das halten wir beide ja eh wie die Dachdecker. Jetzt verstehe ich jedenfalls eher, worauf du ursprünglich rauswolltest. Also merci und gute Zeit

 
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Hallo @josefelipe

Und das würde vielleicht noch länger so bleiben, weil auch dieser FF-Text mich in keinerlei Weise anspricht, geschweige denn überzeugt. Was will er mir sagen?
Die Stadt ist voll von einfältigen Leuten; ich brauch nur irgendwo stehenbleiben und zuhören. Belanglos.

Dass der Ich-Erzähler und der Alte einfältig sind, ist deine Interpretation. Kein Problem für mich, aber auch nicht unbedingt etwas, das mich um den Schlaf bringt.

Hier aber hast Du das Reizwort ‚Kana(c)kenhochzeit‘ eingebaut. Wolltest bisschen provozieren, gell?

Das kannst du ja gerne so sehen, ich verstehe die Lesart auch, gebe aber zu bedenken, dass man es auch anders sehen könnte. Es gibt den Autor und den Text. Dass Dinge, die im Text stehen, immer unbedingt auch etwas über den Autor sagen, kann ich nicht unterschreiben.

Dass der Text eine gute schriftstellerische Arbeit ist, würde ich nicht sagen. Wirkt auf mich eher, als wolle er mehr hermachen als er kann.

Ich kann wenigstens sagen, mich bemüht zu haben, mehr nicht.

Beste Grüße an dich, den guten Autoren,
M.

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Hallo beste @Novak,

ein ganz toller Kommentar, ich danke dir herzlich! Ich weiß nicht, müsste ich etwas hinzufügen bzw. erklären? Früher hätte ich das vermutlich gemacht, aber jetzt bin ich geneigt, das einfach so stehen zu lassen. Du hast spannende Sachen hervorgehoben, z.B., dass da eine Veränderung im Gange ist. Und das glaube ich auch, dass es nie vollständige Bewegungslosigkeit gibt, dass in der größten Stasis ein Moment der Bewegung steckt ...
Auch, wenn es keinen Weg zu geben scheint ("Die Mannschaft hat den Aufstieg nicht geschafft" könnte dafür ein Symbol sein).

Die sprachliche Gestaltung - das ist etwas, was nicht schnell geht - das werf ich hin und her, jetzt und später ...

Liebe Grüße
Manlio

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Hallo @oneill,

ich habe mich sehr über deinen Kommentar gefreut. Ja, das ist Flash Fiction, und ich finde auch, da braucht es keinen großen Konflikt, es ist sehr komprimiert. Deine Vorschläge lasse ich mir gern durch den Kopf gehen!

Manlio

 

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