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Try Walking in My Shoes

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Try Walking in My Shoes

Gestern hat das alles angefangen. »Ich muss hier weg!« hab ich gedacht und da bin ich los gerannt. Hab die alle wie sie da versammelt waren einfach stehen gelassen. Weg von Clara, der ich wahrscheinlich fast das Leben versaut hätte. Weg von allen anderen, die mich so erwartungsvoll angesehen haben. Hab nicht lang gefackelt. Raus aus der Halle, Krawatte und Einstecktuch in den Mülleimer. Die scheiß Oxfords am liebsten hinterher. Und dann immer weiter. Alles wegen Jens. Der Idiot mit seiner fetten goldenen Uhr am Handgelenk. Hab den bloß angeschaut und das hat mir den Rest gegeben. Kam mir vor als schau ich in 'nen Spiegel. Und was ich gesehen hab war echt hässlich. Angefangen hat das aber schon viel früher.

Vor etwa zwei Monaten im Büro zum Beispiel. Jens hat alle mit seiner elenden Uhr vollgequatscht. Kann nicht mal mehr sagen welche Marke, so wenig hat mich das interessiert. Ich hab bloß halbherzig genickt, hab kaum mitbekommen, was der da erzählt hat und es is auch bloß ’ne Uhr gewesen. Der hat dann richtig aufgedreht, wieso ich das nicht würdige, hat er mich gefragt und ob ich Anderen denn nichts gönnen könne. Ist da rumgerannt wie ein kleines Kind, das von Mama ein Lob für den größten Kackhaufen will. Der ist echt erbärmlich, hab ich gedacht. Und da ist mir richtig anders geworden. Meine Kopfhaut und meine Ohren haben gebrannt, als hätt mir jemand verdammte Wunderkerzen dran getackert. Irgendwann hat er mich noch beschimpft, ich sei ein Arschloch, würde immer nur meine eigenen Erfolge hoch hängen, aber ich hab bloß gedacht, dass ich dafür ja auch hart geackert hab. Irgend sowas hab ich auch gesagt. Dass es mich auch ankotzen würde, immer nur in der zweiten Reihe herumzuturnen. Und das ich’s halt besser gemacht hab. Überhaupt hab ich mein ganzes Leben nur gemacht. Von nix kommt nix. Ob man dafür brennt oder nicht. Egal. Nur Buddhas scheißen auf die Anerkennung.

Ja, und dann stand ich da mit meinem persönlichen Kackhaufen. Sollte eigentlich der schönste Tag meines Lebens werden - zum vierten Mal. Hab erwartungsvoll in all die Mama- und Papagesichter geschaut, nur dass mein Stück Kacke keine billige goldene Uhr, sondern Clara war. Und die is noch dazu echt hübsch. Viel zu jung, wenn ich ehrlich bin, aber auch sonst nichts weiter. In der zweiten Reihe Jens. Natürlich Hochzeitsgast, wie alle aus dem Büro. Dann hat’s in meinem Kopf geknallt. Und dann ging’s richtig los. Clara ist alles aus dem Gesicht gefallen. Hätte ja auch ihr schönster Tag im Leben werden sollen. Stattdessen hab ich sie da stehen lassen und hab die Biege gemacht. Hatte keine Lust, dass mir jemand nachkommt, also hab ich mich echt beeilt.

Genauso wie jetzt auf diesem Drahtesel. Ich strampel so schnell, dass ich ständig Mücken fresse. Es riecht nach Kräutern und Oliven. Irgendwann eben bin ich an einer Kapelle vorbei. Runter vom Asphalt, rauf auf den Feldweg. Die Zikaden um mich drumherum klingen nach tausend Rasseln. Etwa so hat mein Atmen geklungen als ich da abgekämpft auf der B-Säule vom Taxi hing. Hab bloß noch keuchen können „Frei?«
Der Fahrer dann: »Ja, wo geht’s hin?«
Ich so: »Weg«, und bevor er pampig wurde »Flughafen«
Hab die Fahrt kaum mit dem geredet. Mich hatte ja gerade erst der Pickup mit Vollgas gerammt - jedenfalls hat sich das so angefühlt. Auf dem Truck stand fett in roten Lettern „ERKENNTNIS“. Markus, Hannes, alle die da saßen, meine Mutter, ach, überhaupt alle gottverdammten Leute würden behaupten, dass ich völlig überreagiere. Aber das tue ich nicht. Ich mein, ich hab Clara verheizen wollen wie Koks. Und davon weiß ich, dass es nur kurzzeitig hilft. Das alles war gestern und ein paar Stunden später bin ich dann in Athen angekommen. Der einzige Flug, den ich spontan kriegen konnte. Last-Minute-Schalter, Abflugtafel, Perso, Kreditkarte, Ticket, Flugsicherheit, Start, Landung.

Draußen dachte ich, ich renn vor ’ne Wand. Hab geschwitzt wie ein Schwein und musste erst mal Sakko und Anzugweste loswerden. Den Flugmodus vom Handy hätt ich besser nicht abgeschaltet. Das Display hat geflackert wie Kriegsgeschehen im Dunkeln. Natürlich wollten die alle was von mir. Hörten gar nicht mehr auf mich zu terrorisieren. Hab es einfach weggeschmissen. Meine Augen waren so träge, hab ständig vergessen zu blinzeln und mein Kopf war mit Watte vollgestopft. Da hab ich schon gemerkt: Es brodelt. Irgendwas braut sich zusammen, aber was, das konnte ich noch nicht so richtig fassen. Hinter meiner Stirn war es einfach nur dumpf. Und mein Bauch so: »Mach!«, »Mach!«, »Mach!«, »Irgendwas!«. Aber was? Ich mein ich hatte gestern keine Ahnung und die hab ich immer noch nicht. Hätte mich auch einfach in ’ner Eckkneipe besaufen können. Aber das geht nie gut aus. Es wird nass unter meinen Augen. Hoffe der Wind kommt mit dem Trocknen nach. Tut er nicht, ich wische.

»Scheiße!« Im letzten Moment kann ich bremsen, bevor ich mich überschlage. Rappele unsanft mit dem Vorderrad über eine Kuppe. Vor mir Wasser. Hier ist keine Sau. Rolle mit dem Fahrrad über Holzbohlen. Kurz vorm Meer schmeiß ich das Rad hin und lasse mich auf den Strandboden fallen. Ich werf die Schuhe einen Meter neben mich und stecke meine Füße in den feuchten Sand. Meine Augen pumpen immer noch wie kleine Springbrunnen das Wasser nach draußen. Wie dieser verdammte Brunnen in Athen. Als ich aus der Metro ausgestiegen bin hab ich den als erstes gesehen. Hab mich gefragt, wie viele Springbrunnen auf der gesamten Welt verteilt sind und an wie vielen Stellen die zeitgleich ihren Druckausgleich in die Welt kotzen können. Und wieso sich bei mir nichts löst. In mir nur Chaos. Hab ständig die Filter von meinen Kippen heiß geraucht und musste an den Krolowski denken. Psychologe. Hat mir vor zwanzig Jahren mal gesagt, das hätte was mit meiner oralen Charakterstruktur zu tun. Aber dem hab ich nicht weiter zugehört. Darauf ’ne Kippe, denk ich und krame die verknickte Schachtel aus meiner Hosentasche. Wenn’s um Kippen geht sind alle gleich. Da wird über Gehaltsklassen hinweg geschnorrt. Genau wie Mr. Business in Athen. »Do you mind?«, hat er gefragt. So scheiß freundlich. Hab ihm die Schachtel hingehalten und dachte damit hat’s sich. Aber nein, mein Anzug. Hab das Ding nur für Clara getragen. Handgearbeitete Krägen mit neapolitanischen Nähten und erst die Stoffauswahl. Der hat sich gar nicht mehr eingekriegt. Hätte normalerweise meinen Tag gerettet, aber ich wollte bloß noch weg.

Ich streiche über den Stoff. Das rechte Hosenbein ist zerfetzt. An meiner Wade klebt Kettenfett und Sand. Ist ja fast schon ein Zeichen. Steht wohl für: All der fremde Schmuck hat mich völlig durchlöchert. Alles an mir fühlt sich tonnenschwer an. Lasse mich nach hinten kippen und starre in den Himmel. Ich kann nichts sehen, die Suppe hört nicht auf zu laufen. Muss an meinen Vater denken. Hatte immer schlaue Sprüche drauf. »Bei Geld hört die Freundschaft auf«“, hat der zum Beispiel gesagt. Und wenn was besonders wichtig war, hat er zu mir gesagt: »Merk dir das, Sven«. Bei uns zuhause war vieles wichtig. Hauptsächlich Geld und Erfolg. Und den Nachbarn davon erzählen. Sven studiert. Sven hat einen Abschluss. Sven hat sich selbstständig gemacht. Svens Firma hat expandiert. Sven heiratet. Von den Scheidungen hat er nie was erzählt. »Sven säuft zu viel, weil er sich selbst nicht erträgt«, das hat er auch nicht gesagt. Mein Vater ist tot. Für ihn ist das besser jetzt, dann muss er die Nachbarn nicht belügen. Und mir nicht sagen, dass ich ihn enttäusche. »Sven ist durchgeknallt, liegt am Strand und flennt.« Klingt auch scheiße.

Vielleicht sollte ich dem Nadelstreifenmann dankbar sein, ohne den wäre ich gar nicht hier am Arsch der Welt. Durch den hab ich gemerkt, dass mich die Großstadt nicht denken lässt. Also bin ich in den nächsten Bus eingestiegen und hatte keine Ahnung wo der überhaupt hinfährt. Ich kann erst seit ich hier bin irgendeinen Gedanken fassen. Der Bus hat die Letzten in Edipsos ausgespuckt. Das heißt gefühlt immer noch 70 griechische Einheimische und mich. Und da hab ich mich seit der Sache mit Clara mal richtig gespürt. Die meiste Zeit sonst, fühl ich ja gar nichts. Aber da hab ich gemerkt, dass es mir ungefähr so ging wie den Sonnenblumenkernen, die meine Mitreisenden die Fahrt über zwischen den Fingern hatten. Aufgebrochen, ausgeweidet und in Fetzen ausgespuckt. Und zu dem nagenden Hunger in meinem Bauch und meiner Blase, die gedrückt hat, hab ich gemerkt, dass das von ganz tief unten schon viel weiter oben ist. Hab mich die Straßen lang geschleppt und bei dem ersten »Room for rent« Schild halt gemacht. Diese Gefühlssuppe stand mir da Oberkante Unterlippe und auf meinem Zimmer angekommen, war ich froh, dass ich nur an einer Stelle Wasser lassen musste.

Seit heute morgen dann nichts als strampeln, strampeln, strampeln bis Agiokampos. Zu meinem Heulen mischt sich Lachen. Keine Ahnung wieso. Alles zerfällt. Ich bin wie ein Irrlicht, dass über die Welt wandert. Auf der Suche nach der nächsten Stromquelle, die mich mit Lebensenergie versorgt. Mein eigener Saft geht ja ständig aus. Und immer wenn’s dunkel wird, gehen die Zweifel an. So richtig kapiere ich das erst jetzt. Ich kann nur den Punkt nicht ausmachen, an dem das angefangen hat. Ich bin so seit ich denken kann. Getrieben. Aus irgendeinem Grund beruhigt mich das. Ist ja was konstantes in meinem Leben und daran kann ich mich festhalten. Ich trockne die Augen am Hemdärmel und richte mich wieder auf.

In einiger Entfernung legt ein Boot an einem Steg an. Der Fischer winkt mir zu, is ja wie in nem Till-Schweiger-Film, denk ich. Ich winke trotzdem zurück. Er mustert mich, dann verschwindet er in der Kajüte. Es dauert gar nicht lang, da kommt er auf mich zu geschlurft, mit einer Flasche Wasser in der Hand. Ich sage danke und will nicht, dass mich jemand so sieht. Wünsch mir das Wasser wäre Schnaps. Der Fischer deutet auf das Fahrrad, meine Kleidung und gibt mir mit Händen und Füßen zu verstehen, dass er sich fragt, was ich hier tue. Ich versuche ihm zu erklären, dass ich einfach nur eine Reise mache. Muss wenig überzeugend sein. Er setzt sich neben mich und schweigt, lässt den Blick über das Meer gleiten. Ich mustere ihn von der Seite. Er hat Falten. Viele. Kommen bestimmt von der Sonne, denk ich. Kann aber nicht schätzen wie alt er ist. Er deutet auf das kleine Fischerboot und legt seine übereinander gefalteten Hände auf seine Brust. Seine Mundwinkel heben sich und das Strahlen breitet sich bis in seine Augen aus. Ich glaub ich weiß was er meint und als er fragend auf mich zeigt, sag ich »Running a software company.«
Der Mann fängt an zu lachen. »No, what you do for your soul?«
»Running a software company. It’s my job.«
Er runzelt die Stirn. »This it for the heart? Or for the money?«

Das is doch irgendwie das selbe, denk ich. Lasse mich nur zu einem Schulterzucken hinreißen und der Mann nickt. Mehr sprechen wir nicht. Irgendwann steht er auf, zeigt erst auf meine Schuhe und dann auf die Sonne, die tief am Horizont steht. Ich kann nicht ewig hier bleiben, auch wenn ich gerade nichts lieber täte. In meinem Kopf steckt keine Watte mehr. Da ist jetzt Rauschen. Ich stehe auf, klemme das Getränk in den Gepäckträger und die Schuhe unter meinen rechten Arm. Barfuß tappe ich über den Strand und schiebe dabei das Fahrrad bis zu Straße. Ich schwinge mich auf das Rad und strampele los. Zurück durch die von Olivenbäumen gesäumte Gasse. Ich kann nur daran denken, dass ich dringend eine neue Akkuladung brauche.

 
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Hallo Marla_D,

und willkommen hier.

Flott geschrieben, dazu noch im Präsens, so dass mich ein tolles Live-Geschehen in den Bann zieht.

Es bleibt anfangs vieles im Unklaren. Warum, wohin, vor wem flüchtet er?
Ich blieb also dran, um zu erfahren, was passiert ist. Die "Auflösung" jedoch enttäuscht mich ein wenig.

In meinem Kopf fegt aber immer noch ein Sturm,
Ich versuche mir vorzustellen wie viele Springbrunnen auf der gesamten Erde verteilt sind und an wie vielen Stellen diese zeitgleich ihren Druckausgleich in die Welt kotzen.
Versuche meine nächsten Schritte zu planen und dazu durch mein Gedankenunwetter zu navigieren.
Ich versuche in mich hineinzuhorchen, ob unter der Suppe das Verlangen nach Flucht abgenommen hat.
Zwischenzeitlich ist die Pflanze vollends abgesoffen. Die Gefühlssuppe steht mir bis Oberkante Unterlippe
Meine Augen pumpen immer noch wie kleine Springbrunnen das Wasser nach draußen.
um den Punkt auszumachen, an dem ich begonnen hatte Dauerkunde in den Kraftwerken der Anderen zu werden.
Um meine Privatsphäre wieder herzustellen und den in mir tobenden Hurricane im Griff zu halten,

Ich finde die theatralischen Beschreibungen (hier einige Beispiele) zu viel des Guten. Als hättest du alle rausgehauen, die dir eingefallen sind. Ein paar hätten gereicht. "Dosieren" lautet das Zauberwort ;)

Vor etwa einer halben Stunde hatte mich der Pickup Truck mit einem Berg voll aufgestapelter »Erkenntnis« auf seiner Ladefläche mit Vollgas gerammt.
Doch Rettung war schnell zur Stelle: Meine Beine waren die Notärzte, die sofort an die Arbeit gingen und der Fahrer des Krankenwagens mein letztes bisschen Verstand, der mit einem Brandeisen »FLUCHT« auf meine Fußsohlen geschmort hatte.
An diesen beiden Stellen bin ich hängengeblieben. Musste ich mehrmals lesen. Hinderte meinen Lesefluss.


Ich versuche ein allzu offensichtliches Seufzen zu unterdrücken und nicke freundlich: »Thanks.«
und nickt anerkennend: »Fabulous.«

Wie kann man Sätze nicken? Vielleicht passt da besser ein Synonym zu "sagen".


dass er sich fragt KOMMA was ich hier tue.
Obwohl ich mich frage KOMMA ob der Mann im Textilgewerbe tätig ist.
Ich kenne vermutlich die Antwort darauf KOMMA aber bleibe still.
Eine Flut von Nachrichten, Anrufen und Benachrichtigungen überschwemmt das Display KOMMA bis ich es einfach ausschalte.
Mit dem Komma scheinst du auf dem Kriegsfuß zu stehen ;-)
Da sind noch rund ein Dutzend, die fehlen. Bin aber nicht der absolute Komma-Experte.

Das klingt ziemlich nach meinem Geschmack - kein Mr. Business und noch dazu ein Dorf KOMMA zudem sich wenigstens in diesem Bus keine Touristenmassen bewegen.
Kein Bindestrich (-) sondern Halbgeviertstrich (–)

vor mir entnehmen - die einzige Unterhaltung,
Halbgeviertstrich –

Werde allerdings davon abgehalten mich eingehender mit dem Gefühl zu beschäftigen, weil das Backpacking-Pärchen plötzlich ein Autogramm haben möchte.
weil ein ...Pärchen (es wurde ja vorher noch nicht erwähnt)

Obwohl mir der Schweiß den Körper herunter läuft,
herunterläuft

Die Erkenntnis, dass ich mit meiner Verlobten keinen dauerhaften Bund eingehen konnte.
Und das ist der Grund für die Flucht? Vor flieht ein Promi? Schade, hatte mir etwas anderes vorgestellt.


Ich hatte es tun wollen, weil ich ein Herzensbrecher war und nichts anbrennen lies - so sagt man zumindest.
ließ so sagt

Wünsche dir viel Spaß hier.

Schönen Tag und liebe Grüße,
GoMusic

 
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Hallo @GoMusic,

vielen herzlichen Dank für deinen ausführlichen Kommentar.

Ich habe mich zunächst mal um die Zeichensetzungsfehler gekümmert. Über so manchen Rechtschreibfehler musste ich dann doch auch schmunzeln, ich bin ab irgendeinem Überarbeitsungsdurchgang wohl betriebsblind geworden. Ich hoffe es hat den Lesefluss nicht zu sehr gestört. Ich werde mir in einer ruhigeren Minute den Text nochmals genauer ansehen!

Danke dir auch für die Kritik zu den "theatralischen Beschreibungen". Mir gefallen diese kruden Bilder und wenn ich ein Thema im Kopf habe (hier sind es ja oft Metaphern zu Wetter und später am Strand dann die Passage zu Irrlicht, Spannungsversorgung, Kraftwerk etc...) dann verknüpfen sich diese Metaphern ohne, dass ich daran extrem bastele bzw. grabe. Wenn es einen "Tryhard"-Eindruck hinterlässt, ist das natürlich schade. Ich bin gespannt ob es dazu vielleicht noch eine andere Meinung gibt und ob das eine reine Frage des Geschmacks ist.

Zu dem Backpacking-Pärchen: Es wurde erwähnt, denn es sitzt vor ihm im Bus. Vielleicht hilft es aber wenn ich "deutsches" Backpacking-Pärchen schreibe, damit der Bezug klarer wird.

Und das ist der Grund für die Flucht? Vor flieht ein Promi? Schade, hatte mir etwas anderes vorgestellt.

Die abgebrochene Hochzeit ist der Trigger zur Flucht, das dahinterliegende Problem bzw. die "Erkenntnis" eine größere. Es ist nicht nur eine Flucht vor der Situation auf dem Standesamt, sondern im Grunde eine Flucht vor seinem Leben(sstil). Diese Fäden wollte ich in den letzten Absätzen zusammenführen. Unter diesem "Ich renne vor der Verantwortung einer Eheschließung weg" liegt ja etwas ganz anderes.

Insofern ist es schade, wenn bei dir als Auflösung bzw. Problem bloß dieses "Ich renne vor der Hochzeit weg" angekommen ist.


Nochmals danke für deine Zeit :)

Viele liebe Grüße
Marla

Edit: Die beiden Sätze werden auch nicht mehr genickt. Stimme zu, dass das eher Inquit-Salat war...

 
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Ich reiße das weinrote Einstecktuch aus der Brusttasche meines Anzugs, streife die Krawatte über meinen Kopf und stopfe beides in den nächstbesten Blechmülleimer, an dem ich vorbeikomme.

Einstecktuch gehört zu einem Anzug, die Erwähnung ist also redundant. Stopfen ist ein seltsames Wording, obwohl es wahrscheinlich passt, ich würde es eventuell tauschen gegen schmeißen, ablegen, etwas Direkteres. Auch die Erwähnung des nächstbesten Blechmülleimers. Stehen da tausende zur Auswahl? Und darf es auch einer aus Gold sein? Informationen sind ja gut, aber doch nur wenn sie nicht vollkommen willkürlich da im Text stehen. Ein Detail bringt Atmossphäre, wenn es diese evozieren kann.
Meine Bewegung gleicht irgendetwas zwischen Vorwärtsstolpern und Sprinten.
Das ist ein grundsätzliches Problem dieser Erzählposition: wem erzählt er das hier? Sich selbst? Und wenn ja, wie genau definiert sich das Stolpern und Sprinten? Warum wählt er genau diese Begrifflichkeiten? Würde man, wenn man sich aktiv bewegt, darüber in Echtzeit reflektieren? Und wenn ja, was ist das für ein Protagonist? Ist der hypersensibel oder hat der Asperger? Das sind so Ideen, die ich beim ersten lesen bekommen, ohne den Rest des Textes zu kennen.
So schnell man eben mit Anzugschuhen rennen kann. Kurz bevor ich die Treppen zu den Taxen heruntersteigen kann, muss ich stoppen und die Arme auf die Oberschenkel stützen. »Scheiß Raucherei.« Ich öffne mein Sakko, zupfe fahrig die obersten beiden Knöpfe meines Hemdes auf und ringe nach Atem. Mehrmals presse ich schwer die Luft aus meiner Lunge, ehe ich mich erneut in Bewegung setze und ein wartendes Fahrzeug ansteuere. Ich lasse mich auf den Rücksitz des Taxis fallen: »Zum Flughafen bitte ...«
Das ist ein (!) ganzer Absatz, in dem beschrieben wird, wie er sich ein Taxi nimmt. Eben hat er doch noch seine Anzugjacke weggworfen, dann knüpft er aber sein Sakko auf? (Ach nee, nur das Tuch, mein Fehler) Und Raucher atmen doch nicht schwer aus, sondern haben Schwierigkeiten beim Einatmen, oder? Also wenn ich jetzt hundert Meter renne, dann japse ich, ich versuche tief Luft zu holen, was bei meinen tabakgeölten Lungen nicht mehr so ganz funktioniert. Das ist halt in diesem ersten Absatz sehr umständlich und wordy beschrieben, wie das die Amis nennen würden. Du kannst es so machen, musst aber rechnen, dass weniger geneigte Leser hier schon aussteigen. Wenn ich in einem Buchladen einen solchen Text lese, lese ich drei Sätze und lege das Buch weg. Vielleicht versuchst du einfach mal, den ganzen Absatz in zwei Sätze, die dem Leser noch etwas versprechen, zu packen, verknappen, reduzieren, präzisieren.

Und zwar so intensiv, dass ich mich nicht mehr mit einem Hechtsprung, leichten Prellungen und einem kleinen Kratzer aus der Angelegenheit retten konnte.
Der Pick up Truck (Truck ist redunant, entweder Pick up oder Truck) hat ihn, die Person, intensiv gerammt. Das klingt fast wie eine erotische Passage: Hey, soll ich dich mal intensiv rammen? Da passt auch das Wording nicht. Intensiv ist doch eher eine emotionale Beschreibung, ich küsse intensiv, liebe intensiv, habe einen intensiven Sinneseindruck. Stell dir mal vor, du beschreibst einem Polizisten ein Unfallgeschehen und sagst: Also, das war eine sehr emotionale Erfahrung, der verunfallte Wagen hat mich intensiv berührt. Meine Rippen sind jedenfalls gebrochen. So liest sich das. Und solche Dinge haben immer das Potential entweder unfreiwillig komisch zu wirken oder aber nachlässig.

Meine Verletzung glich eher einem Körper-Geist-Trauma mit mehrfacher seelischer Trümmerfraktur. Doch Rettung war schnell zur Stelle: Meine Beine waren die Notärzte, die sofort an die Arbeit gingen und der Fahrer des Krankenwagens mein letztes bisschen Verstand, der mit einem Brandeisen »FLUCHT« auf meine Fußsohlen geschmort hatte.
Das ist so der Punkt, wo ich aussteige. Mehrfache seelische Trümmerfraktur. Was soll das sein? Beine, die Notärzte sind. Ich weiß, in der Gegenwartsliteratur sind solche Stilblüten und schiefe Bilder angesagt, siehe Clemens Setz und so, aber ich kann das selten ernst nehmen. Das letzte bißchen Verstand in der Krankenwagenfahrer der mit einem Brandeisen Flucht auf die Fußsohlen schmort. Warum eigentlich? Er ist doch der Krankenwagenfahrer? Wenn die Person selber fliehen kann, wozu dann den Krankenwagen? Solche Sätze muss man einmal und sehr schnell lesen, sonst fallen sie auseinander. Das ist nicht schräg im Sinne eines ungewöhnlichen Vergleichs oder einer originellen Sprache, sondern einfach wüst und unlogisch. Ich denke, der Autor nimmt den Text nicht ernst, den Charakter nicht ernst, seine eigene Fiktion nicht ernst. Außer, es soll irgendwie witzig-flapsig sein, aber dafür bin ich einfach zu alt, das wäre an der Zielgruppe vorbei.

Das sind einfach so persönliche Erwarungshaltungen, die ich an Literatur habe, also nimm das alles mit einer Prise Salz.

Gruss, Jimmy

 
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Hallo Marla_D,

ein seltsames Stück Schreibkunst. Spannend allemal, da bis zum Schluss unklar bleibt, was den Prot zu so einer Flucht trieb. Gespickt mit - ich nenne es mal flapsigen Übertreibungen - versuchst Du humorvoll und ein bisschen reißerisch den Leser zu fesseln. Es gelingt Dir gut, aber es ermüdet auch. "Meint" er es ernst oder soll es einfach nur bespaßen? Und die Erkenntnis, einer Scheinwelt erlegen zu sein, wiegt meines Erachtens schwerer als dass es zu einer Flucht nach Griechenland reicht. Seine Reaktion gerät in eine Fiktion abzugleiten, dann auch die Begegnung mit dem Fischer ... plötzlich droht dem Businessman Erkenntnis und Bewusstwerdung. Geht das so plötzlich einher?
Trotzdem war es eine rasante Fahrt durch eine interessante Wortwahl, bei der ich jetzt trotz meines Alters keine Berührungsängste spürte und der Genuss beim Lesen überwog.
Grüße - Detlev

 
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Hallo @Detlev

vielen Dank für deinen Beitrag.

ein seltsames Stück Schreibkunst.
"Seltsam" gefällt mir in diesem Satz, denn wenn dieser Eindruck entstanden ist, hat die Geschichte in Teilen funktioniert.

Gespickt mit - ich nenne es mal flapsigen Übertreibungen - versuchst Du humorvoll und ein bisschen reißerisch den Leser zu fesseln.
Es gelingt Dir gut, aber es ermüdet auch. "Meint" er es ernst oder soll es einfach nur bespaßen?

Diese Aussagen finde ich sehr spannend und es würde mich freuen, wenn du die noch etwas mehr ausführen könntest. Flapsig wollte ich es nicht wirken lassen. Etwas sarkastisch oder zynisch an der ein oder anderen Stelle, "over" - ja, denn das ist ja mitunter die komplette Reaktion des Protagonisten. Es stimmt daher auch, wie du ja selbst in deinem nächsten Satz schreibst, dass es reißerisch ist - wobei ich dramatisch passender finde. Zu weit ins (evtl. sogar) Lächerliche sollte es dann aber nicht rutschen - für den Protagonisten ist die ganze Situation ja eine ernsthafte Misere. Getriggert durch die gescheiterte Hochzeit.

An dieser Stelle möchte ich auch nochmal auf den Satz von @GoMusic eingehen, der anmahnt, dass viele Sätze zu theatralisch sind. Oben habe ich geschrieben, dass ich "krude Bilder mag" (das passt zu deinem "seltsam" ;)) und hier nicht ein "Autoren Tryhard"-Gefühl entstehen sollte. Wenn das auch bei dir so ankam, dann muss ich mir Gedanken machen, wie ich das ändern kann. Ich hatte gehofft, dies auch durch die Wahl der Ich-Perspektive zu umgehen. Ich möchte also nochmal erwähnen, dass ich dieses Theater auspacke, da es der Persönlichkeit des Protagnonisten entspricht. Die Bewertung der Situation erfolgt ja aus seiner Wahrnehmung. Mein Ziel war es die Gedankengänge des Protagonisten zu schildern und die sind in der Tat blumig, dramatisch und auch streckenweise theatralisch. Einmal in dieses Setting reingedacht, kamen die Bilder da recht intuitiv ohne viel basteln zu müssen. Er fühlt sich nicht einfach nur mies, sondern so wie "ausgespuckte Sonnenblumenkerne" und auch ein simpler Springbrunnen regt mal zum Sinnieren über Druckausgleich etc. an. Würdest du @Detlev hier auch stärker dosieren, so wie es @GoMusic vorschlägt? Ich habe die Sorge, dass dann das "seltsame" Gefühl verloren geht - dieses Anecken, was ich bisher bei allen Rückmeldungen rauslese. Sonst ist es ja bloß ein Typ, der manche Dinge "blumig sieht".

Und die Erkenntnis, einer Scheinwelt erlegen zu sein, wiegt meines Erachtens schwerer als dass es zu einer Flucht nach Griechenland reicht. Seine Reaktion gerät in eine Fiktion abzugleiten, dann auch die Begegnung mit dem Fischer ... plötzlich droht dem Businessman Erkenntnis und Bewusstwerdung. Geht das so plötzlich einher?

Ja, die Erkenntnis wiegt schwer, die Flucht ist "over the top" - kam mir aber sehr denkbar für einen so strukturierten Charakter vor.

Zu der Begegnung mit dem Fischer: Da bin ich ganz bei dir. Für mich war klar, dass hier kein Happy-End im Sinne von "und dann fraß er den Stein der Weisheit" kommen kann. Er selbst versperrt sich ja auch davor, will weg, es wird ihm "zu esoterisch". Deshalb habe ich es auch bewusst dabei belassen nur den Wunsch nach der neuen Akkuladung zu beschreiben. Ob sich etwas nachhaltig bei ihm in den Gedanken festsetzt oder zum Umdenken anregt, ob er noch eine Reise macht oder weitermacht wie bisher - wer weiß das schon?

Trotzdem war es eine rasante Fahrt durch eine interessante Wortwahl, bei der ich jetzt trotz meines Alters keine Berührungsängste spürte und der Genuss beim Lesen überwog.
Es freut mich, wenn ich dich ein bisschen unterhalten konnte und ich sehe deinen "Genuss beim Lesen" als ein kleines Kompliment.

Danke für deine Zeit.

Grüße
Marla

 
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Hallo @jimmysalaryman

auch dir vielen Dank für deine Zeit und dein Kommentar.

Einstecktuch gehört zu einem Anzug, die Erwähnung ist also redundant. [...] Auch die Erwähnung des nächstbesten Blechmülleimers. Stehen da tausende zur Auswahl? Und darf es auch einer aus Gold sein?

Ich bin nicht sicher wie du das meinst. Nicht immer wenn Mann [sic] einen Anzug trägt, ist da zwangsläufig das Einstecktuch dabei. Einstecktuch + Krawatte sollen hier eine festlichere Garderobe anzeigen. Oder meinst du damit es sollte ansonsten: "Ich reiße das weinrote Einstecktuch aus meiner Brusttasche [...]" heißen - aber dann die Frage: Aus welche Brusttasche? Mhh.

Blechmülleimer, da es sich um einen Mülleimer auf der Straße handelt. Mit "Mülleimer" oder z. B. "Papiermülleimer" würde ich nicht unbedingt einen Mülleimer auf der Straße assoziieren. "Nächstbeste" impliziert in der Tat eine größere Auswahl - hat man in einer Großstadt eher als auf dem Dorf, wo es vielleicht nur "die eine Mülltonne" gibt. Ich habe also schon den Eindruck, dass es zur Szenerie beträgt und nicht willkürlich ist. Über die nähere Spezifzierung, dass er aus Blech ist, mag man aber streiten können. Vielleicht ist eine Lösung, eines der beiden Details statt beide zu verwenden.

Das ist ein grundsätzliches Problem dieser Erzählposition: wem erzählt er das hier? Sich selbst? Und wenn ja, wie genau definiert sich das Stolpern und Sprinten?

Würde dir z. B. "Ich stolpere mehr, als dass ich renne. So schnell es eben mit engen Anzugschuhen vorwärts geht." besser gefallen? Ich gebe dir Recht, dass dieses "Echtzeit-Reflektieren" schwierig ist. Bloß wenn ich mir so vorstelle, dass ich z. B. schnell noch den Bus erwischen will und in super engen Pumps stecke, würde ich vielleicht auch denken: "Meine Herr'n, ich eier' hier ja ganz schön durch die Gegen, blöde Schuhe".

Zu deiner "Asperger"/"Hypersensibel"-Anmerkung. Ich entnehme deinem restlichen Kommentar, dass du die Geschichte nicht fertig gelesen hast, was auch vollkommen in Ordnung ist - mit dem "Hypersensibel" liegst du aber gar nicht so falsch. So könnte man seine Charakterzüge sicherlich in Teilen beschreiben.

Und Raucher atmen doch nicht schwer aus, sondern haben Schwierigkeiten beim Einatmen, oder? Also wenn ich jetzt hundert Meter renne, dann japse ich, ich versuche tief Luft zu holen, was bei meinen tabakgeölten Lungen nicht mehr so ganz funktioniert.

Danke - diese Stelle werde ich entsprechend anpassen.

Der Pick up Truck (Truck ist redunant, entweder Pick up oder Truck) hat ihn, die Person, intensiv gerammt. Das klingt fast wie eine erotische Passage: Hey, soll ich dich mal intensiv rammen? Da passt auch das Wording nicht.

Spannend mit dem Pickup Truck. In einer früheren Version stand dort Truck und ich bekam von Testlesern das Feedback durch die Formulierung "Pickup Truck" deutlicher zu machen, um welche Art Fahrzeug es sich handelt (Pickup Truck ist übrigens wohl in Teilen Amerikas eine gängige Formulierung...). Ich muss nachdenken wie ich das Problem löse.

Über deine Ausführungen zum Wort "intensiv" musste ich herzhaft lachen. Die Berschreibung deines Unfallgeschehens ist amüsant. Auf jeden Fall danke dafür. Für mich ist das Wort jedoch sowohl positiv als auch negativ konnotiert. Ein Blick in die Synonymliste hat das bestätigt. Lösungsvorschlag: "heftig"?

Das ist so der Punkt, wo ich aussteige. Mehrfache seelische Trümmerfraktur. Was soll das sein? Beine, die Notärzte sind. Ich weiß, in der Gegenwartsliteratur sind solche Stilblüten und schiefe Bilder angesagt, siehe Clemens Setz und so, aber ich kann das selten ernst nehmen. Das letzte bißchen Verstand in der Krankenwagenfahrer der mit einem Brandeisen Flucht auf die Fußsohlen schmort. Warum eigentlich? Er ist doch der Krankenwagenfahrer? Wenn die Person selber fliehen kann, wozu dann den Krankenwagen? Solche Sätze muss man einmal und sehr schnell lesen, sonst fallen sie auseinander. Das ist nicht schräg im Sinne eines ungewöhnlichen Vergleichs oder einer originellen Sprache, sondern einfach wüst und unlogisch. Ich denke, der Autor nimmt den Text nicht ernst, den Charakter nicht ernst, seine eigene Fiktion nicht ernst. Außer, es soll irgendwie witzig-flapsig sein, aber dafür bin ich einfach zu alt, das wäre an der Zielgruppe vorbei.

Dein gutes Recht auszusteigen, man kann mit dem eigenen Geschreibsel auch nicht jeden abholen. Ich picke mal das Bild mit dem Krankenwagen, den Notarztbeinen etc. heraus: Auch bei langsamem Lesen ergibt das Bild für mich durchaus Sinn und fällt nicht auseinander. Wenn ein schwerer Unfall passiert, kommt ein Krankenwagen an die Unfallstelle. Die Notärzte steigen aus und fangen mit der Behandlung an (--> die Beine = Notärzte, die die Arbeit aufnehmen (rennen)). Das reicht aber nicht, der Patient muss ins Krankenhaus, er wird in den Krankenwagen geladen. Das Ziel, ein "geeigneter Platz zur weiteren Notfallversorgung", wird angepeilt (--> der Verstand (Richtungsgeber) = der Fahrer der das Ziel (hier FLUCHT) angibt). Achso und für den Notfalleinsatz braucht es natürlich auch eine schlimme Verletzung, sonst rückt ja kein Krankenwagen aus (Trümmerfraktur, in diesem Fall keine Fraktur der Beine sondern der Seele).

In anderen Worten: Ich hab mir Gedanken gemacht und es nicht hingeschludert, falls dieser Eindruck entstanden sein sollte ;) Wüst und unlogisch möchte ich so also nicht unterschreiben. Das Leute aufgrund der Bilder die Geschichte abbrechen ist wohl ein Übel, dass ich in Kauf nehmen muss.

Vielen Dank für deine Zeit!

Grüße
Marla

 
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17.12.2005
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287

Hallo Marla,

mal vorneweg - ich kann Geschichten stehen lassen, wie sie sind. Der Autor hat sich IMMER etwas dabei gedacht, die Worte, die Sätze so zu arrangieren, wie sich die Geschichte in seinem Kopf abspielt. Phantasie ist für mich hier der wichtigste Ratgeber. Erst später kommt der ganze Ballast der Rechtschreibung und Textgestaltung hinzu. Ich vergleiche hier gerne mit Musik. Es gibt Musiker, die interpretieren auf einem Instrument ihre Gefühle, ohne auf die Hörgewohnheiten des Zuhörers Rücksicht zu nehmen. Andere bedienen hier die klassische Hörgewohnheit - Gitarre klingt wie Gitarre, Melodie tausendfach gehört ... es liegt am Zuhörer, was er hören will, wo er seinen Genuss erlebt - erleben will. All inclusive oder unberührte Wildnis? Ich bin für Letzteres. Ich liebe das Experiment, den Versuch, die Idee, das Kreative. Dazu darf man auch mal über die Stränge schlagen ...
Bei Deiner Story hatte ich das Gefühl, es sei DEINE Beurteilung der Situationen, Dein versteckter Zynismus oder Deine Flapsigkeit - nicht des Prots. - aber wie das lösen, hab ich jetzt auch nicht parat. Der Prot. ist intelligent und doch auch wieder "gewöhnlich" - seine Struktur, Persönlichkeit schwankt zwischen den Polen hin und her, wobei ich hier das Gefühl hatte, dass nicht er diese Zerrissenheit in sich hatte, sondern Du sie ihm eingesetzt hattest. Einen anderen Charakter in Ich-Form zu beschreiben finde ich extrem schwierig und bedarf ziemlicher Beobachtung. Ich suche mir da gerne einen Bekannten oder Freund, den ich genauer kenne als eine vollkommen fiktive Person.
Dann vielleicht auch die Wortwahl. Erst in den letzten Jahren habe ich gelernt, von was Worte abgeleitet wurden, in welchen Zusammenhängen sie wirken, was sie tatsächlich aussagen oder - in welchem Kontext sie innerhalb der Gesellschaft benutzt werden - auch hier kann das Spiel mit Worten unter- oder übertrieben werden. Aber auch die Balance kann sehr schnell langweilig wirken. Was also tun? Ich bin hier für egoistische Ausführung. Einen Autor an seinem eigenwilligen Stil zu erkennen liegt mir näher als an einer für die breite Masse verständlichen Ausführung. Write on! Fühle und schreibe. Es gibt immer einen, der es liebt und einen, der es verabscheut. Sei kreativ - wünsch Dir was!
Detlev

 
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Hallo Detlev,

vielleicht hast du mit deinem Gitarren-/Zuhörerbeispiel recht. Es kommt drauf an wie man sendet und wer wie empfängt - Schulz von Thun lässt grüßen.

Auch mit der Beobachtung hast du Recht - da hatte ich glücklicherweise ein Vorlage im realen Leben, was die Sache wohl erleichtert hat. Richtig spannend wirds dann aber glaub ich bei Themen wo das Beobachtungsobjekt und die eigene Erfahrung fehlt - das möchte ich auch unbedingt stärker ausprobieren.

Write on! Fühle und schreibe. Es gibt immer einen, der es liebt und einen, der es verabscheut. Sei kreativ - wünsch Dir was!
Das tut gut - Danke dir und bis bald mal!

Grüße
Marla

 
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Hallo zusammen @GoMusic @Detlev @jimmysalaryman,

ich überarbeite gerade diese Geschichte und ihr habt mir damals einen Kommentar dagelassen. Es hat bei mir gedauert, bis ich die unterschiedlichen Kritikpunkte einordnen konnte und bis dahin war die Geschichte mein "Ich-muss-denken-was-ist-das-Problem"-Sorgenkind. Ich hatte einfach ein Brett vor dem Kopf und glaube jetzt zu verstehen, was die Geschichte für manche Leute "komisch" macht. Daher möchte ich euch bitten, meine Überlegungen anzuschauen, ob ihr glaubt, ich laufe in die richtige Richtung :)

Eure Punkte lauteten zum Beispiel:

Meine Bewegung gleicht irgendetwas zwischen Vorwärtsstolpern und Sprinten.
Das ist ein grundsätzliches Problem dieser Erzählposition: wem erzählt er das hier? Sich selbst? Und wenn ja, wie genau definiert sich das Stolpern und Sprinten? Warum wählt er genau diese Begrifflichkeiten? Würde man, wenn man sich aktiv bewegt, darüber in Echtzeit reflektieren?
Ich finde die theatralischen Beschreibungen (hier einige Beispiele) zu viel des Guten. Als hättest du alle rausgehauen, die dir eingefallen sind.
Gespickt mit - ich nenne es mal flapsigen Übertreibungen - versuchst Du humorvoll und ein bisschen reißerisch den Leser zu fesseln.
...und das hab ich wirklich gar nicht richtig kapiert. Ich hab ständig gedacht: "Ja, aber der Protagonist ist doch so" und dann - es hat halt gedauert - ist mir das Problem aufgefallen: Das Zauberwort ist "DU" und "beschreibst". Ja, ICH mache das, als Autorin und nicht als Erzähler/Figur (fällt hier zusammen, da Ich-Perspektive). Die Absätze mit den "kruden Bildern" BESCHREIBEN (manchmal tatsächlich auch zeigen) das Innenleben der Figur, aber zu glatt. So ausdifferenziert würde sich das im Präsens ja niemand vorstellen. Ich bin dem Anfängerfehler erlegen, dass ich "einen Film im Kopf" hatte, den ich im Grunde jetzt zusammengefasst präsentiere und das scheinbar durch die Augen der Figur. Ich hab mir ja voll vorgestellt, mich da reingedacht, wie der so drauf ist, es aber dann durch mich (die Autoreninstant statt Erzähler/Figur) nochmal durchgefiltert - der Typ hat zwei Persönlichkeiten ;). Teilweise eben so ungelenk, dass der Protagonist unfreiwillig komisch wirkt. Das erklärt auch eine Aussage wie:
Bei Deiner Story hatte ich das Gefühl, es sei DEINE Beurteilung der Situationen, Dein versteckter Zynismus oder Deine Flapsigkeit - nicht des Prots.
Ja! Aber ich hab das gar nicht gemerkt. Ich hab halt durch meine Augen geschaut und nicht durch die Augen der Figur. Könnte mir sogar vorstellen, dass das dann so unfreiwillig komisch wirkt, weil man den Eindruck bekommt da macht sich jemand lustig. In dem Fall die Figur über sich selbst (aber war dann in Wirklichkeit ich, die eben jene Situationen möglichst flapsig abstrus beschrieben hat). Aber dabei nicht auf so eine Art "der hat aber einen komischen Charakter" (gibt ja Leute die sich ständig selbst durch den Kakao ziehen) sondern eher so "Das ist einfach alles seltsam". Also hab ich mir Lösungen überlegt.

Meine Lösungsansätze:

  • Ich würde gerne im Präsens schreiben, ich glaube aber das funktioniert nicht. Jedenfalls nicht bei dieser Geschichte. Ich hab mich zunächst gefragt, was will ich denn überhaupt da erzählen und wie? Und Fakt ist, diese Geschichte lebt nicht von Dialogen, sondern von der Innensicht der Figur - seine Reise durch die Gegend. Es werden verschiedene Orte besucht, es ist auch eine Übernachtung in der Geschichte. Da muss ich Zeit raffen - das wirkt im Präsens komisch und führt zu sowas: "Ehe ich mich versehe, befinde ich mich in einer Maschine nach Athen [...]" Daher werde ich erst mal die Erzählzeit wechseln. [Funfact: Habe beim ersten Überarbeiten Präsens beibehalten und dachte ich komme ganz gut durch bis zu dieser Stelle: "Ich gebe dem Taxifahrer einen Fünfziger und ehe ich mich versehe, befinde ich mich in einem Flugzeug, das nur drei Stunden später wieder landet. Das war auch so ein Kurzschlussding. Last-Minute-Schalter, Abflugtafel, Personalausweis, Kreditkarte, Ticket."] <--- Da hab ich dann gedacht: Wieso nicht gleich Perfekt/Präteritum? Ja manche Leute sind fix im bewerten von Situationen und können auch nach einem drei Stunden Flug sagen "Boah war ich da kopflos", aber es wirkt irgendwie nicht - finde ich!
  • Durch die Nutzung von Präteritum funkioniert denke ich auch viel eher ein Satz wie "XY statuierte ABC". Denn im Präsens wäre es viel mehr bloß: "Dann sagt er XY". "Statuieren" impliziert aber ja schon, dass da jemand reflektiert hat. Und ja, das habe ICH (bin den Film ja schon 100 mal im Kopf abgerannt), aber man merkt nicht, dass die FIGUR irgendwas kapiert hat und das ist das Problem an der ganzen Kiste.
  • Ich möchte die Bilder "entglätten" - er soll die Dinge immer noch etwas anders als andere bewerten, aber dann auch in seiner eigenen Sprache, kürzer, knapper, also z. B. im Präsens eher so: "Ich will was sagen, kann ich aber nicht, muss immer noch nach Luft schnappen. Vor einer halben Stunde hat mich ein Pickup mit Vollgas gerammt - jedenfalls hat sich das so angefühlt. Also metaphorisch mein’ ich. Auf dem Truck stand fett in roten Lettern „ERKENNTNIS“ drauf." <--- Weil das mit dem Präsens aber nicht klappt durch die Schauplätze (jedenfalls weiß ich handwerklich nicht wie ich das elegant machen soll, geht das überhaupt, außer es ist ein Tagebuch?!) werde ich es wie gesagt noch ins Perfekt/Präteritum wechseln.
  • Auf eine Rahmenhandlung möchte ich verzichten aus folgendem Grund: Es erscheint mir als "billige Krücke" ihn z. B. in eine Kneipe zu setzen und zu eröffnen mit "Vor zwei Wochen sind mir echt total die Sicherungen durchgebrannt." Das pointet dann am Anfang schon zu sehr, schiebt die Lesenden in eine Richtung ("Du hast das jetzt hier alles aber auch schon so zu verstehen, dass der Typ halt übertrieben ist!") und wird nur herangezogen, damit man sich nicht fragt: "Wem erzählt er das alles" <--- Aber dieses Problem hat man ja immer bei dieser Perspektive.
  • Die Geschichte braucht aber schon etwas mehr "Fleisch", damit man der Figur in den Eigenarten folgen kann. Es wird die ein oder andere kurze Rückblende geben.
  • Der berufliche Background wird geändert - um die Kluft nicht noch größer zu machen. Die Gedanken bzw Probleme der Figur zu begreifen sind schon schwierig genug.

Generell so ein paar Überlegungen, die ich angestellt habe:
  1. Präsens ist toll, weil es diese "Live-Action" vorgaukelt, wird aber komisch, wenn man eine Geschichte mit mehreren Schauplätzen und Etappen und Übernachtungen etc. beschreiben will. Ich sehe das eher in kürzeren Settings, szenischer und bei Geschichten mit mehr Dialogen.
  2. Wenn ich dem/der Protagonistin eine eigene Sprache geben will, näher ranrücken will, also aus der Rolle heraus schreibe, kann ich das genauso auch im Perfekt/Präteritum tun, es verzeiht mir sogar die ein oder andere reflektierte Beschreibung und macht mitunter sogar Sinn - Die Figur hat dann ja selbst einen Abstand zum Erlebten. Da kann dann auch mehr ausgeholt werden zu den Eindrücken und wie sich was, wo, wie angefühlt hat. Im Präsens ist die Erfahrung aber einfach unmittelbarer, knackiger.
  3. Um den Aspekt des "Wem erzählt er das eigentlich?" komme ich in beiden Fällen nicht drumherum.
[Falls falsche Annahme: Gegenbeispiele willkommen!]

Meint ihr, ich habe die Probleme verstanden und der Ansatz ist in Ordnung? Sorry für den riesen Text, aber das hilft mir auch meine Gedanken selbst zu strukturieren und vielleicht später nochmal draufschauen zu können, was ich da eigentlich wollte ;)

Ich freu mich auf eure Hilfe!

Viele Grüße
-Marla

 
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Hallo Marla,

schön, dass du weiter an deiner Geschichte arbeiten möchtest.

Daher möchte ich euch bitten, meine Überlegungen anzuschauen, ob ihr glaubt, ich laufe in die richtige Richtung :)
Du hast dir viele Gedanken gemacht. Mir fällt es allerdings schwer, diese theoretischen Dinge genauestens zu beurteilen, solange ich nicht weiß, wie du sie schlußendlich im Text umsetzen möchtest.

Da muss ich Zeit raffen - das wirkt im Präsens komisch und führt zu sowas: "Ehe ich mich versehe, befinde ich mich in einer Maschine nach Athen [...]"
Ich persönlich finde, Präsens passt auch bei einem Text, der einen längeren Zeitraum umfasst.

Ich möchte die Bilder "entglätten" - er soll die Dinge immer noch etwas anders als andere bewerten,
Gut, bei Bewertungen passt Präsent womöglich doch nicht so gut. Da fehlt ja die Zeit, es im "Live-Geschehen" zu reflektieren.

Auf eine Rahmenhandlung möchte ich verzichten
Also gibt es keinen roten Faden, sondern nur Nebenhandlungen, oder wie kann ich das verstehen?

Wie gesagt finde ich es einfacher und sinnvoller, einen überarbeiteten Text zu kommentieren, anstatt Gedanken, wie du die vorstellst, den Text zu überarbeiten. Ich sehe ja nicht das Ergebnis.
Ich würde sagen: Leg einfach los. :-)

Schönes Wochenende und liebe Grüße,
GoMusic

 
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Hallo @Marla_D ,

das ist ja eine gute, nachvollziehbare Liste an Fragen und sie bringt dich sicher auch weiter. Ich denke allerdings, dass nur du selbst sie beantworten kannst.

Zum grössten Teil (z. B. Tempi oder Erzählstimmen) gehen die Fragen aber am Problem vorbei. Anders gesagt: Was den Text momentan noch extrem schwer lesbar bzw. unspannend macht, stuende da nach einem Wechsel in einen anderen Tempus oder eine andere Perspektive immer noch. Die Fragen beziehen sich auf Strukturelles und Stilistik, aber die Fehler finden sich auf der Basisebene: Was willst du erzählen und welche Wörter wären dafuer angemessen?
Mein Problem mit dem Text sind vor allem die Microbeschreibungen, die auch noch ironisch-witzig verklausuliert werden. Das nimmt: Tempo, Eindringlichkeit / Unmittelbarkeit, persönlichen Bezug. Vermittelt: Flapsigkeit, uebermässig ironische Distanz zu allem, Glossencharakter.

Ich meine sowas wie:

Mehrmals presse ich schwer die Luft aus meiner Lunge,
Dabei hast du doch grad im Satz davor gesagt, dass der Prota um Luft ringt. Sowas ironisch Verklausuliertes klingt unbeholfen, ausserdem ist die Frage, ob all das Kleinteilige da wichtig ist. (Ich hab nur einen Satz zitiert, aber der Text besteht fast nur aus Ähnlichem.) Show, don't tell bedeutet nicht, dass man den Leser durch jeden Augenaufschlag und Atemzug schleifen muss - show, don't tell muss auch etwas vermitteln, das die Geschichte innerlich/äusserlich voranbringt. In nahezu allen Fällen deiner häufigen Microbeschreibungen passiert das aber nicht. Es dient auch nicht zur Charakterisierung, weil sich das Ganze ueber mehrere Absätze zieht - dadurch den Eindruck macht, du wuesstest selbst nicht genau, was du erzählen willst, um was es dir ginge (Leseeindruck, keine Unterstellung!).

Ich muss hier weg und zwar schnell. Egal wohin, Hauptsache weg.
Hier fängt doch eigentlich die Geschichte an - das ist endlich mal eine klare Aussage (auch wenn die erneute Doppelung schon wieder alles verwässert). Frech gesagt: Brauchst du eigentlich ueberhaupt irgendwas von dem davor?
Ehe ich mich versehe, befinde ich mich in einer Maschine nach Athen, die nur drei Stunden später landet.
Ich musste wegen einer Notsituation in der Familie grad vor 3 Wochen ueberstuerzt nach Deutschland reisen, packte innerhalb von 10 Minuten meine Tasche und stand ohne Ticket am Flughafen. Es ist gar nicht so leicht und geht nicht so flott, sich einfach in eine in Kuerze startende Maschine zu buchen. Dann noch die ewig langen Sicherheitskontrollen. Diese Aussage finde ich also absurd. Zudem vermittelt es eine imA unangenehme Naivität. Willst du deine Figur so darstellen? Ich erwarte hier mehr den Tag 'Humor', du hast hier 'Gesellschaft' und 'Philosophisches' - nix davon erkenne ich. Gerade im Zusammenhang mit letzterem fuehle ich mich als Leser schon echt veräppelt. Vom Tonfall ist das alles ja eher bei Mr. Bean.
Meine Bewegung gleicht irgendetwas zwischen Vorwärtsstolpern und Sprinten.
"gleicht irgendwas"? Das ist eben extrem distanziert-ironisch und schon auf 'dumm' gebuerstet, eigentlich möchte ich beim Lesen auch eher einen unmittelbaren, klar gefassten Eindruck des Protas/Erzählers bekommen, aber nicht schon mit einer vorgegebenen Haltung bzw. Interpretation.
Lieber klare, präzise Wörter finden, prägnant etwas sagen und dann weitergehen. Eher dem Leser was ueberlassen. (Vor dem Kommentieren hatte ich nur die neuste Antwort gelesen, und jetzt erst die anderen davor: Jimmy hatte dir ja schon ähnliche Tipps gegeben.)
Vor etwa einer halben Stunde hatte mich der Pickup Truck mit einem Berg voll aufgestapelter »Erkenntnis« auf seiner Ladefläche mit Vollgas gerammt. Und zwar so intensiv, dass ich mich nicht mehr mit einem Hechtsprung, leichten Prellungen und einem kleinen Kratzer aus der Angelegenheit retten konnte. Meine Verletzung glich eher einem Körper-Geist-Trauma mit mehrfacher seelischer Trümmerfraktur. Doch Rettung war schnell zur Stelle: Meine Beine waren die Notärzte, die sofort an die Arbeit gingen und der Fahrer des Krankenwagens mein letztes bisschen Verstand, der mit einem Brandeisen »FLUCHT« auf meine Fußsohlen geschmort hatte.
Das ist doch eine ewig langwierige und extrem sarkastische Verklausulierung eines Schocks, und nix davon (also: kein Unfall) ist doch tatsächlich passiert - ist dir klar, wie slapstickartig das alles klingt? Philosophisches? Was genau willst du eigentlich mit dem Text erzählen? Was willst du ueber deinen Prota sagen? Wie soll ich ihn wahrnehmen?
Dann mag man sich mal ironisch selbst bei etwas betrachten, aber das passt hier nicht zur Dringlichkeit, die du mit dem aus dem Haus stuerzen und der Atemnot andeuten willst.

Diese witzig-ironische Distanz und die unangemessene - weil glossenhafte - Haltung / Stil sind imA das Hauptproblem bei deinem Text. Plus: Ich hab ihn dann nicht weitergelesen, weil mir bis zum vierten Absatz null klar wurde, um was es eigentlich geht.

Der rote Faden (oder auch: eine Prämisse) wären wie GoMusic auch sagt, unerlässlich, um hieraus eine Kurzgeschichte zu machen.

Ich hoffe sehr, das klingt nicht zu hart - ich finde es sehr, sehr gut, dass du dir textbezogene Fragen stellst, dass du dich mit Texten beschäftigst und mit ihrer Wirkung. Vielleicht eignet sich dieser Inhalt, diese Handlungen, einfach nicht zu einer KG? Vielleicht noch mal ganz neu ansetzen und eine andere Geschichte erzählen? Wobei die Form dem Inhalt entspricht (ich gehe da mit Sullivans Motto fuer das Bauhaus: form follows function).

Ich wuerde auch zu einem Titel raten, der in der Sprache des Textes gehalten ist. (Fehler: Mit 'try' geht kein gerund, sondern nur Infinitiv = try erfordert to do. Im Englischen wird bei Titeln abweichende Gross- und Kleinschreibung verwendet. Das beides sollte zumindest korrigiert werden.)
Zudem kommt das nicht hin: to walk in someone else's shoes ist ein idiom, also nicht wörtlich zu uebersetzen. Es heisst doch, zu versuchen, sich in jemanden bzw. in seine Lage hineinzuversetzen. Ich muss ja nicht versuchen, in meinen 'eigenen Schuhen' zu laufen, weil ich meine eigene Situation / Haltung ganz genau kenne - das ist doch Nonsense. Was willst du denn mit dem Titel sagen?

Ich bin sehr gespannt, was von dir noch zu lesen ist und wuensche wirklich ganz viel Spass und Erfolg bei der Textarbeit.
Liebe Gruesse,
Katla

 
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Hi @GoMusic und @Katla,

danke für eure Kommentare!
Ich antworte einfach mal direkt an euch beide.
Ihr habt recht - so ohne Text ist es halt einfach schwer vorzustellen und deshalb habe ich die überarbeitete Version nun eingestellt.

Danke dir Katla, dass du auch nochmal im Detail auf die Problemstellen eingegangen bist.
Ich finde das unterscheidet sich gar nicht so sehr von dem, was ich als Problem identifiziert habe, wenn ich das so lese. Du fasst das ja ganz gut zusammen:

Mein Problem mit dem Text sind vor allem die Microbeschreibungen, die auch noch ironisch-witzig verklausuliert werden. Das nimmt: Tempo, Eindringlichkeit / Unmittelbarkeit, persönlichen Bezug. Vermittelt: Flapsigkeit, uebermässig ironische Distanz zu allem, Glossencharakter.
Das kommt denke ich durch eine falsche Perspektive - damit meine ich aber konkret, dass ich das handwerklich einfach versaut habe. Ich dachte ich zeig viel durch seine Augen und mache ihn dadurch "greifbarer", aber weil es durch mich "die Autorin" durchgefiltert wurde, ist es so seltsam distanziert, flapsig geworden. Mein Charakter ist halt auch nicht strukturiert wie der Figuren-Charakter. Aber ich fand es eine interessante Challenge mich da rein zu denken und kenne im realen Leben jemanden, den ich vor Augen hatte.

Lange Rede kurzer Sinn: Ich hab was ganz anderes draus gemacht. Ich bin zufriedener damit und gespannt, ob ich ein Feedback bekomme. Vielleicht erklärt sich dann auch der Titel "Try Walking in Your Own Shoes" besser - der hatte schon seinen Sinn.

Ich muss ja nicht versuchen, in meinen 'eigenen Schuhen' zu laufen,
Ich glaub das würde die Figur in Frage stellen ;) Aber jetzt warte ich erst mal ab und erkläre nicht die Geschichte, möchte ja erfahren, ob das was ich mir dabei gedacht habe funktioniert. Ist auch Interessant in Bezug auf diese Frage:
Vielleicht eignet sich dieser Inhalt, diese Handlungen, einfach nicht zu einer KG?
Kann sein, ich hab einen neuen Versuch gewagt :)

Ich hoffe sehr, das klingt nicht zu hart - ich finde es sehr, sehr gut, dass du dir textbezogene Fragen stellst, dass du dich mit Texten beschäftigst und mit ihrer Wirkung.
Keine Sorge, ich will ja was lernen und wenn was falsch ist oder bei jemandem irgendein Gefühl XY auslöst, dann ist es gut, wenn ich das weiß!

Vielen Dank nochmal!
-Marla

Edit: Zum Titel - es war eh schon ein bisschen eine Hommage an eine Zeile von Depeche Mode ("Try walking in my shoes"), dann kann ich auch gleich in die Vollen gehen und aus "your" "my" machen - denke aber auch mal über einen geeigneten deutschen Titel nach.

 
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Hallo @Marla_D ,

wow, du hast ja echt den ganzen Text umgeschrieben. :thumbsup:

Ich musste ja weg von der Unfallstelle mit meinem Kopf.
Semantik: ... von der Unfallstelle in meinem Kopf oder ist es so gemeint, dass er mit dem Kopf (= den Gedanken) weg muss von einer realen bzw. emotionalen Unfallstelle?
Je nachdem: Mit ist entweder das falsche Wort oder es steht an falscher Stelle im Satz.
Vor etwa zwei Monaten im Büro zum Beispiel. Jens hat alle mit seiner elenden Uhr vollgequatscht. Kann nicht mal mehr sagen welche Marke, so wenig hat mich das interessiert. Ich hab bloß halbherzig genickt, hab kaum mitbekommen, was der da erzählt hat und es is auch bloß ’ne Uhr gewesen.
Schön, und jetzt quatscht der Erzähler mich Leser mit der Uhr voll. :D
Ginge es um eine Frau und der Erzähler behauptete zeilenlang, dass sie ihn ja gar nicht interessiere mit ihrem schönen Gesicht und dem kurzen Rock, könnte ich mir vorstellen, dass du sagen willst: durch das Betonen, wie wenig er interessiert ist, will die Autorin zeigen, wie sehr er interessiert ist. Aber mit der Uhr vom Jens haut das imA nicht hin. Wozu das also? Wer ist Jens?
Ja, und dann stand ich da mit meinem persönlichen Kackhaufen.
Sagt das ein Erwachsener? Vllt. möchtest du Abwechslung, weil du schon so viel "Scheiße" hast? ImA bissl zu viel Fäkalzeugs, das bringt dem Text keinen Mehrwert im Sinne einer Charakterisierung / Authentizität.
Hab erwartungsvoll in all die Mama- und Papagesichter geschaut, nur das mein Stück Kacke keine billige goldene Uhr, sondern Clara war.
Wieso Mama und Papa? Geht es nicht um Kollegen?
Dann hat’s in meinem Kopf geknallt. Und dann ging’s richtig los. Hatte keine Lust, dass mir jemand nachkommt, also hab ich mich echt beeilt.
Eine Verortung wäre sinnvoll. Ich hab keine Ahnung, wo der Erzähler ist, mit wem, warum. Und daher ist es nicht nachvollziehbar, sprich: interessant, warum er so dringend da weg will.
Er ist schick angezogen, es gibt Kollegen und Eltern (aber wohl nicht seine eigenen). Es könnte eine Abifeier sein (nicht seiner Kinder), eine wilde Bueroparty in einem Nachtclub (und er hat zu viele Pillen intus und will da weg), eine Trauerfeier ... gender-reveal Party der nervigen Nachbarn. *gn*
"Es" hat geknallt in seinem Kopf, das bringt mich nicht weiter.
Genauso wie jetzt auf diesem Drahtesel. Ich strampel so schnell, dass ich ständig Mücken fresse. Es riecht nach Kräutern und Oliven. Irgendwann eben bin ich an einer Kapelle vorbei. Runter vom Asphalt, rauf auf den Feldweg. Die Zikaden um mich drumherum klingen nach tausend Rasseln. Etwa so hat mein Atmen geklungen als ich da abgekämpft auf der B-Säule vom Taxi hing. Hab bloß noch keuchen können „Frei?« und der Fahrer dann »Ja, wo geht’s hin?« Ich so: »Weg«, und bevor er pampig wurde »Flughafen«
Zeilenwechsel bei Sprecherwechsel.
Also Landgut (Restaurant) irgendwo in einem Land am Mittelmeer? Und da in der Pampa steht eine einsame Taxisäule mit einem einsamen Taxi? (Ist B-Säule irgendwas Regionales?)
»Scheiße!«
Was macht das da so allein auf weiter Flur? ;-)

Nach dem vierten Absatz hab ich noch ein bissl ueberflogen und dann abgebrochen, weil ich keinen Plan hatte, worum es geht und warum ich dem Prota zuhören sollte. Ich kann mir vorstellen, dass das als Stand-Up Comedy auf der Buehne funktionieren könnte, wenn es gut eingesprochen wird. Als KG funzt es fuer micht nicht.

Was ich gut finde: Am Anfang ist eine akute (Not)Situation und es ist eine heftige Bewegung / Ortswechsel. Das reisst theoretisch mit - allerdings muesste man besser in die Lage eingebunden werden, weil sich die Bewegung gleich wieder zerfasert, auch durch den womöglich irrelevanten Rueckblick mit der Uhr etc.

Erlebte Rede muss ganz extrem gut geschrieben sein, damit man a) glaubt, dass jemand sowas denkt und b) dass einem trotzdem eine zusammenhängende Geschichte erzählt wird. Ehrlich gesagt funktioniert hier weder das eine noch das andere. Ich sehe keinen Plot, keinen Konflikt und damit eigentlich keine Erzählung. Das liegt u.a. daran, dass du zwar Hinweise an den Leser streust, die man selbst so nicht denken wuerde - aber diese Hinweise sind zu unspezifisch, sowohl was die Verortung selbst angeht, als auch die Bedeutung fuer den Erzähler.
Was behandelt wird ist Vergangenheit und Gegenwart - Gedanken kreisen aber wohl selten um das, was man grad tut (klar: "Ich muss hier raus" passt, anderes aber nicht) oder getan hat, sondern eher um die Zukunft: Befuerchtungen, Ängste, Erwartungen, Hoffnungen. Davon steht hier gar nix. Daher wirkt der Text auf mich unorganisch und unglaubwuerdig.

Dann hast du einen Hilfsverben-Overkill durch die ganzen haben/sein. Wir verwenden sie ja, um in wörtlicher Rede nicht so harsch oder penibel / offiziell zu wirken. Sage ich zu einem Freund: "Oh, ich sah dich bereits von Weitem näherkommen." wuerde der mich wohl schief angucken. "Ich hab dich schon gesehen wie du die Strasse langgekommen bist" klingt unverkrampfter. Frage nur: Benutzt man auch diese abgeschwächt-legere Form sich selbst gegenueber, in Gedanken? Der Text klingt fuer mich als sollte er gesprochen werden.

Du hast immer noch einige Verklausulierungen / Bildhaftigkeiten drin (wie den Unfall und den Truck), die durch die Undurchsichtigkeit des Ganzen immer noch keinen Sinn fuer mich ergeben und unguenstig herausstechen wie eine lustige Idee, die die Autorin hatte. Eher etwas, das man in einer Glosse erwarten wuerde - denn wer erzählt sich selbst solche Jokes, vor allem, wenn einiges klingt als sollte es eigentlich um eine emotionale Not-/Stress-Situation gehen?

Ich wuerde hier beim Konzipieren eher fragen: Was ist die Prämisse, was der Plot und was der Konflikt? Wie soll der Charakter wirken und was soll der Text vermitteln? Witz, Drama, Tragikkomik? Was macht dann jeweils die Tragik aus und was die Komik?
Erst wenn das geklärt ist (damit will ich nicht sagen, dass es das in deinem Kopf nicht wäre, ich erkenne davon nur eben nix am Text selbst), wuerde ich ueberlegen, welche Stimme und welche Haltung sinnvoll wären. Durch die Änderung zur erlebten Rede sind imA keine Probleme der ersten Fassung gelöst, im Gegenteil, du hast jetzt nur mehr Unklarheit reingebracht (vermutlich, um zu vermeiden, dass sich der Erzähler Dinge sagt, die er ja ganz genau weiss).

Nix fuer ungut, es ist auf jeden Fall super, wie du dich im Forum engagierst und wie du mit den eigenen Texten arbeitest! Ganz herzliche Gruesse,
Katla

 
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Hi @Katla,

vielen Dank, dass du dich erneut mit meinem Text beschäftigt hast. Zunächst mal zu den Formatierungsfehlern und dem Sprecherwechsel, werde ich ändern. Danke!

Bezüglich der anderen Kritikpunkte, hoffe ich es wird nun nicht zu durcheinander. Das Problem ist ja auch, dass du schreibst:

"Nach dem vierten Absatz hab ich noch ein bissl ueberflogen und dann abgebrochen [...]"
Insofern weiß ich nun auch nicht, ob sich manche deiner Fragen nicht beantwortet hätten, wenn du es zu Ende gelesen hättest. Es ist aber ein wertvoller Hinweis, dass du darauf keine Lust hattest, weil dich das "Gelaber" des Protagonisten nicht interessiert hat. Stichwort Spannung am Anfang etc.
durch das Betonen, wie wenig er interessiert ist, will die Autorin zeigen, wie sehr er interessiert ist.
Nein, wollte die Autorin nicht. Die Antwort wieso der Prota über Jens sinniert steht hier: "Ist da rumgerannt wie ein kleines Kind, das von Mama ein Lob für den größten Kackhaufen will. Der ist echt erbärmlich, hab ich gedacht. Und da ist mir richtig anders geworden. Meine Kopfhaut und meine Ohren haben gebrannt, als hätt mir jemand verdammte Wunderkerzen dran getackert."

Genau auch aus diesem Grund, tauchen der "Kackhaufen" und die "Mama- und Papagesichter" später nochmal auf. Ich greife das gleiche Bild auf, um es einfacher zu machen, nicht komplizierter. Die Szene mit Jens spielt sich im Büro ab, am Mittagstisch, höchstwahrscheinlich ist es also ein Kollege - wer genau? Unerheblich. Es geht darum, wie er sich mit seinem Statussymbol, der Uhr aufgeführt hat und sich Anerkennung oder nette Worte erwartet hat.

"Ja, und dann stand ich da mit meinem persönlichen Kackhaufen." Sagt das ein Erwachsener?
Ich nicht, du vielleicht nicht - aber kennst du niemanden der genau so drauf ist?!

Und da in der Pampa steht eine einsame Taxisäule mit einem einsamen Taxi? (Ist B-Säule irgendwas Regionales?)
Keine Säule in der Pampa. Ein Auto hat eine A-, B- und C-Säule. B-Säule ist in der Mitte. Der Bereich zwischen "Fahrzeugunten" und Dach - da wo man sich halt draufstützt, wenn man abgekämpft an einem Taxi hängt ;)

Am Anfang ist eine akute (Not)Situation und es ist eine heftige Bewegung / Ortswechsel. Das reisst theoretisch mit - allerdings muesste man besser in die Lage eingebunden werden, weil sich die Bewegung gleich wieder zerfasert, auch durch den womöglich irrelevanten Rueckblick mit der Uhr etc.
Hier werde ich überlegen, wie man die Lesenden im ersten Absatz besser mitnehmen kann.

Frage nur: Benutzt man auch diese abgeschwächt-legere Form sich selbst gegenueber, in Gedanken? Der Text klingt fuer mich als sollte er gesprochen werden.
Gibt es die Frage nicht generell bei der Perspektive? Also wem was erzählt wird? Ich nehme die Lesenden ja hier eher mit auf eine Reise durch die Gedankenwelt des Protagonisten und in absolut zusammenhängenden Sätzen denkt niemand?

Diese Stellen unterschreibe ich alle nicht:

(Gedanken kreisen eher) um die Zukunft: Befuerchtungen, Ängste, Erwartungen, Hoffnungen
Du hast immer noch einige Verklausulierungen / Bildhaftigkeiten drin (wie den Unfall und den Truck), die durch die Undurchsichtigkeit des Ganzen immer noch keinen Sinn fuer mich ergeben und unguenstig herausstechen wie eine lustige Idee, die die Autorin hatte. [...] denn wer erzählt sich selbst solche Jokes,
(vermutlich, um zu vermeiden, dass sich der Erzähler Dinge sagt, die er ja ganz genau weiss).
Ich habe das Gefühl du gehst hier von einer Person aus, die stringent denkt, psychisch gesund ist, sich gewählt ausdrückt und wenn sie nachdenkt, dann vielleicht eher über Befürchtungen, Ängste, etc. sinniert. Du bezeichnest die Bilder als Verklausulierungen, die eine "lustige Idee" meinerseits sein könnten. Dazu zählt dann wahrscheinlich auch das Handydisplay aka Kriegsgeschehen bei Nacht, der Vergleich der Uhr mit dem "Kackhaufen", für den es Lob abzustauben gilt, etc. Daraus kann ich festhalten, dass du zu dem Prota gar keinen Zugang hast - den kann man aber mE auch nicht finden, wenn man nicht bis zum Ende liest. Das ist jetzt eine Unterstellung, aber ich hab den Eindruck, so eine Denke (wie die des Protas) ist dir so fern, dass es dich nervt und du es in die Satire-/Glossenecke schiebst. "Ich kann mir vorstellen, dass das als Stand-Up Comedy auf der Bühne [...]" --> Mit Standup-Comedy hat das Problem des Protas nun gar nichts zu tun. Versteh mich nicht falsch, man muss den Prota nicht lieben, die Geschichte auch nicht, man muss sie nicht mal lesen, ich bin aber nicht sicher, inwiefern unter meinen angenommen Umständen eine Bewertung möglich ist. Das war auch in deinem anderen Kommentar in Bezug auf den Titel bzw die Aussage "Ich muss ja nicht versuchen, in meinen 'eigenen Schuhen' zu laufen" mein Eindruck. Ich meine das kann man doch nur sagen, wenn man selbst weiß, was man im Leben will, wenn man selbst weiß, wer man ist, aber das blendet doch die Lebenswirklichkeit anderer Menschen (die des Protas) komplett aus. Da frage ich mich auch, was der Anspruch an die Geschichte ist - keine Verklausulierungen, bitte alles so schreiben, dass ich es direkt verstehe und meinem Erleben entspricht? Wie geht man denn dann mit so jemandem in der Wirklichkeit um? --> "Geh weg und red keinen Unsinn"?

Ich kenne so ähnliche Leute in der Realität und ich glaube man denkt nicht selten "Was sind das für Clowns" - aber das ändert ja nichts daran, dass sie so sind, wie sie sind. Will heißen, ich glaube, wenn man den Prota hier verstehen oder nachvollziehen möchte, dann muss man sich auch ein bisschen darauf einlassen (wollen) und nicht das Handtuch werfen, weil der jetzt zu unlogisch denkt und irgendwas von einem "Pickup-Truck" faselt. Und da dann die wirklich ernst gemeinte Frage - Bist du schon mal jemandem mit histrionischen Zügen begegnet? Aber hier schließt sich zumindest der Kreis zum Beginn der Geschichte: Wenn ich dich im Grunde nach dem ersten Absatz verliere, dann mag das ein handwerkliches Problem sein und darüber kann ich nachdenken! Zum Beispiel ob es klug ist ihn "selbst reden" zu lassen oder ob ein neutraler Erzähler besser wäre.

ImA bissl zu viel Fäkalzeugs, das bringt dem Text keinen Mehrwert im Sinne einer Charakterisierung / Authentizität.
Hier frag ich mich, wie du die Authentizität bewerten kannst, wenn du im gleichen Kommentar schreibst, du verstehst den Prota und seine Beweggründe und überhaupt seine Gedanken nicht.

Generell mal noch was zum Fäkalzeugs. Ja, der Anfang ist gehetzt, abgehackt, gespickt mit "Scheiße", "Idiot" and whatnot. Die Sprache beruhigt sich aber im Laufe der Geschichte oder im Laufe der Reise - wie mans nennen will. Genauso wie die Erkenntnisse und Puzzlestücke sich langsam aber sicher für den Prota zusammensetzen, wird auch der "rant" in Gedanken ruhiger und er etwas milder in der Wortwahl.

Ganz generell auch noch etwas zu der Frage nach der Prämisse, Plot, Konflikt etc. Ich habe diese Fassung der Geschichte vorab ein paar Leuten zu lesen gegeben. Sicher nicht repräsentativ (nur fünf Personen). Alles keine Personen die selbst Geschichten schreiben, aber Leute die lesen - wenn auch da sicher bevorzug andere Dinge als hier im Forum gelesen werden. Das geht eher in Richtung "Unterhaltung, Romane, Krimis". Ich hab alle hinterher gefragt, wie sie die Figur fanden, ob sie da ein Band aufbauen konnten und ob der Einstieg spannend genug war. Das war bei allen der Fall. Das ist keine Verteidigung dafür, dass alles gut so ist, wie es ist (eine deutlichere Auflösung wo dem Prota die Sicherungen durchgebrannt sind wurde gewünscht, andere haben es aus dem Text rausgelesen und brauchten die Erklärung nicht) - sonst hätte ich die Geschichte nicht eingestellt und um Feedback gebeten, ich möchte damit aber zeigen, dass der Zugang nicht unmöglich ist. Und möchte auch einfach die Frage aufwerfen ob das etwas mit Geschmack zu tun hat. Mir sagt ja auch nicht jede Geschichte zu.

So, nun harre ich noch den etwaigen weiteren Kritiken und möchte dir nochmal herzlich für deine Mühe danken! Ich hab schon viel im Forum gelernt :)

-Marla

PS: Über einen deutschen Titel habe ich inzwischen auch nachgedacht, "Getrieben" finde ich passend, schaue aber, ob mir noch etwas anderes einfällt.

 
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Hallo @Marla_D!

Jetzt bin ich auch endlich mal dazu gekommen, den Text zu lesen. Die alte Version kenne ich nicht und als du GoMusic und Katla gefragt hat, wollt ich erst mal warten, bis du den Text überarbeitet (oder die Ideen umgesetzt hast) - ich hab die Kommentare allesamt nur überflogen.

Zum (ersten) Gesamteindruck: Ich hatte zwei große Probleme mit dem Text - Das erste Problem: Ich konnte mich nur schwer örtlich orientieren, was glaube ich an der wirren Denkstruktur des Ich-Erzählers wirkt. Er springt mir teilweise zu viel in seinen Gedanken von einem Ort zum anderen. Ich bin mit auch jetzt noch nicht ganz sicher wo er eigentlich grade ist, während er die Anfangsszene erzählt - wann er nach Griechenland fliegt, wann (das ist jetzt weniger ein "wo", hat aber mit der Orientierung zu tun) das mit der Scheidung von Clara (ich glaub so hieß sie) war und dass er die Firma leitet hab ich sowieso erst irgendwann im Text gecheckt. Ich glaube, das Problem hier ist, dass der Ich-Erzähler sich recht schlecht dazu eignet, seine Geschichte zu erzählen, weil er eben vom Charakter her selbst der Typ ist, der oft springt und hin und her und da fangen wir die Geschichte an und dann schieben wir das ein und das ist ja auch noch passiert - ich kenne Leute, die in echt so erzählen und es ist furchtbar anstrengend ihnen zuzuhören.
Das zweite Problem das ich mit dem Text hatte, war, dass ich keinen roten Faden hatte - ich wusste nicht wirklich, wieso ich den Text lese (damit meine ich: Was soll hier eigentlich erzählt werden? Worum geht es? Was ist hier die Problematik?). Die Pointe bzw. die Frage nach dem ob das was er macht - der Firmenchef, das Geld, der Job, etc. das ist, was er für sein Herz macht (also die Frage von dem Fischer dann) - war für mich so dass was ich als Pointe herausgelesen habe und damit auch verbunden die Frage ob Sven es von nun an schaffen wird, seinen eigenen Sinn zu finden oder das, was er eben für sein Herz tut. Aber das steht dann halt ohne wirklichen "roten Faden" da - es ploppt einfach auf und da dacht ich mir dann erst: Ahhh, darum gehts - da bin ich aber schon am Ende der Geschichte und ich glaube nicht, das viele Leser geduldig genug sind, solange zu warten, bis sie erfahren, wieso sie einen Text lesen.

Den Charakter selbst, also den Ich-Erzähler beschreibst du finde ich authentisch - vielleicht sogar ein wenig zu authentisch. Wie gesagt, ich hatte das Gefühl mir würde jemand die Geschichte erzählen, der halt immer ewig lang ausholt und dann noch die ganze Lebensgeschichte erzählt, bevor er dann endlich zum Punkt kommt. Das mag sein Charakter sein, aber ich denke, dass er sich gerade deshalb schlecht als Erzähler eignet. Vielleicht hilft eine andere Perspektive - ein auktorieller ERzähler vielleicht - aber ich weiß halt nicht, ob die Geschichte dann noch dieselbe ist, denn momentan lebt sie von Svens Gedankenwelt.

Egal. Nur Buddhas scheißen auf die Anerkennung.
Das fand ich ganz nett - weil's mich unerwartet getroffen hat.

Ja, und dann stand ich da mit meinem persönlichen Kackhaufen. Hab erwartungsvoll in all die Mama- und Papagesichter geschaut, nur das mein Stück Kacke keine billige goldene Uhr, sondern Clara war. Und die is noch dazu echt hübsch. Viel zu jung, wenn ich ehrlich bin, aber auch sonst nichts weiter.
Ich habe viel zu spät gecheckt, was er mit dem "persönlichen Kackhaufen" meint. An der Stelle dachte ich noch, dass er mit Clara (ich nahm an, dass sie seine Freundin ist) vor den Arbeitskollegen prahlt wie der Typ mit seine Uhr. SPäter erfahre ich, dass sie verheiratet waren und sich getrennt haben und jetzt denke ich, dass das vielleicht der persönliche Kackhaufen ist? So ganz habe ich noch nicht durchgeblickt.

Ich mein, ich hab Clara verheizen wollen wie Koks. Und davon weiß ich, dass es nur kurzzeitig hilft. Das alles war gestern und ein paar Stunden später bin ich dann in Athen angekommen.
Da war ich mir kurz unsicher, ob Clara wirklich ne Person ist oder doch ein Ding - ein Gegenstand zum vorzeigen? Aber ich glaub fast, das liegt mehr an mir und dass ich diese Redewendung nicht verstehe. ^^" Der letzte Satz: "Das alles war gestern (...) " ist genau das, was ich mit dem chaotischen Erzählen meine (wobei das geht ja fast noch). Insgesamt reist der Ich-Erzähler mich von einem Ort zum anderen und ich kann mich nirgendwo richtig orientieren, verstehe nicht, was er mir sagen will, worauf das hinaus läuft.

Den Flugmodus vom Handy hätt ich besser nicht abgeschaltet. Das Display hat geflackert wie Kriegsgeschehen im Dunkeln.
Das habe ich nicht ganz verstanden - also den zweiten Satz. Also ich konnt's mir nicht vorstellen.

In mir nur Chaos.
Da musst ich fast ein wenig schmunzeln - wäre Sven vor mir gestanden und hätte mir die Geschichte genauso erzählt, hätte ich ihn nett angelächelt und gesagt: "Man merkts, und jetzt beruhig dich mal und sag mir, worum's denn eigentlich geht."

Wenn’s um Kippen geht sind alle gleich. Da wird über Gehaltsklassen hinweg geschnorrt.
Da musst ich schmunzeln, weil es wahr ist.

»Bei Geld hört die Freundschaft auf«“, hat der zum Beispiel gesagt. Und wenn was wichtig war noch dazu: »Merk dir das, Sven«. Bei uns zuhause war vieles wichtig. Hauptsächlich Geld und Erfolg. Und den Nachbarn davon erzählen. Sven studiert. Sven hat einen Abschluss. Sven hat sich selbstständig gemacht. Svens Firma hat expandiert. Sven heiratet. Von den Scheidungen hat er nie was erzählt. »Sven säuft zu viel, weil er sich selbst nicht erträgt«, das hat er auch nicht gesagt.
Den Absatz fand ich gut, weil ich mir die Szene gut vorstellen konnte - jeder kennt diese Elterngespräche und dann auch das mit dem, was der Vater nicht erzählt - allerdings hab ich echt meine Zeit gebraucht um zu checken, dass der Ich-Erzähler Sven ist. Also dass er keinen Bruder hat oder so, sondern, dass wirklich er da gemeint war. Zuerst hatte ich nämlich das Gefühl, der Vater sagt zum Ich-Erzähler er soll doch besser so sein wie Sven.

Und mir nicht sagen, dass ich ihn enttäusche. »Sven ist durchgeknallt, liegt am Strand und flennt.« Klingt auch scheiße.
Den Satz empfand ich als guten Abschlluss zu dem Gedankengang über den Vater. Ich bin ja ein großer Fan von Selbstironie.

Und da hab ich mich seit der Sache mit Clara mal richtig gespürt.
Das ist auch etwas, das mir zu schleierhaft bleibt. Wann war denn das mit Clara? Es beschäftigt ihn irgendwo scheinbar schon noch, der Vater wusste scheinbar auch etwas von der SCheidung mit Klara, aber der Vater ist jetzt tot und das beschäftigt Sven scheinbar weniger, weil das der Vater tot ist ist gut so, aber das mit Clara belastet ihn noch immer. Mir fehlt da auch die Orientierung.


So viel zu meinen Eindrücken, ich hoffe du kannst etwas damit anfangen.

LG Luzifermortus

 
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Hallo @Luzifermortus,

auch dir vielen Dank für das Lesen und Kommentieren meines Textes. Deine Anmerkungen helfen mir weiter, denn du beschreibst ja sehr schön, an welchen Stellen es dich rauskegelt!

Vielleicht hilft eine andere Perspektive - ein auktorieller ERzähler vielleicht - aber ich weiß halt nicht, ob die Geschichte dann noch dieselbe ist, denn momentan lebt sie von Svens Gedankenwelt.
Ziemlich genau darüber denke ich aktuell auch nach. Es ist schwierig, denn wie du sagst, lebt die Geschichte aktuell von seinen Eindrücken, wie er das eben denkt, fühlt und sieht. Wenn ich die Perspektive ändere, bin ich nicht sicher inwiefern das hilft. Denn dann wirken seine Beschreibungen oder Empfindungen mitunter wieder wie "Ideen der Autorin".

Zu den zwei grundsätzlichen Problempunkten: Verortung und roter Faden.
Die Orte sind eigentlich gar nicht so unglaubliche viele. Er startet an Ort A --> Fliegt nach Athen --> Fährt dort ein Stück Bus --> Färt mit dem Rad zum Strand. Das geht direkt über zum roten Faden --> Er rollt das gedanklich gewissermaßen von hinten auf. Die Geschichte startet mit "Gestern hat das alles angefangen" --> und springt dann zu dem Punkt an dem er Fahrrad fährt. Während er so strampelt erzählt er von Athen. Dann rollt er bis ans Meer. Blickt zurück auf die Begegnung in Athen mit Mr. Business und wie er von da mit dem Bus weitergekommen ist etc. pp. Ich verstehe, dass das schwierig ist, habe aber versucht Aktuelles immer im Präsens und eben Erinnerungen im Perfekt/Präteritum wiederzugeben.

Ich bin mit auch jetzt noch nicht ganz sicher wo er eigentlich grade ist, während er die Anfangsszene erzählt - wann er nach Griechenland fliegt, wann (das ist jetzt weniger ein "wo", hat aber mit der Orientierung zu tun) das mit der Scheidung von Clara (ich glaub so hieß sie) war und dass er die Firma leitet hab ich sowieso erst irgendwann im Text gecheckt.

Das muss ich unbedingt präzisieren, es gab keine Scheidung von Clara! Er spricht in dem Absatz nur von "Sven heiratet. Von den Scheidungen hat er nie was erzählt." Plural.
Da du auch sagtest, dass dir erst gar nicht klar war, dass Sven der Prota ist, hab ich das nun geändert zu: "Und wenn was besonders wichtig war, hat er zu mir gesagt: "Merk dir das, Sven."

Da du eine Scheidung interpretiert hast und die vermutlich auch viel weiter in der Vergangenheit verortest, verstehe ich natürlich deine folgende Verwirrung:

Das ist auch etwas, das mir zu schleierhaft bleibt. Wann war denn das mit Clara? Es beschäftigt ihn irgendwo scheinbar schon noch, der Vater wusste scheinbar auch etwas von der SCheidung mit Klara, aber der Vater ist jetzt tot und das beschäftigt Sven scheinbar weniger, weil das der Vater tot ist ist gut so, aber das mit Clara belastet ihn noch immer. Mir fehlt da auch die Orientierung.
Das mit Clara war gestern, an dem Tag als alles angefangen hat. Ich habe den Absatz umgeschrieben zu: "Ja, und dann stand ich da mit meinem persönlichen Kackhaufen. Sollte eigentlich der schönste Tag meines Lebens werden - zum vierten Mal. Hab erwartungsvoll in all die Mama- und Papagesichter geschaut, nur das mein Stück Kacke keine billige goldene Uhr, sondern Clara war. Und die is noch dazu echt hübsch. Viel zu jung, wenn ich ehrlich bin, aber auch sonst nichts weiter. In der zweiten Reihe Jens. Natürlich Hochzeitsgast, wie alle aus dem Büro. Dann hat’s in meinem Kopf geknallt. Und dann ging’s richtig los. Hatte keine Lust, dass mir jemand nachkommt, also hab ich mich echt beeilt." Ich glaube es wird nun klar, dass es genau um das Gegenteil geht --> Eine Hochzeit!

Ich merke, je mehr ich mich mit deinem Kommentar beschäftige, dass das Problem ganz konkret in den ersten beiden Passagen liegt. Du fragst ja auch :

Was soll hier eigentlich erzählt werden? Worum geht es? Was ist hier die Problematik?
Die Problematik ist zu Beginn ja einfach erst mal: Ich kippe dir als Autorin über: Da ist jemand, der rennt weg. Vor irgendwas. Macht den Eindruck als ist es schlimm für ihn, er ist gut gekleidet. Er hat einen Typen mit einer goldenen Uhr gesehen und das "hat ihm den Rest gegeben". Dann die Erzählung zu Jens und der Uhr. Was soll da drin stecken? Scham und ein ganz großer Spiegel vor Svens Gesicht --> Er dachte "Der ist echt erbärmlich, hab ich gedacht. Und da ist mir richtig anders geworden. Meine Kopfhaut und meine Ohren haben gebrannt, als hätt mir jemand verdammte Wunderkerzen dran getackert."
Aber an der Stelle kann ich halt nicht einfach plain schreiben: "Ich hab mich geschämt, weil ich gemerkt habe, dass ich ständig nach Anerkennung geiere und mich genauso erbärmlich wie Jens verhalte" <--- Das ist ihm ja noch gar nicht klar. Die Metapher, dass er Clara wie Koks verheizt, sollte das auch nochmal im doppelten Sinn aufgreifen --> Koks als Brennstoff, damit einem Warm wird; Koks als Droge, um das Selbstwertgefühl zu pushen.

Das wird ihm dann irgendwann ja richtig klar: "Alles zerfällt. Ich bin wie ein Irrlicht, dass über die Welt wandert. Auf der Suche nach der nächsten Stromquelle, die mich mit Lebensenergie versorgt. Mein eigener Saft geht ja ständig aus. Und immer wenn’s dunkel wird, gehen die Zweifel an. So richtig kapiere ich das erst jetzt." --> Er braucht andere, um etwas wert zu sein. Wenn da keine Bestätigung kommt, gehen die Zweifel an.
oder auch: "Ist ja fast schon ein Zeichen. Steht wohl für: All der fremde Schmuck hat mich völlig durchlöchert." <--- All das Heischen nach Anerkennung, das Schmücken mit Statussymbolen wie z. B. eine junge Freudin helfen ihm auch nicht nachhaltig. Und dann geht es über in die Erinnerung an den Vater: Striktes Elternhaus, Erfolg und Geld wichtig, mach was aus deinem Leben Junge, etc. pp.

Vielleicht verstehst du es jetzt besser und vielleicht finde ich einen Weg das noch einzuweben, was es braucht, um das besser zu verstehen! Ich vermute die Metapher mit der Uhr hat nicht ausreichend geklickt. Aber mir fällt noch keine Lösung ein dieses erste zarte "Umdenken", dass sich in ihm manifestiert durch seine Worte zu beschreiben. Die Pointe, wenn man es denn so nennen mag, ist damit auch eine andere. Dieses "findet er seinen Sinn im Leben" steckt weitestgehend auch drin, aber viel mehr, schafft er es in seinen eigenen Schuhen zu gehen - sich nicht über Äußerlichkeiten oder Anerkennung zu definieren, sondern ein bisschen mehr Buddah zu werden? ;)

Und du warst ja irgendwie auch fast da: " An der Stelle dachte ich noch, dass er mit Clara (ich nahm an, dass sie seine Freundin ist) vor den Arbeitskollegen prahlt wie der Typ mit seine Uhr." --> und dann ist wohl irgendwas mit Scheidung etc. schiefgegangen, ich muss überlegen wie ich das korrigiere.

Vielleicht fällt dir ja mit dem Wissen, wie es gemeint war ein, was noch gefehlt hat :)

Vielen Dank nochmal!
-Marla

 
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Hallo @Marla_D!

Ich muss noch einmal nachfragen: Es geht um eine Hochzeit, die hätte eigentlich stattgefunden, aber er türmt davon? Also läuft er am Anfang der Geschichte vor der Hochzeit davon (oder ist da noch irgendetwas mit Clara vorgefallen)?

Oder genauer gefragt:

Gestern hat das alles angefangen. »Notfall« hab ich gedacht und da bin ich los gerannt. Hab die alle wie sie da versammelt waren einfach stehen lassen. Ich musste ja weg von der Unfallstelle mit meinem Kopf. Hab nicht lang gefackelt. Raus aus der Halle, Krawatte und Einstecktuch in den Mülleimer.
Der Notfall und der Unfall in seinem Kopf, bezieht sich das quasi darauf, dass er sich da schon irgendwie nicht mehr leiden kann, wegen dem wie er lebt, und quasi deshalb die Flucht ergreift und dann reflektiert er das alles und letztlich kommt dann der Fischer und fragt ihn, was er denn eigentlich will?

Das muss ich unbedingt präzisieren, es gab keine Scheidung von Clara! Er spricht in dem Absatz nur von "Sven heiratet. Von den Scheidungen hat er nie was erzählt." Plural.
Ich glaub das Plural hab ich da überlesen, weil mir auch die Informationen zu Clara gefehlt haben und ich hab halt absolut nicht gecheckt, dass es da am Anfang um eine Hochzeit geht von der er flieht. Ich habe ja teilweise beim Lesen auch den Unfall bzw. die "Unfallsstelle" wörtlich genommen und gedacht, dass da vielleicht was mit Clara passiert ist oder so. Ich glaube, dass ich einfach die Situation in der er sich befindet nicht richtig habe deuten können. Also vielleicht hilft es, das grade am Anfang ein wenig mehr zu präzisieren? Also dass die Hochzeit wirklich erwähnt wird (du hast eh geschrieben, das mit Hochzeitsgast, so wie alle im Büro - aber so ganz blicke ich dadurch trotzdem nicht dahinter, was da eigentlich passiert).

Das mit Clara war gestern, an dem Tag als alles angefangen hat. Ich habe den Absatz umgeschrieben zu: "Ja, und dann stand ich da mit meinem persönlichen Kackhaufen. Sollte eigentlich der schönste Tag meines Lebens werden - zum vierten Mal.
Ich glaube, dass man mit dem Hochzeitsgast und dem schönsten Tag des Lebens (zum vierten Mal) jetzt schon auf die Hochzeit kommt - aber die Frage "Warum flieht er?" bzw. "Was ist passiert?" wird noch nicht ausreichend beantwortet und damit meine ich, die Motivation dahinter. Ich verstehe sie zwar jetzt (mithilfe deiner Erklärungen), also dass er merkt, dass Clara da auch nicht reichen wird und dass er sich immer neue Batterien sucht:

Das wird ihm dann irgendwann ja richtig klar: "Alles zerfällt. Ich bin wie ein Irrlicht, dass über die Welt wandert. Auf der Suche nach der nächsten Stromquelle, die mich mit Lebensenergie versorgt. Mein eigener Saft geht ja ständig aus. Und immer wenn’s dunkel wird, gehen die Zweifel an. So richtig kapiere ich das erst jetzt." --> Er braucht andere, um etwas wert zu sein. Wenn da keine Bestätigung kommt, gehen die Zweifel an.

Aber er versteht es am Anfang noch nicht, oder? Aber irgendeinen Auslöser muss es doch irgendwie gegeben haben? VIelleicht hilft es, wenn statt "Notfall" und "Unfallstelle im Kopf" ein wenig präzisiert wird - vielleicht da schon ein wenig präziser gesagt wird, dass er sich bei dem Gedanken (zum vierten Mal) zu heiraten, das Unwohlsein in ihm aufsteigt - dass der Gedanke an eine neue junge Frau an seiner Seite, keine goldene Uhr mehr ist, sondern ein Kackhaufen oder ein madiger Apfel oder sowas. Ich meine, falls es so ist, dass er von sich aus geflohen ist, weil da quasi in seinem Kopf das "Klick" kommt und er merkt, dass will er so gar nicht mehr - obwohl er es ja eigentlich schon will, aber die Anerkennung genügt ihm halt nicht. So dass mir als Leser vielleicht früher klar wird (vielleicht sogar von Anfang an?), dass er sich auf Selbstsuche begibt. Aber das ist jetzt nur so ein Gedanke und ich weiß auch nicht, ob das in deinem Interesse liegt oder ob du das bewusst länger offen lassen willst (oder ob ichs vielleicht noch immer nicht ganz verstanden habe ^^").

LG Luzifermortus

 
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Hallo @Marla_D ,

nur noch mal, um ein paar Dinge zu klären.

Insofern weiß ich nun auch nicht, ob sich manche deiner Fragen nicht beantwortet hätten, wenn du es zu Ende gelesen hättest.
Ich hab den Text nun zuende gelesen und an meiner Kritik hat sich nix geändert. Ich wuerde sogar hinzufuegen, dass er in einigen Passagen / Absätzen auf der Stelle tritt (Probleme mit dem Pacing).
Nicht unterschätzen, dass einige Leser bereits eine Unzahl Texte im Leben gelesen und sich vllt. auch mit Strukturen (Sprache, Texte) beschäftigt haben. Wenn ich einen Text nicht zuende lese, kann ich keine Aussagen ueber Spannungsbogen und eben das Ende treffen, ueber anderes schon, weil sich da wenig bis gar nix verändern wird. Und so ist es hier eben auch, ich hab eben nur mehr davon gelesen.
Die Antwort wieso der Prota über Jens sinniert steht hier: "Ist da rumgerannt wie ein kleines Kind, das von Mama ein Lob für den größten Kackhaufen will. Der ist echt erbärmlich, hab ich gedacht. Und da ist mir richtig anders geworden. Meine Kopfhaut und meine Ohren haben gebrannt, als hätt mir jemand verdammte Wunderkerzen dran getackert."
Das beantwortet mir ganz ehrlich gesagt gar nichts, sorry.
Die Szene mit Jens spielt sich im Büro ab, am Mittagstisch, höchstwahrscheinlich ist es also ein Kollege - wer genau? Unerheblich.
Naja, wenn es unerheblich ist, warum wird es in die Geschichte aufgenommen? Denk dran, dass deine Leser keine Ahnung haben, ob diese Person eine weitere Rolle spielen wird - grad am Anfang gehe ich davon aus, dass Figuren eine Funktion haben und mir etwas zeigen sollen.
Es geht darum, wie er sich mit seinem Statussymbol, der Uhr aufgeführt hat und sich Anerkennung oder nette Worte erwartet hat.
Der Prota ist Sven, der von sich in der 3. Person denkt, er habe alle mit seiner Uhr vollgequatscht?
Ich nicht, du vielleicht nicht - aber kennst du niemanden der genau so drauf ist?!
Äh, nein.
Das ist aber nicht der Punkt. In der SF nehme ich einem Autor die Aliens ab und in der Phantastik die Monster. Ich muss nicht im RL etwas kennen, um es in Prosa als (fiktive) Realität anzunehmen. Dieses Prinzip ist ja die Grundlage fuer jegliche Literatur.
Ein Auto hat eine A-, B- und C-Säule. B-Säule ist in der Mitte. Der Bereich zwischen "Fahrzeugunten" und Dach - da wo man sich halt draufstützt, wenn man abgekämpft an einem Taxi hängt
You lost me! :lol:
Gibt es die Frage nicht generell bei der Perspektive? Also wem was erzählt wird? Ich nehme die Lesenden ja hier eher mit auf eine Reise durch die Gedankenwelt des Protagonisten und in absolut zusammenhängenden Sätzen denkt niemand?
Ja, die Frage gilt immer, aber es gibt Perspektiven, die gar nicht verschleiern, dass ein Autor das schrieb und ein Erzähler erzählt - warum sollte man? Eine Erzählung hat einen Erzähler.
Es gibt aber eben Erzählstimmen bzw. -perspektiven, die - vielleicht besonders in Kombi mit dem Erzählten - zu sehr den Blick auf das Gemachte lenken. Das mag am Handwerklichen liegen, oder auch beabsichtigt sein.
Meine Kritik hier war ja, dass es sich eben nicht anhört wie ein natuerlicher Gedankenfluss (Chaos im Kopf oder Ausnahmezustand hin oder her). Eben weil die Zukunft (Erwartungen / Ängste) vollkommen ausgeklammert sind.
Ich habe das Gefühl du gehst hier von einer Person aus, die stringent denkt, psychisch gesund ist, sich gewählt ausdrückt und wenn sie nachdenkt, dann vielleicht eher über Befürchtungen, Ängste, etc. sinniert.
Nein, ich gehe von gar keiner Person aus, ich lese, was du schreibst und versuche, mir aus allen Infos ein Bild zu machen.
Und zu Befuerchtungen sinniert er eigentlich nicht, weil seine Gedanken (nahezu?) ausschliesslich um Vergangenheit und Gegenwart kreisen - das war ja auch meine Kritik.
. Daraus kann ich festhalten, dass du zu dem Prota gar keinen Zugang hast - den kann man aber mE auch nicht finden, wenn man nicht bis zum Ende liest.
Möglich, aber ich hab ja jetzt bis zum Ende gelesen und es hat sich nix verändert (und das nicht, weil ich irgendwie starrköpfig bin - ich lese, was da steht und versuche, den Text zu greifen, das ist alles).
ich bin aber nicht sicher, inwiefern unter meinen angenommen Umständen eine Bewertung möglich ist.
Eine Bewertung ist immer möglich. Ich hab ja nicht das Ende bewertet.
Du unterschätzt vielleicht, dass sich Handwerkliches, das sich bereits am Anfang zeigt, durchzieht. Ich sag das mal ganz neutral, denn das gilt ja auch fuer Texte, die fuer mich als Leser funktionieren.
in Bezug auf den Titel bzw die Aussage "Ich muss ja nicht versuchen, in meinen 'eigenen Schuhen' zu laufen" mein Eindruck. Ich meine das kann man doch nur sagen, wenn man selbst weiß, was man im Leben will, wenn man selbst weiß, wer man ist, aber das blendet doch die Lebenswirklichkeit anderer Menschen (die des Protas) komplett aus.
Mein Punkt war: Walking in someone else's shoes ist ein idiom, etwas mit keiner wortwörtlichen, sondern einer uebertragenen Bedeutung. Aus einem idiom sollte man nicht noch auf einer weiteren Ebene eine weitere uebetragene (individuelle) Bedeutung produzieren.
wenn man den Prota hier verstehen oder nachvollziehen möchte, dann muss man sich auch ein bisschen darauf einlassen (wollen) und nicht das Handtuch werfen, weil der jetzt zu unlogisch denkt und irgendwas von einem "Pickup-Truck" faselt.
Wirf mir bitte nicht vor, ich hätte mich nur aus irgendwelchen omniösen Gruenden von vorn herein geweigert, mich auf deinen Text, deinen Erzähler oder deinen Stil einzulassen.
Ich lese einen Text und gebe meinen Eindruck wieder. Ob du das annimmst oder nicht, ist ganz allein deine Sache. Bist du nicht fuer einen Fremdblick hier? Du hast einen Fremdblick bekommen. Dass er dir nicht gefällt, dafuer kann ich nix, ich hab dir ja nur die Gruende genannt, warum der Text fuer mich nicht funktioniert.
Und da dann die wirklich ernst gemeinte Frage - Bist du schon mal jemandem mit histrionischen Zügen begegnet?
Muss ich mich jetzt durch private Erfahrungen qualifizieren, deinen Text zu lesen? :susp: Muss ich ein Serienmörder sein, um einen Thriller kommentieren zu duerfen?
Aber: Ja. Ich hatte vier Jahre lang einen bipolaren Partner, dessen depressive Schuebe auf dem gleichen Energielevel waren wie die Manie (dann als Paranoia). Er beging später Suizid, als wir dann nur noch gute Freunde waren. Und ich hatte mehrere Jahre eine Kollegin/Freundin, die ebenfalls bipolar ist, aber anders als mein Partner zeitweise Medikamente nimmt. Reicht dir das?
Von diesen Erfahrungen finde ich rein gar nix in deinem Prota. Aus den Erfahrungen und Literatur von manisch-depressiven Autoren wuerde ich eine vollkommen andere Denkweise erwarten, durchaus auf einem extrem hohen Level an Intelligenz. Die Gedankengänge und intellektuellen /kognitiven Möglicheiten von Bipolaren unterscheiden sich tatsächlich von denen, die 'psychisch gesund' sind (was auch immer das sein soll). Vielleicht bist du ja bipolar und nimmst das so wahr wie im Text verarbeitet, mag sein - aber du hast gefragt, wie meine Erfahrungen da sind.
Ich bleibe dabei: Es klingt nicht erschuetternd, tragisch, es klingt nach Slapstick. Die Diskrepanz zwischen dem Ton und dem Inhalt einer Äusserung (in linguistischem Sinne) lässt Ironie oder Sarkasmus, also Humor, entstehen. Siehe z.B. Monty Pythons oder Arto Paasilinna.
Wenn ich dich im Grunde nach dem ersten Absatz verliere, dann mag das ein handwerkliches Problem sein und darüber kann ich nachdenken! Zum Beispiel ob es klug ist ihn "selbst reden" zu lassen oder ob ein neutraler Erzähler besser wäre.
Genau.
Hier frag ich mich, wie du die Authentizität bewerten kannst, wenn du im gleichen Kommentar schreibst, du verstehst den Prota und seine Beweggründe und überhaupt seine Gedanken nicht.
Authentizität auf menschliches Denken allgemein bezogen, nicht Authentizität auf den Prota bezogen, meinte ich, sorry, wohl unklar formuliert gehabt.
Genauso wie die Erkenntnisse und Puzzlestücke sich langsam aber sicher für den Prota zusammensetzen, wird auch der "rant" in Gedanken ruhiger und er etwas milder in der Wortwahl.
Ehrlich gesagt hat das ja nicht so geklappt mit mir und den Puzzelstuecken.
Ganz generell auch noch etwas zu der Frage nach der Prämisse, Plot, Konflikt etc. Ich habe diese Fassung der Geschichte vorab ein paar Leuten zu lesen gegeben.
Ja und?
Ich hab alle hinterher gefragt, wie sie die Figur fanden, ob sie da ein Band aufbauen konnten und ob der Einstieg spannend genug war. Das war bei allen der Fall.
Schön fuer dich. Warum stellst du den Text dann hier noch ein?
Nee, du wirfst mir grad vor, ich wär zu dusselig fuer dein beeindruckendes Stueck postmoderner Literatur, oder? :lol:

Nix fuer ungut, Marla. Klar kann auch mal der Leser Schuld sein. An allem, und der Text ist vollkommen, perfekt. Mit dieser Haltung wuerde man aber eben keinen Deut lernen.

Cheers, Katla

 
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Hi @Katla,

danke fürs erneute Reinschauen!
Ich möchte auch noch ein paar Dinge klarstellen.
Erstmal hab ich mir noch deine Kritik zu Pacing/Spannungsbogen notiert, das hast du ja auch bereits vorher schon angesprochen. Gestern hab ich die ersten drei Absätze auch aufgrund des Beitrags von Luzifermortus angepasst - der hat mir da ziemlich genau sagen können, an welcher Stelle es ihn aus dem Geschehen kegelt bzw. welche Information ihm gefehlt hat. Jetzt wo ich die Geschichte gerade überarbeitet habe, fällt mir das schwer selbst zu sehen - vielleicht muss ich auch einfach nochmal an etwas anderem werkeln und dann wieder mit etwas Abstand draufgucken.

Der Prota ist Sven, der von sich in der 3. Person denkt, er habe alle mit seiner Uhr vollgequatscht? Nee, oder?
Nein, Jens ist Jens und Sven ist Sven. Wie du nun darauf kommst weiß ich wirklich nicht. Mit "wer genau ist unerheblich" meinte ich - man muss nicht noch Jens Lebensgeschichte erfahren. Wenn man sich an jemandem aus dem Büro erinnert denkt man aber ja nicht "Oh, neulich da mit dem Kollegen", sondern eher "Oh, neulich da mit Heinz"

Muss ich mich jetzt durch private Erfahrungen qualifizieren, deinen Text zu lesen? :susp: Muss ich ein Serienmörder sein, um einen Thriller kommentieren zu duerfen?
Nein! Natürlich nicht - aber zumindest bei mir sorgt private Erfahrung (oder Realitätsbezug) bei kurzen Geschichten dafür, ob ich matchen kann oder nicht. In einem Roman bekomme ich ja ganz anderen Einblicke in Figuren, kann mich langsam herantasten. Und zu:
In SF nehme ich einem Autor die Aliens ab und in der Phantastik die Monster
Geht mir halt gar nicht so - das hat wohl was mit Geschmack zu tun! Mit wenigen Ausnahmen bevorzuge ich Geschichten, die einen starken Realitätsbezug haben. Ich darf ja zum Glück noch wählen, was ich lese :)

Das was du da zu deinem ehemaligen Partner und deiner Freundin schreibst tut mir Leid. Habe das Gefühl ich bin dir irgendwie auf den Schlips getreten, war aber nicht meine Intention! Ich kann dazu nix sagen, meine Figur soll nicht manisch-depressiv und auch nicht bipolar sein.

Vielleicht bist du ja bipolar und nimmst das so wahr wie im Text verarbeitet, mag sein
...damit kann ich nichts anfangen, finde ich aber auch unsachlich. So viel auch zum "Vorwerfen" aber passt schon :)

Schön fuer dich. Warum stellst du den Text dann hier noch ein?
Nee, du wirfst mir grad vor, ich wär zu dusselig fuer dein beeindruckendes Stueck postmoderner Literatur, oder? Nix fuer ungut, Marla. Klar kann auch mal der Leser Schuld sein. An allem, und der Text ist vollkommen, perfekt. [...]
Ich kenn dich doch gar nicht - ich werfe dir gar nichts vor. Du hast meine Zeilen aber halt leider auch aus dem Sinnzusammenhang gerissen und isoliert dahin gestellt. In den Sätzen danach steht: "Das ist keine Verteidigung dafür, dass alles gut so ist, wie es ist [...] - sonst hätte ich die Geschichte nicht eingestellt und um Feedback gebeten, ich möchte damit aber zeigen, dass der Zugang nicht unmöglich ist. Und möchte auch einfach die Frage aufwerfen ob das etwas mit Geschmack zu tun hat. Mir sagt ja auch nicht jede Geschichte zu."
Nicht mehr nicht weniger - mehr hab ich dazu nicht zu sagen!

Ich finde deine Antwort ehrlich gesagt etwas emotional aufgeladen und ein bisschen polemisch hier und da. Ich habe versucht sachlich zu antworten und mich für die Kritik bedankt. Du hast mir viele Stellen an meinem Text aufgezeigt, die problematisch sein können. Und entschuldige bitte, falls ich nicht jeden deiner Tipps sofort ungefragt umsetze - du bist ja auch eine Stimme von mehreren und nicht DAS Maß der Dinge. Ich werde mir ja wohl eine Meinung bilden dürfen.

Letztendlich ist es aber auch ein Experiment - diese Geschichte durch seine Augen eben ohne den erkennbaren Erzähler zu zeigen - vielleicht geht das nicht, vielleicht hab ich mich damit übernommen - kann sein! Aber was mir auf jeden Fall fern liegt, ist hier wegen einem Text mit irgendjemandem Streit anzufangen.

Zuletzt noch zu "to walk in someone elses shoes" (weils mich wirklich interessiert! Falls du möchtest kannst du mir dazu aber auch in einer PN was schreiben, hat ja nicht direkt mit diesem Text etwas zu tun)

von idioms.freedictionary: walk a mile in (someone's) shoes: To spend time trying to consider or understand another person's perspectives, experiences, or motivations before making a judgment about them. I know that certain people can come across as selfish or mean-spirited, but you should try walking a mile in their shoes before you dismiss them too quickly.
Ich sehe nicht, dass ich das irgendwie anders verwende. Es drückt Svens Wunsch aus, dass sich andere in ihn hineinversetzen. Ich werd die Tage mal einen Muttersprachler fragen, ich erinnere mich nur dunkel auch an das Problem mit Gerundium und Present Participle, du meintest ja anfänglich mal das Problem ist "Try WalkING" oder gehts dir um "my" vs "his" shoes.

Schönen Tag!
-Marla

 

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