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Verrat in der Freundschaft

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11.11.2020
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Verrat in der Freundschaft

Verrat in der Freundschaft

„Eli, endlich!“ Elias stieß einen leisen Schrei aus und ließ seinen Autoschlüssel in der dreckigen Pfütze fallen. „Komm schon! Sei kein kleines Mädchen. Sag was.“

Am Donnerstagmorgen, auf einem leeren, nassen Parkplatz einer Baustelle wollte er sehr viel Böses sagen. „Daud, zisch ab.“ Er hob seinen Autoschlüssel auf und trocknete diesen an seinen grauen Arbeitshosen ab. „Ich möchte dich nicht sehen und auch bestimmt nichts von dir hören.“

„Eli, es tut mir wirklich … “

„ … leid.“ Elias schnaubte. „Nein tut es nicht. Ich habe dir vertraut. Es gibt niemanden, dem ich mehr vertraue und du hast mich verraten. Mich angelogen!“ Elias knirschte mit den Zähnen und sah ihn in die Augen. „Du wusstest, wie sehr ich den Job wollte. Ich habe das Geld gebraucht.“

Daud ließ seine Hand durch sein kurzes, dunkles Haar gleiten. „Ich habe dir doch gesagt, dass ich an was arbeite. Du solltest doch nur kurz warten.“ Er zeigte auf Elias. „Aber du hast dir einen neuen Job gesucht.“

„Nein, es wurde mir angeboten.“

„Du hättest es nicht annehmen sollen.“

„Ja klar, weil du ja einen Plan hast.“

„Nein, weil ich dein ältester Freund bin.“

Elias schüttelte seinen Kopf und Dauds großen Augen verengten sich zu kleinen Schlitzen. „Du weißt, dass der neue Job dir nur Probleme gebracht hätte. Die arbeiten dort nicht richtig.“ Sein Körper war angespannt und zitterte. „Du hättest mir vertrauen sollen … Nicht einem Fremden, der dir Geld anbietet.“

„Habe ich doch! Deshalb war ich am Freitag an der Baustelle, als du mich angerufen hast.“ Er schaute in Dauds schuldbewussten Augen. „Ich habe das Vorstellungsgespräch sausen lassen. Mir war alles egal, als ich dachte, dass du mich brauchst. Aber dir ging es gut. Du hast mich angelogen und redest von vertrauen.“

Daud hatte Tränen in den Augen und versuchte, Blickkontakt zu vermeiden. Elias erinnerte sich an den kleinen Daud, der immer Zeit brauchte, um die richtigen Worte zu finden. Es wurde ihm plötzlich bewusst, dass es hier um mehr als ein sabotiertes Vorstellungsgespräch ging.

„Wieso hast du das Interview sabotiert? Ich musste nur zum Interview und hätte eine viel bessere Stelle mit mehr Geld bekommen.“

Daud ließ sich auf den nassen Boden fallen und lehnte sich gegen das Auto. „Ja, mehr Geld, mehr Schwierigkeiten.“ Elias lachte auf, aber sein Freund ließ sich nicht beirren. „Wir hätten für deine Geldprobleme eine andere Lösung gefunden. Wir halten uns doch immer den Rücken frei“, sagte Daud.

„Ja, aber diesmal war es anders“, sagte Elias und senkte seine Augen.

„Wieso?“

„Ich alleine habe es verbockt.“

„Ja, du hast dein ganzes Geld verzockt. Das war verdammt idiotisch, aber wir holen dich da raus.“

„Vielleicht ist es gut, dass ich den Job nicht bekommen habe. Auf mehr Probleme kann ich verzichten“, gestand Elias und fügte hinzu „Aber du musst mir nicht helfen. Bei dir läuft es doch gerade echt gut.“

Er war sich nicht sicher, ob Daud zugehört hatte, denn sein Blick war in der Ferne gerichtet.

„Weißt du noch, wieso wir die Ausbildung zum Elektriker gemacht haben?“ Elias musste an bunte, spitze Legosteine und bemalte Malblöcke in einem alten Kinderzimmer denken.

„Ja, wir wollten mal selber Häuser bauen und verkaufen. Als Elektriker konnten wir an Häusern arbeiten.“

„Du hättest es aber schaffen können. Sogar ein Studienplatz mit Stipendium hattest du. Du hättest … “

„ … Du hast mich gebraucht, also bin ich geblieben.“

„Ja, das bist du. Und hast mir geholfen und jetzt werde ich dir helfen!“ Er schaute Elias an. „Eli, ich werde dir helfen, ist mir egal, ob du willst oder nicht?“

„Auch wenn du mich anlügen musst.“

Daud sah seinen ältesten und besten Freund in die Augen und spitzte seine Lippen. „Tut mir echt leid, aber Eli, du hättest dir vieles versauen können.“

„Danke, aber Geld brauche ich immer noch.“ Er stützte sich auf Dauds Schulter und stand langsam auf. „Probleme lösen sich nicht einfach in Luft aus.“

„Nein, aber ich habe eine Lösung“, sagte Daud und sprang wie ein Athlet mit zu viel Energie auf.

„Was meinst du?“

„Als du mir von deinem Jobangebot erzählt hast, habe ich mit der Bank und meinen Eltern gesprochen.“ Er sah wie ein Zirkusdirektor aus, der auf dem Parkplatz sein neues Programm vorstellen wollte. „Meine Eltern haben ein Darlehen aufgenommen, sodass wir ein Startkapital haben.“ Seine Stimme wurde lauter und er sprach schneller. „Markus hat gesagt, er investiert in uns. Das bedeutet, wir dürfen vorerst seine Werkzeuge und Arbeiter von der Baustelle ausleihen.“

Elias stand mit zitternden Knien vor seinen Freund und zweifelte an seinen Verstand.

„Und bist du dabei?“ Daud streckte seine rechte Hand aus.

„Du und ich. Wir schaffen es“, sagte Elias, als er die Hand seines Freundes nahm und ihn umarmte. Jetzt stieg ein warmes Gefühl in ihm auf. Er lachte seit langem wieder ein lautes, hoffnungsvolles Lachen aus und sprang in die Pfütze. „Danke.“

 

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