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Verständnisloses Schweigen

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29.05.2021
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Verständnisloses Schweigen

Am Ende des Lichts stehst du, schaust gebannt, mich an. Kein Blinzeln, starrend erstarrt nur das Wasser am Kinn. Im eigenen Tempo fließt es bis zur Spitze hinab, fällt. Bewegung, Zucken und auf einmal bist du da. Dein Blick spricht Bände, währenddessen du meine Körpersprache nicht verstehst.

Umgebungsgeräusche werden monoton und dennoch unverkennbar. Das Herz ist pochend stehen geblieben. Der Atem drückt die Brust auf und ab, am Herzen vorbei. Der Notbedarf lässt mich überleben, wobei der Verstand scheiternd schreit. Das Licht ist unfassbar hell, sodass ich dein Gesicht, jedes Detail, entdecke. Umrisse schwimmen in meinem Blickfeld vorbei, aber dein Blick bleibt.

Kein lautes Wort, flüsternd suchst du Zuneigung. Verständnisloses, langatmiges Schweigen solang die Zweifel und Ängste, mit Anlauf, jede Hürde unserer Wände überqueren. Das Ziel ist in Sicht, als die Synapsen die Empfindungen schlagartig zurückholen. Die Zeit läuft schleppend und doch zu schnell, und bevor wir es merken werden die Umgebungsgeräusche unfassbar laut. Das Dröhnen im Kopf setzt der Atmung zu, aber lässt die Momentstarre nicht lösen. Dein starrender, ratsuchender Blick setzt mit jeder Minute weitere Gewichte auf meine Schultern. Während ich immer kleiner und runder werde, steigen parallel der Druck und die Trägheit. Bevor ich zusammenbreche, verschwimmst du als Umriss in meinem Blickfeld. Verschwimmst in meiner Erinnerung als klares, detailliertes, schwarzes Loch.

Deine Spucke wische ich mit meinem kalten, zitternden Handrücken weg. Atmen scheint leichter, die Synapsen geben nach.

Dein Blick geht, aber das Starren hat nicht aufgehört. Geschockte, angewiderte Gesichter begegnen meinen Augen. Hilfesuchend werde ich enttäuscht. Allein stehe ich von meinem Hocker auf, hebe meinen Arm von der Bar. Leise, unbemerkt, im Starren der Umgebung, verabschiede ich mich von den Menschen, verabschiede mich von mir selbst. Verabschiede mich an jegliche Erinnerung, was Anderen die Meinungsbildung über mich, in dieser Nacht, erleichtert. Ich hatte von vornherein keine Chance, nach dem was passierte, mit Sympathieträgern hinaus zu gehen.

Am nächsten Morgen, wache ich weinend, durch die morgendlichen Sonnenstrahlen, auf, stehe auf, lasse los, setze mich wieder hin.

Ich schreibe und hoffe, dass meine Verzweiflung irgendwo auf der Welt gefühlt wird. Das irgendjemand kommt und mich aus dieser Hilflosigkeit rettet. Irgendjemand soll sehen wie ich mich verändere. Irgendjemand, irgendetwas, irgendwann, am liebsten jetzt sofort und doch überhaupt gar nichts.

Der Übergriff macht mich so klein, dass ich unter der Bettdecke im eigenen Haus zurück bleibe und nie wieder das Dröhnen im Kopf, am Anfang des Lichtes mit verschwommenen Umrissen, vergesse. Nie wieder frei von der Last der Einsamkeit. Im verständnislosen Schweigen gefangen.

 
Seniors
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Hallo @Feerzaubert ,

und herzlich willkommen im Forum (kann man wohl noch beim zweiten Text sagen).

Ich falle gleich mal mit der Tür ins Haus. An diesem Text sind zwei Dinge kaputt: Die Kommasetzung und die Semantik.
Schalte nicht einen, sondern drei Gänge runter und drücke das, was du aussagen möchtest, prägnanter und präziser aus. Das ist heilloses Geschwurbel, hinter pseudo-tiefgründigen Ellipsen versteckt. Ellipsen lese ich eigentlich sehr gerne, aber es ist sinnvoll, Overkills zu vermeiden und sie mehr in einem Rhythmus zu verwenden, also im Wechsel zu länger Ausgeführtem. Und wenn man sie aufdröselt, sollten sie bez. der Aussagen keinen Quark ergeben.

Texte zu verfassen, die rein über Symbolik, Assoziationen und/oder Abstraktion funktionieren, halte ich für die Hohe Schule des Schreibens. Das, was man machen kann, wenn man keine Probleme mehr mit den Basics hat: Rechtschreibung, Kommata, Vokabular, Register, Syntax und Semantik. Ich rate davon ab, wie hier das Pferd von hinten aufzuzäumen.

Am Ende des Lichts stehst du, schaust gebannt, mich an.
Kommas weg. Das klingt fürchterlich verunglückt.
Am Ende des Lichts kann eigentlich nur temporal, nicht räumlich gemeint sein. Die Formulierung selbst gefällt mir sehr gut, auch in ihrer Dramatik.
Aber selbst wenn es - dann leider etwas unbeholfen klingend - die Stelle außerhalb eines Lichtkegels meinen soll, ist "am Ende des Lichts" absolut und es ist dort vollständig dunkel. Wie sieht der Erzähler, dass die andere Person ihn anschaut bzw. erst recht, wie sie das tut?
Kein Blinzeln, starrend erstarrt nur das Wasser am Kinn. Im eigenen Tempo fließt es bis zur Spitze hinab, fällt.
Wieso fließt es, wenn es eigentlich erstarrt ist?
Und starrend erstarrt? Herrje, sorry.
In eigenem Tempo sagt hier gar nix, ist das ist doch klar.
Dein Blick spricht Bände, währenddessen du meine Körpersprache nicht verstehst.
Erster Teil ist eine abgedrosche Phrase. Dass du sie womöglich absichtlich einsetzt, um das irgendwie zu konterkarieren, macht es nicht besser, ebensowenig diese antiquierte Satzkonstruktion und das gewichtige 'währenddessen'.
Am nächsten Morgen, wache ich weinend, durch die morgendlichen Sonnenstrahlen, auf, stehe auf, lasse los, setze mich wieder hin.
Die Kommasetzung ist ein einziger Unfall.
Umgebungsgeräusche werden monoton und dennoch unverkennbar.
Falsches Wort, da hier kein Widerspruch vorliegt. Monotones kann ja sehr gut unverkennbar sein.
Geräusche werden -- unverkennbar: Was waren sie denn vorher? Dissonant und austauschbar? Wusstest du eigentlich selbst, was du hier sagen wolltest?
Umgebungsgeräusche - im Gegensatz zu Tinnitus? Alle Geräusche, die nicht im eigenen Körper entstehen sind doch letztlich die, die einen umgeben. Oder meinst du Hintergrundgeräusche? Wortschöpfungen in aller Ehre, aber sollten sie nicht eine Verbesserung des Bestehenden sein?
Das Herz ist pochend stehen geblieben.
Drinnen saßen stehend Leute, schweigend ins Gespräch vertieft?


Es tut mir leid, falls das harsch klingt, aber das wird sicher besser, wenn du dich mit klarem Blick, weniger begeistert von deinem Fabulieren, noch mal an den Text setzt. In dieser Form liest sich das wie ein Tagebucheintrag, der nur für die Schreibende selbst bestimmt ist.
Meine Kritik ist keinesfalls persönlich und auch nicht als Entmutigung gemeint - sondern als Ansporn. Wäre schön, wenn du aus diesem Text eine stimmige Kurzgeschichte machen würdest.

Grundsätzlich möchte ich noch etwas anmerken (ebenfalls als Ansporn, Zuspruch): In letzter Zeit häufen sich hier Neuanmeldungen, die eigene Texte einstellen - durchaus auch mehrere kurz hintereinander -, aber selbst keine Kommentare schreiben. Es liegt wohl auf der Hand, dass ein Forum wie dieses so nicht funktionieren kann. (Viele Foren erlauben erst das Einstellen einer Kurzgeschichte nach fünf sinnvollen Komms zu Fremdtexten.) Für das Verhalten kann es neben Desinteresse eine Reihe von Gründen geben, die man immer wieder hört: Ich bin neu und möchte nicht unhöflich erscheinen, ich traue mich nicht, ich kann nichts zu anderen Texten sagen, ich habe keine Zeit (aber genug, selbst zu schreiben und Komms dazu zu lesen), ich kann keine Komms schreiben wie die meisten hier.
Letztendlich ist es aber unmöglich, dass sich jemand zutraut, Prosa zu schreiben, aber nicht, die von anderen zu analysieren. Jede konstruktive Kritik bringt Schreibende weiter - und ganz vor allem würde es dich wesentlich voranbringen, durch Kommentare zu Fremdtexten dein eigenes Schreiben zu verbessern: Man muss nicht alle Fehler selbst machen (die macht man eh genug) und man erkennt Fehler/Probleme bei Fremdtexten sehr viel einfacher als bei eigenen.

Ich lese inzwischen nur noch selten Geschichten von Usern, die nicht selbst kommentieren. Mich interessieren gute Komms tatsächlich mehr - oder zumindest genauso - wie gute Geschichten. Schreibt jemand durchdachte Komms, klicke ich auch mit einem ganz anderen Interesse in dessen/deren Geschichten. Weiß viel besser, was Leute selbst erreichen wollen und worum es ihnen bei Prosa geht.

Und sollte das alles für dich nicht zählen, bleibt noch das gute alte Geben und Nehmen.

Ich wünsche dir noch viel Spaß hier, mit herzlichen Grüßen,
Katla

 

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