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Wüstes Land

Wortkrieger-Team
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19.05.2015
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Wüstes Land

Jane trägt eine Handtasche mit Gucci-Schriftzug, rote Schuhe und Kleid. Dass sie Beine hat, bemerkt sie an den Blicken der Kerle. Sie versucht mit Evan Schritt zu halten. Sie wünscht sich den Las Vegas Boulevard anders, sehnt sich nach dem Puls der Stadt, Glitzer und Glammer, Menschen, die in die Spielhallen eilen, zu den Shows, in die Burgerbuden und Steakhäuser, nach all dem, das jetzt hinter verrammelten Türen auf eine Wiederauferstehung wartet und seltsam verlassen erscheint. Selbst die Lichter und Illuminationen blinken so müde, als wollten sie ein letztes Lebenszeichen senden. Ein paar Leute kommen ihnen entgegen. Einige sehen heruntergekommen aus, die Jogginghosen flattern um die Beine. Sie haben die Hoodiekapuzen über den Kopf gezogen. Jane überlegt sich, wie lange der Lockdown schon anhält. Zwei Wochen, drei? Evan trägt Einkaufstüten - Fertigfutterdosen, mehr ist nicht drin, wenn man in einem Apartment ohne Küche wohnt.

In Evans Ohrmuscheln stecken AirPods. Er wippt ab und zu im Rhythmus der Musik. Seine Moves sehen nach Hip-Hop aus. Janes Musikstudio hat seit zwei Wochen geschlossen. Sie sehnt sich danach, zu singen und zu tanzen, mit Profis an ihrer Karriere zu arbeiten. Sie will nicht als Stripperin auftreten, in die Nebelwelt abgleiten, in das, was ihr Vater ein Paralleluniversum genannt hat, die Lippen gespitzt, als wolle er auf den Boden spucken, während er auf seinem Professorenlehntsuhl, an seinem Professorenschreibtisch saß und sie mit leeren Augen anschaute. Die Sonne strahlte durch die Jalousien hindurch auf seine Glatze und sie sah ihm an, was er dachte. „Sängerin willst du also werden, nun, ein schöner Beruf für Leute, die keine anderen Möglichkeiten haben. Aber du? Du kannst studieren, als Anwältin eine Karriere machen, ins Silicon Valley gehen, einen wirklich kreativen Beruf ergreifen, die Welt steht dir offen.“ Sie gab nicht nach und genoss das Entsetzen, das ihn ergriff und Schweißtropfen auf dem Schädel absonderte. Ihr Vater hatte sich das Leben seiner Tochter anders vorgestellt. So viel stand fest. Trotzdem hatte sie das College geschmissen und war nach Vegas gezogen, um nach den Sternen zu greifen. Ihre Mutter wäre stolz auf sie und ihren Mut gewesen, da war sie sich sicher. Was sie wohl dachte, wenn sie ihre Tochter aus dem Paralleluniversum betrachtete? Ein Schutzengel will ich dir sein, ein Schutzengel, hatte sie zu Jane gesagt und war gestorben.

Evan bleibt an der Ampel stehen. Sie schließt zu ihm auf: „Das Geld geht uns aus“, sagt er.
„Was kann ich denn dafür, mm?“
„Fick dich, du Schlampe.“
„Fick du dich, Arschloch.“ Sie rückt zu ihm auf, schwingt die Handtasche und trifft ihn am Rücken, sodass er für einen Moment schwankt.
„He, was soll das, du Miststück.“ Er holt aus und verpasst ihr eine Ohrfeige.
„Ist doch alles scheiße hier.“
„Und was schlägst du vor, Klugscheißerin?“
„Keine Ahnung. Raus aus Vegas!“
„Und wohin?“
„L.A.: ist doch egal wohin.“
„Wir haben noch 500$ und ein viertel Pfund Weed.“
„Reicht ein, zwei Wochen, länger nicht.“

Sie dreht sich weg, beschleunigt, geht jetzt ein paar Schritte vor ihm. Sie kommen am Bellagio vorbei. Dort hat sie ihn kennengelernt. Wie lange ist das her? Drei Monate? Länger? Gwyneth wollte die Wasserspiele sehen, über die Fontänen und Illuminationen staunen, als wären sie Touristen. Evan stand neben ihr, redete einfach drauflos, witzig, locker, californiaboymäßig, als würden sie sich längst kennen. Sie trug das rote Kleid mit dem Ausschnitt, das sie von ihrer ersten Gage gekauft hatte. Es erlaubte keinen Büstenhalter. Irgendwann war Gwyn verschwunden und Evan küsste sie. Sie spürte seinen Six-Pack, berührte die glänzendschwarzen Haare, berührte mehr. So fing es an.
Sie stellt sich vor, zu lieben, richtig zu lieben, ein Star zu werden, ein richtiger Star. Und weiß doch nicht, wie. Mit Evan vergeht die Zeit. Mehr nicht.
Die Sonne brennt auf den Asphalt. Staub wirbelt auf. Die Türme der Hotels trotzen dem Himmel und wirken selbst jetzt wie Märchenschlösser. Der Trump-Tower scheint von innen heraus zu leuchten und glänzt wie Gold.

Im Apartment angekommen, werfen sie alles, was sie bei sich tragen, auf den Linoleumboden. Evan beobachtet ein paar Kakerlaken, die in den Ritzen der Lüftungsschächte verschwinden. Eine Spinne setzt sich auf eines der Regale der Wohnwand, dorthin, wo ein paar Flaschen, High-Heels, Modezeitschriften, Patronenschachteln, die Mangabücher und Kladden mit seinen Zeichnungen stehen.
Evan hat keine Lust sich zu unterhalten, deshalb zieht er Jane an sich. Sie riecht so verdammt scharf nach dem Schlampenparfüm, das sie bei Wayfair geklaut hat. Er wirft die Sneaker in die Ecke und kann sich kaum zurückhalten, so viel Lust hat sich angestaut. Jane hat Brüste wie aus dem Modelllabor eines Schönheitschirurgen, so rund, so fest. Er streift die Träger ihres Kleides ab, wiegt die Brüste, spielt mit ihnen. Sie seufzt, als er ihren Hals küsst. Die Gier übernimmt die Herrschaft und Jane will es auch. Nachdem sie sich auf das Bett gelegt haben, rauben sie sich den Verstand. Er befindet sich in einer anderen Welt, in der es nichts gibt, außer Lust und der seidenen Verbindung zwischen ihnen. Schweiß und Schweiß mischen sich und der Duft dringt ihm in die Nase, der nur ihnen beiden gehört. Als sie sich lösen, schmiegt sie sich an ihn. Er liegt auf dem Rücken und legt den Arm um sie. Sie trinken Bier, rauchen Weed, öffnen das Fenster. Von den Bergen weht ein heißer Wind herüber. Jane stellt sich ans Fenster und singt, übt das Vibrato und hält sich die Hand ans Zwerchfell, um die Töne zu spüren. Papageien mit buntem Gefieder sitzen auf dem Dach des Nachbarhauses und dösen in der Sonne.

„Ich weiß, was wir machen“, sagt er.
„Und?“
„Du kennst doch Carl.“
„Den fetten Deutschen?“
„Genau den.“
„Carl hat einen Chevy und mag dich.“
„Na und?“
„Du spielst ein bisschen mit ihm, du weißt schon.“
„Aha.“
„Dann schnappst du dir den Autoschlüssel.“
„Ich geh nicht mit Carl aufs Zimmer.“
„Komm schon, du kriegst das hin. Carl spritzt doch schon, wenn du ihn nur anschaust.“
„Ich geh nicht mit ihm aufs Zimmer, habe ich doch gesagt.“
Evan will schon aufstehen, sich Respekt verschaffen, wie ein Mann auftreten. Sie schaut zur Decke, schaut ihn an. Ihr Blick wandert über ihn hinweg zum Fenster. Am Horizont, über den Bergen, wölben sich ein paar Wolken, als wollten sie die Gipfel umarmen.
„Lass mich mal machen. Ich regle das. Ich geh ins Cesars, wo er immer trinkt.“
„Dann los!“

Jane ekelt sich bei dem Gedanken an Carl und auf was sie sich eingelassen hat und vor Kerlen wie ihm überhaupt. Sie nimmt extra viel Parfüm und wäscht sich sorgfältig, rubbelt, bis Bier, Weed und Evans Eigenparfüm nicht mehr in ihre Nase steigen. Für einen Moment stellt sie sich vor, wie Evan in zehn Jahren aussehen wird, wenn die Figur in sich zusammengefallen und das Hirn aufgeweicht ist.
Um 23 Uhr liegt Carl im Bett, schnarcht und Jane schleicht sich samt Autoschlüssel aus dem Zimmer. War ganz einfach. Der Kerl ist eingeschlafen, als sie sich neben ihn gesetzt hat und sagte, sie brauche etwas Zeit, bis sie in Stimmung komme, wolle noch die nächste Folge ihrer Lieblingsserie schauen. Jane hat ihm übers Knie gestreichelt, ein paar Küsse auf den Hals gehaucht. Er hat ein paar Whiskey-Cola getrunken und überhaupt nicht bemerkt, dass sie ein kleines Pillchen aufgelöst und in das Cola geschüttet hat. Den Schlüssel hat sie gleich gefunden. Wenn sie mehr Mut hätte, würde sie alleine losfahren. Sie überlegt hin und her. Aber Evan sitzt in der Lobby und sagt, er wisse, wo das Auto abgestellt ist. Daran hatte sie nicht gedacht. Irgendwie würde sie ihn loswerden. Oder auch nicht. Schicksal, Karma, was auch immer. Sie zieht die Tür zu, ganz leise. Es klickt kaum. Dann streicht sie das Kleid zurecht. Wenn sie wieder zu Hause ist, wird sie auf Eyecatcher verzichten, am besten gar keine Kleider und Röcke mehr tragen. Zumindest keine, die sie einschnüren und die Kerle zum Sabbern bringen. Im Flur riecht es nach Alkohol und Weed. Im Fahrstuhl auch.
Evan sitzt mit übereinander geschlagenen Beinen auf einer Ledercouch in der Lobby. Gegenüber haben sich drei Mädchen platziert, die ihre Körper in Gummi gesteckt haben. Die Pailletten reflektieren das Licht. Evan stemmt sich hoch. Die Schlauchkleidbitches schauen ihm hinterher. entdecken den Grund für seinen Aufbruch und wenden sich ab, um zu kichern. Evan macht Eindruck, aber wenn die wüssten, wie es um ihn bestellt ist, dass er die Tränen einfach ignoriert hat, die ihr die Wangen herunterliefen, als sie über den Strip zum Cesars Palace liefen, wo Carl logierte.

Sie sieht ein wenig zerknautscht aus, aber das Make-up ist makellos geblieben. L.A. Ist gerade einmal 400 Meilen entfernt. Wenn sie die Nacht durchfahren, sehen sie das Meer und Hollywood. Vielleicht behält er Jane, vielleicht tauscht er sie aus. Sie langweilt ihn, ihr Gejammer nervt, aber sie funktioniert, wenn’s drauf ankommt. In L.A. gibt’s genug von allem. Frauen, Amazonen und Puppen jeglichen Alters. Jungs, Kerle und Männer, die in Hollywood was zu sagen haben, Typen wie ihn mögen. Warum soll er’s nicht mit Männern probieren? Vegas bringt nichts mehr. Die Stadt versandet, wird zur Wüste, wie das Land, das sie umgibt. Wo gibt’s Zukunft für einen wie ihn, der noch was reißen will in diesem verfickten Leben? Nach Wyoming zurück und irgendwo einen Job als Holzfäller oder Cowboy suchen, an der frischen Luft arbeiten und drei Kinder großziehen, zusehen, wie die Schönheit des eigenen Körpers langsam verfällt, fett werden, zufrieden, Baseball Spiele anschauen und warten, bis die Hängetitten seiner Frau ihn so langweilen, dass er zu den Huren gehen muss, weil er sich nicht traut, die Ehefrauen der Nachbarn anzubaggern, nein, das ist keine Option. Dann besser zeichnen, malen, bis die Finger wund sind, von Tür zu Tür laufen und seine amerikanischen Mangas zeigen, bis sie jemand haben will.

Der Lack des Wagens glänzt schwarz. Er steht auf dem Parkdeck des Hotels, erste Ebene. War ganz leicht zu finden. Der Chevy gibt ein Signal von sich, ganz so, als würde man auf eine Quietschente drücken, die einen mit strahlendfrechen Augen anschaut, während man mit dem Schaum spielt, der sich in der Badewanne auftürmt. Sie fahren zum Apartment.
Evan beobachtet Jane, hat längst gepackt. Er lebt schlank, braucht zehn Minuten, die Mangabücher, das Spieleboard, den Revolver zwischen Kleidungsteile zu stecken, obenauf die Kladden mit den Zeichnungen. Jane faltet die Kleider, bevor sie die Stücke in den Koffer legt. Wenn der Deutsche früher aufwacht, als geplant, könnten die Cops ruckzuck herausfinden, wer den Wagen geklaut hat. Bis dahin müssen sie Nevada verlassen haben. In Kalifornien wird man nicht so schnell angehalten. Wie zärtlich sie mit ihrem Hab und Gut umgeht. Er nimmt Jane an der Hand. Da ist was gewachsen zwischen ihnen: trotz allem. Er hasst und liebt sie gleichzeitig. Es kann losgehen.
Evan öffnet Jane die Beifahrertür. So stellt sich gar nicht erst die Frage, wer fährt. Evan staunt darüber, wie schnell man aus der Stadt herauskommt, wenn man erst mal losfährt. Auf dem Highway ist wenig los, hier und da ein Truck, Autos, vierspurig, Schilder nach Salt Lake City und Los Angeles, zum Grand Canyon. Wenn er in den Rückspiegel schaut, sieht er die Lichter, der Stadt, pochend, als zeigten sie Leben an. Irgendwann verblassen sie. Jane sitzt schweigend neben ihm. Ein paar Stunden noch, dann geht die Sonne auf. Sie lassen Nevada hinter sich. Evan überlegt, wo er die Sonnenbrille hat, flucht, als er sie in seiner Vintage Lederaktentasche nicht findet, die er in New York einem Banker geklaut hat. Geld war nicht drin, ein paar elende Papiere, eine Wasserflasche, ein Rasierwasserflakon mit widerlichem Blumenduft, ganz das richtige für Kerle ohne Bart und Arsch in der Hose. Aber die Tasche ist top, echtes Leder, Duft nach Wildnis. Er kramt eine Weile darin, findet die Sonnenbrille nicht, zieht stattdessen das Heftchen mit seinen ersten Figurenskizzen, verfremdete Köpfe, überdimensionierte Augen und Ohren, mit Strichen angedeutete Gesichtszüge, Schattierungen, heraus. Er erinnert sich an seinen Vaters, der alle Gesichtsmuskeln bewegte, wenn er die Werke Evans begutachtete, Grimassen zog, grinste - je nachdem - und ihm erzählte, dass er ein großer Künstler geworden wäre, ganz sicher, wäre er nicht im Nirgendwo Wyomings geblieben, das nichts als Berge Prärie und Leere biete, hätte er nicht geheiratet und sich an Whiskey und die Einförmigkeit der Lebens gewöhnt.

Evan braucht eine Pause, will sich die Beine vertreten, etwas Weed rauchen, ein paar Minuten die Augen schließen. Außerdem hat er Durst, solchen Durst. Im Kofferraum befindet sich ein Pack Wasserflaschen. Jane hat sie im letzten Moment angeschleppt. In der Wüste, im Death Valley oder wie der Scheiß hieß, kann’s schon heiß werden, hat sie gesagt. Vor ein paar Meilen hat er ein Schild gesehen, das die Route 66 anzeigte. Nirgends stand Los Angeles. Er muss die Route auf dem Smartphone prüfen. Der Highway zieht sich ohne jegliche Parkmöglichkeit, bis er endlich eine Stelle findet, die wie ein Weg zu einem Trailer-Park oder irgendeiner Farm aussieht, ein Feldweg mit tiefen Reifenspuren. Jane schnarcht. Während der Fahrt hat er das Schnurren und Grunzen nicht gehört. Ein widerliches Geräusch. Was, wenn er sie einfach im Auto zurücklässt, einfach losgeht, irgendwohin? Was für ein Blödsinn! Er braucht den Wagen, er braucht Jane. Er kann sich auf sie verlassen. Jedenfalls bis jetzt. Trotzdem: sie stellt Ansprüche. Neben dem Parkplatz sieht er die Schatten von Büschen. Sie sehen aus wie übergroße Blumensträuße. Er streckt und dehnt sich, geht ein paar Schritte, spürt die Erschöpfung in sich hochkriechen, trinkt, ohne abzusetzen, eine ganze Flasche Wasser aus. Danach atmet er die staubige Luft und kämpft dagegen an, mehr Wasser in sich zu schütten. Seine Augen gewöhnen sich an die Dunkelheit. Am Himmel wölben sich Sternenmeere und reichen fast bis zu ihm herab. Jane bewegt sich, murmelt im Schlaf. Er verzichtet auf das Weed, weil die Müdigkeit ihn so vollständig erfasst, dass er wie ferngesteuert zurück zum Wagen wankt, es gerade noch schafft, auf den Sitz zu sinken und die Augen schließt.

Jane löst sich aus der Erstarrung, als sie die Helligkeit bemerkt, die durch die Fensterscheiben auf ihr Gesicht strahlt. Sie blinzelt und befreit sich von den Träumen, die ihr die Großmutter zurückgebracht haben, ihre samtenen Augen, die sie unentwegt anschauen, während sie Jane etwas erzählte, etwas Wichtiges, mehr als eine Gutenachtgeschichte, das sich die Enkelin nicht merken kann. War’s ein Geheimnis, eine Schatzkarte oder die genaue Rezeptur des berühmtesten Käsekuchens der ganzen Familie? Sie steigt aus dem Wagen. Schon die Morgensonne deutet die Kraft an, die sich im Lauf des Tages entfalten wird. Jane sammelt sich. Ihre Kehle fühlt sich trocken an. Sie öffnet den Kofferraum, findet einen Schokoriegel, kaut und trinkt die Flasche Wasser aus. Auf den stachligen Büschen, die in der Wüste neben der Straße verstreut stehen, wütend wirken als müssten sie sich gegen die Welt selbst wehren, haben sich zerfetzte Plastikfetzen, Reste von Tüten, Verpackungsmaterial, festgesetzt. Sie sehen aus wie Segel.

Ihr Blick fällt auf Evan. Seine Haare glänzen, einzelne Strähnen bedecken Teile der Nase und der Augen. Er sieht wie ein Clown aus. Warum schläft der Scheißkerl? Er hätte sie wecken können, dann wäre sie weitergefahren. Jetzt liegt er da wie ein Mehlsack und verbirgt das Ich-kann-niemandem-etwas-zuleide-tun-Engelsgesicht, hat einen Fuß angewinkelt, den anderen von sich gestreckt. Sie schaut sich um: ein Feldweg, der gottweißwohin führt, die Wüste und das Nirgendwo. Sie fragt sich, wo sie sich befinden und nimmt ihr Smartphone in die Hand. Zum Glück hat sie Empfang. Die nächste Stadt heißt Kingman. Evan ist in die falsche Richtung gefahren, hat den Highway ins Landesinnere genommen, weit weg von Los Angeles. Was für ein Looser! Sie unterdrückt den Wunsch zu schreien. Evan war ein Missverständnis, von Anfang an eins gewesen. Sie hätte nicht einschlafen dürfen, niemals, dann wäre das nicht passiert, niemals wären sie dann in die falsche Richtung gefahren, niemals. Jane rüttelt ihn wach, nähert sich dem Gesicht:
„Aufwachen, Dreckskerl!“ Er reagiert anfangs nicht, schreckt dann hoch, öffnet die Augen, schließt sie wieder.
„Wo hast du uns hingebracht, mm?“ Evan zuckt mit den Schultern, murmelt: „Raus aus der Stadt.“
„Aber in die falsche Richtung.“
„Wieso?“
„Du bist so ein Idiot. Da steht Kingman und das liegt in der entgegengesetzten Richtung zu L.A.“ Sie zeigt ihm die Positionsanzeige auf dem Smartphone.
„Hab ich nicht bemerkt,“
„Hab ich nicht bemerkt, hab ich nicht bemerkt.“ Jane boxt auf ihn ein. Er hält die Hände vors Gesicht.
„Scheißegal, dann fahren wir zurück.“
„Wir haben den Wagen gestohlen, schon vergessen?“
„Okay, okay, dann nicht.“
„Wir machen es so: Du fährst mich nach Kingman. Ich steige in den Greyhound und fahre nach L.A.“
„Und was ist mit mir?“
„Mach einfach, was du willst!“

Er kratzt sich am Hals, rückt die Frisur zurecht. Jane wartet darauf, dass er sie anschreit, aber er reagiert nicht. Vielleicht hat er einen Plan, vielleicht ist er im Nebel seiner eigenen Welt versunken. Er zündet sich eine Zigarette an, raucht, schaut zur Wüste. Die Luft flirrt. Jane schweigt und nimmt sich vor, nicht nachzugeben, denkt an die borstigen Haare ihrer Großmutter, an die Zopffrisur. Ob sie jemals so schöne Haare haben würde? Evan schnippt die Kippe weg, steigt ein und startet den Motor. Sie fahren los. Jane drückt auf die Taste. Das Fenster schiebt sich herunter. Fahrtwind weht durch ihre Haare. Sie schaut nach rechts zum Horizont, er geradeaus auf den Highway. Das Radio plärrt Country-Musik, weiße Wild-West-Songs. Jane beruhigt das. Sie will nach Hause.

Evan dreht und wendet die Gedanken, kann es kaum erwarten, Kingman zu erreichen, plant, gleich hinter der Ausfahrt anzuhalten, sie mir großer Geste rauszuwerfen, Jane auf keinen Fall hinterherzuschauen, kein Abschied, nichts, dann bis zum Nationalpark Grand Canyon zu fahren, dort den Wagen abzustellen, irgendeinen Touristen anzuquatschen und nach einer Mitfahrgelegenheit suchen: Westküste, Ostküste, ganz egal, Hauptsache eine große Stadt. Wäre Jane nicht gewesen, hätte er es längst zu was gebracht, wäre den richtigen Leuten begegnet. Trotz der Seuche und dem verschissenen Shutdown. Er schwitzt, dreht die Klimaanlage weiter auf. Ein Schild zeigt an, dass es noch 35 Meilen bis Kingman ist. Ab und zu überholen sie einen Truck, manchmal rauschen Pickups an ihnen vorbei. Er hält sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung, 70 Meilen, 100 Meilen, je nachdem. Er muss die Augen zukneifen, weil er keine Sonnenbrille hat. Irgendwie hat er sich die Flucht aus Las Vegas als Befreiung vorgestellt, nicht so beschwerlich, entspannter, ein Urlaubstag, dem nach Monaten der Düsternis weitere folgen. Er denkt darüber nach, wie es wäre, zu blinzeln, einmal, zweimal, dreimal, zur Seite zu blicken und festzustellen, dass Jane weg ist, vielleicht nie da war.

Als der Motor zu stottern anfängt, gibt Jane die ersten Laute seit einigen Meilen von sich.
„Was ist das für eine Scheiße?“
„Keine Ahnung“, antwortet Evan, obwohl er auf dem Armaturenbrett die Tankanzeige entdeckt, die sich im roten Bereich befindet.
Der Wagen trudelt aus. Evan rollt auf dem Rand der Straße zu, kann das Auto gerade noch von der Fahrbahn zwischen Büschen und Sand zum Stehen bringen. Jane beugt sich zu ihm hinüber und sieht sofort, was los ist.
„Du bist so ein Looser!“ Sie schlägt auf ihn ein, bis er ihre Arme festhält. Tränen fließen über ihre Wangen, ein Knoten bildet sich in ihrem Hals. Sie kann ihn nicht anschauen, will’s auch gar nicht.
„Ich lauf los, Benzin besorgen“, murmelt er.

Jane schaut weg, löst sich von ihm. Er stinkt: nach Schweiß, nach Evan, nach Las Vegas. Sie kramt in der Handtasche, findet die Sonnenbrille mit den riesigen Gläsern, die er ihr mit großem Tamtam in einem Shop im Bellagio gekauft, 100$ auf den Tisch geblättert hat: in kleinen Scheinen, weil er das Geld ein paar Minuten zuvor an einer Slotmachine gewonnen hat. Dann steigt sie aus, holt den glitzerrosa Koffer aus dem Fond des Chevys, schultert den Rucksack, achtet darauf, zwei Flaschen Wasser einzupacken, hängt sich die Handtasche um, rückt die Brille zurecht und schaut Evan durch die Gläser an. Sie balanciert das Gewicht der Gepäckstücke aus. Auf die Balance kommt es an. Er sieht so orangefarben aus, richtig elend. Schweiß perlt auf seiner Stirn, er sinkt in sich zusammen, hat die Körperspannung verloren: „Mach, was du willst. Einen Pannendienst anzurufen lohnt sich ja wohl nicht, dann kriegen sie dich dran.“
„Dich?“
„Ja, dich, weil ich bin bis dahin weg.“
„So ist das also.“
„Das war’s, Evan, das war’s.“
„So ist das also, Jane. Hau ab, ich brauche dich nicht, hau ab!“

Sie stellt den Koffer noch einmal für einen Moment ab. Aber nur, um ein Seidentuch aus dem Rucksack zu ziehen. Wenn Evan zeichnete, war er so versunken, so fern von allem. Wenn er sie liebte, war es genauso. Dann war er fast so makellos wie sein Körper. Sie zuckt die Schultern, blinzelt, dreht sie sich um und atmet durch. Die heiße Luft brennt in der Lunge. Aber sie läuft los, unverzagt, mutig. Vielleicht würde jemand anhalten, ein Truck, ein Cowboy drin, ein echter Kerl. Dann fragt sie sich, was ihre Großmutter ihr sagen wollte.

Evan schaut ihr eine Weile hinterher, kratzt sich an den Haaren, blickt dann zu den Bergen am Horizont. Zwei Vögel segeln dort, kreisen, suchen nach Beute. Evan nimmt sich die Wasserflaschen, den Revolver, die Zeichenkladden, Stifte und läuft los.
 
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Hallihallo Isegrims,

ich habe deine Gesichte sehr gerne gelesen. Natürlich kennt man solche Storys schon, die Suche nach dem großen Glück, nach Ruhm in amerikanischen Großstädten. Und die wenigsten finden, was sie suchen. So auch deine beiden hier. Kann nicht sagen, dass ich die beiden mag, aber ich gehe davon aus, dass das so sein soll. Vor allem Evan ist schon scheiße. Quasi ein Zuhälter und echt ein Trottel. Fährt in die falsche Richtung, vergisst zu tanken; vielleicht ist das ein bisschen zu viel Blödheit. Aber gut, der Mann hängt nur der Tagträumerei nach, seine Gefährtin/Gespielin ja auch. Das finde ich gut an der Geschichte, diese Suche nach dem Selbst. Wo will man eigentlich hin, was will man werden? Künstler in L.A, das geht nie gut und das weiß man eigentlich, aber deine beiden sind so verblendet, wollen das nicht wahrhaben. Ihr derzeitiges Leben ist halt einfach scheiße, da ist es der einfache Weg, sich in der Vorstellung eines besseren Morgens zu verlieren. Und sie haben Angst. Vor dem Altern, vorm dem Alleinsein. Das hast du echt gut dargestellt.

Ich hätte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass sich ihre Wege am Ende trennen. Ich habe das Gefühl, die beiden brauchen einander. Und wenn es nur dazu dient, sich gegenseitig Schuld für alles Beschissene zu geben. Bumsen und sich anschreien; ich hatte den Eindruck, das sind die einzigen Augenblicke, in denen die beiden leben und nicht nur träumen. Da ist so eine gegenseitige Abhängigkeit drin, so eine ungesunde.

Gut finde ich auch, dass du ab und zu die Perspektive wechselst. Anfangs hat mich das verwirrt, aber ich finde es klasse, dass du uns an den Gedanken von beiden teilhaben lässt. Da wird erst so richtig deutlich, dass sie sich gar nicht leiden können und gegenseitig loswerden wollen, aber es doch lange nicht fertigbringen. Weil sie beide am Arsch sind, beide in derselben Lage sind. Geteiltes Leid und so ... Zurzeit arbeite ich tatsächlich an einer Kurzgeschichte mit ähnlicher Erzählstruktur, da war ich natürlich gleich Feuer und Flamme für deine Werk hier. :D

Dass du den Corona-Lockdown erwähnt hast, ich weiß nicht, das erscheint mir unnötig. Die Geschichte funktioniert doch ohne auch bestens und der Lockdown hat keinen Einfluss auf die Handlung.

Evan bleibt an der Ampel stehen. Sie schließt zu ihm auf: „Das Geld geht uns aus“, sagt er.
„Was kann ich denn dafür, mm?“
„Fick dich, du Schlampe.“
„Fick du dich, Arschloch.“
Wow, wat? Das ging mir dann ein bisschen zu schnell auf 180. Das kommt so aus heiterem Himmel, schreien sich da an, nur weil einer sagt, dass die Kohle knapp wird. Ist mir ein bisschen zu heftig. Aber gut, niemand hört wohl gerne, dass das Geld ausgeht.

Im dritten Viertel würde ich ein bisschen was rausnehmen, da ging meine Konzentration kurz flöten. Genauer bei der Passage, wo sie am Straßenrand halten und Evan müde wird und danach das mit der Großmutter und dem Käsekuchen. Da könntest du vielleicht noch ein bisschen was straffen.

Ein paar Dinge sind mir noch aufgefallen:
In Evans Ohrmuscheln stecken Earpads.
Ich glaube, du meinst Airpods oder Earbuds. Earpads sind diese Polster z. B. von Headsets, die müsste man dann auch auf den Ohren tragen.
Professorenlehntsuhl
Buchstabendreher. ;)
„Ich weiß, was wir machen“, sagt er
Da fehlt ein Punkt.
amerikanischen Mangas
Wären das dann nicht Comics? Manga ist soweit ich weiß bloß die Bezeichnung für japanische Comics.

Deine Road-Trip-Story habe ich sehr gerne gelesen und ich werde sicherlich noch das ein oder andere Mal bei deinen Texten vorbeischauen.

Bis dahin und einen schönen Restsonntag
 
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Guten Morgen lieber @Isegrims

ich habe Deine Geschichte gelesen, werde aber irgendwie nicht schlau aus ihr. Sie ist gut geschrieben, ich bin bei den Protagonisten und Du ziehst mich in die Locations mit hinein. Die Geschichte wirkt bedrückend. Sympathie für die Protagonisten kann ich nicht entwickeln, aber das ist wahrscheinlich beabsichtigt, oder? Die 2 sind zusammen und kommen nicht voneinander los. Da frag ich mich warum? Sie beschimpfen sich, vögeln miteinander, hadern mit ihrem Schicksal, kommen aber irgendwie nicht in die Gänge.

Hier ein paar Anmerkungen:

Dass sie Beine hat, bemerkt sie an den Blicken der Kerle.

Naja, Beine hat ja jeder.
Vielleicht, dass sie lange Beine, oder besonders wohlgeformte hat?

Wie lange ist das her? Drei Monate? Länger?

Sie scheint ja nicht die Hellste zu sein (obwohl irgendwo erwähnt wird, dass sie hätte studieren können). Sie weiß nicht, wie lange der Lockdown schon andauert, und wann sie ihren Holden kennengelernt hat.

Irgendwann war Gwyn verschwunden und Evan küsste sie.

Sie wurde mit dem Namen Gwyneth geboren? Ist Jane der Künstlername?

Sie schaut zur Decke, schaut ihn.

Da fehlt was.
... schaut ihn an

Sie nimmt extra viel Parfüm und wäscht sich sorgfältig, rubbelt, bis Bier, Weed und Evans Eigenparfüm nicht mehr in ihre Nase steigt.

... nicht mehr in die Nase steigen
Bezieht sich ja auf Bier, Wwed und Evans Eigenparfum

Dann besser zeichnen, malen, bis die Finger wund sind, von Tür zu Tür laufen und seine amerikanischen Mangas zeigen, bis sie jemand haben will.
Der Lack des Wagens glänzt schwarz. Er steht auf dem Parkdeck des Hotels, erste Ebene.

Da würde ich eine Leerzeile einfügen

Evan überlegt, wo er die Sonnenbrille hat, flucht, als er sie in seiner Vintage Lederaktentasche nicht findet, die er in New York einem Banker geklaut hat, der sie im Pub auf dem Stuhl zurückließ, als er zur Toilette ging.

Könnte man streichen.

Jane schweigt und nimmt sich vor, nicht nachzugeben, denkt an die borstigen Haare ihrer Großmutter, an die Zopffrisur. Ob sie jemals so schöne Haare haben würde?

Wieso denkt sie in dieser Situation an ihre Haare? Das passt irgendwie nicht.

Aus dem Ende werde ich auch nicht so recht schlau. Sie schafft es endlich, ihn zu verlassen, aber mitten in der Pampa. Sehr gefährlich.

Und er nimmt den Revolver mit. Will er sie erschießen? Oder sich selbst?

Ganz liebe Grüße und einen schönen Sonntag,
Silvita
 

CoK

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Hallo @Isegrims


Man nimmt sich von anderen was man bekommen kann.
Gefallen hat mir das offene Ende,( im Sinne, von sie haben sich nicht umgebracht) für mich ist es schön hoffen zu dürfen.

Ich habe deine Beziehungsgeschichte gelesen, war begeistert, wie gut sie geschrieben ist.

Lieber Gruß CoK
 
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Senior
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Moin!

Ich mag die Story. Ich mag, wie das erzählt ist, der Konflikt zwischen den Figuren, das Setting.

Drei Dinge:

1. Dialoge

„Das Geld geht uns aus“, sagt er.
Ich finde, an manchen Stellen wirkt das Gesagte deiner Figuren etwas nach Blaupause-Plan vom Autor. Wie würde die Figur das sagen? „Wir haben nur noch 20$“ oder so fände ich näher an der Figur dran; Das Geld geht uns aus ist mMn das, was der Autor kommunizieren möchte, aber es klingt wenig Figur darin


„Wir haben den Wagen gestohlen, schon vergessen?“
Auch hier: Das klingt nicht nach Figur, sondern nach der Kernaussage, die unter dem Gesagten liegen soll. Wie würde die Figur das in eigenen Worten sagen? Ist zumindest mein Gefühl, dass du an den Dialogen an ein paar Stellen noch schrauben & die Figur die Dinge in ihren eigenen Worten sagen kannst. So würde das glaube ich niemand sagen in einer echten Situation

2. Show dont tell
Die Gier übernimmt die Herrschaft und Jane will es auch. Nachdem sie sich auf das Bett gelegt haben, rauben sie sich den Verstand.
Ja, alter Schuh, das kennst du genauso gut wie ich. Aber an manchen Stellen hätte ich
mir gewünscht, du würdest mir zeigen, was passiert, und nicht nur tellen. Wie sieht das aus, wenn die Gier übernimmt? Wie fickt er sie? Wie reagiert sie darauf? Ist sie passiv, aktiv? Wie verhält sie sich, wenn sie ihm zeigen möchte, dass sie es auch will?

3. Klischee
Ich mag deine Figuren, don‘t get me wrong. Ich mag das White Trash-Ding an ihnen, die Kompromisslosigkeit, mit der du von ihnen erzählst und mit der du sie handeln lässt. Es passiert auch was in der Story, es geht voran, das gefällt mir sehr. Natürlich spielst du auch mit den bekannten Klischees, das Püppchen und der versoffene Cowboy, gestrandet in Hollywood, aus dem Mittleren Westen, beide versoffen, sie will Schauspielerin werden, er benutzt sie. Das ist auch völlig OK und macht mir Bock, aber ich hätte mir doch noch ein wenig mehr Anti-Klischee in der Zeichnung der Figuren wie auch dem Setting gewünscht. Ich denke, das sind nur einige feine Pinselstriche, die ich hier noch gerne hätte, mehr Eigenes an den Figuren, das gezeigt wird. Auch einen Strich mehr Eigenes im Setting; dass auf dem Highway Grand Canyon und LA steht, dass es Slot Machines, Cowboys & Trucks gibt, das kennt man alles und genau so stellt man sich die Ecke der USA vor. Was gibt‘s da für Kleinigkeiten, von denen man noch nicht so oft gehört hat? Sowas fehlt mir etwas im Text, sowohl in der Figurenzeichnung wie im Setting. Ist Meckern auf hohem Niveau, aber darum soll‘s ja gehen.

Grüße
zigga
 
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Zwei Vögel segeln dort, kreisen, suchen nach Beute.

Der Schlusssatz steht wohl symbolisch für dieses Pärchen halbkrimineller Herumtreiber: Gwyneth und Evan, denen wir vermeintlich von Las Vegas nach L.A. (ob die Duden-Redaktion als Aufsichtsbehörde nach dem ersten Punkt der amerikanischen Schreibweise folgt, weiß ich nicht. Aber ich bin mir sicher, dass Du der deutschen Grammatik folgst ...).

Zunächst war ich wegen der gestelzten wörtlichen Rede nahe bei @zigga, was sich legte, als ich die Bedeutungen der Namen fand (selbst wenn Du es nicht wusstest, was ein schöner Zufall wäre). Schon mit der Namenswahl können beide Pech haben. Denn - so vermute ich – es sind Namen aus dem walisisch-keltischen Umfeld der Artussagen/-legenden - Gwenhwyfar (die Gesegnete) und Eoghan, die walisische Form des hebräischen Johannes [„Gott ist gütig“] steckt eine gehörige Portion Ironie, der über den Umweg Frankreich zum Iwein des Hartmann von Aue gerinnt - der nun nicht Autos, sondern das Herz seiner Liebsten, leider bereits Vergebenen erobert.

Man weiß ja nie, was die Namensgeber – i. d. R., aber eben nicht immer, die Eltern, siehe hierselbst – oder allgemeiner Namenwählenden sich dabei gedacht haben – oder ob sie überhaupt sich Gedanken darüber machten. Aber wenn Gott es mit einem gut meint und seinen Segen gibt, da darf man aufs Glück hoffen, aber kaum bauen. Wie sagte mein Schwiegergroßvater aus Ürde doch immer so schön: „Unrecht gut gedeihet kaum!“

Flusenlese

Sie wünscht sich den Las Vegas Boulevard anders, sehnt sich nach dem Puls der Stadt, Glitzer und Glammer, Menschen, die in die Spielhallen eilen, …
„Glamour“

Jane überlegt sich, wie lange der Lockdown schon anhält.
Nicht unbedingt falsch und notwendig bei einem selbstreflexiven Vorfall – aber hier „überlegt“, denkt sie einfach, wie lang es schon dauert. Umgekehrt wird'n Schuh draus, wenn sie sich überlegt, wie lange es noch dauern könnte ...

Sie will nicht als Stripperin auftreten, in die Nebelwelt abgleiten, in das, was ihr Vater ein Paralleluniversum genannt hat, die Lippen gespitzt, als wolle er auf den Boden spucken, während er auf seinem Professorenlehntsuhl, an seinem Professorenschreibtisch saß und sie mit leeren Augen anschaute.
Besser Konj. II, selbst wenn das „als ob“ verkürzt wirkt; weiter unten
Hie
Am Horizont, über den Bergen, wölben sich ein paar Wolken, als wollten sie die Gipfel umarmen.
Gehts doch!

„He, was soll das, du Miststück.“ Er holt aus ...
Hört sich nach mehr als einer bloßen Aussage an … Oder?!

„L.A.: ist doch egal wohin.“
Besser vllt. doch „L. A.“ - selbst wenn‘s nicht ausdrücklich im Duden vermerkt ist. Du schreibst nach deutsche Grammatik …, gilt im Prinzip auch fürs den USD!

HIer
In LA gibt’s genug von allem. Frauen, Amazonen und Puppen jeglichen Alters.
werden gar die Punkte vergessen

Wenn er in den Rückspiegel schaut, sieht er die Lichter, der Stadt, pochend, als zeigten sie Leben an.
Warum das Komma?

Er erinnert sich an seinen Vaters, der alle Gesichtsmuskeln bewegte, wenn er die Werke Evans begutachtete, …
Da hat die Genitivkonstruktion „erinnerte sich seines Vaters“ gegenüber der gewöhnlichen „an-den“-Variante verloren und sich gerächt, indem sie Spuren hinterlässt ...

Jedenfalls bis jetzt. Trotzdem: sie stellt Ansprüche.
Besser „sie“ mit Majuskel, eben wegen der sich einbürgernden Regel mit dem vollständigen Satz hinterm Doppelpunkt – oder umstellen „Trotzdem: Ansprüche stellt sie.“

Sie fragt sich, wo sie sich befinden und nimmt ihr Smartphone in die Hand.
Glaub ich nicht (oder sie will „gewählt“ klingen – aber im stummen Selbstgespräch? Sie fragt sich eher bescheidener, wo sie sind.


„Hab ich nicht bemerkt,“
„Hab ich nicht bemerkt, hab ich nicht bemerkt.“

¿… bemerkt,“ / „Hab …?
nach KOmma "hab", sonst "bemerkt + Punkt!

Wenn Evan zeichnete[,] war er so versunken, so fern von allem.

Keine Garantie auf Fehlerfreiheit, aber doch so ziemlich ...

meint der

Friedel
 
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Hallo @Steppenläufer

freut mich, dass du dir die Zeit genommen hast, den Text zu kommentieren, sind wertvolle Anmerkungen. vielen Dank!

ich habe deine Gesichte sehr gerne gelesen. Natürlich kennt man solche Storys schon, die Suche nach dem großen Glück, nach Ruhm in amerikanischen Großstädten. Und die wenigsten finden, was sie suchen.
Great Expectations, die das Lauf der Dinge, der Zufall(oder Corona oder die eigene Unzulänglichkeit) nach und nach zu Staub werden lässt. vielleicht sogar zu Wüstenstaub.
Vor allem Evan ist schon scheiße. Quasi ein Zuhälter und echt ein Trottel. Fährt in die falsche Richtung, vergisst zu tanken; vielleicht ist das ein bisschen zu viel Blödheit.
vielleicht müsste ich etwas länger auf dem Dauerrausch bleiben, der den beiden und vor allem Evan die Sinne benebelt, denke ich drüber nach, ob ich da noch was nachbessere.

Das finde ich gut an der Geschichte, diese Suche nach dem Selbst. Wo will man eigentlich hin, was will man werden?
ja, darum geht es letztlich, die Träume, für die New York oder auch Las Vegas stehen.

Und sie haben Angst. Vor dem Altern, vorm dem Alleinsein. Das hast du echt gut dargestellt.
gut, dass das rüberkommt

Ich hätte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass sich ihre Wege am Ende trennen.
Wer weiß, wo Evan hinläuft, vielleicht ihr hinterher, vielleicht zu den Bergen?
Bumsen und sich anschreien; ich hatte den Eindruck, das sind die einzigen Augenblicke, in denen die beiden leben und nicht nur träumen.
zumindest spüren sie sich da

Zurzeit arbeite ich tatsächlich an einer Kurzgeschichte mit ähnlicher Erzählstruktur,
viel Erfolg: ich habe gute Erfahrungen mit Perspektivwechseln gemacht, verwirrt den Leser anfangs manchmal, gibt aber die Möglichkeit unterschiedliche Sichtweisen, Gefühle, zu zeigen.
Dass du den Corona-Lockdown erwähnt hast, ich weiß nicht, das erscheint mir unnötig. Die Geschichte funktioniert doch ohne auch bestens und der Lockdown hat keinen Einfluss auf die Handlung.
finde ich nicht: durch die Seuche und ihre Folgen entsteht ein Druck zu Veränderung.
Das ging mir dann ein bisschen zu schnell auf 180. Das kommt so aus heiterem Himmel, schreien sich da an, nur weil einer sagt, dass die Kohle knapp wird.
ja, siehe oben; vielleicht muss ich da etwas nacharbeiten, zeigen, wie sehr sie in ihrer Parallelwelt leben, wie viel Adrenalin im Spiel ist.

Im dritten Viertel würde ich ein bisschen was rausnehmen,
muss sich erst mal setzen; vielleicht streiche ich noch das eine oder andere, jetzt ist der Text noch zu frisch.

Deine Road-Trip-Story habe ich sehr gerne gelesen und ich werde sicherlich noch das ein oder andere Mal bei deinen Texten vorbeischauen.
freut mich ;)

liebe Grüße aus dem Pre-Lockdown
Isegrims

Hallo @Silvita

vielen Dank für deinen Kommentar. Die eine oder andere Stelle habe ich geändert, Sehr hilfreich, was du schreibst.

Sie ist gut geschrieben, ich bin bei den Protagonisten und Du ziehst mich in die Locations mit hinein. Die Geschichte wirkt bedrückend. Sympathie für die Protagonisten kann ich nicht entwickeln, aber das ist wahrscheinlich beabsichtigt, oder?
Sympathie? Na ja, die beiden mögen zwar nicht sehr sympathisch sein, können einem leidtun, aber vor allem sollten sie echt sein.

Naja, Beine hat ja jeder.
Vielleicht, dass sie lange Beine, oder besonders wohlgeformte hat?
klar hat jeder Beine, aber nicht jede erntet Blicke aufgrund der Beine.
Sie wurde mit dem Namen Gwyneth geboren? Ist Jane der Künstlername?
ich muss da was ändern: ihre Freundin (vorn der allerdings nur einmal die Rede ist, heißt Gwyneth, aber das mit dem Künstlernamen wäre auch eine Variante.

Wieso denkt sie in dieser Situation an ihre Haare? Das passt irgendwie nicht.
das sollte was Sprunghaftes in ihren Gedanken sein, das Bild der Großmutter auftauchen und deren Haare.

Aus dem Ende werde ich auch nicht so recht schlau. Sie schafft es endlich, ihn zu verlassen, aber mitten in der Pampa. Sehr gefährlich.
aber was bleibt ihr übrig?

Und er nimmt den Revolver mit. Will er sie erschießen? Oder sich selbst?
gibt viele Möglichkeiten, das stimmt :D

liebe Grüße und einen perfekten Start in die Woche
Isegrims

geht weiter...
 
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Hallo lieber @Isegrims

vielen Dank für deinen Kommentar. Die eine oder andere Stelle habe ich geändert, Sehr hilfreich, was du schreibst.

Gern geschehen.
Schön :thumbsup: Das freut mich

Sympathie? Na ja, die beiden mögen zwar nicht sehr sympathisch sein, können einem leidtun, aber vor allem sollten sie echt sein.

Echt kommen sie bei mir auf jeden Fall rüber :) Leid tun sie mir allerdings nicht

klar hat jeder Beine, aber nicht jede erntet Blicke aufgrund der Beine.

Schon klar. Hat sich nur einfach seltsam gelesen.

ich muss da was ändern: ihre Freundin (vorn der allerdings nur einmal die Rede ist, heißt Gwyneth, aber das mit dem Künstlernamen wäre auch eine Variante.

Ah ok. Das mit der Freundin ist bei mir gar nicht angekommen.

das sollte was Sprunghaftes in ihren Gedanken sein, das Bild der Großmutter auftauchen und deren Haare.

Ok

aber was bleibt ihr übrig?

Sie könnte ja auch warten, bis er das Benzin geholt hat und sich später absetzen :)

gibt viele Möglichkeiten, das stimmt

Auf jeden Fall :)

Vielen Dank.

Auch Dir einen perfekten Wochenstart.

Ganz liebe Grüße,
Silvita
 
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Hallo @CoK

ich danke dir für die Einschätzung: immer gut zu wissen, dass ein Text funktioniert.

Gefallen hat mir das offene Ende,( im Sinne, von sie haben sich nicht umgebracht) für mich ist es schön hoffen zu dürfen.
Ich wollte so etwas wie einen ungewissen Ausblick ermöglichen. Die beiden fliehen ja auch aus Las Vegas, weil sie insgeheim wissen, dass sie ihre Träume auf andere Art und Weise leben müssen. Was daraus wird, wissen wir nicht, aber Hoffnung bleibt.
Ich habe deine Beziehungsgeschichte gelesen, war begeistert, wie gut sie geschrieben ist.
oh, dankeschön :Pfeif:
Man nimmt sich von anderen was man bekommen kann.
deshalb sind wir alle hier!

Liebe Grüße aus dem Herbstmorgen, der ganz schön kalt ist.
Isegrims

geht bald weiter: jetzt warten real life und ein Zahnarztbesuch.
 
Wortkrieger-Team
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Hallo @zigga

freut mich sehr, dass du mir deine Gedanken zu dem Text dalässt, ist wertvoll, weil du ein paar Punkte ansprichst, an denen ich arbeiten kann, die ich mir beim Schreiben aber auch gut überlegt habe.
Ich mag die Story. Ich mag, wie das erzählt ist, der Konflikt zwischen den Figuren, das Setting.
das ist gut

„Wir haben nur noch 20$“ oder so fände ich näher an der Figur dran; Das Geld geht uns aus ist mMn das, was der Autor kommunizieren möchte, aber es klingt wenig Figur darin
Auch hier: Das klingt nicht nach Figur, sondern nach der Kernaussage, die unter dem Gesagten liegen soll. Wie würde die Figur das in eigenen Worten sagen? Ist zumindest mein Gefühl, dass du an den Dialogen an ein paar Stellen noch schrauben & die Figur die Dinge in ihren eigenen Worten sagen kannst.
den ersten Einwand und das Zitat, da habe ich nicht gleich verstanden, was du meinst, weil Figuren, die durchaus als Klischee angelegt sind, genau diese Art von glattem Filmdialog benutzen: coolness, tarantinomäßig. Das zweite Beispiel verdeutlicht diese Haltung eher noch. Zumindest wollte ich dieses locker, coole rüberbringen. Die wissen, dass sie ein Leben führen, das sie zum Klischee macht, auch deshalb suchen sie nach einem Weg, der sie zu sich selbst führt. Das Individuelle findet sich mehr in den inneren Dialogen der beiden, nach außen braucht es mMn glatte Sätze.

Ja, alter Schuh, das kennst du genauso gut wie ich. Aber an manchen Stellen hätte ich
mir gewünscht, du würdest mir zeigen, was passiert, und nicht nur tellen. Wie sieht das aus, wenn die Gier übernimmt? Wie fickt er sie? Wie reagiert sie darauf? Ist sie passiv, aktiv? Wie verhält sie sich, wenn sie ihm zeigen möchte, dass sie es auch will?
tatsächlich habe ich erst kurz vorm Einstellen das Saftige gestrichen, weil ich befürchtet habe, dass die Geschichte dann eine falsche Balance erhält, gerade im ersten Drittel, wenn der Leser mitgehen soll, da wollte ich kein Porno servieren.
Hier aber die Passage, wie sie zuvor gestaltet war:

Er wirft die Sneaker in die Ecke, will die Jeans aufknöpfen, kann sich aber gerade noch zusammenreißen. Jane hat Brüste wie aus einem Modelllabor eines Schönheitschirurgen, so rund, so fest. Er streift die Träger ihres Kleides ab, wiegt die Brüste, spielt mit ihnen. Sie seufzt, als er ihren Hals küsst, stöhnt und kommt, als er die Finger in ihre glitschige Pussy gleiten lässt. Sie steckt ihm die Zunge tief in den Mund, während sie mit der Hand zwischen seinen Beinen spielt und Hose aufknöpft. Sein Schwanz übernimmt endgültig die Herrschaft, lässt kein Denken mehr zu. Er zögert nicht lange, als sie herabsinkt, die Beine zur Decke streckt. Er stößt zu, fest, fester, bis sie ein weiteres Mal aufseufzt, zittert und zuckt. Er kann sich überhaupt nicht erinnern, dass es mit irgendeiner Frau besser war. Schnell und heftig, so muss es sein, das liebt er, das braucht er. Evan will’s jetzt wissen und fickt sie entschlossen, bis er es nicht mehr halten kann. Bevor es so weit ist, klatscht er auf ihren Hintern, betrachtet die Abdrücke, die entstehen, wie Schlangen aussehen. Er lässt sich von ihren Lauten anfeuern, hört dem Stöhnen und Japsen zu, befindet sich in einer anderen Welt, in der er nichts gibt, außer der Gier und der seidenen Vebindung zwischen ihnen. Als er es nicht mehr halten kann, hört er auf zu schweigen, gibt einen Laut von sich, der tief aus seinem Bauch stammt, den er nur für solche Momente aufgehoben hat, der wie das Knurren und Röhren eines Fantasietiers klingt. Yeah! Evan bleibt eine Weile auf ihr liegen. Schweiß und Schweiß vermischen sich. Sie riechen nach einander. Als sie sich lösen, schmiegt sie sich an ihn. Er liegt auf dem Rücken und legt den Arm um sie. Sie trinken Bier, rauchen Weed, öffnen das Fenster. Von den Bergen weht ein heißer Wind herüber.

Findest du das besser, näher erzählt?

Ich mag deine Figuren, don‘t get me wrong. Ich mag das White Trash-Ding an ihnen, die Kompromisslosigkeit, mit der du von ihnen erzählst und mit der du sie handeln lässt. Es passiert auch was in der Story, es geht voran, das gefällt mir sehr. Natürlich spielst du auch mit den bekannten Klischees, das Püppchen und der versoffene Cowboy, gestrandet in Hollywood, aus dem Mittleren Westen, beide versoffen, sie will Schauspielerin werden, er benutzt sie. Das ist auch völlig OK und macht mir Bock, aber ich hätte mir doch noch ein wenig mehr Anti-Klischee in der Zeichnung der Figuren wie auch dem Setting gewünscht.
Ich denke, das sind nur einige feine Pinselstriche, die ich hier noch gerne hätte, mehr Eigenes an den Figuren, das gezeigt wird. Auch einen Strich mehr Eigenes im Setting; dass auf dem Highway Grand Canyon und LA steht, dass es Slot Machines, Cowboys & Trucks gibt, das kennt man alles und genau so stellt man sich die Ecke der USA vor. Was gibt‘s da für Kleinigkeiten, von denen man noch nicht so oft gehört hat?
Die Figuren durchlaufen eine Entwicklung indem sie Vegas verlassen und damit auch das Klischeehafte. Und das Setting: der Trump-Tower ist Klischee an sich. Tja und zu den Besonderheiten: ohne Slotmachines, die bis zum Abflugterminal stehen, dem Glammer und dergleichen, habe ich schon ein paar Punkte genannt, die nicht jeder kennt: überall, wirklich überall riecht es nach Weed und in die Wüste ist ein Meer aus Plastikabfall. Aber klar, da geht noch was und ich nehme den Hinweis für eine weitere Überarbeitung.
Ach je, im Februar war ich am Grand Canyon und Vegas, gar nicht dran zu denken, wann man wieder unbesorgt in die USA fliegen kann.Whatever happens stays in Vegas :D
Ist Meckern auf hohem Niveau, aber darum soll‘s ja gehen.
vielen Dank, @zigga, guter, konstruktiver Kommentar

Take care and don't get the wrong way out
Isegrims
 

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