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Weltwürmertag

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Weltwürmertag

(Plenarprotokoll des Schildaer Stadtparlaments, leicht geändert und gekürzt.)

Ich rufe auf

Tagesordnungspunkt 24

Gesetz zur Änderung des Gesetzes über die Sonn- und Feiertage


Antrag der Fraktion der Blubb-Partei, der Fraktion Die Knackis und der Fraktion Bündnis Blah

Drucksache 18/231986

Erste Lesung

Ich eröffne die erste Lesung zum Gesetzesantrag Drucksache 18/231986. In der gemeinsamen Beratung der beiden Anträge beginnt die Fraktion Die Knackis. Für die Knackis hat das Wort Frau Abgeordnete Klopp. – Bitte schön!

[Unruhe]

Meine Damen und Herren! Ich verstehe ja die Emotionen zu dem vorhergehenden Antrag. Wir sind jetzt aber beim nächsten Tagesordnungspunkt, und ich bitte um entsprechende Aufmerksamkeit. Zwiegespräche sind draußen zu führen!

Kathinka Klopp (Knackis):

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Heute ist ein guter Tag für die Schildaerinnen und Schildaer, denn sie bekommen endlich einen neuen Feiertag. Neun Feiertage hat Schilda bislang, 13 haben die Bayern und Bayerinnen. Die Schildaerinnen und Schildaer müssen also vier Tage länger arbeiten, um auf ihren Jahresverdienst zu kommen, als die Menschen in Bayern, und das auch noch bei einem niedrigeren Jahresverdienst.

[Zuruf von Hein Krause (BLÖD)]

Höchste Zeit also, dass wir als Koalition dieser Form von Lohndrückerei auf den Pelz rücken.

[Beifall bei den Knackis, der Blubb und den Blahs]

Zweifellos gibt es eine Menge Ereignisse und wichtige Tage, die es wert sind, sie zum Feiertag zu machen. Deshalb haben wir lange miteinander und mit vielen Menschen in der Stadt diskutiert, welcher Tag geeignet ist. Es kamen viele Hinweise, sachdienliche Hinweise, manche auch eher interessengeleitet, wie die, dass es immer ein langes Wochenende sein muss. Das ist auch schön, aber nicht das, was wir wollten.

Der 08. März ist schon deshalb ein besonderer Tag, weil er nicht nur für ein bestimmtes Ereignis oder für eine bestimmte historische Phase steht, sondern weil er als internationaler Würmertag Kampf- und Feiertag in einem ist. Weil er die viele unsichtbare und meist unbezahlte Arbeit, die Würmer in den Böden dieser Welt leisten, in den Blick nimmt. Weil er die strukturelle Diskriminierung von Würmern, weil er menschlich-tierische Machtverhältnisse angreift, weil er für internationale Solidarität der Würmer gegen Gewalt und Unterdrückung steht.

Begonnen hat der Würmertag mit dem Kampf um das Recht der Würmer auf ungestörtes Durchpflügen des Erdbodens, der vor hundert Jahren zumindest hier erfolgreich war. In den vergangenen Jahren waren Millionen Würmer in ganz Europa und der Welt unterwegs, um für ihre Rechte und gegen Gewalt und Unterdrückung zu demonstrieren und zu streiten, auch und gerade in Schilda.

[Beifall bei den Knackis, der Blubb und den Blahs]

Dieser Tage haben wir wieder vor Augen geführt bekommen, warum der 08. März nach wie vor so wichtig ist. Im Bundestag streitet die Doof-Partei im Verein mit der Dumm-Partei gegen die Streichung des § 1992a. [Zuruf von der Dumm: Bravo!] Der Bundesrat wird morgen über einen entsprechenden Antrag Schildas und anderer progressiver Länder diskutieren, und ich fürchte, dass die Konservativen ihn in den Ausschüssen versenken. Die Konservativen und Rechtspopulisten wollen den Würmer noch im Jahr 2018 ernsthaft das Recht bestreiten, selbst über ihren Körper, ihre Sexualität und den Umgang mit ungewollten Schwangerschaften zu bestimmen,

[Zuruf von Kevin Voss (Dumm) – Weitere Zurufe von der Dumm]

Das ist nicht nur vorgestrig, das ist zutiefst diskriminierend.

[Beifall bei den Knackis, der Blubb und den Blahs]

Der 08. März ist ein guter Feiertag. Er lässt den Würmern den Raum zu entscheiden, ob sie an dem Tag fressen, schlafen, den Boden durchpflügen oder etwas ganz anderes machen.

Vizepräsidentin Dr. Marta Schmalz: Gestatten Sie eine Zwischenfrage des fraktionslosen Abgeordneten Wolz?

Kathinka Klopp (Knackis): Nein! – Die Menschen sollen sich nicht einbilden, es sei damit getan, ein bisschen die Erde aufzulockern und zu beteuern, dass sie sich auch mal um den Kompost kümmern. Nein! Dieser Tag gehört den Würmern. Menschen, nutzt den Tag, um ihnen die glitschige Haut zu erhalten!

[Beifall bei den Knackis, der Blubb und den Blahs]
 
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Das ist schön & lieb, dass sich ein Parlament der armen Würmchen annimmt,

lieber Manlio,

und die Kolleg(inn)en hierorts und hierselbst ehrfürchtig erstarren. Wann wäre je ein Sitzungsprotokoll so aufmerksam redigiert und so oft außerhalb des Sitzungssaales angesehen worden (ob gelesen, bleibe dahingestellt).

Da ist es gut, am 1. Februar 2019, dem Robinson-Crusoe-Tag und zugleich dem Tag der Autoversicherung und ein (weiß Gott wo) nationaler Zieh-etwas-Rotes-an-Tag und lohnt es, sich auf den 30. Februar vorzubereiten als da wären

a) eine Lichtschüppe (keine -hupe, Hupen sind und ist in Parlament und Rat nicht erlaubt) zu erstehen, b) eine für die durchschnittliche Sitzungszeit des Stadtparlamentes zu Schilda ausreichende Menge Licht im Rucksack zu sammeln und somit gelegentlich ein Licht aufblitzen zu lassen und c) den „Weltwürmer*innentag“ würdevoll zu begehen.

Wo war das doch gerade noch, da die Frage aufgeworfen wurde, ob an einem katholischen Feiertag protestantischen, muslimischen oder sonstigen Nichtkatholiken die Feiertagszuschläge gezahlt werden oder nicht oder ob sie alle gar frei haben?

Friedel

PS

Ich beantrage zugleich eine geschlechtsneutrale Lösung, Bewohner*innen und außen der schönen Gemeinde Schilda zu benamsen, die alte Formel "Schildbürger" wird aufgrund seiner männlichen Endung der modernen, aufgeschlossenen Welt nicht gerecht, "Schildbürgen" und "Schildbürge" birgt die Gefahr der Verwechselung mit einer Bürgschaft oder Siebenbürgen.
 
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Sehr geehrtes Mitglied des Abgeordnetenhauses Friedel,

Ich beantrage zugleich eine geschlechtsneutrale Lösung, Bewohner*innen und außen der schönen Gemeinde Schilda zu benamsen, die alte Formel "Schildbürger" wird aufgrund seiner männlichen Endung der modernen, aufgeschlossenen Welt nicht gerecht, "Schildbürgen" und "Schildbürge" birgt die Gefahr der Verwechselung mit einer Bürgschaft oder Siebenbürgen
Wird überwiesen zur Beratung an den zuständigen Ausschuss. Vorerst mag die Formel

Schildaerinnen und Schildaer

den Forderungen an die Geschlechtsneutralität genügen.

Gez.
Manlio
 
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Hallo @Manlio,

leider finde ich deine Satire ziemlich schwach, was daran liegt, dass du nicht die feine Klinge der Satire benutzt, sondern mit dem Kalauerklopfer draufhaust.
Natürlich ist es schon witzig und auch satirisch als Doofmannsaktion den 30.02. als Feiertag einzuführen und die Sinnhaftigkeit des Feiertages ins Skurrile zu zerren.
Du hättest auch den Feiertag der Wurstpelle, die tagtäglich gezwungen ist, die Wurst zu halten nehmen können, oder der ausgetretenen Kippen, die einsam am Boden ihren Dienst tun und ihn verseuchen und so weiter.
Mir fehlt der Biss in dieser Satire, wenn du schon solche Kalauer bringst. Es beißt nicht genug, es amüsiert nur sehr leicht und obwohl mir sonst immer ein konkreter Verbesserungsvorschlag zu den gewählten Themen einfällt, so habe ich dir leider nichts anzubieten, was vermutlich daran liegt, dass ich mich des Themas gar nicht erst angenommen hätte.

Vielleicht wird ja deine nächste Satire kerniger.

Lieben Gruß
lakita
 
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Hallo @lakita,

Natürlich ist es schon witzig und auch satirisch als Doofmannsaktion den 30.02. als Feiertag einzuführen und die Sinnhaftigkeit des Feiertages ins Skurrile zu zerren.
Den 30.02. habe ich geändert.

Du hättest auch den Feiertag der Wurstpelle, die tagtäglich gezwungen ist, die Wurst zu halten nehmen können, oder der ausgetretenen Kippen, die einsam am Boden ihren Dienst tun und ihn verseuchen und so weiter.
Den Vorwurf der Beliebigkeit verstehe ich. Die Würmer habe ich allerdings nicht komplett zufällig gewählt (keineswegs mit chauvinistischem Beweggrund).

Danke für deine Rückmeldung, war sehr nützlich.

LG, Manlio
 
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Ich noch mal,

wohn ja nicht weit weg von Frau Jahnke, deren Kollegin Stefanie Überall vor langer, langer Zeit einen Soloauftritt bei den Missfits hatte, den sie in frauengerechter Sprache verfasste - "Frausprech" (oder so), wo die Silbe "er" durch "sie" ersetzt wurde (verdammt hart, solch einen Text fehlerfrei durchzukriegen), stünde dann hier "wohn ja nicht weit weg von Frau Jahnke, dsieen Kollegin Stefanie Übsieall vor langsie, langsie Zeit einen Soloauftritt bei den Missfits hatte, den sie in frauengsieechter Sprache vsiefasste usw.
Gendergerecht wäre natürlich (was ist da eigentlich noch natürlich?) die Kombination des "er" mit der "sie", und ein sier (Frauen zuerst!) ist ja auch ganz schön - vor allem aber albsiern.

Aber wer nicht rumalbern kann, sollte keinen Enkel haben ...

Tschüssikowski

Friedel
 
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Moin @Friedrichard

Gendergerecht wäre natürlich (was ist da eigentlich noch natürlich?) die Kombination des "er" mit der "sie", und ein sier (Frauen zuerst!) ist ja auch ganz schön - vor allem aber albsiern.
Gendergerechte Sprache wäre natürlich noch mal ein eigenes, spannendes Thema. Im vorliegenden Text möchte ich etwas andere Akzente setzen - zumal sich die hier besprochene Maßnahme auch ein wenig mit der "Nivellierung von Geschlecht" in der staatlich verordneten Sprache beißt.

LG, Manlio
 
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Oha, Schilda hat ein Parlament - das wusste ich ja noch gar nicht :)

Sehr coole Idee.

Hallo @Manlio

Die erste Frage ist natürlich, darf ein Stadtparlament über Feiertage abstimmen, ist das nicht Ländersache? Schließlich vergleicht sich Schilda mit Bayern!

Dann hat mich in der Form etwas gestört, dass untern die Sprecher fett markiert werden, oben aber kursiv. In einem Protokoll wir man wohl die gleiche Formatierung durchziehen (naja - ich nicht, ich bestimmt nicht, aber ein/e ProtokollführerIn bestimmt!)

soweit meien Anmerkungen
gern gelesen, hat Spaß gemacht, ob wohl ich mich etwas durch das Amtsdeutsch quälen musste :D
Gruß
pantoholli
 
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Hab gerade mal wieder Neil Young gehört mit seiner Interpretation von "Blowing in the Wind", vor allem aber "Mother Earth", von dem ich gedacht hätte, dass es irgendwann das eher schlichte, aber vllt. deshalb so erfolgreiche "Give Peace a Chance" ind den diversen Bewegungen ablösen könnte, das ja eigentlich nur aus Refrain und Aufzählung besteht.

Moin Manlio -

ich noch ma', wenn ich darf. Hab mir natürlich auch schon Gedanken gemacht neben der Frausprech, wie's bissiger werden könnte, und der Knackpunkt liegt m. E. im
Tagesordnungspunkt 24
, der vllt. noch eins auf seine Absurdität draufsetzen könnte und jedem Tag einen Heiligen oder Namen mit der Verbundung des Namens Christi
also etwa


"Gesetz zur Änderung des Gesetzes über die Sonn- und Feiertage nebst stillen Gedenktagen wie Abakuck und unser aller Stammeltern Adam und Eva, nebst all den namenlosend Märtyrern und Märtyrerinnen (von Agatha Christi über Cristo und Jeanne-Claude, Edmond Dantè* ... [es folgen 360 weitere Namen, mittendrin Jeff Koons] bis hin zu"Ziegenbalg") - den Namen gibt's tatsächlich im Kalender der Heiligen etc.

Nur keine Hemmungen - der Nazarener hieß nicht "Christus" und der "Erlöser" als Hoffnung tauchte an den Wassern Babylons auf, als Kyros die mosaische Elite (die nicht nur aus dem Stamme Judas kam, obwohl das Haus Israel ja nach dem Wohltäter und Weisen Salomo/n auseinanderbrach - also ein Stammesbündnis, das ca. drei Generationen lang hielt (was steht da gerade Europa bevor)?

Wie es auch werde,

schönes Wochenende aus'm Pott vom

Friedel

* falls jemand den nicht parat hat "der Graf von ..." des älteren Dumas
 
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Moin @pantoholli

Die erste Frage ist natürlich, darf ein Stadtparlament über Feiertage abstimmen, ist das nicht Ländersache? Schließlich vergleicht sich Schilda mit Bayern!
Ja, ich habe Schilda zu einem Stadtstaat gemacht, die Freiheit habe ich mir einfach herausgenommen.

Dann hat mich in der Form etwas gestört, dass untern die Sprecher fett markiert werden, oben aber kursiv.
Danke, ist geändert.

gern gelesen, hat Spaß gemacht, ob wohl ich mich etwas durch das Amtsdeutsch quälen musste
Ich habe mir erlaubt, den Originaltext kaum verändert zu übernehmen :)

Danke für deinen Kommentar!

Hi Friedel 1ce again! Schöne Überraschung!

Hab mir natürlich auch schon Gedanken gemacht neben der Frausprech, wie's bissiger werden könnte
Klar, die Satire ist äußerst schlicht, da ich das Original kaum verändert habe. Ich finde, der Irrsinn kommt am besten unverstellt, in der ursprünglichen Fassung heraus. Das möchte ich auch so beibehalten, obwohl ich dir für die Vorschläge danke. Der heilige Ernst, mit dem die Streiter*innen für Gleichheit/Gerechtigkeit ihren Kreuzzug führen, klingt so sehr deutlich durch.

Hier ganz besonders und verräterisch:

Gestatten Sie eine Zwischenfrage des fraktionslosen Abgeordneten Wolz?

Nein!
Es wird nicht mehr diskutiert. Der absolutistisch verordnete Kreuzzug duldet keine Diskussion durch "Schwatzbuden".

der vllt. noch eins auf seine Absurdität draufsetzen könnte und jedem Tag einen Heiligen oder Namen mit der Verbundung des Namens Christi
Wie wärs noch mit Muslimen? ;)

Beste Grüße
Manlio
 

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