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Wo ist der Rasenmäher?

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Wo ist der Rasenmäher?

Georg schloss die Augen. Der Duft des schwarzen Kaffees drang aus der Tasse in seine Nase. Schon jetzt spürte er die belebende Wirkung. Auch diesmal öffnete er die Lider nach dem ersten Schluck.
Sonnenlicht fiel in die Küche. Draußen spielte sich an diesem Donnerstag die übliche Routine ab. Die Menschen funktionierten wie Uhrwerke, sogar die kleinen Kinder, die von ihren Eltern zur Schule gebracht wurden. Sie wechselten ihre Anziehsachen, aber nicht ihr Verhalten.
Das gilt wohl auch für mich, dachte Georg. Auch nach fast zehn Jahren in Rente. Die Menschen draußen leben. Ich sitze hier und beobachte, von ihnen getrennt durch die Scheibe meines Küchenfensters. Er blickte zum Foto seiner Frau, er hatte es gegenüber auf den Platz gestellt, an dem sie bis vor zweieinhalb Jahren jeden Morgen mit ihm gefrühstückt hatte.
„Was meinst du, heute ein Abenteuer?“
Einige Wochen nach ihrem Schlaganfall hatte er angefangen diesen Satz wieder zu sagen, hinein in die Stille der Küche. Die Worte, die sie jeden Morgen mit einem Lächeln beantwortet hatte.

Er schloss die Haustür hinter sich und begann seinen morgendlichen Spaziergang durch die kleine Siedlung am Stadtrand. Immer nach dem ersten Kaffee, vor dem eigentlichen Frühstück. Sein Nachbar Fred stand in seinem Vorgarten und gab mit einer kleinen Gartenschere der Hecke einen Feinschnitt.
„Pünktlich wie immer“, rief er Georg zu.
„Klar, alles zu seiner Zeit. Was ist mit deinem Rasenmäher, wieder aufgetaucht?“
„Ne, jemand scheint ihn tatsächlich geklaut zu haben. Wie auch immer er das geschafft hat, das Teil is ja nicht gerade leicht.“
„Vielleicht so eine Bande, die nachts mit einem Lieferwagen durch die Gegend fährt und alles Mögliche einsammelt?“
„Wer weiß, aber hier am Stadtrand? Wenn nachts Fremde unterwegs sind, hätten die Hunde wohl ordentlich gebellt.“
„Stimmt, ziemlich seltsam. Aber du verdächtigst doch niemanden aus der Nachbarschaft?“
„Hab schon dran gedacht, aber is wohl unwahrscheinlich. Hat ja jeder einen, soweit ich weiß.“
„Glaub ich auch. Ich gehe mal weiter und halte die Augen offen. Welche Farbe hat er?“
„Hellblau, dürfte dir also auffallen, Inspektor Columbo“, sagte Fred und lachte. „Bring ihn lebend zurück.“
„Geht klar. Bis später.“

Er erreichte das Haus von Elenor Haber am Ende der Siedlung. Weiße Wände, terracottafarbene Dachziegel. Als Georg sich fragte, wann er sie das letzte Mal gesehen hatten, öffnete Elenor die Haustür.
„Kann ich dir helfen?“, fragte sie.
„Hallo Elenor, ich drehe nur meine morgendliche Runde.“
Sie blickten sich einige Sekunden an.
„Fred vermisst seinen Rasenmäher, hellblau ist er wohl“, fügte Georg hinzu.
„Und?“
„Dachte nur, du hättest ihn vielleicht gesehen. Ach, ist egal, ich geh mal zurück.“
„Wie wärs mit einem Kaffee?“, rief Elenor, als er sich schon umgedreht hatte. „Brötchen hab ich auch noch.“
Er wandte sich ihr wieder zu.
„Klar, warum nicht?“

Georg setzte sich an den Küchentisch. Elenor nahm Teller und Tasse aus einem Hochschrank und gab sie ihm, zusammen mit einem Messer aus der Besteckschublade.
„Bedien dich“, sagte sie und ging zur Kaffeemaschine, die Kanne war noch fast ein Drittel gefüllt. „Kaffee?“
„Danke.“ Er hielt ihr die Tasse hin.
„Noch immer schwarz?“
„Ja, ist dabei geblieben.“
Georg nahm ein Brötchen, genau wie Elenor, und schnitt es auf. Auf einem großen Teller befand sich Wurst und Käse, daneben eine kleine Schale mit Butter.
„Wie ist es dir ergangen nach … ihrem Tod?“, fragte Elenor. Bei den letzten beiden Worten wurde ihre Stimme leiser.
„Haben wir wirklich schon so lange nicht mehr miteinander gesprochen? Du warst bei der Beerdigung und …“ Georg bestrich das Brötchen mit Butter und blickte dann gedankenverloren aus dem Fenster.
„Ja, kaum zu glauben. Ich dachte immer, du meldest dich schon, wenn du reden möchtest.“
Er schüttelte leicht den Kopf, legte das Messer beiseite und nahm eine Scheibe Käse.
„Was soll ich sagen? Es hat gedauert, aber nun gehe ich zumindest ein wenig meinen Hobbys nach und versuche in Bewegung zu bleiben.“
„Kommt mir bekannt vor. Ich weigere mich weiterhin, ein Fernsehjunkie zu werden, aber irgendwann ist es vielleicht so weit.“
Sie aßen für einige Minuten schweigend, Elenor schenkte Kaffee nach.
„Und was war das nun mit dem Rasenmäher? Vielleicht hat Fred nur vergessen, wo er ihn abgestellt hat.“
Georg lächelte. „Wer weiß, aber du kennst ihn ja, alles hat bei ihm seinen Platz. Er vermisst ihn seit gestern, jemand wird ihn gestohlen haben.“
„Ach was, wer klaut denn hier?“
„Vielleicht gibt es auch eine andere Erklärung, aber ich dachte, ich halte bei meiner Runde einfach mal die Augen offen.“
„Bist du unter die Detektive gegangen?“ Jetzt lächelte auch sie. „Wenigstens passiert hier überhaupt mal etwas. Was dagegen, wenn ich mitkomme? Vielleicht lösen wir das Rätsel zusammen?“
„Falls es etwas zu lösen gibt, aber klar, komm mit. Ich wollte erst mal Richtung Wald und dann zurück nach Hause.“
„Ein guter Plan. Aber jetzt frühstücken wir mal zu Ende und stärken uns für die Tour.“

Nach einigen Metern Richtung Georgs Haus bogen sie nach links ab in die Straße, die zum Wald führte. In den meisten Häusern waren die Lichter aus. Sie guckten über die Hecken in die Vorgärten, nirgends war ein hellblauer Rasenmäher zu sehen.
Als sie das Ende der Straße fast erreicht hatten, lachte Elenor und hielt sich eine Hand vor den Mund.
„Wir sind die schlechtesten Detektive der Welt“, sagte sie, als sie sich wieder beruhigt hatte.
Georg hielt sich einen Finger an die Lippen. „Pssst. Sonst werden wir noch entdeckt und der Dieb versteckt seine Beute.“
Elenor versuchte ernst zu wirken und wollte etwas sagen, prustete dann aber noch lauter los als beim ersten Mal.
Er ließ theatralisch den Kopf auf die Brust sinken und hob kurz die Hände über den Kopf.
„Ich gebs auf. Vielleicht gehen wir etwas durch den Wald und überdenken unsere Strategie?“
Sie nickte nur und hielt sich diesmal beide Hände vors Gesicht.

Nicht weit vom Waldrand entfernt setzten sie sich auf eine Bank. Ruhe umgab sie, die Geräusche der Natur ein Teil davon.
„So gibt das nichts“, sagte Elenor und wischte sich die Freudentränen weg.
„Vielleicht haben wir ja Erfolg durch unsere unkonventionelle Methode.“
„Auffällig über Hecken glotzen?“
„Klar. Welcher Dieb rechnet damit?“
„Hör auf, sonst hab ich gleich den nächsten Lachanfall.“
Sie saßen einige Minuten schweigend.
„Was denkst du?“, fragte Elenor.
Er blickte hoch zu den Baumkronen. „Kaum zu glauben, dass sie schon so lange nicht mehr da ist. Was habe ich die letzten zweieinhalb Jahre gemacht?“
Elenor sah kurz zu ihm, sagte aber nichts.
„Jeden Morgen schaue ich aus dem Fenster, beobachte die Menschen, die ihr Leben leben. Mit all ihren Verpflichtungen. Dabei überlege ich oft, was ich noch anfangen könnte mit meinem Leben. Aber … mir fällt einfach nichts ein.“
„Glaub mal, nicht nur dir geht es so.“ Elenor streifte kurz mit ihren Fingern über seine.
Georg blickte sie an. „Ich habe ihr nie von uns erzählt.“
„Und das war gut so. Es war nur einmal, sie musste es nicht erfahren.“
„Sie hat gespürt, dass da was war, es aber nie hinterfragt.“
„Weil sie wusste, wie sehr du sie liebst. Dann ist vieles verzeihlich.“
„Kaum zu glauben, dass wir nun zum ersten Mal darüber sprechen. Wegen einem verschwundenen Rasenmäher.“
Sie sahen sich in die Augen, Elenor legte ihre Hand auf seine.
„Zum Glück hat es niemandem geschadet.“
Wieder schwiegen sie einige Minuten.
„Also, wo ist nun dieser Rasenmäher?“, fragte Elenor schließlich.
„Gehen wir es an?“
„Gehen wir es an!“

Sie näherten sich Freds Haus.
„Soviel zu unserer Detektivarbeit“, sagte Elenor und strich sich die braunen Haare zurück.
„Na ja, nicht ganz überraschend. Zumindest wissen wir nun, wo der Rasenmäher nicht ist.“
Elenor wollte etwas antworten, da ertönte vor ihnen ein lautes Brummen. Fred kam hinter dem einzigen Baum in seinem Garten hervor und schob den hellblauen Rasenmäher vor sich her. Als er Georg bemerkte, ließ er den Starthebel los, das Motorengeräusch verebbte.
„Ist das ein Scherz?“, rief Georg.
„Warum? Zu früh für die Gartenarbeit?“, antwortete Fred und wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn.
„Was? Nein, ich meine den da.“ Er zeigte auf den Mäher. „Wo war er?“
„Wo er die ganze Zeit is, im Schuppen hinterm Haus.“
Georg blickte zu Elenor, aber sie war nicht mehr da. Stattdessen eine ältere Frau in weißer Kleidung, die grauen Haare zu einem Pferdezopf gebunden.
„Wir sollten zurückgehen“, schlug sie vor, bevor er etwas sagen konnte.
„Nein, ich … was passiert hier?“
Fred und die Frau tauschten einen kurzen Blick, dann nickte sie ihm zu.
„Is doch schon viele Jahre her, seit mir jemand den Mäher geklaut hat. Weißte nicht mehr? Zum Glück hatt’ ich ein ähnliches Modell gefunden, nun schließ ich ihn immer weg.“
„Ich war doch eben erst hier. Wo ist Elenor?“ Georgs Stimme zitterte.
Die Frau mit den grauen Haaren legte ihm eine Hand an den Rücken. „Lassen Sie uns zurück gehen. Heute mal ein kürzerer Morgenspaziergang.“
„Nein, ich … Ich muss endlich mit ihr sprechen.“
Er ging die Straße hinunter zum Rand der Siedlung. Sie versuchte ihn an den Schultern zu halten, aber er streifte ihre Hände weg.
„Wir haben nie darüber gesprochen. Vielleicht kann ich mit ihr frühstücken“, murmelte Georg. „Meine Frau hat es nie erfahren. Ich muss mit Elenor sprechen.“
„Weiß er es nicht?“, flüsterte Fred.
"Ich hoffe jeden Tag, dass er irgendwann auch über sie nicht mehr nachdenkt. Irgendetwas scheint ihn noch immer sehr zu beschäftigen."
Fred blickte Georg nach, er war bereits einige Meter entfernt.
„Vielleicht ist damals etwas passiert, als er nach dem Rasenmäher gesucht hat.“
Die Frau zuckte mit den Schultern. „Wer weiß. Georg, warten Sie!“ Sie lief ihm hinterher.
Fred mähte weiter seinen Rasen.

 
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Hi Rob,

du haust ja ziemlich viele Texte raus ... Wünsche, ich hätte auch so eine Phase.

Routiniert geschrieben, leicht lesbar. Keine Haken und Ösen, worüber man stolpern könnte. Bis auf die eine Sache unten.

und strich sich die braunen Haare zurück.
Am Ende wird mir klar, warum du die Haarfarbe erwähnst.

Fred kam hinter dem einzigen Baum in seinem Garten hervor und schob den hellblauen Rasenmäher vor sich her. Als er Georg und Elenor bemerkte,
Hm ...
Das passt m.E. nicht so richtig. Warum sollte Fred Elenor sehen/erkennen? Das täuscht den Leser, finde ich.
Ich hätte geschrieben: "Als er die beiden bemerkte,"

Georg blickte zu Elenor, aber sie war nicht mehr da. Stattdessen eine ältere Frau in weißer Kleidung, die grauen Haare zu einem Pferdezopf gebunden.
„Wir sollten zurückgehen“, schlug sie vor, bevor er etwas sagen konnte.
„Nein, ich … was passiert hier?“
Hier die Wendung, die überraschend kommt. Diese Überraschung ist dir gelungen.

Ein schöner Text über Verlassen, Vergeben, Vergangen, Vergessen, verwirrt. ;-)

Schönen Tag und liebe Grüße,
GoMusic

 
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Hi @GoMusic ,

danke fürs Lesen und Kommentieren!

Fred kam hinter dem einzigen Baum in seinem Garten hervor und schob den hellblauen Rasenmäher vor sich her. Als er Georg und Elenor bemerkte,

Das passt m.E. nicht so richtig. Warum sollte Fred Elenor sehen/erkennen? Das täuscht den Leser, finde ich.
Ich hätte geschrieben: "Als er die beiden bemerkte,"

Stimmt, ich habe mal "und Elenor" entfernt. Es wird wahrscheinlich beim ersten Lesen nicht auffallen, aber so kann es ein erster Hinweis sein, dass es eher eine "gedankliche Reise" von Georg ist.

Hier die Wendung, die überraschend kommt. Diese Überraschung ist dir gelungen.
Ein schöner Text über Verlassen, Vergeben, Vergangen, Vergessen, verwirrt. ;-)
Danke!
Oder nach Wolfgang Petry: Verlieben, Verloren, Vergessen, Verzeihn ...

Danke für deine Eindrücke und viele Grüße,
Rob

 
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Hi @Rob F

Auch mich hast Du mit deinem Text abgeholt. Sehr stimmungsvoll, schön und ruhig. Ich konnte mit Georg durch die Straßen ziehen, konnte mit ihm den Tod seiner Frau erleben (verlassen fühlen), seine Liebschaft entdecken, ja und stolperte über die spät erwähnten braunen Haare von Elenor, ohne vorher den Kommentar von Gomusic gelesen zu haben. Ich würde sie nicht an dieser Stelle betonen, sie vielleicht vorher schon einführen, doch auf jeden Fall nicht auf ihnen herum reiten. Vielleicht eher eine junge Betreuerin erfinden, denn ich war verwirrt, hätte die grauhaarige nicht auch Elenor sein können, da sich ja Georg in der Zeit und in seinen Gedanken verliert?
Ich fragte mich also an dieser Stelle, ob Elenor nicht nur einfach älter war, als er sie bei ihrer Begegnung erfuhr. Mir wurde dadurch deine Wendung nur langsam klar.
Lag es an mir? Oder könntest Du an dieser Stelle noch etwas arbeiten?

Es ist die Stimmung, die Ruhe und der Alltag, die Du sehr gut darstellst.
Danke für dein teilen. Ich habe sie gerne gelesen.

Viele liebe Grüße

G.

 
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Hi @G. Husch ,

danke für dein Feedback!

Sehr stimmungsvoll, schön und ruhig. Ich konnte mit Georg durch die Straßen ziehen, konnte mit ihm den Tod seiner Frau erleben
Danke, es ist ja ein eher dialoglastiger Text, also umso mehr freut es mich, wenn beim Lesen die Stimmung (vor allem des Protagonisten) auch rüberkommt.

denn ich war verwirrt, hätte die grauhaarige nicht auch Elenor sein können, da sich ja Georg in der Zeit und in seinen Gedanken verliert?
Der Wechsel der Situation geschieht ja recht plötzlich durch den Satz:
"Georg blickte zu Elenor, aber sie war nicht mehr da. Stattdessen eine ältere Frau in weißer Kleidung, die grauen Haare zu einem Pferdezopf gebunden."
Durch diese kurze, aber aus meiner Sicht eindeutige Beschreibung dachte ich, ich erwähne zuvor auch Elenors Haarfarbe. Da muss ich noch mal schauen, im Moment würde aus meiner Sicht etwas fehlen, wenn ich das nicht mache, und es ist ja nur an einer Stelle.

Es ist die Stimmung, die Ruhe und der Alltag, die Du sehr gut darstellst.
Danke für dein teilen. Ich habe sie gerne gelesen.
Gern geschehen und ebenso danke fürs Lesen!

Viele Grüße,
Rob

 
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06.02.2021
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Stattdessen eine ältere Frau in weißer Kleidung, die grauen Haare zu einem Pferdezopf gebunden.
Noch einmal kurz. Ich sah in dieser Frau die gealterte, für Georg nicht wiederzuerkennende Elenor... denn er ist ja auch älter geworden und weiß das in diesem Augenblick plötzlich nicht mehr, sondern erwartet eben Elenor jung, so wie er sie verführend fand. So etwas kommt, so glaube ich, bei einem Demenzkranken vor. Und so sah ich dies eben in diesem Moment, denn ich hatte mich in Georg hinein gedacht, mit ihm umgedreht.
Natürlich ist der Hinweis auf den Krankenpflegerinnenkittel ein gelungener.
Eben nur ein Eindruck von mir, persönlich, soll also nicht Verwirrung stiften.

Einen schönen und gelungenen Abend wünscht Dir, @Rob F,

G.

 
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Sie wechselten ihre Anziehsachen, aber nicht ihr Verhalten.
Das gilt wohl auch für mich, dachte Georg.
...
„Is doch schon viele Jahre her, seit mir jemand den Mäher geklaut hat. Weißte nicht mehr? Zum Glück hat[t]’ ich ein ähnliches Modell gefunden, nun schließ ich ihn immer weg.“

Routine hat zwei (oder sogar mehr) Seiten und ist ja nicht grundlos von der „Route“, dem Weg abgeleitet. Sie erspart, jedes Mal neue „Wege“ versuchen zu müssen und ob unser Antiheld Georg ("der Bauer") auf dem Weg nach Als[ob]heim ist, ist eher zu bezweifeln, denn es gibt Dinge, die einem weniger wichtig sind als andere und die schiebt man eher vor sich her oder verdrängt sie einfach – wie ich derzeit die Steuererklärung, wohlwissend, dass ausgerechnet für die Rente(n) von 78 auf 80 % in diesem Jahr anwächst und sich nicht verhindern lässt,

lieber Rob.

und wenn man die Endlichkeit des eigenen Lebens auf den letzten Metern spürt, ist manches nicht mehr so wichtig wie vordem, wobei hinzukommen kann, dass man glaubt, Dinge erfinden zu müssen, um den Kontakt zur Außenwelt aufrecht zu behalten.

Flusenlese

Einige Wochen nach ihrem Schlaganfall hatte er angefangen, diesen Satz wieder zu sagen, …
Weg mit dem ersten Komma wegen komplexen Prädikats „anfangen zu ...“, zumeist gilt die Regel für Modalverben (die bekanntesten brauchen, dürfen, können, müssen, sollen)

Was hier auffällig ist, ist eine Vorliebe fürs Reflexivpronomen „sich“

Georg nahm sich ein Brötchen, genau wie Elenor, und schnitt es auf. Auf einem großen Teller befand sich Wurst und Käse, daneben eine kleine Schale mit Butter.

Er schüttelte leicht den Kopf, legte das Messer beiseite und nahm sich eine Scheibe Käse.

Warum?
Ein besonderer „Besitzzwang“?
Er nahm schlicht ein Brötchen oder eine Scheibe Käse. Erwähnenswert wäre es, wenn er vordem eine Scheibe was weiß ich an eine andere Person weiterreichte ...

Wobei „sich befinden“ gegenüber dem schlichten „sein“ gehobene Sprache vortäuscht, wenn Wurst schlicht auf einem Teller liegt oder noch bescheidener „ist“

Nach einigen Metern Richtung Georgs Haus bogen sie nach links ab, in die Straße, die zum Wald führte.
Erstes Komma weg!

Gern gelesen vom

Friedel,
der noch einen angenehmen Restsonntag wünscht!

 

Bas

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16.09.2018
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Hallo @Rob F,

zuerst mal die Rückmeldung, dass ich mich titeltechnisch kaum entscheiden konnte, welche deiner beiden aktuellen Geschichten ich lieber lesen will. Will sagen: Gute Titelwahl, hier und dort :thumbsup:

Jetzt bin ich also beim Rasenmäher gelandet und bin gespannt.

Der Duft des schwarzen Kaffees drang aus der Tasse vor ihm in seine Nase.

Kleinigkeit, aber ich bräuchte die Verortung "vor ihm" hier gar nicht, das wird auch so ersichtlich und ohne den Zusatz fände ich den Satz eleganter

Ein schöner erster Absatz. Also insbesondere der Teil mit dem Bild und dem Abenteuer-Satz, da wird direkt das Herz warm.

Sein Nachbar Fred stand in seinem Vorgarten und gab mit einer kleinen Gartenschere seiner Hecke einen Feinschnitt.

Sein-Overload - ließe sich bestimmt einfach bereinigen

Wie wär´s

Ich wage, zu behaupten, dass das nicht das korrekte Apostroph an der Stelle ist. Noch gewagter: Ich vermute sogar, dass es da gar kein Apostoph braucht. Kann mich aber natürlich irren.

Elenor nahm einen Teller und eine Tasse aus einem Hochschrank und gab sie ihm, zusammen mit einem Messer aus der Besteckschublade.

Ein-Overload - siehe oben

„Jeden Morgen schaue ich aus dem Fenster, beobachte die Menschen, die ihr Leben leben. Ihre Verpflichtungen und Ziele treiben sie an. Dabei überlege ich oft, was ich noch anfangen könnte mit meinem Leben. Aber … mir fällt einfach nichts ein.“

Den markierten Satz kaufe ich so nicht, der erscheint mir zu gewollt. Möglicherweise Geschmackssache, ich denke aber, du könntest gut auf ihn verzichten.

hat’ich

Nee, das beißt im Auge!

„Nein, er glaubt immer wieder, dass Frau Haber noch lebt. Ich hoffe jeden Tag, dass er es irgendwann vergisst, wie schon das Meiste aus seinem Leben. Was auch immer er mit ihr noch klären wollte.“

Ein Stück weit zu erklärend für meinen Geschmack, als wolltest du auf Nummer sicher gehen, dass der Leser weiß, was "es" ist. Wer dem Text aufmerksam gefolgt ist (und das sollte machbar sein, denn du hast hier einen sehr ruhigen, positiv-gemächlichen Text geschrieben), der braucht es hier nicht so deutlich.

Fred mähte weiter seinen Rasen.

Ein simpler letzter Satz, der viel aussagt - das Leben geht weiter.

Ich habe deine Geschichte gerne gelesen, Rob. Wie schon erwähnt, hast du einen sehr ruhigen Ton angeschlagen, stellenweise so alltäglich-ruhig, dass ich noch ein wenig Ausschmück-Potenzial zu erkennen glaube. Wenn die dort beim Frühstück sitzen oder der Georg durch seine kleine Welt trottet, da könnte ich mir noch ein bisschen mehr Innen- und Außensicht vorstellen, mehr Farbe. Gleichzeitig passt das, hm, wie kann man das nennen, das ... der sehr geradlinige Erzählton aber auch zu Georgs Zustand. Ich vermute, dass sich die Eindrücke irgendwann auch komprimieren. Keine Ahnung.

Hauptantriebspunkt der Geschichte ist natürlich der Rasenmäher, und das fand ich total interessant, du ziehst das ja nicht wie einen Krimi auf, Georg ist kein Columbo, und trotzdem will man wissen, was denn jetzt ist mit dem Rasenmäher - toll gemacht.

Das Ende ist sehr harmonisch, fügt sich gut in den Sound ein und erscheint mir sinnig, nicht wie ein erzwungener Plottwist. Fühlt sich sehr rund an, die ganze Geschichte. Das hast du wirklich drauf, soweit ich das beurteilen kann, runde Geschichten schreiben.

Aber: Ich hätte hier auch gegen mehr Kanten nichts einzuwenden gehabt. Mehr Ausbrüche aus dem "Runden". Bei Georgs Zustand bietet es sich ja quasi an, Lücken zu reißen, den Leser mal in einer Situation im Unklaren zu lassen, da könnte man sprachlich etwas wagen.

So oder so bin ich aber froh, die Geschichte gelesen zu haben, daher vielen Dank dafür!

Bas

 
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06.01.2021
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Hallo @Rob F,
im Ganzen betrachtet fand ich die Geschichte richtig gut. Sozusagen eine literarische Escher Treppe, die sich wunderbar logisch unlogisch schließt. Demenz/Alzheimer ist so teuflisch schwer zu haben, zu erleben und zu beschreiben.

Was mir gefehlt hat, war die Differenzierung zwischen älter und ganz alt. Darum bin ich beim ersten lesen hierrüber gestolpert:

„Was soll ich sagen? Es hat gedauert, aber nun gehe ich zumindest ein wenig meinen Hobbys nach und versuche in Bewegung zu bleiben.“

Ich weiß nicht, wieso, aber "Hobbys" stört mich irgendwie. Es sind ja ältere Semester, die da reden, die haben natürlich Hobbys, aber irgendwie nennen sie es häufig nicht so. Es sind Leidenschaften, Liebhabereien oder sie reden eher konkreter darüber, Chorgesang, Briefmarken, Münzen oder so was. Ist aber vielleicht mehr gefühlt so.

„Kommt mir bekannt vor. Ich weigere mich weiterhin, ein Fernsehjunkie zu werden, aber irgendwann ist es vielleicht so weit.“

Da ist es das Gleiche, nur mit Fernsehjunkie. Die Sätze wirken so kurz und prägnant, eindeutig und kurz. Blöd gesagt fühlen sich die Dialoge nicht alt an. Ich finde, sie müssten ein bisschen umständlicher sein.

Ich hatte von Anfang an alte Menschen, schon etwas tattrig, vor Augen. Darum ist mir der Abschluss etwas die Nase hochgefahren. Ist zwar zum Schluss klar geworden, was du meinst, aber ich hätte mir deutlichere Stufen gewünscht, um bei meiner Escher Treppen-Metapher zu bleiben.
Wenn das allerdings Absicht war, dann ist es dir gut gelungen. Sozusagen den Leser in ein Loch fallen lassen, damit er mitbekommt, wie es Georg geht.

Noch zwei, drei Kleinigkeiten:

„So gibt das nichts“

Das ist Dialekt, oder? Ich kenn das irgendwo her, würde aber selber, "So wird das nichts", sagen.

„Hör auf, sonst hab ich gleich den nächsten Lachanfall.“

Das find ich nicht gut. Das wirkt so gestellt. So "Say no more, say no more, nudge nudge"-mäßig.

Ruhe umgab sie, die Geräusche der Natur ein Teil davon.

Ah, das ist ein toller Satz! Zaubert für mich die perfekte Stimmung.

Liebe Grüße

The Dead Frog

 
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08.04.2021
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Hallo @Rob F , wie immer gut und spannend geschrieben. Die Wendung fand ich sehr gut. Hat ich so nicht kommen sehen. Angenehm zu lesen.
schönen Sonntag noch:)

 
Wortkrieger-Team
Monster-WG
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16.03.2015
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@Pepe86

Siehe Regeln:
“Widme anderen Texten dieselbe Aufmerksamkeit, die du dir für deine eigenen wünschst. Vermeide Einzeiler-Kommentare, in denen du nur anmerkst, dass du eine Geschichte gut oder schlecht findest, ohne näher auf die Gründe einzugehen, mit solchen simplen Aussagen ist niemandem geholfen.“

Bitte in Zukunft beachten.
Zukünftige ähnliche Kommentare werden direkt gelöscht.

Gruss, GoMusic

 

CoK

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24.08.2020
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Hallo @Rob F

Erinnerungen und Demenz bieten sich an, für stille Geschichten (so nenne ich sie).
Mir hat deine stille Geschichte gut gefallen. Die Handlung und deinen Protagonisten konnte ich gut verstehen.
Manchmal sind es die einfachen Titel, die neugierig machen und der Schluss, der war überraschend.


Kaffees drang aus der Tasse in seine Nase.
Für mich klingt das: Wie wenn der Kaffee gezwungen wird, in die Nase zu dringen. Irgendwie wie Krimi. ( ist sicher Geschmacksache)

Sie wechselten ihre Anziehsachen, aber nicht ihr Verhalten.
Hab ich mich gefragt warum du das schreibst?
. Als Georg sich fragte, wann er sie das letzte Mal gesehen hatte(n), öffnete Elenor die Haustür.

Kommt mir bekannt vor. Ich weigere mich weiterhin, ein Fernsehjunkie zu werden, aber irgendwann ist es vielleicht so weit.“
:)
Auffällig über Hecken glotzen?“
„Klar. Welcher Dieb rechnet damit?“
:lol:
Jeden Morgen schaue ich aus dem Fenster, beobachte die Menschen, die ihr Leben leben. Ihre Verpflichtungen und Ziele treiben sie an. Dabei überlege ich oft, was ich noch anfangen könnte mit meinem Leben. Aber … mir fällt einfach nichts ein.“
Da wird ein großes Problem unserer Gesellschaft angesprochen. Wir werden immer älter und das was älteren Menschen an Freizeitangeboten zu Verfügung steht ist zu wenig. Hier müsste viel mehr getan werden.
Sie hat gespürt, dass etwas nicht stimmt, es aber nie hinterfragt.“
Das etwas nicht stimmt, das klingt für mich auch so nach Krimi. Sie hat gespürt, dass da etwas war oder manchmal hatte ich das Gefühl sie ahnte es …
Was auch immer er mit ihr noch klären wollte.“
Diesen Satz bräuchte es für mich auch nicht.
Vielleicht ist damals etwas passiert, als er nach dem Rasenmäher gesucht hat.“
mMn dieser auch nicht.
Deine Vorliebe für ein und eine … sein und seine … ist mir auch aufgefallen wurde von Bas schon erwähnt.

Vielleicht kannst du ja mit meinem Kommentar etwas anfangen.

Wünsche dir einen schönen Sonntagabend
Liebe Grüße CoK

 
Mitglied
Beitritt
09.12.2019
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@Friedrichard

Hallo Friedel,

danke für deinen Kommentar!

Routine hat zwei (oder sogar mehr) Seiten und ist ja nicht grundlos von der „Route“, dem Weg abgeleitet. Sie erspart, jedes Mal neue „Wege“ versuchen zu müssen
Ja, auch als Vertreter der mittleren Altersgruppe habe ich gerne meine tägliche Routine und die wichtigsten regelmäßigen Erledigungen irgendwann auf feste Wochentage gelegt, solange nichts dazwischen kommt. Macht vieles einfacher, aber es sollte m.E. dann auch den Zweck haben, sich hierdurch Zeit für Ungeplantes und Spontanes zu verschaffen.

Einige Wochen nach ihrem Schlaganfall hatte er angefangen, diesen Satz wieder zu sagen, …

Weg mit dem ersten Komma wegen komplexen Prädikats „anfangen zu ...“, zumeist gilt die Regel für Modalverben (die bekanntesten brauchen, dürfen, können, müssen, sollen)

Habe es entfernt.

Was hier auffällig ist, ist eine Vorliebe fürs Reflexivpronomen „sich“
...

Warum?
Ein besonderer „Besitzzwang“?
Er nahm schlicht ein Brötchen oder eine Scheibe Käse. Erwähnenswert wäre es, wenn er vordem eine Scheibe was weiß ich an eine andere Person weiterreichte ...
Es hatte keinen besonderen Grund, es ist mir beim Schreiben einfach nicht aufgefallen, dass es nicht unbedingt notwendig ist. Habe also "sich" reduziert.

Nach einigen Metern Richtung Georgs Haus bogen sie nach links ab, in die Straße, die zum Wald führte.

Erstes Komma weg!

ist geschehen

Danke für deine Eindrücke und noch einen schönen Sonntagabend,
Rob


Hallo @Bas ,

eben noch hinter der Maske, nun schon wieder am Kommentieren ... Danke für dein Feedback!

Will sagen: Gute Titelwahl, hier und dort
Danke! Meistens fällt mir erst ein brauchbarer Titel ein, wenn eine Geschichte fertig ist und ich versuche dann, auch hiermit schon mal Interesse zu wecken.

Der Duft des schwarzen Kaffees drang aus der Tasse vor ihm in seine Nase.

Kleinigkeit, aber ich bräuchte die Verortung "vor ihm" hier gar nicht, das wird auch so ersichtlich und ohne den Zusatz fände ich den Satz eleganter

Ja, sehe ich auch so, habe die zwei Wörter entfernt.

Wie wär´s ...

Ich wage, zu behaupten, dass das nicht das korrekte Apostroph an der Stelle ist. Noch gewagter: Ich vermute sogar, dass es da gar kein Apostoph braucht. Kann mich aber natürlich irren.

Die Variante ohne Apostroph hört sich auch für mich korrekt an, habe es geändert.

„Jeden Morgen schaue ich aus dem Fenster, beobachte die Menschen, die ihr Leben leben. Ihre Verpflichtungen und Ziele treiben sie an. Dabei überlege ich oft, was ich noch anfangen könnte mit meinem Leben. Aber … mir fällt einfach nichts ein.“

Den markierten Satz kaufe ich so nicht, der erscheint mir zu gewollt. Möglicherweise Geschmackssache, ich denke aber, du könntest gut auf ihn verzichten.

Beide Varianten haben für mich etwas. Realistischer ist wahrscheinlich, dass Georg den markierten Satz nicht sagt, ganz abwegig ist es für mich aber auch nicht. Gerade dies ist ja ein wichtiger Punkt, der auf einmal weitesgehend wegfallen kann, wenn jemand in Rente geht. Plötzlich hat man ganz viel Zeit und merkt, dass es gar nicht so toll ist, wie vielleicht vorher gedacht. Muss ich noch mal schauen, ich lasse es erst mal so.

hat’ich

Nee, das beißt im Auge!

Habe es mal angepasst auf: "Hatt' ich"

„Nein, er glaubt immer wieder, dass Frau Haber noch lebt. Ich hoffe jeden Tag, dass er es irgendwann vergisst, wie schon das Meiste aus seinem Leben. Was auch immer er mit ihr noch klären wollte.“

Ein Stück weit zu erklärend für meinen Geschmack, als wolltest du auf Nummer sicher gehen, dass der Leser weiß, was "es" ist. Wer dem Text aufmerksam gefolgt ist (und das sollte machbar sein, denn du hast hier einen sehr ruhigen, positiv-gemächlichen Text geschrieben), der braucht es hier nicht so deutlich.

Ja, ist wahrscheinlich etwas zu ausführlich in diesem Moment, wo die Pflegerin ja auch auf Georg aufpassen muss. Ich habe mal den letzten Satz entfernt, so passt es m.E. schon mal etwas besser.

da könnte ich mir noch ein bisschen mehr Innen- und Außensicht vorstellen, mehr Farbe. Gleichzeitig passt das, hm, wie kann man das nennen, das ... der sehr geradlinige Erzählton aber auch zu Georgs Zustand. Ich vermute, dass sich die Eindrücke irgendwann auch komprimieren.
Das wird wahrscheinlich auch an dem liegen, was mir als Leser wichtig ist:
Ich erlebe die Personen bei ihren Handlungen und den Dialogen und finde es dann teilweise eher störend, wenn mir z.B. noch zusätzlich dargelegt wird, was der Protagonist gerade denkt. Es wird bestimmt Ausnahmen geben, aber m.E. wird damit oft etwas geschildert, was ohnehin schon durch Handlungen/Dialoge klar geworden ist.

Hauptantriebspunkt der Geschichte ist natürlich der Rasenmäher, und das fand ich total interessant, du ziehst das ja nicht wie einen Krimi auf, Georg ist kein Columbo, und trotzdem will man wissen, was denn jetzt ist mit dem Rasenmäher - toll gemacht.
Danke! Einer der weniger bekannte Filme von David Lynch heißt the straight story. Es ist zwar eine ganz andere Handlung, aber auch hier geht es um einen alten Mann und einen Rasenmäher. Im Prinzip ist es ein Roadmovie, ein Rentner ohne Führerschein fährt auf seinem Aufsitz-Rasenmäher durchs Land, um seinen erkrankten Bruder zu besuchen.
Ich hatte überlegt, welche Geschichte noch aus der Kombination Rentner/Rasenmäher entstehen könnte, so ist also diese Handlung entstanden.
Vielleicht zeigt es auch, dass manchmal Vordergründig ein banaler Grund herhalten muss, um sich auf die Suche nach eigentlich tiefgründigeren Sachen zu machen. Und wenn jemand fragt, kann Georg sagen: "Ich suche nur den Rasenmäher!"

Das Ende ist sehr harmonisch, fügt sich gut in den Sound ein und erscheint mir sinnig, nicht wie ein erzwungener Plottwist. Fühlt sich sehr rund an, die ganze Geschichte. Das hast du wirklich drauf, soweit ich das beurteilen kann, runde Geschichten schreiben.
Auch hierfür vielen Dank, es lässt mir auch keine Ruhe, wenn ich eine Geschichte nicht passend zu Ende gebracht habe, sofern ich es selbst beurteilen kann. Bei manchen Texten lasse ich zwar einiges offen, aber auch hierbei in dem Bemühen, dass die wichtigsten Inhalte und die Motivation der Personen deutlich werden. Es kann dann ja auch durchaus interessant sein, wenn es Lücken gibt mit verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten, aber das ist wahrscheinlich Geschmackssache.

Aber: Ich hätte hier auch gegen mehr Kanten nichts einzuwenden gehabt. Mehr Ausbrüche aus dem "Runden". Bei Georgs Zustand bietet es sich ja quasi an, Lücken zu reißen, den Leser mal in einer Situation im Unklaren zu lassen, da könnte man sprachlich etwas wagen.
Ja, die Handlung und das Verhalten von Georg laufen sehr ruhig ab, daher bin auch sehr froh, dass der Text nicht langweilig zu sein scheint. Es wäre hierbei schwierig, wenn Georgs tatsächlicher Gesundheitszustand schon früher deutlich wird, da es ja bis zur letzten Szene eine eher gedankliche Reise von ihm ist. Er sieht sich selbst noch eher aktiv, geht mit Elenor auf "Detektivtour" ... insofern passt es so wie bisher für mich ganz gut, ich kann deinen Punkt aber grundsätzlich nachvollziehen.

Danke für deine ausführlichen Anmerkungen, auch die Ein/Sein-Overloads habe ich reduziert.

Viele Grüße!
Rob


Hallo @Pepe86 ,

danke für deinen Leseeindruck!

wie immer gut und spannend geschrieben. Die Wendung fand ich sehr gut. Hat ich so nicht kommen sehen. Angenehm zu lesen.
Danke, es ist ja ein eher ruhiger Handlungsverlauf, insofern freut es mich, wenn er trotzdem neugierig macht und bis zum Ende nicht langweilig wird.
Die Wendung am Ende zeigt Georgs tatsächlichen Gesundheitszustand, dennoch hat ja alles vorherige einen wahren Hintergrund aus seinem Leben. Und gibt dem wohl auch eine Tragik, da er ein klärendes Gespräch mit Elenor ja gar nicht mehr führen kann ... nur weiß er es nicht.

Viele Grüße,
Rob


Hallo @CoK und @The Dead Frog ,

auch euch vielen Dank für eure Kommentare, meine Antwort folgt demnächst!

Noch einen schönen Abend und viele Grüße,
Rob

 
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Hallo @Rob F ,

einzelne Szenen und Aspekte deiner Geschichte gefallen mir gut. Ich mag deine Beschreibung davon, wie Georg und Elenor sich nach einigen Jahren wieder aneinander herantasten, wie sie gemeinsam herumalbern, ich mag die gemütliche Suche nach dem Rasenmäher.

Allerdings bleibt bei mir nach der Lektüre von all den unterschiedlichen Themen, die du angeschnitten hast, nur wenig zurück. Vermutlich, weil du sie für mein Empfinden eben nur angeschnitten hast. Vieles wird zwar eingeführt, aber nicht ausgeführt. Wo ist der Rasenmäher? hallt in mir nach einerseits als die Geschichte eines Mannes, der sich nach Abenteuer sehnt, und dem es gemeinsam mit einer alten Freundin gelingt, aus dem Verschwinden eines Rasenmähers ein kleines Ereignis zu machen und andererseits als die Geschichte eines Wiedersehens (zwischen Elenor und Georg). Dass Georg den Tod seiner Frau bewältigen muss, dass er dement ist und dass er sich fragt, was er mit seinem Leben noch anfangen könnte, wird erwähnt, aber nicht weiter bearbeitet. Ich habe den Eindruck, dass das, was ich als den Kern der Geschichte empfinde (Wiedersehen und Abenteuer mit Elenor) gar nicht der beabsichtigte Kern ist - weil du eben noch so viel drum herum eingestreut hast (was aber dann nicht ausgearbeitet wird). Ich glaube es würde deiner Geschichte gut tun, die ganzen angeschnittenen Themen jeweils entweder auch wirklich zu erzählen oder aber wegzulassen und dem Vorhandenen (Wiedersehen und Abenteuer mit Elenor) mehr zu vertrauen und es bewusst zum Kern der Geschichte zu machen.

Zudem ist die Demenz-Pointe in gewisser Weise nur eine Schein-Pointe, denn das meiste der Geschichte verändert seine Bedeutung durch den Wendepunkt nicht oder bekommt keine zusätzliche Dimension: Das Wiedersehen und Abenteuer mit Elenor ist ja quasi eine Rückblende und bleibt wie beschrieben. Auch die Gespräche mit Fred bleiben wie beschrieben. Und all die angedeuteten Themen erhalten durch die Pointe auch nicht mehr Detail oder Inhalt. Im Grunde kommt am Ende nur raus, dass Georg vergessen hat, dass bestimmte Ereignisse schon länger her sind bzw. dass er vergessen hat, wie einzelne Ereignisse ausgegangen sind, aber das reicht mir nicht als Gerüst für eine Geschichte. Auf mich wirkt deine Geschichte, als verlässt sie sich (unbeabsichtigter Weise) zu sehr auf die Pointe am Ende. Ich kann nicht zurückblicken auf eine dichte Geschichte, die on top noch einen Wendepunkt hat, sondern ich blicke zurück auf eine Ansammlung von Themen, von denen nur eines bearbeitet wurde und am Ende stellt sich dann noch raus, dass Georg dement ist. Würdest du das Thema der Demenz und wie es Georg damit geht noch ausarbeiten, würde bei mir der Eindruck der Schein-Pointe verschwinden, denke ich.

Hier noch ein paar Details:


Auch diesmal öffnete er die Lider erst nach dem ersten Schluck
Finde das nicht so schön.

Draußen spielte sich an diesem Donnerstag die übliche Routine ab. Die Menschen funktionierten wie Uhrwerke, sogar die kleinen Kinder, die von ihren Eltern zur Schule gebracht wurden. Sie wechselten ihre Anziehsachen, aber nicht ihr Verhalten
Hier hätte ich gerne etwas konkretes erfahren. Du sagst dreimal, dass es etwas gleich bleibt, aber was das ist, erfahre ich nicht. Man wird als Leser:in dreimal indirekt dazu aufgefordert zu glauben, dass alles wie immer ist, anstatt das man es zu sehen bekommt.

Hier ein paar Anmerkungen zu den Dialogen:

„Wer weiß, aber hier am Stadtrand? Wenn nachts Fremde unterwegs sind, hätten einige Hunde wohl ordentlich gebellt.“
Ich glaube innerhalb einer Nachbarschaft, die seit vielen Jahren besteht, würde man eher die Hunde sagen statt einige Hunde. "Man kennt sich", auch die Hunde. Und welche Hunde die üblichen Bellenden sind, weiß man auch.
Wenn sich ein mürrischer alter Herr z.B. über laute Kinder beschwert, würde er zur Nachbarin vermutlich eher sagen "die Kinder sind heute wieder unerträglich" und nicht "einige Kinder sind heute wieder unerträglich" - alle wissen, dass es nur einige der Menge aller Kinder in der Nachbarschaft sind und das sagt man nicht jedes mal dazu, sondern man weiß, dass man eben über die Kinder dieser Menge spricht, die laut sind.

„Glaub ich auch. Ich gehe mal weiter und halte die Augen offen. Welche Farbe hat er?“
Dein Rasenmäher ist besonders, weil er hellblau ist. Das habe ich noch nie gesehen, die meisten Gartengeräte haben ja eher gedeckte Farben. Mir gefällt der hellblaue Rasenmäher, dadurch wirkt er ein wenig belebt/personifiziert, wie der Kleine Rote Traktor (Kindergeschichte). Allerdings finde ich die Frage nach der Farbe etwas konstruiert. Georg erscheint hier weniger als Detektiv und mehr als jemand, der dir hilft sagen zu können, dass der Rasenmäher hellblau ist. Ich glaube man rechnet nicht damit, dass die Farbe einem hilft, den einen unter vielen erkennen zu können, eben weil die Farben sich nur auf einem bestimmten Farbspektrum bewegen (irgendwelche Grün- , Schwarz- oder Schlammtöne). Wenn Fred gesagt hätte, "olivgrün", dann wäre Georg wahrscheinlich fünf Rasenmähern begegnet, die potentiell Freds Rasenmäher sein könnten. Wenn Georg einfach fragt, "wie sieht er aus?" oder "welche Marke" oder so, dann kann Fred trotzdem sagen "er ist übrigens hellbau".

Geht klar. Bis später.“
Bei alten Menschen rechne ich eher mit einem "In Ordnung" oder "Gut" oder "Einverstanden" etc. und nicht mit einem "Geht klar".

Hi, Elenor. Ich drehe nur meine morgendliche Runde.“
Finde ich für einen Senioren nicht so passend.

„Is doch schon viele Jahre her, seit mir jemand den Mäher geklaut hat. Weißte nicht mehr?
Ein kleines Detail, dass mir gut gefällt. Fred hat eine etwas faule Zunge ("Is", "Weißte" etc.) und da passt es sehr gut, dass er Mäher, statt Rasenmäher sagt.

„Jeden Morgen schaue ich aus dem Fenster, beobachte die Menschen, die ihr Leben leben. Ihre Verpflichtungen und Ziele treiben sie an. Dabei überlege ich oft, was ich noch anfangen könnte mit meinem Leben. Aber … mir fällt einfach nichts ein.“
Darüber bin ich gestolpert. Bin mir nicht sicher, ob man da so sagen würde. Vielleicht fällt dir dafür eine andere Formulierung ein?

Sie guckten jeweils über die Hecken in die Vorgärten, nirgends war ein hellblauer Rasenmäher zu sehen.
Jeweils würde ich streichen.

„Wir sind die schlechtesten Detektive der Welt“, sagte sie, als sie sich wieder beruhigt hatte.
Georg hielt sich einen Finger an die Lippen. „Pssst. Sonst werden wir noch entdeckt und der Dieb versteckt seine Beute.“
Elenor versuchte ernst zu wirken und wollte etwas sagen, prustete dann aber noch lauter los als beim ersten Mal.
Er ließ theatralisch den Kopf auf die Brust sinken und hob kurz die Hände über den Kopf.
Finde es schön, wie ausgelassen die beiden rumalbern.

„Weiß er es nicht?“, flüsterte Fred.
„Nein, er glaubt immer wieder, dass Frau Haber noch lebt. Ich hoffe jeden Tag, dass er es irgendwann vergisst, wie schon das Meiste aus seinem Leben.“
Fred blickte Georg nach, er war bereits einige Meter entfernt.
„Vielleicht ist damals etwas passiert, als er nach dem Rasenmäher gesucht hat.“
Die Frau zuckte mit den Schultern. „Wer weiß. Georg, warten Sie!“ Sie lief ihm hinterher.
Fred mähte weiter seinen Rasen.
Das Ende finde ich etwas hastig und ich finde es schade, dass der Fokus auf den Gespräch zwischen Fred und der Frau liegt. Die ganze Geschichte über sind wir sehr nah an Georg dran und erleben mit, was ihm durch den Kopf geht und dann als klar wird, dass er dement ist, verschwindet Georg plötzlich aus dem Blickfeld und wir schauen zu, wie sich zwei Menschen über ihn unterhalten. Und dann, schwups, ist die Geschichte auch schon vorbei.


Bin gespannt auf deine Antwort und ob du hier und da noch was überarbeiten wirst. Viel Freude weiterhin mit dem Lesen und Schreiben!

Beste Grüße,

Flugsand


Nachtrag bezüglich "Schein-Pointe":
Jetzt stelle ich gerade fest, dass es vielleicht doch nicht alles so eindeutig ist, wie ich dachte. Dass vielleicht Teile des Abenteuers keine Rückblende sind, sondern dass es sich abwechselt zwischen Rückblende (Spaziergang mit Elenor) und Gegenwart (Spaziergang mit der Pflegerin, welche Georg für Elenor hält). Der Lachanfall-Teil beispielsweise könnte mit der Pflegerin sein. Mhm.

 
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Hallo @The Dead Frog ,

danke fürs Lesen und Kommentieren!

im Ganzen betrachtet fand ich die Geschichte richtig gut. Sozusagen eine literarische Escher Treppe, die sich wunderbar logisch unlogisch schließt.
Danke! Es ist ja trotz der Rasenmäher-"Schein"handlung eher eine kurze Reise durch einen Teil von Georgs Leben, es freut mich also, wenn die einzelnen Handlungsinhalte nicht zu unzusammenhängend wirken.

Was mir gefehlt hat, war die Differenzierung zwischen älter und ganz alt. Darum bin ich beim ersten lesen hierrüber gestolpert
Ja, ich weiß, was du meinst, da musste ich zum Verhalten von Georg/Elenor und den Dialogen noch mal überlegen. Da gebe ich dir grundsätzlich recht, Georg und Elenor müssten ja um die 75 sein (Georg erwähnt am Anfang, dass er fast 10 Jahre in Rente ist). Für mich ist es hierbei dennoch ganz passend, da es bis auf die letzte Szene ja eher eine Erinnerungsreise von Georg ist. Er sieht sich also in seinen Gedanken noch als körperlich und geistig gesünder, bis seine "Illusion" am Ende zusammenbricht.

Ich weiß nicht, wieso, aber "Hobbys" stört mich irgendwie. Es sind ja ältere Semester, die da reden, die haben natürlich Hobbys, aber irgendwie nennen sie es häufig nicht so. Es sind Leidenschaften, Liebhabereien oder sie reden eher konkreter darüber, Chorgesang, Briefmarken, Münzen oder so was. Ist aber vielleicht mehr gefühlt so.
Da ist es das Gleiche, nur mit Fernsehjunkie. Die Sätze wirken so kurz und prägnant, eindeutig und kurz. Blöd gesagt fühlen sich die Dialoge nicht alt an. Ich finde, sie müssten ein bisschen umständlicher sein.
Das hängt m.E. auch sehr vom Gesundheitszustand ab. Meine Eltern sind nun beide 80 und zum Glück noch soweit gut dabei. Sie haben ihre Art zu reden - inhaltlich - bisher nicht grundlegend geändert, insofern fand ich es auch hier ganz passend.

„So gibt das nichts“

Das ist Dialekt, oder? Ich kenn das irgendwo her, würde aber selber, "So wird das nichts", sagen.

Vielleicht ist es etwas Kölsch angehaucht, im Sinne von:
Dat jitt nix :)

Nun habe ich trotz deines Kommentars gar nichts geändert, aber entsprechend meiner Begründungen finde ich es wie erwähnt so ganz passend.

Danke für deine Zeit und viele Grüße,
Rob


Hallo @CoK ,

danke für dein Feedback!

Erinnerungen und Demenz bieten sich an, für stille Geschichten (so nenne ich sie).
Mir hat deine stille Geschichte gut gefallen. Die Handlung und deinen Protagonisten konnte ich gut verstehen.
Manchmal sind es die einfachen Titel, die neugierig machen und der Schluss, der war überraschend.
"Stille Geschichte" finde ich eine passende Beschreibung. Die Suche nach dem Rasenmäher ist hierbei ja eher eine austauschbare Rahmenhandlung, es geht hauptsächlich um einen Teil von Georgs Erinnerungen.

... Duft des schwarzen Kaffees drang aus der Tasse in seine Nase.

Für mich klingt das: Wie wenn der Kaffee gezwungen wird, in die Nase zu dringen. Irgendwie wie Krimi. ( ist sicher Geschmacksache)

Ich finde den Klang des Wortes "drang" auch nicht unbedingt schön, aber eine Alternative wie z.B. "strömte" finde ich auch inhaltlich nicht unbedingt passend. Es ist vielleicht sehr detailliert, aber von der "Duftbewegung" her finde ich das o.g. Wort schon richtig.

Sie wechselten ihre Anziehsachen, aber nicht ihr Verhalten.

Hab ich mich gefragt warum du das schreibst?

Es sollte Georgs Gedanken beschreiben: Er sieht jeden Morgen aus dem Küchenfenster, erlebt aber meistens nur die gleiche Routine seiner Nachbarn und denkt sich:
Sie machen ja eigentlich immer das gleiche, fahren zur Arbeit, bringen ihre Kinder zur Schule ... das Einzige, was sich ändert, sind ihre Anziehsachen.

Da wird ein großes Problem unserer Gesellschaft angesprochen. Wir werden immer älter und das was älteren Menschen an Freizeitangeboten zu Verfügung steht ist zu wenig. Hier müsste viel mehr getan werden.
Zum einen das Freizeitangebot, aber m.E. wird es selbst wenn es vorhanden ist immer schwieriger für Menschen, die schon lange die meiste Zeit alleine verbringen, dorthin zu gehen. Daher sind m.E. auch Menschen wichtig, ggf. in der Nachbarschaft, denen das auffällt, die vielleicht sogar die Zeit haben, mit älteren Menschen mal zusammen irgendwo hinzugehen.

Das etwas nicht stimmt, das klingt für mich auch so nach Krimi. Sie hat gespürt, dass da etwas war oder manchmal hatte ich das Gefühl sie ahnte es …
Danke für den Tipp, ich habe es mal geändert in:
„Sie hat gespürt, dass da was war, es aber nie hinterfragt.“

Was auch immer er mit ihr noch klären wollte.

Diesen Satz bräuchte es für mich auch nicht.

Ja, diese Erklärung war nicht notwendig, habe den Satz entfernt.

Deine Vorliebe für ein und eine … sein und seine … ist mir auch aufgefallen wurde von Bas schon erwähnt.
An der ein oder anderen Stelle ist es noch da, manchmal passt es so auch für mich, aber ich habe es etwas reduziert.

Danke für deine Anmerkungen und viele Grüße,
Rob


Hallo @Flugsand ,

vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar, werde ihn bis Ende der Woche beantworten!

Viele Grüße,
Rob

 
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Hi @Rob F,

Nun habe ich trotz deines Kommentars gar nichts geändert, aber entsprechend meiner Begründungen finde ich es wie erwähnt so ganz passend.

Was? Wie kannst du es wagen? ;) ... Nein, ernsthaft, absolut verständlich. Es war auch mehr ein leises "Mimimi" meinerseits, als eine wirkliche Kritik. Vielleicht stolpern ja noch ein paar mehr Leute drüber, dann kannst du immer noch das feinste Schleifpapier ansetzten. Wenn nicht, bin ich halt der einzige dem es so gegangen ist. :)

Liebe Grüße
The Dead Frog

 
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Hallo @Flugsand ,

danke nochmal für deinen Kommentar, hier also meine Rückmeldung.

... einzelne Szenen und Aspekte deiner Geschichte gefallen mir gut. Ich mag deine Beschreibung davon, wie Georg und Elenor sich nach einigen Jahren wieder aneinander herantasten, wie sie gemeinsam herumalbern, ich mag die gemütliche Suche nach dem Rasenmäher.
Danke! Ich denke, das entspricht so auch dem Aufbau der Handlung. Die Suche nach dem Rasenmäher eher als eine Art Scheinhandlung, für eine Reise durch einige Stationen aus Georgs Leben.

Allerdings bleibt bei mir nach der Lektüre von all den unterschiedlichen Themen, die du angeschnitten hast, nur wenig zurück. Vermutlich, weil du sie für mein Empfinden eben nur angeschnitten hast.
Ja, das beschreibt die Art der Erzählung m.E. sehr passend. Georg ist gesundheitlich durch eine Demenzerkrankung leider nicht mehr gut dabei und auf Unterstützung angewiesen. Es ist also hauptsächlich eine gedankliche Reise zu etwas, dass er leider nicht gemacht hat, als es ihm noch besser ging und Elenor noch lebte.
Ob einem die Geschichte gefällt, wird daher wohl hauptsächlich davon abhängen, ob einem das Schema eines deutlicheren Konflikts mit einer entsprechenden (Auf-)Lösung wichtig ist.

Wo ist der Rasenmäher? hallt in mir nach einerseits als die Geschichte eines Mannes, der sich nach Abenteuer sehnt, und dem es gemeinsam mit einer alten Freundin gelingt, aus dem Verschwinden eines Rasenmähers ein kleines Ereignis zu machen und andererseits als die Geschichte eines Wiedersehens (zwischen Elenor und Georg). Dass Georg den Tod seiner Frau bewältigen muss, dass er dement ist und dass er sich fragt, was er mit seinem Leben noch anfangen könnte, wird erwähnt, aber nicht weiter bearbeitet.
Da kann ich dir, wie zuvor erwähnt, inhaltlich nur zustimmen. Es ist für mich dann nur (auch als regelmäßiger Leser) die Frage, ob das grundsätzlich sein muss. Nach dem, was ich hier bisher im Forum mitbekommen habe, wird es die Mehrzahl wohl so sehen, für mich ist jedoch manchmal auch ein "Teil der Reise" ausreichend. Gerade das lässt ja Raum für eigene Interpretationen, als wenn alles haarklein erklärt und aufgelöst wird.

Ich glaube es würde deiner Geschichte gut tun, die ganzen angeschnittenen Themen jeweils entweder auch wirklich zu erzählen oder aber wegzulassen und dem Vorhandenen (Wiedersehen und Abenteuer mit Elenor) mehr zu vertrauen und es bewusst zum Kern der Geschichte zu machen.
Dadurch würde es eine andere Art von Geschichte, ich kann deinen Punkt inhaltlich zwar gut nachvollziehen, für mich kommt es aber hierbei nicht in Frage.

(...)
Auf mich wirkt deine Geschichte, als verlässt sie sich (unbeabsichtigter Weise) zu sehr auf die Pointe am Ende. Ich kann nicht zurückblicken auf eine dichte Geschichte, die on top noch einen Wendepunkt hat, sondern ich blicke zurück auf eine Ansammlung von Themen, von denen nur eines bearbeitet wurde und am Ende stellt sich dann noch raus, dass Georg dement ist. Würdest du das Thema der Demenz und wie es Georg damit geht noch ausarbeiten, würde bei mir der Eindruck der Schein-Pointe verschwinden, denke ich.
Finde ich einen interessanten Punkt, da du m.E. einen ganz anderen Blickwinkel auf die Geschehnisse hast. Die Inhalte der Szenen sind ja im Prinzip eine Mischung aus tatsächlich Geschehenem und dem, was sich Georg in Gedanken ausmalt.
Er hat z.B. tatsächlich seine Frau durch einen Schlaganfall verloren und hatte einige Jahre zuvor mit Elenor geschlafen. Was jedoch nie passiert ist, ist der Hauptteil der Handlung: Dass er mit Elenor spricht, sie sogar gemeinsam nach dem verschwundenen Rasenmäher suchen. Die Aussagen von Fred und der Pflegerin in der letzten Szene sollten das zeigen, ich habe am Ende meiner Antwort zwei Beispiele gemacht.
Insofern sollte es am Ende nicht nur eine überraschende Wendung sein, es gibt der Handlung m.E. noch eine zusätzliche Tragik:
Georg hat das verpasst, was er eigentlich machen wollte, bezogen auf Elenor. Dazu kommt, dass er entweder immer wieder durch seine Erkrankung vergisst, dass Elenor mittlerweile verstorben ist, oder er verdrängt es. Er läuft also in Gedanken etwas hinterher, das ihm wichtig ist, das er jedoch nie mehr wird nachholen können.
Gerade dieser letzte Punkt ist für mich der Kern der Geschichte.

Auch diesmal öffnete er die Lider erst nach dem ersten Schluck.

Finde das nicht so schön.

Ich habe "erst" entfernt.

Hier hätte ich gerne etwas konkretes erfahren. Du sagst dreimal, dass es etwas gleich bleibt, aber was das ist, erfahre ich nicht. Man wird als Leser:in dreimal indirekt dazu aufgefordert zu glauben, dass alles wie immer ist, anstatt das man es zu sehen bekommt.
Zumindest etwas konkreter sind die Kinder, die von ihren Eltern zur Schule gebracht werden. Gerade in dieser Einleitung finde ich Georgs allgemeine Gedanken, die ja auch seine Grundstimmung zeigen sollen, bisher ganz passend. Er sitzt in der Küche und beobachtet, draußen "passiert" das Leben.
Ich könnte zwar noch das ein oder andere Konkrete erwähnen, halte es hier jedoch nicht für notwendig.

Ich glaube innerhalb einer Nachbarschaft, die seit vielen Jahren besteht, würde man eher die Hunde sagen statt einige Hunde. "Man kennt sich", auch die Hunde. Und welche Hunde die üblichen Bellenden sind, weiß man auch.
Ja, das klingt passender, habe es auf von "einige" auf "die" geändert.

Dein Rasenmäher ist besonders, weil er hellblau ist. Das habe ich noch nie gesehen, die meisten Gartengeräte haben ja eher gedeckte Farben. Mir gefällt der hellblaue Rasenmäher, dadurch wirkt er ein wenig belebt/personifiziert, wie der Kleine Rote Traktor (Kindergeschichte). Allerdings finde ich die Frage nach der Farbe etwas konstruiert.
(...)
Beim ersten Schreiben hatte ich tatsächlich einfach mal eine andere, eher ungewöhnliche Farbe genommen, auch weil dadurch die Suche danach für Georg eher einfacher wird, Aber im Nachhinein sehe ich es eher als Teil seines "Gedankenkonstrukts": Er hat vielleicht auch früher nach dem Rasenmäher gesucht, als er Fred tatsächlich geklaut wurden. Aber so wie hier mit Elenor hat es ja, wie schon oben erwähnt, nie stattgefunden. Insofern sehe ich den eher ungewöhnlichen blauen Rasenmäher eher als Teil von Georgs Fantasie.
Übrigens habe ich mal gegoogelt, hellblaue Rasenmäher gibt es tatsächlich :)

Ihre Verpflichtungen und Ziele treiben sie an.

Darüber bin ich gestolpert. Bin mir nicht sicher, ob man da so sagen würde. Vielleicht fällt dir dafür eine andere Formulierung ein?

Ich habe es mal etwas verkürzt:
„Jeden Morgen schaue ich aus dem Fenster, beobachte die Menschen, die ihr Leben leben. Mit all ihren Verpflichtungen. Dabei überlege ich oft, was ich noch anfangen könnte mit meinem Leben. Aber … mir fällt einfach nichts ein.“

Das Ende finde ich etwas hastig und ich finde es schade, dass der Fokus auf den Gespräch zwischen Fred und der Frau liegt. Die ganze Geschichte über sind wir sehr nah an Georg dran und erleben mit, was ihm durch den Kopf geht und dann als klar wird, dass er dement ist, verschwindet Georg plötzlich aus dem Blickfeld und wir schauen zu, wie sich zwei Menschen über ihn unterhalten. Und dann, schwups, ist die Geschichte auch schon vorbei.
Zuvor hatte ich ja schon etwas zum Ende geschrieben, es ändert für mich grundsätzlich die Sichtweise auf die vorherige Handlung. Zum Teil sind es tatsächlich Geschehnisse aus Georgs Leben, zum anderen ist es eher Georgs Fantasie, was er eigentlich noch gerne gemacht und erlebt hätte, vor allem das Gespräch mit Elenor.
Wichtig sind hierbei die folgenden Sätze, die das soweit aufklären sollen:

(Fred) „Is doch schon viele Jahre her, seit mir jemand den Mäher geklaut hat. Weißte nicht mehr? Zum Glück hatt’ ich ein ähnliches Modell gefunden, nun schließ ich ihn immer weg.“

(Pflegerin) „Nein, er glaubt immer wieder, dass Frau Haber noch lebt. Ich hoffe jeden Tag, dass er es irgendwann vergisst, wie schon das Meiste aus seinem Leben.“

Ich hoffe, ich konnte hiermit meine Gedanken, vor allem auch zum Ende, soweit erklären.

Danke fürs Lesen und deine Mühe! Ich habe noch weitere Stellen entsprechend deiner Vorschläge angepasst, auch wenn ich nicht alles im Detail erwähnt habe.

Viele Grüße,
Rob

 
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So, hallo @Rob F , da bin ich.

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort!


Ich habe es mal etwas verkürzt:
„Jeden Morgen schaue ich aus dem Fenster, beobachte die Menschen, die ihr Leben leben. Mit all ihren Verpflichtungen. Dabei überlege ich oft, was ich noch anfangen könnte mit meinem Leben. Aber … mir fällt einfach nichts ein.“
Ja! Finde ich sehr gut!


Ich glaube es würde deiner Geschichte gut tun, die ganzen angeschnittenen Themen jeweils entweder auch wirklich zu erzählen oder aber wegzulassen und dem Vorhandenen (Wiedersehen und Abenteuer mit Elenor) mehr zu vertrauen und es bewusst zum Kern der Geschichte zu machen.
Dadurch würde es eine andere Art von Geschichte, ich kann deinen Punkt inhaltlich zwar gut nachvollziehen, für mich kommt es aber hierbei nicht in Frage.
Es ist natürlich deine Geschichte und ich möchte dir keine andere Art von Geschichte andrehen. Ich versuche trotzdem nochmal, ein paar Leseeindrücke zu beschreiben, weil ich den Eindruck habe, dass deine Geschichte bei mir anders funktioniert als sie "gemeint war". Und vielleicht ist es für dich interessant zu lesen. Mach mit meinen Gedanken einfach, was du willst :)

Was jedoch nie passiert ist, ist der Hauptteil der Handlung: Dass er mit Elenor spricht, sie sogar gemeinsam nach dem verschwundenen Rasenmäher suchen. Die Aussagen von Fred und der Pflegerin in der letzten Szene sollten das zeigen, ich habe am Ende meiner Antwort zwei Beispiele gemacht.

Du hast diese beiden Aussagen hervorgehoben:

„Is doch schon viele Jahre her, seit mir jemand den Mäher geklaut hat. Weißte nicht mehr? Zum Glück hatt’ ich ein ähnliches Modell gefunden, nun schließ ich ihn immer weg.“

„Nein, er glaubt immer wieder, dass Frau Haber noch lebt. Ich hoffe jeden Tag, dass er es irgendwann vergisst, wie schon das Meiste aus seinem Leben.“


Die erste macht klar, dass Georg dement ist. Aber was den Teil mit Elenor betrifft, finde ich nicht, dass diese beiden Aussagen notwendigerweise implizieren, dass die Rasenmähersuche mit Elenor nicht stattgefunden hat. Nur weil Georg glaubt, dass Elenor noch lebt („Nein, er glaubt immer wieder, dass Frau Haber noch lebt."), heißt es meiner Ansicht nach nicht, dass es keine Aussprache gab. Es könnte auch sein, dass die gemeinsame Suche und das Gespräch stattgefunden haben, und Georg dies aufgrund seiner Erkrankung vergessen hat (ebenso wie den Tod Elenors.)

Ich weiß nicht, ob es dir wichtig ist, dass man "erkennt", dass der Hauptteil nicht stattgefunden hat. Ich habe die Geschichte so gedeutet, dass die Aussprache stattgefunden hat, und Georg aber nicht zur Ruhe kommt, weil er sich nicht mehr daran erinnert. Falls du sichergehen möchtest, dass deine Leser:innen bei der Auslegung landen, dass der Hauptteil nicht passiert ist, bräuchte es glaube ich noch eine Überarbeitung.

"Ich hoffe jeden Tag, dass er es irgendwann vergisst, wie schon das Meiste aus seinem Leben.“

Über diesen Satz habe ich nun schon mehrmals nachgedacht und verstehe ihn immer noch nicht. Was soll Georg vergessen? Dass er mit Elenor sprechen möchte?


Ob einem die Geschichte gefällt, wird daher wohl hauptsächlich davon abhängen, ob einem das Schema eines deutlicheren Konflikts mit einer entsprechenden (Auf-)Lösung wichtig ist.
für mich ist jedoch manchmal auch ein "Teil der Reise" ausreichend. Gerade das lässt ja Raum für eigene Interpretationen, als wenn alles haarklein erklärt und aufgelöst wird.
Raum für Interpretationen lässt dein Text auf jeden Fall und das finde ich schön!
Aber irgendwas fehlt mir, ich finde es nur ziemlich schwer, das in Worte zu fassen. Ich versuche es mal: Also eine Auflösung fehlt mir nicht. Ein deutlicherer Konflikt schon eher.
Ich glaube, dass meine Interpretation der Geschichte bedingt, dass ich mit dem Ende etwas unzufrieden bin. Wenn man als Leser:in davon ausgeht, dass der Hauptteil stattgefunden hat, dann ist das Ende (zumindest meiner Empfindung nach) vor allem die Information "Georg ist übrigens dement". Und das hat sich für mich ein wenig angefühlt wie eine Geschichte, die endet mit "und alles war nur ein Traum". Das meinte ich mit "Scheinpointe". Wenn man davon ausgeht, dass der Hauptteil stattgefunden hat, dann ist die Info, dass Georg dement ist, irgendwie so "hinten drangepappt", weißt du wie ich meine?


Was wäre nun eine mögliche Lösung für mein drangepappt-Gefühl? Hier ein paar Überlegungen:

a) Entweder müsste die von dir zitierten Aussagen von Fred und der Krankenpflegerin sicherstellen, dass man versteht, dass der Hauptteil nicht stattgefunden hat. Dann hätte die Demenz mehr Auswirkung auf den Text und wäre nicht angepappt, weil sie ein tatsächlicher Plottwist wäre.
b) Oder, falls du es offen lassen möchtest, ob man glaubt, dass der Hauptteil stattgefunden hat, wäre es schön, wenn noch etwas deutlicher beschrieben wird, wie Georgs Leben oder seine Haltung zu Elenor von der Demenz geprägt ist. Denn in dieser Interpretations-Version empfinde ich die Demenz nicht als Plottwist, sondern lediglich als Information.

Und: Ich hatte oben ja schon geschrieben, dass ich es schade finde, dass am Ende nur noch über Georg gesprochen wird anstatt dass man mit ihm gemeinsam erlebt. Die beiden Anmerkungen von Fred und der Krankenpflegerin sind die "einfachste" Möglichkeit, den Lesenden verständlich zu machen, dass Georg dement ist: Man lässt es einfach eine dritte Person aussprechen. Ich hätte es mir gerne auf andere Weise erschlossen. Es wirkt sehr hastig. Man bekommt die Information durch die Nebenfiguren und dann ist die Geschichte vorbei. Das drangepappt-Gefühl wäre wahrscheinlich nicht da, wenn die Demenz (in Bezug auf die Beziehung zu Elenor) als Konflikt noch etwas mehr Raum bekommen hätte (und seien es nur fünf Zeilen). In beiden Varianten (a und b) würde ich mich darüber freuen, wenn der Schluss anders aufgebaut wäre. In der zweiten Variante, (in der die Interpretation, dass der Hauptteil stattfand möglich ist) finde ich es aber besonders wichtig, eben weil ich die Demenz da weder als Pointe noch als Inhalt/Handlung empfinde.

Ich hoffe, ich habe meine Gedanken und Vorschläge verständlich formuliert.
Einen schönen Sonntag noch.

Beste Grüße,

Flugsand

 
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Hallo @Flugsand ,

danke für den ergänzenden Kommentar! Da hast du dich sehr ausführlich mit der Geschichte beschäftigt, vielen Dank hierfür!

Aber was den Teil mit Elenor betrifft, finde ich nicht, dass diese beiden Aussagen notwendigerweise implizieren, dass die Rasenmähersuche mit Elenor nicht stattgefunden hat. Nur weil Georg glaubt, dass Elenor noch lebt („Nein, er glaubt immer wieder, dass Frau Haber noch lebt."), heißt es meiner Ansicht nach nicht, dass es keine Aussprache gab. Es könnte auch sein, dass die gemeinsame Suche und das Gespräch stattgefunden haben, und Georg dies aufgrund seiner Erkrankung vergessen hat (ebenso wie den Tod Elenors.)
Ja, hatte ich so noch nicht betrachtet, aber durch die Informationen im Text wäre deine Variante ja genauso möglich. Die Aussprache mit Elenor könnte auch stattgefunden haben, nur ganz anders, als sich Georg hier "erinnert". Vielleicht war sie ja eher unerfreulich und er legt es sich deswegen in Gedanken anders zurecht, zum Teil auch unbewusst durch seine Demenz.

Ich weiß nicht, ob es dir wichtig ist, dass man "erkennt", dass der Hauptteil nicht stattgefunden hat. Ich habe die Geschichte so gedeutet, dass die Aussprache stattgefunden hat, und Georg aber nicht zur Ruhe kommt, weil er sich nicht mehr daran erinnert. Falls du sichergehen möchtest, dass deine Leser:innen bei der Auslegung landen, dass der Hauptteil nicht passiert ist, bräuchte es glaube ich noch eine Überarbeitung.
Ich hatte deinen Kommentar schon am Sonntag gelesen und bin mir hierbei auch jetzt noch unschlüssig. Ich weiß, dass es nicht bei allen Lesern gut ankommt, aber mir selbst gefallen Geschichten, die mehrere Interpretationen zu den Geschehnisse erlauben. Da kann ich dann immer wieder überlegen: Ist es vielleicht so geschehen, oder vielleicht doch eher ...
Wahrscheinlich habe ich deswegen die ältere Serie "Twin Peaks" von David Lynch schon mehrmals gesehen :)

"Ich hoffe jeden Tag, dass er es irgendwann vergisst, wie schon das Meiste aus seinem Leben.“

Über diesen Satz habe ich nun schon mehrmals nachgedacht und verstehe ihn immer noch nicht. Was soll Georg vergessen? Dass er mit Elenor sprechen möchte?

Auch ein guter Hinweis, die Formulierung mit "vergessen" ist wohl nicht so passend. Ich habe es mal geändert in:
"Ich hoffe jeden Tag, dass er irgendwann auch über sie nicht mehr nachdenkt. Irgendetwas scheint ihn noch immer sehr zu beschäftigen."

Wenn man als Leser:in davon ausgeht, dass der Hauptteil stattgefunden hat, dann ist das Ende (zumindest meiner Empfindung nach) vor allem die Information "Georg ist übrigens dement". Und das hat sich für mich ein wenig angefühlt wie eine Geschichte, die endet mit "und alles war nur ein Traum". Das meinte ich mit "Scheinpointe". Wenn man davon ausgeht, dass der Hauptteil stattgefunden hat, dann ist die Info, dass Georg dement ist, irgendwie so "hinten drangepappt", weißt du wie ich meine?
Durch den zuvor erwähnten geänderten Satz bekommen die Interpretationsmöglichkeiten nun vielleicht eine etwas deutlichere Richtung (?). Entweder hat ein Gespräch mit Elenor nie stattgefunden, oder nicht so, wie Georg es sich gewüncht hätte ("Irgendetwas scheint ihn noch immer sehr zu beschäftigen.")

Ich hatte oben ja schon geschrieben, dass ich es schade finde, dass am Ende nur noch über Georg gesprochen wird anstatt dass man mit ihm gemeinsam erlebt
(...)
Ich hätte es mir gerne auf andere Weise erschlossen.
Auch hierzu hab ich seit Sonntag überlegt, wie eine entsprechende Szene am Ende auch anders aussehen könnte, ohne dass die Nebenfiguren entsprechende Hinweise geben. Zum Beispiel in dem Georg auf einmal merkt, dass er alleine unterwegs ist ... vor Elenors Haus steht, aber sie wohnt gar nicht mehr dort. Und dann hat er Probleme, den Weg nach Hause zu finden, er erinnert sich z.B. nicht mehr an seinen Nachnamen.
Nur habe ich, auch jetzt wo ich das so kurz skizziere, eher den Eindruck, dass die Leser danach noch mehr Fragezeichen haben. Das ließe dann Georgs Vergangenheit, aber auch zu seiner Gesundheit und aktuellen Situation, noch mehr Möglichkeiten zu.

Durch den zuvor geänderten Satz wird nun hoffentlich etwas deutlicher, dass ein Wiedersehen und Gespräch mit Elenor zumindest nicht so stattgefunden hat, wie Georg es sich gewünscht hat. Daher sagt er am Ende auch:
„Wir haben nie darüber gesprochen. Vielleicht kann ich mit ihr frühstücken.“

Es bleibt für mich die Tragik der Geschichte, dass er dies nie wird nachholen können. Entweder entfällt ihm durch seine Demenzerkrankung immer wieder, dass Elenor bereits verstorben ist, oder er verdrängt es, ggf. ist es eine Kombination aus beidem.

Danke für deine Zeit und erneuten Anmerkungen!

Viele Grüße,
Rob

 

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