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Zu den Anfängen

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09.12.2019
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Zu den Anfängen

Susann sah aus dem Fenster des Büros. Seit einigen Wochen schwebte das schwarze Schiff über der Stadt. Wie eine Krake, die Bewegungen unscheinbar und fließend.
„Wenigstens dürfen wir wieder arbeiten“, sagte ihre Kollegin, als sie den Blick bemerkte. „Kaum ist die Coronakrise bewältigt, kommt das Nächste um die Ecke. Beziehungsweise aus dem All, oder woher auch immer.“ Sie tippte weiter auf der Tastatur, als würde sie über etwas Alltägliches sprechen, nicht über Raumschiffe, die überall auf der Welt erschienen waren.
„Ja“, antwortete Susann gedankenverloren und blickte weiter hinaus. „Wie kannst du so ruhig bleiben? Früher oder später wird etwas passieren, oder meinst du, die schweben einfach immer weiter da oben rum und genießen die Aussicht?“
„Keine Ahnung, aber ich lasse mir doch nicht von solchen Voyeuren den Tag versauen. Außerdem … hey, bald ist sie ab.“
„Was?“, fragte Susann verwirrt.
Ihre Kollegin zeigte auf die eigene Unterlippe und biss demonstrativ mit den Vorderzähnen darauf.
„Oh, ist mir wohl mal wieder nicht aufgefallen.“
„Nachher greifen sie uns noch an, nur weil du ihnen die Zähne bleckst.“
„Selbst schuld. Ich hätte als Alien wenigstens den Anstand, auszusteigen und Hallo zu sagen.“ Susann sah auf ihre Armbanduhr. „Ich mach mal Feierabend, reicht für heute.“
„Dann viel Spaß mit deinem neuen Freund.“
„Ach? Hab ich den?
„Nein, wird aber Zeit.“
„Schon klar. Bis morgen, arbeite nicht mehr so lange.“

„Na mach schon“, murmelte Susann, als sie zu der roten Ampel blickte.
Aus dem Augenwinkel bemerkte sie im Rückspiegel eine Bewegung. Sie konnte das Raumschiff deutlich unter dem blauen Himmel sehen, es begann sich zu bewegen. Die krakenähnlichen Arme streckten sich, zuerst langsam, dann immer schneller. Sie fuhr das Fenster hinunter, lehnte sich hinaus und sah zurück. In alle Richtungen reckten sich die Tentakel, bis sie innehielten und aus den Enden dunkle Wolken verströmten. Immer größer werdend, wie ein nicht enden wollender Insektenschwarm, der sich schließlich in Bewegung setzte. In Richtung des Zentrums mit den Hochhäusern, genauso zu den Vororten, auch auf sie zu. Einige Sekunden konnte sie nur wie gebannt zusehen, bis sie das Fenster wieder schloss und los fuhr. Ohne nochmal auf die Ampel zu sehen.

Sie hatte die Siedlung am Stadtrand erreicht, in der ihr kleines Haus stand. Erst jetzt spürte sie, dass die Unterlippe schmerzte und löste den unbemerkten Biss. Ein Blick in den Rückspiegel zeigte ihr, dass die dunkle Wolke immer näher kam. Ihre Hände schwitzen, sie griff das Lenkrad fester.
Nach einigen Minuten kam ihr Haus in der ruhigen Allee in Sicht. Bis alles in völliger Finsternis verschwand. Der Schwarm hatte sie erreicht, versperrte die Sicht. Susann trat auf die Bremse und stieß erschrocken einen Schrei aus.

Schon nach wenigen Sekunden klärte sich die Sicht. Schwitzend und leicht zitternd betrachtete Susann den Albtraum, zu dem die Umgebung geworden war. Winzige, schwarze Wesen hatten die Gebäude eingehüllt. Alle, die sie sehen konnte, auch ihr eigenes Haus am Ende der Straße. Kein Millimeter der Fassaden war noch zu erkennen. Wie eine wabernde Masse verweilten die Aliens, bis sie begannen, sich nach innen zu fressen. Feiner Staub schwebte durch die Luft, wo zuvor noch Wände gewesen waren. Schon nach wenigen Minuten hatten die Kreaturen die Außenmauern durchdrungen und setzten die Zerstörung im Inneren fort. Nicht nur die Wände, alles, was sie finden konnten.
Susann hielt sich beide Hände vor den Mund, das Zittern wurde stärker. Sie blickte die Straße entlang. Einige Nachbarn standen wie versteinert auf der Straße, manche flüchteten erst jetzt aus ihren Häusern. Niemand wurde angegriffen, der vernichtende Schwarm ignorierte sie.
Sie dachte kurz an ihr Smartphone, aber verlor den Gedanken direkt wieder. Es ging alles viel zu schnell, wahrscheinlich passierte überall das Gleiche.
Auch die inneren Mauern und der Hausrat waren schon fast verschwunden. Immer dichtere Staubwolken wirbelten durch die Luft, als würde alles durch einen Häcksler zerkleinert.
Dann war es vorbei. Wie nach einem Silvesterfeuerwerk war die Straße nur vernebelt zu erkennen. Susann musste fast hysterisch lachen, wenn sie daran dachte, dass es die Häuser waren, die nun als Staub durch die Luft schwebten. Auch ihr Heim mit all den Erinnerungen. Wie konnte das Wirklichkeit sein, wann würde sie aus diesem Albtraum erwachen?
Susann wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, als sie sich auf die Straße traute. Der Schwarm war verschwunden, zurück zum Raumschiff. Auch ihre Nachbarn auf der Straße erwachten nur langsam aus der Schockstarre. Einige kamen genau wie sie aus ihren Autos. Der beißende Geruch in der Luft erinnerte sie an Feuerwerkskörper.
Taumelnd machte sie sich auf den Weg zu der Fläche, auf der bis vor wenigen Minuten ihr Haus gestanden hatte. Apathisch blickte sie auf die staubigen Hügel, die langsam größer wurden, je mehr sich der Staub legte. Sie ging in die Knie, stütze sich mit zitternden Armen ab und setzte sich auf den harten Asphalt, verharrte dort regungslos.

Nach einigen Minuten legte sich eine Hand auf ihre Schulter. Susann sah hoch, ihr Nachbar Fred stand neben ihr. Auch er betrachtete mit starrem Gesicht die Überreste. „Was … Wo können wir hin?“, war das Einzige, was ihr einfiel. Ihre Stimme hörte sich wie die einer Fremden an.
„Ich weiß es nicht, vielleicht setzen wir uns erstmal ins Auto und hören, ob sie im Radio etwas durchgeben.“ Er schien trotz der Geschehnisse sehr gefasst, auch sein großväterliches Gesicht strahlte Ruhe aus. Sie ließ sich von ihm aufhelfen. „Kommen Sie.“
Zögernd folgte sie ihm, als er zu seinem Wagen ging. „Moment“, rief er plötzlich, sie wäre fast gegen ihn gelaufen. Er deutete zum über der Innenstadt schwebenden Raumschiff. Die Enden der Krakenarme begannen zu leuchten. Um sie bildeten sich blaue Energiekugeln, die stetig größer wurden. Bis sie mit einem Geräusch zerplatzten, das Susann an eine vibrierende Bogensehne erinnerte. Energiewellen breiteten sich in alle Richtungen aus, schossen ihnen entgegen, wie eine transparente, blaue Wand. Ehe sie oder Fred reagieren konnten, war sie vorbeigezogen.
„Was zur Hölle passiert hier?“, flüsterte Fred.
Susann blickte instinktiv auf ihre digitale Armbanduhr. Die Anzeige war dunkel. Auch ihr Smartphone, das sie aus der Hosentasche zog, funktionierte nicht mehr.
Sie ließ den Blick über die Umgebung schweifen. Kein einziges Haus war mehr zu sehen. Auch die Hochhäuser der Innenstadt waren verschwunden, soweit es in der riesigen Staubwolke überhaupt zu erkennen war. Sie musste an einen Artikel denken, den sie mal über eines der wenigen verbliebenen Naturvölker geschrieben hatte.
„Sie treiben uns ins Freie, nehmen uns die Elektronik. Zurück zu den Anfängen.“

Susann stützte sich an ihrem Wagen ab, bevor sie die Fahrertür öffnete und versuchte, den Motor zu starten. Nichts geschah, noch nicht mal das kleine Licht der Innenbeleuchtung funktionierte.
„Was haben Sie vor?“, fragte Fred. Auch er war bleich und sprach dünner Stimme.
„Ich muss zu meinen Eltern. Sie wohnen in der Innenstadt, in … einem der Hochhäuser“, antwortete sie, während sie ihre Tasche aus dem Auto nahm.
Fred sah in die Richtung, in der sich die Innenstadt befunden hatte, sprach das Offensichtliche aber nicht aus. "Wir sollten sehen, dass wir verschwinden, vielleicht greifen sie nochmal ...“, meinte er stattdessen.
Susann sah ihn an. „Nein", unterbrach sie. "Ich muss zu ihnen."
Er drehte sich um und betrachtete die Überreste seines Hauses. „Dann begleite ich Sie. Hier gibt es ohnehin nichts mehr. Außerdem stehe ich in ihrer Schuld, so oft wie Sie mir geholfen haben, wenn ich mal wieder keine Milch oder Butter hatte.“
Trotz seiner gut siebzig Jahre hatte er den Blick eines naiven Schuljungen, der helfen wollte, aber nicht wusste, worauf er sich einlässt. Genauso wenig wie sie.
„Okay, danke.“ Sie sah zu der Staubwolke über der Innenstadt. „Dann los.“

Mit vorgehaltenen Taschentüchern schützten Susann und Fred Mund und Nase. Dennoch husteten sie immer wieder, der Staub legte sich trotz der Windstille nur langsam.
Susann blickte starr vor sich hin. Sie konnte den Anblick der Verzweiflung kaum noch ertragen. Ein Mann, der rastlos umherlief und immer wieder den Namen „Elena“ rief. Eine Frau, die mit ausdruckslosem Gesicht vor den Überresten ihres Hauses saß, die beiden Kinder weinend neben sich. Einige machten es wie sie, gingen Richtung Innenstadt, in der Hoffnung, dort etwas finden. Irgendetwas, das helfen würde. Diese Illusion wurde mit jedem Schritt, mit dem sie sich dem Zentrum näherten, zerstört. Auch dort gab es nichts mehr außer dem Staub. Dennoch marschierten sie weiter.
Susann sah zu dem Raumschiff. Es verweilte wieder mit seinen kaum wahrnehmbaren, ruhigen Bewegungen. Als würde es die Folgen seiner Tat still beobachten.

Die Dämmerung setzte ein, als sie das Gebiet erreichten, das zuvor von Bürokomplexen und Hochhäusern bestimmt wurde. Der einzige Unterschied zu den Vororten bestand darin, dass die Überreste der Gebäude teilweise meterhoch waren.
„Mein Gott“, sagte Susann und bewegte sich näher an Fred.
„Ja“, antwortete er flüsternd und legte einen Arm um sie.
Die Menschen, die sich nicht in einer Schockstarre befanden, hatten die Atemwege durch Kleidungsstücke geschützt und durchsuchten die staubigen Berge nach Überlebenden. Heraus trugen sie hauptsächlich Leichen.
„Es ist nicht mehr weit, das Haus meiner Eltern ist …“ Sie begann zu zittern, immer stärker. Wollte sich an Fred festhalten, doch es war zu spät. Sie stolperte und stürzte, blieb weinend liegen. Er kniete sich neben sie, hob ihren Oberkörper an und hielt sie, schweigend.

Die unermüdlich Suchenden legten die Leichen behutsam vor dem ab, was einmal auch das Heim ihrer Eltern gewesen war. Die große Plakatwand gegenüber stand noch. Sie hatten die große Wohnung und den Balkon liebevoll eingerichtet. Schon jetzt kaum mehr vorstellbar.
Susann begann, durch die Reihen zu gehen. Es dauerte nicht lange, bis sie schluchzend die Hände vor den Mund legte. Ihr Vater lag mit geschlossenen Augen auf dem Asphalt, sein Gesicht wirkte absurd friedlich, nach dem, was geschehen war. Und unversehrt, die Unmengen an Staub mussten den Sturz gemildert haben. Vielleicht war er erstickt, dachte sie und weinte noch heftiger. Nicht weit entfernt fand sie ihre Mutter, mit einer Wunde an der Stirn. Das Gesicht blutüberströmt.
Sie wollte ihre Eltern wegbringen, an einen würdevollen Ort. Aber wo sollte es diesen noch geben, dachte sie, als sie sich umblickte. Es gab keine Orte mehr, nur offene Fläche, auf der sie von den Invasoren beobachtet werden konnten. Fred trat neben sie. Nicht mehr lange bis zur Dunkelheit.
„Was machen wir jetzt?“, fragte sie. „Welchen Sinn hat es noch, irgendwohin zu gehen?“

Nirgendwo war künstliches Licht zu sehen. Eine kaum zu ertragende Ruhe setzte ein, als das letzte Tageslicht verschwand. Susann und Fred begaben sich zu einer Gruppe, die sich auf die Straße gesetzt hatte. Die meisten blickten apathisch auf den Asphalt, kaum jemand sprach. Susann sah nach oben, um das Raumschiff herum konnte sie die Sterne sehen, so hell und deutlich wie nie zuvor. Fred tippte leicht mit dem Zeigefinger an ihr Kinn.
Zuerst sah sie ihn überrascht an, wusste dann aber, was er meinte. „Ich weiß, irgendwann beiße ich sie ab.“ Sie strich sich mit der Hand über die Unterlippe. „Was hast du früher gemacht?“, fragte sie, um der unheimlichen Stille entgegenzuwirken. „Also beruflich, bevor du mir als Rentner meine Lebensmittel abgeluchst hast?“ Sie hörte, wie er beim Lächeln leise ausatmete.
„Genau, lassen wir das Sie endlich mal weg. Ich habe nach einem Job gesucht, der mir genug Zeit für meinen Sport lässt. Ich war nie ein Karrieretyp und so wurde ich Grundschullehrer.“ Er sprach mit tiefer, ruhiger Stimme. „Habe es nie bereut.“
„Ach? Ich dachte, du wärst eher so ein ruhiger Analytiker, der seine Tage in einem Büro verbringt. Kann ich mir irgendwie schwer vorstellen, du umgeben von einer Rasselbande. Haben sie dir zugehört?“
„Aber ja! Mit meiner Bassstimme ließ ich das Klassenzimmer erzittern.“
Diesmal war es Susann, die lächelte. Sie versuchte, es zuzulassen. „Das war ein guter Gedanke. Das Leben sollte nicht nur aus Arbeit bestehen. Wenn wir unsere Welt wieder aufbauen, sollten wir Bürogebäude außen vor lassen.“
Fred antwortete nicht, rückte näher und legte einen Arm um sie.

Susann schreckte hoch. Es war noch mitten in der Nacht, etwas hatte sie geweckt. Ein Leuchten, nicht weit entfernt. Sie rieb sich die Augen und sah sich um. Nur wenige Meter entfernt befand sich ein blauer Schein, wie eine Tür. Am Ende der Straße und in der Umgebung konnte sie weitere dieser Lichter sehen. Durchgänge, war Susanns spontaner Gedanke.
Sie wollte gerade Fred wecken, als sie etwas Kaltes an ihrem Hals spürte. Eine Hand wurde ihr von hinten auf den Mund gedrückt, ihr Kopf zurückgezogen.
„Kein Mucks, oder ich steche deinem Freund das Messer in den Hals“, flüsterte ihr eine rauhe Stimme ins Ohr. „Verstanden?“
Susann nickte und drehte die Augen zu Fred, konnte aber nicht erkennen, ob er wach war.
„Steh auf. Du wirst es eher überstehen, wenn du ruhig bleibst“, sagte der Angreifer leise und zog sie nach oben. Er hielt ihr weiter seine Hand auf den Mund und drehte sich mit ihr um. „Vorwärts.“
Sie war erst einen Schritt gegangen, als der Mann laut aufschrie. Die Hand vor ihrem Mund verschwand. Susann drehte sich um und wich zurück. Fred war aufgestanden, hielt einen sicheren Abstand zu dem Angreifer, der ein Taschenmesser aus seinem hinteren Oberschenkel zog und sich das Bein hielt. Er taumelte einige Schritte rückwärts und fiel hin, Blut quoll durch seine Finger.
„Verdammter Bastard“, schrie er in Freds Richtung.
„Hey, haben Sie den Mann angegriffen?“, rief eine Frau aus der sitzenden Gruppe, stand auf und ging zu dem Verletzten.
„Ja, hat ihm ins Bein gestochen“, rief jemand anderes.
Susann und Fred sahen sich im Schein des blauen Durchgangs an. „Komm mit“, flüsterte sie und zog ihn mit sich.
„Bleiben Sie stehen“, rief die Frau, die nun neben dem blutenden Mann kniete.
Sie gingen schneller, vorbei an dem geheimnisvollen Durchgang. Links und rechts von ihnen erhoben sich dunkle Umrisse. Bisher hielt sie niemand auf, dennoch gingen sie in einen Laufschritt über. Der weitere Durchgang am Ende der Straße kam näher, eine Person stand davor. Sie führte eine Hand in das Licht, die daraufhin verschwand und trat schließlich vollständig hindurch.
Laufende Schritte ertönten hinter ihnen. Auch jenseits des blauen Scheins kamen weitere schattenhafte Gestalten auf sie zu. „Durch die Tür“, zischte Susann und lief in das Licht. Fred folgte ihr.

Die Decke der kuppelartigen Halle war genauso schwarz wie das Äußere des Raumschiffs. An der Wand befanden sich in kurzen Abständen die blauen Durchgänge. Der Boden war durchsichtig und fühlte sich weich an. Unter sich sahen sie ihre Welt, wenn auch nur schemenhaft im Licht der blauen Türen, die überall in der Stadt aufgetaucht waren.
Susann und Fred gingen einige Schritte und sahen sich um. Auf dem Boden verteilt saßen Menschen, teilweise in kleinen Gruppen, die meisten alleine. Alle blickten nach unten. Niemand sprach. Erschöpfung und Angst spiegelten sich in den Gesichtern.
Sie setzten sich an eine freie Stelle, die Anwesenheit anderer Menschen und die Stille beruhigten sie. Schweigend verging die Nacht, niemand war ihnen durch die Tür gefolgt.

Kurz vor Sonnenaufgang zerteilten die letzten Blitze eines Gewitters die Dunkelheit. Susann wusste nicht, ob sie geschlafen hatte, als die ersten Sonnenstrahlen am Horizont erschienen.
„Nicht alles ist verloren“, sagte Fred neben ihr und zeigte auf weit entfernte Felder außerhalb der Stadt. Auch hoch gestapeltes Holz war zu erkennen, falls ihr Blick sie nicht trügte.
„Warum?“, fragte Susann mit trockener Stimme. „Sie vernichten unsere Zivilisation, nehmen es in Kauf, aber töten niemanden direkt. Lassen uns sogar auf ihr Schiff.“
„Ich habe in den letzten Stunden überlegt, was ich meinen Schülern erzählen würde. Wenn das hier vor langer Zeit geschehen und wir dabei wären, alles wieder aufzubauen.“
Susann sah ihn an und wartete.
„Es ist nichts anderes, es geschah auf unserer Welt schon immer. Nur diesmal auf größerer Bühne. Vielleicht empfanden sie uns durch unseren Fortschritt als Bedrohung. Oder wir sind ihnen zu nahe gekommen. Es ist noch nicht lange her, dass wir die erste Aufnahme eines schwarzen Lochs machen konnten.“
„Vielleicht möchten Sie auch von uns lernen, uns verstehen und lassen uns deswegen hierhin.“
Der Boden begann leicht zu vibrieren. Zwei der blauen Durchgänge am Rand der Kammer transformierten sich in hell leuchtende Lichtkugeln.
„Es wird Zeit“, sagte Fred und stand auf.
Susann blickte zu ihm hoch. „Du wirst zurückgehen.“
„Ich gebe unsere Welt nicht auf.“ Er wartete einige Sekunden, sah die Tränen in ihren Augen.
„Meine Eltern, kannst du …“
„Ja, ich kümmere mich. Alles Gute“. Er gab ihr einen Kuss auf die Stirn und verschwand durch einen der restlichen Durchgänge.

Susann betrachtete die kleiner werdende Erde unter sich, bis sie ganz außer Sicht war. Sie fühlte ihren Hals, die Stelle, an der sie die kalte Klinge gespürt hatte. Ein Vorgeschmack, was in ihrer ehemaligen Heimat beginnen würde. Was auch immer hier nun mit mir passiert, dachte sie.
Die Lichtkugeln, die nun vollständig den Rand der Kammer säumten, erzeugten ein angenehmes, gelbliches Licht. Um sie herum begannen Gespräche, wenn auch flüsternd und andächtig. Als wären sie in einer Kirche und dürften niemanden stören. Sie stand auf und ging langsam über die große Fläche, unter ihr die Sterne. Auch sie hatte den Wunsch nach Gesellschaft und wollte sich gerade zu einer älteren Frau setzen, als sie nicht weit entfernt ein bekanntes Gesicht bemerkte.
„Hey, Kollegin“, flüsterte Susann.
Ihre Arbeitskollegin sah auf, es dauerte einige Sekunden, bis sich ihr müder Blick klärte. Die Andeutung eines Lächelns umgab ihre Mundwinkel. „Susann … Was steht heute an?“
 
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Hallo Rob,

nun will ich mich mal im Kommentieren üben ...

Deine Geschichte handelt von einer Alieninvasion kurz nach der Coronakrise (weiß du etwas, was wir noch nicht wissen? :D). Statt die Menschen zu töten, zerstören die Aliens sämtliche Bauwerke. Ich finde die Idee ziemlich gut, diese Vorgehensweise ist zwar unblutiger als man es zum Beispiel aus Filmen kennt, aber nicht weniger perfide.
Die Aliens sind offensichtlich bereits länger da, als die Zerstörung beginnt. Jedenfalls scheinen sich Susann und ihre Arbeitskollegin zu Beginn der Geschichte mit der Anwesenheit der Raumschiffe abgefunden zu haben, sie sind fast alltäglich.

Umso überraschender müsste dann der Angriff sein, als Susann nach Hause fährt. Du gibst dem Leser allerdings recht wenig Einblick in Susanns Gedankenwelt, an ihrer körperlichen Reaktion erkennt man zwar Angst - was ihr durch den Kopf geht, erfährt man aber nicht. Auch die Zeitspanne zwischen der plötzlichen Invasion und Susanns Aussteigen aus dem Auto hätte dahingehend Potenzial gehabt.

Nachdem die Aliens (wie genau sehen sie eigentlich aus?) die Häuser zerstört haben, setzt ein elektromagnetischer Impuls sämtliche Elektronik außer Gefecht.
Susann stützte sich an ihrem Wagen ab, bevor sie die Verriegelung öffnete und versuchte, den Motor zu starten.
Da dürfte das hier eigentlich nicht funktionieren. Es sei denn, du meinst damit, dass Susann den Wagen aufschließt.

Später gehen Susann und Fred zum Haus von Susanns Eltern. Ich habe mich gefragt, woher sie weiß, welcher der Staubberge das Haus ist? Stehen die Straßenschilder noch?

Noch zwei formale Dinge:
Susann und Fred setzten sie [sich] zu einer Gruppe, die sich auf die Straße gesetzt hatte.
(Eventuell noch ein "setzen" wegen der Dopplung streichen)
„Bleiben sie [Sie] stehen“, rief die Frau, die nun neben dem blutenden Mann kniete.
Wieso gehen Susann und Fred eigentlich durch einen der Durchgänge? Ich glaube, ich wäre in dieser Situation nicht so mutig, in eine Lichterscheinung zu laufen, von der ich nicht genau weiß, was sie ist. Das schließt ein bisschen an meinen ersten Kritikpunkt an, dass man wenig von Susanns Motiven erfährt.

Insgesamt habe ich deine Geschichte gerne gelesen, ich finde diese Alien- und Weltraumthematik sehr interessant und auch die schwarzen Löcher, die du angesprochen hast. Du hast einen sehr angenehmen Erzählstil, unaufgeregt und klar. Eine Fortsetzung würde ich jedenfalls lesen :)


Beste Grüße
Zornkraut
 
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Hallo Rob,

wie schön - eine SF-Geschichte von Dir. Hab mich darauf gefreut, sie zu lesen und kann im Nachhinein sagen: Es hat sich gelohnt!

Die Idee hat mir gut gefallen - die "sanfte Invasion", und dass Du nicht alles bis ins letzte Detail erklärst. Sprachlich bin ich so gut wie gar nicht gestolpert, da passt alles.

Ein paar Kleinigkeiten sind mir aufgefallen:



Das schwarze Flugobjekt schwebte über der Stadt, seit mittlerweile fast drei Wochen.
Das hätte ich anders geschrieben. "Seit drei Wochen schwebte das schwarze Flugobjekt jetzt schon über den Stadt." Wobei "schwarzes Flugobjekt" recht hölzern klingt.

Kaum ist die Coronakrise bewältigt, kommt das Nächste um die Ecke
Fand ich nett und auch irgendwie glaubwürdig. Eine Katastrophe jagt die Nächste!

„Selbst schuld, ich hätte als Alien wenigstens den Anstand, auszusteigen und Hallo zu sagen.“
Da hätte ich zwei Sätze draus gemacht: Selbst schuld. ...

unter anderem in ihre Richtung.
Die Formulierung hat mich rausgebracht, vielleicht fällt Dir etwas Eleganteres ein.

Ohne nochmal auf die Ampel zu sehen.
Diese hier auch.

Alle, die sie sehen konnte, auch ihr eigenes am Ende der Straße.
Die auch - hier hab ich mich im ersten Moment gefragt: Alle? Alle was? Achso, Gebäude...

Ein beißender Geruch lag in der Luft, der sie an Feuerwerkskörper erinnerte.
Der beißende Geruch in der Luft erinnerte sie an Feuerwerkskörper.

„Kommen Sie.“
Das machst Du ein paar Mal. "Sie" als Anrede wird in wörtlicher Rede klein geschrieben.

„Warten Sie“
Hier auch. Generell fand ich es merkwürdig, dass die beiden sich anfangs überhaupt gesiezt haben. Es wirkte auf mich so, als kenne sie ihn eh nur unter Fred.

Auch ihr Smartphone, das sie aus der Hosentasche zog, hatte keine Energie mehr.
Ich bin keine Physikerin (leider!), glaube aber, dass das so nicht korrekt ist. Ein EMP sorgt nicht dafür, dass die Akkus geleert werden, sondern er zerstört die Elektronik. Vielleicht ist das jetzt Haarspalterei, aber mich hat es irritiert. Ich hätte sowas geschrieben wie "... aber das Display blieb schwarz."

„Sie treiben uns in Freie, nehmen uns unsere Energie. Zurück zu den Anfängen.“
Das hab ich nicht verstanden. Wer treibt wen ins Freie? Wieso?

O.k., danke.“
Okay finde ich schöner als O.k.

Dennoch husteten sie immer wieder, der Staub legte sich trotz der Windstille nur langsam.
Logik: Hab das ja noch nicht selbst erlebt... aber wenn sämtliche Gebäude in einer größeren Stadt pulverisiert werden, würde ich mit gigantischen Staubwolken rechnen. Hier ist mal ein Hochhaus gesprengt worden, und da kam schon gut was bei herum. Vielleicht kannst Du es regnen lassen? Je feuchter die Luft, desto weniger Staub.

„Es ist nicht mehr weit, das Haus meiner Eltern ist …“
Hier frage ich ich, wie sie das wissen kann? Die Stadt muss doch bis zur Unkenntlichkeit zerstört sein.

Haben Sie dir zugehört?“
sie

Mit meiner Bass-Stimme ließ ich das Klassenzimmer erzittern.“
Bass-Stimme geht zwar, aber Bassstimme sieht für mich stimmiger aus.

Nur wenige Meter entfernt befand sich ein blauer Schein, in Form einer Tür.
Kein Komma? Der Satz geht sicher aber auch ohne Komma noch eleganter.

Ein Taschenmesser steckte in seinem hinteren Oberschenkel.
Die ganze Story ist ja eher aus Susanns Sicht geschrieben. Es ist kein allwissender Erzähler. Aber dass das Messer von hinten im Oberschenkel des Angreifers steckt, das kann Susann nicht sehen.

Sie begannen schneller zu gehen, vorbei an dem geheimnisvollen Durchgang.
Sie gingen schneller...

Kurz vor Sonnenaufgang zerteilten die letzten Blitze eines Gewitters die Dunkelheit.
Ah, da ist es ja, das Gewitter! Hier kannst Du die Verbindung herstellen (Regen/Staub)

„Es ist nichts anderes, es geschah auf unserer Welt schon immer.
Das hab ich auch nicht begriffen.

Oder wir sind ihnen zu Nahe gekommen.
nahe

Es ist noch nicht lange her, dass wir die erste Aufnahme eines schwarzen Lochs machen konnten.“
Nette Anspielung! :)

Ein Vorgeschmack, was in ihrer ehemaligen Heimat beginnen würde.
Das fand ich sehr glaubwürdig, gut!

Ihre Arbeitskollegin sah auf, es dauerte einige Sekunden, bis sich ihr müder Blick klärte. Die Andeutung eines Lächelns umgab ihre Mundwinkel. „Susann … Was steht heute an?“
Schönes Ende, gut abgerundet. Aber wieso bleibt es nur die Kollegin, wieso erfahren wir nicht einmal, wie sie heißt?

All in all: Hat mir richtig gut gefallen, schöne Idee! Danke. :)
 
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Hallo @Zornkraut ,

willkommen hier im Forum!

Freut mich, dass du hier direkt mit Kommentieren beginnst, danke für dein Feedback!

Deine Geschichte handelt von einer Alieninvasion kurz nach der Coronakrise (weiß du etwas, was wir noch nicht wissen? :D).
Ich hoffe nicht ;)

Statt die Menschen zu töten, zerstören die Aliens sämtliche Bauwerke. Ich finde die Idee ziemlich gut, diese Vorgehensweise ist zwar unblutiger als man es zum Beispiel aus Filmen kennt, aber nicht weniger perfide.
Danke! Ich hatte einige Zeit überlegt, wie ein Alienangriff mal anders erfolgen könnte und kam dann halt auf diese Variante. Sie bringen die Menschen innerhalb von Minuten zurück in die Steinzeit, neben sämtlichen Gebäuden wurde ja auch alles zerstört, was sich darin befand.

Umso überraschender müsste dann der Angriff sein, als Susann nach Hause fährt. Du gibst dem Leser allerdings recht wenig Einblick in Susanns Gedankenwelt, an ihrer körperlichen Reaktion erkennt man zwar Angst - was ihr durch den Kopf geht, erfährt man aber nicht.
Ja, es bleibt für mich beim Schreiben ein schwieriger Punkt, die emotionalen Reaktionen der Protagonisten deutlicher/authentischer darzustellen. Du wirst, wenn du eine Zeitlang hier aktiv bist, immer mal wieder den Grundatz "show, don´t tell" lesen. Also z.B. nicht einfach schreiben, dass jemand Angst hat, sondern es durch etwas zeigen (z.B. zitternde Beine ...). Vielleicht bringe ich es mittlerweile etwas zu sehr in diese Richtung, muss ich nochmal schauen.

Nachdem die Aliens (wie genau sehen sie eigentlich aus?) die Häuser zerstört haben, setzt ein elektromagnetischer Impuls sämtliche Elektronik außer Gefecht.
Es war bis zum Ende ein offener Punkt, ob die Aliens in Erscheinung treten, ich habe mich aber dann doch dagegen entschieden. Hauptsächlich, da es für die Handlung nicht wichtig ist und entsprechend Raum für Interpretationen lässt.

Da dürfte das hier eigentlich nicht funktionieren. Es sei denn, du meinst damit, dass Susann den Wagen aufschließt.
Danke für den Hinweis, das könnte so nach dem Impuls nicht mehr funktionieren. Ich habe es nun geändert, sie kann die Tür auch so öffnen, da sie sie zuvor ja auch nicht verschlossen hat.

Später gehen Susann und Fred zum Haus von Susanns Eltern. Ich habe mich gefragt, woher sie weiß, welcher der Staubberge das Haus ist? Stehen die Straßenschilder noch?
Hierbei musste ich auch nochmal versuchen, es mir vorzustellen. Neben Straßenschildern, die nicht an den Häusern befestigt waren, gibt es ja grundsätzlich auch noch andere Anhaltspunkte, wie z.B. U-Bahn-Eingänge, die Einteilung von Häuserblocks, die Straßen selber ... vielleicht Plakatwände. Ich bin daher davon ausgegangen, dass sie die Fläche, wo das Haus stand, schon noch finden würde, habe aber noch einen entsprechenden Hinweis ergänzt:
Die unermüdlich Suchenden legten die Leichen behutsam vor dem ab, was einmal auch das Heim ihrer Eltern gewesen war. Die große Plakatwand gegenüber stand noch. Sie hatten die große Wohnung und den Balkon liebevoll eingerichtet. Schon jetzt kaum mehr vorstellbar.

Wieso gehen Susann und Fred eigentlich durch einen der Durchgänge? Ich glaube, ich wäre in dieser Situation nicht so mutig, in eine Lichterscheinung zu laufen, von der ich nicht genau weiß, was sie ist.
Es wäre wahrscheinlich nachvollziehbarer, wenn Susann und Fred noch etwas mehr passieren würde, bevor sie durch eine der fremden Türen gehen. Ich hatte daher, um die einzelnen Teile der Geschichte von der Länge her ungefähr gleich zu halten, versucht, die entsprechende Szene möglichst spannend zu machen. Susann wird angegriffen, Fred hilft ihr und sticht dem Angreifer ins Bein, anstatt dem Angreifer werden die beiden beschuldigt, die Menschen beginnen aufzustehen und kommen auf sie zu ... daher dann die Flucht durch die Tür, auch dadurch, dass kurz vor ihnen jemand anderes hindurch geht. Also so zumindest meine Gedanken hierzu.

Insgesamt habe ich deine Geschichte gerne gelesen, ich finde diese Alien- und Weltraumthematik sehr interessant und auch die schwarzen Löcher, die du angesprochen hast. Du hast einen sehr angenehmen Erzählstil, unaufgeregt und klar. Eine Fortsetzung würde ich jedenfalls lesen :)
Vielen Dank! Bin ja immer froh, wenn es nicht zu ausführlich ist. Eine Fortsetzung würde sich durch das Ende anbieten, ich hätte hierbei nur Bedenken, dass ich es versemmele und damit auch die Ursprungsgeschichte mitziehe ;) Also mal schauen, ob ich mich das irgendwann traue!

Danke für deine Eindrücke und viele Grüße!
Rob


Hi @elaine ,

auch dir vielen Dank für dein Feedback!

Die Idee hat mir gut gefallen - die "sanfte Invasion", und dass Du nicht alles bis ins letzte Detail erklärst.
Danke! Ich mag es auch als Leser, wenn das ein oder andere "zur eigenen Überlegung" bleibt, aber bezogen auf die Handlung und das Ende wird ja das Meiste (hoffentlich) soweit deutlich. Bleibt also im Prinzip der genaue Grund für den Angriff, hierzu gibt es ja nur Vermutungen, und wie die Aliens aussehen. Wer weiß, vielleicht sind sie auch gar nicht an Bord und steuern alles bequem von zu Hause ;) Homeoffice halt!

Das hätte ich anders geschrieben. "Seit drei Wochen schwebte das schwarze Flugobjekt jetzt schon über den Stadt." Wobei "schwarzes Flugobjekt" recht hölzern klingt.
Ich habe es mal wie folgt geändert:
Seit fast drei Wochen schwebte das schwarze Schiff über der Stadt. Wie eine Krake, die Bewegungen unscheinbar und fließend.

Die auch - hier hab ich mich im ersten Moment gefragt: Alle? Alle was? Achso, Gebäude...
Ich habe die beiden Sätze angepasst in:
Winzige, schwarze Wesen hatten die Gebäude eingehüllt. Alle, die sie sehen konnte, auch ihr eigenes Haus am Ende der Straße.

Ich bin keine Physikerin (leider!), glaube aber, dass das so nicht korrekt ist. Ein EMP sorgt nicht dafür, dass die Akkus geleert werden, sondern er zerstört die Elektronik. Vielleicht ist das jetzt Haarspalterei, aber mich hat es irritiert. Ich hätte sowas geschrieben wie "... aber das Display blieb schwarz."
Ist auch nicht mein Gebiet, ich habe es nun allgemeiner beschrieben und damit offen gelassen, was nun genau bei der Technik zerstört wurde. Danke für den Hinweis!

„Sie treiben uns in Freie, nehmen uns unsere Energie. Zurück zu den Anfängen.“
Das hab ich nicht verstanden. Wer treibt wen ins Freie? Wieso?
Es ist Susanns erste Vermutung über die Gründe des Angriffs, mit "Sie" meint sie also die Außerirdischen.

Hier frage ich ich, wie sie das wissen kann? Die Stadt muss doch bis zur Unkenntlichkeit zerstört sein.
siehe oben, meine Antwort an Zornkraut

Bass-Stimme geht zwar, aber Bassstimme sieht für mich stimmiger aus.
Ich habe es geändert, obwohl ich als Leser drei s hintereinander schlimm finde, aber so ist es schon richtig.

Die ganze Story ist ja eher aus Susanns Sicht geschrieben. Es ist kein allwissender Erzähler. Aber dass das Messer von hinten im Oberschenkel des Angreifers steckt, das kann Susann nicht sehen.
Habe es etwas umformuliert, so dass es nun hoffentlich plausibler ist.

„Es ist nichts anderes, es geschah auf unserer Welt schon immer. Nur diesmal auf größerer Bühne.
Das hab ich auch nicht begriffen.
Ich meinte hiermit das, was zwischen verschiedenen Ländern passiert, oder sogar innerhalb eines Landes.
Kleinere Länder, die dabei sind, stärker zu werden, werden durch die mächtigen Staaten klein gehalten. Siehe z.B. der Iran. Ich finde ja, dass alle Atomwaffen abgebaut werden sollten, aber dennoch kann man ja allgemein schon die Frage stellen: Warum dürfen andere Länder z.B. dem Iran verbieten, solche Waffen zu haben, während sie selbst diese Waffen haben? Als wenn Atomwaffen mit einem Präsidenten Donald Trump ungefährlicher wären als in anderen Ländern ...
Und innerhalb eines Landes werden aufkeimende Gruppen kleingehalten, zur Not mit Gewalt. z.B. Oppositionsparteien, siehe aktuell Russland oder Belarus.
In dieser Geschichte ist es die gesamte Menschheit, die durch einen außerirdischen Angriff zurück in die Steinzeit geschickt wird, daher dieser Vergleich.

Schönes Ende, gut abgerundet. Aber wieso bleibt es nur die Kollegin, wieso erfahren wir nicht einmal, wie sie heißt?
Ich hatte in einer vorherigen Geschichte, ist schon ein wenig her, mal einen auf den Deckel bekommen wegen zu vielen Namen bei Personen, die kaum eine Rolle spielen. Daher hier nur "die Kollegin", ich dachte es hat dann auch den Effekt, dass der Leser über diese Person gar nicht erst nachdenkt. Aber ich schaue nochmal, wäre ja nur ein zusätzlicher Name.

Also vielen Dank für deine Tipps und Eindrücke, habe entsprechend deiner Vorschläge auch noch weitere Sätze angepasst.

Viele Grüße,
Rob
 
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Hey Rob!

Ich finde, sprachlich liest sich das gut und ich spüre auch deinen Willen, etwas zu erzählen. Schlecht finde ich den Text nicht, nur was mich gravierend stört, sind die unorganische Handlungsweisen deiner Figuren. Damit meine ich, dass deine Figuren - meinem Gefühl nach - gegen ihrer eigenen Natur oder eben: nicht nachvollziehbar/teilweise unlogisch handeln.

Susann sah aus dem Fenster des Büros. Seit fast drei Wochen schwebte das schwarze Schiff über der Stadt. Wie eine Krake, die Bewegungen unscheinbar und fließend.
„Wenigstens dürfen wir wieder arbeiten“, sagte ihre Kollegin, als sie den Blick bemerkte.
Beispielsweise hier. Das Ufo erscheint über der Stadt. Finde ich gut. Aber: Die Leute gehen wieder arbeiten?! Come on. Das glaube ich einfach nicht. Das ist so eine enorme Bedrohung, gut, wenn das in New York spielt und die Leute in Tokio gehen weiterhin arbeiten, ok, aber direkt drunter?! Ohne jeden Kontakt zu den Aliens? Das glaube ich einfach nicht. Das würde keine Regierung tun und Menschen würden auch nicht weiterhin zur Arbeit gehen - so routiniert, direkt unter dem Raumschiff. Panzer würden in den Straßen stehen, Kampfjets fliegen, zumindest alles voller Presse, die Stadt würde wahrscheinlich evakuiert. Das ist für mich - nimm es bitte nicht persönlich - der gravierendste Fehler deines Textes, weil das einfach sehr unorganisch im Bezug auf deine Protagonisten wirkt.

Er drehte sich um und betrachtete die Überreste seines Hauses. „Hier gibt es nichts mehr. Außerdem stehe ich ohnehin in ihrer Schuld, so oft wie sie mir geholfen haben, wenn ich mal wieder keine Milch oder Butter hatte.“
Auch hier: Das geht mir zu schnell. Der Mann hat gerade sein Haus verloren, die Alieninvasion beginnt - dass die Figur so schnell alles hinter sich lässt, wirkt unorganisch - zumindest ein Zögern, ein Schock o.ä. müsste hier passieren, meiner Meinung nach. Oder: Würde Fred die Frau nicht davon abhalten, ins Epizentrum der Zerstörung zu fahren? Das wirkt ja viel riskanter als die Option, ins Grüne zu fahren.

„Sie treiben uns in Freie
ins

Die Menschen, die sich nicht in einer Schockstarre befanden, hatten die Atemwege durch Kleidungsstücke geschützt und durchsuchten die staubigen Berge nach Überlebenden. Heraus trugen sie hauptsächlich Leichen.
Auch hier: Die Menschen handeln unorganisch, gegen ihrer eigenen Natur. Das Raumschiff schwebt ja noch über den Menschen - Menschen, deren Leben bedroht wird, rennen weg, auch wortwörtlich über Leichen; wieso bleiben die Menschen im Epizentrum? Entweder du erfindest einen triftigen Grund oder du lässt sie fliehen, mMn
Später schreibst du:

„Sie vernichten unsere Zivilisation, nehmen es in Kauf, aber töten niemanden direkt. Lassen uns sogar auf ihr Schiff.“
Das ist eine gute Idee, die Aliens das machen zu lassen. Aber für mich ist das keine Erklärung, wieso die Menschen zuvor nicht fliehen. Denn zuvor wissen sie ja nicht, dass die Aliens nur Gebäude zerstören. Menschen sind - wenn es wirklich ums nackte Überleben geht - extrem angstvoll. Es gäbe zu 100% Flüchtlingsströme aus diesem Gebiet, es sei denn, das Militär hätte es abgeriegelt o.ä. Also, hier kommen mir die Menschen wieder schablonenhaft, unorganisch vor.
Mir ist die Beobachtung von der Prot. auch zu exakt, zu genau. Das ist nicht die Prot., die dort spricht - sondern der Autor. So eine Analyse könnte die Prot. im Radio hören, oder sie könnte es durch eine scharfe Beobachtung vermuten und ggü. Fred ausdrücken - aber so steckt mir zu viel Autorwissen in der Aussage der Protagonistin.

Trotzdem möchte ich betonen, dass ich hier durchaus schriftstellerisches Potential und Talent sehe. Würdest du an den organischen/logischen Verhaltensweisen deiner Figuren arbeiten, hätte der Text ein anderes Niveau.

Viele Grüße,
zigga
 
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Hi @zigga ,

danke fürs Lesen und deine Einschätzung!

Beispielsweise hier. Das Ufo erscheint über der Stadt. Finde ich gut. Aber: Die Leute gehen wieder arbeiten?! Come on. Das glaube ich einfach nicht. Das ist so eine enorme Bedrohung, gut, wenn das in New York spielt und die Leute in Tokio gehen weiterhin arbeiten, ok, aber direkt drunter?! Ohne jeden Kontakt zu den Aliens? Das glaube ich einfach nicht. Das würde keine Regierung tun und Menschen würden auch nicht weiterhin zur Arbeit gehen - so routiniert, direkt unter dem Raumschiff. Panzer würden in den Straßen stehen, Kampfjets fliegen, zumindest alles voller Presse, die Stadt würde wahrscheinlich evakuiert. Das ist für mich - nimm es bitte nicht persönlich - der gravierendste Fehler deines Textes, weil das einfach sehr unorganisch im Bezug auf deine Protagonisten wirkt.
Es klingt wahrscheinlich nach einer "Standardantwort", aber ich kann tatsächlich nicht so richtig einschätzen, was auf Dauer passieren würde. Ich habe nun zumindest den Anfang ein wenig angepasst, so dass das Raumschiff schon seit einigen Wochen über der Stadt schwebt. Das ein oder andere, was du geschildert hast, könnte also bereits passiert sein, Kontaktaufnahme zu den Aliens usw.
Es ist natürlich eine ganz andere Situation, aber die Menschen haben ja auch immer einen Wunsch nach Führung, wie die aktuelle Krise zeigt. Ich kann deinen Punkt aber gut nachvollziehen, ob sie tatsächlich einfach in der Stadt bleiben würden. Andererseits sind diese Raumschiffe ja überall aufgetaucht und machen über Wochen hinweg ja erstmal nichts. Also viele könnten bereits zurückgekehrt sein und irgendwann gibt auch hierbei die Regierung nach und nach das "normale" Leben wieder frei. Das waren zumindest meine bisherigen Gedanken hierzu.

Die weiteren von dir genannten Inhalte drehen sich ja hauptsächlich darum, dass die Menschen eher flüchten würden, anstatt z.B. nach Überlebenden zu suchen. Wahrscheinlich wäre es so, da treffen halt aus meiner Sicht zwei gegensätzliche Varianten aufeinander:
Würde Susann (und andere Menschen) nach dem Angriff direkt aus der Stadt fliehen, oder erstmal nach ihren ggf. überlebenden Angehörigen suchen?
Muss ich mal ´ne Zeitlang drüber nachdenken. Es ist vielleicht ein nicht ganz passender Vergleich, aber ich habe hierbei Berichte über den zweiten Weltkrieg vor Augen, bei denen die Menschen trotz der ständigen Gefahr weiterer Bombenangriffe in der Stadt bleiben.

Für eine grundlegende Änderung müsste ich ja hauptsächlich den Teil anpassen nach dem Angriff, bis Susann und Fred durch eine der blauen Türen auf das Raumschiff fliehen. Bin noch nicht sicher, werde aber drüber nachdenken, also vielen Dank für deine Hinweise!

Trotzdem möchte ich betonen, dass ich hier durchaus schriftstellerisches Potential und Talent sehe. Würdest du an den organischen/logischen Verhaltensweisen deiner Figuren arbeiten, hätte der Text ein anderes Niveau.
Danke! Es macht mir auch weiterhin Spaß, habe hier in den letzten Monaten viele wertwolle Tipps bekommen!

Den Rechtschreibfehler habe ich noch korrigiert.

Also danke für deine Zeit und viele Grüße,
Rob
 
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Hi @Rob F

stilistisch hat mir Dein Text sehr gut gefallen. Die Idee finde ich auch gut. Prima erzählt!

Vor allem im Zusammenhang mit der Handlung wäre mir das Folgende aufgefallen:

„Keine Ahnung, aber ich lasse mir doch nicht von solchen Voyeuren den Tag versauen. Außerdem … hey, bald ist sie ab.“
„Was?“, fragte Susann verwirrt.
Ihre Kollegin zeigte auf die eigene Unterlippe und biss demonstrativ mit den Vorderzähnen darauf.
„Oh, ist mir wohl mal wieder nicht aufgefallen.“
Erst jetzt spürte sie, dass die Unterlippe schmerzte und löste den unbemerkten Biss.
Fred tippte leicht mit dem Zeigefinger an ihr Kinn.
Zuerst sah sie ihn überrascht an, wusste dann aber, was er meinte. „Ich weiß, irgendwann beiße ich sie ab.“ Sie strich sich mit der Hand über die Unterlippe.
Muss zugeben, ich stehe da auf der Leitung: Was hat es mit ihrer Unterlippe auf sich? Kommt ein paar Mal im Text, kann damit aber nicht wirklich etwas anfangen. Am Anfang habe ich gar gedacht, das hat irgendetwas mit den Aliens zu tun. Das ist aber nicht der Fall.

„Kommen sie.“
Schreibt man die Höflichkeitsanrede nicht groß (auch im Prosatext)? Duden | Groß- oder Kleinschreibung von „sie/Sie“

Sie hatten die große Wohnung und den Balkon liebevoll eingerichtet. Schon jetzt kaum mehr vorstellbar.
Der letzte Satz hat mir nicht so gut gefallen. Ich kann mir vorstellen, was Du da sagen möchtest. Vielleicht kannst Du es noch klarer formulieren.

Susann nickte kurz und drehte ihre Augen zu Fred. Er war wach, hatte die Augen leicht geöffnet, bewegte sich aber nicht.
Da hab ich mir gedacht, wie kann sie seine Augen in der Dunkelheit sehen. Aber vielleicht bin ich da zu kleinlich.

Der Boden war durchsichtig und fühlte sich weich an. Unter sich sahen sie ihre Welt, wenn auch nur schemenhaft durch das Licht der blauen Türen, die überall in der Stadt aufgetaucht waren.
Du hast oben schon erklärt, warum die beiden in diese Kuppel gegangen sind. Ganz eingängig ist es für mich jedoch nicht. Ich persönlich würde da nicht reingehen, sondern mich vorher irgendwohin in das Umland verdrücken. Aber das kann man sicherlich unterschiedlich sehen.

Bei der Kuppel habe ich kein klares Bild vor Augen: Der Boden ist durchsichtig, die Welt sehen sie aber nur schemenhaft durch das Licht der blauen Türen: Wie sehen sie jetzt nach unten: über den Boden oder über die Türen?

Soweit mal von mir!
Gerne gelesen!
Servus,
Walterbalter
 
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09.08.2020
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Moin Rob,

spannende Geschichte, toll geschrieben. Und auch faszinierend. Eine Invasion, die uns nur die Zivilisation raubt, statt uns direkt zu töten. Quasi ein kalter Genozid. Da stellt sich natürlich instinktiv die Frage, was menschliche Zivilisation überhaupt bedeutet. Sind es Hochhäuser, Bürojobs und Elektronik? Oder doch eher das gute Verhältnis zu dem älteren Nachbarn, der einem das Leben retten kann? Kann man uns die Zivilisation rauben oder findet der Mensch nicht doch immer einen Weg zurück? Zu den Anfängen, wie der Titel schon sagst, und Anfänge sind ja meist etwas Gutes. Die Aliens kommen und drücken den Reset-Knopf. Ich finde, das ist eine tolle Idee von dir, das so darzustellen; da klingt auch was Positives in der Invasion mit, ein Neustart eben. Das wird auch deutlich im letzten Satz. Was steht heute an? Die Menschheit packt an, es ist noch nichts zu Ende. Das ist jedenfalls meine Lesart deiner spannenden Geschichte.

Gute Dialoge, packende Inszenierung. Und eine Geschichte, die in das verrückte Jahr 2020 passt. Nach Corona die Aliens, möglich wär's. Dass die beiden im ersten Absatz trotz allem arbeiten, ist gar nicht so abwegig. Das sieht man ja in der Realität heutzutage. Die Seuche geht um, hunderttausende sterben, aber Hauptsache, man hat Arbeit. Das hab ich in den letzten Monaten zu den Kollegen auch schon manches Mal gesagt. Man guckt halt doch erst auf sich.

Ein paar Dinge sind mir aufgefallen:

Sah in den Rückspiegel, die dunkle Wolke kam immer näher. Ihre Hände schwitzen, sie griff das Lenkrad fester.
Da geriet ich beim Lesen leicht ins Stocken. Ich würde hier ruhig Sie sah schreiben.

Nach einigen Minuten kam ihr Haus in Sicht, in der ruhigen Allee, die sie so liebte.
Das wirkt so erklärend nachgestellt und passt nicht so recht zu deiner sonstigen Erzählart. Die Info ist ja auch gar nicht wichtig. Würde ich rausnehmen.

Keinen Millimeter der Fassaden konnte sie erkennen. Wie eine wabernde Masse verweilten sie, bis sie begannen, sich nach innen zu fressen.
Man versteht es natürlich, aber der Bezug ist hier unklar. Das sie würde sich ja auf die Fassaden beziehen. Meiner Meinung nach könntest du hier ruhig die Wesen wiederholen.

Feiner Staub schwebte durch die Luft, wo zuvor noch Wände gewesen waren. Schon nach wenigen Minuten hatten sie die Außenmauern durchdrungen und setzten die Zerstörung im Inneren fort.
Hier dasselbe Problem; sie bezieht sich auf Wände. Ich weiß, das ist jetzt ein bisschen pingelig. :)

„Kommen sie.“
„Danke, aber sie müssen das nicht tun. Ich komme schon irgendwie klar.“
„Hey, haben sie den Mann angegriffen?“
„Bleiben sie stehen“
Du schreibst oft das höfliche Sie klein, obwohl du es manchmal auch richtig schreibst. Muss natürlich groß sein.

Sie musste an einen Artikel denken, den sie mal über eines der wenigen verbliebenen Naturvölker geschrieben hatte.
„Sie treiben uns ins Freie, nehmen uns die Elektronik. Zurück zu den Anfängen.“
Hier der Kernaspekt der Invasion, fand ich super, dass du das nochmal so deutlich machst. Ich hätte aber tatsächlich die Aussage deiner Protagonistin hier weggelassen, das ist ein bisschen erklärend. Das mit den Naturvölkern trifft schon den Nagel auf dem Kopf und hätte noch mehr Wumms, wenn es für sich allein stünde.

„Was haben sie vor?“, fragte Fred, auch er nun bleich und mit dünner Stimme sprechend.
Hier fände ich schöner: ... auch er war bleich und sprach mit dünner Stimme.

„Schon in Ordnung. Ich habe niemanden mehr, seit mein Bruder letztes Jahr gestorben ist.“
Das ist auch so erklärend nachgestellt, das braucht man nicht wissen, zumal es in der Story keine Rolle spielt. Ich habe niemanden mehr, das reicht meiner Meinung nach, vor allem in dem Kontext. Und da Fred schon siebzig ist, kann man sich den Rest denken.

Der einzige Unterschied zu den Vororten bestand darin, dass die Überreste der Gebäude teilweise Meter hoch waren.
meterhoch

Dein Text hat echt Spaß gemacht, wirklich super. Ich bin gespannt, was dir in Zukunft noch alles einfällt.

Bis dahin, lass es dir gutgehen
 
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Du schreibst oft das höfliche Sie klein, obwohl du es manchmal auch richtig schreibst. Muss natürlich groß sein.
Ohje, das ist fürchte ich auf meinem Mist gewachsen. Hatte @Walterbalter auch schon angemerkt. Sorry, Rob, das war ein falscher Hinweis! Ich stecke gerade in einem Roman, der viele Dialoge hat, allerdings mit Du/Dir und nicht mit Sie/Ihnen. Ich konzentriere mich beim Schreiben total darauf, die immer klein zu lassen und bin dann mit dem Sie durcheinandergekommen. Mea Culpa!
 
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09.12.2019
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Hi @Walterbalter ,

danke für deinen Kommentar! Ich habe hierbei wieder einen ausführlicheren Erzählstil verwendet, ich denke das liegt mir auch eher, freut mich also, wenn dir die Geschichte gefallen hat.

Muss zugeben, ich stehe da auf der Leitung: Was hat es mit ihrer Unterlippe auf sich? Kommt ein paar Mal im Text, kann damit aber nicht wirklich etwas anfangen. Am Anfang habe ich gar gedacht, das hat irgendetwas mit den Aliens zu tun. Das ist aber nicht der Fall.
Für die Handlung ist es nicht wichtig. Ich hatte einfach nach einer Angewohnheit gesucht, die Susann zeigt, wenn es stressig wird, es hätte also auch etwas anderes sein können. Es ist nur eine Kleinigkeit, ich wollte sie hierdurch als Person etwas greifbarer machen.

Da hab ich mir gedacht, wie kann sie seine Augen in der Dunkelheit sehen. Aber vielleicht bin ich da zu kleinlich.
Das einzige Licht ist der blaue Schein des Durchgangs, aber stimmt schon, es ist wahrscheinlich grenzwertig. Ich habe es mal in den folgenden Satz geändert, vielleicht wird die Szene hierdurch auch ein wenig spannender, da sie nicht weiß, ob Fred wach ist:
Susann nickte kurz und drehte die Augen zu Fred, konnte aber nicht erkennen, ob er wach war.

Du hast oben schon erklärt, warum die beiden in diese Kuppel gegangen sind. Ganz eingängig ist es für mich jedoch nicht. Ich persönlich würde da nicht reingehen, sondern mich vorher irgendwohin in das Umland verdrücken. Aber das kann man sicherlich unterschiedlich sehen.
Es bleibt eine Stelle, mit der ich auch noch nicht ganz zufrieden bin. Durch die Länge der Geschichte würde ich nicht mehr als eine weitere Szene ergänzen, aber bisher fehlt mir inhaltlich etwas, wodurch die Flucht durch den fremden Durchgang deutlich plausibler wird. Das Hauptargument dagegen ist wahrscheinlich, dass Susann und Fred ja nicht wissen können, was sich dahinter verbirgt. Ich hatte daher in dieser Szene zuvor jemand anderen hindruch gehen lassen, dadurch wissen die beiden also schon mal, dass es möglich ist. Es ist nur eine kurze Ergänzung, aber ich habe mal folgenden Satz hinzugefügt, was die Beklemmung der Situation und diese Entscheidung vielleicht nocht etwas unterstreicht:

Bisher hielt sie niemand auf, dennoch gingen sie in einen Laufschritt über. Der weitere blaue Durchgang am Ende der Straße kam näher, eine Person stand davor. Sie führte eine Hand in das Licht, die daraufhin verschwand und trat schließlich vollständig hindurch.
Laufende Schritte ertönten hinter ihnen. Auch hinter dem blauen Schein kamen weitere schattenhafte Gestalten auf sie zu. „Durch die Tür“, zischte Susann und lief durch den blauen Schein. Fred folgte ihr.


Bei der Kuppel habe ich kein klares Bild vor Augen: Der Boden ist durchsichtig, die Welt sehen sie aber nur schemenhaft durch das Licht der blauen Türen: Wie sehen sie jetzt nach unten: über den Boden oder über die Türen?
Ich meinte hier das blaue Licht der Türen auf der Erdoberfläche, ich habe daher den Satz ein wenig angepasst:
Unter sich sahen sie ihre Welt, wenn auch nur schemenhaft im Licht der blauen Türen, die überall in der Stadt aufgetaucht waren.

Danke für deine Hinweise und viele Grüße!
Rob


Hi @Steppenläufer ,

freut mich, dass dir die etwas andere Alieninvasion gefallen hat!

Da stellt sich natürlich instinktiv die Frage, was menschliche Zivilisation überhaupt bedeutet. Sind es Hochhäuser, Bürojobs und Elektronik? Oder doch eher das gute Verhältnis zu dem älteren Nachbarn, der einem das Leben retten kann? Kann man uns die Zivilisation rauben oder findet der Mensch nicht doch immer einen Weg zurück?
Ich lasse hierbei ja offen, wie es weitergeht, aber ich glaube häufig folgt in Endzeitgeschichten erstmal eine Zeit des Chaos und der Anarchie, aus der Angst heraus, nicht zu überleben. Bis dann nach und nach wieder eine neue Ordnung entsteht. Aber wer weiß, wie es hier weitergeht ... ;)
Ich würde unter Zivilisation ausschließlich das menschliche Miteinander verstehen, also wie die vielen Menschen es schaffen, miteinander auszukommen, die vorhandenen Ressourcen zu verteilen, sich gegenseitig zu akzeptieren. Leider zeigen die Nachrichten ja immer wieder, dass das nicht überall gelingt, aber auf den überwiegenden Teil der Welt trifft es m.E. schon zu.

Dass die beiden im ersten Absatz trotz allem arbeiten, ist gar nicht so abwegig. Das sieht man ja in der Realität heutzutage. Die Seuche geht um, hunderttausende sterben, aber Hauptsache, man hat Arbeit. Das hab ich in den letzten Monaten zu den Kollegen auch schon manches Mal gesagt. Man guckt halt doch erst auf sich.
Zumindest wenn ein paar Wochen lang nichts passiert, gehe ich auch davon aus, dass die Regierungen das normale Leben auch hierbei langsam wieder hochfahren. Es wäre ja auch nicht unbedingt klar, ob eine Flucht aus den Städten etwas bringen würde. Und innerhalb der Städte ist das Büro wohl auch nicht unsicherer als die eigene Wohnung, warum sollte das hierbei so sein?

Das ist auch so erklärend nachgestellt, das braucht man nicht wissen, zumal es in der Story keine Rolle spielt. Ich habe niemanden mehr, das reicht meiner Meinung nach, vor allem in dem Kontext. Und da Fred schon siebzig ist, kann man sich den Rest denken.
Ich habe diesen Dialog nun ein wenig angepasst. Fred schlägt zuerst vor, aus der Stadt zu verschwinden, und erklärt erst, dass er mitkommt, als Susann stur bleibt, nach ihren Eltern suchen will. Ich hoffe, so ist es etwas realistischer.

Entsprechend deiner Vorschläge habe ich noch einige Formulierungen angepasst, erwähne es hier nur allgemein, danke für die Hinweise!

Also vielen Dank für das positive Feedback, und bleib auch du gesund!
Rob

@elaine

Hallo Mel,

na sowas! Und ich bin naiv hinterhertrappelt, ohne es zu prüfen ...

Ich habe die Stellen nun wieder zurückgeändert, wir können also so tun, als wäre nichts gewesen. ;)

Viele Grüße und noch viel Erfolg beim Roman!
Rob
 

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