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14.06.2020
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Zuletzt gelacht

„Hallo? Hört mich jemand?“
Das würde ich gern sagen.
„Ihr könnt mich doch nicht alle ignorieren!“
Das hätte ich gern über die Lippen gebracht.
Nicht das mich hier jemand hören würde. Ich könnte anfangen, schmerzverzerrt zu schreien und das einzige, was meine Nachbarn tun würden, wäre hämmernd Ruhe zu fordern. Warum ist es so schwer, beachtet zu werden? Ich könnte mir jetzt und hier in den Kopf schießen. Leute würden sich kurz erschrecken. Andere Leute würden auftauchen, mein Leichnam entsorgt, meine Parzelle neu besetzt. Aber das würde ich mich ohnehin nicht trauen. Ich muss aufhören, mir solche Szenarien vorzustellen, wenn ich doch nicht den Arsch in der Hose habe, sie umzusetzen. Eine Pistole sollte ich mir an die Wand hängen. Dann würde ich mich gar nicht mehr trauen, mich in diesen Gedanken zu verlieren.
Mein Onkel hat immer gesagt, dass man sich schwere Gedanken aus dem Kopf schaffen muss. Er meinte, ich soll Tagebuch führen. Aber Schreiben ist nichts für mich. Zum Schreiben muss man geboren sein. Das bin ich nicht. Ich bin für nichts geboren. Ich wüsste es doch, wenn es so wäre. Ich konnte noch nie irgendetwas. Ich hab schon viel ausprobiert. Beim Karate war ich. Aber die haben sich alle so gut verstanden, da hätte ich nicht hineingepasst, die hätten mich auch gar nicht aufgenommen. Der Raum war auch schon sehr voll. Da wäre es ja doof gewesen, wenn er noch voller wird, gerade bei Karate, da braucht man den Platz ja. Mein Therapeut meinte ich soll unter Leute gehen. Entschuldigung, da muss ich immer etwas lachen. Das hat gar keinen Sinn, ich soll ja wohl eher zwischen Leute gehen. Oh Mann. Brüller. Er hat mir die Adresse zu einem Café gegeben, das Speed-Dating anbietet.
Ich bin bereit den Rekord für die meisten Abfuhren, die jemals jemand in 60 Minuten bekommen hat, zu knacken. Oder vielleicht auch nicht. Vielleicht hat den auch schon jemand vor mir aufgestellt. Und besser wahrscheinlich. Nach fünf Aufeinandertreffen, die jeden normalen Menschen am Boden zerstört hätten, stolperte sie an meinen Tisch. Sie hatte das nichts-sagendste Gesicht und die ungesündeste Körperhaltung, die ich je gesehen hatte. Sie war perfekt. Meine Sicherheit, das gezielt gegen die Wand zu fahren, manifestierte sich. „H...hallo“, stammelten wir gleichzeitig und warfen ein unsicheres Lächeln auf den Boden. Idiot, hör auf, auf den Boden zu starren! Hör auf zu schwitzen! Sag was! SAG WAS! „Wie heißt du?“ fragte sie mich, ihren Kopf zur Seite geneigt.
„Ich heiße Ingo.“ Und du? Los! Frag: Und du? „U...und du?“
„Karin“
Ok, Name, Karin, wichtig, nicht vergessen.
„Bist du schon den ganzen Abend so wenig gesprächig?“
Was soll diese Frage? Was mache ich hier eigentlich? Wem mache ich hier etwas vor? Was will die blöde Kuh denn? „Entschuldige, …“, Scheiße wie war ihr Name? „..ich muss los.“ Ich stürme aus dem Laden und renne durch den Regen zu meinem roten Fiat Punto. Nie wieder gehe ich zu so etwas. Nie wieder! Speed-Dating, was eine bescheuerte Idee. Hier komme ich, Ingo, Meister der sozialen Interaktion, wie viele Frauen kann ich heute enttäuschen?
Es klopft am Fenster. Ach du Scheiße, Karin. Hab ich ihre Uhr eingesteckt?
Sie hält sich die Hand über den Kopf und zeigt nach oben.
Hab ich ihren Schirm geklaut?
Sie klopft schon wieder.
Ach, sie will rein. Ich werfe mich unwirsch auf den Beifahrersitz und ziehe den Türverriegelungspinöppel nach oben.
Sie öffnet die Tür.
„Hey“, sagt sie als würde sie sich freuen mich zu sehen und setzt sich ins Auto. „Du warst so schnell weg eben, wir haben unseren Fragenzettel noch gar nicht abgearbeitet.“
Das ist nicht lustig. Wo stehen sie? Wo stehen die Leute, die bereit sind mich auszulachen, sobald ich darauf hereinfalle, dass sich jemand für mich, Ingo, interessiert. „Würdest du bitte mein Auto verlassen?“
Sie schaut mich verdutzt an.
„Verlässt du bitte auf der Stelle mein Auto!“
So leicht bin ich nicht hereinzulegen. Wer lacht jetzt?
 
Zuletzt bearbeitet:
Wortkrieger-Team
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16.03.2015
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3.112
Hallo @P4ulus

ich glaube, wir hatten noch nicht das Vergnügen. Willkommen bei den Wortkriegern.

Ich würde dir als allerallererstes empfehlen, die Formatierung dieses Textes anzupassen.

Absätze einbauen bei Perspektiv-/Zeit-/Szenenwechsel z.B. hier:
verlieren. (Neuer Absatz/eine Leerzeile) Mein Onkel hat immer
Neue Zeile, wenn der Sprecher wechselt.
Bei wörtlicher Rede Interpunktion beachten, z.B.:
„Ich heiße Ingo“ und du? Los! Frag: Und du? „U-Und du?“ „Karin“ Ok, Name, Karin, wichtig, nicht vergessen. „Bist du schon den ganzen Abend so wenig gesprächig?“
„Ich heiße Ingo(Punkt)“ und (Und/da neuer Satz) du? Los! Frag: Und du? „U-Und du?“ (U...und du?) NEUE ZEILE
„Karin“ NEUE ZEILE
Ok, Name, Karin, wichtig, nicht vergessen. „Bist du schon den ganzen Abend so wenig gesprächig?“

H-Hallo“ stammelten
H...hallo", (KOMMA) stammelten

„..ich muss los“ ich stürme aus dem Laden
... los." Ich

Siehe auch hier: www.woertlicherede.de

VERLÄSST DU BITTE AUF DER STELLE MEIN AUTO!“
Großbuchstaben sollten in lit. Texten vermeiden werden. Wenn, dann spricht nur der Tod in Großbuchstaben. :D

Viel Spaß hier.
Viele Grüße, GoMusic
 
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Beitritt
13.09.2020
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Hallo P4ulus,
Ich finde es gut, wie du Gedankengänge fortsetzt. Ich kann mich als Leser gut in die Person hineinversetzen und habe das Gefühl, genau zu wissen wer er ist. Der Einstieg sorgt dafür, dass man mehr Bezug zu dieser Person hat. Die Länge finde ich persönlich perfekt für eine Geschichte dieser Art. Es macht Spaß deine Geschichte zu lesen.
Ich freue mich, weitere Geschichten von dir lesen zu können.

LG Jojo

PS: ich habe noch nie ein Feedback gegeben, hoffe das war okay :)
 
Mitglied
Beitritt
14.06.2020
Beiträge
6
Vielen Dank für die Korrekturvorschläge @GoMusic.
Bald bekomme ich das bestimmt auch ganz alleine hin :)

Und ich freue mich natürlich über dein positives Feedback @Jojo05 :)
 
Wortkrieger-Team
Beitritt
03.07.2017
Beiträge
1.083
Hallo @P4ulus

herzlich willkommen bei uns! GoMusic hat dir ja schon einige Tipps gegeben, aber da liegt noch einiges im Argen. Da solltest du nochmal sorgfältig drübergehen.

Den Aufbau am Anfang, mit der wörtlichen Rede, die eigentlich keine ist, finde ich schwierig, weil es erstmal falsch aussieht. So ganz sicher bin ich auch nicht, wie man das am besten umsetzt. Vllt so:

„Hallo? Hört mich jemand?“
Das würde ich gerne sagen.
„Ihr könnt mich doch nicht alle ignorieren!“
Das hätte ich gerne geschrien.

Nicht das mich hier jemand hören würde.
Nicht, dass mich hier jemand hören würde.
Was meint er denn mit hier? Wo ist der Prota denn?

Ich könnte anfangen schmerzverzerrt zu schreien
Komma nach anfangen.
Wie schreit man eigentlich schmerzverzerrt?

Warum ist es so schwer beachtet zu werden?
Komma nach schwer. Ich empfehle dir, die Kommaregeln für Infinitivkonstruktionen zu lesen.

meine Parzelle neu besetzt.
Das versteh ich nicht. Was für eine Parzelle?

Ich muss aufhören mir solche Szenarien vorzustellen
Komma nach aufhören.

Eine Pistole sollte ich mir an die Wand hängen. Dann würde ich mich gar nicht mehr trauen, mich in diesen Gedanken zu verlieren.
Das versteh ich nicht ganz. Weil dann die Gefahr zu groß ist, dass er sich doch traut?

Er meinte ich soll Tagebuch führen.
Komma nach meinte.

Entschuldigung, da muss ich immer etwas lachen. Das hat gar keinen Sinn, ich soll ja wohl eher zwischen Leute gehen. Oh Mann. Brüller.
Was macht der schlechte Witz da?

Bisher ist noch gar nichts passiert. Nur Gedanken. Schwierig für eine Kurzgeschichte.

Bei der Szene mit Karin musst du unbedingt mehr Zeilenumbrüche machen, sonst ist das Ganze sehr unübersichtlich. Am besten machst du immer einen Umbruch, wenn der Sprecher und/oder der Handelnde wechselt.
Hier zum Beispiel so:

Ok, das ist nicht lustig. Wo stehen sie? Wo stehen die Leute, die bereit sind mich auszulachen, sobald ich darauf hereinfalle, dass sich jemand für mich, Ingo, interessiert. „Würdest du bitte mein Auto verlassen?“
Sie schaut mich verdutzt an.
„Verlässt du bitte auf der Stelle mein Auto!“

Du hast auch immer noch Fehler bei der wörtlichen Rede drin. Schau dir das doch nochmal an.

Ich finde trotz der Kritik, dass du es ganz gut geschafft hast, diesen Zwiespalt in dem Prota darzustellen. Er fühlt sich alleine, ist aber nicht in der Lage mit anderen Menschen normal zu interagieren. Deswegen hasst er sich und auch alle anderen.

Da hängen einige lose Enden rum, hier erschießen, da Karate. Vllt kann man das noch etwas besser aufeinander abstimmen. Auch die Szene beim Speeddating ist ja nur eine beliebige Szene aus seinem Leben, sie stellt keinen Wendepuntk dar. Da würde ich mir einen klareren Weg wünschen, um das tatsächlich eine Kurzgeschichte zu machen.

Viel Spaß noch bei uns.

Nichtgeburtstagskind
 

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