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Zur Arbeit

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Zur Arbeit

Die Luft flimmert über dem Asphalt. Schon morgens um kurz vor neun fällt Hano das Atmen schwer. Ein Jackett verdeckt das durchschwitzte Hemd. Am Ende der Straße steht das braune Bürogebäude. Die reflektierenden Fenster schirmen dessen Welt ab. Das eigene Spiegelbild statt eines Blickes ins Innere.
Etwas ist anders. Jemand fehlt, vor dem künstlichen Raum der Sitzenden und Überlegenden. Die junge Frau, die sonst nicht weit vom Haupteingang entfernt hinter ihrem Kaffeestand steht. Nie hat er sie unfreundlich erlebt, ohne ein Lächeln.
Wo ist sie? So geht es nicht. Es entsteht ein Ungleichgewicht, etwas verschiebt sich. Die Menschen vor ihm, ihre Hände, sie werden länger und dunkler, zu schwarzen Scheren. Der Mann neben ihm senkt den Kopf und rollt mit den Augen in alle Richtungen. Sie dehnen sich weiter aus, fast bis hinunter zum Mund. Eher ein Fischmaul, die Winkel sinken immer weiter. Auch andere nehmen diese Haltung ein. Warum verwandele ich mich nicht, denkt Hano, als er seine Hände betrachtet. Oder merke ich es nur nicht, als Beobachter meiner Welt?
Einige Meter vor ihm stößt ein Mann eine junge Frau zu Boden. Mit ihrem blumigen Kleid landet sie auf dem Asphalt. Der Fremde zeigt mit einer Scherenhand zum Bürogebäude und streckt dann die Arme zur Seite. Die Frau lacht schrill und betrachtet ihn aus langen Glubschaugen. Dann deutet sie mit einer Geste die Durchtrennung seiner Kehle an. Die Hand des Mannes schnellt nach vorne, die Scheren stoßen in ihren Mund und treten am Hinterkopf wieder aus. Blut sprudelt zwischen den Lippen hervor.
Immer mehr Wesen fallen übereinander her. Die Verwandlungen werden immer bizarrer. Geifernde Insektenköpfe. Tentakel statt Arme. Einige Kreaturen werden fast drei Meter groß und versuchen das Chaos zu ordnen. Nach und nach gelingt es ihnen, die kleineren gehorchen und bilden Gruppen. Nur vereinzelt schleichen sich ameisenartige Geschöpfe von hinten an und versuchen, Beine abzutrennen.
Noch ist nicht alles verloren. Ich muss die freundliche Frau mit dem Kaffeewagen finden.
Er läuft zum braunen Bürogebäude und weiter, bis er sie schließlich entdeckt. Die Verwandelten weichen vor ihr zurück, fauchen und geifern sie an. Ein wespenartiges Wesen fliegt über sie hinweg.
"Kann ich helfen?", fragt er, während sie den Wagen vor sich herschiebt.
"Danke, es geht schon."
Vor dem Bürogebäude bleibt sie stehen, geht hinter den Stand und will den Kaffeeautomaten einschalten. Die Kämpfe gehen unvermittelt weiter. Hanos ganzer Anzug ist durchschwitzt. Irgendetwas stimmt noch nicht. Er geht zu dem Wagen und zieht ihn direkt gegenüber den Haupteingang, wo er sonst immer steht.
"Hey", ruft sie, geht aber lächelnd mit.
Eine Kreatur mit langen Oktopusarmen dreht sich um und nähert sich dem Stand.
"Aber doch nicht so schlecht gelaunt am frühen Morgen", sagt sie und zwinkert dem Kunden zu. "Was darf's denn sein?"
Das Wesen nimmt nach und nach wieder menschliche Züge an. "Ähm ... ein Cappuccino."
"Kommt sofort." Sie beginnt mit der Zubereitung, die Maschine röchelt und faucht.
Um sie herum verwandeln sich die Transformierten zurück. Verletzungen heilen, abgetrennte Gliedmaßen werden wieder angefügt.
"Für Sie wieder ein schwarzer Kaffee?", fragt sie Hano.
"Ja, danke." Er wischt sich mit einem Taschentuch über Gesicht und Stirn.
"Genießen Sie ihn. Morgen fliege ich in den Urlaub, zum ersten Mal seit über einem Jahr."

 
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Hi @Rob F,
ein interessanter Text. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich ihn richtig verstanden habe und hoffe inständig, dass ich mit meinem Komm nicht komplett daneben liege :D Alsooo ... ich habe ihn mehrmals gelesen und mit jedem Mal hat er sich weiterentwickelt, bis ich nach und nach den Sinn, sowie die Feinheiten erschlossen habe. Glaube ich zumindest. Bin nun zu dem Schluss gekommen, dass die Kaffee-Frau den Fixpunkt darstellt, ohne den sich Hanos Welt aufzulösen droht. Korrigiere mich gern. Wo ich jetzt zu dieser Erkenntnis gekommen bin und den Text abschließend lese, muss ich sagen: das hast du genial umgesetzt. Du hast mich wirklich gekriegt und zum Nachdenken angeregt.
Dennoch muss ich sagen, dass mich ein paar Stellen stören. Vielleicht lag es auch an mir, doch ich hatte Verständnisprobleme:

Am Ende der Straße steht das braune Bürogebäude. Die reflektierenden Fenster schirmen dessen Leben ab.
Irgendwie komme ich mit den beiden Sätzen nicht klar. Für mich wird nicht ersichtlich, dass er zum Büro möchte (jaa okay, der Titel, aber reicht mir nicht). Und "schirmt dessen Leben ab" klingt so, als würde da mehr hinter stecken, worauf du aber nicht eingehst. Mich würde interessieren, wie sein Verhältnis zum Arbeitsplatz ist.
Das eigene Spiegelbild statt ein Blick ins Innere.
Etwas ist anders. Sein Augleich fehlt, vor dem Aufenthalt im künstlichen Raum der Sitzenden und Überlegenden.
Meinst du Ausgleich? Ich zerbreche mir gerade den Kopf darüber, was du eigentlich sagen willst. Der Ausgleich zum Spiegelbild? Zum Inneren? Seinen persönlichen Ausgleich, sprich die Kaffee-Frau (dann würde auch der Rest des Satzes einen Sinn ergeben)? Irgendwie schwierig formuliert, wobei - wenn du wirklich die Kaffee-Frau meinst - wäre dieses kleine Wörtchen Ausgleich meiner Ansicht nach der Schlüssel zum ganzen Text: seine Welt gerät aus den Fugen, wenn sie als sein Orientierungspunkt fehlt.
Oder interpretiere ich zu viel in diese Frau rein? :D
Wo ist sie? So geht es nicht. Es entsteht ein Ungleichgewicht, etwas verschiebt sich. Die Menschen vor ihm, ihre Hände, sie werden länger und dunkler, zu schwarzen Scheren.
Den Übergang zum Seltsamen fand ich super gemacht. Toll.
Immer mehr Wesen fallen übereinander her. Welche Kämpfe werden hier ausgetragen, fragt sich Hano. Wann greift mich jemand an?
Die beiden Fragen finde ich unnötig. Sie bereichern die Story nicht wirklich. Zudem ein recht neutraler Ton. Warum er sich die Fragen stellt, weiß ich nicht. Welcher tiefere Sinn steckt dahinter?
Einige Kreaturen werden fast drei Meter groß und versuchen, das Chaos zu ordnen. Nach und nach gelingt es ihnen, die kleineren gehorchen und bilden Gruppen.
Warum versuchen manche, das Chaos zu ordnen?
Noch ist nicht alles verloren. Ich muss die freundliche Frau mit dem Kaffeewagen finden.
Der Satz ist echt genial. Alles verwandelt sich, die Welt ist voll von Dingen, die er mental nicht verarbeiten kann und dann kommt diese absolut naive Frage und der Fokus rutscht zu einer Banalität (die Frau zu finden), was überhaupt keine angemessene Reaktion auf die Situation darstellt. Sehr gut.
"Genießen Sie ihn. Morgen fliege ich in den Urlaub, zum ersten Mal seit über einem Jahr."
Was wird passieren, wenn sie für so lange Zeit wegfährt? Hano dreht schon völlig ab, wenn sie für kurze Zeit weg ist.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
Waldläufer

 
Monster-WG
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Hi @Rob F,

Die reflektierenden Fenster schirmen dessen Leben ab.
Lässt mich stutzen, denn es sind nicht das Bürogebäude und die Fenster, die leben und abschirmen. Beides finde ich unpräzise und das sollte bei flash fiction anders sein.
Vorschlag: Das verspiegelte Fensterglas lässt keinen Blick auf das Leben im Bürogebäude zu.

Das eigene Spiegelbild statt ein Blick ins Innere.
einem Blick.

Sein Augleich fehlt, vor dem Aufenthalt im künstlichen Raum der Sitzenden und Überlegenden.
Versteh nix. Denke, du meinst: der Ausgleich fehlt und mit Aufenthalt meinst du seinen Arbeitstag? Wie kann die Kaffeebude der Ausgleich vor dem Arbeitstag sein? Wenn du meinst, dass die Abweichung von den Alltagsroutinen die Gefahr des Kollapses bedeutet, solltest du das verständlich machen.

Einige Meter vor ihm stößt ein Mann eine junge Frau zu Boden. Mit ihrem blumigen Kleid landet sie auf dem Asphalt. Der Fremde zeigt mit einer Scherenhand zum Bürogebäude und streckt dann die Arme zur Seite. Die Frau lacht schrill und betrachtet ihn aus langen Glubschaugen. Dann spuckt sie ihn an und deutet mit einer Geste die Durchtrennung seiner Kehle an.
Auch hier, warum passiert das so? Besonders der fette Satz ist für mich nicht nachvollziehbar. Warum tut sie das? Das Ganze ist an sich schon surreal genug, aber wenn deine Figuren zudem unlogisch handeln, läufst du mMn Gefahr, dass deine Leser kopfschüttelnd aussteigen.

Die Verwandelten weichen vor ihr zurück, ohne es zu merken.
Finde ich schade, für mich müsste es andersrum sein, dass sie als Lichtgestalt die Transformierten aktiv verdrängt.

Der Turn hat was von Snickers Werbung: "Wenn du hungrig bist, wirst du zur Diva." Und nach dem Snickers ist alles wieder gut. Was da für mein Empfinden auf der Strecke bleibt, ist das Innenleben deines Protas. Was mutiert ist die Außenwelt, überhaupt ist alles Außenwelt, das Gebäude, die Kaffeefrau, die Transformierten und das gerät aus den Fugen, nicht der Prota. Er steht fast unbeteiligt in der Szenerie und fragt sich nüchtern:

Welche Kämpfe werden hier ausgetragen (...) Wann greift mich jemand an?(...) Warum verwandele ich mich nicht
Passiert ihm das jeden Tag vor dem ersten Kaffee? Du schreibst von ihm als Beobachter seiner Welt und genauso wirkt er auch, so merkwürdig neutral und distanziert, als hätte das alles nichts mit ihm zu tun. Wenn er den Halt verliert, weil die Kaffeefrau nicht an Ort und Stelle ist, sollte ich sein Innenleben auch spüren. Jetzt kannst du natürlich sagen, alles was abläuft, ist hunderpro sein Innenleben, weil eine Geburt seiner Fantasie, doch für mich bildet das mehr wilde Kulisse als Kontext und deshalb komme ich nicht in deine Figur rein.

Peace, l2f

 
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Hallo @Rob F,

ich experimentiere aktuell selbst mit Flash Fiction, ohne so richtig zu schnallen, worum es eigentlich geht. Ist halt kurz. Macht aber Spaß. Dann guckt man so ein bisschen rum, was und wie es andere machen. Deine Geschichte mochte ich, gute Bilder, für mich klare Sprache. Seltsam schreit natürlich nach Interpretation. Bin immer besser, wenn ich an konkreten Textauszügen zeige, was ich meine, darum gleich mehr zu meiner persönlichen Lesart.

Wie unangenehm. Ich wollt auch vorschlagen "statt einem Blick".

Neben ihm der Mann
Wahrscheinlich bewusst nicht das flüssigere "Der Mann neben ihm", aber ich sehe es nicht ganz ein.

Eher ein Fischmaul
Bin kurz hängengeblieben, weil ich mich gefragt hab: Eher als was?

und deutet mit einer Geste die Durchtrennung seiner Kehle.
an

Blut gurgelt zwischen den Lippen hervor.
Gurgeln ist Hals, blubbert

ausgetragen
?

Die Verwandlungen werden immer bizarrer.
Ist mir zu wertend. Und überflüssig.

Danke, es geht schon." Sie stört sich nicht an den Verstümmelungen um sie herum.
Wenn man kafkaesk sagt, meint man eigentlich dieses "Kein Plan, was passiert, aber irgendwie macht die Welt mir Druck." Das hier hat mich an etwas anderes erinnert, auch typisch Kafka, diese Gelassenheit, dieses "ist halt so", mit dem alle, oft auch der Prot, auf teils ungeheuerliche, mindestens mal sehr merkwürdige Vorgänge reagieren. Dass die Verstümmelungen sie nicht stören, ist wieder unnötig bis zum Ende erklärt, das geht doch aus dem hervor, was sie sagt.

Aber doch nicht so schlecht gelaunt am frühen Morgen", sagt sie und zwinkert dem Kunden zu. "Was darf's denn sein?
Das war mir ein bisschen zu albern.

Morgen fliege ich in den Urlaub, zum ersten Mal seit über einem Jahr."
So, jetzt kommt's. Ist bestimmt Quatsch, zumindest bezogen auf deine Intention, aber irgendwas mit Corona? Wie Pandemie und Lockdown uns verändert haben, was es zum Vorschein gebracht hat? Metaphorisch gefasst in Scheren und Tentakel und alles reißt sich gegenseitig in Stücke? Ich komm drauf, weil ja viele seit mindestens einem Jahr nicht mehr im Urlaub waren, unabhängig von Zeit und Geld. Und hey, wenn wir nach WKII geborenen Leute aus westlichen Industrienationen irgendwann in unserer Lebensspanne mal das Gefühl hatten, kafkamäßig weniger als null Kontrolle über das zu haben, was in der Welt und mit uns in der Welt passiert, dann ja wohl die vergangenen anderthalb Jahre.

Viele Grüße
JC

 
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06.02.2021
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Hi @Rob F

Ich fand es interessant dein Thema der Verwandlung erneut in einer anderen Version vorzufinden. Auch in dieser kurzen FOrm. Es macht Spaß.

"Für Sie wieder ein schwarzer Kaffee?", fragt sie Hano, als sie dem Mann sein Getränk reicht.
Ich würde "als sie dem Mann sein Getränk reicht" einfach weg lassen. Es hat mich an dieser Stelle verwirrte. Unnötig.

Deine Geschichten erinnern mich an die Wahrnehmungsveränderungen, ja wie schon erwähnt bei Kafka, oder eben "Die Taube" von Süskind. Der graue Alltag wird unerträglich und zeigt sich in einer anderen Form. Und wir fragen uns ob diese Wahrnehmung nicht der Realität mehr entspricht, als jene die wir vorher hatten. Ja und da ist ein Element das es schafft zu transformieren. Eine Verkäuferin.
Und er hat sie gesucht

Noch ist nicht alles verloren. Ich muss die freundliche Frau mit dem Kaffeewagen finden.

Sie scheint ein bisschen "Momo" für unseren Alltag zu sein. Und das amüsante scheint mir, Hano wusste es schon vorher. Nur sie kann diese Situation retten.

Danke. Es hat mir gefallen.
Viele liebe Grüße
G.

 
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09.12.2019
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Hallo @Waldläufer ,

danke für dein Feedback!

Bin nun zu dem Schluss gekommen, dass die Kaffee-Frau den Fixpunkt darstellt, ohne den sich Hanos Welt aufzulösen droht.
Ja, es ist von meiner Seite her speziell auf seine Arbeitssituation bezogen, aber es freut mich, dass es dir durch die Inhalte auch so aufgefallen ist!
Es ist durch den flash fiction-Umfang zwar alles recht knapp, aber Hano ist sehr penibel und psychisch eher labil. Anstatt der Frau mit ihrem Kaffeestand hätte es auch ein anderer Grund sein können, etwas Positives, das auch noch wegfällt und das Fass zum Überlaufen bringt, Hano diese Wahnvorstellungen beschert.

Wo ich jetzt zu dieser Erkenntnis gekommen bin und den Text abschließend lese, muss ich sagen: das hast du genial umgesetzt. Du hast mich wirklich gekriegt und zum Nachdenken angeregt.
Vielen Dank! Das kann ich als Autor schwer beurteilen, aber vielleicht lohnt es sich ja, den Text nochmal zu lesen, wenn die Grundidee klar wird, was ja wahrscheinlich eher zum Ende hin der Fall sein kann.

Am Ende der Straße steht das braune Bürogebäude. Die reflektierenden Fenster schirmen dessen Leben ab.

Irgendwie komme ich mit den beiden Sätzen nicht klar. Für mich wird nicht ersichtlich, dass er zum Büro möchte (jaa okay, der Titel, aber reicht mir nicht). Und "schirmt dessen Leben ab" klingt so, als würde da mehr hinter stecken, worauf du aber nicht eingehst. Mich würde interessieren, wie sein Verhältnis zum Arbeitsplatz ist.

Ich wollte hierbei ohne erklärende Säatze auskommen, durch das Ende wird m.E. (hoffentlich) deutlich, dass er dort arbeitet. Er zieht ja selbst den Kaffeewagen genau gegenüber den Haupteingang, wo er ihn zu Beginn vermisst hat.
Das Wort "Leben" habe ich mal durch "Welt" ersetzt, vielleicht passt das ja etwas besser.
Alles was Hano in seinem Zusammenbruch sieht, soll darstellen, wie er die Arbeit erlebt, alles was in Unternehmen eher subtil abläuft (wahrscheinlich eher auf den Management-Ebenen, aber das hängt ja vom Unternehmen und dem Betriebsklima ab). Das Mobbing, die Machtkämpfe, ggf. auch direkte "Angriffe" und Führungskräfte, die versuchen, das Chaos zu ordnen.

Das eigene Spiegelbild statt ein Blick ins Innere.
Etwas ist anders. Sein Augleich fehlt,
vor dem Aufenthalt im künstlichen Raum der Sitzenden und Überlegenden.

Meinst du Ausgleich? Ich zerbreche mir gerade den Kopf darüber, was du eigentlich sagen willst. Der Ausgleich zum Spiegelbild? Zum Inneren? Seinen persönlichen Ausgleich, sprich die Kaffee-Frau (dann würde auch der Rest des Satzes einen Sinn ergeben)? Irgendwie schwierig formuliert, wobei - wenn du wirklich die Kaffee-Frau meinst - wäre dieses kleine Wörtchen Ausgleich meiner Ansicht nach der Schlüssel zum ganzen Text: seine Welt gerät aus den Fugen, wenn sie als sein Orientierungspunkt fehlt.
Oder interpretiere ich zu viel in diese Frau rein?

Danke für den Hinweis, ich meinte hier "Ausgleich", habe es entsprechend korrigiert.
Mit Ausgleich meinte ich, wie du am Ende geschrieben hast, die freundliche Frau mit dem Kaffeestand. Der direkt folgende Satz sollte es zeigen:
"Die junge Frau, die sonst nicht weit vom Haupteingang entfernt ..."
Einer der wenigen Lichtblicke auf dem Weg ins Büro fehlt und dann ist es leider erst mal mental vorbei mit Hano.

Wo ist sie? So geht es nicht. Es entsteht ein Ungleichgewicht, etwas verschiebt sich. Die Menschen vor ihm, ihre Hände, sie werden länger und dunkler, zu schwarzen Scheren.

Den Übergang zum Seltsamen fand ich super gemacht. Toll.

Danke! So wie ich es mir vorstelle, steht er fast wie in einer Schockstarre, als er bemerkt, dass die Kaffee-Verkäuferin nicht da ist. Und kann ab diesem Zeitpunkt erst mal alles um sich herum nur auf sich einprasseln lassen.

Welche Kämpfe werden hier ausgetragen, fragt sich Hano. Wann greift mich jemand an?

Die beiden Fragen finde ich unnötig. Sie bereichern die Story nicht wirklich. Zudem ein recht neutraler Ton. Warum er sich die Fragen stellt, weiß ich nicht. Welcher tiefere Sinn steckt dahinter?

Ja, da gebe ich dir recht, solche direkten Erklärungen wollte ich auch eher nicht, habe die Sätze also entfernt.

Einige Kreaturen werden fast drei Meter groß und versuchen, das Chaos zu ordnen. Nach und nach gelingt es ihnen, die kleineren gehorchen und bilden Gruppen.

Warum versuchen manche, das Chaos zu ordnen?

Die großen Kreaturen sollten Führungskräfte darstellen, die versuchen, die Situation, die Mitarbeiter unter Kontrolle zu bringen. Es gelingt ihnen soweit, aber es gibt natürlich auch solche, die Hinterhältigen:
"Nur vereinzelt schleichen sich ameisenartige Geschöpfe von hinten an und versuchen, Beine abzutrennen."

Der Satz ist echt genial. Alles verwandelt sich, die Welt ist voll von Dingen, die er mental nicht verarbeiten kann und dann kommt diese absolut naive Frage und der Fokus rutscht zu einer Banalität (die Frau zu finden), was überhaupt keine angemessene Reaktion auf die Situation darstellt. Sehr gut.
Es ist aus meiner Sicht das Einzige, was er überhaupt noch einigermaßen klar denken kann:
"Durch die fehlende, freundliche Frau hat das Chaos begonnen. Also muss ich sie finden, nur sie kann er beenden."

Was wird passieren, wenn sie für so lange Zeit wegfährt? Hano dreht schon völlig ab, wenn sie für kurze Zeit weg ist.
Das überlasse ich der Phantasie der Leser :)
Ich würde ihm ja den Vorschlag machen, seine aktuelle Arbeitsstelle mal grundsätzlich zu überdenken ...

Danke für deine aufmerksamen Anmerkungen und noch ein schönes Wochenende!

Viele Grüße,
Rob


Hallo @linktofink ,

danke, freut mich sehr, mal wieder einen Kommentar von dir zu bekommen!

Die reflektierenden Fenster schirmen dessen Leben ab.

Lässt mich stutzen, denn es sind nicht das Bürogebäude und die Fenster, die leben und abschirmen. Beides finde ich unpräzise und das sollte bei flash fiction anders sein.
Vorschlag: Das verspiegelte Fensterglas lässt keinen Blick auf das Leben im Bürogebäude zu.

Ich habe "Leben" mal durch "Welt" ersetzt, bin mir aber noch nicht sicher, ob es genau das audrückt, was ich meine.
Es geht mir um das, was innerhalb einer Firma, demnach auch innerhalb eines Gebäudes, alles unter der Oberfläche abläuft, das Zwischenmenschliche. Wie eine eigene kleine Welt, zu der leider auch Mobbing, rücksichtslose Karrieremenschen usw. gehören.

Sein Augleich fehlt, vor dem Aufenthalt im künstlichen Raum der Sitzenden und Überlegenden.

Versteh nix. Denke, du meinst: der Ausgleich fehlt und mit Aufenthalt meinst du seinen Arbeitstag? Wie kann die Kaffeebude der Ausgleich vor dem Arbeitstag sein? Wenn du meinst, dass die Abweichung von den Alltagsroutinen die Gefahr des Kollapses bedeutet, solltest du das verständlich machen.

Ja, der Ausgleich war gemeint, habe es korrigiert.
Mit der Formulierung "... Aufenthalt im künstlichen Raum ..." habe ich erneut versucht, die Scheinwelt, die m.E. in Unternehmen vorhanden sein kann, zu beschreiben. An der Oberfläche sind alle nett, unter der Oberfläche sieht es jedoch ganz anders aus.
Bleibt also noch die Frage, ob "Ausgleich" das richtige Wort ist. Für Hano ist es etwas Positives, vor dem Bürogebäude jeden Morgen die freundliche Kaffeeverkäuferin zu sehen, also ist es m.E. schon ganz passend.

Auch hier, warum passiert das so? Besonders der fette Satz ist für mich nicht nachvollziehbar. Warum tut sie das? Das Ganze ist an sich schon surreal genug, aber wenn deine Figuren zudem unlogisch handeln, läufst du mMn Gefahr, dass deine Leser kopfschüttelnd aussteigen.
Die Geschehnisse spiegeln - zugegeben sehr überspitzt - wie Hano das Arbeitsleben empfindet, wie zuvor erwähnt "unter der Oberfläche".
Der Mann zeigt zuvor auf das Bürogebäude und macht eine "was ist los"-Geste. So war es zumindest gemeint, er streckt beide Arme zur Seite. Die Frau lacht nur und macht eine Geste nach dem Motto "Ich mache dich fertig". Der Mann entschliest sich draufhin, nicht zurückzustecken, sondern greift an und sticht zu.
Im übertragenen Sinn könnte es also z.B. eine Arbeitssituation sein, eine Mitarbeiterin versucht, die Position eines Kollegen zu ergattern. Der fragt, was das soll. Sie verspottet ihn nur und bedroht ihn sogar. Er lässt sich umgekehrt etwas einfallen, um sie fertig zu machen.

Die Verwandelten weichen vor ihr zurück, ohne es zu merken.

Finde ich schade, für mich müsste es andersrum sein, dass sie als Lichtgestalt die Transformierten aktiv verdrängt.

Ja, da gebe ich dir auf jeden Fall recht. Ich habe es mal geändert in:
"Die Verwandelten weichen vor ihr zurück, fauchen und geifern sie an."

Was da für mein Empfinden auf der Strecke bleibt, ist das Innenleben deines Protas. Was mutiert ist die Außenwelt, überhaupt ist alles Außenwelt, das Gebäude, die Kaffeefrau, die Transformierten und das gerät aus den Fugen, nicht der Prota. Er steht fast unbeteiligt in der Szenerie
(...)
Du schreibst von ihm als Beobachter seiner Welt und genauso wirkt er auch, so merkwürdig neutral und distanziert, als hätte das alles nichts mit ihm zu tun. Wenn er den Halt verliert, weil die Kaffeefrau nicht an Ort und Stelle ist, sollte ich sein Innenleben auch spüren. Jetzt kannst du natürlich sagen, alles was abläuft, ist hunderpro sein Innenleben, weil eine Geburt seiner Fantasie, doch für mich bildet das mehr wilde Kulisse als Kontext und deshalb komme ich nicht in deine Figur rein.
Ich versuche mir Szenen, bevor ich sie schreibe, wie eine Flimszene vorzustellen, das macht es mir dann einfacher, es entsprechend darzustellen. Was hierbei natürlich nicht ganz einfach ist ... Aber ich stelle es mir so vor, dass Hano ohnehin schon an der Belastungsgrenze ist, sogar schon auf dem Weg zur Arbeit. Und irgendwann fehlt dann halt nur noch die letzte Kleinigkeit, die zur Überlastung führt, wie hier die Tatsache, dass die freundliche Kaffeefrau nicht am gewohnten Ort steht.
Ich stelle mir hiernach Hano tatsächlich eher katatonisch vor, alles prasselt auf ihn ein, was er in seiner Wahnvorstellung sieht. So gerade noch schafft er es, die Kaffeefrau als den Ausweg zu sehen. Ob er nun nur in seinen Gedanken losläuft, oder tatsächlich, ist m.E. dann die Interpretation des Lesers, beide Varianten können ja möglich sein.
Deinen Einwand kann ich nachvollziehen, Hano handelt die meiste Zeit nicht, stattdessen verwandelt sich sein Umfeld entsprechend dem Stress, den er jeden Tag auf der Arbeit erlebt. Seine Ängste brechen durch, er verfällt in einer Art Schockstarre, bis er glaubt, einen Ausweg gefunden zu haben.
Ich werde es also erst mal so lassen, für mich passt es im Moment nicht, dass Hano direkt aktiv handelt.

Vielen Dank für deine Hinweise und viele Grüße,
Rob


Hallo @Putrid Palace ,

Das eigene Spiegelbild statt ein Blick ins Innere.

Dann würde ich es gleich ganz richtig machne und den Genitiv verwenden:
"... statt eines Blickes ins Innere."

Dann mache ich das mal, als eher Unwissender was Grammatikregeln angeht. :)

Da du nur dies geschrieben hast, habe ich nun für mich selbst festgelegt, dass dir der Text gefallen hat. :gelb:

Viele Grüße,
Rob


Hallo @Proof ,

danke für deinen Kommentar, hat mich sehr gefreut!

Neben ihm der Mann ...

Wahrscheinlich bewusst nicht das flüssigere "Der Mann neben ihm", aber ich sehe es nicht ganz ein.

Ich wollte nicht zu viele Sätze haben, die mit "Der" oder "Die" beginnen. Aber hier passt es schon besser, wie du es vorgeschlagen hast, habe es also geändert.

Eher ein Fischmaul ...

Bin kurz hängengeblieben, weil ich mich gefragt hab: Eher als was?

Es bezog sich auf das Ende des Satzes vorher "... fast bis hinunter zum Mund."
So ganz flüssig ist der Übergang nicht, ich finde bisher nur ein ausführlicheres "Er sieht aus wie ein Fischmaul", oder so in diese Richtung, auch nicht ganz passend. Muss ich noch mal schauen, ich lasse er erst mal so.

Blut gurgelt zwischen den Lippen hervor.

Gurgeln ist Hals, blubbert

Habe es geändert, aber auf "sprudeln", da ich "Blut blubberte ..." nicht so passen fand.

"Danke, es geht schon." Sie stört sich nicht an den Verstümmelungen um sie herum.

Das hier hat mich an etwas anderes erinnert, auch typisch Kafka, diese Gelassenheit, dieses "ist halt so", mit dem alle, oft auch der Prot, auf teils ungeheuerliche, mindestens mal sehr merkwürdige Vorgänge reagieren. Dass die Verstümmelungen sie nicht stören, ist wieder unnötig bis zum Ende erklärt, das geht doch aus dem hervor, was sie sagt.

Für mich ist es hier passend, dass die Frau von dem Chaos im Prinzip überhaupt nichts mitbekommt, oder sie interessiert es nicht. Es entspricht ja im Prinzip auch der realen Situation:
Sie steht vor dem Bürogebäude, ist außerhalb der Arbeitswelt von Hano. Sie ist gut gelaunt und hat mitProblemen wie Mobbing, hinterhältigen Kollegen usw. nichts zu tun. So dann auch in Hanos Wahnvorstellung, sie ist für ihn die positive, heile Welt.
Aber ich habe den erklärenden Satz entfernt, danke für den Hinweis.

"Aber doch nicht so schlecht gelaunt am frühen Morgen", sagt sie und zwinkert dem Kunden zu. "Was darf's denn sein?

Das war mir ein bisschen zu albern.

Da muss ich mit ein wenig Abstand nochmal schauen. Es sollte eine bewusst völlig abwegige Ansprache sein, wenn ein Wesen mit Oktopusarmen vor ihr steht. Als wäre es tatsächlich nur ein müder Mitarbeiter, den sie aufmuntern möchte. Was ja auch noch mal verdeutlicht, dass sie mit allem Schlechten, was Hano im Unternehmen erlebt, überhaupt nichts zu tun hat.

So, jetzt kommt's. Ist bestimmt Quatsch, zumindest bezogen auf deine Intention, aber irgendwas mit Corona? Wie Pandemie und Lockdown uns verändert haben, was es zum Vorschein gebracht hat? Metaphorisch gefasst in Scheren und Tentakel und alles reißt sich gegenseitig in Stücke?
Bezogen auf die Situation hatte ich erst mal speziell an das Arbeitsleben gedacht, gerade bei eher gedanklicher Arbeit im Büro, daher auch zu Beginn der Satz:
"... im künstlichen Raum der Sitzenden und Überlegenden."
Also zumindest liegt der Hauptfokus nicht auf Corona, aber stimmt, die Belastungen durch die Pandemie steigern das alles ja eher noch, auch wenn der Stress weniger direkt im Büro stattfindet.

Demnach: Ab und zu eine positive Auszeit an einem Kaffeestand nicht vergessen!

Danke für deine Hinweise und Anregungen!

Viele Grüße,
Rob


Hallo @G. Husch ,

danke fürs Lesen und Kommentieren!

Ich würde "als sie dem Mann sein Getränk reicht" einfach weg lassen. Es hat mich an dieser Stelle verwirrte. Unnötig.
Stimmt, da bin ich manchmal zu genau, habe den Satz entfernt.

Deine Geschichten erinnern mich an die Wahrnehmungsveränderungen, ja wie schon erwähnt bei Kafka, oder eben "Die Taube" von Süskind. Der graue Alltag wird unerträglich und zeigt sich in einer anderen Form. Und wir fragen uns ob diese Wahrnehmung nicht der Realität mehr entspricht, als jene die wir vorher hatten.
Ich kann zwar den ein oder anderen seiner Titel benennen, aber ich habe bisher tatsächlich noch nichts von Kafka gelesen. Sollte ich vielleicht mal ...
Es ist ja immer eine Frage, was denn nun "die Realität" und "meine Realität ist". Ist etwas für mich weniger real, nur weil die meisten es anders erleben? Aber das würde jetzt zu weit führen, ist auch nicht mein Fachgebiet, über solche Sachen denke ich halt nur manchmal nach, wie ja vielleicht auch diese kurze Geschichte zeigt.

Sie scheint ein bisschen "Momo" für unseren Alltag zu sein. Und das amüsante scheint mir, Hano wusste es schon vorher. Nur sie kann diese Situation retten.
Ja, nachdem er sich aus seiner Schockstarre gelöst hat, ist sie für ihn die naheliegende (Er)Lösung.

Danke für deine Eindrücke, freut mich sehr, dass dir der Text gefallen hat!

Viele Grüße und noch einen schönen Abend,
Rob

 
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Warum verwandele ich mich nicht, denkt Hano, als er seine Hände betrachtet. Oder merke ich es nur nicht, als Beobachter meiner Welt
ist der Satz, der mich an Kafkas Verwandlung erinnert und zugleich ans Nibelungenlied, was natürlich arg übertrieben oder doch zumindest wie weit hergeholt erscheint. Aber genau der erste Satz (ich übersetz sofort buchstäblich ins Neuhochdeutsche)

„Uns ist in alten mæren wunders vil geseit
von heleden lobebæren, von grôzer arebeit …“

(Uns ist in alten Mär(ch)en wunderlich viel gesagt
von viel gelobten Helden, von großer Mühsal (alternativ: und großem Leid)“,

„Arbeit“ hatte also eine gänzlich andere Bedeutung, als sie mit der Reformation im 16. Jh. als protestantische Ethik umgedeutet wurde.

Der Gegensatz spiegelt sich aber immer noch im Gegensatz zur Freizeit (Du nennst es „Ausgleich“ - als würde der Privathaushalt sich von selber regulieren oder wir uns nicht freiwillig anderen Zwängen auch in der Freizeit unterwerfen angefangen bei der peergroup vom Kindergarten bis hinein ins Altenheim ). Gut, wir werden nicht mehr zur Arbeit geprügelt, haben in der überwiegenden Zahl die Pflicht verinnerlicht und ggfs. wird man zum Fall für die Wohlfahrt für alle, die schlecht gefahren sind … Dass „Demokratie“ und „Individualismus“ hinter Werksmauern und Verwaltungsgebäuden hintansteht dürfte kein Geheimnis sein. Aber Konkurrenz, nicht nur um Posten und Pöstchen, findet man selbst in den öffentlichen Verkehrsmitteln, sofern man stehen muss ...(s. Scherenhände, mir fallen die Scheren der Krebse ein und der Krebsgang, den G. Grass mit einem seiner letzten Werke ein Denkmal gesetzt hat. Da kann der Weg zur Arbeit im Geschubbst-werden schon Teil des Konkurrenzkampfes sein)

Bissken Flusenlese,

beginnend im Raum des Wortspiels mit den „Überlegenden“, die überlegen (auch schon mal privat) als auch „überlegen“ wirken wollen und gelegentlich auch in der Hierarchie auf einem höheren P(f)ossten sitzen

Sein Ausgleich fehlt, vor dem Aufenthalt im künstlichen Raum der Sitzenden und Überlegenden.
KOmma weg - es sei denn, Du weißt um eine entsprechende Regel, die ich nicht kenn ...

Einige Kreaturen werden fast drei Meter groß und versuchen, das Chaos zu ordnen.
Da wird die Regel des Infinitvs(atzes) durchbrochen – weg mit dem Komma, es zerschlägt sonst das komplexe Prädikat „zu ordnen versuchen“

immer vorsicht, wenn ETWAS versucht wird (oder idR Modalverben – können, müssen, sollen usw. - gleich ein zwotes Verb erzwingen und mitbringen),

rät der

Friedel,
der noch einen schönen Restsonntag wünscht!

 
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15.03.2021
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Hi @Rob F,
auch ich fand Deine Geschichte interessant. Dass die Realität manchmal unerträglich sein kann und einem alles grotesk, sinnlos, grausam vorkommt, kennt sicher jeder irgendwie. Daraus mal solch eine Geschichte zu machen wie ein Gemälde von Dali, gute Idee. Da schon viel geschrieben wurde, hier nur zwei Ideen:

Die reflektierenden Fenster schirmen dessen Welt ab. Das eigene Spiegelbild statt eines Blickes ins Innere.
„Die reflektierenden Fenster schirmen die Welt im Inneren ab. Das eigene Spiegelbild statt dessen.“ Fände ich klarer.
Etwas ist anders. Sein Ausgleich fehlt, vor dem Aufenthalt im künstlichen Raum der Sitzenden und Überlegenden.
Das Wort „Ausgleich“ finde ich tatsächlich noch nicht so gelungen. Vielleicht eher etwas wie:
„Sein Lichtpunkt fehlt, vor den mühseligen Stunden im düsteren Krieg, in künstlicher Welt.“ ?
Vielleicht kannst Du etwas damit anfangen.
Grüße,
Palawan

 
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09.12.2019
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@Friedrichard

Hallo Friedel,

vielen Dank für deine Anmerkungen!

Du nennst es „Ausgleich“ - als würde der Privathaushalt sich von selber regulieren oder wir uns nicht freiwillig anderen Zwängen auch in der Freizeit unterwerfen angefangen bei der peergroup vom Kindergarten bis hinein ins Altenheim
Ich habe das Wort "Ausgleich" mittlerweile ersetzt, da es in einem so kurzen Text ohne etwas mehr Kontext dann doch etwas fehl am Platz wirkt. Obwohl ich es inhaltlich ganz passend finde, die freundliche Kaffeeverkäuferin war für den Protagonisten ein kleiner positiver Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag.
In den meisten Fällen werden wir uns wahrscheinlich bewusst die positiven Dinge suchen, aber auch das Unterbewusstsein arbeitet permanent. Also wer weiß, in welche Richtungen es uns zieht, ohne dass wir es zu Beginn bemerken. Und danach halten wir es für eine bewusste Entscheidung :)
Genau damit wird Werbung ja arbeiten, oder z.B. auch die Gestaltung von Kaufhäusern.

Aber Konkurrenz, nicht nur um Posten und Pöstchen, findet man selbst in den öffentlichen Verkehrsmitteln, sofern man stehen muss
Wahrscheinlich dann oft aus der Angst heraus, etwas nicht zu bekommen, weniger "erfolgreich" zu sein, als andere. Und wenn es nur der Sitzplatz in der Bahn ist:
"Ich muss auch einen haben! Andere dürfen nicht mehr haben als ich!"

Einige Kreaturen werden fast drei Meter groß und versuchen, das Chaos zu ordnen.

Da wird die Regel des Infinitvs(atzes) durchbrochen – weg mit dem Komma, es zerschlägt sonst das komplexe Prädikat „zu ordnen versuchen“

Habe es entfernt, dabei hatte ich nach deinem Kommentar zum vorherigen Text versucht, mir diese Regel zu merken ... irgendwann wird es!

Danke für dein Feedback und noch eine gute Woche!

Viele Grüße,
Rob


Hallo @Palawan ,

danke fürs Lesen und deine beiden Tipps!

Den ersten von dir genannten Inhalt lasse ich mal so, finde es soweit ganz passend.

Das Wort „Ausgleich“ finde ich tatsächlich noch nicht so gelungen. Vielleicht eher etwas wie:
„Sein Lichtpunkt fehlt, vor den mühseligen Stunden im düsteren Krieg, in künstlicher Welt.“ ?
Inhaltlich finde ich "Auszeit" schon passend, aber in diesem kurzen Text kommt die Bedeutung, weshalb ich das Wort verwendet habe, wahrscheinlich nicht rüber. Ich habe es daher nun etwas einfacher gehalten:

"Etwas ist anders. Jemand fehlt, vor dem künstlichen Raum der Sitzenden und Überlegenden. Die junge Frau, die sonst ..."

Danke für deine Eindrücke und viele Grüße,
Rob

 
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Hi Rob,

mir hat dein Text gut gefallen. Ich interpretiere die dunkle Seite der Geschichte als Hanos' Panik-/Angstattacke. Durch das ausfühliche Beschreiben der totalen Entfremdung seiner Umwelt, ziehst du den Leser sogartig mit rein. Dies führte dazu, dass ich als Leser die beklemmende Situation fühlen konnte. Das gefällt mir.

"Ja, danke." Er wischt sich mit einem Taschentuch über Gesicht und Stirn.
Dieser Satz würde für mich als Ende vollkommen ausreichen. Dadurch dass er sich mit dem Taschentuch über sein Gesicht wischt, symbolisiert sein Handeln ein "Aufatmen". Der Spuk ist vorbei. Zumindest für den Moment, da er seinen Ankerpunkt, die Kaffeefrau vor sich hat.

Sonnige Grüße,
Heidi

 
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N'abend @heidischreibt ,

danke fürs Lesen und deine Eindrücke!

Ich interpretiere die dunkle Seite der Geschichte als Hanos' Panik-/Angstattacke.
Ja, das fasst es gut zusammen. Dadurch passt es m.E. auch, dass er zunächst alles nur wahrnimmt, wie in einer Schockstarre, bis der einzige für ihn rettende Gedanke durchkommt: Die freundliche Kaffeeverkäuferin finden.

Durch das ausfühliche Beschreiben der totalen Entfremdung seiner Umwelt, ziehst du den Leser sogartig mit rein. Dies führte dazu, dass ich als Leser die beklemmende Situation fühlen konnte. Das gefällt mir.
Danke, das freut mich auch deswegen sehr, da bei einem so kurzen Text ja kaum eine Bindung zum Protagonisten entstehen kann. Also müssen die Handlung, die Geschehnisse eine entsprechende Wirkung haben, scheint ja dann ganz gut geklappt zu haben.

Dieser Satz würde für mich als Ende vollkommen ausreichen. Dadurch dass er sich mit dem Taschentuch über sein Gesicht wischt, symbolisiert sein Handeln ein "Aufatmen". Der Spuk ist vorbei. Zumindest für den Moment, da er seinen Ankerpunkt, die Kaffeefrau vor sich hat.
Inhaltlich wäre das auch m.E. möglich, ich finde es dann als Ende nur ein wenig abrupt. Irgendeinen Ausblick, was noch kommen könnte, wollte ich schon geben. Auch wenn es für den Protagonisten wohl nichts Gutes bedeutet - aber zumindest kann er sich durch die Aussage der Frau drauf einstellen :)

Danke für deinen Kommentar und viele Grüße,
Rob

 
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@Rob F

Für mich ist es hier passend, dass die Frau von dem Chaos im Prinzip überhaupt nichts mitbekommt, oder sie interessiert es nicht.
Ist okay, ich hab allerdings auch nicht gesagt, dass ich es unpassend finde - nur, dass es mich an Kafka erinnert.

 

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