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Thema des Monats Lea Culpa

Beitritt
24.12.2015
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Lea Culpa

Leise schlägt der Zeiger der Wanduhr Sekunde um Sekunde um. Tick. Tick.
„Können wir vor dem Essen beten?“, fragt Lea.
„Oh Gott“, entfährt es ihrem Vater Jürgen und den Seufzer, als er die Hände faltet, kann er ebenfalls nicht unterdrücken.
„Lass sie doch, Papi“, beschwichtigt Julia, Leas kleine Schwester, mit einem zuckersüßen Lächeln und wirft ihrer Schwester einen dieser gönnerhaften Blicke zu.
‚Papi‘: Er hat es immer gehasst, wenn ich ihn als Kind so genannt habe und Julia ist jetzt fast zwanzig, geht es Lea durch den Kopf.
„Mach nur, Schatz“, ermutigt Leas Mutter Lore sie, während sie das dritte Glas Wein leert und anschließend die Hände ineinander legt. Die Familie sitzt still am Tisch und Leas Hals fühlt sich trocken an, während der Sekundenzeiger der Wanduhr von Schlag zu Schlag lauter zu hämmern scheint. Julia kichert leise. Der Spott ist kaum hörbar, aber da.
„Nein, entschuldigt. Das war eine dumme Idee.“ Lea löst ihre Finger auseinander und versucht den Moment mit der linken Hand wegzuwischen. „Lasst uns essen. Das war eine dumme Idee“, wiederholt sie.
„Na, wenigstens hast du es noch rechtzeitig gemerkt“, knurrt ihr Vater mit einem schiefen Grinsen zu seiner jüngeren Tochter hinüber, die wieder leise lacht. Dann trifft sein Blick den seiner Frau und die unverblümte Verachtung, die ihm über den Rand des erneut gefüllten Weinglases entgegenschlägt, lässt ihn zusammenzucken, während Lea das Herz in die Hose rutscht.
„Ja, tut mir leid“, stimmt sie zu und greift nun selbst zum Bordeaux.
„Ich fand es eine schöne Idee“, sagt Lore. Sie lächelt liebevoll und traurig über den Tisch. Dann ergreift sie das Besteck, rammt die Gabel regelrecht in ihr Roastbeef und beobachtet mit einem lange erloschenen Funkeln, das fast vollständig der Trübheit in den blauen Augen gewichen ist, ihren Mann, wie er mit dem Daumen an der Wurzel des Ringfingers spielt. Früher hat er dabei immer seinen Ehering um den Finger gedreht, aber den trägt er nur noch selten seit er wieder so oft bis spät abends arbeitet.

Tick. Tick. Der Zeiger an der Uhr treibt sie alle mit unheilvollem Taktschlag, die Sekunden abzählend, auf den nächsten Morgen zu. Dann zerschneidet der Klang des Messers auf dem Porzellanteller die Stille, als Lore ihr Fleisch zerfetzt und den ersten Bissen mit einem großen Schluck Wein hinunterspült.
„Das nächste Mal kaufe ich auch Tofu oder Halloumi für dich, Lenchen“, verspricht sie mit einem entschuldigenden Lächeln, während Lea abwechselnd in ihren Rosmarinkartoffeln und dem Beilagensalat herumstochert.
„Danke, Mama.“ Und ‚das nächste Mal…‘ wiederholt sie im Stillen.

Erneut kreischt das Messer und jagt Jürgen einen Schauer über den Rücken. Unbehaglich streicht er sich über die aufgestellten Haare in seinem Nacken und räuspert sich.
„Ich glaube, ich werde mir ein neues Motorrad kaufen“, verkündet er schließlich und hebt sein Glas als wolle er darauf anstoßen, bevor er es an die Lippen setzt.
„So?“, fragt Lore, „wieso das denn?“ Sie trinkt aus und schenkt sich nach.
„Martin will im Sommer von Basel zur Straße von Gibraltar fahren und ich denke ich werde mitfahren.“
„So?“, sagt Lore erstickt zwischen zwei Bissen. „Martin, ist das nicht dein Jugendfreund, dieser ewige Junggeselle?“
„Genau, er hat mich neulich angerufen. Wir haben uns ewig nicht gesprochen.“
„So? Na wie schön.“ Lore trinkt. Tick. Tick.
Lea überlegt, legt schließlich das Besteck ab und richtet sich im Stuhl auf: „Vielleicht solltet ihr mal zusammen einen Motorradurlaub machen“, schlägt sie ihren Eltern vor.
Lore lacht auf: „Aber Lea, ich bin doch viel zu alt für sowas“, aber einen Moment muss sie bei dem Gedanken lächeln.
„Mama, du bist geradeso vierzig“, widerspricht Lea. Sie sieht hinüber zu ihrem Vater und verschluckt sich beinahe, als sie bemerkt wie dieser nach den Worten seiner Frau aufatmet.
„Ha, deine Mutter bekommt man in keinen Urlaub mehr, wenn dort keine Liege mit Poolbar auf sie wartet“, dröhnt Jürgen hervor und nun ist es wieder Julia, die auflacht.
Lea sieht ihrer Mutter zu, wie sie ein weiteres Mal das Weinglas leert und Jürgen einen trotzigen Blick zuwirft.
„Mike hat gesagt, dass es für Paare wichtig ist, auch mal Zeit zu zweit zu verbringen, fernab vom Alltag“, sagt sie.
Lore hält zwischen zwei Schlucken inne und setzt das Glas mit einem wehmütigen, ins Leere gerichteten Blick ab.
„Ach, hör mir auf mit deinem amerikanischen Prediger“, winkt ihr Vater ab.
„Aber damit hat er doch recht“, beharrt Lea. „Mike und seine Frau machen zwei Mal im Jahr eine Fahrradtour, nur zu zweit, und sie sind so glücklich!“
„Ja, solche Paare brauchen so ein Programm ja auch“, knurrt Jürgen. „Vielleicht sollten sich alle Männer ihre Frau einfach zuteilen lassen: So, ihr kennt euch nicht, aber macht mal das Beste draus!“, empört sich ihr Vater. „Du verbringst zu viel Zeit bei diesen Leuten, Lea. Manchmal glaube ich, du bist schon genauso verdreht im Kopf wie dieser Mike.“
„Aber ich wollte doch nur…“ Leas Stimme versagt, sie schluckt. „Ich dachte das tut euch vielleicht gut. Ihr seid doch verheiratet.“
„Ich muss mir doch keine Beziehungsratschläge von einem Fanatiker holen, der eine Fremde auf irgendeiner Massenhochzeit geehelicht hat.“ Ihr Vater wird lauter. „Dieser ganze Sektenkram, das ist doch krank!“
Es klirrt hell als Lore ihr Weinglas so fest auf dem Tisch absetzt, dass rote Tropfen die weiße Tischdecke tränken.
„Stimmt, der eigenen Tochter die Schuld dafür zu geben, dass man sie mit neunzehn gezeugt und dann die werdende Mutter geheiratet hat, weil es gerade am bequemsten war, ist viel besser!“ Wieder hebt sie das Glas und ihr Blick geht zur Decke als sie den Kopf in den Nacken legt.
„Ach, du bist ja betrunken.“

Tick. Tick. Lea senkt den Blick. Ihre Hand zittert und wandert in die Tasche ihrer Jacke, die über der Rückenlehne des Stuhls hängt, fühlt, ob das Flugticket noch da ist. San Francisco – nur der Hinflug, morgen früh, Mike und seine Frau fliegen auch mit und der Sekundenzeiger tickt.

 

Hallo Robert Lieberling,

herzlich willkommen bei den Wortkriegern.

Das Geräusch des Sekundenzeigers ist alles was im Esszimmer zu hören ist. Klick. Klick.
Ich gestehe, da ich hier nur eletronische Uhren habe, bin ich ins Bad gegangen. Dort hängt eine elektrische Uhr, die aber wenigstens einen Sekundenzeiger hat. Und er klickt, aber es muss schon eine sehr tiefe und weitreichende Stille herrschen, damit man dieses Klicken hört. Ohne jetzt weitergelesen zu haben, nehme ich stark an, dass dieses Klicken eine Bedeutung hat, aber für mich wirkt dieser Satz im Augenblick übertrieben und aufgesetzt.

Er hatte es immer gehasst, ... ist jetzt ... .
Du schreibst Deine Geschichte im Präsens. Ein Rückblick in die Vergangenheit sollte/müsste also im Perfekt stehen. Aber Du gebrauchst das Plusquamperfekt. Das ist stilistisch irritierend und formal falsch.

Leas Mutter Lore
Oben hast Du gesagt, dass Julia Leas jüngere Schwester ist. Dieser Satz klingt aber so, als ob Julia eine andere Mutter hätte als Lea.

Julia kichert leise. Der Spott ist kaum hörbar[KOMMA] aber da.
Ich verstehe diese Sätze so, dass sie spöttisch kichert. Warum dann nicht in einem Satz?

„Nein, entschuldigt. Das war eine dumme Idee“, ...
Bitte trenne die Abschnitte, in denen verschiedene Personen reden (wörtliche Rede) deutlich voneinander. Sonst verheddern sich die Lesenden nach einigen Sätzen hilflos im Worterauschen.

rammt die Gabel regelrecht in ihr Roastbeef und beobachtet mit einem düsteren Funkeln in den trüben, blauen Augen
Kann man eine Gabel auch regelwidrig in ein Roastbeef rammen?
Die zugesetzten Wörter geben kaum ein einprägsameres Bild, zumal mir recht unklar ist, wie ein Funkeln Abneigung oder Schlimmeres ausdrücken kann.

Der Zeiger an der Uhr, treibt sie alle mit unheilvollem Taktschlag, die Sekunden abzählend, auf den nächsten Morgen zu.
Das erste Komma ist sicher falsch, da das Hauptverb jetzt hinter dem Komma steht. Die weiteren Kommas könnten auch anders gesetzt werden: Der Zeiger an der Uhr treibt sie alle, mit unheilvollem Taktschlag die Sekunden abzählend, auf den nächsten Morgen zu. So fände ich es trotz der Doppelung - ein Sekundenzeiger zählt immer Sekunden - sinnvoller.

Dann kommen wieder wörtliche Rede und Action und alles in einem Absatz ohne Pause. Das ist Leserquälerei!

muss sie bei dem Gedanken daran verhalten lächeln

Stimmt, der eigenen Tochter die Schuld dafür zu geben, ...
Tut er das? Habe ich nicht kapiert. Man kann sich bei diesen kleinen Brocken etwas denken - ich denke an die Moon-Sekte - aber es ist alles recht schwammig und unbestimmt.

Deutlich wird das an Aussagen wie

Früher hat er dabei immer seinen Ehering um den Finger gedreht, aber den trägt er immer seltener seit er wieder so oft bis spät abends arbeitet.

Sofort denkt man: Der Ehemann hat eine Freundin und betrügt seine Ehefrau. im weiteren kommt man dann zu dem Schluss, dass die Ehefrau wegen dieser Situation langsam zur Alkoholikerin wird. Aber stimmt das? Es gibt ja auch Stellen, wo sich ein anderes Bild abzeichnet. Letztlich bleiben dem Leser also nur Vermutungen. Und dann beschließt die Tochter, ihren - letzten? - Rettungsversuch zu beenden. Warum? Auch da muss man spekulieren.

Vielleicht kann die Geschichte gewinnen, wenn Du sie besser gliederst. Aber ich denke, Du solltest die Figuren und ihre Situation und ihre Ziele ausführlicher beschreiben und die offensichtlich ja zum Teil schon seit vielen Jahren bestehenden Konflikte deutlicher darstellen.

Liebe Grüße

Jobär

 

Hallo Robert,

und willkommen bei den Wortkriegern.
Zu deinem Einstand möchte ich dir erst mal nur so viel sagen: Bitte kümmere dich doch um eine lesbare Formatierung. Es ist sehr anstrengend eine Geschichte zu lesen, wenn das alles nur in einem Block vorgesetzt wird. Wenigstens beim Wechsel des Sprechers, sollte immer eine Absatz eingefügt werden. Aber auch so sollte man mit Absätzen nicht geizen, wenn es eine Geschichte ist, die am Bildschirm gelesen werden soll. Das ist schon noch mal was anderes, als wenn man eine gedruckte Version vor sich hat.
In dieser Form wird das ganz sicher einige Leser abschrecken, mich zum Beispiel.

Zu deinem Einstiegssatz nur so viel: ich bin ziemlich empfindlich, was tickende Uhren angeht. Von daher habe ich schon eine ganze Menge Uhren durch in meinem Leben. Keine davon hat allerdings ein Geräusch gemacht, die ich mit Klick beschreiben würde. Ist das wirklich die richtige Wortwahl?

Noch ein paar schöne Feiertage und natürlich viel Spaß hier bei den Wortkriegern :)
Grüßlichst
Weltenläufer

 

Hallo Robert,

auch von mir ein herzliches Willkommen in diesem Forum!

Deine kleine Geschichte passt gut in unser Monatsthema. Es ist zwar nicht ganz eindeutig, warum Lea hier die letzte Ausfahrt nimmt, aber warum man an ihrer Stelle keinen Tag länger in dieser Familie bleiben möchte, wird ziemlich deutlich. :)

Deine Story ist im besten Sinne alltäglich und realitätsnah. Ich glaube, es würde ihr guttun, wenn auch die Sprache so gewählt wäre, dass man sich so richtig mittendrin fühlt; das ist Dir aber nur eingeschränkt gelungen. Es sind einige Formulierungen drin, die gekünstelt und übermäßig beschreibend klingen.

Das ist besonders auffällig bei den Redebegleitsätzen, in denen Du anscheinend sehr viel Mühe darauf verwendest, ein einfaches "sagte er/sie" zu vermeiden. Statt dessen heißt es bei Dir "entfährt", "beschwichtigt", "ermutigt", "knurrt" usw. Das ist im Prinzip nicht falsch, wirkt aber in der Häufung sehr gezwungen. Ich würde versuchen, solche Wörter nur dann zu benutzen, wenn sie tatsächlich einen Informationsgewinn bringen: Das wäre z.B. bei "knurren" oder "entfahren" der Fall, weil man dann die Zusatzinformation bekommt, in welchem Ton oder auf welche Art und Weise jemand etwas sagt. Bei Worten wie "beschwichtigen" oder "ermutigen" hingegen sollte die entsprechende Information eigentlich in der wörtlichen Rede selbst enthalten sein, d.h. der Inhalt des Gesagten ist ja dann schon beschwichtigend bzw. ermutigend.

Wenn Du das beherzigst, hast Du schon mal die Hälfte dieser Wörter raus. Als Ersatz kannst Du ruhig mehr als einmal das simple "sagte/fragte" verwenden oder auch mal eine wörtliche Rede ganz unbegleitet lassen, wenn auch so erkennbar ist, wer spricht. Oder Du stellst einfach einen Hauptsatz daneben, so wie hier:

„Aber ich wollte doch nur…“ Leas Stimme versagt, sie schluckt.
Da habe ich mal das Komma nach der wörtlichen Rede gelöscht, damit es wirklich ein separater Hauptsatz wird. Wenn Du zwischen diesen vier Varianten wechselst, klingt Dein Text abwechslungsreich, ohne dass Du den Thesaurus der Redebegleitwörter durcharbeiten musst. ;) Die Zeilenwechsel, die Dir weltenläufer ans Herz gelegt hat, tun dann ein Übriges.

Der zweite größere Punkt, den ich Dir nahebringen möchte, geht in eine ähnliche Richtung. Du hast öfters noch zusätzliche beschreibende Adjektive oder Adverbien im Text, die eher stören als helfen, weil sie Dinge mitteilen, die man als Leser schon weiß, die man sich selbst erschließen möchte/könnte oder die schlicht unwichtig sind. D.h. da wäre Kürze wohltuend. Ein paar Beispiele:

„Lass sie doch, Papi“, beschwichtigt Julia, Leas kleine Schwester, mit einem zuckersüßen Lächeln und diesem gönnerhaften Blick hinüber zu ihrer Schwester, den sie in solchen Situationen immer aufsetzt.

Zuckersüßer Blick und gönnerhaftes Lächeln sind für sich genommen schon fast zu viel, eines von beiden hätte es auch getan. Der letzte Halbsatz ("den sie ...") ist definitiv überflüssig, denn dass das Verhältnis zwischen den beiden Schwestern nicht nur heute so ist, merkt der Leser schnell aus dem Kontext.

Lea löst ihre Finger auseinander und versucht den Moment mit der linken Hand wegzuwischen.

Völlig egal, ob es die linke oder die rechte Hand ist. Wenn Du die "linke" erwähnst, bleibt der Leser nur hängen und fragt sich, warum die Seite wohl von Bedeutung ist. "Mit einer Handbewegung" wäre die einfache Formulierung.

„Das nächste Mal kaufe ich auch Tofu oder Halloumi für dich, Lenchen“, verspricht sie mit einem entschuldigenden Lächeln, während Lea abwechselnd in ihren Rosmarinkartoffeln und dem Beilagensalat herumstochert.

Zum einen ist kaum anzunehmen, dass sie im wörtlichen Sinne genau abwechselt, zum anderen wäre es selbst dann unwichtig.

„Ich glaube, ich werde mir ein neues Motorrad kaufen“, verkündet er schließlich voller Pathos

Der Pathos steckt in "verkünden" schon drin.

als sie sieht wie erleichtert dieser über die Worte seiner Frau aufatmet.

Wie sonst atmet man auf, wenn nicht erleichtert?

Lore hält zwischen zwei Schlucken inne und setzt das Glas mit einem wehmütigen, ins Leere gerichteten Blick ab.

Was der Blick ins Leere bedeutet, möchten sich die meisten Leser lieber selbst ausmalen können. Mit dem davor Gesagten sollte das hier auch klappen.

Das sind wie gesagt nur Beispiele. Du solltest insgesamt etwas mehr Vertrauen in Deine eigene Sprache und in den Leser haben, dass er sich aus Deinen Andeutungen heraus das Innenleben Deiner Charaktere peu à peu erschließt.

Ansonsten teile ich die meisten der schon geäußerten Einwände. Du kannst also stilistisch noch eine ganze Menge verbessern. Punkten tut Dein Text aber m.E. auf der inhaltlichen Ebene durch seine Realitätsnähe und den eher seltenen, angenehm beiläufigen Sektenbezug. Manche werden sich da mehr Informationen wünschen, aber ich finde es durchaus gut, wenn nicht die Sekte, sondern die Familie im Zentrum der Aufmerksamkeit steht.

Grüße vom Holg ...

 

Hallo Robert Lieberling

also: ich mach es kurz (auch schon deshalb, weil du dich seitdem du die Geschichte eingestellt hast nicht mehr recht hier reingeschaut hast und ich befürchte dein Interesse an Kommentaren ist gering): das war echt mühsam zu lesen. schon wegen der Formatierung, aber auch weil es ziemlich undurchdacht klingt. Aufbauend allein auf dem kleinen Wortspiel: mea culpa - Lea culpa, was dann aber im Text nur eine geringe Rolle spielt.
Saufende Eltern und sonst wenig interessantes, nicht einmal ein packendes Finale. Nur das Ticket nach San Francisco (hättest ja wenigstens L.A. nehmen können, da wäre in Angeles wenigsten noch ne kleine Anspielung auf die Bibel bzw. den Glauben drin.
Bis dieser Prediger und die Massenhochzeit ins Spiel kommt, könnte es ein nettes Kammerspiel werden, dann driftet es aber ab und mir wird nicht klar, was Lea mit diesem Mike verbindet oder was ihre Motive überhaupt sind. Das müsste man besser herausarbeiten.

Zum Text wird wohl der Holg, der unglaubliche :) schon alles wesentliche gesagt haben.

Viele Grüße und willkommen bei den (Wort-)Kriegern
Isegrims

 

Hallo Robert Lieberling

also: ich mach es kurz (auch schon deshalb, weil du dich seitdem du die Geschichte eingestellt hast nicht mehr recht hier reingeschaut hast und ich befürchte dein Interesse an Kommentaren ist gering): das war echt mühsam zu lesen. schon wegen der Formatierung, aber auch weil es ziemlich undurchdacht klingt. Aufbauend allein auf dem kleinen Wortspiel: mea culpa - Lea culpa, was dann aber im Text nur eine geringe Rolle spielt.
Saufende Eltern und sonst wenig interessantes, nicht einmal ein packendes Finale. Nur das Ticket nach San Francisco (hättest ja wenigstens L.A. nehmen können, da wäre in Angeles wenigsten noch ne kleine Anspielung auf die Bibel bzw. den Glauben drin.
Bis dieser Prediger und die Massenhochzeit ins Spiel kommt, könnte es ein nettes Kammerspiel werden, dann driftet es aber ab und mir wird nicht klar, was Lea mit diesem Mike verbindet oder was ihre Motive überhaupt sind. Das müsste man besser herausarbeiten.

Zum Text wird wohl der Holg, der unglaubliche :) schon alles wesentliche gesagt haben.

Viele Grüße und willkommen bei den (Wort-)Kriegern
Isegrims

P.S. und das Ticken der Uhr ist zwar ne nette Idee, aber wozu?

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo Leute,

schonmal vielen Danke für die Kritik und die Anregungen. Vieles werde ich gerne beherzigen und ich möchte mich bei allen schonmal für die Formatierung entschuldigen. Sorry, da habe ich einfach keinen Gedanken dran verschwendet, aber das wird in Angriff genommen :S

Eine kleine Frage zu den Gepflogenheiten:
Ist es üblich den Originalbeitrag zu bearbeiten oder sollte ich lieber hier im Verlauf eine zweite Version posten (da würde ich dann auch genauer auf einzelne Verbesserungsvorschläge eingehen), damit ein weiterer Leser die Entwicklung nachvollziehen kann?

Gruß,
Robert

PS: Danke fürs warme Willkommen an alle!

 

Hallo Robert,

es ist hier üblich, den Originalbeitrag zu editieren (mit dem Bearbeiten-Button unter dem Post).

Grüße vom Holg ...

 

Hallo Robert Lieberling,

von mir auch noch Herzlich Willkommen! Ich finde es toll, dass es einige ganz neue Mitglieder gibt, die gleich mit ihren ersten Geschichten bei der Challenge mitmachen.

Die Idee zu deiner Geschichte, und wie sie aufgebaut ist, gefällt mir ziemlich gut. So ein konfliktbeladenes Weihnachtsessen in der Familie passt ja sehr gut zur Jahreszeit, und auch echt gut zum Thema des Monats. :)

Aber an der Form kannst du noch einiges tun. Du hast in den bisherigen Kommentaren schon viele Hinweise bekommen, die ich sonst auch gegeben hätte (Absätze, mehr sagte/fragte, etc.). Also versuche ich ein paar Dinge herauszupicken, die bisher noch nicht genannt wurden.

„Oh Gott“, entfährt es ihrem Vater Jürgen passenderweise
Wer findet das denn passend? Der Vater selbst wohl nicht, sonst würdest du nicht das Wort "entfährt" gebrauchen. Lea sicher auch nicht. Also ist das "passenderweise" so eine Art naseweise Bemerkung vom Erzähler. So was kommt nicht gut, zumindest nicht in dieser Art von Geschichte. In einem humorvollen Text kann man das schon mal machen, aber hier würde ich das auf jeden Fall streichen.

Die Familie sitzt mit geneigten Häuptern am Tisch
Das ist Geschmackssache, aber das klingt mir ein bisschen zu gehoben und altmodisch für den Rest der Geschichte. "Gesenkte Köpfe" tun es vielleicht auch?

Dann zerschneidet der Klang des Messers auf dem Porzellanteller die Stille schrill,
Das finde ich nicht gut, einfach vom Klang her. Das "schrill" brauchst du nicht (es passt eigentlich auch nicht genau auf das Geräusch, was beschrieben wird), und wenn du es unbedingt drin haben willst, würde ich es voranstellen also "... schrill die Stille". Sonst ist das so ein halber Reim, das wirkt echt komisch.

„Ich glaube, ich werde mir ein neues Motorrad kaufen“, verkündet er schließlich voller Pathos
Ich finde den Vater sowieso stellenweise schon ein bisschen überzeichnet. Das ist eine Stelle, wo es mir fast wie eine Karikatur vorkommt. "Pathos", das ist feierlich, theatralisch, vielleicht ein bisschen schwülstig. Das passt, wenn jemand ein ehrgeiziges politisches Programm vorstellt, oder eine Gedenkrede hält - aber nicht wenn er mit dem Gedanken spielt, ein Motorrad zu kaufen. Der versucht doch bloß, die peinliche Stille mit irgendwas zu füllen, oder sehe ich das falsch?

„Du verbringst zu viel Zeit bei diesen Leuten, Lea“, ermahnt er seine Tochter. „Manchmal glaube ich, du bist schon genauso bescheuert wie dieser Mike.“
Dass der Vater Mike nicht leiden kann und sich vielleicht auch Sorgen um seine Tochter macht, weil sie sich wohl einer Sekte angeschlossen hat, kann ich nachvollziehen. Wenn er nur Mike "bescheuert" nennen würde, das würde ich verstehen. Aber so, wie das formuliert ist, beschimpft er auch Lea als bescheuert, im Prinzip ohne Provokation. Das würde ich abschwächen - vielleicht einfach ein Wort nehmen, was Lea als verletzend empfinden würde, was aber nicht ganz so krass ist. Fanatisch, verbohrt, weltfremd ... so was in der Art.

„Ach, du bist ja betrunken.“
Mir ist nicht klar, wer das sagt.

Viel Spaß beim Überarbeiten ... ein paar Tage hat das Jahr ja noch übrig. :)

Grüße von Perdita

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo nochmal,

nachdem ich die Geschichte dann gerade noch rechtzeitig aktualisiert habe, jetzt vielleicht nochmal eine etwas genauere Stellungname:

Die Geschichte mit der Uhr:
Ich habe in mehreren Esszimmern mal die Klappe gehalten und oft den Schlag eines Sekundenzeigers gehört. Das gibt's. Ganz abgesehen davon ist das in der Geschichte ja nur ein wiederkehrendes Motiv, das einerseits Bezug auf die ablaufende Zeit nehmen und anderseits die sterile und staubtrockene Atmosphäre bei diesem Familiendinner verdeutlichen sollen. Es ist eben alles andere als fröhliches Geplapper und Kindergelächter - Ich denke, das kriegt es hin.

jobär

Aber Du gebrauchst das Plusquamperfekt. Das ist stilistisch irritierend und formal falsch.

Das sehe ich anders. Ich habe spaßeshalber mal versucht, es im Imperfekt zu schreiben, aber das hat nicht wirklich funktioniert. Gant abgesehen davon hat sie ihn wenn dann ja 'Papi' genannt, bevor sie damit aufgehört hat, also vor einem Punkt in der Vergangenheit. Vorvergangenheit. Jetzt ist es am Ende sowieso Perfekt geworden, von daher Schwamm drüber.

Ich verstehe diese Sätze so, dass sie spöttisch kichert. Warum dann nicht in einem Satz?

Warum in einem Satz? Ist vielleicht Geschmackssache - auf jeden Fall Stil. Mir gefällt es so besser, da es mehr Gewicht darauf legt und das an diesem frühen Punkt in der Geschichte noch vertretbar ist, um die Beziehung der Schwestern etwas rauszuarbeiten.

rammt die Gabel regelrecht in ihr Roastbeef und beobachtet mit einem düsteren Funkeln in den trüben, blauen Augen

- regelrecht: Keine Ahnung, ich denke nicht, dass man eine Gabel regelwidrig irgendworein rammen kann. Natürlich ist es ein "Fülsel", das man eigentlich weglassen kann, und zwar in fast jedem Satz den ich mir mit dem Wort vorstellen kann... Aber ich hab's drin gelassen. Wieder Geschmackssache?

- blaue, trübe Augen usw.: Völlig richtig, kein klares Bild. Danke für den Hinweis.

The Incredible Holg, Perdita:

Danke für den Kommentar, hat mir im Endeffekt sehr geholfen und ich muss sagen, der ein oder andere Punkt, den ihr angesprochen habt, beschäftigt mich schon länger.

Ich habe jetzt einfach nochmal ne Menge Adjektive rausgeschmissen und hier und da auch versucht, den Rahmen der wörtlichen Rede simpler zu halten und "dem Lesern etwas mehr zuzutrauen" (wie Holg glaub ich schrieb, fand ich sehr gut!). Im Großen und Ganzen kann man da vielleicht noch was tun, vielleicht habt ihr ja auch noch etwas zur aktuellen Version zu sagen, ich bin gespannt.

Aber so weit so gut.

Abschließend vielleicht noch kurz:
Zu sehr wollte ich gar nicht raus- oder ausarbeiten. Mein Ziel war eher, dass man in einer relativ knappen Geschichte in eine Szene geschmissen wird, in der es unter der Oberfläche brodelt und gut - am Ende "endtläd" es sich dann eben etwas/teilweise - wie auch immer.
In meinen Augen wäre die Geschichte aber schlechter, wenn sie länger wäre. Sie wäre schlechter, wenn der Leser noch mehr Informationen über die einzelnen Charaktere bekommen würde oder Hintergründe über die Beziehungen, in denen die einzelnen Charaktere zueinander stehen.

Das Ende soll nicht komplett eindeutig und vollständig befriedigend sein. Interessant aber, dass du jobär auch die Sekte direkt richtig erraten hast, auf die ich anspiele...

Weitere Anregungen: immer gern gesehen und wenn jemanden was stört, was schon kommentiert aber noch nicht geändert wurde: immer her damit.

Achso:

„Ach, du bist ja betrunken.“
Mir ist nicht klar, wer das sagt.

Das sagt schon der Vater. Ich finde das auch relativ eindeutig, da Lore ihn anspricht bzw. Stellung zu seiner Äußerung nimmt und sich dann mit Jürgen "im Dialog" befindet. Vielleicht reicht das so nicht, aber ich finde auch, dass keine der anderen Figuren sowas in dieser Situation sagen würde. Allerdings ist hier die Argumentation über das Ausschlussprinzig doch ein Tanz auf sehr dünnem Eis... ;)


Achja: Isegrims
Wo wäre der biblische Bezug zu Los Angeles, der bei Frisco wegfällt? Einfach nur wegen "Angeles"? Ich meine... SAN Francisco... Der heilige Franziskus (von Assisi)... ich kenne mich da ehrlich gesagt nicht gut aus. Vielleicht stehe ich einfach nur auf dem Schlauch...

 

Hallo Robert,

um es kurz zu sagen: mir gefällt Deine Geschichte.
Sie kommt ohne große plakative Bilder aus. Ein Tochter, die für sich Werte entdeckt, und eine Familie, die das nicht wahrnehmen will (oder kann). Man muss die Werte ja nicht übernehmen, aber sie so zu ignorieren muss es eben auch nicht sein.

ok - ob das nun wirklich eine Sekte ist - und ob das eher problematisch wird, schreibst Du ja nicht. Aber Dein Fokus liegt ja eben auch mehr auf den Familien-Problemen.

von daher: gern gelesen
pantoholli

 

Robert Lieberling,

das sind diese Familien, bei denen jedes noch so harmlose Thema landminenverseuchtes Gebiet ist.

Deine kleine Geschichte erzählt viel und zwar besonders zwischen den Zeilen. Das hat mir ausnehmend gut gefallen.

Ich finde sie aber zu dürftig, um wirklich glaubhaft zu sein.

Man spürt, dass du dir viele Gedanken gemacht hast und es sind ein paar Momente dazwischen, die ich für absolut gelungen halte, aber mir fehlen noch mehr Pinselstriche bei den Beteiligten. Lea und Julia sind offensichtlich total unterschiedliche Schwestern, aber ich erfahre nicht genau, wie alt sie sind, also wie reif und wissend sie schon sein könnten und am Ende verstehe ich nicht, wieso ausgerechnet Lea, der ich das nicht zugetraut hätte, diejenige ist, die aus dieser kaputten Familie ausbrechen auch räumlich wird.

Die Anfangsszene ist mir zu seicht. Lea will eigentlich beten, aber sie gibt im Grunde genommen auf, bevor sie angefangen hat. Wie wäre es, wenn sie mit einer Gebetsfloskel anfängt und dann aber nicht weiter weiß. Sie fängt an mit "Herrgott im Himmel, wir..." und dann stockt sie halt und steigt entschuldigend aus dem Thema aus, weil ihr der Mut fehlt.

Julias Rolle ist mir nicht ganz klar. Sie ist offensichtlich die Gegenspielerin, aber in welcher Breite und mit welchem Ziel?

Toll fand ich dieses Museumshafte mit der Uhr. Der Familie rennt die wertvolle Zeit unter den Fingern weg. Sie könnten einander so viel bedeuten, raffen sich dazu aber nicht mehr auf.

Bis auf Julia, die ich, wie gesagt, nicht recht einzuschätzen vermag, hat jeder seinen Ausweg gefunden. Vater, der fremd geht und eigene Urlaube plant, die Mutter, die sich mit Alkohol benebelt und Lea, die einfach flieht, indem sie sich dieser Sekte anschließt und sich auch alsbald räumlich entfernen wird. Schön gemacht und all diese Zwischentöne, die man herauslesen kann und die kleinen Informationen, die machen das Wertvolle deiner Geschichte aus.


Wenn allerdings Lea Anhängerin dieser Sekte ist, würde dann die Ablehnung nicht heftiger sein? Man hat doch große Sorge um sein Kind, wenn man weiß, es hat sich einer Sekte zugewendet. Wenn du darstellen würdest, dass es allen egal ist, das wäre eine Begründung, aber so ist es irgendwie nicht Fisch und nicht Fleisch, was sie dazu zu sagen haben.

Wie anfänglich gesagt, es ist dir gelungen, da viel an Zwischentönen reinzupacken. Das hat mir sehr gefallen.

Lieben Gruß

lakita


Ich hab noch was vergessen. Der Titel ist wunderbar gewählt und ich mag seine Doppeldeutigkeit sehr.

 

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