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Geisterfahrer

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15.10.2015
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Geisterfahrer

Endlos erstreckte sich die A 31 vor seiner Motorhaube. Tobias Hansen gähnte. Ihm war noch immer nicht klar, warum der Alte ihn zu diesem Kunden ans Ende der Welt schickte. Dreihundert Kilometer hin und dreihundert Kilometer zurück für eine Unterschrift, die man genauso gut per Mail bekommen konnte - oder seinetwegen per Post. Aber der Alte war ja hoffnungslos altmodisch. "Kundenbeziehungen wollen gepflegt werden", hatte er wieder mal gesagt. Als ob es auch nur die geringsten Aussichten gäbe, von Onnen & Sohn jemals einen richtig großen Auftrag zu bekommen! Na, wenn es dem Alten Freude machte - vielleicht würde es ja dazu beitragen, dass Tobias den Laden bald überschrieben bekäme; immerhin war der Alte inzwischen deutlich über siebzig. Tobias würde so einiges anders machen als sein Vater.

Er zuckte zusammen und lenkte den BMW zurück in die Spur. Jetzt wäre er über seinen Tagtraum fast eingeschlafen! Dass es auf dieser Autobahn aber auch so einsam war, da musste man ja wegdämmern. Der Mittwochvormittag galt ohnehin nicht gerade als Rush Hour, aber in dieser gottverlassenen Gegend war es wirklich ungewöhnlich ruhig. Den letzten LKW hatte Tobias vor mindestens einer Viertelstunde überholt. Jetzt, da er darüber nachdachte, schien das tatsächlich das letzte Fahrzeug außer seinem eigenen gewesen zu sein, das er gesehen hatte. Das war nun schon mehr als merkwürdig. Hatte er etwa verpasst, dass Ostfriesland evakuiert worden war? Er grinste. Vielleicht hatten sie die Gegend für einen symbolischen Euro an die Holländer verkauft. Mehr war wohl nicht zu holen gewesen ...

Wieder schrak Tobias hoch. Verdammt! Jetzt hätte es ihn wirklich fast von der Straße gerissen! Nicht nur, dass er abermals in den Sekundenschlaf abgeglitten war, nun hatte er auch noch Wahrnehmungsstörungen. Er hatte erst vor sich, dann überall um sich herum ein seltsames gelbliches Flimmern gesehen. Gleichzeitig war für einen Moment ein Kribbeln wie von einem schwachen elektrischen Strom über seinen ganzen Körper gefahren. Er brauchte dringend eine Pause, sonst würde er noch im Graben landen. Und so leer, wie diese Gegend war, würden sie ihn dann wahrscheinlich erst nach zwei Wochen finden.

*​

"Raststätte Rheiderland" stand auf dem Schild. Tobias fragte sich kurz, ob es diese wohl schon länger gab und warum er sie nie zuvor wahrgenommen hatte. Aber er fuhr diese Strecke zu selten, um sich die Frage zu beantworten. Jedenfalls sah hier alles ziemlich neu aus, fast avantgardistisch. Da hatten sich anscheinend ein paar ehrgeizige junge Architekten ausgetobt. Amüsiert nahm Tobias zur Kenntnis, dass die Tankstelle über drei - nein, vier! - Ladestationen für Elektroautos verfügte. Hier war man seiner Zeit offenbar weit voraus, oder die Bauherren waren einfach nur ziemlich optimistisch gewesen. Oder war das hier so ein Testgebiet für neue "Mobilitätskonzepte"? Egal. Er ließ den BMW bis zur Gaststätte weiterrollen. Verdammt, hier war es fast ebenso einsam wie auf der Straße. Gerade mal drei Autos standen auf dem viel zu großen Parkplatz. Eines davon sah übrigens ziemlich futuristisch aus, Tobias erkannte nicht einmal die Marke. Also doch eine Testregion für E-Autos? Wie auch immer. Er stieg aus, schloss den Wagen ab und betrat das Gebäude.

Auch im Innern war alles hypermodern. Elektronische Werbedisplays, vollautomatische Getränke- und Essenausgaben, extravagantes Mobiliar. Tobias fühlte sich fast wie in einer anderen Zeit. Und auch hier drin war alles - menschenleer! Dass keine Gäste zu sehen waren, hatte Tobias fast erwartet, aber wo war das Personal? Oder war der Laden etwa gar nicht geöffnet? Aber dann hätte man ja wohl die Türen abgeschlossen? Außerdem war alles hell erleuchtet, die Elektrogeräte eingeschaltet. Und da es auf Mittag zuging, war es ja wohl auch nicht außerhalb der Geschäftszeiten. Eine Uhr über der Kasse zeigte "Di, 21.10. 11:26" und bestätigte damit sein Zeitgefühl. Dass das Ding bei aller Modernität den falschen Wochentag anzeigte, nahm er achselzuckend hin.

Je länger Tobias sich umsah, desto mehr beschlich ihn das Gefühl, dass dieser Ort mitten aus dem alltäglichen Treiben heraus verlassen worden war. Hier standen noch zwei halbvolle Tassen Kaffee auf einem Tisch - kalt, wie er feststellte. Dort hing noch eine Fleecejacke über dem Stuhl an der Kasse. Die Speisen in den Glaskästen sahen nicht ganz frisch aus, aber auch nicht verdorben; sie konnten höchstens einen oder zwei Tage alt sein.

Erst jetzt kam Tobias auf die Idee, sich bemerkbar zu machen. "Hallo? Ist hier irgendjemand?", rief er erst zaghaft, dann lauter. Keine Antwort, wie erwartet. Nachdem er seine Frage dreimal in steigender Lautstärke wiederholt hatte, wurde ihm bewusst, dass seine Stimme einen fast verzweifelten Klang besaß. Was zum Teufel war hier los? War er auf einmal ganz allein auf der Welt? Dann hatte er die Idee: Wenn hier wirklich etwas passiert war, dann musste es doch in den Nachrichten gekommen sein. Er würde einfach seine Frau anrufen. Oder seinen Vater. Oder die Polizei. Das Handy lag im Wagen. Tobias hastete durch die Tischreihen zurück zum Ausgang. Jetzt erst sah er die Flugblätter.

Sie lagen auf einigen der Tische, manche waren zu Boden gefallen. Er hatte sie wohl zuerst für Werbeflyer gehalten, aber jetzt sprang ihm die Überschrift ins Auge: "EVAKUIERUNG". Tobias griff nach einem der Zettel und las:

Nach dem Einschlag eines atomar bestückten Langstreckengeschosses der libyschen Rebellenarmee in der Nähe von Leer droht eine radioaktive Verseuchung in einem Umkreis von 50 km. Verlassen Sie deshalb schnellstmöglich den Gefahrenbereich.

Es folgten genauere Anweisungen zum Ablauf der Räumung sowie eine Darstellung des betroffenen Gebiets auf einem Kartenausschnitt.

In Tobias' Kopf drehte sich alles. Atomare Geschosse? Krieg mit irgendwelchen libyschen Rebellen? Wieso hatte er davon noch nie etwas gehört? So ein Krieg kam doch nicht von heute auf morgen! Heute früh in den Radionachrichten war davon jedenfalls noch keine Rede gewesen. Und war er jetzt in Gefahr? Womöglich schon tödlich verstrahlt? Er versuchte, sich an die Symptome von Strahlenkrankheit zu erinnern. Haarausfall? Nasenbluten? Irgendwas mit der Haut? Er schien nichts davon zu haben. Er war nur verwirrt und etwas desorientiert, aber das war wohl eher der Schock. Er wusste nicht, ob er träumte oder wach war. Noch einmal las er den Evakuierungsbefehl, und diesmal sah er auch das Datum: "Montag, den 20. Oktober 2025".

2025? Einen Moment lang klammerte sich sein Gehirn an die Hoffnung, das sei ein simpler Schreibfehler, denn es war ja in Wirklichkeit 2015. Doch Tobias wusste schon, dass eine andere Erklärung - so irrsinnig sie auch unter normalen Umständen erschienen wäre - hier wesentlich mehr Sinn ergab. Die Abweichung im Wochentag; er machte sich nicht die Mühe nachzurechnen. Die futuristische Bauweise der Rastanlage. Das ungewöhnliche Elektroauto und die Ladestationen. Die gesamte Raststätte, die auf seiner letzten Reise in den Norden bestimmt noch nicht da war; dessen war er sich jetzt sicher. Und natürlich der Krieg, der nach seinem politischen Wissensstand vollkommen abwegig war. Nein, abgesehen von einer Geisteskrankheit seinerseits gab es nur eine Erklärung für all das: Er hatte - auf welche mysteriöse Weise auch immer - einen Sprung um genau zehn Jahre in die Zukunft gemacht.

Und damit war auch schon die zentrale Frage gestellt: Wie um alles in der Welt war dieser Zeitsprung geschehen? Heute früh war Tobias noch ganz normal zuhause losgefahren, hatte sich von Verena verabschiedet und seine Dienstreise angetreten - und zwar definitiv im Jahr 2015. Und genau dorthin wollte er auch wieder zurück: zu seiner Frau und den Kindern, zu seinem Job in der Firma seines Vaters, die er bald zu übernehmen hoffte, zu seinen Freunden, mit denen er donnerstags immer Squash spielte - kurz: zu seinem Leben. Und raus aus diesem verrückten, verlassenen, verstrahlten Kriegsgebiet der Zukunft!

Aber dafür musste er zuerst mal herausfinden, wie er hierhergekommen war. Tobias unterdrückte seine Panik und zwang sich, klar zu denken. Was war zwischen seiner Haustür und dieser Geisterraststätte passiert? Ab welchem Punkt auf seiner Reise war er nicht mehr in seiner Zeit gewesen? Im Ruhrgebiet war noch alles normal gewesen, da war er sicher. Die Straßen voller Autos und Menschen - da hätte er sicher gemerkt, wenn sich plötzlich etwas verändert hätte. Auch an der Tankstelle irgendwo im Emsland, an der er sich einen Kaffee gekauft und die Toilette aufgesucht hatte, waren ihm keine dieser Stromzapfsäulen aufgefallen, die zehn Jahre später offenbar sehr verbreitet waren. Nein, der Sprung musste irgendwo auf der letzten Etappe seiner Fahrt erfolgt sein, als die Autobahn so leer war und ihm Veränderungen etwa an den Autos nicht mehr auffallen konnten. Als er sowieso schon unaufmerksam und kurz vor dem Einschlafen war. Als er fast von der Straße abgekommen und mehrfach aus dem Sekundenschlaf hochgeschreckt war.

"Moment mal!", rief er und erschrak über den Widerhall seiner eigenen Stimme in der leeren Gaststätte. Dieses Flimmern und das Kribbeln, die ihn das eine Mal eingehüllt hatten. Was, wenn das keine Sinnestäuschungen aus Müdigkeit gewesen waren? Konnte es sein, dass ein Zeitsprung so aussah und sich so anfühlte? Woher sollte man das wissen ...? Tobias dachte noch eine Weile angestrengt nach, aber ihm fiel keine andere Gelegenheit ein, bei der sich sein Zeitsprung ereignet haben konnte. Es sei denn, dies wäre völlig unbemerkt geschehen, dann konnte es irgendwann und irgendwo gewesen sein. Aber das würde ihm nicht weiterhelfen. Dann also das Flimmern. Total spekulativ, natürlich, aber sein einziger Anhaltspunkt.

Tobias sprang in seinen BMW und verließ den Rastplatz. An der nächsten Abfahrt wechselte er auf die Gegenspur und fuhr den Weg zurück, den er gekommen war, Richtung Heimat. Er wunderte sich selbst, dass er sich immer noch an die Verkehrsregeln hielt, statt einfach mitten auf der Autobahn zu wenden und den Rückweg als Geisterfahrer zurückzulegen. Einen Unfall brauchte er dank der Evakuierung schließlich nicht zu fürchten. Na, wenigstens würde er auf die Tempolimits pfeifen. Falls er in eine Radarfalle geraten sollte, konnten sie ihm gerne in zehn Jahren einen saftigen Bußgeldbescheid schicken.

Als er glaubte, sich der Stelle zu nähern, an der das Flimmern aufgetreten war, ging er vom Gas. Die Erscheinung war nur schwach sichtbar gewesen, deshalb musste er jetzt sehr aufmerksam sein. Während er bei langsamer Fahrt angestrengt Ausschau hielt, kamen ihm Zweifel. Was, wenn er auf der falschen Fährte war? Wenn es das Flimmern doch nur in seiner Einbildung gegeben hatte? Oder wenn es zwar real war, aber nichts mit Zeitsprüngen zu tun hatte? Wenn es inzwischen verschwunden war? Wenn es ihn nicht in seine eigene Zeit zurückversetzte, sondern noch weiter in eine womöglich noch schlimmere Zukunft? Oder zurück in die Steinzeit? Es war wirklich zu absurd, die wildesten Szenen irgendwo zwischen Back to the Future, Star Trek und Jurassic Park spielten sich in seinem Kopf ab. Und wenn er tatsächlich in seine Zeit zurückkehrte, was würde er dann tun? Immerhin drohte offenbar ein Atomkrieg. Er müsste versuchen, diesen zu verhindern, aber wer sollte seine abenteuerliche Geschichte glauben? Er hätte wenigstens eine Tageszeitung oder so etwas mitnehmen sollen. Alles, was er vorweisen konnte, war ein zerknülltes Flugblatt in seiner Jackentasche, und das konnte ja nun jeder Spinner mit einem PC und einem Drucker in zehn Minuten zusammengeschustert haben. Zumindest würde er seine Familie retten. Sie sollten wohl am besten rechtzeitig auswandern. Aber wohin? Welche Teile der Welt waren noch vom Krieg betroffen, welche blieben verschont? Oh Mann, Verena würde ihn für verrückt erklären, und er könnte es ihr nicht verübeln.

Fast hätte er über diesen Gedanken sein Ziel verpasst. Er sah das gesuchte gelbliche Flimmern, als er schon fast daran vorbeigefahren war. Es schwebte direkt über dem Asphalt und erstreckte sich ein Stück weit in den Straßengraben, allerdings befand es sich auf der Gegenfahrbahn - also auf der Seite, auf der er auf dem Hinweg den Zeitsprung gemacht hatte. Anscheinend hatte sich das Phänomen nicht vom Fleck bewegt.

Tobias stellte den Wagen am Straßenrand ab, stieg über die Mittelleitplanke und besah sich die Erscheinung aus der Nähe. Sie war vielleicht fünf Meter hoch und fünfzehn Meter breit, doch ihre Ränder waren nicht klar auszumachen. Die Form schien unregelmäßig zu sein. Wenn Tobias durch das Phänomen hindurchschaute, sah er ganz normal die Straße und die Landschaft dahinter - aber in welcher Zeit, das konnte er nicht beurteilen. Als er das Flimmern umkreiste, stellte er fest, dass es überhaupt keine räumliche Tiefe hatte, sondern wie eine Art dünne Scheibe leicht schräg auf der Straßendecke stand. Außerdem war es von der Rückseite nicht zu sehen, so als ob das Portal nur von einer Seite her zu betreten war. Portal - ja, das war es. Ein Portal zwischen den Zeiten. Und die Öffnung war auf der Seite, auf der Tobias es wohl verlassen hatte. Wenigstens das ergab eine Art von Sinn in diesem Albtraum.

Tobias war unschlüssig. Was sollte er jetzt tun? In das Flimmern hineinlaufen und schauen, was passierte? Erst mal eine Hand hineinstecken? So oder so hatte er Angst, wie er sich zögernd eingestand. Wer kannte sich schon mit Zeitportalen aus? Er gab sich einen Ruck. Wenn schon, denn schon - was hatte er schließlich zu verlieren? Entweder dieses Ding brachte ihn nach Hause, oder es war sowieso alles egal. Er kehrte zu seinem Wagen zurück, wendete und fuhr - jetzt doch als Geisterfahrer, yeah! - wieder in Richtung der Raststätte, bis er eine Lücke in der Mittelleitplanke fand, die nach den letzten Baumaßnahmen noch nicht geschlossen worden war. Dort wechselte er auf die Gegenfahrbahn und fuhr zurück zum Zeitportal. Als er das Flimmern vor sich auftauchen sah, hätte er fast doch noch eine Vollbremsung gemacht, aber stattdessen trat er das Gaspedal durch, um seiner Angst keine Chance zu geben. Nun gab es kein Zurück mehr. Die Tachonadel des BMW überschritt gerade die Hundert, als das Flimmern Tobias und den Wagen einhüllte. Für einen Moment schloss er geblendet die Augen. Das elektrische Kribbeln fuhr wieder über seinen Körper. Als er die Augen öffnete, sah er den riesigen Schatten auf sich zukommen. Tobias riss den Mund auf, doch seinen Schrei hörte er bereits nicht mehr.

*​

"Also noch mal von vorn", sagte der Polizist. "Waren sie irgendwie abgelenkt? Haben sie am Navi gespielt? Am Handy? Nebenbei den Playboy gelesen? Sie wären nicht der Erste, das können Sie mir glauben."

"Ich schwöre Ihnen, Herr Wachtmeister", beharrte Erik Sager, "ich habe höchstens mal in die Außenspiegel geschaut. Ich fahre jetzt seit über zwanzig Jahren LKW. Bestimmt eine Million Kilometer oder mehr, unfallfrei. So etwas ist mir noch nicht passiert, dieser Wagen kam wirklich aus dem Nichts - auf einmal war er da!"

"Also, Herr Sager, Sie werden verstehen, dass ich Ihnen das nur schwer glauben kann. Auf einer menschenleeren, schnurgeraden Autobahn sieht man ja wohl auch einen Geisterfahrer schon kilometerweit kommen. Sie müssten alle Zeit der Welt gehabt haben, rechts ranzufahren, anzuhalten oder wenigstens vom Gas zu gehen."

"Aber ...", setzte Sager an, doch der Polizist fuhr ungerührt fort: "Deshalb muss ich Sie bitten, zur Blutprobe mit aufs Revier zu kommen. Und danach können Sie sich auf eine eingehende Befragung gefasst machen. Vielleicht wäre es eine gute Idee, einen Anwalt anzurufen."

*​

"Heute ist Donnerstag, der zweiundzwanzigste Oktober zweitausendundfünfzehn, neun Uhr einunddreißig. Ich obduziere eine männliche Leiche, geborgen aus einem ausgebrannten Unfallfahrzeug. Identität aufgrund starker Verbrennungen noch nicht zweifelsfrei geklärt; dies ist Hauptzweck der Obduktion. Alter vermutlich zwischen dreißig und fünfundvierzig Jahren, mittelgroß bei leicht korpulenter Statur. Haare weitgehend verbrannt, aber anscheinend kurz und mittelblond oder braun. Ich untersuche zunächst die Kleidung des Toten."

Dr. von Kampen legte das Diktiergerät beiseite, um die Hände frei zu haben, und begann die Jackentaschen des vor ihm liegenden Unfallopfers - wenn es denn ein Unfall war - zu inspizieren. Die rechte Tasche war fast unversehrt, in ihr fand von Kampen aber nicht mehr als eine Packung Kaugummi und ein halbleeres Einwegfeuerzeug. Die linke Seite der Jacke war deutlich stärker vom Feuer in Mitleidenschaft gezogen worden. Von Kampen öffnete vorsichtig die Außentasche und zog mit spitzen Fingern einen größtenteils verbrannten Zettel daraus hervor. Ein Teil der Überschrift war noch zu entziffern: "EVA----RUNG". Darunter ein Text, der praktisch nicht mehr auszumachen war, und etwas, das einmal eine Landkarte gewesen sein mochte. Damit sollten sich die Kriminaltechniker vergnügen, wenn sie wollten.

Als von Kampen das Fragment vorsichtig in eine Aluschale legen wollte, zuckte er zusammen und ließ den Fetzen fallen. Er hatte durch seine Arzthandschuhe hindurch so etwas wie einen leichten elektrischen Schlag bekommen - nicht schmerzhaft, nur überraschend. Aber Papier konnte doch nicht statisch aufgeladen sein? Verblüfft starrte er den verkohlten Zettel an, als ihm eine weitere halbwegs lesbare Stelle ins Auge sprang: "--tober 2025". Doch noch bevor von Kampen sich hierüber Gedanken machen konnte, lief plötzlich ein gelbliches Leuchten über das Papier. Es sah eigentlich nicht wie eine Flamme aus, aber es musste wohl eine gewesen sein, denn nun färbte sich auch der Rest des Zettels kohlschwarz, und das Ganze zerfiel zu einem Häufchen feiner Aschekrümel. Jetzt konnten auch die Techniker nichts mehr daraus machen. "Was um alles in der Welt war das?", rief von Kampen halblaut aus. Ein Rest Glut noch zwanzig Stunden nach dem Brand? Nun ja, die Jacke war aus einem Synthetikmaterial, das konnte recht lange glimmen ...

Von Kampen hielt sich nicht lange mit diesem Gedanken auf. Er hatte heute noch zwei weitere Obduktionen vor sich, von denen mindestens eine weitaus spannender war als eine Kollision auf der Autobahn. Ein mutmaßlicher Giftmord, das hatte immerhin Stil! Voller Vorfreude setzte von Kampen seine Arbeit fort und griff wieder nach dem Diktiergerät: "In den Außentaschen der Jacke: rechts Kaugummi und Feuerzeug wie beigefügt, links etwas verbranntes Papier. Ich untersuche nun die Innentaschen ..."

 

Hallo Friedel,

Komm ich um einen herum, der Torsten Sträter und zugleich die A 31 (incl. EL) kennt, SF hin oder her? Nee, ne,

Du bist also auch ein Fan von Sträter? Ihn kenne ich zumindest ausführlicher als die A 31. Beim Schreiben habe ich mich lediglich an eine nicht enden wollende Autofahrt Richtung Emden vor gut zwanzig Jahren erinnert, die genau den richtigen Eindruck von Einsamkeit bei mir hinterlassen hat; der Rest war Recherche.

Danke für deine Hinweise auch zu diesem Text. Die Auslassungspunkte habe ich ja vorhin erst in meiner anderen Geschichte korrigiert; nun also auch hier. Aber hast Du's gemerkt: Hier habe ich "[er]scheinen" immer ganz korrekt verwendet! Es besteht also noch Hoffnung für die deutsch-abendländische Grammatik.

Und sofort fällt der Hang zum Schulaufsatz mit seinen strengen Zeitregeln und der daraus folgenden Diktatur der Hilfsverben auf

Da geraten wir mit fataler Sicherheit in eine philologische Grundsatzdebatte. Die Einen suchen wie Du nach sprachlicher Einfachheit und Eleganz, die Anderen sehen bei jeder Abweichung im Tempus die Integrität des Zeitkontinuums gefährdet. Und ich würde ach so gerne den Kreis quadrieren und beiden gerecht werden.

Was ich damit sagen will: Ich werde gerne meinen Text noch einmal durchsehen nach Stellen, an denen ich ein Hilfsverb verlustfrei streichen kann, aber ich möchte auch niemanden beim Lesen ins Stolpern bringen (Teppichfalten, Du weißt ...). Ich neige leider ausgerechnet bei Deinen Beispielen momentan dazu, die Schulaufsatzformulierungen beizubehalten:

Je länger Tobias sich umsah, desto mehr beschlich ihn das Gefühl, dass dieser Ort mitten aus dem alltäglichen Treiben heraus verlassen worden war.
"verlassen wurde" täte es schon, ohne größeren Schaden anzurichten

Hier würde ich schon einen Schaden befürchten. Es könnte der Eindruck entstehen, das Verlassen (= die Evakuierung) sei noch im Gange, während der gute Tobias sich umsieht. Und das soll definitiv nicht passieren.

Bei einem anderen Beispiel ("wiederholt[ hatt]e") hat Dir ja bereits ernst offshore widersprochen, dem ich leider beipflichten muss. Und auch an dieser Stelle:

Tobias dachte noch eine Weile angestrengt nach, aber ihm fiel keine andere Gelegenheit ein, bei der sich sein Zeitsprung ereignet haben konnte. Es sei denn, dies wäre völlig unbemerkt geschehen, dann konnte es irgendwann und irgendwo gewesen sein. Aber das würde ihm nicht weiterhelfen. Dann also das Flimmern. Total spekulativ, natürlich, aber sein einziger Anhaltspunkt.
Die Ellipsen am Ende sind gut, aber "haben konnte", wo ein "ereignete" zum darauffolgenden Konjunktiv passte. Und wäre ein "nicht weiterhülfe" nicht viel eleganter als die würde-Konstruktion?

bin ich anderer Meinung als Du. Tobias denkt Dinge wie: "Bei welcher Gelegenheit kann sich der Zeitsprung ereignet haben?", und: "Das wird mir nicht weiterhelfen." Dies gleichzeitig in die Vergangenheit und in den Konjunktiv zu versetzen, bringt mich zu den von mir gewählten Formen. Ich kann es zwar nicht grammatikalisch-wissenschaftlich herleiten, aber für mich klingt es nicht nur korrekt, sondern auch wie das einzig Korrekte.

Und sogar bei

Die Einleitung
Was, wenn er
schreit nach dem Konjunktiv irrealis!

verlangt mein Sprachgefühl etwas Anderes. M.E. ist dies hier keine indirekte Rede, die einen Konjunktiv verlangt, denn es gibt keinen Beisatz nach Art von "dachte er". Und die Möglichkeiten, über die er nachdenkt, sind auch nicht irreal. Wenn die Geschichte in der Gegenwart spielte, würde ich schreiben: "Was, wenn er auf der falschen Fährte ist? Wenn es das Flimmern doch nur in seiner Einbildung gegeben hat?", usw. Dies einfach in die Vergangenheit verschoben, ergibt den bestehenden Text.

Wenn ich darüber nachdenke, ist das auch die bessere Erklärung für den vorigen Punkt: nix Konjunktiv, einfach nur die Vergangenheitsform.

Ich will aber keineswegs alle Deine Hinweise ablehnen:

(Komma, weil der übergeordnete Satz rief er ..." weitergeht). Kommt öfters vor, schau noch mal durch!

Hier berufe ich mich jetzt zwar, wie ich es ursprünglich schon bei den Auslassungspunkten wollte, auf die Ungnade der frühen Geburt: "Zu meiner Zeit" hat man da kein Komma gesetzt, wenn innerhalb der wörtlichen Rede schon ein Satzzeichen stand, und mein antiker Duden von 1980 gibt mir Recht. Aber der neue sieht es anders, also habe ich das korrigiert. Hässlich find ich's trotzdem, doch das zählt wohl vor dem gestrengen Dudengericht nicht.

Ist nicht falsch, aber zwomal das gleiche Hilfsverb, wo das zwote durch die Substantivierung eines Verbs erzwungen wird. Warum nicht "..., dass seine Stimme fast verzweifelt klang"?

Habe ich geändert ("besaß" statt "hatte", irgendwie gefiel mir der "Klang" als Substantiv).

Und dann die Possessivpronomen. Wer hat da Angst um SEINE Besitzstände, der Autor oder der Prot?

Oh, der Prot hat da sicher große Angst. Aber auch ohne diese möchte ich bei seiner Frau und seinem Leben genau so wenig wie er auf die Possessivpronomina verzichten. Es ist ja nicht irgendeine Frau oder irgendein Leben. Und bei den restlichen Aufzählungsgliedern lasse ich sie um der Kongruenz und des Klanges willen drin.

Komma zwischen gleichrangigen Adjektiven

Ist anerkannt, aber aus anderen Gründen umformuliert. Ich habe nämlich bei dieser Gelegenheit nicht nur Deine, sondern auch viele der vorigen Hinweise eingearbeitet, soweit ich mich mit ihnen anfreunden konnte. Das hatte ich damals nicht gemacht, weil mir die Gepflogenheiten hier im Forum noch nicht geläufig waren, und nun nachgeholt. Noch mal vielen Dank auch an Achillus, Novak, Krizzle und Perdita.

Gern gelesen vom
Friedel

Das freut mich sehr, auch wenn wir nicht immer auf derselben Zeitschiene sind. :)

Grüße vom Holg ...

 

Nur ganz kurz,

lieber Holg,

mir ists allemal angenehmer, einer nutze seinen eigenen Kopf, als dass er blind Vorschläge - und wären sie noch so gut gemeint - übernehme. Da gibts dann das Phänomen, im guten Glauben auch schon mal einen Text zu verschlechtern. Die Vokabel "Verschlimmbesserung" trifft es ganz gut.

Bis dann

Friedel

 

Hallo Holg,

auch von mir ein Riesenlob für deine Geschichte. Von Kurzgeschichten dieser Art könnte ich Bände lesen. Und der Einwand, du hast damit das Genre nicht neu erfunden, ist so wahr wie für mich irrelevant. Liebesgeschichten gibt es auch schon genug, und trotzdem sind sie immer noch berührend, wenn sie gut geschrieben sind.

Die beiden einzigen Dinge, die mir beim ersten Lesen auffielen, sind einmal die bereits erwähnte Oberflächlichkeit deiner Beschreibung der Raststätte. Da verschenkst du fast das gesamte Potenzial, den Leser in die Welt in zehn Jahren mitzunehmen. Die Elektrotankplätze sind das Einzige, was ein Bild entstehen lässt. Wäre das dort geparkte Auto nicht bloß von einer dem Protagonisten unbekannten Marke, sondern hätte Tobias auf dem Kühlergrill z.B. die Buchstaben RWE, RTL, das Apple-Logo oder ein paar chinesische Schriftzeichen gesehen, dann hättest du schon viel mehr über diese Zukunft gesagt, ohne zu weit abzuschweifen.

Zum Anderen unterschätzt du glaube ich die Physik etwas. Dein Protagonist fährt mit fast 200 km/h ungebremst auf einen entgegenkommenden LKW, der vermutlich auch ca. 80 fahren dürfte. Nach so einer Kollision würde der LKW-Fahrer kein Blut mehr haben, von dem man eine Probe nehmen könnte, und der Pathologe hätte einen gemütlichen Puzzleabend vor sich, an dem er die wenigen nicht zu Asche verbrannten Körperfragmente den beiden Unfallbeteiligten zuordnen müsste. Selbst wenn Tobias im Spielstraßentempo durch das Portal gerollt wäre, hätte sein Zusammentreffen mit einem ungebremsten LKW mehr als nur einen leichten Brandschaden verursacht, der sogar noch Jackentaschen samt Inhalt übrig ließ und einen unverletzten LKW-Fahrer.

Das war's schon für mich mit Kritik. Ich habe schon Geschichten von Stephen King gelesen, an denen ich mehr zu mäkeln hatte :).

Da habe ich ein echtes Hindernis, weil ich meine Lieblingsautoren bevorzugt im englischen Original lese (momentan zuvorderst P. K. Dick). Und selbst auf Englisch zu schreiben, wäre wohl etwas vermessen. :)
Grüße vom Holg...

Da geht es dir genauso wie mir seit Jahrzehnten. Wenn ich deutsche Übersetzungen englischsprachiger Autoren lese, laufen bei mir im Kopf ständig englische Untertitel mit. Da klebe ich am Text und überlege permanent, wie der Autor das wohl in Originalsprache ausgedrückt haben mag. Und einen deutschsprachigen Autor, der stilistisch und inhaltlich Stephen King ähnelt, habe ich noch nicht gefunden. Ich bin aber für jeden Tipp dankbar.

Meine Lösung ist, dass ich derzeit tatsächlich englisch schreibe. Von der Sprachästhetik eines China Miéville brauche ich nicht zu träumen, aber für eine informelle, umgangssprachliche Erzählstimme genügt es zum Glück. Wenn meine Geschichten schlecht sind, dann liegt es zumindest nicht an meinem Englisch. Beim ersten Entwurf sollte man tunlichst die Finger vom Wörterbuch und Thesaurus lassen, sonst hängt man sich an sprachlichen Feinheiten auf. Der Rest ist Übungssache.

Viele Grüße
Kai

 

Hallo Kai,

vielen Dank für Dein Lob! Es war zwar nicht die erste Geschichte, die ich geschrieben habe, aber die erste, die ich für halbwegs öffentlichkeitsreif hielt. Ich bin wirklich baff, wie gut sie ankommt.

Die beiden einzigen Dinge, die mir beim ersten Lesen auffielen, sind einmal die bereits erwähnte Oberflächlichkeit deiner Beschreibung der Raststätte. Da verschenkst du fast das gesamte Potenzial, den Leser in die Welt in zehn Jahren mitzunehmen. Die Elektrotankplätze sind das Einzige, was ein Bild entstehen lässt. Wäre das dort geparkte Auto nicht bloß von einer dem Protagonisten unbekannten Marke, sondern hätte Tobias auf dem Kühlergrill z.B. die Buchstaben RWE, RTL, das Apple-Logo oder ein paar chinesische Schriftzeichen gesehen, dann hättest du schon viel mehr über diese Zukunft gesagt, ohne zu weit abzuschweifen.

Tja, das wurde in der Tat schon mehrfach angesprochen. Habe ich auch akzeptiert. Deine Verbesserungsanregungen sind sehr konkret, vielen Dank dafür!

Zum Anderen unterschätzt du glaube ich die Physik etwas. Dein Protagonist fährt mit fast 200 km/h ungebremst auf einen entgegenkommenden LKW, der vermutlich auch ca. 80 fahren dürfte. Nach so einer Kollision würde der LKW-Fahrer kein Blut mehr haben, von dem man eine Probe nehmen könnte, und der Pathologe hätte einen gemütlichen Puzzleabend vor sich, an dem er die wenigen nicht zu Asche verbrannten Körperfragmente den beiden Unfallbeteiligten zuordnen müsste. Selbst wenn Tobias im Spielstraßentempo durch das Portal gerollt wäre, hätte sein Zusammentreffen mit einem ungebremsten LKW mehr als nur einen leichten Brandschaden verursacht, der sogar noch Jackentaschen samt Inhalt übrig ließ und einen unverletzten LKW-Fahrer.

Hm, interessanter Punkt. Nun habe ich mich über den genauen Unfallhergang nicht näher ausgelassen und könnte mich damit rausreden, dass es ja kein Frontalcrash gewesen sein muss. Aber ich will ja nicht schummeln; außerdem müsste ich es dann trotzdem in die Geschichte einbauen. Oder einfach das Tempo reduzieren ...

Wenn ich deutsche Übersetzungen englischsprachiger Autoren lese, laufen bei mir im Kopf ständig englische Untertitel mit. Da klebe ich am Text und überlege permanent, wie der Autor das wohl in Originalsprache ausgedrückt haben mag.

Schlimm ist es, wenn man schon erkennt, was da jemand falsch oder zumindest schief übersetzt hat. Geht mir auch bei synchronisierten Filmen so (auch da bevorzuge ich das Original). Ich sage nur: "Es regnet nicht, aber es gießt." (Star Trek 3) :lol:

Und einen deutschsprachigen Autor, der stilistisch und inhaltlich Stephen King ähnelt, habe ich noch nicht gefunden. Ich bin aber für jeden Tipp dankbar.

Sorry, da kann ich Dir nicht weiterhelfen ...

Meine Lösung ist, dass ich derzeit tatsächlich englisch schreibe. Von der Sprachästhetik eines China Miéville brauche ich nicht zu träumen, aber für eine informelle, umgangssprachliche Erzählstimme genügt es zum Glück. Wenn meine Geschichten schlecht sind, dann liegt es zumindest nicht an meinem Englisch. Beim ersten Entwurf sollte man tunlichst die Finger vom Wörterbuch und Thesaurus lassen, sonst hängt man sich an sprachlichen Feinheiten auf. Der Rest ist Übungssache.

Interessanter Ansatz. Vielleicht versuche ich das auch irgendwann mal, so als neue Herausforderung. ;)

Grüße vom Holg ...

 

Hallo Holg,

deine engagierten Kritiken zu meiner Geschichte haben meine Neugierde auf Deine Werke geweckt.

Da Du zu „Geisterfahrer“ schon viele Kommentare erhalten hast, will ich mich kurz fassen.
Mir hat Deine Geschichte gut gefallen. Punkt.
Mir ist beim Lesen wichtig, in Geschichten eintauchen zu können. Das ist mir bei Deiner gut gelungen, da es keine logischen Brüche gibt, die mich beim Lesen aus dem Tritt gebracht hätten.

Die teils sehr detaillierten Hinweise der anderen Leser sind mir meist erst beim Lesen der Kritiken aufgefallen. Ich stelle fest, dass das Lesen der Kritiken genau so spannend ist, wie die eigentliche Geschichte.

Dass sich Dein Protagonist sehr schnell damit abgefunden hat, plötzlich in der Zukunft gestrandet zu sein, anstatt lange über die „Absurdität“ seiner Situation nachzugrübeln, wurde ja schon von anderen Kommentatoren angesprochen und von Dir beantwortet. Ich finde diese schnelle Akzeptanz in einer Kurzgeschichte auch nicht schlimm. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es in einer Kurzgeschichte nicht sinnvoll ist, seitenweise über „Nebenschauplätze“ zu berichten.

Den morbiden Gerichtsmediziner, der einen Giftmord für „stilvoll“ hält, habe ich schmunzelnd zur Kenntnis genommen. Schließlich sollen solche Geschichten in erster Linie unterhalten – und das tut „Geisterfahrer“. Wer sachliche Texte lesen will, soll zu einer Tageszeitung greifen.

Nur den Unfall hätte ich etwas anders formuliert.

Tobias öffnete den Mund zu einem Schrei, doch bevor er seine eigene Stimme hören konnte, wurde es dunkel um ihn.
Bei der Formulierung „… wurde es dunkel um ihn“, habe ich eine Spielfilmszene im Kopf, die laaangsam ausgeblendet wird. Bei einem Frontalzusammenstoß gibt es jedoch einen plötzlichen Knall und alles ist vorbei!
Ich hätte darum die Szene vielleicht so formuliert: „Tobias riss den Mund auf, doch zum Schreien kam er nicht mehr.“

Doch die Kritiken beschränken sich auf bloße Details. Ich bin schon gespannt auf die Lektüre Deiner weiteren Geschichten.

Grüße,
Wortschwall

 

Yo Holg!

Hab mir auch grad deine Story zur Brust genommen - gefällt mir gut und liest sich flüssig. Vom Stil her erinnert sie mich an eine meiner Lieblingsdeschichten von Philip K Dick, die du als alter P.H.D.-Leser sicher auch kennen wirst: "Frühstück im Zwielicht".
War gut zu lesen und unterhaltsam - in dieser Art und Weise darfst du gern weitermachen.:)

Grüße vom Eisenmann

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo Wortschwall,

ich freue mich, dass Dir meine Geschichte gefallen hat. Unterhalten ist in der Tat alles, was sie tun soll - schön, wenn mir das gelungen ist! :)

Nur den Unfall hätte ich etwas anders formuliert.
Bei der Formulierung „… wurde es dunkel um ihn“, habe ich eine Spielfilmszene im Kopf, die laaangsam ausgeblendet wird.

Hm, da ist was dran. Ich habe es jetzt so formuliert:
Tobias riss den Mund auf, doch seinen Schrei hörte er bereits nicht mehr.

Bei der Gelegenheit habe ich auch endlich die Aufprallgeschwindigkeit reduziert, die W140 schon vor längerer Zeit zu Recht moniert hatte.



Hallo Eisenmann,

schön, dass auch Dir meine Story gefällt!

Vom Stil her erinnert sie mich an eine meiner Lieblingsdeschichten von Philip K Dick, die du als alter P.H.D.-Leser sicher auch kennen wirst: "Frühstück im Zwielicht".

Tja, wie ich schon unter meiner Geschichte angemerkt habe:

Weitere Inspirationen dabei, soweit sie mir bewusst sind:
- Breakfast at Twilight von Philip K. Dick;
- The Langoliers von Stephen King.

Great minds think alike, muss ich wieder mal sagen! :D

War gut zu lesen und unterhaltsam - in dieser Art und Weise darfst du gern weitermachen.

I'll do my very best, wenn ich schon mal so im Englischen bin.



Euch beiden vielen Dank für die Kommentare!

Grüße vom Holg ...

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo Holg,
auch die A31 hat ein (reelles) Ende!
Lediglich der Fahrer hat den subjektiven Eindruck, dass diese Autobahn unendlich zu sein scheint.
... vor dem Auto würde ich noch empfehlen ...
Das war es schon ... aber gerade der erste Satz sollte schon stimmen.
Da diese Geschichte wegen des "Knalleffektes" geschrieben wurde, sollte sie damit auch enden.
(Vielleicht nimmt er als Letztes noch den Mercedesstern wahr ... ;-)
Die folgenden Kapitel nehmen eigentlich nur den Schwung heraus.

lg kinnison (Klaus Scheidt)

 

Hallo kinnison,

danke für Deinen Kommentar zu meiner Geschichte. Kaum ist sie mal nach oben gespült, finden sich lauter neue Leser mit lauter neuen Eindrücken. Und auch ich selbst sehe sie mit ein paar Monaten Abstand teilweise mit anderen Augen. Spannend!

auch die A31 hat ein (reelles) Ende!
Lediglich der Fahrer hat den subjektiven Eindruck, dass diese Autobahn unendlich zu sein scheint.
... vor dem Auto würde ich noch empfehlen ...
Das war es schon ... aber gerade der erste Satz sollte schon stimmen.

Hm ... da sehe ich mich in einem Zwiespalt zwischen inhaltlicher Präzision und Stil:
Scheinbar endlos erstreckte sich die A 31 vor seinem Auto.
Das wäre zwar logischer, klingt aber irgendwie unhandlich. (Nicht, dass die bisherige Formulierung jetzt so ein Geniestreich wäre, aber trotzdem ...) Wenn, dann bräuchte ich wahrscheinlich einen komplett anderen Anfangssatz.

Da diese Geschichte wegen des "Knalleffektes" geschrieben wurde, sollte sie damit auch enden.
(Vielleicht nimmt er als Letztes noch den Mercedesstern wahr ... ;-)
Die folgenden Kapitel nehmen eigentlich nur den Schwung heraus.

Ich verstehe, was Du meinst, da ist auch was dran. Vielleicht wären der Polizist und der LKW-Fahrer entbehrlich, aber die Szene mit dem Gerichtsmediziner haben eigentlich die meisten Leser gemocht, da steckt ja noch ein kleiner Twist drin. Kill your darlings ist ja eine Sache, aber kill everybody's darling ...? :D

Ich muss beide Punkte erst mal auf mich wirken lassen, vielleicht schraube ich da in ein paar Tagen dran.

Grüße vom Holg ...

 

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