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Mit fliegenden Augen

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31.03.2016
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Mit fliegenden Augen

Die Stewardess kam nun schon zum dritten Mal in einer halben Stunde an ihm vorbei und er sagte ihr zum dritten Mal, dass er weder einen leckeren Schokoriegel noch einen Cappuchino mit extra viel Schaum haben wolle. Er blieb dabei sehr freundlich und die Stewardess schien ihn mit ihrem ständigen Gefrage auch nicht so auf die Nerven zu gehen, wie den anderen Passagieren in dem großen, modernen Flugzeug. Die Stewardess schien noch neu in ihrem Beruf zu sein. Vielleicht wollte sie alles gut machen und fragte deshalb so oft, ob jeder zufrieden war oder ob jemand noch etwas wünsche.
Während er zu den sehr sehr wenigen gehörte, die ein richtiges Buch aus Papier lasen, sah man die anderen Passagiere auf ihren Smartphones oder den Tastaturen ihrer Laptops herumtippen. Er hatte nun schon seit etwa zehn Minuten nicht mehr umgeblättert, geschweige denn auf sein Buch geschaut. Er saß nur da, schaute sich die Welt da draußen oder die Menschen hier drinnen an und und sagte, wenn die Stewardess mal wieder vorbei kam, dass er nichts wünsche, aber vielen Dank. Gerade flogen sie über Schottland, so viel hatte die Stewardess gewusst, als er nachgefragt hatte. Die grünen Weiten erstreckten sich unter ihm und er versuchte sich vorzustellen, wie es wäre nun mit ausgestreckten Armen über diese Weiten zu rennen, den Wind im Gesicht zu spüren. Er schloss die Augen um seine Vorstellung noch vertiefen zu können. Er musste sich mit Mühe davon abhalten, die Arme auszustrecken, aber es reichte ihm auch, es sich einfach nur vorzustellen. Auch so konnte er fast den Wind auf seinen Wangen spüren.
Als er die Augen wieder aufschlug, waren die grünen Weiten vielen kleinen Häusern gewichen. Von hier oben war alles so klein. Nichts stach aus diesen kleinen Dingen heraus. Dafür war das Flugzeug auch viel zu weit oben. Und auch wenn die Menschen Kriege führten und die Wut manchmal so groß war, von hier oben war alles ganz anders. Es sah friedlich aus, so als wäre alles mit allem im Einklang, als gäbe es kein Leid, keine Trauer und keinen Krieg. Aber wenn man dort unten war, war man mittendrin und dann wusste man, dass es nicht so friedlich war, wie es von hier oben aus wirkte. Er fragte sich, was gerade dort unten in einem der Häuser passierte.


Caitlin war im Bus eingeschlafen und hatte ihre Station verpasst, was kein Grund zur Beeilung war. Eigentlich war sie sogar ganz froh darüber, denn dann würde sie auch erst später zu Hause sein und die Zeit zwischen dem Nach-Hause-Kommen und dem Ins-Bett-Gehen würde auch kürzer sein. Was gut war.


Mary-Ann besann sich und zog die Hand zurück. Es wäre sowieso kein harter Schlag gewesen, aber sie wusste, dass ihr Bruder dann endlich aufgehört hätte von dem Teig zu naschen. Der Kuchen sollte für ihre Freundin werden, die morgen Geburtstag hatte. Es sollte ein Schokokuchen werden. Ausreichend Schokolade war schon drin und wenn ihr Bruder nicht endlich aufhörte zu naschen, bald auch noch der ganze Sandkasten vom Spielplatz nebenan, den ihr Bruder praktisch unter den Fingernägeln hatte.


Caitlin steckte den Schlüssel ins Türschloss und stemmte sich mit dem Oberkörper gegen die Tür. Hinter ihr fiel sie wieder zu und Caitlin ging die kurze Treppe nach oben. Erneut steckte sie einen Schlüssel in die Tür, dieses Mal musste sie sich nicht mit dem Oberkörper dagegen stemmen, sie zog den Schlüssel aus dem Schloss, legte die Hand auf die Klinke und trat in den Flur ein. Sie machte die Tür zu, bevor sie einen Blick in diesen Flur warf. Wie normal er aussah! Das wunderte sie immer wieder.
Es gab sogar Familienfotos, die eingerahmt auf dem kleinen Regal mit der Schlüsselschale standen, die keiner benutzte. Es gab Familienfotos, obwohl sie alles andere als eine Familie waren. Auf den Fotos sahen sie alle glücklich aus und Caitlin wusste nicht, ob sie es in diesem Moment wirklich gewesen waren oder ob sie für den Schein der heilen Welt so getan hatten.
Man könnte denken, man würde erkennen, ob die lächelnden und sogar lachenden Gesichter echt oder nur gespielt waren, aber wenn man sich sein ganzes Leben lang um eine glückliche Fassade bemüht hatte, dann erkannte man irgendwann keinen Unterschied mehr zwischen der glücklichen Fassade und dem glücklichen Haus dahinter. Die Fassade war gespielt, das Haus dahinter echt.


Mary-Ann packte ihren kleinen Bruder am Arm, wobei dieser laut brüllte und zerrte ihn aus der Küche hinaus. Sie schlug die Tür zu und schloss ab. Eigentlich sollte sie auf Ben aufpassen, aber unter diesen Umständen musste sie wohl eher auf den Kuchen aufpassen. Ben war vier und mit ihm hatte keiner mehr gerechnet. Als Mary-Anns Mutter erfuhr, dass sie schwanger war, war ihr Mann gerade nach Australien geflogen, geschäftlich, für ein Jahr. Mary-Anns Mutter war damals schon im vierten Monat gewesen, aber an eine Abtreibung war sowieso nicht zu denken. Sie rief also bei ihrem Mann an und überbrachte ihm die Nachricht. Er freute sich wahnsinnig und kündigte sofort seine Rückreise an. Eine Woche später stieg er in den Flieger. Mary-Ann, ihre Mutter und der kleine Ben in ihrem Bauch freuten sich schon riesig auf ihn. Doch die Freude hielt nur bis zum Abend: Das Flugzeug war abgestürzt, es gab nur drei Überlebende, Ethan war nicht dabei.


Caitlin entschloss sich die Schlüsselschale heute einmal zu benutzen und legte ihren Schlüssel hinein. Sie tat es so leise, wie möglich. Dann hing sie ihre Jacke auf und zog ihre Stiefel aus. Sie ging in ihr Zimmer. Es war nicht groß, trotzdem liebte Caitlin es und hatte das beste daraus gemacht.
Sie legte ihre Schultasche ab und ging in die Küche, um sich einen Kakao zu machen. Ihre Schwester Grace war anscheinend noch nicht da, sonst hätte sie sie schon längst begrüßt. Grace war drei Jahre älter als Caitlin und Caitlin hätte nicht gewusst, was sie ohne sie gemacht hätte. Grace war mehr als eine große Schwester für Caitlin, sie war immer da und wenn es mal wieder schwierig war, packte Grace Schokolade, kalten Kakao und die karierte Picknickdecke in einen Rucksack, holte die Fahrräder aus dem kleinen, klapprigen Schuppen und schließlich Caitlin aus ihrem Zimmer. Sie fuhren dann zu ihrem Lieblingsplatz in einem großen Wald an einer riesigen Buche, tranken abwechselnd aus der Thermoskanne mit dem kalten Kakao und der einzige Satz, der gesprochen wurde war: „Schokolade macht glücklich.“ Mehr Worte waren nicht nötig und bei diesen Zeiten an der Buche auch überflüssig.
Caitlin drehte das Glas mit dem Kakaopulver auf, wobei ihr Blick auf ihr rechtes Handgelenk fiel. Die Flecken, die vor ein paar Tagen noch blau-lila gewesen waren, waren nun grün-gelben Flecken gewichen und Caitlin spürte, dass auch die Schmerzen weniger wurden. In den ersten Tagen hatte das Handgelenk so geschmerzt, dass sie nur unter größter Anstrengung und meist mit unterdrückten Tränen in den Augen hatte schreiben können. In diesen Tagen war es mal wieder Grace gewesen, die ihr Salbe aufgetragen und das Handgelenk mit Verband eingewickelt hatte.
Mit einem Löffel holte Caitlin das Kakaopulver aus dem Glas und füllte die weiße Tasse damit. Die Milch kochte schon und Caitlin räumte das Glas mit dem Kakaopulver wieder in das weiße Regal bevor sie auch die warme, schaumige Milch in die Tasse schüttete. Sie rührte um und spürte ihr Handgelenk dabei auf eine Art und Weise, wie man es eigentlich nicht spürten sollte.
Finlay und Ellie waren noch nicht da, das hätte Caitlin bemerkt. Und zwar nicht auf die selbe, schöne Weise, wie sie bemerkt hätte, wenn Grace zu Hause gewesen wäre. Caitlin wusste, dass sie später an diesem Tag viel Schokolade würde essen müssen, um glücklich zu sein. Sie ging hinaus, setzte sich in ihr offenes Zimmerfenster und hielt mit beiden Händen die schön warme Tasse fest.


Mit einem Mal war die Welt nicht mehr die gleiche. Sie war nicht mehr die Welt auf der Mary-Ann seit elf Jahren lebte. Und auch die Umgebung, in der sie aufgewachsen war, die sie zu kennen geglaubt hatte war nicht mehr die gleiche. Sie kannte sie nicht mehr. Alles erinnerte sie an ihren Vater, die Umgebung war voll von Dingen die er an diesen Orten gesagt, getan gefühlt hatte, die Umgebung war voll von ihm und er war nicht mehr da.
Ben wuchs in Chloes, Mary-Anns Mutter. An ihrem Bauch sah man, wie die Zeit verging, und das sie nicht alle Wunden heilen konnte, denn die Trauer und der Schmerz blieben genauso weltverändernd, wie sie am ersten Tag gewesen waren, trotz Chloes wachsendem Bauch und der fortschreitenden Zeit, die er vermittelte. Auch die Umgebung wurde nicht mehr zu der, die sie einst gewesen war. Dennoch hatte sie sich verändert und wurde zu der Umgebung, die sie bis jetzt immer noch war und das geschah mit Bens Geburt.
Er erblickte an einem sonnigen Julimorgen das Licht der Welt und ersetzte das Wort Zeit. Es hieß jetzt Ben heilte die Wunde. Obwohl Mary-Ann sich nicht sicher war, ob er statt die Wunde zu heilen, die Lücken, auf seine Weise füllte, die Ethan, ihr Vater hinterlassen hatte. Doch dies half ebenfalls, wenn es auch nicht die Wunde heilte, sondern die Umgebung mit neuen Erinnerungen füllte.
Mary-Ann wusste nicht, warum sie diese Erinnerungen gerade jetzt einholten, als sie den Kuchen backte und Ben aus der Küche ausgeschlossen hatte. Doch auch damit, mit diesen Gedanken hatte sie wieder ein Stückchen der Umgebung verändert, in der sie lebte. Vielleicht nicht für andere, aber für sich. Und ihr wurde klar, dass sich die Umgebung mit all den Erinnerungen die ganze Zeit über veränderte, weil immer neue Erinnerungen und Gedanken dazu kamen.
Mary-Ann nahm die Teigschüssel, trug sie hinaus in den Garten, der voller bunter Blumen war, die Ethan einst gepflanzt hatte und die immer noch jedes Jahr blühten, stellte die Teigschüssel auf dem Boden neben dem Foto von Ethan und der Kerze, die für ihn brannte ab und holte Ben. Mit ihm auf dem Schoß aßen sie zusammen den Schokokuchenteig, Schokolade macht glücklich, und Mary-Ann erzählte von Ethan. Und obwohl Ben erst vier war, hörte er aufmerksam zu und lachte bei den Erzählungen.
Als Chloe von der Arbeit nach Hause kam, reichte ein Blickwechsel mit Mary-Ann und Chloe verstand. Sie steckte den Zeigefinger in die Schokokuchenteigschüssel, genoss den Geschmack in ihrem Mund, hörte Mary-Ann zu und erzählte dann mit ihr zusammen dem kleinen Ben von dem großen Ethan.
Und der Kreis schloss sich auf erneute, weltverändernde und auch traurige Weise, als Mary-Ann und Chloe kurz aufhörten zu erzählen, weil über ihnen ein lautes Flugzeug seinen Weg durch den Himmel flog. Doch als das Flugzeug nicht mehr zu sehen war, konnten Mary-Ann und Chloe weitererzählen und es schien vielleicht so, als hätte sich durch das Flugzeug dieses Mal nichts geändert, doch auch dieses Flugzeug, wie auch alles andere auf dieser Welt hatte die Umgebung und nicht nur die verändert und tat es immer noch und das hatten Mary-Ann und Chloe nun wirklich verstanden, mit Ben auf dem Schoß, der Umgebung voll von Ethan und dem Geschmack von Schokokuchenteig im Mund. Und es würde immer wehtun, aber der Schmerz würde sich wie alles in jeder Sekunde ändern.


Er saß immernoch im Flugzeug und es würde auch noch eine Weile dauern bis sie am Ziel ankommen würden. Er hatte nicht aufgehört aus dem Fenster auf die winzigen Häuser zu schauen und sich vorzustellen, was wohl in ihnen passierte. Aber das war schwierig, denn Häuser hatten eine Fassade, die immer gleich aussah, egal was im Haus passierte, die Fassade änderte sich nie. Manchmal war das bei Menschen auch so, aber er war froh, dass es nur manchmal war. Und er gehörte definitiv nicht zu diesen Menschen. Er konnte sich nicht freuen ohne zu lächeln und er gehörte auch nicht zu den Menschen, bei denen nur der Mund lächelte. Seine Augen lächelten, wenn sein Mund lächelte. Wenn er traurig war, konnte er nicht so tun, als wäre nichts und wenn er wütend war, dann konnte er auch nicht tun, als wenn alles gut wäre. Seine Fassade war immer von dem abhängig, was dahinter passierte. Und er war sich sicher, dass das bei allen Menschen so war. Dass es aber Menschen gab, die ihre Fassade, oft mit Erfolg, unabhängig von dem was in ihnen geschah aussehen lassen konnten. Manche machten das mit Absicht und für manche Menschen war es vielleicht normal so und sie machten es nicht extra.


Caitlin sah hinaus auf die laute, mit Autos gefüllte Straße und nippte an ihrem Kakao. Natürlich hatte sie Grace, mit der sie über all das reden konnte und die sie auch verstand, dennoch konnten weder sie noch Grace, noch beide zusammen alleine etwas dagegen tun. Und das machte Caitlin fertig. Das Gefühl der Hilf- und Machtlosigkeit. Aber um etwas dagegen tun zu können, brauchte es nun mal noch jemanden. Jemanden, der ihnen helfen konnte.
Und heute in der Schule hatte sie diese Erkenntnis überwältigt und zwar so gewaltig, dass sie sofort zu ihrer Lieblingslehrerin Mrs. Glynn gelaufen war, wobei ihr zu ihrem Entsetzen schon die Tränen über die Wangen gelaufen waren. Im Klassenzimmer hatte sie Mrs. Glynn nicht gefunden, also war die zum Lehrerzimmer gelaufen und hatte geklopft. Irgendeiner von den Lehrern dort drin hatte ihr die Tür aufgemacht und dann hatten sie alle gesehen, mit ihrem ganz rotgeweinten Gesicht und dem grüngelbfleckigen Handgelenk, mit dem sie sich die Haare aus dem Gesicht wischte. Und alle Lehrer und Lehrerinnen schauten sofort besorgt und dann zu Mrs. Glynn, denn jeder der anwesend war, wusste, wie sehr Caitlin Mrs. Glynn mochte und dass das auch auf Gegenseitigkeit beruhte.
Mrs. Glynn stand sofort auf und schloss Caitlin in die Arme, strich ihr über den Rücken. Es schien als hätte Mrs. Glynn diesen Moment schon erwartet. Denn natürlich hatte sie die blauen Flecken auf Caitlins Armen gesehen und dann und wann auch mal das blaue Auge, das trotz jeglicher Art von Schminke und Lidschatten noch mehr als gut erkennbar war. Mehrmals schon hatte Mrs. Glynn Caitlin darauf angesprochen, aber es war immer eine Treppenstufe gewesen, die sie übersehen hatte oder ein Stein über den sie gestolpert war. Das blaue Auge erklärte Caitlin meist mit Schranktüren und Türrahmen, gegen die sie gelaufen war. Der Blick, der dabei in Caitlins Augen lag war voll Angst. Und natürlich hatte Mrs. Glynn Caitlin diese Antworten nicht geglaubt. Doch die Angst in ihren Augen hatte sie immer davon abgehalten, etwas zu tun.
Caitlin war eine sehr gute Schülerin, wenn auch sehr zurückhaltend, ihre Stärke lag im Schriftlichen. Caitlin war immer fröhlich, zumindest vor den anderen. Wenn Mrs. Glynn sie auf die blauen Flecken ansprach, wich die Fröhlichkeit der Angst, die sich in ihren Augen breitmachte. Wenn Caitlin wieder zu den anderen ging, war es wie mit Katzen: Während des Fallens verwandelte sich die Angst in ihren Augen in Fröhlichkeit oder eine fröhliche Fassade und wenn Caitlin unten ankam, kam sie stets auf zwei Beinen und mit fröhlichen Augen an. Nie landete sie auf dem Rücken und mit traurigen Augen, immer auf den Beinen mit fröhlichen Augen. Sie schaffte es immer sich zu drehen, zu verwandeln, die Fassade wieder zu errichten, egal wie wenig Zeit sie hatte, egal wie kurz der Fall war.
Mrs. Glynn hatte das schon oft beobachtet und als Caitlin nun hier im Lehrerzimmer gestanden hatte, weinend mit traurigen Augen, hatte sie keine Kraft mehr gehabt, die fröhliche Fassade zu bewahren und irgendwas in ihr war zusammengebrochen, der Fall war zu kurz, viel zu kurz und viel zu heftig gewesen. Caitlin war hart mit dem Rücken und traurigen Augen auf dem Boden aufgekommen. Das war ihr vorher noch nie passiert und wahrscheinlich kam dieses Erschrecken darüber zu ihrer kraftlosen Anstrengung, die Fassade aufrecht zu erhalten noch dazu.
Mrs. Glynn führte Caitlin hinaus in die Bibliothek, in der es einen Raum gab, in dem eigentlich nie jemand war. Bücher gaben außerdem eine schöne ruhige und geschichtenbeladene Atmosphäre, die einen vielleicht von der eigenen Geschichte ablenkte.
Caitlin liebte Bücher. Sie setzten sich gegenüber in zwei Sessel und als Mrs. Glynn merkte, dass Caitlin sich erstmal ein bisschen beruhigen musste, zog sie Caitlin zu sich auf den Schoß. In jeder anderen Situation wäre das komisch gewesen und auch bei jedem anderen Schüler und jeder anderen Schülerin in Caitlins Alter; Caitlin war vierzehn. Caitlin hatte immer noch Angst und ihr hatte vor dem Moment gegraut Mrs. Glynn alles zu erzählen. Nicht weil es Mrs. Glynn war, sondern weil es DAS war, was sie zu erzählen hatte. Als sich Caitlin beruhigt hatte, setzte sie sich wieder in ihren Sessel gegenüber von Mrs. Glynn.


Er war ein großer Wortliebhaber. Das hieß nicht, dass er gerne viel redete, aber er liebte die Worte. Er liebte lesen und er liebte das Schreiben, welches auch sein Beruf war, worauf er mächtig stolz war. Von Worten konnte man so viel lernen und man konnte sie mit so vielem vergleichen. Zum Beispiel war ihm gerade eben der Gedanke gekommen, wie ähnlich ein Wort der Welt war! Ein Wort wurde als ganzes gesprochen, gehört, gesehen und geschrieben. Die einzelnen Buchstaben beachten wir gar nicht so genau. Laut einer Studie kann man die Buchstaben eines Wortes so umstellen, wie es einem beliebt, solange alle Buchstaben da sind und der erste und der letzte Buchstabe immer noch an ihrem Platz stehen. Und das stimmt auch, man kann ein Wort, das so geschrieben ist, problemlos lesen.
Das Wort wird also als ganzes betrachtet und trotzdem ist es wichtig, dass jeder Buchstabe da ist, denn sonst wäre das Ganze nicht das Ganze. Ein Buchstabe sieht vielleicht nicht so schön aus, aber das ist nicht schlimm, denn das Ganze ist trotzdem noch das Ganze. Und wenn ein Buchstabe mal ganz daneben ist, dann nehmen wir einen Radiergummi und radieren den Buchstaben weg, ersetzen ihn dann. Ein paar Buchstaben sind schöner, ein paar weniger. Das sieht man aber nur bei genauem Hingucken. Von weitem sieht das Wort ganz normal, ganz ordentlich, ganz sauber, ganz friedlich aus. Wenn man aber genauer hinsieht, sieht man vielleicht die kleinen Fehler, die das Wort hat, die kleinen Ungereimtheiten, vielleicht einen falschen Buchstaben. Und vielleicht sieht man auch erst dann einen kleinen Fehler, wenn ein anderer einen darauf aufmerksam gemacht hat. Ein Fehler, der einen bis dahin vielleicht gar nicht und dann wahnsinnig stört. Wie jeder Mensch hat auch jedes Wort seine kleinen Fehler. Und so auch die Welt.
Von hier oben im Flugzeug sieht die Welt ganz friedlich, ganz normal, ganz ordentlich, ganz sauber aus. Man betrachtet sie als Fassade. Aber bei genauerem Hinsehen, wenn man nicht gerade im Flugzeug sitzt, bemerkt man, dass es Fehler gibt und auch Ungereimtheiten und ja, dass der Schein manchmal trügt. Und um diese Fehler zu korrigieren, genügt kein Radiergummi. Da braucht es mehr. Und es braucht die Bereitschaft jedes Einzelnen auf dieser Welt etwas dafür zu tun. Und was klar ist: Auf die Dauer kann das Ganze, das ganze Wort, die ganze Welt nicht überleben, solange sich die einzelnen Buchstaben bekriegen. Und damit sind nicht nur Menschen gemeint. Denn diese bekriegen nicht nur sich selbst, sondern auch die Tiere, Pflanzen, letztendlich die ganze Welt. Wir können schreiben, warum nicht friedlich sein? Das alles ging ihm durch den Kopf und er schrieb es sofort auf, bevor er es vergaß. Es war ganz wichtig, dass man sowas sofort aufschrieb, aber manchmal sollte man es auch lassen.


Mrs. Glynn wartete auf Caitlin. Sie wusste, dass sie reden würde, dass sie aber vielleicht einen kleinen Schubser brauchte. Also hatte Mrs. Glynn nur gesagt: „Die blauen Flecken sind nicht von Schranktüren, Türrahmen und übersehenen Treppenstufen?“ Caitlin hatte gewusst, dass dieser Moment kommen würde, seit Mrs. Glynn sie immer wieder auf die blauen Flecken angesprochen hatte. Sie hatte sich immer davor gefürchtet und jetzt war es soweit und ganz anders, als sie es sich immer vorgestellt hatte. Wenn ihr etwas klar geworden war, dann das: Die Momente, die man sich immer wieder vorstellte, ob man sich darauf freute oder sich davor fürchtete, diese Momente wurden nie so, wie man sie sich vorgestellt hatte. Und darüber hatte man auch keine Macht.
Caitlin holte tief Luft und begann zu antworten. Nein, die blauen Flecken waren nicht von übersehenen Treppenstufen und Schranktüren, sondern von Händen oder Gegenständen, die diese Hände gehalten hatten. Obwohl Mrs. Glynn genau das vermutet hatte, erschreckte sie Caitlins Antwort, das sah auch Caitlin. Mrs. Glynn wurde ganz blass und hob die Hand vor ihren Mund. Sie fragte, ohne die Hand wieder herunter zu nehmen, wem die Hände gehörten. Meinen Eltern. Caitlin hatte bei dieser Antwort nicht die glückliche Fassade aufgesetzt. Es gab auch keine traurige Fassade. Es war eine Fassade, die nur weiß war, weiß von der Wahrheit geprägt.
Die Angst war immer noch in ihren Augen und sie war schlimmer denn je. Aber der Rest ihres Gesichtes war die weiße Fassade. Es waren nur ihre Augen, die in diesem Moment sprachen. Die Augen, die die Verbindung zwischen dem Haus und der Fassade waren.Was damit sei, hatte Mrs. Glynn gefragt und dabei auf das Handgelenk gedeutet. Caitlin hatte weglaufen wollen, aber er hatte sie festgehalten. Zu fest. Auch dieser Moment war nicht so gewesen, wie sie ihn sich vorgestellt hatte. Natürlich nicht.
Caitlin hatte Mrs. Glynn alles erzählt und nichts ausgelassen. Und es hatte so gut getan, endlich mit jemandem darüber reden zu können. Mit jemandem, der etwas dagegen tun konnte. Caitlin hatte das Angebot nach der Schule sofort mit zu Mrs. Glynn zu kommen abgelehnt. Sie wollte vorher mit Grace reden. Klar, das konnte sie auch bei Mrs. Glynn, sie würde Grace sowieso anrufen und ihr sagen, wo sie war. Aber Caitlin hatte das Gefühl, dieses Gespräch mit Grace in dem Flur führen zu müssen, der so normal aussah und es gar nicht war. Vielleicht würden sie auch zu ihrer Buche fahren, mit Schokolade und kaltem Kakao und vielleicht würde das Ritual dann kein Ritual mehr sein, weil sie mehr Worte brauchen würden als „Schokolade macht glücklich“. Aber nur vielleicht. Grace und Caitlin brauchten oft viel weniger Worte als gedacht und sie verstanden sich trotzdem. Nach diesem Schultag war Caitlin dann im Bus eingeschlafen und jetzt saß sie hier in ihrem offenen Fenster und schaute auf die Straße hinaus.


Er hatte seinen Blick immer noch nicht von der Welt dort unten gelöst. Auch wenn es schwierig war, er konnte sich trotzdem seine Gedanken und Vorstellungen machen.


Caitlin hoffte, dass ihre Eltern keinen Wind davon bekommen hatten, dass sie mit Mrs. Glynn gesprochen hatte, denn dann würde sich ihre Befürchtung bestätigen und sie würde wirklich viel Schokolade essen müssen, um glücklich zu sein. Wenn Mrs. Glynn sie jetzt gesehen hätte, dann wäre ihr vielleicht klar geworden, dass Caitlin seit dem Gespräch in der Schule nicht mehr auf die Beine gekommen war, der Fall war viel zu heftig gewesen. Die Angst in ihren Augen war nie so groß gewesen. Und trotzdem war Caitlin ganz ruhig. Ihr Mund lächelte sogar. Die Fassade war durcheinander gekommen. Sie hatte keine klare Farbe mehr und die Blumenkästen, die feinen Fältchen, die sich bildeten, wenn Caitlin lachte und die Grübchen, diese Blumenkästen waren verschwunden. Caitlin zuckte plötzlich zusammen, ein Schlüssel war ins Schloss gesteckt worden, das war bestimmt Grace, Grace kam immer nach Caitlin. Dann erst kamen Finlay und Ellie. Caitlin blieb trotzdem am Fenster sitzen, sie wollte die Ruhe bewahren und nicht aufspringen. Sie drehte einzig den Kopf zu ihrer Zimmertür.
Und würde am liebsten sofort anfangen Schokolade zu essen. In ihrer Zimmertür stand Finlay. Caitlin hatte sich angewöhnen können, bei dem Anblick von Finlay oder Ellie nicht immer direkt zusammen zu zucken, doch jetzt zuckte sie zusammen. Ein Blickwechsel mit Finlay reichte und Caitlin verstand. Irgendwie hatte Finlay von dem Gespräch zwischen Mrs. Glynn und Caitlin etwas mitbekommen. Caitlin hielt die Tasse mit beiden Händen fest umklammert, als könnte der Kakao sie vor dem beschützen, was jetzt auf sie zu kam. Kakao war schließlich auch eine Art Schokolade. Finlay kam in Caitlins Zimmer. Er war wütend, gehörte aber zu den Menschen, die egal in welcher Stimmung sie waren, eine neutrale Fassade hatten. Das Haus war wütend, die Fassade neutral. Auf den Familienfotos erkannte man das Haus vielleicht nicht, aber Caitlin lebte nun schon so lange mit Finlay zusammen, dass für sie auch die scheinbar neutralen Fassaden unterschiedlich aussahen und etwas über das Haus dahinter aussagten. Finlay war so wütend, dass er schon ganz rot im Gesicht war. Und Caitlin sah auch, wie sich sein Mund verzerrte. So richtig hatte sie noch nie eine Gefühlsregung auf Finlays Fassade gesehen, dieses Mal war es das erste Mal und Caitlins Fassade änderte sich dementsprechend ebenfalls.
Die Angst, die sie überkam machte sie hilflos und es war eine Angst, bei der ihr fast schlecht wurde. Von den Blumenkästen war rein gar nichts mehr zu sehen und die Fensterläden von Caitlins Fassade und die Augenlider in Caitlins Gesicht schlossen sich.
Sie spürte Finlays flache Hand auf ihrer linken Wange und das Brennen das blieb, wenn die Hand wieder weg war. Der Kakao, der noch übrig war lief ihr über die Füße, nachdem die Tasse auf dem Boden zerschellt war. Caitlin spürte Finlays Fingerknöchel auf ihrem linken Wangenknochen und die gespannte Haut darüber, die schließlich aufplatzte. Caitlin hasste den Geschmack von Blut, wenn ihr nicht schon schlecht gewesen wäre, dann wäre es jetzt soweit.
Finlay brüllte sie nicht an, er sagte kein Wort, sie verstand auch so was er meinte, doch das war die grausame Ohne-Wörter-Verständigung und nicht die schöne geschwisterliche, wie Caitlin sie mit ihrer Schwester Grace so oft hatte. Finlay brüllte nicht mehr seit die Nachbarn mal klingeln gekommen waren. Die hatten Ellie und Finlay aber erfolgreich abgewimmelt. Seitdem wurde von Finlay nicht gebrüllt und Caitlin und Grace schrien auch nicht.
Caitlins Haare hatten mal wieder zu leiden und es war ein so kräftiges Ziehen, dass ihr die Tränen in die Augen stiegen. Aber sie hatte sich fest vorgenommen, dieses Mal nicht zu weinen. Nicht dieses Mal. Sie würde fallen, aber sie nahm sich fest vor, auf beiden Beinen und mit fröhlichen Augen aufzukommen, nicht auf dem Rücken und mit traurigen Augen, obwohl sie die Vermutung hatte, dass sie die Fassade nicht mehr brauchen würde. Ja, sie ertrug die erneuten Schmerzen, aber es war nicht so schwer wie sonst, denn sie hatte endlich mit jemandem gesprochen, über das, was im Haus, in dieser Wohnung passierte und vielleicht war es das letzte Mal.
Er holte gerade aus, da öffnete Caitlin die Augen und sah Finlay ins Gesicht. Noch im selben Moment erkannte sie, dass das ein Fehler gewesen war. Finlays Wut wuchs noch als er in Caitlins Augen schaute und er drängte sie zum offenen Fenster hin. Erst da bemerkte Caitlin, wie die Umgebung sich verändert hatte.
Die Sonne hatte sich ihren Weg durch die Wolken gebahnt und schien ins Zimmer hinein. Sie hatte nicht viel Zeit gehabt, darüber nachzudenken, warum sie die Augen aufgemacht hatte. Sie hatte die Augen jedes Mal zugehabt. Immer. Sie hatte nie den Blick in Finlays Augen gesehen, wenn er es tat. Und er hatte den ihren nie gesehen. Das war jetzt passiert und auch das hatte die Umgebung verändert. Die Sonne schien hinein und passte nicht so recht zu der Wut, die eindeutig in Finlays Augen zu sehen war. Das war auch keine Fassade mehr. Es schien, als hätte auch er das Gefühl, die Fassade nun nicht mehr richtig zu brauchen.
Das Fenster in Caitlins Zimmer war niedrig, niedriger als in den Wohnungen ihrer Freundinnen, dabei wohnten sie schon weit oben. Caitlin merkte, dass ihr das Auge zuschwoll und damit veränderte sich die Umgebung erneut, wenn auch nur für sie. Finlay drängte sie weiter zurück, sie stand nun mit den Oberschenkeln am Fensterbrett. Finlay sagte zum ersten Mal was. Das hatte er vorher nie gemacht. Er sagte mit kratziger Stimme, an deren Klang man merkte, dass er nicht viel sprach, dass Caitlin sich ins offene Fenster setzen sollte, so wie sie eben gesessen hatte. Jetzt war Caitlin endgültig schlecht vor Angst und sie hörte Finlays Worte wie durch Watte. Sie tat, was er sagte und setzte sich hin, wie sie eben gesessen hatte, wobei ihr alles wehtat, mit dem Rücken an der Wand und den Füßen auf der Fensterbank.
Und die Umgebung veränderte sich die ganze Zeit und vor den nächsten Veränderungen hatte Caitlin schreckliche Angst.
Sie sollte sich drehen, so dass die Füße aus dem Fenster baumelten. Jetzt wusste sie, dass es kein Fehler sein würde. Sie drehte sich um und sah Finlay ins Gesicht. In die Augen. Sie fragte ihn, was es ihm bringen würde, wenn er sie jetzt hier raus schubste. Er würde schon ins Gefängnis kommen wegen Körperverletzung und Kindesmisshandlung. Ein paar Jahre würden schon noch dazu kommen, wenn er jetzt einen Mord beginge. Und die Umgebung veränderte sich die ganze Zeit, auch als Finlay schallend lachte und mit diesem Lachen eine Gleichgültigkeit vermittelte, die Caitlin hilflos machte.
Die Umgebung veränderte sich auch, als Finlay die Hand hob, sagte: „Auf die Jahre kommt es dann auch nicht an. Das einzige worum ich mir Sorgen mache, ist was ich auf die Frage antworten soll, warum ich das alles getan habe.“ Mit diesen Worten drückte er seinen Arm durch und stieß Caitlin aus dem Fenster. Und Caitlin fiel und errichtete die lächelnde, fröhliche Fassade mit den Blumenkästen und den fröhlichen Augen und vielleicht war das Haus dahinter dieses Mal endlich einmal in ihrem Leben der Fassade entsprechend. Die Wahrheit vielleicht.
Und Caitlin landete eine Zehntelsekunde lang auf beiden Beinen mit fröhlichen Augen, bevor ihr die Knie einknickten und sie zur Seite fiel. Die Fassade war mit dem Haus im Einklang und genau das verstand auch Grace, die angelaufen kam und Caitlin in die Augen blickte, bevor diese die Augen schloss. Das letzte Geräusch, das Caitlin und Grace beide hörten, das Geräusch mit dem der letzte Ohne-Wörter-Verständigungs-Blick auf diesem Erdboden zwischen diesen beiden Schwestern ausklang, war das Geräusch eines großen Flugzeuges, das seinen Weg durch den Himmel flog.


Er hatte nun den Blick von der Welt da draußen abgewandt und wandte sich seinem Buch zu. Und als er anfing zu lesen, begriff er, dass die Welt nach diesem Flug und nach jedem jetzt, jetzt, jetzt nicht mehr die gleiche war. Die Vorstellungen und Gedanken auf diesem Flug hatten ihn verändert und auch alles andere.
Die Stewardess kam nun schon zum dritten Mal in einer halben Stunde an ihm vorbei und er sagte ihr zum dritten Mal, dass er weder einen leckeren Schokoriegel, noch einen Cappuchino mit extra viel Schaum haben wolle. Er blieb dabei sehr freundlich. Und auch das hatte sich verändert.

 

Hallo Lynajo,

um es ganz ehrlich zu sagen: Ich meckere nicht gerne, vor allem nicht, wenn ich merke, dass sich eine Person viel Mühe gemacht hat mit ihrem Text. Dennoch würde ich dir raten, ein paar mehr Absätze in deinen Text einzubauen. Besonders der vorletzte Absatz ist einfach zu lang, da verliere ich die Lust am Lesen. Wenn du den Text ein wenig umänderst, schaue ich ihn mir gerne nochmal an!

Liebe Grüße,
SCFuchs

 

Hallo SCFuchs,

Oh okay das stimmt... Ich werde den Text noch einmal bearbeiten, vielen Dank!

Liebe Grüße
Lynajo

 

Hej Lynajo,

man spürt gleich nach den ersten beiden Absätzen, dass du sehr viel erzählen möchtest, dass du ein Anliegen hast und thematisch mich allerhand erwartet.
Anfangs habe ich so kleine Unstimmigkeiten herausgepickt, aber schließlich habe ich mich einfach deinem Schreibstil ergeben und nur weiter gelesen.
Die Idee ist schön, und jeder dachte das sicher auch schon einmal, wenn er im Flugzeug über allem schwebt und die Fassaden sieht, das hinter jeder ein Schicksal lebt. Dass du dir zwei herausgesucht und beleuchtet hast ist interessant.
Ich merke, wieviel Zeit und Mühe du verwendet hast, die Themen einfließen zu lassen. Du wiederholst sie oft. Ich werde nicht ungeduldig und verstehe, aber du schreibst intensiv und benötigst die Wiederholungen überhaupt nicht. ;).

Während er zu den sehr sehr wenigen gehörte, die ein richtiges Buch aus Papier lasen, sah man die anderen Passagiere auf ihren Smartphones oder den Tastaturen ihrer Laptops herumtippen. Er hatte nun schon seit etwa zehn Minuten nicht mehr umgeblättert, geschweige denn auf sein Buch geschaut.

Auch Wortwiederholungen hintereinander brauchst du nicht.

Auch so konnte er fast den Zugwind auf seinen Wangen spüren.

Das irritiert etwas. Wir sind im Flugzeug, er denkt an Wiesen und du schreibst 'Zug'.

Ausreichend Schokolade war schon drin und wenn ihr Bruder nicht endlich aufhörte zu naschen, bald auch noch der ganze Sandkasten vom Spielplatz nebenan, den ihr Bruder praktisch unter den Fingernägeln hatte.

Das ist witzig.

Die Fassade war gespielt, das Haus dahinter echt.

Super. Normalerweise ist es im Film umgekehrt.

Sie ging hinaus, setzte sich in ihr offenes Zimmerfenster und hielt mit beiden Händen die schön warme Tasse fest.

Auch kannst du sparsamer mit Adjektiven sein. Du schreibst dicht genug.

Doch dies half auch, wenn es auch nicht die Wunde heilte, sondern die Umgebung mit neuen Erinnerungen füllte.

Ein wirklich schöner Gedanke. Aber auch ein 'auch' zuviel.

Sie hatte keine klare Farbe mehr und die Blumenkästen, die feinen Fältchen, die sich bildeten, wenn Caitlin lachte und die Grübchen, diese Blumenkästen waren verschwunden.

Ich weiß, was du meinst und deine Vergleiche sind stimmig, doch ich komme nicht klar mit 'Blumenkästen'.

Ich maße mir nicht an, dir zu empfehlen, auf viele deiner Wiederholungen zu verzichten. Doch ich bin mir ziemlich sicher, dass deine Kernaussagen keine benötigen. Du kannst dir vertrauen. Man versteht die Geschichte.

Danke für diesen Blick aus dem Flugzeug auf die Dinge.

Freundlcher Gruß, Kanji

 

Hallo Kanji,

Erstmal vielen vielen Dank für deine Rückmeldung, ich habe mich sehr gefreut! :)

Ja, stimmt, jetzt wo du es schreibst, ist das mit dem Zugwind komisch. Ich meinte damit den Wind der einem so in den Ohren rauscht, wenn man rennt, also wie auf dem Fahrrad der Fahrtwind.

Blumenkästen an Häusern nehme ich meistens als Verzierung wahr, und Grübchen oder Lachfältchen beim Lachen eben auch als eine Art Verzierung, deshalb die Blumenkästen :)

Wahrscheinlich werde ich den Text nochmal überarbeiten, wenn ich Zeit habe.

Viele liebe Grüße
Lynajo

 

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