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Thema des Monats Zwei Leben

Beitritt
15.10.2015
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Zwei Leben

"Nun mach schon, komm in Gang - an der Abfahrt muss ich raus!"
Marc betätigte die Lichthupe und fuhr noch etwas dichter auf. Die Wirkung auf seinen Vordermann war gleich Null. So kam er nicht an dem Audi auf der rechten Spur und der dahinter klebenden Kolonne vorbei, die ihn vom Verzögerungsstreifen trennten. "Bin ich denn wieder nur von Idioten umgeben!"
Katya war mit Sicherheit schon beim zweiten Glas Schampus, nachdem sein Kundentermin länger gedauert hatte. Er würde ganz bestimmt nicht weitere zwanzig Minuten für einen Umweg drangeben. No way!
"Eine Lücke ist da, wo man eine macht!" Marc tippte kurz auf die Bremse und zog dann nach rechts, Blinken war entbehrlich. Der Stern auf der Haube seines Coupés führte ihn zielsicher zwischen dem Audi und der nachfolgenden Reisschüssel direkt in die Biegung der Abfahrt hinein. "Yesss!", lachte Marc befriedigt. Der Abend war gerettet.
In den Rückspiegel blickte Marc nicht. Sonst hätte er noch sehen können, wie der kleine Suzuki beim Ausweichen ins Schlingern kam und von der Leitplanke zurück in den fließenden Verkehr prallte. Auch die Gestalt im dunklen Mantel, die am Ende der Ausfahrt stand und interessiert das Geschehen auf der Autobahn beobachtete, fiel Marc nicht auf.

*

"Wo warst du so lange? Dein Handy war aus."
Der Vorwurf gab ihrer Stimme eine dunkle Färbung. Warum war Silvana überhaupt wach? Das Nachthemd unter ihrem Hausmantel sagte Marc, dass sie schon im Bett gewesen war. Ihre Augen waren gerötet, vielleicht vor Müdigkeit.
"Im Büro. Ich hab dir doch heute früh schon gesagt, dass es länger dauern würde. Ich musste ja den Termin morgen mit Vollbrecht und Lork vorbereiten. War ganz schön tricky, aber meine Präsentation wird sie ..."
"Die Polizei war hier." Sie schob das Kinn vor und blickte Marc geradeheraus in die Augen. "Möchtest du mir erklären, wie du gleichzeitig im Büro eine Präsentation vorbereiten und auf dem Stadtring einen Unfall verursachen kannst?"
"Ich? Das muss ein Irrtum sein, Baby", setzte er an. Als er sich selbst hörte, war ihm bereits klar, wie platt und abgegriffen die Phrase klang.
"Die Beschreibung deines Autos, samt Kennzeichen? Bitte halt mich nicht für blöd, das ist noch verletzender als deine dauernden Affären." Ihre Stimme wurde nur wenig lauter, blieb kontrolliert. Ein schlechtes Zeichen. "Aber ich war ja wohl auch blöd. Wie oft hast du mir versprochen, dass du dich ändern würdest? Und ich dumme Kuh habe dir immer wieder geglaubt."
"Silvie, du siehst das falsch, lass es mich erklären. Ich habe ..."
"Bemüh dich nicht." Sie wandte sich ab und ging den Flur zum Schlafzimmer zurück. Kein Gezeter. Keine Scherben. Fuck! Diesmal meinte sie es ernst.
Bevor sie die Tür schloss, sagte Silvana, ohne zurückzuschauen: "Drei Fahrzeuge übrigens. Zwei Schwer- und zwei Leichtverletzte."

*

"Silvana di Santo und Marc Roschinski, damit ist Ihre Ehe geschieden. Die beschriebene Sorgerechts- und Unterhaltsregelung geht Ihnen binnen zwei Wochen auch schriftlich zu. Die Verhandlung ist geschlossen."
Marc rammte seine Unterlagen in die Ledermappe und eilte zum Ausgang des Saals. Sein Anwalt holte ihn kurz vor der Tür ein. "Kein Shakehands mit der Gegenpartei, was?"
"Ich glaub's nicht!" Die Anstrengung, nicht zu laut zu werden, ließ Marcs Stimme zittern. "Ausgezogen bis aufs Hemd! Wofür bezahle ich Sie eigentlich?"
"Zum Beispiel dafür, dass ich Ihnen geraten habe, sich außergerichtlich zu verständigen? Ihre Frau wäre uns weit entgegengekommen, aber Sie haben ja darauf bestanden, es auf die harte Tour durchzuziehen."
"Weil ich verdammt noch mal im Recht bin!", unterbrach Marc den Advokaten. Gemeinsam bogen sie in den Korridor ein. "So eine geldgeile ..."
"Dann hätte auch Ihr Umgangsrecht für Philipp großzügiger ausfallen können", fuhr der Anwalt ungerührt fort. "Aber so eine frische Strafe wegen fahrlässiger Körperverletzung und Unfallflucht, auch wenn es zur Bewährung ist - das schafft bei Familienrichtern nicht gerade Vertrauen in elterliche Fürsorge und Verantwortung."
"Und diese Scheißrente für die alte Schabracke, die ihren Fuß verloren hat - die hätte er vor der Berechnung des Unterhalts abziehen müssen, statt sie allein auf meinen Anteil abzuwälzen!" Marc schob sich unwirsch an einem Mann im dunklen Mantel vorbei, der den Flur verengte. Der Mann sah Marc und seinem Anwalt hinterher.
"Tut mir leid, Herr Roschinski, aber in dem Punkt ist die Rechtslage nun wirklich eindeutig. Und jetzt entschuldigen Sie mich, ich muss zu einem weiteren Termin. Meine Rechnung geht morgen an Sie raus. Auf Wiedersehen!"
"Du mich auch!", knurrte Marc, als sein Anwalt im Seitengang verschwunden war. Jetzt brauche ich was zu trinken.

*

"Was hat mich bloß jemals geritten, eine Italienerin zu heiraten!"
Marc winkte der Bedienung. Andreas sah ihn stirnrunzelnd an. "Meinst du wirklich, dass du noch einen brauchst?"
"Die hatte schon damals vor Gericht so einen abgewichsten Mafiaanwalt. Und jetzt macht sie auf Super Mamma!" Marc gestikulierte, wie es die Klischee-Italiener in der Nudelwerbung taten.
"Und das liegt daran, dass ihre Großeltern als Gastarbeiter aus Apulien kamen?", lachte Andreas. "Jetzt mach aber mal 'nen Punkt. Sie ist doch so deutsch wie du und ich."
"Ach, und warum versucht das sture Weib mir dann meinen Sohn vorzuenthalten?", fragte Marc grimmig. "Italienische Übermutterscheiße, sag ich dir."
"Vielleicht, weil du schon mehrmals eine Fahne hattest, als du Philipp abgeholt hast?" Andreas hielt dem zornig aufflackernden Blick stand. "Beate hat's mir erzählt, die beiden treffen sich immer noch ab und zu. Mensch, Marc, da hätte sogar ich Bedenken. Und ich brauche dir doch wohl nicht zu erzählen, dass der Junge ihr alles bedeutet."
"Bist auch noch auf ihrer Seite, was? Toller Freund bist du! Shit, Andy, habt ihr euch jetzt alle gegen mich verschworen?" Marc rieb sich mit den Handballen die Augen. Er holte tief Luft und stieß sie seufzend wieder aus. "Ich krieg's im Moment echt von allen Seiten. Vom Kollmann auch wieder. Der hat mich doch nach dem Unfall damals vom Großkunden-Account abgezogen und in die Akquise gesteckt, von wegen 'Imageproblem'. Und jetzt macht er mir die Hölle heiß, weil ich die Zielzahlen nicht erreiche, die er sich für mich ausgedacht hat. Ich sag dir, das ist ein abgekartetes Spiel. Der will mich rauskanten!"
"Kann er das denn? Selbst wenn es der Firma gerade nicht so geht - da braucht man doch 'nen Sozialplan und den ganzen Kram. Und du hast für Exfrau und Kind zu zahlen."
"Ich werde bestimmt nicht abwarten, um es rauszufinden." Marc hob sein leeres Glas an die Lippen und knallte es wieder auf den Tisch. "Kriegt man hier auch irgendwann noch mal was zu trinken, verdammt!", brüllte er in Richtung Tresen. Ein Thekengast im langen Mantel drehte sich neugierig nach ihm um.
"Morgen haue ich Kollmann meine Kündigung auf den Tisch. Ich krieg schon was Neues. Was Besseres." Marc schob die Lippen vor. "Hab schließlich immer noch beste Referenzen."

*

"Was willst du hier?"
Silvana ließ die Kette vorgelegt. Marc stützte sich am Türrahmen ab. "Ich will meinen Sohn."
"Spinnst du? Wir hatten nichts abgemacht."
"Ich will ihn sehen." Er ballte die Faust. "Ich hab Rechte, verdammt!"
"Ist das alles, worum es dir geht? Deine Rechte? Fragst du dich auch ab und zu mal, was für Philipp gut ist?"
"Halt mir keine Vorträge und rück den Jungen raus!"
"Rausrücken? Du bist wohl nicht mehr bei Trost! Nur noch in meinem Beisein, du kennst die neue Regelung. Außerdem ist er heute mit meinem Vater unterwegs." Silvana rümpfte die Nase. "Und wenn du wieder besoffen bist, schon mal gar nicht. Ist ja ekelhaft!" Sie zog den Hausmantel fester um sich, unter dem ihre nackten Beine hervorschauten.
Den hab ich ihr geschenkt. "Da ist jemand bei dir, oder? Wer ist es?!"
"Ich wüsste nicht, was dich das noch angeht." Silvana verschränkte die Arme und sah Marc herausfordernd an. "Aber wo du schon mal da bist - können wir irgendwann mal wieder mit Unterhalt rechnen?"
Er senkte den Blick und schwieg.
"Nicht zu fassen! Ich lasse mir ja eine Menge gefallen. Aber dass du dir gar keine Gedanken machst, wie du deinen Sohn versorgst!"
"Meine Ersparnisse hast du doch schon, was willst du denn noch!", verteidigte sich Marc. "Ich kriege in der ganzen Branche keinen Fuß mehr an die Erde. Kollmann hat mich überall schlechtgeredet, darauf könnte ich wetten! Soll ich etwa als Müllmann gehen?"
"Vielleicht musst du nur mal von deinem hohen Ross runter. Bist wohl doch nicht mehr der Topmann, für den du dich hältst!"
"Was weißt du schon davon, für dich ist Arbeit doch eh ein Fremdwort. Hast ja noch nie selbst 'nen Finger krumm gemacht!"
Silvana schüttelte den Kopf. "Das muss ich mir nicht anhören, Marc. Nicht mehr. Zum Glück!" Sie schlug die Tür zu, öffnete sie dann noch einmal einen Spaltbreit. "Und lass dir ja nicht einfallen, wieder Sturm zu klingeln, sonst rufe ich diesmal die Polizei. Die kennst du ja noch von damals."
Bitch!

*

"Hallo, Marc!"
"Kennen wir uns?", fragte Marc und blinzelte in das Licht der Straßenlaterne, die dem Mann von hinten über die Schulter schien. Langer Mantel, graues Haar, Allerweltsgesicht. Das konnte sonst wer sein. Bloß keiner von den alten Geschäftspartnern, das muss ich echt nicht haben.
"Oh, noch nicht sehr gut. Aber das können wir ja ändern." Die Wärme des Lächelns schaffte es nicht bis in die Augen des Fremden. "Wir haben uns allerdings schon ein paarmal gesehen. In besseren Tagen. Das Leben hat dir übel mitgespielt, was?"
"Was geht Sie das an?", schnauzte Marc. "Wer sind Sie? Und wo sollen wir uns gesehen haben?"
"Du kannst mich Edgar nennen", sagte der Mann und schmunzelte, als habe er einen kleinen, aber gelungenen Scherz gemacht. "Ich habe mitverfolgt, wie es mit dir bergab ging: Unfall - Verurteilung - Scheidung - Kündigung - Arbeitslosigkeit. Ein Abstieg wie aus dem Bilderbuch. Aber so richtig kaputtgemacht hat dich der Alkohol. Und jetzt - obdachlos auf einer Parkbank."
"Ich bin nicht obdachlos! Ich sitze einfach gerne hier. Und hören Sie auf, mich zu duzen, wir sind keine Saufbrüder."
"Oh, ich vergaß - das verlotterte Einzimmerloch, für das du seit drei Monaten die Miete nicht bezahlt hast. Ja, da würde ich die Nächte auch freiwillig im Park zwischen Wanzen-Willi und der dicken Paula verbringen." Das spöttische Grinsen verschwand so schnell, wie es gekommen war. "Ich kann dir helfen, Marc."
"Sie? Mir?" Marc spuckte aus. "Ich brauche keine Hilfe." Als der andere ihn unverwandt ansah, fügte er hinzu: "Und was könnten Sie schon für mich tun?"
Edgar breitete theatralisch die Arme aus. "Ich kann dir wieder ein richtiges Leben geben!", rief er. "Stell dir vor, du könntest die Zeit zurückdrehen und dich noch mal neu entscheiden. Du könntest den verdammten Unfall verhindern und dein kleines heuchlerisches Dasein ungestört weiterführen. Oder du könntest deine Affären beenden und mit Silvana als treuer Ehemann leben. Du könntest auch deinen Job behalten und dich ein bisschen mehr ins Zeug legen. Und vielleicht öfter mal die Finger von der Flasche lassen. Du hast die Wahl!"
"Mann", brummte Marc, "aus welchem Märchenbuch sind Sie denn entsprungen? Oder aus welcher Anstalt?" Er schaute dem Mann ins Gesicht - und konnte seinen Blick nicht mehr von dessen Augen lösen. Edgars Pupillen schienen sich zu weiten, als ob sie Marc aufsaugen wollten. Eine Leinwand öffnete sich darin, die Parkbank wurde zum Kinosessel. Jetzt sah er die Szenen vor sich, die Edgar beschrieben hatte, und befand sich schließlich mittendrin. Er fädelte sich hinter einem Suzuki in die Kolonne ein und fuhr unfallfrei von der Autobahn ab. Kollmann klopfte ihm auf die Schulter und gratulierte zu einem Rekordabschluss. Er lag mit Silvana im Bett, dann mit Katya. Feierte mit Andreas seine Beförderung. Mit Silvana. Sein Leben, wie es hätte sein können. Wie es sein könnte, wenn er das Angebot annähme.
Als Marc sich auf der Parkbank wiederfand, wusste er, dass dieser seltsame Mann tatsächlich zu all dem fähig war, was er versprach. "Und was wollen Sie als Gegenleistung dafür?", fragte er keuchend.
"Ah, noch immer der gewiefte Geschäftsmann! Dir kann man aber auch nichts vormachen." Mit gespielter Verlegenheit fuhr Edgar fort: "Nun ... es gibt da tatsächlich einen Preis. Aber keinen hohen. Nur etwas, das dir sowieso nicht mehr gehört." Dann wurde seine Miene hart. "Das Leben deines Sohnes."
"Was?" Marc wusste nicht, ob der andere oder er selbst den Verstand verloren hatte. "Philipp?"
"Du hast mich schon verstanden. Denk doch mal nach: Was hat dir der Bengel denn je wirklich bedeutet? Wie viel Zeit hast du mit ihm verbracht, verglichen mit deinen Geliebten? Das Sorgerecht hast du längst verloren, im letzten halben Jahr hast du dich nicht mal mehr zu einem Besuch hingetraut. Es ist also bereits so, als ob du gar keinen Sohn hättest. Was macht es da für einen Unterschied, wenn es ihn tatsächlich nicht mehr gibt? Das ist doch nicht anders, als wenn ein Wildfremder stirbt, wie es jeden Tag tausendfach passiert. Übrigens hole ich ihn erst an seinem achtzehnten Geburtstag. Bis dahin hast du die Sache längst vergessen."
Marc sah sich hilfesuchend um. Doch Willi und Paula schliefen wie betäubt. Außer den beiden, Edgar und ihm selbst schien der Park menschenleer zu sein. Edgar drängte: "Ein neues Leben, Marc! Oder das alte, ganz wie du willst. Deine letzte Chance, alles richtig zu machen. Raus aus diesem Elend hier. Du kannst wieder der angesehene, erfolgreiche Doktor Marc Roschinski sein!"
Marc begann zu schwitzen, fuhr sich mit der Hand über das Gesicht. Er musste einfach nur tun, was er immer getan hatte. Wieder ich selbst sein, wie früher. Knallhart, kompromisslos, um in dieser Welt zu bestehen. Noch einmal legte der andere nach: "Und du hast Gelegenheit, es allen zu zeigen, die dich haben hängenlassen, als es dir schlecht ging. Deinem miesen Chef. Deinem angeblich besten Freund. Deiner gierigen Exfrau!"
"Kollmann ... Andreas ...", sinnierte Marc mit düsterer Miene. "Silvana ..." Er brauchte einfach nur Ja zu sagen. Sein Leben wieder in Gang bringen, ohne Rücksicht auf die anderen. Man konnte sich auf niemanden verlassen, sie alle hatten ihn enttäuscht. Er sah ihre Gesichter vor sich. Und noch ein weiteres. Philipp!
Marc sprang auf und stieß Edgar mit beiden Händen vor die Brust; der musste einen Schritt rückwärts machen, um sich abzufangen. "Verschwinden Sie. Ich will Ihre Hilfe nicht!" Marc begann zu brüllen, er ballte die Fäuste. "Verschwinden Sie! Und lassen Sie die Finger von meinem Sohn, er hat damit nichts zu tun!"
"Okay, okay." Edgar hob beschwichtigend die Hände. "Überleg dir das gut, Marc. So ein Angebot bekommt man nicht zweimal." Marc trat drohend einen Schritt auf ihn zu, und der Mann wich weiter zurück. "Wie du willst. Aber ich werde dich im Auge behalten." Damit drehte er auf dem Absatz um und ging davon.
"Was'n das für'n Lärm, da kann ja keiner pennen", quengelte Paula. Marc wandte sich nach ihr um, doch sie schnarchte bereits weiter. Als er wieder auf den Weg schaute, war Edgar verschwunden.

*

"Ah. Herr Roschinski."
Die professionelle Freundlichkeit fiel dem Sachbearbeiter aus dem Gesicht wie ein schlecht haftender falscher Bart, als Marc das enge Büro betrat. "Was kann ich für Sie tun? Nicht viel, wenn ich mich an unser letztes Gespräch erinnere."
"Ich ..." Marc kratzte seinen Handrücken, sah zu Boden, aus dem Fenster. "Ich ... war nicht sehr freundlich zu Ihnen."
"So kann man's auch ausdrücken. Sie haben sich aufgeführt wie ..."
"Wie ein Arschloch, ja, Sie haben Recht!", fiel ihm Marc ins Wort. Dann senkte er wieder den Blick.
"Na, wenn Sie es schon selbst sagen." Der Mann hinter dem Schreibtisch lehnte sich zurück und verschränkte die Arme. "Und nun?"
Marc räusperte sich. "Ich würde gerne noch mal über die offenen Stellen sprechen."
"Oh, ein Sinneswandel. Tja, so eine vorübergehende Streichung der Bezüge wirkt manchmal Wunder."
"Das ist es nicht", sagte Marc leise. Sie haben ja keine Ahnung.
Der Sachbearbeiter sah Marc forschend an. "Na gut", sagte er schließlich und rieb sich das Kinn, wie um den Sarkasmus wegzuwischen. "Dann wollen wir mal sehen. Setzen Sie sich."

*

"Marc! Kommen Sie bitte mal mit ins Büro?"
Marc stellte den Eimer und die Greifzange neben der Mülltonne ab und folgte dem Marktleiter durch den Laden ins Hinterzimmer. War's das schon?
"Setzen Sie sich." Der Filialleiter wies auf den Stuhl, nahm selbst hinter dem Schreibtisch Platz und sah Marc an. Dann lachte er auf. "Meine Güte, was machen Sie für ein Gesicht? Was glauben Sie denn, was jetzt kommt?"
Marc entspannte sich vorsichtig. "Keine Ahnung, Herr Günay. Was denn?"
Erol Günay stützte die Ellbogen auf den Tisch und sah Marc nachdenklich in die Augen. "Sie sind jetzt seit zwei Monaten hier. Als mir das Jobcenter damals Ihren Lebenslauf geschickt hat, habe ich nicht geglaubt, dass Sie diesen Job länger als zwei Tage machen würden. Müll aufsammeln, Einkaufswagen zusammenschieben, Schnee schippen - und das bisschen Lohn wird noch mit dem Hartz vier verrechnet. Die meisten Leute mit Ihrer Laufbahn hätten das wohl unter ihrer Würde gefunden, Vorstrafe und Alkoholproblem hin oder her."
Marc erwiderte den Blick und sagte nichts. Würde ...?
"Aber Sie meckern und murren nicht, egal was anfällt. Sind immer pünktlich. Ruhig, ziemlich verschlossen, aber freundlich. In einem Job, der nicht annähernd Ihren Fähigkeiten entspricht. Ich muss zugeben, ich werde nicht recht schlau aus Ihnen."
Marc schwieg weiter. Der Marktleiter öffnete einen Pappordner und zog ein Dokument heraus. "Ich brauche jemanden fürs Lager, weil die Cindy schwanger ist. Auch Regale im Laden auffüllen, solche Sachen. Immerhin Mindestlohn, Vollzeit. Für den Parkplatz müssen wir uns dann allerdings einen anderen suchen. Was halten Sie davon?"

*

"Der Kollmann musste seinen Hut nehmen. Stand in der Zeitung."
"Echt? Armes Schwein."
Andreas lachte. "Du hast Mitleid mit deinem Exchef?"
"Der kann auch nichts dafür, dass die ganze Branche vor die Hunde geht. Hat außerdem ein schwerkrankes Kind. Damals jedenfalls." Marc hielt die vorbeieilende Bedienung auf. "Bekomme ich noch mal das Gleiche, bitte? Danke."
"Ich erkenn dich in letzter Zeit kaum wieder, weißt du das?" Andreas musterte ihn kopfschüttelnd. "Steht dir aber gut. Der neue Marc. Cheers!" Sie stießen mit ihren Colagläsern an. "Und, gibt’s was Neues aus der Lagerlogistik?"
"Erol will mich zu seinem Stellvertreter machen. Die Zentrale stellt sich noch quer, die sind streng mit Vorstrafen. Aber weil es kein Eigentumsdelikt war, hofft er, dass er es durchkriegt."
"Hey, Glückwunsch, Mann!", rief Andreas. "Bahnt sich da eine neue Karriere an?"
"Lass man", winkte Marc lächelnd ab. Das muss ich gar nicht wieder haben. Er blickte eine Weile schweigend aus dem Fenster. "Hast Du mal wieder was von Silvana und Philipp gehört?"
"Nicht viel. Ich glaube, Silvana redet nicht gern darüber, wie schlecht es ihr zwischenzeitlich wirklich ging. Oder Beate erzählt mir bloß nicht alles weiter. Jedenfalls geht es wohl wieder bergauf. Dass sie jetzt selber Geld verdient, weißt du ja, irgendein Bürojob. Hat auch wieder jemanden - also, du weißt schon - was Ernstes."
Die Bedienung stellte Marcs neues Glas auf den Tisch und lächelte ihn freundlich an.

*

"Oh. Hallo, Silvana!"
"Marc? Hallo."
Etwas Intelligenteres fiel beiden nicht zu sagen ein. Marc hatte sie fast umgerannt, als er sich mit dem Kaffee vom Tresen abwandte, um auf dem Gang des Einkaufszentrums einen freien Platz zu suchen.
Sekundenlang sahen sie sich unsicher an. Dann fand Marc als Erster die Sprache wieder. "Setz dich doch kurz."
"Nee, du, ich muss ..."
"Bitte. Ich würde gerne mit dir reden. Kurz?" Er deutete auf einen freien Tisch, dabei schwappte sein Kaffee. "Magst du auch einen?"
Im Setzen schüttelte sie den Kopf, ihr Pferdeschwanz wippte. Marc bemerkte das erste Grau im vollen Schwarz. Um Augen und Mund hatten sich kleine Falten niedergelassen, die sie früher überschminkt hätte. Statt eines der schicken Kostüme von damals trug sie Jeans und eine schlichte Bluse. Sie sieht fantastisch aus.
Silvana saß steif auf der Stuhlkante und sah ihn skeptisch an. "Ist 'ne Weile her, dass wir uns direkt gesprochen haben statt über Anwälte. Und? Was machst du so?"
"Es geht allmählich aufwärts. Ich kann vielleicht bald wieder mehr für Philipp zahlen. Nicht wirklich üppig, aber verglichen damit, wie weit ich unten war ..."
"Du erwartest jetzt kein Mitleid, oder?" Silvana zog die Augenbrauen hoch.
Marc schüttelte den Kopf und suchte nach Worten. "Ich ... habe dich ziemlich schlecht behandelt damals."
"Das ist wohl noch geschmeichelt! Du hast dich aufgeführt wie ..."
"Wie ein Arschloch, ja!"
Silvana stutzte. "Ganz genau", sagte sie dann, "auch wenn mir nicht klar ist, was es da zu grinsen gibt."
"Entschuldige." Marc wurde wieder ernst. "Es ist nur ... ich habe in etwa das gleiche Gespräch in den letzten ein, zwei Jahren mit so einigen Leuten geführt." Silvana sah ihn abwartend an, bis er ein paar der Worte wiederfand, die er sich für eine Gelegenheit wie diese zurechtgelegt hatte. "Ich habe so ziemlich alles falsch gemacht. Und ich habe Dinge kaputtgemacht, die ich nie wieder reparieren kann. Und das tut mir wirklich, ehrlich, aufrichtig leid."
Silvana sah den Gang entlang, durch die Menschen hindurch. "Ich werde wieder heiraten, weißt du. In zwei Monaten."
"Hat Andreas mir erzählt. Freut mich für dich."
"Robert ist Softwareentwickler. Ihr würdet euch vielleicht mögen. Obwohl ..." Sie lachte kurz. "Ist ja auch egal. Er versteht sich gut mit Philipp."
"Das ist schön. Und wichtig."
"Nimm's mir nicht übel, Marc, aber ich muss jetzt ..." Silvana griff ihre Handtasche und stand auf.
"Schon okay. Ich bin froh, dass wir uns über den Weg gelaufen sind."
Linkisch hob Marc die Hände für eine mögliche Umarmung, aber Silvana streckte ihm ihre Rechte entgegen. Beide grinsten verlegen.
"Ich wünsche euch, dass ihr glücklich werdet", sagte er.
"Danke."
"Ich meine es so. Glücklicher als mit mir."

Marc sah Silvana nach, bis er sie aus den Augen verlor. Als er sich wieder seinem Tisch zuwandte, stand unvermittelt ein Mann im dunklen Mantel vor ihm. Marc erschrak kurz, fing sich aber schnell. "Was wollen Sie jetzt wieder von mir?", fragte er argwöhnisch.
"Wie kommst du darauf, dass ich deinetwegen hier wäre?", antwortete Edgar in gelangweiltem Tonfall und schaute an Marc vorbei. Der folgte dem Blick den Gang entlang bis zu dem Punkt, an dem Silvana im Gedränge verschwunden war. Mein Gott!
"Was ... was haben Sie mit ihr vor? Lassen Sie sie in Ruhe!", stieß er hervor.
"Was denn?", fragte der andere mit gespielter Empörung. "Meinst du etwa, ich wollte ...? Was denkst du von mir!" Ein listiges Blitzen stieg in seine Augen. "Aber warum glaubst du eigentlich, dass ich nicht schon längst bei ihr war?"
Amüsiert sah Edgar, wie Marc sprachlos nach Luft schnappte. Dann nahm sein Blick wieder die Härte an, die Marc schon einmal bei ihm gesehen hatte. "Glaubst du, deine Frau hatte es leicht nach eurer Scheidung? Sie mag nicht so sehr dem Alkohol zugesprochen haben wie du, aber dafür umso mehr den Männern. In zwei Jahren hatte sie mehr Affären als du in den gesamten zehn eurer Ehe. Als ob sie sich damit irgendetwas beweisen wollte. Nur was - hast Du eine Idee?"
Marc blieb stumm, Entsetzen breitete sich auf seinem Gesicht aus.
"Und wer hätte gedacht, dass auch Geldausgeben nicht wirklich glücklich macht? Schicke Kleider, edle Schuhe, Schnickschnack für die Wohnung - nichts davon füllt die Leere. Teure Geschenke an ihre Männer in der Hoffnung, etwas zurückzubekommen, das sich wie Liebe anfühlt ... Nachdem deine Unterhaltszahlungen ausblieben, war nach wenigen Monaten sogar das Haus weg. Wusstest du das etwa noch nicht?"
Marc schwankte, tastete mit zitternden Händen nach seinem Stuhl und ließ sich darauf fallen.
"Als ich ihr meine Aufwartung machte, wusste sie nicht, ob sie auf den Strich gehen sollte, um den Kleinen zu ernähren, oder ob sie sich lieber mit ihm vor den Zug werfen wollte." Edgar hatte sich an die Gegenseite des Tisches gesetzt und schaute Marc jetzt eindringlich an. "Ich habe ihr das gleiche Angebot gemacht wie dir."
"Oh, mein Gott ... Philipp ..." Marc starrte durch sein Gegenüber hindurch. Doch die Gesichtszüge des Mannes lösten sich in ein breites Lachen auf.
"Philipp? Aber nicht doch!", rief er belustigt aus. Dann senkte er verschwörerisch die Stimme, während seine Miene wieder ernst wurde: "Natürlich habe ich auch von ihr nur etwas gefordert, das ihr sowieso nicht mehr gehörte. Das Leben ihres verlogenen, versoffenen Arschlochs von Exmann."
Marcs Körper spannte sich. Er wollte aufspringen und fliehen, doch wie damals im Park hielt ihn Edgars Blick fest. Dessen Pupillen weiteten sich wieder, aber statt der Leinwand sah Marc ein orangerot loderndes Feuer darin. Sofort stand er selbst in Flammen, spürte die heiße Glut auf der Haut. Hier mitten im Einkaufszentrum?, war der einzige klare Gedanke, den sein Verstand ihm anbot. Der Gestank seiner brennenden Haare ließ Übelkeit in ihm aufsteigen, seine Hände verkohlten in den Flammen. Er schrie vor Schmerz und Angst, doch keiner der Passanten schien von seiner Agonie Notiz zu nehmen.
Im nächsten Moment saß er wieder am Tisch, bleich und verschwitzt, aber körperlich unversehrt. Er fand keine Spur von Verbrennungen, als er an sich hinunterschaute.
Edgar zuckte bedauernd mit den Schultern. "Sie hat abgelehnt", sagte er und stand auf. "So ein stures Weib. Italienerinnen ..."

Der Mann im dunklen Mantel wandte sich ab und ging davon, entgegen der Richtung, die Silvana genommen hatte. Die Andeutung eines Lächelns huschte über sein Gesicht. Dann verschwand seine Gestalt in der Menge.

 

So, mein Hut liegt im Ring. Jetzt dürft Ihr Euch darauf stürzen und ihn zerfetzen.

Und noch ein kleiner Protest: Werde ich hier auch mal auf den Genuß einer längeren Kurzgeschichte kommen? 8 - 10 Seitenlange Kurzgeschichten in der Challenge würden mir auch gefallen (und das schreibe ich nicht, weil meine so lang ist :D).

Gern geschehen, Maria! ;)

Grüße vom Holg ...

 

Hey Incredible Holg

Ich wollte nur kurz anmerken, dass du (unbewusst) den Titel einer meiner Kurzgeschichten geklaut hast:D Geht natürlich in Ordnung für mich. Weiss aber nicht, ob es hier eine Regel diesbezüglich gibt?

Grüsse, nevermind

 

Ich wollte nur kurz anmerken, dass du (unbewusst) den Titel einer meiner Kurzgeschichten geklaut hast:D Geht natürlich in Ordnung für mich. Weiss aber nicht, ob es hier eine Regel diesbezüglich gibt?

Ätsch, Erster! :p :D

Also, ich hätte kein echtes Problem damit, und eine feste Regel gibt es bestimmt nicht. Aber etwas unpraktisch ist das schon, wenn hier gleichzeitig mehrere Geschichten mit gleichem Titel rumfliegen, sogar in derselben Challenge. Besonders, wenn man in der Forenübersicht die Themenanfänge ausgeblendet hat und nur nach den Überschriften geht.

Ich sach ma so: Eigentlich fiel mir lange kein besserer Titel ein als "Letzte Ausfahrt". Den wollte ich aber aus obigen Gründen nicht nehmen, und letztlich habe ich ja auch was Anderes gefunden. Vielleicht schaffst Du das ja auch. Wenn nicht - soll der Blitz Dich treffen, oder in China fällt ein Sack Reis um. :lol:

Grüße vom Holg ...

 

Zur Klarstellung: Meine Geschichte ist nicht in dieser Challenge, ist schon etwas älter. Deshalb sehe ich kein Problem :) Ich würde sagen, wir lassen es einfach beide so stehen, wies ist ;)

Herzlich, nevermind

 

Es ist grundsätzlich nicht verboten, einen schon vorhandenen Titel bewusst oder unbewusst ein zweites Mal auszuwählen.

 

Hey Holg

Die Grundidee deiner Geschichte halte ich für ausgezeichnet. Die Pointe bzgl. des wahren Charakters der beiden Figuren, bzgl. Gutem im Schlechten, wenn man so sagen darf, die hast du wunderbar rübergebracht, ohne sie ausprechen zu müssen. Die Idee des Tausches hat mir – auch wenn es nicht das erste Mal ist, dass ich so was lese :) - gut gefallen. Die Geschichte habe ich echt gerne gelesen. Im Folgenden ein paar Anmerkungen:

So kam er nicht an dem Audi auf der rechten Spur vorbei

Würde ich streichen, ergibt sich aus dem Kontext.

"Bin ich denn wieder nur von Idioten umgeben!"

Leerschlag nach den Anführungszeichen.

Katya war mit Sicherheit schon beim zweiten Glas Schampus, weil sein Kundentermin länger gedauert hatte.

Der Name stimmt nicht. Und dann ist das vielleicht etwas pingelig, aber Silvana ist nicht deshalb beim zweiten Glas, weil der Termin länger gedauert hat, sondern weil Marc noch nicht zu Hause ist. Der Grund ist also das Nichterscheinen und nicht der Grund des Nichterscheinens.

I]No way, José![/I]

Du meinst: „Marc“?

Sonst hätte er noch sehen können

streichen.


Ich habe dir doch heute früh schon gesagt

Brauchen wir diese Info? Ich würde es streichen. Generell ist mir aufgefallen, dass du in deinen Dialogen sehr viel Information verpackt hast. Da erklären die Figuren manchmal Dinge, die in erster Linie an den Leser gerichtet sind.


Bitte halt mich nicht für blöd, das ist noch viel beleidigender, als dass du mich betrügst."

als mich zu betrügen

Aber Ihre frische Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung und Unfallflucht - so was schafft bei Familienrichtern nicht gerade Vertrauen in elterliche Fürsorge und Verantwortung."

Das ist so eine Stelle, die zeigt, was ich meine. Du willst dem Leser zeigen, dass die Szene relativ zeitnah zum bisherigen Geschehen stattfindet. Aber würde das der Anwalt an dieser Stelle sagen? Marc weiss ja, wann er seine Strafe bekommen hat. Brauchen wir Leser diese Info überhaupt? (Bin ich mir nicht sicher, aber dann die Info vielleicht anders platzieren).

Beate hat's mir erzählt, die beiden treffen sich immer noch ab und zu.

Du weisst… Und auch hier:

Der Kollmann - nicht genug, dass er mich nach dem Unfall damals vom Großkunden-Account abgezogen und in die Akquise gesteckt hat, von wegen Imageproblem.

Sie verdrehte sarkastisch die Augen.

streichen. Das zeigst du schon, brauchst du nicht zu sagen.


"Ich kann dir dein Leben wiedergeben!", rief er. "Stell dir vor, du könntest die Zeit zurückdrehen und dich noch mal neu entscheiden. Du könntest den verdammten Unfall verhindern, indem du dich rechtzeitig einordnest. Dann erfährt deine Frau auch nichts von dem Schäferstündchen mit Katya, und du kannst dein altes heuchlerisches Dasein weiterführen. Oder du könntest an der Ausfahrt vorbeiziehen, deine Affären beenden, wie du es versprochen hast, und ein Leben mit Silvana als treuer Ehemann führen. Du könntest auch noch mal darüber nachdenken, ob du wirklich deinen Job hinschmeißen oder dich nicht doch ein bisschen mehr anstrengen möchtest. Du hast die Wahl!"

Das liest sich wie eine Zusammenfassung des bisherigen Geschehens. Vielleicht kannst du hier noch kürzen.

"Mann", brummte Marc, "aus welchem Märchenbuch sind Sie denn entsprungen?

So wie ich Marc kenne, würde er den Mann duzen. Er duzt ihn ja auch. Btw. „so wie ich Marc kenne“ zeigt, wie gut du die Figur charakterisiert hast.

Edgars Pupillen schienen sich zu weiten, als ob sie Marc aufsaugen wollten. Eine Leinwand öffnete sich darin, die Parkbank wurde zum Kinosessel. Jetzt sah er die Szenen vor sich, die Edgar beschrieben hatte, und befand sich schließlich mittendrin.

Das habe ich nicht ganz kapiert. Sieht es das in Edgars Augen oder vor sich, d.h. vor seinem imaginären Auge? Falls ersteres, kannst du das vielleicht noch eindeutiger machen.

Als Marc sich auf der Parkbank wiederfand, wusste er, dass dieser seltsame Mann tatsächlich zu all dem fähig war, was er versprach.

War er weg? :)

Dann wurde seine Miene hart. "Das Leben deines Sohnes."

Und ein Schauer läuft über meinen Rücken. Gut gemacht!

Noch einmal legte der Andere nach: "Und du hast Gelegenheit, es allen zu zeigen, die dich haben hängenlassen. Deinem miesen Chef, dem deine jahrelangen Erfolge plötzlich egal waren, sobald deine Zahlen schlechter wurden. Deinem angeblich besten Freund, der nichts mehr von sich hören ließ, als du am Boden lagst. Oder deiner Exfrau, die dich hat ausbluten lassen, bloß weil ein kleiner Seitensprung an ihrem Ego gekratzt hat!"

Zusammenfassung. Das weiss der Leser schon.

Die professionelle Freundlichkeit fiel dem Sachbearbeiter aus dem Gesicht wie ein schlecht haftender falscher Bart, als Marc das enge Büro betrat.

Habe ich nicht ganz verstanden. War er zuerst professionell freundlich? Alleine in seinem Büro? Und jetzt fällt die Freundlichkeit ab?

Als mir die Arbeitsagentur vor drei Monaten Ihren Lebenslauf geschickt hat, habe ich nicht geglaubt, dass Sie diesen Job länger als zwei Tage machen würden.

Lässt sich vermutlich ebenfalls ohne Verlust streichen.

Der Neue Marc.

Würde ich klein schreiben. Ist ja kein allseits bekannter Marc.

Etwas Intelligenteres fiel beiden nicht zu sagen ein.

streichen.

"Und wer hätte gedacht, dass auch Geldausgeben zu einer Sucht werden kann? Für schicke Kleidung, für rauschende Partys, für ihre Männer - nachdem deine Unterhaltszahlungen ausblieben, war nach wenigen Monaten sogar das Haus weg. Wusstest du das etwa noch nicht?"
Marc schwankte, tastete mit zitternden Händen nach seinem Stuhl und ließ sich darauf fallen.
"Sie war kurz davor, auf den Strich zu gehen, um den Kleinen ernähren zu können, als ich ihr einen Besuch abstattete."

Das ist m.E. too much und passt für mich nicht zu Silvanas Beschreibung. Vor allem den Hinweis auf den Strich fand ich zu viel. Vielleicht kannst du abschwächen, ohne die Grundidee zu verlieren.


Das hat mir gut gefallen, lieber Holg.

Peeperkorn

 

Zur Klarstellung: Meine Geschichte ist nicht in dieser Challenge, ist schon etwas älter.

Ah, sorry, das hatte ich missverstanden. Ich dachte, es sei eine, an der Du gerade arbeitest. Dann war meine Antwort eher unpassend.

Okay, wir lassen alles so.

Grüße vom Holg ...

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo, Peeperkorn!

Die Grundidee deiner Geschichte halte ich für ausgezeichnet. Die Pointe bzgl. des wahren Charakters der beiden Figuren, bzgl. Gutem im Schlechten, wenn man so sagen darf, die hast du wunderbar rübergebracht, ohne sie ausprechen zu müssen. Die Idee des Tausches hat mir – auch wenn es nicht das erste Mal ist, dass ich so was lese :) - gut gefallen. Die Geschichte habe ich echt gerne gelesen.

Na, da bin ich doch schon mal sehr froh! :) Dass ich hier nicht das Rad neu erfinde, ist mir klar. Ich habe vor allem mit einem für mich neuen Stil gespielt, dieses Dialoglastige. Meine bisherigen Geschichten waren sehr aus der dritten Person beschrieben, was vielfach als Schwäche empfunden wurde. Schön, wenn die Charakterisierungen funktioniert haben, das war mir sehr wichtig.

So kam er nicht an dem Audi auf der rechten Spur vorbei
Würde ich streichen, ergibt sich aus dem Kontext.

Da war ich echt unsicher. Ich hab's sparsamer versucht, aber dann klang es für mich so, als wäre Marc schon rechts oder als wäre der Audi sein Vordermann, was ja beides nicht der Fall ist. Vielleicht ersetze ich das Fette durch ein "neben ihm"?

Leerschlag nach den Anführungszeichen.

Versteh ich nicht. Da ist keiner, und da soll auch keiner. Sieht das bei Dir anders aus?

Der Name stimmt nicht. Und dann ist das vielleicht etwas pingelig, aber Silvana ist nicht deshalb beim zweiten Glas, weil der Termin länger gedauert hat, sondern weil Marc noch nicht zu Hause ist. Der Grund ist also das Nichterscheinen und nicht der Grund des Nichterscheinens.

Oh doch, der Name stimmt. Katya ist Marcs aktuelle Affäre, zu der er gerade unterwegs ist. Das kommt durch den Unfall ans Licht, Silvana lässt sich scheiden, und das Unheil nimmt seinen Lauf.

An dem Satz mit dem zweiten Glas habe ich lange gebastelt, hatte den gleichen schiefen Eindruck wie Du. Meine Alternativformulierungen klangen aber alle zu klobig. Ich gehe noch mal in mich, das muss ja zu schaffen sein.

No way, José!
Du meinst: „Marc“?

Hihi, nee ... oje, ich habe schon befürchtet, dass das nicht funktioniert ... Das ist so ein Spruch, den ich im Englischen mal aufgeschnappt habe; mit amerikanischer Aussprache reimt sich das auch ("No way, Hosay"). Marc steht auf solche Anglismen, die benutzt er öfter, fühlt er sich cool mit.

Aber dies ist wohl zu exotisch, werde ich wohl zu einem einfachen "No way!" reduzieren.

Generell ist mir aufgefallen, dass du in deinen Dialogen sehr viel Information verpackt hast. Da erklären die Figuren manchmal Dinge, die in erster Linie an den Leser gerichtet sind.

Ja, das war der ständige Balanceakt beim Schreiben. Ich lasse ja auch viel weg, was der Leser sich erschließen muss oder was vielleicht auch nicht so wichtig ist. Die Grenze war jedesmal wieder schwer zu ziehen.

Deswegen bin ich für diese Art von Feedback besonders dankbar. Ich werde jetzt der Kürze halber nicht jeden derartigen Punkt von Dir einzeln beantworten (außer wenn ich widerspreche :D), aber ich werde sie alle in meinem Herzen bewegen oder einfach umsetzen.

als mich zu betrügen

Hm, okay ... da frage ich mich gerade, wie ich das wohl eher sagen würde. Infinitivsätze klingen irgendwie formaler als dass-Sätze. Allerdings sind meine Hauptpersonen auch relativ gebildet und eloquent, ist ja kein Gossenslang oder so. Ich grüble noch.

Das ist so eine Stelle, die zeigt, was ich meine. Du willst dem Leser zeigen, dass die Szene relativ zeitnah zum bisherigen Geschehen stattfindet. Aber würde das der Anwalt an dieser Stelle sagen? Marc weiss ja, wann er seine Strafe bekommen hat. Brauchen wir Leser diese Info überhaupt? (Bin ich mir nicht sicher, aber dann die Info vielleicht anders platzieren).

Jein. Der Anwalt, so wie ich ihn beim Schreiben vor mir sah und hörte, meinte tatsächlich, dass eine frische Vorstrafe in diesem Fall schädlicher war, als es eine uralte gewesen wäre. Trotzdem ist die Frage berechtigt, ob ich den Leser damit behelligen muss.

Das liest sich wie eine Zusammenfassung des bisherigen Geschehens. Vielleicht kannst du hier noch kürzen.

Das ist der Part, wo Edgar spricht. Hier hat es mich wirklich in den Fingern gejuckt, massiv zu streichen, auch weil diese Szene so viel länger ist als die anderen. Und als Zusammenfassung braucht man es nicht, da hast Du auf alle Fälle Recht. Aber Edgar muss ja den Marc locken, begeuschen, überreden, und das mit ganz viel Worten (plus der Vision, die er ihm verabreicht). Der Marc ist ja so unentschlossen, und Edgar gibt alles, um ihn zu dem Deal zu bewegen. Es gab halt in vielen anderen Geschichten (auch von mir) das Problem, dass Prots ihre Entscheidungen so schnell treffen, dass das Nachdenken, das Hinundhergerissensein gar nicht deutlich wird.

Ach, ich weiß nicht ... hat dazu jemand anders noch eine Meinung? Das scheint mir echt wichtig zu sein, ist immerhin eine Schlüsselstelle der Geschichte.

So wie ich Marc kenne, würde er den Mann duzen. Er duzt ihn ja auch.

Aber Marc ist als Businessmensch eher auf das "Sie" gepolt. Außerdem hat er eine ziemliche Abwehrhaltung gegen Edgar, mit dem will er sich ja nicht anfreunden, eher im Gegenteil. Wenn ich an seiner Stelle wäre ...

Btw. „so wie ich Marc kenne“ zeigt, wie gut du die Figur charakterisiert hast.

Oooh, wie wunderbar! :)

Das habe ich nicht ganz kapiert. Sieht es das in Edgars Augen oder vor sich, d.h. vor seinem imaginären Auge? Falls ersteres, kannst du das vielleicht noch eindeutiger machen.

Ich würde sagen, es ist eine Mischung aus beidem. Erst in Edgars Augen, dann rutscht er immer mehr in die Vision hinein. Ich hatte hier erst so was Plattes mit grünem Leuchten in den Augen, und dann schießt es Marc direkt ins Gehirn usw. Das habe ich ziemlich zuletzt noch geändert, ist vielleicht noch nicht ganz ausgegoren.

War er weg? :)

Im Geiste auf jeden Fall! Und plötzlich merkt er wieder, dass er immer noch auf der Parkbank sitzt. Zu verkürzt dargestellt?

Und ein Schauer läuft über meinen Rücken. Gut gemacht!

Yesss! :lol:

Zusammenfassung. Das weiss der Leser schon.

Immer noch Edgars Überredungsorgie, siehe oben. Vielleicht in Summe doch zu viel ...

Habe ich nicht ganz verstanden. War er zuerst professionell freundlich? Alleine in seinem Büro? Und jetzt fällt die Freundlichkeit ab?

Der Mann ist immer professionell freundlich, empfängt wahrscheinlich seinen jeweils nächsten "Kunden" immer mit einem einstudierten Berufslächeln. Und dann kommt dieser Roschinski durch die Tür, der beim letzten Mal so den Lauten gemacht hat, sich für alle Stellenangebote zu fein war usw.

Das ist m.E. too much und passt für mich nicht zu Silvanas Beschreibung. Vor allem den Hinweis auf den Strich fand ich zu viel. Vielleicht kannst du abschwächen, ohne die Grundidee zu verlieren.

An dem Strich habe ich auch gezweifelt, aber sie sollte auch weit genug unten ankommen, damit Edgar sie überhaupt besuchen kann. Außerdem war sie ja nur kurz davor, vielleicht hätte sie es am Ende gar nicht gemacht, wer weiß das schon.

Bei ihrem Charakter muss man beachten, dass sie einen ähnlichen Wandel durchgemacht hat wie Marc. Früher war sie das Luxusweibchen, trophy wife, hat nie selbst gearbeitet, sondern immer nur Marcs Geld ausgegeben. Dann nagen Marcs Affären (vielleicht auch schon das Alter?) an ihrem Selbstbewusstsein, nach der Scheidung hat sie lauter Männergeschichten, um sich zu beweisen, dass sie noch begehrenswert ist. Von da ist es vielleicht nicht mehr ganz so weit ...

Der nüchterne, authentische Typ, den Marc kurz vorher getroffen hat, ist sie erst, nachdem Edgar bei ihr eine ganz ähnliche Läuterung ausgelöst hat wie bei Marc.

So, und all das sollte ich natürlich nicht erklären müssen, sondern innerhalb der Geschichte erkennbar machen. Verflixt schwer ...

Das hat mir gut gefallen, lieber Holg.

Das freut mich ganz enorm! Und auch wenn es so aussieht, als ob ich mich gegen Deine Hinweise nur verteidigen würde: Ich werde das alles noch ein paarmal durchdenken und sicher einiges anpassen. Ich wollte nur meine Intentionen deutlich machen, damit Ihr mir vielleicht noch besser helfen könnt, zu sagen, was ich wirklich meine.

Grüße vom Holg ...

 

"Die hatte schon damals vor Gericht so einen abgewichsten Mafiaanwalt. Und jetzt macht sie auf Super Mamma!"

Mamma mia!, die einzige Korrektur in einem zwölfseitigen Standardmanuskript – bisher, sofern man die Mutter (Mama) nicht auf die Brust (Mamma) reduzieren will.

Hallo Holg!,

und dann geschieht es doch in einer an sich grundsoliden Arbeit und einem scheiternden Teufelsbund (eigentlich sind es ja zwo, für beide Seiten)– ein Schwächemoment, Moment der Flüchtigkeit, als ließe die Kondition an unerwartet früher Stelle nach

"Du kannst mich Edgar nennen," sagte der Mann
oder auch – nun wesentlich eher an einer Stelle, die eher wahrscheinlich ist
"Und was wollen Sie als Gegenleistung dafür?"[,] fragte er keuchend.
ein Komma gehört hinter die Anführungszeichen!, wie auch hier – wobei der Punkt wegfällt
"Hat Andreas mir erzählt. Beates Mann." ergänzte er auf Silvanas fragenden Blick.
(wobei selbstverständlich im ersten Beispiel das Komma vor den Gänsefüßchen zu beseitigen wäre)

"Marc! Kommen Sie bitte mal mit ins Büro?"
Ist das wirklich eine Frage? Klingen Vorgesetzte selbst in höflichen Fragen auffordernder? Wie ja auch"Setzen Sie sich." nach mehr als einer Aussage klingen wird!

Hier meine ich, gehören zum kursiv Gestellten Anführungszeichen. Könnte der Sachbearbeiter sonst also reagieren, wie er reagiert?

"Das ist es nicht", sagte Marc leise. Sie haben ja keine Ahnung.
"Bitte?" Der Sachbearbeiter sah Marc prüfend an.

So weit das bissken Zeichensetzung.

Hier nun wäre der Konjunktiv konsequent durchzuziehen

Sein Leben, wie es hätte sein können. Wie es sein könnte, wenn er das Angebot annahm.
„annähme“.
Ähnlich hier
Es ist also bereits so, als ob du gar keinen Sohn hättest. Was macht es da für einen Unterschied, wenn es ihn tatsächlich nicht mehr gibt?
„gäbe“.
Beim Folgesatz mag sich der Vorschlag seltsam anhören
Das ist doch nicht anders, als ob ein Wildfremder stirbt, …
nämlich „stürbe“, aber es gibt ja würde-Konstruktionen, die's dann wieder richteten, nicht seltsam sich anzuhören (obwohl es Edgar ja ziemlich egal ist, wie seltsam etwas wirkt)

Ich muss gestehen, dass ich mit der Erwähnung

Audi // Mirácoli-Werbung
und irgendwo eines „Colaglases“ eine Werbeveranstaltung vermutete, was sich aber rasch aufklarte.

Dass es mir nicht zusteht, über eine Beziehungskiste zu urteilen, sollte so bekannt sein wie meine Haltung, Geschichten nicht nachzuerzählen. Das überlass ich Schulen …

Gern gelesen vom

Friedel

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo Friedel,

danke für die gründliche Korrektur! Da geht man seinen Text gefühlte 37mal durch und übersieht doch noch einige der einfachsten Dinge ... gut, wenn man sich dann auf Leute wie Dich verlassen kann! Andere Stellen sollen aber tatsächlich so sein, wie sie sind. Bei letzteren muss ich ggf. mal schauen, wie ich meine Absichten besser verdeutlichen kann.

Mamma mia!, die einzige Korrektur in einem zwölfseitigen Standardmanuskript – bisher, sofern man die Mutter (Mama) nicht auf die Brust (Mamma) reduzieren will.

Hier wollte ich z.B. tatsächlich die italienische Schreibweise der Super Mamma haben (genau wie Mamma mia), deshalb habe ich sie auch als Fremdwort kursiv gesetzt.

und dann geschieht es doch in einer an sich grundsoliden Arbeit und einem scheiternden Teufelsbund (eigentlich sind es ja zwo, für beide Seiten)– ein Schwächemoment, Moment der Flüchtigkeit, als ließe die Kondition an unerwartet früher Stelle nach
(...)
oder auch – nun wesentlich eher an einer Stelle, die eher wahrscheinlich ist
(...)
ein Komma gehört hinter die Anführungszeichen!, wie auch hier – wobei der Punkt wegfällt
(...)
(wobei selbstverständlich im ersten Beispiel das Komma vor den Gänsefüßchen zu beseitigen wäre)

Wie peinlich! Diese Stellen werden natürlich umgehend bereinigt.

Ist das wirklich eine Frage? Klingen Vorgesetzte selbst in höflichen Fragen auffordernder? Wie ja auch"Setzen Sie sich." nach mehr als einer Aussage klingen wird!

Also, diesen Chef stelle ich mir tatsächlich als einen sehr freundlichen vor, er fördert den neuen, guten Marc ja im Weiteren auch. Ich glaube, der hätte kein Problem damit, auf die Frage "Kommen Sie mal mit?" eine Antwort wie "Passt gerade nicht gut, geht's auch in fünf Minuten?" zu bekommen. Die Aufforderung zum Setzen sollte ebenfalls nicht wie ein Befehl klingen, aber an der Stelle bringst Du mich durchaus ins Schwanken. Braucht eine Aufforderung ein Ausrufezeichen, auch wenn sie nicht gebrüllt wird? Hm ...

Hier meine ich, gehören zum kursiv Gestellten Anführungszeichen. Könnte der Sachbearbeiter sonst also reagieren, wie er reagiert?

Das Kursive sind Marcs Gedanken. Der Sachbearbeiter reagiert hier auf den Satz davor, den Marc nur leise gesprochen hat, so dass er vermutlich schlecht zu verstehen war. Vielleicht kann ich das deutlicher machen.

Und dann, ach, der leidige Konjunktiv, den ich zwar prinzipiell zu beherrschen glaube, aber doch nicht immer bedenke:

Hier nun wäre der Konjunktiv konsequent durchzuziehen
(...)
„annähme“.
Ähnlich hier
(...)
„gäbe“.
Beim Folgesatz mag sich der Vorschlag seltsam anhören
(...)
nämlich „stürbe“, aber es gibt ja würde-Konstruktionen, die's dann wieder richteten, nicht seltsam sich anzuhören (obwohl es Edgar ja ziemlich egal ist, wie seltsam etwas wirkt)

Wobei Edgar noch der mit der gewähltesten Sprache in meiner Geschichte ist, also stünde (!) ihm der eine oder andere Konjunktiv wohl gut zu Gesicht, wo andere Sprecher vielleicht auf die Grammatik pfeifen und schamlos in den Indikativ wechseln. Ich geh mal drüber.

Ich muss gestehen, dass ich mit der Erwähnung
und irgendwo eines „Colaglases“ eine Werbeveranstaltung vermutete, was sich aber rasch aufklarte.

Fern liege mir die Schleichwerbung, zumal sie bei schnellen Limousinen auch widersinnig wäre. Aber da sind Markennamen so viel eingängiger zur Identifikation von Fahrzeugen, die man mehr als einmal nennen will. Den "grauen Kombi" und seinesgleichen mag ich da einfach nicht so gern.

Die Nudelmarke hingegen müsste vielleicht nicht genannt werden, zumal ich hier gar keinen bestimmten Werbespot vor Augen habe. Und Cola ist m.E. ein Gattungsbegriff, solange kein weiterer Wortteil mit "C" davor steht. Das ist nun mal die verbreitetste Art von Erfrischungsgetränk und sicher das, was Marc wählt, nachdem er dem Alkohol entsagt hat.

Dass es mir nicht zusteht, über eine Beziehungskiste zu urteilen, sollte so bekannt sein wie meine Haltung, Geschichten nicht nachzuerzählen. Das überlass ich Schulen …

Du hast mir aber auch so sehr geholfen. Vielen Dank dafür ...

Gern gelesen vom
Friedel

... und dafür auch. Das freut mich außerordentlich!

Grüße vom Holg ...

Nachtrag: Ich habe mich entschieden, die beiden Aussagen von Edgar im Indikativ zu lassen. Denn er will hier gerade keine hypothetischen Abläufe beschreiben, sondern etwas, was nach seinem Plan geschehen soll, ja wird. Da wird er seinen Werbevortrag nicht durch Konjunktive schwächen. Allerdings habe ich ein "als ob" durch "als wenn" ersetzt, was m.E. besser dazu passt.

 

Hey Holg,

Ich hab deine Geschichte eben gelesen, ich fand sie echt gut. Am Anfang hatte ich etwas Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden. Das lag an den Szenenwechseln und den vielen Charakteren, doch als sich die Geschichte entwickelt hat und klar war, welche Charaktere wichtig sind, hat sich das aufgelöst.

Was ich sehr schön bei dir finde, ist, dass du eigentlich ziemlich nüchtern schreibst, aber ab und an mit einem starken Wort, zwischendrin, eine starke Färbung, oder ein starkes Bild zu bekommen. Zb. im Gerichtssaal, als Marc die Unterlagen in die Akte rammt.
Das ist auch eine schöne Art zu erzählen.

Was deine Geschichte im allgemeinen angeht, finde ich besonders gut, dass obwohl ziemlich viel passiert, was den Leser an die Geschichte kettet, du langsam erzählst und obwohl die Idee nicht grundlegend neu ist, ich nicht erahnen konnte, wie es wohl ausgehen würde.
Das ist eine starke Qualität und eine Leistung.
Ebenfalls sehr gut gelungen finde ich die Charakterzeichnung, du lässt ihnen Platz, und besonders Marcs Entwicklung ist sehr gut nachvollziehbar. Das Leben hat ihn Demut gelehrt und im entscheidenden Moment hat er das richtige getan.
Auch dass Silvana ihn nicht hingehängt hat, finde ich nachvollziehbar. Da war mal Liebe und auch wenn man eher Hass für den anderen übrig hat, ist da sicher noch die Person, in die man sich verliebt hat.
Außerdem ist er der Vater ihres Sohnes, mal davon ab, würde ich an ihrer Stelle schon alleine aus Trotz nicht seine "Hilfe" annehmen, nachdem er die Ehe zerstört hat.

Ich quassel wieder. Ich habe keine Fehler gefunden und ich mag deine Geschichte sehr.

Liebe Grüße
Lexi

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo Holg,

"Nun mach schon, komm in die Hufe - an der Abfahrt muss ich raus!" Marc betätigte die Lichthupe und fuhr noch etwas dichter auf. Die Wirkung auf seinen Vordermann war gleich Null. So kam er nicht an dem Audi auf der rechten Spur vorbei, der ihn vom Verzögerungsstreifen trennte. "Bin ich denn wieder nur von Idioten umgeben!"

So ein Mist, ich kapier schon mal den ersten Absatz nicht. Vielleicht liegt es daran, dass ich ein Landei bin und bei uns die Autobahnen fast nur zweispurig sind? Und überhaupt: Wieso sollte er denn ein Auto, das rechts von ihm ist, überholen, um dann vor dem Auto nochmal rechts rein zu wollen?
Da bleib' ich doch auf meiner Spur und werde langsamer - und fahre nach dem Audi oder dem Fiat hinter dem Audi rechts ab. Echt, ich kapier es nicht :shy: (und dabei fahre ich richtig gut Auto). Oder fährst du wie eine gesengte Sau auf der Autobahn und weißt gar nicht, dass es auch anders geht?

Katya war mit Sicherheit schon beim zweiten Glas Schampus, weil sein Kundentermin länger gedauert hatte.
Im Gegensatz zu Peeperkorn habe ich das richtig verstanden.

No way, José!

Der José muss wirklich weg, sonst fühlt sich joséfelipe noch angesprochen :D

, wie der kleine Suzuki beim Ausweichen ins Schlingern kam und die Leitplanke touchierte, bevor er zurück in den fließenden Verkehr stieß.
Später ist von mehreren Leicht- und Schwerverletzten die Rede. Als ich jedoch oben zitierten Satz gelesen habe, dachte ich, dass das alles glimpflich abgelaufen sei, denn für mich war das "in den Verkehr zurückstossen" eher so gedacht, als würde sie einfach im Fluß weiterfahren, weil außer einem Touch an der Leitplanke nix passiert ist.

Auch die Gestalt im dunklen Mantel, die an der Einmündung zur Hauptstraße stand und interessiert zur Autobahnbrücke hochschaute, fiel Marc nicht auf.

Die Verortung ist schlecht. Grade war Marc noch auf der Autobahn. Nun steht jemand an an irgendeiner Straße und schaut eine Brücke hoch. Ja und wo sollte Marc grade fahren? Bei dir als Schreiber geht Kino ab, ich seh nur Asphalt und habe keine Vorstellung.

Das Nachthemd unter ihrem Hausmantel sagte Marc, dass sie schon im Bett gewesen war.

Das Nachthemd sagte:"Sie ist schon im Bett gewesen."

Man weiß ja, wie du es gemeint hast, aber für mich liest es sich schräg. Das geht besser.

Marc rammte seine Unterlagen in die Ledermappe und strebte zum Ausgang des Saals.

Strebte passt mir hier nicht so recht rein - wieso nicht einfach eilte?


"Aber Ihre frische Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung und Unfallflucht - so was schafft bei Familienrichtern nicht gerade Vertrauen in elterliche Fürsorge und Verantwortung."
Peeperkorn hat dir schon gesagt, dass du sehr erklärend Dialoge anlegst.
Hier würde z.B. reichen:
Ihre laufende Bewährungsstrafe schafft beim Familienrichter kein großes Vertrauen.

"Was hat mich bloß jemals geritten, eine Italienerin zu heiraten!"
Sie selbst vielleicht :D ?

und da sollte ein damals statt jemals hin

Marc gestikulierte, wie es die Mutter in der Mirácoli-Werbung tat.
Kenne ich nicht, da kann man ein anderes Bild bemühen.

Marc rieb sich die Augen mit den Handballen.
Marc rieb sich mit den Handballen die Augen.

"Ich krieg's echt von allen Seiten momentan.
Das ist - auch hier - momentan so eine blöde Mode, das Adverb an den Schluss zu setzen.
Nun gut, er spricht in der wörtlichen Rede ... von daher ist das okay, aber ist dir das bewusst gewesen?

"Nicht zu fassen! Der feine Doktor Roschinski kündigt mal eben seinen gutbezahlten Job, und Philipp und ich dürfen sehen, wo wir bleiben!"
Mir fehlt hier mal eine ungefähre Altersangabe von Phillip. Madame könnte ja auch etwas arbeiten, denn wenn der Junge im Kindergarten/Schule ist, hat sie ja Zeit.


"Und lass dir ja nicht einfallen, wieder Sturm zu klingeln, sonst rufe ich die Polizei. Die kennst du ja noch gut."
Fettes ist zuviel, weg mit.

"Oh, ich vergaß - das verlotterte Einzimmerloch, für das du seit drei Monaten die Miete nicht bezahlt hast. Ja, da würde ich die Nächte auch freiwillig im Park zwischen Wanzen-Willi und der dicken Paula verbringen."

Holg, du willst sehr, sehr viel in deine Geschichte verpacken. Damit sie nicht zu lange wird, hast du bei manchen Stellen sehr gekürzt, für mich leider zu sehr gekürzt. Plötzlich hängt Marc bei den Pennern rum ... muss der wirklich so tief fallen? Das macht das alles nicht besonders realistisch. Da wird voll in die Klischeetüte gegriffen, bis zum Abschaum hin.

"Ich kann dir dein Leben wiedergeben!", rief er.
Falsch. Es soll ja nicht mehr das gleiche Leben sein. Also: Ich kann dir ein neues Leben geben.
Und leben tut er ja noch - also kommt es darauf an, was für ein Leben das ist.

"Nun ... es gibt da tatsächlich einen Preis. Aber keinen hohen. Nur etwas, das dir sowieso nicht mehr gehört." Dann wurde seine Miene hart. "Das Leben deines Sohnes."

Leider erfahren wir nie, wieso der Mann im dunklen Mantel das Leben von Philipp braucht. Das bedeutet, dass du diese Figur sehr eindimensional aufgebaut hast. Sie kommt halt ein paarmal in die Szenerie, kann scheinbar viel bewegen, will auch viel: Aber wieso? Ich kauf' dem nix ab.
Marc sah sich hilfesuchend um. Doch Willi und Paula schliefen wie betäubt. Außer den Vieren schien der Park menschenleer zu sein.
Marc sieht sich um. Dann wechselst du die Perspektive mit dem fetten Satz. Eigentlich müsste es in der Art geschrieben sein: Außer den Dreien und ihm ...

Noch einmal legte der Andere nach:
der andere

"Okay, okay." Edgar hob beschwichtigend die Hände. "Überleg dir das gut, Marc. So ein Angebot bekommt man nicht zweimal."

Der Wichtigkeit entsprechend fände ich schöner: ... bekommt man nicht ein zweites Mal.


"Marc! Kommen Sie bitte mal mit ins Büro?"
Marc stellte den Eimer und die Greifzange neben der Mülltonne ab und folgte dem Marktleiter durch den Laden ins Hinterzimmer. War's das schon?
"Setzen Sie sich." Der Filialleiter wies auf den Stuhl, nahm selbst hinter dem Schreibtisch Platz und sah Marc an. Dann lachte er auf. "Meine Güte, was machen Sie für ein Gesicht? Was glauben Sie denn, was jetzt kommt?"

So, Holg, jetzt muss ich mal an deinem Klischeedingens kratzen. Ich war fünf Jahre Schöffe und habe alles (Un)mögliche erleben können. Ein Verkehrsdelikt ist ein Witz gegen den Rest, der so im Ganoven/Verbrecherleben abgehen kann, immerhin hat er ja kein Baby gefickt oder jemanden umgebracht. Ich habe einige Vitae durchlaufen sehen, die trotz viel mehr Scheiß als bei Marc noch adäquate Arbeitsstellen angeboten bekommen haben.
Nun hat dein Protagonist "nur" eine Bewährungsstrafe und soll zum Müllsammler werden?
Nein, das nehme ich dir nicht ab.
"Als mir die Arbeitsagentur vor drei Monaten Ihren Lebenslauf geschickt hat, habe ich nicht geglaubt, dass Sie diesen Job länger als zwei Tage machen würden. Müll aufsammeln, Einkaufswagen zusammenschieben, Schnee schippen - und das bisschen Lohn wird noch mit dem Hartz vier verrechnet. Die meisten Leute mit Ihrer Laufbahn hätten das wohl unter ihrer Würde gefunden, Vorstrafen und Alkohol hin oder her."
Marc erwiderte den Blick und sagte nichts. Würde ...?
"Aber Sie meckern und murren nicht, egal was anfällt. Sind immer pünktlich. Ruhig, ziemlich verschlossen, aber freundlich. In einem Job, der nicht annähernd Ihren Fähigkeiten entspricht. Ich muss zugeben, ich werde nicht recht schlau aus Ihnen."
Marc schwieg weiter. Der Marktleiter öffnete einen Pappordner und zog ein Dokument heraus. "Ich brauche jemanden fürs Lager, weil die Cindy schwanger ist. Auch Regale im Laden auffüllen, solche Sachen. Immerhin Mindestlohn, Vollzeit. Für den Parkplatz müssen wir uns dann allerdings einen Anderen suchen. Was halten Sie davon?"
Ja und dann nach diesen ganzen Klischees geht es tatsächlich Leitersprosse für Leitersprosse die Karriere hoch? Das ist auch ein Witz. Da hätte der Markleiter einen anderen Joker aus dem Ärmel ziehen müssen.


Anstatt:
"Bekomme ich noch mal das Gleiche, bitte? Danke."
"Bekomme ich nochmal ein alkoholfreies Bier? Danke."

kann man dann schreiben:
Sie stießen mit ihren Gläsern an.

Silvana saß steif auf der Stuhlkante und sah ihn an. "Ist 'ne Weile her. Und? Was machst du so?"
Hä? Und was ist mit Philipp? Hat er den gar nie gesehen? Oder sehen dürfen? Und dann soll ich der Erzählung glauben, dass die sich so entspannt unterhalten, wenn doch Marc seinen Sohn schon ewig nicht gesehen hat - hallo???

"Ich wünsche euch, dass ihr glücklich werdet", sagte er.
"Danke."
"Ich meine es so. Glücklicher als mit mir."

Wo bleibt Phillip in der ganzen Szenerie? Völlig unglaubwürdig. Marc interessiert sich einen Scheiß für das Glück von seiner Ex, der will seinen Sohn wiedersehen.
In zwei Jahren hatte sie mehr Affären als du in den gesamten zehn eurer Ehe. Eine reife Leistung. Ich frage mich, was sie sich damit beweisen wollte - hast Du eine Idee?"
Hier wird dieser Geist in eine andere Rolle gedrängt, so wie der Kumpel an der Bar - mache doch mal ein Exposé von diesem Ding/Phänomen. Schreib auf, was er darstellen und bewirken soll. Im Vorfeld. Und mit diesem Rahmen lasse ihn dann agieren. Dann hast du dir einen Rahmen gesteckt, der dir nicht aus dem Ruder läuft.
"Und wer hätte gedacht, dass auch Geldausgeben zu einer Sucht werden kann? Für schicke Kleidung, für rauschende Partys, für ihre Männer - nachdem deine Unterhaltszahlungen ausblieben, war nach wenigen Monaten sogar das Haus weg. Wusstest du das etwa noch nicht?"
Ach komm ... das geht dezenter. Rauschende Parties? Die organisiert sie doch nicht, da geht sie doch hin. Männer? Sie soll für Männer bezahlen? Die werden arm durch sie!
Mein lieber Holg, du kannst doch nicht einfach die Männer-Frauenrollen 1:1 spiegeln ... :D

"Sie war kurz davor, auf den Strich zu gehen, um den Kleinen ernähren zu können, als ich ihr einen Besuch abstattete."
Nein. Die legt sich nicht für jeden Arsch auf die Matratze.
Oder wir müssen diesen Geist halt quatschen lassen. Da es ihn eh nicht gibt, kann er auch sagen, was er will :D
"Natürlich habe ich auch von ihr nur etwas gefordert, das ihr sowieso nicht mehr gehörte. Die Seele ihres verlogenen, versoffenen Arschlochs von Exmann."

Das versteh ich nicht. Also kann ich nicht nachvollziehen. Wie soll die Ex kapieren, was die Seele von Marc ist. Ich kapiers ja auch nicht. Also Marc lebt noch, aber dann ohne Seele? Und was macht der Mann mit dem dunklen Mantel mit der Seele? Spielt der nur mit den Protagonisten?
Mir fehlt die Auflösung, was dieser Geist eigentlich bezwecken soll. Der ist für mich nicht konsequent durchgedacht.


Ich finde das schon eine Königsdisziplin, eine so komplexe Idee mit einer chronologisch langen Laufzeit auf eine Kurzgeschichte zu trimmen. Das ist dir auch stellenweise alles andere als gelungen ;)

Aber trotz der vielen Anmerkungen und der "Schelte" sehe ich schon deinen Eifer und deine Lust am Schreiben. Die Idee ist ja nicht neu. Was mich wirklich am meisten gestört hat, ist die platte Darstellung der dunklen Gestalt, daran solltest du schon noch arbeiten - dann wird die ganze Geschichte meiner Ansicht nach auch tiefgründiger.

Liebe Grüße
bernadette

 

Hallo Lexi,

Ich hab deine Geschichte eben gelesen, ich fand sie echt gut.

Das hört man gern! :)

Am Anfang hatte ich etwas Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden. Das lag an den Szenenwechseln und den vielen Charakteren, doch als sich die Geschichte entwickelt hat und klar war, welche Charaktere wichtig sind, hat sich das aufgelöst.

Ja, ich dachte mir schon, dass ich da recht viel verlange. Schön, wenn es nicht zu viel war.

Was ich sehr schön bei dir finde, ist, dass du eigentlich ziemlich nüchtern schreibst, aber ab und an mit einem starken Wort, zwischendrin, eine starke Färbung, oder ein starkes Bild zu bekommen.

Freut mich, dass Du das gut findest. Ich hatte die Befürchtung, das käme zu uneinheitlich rüber und die Leser würden eher ein Entweder-Oder zwischen dem Nüchternen und dem Farbigen erwarten.

Was deine Geschichte im allgemeinen angeht, finde ich besonders gut, dass obwohl ziemlich viel passiert, was den Leser an die Geschichte kettet, du langsam erzählst und obwohl die Idee nicht grundlegend neu ist, ich nicht erahnen konnte, wie es wohl ausgehen würde.
Das ist eine starke Qualität und eine Leistung.

Wow, super! :) Eine echt freundliche Bewertung! Mit dem Ende habe ich mir Mühe gegeben, damit es nicht lahm oder vorhersehbar wird. Toll, wenn es für Dich funktioniert hat!

Ebenfalls sehr gut gelungen finde ich die Charakterzeichnung, du lässt ihnen Platz, und besonders Marcs Entwicklung ist sehr gut nachvollziehbar. Das Leben hat ihn Demut gelehrt und im entscheidenden Moment hat er das richtige getan.

Yep, so ist's gedacht.

Auch dass Silvana ihn nicht hingehängt hat, finde ich nachvollziehbar. Da war mal Liebe und auch wenn man eher Hass für den anderen übrig hat, ist da sicher noch die Person, in die man sich verliebt hat.
Außerdem ist er der Vater ihres Sohnes, mal davon ab, würde ich an ihrer Stelle schon alleine aus Trotz nicht seine "Hilfe" annehmen, nachdem er die Ehe zerstört hat.

"Hingehängt" - die Redewendung kenne ich gar nicht. Aber ich glaube, ich kann mir erschließen, was Du meinst. Obwohl ... bin unsicher. Erklär's mir lieber doch. :confused:

Ich quassel wieder. Ich habe keine Fehler gefunden und ich mag deine Geschichte sehr.

Hach, mit so viel Lob kannst Du gerne noch ein bisschen weiterquasseln. :lol: Vielen Dank dafür, das ist Balsam, zumal ich schon


den nachfolgenden Verriss gelesen habe - hallo, bernadette!

Ich habe auch Antworten für Dich, aber nicht mehr vor der Nacht. Dafür wird das zu aufwendig, und ich brauche meinen Schönheitsschlaf. Aber wart's nur ab ... ;)


Grüße an Euch beide vom Holg ...

 

Vielen Dank dafür, das ist Balsam, zumal ich schon den nachfolgenden Verriss gelesen habe

ich weiß nicht, wieso konstruktive, intensive Kritik immer als Verriss bezeichnet wird ... habe ich geschrieben, dass die Geschichte schlecht, unverständlich, unzumutbar ist?

Nein, ich habe nur ein paar Stellen herausgegriffen, die für mich persönlich als verbesserungswürdig erscheinen und habe diese auch begründet. Ein Verriss ist meiner Ansicht nach etwas anders gelagert. Wieso sind die Autoren immer so Mimosen :D ?

 

Lieber Holg,

da hast du dir ja fast einen ganzen Film ausgedacht. An Phantasie fehlt es dir nicht und auch nicht an der Fähigkeit, den von dir ausgedachten Plot gut auszugestalten und umzusetzen. Viel Story, viel Handlung. Mir für eine Kurzgeschichte fast zu viel. Das ist sehr schwer, jede Szene, die du in den Handlungsablauf stellst, gut und tiefgehend zu beschreiben. Am besten ist dir dies mMn in der Szene, als die beiden sich noch einmal begegnen, gelungen. Da teilt sich mir das Psychologische, das Atmosphärische zwischen den beiden mit. Leider fehlt mir genau das in den anderen Szenen. Aber das liegt möglicherweise an meiner eigenen Wahrnehmung. Besonders durch die Texte von jimmysalaryman und Isegrims bin ich in der letzten Zeit stärker auf so eine Ebene des Nichtausgesprochenen, aber dennoch vorhandenen, fixiert. Diese Ebene betrittst du nicht. Dein Text bleibt über weite Strecken auf der Handlungsebene. Möglicherweise liegt es wirklich daran, dass du hier eine Geschichte über einen längeren Zeitraum erzählst.

Was mich wirklich am meisten gestört hat, ist die platte Darstellung der dunklen Gestalt

Ich möchte nicht so weit gehen wie bernadette, aber mir geht es mit deinen Protagonisten ähnlich. Mir fehlt da eine Charakterzeichnung, die sie lebendig macht und abhebt von irgendwelchen Stereotypen: der egoistische Ehemann, das verwöhnte Weibchen, der vom Schicksal gebeutelte, jetzt obdachlose, ehemals erfolgreiche Geschäftsmann, der mit einer erschreckenden Konsequenz konfrontiert, sich selber wieder aus dem Sumpf zieht. Daneben dann noch die geläuterte Ehefrau, die plötzlich nicht mehr kalt und berechnend, sondern warmherzig und verständnisvoll ist.
Als Gerüst mag das allemal dienen, aber ich hätte mir gewünscht, dass ich die beiden stärker als Individuen mit der einen oder anderen Besonderheit hätte wahrnehmen können.

Holg, trotz dieser Anmerkungen habe ich deine Geschichte gerne und mit Interesse gelesen. (Ich merke gerade, wie kritisch wir alle in den letzten Wochen geworden sind. Aber diese Sensibilisierung ist wohl auch ein positives Resultat der Challenge.)

Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß in unserem Forum. Du bist für uns alle ein großer Gewinn.

Liebe Grüße
barnhelm

 

Sooo ... bin leidlich ausgeschlafen, Frühstück steht vor mir, :kaffee: dampft - nun zu Dir, bernadette:

ich weiß nicht, wieso konstruktive, intensive Kritik immer als Verriss bezeichnet wird ... habe ich geschrieben, dass die Geschichte schlecht, unverständlich, unzumutbar ist?

Nein, hast Du nicht. Und wenn ich "Verriss" auf Wikipedia nachschlagen, ist er dort sogar als etwas noch Schlimmeres definiert, als Du anscheinend damit verbindest, geschweige denn ich. Und ja, Du kritisierst auch konstruktiv und gezielt. Es ist nur so, dass Du en passant ein paar Dinge in Frage stellst, die zu den Grundfesten der Geschichte gehören. Deshalb ist das ein ziemlicher Schlag ins Kontor, ohne dass ich Dir eine böse Absicht unterstellen oder irgendwas übelnehmen würde. Und die positivste Aussage, die ich finden kann, ist "sehe ich schon deinen Eifer und deine Lust am Schreiben". Das klingt wie "war immer bemüht und pünktlich". Wenn ich so etwas lese - egal ob zu meiner eigenen Geschichte oder einer fremden - sage ich mir, so mehr aus dem Gefühl heraus: Ui, ein ganz schöner Verriss!

Allerdings sagt auch keiner, dass das etwas furchtbar Schlimmes wäre und ich deshalb eine Mimose (mit oder ohne Smiley). Ich will die Kritik ja hören, und wenn sie so grundlegend ist, dann ist das eben so und ich muss schauen, was ich daraus machen kann. Don't pull your punches, würde Marc sagen.

Fazit: suboptimale Wortwahl meinerseits, so nachts um eins. Lass uns zur Textarbeit übergehen.

Ich fange mal mit ein paar grundsätzlichen Dingen an, dann brauche ich vielleicht nicht jeden Deiner Punkte einzeln zu zitieren und das Ganze wird hoffentlich übersichtlicher. Ob Du's glaubst oder nicht, ich habe mir für jede meiner Hauptpersonen eine Backstory zurechtgelegt und die Geschichte damit abgeglichen. Wenn man das nicht merkt - muss ich eben noch ein paar Dinge überdenken.

Wer ist "Edgar" (dass das nicht sein richtiger Name ist, kann man sich hoffentlich denken), und was sind seine Motive? Dazu gibt es zwei Antworten. Die erste lautet: Das ist der Schwarze Mann, der Teufel in Person - was gibt es da zu hinterfragen? Man weiß einfach, wer das ist, da greife ich auf Urbilder zurück, die jeder kennt, gerade damit ich das nicht erklären muss. (Ich sage gleich auch noch was zu Klischees.) Wer denkt denn darüber nach, was der Teufel mit den armen Seelen macht? (Der Wechsel Seele vs. Leben war übrigens ungeschickt und stiftet verständliche Verwirrung.) Der ist halt böse, Punkt. :baddevil:
Die andere Antwort lautet: Vielleicht sollst Du nur denken, das sei der Schwarze Mann. Hat man je davon gehört, dass zwei Leute in Folge so einen Pakt ablehnen? Das muss ja ein stümperhafter Teufel sein. Warum lächelt der am Ende, wenn doch seine Opfer auf den rechten Pfad zurückgefunden haben? Vielleicht ist das am Ende sogar ein Engel, der Gutes bewirkt? Oder einfach ein Mensch mit besonderen, suggestiven Kräften? Oder aber es ist doch der Teufel, und das Lächeln am Ende bedeutet, dass er noch ein As im Ärmel hat, aber das erfahren wir erst im Sequel. Diese Figur soll und muss mysteriös bleiben, sonst funktioniert das alles nicht. Ich könnte vielleicht Marc oder Silvana mal fragen lassen, was der eigentlich will, aber er dürfte es nicht beantworten, sonst ist die Magie raus.

Nächster Punkt: Marcs Absturz. Der beruht nicht primär auf der Vorstrafe, die ist hauptsächlich der Auslöser, warum sein alter Chef ihn versetzt. Viel wichtiger sind seine Arroganz und der Alkohol. Marc ist nicht der Typ, der mal etwas kleinere Brötchen backt. Da schmeißt er lieber seinen Job ganz hin und sucht einen neuen. Aber der muss natürlich besser sein als der alte. Dummerweise ist Marc ein Arschloch, damit kommt man bei Vorstellungsgesprächen nicht immer gut an. Vielleicht legt ihm sein alter Chef tatsächlich Steine in den Weg, aber vielleicht ist das auch nur seine Paranoia, denn bei Marc sind ja immer die anderen an allem Schuld. Einen getrunken hat Marc schon immer gerne, vielleicht war er sogar bei dem Unfall schon nicht ganz nüchtern. Aus Frust und Wut artet das jetzt aber aus. Das macht es ihm nicht leichter, einen neuen Job zu finden, der seinen immer noch zu hohen Ansprüchen genügt. Aber bevor er mal zurücksteckt, zieht er sich lieber in seinen Schmollwinkel zurück und findet die ganze Welt ungerecht. Irgendwann ist es dann zu spät: Selbst wenn er sich für einen weniger hoch gehängten Job bewirbt, sehen die Arbeitgeber seinen Lebenslauf, merken, dass er eigentlich überqualifiziert, aber dafür schon ein Jahr arbeitslos ist, und trauen sich nicht, so einen einzustellen. Und wo Du Dich auf Deine Erfahrung als Schöffe berufst, lasse ich mal meine Position als Führungskraft raushängen und sage: Von solchen lässt man tatsächlich meistens die Finger.

Nun zu Philipp: Der ist zu Beginn der Geschichte ca. fünf, wenn Du schon fragst, aber das ist nicht so wichtig. Philipp ist ein MacGuffin, den brauche ich eigentlich nur als Streitobjekt zwischen Marc und Silvana. Marc hat nicht wirklich eine Beziehung zu ihm, da hat Edgar schon ganz recht. Für den ist der Junge eher so ein Besitztum, das er nicht kampflos aufgeben will. Aber auch das verwirkt er durch seinen Lebenswandel, Silvana schafft es, sein Umgangsrecht immer weiter einschränken zu lassen, und an seinem Tiefpunkt ist er es entweder ganz los, oder er hat es aufgegeben. Der "neue Marc" hat dann eingesehen, dass er nicht gut für den Jungen ist, und drängt sich nicht mehr in das neue Familienglück hinein. Er ist zufrieden, wenn er sieht, dass er nicht zu viel Schaden angerichtet hat.

Und Silvana: Das mit dem Strich hat ja schon Peeperkorn moniert, vielleicht schraube ich das wirklich runter. Aber Silvana ist nicht nur das verwöhnte Luxusweibchen (das schon auch), sondern vor allem auch ein Sensibelchen. Hat recht jung den tollen, etwas älteren Marc geheiratet, der vielleicht ihr Erster war (davon sieht man in der Geschichte aber überhaupt nichts). Ist durch seine Affären zutiefst verletzt, schafft es aber erst nach Längerem, ihm den Laufpass zu geben. Sucht danach Selbstbestätigung in eigenen Affären, weil das Geldausgeben nicht mehr als Kompensation reicht, hat vielleicht mit ca. dreißig schon leichte Torschlusspanik. Zur Löwin wird sie eigentlich nur, wenn es um ihren Sohn geht, für den würde sie alles tun. Sogar auf den Strich gehen, aber da müsste ich vielleicht die Notwendigkeit besser herleiten, falls ich es beibehalte.

So, jetzt habe ich hier ein Exposé ausgebreitet, das fast so lang ist wie die Geschichte. Bitte nicht als Rechtfertigung auffassen. Ich weiß auch, dass alle Erklärungen außerhalb des Textes nutzlos sind, der muss ja ohne Fußnoten und Appendices stehen können. Aber vielleicht hat jemand ein paar konkretere Ideen, welche Aspekte ich stärker unterstreichen muss (und wie ich das machen kann, ohne den Rahmen zu sprengen), damit die Story schlüssiger wird und man nicht so oft stolpert beim Lesen.

Ach ja, zu Klischees wollte ich noch was sagen: Zum einen ist das sicher eine gewisse Schwäche von mir. Vielleicht stößt meine Kreativität da schon an Grenzen, vielleicht ist auch etwas Bequemlichkeit dabei. Aber andererseits nehme ich auch bewusst Motive auf, die dem Leser vertraut sind, damit ich schneller vorankommen kann. Das ist sicher eine Krux dieser Geschichte, weil in einem langen Zeitraum so viel passiert, was ich ja unmöglich alles schildern kann, sonst wird es ein Roman. Ich habe das Gefühl, da brauche ich manchmal so etwas wie Abkürzungen oder Kurzschrift, um dem Leser in wenigen Worten viel vermitteln zu können. Wenn jemand dazu kluge Tipps hat - immer her damit!

So, und mit dem dritten Pott :kaffee: komme ich dann noch zu ein paar Einzelpunkten:

So ein Mist, ich kapier schon mal den ersten Absatz nicht.

Kennst Du nicht folgende Situation: Du bist links, rechts neben Dir ist eine dichte Kolonne ohne nennenswerte Lücken, die Abfahrt nähert sich. Aber rechts etwas vor Dir ist eine Lücke, Du müsstest nur noch ein, zwei Autos überholen, dann könntest Du rechts rüber. Und dann ist auf Deiner Spur einer vor Dir, so dass dieses Überholen nicht (schnell genug) geht. Nun fahre ich nicht wie ein Besengter, aber Marc schon. :D Und der lässt sich doch nicht freiwillig zurückfallen, sondern kämpft um jeden Meter. Letztlich bleibt ihm nichts übrig, als sich eine Lücke zu machen, wo eigentlich keine war.
Den Rest der Szenerie muss ich wohl präziser beschreiben. Edgar z.B. steht da, wo Marcs Abfahrt auf die nächste Straße mündet. Und "touchieren", "zurück in den Verkehr stoßen" - lässt sich umformulieren.

Das Nachthemd sagte:"Sie ist schon im Bett gewesen."
Man weiß ja, wie du es gemeint hast, aber für mich liest es sich schräg.

Ernsthaft? Ist das nicht eine ganz normale Sprechweise? Das und das sagt mir dies und jenes?

"Was hat mich bloß jemals geritten, eine Italienerin zu heiraten!"
Sie selbst vielleicht :D?

Die Assoziation hatte ich auch. Danke, dass Du die Zote auf Dich nimmst! :lol:

Das ist - auch hier - momentan so eine blöde Mode, das Adverb an den Schluss zu setzen.
Nun gut, er spricht in der wörtlichen Rede ... von daher ist das okay, aber ist dir das bewusst gewesen?

Kein so wichtiger Punkt, aber wenn Du es schon als Frage formulierst: Ja, das war mir bewusst. Ich habe mir wirklich die Dialoge vorgesprochen. Meine Prots drücken sich ja schon recht gebildet aus, aber auch die formulieren nicht jeden Satz im Schriftdeutsch aus, bevor sie ihn aussprechen. Dass man so ein Adverb mal nachschiebt, quasi auch als Nachgedanke, erscheint mir gängig. Werde ich trotzdem drüber nachdenken.

Madame könnte ja auch etwas arbeiten

Könnte sie, hatte sie aber bis dahin nicht nötig, und eigentlich hat sie ja auch üppige Unterhaltsansprüche. Das gehört auch zu ihrer Läuterung, sich dazu zu bequemen.

"Ich kann dir dein Leben wiedergeben!", rief er.
Falsch. Es soll ja nicht mehr das gleiche Leben sein. Also: Ich kann dir ein neues Leben geben.

Nicht falsch. Edgar lässt ihm ja die Wahl, er kann auch sein altes Leben wiederhaben.

Da hätte der Markleiter einen anderen Joker aus dem Ärmel ziehen müssen.

Hier verstehe ich schlicht nicht, was Du meinst. Was für einen anderen Joker denn?

Völlig unglaubwürdig. Marc interessiert sich einen Scheiß für das Glück von seiner Ex, der will seinen Sohn wiedersehen.

Marc macht eine enorme Wandlung durch, das ist nicht mehr der alte vom Anfang. Wenn das nicht rüberkommt - hmpfff ...

Hier wird dieser Geist in eine andere Rolle gedrängt, so wie der Kumpel an der Bar

Der sollte eigentlich schon bei seinem ersten Auftritt so pseudo-kumpelhaft auftreten, was natürlich nicht authentisch ist, sondern eine Mischung aus Sich-bei-Marc-Einschleimen und Sich-über-ihn-lustig-Machen. Hier benutzt er das, um Marc noch ein bisschen zu quälen, bevor er ihn (vermeintlich) einsackt und in die Hölle mitnimmt. So war es jedenfalls gedacht ...

Ach komm ... das geht dezenter. Rauschende Parties? Die organisiert sie doch nicht, da geht sie doch hin. Männer? Sie soll für Männer bezahlen? Die werden arm durch sie!

Parties - okay. Männer arm machen? Silvana ist für mich keine Femme fatale (siehe oben). Die klammert sich an die Männer, macht ihnen teure Geschenke in der Hoffnung, irgendwas zurückzubekommen, was sich ein bisschen wie Liebe anfühlt.

Ich finde das schon eine Königsdisziplin, eine so komplexe Idee mit einer chronologisch langen Laufzeit auf eine Kurzgeschichte zu trimmen. Das ist dir auch stellenweise alles andere als gelungen ;)

In Schönheit gestorben, na danke. :( Verstehst Du, warum sich das wie ein Verriss anfühlt? Aber noch mal: keinerlei Vorwurf an Dich, alles ist gut.

So, das reicht jetzt mit dem Kaffee. Ich danke Dir für Deine ausführliche Kritik und hoffe, Du kannst mir nach meinen obigen, viel zu weitschweifigen Ausführungen noch ein paar konkretere Tipps geben, wie ich meine Absichten besser umsetzen kann. Ich denke derweil über ganz viel nach, auch über die weiteren Einzelpunkte, die ich jetzt nicht kleinteilig beantwortet habe.

Grüße vom Holg ...

 

Hey Holg,

Was ich mit "hinhängen" meinte, wolltest du wissen. Kurz und knapp, jemanden für seinen eigenen Vorteil einen gehörigen Nachteil zuzufügen.
Ich hab manchmal Schiss, das mein positives Gequassel als dummes Blümchenschmeißen gesehen wird, ist nämlich gar nicht so gemeint. Es ist nur so, dass ich viele Stile gern lese. Und ich mich nicht auf einen festlege. Es gibt auch relativ selten mal etwas das mich stört, zumindest hier. Nur möchte ich natürlich trotzdem ernst genommen werden :D Das ist da immer ein wenig meine Angst.

Liebe Grüße
Lexi

 
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Hallo barnhelm,

da hast du dir ja fast einen ganzen Film ausgedacht.

Ja, ich bin immer sehr cineastisch unterwegs. Halt so, wie ich es vor mir sehe. So geht es mir auch selber, wenn ich Geschichten lese, dass ich das ziemlich filmisch erlebe. Das macht es mir manchmal schwer, gewisse Zwischentöne zu erfassen, schon beim Lesen, aber noch mehr beim Schreiben.

An Phantasie fehlt es dir nicht und auch nicht an der Fähigkeit, den von dir ausgedachten Plot gut auszugestalten und umzusetzen.

Vielen Dank! Ein guter Plot ist bei meinem Stil die halbe Miete - oder besser gesagt: Wenn der Plot schon nicht taugt, kommt bei mir nichts Gutes raus.

Viel Story, viel Handlung. Mir für eine Kurzgeschichte fast zu viel.

Ja, ich bin sehr handlungsgetrieben, nicht so charakterfokussiert, und auch eher beim Thriller als beim Drama. Hat vielleicht mit dem Filmischen zu tun, obwohl es da natürlich auch sehr unterschiedliche gibt. Aber meins ist mehr Ghost Rider als Faust, mehr Verhängnisvolle Affäre als Kramer vs. Kramer.

Das ist sehr schwer, jede Szene, die du in den Handlungsablauf stellst, gut und tiefgehend zu beschreiben. Am besten ist dir dies mMn in der Szene, als die beiden sich noch einmal begegnen, gelungen. Da teilt sich mir das Psychologische, das Atmosphärische zwischen den beiden mit. Leider fehlt mir genau das in den anderen Szenen.

Dabei habe ich mich diesmal echt bemüht, siehe meine Antwort an bernadette. Aber das kommt bei mir wohl noch zu sehr aus dem Kopf, zu wenig aus den Eingeweiden.

Aber das liegt möglicherweise an meiner eigenen Wahrnehmung. Besonders durch die Texte von jimmysalaryman und Isegrims bin ich in der letzten Zeit stärker auf so eine Ebene des Nichtausgesprochenen, aber dennoch vorhandenen, fixiert. Diese Ebene betrittst du nicht. Dein Text bleibt über weite Strecken auf der Handlungsebene. Möglicherweise liegt es wirklich daran, dass du hier eine Geschichte über einen längeren Zeitraum erzählst.

Verglichen mit meinen ersten Geschichten habe ich mich schon ein ganzes Stück in diese Richtung bewegt, allein mit den vielen Dialogen, die mir sonst fehlten und für die ich das Erzählende weitgehend eliminiert habe. Aber an die beiden Genannten komme ich natürlich nicht annähernd heran. Und wie gesagt: grundsätzlich plotorientiert bin ich ja auch weiterhin.

Ich möchte nicht so weit gehen wie bernadette, aber mir geht es mit deinen Protagonisten ähnlich. Mir fehlt da eine Charakterzeichnung, die sie lebendig macht und abhebt von irgendwelchen Stereotypen: der egoistische Ehemann, das verwöhnte Weibchen, der vom Schicksal gebeutelte, jetzt obdachlose, ehemals erfolgreiche Geschäftsmann, der mit einer erschreckenden Konsequenz konfrontiert, sich selber wieder aus dem Sumpf zieht. Daneben dann noch die geläuterte Ehefrau, die plötzlich nicht mehr kalt und berechnend, sondern warmherzig und verständnisvoll ist.

Mir fällt auf, dass Silvana als Charakter offenbar besonders schlecht funktioniert. Kalt und berechnend sollte sie überhaupt nicht sein, eher verletzlich (fehlt wohl am stärksten), nur in Ausnahmefällen resolut und nach dem Ausbruch aus dem goldenen Käfig mit ihrer Freiheit überfordert. Warmherzig und verständnisvoll am Ende trifft auch nicht recht meine Intention. Eigentlich sollte sie Marc gegenüber ziemlich reserviert bleiben, sich dem Gespräch recht bald wieder entziehen; und Marcs ungelenke Entschuldigung hat sie ja auch nicht wirklich angenommen, sondern eher so vorbeiziehen lassen. Nee, an der muss ich wohl noch feilen ...

Als Gerüst mag das allemal dienen, aber ich hätte mir gewünscht, dass ich die beiden stärker als Individuen mit der einen oder anderen Besonderheit hätte wahrnehmen können.

Ich hatte bernadette auch was zu Klischees geschrieben: Ja, die benutze ich wohl zu oft, sind aber auch ein verlockendes Steno. Und mit dem sehr weiten Handlungsbogen, den ich hier aufmache, war die Versuchung doppelt groß.

Holg, trotz dieser Anmerkungen habe ich deine Geschichte gerne und mit Interesse gelesen. (Ich merke gerade, wie kritisch wir alle in den letzten Wochen geworden sind. Aber diese Sensibilisierung ist wohl auch ein positives Resultat der Challenge.)

Schön, wenn Dich die kleinen und größeren Ungereimtheiten nicht zu sehr abschrecken. Und ja, der Kritiklevel scheint gestiegen zu sein, das ist sogar mir in den wenigen Wochen meiner Mitgliedschaft aufgefallen. Auch manche Autoren (und teils sogar die Kritiker) scheinen ein wenig dünnhäutig geworden zu sein. Ich hoffe, mein Post von heute Nacht hat nicht den Eindruck erweckt, dass ich mich da einreihe.

Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß in unserem Forum. Du bist für uns alle ein großer Gewinn.

barnhelm, das ist die netteste Aussage, die ich mir nur vorstellen kann! You've made my day! :bounce:

Grüße vom Holg ...

Hallo Lexi,

Was ich mit "hinhängen" meinte, wolltest du wissen. Kurz und knapp, jemanden für seinen eigenen Vorteil einen gehörigen Nachteil zuzufügen.

Okay, dann habe ich ungefähr in die richtige Richtung gedacht. Wie viel von der Liebe bei Silvana noch übrig ist, sei dahingestellt - nach meiner Vorstellung eigentlich nichts mehr. Aber sie sollte zumindest so weit gereift sein, dass ihr nichts mehr an irgendwelchen Retourkutschen oder Racheaktionen liegt.

Wie stark Edgar sie mit seinem Angebot in Versuchung gebracht hat, erfahren wir ja nicht aus erster Hand. Kann schon sein, dass sie echt geschwankt hat, so wie Marc auch. Es wäre ja so einfach, so verlockend ... und das Schwein hat's doch verdient ... Aber wer weiß - vielleicht hat Edgar sich das am Ende nur ausgedacht, um Marc ein bisschen zu quälen? :D

Ich hab manchmal Schiss, das mein positives Gequassel als dummes Blümchenschmeißen gesehen wird, ist nämlich gar nicht so gemeint. Es ist nur so, dass ich viele Stile gern lese. Und ich mich nicht auf einen festlege. Es gibt auch relativ selten mal etwas das mich stört, zumindest hier. Nur möchte ich natürlich trotzdem ernst genommen werden :D Das ist da immer ein wenig meine Angst.

Ich glaube nicht, dass die Angst berechtigt ist, jedenfalls empfinde ich Deine Kommentare - auch in anderen Threads - nicht als Wattebauschwerfen. Viele Komms gucken halt stark auf das, was nicht funktioniert, und andere mehr auf das, was gut ist. Für die Ausgewogenheit braucht es beides, denke ich. Und für viele Stile offen zu sein, sehe ich als absolute Tugend, das können auch nicht alle.

Grüße vom Holg ...

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo Holg,

die Geschichte ist gelesen. Die Kommas und Wörter sitzen beinahe perfekt und die Charaktere sind so klar, dass es beinahe weh tut.
Es ist eine nette, runde Geschichte, in jeder Hinsicht, auch politisch, korrekt. Ein bad guy wird zu good guy, zu einem Heiligen, der seine Sünden als Harz vier Empfänger verbüßt.
Nebenbei habe ich gelernt, dass das Klischee von geldgeilen Italerinnen so gar nicht stimmt und dass es sogar türkische Arbeitsgeber gibt, die sich für die Vita eines Penners vom Amt interessieren. Außerdem durfte ich erfahren, dass es schlecht ist, als Autofahrer zu drängen oder seine Frau zu betrügen. Und überhaupt, soll man nett zu Leuten sein.
Denn, es lohnt sich! Der Sünder wird von Menschenfreund befördert und auch seine Ex, die um sich zu fangen klar einige Männer wechseln musste, verzeiht nun den neuen Menschen. Alles ist toll, rund, wunderbar.
Nur, erlaube ich mir die Frage: Wo ist denn in dieser gut gepflegten Trivialität etwas, was mich als Person herausfordern würde? Oder, um es mit den berühmten Worten eines Klassikers zu formulieren, wo ist denn hier die Axt, die das Eis in meiner Seele aufbrechen soll? Nichts ist da. Nicht mal einen Kratzer hat sie vom lesen dieser glatten Geschichte abbekommen.

Ich habe die Geschichte gelesen, mich durchaus amüsiert, die Kommentare angeschaut und ich hätte alles schon längst vergessen, wenn ich mich nicht über so viel Oberflächlichkeit geärgert hätte.

Beste Grüße
Ruess

 

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