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Apricari

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17.04.2007
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Apricari

Ich erwache in der gleichen drückenden Stille wie jeden Tag. Um mich her nur das graue Metall des Raumschiffs. Kalt, leer. Manchmal möchte ich mich hinsetzen, in einer kalten Ecke verkriechen. Verdursten, auf mein Ende warten, dass die Sonne mich frisst. Doch ich reiße mich zusammen. Es ist zu früh, um aufzugeben. Ich werde einen Weg hinausfinden, sie werden schon sehen. Und dann können sie was erleben. Ich greife zu dem Schraubenzieher, der an einer Schnur um den Hals hängt, umfasse ihn wie eine Waffe.
Erstmal raffe ich mich auf zur Morgenroutine. Ich laufe das gesamte Schiff ab, suche nach Auffälligkeiten. Wie eine Seuche kriechen Ausfälle langsam über das Schiff, fressen unaufhaltsam an dem Wrack, das meine Welt darstellt. Mein Finger schwebt über dem Bildschirm, über der Linie, die den Zeitverlauf der bereitgestellten Energie darstellt. Ein Teil davon verschwindet über Nacht, markiert den Ausfall eines weiteren Solarpanels. Ich überlege, welchen Verbraucher ich als nächstes opfern kann, um den Rest am Leben zu halten. Die Dusche. Kalt duschen ist ohnehin gesünder.
Mein Frühstück besteht aus kalten Bohnen und zermatschten Tomaten, die ich liebevoll "Salat" nenne. Das Konservenessen konnte ich schon nach Wochen nicht mehr ausstehen.
Den Ausguck betrete ich durch eine von mir gebaute Luftschleuse. Stickig-warme Luft, schwer von Feuchtigkeit, schlägt mir entgegen. Dies ist der einzige Raum mit Fenstern, daher habe ich ihn zu einem Gewächshaus umfunktioniert, über dem Glas werfen die Solarpanele Schatten. Es dringt ohnehin genug Licht durch. Die Bohnen kommen getrocknet mit den Lebensmittel-Lieferungen - natürlich waren sie zum Essen gedacht und nicht zum Anbauen, doch da kann ich mich nicht drauf verlassen. Was, wenn die Lieferung einmal ausbleibt? Die Tomatensamen hatte ich aus den Konservendosen gepuhlt und angepflanzt. Aus jeder Dose von Hand ausgelesen, hunderte Versuche, keiner wollte aufsprungen, aber ich habe es mit aller Sturheit so lange weiter versucht, bis einer nachgegeben hat. Kartoffeln und Zwiebeln nahmen sich im Vergleich dazu trivial aus. Nun stehen die Pflanzen in metallenen Kisten, die vormals im Lager dienten.
Also habe ich mittlerweile die Luftaufbereitungsanlage runtergeregelt und bekomme einen Teil meines Sauerstoffs von den Pflanzen. Meine nächsten Projekte müssen sich mit Strom und Wasser beschäftigen. Und mit den Antrieben.
Doch erstmal ist es Zeit für meinen morgendlichen Bericht. Punkt zehn Uhr hocke ich auf der Steuerkonsole und flöte einen aufgesetzt fröhlichen Gruß in das Mikrofon des Funkgeräts. "Guten Morgen, Margret."
Eine männliche Stimme antwortet genervt. "Wann wirst du dir endlich meinen Namen merken."
Niemals, denke ich sarkastisch. "Es ist schon wieder ein Solarpanel ausgefallen. Ich brauche neue Kondensatoren. Oder am besten eine Maschine, die welche herstellen kann."
Stille. Natürlich bekomme ich nichts, aus dem ich eine Waffe herstellen könnte.
"Heute bekommst du eine Lieferung. Da sind Kondensatoren bei. Und ... etwas Gesellschaft."
Gesellschaft? Für mich? Haben sie etwa einen Hund oder eine Katze auf die monatelange Reise zu mir geschickt oder wie darf ich das verstehen? "Es ist hoffentlich stubenrein, oder?"
Keine Antwort.
"Margret?"
Nichts.
Ich erinnere mich zurück an Tage, an denen ich kein Wort mit ihm sprach. An denen er nach mir rief und mir erklärte, dass sie mich nicht hatten töten wollen, doch sie konnte mich nach allem, was ich getan hatte, nicht frei herumlaufen lassen. Er hatte die Aufgabe, mit mir zu reden, damit ich unter der Einsamkeit nicht durchdrehte.
Doch ich stand vor der Tür und strafte ihn mit Schweigen. Hoffte, dass er Ärger dafür bekam.
An anderen Tagen erzählte ich ihm in der Stunde zwischen zehn und elf alles Mögliche. Träumte ihm laut was vor von der unendlich vielfältigen Natur der Erde. Machte sarkastische Bemerkungen über die klägliche Aussicht aus dem Raumschiff im Vergleich dazu. Fragte ihn nach seiner Familie und seinen Hobbys, doch er wich mir aus. Bis die Stunde herum war und ich ihn anflehte, länger zu bleiben und mir die Einsamkeit zu vertreiben.
Heute lasse ich ihn diskussionslos ziehen. Vor Aufregung kann ich mich kaum auf andere Aufgaben konzentrieren. Eine Lieferung an sich ist schon was Besonderes, aber etwas Lebendiges?
Ich hoffe allerdings nicht, dass sie mir ein Tier schicken. Womit sollte ich einen Hund oder eine Katze füttern? Die drei Käfer, die einmal zwischen dem Getreide mitkamen, halte ich für ungenießbar. Höchstens einen Hamster. Wobei es aus Sicht der Effizienz wohl schlauer wäre, ihn gleich zu essen.
Das Herannahen der Transportkapsel wird über den Bordcomputer angekündigt. Aufgrund der Nähe zur Sonne müssen Lieferungen im Schatten des Raumschiffs anfliegen. Glücklicherweise muss ich nichts dafür zahlen, sonst würden mich die Lieferkosten umbringen.
Ich drücke einen Knopf, um die Schleuse zu öffnen. Beim Aufstehen stolpere ich fast über meine eigenen Füße, so wenig kann ich es erwarten, einen Blick in die Kapsel zu werfen.
Halbautomatisch bremst die Kapsel mit Hilfe eigener Antriebe ab. Ein leises Ruckeln verrät mir, dass sie erfolgreich andockt.
Aufgeregt hüpfe ich auf der Stelle, bis der Druckausgleich hergestellt ist und ich die Tür öffnen darf.
Zwischen den üblichen Lieferungen - Konserven, Säcken mit trockenen Hülsenfrüchten, Lampen und Kabeln - liegt ein Mann, festgeschnallt an einer Unterlage. Ein kräftig gebauter Mann mit großen Muskeln und kahlrasiertem Kopf. Das trifft meinen Typ nicht ganz. Ich bin mir nicht sicher, was sie sich dabei gedacht haben. Aber egal, ich habe menschliche Gesellschaft, ist das nicht großartig? Ich bin gespannt zu hören, wie es der Erde in der Zwischenzeit ergangen ist.
Er liegt da wie tot. An seinem Halsband leuchtet ein roter Punkt. Ich fühle am Handgelenk - kein Puls. Sie haben ein Hibernationsmodul ins Halsband eingebaut.
Ich drücke auf den Knopf.
Der Mann reißt die Augen auf. Sieht mich, will aufspringen, doch stürzt zu Boden. Die Muskeln sind kalt und müssen sich erst aufwärmen. Das Halsband wird seine Körperfunktionen langsam hochregeln.
"Ugh", macht er und versucht den Kopf in meine Richtung zu heben. Ich erinnere mich an die Male, in denen ich aus tiefer Hibernation erwacht bin und knie neben ihm nieder. Überlege, ob es ihm helfen würde, wenn ich seinen Arm berührte, lasse es aber bleiben. "Es wird eine Weile dauern, bis Sie sich normal bewegen können, nur Geduld."
Da ich erstmal nichts für ihn tun kann, schaffe ich die neuen Vorräte ins Lager.
Dann hole ich einen Schraubenzieher und baue die Antriebe aus. Natürlich ist es ein Wegwerfmodell, der Treibstoff punktgenau berechnet, sodass kein Tropfen nach dem Andocken übrig bleibt, den ich zu einer abenteuerlichen Flucht verwenden könnte. Ich sammle sie trotzdem, vielleicht finde ich irgendwann heraus, wie ich sie nutzen kann. Außerdem ist die Kapsel dann leichter. Ich muss sie irgendwann vor der nächsten Lieferung auf die andere Seite schaffen, um den Platz freizuräumen.
Damit bin ich eine Weile beschäftigt. Als ich fertig bin, hat sich der Neuankömmling aus eigener Kraft an die Wand gelehnt.
"Willkommen im Luxushotel Apricari." Ich zeige einladend zur kahlsten Ecke im Raum.
Leider teilt er meinen Humor nicht. "Wo bin ich? Wo liegt das?"
Zur Antwort male ich unsichtbare Linien auf den blanken Boden. "Das ist unser Sonnensystem. Hier kreist die Erde."
Ich male einen engeren Kreis. "Hier kreist Merkur."
Und einen winzig kleinen Kreis. "Und hier dieses Raumschiff."
"Ein Raumschiff?" Er lacht laut auf, kalt und spöttisch. "Als ob. Wo sind wir wirklich?"
Ich warte mit ernstem Gesicht, bis er fertig gelacht hat. Verschieben wir den Punkt auf später.
Er sagt, sein Name sei Vincent. Ich frage ihn, was er getan hat.
"Nichts."
Ich mache eine Bewegung durch den Raum. "Du musst lebenslänglich bekommen haben, sonst hätten sie dich nicht hergeschickt. Weswegen wurdest du verurteilt?"
"Ich bin unschuldig." Er verzieht das Gesicht - wie konnte ich nur wagen, das zu fragen. "Ich wurde angeschwärzt."
Wenn sie jemanden herschicken zu diesem Ort, von dem es keine Rückkehr gibt, dann müssen sie sich sehr sicher sein, dass er es verdient hat. Aber einen Mörder werden sie mir wohl kaum schicken, da hätten sie mich gleich töten können. Vielleicht erzählt er später davon.
Doch erstmal bin ich dermaßen begeistert davon, einen Mitbewohner zu haben, dass ich ihn aufgeregt vollquatsche, bevor er in der Lage ist, davonzulaufen.
Ich stelle mich großspurig als Seldra vor, die Mutter von Tod und Zerstörung. Erzähle, wie sie dem Raumschiff die Antriebe ausgebaut und die Solarpanele draufmontiert haben, bevor sie es mir mir darauf auf eine Umlaufbahn um die Sonne geschickt haben. Warum? "Ich habe ihren Planeten angezündet", erkläre ich voller Stolz. "Und ich habe eins ihrer Raumschiffe mit nichts als einem Schraubenzieher zerstört." Ich zeige zum Werkzeug an meinem Hals und stoße einen unsichtbaren Gegenstand durch die Luft.
Wer dieses mysteriöse "sie" ist, zeige ich ihm später. Jetzt glaubt er mir ohnehin kein Wort und dreht seinen Zeigefinger neben dem Kopf als Zeichen, dass bei mir eine Schraube locker wäre. Aber die Meinung von jemandem, der an meiner Stelle schon lange gestorben wäre, interessiert mich nicht.
Ich kann es kaum erwarten, ihm das Schiff zu zeigen und zerre ihn auf die Füße, sobald er meines Erachtens nach beweglich genug dafür aussieht, obwohl der Punkt am Halsband noch leuchtet.
Mit steifen Schritten und genervtem Ausdruck folgt er mir. Ich weiß gar nicht, was er hat.
"Hier sind die Waschräume", erkläre ich und zeige die Steuerung der Düsen an der hohen Decke.
"Von hier kann man das ganze Schiff kontrollieren." Im Kontrollraum mache ich eine Handbewegung zur Konsole, bevor ich drauf klettere, wobei ich die Füße in die Rillen zwischen die Panele setze. Oben schalte ich ein paar Anzeigen auf dem Bildschirm durch, doch mein Gast bleibt unten stehen.
"Ich kann da nicht rauf." Was für ein Anfänger, er hat es nicht mal versucht.
"Dann schau eben von unten zu." Der Bildschirm ist groß genug. "Das ist die Energie, die von den Solarpanelen bereitgestellt wird und das hier ist unser Stromverbrauch. Die Panele fallen der Reihe nach aus, deswegen schaue ich, wo man Strom sparen kann. Du siehst hier, dass der meiste Verbrauch für die Kühlung draufgeht, siehst du?"
Er schaut abgelenkt zur Seite. "Ja ..."
"Bei der Kühlung können wir nichts machen, aber der zweite Posten ist der Verbrauch des Bordcomputers, der steigt mit seinen Berechnungen. Daher schalte ich nach und nach alle Systeme auf manuelle Steuerung um. Kühlung und Sauerstoffproduktion müssen gelegentlich nachjustiert werden, hier, so." Da wir nun zu zweit sind, fahre ich die Sauerstoffproduktion hoch und beobachte mit einem flauen Gefühl, wie die Linie des Stromverbrauchs auf eine neue Höhe klettert.
Ich bin mir nicht sicher, ob er mir folgt. Eigentlich will ich es ihn selbst machen lassen, aber ich muss mir vorher überlegen, wie ich ihn hier raufschaffen kann. Vielleicht kann ich aus den Kartoffelsäcken und Teilen einer Kiste eine Leiter bauen.
Vincent verschränkt die Arme. "Okay, das ist sehr überzeugend und alles. Wann wird aufgelöst? Wo ist die versteckte Kamera?"
Ich bin beleidigt. Er wagt, mich als Lügnerin zu bezeichnen, obwohl er mich nicht mal kennt??? Mein Mundwinkel verzieht sich süß-sauer. "Zeige ich dir. Komm."
Unser Weg führt zum Gewächshaus. In der Luftschleuse nimmt er erneut seine Ablehnungshaltung ein. Dann präsentiere ich den Raum, wo meine Pflanzen stehen, mit einer ausladenden Bewegung, bevor mein Zeigefinger nach oben wandert. "Schau dort hin."
Vom Eingang aus kann er oben nichts sehen. Er muss vortreten bis zu den Pflanzen, damit er durch das Glas an der Schiffshülle vorbeischauen kann, durch das Solarpanel, das durch die starke Sonneneinstrahlung teildurchlässig aussieht.
"Ist das ... die Sonne?" Da steht er und betrachtet ungläubig den Himmelskörper, den er sein Leben lang kennt, aber noch nie in dieser Größe gesehen hat, inmitten eines schwarzen Himmels. Das Licht der Sonne überstrahlt alles. "Das ... kann nicht sein."
Doch endlich beginnt er zu glauben, das sehe ich an seinem Blick, höre es aus seiner Stimme, egal was die Worte bedeuten.
Ich berühre in einem kläglichen Versuch, ihn zu trösten, seine Schulter, dann lasse ich ihn alleine.

Er braucht eine Weile, um sich an den Gedanken zu gewöhnen. Wie lange ist es her, seit ich das erste Mal ins All gereist bin? Aber ich habe der Angelegenheit mit mehr Abenteuerlust entgegen gesehen. Tue ich immer noch. Es ist zu früh, um sich geschlagen zu geben.
Ich höre Vincent nach einer Weile das "Gewächshaus" verlassen und durch das Schiff streifen. Er findet mich in der Nähe der Heckklappe in einem Raum auf der sonnenzugewandten Seite, wo ich an einem Solarpanel herumschraube.
Was war das für ein Akt, da ranzukommen. Ich musste es durch ein Stück Hülle einer Transportkapsel ersetzen, damit die Sonne nicht durch die Lücke direkt auf das Schiff scheint und die Kühlung noch mehr belastet. Das Schiff verfügt über ein paar schlangenartige Greifarme aus miteinander verbundenen, flexiblen Gliedern, die ich in stundenlanger Handarbeit dahin gesteuert habe, dass sie das Panel ersetzen und ins Schiff transportieren. Hier habe ich es einfach auf den Boden gelegt, weil es mir zu lange gedauert hätte, es besser zu platzieren. Jetzt hocke ich darüber und schraube mit einem Schraubenzieher daran herum, dessen filigrane Mechanik wie ein kleines Kunstwerk aussieht. Condigitianische Technologie. Schieber nach vorne baut zusammen, nach hinten nimmt auseinander. Der Schraubenzieher weiß von selbst, was er tun soll.
Vincent bleibt in einiger Entfernung stehen, schaut zu oder wenigstens zu mir herüber. Ich tue, als würde ich ihn nicht bemerken und arbeite weiter, baue die kaputten Kondensatoren aus und ersetze sie durch neue. "Was ist das für ein Raumschiff?"
Ich kenne mich nicht gut genug aus, um ihm den Schiffstypen zu nennen. Ich glaube, es handelt sich um ein Botenschiff. Stattdessen übersetze ich die Frage mit: Wo kommt es her? Wer hat es gebaut? Nun ist er bereit für die nächste Offenbarung und ich lege den Schraubenzieher ab. "Komm."
Zurück in der Steuerzentrale muss er unten warten, während ich raufklettere und auf der Konsole das Menü aufrufe. Mein Herz springt in Vorfreude. "Das ist meine Lieblings-Sendung: 'Alien! Jagd'." Obwohl ich jede Folge schon hundertmal gesehen habe, werde ich nicht müde, sie mir immer wieder zu gönnen. Irgendwie muss ich abends runterkommen und die vorgefertigten Aufnahmen kosten weniger Energie, als wenn das Schiff selbst aufwendig irgendwas berechnen muss.
Ich rufe irgendeine Episode auf und mit Gedudel beginnt das Intro.
Ungläubig starrt Vincent zu den Gestalten auf dem Bildschirm. Im Hintergrund kriechen bunte Blobs aus Schwefelseen. Es dauert mehrere Minuten, bis eine Reaktion erfolgt. "Sind das ... intelligente Roboter, die Alien-Lebensformen vorstellen?"
"Außerirdische intelligente Roboter, ja." Ich brabble aufgeregt drauf los. "In ihnen laufen die Hauptleitungen im Hals lang, wie bei uns das Nervensystem, faszinierend, nicht wahr?" Ich zeige zur Untermalung auf meinen eigenen Nacken. "Man muss nur raufklettern und sie an der Stelle auseinandernehmen. Es spielt keine Rolle, wie groß oder stark der Gegner ist, man muss nur seinen Schwachpunkt kennen."
Doch Vincent hört nicht zu. "Wir sind nicht alleine im Universum, das muss ich ..."
Ich grinse hinterhältig. "Und du wirst es nie jemandem erzählen können." Geteiltes Leid ist halbes Leid. Er bleibt erstarrt, desillusioniert stehen, den Blick auf die bewegten Bilder geheftet. Ich lasse ihn alleine und gehe zurück an meine Arbeit.

Irgendwann sucht er mich am Solarpanel auf. Ich erhebe mich aus der Hocke, strecke meinen steifen Rücken, dass es knackt und hocke mich wieder hin.
"Was machst du da?", fragt er schließlich.
"Ich baue eine Zeitmaschine." Das sage ich mit vollem Ernst in der Stimme, versuche nicht dabei zu lachen. Wonach sieht es wohl aus? "Damit komme ich zum Zeitpunkt zurück, bevor sie dem Raumschiff die Antriebe ausgebaut und mich mit ihm auf eine Umlaufbahn um die Sonne geschossen haben." Ich wende mein Gesicht ab, damit er das Grinsen nicht sieht.
"Ist das nicht anstrengend?"
"Nein, das ist unglaublich bequem, hock dich mal 'ne Stunde dahin."
Er schaut mir eine Weile zu. Ich würde ihn ja fragen, ob er mir hilft, aber abgesehen davon, dass ich ihn erst einweisen müsste, habe ich nur einen Schraubenzieher.
"Lass mich mal."
Überrascht schaue ich auf. Doch Vincent greift mit breit ausgestreckten Armen das Solarpanel, stemmt es mit unglaublicher Kraft hoch und lehnt es an die Wand, wobei ein paar lockere Teile runterfallen und er auf einen - glücklicherweise - kaputten Kondensator tritt, der sich knirschend unter dem Gewicht in seine Bestandteile zerlegt.
"Was machst du da?", kreische ich auf.
Der Mann schaut mich mit einem breiten, fast kindlich-naivem Lächeln an, das bei meinem Aufschrei stirbt, vor Enttäuschung zerbrochen wie der Kondensator. "Dann musst du dich nicht mehr runterbeugen. Ist schlecht für den Rücken."
Ich versuche mir ein Danke rauszuwürgen, doch Vincent stampft bereits enttäuscht davon. "Weiber."

Zum Abendessen setze ich Vincent rohe Kartoffeln in blanker Schale vor, die Erde fein säuberlich abgekratzt. Aus eigenem Anbau und sie sind winzig, aber immerhin. Ich bin stolz auf mich.
"Was ist das für ein Dreck? Willst du mich vergiften?" Er schleudert sie beiseite. Die Früchte meiner Arbeit rollen über das Metall wie wertlose Kiesel.
Ich bemühe mich um Fassung, doch koche innerlich so sehr vor Wut, dass ich die Knollen damit garen könnte. "Wir brauchen den Strom für Reparaturen, Luftfilter und Abwasserentsorgung, alles andere ist Luxus. Zum Kochen müsste ich die Kartoffeln in eine Kiste packen und sie mit einem Greifarm in der richtigen Entfernung und für die richtige Dauer hinter den Solarpanelen entlangführen. Das ist sehr aufwendig, daher mache ich das nur bei den Bohnen."
Ich weise mit einer Kopfbewegung zu den Knollen und gebe mir den Anschein, als wären sie mir egal. "Also iss oder koch selbst."
"Na schön, tut mir leid." Seine Hand landet dort, wo meine bis eben noch gewesen ist. Ich verschwinde mit meiner Portion. Vincents enttäuschter Blick entgeht mir nicht, doch ich habe besseres zu tun, als mich darum zu scheren.

Am nächsten Morgen suche ich Vincent auf, der mir mürrisch folgt - er hat auf ein paar Säcken getrockneter Bohnen geschlafen. Ich habe mir den Luxus eines Bettes schon vor Jahren abgewöhnt und schlafe in der Hocke.
Es ist kurz vor zehn. Ich zeige hoch zur Kommunikationseinheit. "Die Condigitianer betreiben das Gefängnis. M-426237 muss mich jeden Morgen unterhalten - du kannst ihn einfach Margret nennen. Die Zahlen kann sich kein Mensch merken."
Ich gluckse und klettere hinauf. Vincent murmelt eine Beschwerde und bleibt unten stehen. Dieses verwöhnte Luxuskind versucht sich nicht mal an dem Hindernis. Woher soll man wissen, ob etwas möglich ist, wenn man es nicht mal versucht? Wenn sein Leben davon abhinge, würde er einen Fuß zwischen die Panele klemmen oder würde er gleich sterben? Diese Einstellung kann ich nicht nachvollziehen.
Ich begrüße M-426237: "Nein, ich habe das Raumschiff noch nicht niedergebrannt, überraschenderweise. Habt ihr eigentlich Wetten laufen, wie lange das noch dauert?"
Die Stimme reagiert nicht auf meine Provokation und fragt stattdessen, wie es dem "anderen Menschen" geht.
"Frag ihn, wann ich von hier wegkomme", verlangt Vincent.
Ich würde von ihm verlangen, dass er raufkommt und selbst danach fragt, wenn er es unbedingt wissen will, aber er ist neu hier, da will ich nicht so sein und gebe die Frage weiter. Ich könnte sie ihm beantworten, aber von mir aus soll er es von offizieller Stelle hören.
"Das ist nicht geplant", antwortet M-426237 knapp.
"Was für eine Unverschämtheit", regt sich Vincent auf. "Ich habe Rechte. Ich will meinen Anwalt sprechen."
"Menschliche Gesetze werden von uns nicht anerkannt." Ich habe M-426237 schon oft genug erfolglos gereizt, dass ihn die Beschwerde des Mannes kalt lässt.
Vincent fängt an herumzuschimpfen, daher beende ich das Gespräch und springe neben ihn. Ein Lächeln kann ich mir nicht verkneifen. "Ich würde ja sagen, dass von hier noch nie jemand entkommen ist, aber da ich die erste Gefangene bin, bedeutet das nicht viel. Ich arbeite dran. Kann allerdings noch ein paar Monate bis Jahre dauern."
Ich zeige Richtung Sonnenseite. "Erst muss ich mich um die lebensnotwendigen Systeme kümmern, allen voran Energie und Sauerstoff. Dann muss ich einen Weg finden, Treibstoff herzustellen, um die Antriebe der Transportkapseln zu betreiben."
Doch er scheint mich nicht zu hören. Er schaut zur Decke, krallt sich selbst in die Muskeln seines Nackens, wie um sich durch Schmerzen aus dem Albtraum zu erwecken, doch auch das ist kein Ausweg.
Er verlässt den Raum, um nochmal das Schiff abzulaufen, unsere ganze Welt.

Ich schraube am Solarpanel herum, als die Lampe ausgeht, mit der ich auf die feine Elektronik leuchte. Und die allgemeine Schiffsbeleuchtung dazu. Ich habe mir gedacht, dass deren Stromverbrauch kaum ins Gewicht fällt, aber wenn sie beim Einschalten durchbrennen, könnte ich sie nicht einfach ersetzen, also bleiben sie dauerhaft an.
Dann fällt die Gravitation aus - ich schwebe einige Zentimeter in die Luft, suche im Dunkeln nach einem Halt und verpasse beim Herumrudern mit den Armen versehentlich dem Solarpanel einen Schlag. Nur die Kühlung läuft noch, denn ich habe das System so eingestellt, dass die Kühlung unter allen Umständen weiterläuft.
Auf der Erde heißt es, Sauerstoff wäre wichtiger als alles andere zum Überleben. Haha, sie haben keine Ahnung. Ich kann fünf Minuten die Luft anhalten, aber wenn die Sonne hier durchbrennt, werde ich sofort geröstet. Kühlung ist wichtiger als Sauerstoff. Kühlung ist sogar wichtiger als Gravitation.
Aber warum haben sich die anderen Systeme abgeschaltet? - Vincent! Wo ist er, was tut er?
Ich rufe nach ihm und er antwortet aus den Waschräumen.
"Hast du etwa brühend heiß geduscht???" Auf die Entfernung höre ich nur ein dumpfes Murmeln als Antwort. Habe ich ihm nicht erklärt, dass sich bei dieser Nähe zur Sonne Kühlung und Erhitzung gegenseitig hochschaukeln, weil ich die Justierung durch den Bordcomputer abgeschaltet habe? Was für ein Schwachkopf.
Leider sind sowohl die Sprachsteuerung als auch die automatische Kontrolle der Systeme abgeschaltet und ich habe mich durch das Herumrudern in ein Momentum versetzt. Nun schwebe ich durch den Raum und warte eine gefühlte Ewigkeit im Dunkeln, bis ich an die gegenüberliegende Wand stoße und mich an den Wandpanelen und Lampen in den Kontrollraum ziehen kann, wo ich die Anzeigen überprüfe, bevor ich die wichtigen Systeme einschalte.
Als die Gravitation einsetzt, geht das Licht an, doch manche der Lampen leuchten auf, nur um für immer zu verglühen. Überall im Schiff scheppert es, als die Dinge an ihre Plätze zurückfallen. Ich fange ich mich ab, doch aus den Waschräumen höre ich ihn aufjaulen. Wütend stampfe ich zu Vincent und stemme meine Hände in die Hüften. Eine warme, feuchte Wolke schlägt mir aus den Waschräumen entgegen.
"Ich habe dir die Steuerung nicht gezeigt, um deinen Luxusarsch zu verwöhnen."
Er liegt dort nackt auf dem Bauch, getrockneter Seifenschaum auf seiner Haut. Das Gesicht schmerzverzerrt begutachtet er die lächerlichen Schrammen an seinen Ellbogen. "Ja und? Ich habe seit Monaten nicht geduscht."
Als er sich erhebt, drehe ich mich um, als würde ich es eilig haben, mich anderen Aufgaben zuzuwenden. "Du bringst uns noch beide um. Mach das nochmal und ich werfe dich vom Schiff."
"Zicke."
Ich stampfe davon, um das Chaos im Schiff zu begutachten. Die Pflanzen hängen zerfleddert in ihren Aufhängungen. Ich bringe sie in Ordnung, so gut ich kann und hoffe, dass sie es überleben. Das Solarpanel, an dem ich gearbeitet habe, ist beim Aufprall gebrochen. Ich gehe davor in die Hocke und streiche über die Sprünge in der Oberfläche. Das kann ich nicht reparieren. Selbst wenn es noch fähig wäre, Energie zu produzieren, könnte ich die Scherben nicht fixieren.
Das ist doof. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich wegen eines kleinen Fehlschlags aufgeben würde.
Da es hier nichts mehr zu tun gibt, gehe ich in den Kommandoraum und rufe meinen Ordner mit Entwürfen auf, die ich umständlich mit den Steuerknöpfen der Konsole gemalt habe. Eine Zeichnung von einem Schmelzofen an einem Greifarm. Kritzeleien der Teile der Transport-Kapsel-Antriebe kombiniert zu einem einzelnen, großen. Eine Liste ölhaltiger Pflanzen und Berechnungen des Energiegehalts von deren Ölen.
Ich rufe die Zeichnung vom Schmelzofen auf und male darunter eine rechteckige Auffangform. Die Scherben könnte ich einschmelzen, aber wie wurde eine flache Scheibe daraus? Vielleicht genügt die Gravitation des Schiffs. Wie wurden überhaupt Solarpanele hergestellt? Keine Ahnung und bestimmt hätte ich sowieso nicht die Mittel dazu. Vielleicht sollte ich die Sonnenenergie lieber nutzen, indem ich Wasser erhitze, aber hätte ich dafür genug Wasser an Bord?
So vertiefe ich mich in Überlegungen, bis ich keine Lust mehr habe und erfolglos aufgebe.

Gegen Abend verschwinde ich ins Bad. Meine Haare habe ich ewig nicht gewaschen, dazu ist mir das bisschen Seife zu kostbar. Vielleicht sollte ich M-426237 um ein Seifenkraut bitten. Aber ich habe ihm von dem Gewächshaus nichts erzählt. Ist es das wert, den Grad meiner Selbstständigkeit zu offenbaren? Nachher erfahren sie noch von meinen Anstrengungen einer Flucht und finden ein noch strengeres Gefängnis für mich. Oder werfen mich nach all dem Ärger persönlich in die Sonne.
Ich ziehe mich aus, staple die Kleidung an der Seite. Die Steuerung hoch an der Wand, drehe ich die Dusche in einem leichten Strahl auf, hocke davor, spritze mir zimmerwarmes Wasser ins Gesicht. Als ich die Augen öffne, spüre ich einen Luftzug. Ein Schritt in der Tür. Dumpf wird eine Hand auf den Rahmen gelegt.
"Sexy."
Ich funkle ihm über die Schulter zu. "Hier ist besetzt und ich habe dich nicht hergebeten."
Ich tue, als würde ich die Reinigung fortsetzen und reibe mir mit den feuchten Händen über die Achseln, doch er bleibt stehen.
"Ich habe nachgedacht. Du, ich, hier, alleine. Da steckt ein höherer Wille hinter."
"Aha", mache ich gelangweilt. Die Entscheidungen von M-426237 würde ich nicht als "höher" einstufen, doch ich sehe die Absicht dahinter. Ich bücke mich nach dem Kleidungsbündel, als würde ich etwas darin suchen, dabei lege ich die Seife ab.
Die Schritte nähern sich langsam, bedrohlich. "Ich habe gesehen, wie du mich ansiehst. Du stehst auf mich. Lass uns Kinder machen."
Ich erhebe mich, setze das Scheinwaschen fort. "Ich bin unfruchtbar."
"Davon will ich mich persönlich überzeugen!"
Er stürmt mit vorgestreckten Händen auf mich zu. Ich gebe der Seife einen Tritt - sie rutscht unter seinen Fuß und er knallt auf den Boden. Schon springe ich über ihn hinweg und flüchte den Gang runter.
"Bleib stehen, du Hure!"
An einer Kreuzung stoppe ich, Herzklopfen, links oder rechts? Keine Zeit, Schnappatmen, rechts. Mist, Mist, Mist. Ich brauche eine Waffe, ein Versteck. Aber hier gibt es nichts.
Das lässt sich ändern. Rutschend mit nassen Füßen bleibe ich stehen, klappe eine Abdeckung an der Wand auf, dicke Kabelstränge dahinter. Ich reiße das gelbe heraus und im Gang wird es zappenduster. Leise taste ich mich an der Wand vorwärts, so schnell ich kann.
"Au!" Es scheppert und Vincent heult auf, als er mit voller Wucht gegen die offene Klappe rennt.
Gang, Kapseln, Lager, Bildschirme - meine Gedanken suchen das Schiff nach einer Lösung ab. Verstecken? Nur vorläufig. Verhandeln? Nur zum Schein. Kampf? Ich brauche eine Waffe ...
Die Helligkeit im hinteren Raum empfängt mich. Mein Blick fällt auf das zerbrochene Solarpanel und es macht Klick. Ich kralle eine Scherbe, die gut in meine Hand passt, und stelle mich breitbeinig meinem Gegner.
Vincent läuft herein und stoppt.
"Du undankbare Schlampe." Er nähert sich, die Hände wie Bärenpranken erhoben, bereit zuzuschlagen. "Ich habe versucht, nett zu dir zu sein."
"Ich brauche keine Nettigkeiten. Meinst du, dein ekliger Pimmel tut mir einen Gefallen? Pack mit an oder verlasse das Schiff!"
Er sieht mich verletzt an, wieder so ... zerbrochen. Wie das Panel, auf das in stummer Anklage sein Blick fällt.
Fäuste spannen sich. Die Augen heben sich mit neuer Entschlossenheit zu mir. Dann stürmt er wie ein Stier auf mich zu, das Gesicht wütend verzerrt, stößt Luft durch die Nase. Die Scherbe schwingt zu seinem Hals, fährt durch Fett und Muskeln. Er schlägt meinen Arm beiseite, die Wunde seitlich am Kinn hat den kurzen Hals verfehlt.
Der Faustschlag fällt mich. Vincent stürzt mir nach. Ich schaffe es gerade so, dass er mich nicht unter seinem Gewicht begräbt und robbe rückwärts. Hände greifen mich, halten, ziehen mich ran. Ich packe einen Finger, biege ihn nach hinten. Spitzer Schrei, der Griff löst sich, Tritt ins weiche Gesicht. Ich rapple mich auf und laufe nach hinten. Warmes Blut sickert aus meiner Faust und hinterlässt tropfend eine Spur, die Scherbe habe ich irgendwann verloren.
Zwischen den leeren Transportkapseln bücke ich mich, höre laut stampfende Schritte in meine Richtung kommen. Er denkt, er hätte mich in die Enge getrieben. Ich fahre herum und stoße ihm den blutbeschmierten Schraubenzieher bis zum Anschlag ins Auge.
Der Körper erstarrt, zuckt, taumelt rückwärts in eine Kapsel, wo er wie im Instinkt nach dem Schraubenzieher greift. Ich schließe die Tür, will nicht darauf warten, ob er sich erholt.
"Seldra ..."
"Niemand fässt mich ohne Erlaubnis an." Ich nehme ein paar Handgriffe vor, drücke Knöpfe, betätige Hebel und Schalter, beschmiere sie mit Rot. Die Transportkapsel wird von einem Greifarm in die Schleuse befördert. Ich schaue zu, als die Luft abgesaugt wird. Dann öffnet sich die Klappe und schiebt die Kapsel Richtung Sonne davon. Mit Leere in meinem Innern sehe ich ihr eine Weile hinterher, emotionslos, es musste gemacht werden. Das Herz hat Zeit, sich zu beruhigen.
Doch als ich die Zerstörungen überall im Schiff denke, kommen mir heiße Tränen der Wut. Ich hätte ihn viel früher töten sollen.

Punkt zehn am nächsten Morgen sitze ich vor dem Kommunikationsgerät. Da ich keine sterilen Verbände habe und auch sonst nichts, um die Wunde zu behandeln, habe ich sie mit heißem Wasser ausgespühlt und halte die Faust nun reglos. Die nächsten Wochen muss ich meine Arbeiten einhändig verrichten. "Captain Long Jack Pulsar meldet sich zum Statusreport. Vincent musste gestern kurzfristig abreisen." Ich habe keine Lust, einem Wesen seiner Spezies die Bedeutung des Vergehens zu erklären.
"Du hast ihn getötet?"
"Er war ein Vergewaltiger, oder?"
"Steril. Das Wort bedeutet, dass es nicht möglich ist, sich mit dir fortzupflanzen, korrekt?" Blöde Büchsenbirne.
"Vergiss es. Dir fehlen die biologischen Voraussetzungen, um das zu verstehen." Ich zwinge mich zu Sarkasmus, um nicht zu explodieren und ihn anzuschreien.
"Möchtest du einen anderen?"
"Ähm, nein danke." Ja, schick mir einen Ingenieur. Schick mir eine Frau. Allerdings kann ich das nicht sagen. "Aber ich brauche einen neuen Schraubenzieher. Um die Panele zu reparieren." Und alles andere.
"Du hattest einen Schraubenzieher? Du darfst keine Waffen haben."
Manchmal habe ich den Eindruck, die Sache mit dem Gefängnis ist nicht gut durchdacht. "Was dachtest du, wie ich die Sachen hier repariere? Ich kann mir keine Werkzeuge aus dem Körper wachsen lassen so wie manche von euch."
"Ich sehe, was sich tun lässt. Es kann eine Weile dauern."
"In Ordnung."
Nein, nichts ist in Ordnung. Mir ist weder nach Streit, noch nach weiteren Gesprächen. Stille senkt sich auf das Schiff. Hier sitze ich nun in meinem Reich des Chaos' und der Zerstörung, doch noch immer ist es zu früh, um aufzugeben und ich sehne den Tag herbei, an dem ich sie alle mit bloßen Händen auseinandernehmen werde.

 
Beitritt
26.08.2021
Beiträge
7

Hi, @Jellyfish

eine Entführung im Weltraum. Das Szenario ist schon mal cool.

Mir sind gleich zu Beginn stilistisch jedoch einige Dinge negativ aufgefallen.

Manchmal haben deine Sätze zu lang.

Ich erinnere mich zurück an Tage, an denen ich kein Wort mit ihm sprach. An denen er nach mir rief und mir erklärte, dass sie mich nicht hatten töten wollen - vorerst - doch sie müssten mich sicher verwahren, allerdings drehen Menschen unter Einsamkeit irgendwann durch, daher wurde er abgestellt, um mit mir zu reden.
Hier geht auch ein bisschen was zwischen indirekter Rede und direkter Wiedergabe des Gesagten durcheinander.

Allgemein musst du an dem Flow deiner Sätze arbeiten. Teileweise lassen die Sätze einen roten Faden vermissen. Es wirkt teilweise, als fehlten Beschreibungen zwischen Ereignissen. Es folgt alles sehr schnell aufeinander.

Mir ist die Stimme des Protagonisten etwas zu nüchtern. Du hast die Ich-Perspektive gewählt und schreibst in Gegenwart. Die HP befindet sich in einer lebensgefährlichen Situation und dennoch wirkt er geradezu gelassen.

Zuerst laufe ich das gesamte Schiff ab, ob sich irgendwas verändert hat. Ein weiteres Solarpanel ist ausgefallen - Mist. Ich mache einen Abstecher zum Steuerraum und überlege, was ich als nächstes opfern kann. Die Dusche. Kalt duschen ist ohnehin gesünder.
Mir ist das etwas zu kühl.

Ist klar, dass er nicht dauerhaft panisch sein kann. Aber irgendwie muss sich ja die Angst und Beklemmung in seiner Erzählstimme wiedergeben.

Abschließend also ein interessantes Settings, aber erzähltechnisch sollte du noch mal Hand anlegen.

Viele Grüße
Lupius

 
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Hallo, @Jellyfish ,

Die Idee von einem Weltraumgefängnis gefällt mir schonmal. Hat was von Final Space.

Manchmal überkommt mich Verzweiflung über meine Lage, doch ich sage mir stets
Das "doch ich sage mir stets" kann raus.
Es wirkt nicht schön, wenn man die Gefühle direkt benennt. Selbst abgenutzte Umschreibungen finde ich besser, wie zum Beispiel:
Manchmal weiß ich nicht einmal mehr, warum ich noch jeden Tag aufwache. Trotzdem ist es aber zu früh, um aufzugeben.
Ich würde dir empfehlen, den Text nochmal durchzugehen und alle genannten Gefühle zu umschreiben. Das machst du nämlich häufig. Hier zum Beispiel:
Ich bemühe mich um Fassung, doch koche innerlich vor Wut, dass ich die Knollen damit garen könnte.

Tropische Luft schlägt mir entgegen.
Woran merkt man den tropische Luft? Ist sie besonders warm oder feucht?

Eine männliche Stimme antwortet genervt. "Wann wirst du dir endlich meinen Namen merken."
Niemals, denke ich sarkastisch.
Die Stelle gefällt mir.

Machte sarastische
sarkastische

"Ist das nicht anstrengend?" No shit, Sherlock. "Nein, das ist unglaublich bequem, hock dich mal 'ne Stunde dahin."
"No shit, Sherlock" kann weg. Das ist sehr abgenutzt.

Zum Abendessen setze ich Vincent rohe Kartoffeln in blanker Schale vor, die Erde fein säuberlich abgekratzt.
Das ist schön.

Aber warum haben sich die anderen Systeme abgeschaltet? - Vincent! Wo ist er, was tut er?
Ich hatte persönlich das Gefühl, dass erst hier wirklich Spannung aufkommt. Das ist sehr spät.

Viele Grüße,
alexei

 
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Hallo Jellyfish,

obwohl ich kein Fan von Science Fiction bin, hat mir dein Text gut gefallen. Schon sehr besonders, wohin du die Geschichte verlegst und erfrischend, wie wenig die Hauptperson ans Aufgeben denkt. Ihre Wehrhaftigkeit stellt sie ja drastisch bei ihrer Schraubenzieherverteidigung unter Beweis - harter Tobak! Überhaupt ist das Ganze meiner Meinung nach gut aufgebaut, erst die Schilderung ihrer zum Teil selbst gestalteten Welt, dann das 'Einbrechen' des zweiten Verurteilten in diese und die sich daraus ergebende Spannung.

Die Tomatensamen hatte ich aus den Konservendosen gepuhlt und so lange angepflanzt, bis einer davon aufgesprungen ist.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass das funktionieren kann. Immerhin werden die Tomaten zur Konservierung auf 72-100 Grad erhitzt, da keimt bestimmt nix mehr.
"Ich bin unschuldig." Er verzieht das Gesicht - wie könne ich es nur wagen, das zu fragen. "Ich wurde angeschwärzt."
Die Formulierung finde ich nicht gut. Eher '- wie konnte ich es nur wagen, ...'
, solange ich meine Gefühle zurückkämpfe.
Hm, man kann sich ins Leben zurückkämpfen, aber hier passt der Begriff nicht. Vielleicht 'zurückhalte'?

Vom Aufbau und Stil her eine feine Sache, die ich gerne gelesen habe!

Viele Grüße
Eva

 
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Hallo @Lupius Mohnschein,

Mir sind gleich zu Beginn stilistisch jedoch einige Dinge negativ aufgefallen.

Danke! Ich bin wegen Satzlänge, inhaltlicher Trennung und Flow nochmal drübergegangen.

Ich erinnere mich zurück an Tage, an denen ich kein Wort mit ihm sprach. An denen er nach mir rief und mir erklärte, dass sie mich nicht hatten töten wollen - vorerst - doch sie müssten mich sicher verwahren, allerdings drehen Menschen unter Einsamkeit irgendwann durch, daher wurde er abgestellt, um mit mir zu reden.
Hier geht auch ein bisschen was zwischen indirekter Rede und direkter Wiedergabe des Gesagten durcheinander.
Huch, wieso schreibe ich denn sowas? Habe ich korrigiert.

Es wirkt teilweise, als fehlten Beschreibungen zwischen Ereignissen. Es folgt alles sehr schnell aufeinander.
Ich bin mir nicht sicher, welche Stellen du meinst. Möglicherweise resultiert das aus dem Konflikt, dass ich versuche, ein umfangreiches Setting noch auf der Länge einer Kurzgeschichte abzuhandeln.

Die HP befindet sich in einer lebensgefährlichen Situation und dennoch wirkt er geradezu gelassen.
Leute haben unterschiedliche Methoden, mit Krisen umzugehen. Studien mit Langzeit-Arbeitslosen zeigen, dass wenn sich die Menschen Zuversicht bewahren, dass ihre Lage bald ein Ende hat, sie mit der Situation besser klarkommen. In meiner Vorstellung würde ein anderer HP schnell depressiv werden, aufgeben und sterben. Die Situation ist nur mit etwas Galgenhumor zu meistern.

Zuerst laufe ich das gesamte Schiff ab, ob sich irgendwas verändert hat. Ein weiteres Solarpanel ist ausgefallen - Mist. Ich mache einen Abstecher zum Steuerraum und überlege, was ich als nächstes opfern kann. Die Dusche. Kalt duschen ist ohnehin gesünder.
Mir ist das etwas zu kühl.
Danke, ich habe da ein paar mehr subjektive Betrachtungen untergebracht.

Hallo @alexei,

Die Idee von einem Weltraumgefängnis gefällt mir schonmal. Hat was von Final Space.
Ich hatte vorher gegoogelt, ob es sowas ähnliches schon gibt und habe ein Gefängnis im Star Wars-Universum gefunden, das die Sonne umkreist, allerdings traditionell mit Wächtern und regelmäßigen Besuchen, aber ich wollte es möglichst ausbruchssicher. In der Zusammenfassung von Final Space finde ich kein Gefängnis. Vielleicht finde ich Zeit, mal reinzuschauen.

Ich würde dir empfehlen, den Text nochmal durchzugehen und alle genannten Gefühle zu umschreiben. Das machst du nämlich häufig.
Da gibt es eine längere Diskussion zu, die teilweise in die andere Richtung geht, dass man Gefühle nicht zu sehr umschreiben soll, weil es sonst theatralisch wirkt.
Siehe dazu:
https://emperorponders.blog/2019/01/18/tell-me-dont-show-me/
Ich habe geschaut, wo ich einige der Gefühle noch ergänzen kann.

Tropische Luft schlägt mir entgegen.
Woran merkt man den tropische Luft? Ist sie besonders warm oder feucht?
Deine Frage sagt mir, dass du dir unter "tropische Luft" schon das richtige vorstellen kannst. Da gibt es nicht viel Interpretationsspielraum. Allerdings habe ich hier die Challenge mal angenommen und versucht, es kreativer zu umschreiben.

Aber warum haben sich die anderen Systeme abgeschaltet? - Vincent! Wo ist er, was tut er?
Ich hatte persönlich das Gefühl, dass erst hier wirklich Spannung aufkommt. Das ist sehr spät.
Hm, vielleicht machen sich aufwendige Settings nicht gut in Kurzgeschichten.


Hallo @Eva Luise Groh,

Überhaupt ist das Ganze meiner Meinung nach gut aufgebaut, erst die Schilderung ihrer zum Teil selbst gestalteten Welt, dann das 'Einbrechen' des zweiten Verurteilten in diese und die sich daraus ergebende Spannung.
Danke. Da gehen hier die Meinungen auseinander und das sagt mir, dass es eine Geschmacksfrage ist und keine Schwäche meines Aufbaus.

Die Tomatensamen hatte ich aus den Konservendosen gepuhlt und so lange angepflanzt, bis einer davon aufgesprungen ist.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass das funktionieren kann. Immerhin werden die Tomaten zur Konservierung auf 72-100 Grad erhitzt, da keimt bestimmt nix mehr.
Ich habe in einer kurzen Internetrecherche nichts dazu gefunden, ob das mal jemand versucht hatte. Theoretisch, mathematisch gesehen, bewirkt jede Erhöhung um x Grad, dass y Prozent der Samen abgetötet werden. Der Anteil der keimfähigen Samen kann dadurch niemals auf null sinken. Daher habe ich mir die Freiheit genommen, zu behaupten, es wäre nach hundert-etwas Samen eins dabei gewesen, das die Erhitzung überlebt hat.

Danke für deinen Besuch. Die Kleinigkeiten habe ich behoben.

Viele Grüße
Jellyfish

 
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Hallo @Jellyfish ,

das ist ein schönes Stück SciFi. Ich habe mich so in die Geschichte vertieft, dass ich überhaupt nicht mehr nach Fehlern etc. gesucht habe. Ich glaube, dass das Deine Geschichte für mich die packendste war, die ich bisher bei den Wortkriegern gelesen habe.

Die Idee ist klasse: Außerirdische Roboter machen TV-Shows über Alien-Lebewesen und entführen dafür einen Mensch, der wehrt sich und wird deshalb zwangsexiliert. In einem Raumschiff nahe der Merkurbahn. Supercool. Naja, eher superheiß. :-)

Dann der tägliche Kampf ums Überleben, die Solarpanele, die ausfallen, die selbst angebauten Pflanzen etc. Ich spüre einen Hauch von "Der Marsianer". Dann die Ankunft eines anderen Menschen, die Steigerung - erst ist er nicht hilfreich, dann bedrohlich, am Schluss steht sie mit weniger da, als vorher. Dass Deine Protagonistin eine Frau ist, habe ich erst spät verstanden. Das gibt der Geschichte einen schönen Twist.

Also alles richtig gemacht. Toller Text.

Beim zweiten Durchlesen habe ich doch ein paar Stolpersteine gefunden (zu denen, die schon genannt worden).

Doch Vincent greift mit breit ausgestreckten Armen das Solarpanel, stemmt es mit unglaublicher Kraft hoch und lehnt es an die Wand, wobei ein paar lockere Teile runterfallen und er auf einen - glücklicherweise - kaputten Kondensator tritt, der sich knirschend unter dem Gewicht in seine Bestandteile zerlegt.
In Solarpanels gibt es i.d.R. keine Kondensatoren, die auf diese Art heraus fallen können. Das ist Halbleitertechnik, nicht Kondensator-Technik. Diese Szene ist zwar für die Story gut, weil sie Vincent und Seldra in ihren unterschiedlichen Mindsets zeigen, aber technisch nicht ganz korrekt. (Wird aber den meisten Lesern vermutlich nicht ausfallen und kann ja auch als Ausdruck der ganz anderen Alien-Technik gesehen werden. )

Ich bemühe mich um Fassung, doch koche innerlich vor Wut, dass ich die Knollen damit garen könnte.
Müsste vor das 'dass' nicht irgendwo ein 'so sehr'?

Er schaut zur Decke, krallt sich selbst in die Muskeln seines Nackens, wie um sich durch Schmerzen aus dem Albtraum zu erwecken, doch auch das ist kein Ausweg.
Das gefällt mir. Macht ihn in seiner Zerrissenheit deutlich.

Oh nein, er hat doch nicht ... "Hast du etwa brühend heiß geduscht???" Auf die Entfernung höre ich nur ein dumpfes Murmeln als Antwort. Was für ein Schwachkopf.
Eigentlich sollte es in einem Schiff, dass auf diese Art der Sonne ausgesetzt ist, nicht schwierig sein, heißes Wasser zu produzieren. Allein die Kühlung würde ja wieder Wärme abstrahlen, selbst wenn ein Rohr im (partiellen) Sonnenlicht nicht funktioniert. Aber wieder - das würden viele Leser, die nicht so Physik-Nerds sind wie ich, evtl. nicht merken.

Dann öffnet sich die Klappe und schiebt die Kapsel Richtung Sonne davon, der ich wie mit Eis in meinem Inneren hinterhersehe.
"wie mit Eis in meinem Inneren"? Der Satz klingt irgendwie holperig. Evtl.:

".. und schiebt die Kapsel in Richtung Sonne davon. Ich sehe ihr hinterher, mein Inneres wie eingefroren. Allerdings überzeugt mich das "Eisige" auch emotional nicht. Aufgefühlt, resigniert, verwirrt, gefühllos ... das würde für mich persönlich u.U. besser passen.

Nein, nichts ist in Ordnung. Mir ist weder nach Streit, noch nach weiteren Gesprächen. Stille senkt sich auf das Schiff. Hier sitze ich nun in meinem Reich des Chaos' und der Zerstörung, doch noch immer ist es zu früh, um aufzugeben und ich sehne den Tag herbei, an dem ich sie alle mit bloßen Händen auseinandernehmen werde.
Schöner Schluss.

Gerne gelesen und kommentiert.
Liebe Grüße, Gerald

PS: Der Kern der Geschichte hat etwas von "Die Wand" (M. Haushofer). Anderes Setting aber die gleiche Frage nach dem Überleben und dem Kampf gegen die Einsamkeit ,auch wenn Deine Protagonistin anders damit umgeht.

 
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Nochmal ganz kurz @Jellyfish und @C. Gerald Gerdsen:

Jellyfish schrieb:


Oh nein, er hat doch nicht ... "Hast du etwa brühend heiß geduscht???" Auf die Entfernung höre ich nur ein dumpfes Murmeln als Antwort. Was für ein Schwachkopf.
C. Gerald Gerdsen schrieb: "Eigentlich sollte es in einem Schiff, dass auf diese Art der Sonne ausgesetzt ist, nicht schwierig sein, heißes Wasser zu produzieren. Allein die Kühlung würde ja wieder Wärme abstrahlen, selbst wenn ein Rohr im (partiellen) Sonnenlicht nicht funktioniert. Aber wieder - das würden viele Leser, die nicht so Physik-Nerds sind wie ich, evtl. nicht merken."

Also mich, seinerzeit immer mal bei 1 - 3 Punkten in Physik hindümpelnd :lol:, hat das auch gewundert und ich hatte nur vergessen, es im Kommentar zu erwähnen.

 
Monster-WG
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Hallo @Jellyfish :-)

Science-Fiction scheint ja hier im Forum wieder beliebter zu werden :-) Deinen Text habe ich gerne gelesen. Ich beschreibe Dir einfach mal meinen Eindruck. Dein Setting ist reduziert, eine Art Raumschiff-Gefängnis, das sich in einer sehr engen Umlaufbahn um die Sonne befindet. Obwohl du es nie beschreibst, scheint dieses Gefängnis seine Umlaufbahn immer enger zu ziehen. Das Raumschiff zerfällt. Dein Charakter versucht, die wenigen vorhandenen Mittel kreativ einzusetzen. Sie kann ein Raumschiff reparieren und ist zur Improvisation fähig. Weite Teile des Raumschiffs dienen ihren überlebensnotwendigen Projekten: Das Gewächshaus (warum Anführungsstriche?), die Zeitmaschine. Du deutest an, dass sie beobachtet wird, sie Teil eines Spiels oder einer Show ist.

Die Figur deiner Geschichte macht auf mich einen kreativen, kämpferischen, starken Eindruck, die vom Überlebenswillen angetrieben wird. Sie kann gewalttätig sein und kann auch töten; ob sie nur aus Notwehr Vincent tötet oder auch aus anderen Gründen, bleibt unklar. Sie scheint an ihrem Handeln nicht zu zweifeln. Über Moral, Glauben, Identität erfahren wir nichts. Ebenfalls erfahre ich nichts über die Gründe der Haft. Der Erzählton ändert sich nicht, die angesprochene kämpferische Seite bleibt über den Text erhalten. Emotionen oder Zweifel, auch das Ringen mit ihrer eigenen Lage, scheinen ihr fremd zu sein. Sie wirkt konzentriert.

Als einzige Fluchtmöglichkeit scheint eine Zeitmaschine zu dienen. Letzter Aspekt taucht im Text sehr spät auf. Du könntest die Arbeit an ihr früher im Text erwähnen. Seldras Tagesablauf stelle ich mir so vor: Notwendige Arbeiten am Lebenserhaltungssystem (Gewächshaus, Elektrizität) und so viel Zeit wie Energie in diese Zeitmaschine stecken. Sind die Arbeiten weit fortgeschritten? Ist das Arbeiten an einer Zeitmaschine für Seldra extrem herausfordernd oder mit guten technischen Kenntnissen machbar? Hat Vincent Kenntnisse zum Bau dieser Maschine, die notwendig sind? (zum Beispiel weiß er eine bestimmte mathematische Formel?).

Ich finde das Setting ausgesprochen stark. Vielleicht hast du ja Lust, die Geschichte weiter auszubauen. Ein paar Anregungen:

Ich erwache in der gleichen drückenden Stille wie jeden Tag, um mich her nur das graue Metall des Raumschiffs. Kalt, leer. Manchmal möchte ich mich hinsetzen, in einer kalten Ecke verkriechen. Verdursten, auf mein Ende warten. Doch ich reiße mich zusammen. Es ist zu früh, um aufzugeben.
Vielleicht Punkt nach "Tag", sowas wie: Ich erwache in der gleichen drückenden Stille wie jeden Tag. Bevor ich meine Augen öffne, lege ich meine Hand auf das graue Metall der Wand.
Vlt auch: "Ich gebe nicht auf".

Doch erstmal ist es Zeit für meine Morgenroutine. Ich laufe das gesamte Schiff ab, suche nach Auffälligkeiten. Die Anzeigen im Steuerraum melden, dass ein weiteres Solarpanel ausgefallen ist. Wie eine Seuche kriechen Ausfälle langsam über das Schiff, fressen unaufhaltsam an dem Wrack, das meine Welt darstellt.
Die Sonne scheint wenig in deiner Geschichte. Okay, nach diesem Wortspiel zurück zum Futter: Du beschreibst später (für mich die beste Szene) exakt die Umlaufbahn, aber ich erfahre nichts über die physikalische Wirkung der Sonne auf das Raumschiff. Hitze, Strahlung, Gravitation - diese extremen Kräfte könntest du viel stärker in deine Geschichte einbauen.

Den ersten Satz - der klingt für mich sehr lapidar. "Doch erstmal trinken wir einen Tee und dann gucken wir mal weiter." Vlt etwas konkreteres? Jeden Tag die Morgeninspektion.

Mein Finger schwebt über dem Bildschirm, ein Teil der bereitgestellten Energie verschwindet in einem Knick.
Hier vlt präziser: In einer Schlauchwindung, aus dem Leck eines Isolierkabels ...
Die Tomatensamen hatte ich aus den Konservendosen gepuhlt und so lange angepflanzt, bis einer davon aufgesprungen ist. Kartoffeln und Zwiebeln nahmen sich im Vergleich dazu trivial aus. Nun stehen die Pflanzen in metallenen Kisten, die vormals im Lager dienten.
Ihren kreativen Umgang, notwendig kreativen Umgang in dieser lebensfeindlichen Umwelt, fand ich sehr interessant. Ist das auch plausibel? Daran wird sich deine Geschichte messen lassen müssen.
Die Bohnen waren getrocknet mit der Lebensmittellieferung gekommen - natürlich waren sie zum Essen gedacht und nicht zum Anbauen, doch da kann ich mich nicht drauf verlassen. Was, wenn die Lieferung einmal ausbleibt?
Vlt ersten Satz aktiv schreiben. Blieb die Lieferung schon mal aus? Was hat sie dann gemacht?
Also habe ich mittlerweile die Luftaufbereitungsanlage runtergeregelt und bekomme einen Teil meines Sauerstoffs von den Pflanzen.
Vlt mehr technische Sprache: Ich habe die Luftaufbereitung neu programmiert und den Kondensator umgeregelt. Die Sonne beeinträchtigt seine Leistung, der Kondensator droht seit Wochen zu überhitzen. Ich halte ihn aus den Resten einer Dose Flüssigstickstoff stabil.
"Margret?"
Nichts.
Ich erinnere mich zurück an Tage, an denen ich kein Wort mit ihm sprach. An denen er nach mir rief und mir erklärte, dass sie mich nicht hatten töten wollen, doch sie konnte mich nach allem, was ich getan hatte, nicht frei herumlaufen lassen. Er hatte die Aufgabe, mit mir zu reden, damit ich unter der Einsamkeit nicht durchdrehte.
Spontane Idee: Hat Marget Bewusstsein? Ist er auf dem Raumschiff auch eingesperrt worden?
Aufgrund der Nähe zur Sonne müssen Lieferungen im Schatten des Raumschiffs in einer wohlkalkulierten Umlaufbahn anfliegen.
Müssen das Raumkapseln nicht immer?
Ein kräftig gebauter Mann mit großen Muskeln, mit kahlrasiertem Kopf und mehreren Tattoos auf den Armen.
Hm, vlt weniger Klischees?
Dann hole ich einen Schraubenzieher und baue die Antriebe aus. Natürlich ist es ein Wegwerfmodell, der Treibstoff punktgenau berechnet, sodass kein Tropfen nach dem Andocken übrig bleibt, den ich zu einer abenteuerlichen Flucht verwenden könnte.
Der Schraubenzieher ist ein wichtiges Detail. Vlt früher einbauen? Trägt sie ihn immer mit sich? Legt sie ihn unter das Kopfkissen beim Schlafen? Und hat sie wirklich keine Arbeit für Vincent? Das Raumschiff scheint ja riesig zu sein ...
Leider teilt er meinen Humor nicht. "Wo bin ich? Wo liegt das?"
Zur Antwort male ich unsichtbare Linien auf den blanken Boden. "Das ist unser Sonnensystem. Hier kreist die Erde."
Ich male einen engeren Kreis. "Hier kreist Merkur."
Und einen winzig kleinen Kreis. "Und hier dieses Raumschiff."
"Ein Raumschiff?" Er lacht laut auf, kalt und spöttisch. "Als ob. Wo sind wir wirklich?"
Ich warte mit ernstem Gesicht, bis er fertig gelacht hat. Verschieben wir den Punkt auf später.
Er sagt, sein Name sei Vincent. Ich frage ihn, was er getan hat.
"Nichts."
Finde ich eine sehr gute Stelle.
Mein Mundwinkel verzieht sich süß-sauer.
Hm, das Adverb ist derartig systemgastronomisch kontaminiert ...
Dieses verwöhnte Luxuskind versucht sich nicht mal an dem Hindernis, tz.
Würde ich streichen.
Dumpf wird eine Hand auf dem Rahmen aufgelegt.
Oh nein, er hat doch nicht ...
Würde ich auch streichen. Die Situation scheint mir unmittelbar genug.
biege ihn grausam nach hinten.
Vlt auch streichen. Das ist eine Wertung, in der Kampfszene könntest du dich nur auf das Körperliche beziehen.
"Niemand fässt mich ohne Erlaubnis an." Ich nehme ein paar Handgriffe vor, drücke Knöpfe, betätige Hebel und Schalter, beschmiere sie mit Rot. Die Transportkapsel wird von einem Greifarm in die Schleuse befördert. Ich schaue zu, als die Luft abgesaugt wird. Dann öffnet sich die Klappe und schiebt die Kapsel Richtung Sonne davon, der ich wie mit Eis in meinem Inneren hinterhersehe, emotionslos, es musste gemacht werden.
Vlt stärker ihre Genugtuung darstellen?

Das war's!
Lg
kiroly

 
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Keine Frage, der Text ist gut geschrieben. So selten ich mich hier in dem Forum umschaue, so groß meine Hoffnung natürlich, dass mich ein Text, der mich nicht schon mit dem Eingangssatz in die Flucht schlägt, über die ganze Länge unterhält. Wohl denn, diesen Bewertungsmaßstab angelegt, hat mir deine Geschichte gefallen.

Die Prota ist hartgesotten. Wenn beabsichtigt ist, den Leser so lange darüber im Unklaren zu lassen, ob er einen oder eine Prota vor sich hat – wow, das ist dir gelungen. Für mich war der erste Hinweis zum Geschlecht der Hauptfigur: "Lügnerin". Aber schon "etwas Gesellschaft" konnte durchaus ironisch auf die Ankunft eines Sexualpartners hindeuten.

Den Vergewaltigungstwist fand ich durchaus etwas plump. Wann immer, hab ich das Gefühl, in der Literatur, im Theater oder im Film Mann und Frau miteinander zu tun bekommen, läuft es auf diese Beziehungsebenen hinaus. Eine Ausnahme kenne ich leider nur: Lost in translation. In dem Film mit Bill Murray und Scarlett Johannson befindet sich der Sex allenfalls im Kopf des Zuschauers – imaginäre Handlungsalternativen –, und deshalb wird der Film auch gleichzeitig so geliebt und gehasst und langweilig gefunden. Meine Hoffnung, dass auch diese Geschichte den Sex in den Kopf des Zuschauers verlagert, weil es eigentlich um eine wichtigere Sache geht, währte leider nur kurz. Denn Selbstversorgung wird in Zukunft für uns alle eine wichtige Sache sein. Vielleicht waren meine Erwartungen an die Geschichte aber einfach etwas hehr.

Aber genauer betrachtet stehen die Grundprämissen der Geschichte auf tönernden Füßen. Da wäre etwa die Frage, warum man eben mal einen Menschen ins All schießt, um erst dort so ne Art Truman Show mit ihm abzuziehen. Auch auf Erden könnte man ihm die Hölle bereiten. Oder auch einfach umbringen. Physikostenutzenrechnung.
Okay, also wird einer in der Sonnenumlaufbahn gefangenen Frau ein schnöder Weichei-Vergewaltiger geschickt. Dass wird schon Kalkül gewesen sein. Hätten ihn ja auch sterilisieren können. Und das wegen einer Show. Gladiatorkämpfe ist ja nur was für Römer. Also das ist schon etwas absurd. Auch nur ein Quentchen weiter, und die Geschichte hätte mir nur noch ein paar Ja-jas abnötigen können.

Mithin, wie ein einzelner Mensch, der zumal gar nicht dafür ausgebildet wurde, ein Raumschiff am Laufen halten kann. Kann dann auch gleich in Lichtgeschwindigkeit fliegen. Aber wer eine Zeitmaschine bauen kann, der kann auch das. Nicht die Absurdität stört-amüsiert mich, sondern der Mangel an Ironie, diese Ernsthaftigkeit. Wenn mir aber die himmelschreiende Ironie der Story auch einfach nur nicht aufgefallen sein sollte (Schraubenzieher ... hm, für ein Raumschiff ... könnte sein, tja), stell ich mich jetzo ne Weile in die Schamecke.

 
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Hallo @C. Gerald Gerdsen,

das ist ein schönes Stück SciFi. Ich habe mich so in die Geschichte vertieft, dass ich überhaupt nicht mehr nach Fehlern etc. gesucht habe. Ich glaube, dass das Deine Geschichte für mich die packendste war, die ich bisher bei den Wortkriegern gelesen habe.
Das freut mich außerordentlich! Ich habe nicht damit gerechnet, dass das jemand so sieht, wo doch einige gute Geschichten hier herumschwirren.

Doch Vincent greift mit breit ausgestreckten Armen das Solarpanel, stemmt es mit unglaublicher Kraft hoch und lehnt es an die Wand, wobei ein paar lockere Teile runterfallen und er auf einen - glücklicherweise - kaputten Kondensator tritt, der sich knirschend unter dem Gewicht in seine Bestandteile zerlegt.
In Solarpanels gibt es i.d.R. keine Kondensatoren, die auf diese Art heraus fallen können. Das ist Halbleitertechnik, nicht Kondensator-Technik. Diese Szene ist zwar für die Story gut, weil sie Vincent und Seldra in ihren unterschiedlichen Mindsets zeigen, aber technisch nicht ganz korrekt. (Wird aber den meisten Lesern vermutlich nicht ausfallen und kann ja auch als Ausdruck der ganz anderen Alien-Technik gesehen werden. )
Hier hat mich Google im Stich gelassen. :( Ich habe nicht die Informationen in dem Detailgrad gefunden, wie ich sie teilweise gebraucht hätte. Da es nur eine Kurzgeschichte ist, habe ich irgendwann einen Punkt gemacht und mir selbst die Details ausgedacht.


Oh nein, er hat doch nicht ... "Hast du etwa brühend heiß geduscht???" Auf die Entfernung höre ich nur ein dumpfes Murmeln als Antwort. Was für ein Schwachkopf.
Eigentlich sollte es in einem Schiff, dass auf diese Art der Sonne ausgesetzt ist, nicht schwierig sein, heißes Wasser zu produzieren. Allein die Kühlung würde ja wieder Wärme abstrahlen, selbst wenn ein Rohr im (partiellen) Sonnenlicht nicht funktioniert. Aber wieder - das würden viele Leser, die nicht so Physik-Nerds sind wie ich, evtl. nicht merken.
In der Tat habe ich theoretische Berechnungen für die bereitgestellte Energie der Solarpanels und den Bedarf der verschiedenen Verbraucher angestellt. Bei dem Verbrauch der Kühlung bei der Nähe zur Sonne wären die paar Grad Erwärmung für die Dusche komplett irrelevant. Ich brauchte irgendwas, wo Vincent über die Strenge schlägt, weil er den Ernst der Lage nicht begreift, in Kombination mit seiner von der Gesellschaft gewohnten Bequemlichkeit. Also erkläre ich es mir mit einer Rückkopplung: Die Dusche versucht, das Wasser zu erhitzen, die Kühlung reagiert darauf und verstärkt die Kühlleistung, woraufhin die Dusche die Hitze weiter aufdreht usw.
Ich habe die Erklärung hinzugefügt.

Dann öffnet sich die Klappe und schiebt die Kapsel Richtung Sonne davon, der ich wie mit Eis in meinem Inneren hinterhersehe.
"wie mit Eis in meinem Inneren"? Der Satz klingt irgendwie holperig. Evtl.:
".. und schiebt die Kapsel in Richtung Sonne davon. Ich sehe ihr hinterher, mein Inneres wie eingefroren. Allerdings überzeugt mich das "Eisige" auch emotional nicht. Aufgefühlt, resigniert, verwirrt, gefühllos ... das würde für mich persönlich u.U. besser passen.
Okay, ich versuche es mal mit Leere im Inneren und habe die Satzteile getrennt.

PS: Der Kern der Geschichte hat etwas von "Die Wand" (M. Haushofer). Anderes Setting aber die gleiche Frage nach dem Überleben und dem Kampf gegen die Einsamkeit ,auch wenn Deine Protagonistin anders damit umgeht.
Danke für den Literaturhinweis! Die Wand ist auf meine Leseliste gewandert.


Hallo @Eva Luise Groh,

danke, ich habe eine Erklärung hinzugefügt.

Hallo @kiroly,

Als einzige Fluchtmöglichkeit scheint eine Zeitmaschine zu dienen.
hier ist wohl etwas schiefgelaufen, vielleicht hätte ich den "no Shit, Sherlock"-Hinweis nicht entfernen sollen? Seldra baut keine Zeitmaschine. Sie blödelt nur herum, weil Vincent so offensichtliche Fragen stellt.

Irgendwann sucht er mich am Solarpanel auf. Ich erhebe mich aus der Hocke, strecke meinen steifen Rücken, dass es knackt und hocke mich wieder hin.
"Was machst du da?", fragt er schließlich.
"Ich baue eine Zeitmaschine." Das sage ich mit vollem Ernst in der Stimme. Wonach sieht es wohl aus?
Ich dachte, ich hätte die Ironie hier deutlich genug kennzeichnet. Nun habe ich ein "versuche nicht zu lachen" an der Stelle eingefügt.

Ebenfalls erfahre ich nichts über die Gründe der Haft.
Lange Vorgeschichte. Das ist Teil meines Multi-Crossover-Universums. Ich habe mit der Idee gespielt, dass sie sie umbringen, aber jedes Mal stellte sich heraus, dass sie irgendwelche Geheimnisse hatte, die damit unwiederbringlich verlorengehen würden. Mit dieser Geschichte verfolge ich die Möglichkeit, dass sie sie unter sicherer Verwahrung am Leben lassen.
Da ich die ewig lange Vorgeschichte hier nicht unterbringe, macht sie diese Andeutungen, dass sie deren Planeten angezündet hätte, eins ihrer Raumschiffe auseinander genommen und dass sie weiß, wie man sie umbringt. Ich hatte gehofft, dass das - insbesondere, um den Umfang einer KG einzuhalten - ausreicht.

Ich finde das Setting ausgesprochen stark. Vielleicht hast du ja Lust, die Geschichte weiter auszubauen.
Danke. Die Inspiration will auch lieber Romane schreiben. :heul: Aber ich möchte auch den Beschwerden vorbeugen, meine Geschichten wären zu lang.

Ich habe mich von deinen Anmerkungen zu ein paar kleineren Korrekturen inspirieren lassen.

Mein Finger schwebt über dem Bildschirm, ein Teil der bereitgestellten Energie verschwindet in einem Knick.
Hier vlt präziser: In einer Schlauchwindung, aus dem Leck eines Isolierkabels ...
Auch ein Missverständnis. Es war ein Knick in einem Diagramm gemeint. Ich habe das mehr verdeutlicht.

Also habe ich mittlerweile die Luftaufbereitungsanlage runtergeregelt und bekomme einen Teil meines Sauerstoffs von den Pflanzen.
Vlt mehr technische Sprache: Ich habe die Luftaufbereitung neu programmiert und den Kondensator umgeregelt. Die Sonne beeinträchtigt seine Leistung, der Kondensator droht seit Wochen zu überhitzen. Ich halte ihn aus den Resten einer Dose Flüssigstickstoff stabil.
Ich habe mal einen Roboter zusammengelötet und kann zumindest mit Kondensatoren, Leiterbahnen und Dioden etwas anfangen. Das, was du schreibst, übersteigt meinen Horizont und klingt random für mich. Vielleicht suche ich mir auf der nächsten Studentenparty jemanden aus dem Technik-Bereich, den ich mit Fragen für die Geschichte löchern kann. Ich kann nichts versprechen.

Die Tomatensamen hatte ich aus den Konservendosen gepuhlt und so lange angepflanzt, bis einer davon aufgesprungen ist. Kartoffeln und Zwiebeln nahmen sich im Vergleich dazu trivial aus. Nun stehen die Pflanzen in metallenen Kisten, die vormals im Lager dienten.
Ihren kreativen Umgang, notwendig kreativen Umgang in dieser lebensfeindlichen Umwelt, fand ich sehr interessant. Ist das auch plausibel? Daran wird sich deine Geschichte messen lassen müssen.
Ich habe bei meinen Recherchen nichts darüber gefunden, ob das mit Konserventomaten geht und mich daher entschlossen, es aus mathematischen Gründen zu behaupten. Wenn sich beispielsweise die Keimfähigkeit alle x Grad halbiert, wird sie nur immer kleiner, niemals 0. Also sollte nach genug Versuchen ein Samen dabei sein, der noch keimt.

Spontane Idee: Hat Marget Bewusstsein? Ist er auf dem Raumschiff auch eingesperrt worden?
Er ist ein Condigitianer, ein Mitglied der Roboter-Spezies, und steht über Funk in Kontakt mit dem Raumschiff. Er ist für die Lieferungen verantwortlich. Ich weiß nicht, was ich noch machen soll, außer den bereits existierenden Andeutungen dahin, ohne den Rahmen zu sprengen.

Und noch mehr Kleinigkeiten habe ich übernommen. Danke für deinen Besuch!


Hallo @wörtherr,

Den Vergewaltigungstwist fand ich durchaus etwas plump.
Ehrlich gesagt finde ich das auch, andererseits war es das naheliegendste. Es musste jemand sein, der lebenslänglich bekommen hat. Ein Betrüger hätte sich auf der Länge einer Kurzgeschichte nicht gut gemacht.

Denn Selbstversorgung wird in Zukunft für uns alle eine wichtige Sache sein.
Ich habe einst in einem Wohnheim gewohnt, wo einmal das Wasser ausfiel. Ich habe mir gleich das restliche Trinkwasser aus der Gemeinschaftsküche gesichtert (Wasserkocher). Nebenan lief ein Nachbar alle 5 Minuten in die Gemeinschaftsküche, um testweise den Wasserhahn aufzudrehen, obwohl jedes Zimmer ein eigenes Bad inklusive Wasseranschluss hat. Auf dem Flur sammelten sich die Bewohner zum Quatschen und sich beschweren. Mir haben sie blöd hinterhergeschaut, als ich mit dem Eimer zum Fluss ging, um Wasser zu holen. Ich hatte mir gedacht, wenn das Wasser länger ausfallen würde, würden die einfach in ihren Zimmern sitzen und sterben.

Vincent symbolisiert für mich Leute wie diese, die es gewohnt sind, dass sie alle Bequemlichkeiten vorgesetzt bekommen und nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen, wenn es mal nicht so ist, die die Lage nicht mal richtig einschätzen.

Da wäre etwa die Frage, warum man eben mal einen Menschen ins All schießt, um erst dort so ne Art Truman Show mit ihm abzuziehen.
Hier gibt es keine Truman-Show und mir ist schleierhaft, wo der Eindruck entsteht.

Auch auf Erden könnte man ihm die Hölle bereiten. Oder auch einfach umbringen. Physikostenutzenrechnung.
Lange Vorgeschichte. Das ist Teil meines Multi-Crossover-Universums. Ich habe mit der Idee gespielt, dass sie sie umbringen, aber jedes Mal stellte sich heraus, dass sie irgendwelche Geheimnisse hatte, die damit unwiederbringlich verlorengehen würden. Mit dieser Geschichte verfolge ich die Möglichkeit, dass sie sie unter sicherer Verwahrung am Leben lassen.
Ich habe versucht, mich hier auf die Länge einer Kurzgeschichte zu beschränken und all die Details sind daher unter den Tisch gefallen.
Das andere Anliegen war, dass ich versucht habe, ein möglichst ausbruchssicheres Gefängnis zu konstruieren. Daher kam ich auf das Raumschiff in Sonnennähe, ohne Wächter, wo Lieferungen hineingelangen, aber nur zur Sonne hinaus. Auf der Erde gibt es zu viele Möglichkeiten, hinauszugelangen.

Mithin, wie ein einzelner Mensch, der zumal gar nicht dafür ausgebildet wurde, ein Raumschiff am Laufen halten kann. Kann dann auch gleich in Lichtgeschwindigkeit fliegen. Aber wer eine Zeitmaschine bauen kann, der kann auch das.
Es gibt hier keine Zeitmaschine. Seldra hat rumgeblödelt, weil Vincent so offensichtliche Fragen gestellt hat. Ich habe versucht, ihre Ironie noch deutlicher zu kennzeichnen.
Die Prota hat in der langen Vorgeschichte ständig mit technischen Basteleien zu tun gehabt.

stell ich mich jetzo ne Weile in die Schamecke.
Bitte nicht. :lol:
Ich bin nach 10 Jahren Pause nach Wortkrieger zurückgekommen, weil hier die Leute offen ihre Meinung sagen. Wenn du was nicht verstanden hast, dann ist es erstmal meine Schuld.

Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich denke darüber nach, wie ich mit der Sache umgehe, dass es einen Eisberg an Vorgeschichte gibt, ohne den manche Details einer KG keinen Sinn ergeben. Die paar Andeutungen scheinen nicht zu genügen.


Viele Grüße
Jellyfish

 
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Nachtrag dazu: Ich finde, die Vorgeschichte ist klar genug angedeutet. Ich hatte sie verstanden. Und ich würde - bei jeder Gelegenheit - mehr aus diesem Universum lesen wollen.

Nur mal so kurz als Anmerkung. Die Änderungen, die Du eingebaut hast, tun der Geschichte trotzdem gut. Die Geschichte mit der Kühlung und der Dusche ist jetzt schlüssig und ich finde die Kombination aus "er duscht zu heiß" und bringt alle in Gefahr (1. Konflikt) und sie duscht kalt und er versucht sie zu vergewaltigen (2. Konflikt mit tödlichem Ausgang) ziemlich gelungen.

Und ein paar Details sind mir noch aufgefallen:

Ich erwache in der gleichen drückenden Stille wie jeden Tag. Um mich her nur das graue Metall des Raumschiffs. Kalt, leer. Manchmal möchte ich mich hinsetzen, in einer kalten Ecke verkriechen. Verdursten, auf mein Ende warten. Doch ich reiße mich zusammen. Es ist zu früh, um aufzugeben. Ich werde einen Weg hinausfinden, sie werden schon sehen. Und dann können sie was erleben. Ich greife zu dem Alien-Schraubenzieher, der an einer Schnur um den Hals hängt, umfasse ihn fest wie eine Waffe.
Der Anfang hat gewonnen. Eindeutig.

Nach Verdursten könntest Du noch "oder verbrennen" einbauen. Denn die Sonne ist ja die Hauptgefahr im "Hotel Apricari".

"Alien-Schraubenzieher". Gute Idee, die Roboter hier schon einzufügen. "Alien" ist aber - glaube ich - zu offensichtlich für den Leser geschrieben. Sie selbst würde vermutlich anders reden. Ich würde hier noch einfach "Schraubenzieher" lassen.

Und das "fest" kannst Du streichen. Gibt keine zusätzliche Information. Einfach "wie eine Waffe".

Wie eine Seuche kriechen Ausfälle langsam über das Schiff, fressen unaufhaltsam an dem Wrack, das meine Welt darstellt. Mein Finger schwebt über dem Bildschirm, über der Linie, die den Zeitverlauf der bereitgestellten Energie darstellt. Ein Teil davon verschwindet über Nacht "ohne dass ich weiß, wo". Ich überlege, welchen Verbraucher ich als nächstes opfern kann, um den Rest am Leben zu halten. Die Dusche. Kalt duschen ist ohnehin gesünder.
"Wie eine Seuche ..." das ist ein großartiger Satz.
Den "Knick" lass einfach weg. Er ist für manche Leser offensichtlich verwirrend.

Ich erinnere mich zurück an Tage, an denen ich kein Wort mit ihm sprach. An denen er nach mir rief und mir erklärte, dass sie mich nicht hatten töten wollen, doch sie konnte mich nach allem, was ich getan hatte, nicht frei herumlaufen lassen. Er hatte die Aufgabe, mit mir zu reden, damit ich unter der Einsamkeit nicht durchdrehte.
Der Absatz ist klasse, weil er eine lange "gemeinsame" Zeit andeutet.

Doch erstmal ist es Zeit für meinen morgendlichen Bericht. Punkt zehn Uhr hocke ich auf der Steuerkonsole und flöte einen aufgesetzt fröhlichen Gruß in das Mikrofon.
Mikrofon des Transmitters oder in das Funkgerät. Dann wäre allen klar, dass "Margret" nicht mit im Raumschiff ist.

Sie haben ein Hibernationsmodul ins Halsband eingebaut.
Ich drücke auf den Knopf.
Der Mann reißt die Augen auf. Sieht mich, will aufspringen, doch stürzt zu Boden. Die Muskeln sind kalt und müssen sich erst aufwärmen. Das Halsband wird seine Körperfunktionen langsam hochregeln.
Cool.

"Ich bin unschuldig." Er verzieht das Gesicht - wie konnte ich es nur wagen, das zu fragen. "Ich wurde angeschwärzt."
Das "es" kann weg.

Verschieben wir den Punkt auf später.
Er sagt, sein Name sei Vincent.
Sie hat sich nicht vorgestellt. Aber er nennt ganz am Schluss ihren Namen.

Condigitianische Technologie. Schieber nach vorne baut zusammen, nach hinten nimmt auseinander. Der Schraubenzieher weiß von selbst, was er tun soll.
Gut eingeführt.

Der Mann schaut mich mit einem breiten, fast kindlich-naivem Lächeln an, das bei meinem Aufschrei förmlich stirbt und einer tiefen Enttäuschung weicht. Als wäre das Lächeln wie der Kondensator zerbrochen. "Dann musst du dich nicht mehr runterbeugen. Ist schlecht für den Rücken."
Das förmlich kann/sollte weg. "Als wäre das Lächeln zerbrochen wie der Kondensator. Sonst müsstest Du zwei Kommata setzten.

Aber insgesamt ist der Absatz jetzt besser.

Habe ich ihm nicht erklärt, dass sich bei dieser Nähe zur Sonne Kühlung und Erhitzung gegenseitig hochschaukeln, weil ich die Justierung durch den Bordcomputer abgeschaltet habe? Was für ein Schwachkopf.
Das ist besser. Nur Erhitzung ist ein sperriges Wort. ... Kühlung und Heißwasser gegenseitig ...

"Ich habe dir nicht die Steuerung gezeigt, um deinen Luxusarsch zu verwöhnen."
Ich habe dir die Steuerung nicht gezeigt, ...

Das nicht muss weiter nach hinten. Ansonsten gute Ergänzung.

Aber ich habe ihm von dem Gewächshaus nichts erzählt. Ist es das wert, den Grad meiner Selbstständigkeit zu offenbaren? Nachher erfahren sie noch von meinen Anstrengungen einer Flucht und finden ein noch strengeres Gefängnis für mich.
Hier könntest Du eventuell einbauen, was Du in einem Kommentar geschrieben hast: Dass 'sie' unter Umständen auf die Idee kommen könnten, dass auch ihr Wissen / Geheimnis diesen ganzen Aufwand nicht wert ist.

Er sieht mich verletzt an, fast schon ... zerbrochen. Wie das Panel, auf das in stummer Anklage sein Blick fällt.
Dann stürmt er wie ein Stier auf mich zu, das Gesicht wütend verzerrt, stößt Luft durch die Nase.
Zerbrochen als Metapher hattest Du schon. Dann mach die Wiederholung deutlich.
Er sieht mich verletzt an, wieder dieser zerbrochene Ausdruck. Wie das Panel, auf das ...

Und den Umschwung von Verletzung zu Wut eventuell noch deutlich machen. Dann ist der verletzliche Moment vorbei und die Wut flammt in seinem Gesicht auf. Er stürmt auf mich zu wie ein Stier.

Deine Geschichte wird immer besser.

Liebe Grüße,
Gerald

 
Monster-WG
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10.07.2019
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256

Ich finde das Setting ausgesprochen stark. Vielleicht hast du ja Lust, die Geschichte weiter auszubauen.
Danke. Die Inspiration will auch lieber Romane schreiben. :heul: Aber ich möchte auch den Beschwerden vorbeugen, meine Geschichten wären zu lang.
Vielleicht eine Serie erstellen?
Also habe ich mittlerweile die Luftaufbereitungsanlage runtergeregelt und bekomme einen Teil meines Sauerstoffs von den Pflanzen. Erweitern ... Vlt mehr technische Sprache: Ich habe die Luftaufbereitung neu programmiert und den Kondensator umgeregelt. Die Sonne beeinträchtigt seine Leistung, der Kondensator droht seit Wochen zu überhitzen. Ich halte ihn aus den Resten einer Dose Flüssigstickstoff stabil.
Ich habe mal einen Roboter zusammengelötet und kann zumindest mit Kondensatoren, Leiterbahnen und Dioden etwas anfangen. Das, was du schreibst, übersteigt meinen Horizont und klingt random für mich.
Ist es auch. Ich wollte nur eine Anregung zur sprachlichen Umsetzung geben; die logische übersteigt auch meinen Horizont :-D.
Wenn sich beispielsweise die Keimfähigkeit alle x Grad halbiert, wird sie nur immer kleiner, niemals 0. Also sollte nach genug Versuchen ein Samen dabei sein, der noch keimt.
Klingt sehr logisch. Aber Seldra muss wissen, wie und warum sie die Tomaten keimen lässt. Ob sie es mathematisch begründet oder mit Erfahrungen ihrer Großmutter spielt für die Fiktion keine Rolle, denke ich.
hier ist wohl etwas schiefgelaufen, vielleicht hätte ich den "no Shit, Sherlock"-Hinweis nicht entfernen sollen? Seldra baut keine Zeitmaschine. Sie blödelt nur herum, weil Vincent so offensichtliche Fragen stellt.
Hm, okay. Sehr subjektiv: Ich finde die Idee mit der Zeitmaschine gar nicht so dumm für deine Geschichte. Die Raumstation wird von jemandem kontrolliert; Ausbruchsmöglichkeiten existieren nicht. Seldra hat sich dieser Macht anzupassen und darauf zu reagieren. So entsteht der Eindruck eines diffusen, göttlichen Hintergrunds, den Seldra eben akzeptieren muss. Dein Multi-Crossover-Universum kenne ich natürlich nicht. Eine Zeitmaschine gibt Seldra aber Macht gegen diesen "jemanden".

Lg :-)
kiroly

 
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17.04.2007
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381

Hallo C. Gerald Gerdsen.

Und ich würde - bei jeder Gelegenheit - mehr aus diesem Universum lesen wollen.
Hier auf WK stammen "Die Verurteilung der Se'eldra Sadr'khor" und "Zwischen den Sternen: Der letzte Widerstand" aus dem gleichen Universum.

Nur mal so kurz als Anmerkung. Die Änderungen, die Du eingebaut hast, tun der Geschichte trotzdem gut. Die Geschichte mit der Kühlung und der Dusche ist jetzt schlüssig und ich finde die Kombination aus "er duscht zu heiß" und bringt alle in Gefahr (1. Konflikt) und sie duscht kalt und er versucht sie zu vergewaltigen (2. Konflikt mit tödlichem Ausgang) ziemlich gelungen.
Vielen Dank für die Rückmeldung!

Nach Verdursten könntest Du noch "oder verbrennen" einbauen. Denn die Sonne ist ja die Hauptgefahr im "Hotel Apricari".
Danke, habe ich gemacht.

Den "Knick" lass einfach weg. Er ist für manche Leser offensichtlich verwirrend.
Ich habe statt des Knicks nun geschrieben, dass dort das Solarpanel ausfällt.

Mikrofon des Transmitters oder in das Funkgerät. Dann wäre allen klar, dass "Margret" nicht mit im Raumschiff ist.
So ein typischer Fall von Betriebsblindheit. Nach einem Jahr verstärkten Online-Meetings muss ein Mikrofon dazu da sein, mit jemandem über große Entfernungen zu sprechen. :lol:

Sie hat sich nicht vorgestellt. Aber er nennt ganz am Schluss ihren Namen.
Okay, jetzt auch explizit.

Nur Erhitzung ist ein sperriges Wort. ... Kühlung und Heißwasser gegenseitig ...
Ich sehe, was du meinst, aber "Heißwasser" passt nicht im Zusammenhang von einander entgengesetzten Prozessen.

Hier könntest Du eventuell einbauen, was Du in einem Kommentar geschrieben hast: Dass 'sie' unter Umständen auf die Idee kommen könnten, dass auch ihr Wissen / Geheimnis diesen ganzen Aufwand nicht wert ist.
Ich habe unspezifisch ergänzt "oder werfen mich doch noch in die Sonne". Das Fass mit dem Geheimnis würde ich hier nicht aufmachen, schon alleine weil ich die Vorgeschichte noch nicht weit genug ausgearbeitet habe, um zu wissen, wie hier der genaue Stand ist.

Und den Umschwung von Verletzung zu Wut eventuell noch deutlich machen.
Gute Idee! Habe ich gemacht.


Hallo @kiroly,

Ich finde das Setting ausgesprochen stark. Vielleicht hast du ja Lust, die Geschichte weiter auszubauen.
Danke. Die Inspiration will auch lieber Romane schreiben. :heul: Aber ich möchte auch den Beschwerden vorbeugen, meine Geschichten wären zu lang.
Vielleicht eine Serie erstellen?
Mit den weiteren Erklärungen würde die Geschichte ja in die Breite wachsen, nicht in die Länge. Aber was mir jetzt dank deinen Hinweisen eingefallen ist? Ich habe gar keine Berechnungen über die Gravitation bzw. die Umlaufbahn angestellt. Kann sein, dass ich das nachhole. Insbesondere die Nähe zu Merkur könnte für einige Turbulenzen sorgen.

Wenn sich beispielsweise die Keimfähigkeit alle x Grad halbiert, wird sie nur immer kleiner, niemals 0. Also sollte nach genug Versuchen ein Samen dabei sein, der noch keimt.
Klingt sehr logisch. Aber Seldra muss wissen, wie und warum sie die Tomaten keimen lässt. Ob sie es mathematisch begründet oder mit Erfahrungen ihrer Großmutter spielt für die Fiktion keine Rolle, denke ich.
Weissu was. Das war noch eine hervorragende Gelegenheit, unter Betonung, wie lange das gedauert hat, Seldras Sturheit hervorzuheben.


Viele Grüße
Jellyfish

 

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