Was ist neu

gesellschaft

Genre: gesellschaft

  1. Serie Heinrich (9): Die Stille

    »Komm«, forderte Mama mich auf, hielt mir ihre Hand vor die Nase. »Wir fahren in die Stadt.« Ich blinzelte in die Sonne, rote Johannisbeeren kauend. Immer wieder schüttelte es mich, so sauer waren manche, und doch ungemein süß. Ich wollte nicht weg. Nicht jetzt. »Warum denn? Kann ich nicht...
  2. Vom Licht der Aufklärung 1

    Vom Licht der Aufklärung Ulrich Bergmann feierte seinen Siebzigsten am 11. Juli bei sich zu Hause im Garten. Er wohnt in südhessischen Eichenroth am Ortsrand, in einem Architektenhaus, er ist nämlich selbst Architekt. Der Bungalow ist nach dem Tod seiner Frau, zu groß für ihn, aber Ulrich kann...
  3. Leo läuft los

    Über den Gleisen wabert der Nebel der Bahnhofslandschaft, legt sich auf Menschen, Poller und Züge wie eine zweite Haut. Ich ziehe den Koffer hinter mir her, laufe den Bahnsteig entlang, den Rucksack geschultert, den Mantel zugeknöpft, zum Gleis, begegne wenigen Leuten. Manche wanken und halten...
  4. Hetzjagd

    Pausenende. Zu kurz. Viel zu kurz. Zeit zum Nachdenken und Verarbeiten bleibt ihr nicht. Der nächste Patient kommt bald schon. Ein kleiner Junge, hatte mit angesehen, wie seine Eltern erschossen wurden. Sie bereitet alles vor, die Gedanken nicht bei der Sache und doch alles perfekt, perfekt für...
  5. p s y c h e d e l i s c h e s m a n i f e s t

    Löwy, 1,1 Mein Husten verhallt wie ein freudiger Schrei, meine Zunge stochert in heißem Brei, mein Qualm wird sich gleichmäßig im Raum verteilen, um verloren gewähnte Synapsen zu einen. Dieser Satz soll auf mir kleben bleiben wie der frisch geerntete Haschklumpen, den Donna mir gerade auf die...
  6. Miss Linski

    Es gab eine gute und eine schlechte Nachricht in der Longfield Street sechs. Die schlechte war, dass Miss Linski sich zwei Stunden nach dem Aufstehen bereits betrogen fühlte. Seit Sonnenaufgang hatte sie mit ihrem Fön einen Kampf auf Leben und Tod ausgefochten. Das Mistding war – wenn es...
  7. Heinrich (8): Das dünne Eis

    Das Ruderboot kenterte und fünf Männer fielen schreiend, lachend, mit Armen wedelnd und Beinen tretend in den Herrmannsee. Inklusive Papa. Eines der Ruderblätter flog in hohem Bogen auf eine Entenfamilie zu, die in alle Richtungen auseinanderstob. Mama stellte ihre rudernde Tätigkeit ein und...
  8. Heute trinke ich nicht!

    Heute trinke ich nicht! Oh, welcher Trinker kennt es nicht? Die beinharten Kopfkriege mit dem König (der Sucht) und dem Teufel. Welcher Trinker hat sich noch nicht konfrontiert gesehen, die schweißnassen Hände fest ans Autolenkrad geklammert, mit seiner bröckelnden Selbstbeherrschung, die ihn...
  9. Serie Heinrich (7): Als Opa verloren ging

    »Heinrich?« Die Deckenlampe blendete mich. Ein dickes Sandkorn drückte gegen das Augenlid und ich kratzte es weg. Es war noch leicht klebrig. Mama nahm die Bettdecke beiseite und hievte mich aus dem Bett, stellte mich auf die Beine. »Mama, was ist denn?« »Wir wollen alle Opa suchen und da kannst...
  10. Serie Kreis mit Kreuz: Doro

    Was ist, wenn wir alles erreicht haben, um dann festzustellen, dass wir nichts davon jemals wollten? Schwarz-Weiß-Fotografien hängen in symmetrischen Abständen an den weiß getünchten Wänden der Pasinger Fabrik. Glänzen im Licht der Deckenstrahler in Lebensgröße. Doro geht rasch an den...
  11. Nachbar "Die Münze"

    Der Nachbar von oben. Es läutete an der Tür. Es läutete sehr lange und eindringlich. Er wusste, dass es nur der Nachbar von oben sein kann. Dem Läuten folgte ein vehementes Klopfen. Er bewegte sich nicht, verhielt sich still, öffnete nicht. Er wusste es ganz bestimmt, es muss der Nachbar von...
  12. Wenn Liebe lebt

    Karsten saß nur da und regte sich nicht. „Na los, geh schon zu ihr“, forderte Olaf ihn auf. Seine Augen wurden trüb. „Sie hat eindeutig dich gemeint.“ „Ich kann nicht.“ „So einfach hast du selbst als Student damals keine abgeschleppt.“ „Ich kann nicht!“ „Ach was“, winkte Olaf ab. „Ich bestell...
  13. McDonald’s

    Im Sommer als ich 21 wurde, arbeitete ich für ein paar Monate bei McDonald’s. Ich erinnere mich, wie verwirrt die Dame beim Bewerbungsgespräch über meinen Enthusiasmus war. Ich hatte gehofft, in der Nachtschicht zu arbeiten, und es stellte sich heraus, dass diese Stelle gerade frei geworden war...
  14. Adrian der Klops

    Adrian joggte durch den Park, ein Teil seines allmorgendlichen Programmes. An den Büschen lugten die ersten grünen Knospen hervor. Der Frühling wacht auf, dachte er, in seinen Ohren pochten die Herzschläge. Adrian war dick. Oft tat ihm das Gehen weh, beim Schuhe zu binden war ihm sein...
  15. Es ist zu spät

    Ein weißer Mann mittleren Alters mit Kurzhaarfrisur sitzt vornübergebeugt auf einem Stuhl, der schon bessere Tage gesehen hat. Mit den Händen stützt er den Kopf. Die Finger vergräbt er in den Haaren. Seine Ellbogen bohren sich in die Oberschenkel. Die ordentliche Bundfaltenhose fängt an der...
  16. Serie Heinrich (6): Das Mädchen und der Wald

    Das Mädchen stand mit seiner Mutter am Eck zur Bekstraße. Sie redeten darüber, welcher Weg der beste zur Schule sei und als ich schon fast an ihnen vorbei war, sprach die Frau mich an. »Du, warte doch mal.« Niemand sonst war auf der Straße, also meinte sie wohl mich und ich blieb stehen. »Bist...
  17. Der große Bruder als Vorbild?

    Du trinkst keinen Alkohol? Sagte Luis, während er sich die nächste Zigarette anzündete. Manuel beschämt: Ich bin 13, ich darf doch noch keinen Alkohol trinken, was ist so schlimm daran? Luis hielt ihm erneut das Bier hin: Nimm jetzt endlich, oder hast du angst? Manuel nahm das Bier und trank...
  18. Flip und das ungesühnte Verbrechen

    Warum müssen die Kinder auf dem Karussell immer essen? Mühsam ist es,die Lebkuchenkrümel, Liebesperlen und Brezelreste aus den kleinen Fahrzeugen zu entfernen. Flip schmerzt der Rücken vom Bücken und Saubermachen. Er räumt Besen und Eimer auf, verstaut beides unter dem Kassenwagen. Außer den...
  19. Das Gesicht der Zeit

    „Immer diese Verspätungen“, schimpfte ich hustend und wartete bis sich die Fahrgäste vor mir gesetzt hatten. Erleichtert drang ich weiter in den Waggon vor und trug die Kälte durch den Gang ins Innere. Am Platz angekommen, zog ich mich ans Fenster zurück und wickelte mich in den Mantel. Da ich...
  20. Die Hauptrolle

    Jeden zweiten Freitag koche ich mittags für die Enkel. Miriam ist vierzehneinhalb, Florian knappe sechzehn. Sie kommen dann aus dem coronageprägten Präsenzunterricht des Gymnasiums und sind ziemlich erledigt. Meinen runden Tisch habe ich besonders sorgfältig gedeckt und dabei auf genügend...

Letzte Empfehlungen

Neue Texte

Neue Beiträge

Anfang Bottom