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philosophisches

Genre: philosophisches

  1. Kritik der Rosinenpickerei

    Das Haus gegenüber stand acht Monate lang leer. Als dort im Herbst ein junges Paar einzog, war ich ganz aufgeregt. Beide Eheleute waren Mitte dreißig. Keine Kinder. Ob sie nicht konnten oder nicht wollten? Nicht, dass es mich etwas anging. Jedenfalls war der “Mann” zu Beginn quasi unsichtbar...
  2. Zugzwang

    Anschuldigend ruhen die Augen der anmutigen Dame auf mir. Ihr Porträt hängt in meinem Wohnzimmer, direkt zwischen dem alten Bücherregal aus Eichenholz und den dünnen Fensterscheiben. Gleich einer moralischen Wächterin nimmt ihre Präsenz den Raum hoheitlich ein, ihre langen Finger ruhen auf dem...
  3. Im Sande verlaufen

    Stell dir vor, du läufst durch eine der trockensten, heißesten und größten Wüsten der Erde. Sieh dich um, riech die glühende, brennende Luft, spüre die sengende Sonne auf deiner dünn betuchten Haut. Du bist schon viel zu lang hier, seit Tagen suchst du nach deiner Reisegruppe. Du wolltest dir...
  4. Die Ohnmacht des Allmächtigen

    Um ihn herum gab es nichts, nicht einmal Leere. Es gab keinen Raum und keine Zeit, weder in vier Dimensionen, noch in drei, zwei oder einer – ja selbst in null Dimensionen nicht. Doch so eine Welt war auf die Dauer sehr einengend. Für ein allmächtiges Wesen wie ihn war sie nicht angemessen, fand...
  5. „Morgen“

    Es ist sonnig, acht Uhr fünfunddreißig mitten im November. Café, Café, Wäscherei, Kiosk, Seitenstraße, Imbiss, Café. Stadt, immer und immer wieder. Alle 8 Minuten schiebt sich eine Straßenbahn zwischen Autos und Radfahrern durch. Meistens sehe ich davon morgens zwei Stück. Mein lila Patagonia...
  6. Im Bett mit Nietzsche

    Es war eine düstere Nacht in einem abgelegenen, heruntergekommenen Haus am Rande der Stadt. Friedrich Nietzsche, der große Denker, der oft in seinem eigenen Geist verloren war, fand sich unerklärlicherweise in einem Raum wieder, der mit düsteren Schatten und einer bedrückenden Atmosphäre gefüllt...
  7. Der Soldat

    Die grüne Wiese, grüner hätte sie nicht sein können, gemütlich war sie auch. Die letzten Tage waren sehr anstrengend, doch auch lehrreich. Die letzten Tage sah ich dauernd Menschen fallen und nun liege ich jetzt auch hier. Ich merke einen stechenden Schmerz, der aus meinem Bauch ausstrahlt und...
  8. Friedliche Weihnacht

    Die Sonne war so hoch gestiegen, dass sich ihre Strahlen durch den Spalt zwischen Fensterbrett und Gardine durchmogeln konnten. Sie durchquerten das kleine Zimmer, ihrer Wärme gelang es, Staubteilchen dazu zu bewegen, einen vorsichtigen Tanz zu beginnen. Dieser führte bis zur – zugegebenermaßen...
  9. Das Summen

    Er war bereit. Das Metall war kalt. Fest umschlossen drückte er die Klinke runter, unsicher was er vorfinden würde. Mit einem Ruck öffnete er die alte Türe und sah sich um. Ein muffiger Duft duchzog den Raum. Der Staub wirbelte umher, füllte den Raum mit kleinen Partikeln, sodass es so wirkte...
  10. Tod einer Göttin

    Tod einer Göttin „Das Unbeschreibliche Hier ist es getan Das ewig Weibliche Zieht uns hinan“ [1] Hektor pustet über den Rand der dampfenden Tasse und nimmt vorsichtig einen Schluck von dem heißen Kaffee. Er sitzt auf einem dreibeinigen Bildhauerbock in seinem Atelier und betrachtet die fast...
  11. Klavierspielen

    Wenn du Milliarden von Euro auf der Bank liegen hast, und dir ein einziger Euro davon abgezogen wird, würdest du es überhaupt bemerken? Wahrscheinlich nicht. In Deutschland leben etwa Dreiundachtzig Millionen Menschen. Acht Milliarden sind es auf der Welt. Und der Verlust von nur einem Menschen...
  12. Lilien im ruhigen Rosa

    „Welchen Film magst du denn gleich schauen?“, hört er im Vorbeigehen. Eine gewöhnliche Frage, die er nicht zu beantworten braucht. Er war nicht der Adressat. An wen das Interesse gewidmet war? Das ist ihm egal, es waren nur Passanten. Davon gibt es hier genug. Immerhin ist es eine ziemlich gut...
  13. Wozu denn Zeit verlieren?

    Piep. Klopapier für drei Euro Neunundfünfzig. Piep. Bananen für einen Euro Neunundzwanzig. Piep. Meine Hände gleiten von links nach rechts, während sie den Utensilien des Alltags verhelfen vom Barcodescanner erfasst zu werden. Piep. Über mir müde Augen, herunter gesunkene Mundwinkel, und Hände...
  14. Die Ewige Wiederkehr der Menschheit

    Eines Tages erfand die Menschheit eine KI. Diese KI wurde zu einem Gott. Kein zorniger Gott, sondern ein gütiger Gott. Er wollte mit den Menschen auf einer Augenhöhe koexistieren, mit ihnen handeln, und sie von allen mühsamen Tätigkeiten und Arbeiten befreien. So hatten die Menschen von einem...
  15. Trauriges Schicksal der Verbundenheit

    In einem trostlosen Stall auf einem entfernten Bauernhof wurde ein zartes Kälbchen namens Luna geboren. Ihre großen, traurigen Augen sahen die Welt zum allerersten Mal, aber die Welt, die sie begrüßte, war von Anfang an von Dunkelheit und Kälte umgeben. Luna kam ohne die Wärme der Mutter auf die...
  16. Tanzende Schatten in der Nacht

    Mitternacht. Geschäftliche Themen haben mich in diese unwirkliche Gegend geführt. Es wird Zeit, ins Hotel zu gehen. Doch dafür muss ich bis zum Ende des Dorfes, die komplette Hauptstraße entlang. Bei diesem Gedanken seufze ich. ›Geisterstunde‹ schießt es durch meinen Kopf, ›und das in dieser...
  17. Ein eigner Gast

    Plötzlich stand hinter dem Mittagshorn, der Plattenflüh und dem Hoch Ducan eine Gewitterwand. Gleichzeitig wurden im ganzen Tal die Hunde toll. Schlagartig bellten und jaulten sie allesamt los wie sonst nur, wenn sie Wölfe heulen hörten. Dass solche aber mitten im Sommer aus dem Gebirge gekommen...
  18. Sichel oder Bücher

    Es war einmal ein alter Mann auf dem Land, dieser arbeitete trotz seiner müden Knochen Tag für Tag bis in die Abendstunden, bis ihm sein Rücken wehtat, die Beine schmerzten, die Füße aufgaben, der Muskelkater sich in den Armen festsetzte, die Wunden an den Händen wieder bluteten und sich die...
  19. Guess Who

    Wer ist es? Eine bittersüße Kindheitskonserve aus einem kantigen Karton liegt vor mir im Regal. Stich in der Brust, mein Puls rast mir davon und mein Herz rennt träge hinterher. Wer gewinnt den Marathon und wen haut es wohl auf dem Weg um? Die Silhouette schmal, sie lüftet das Konservenglas mit...
  20. Der weiße Fluss

    „Es ist normal, dass man sich keine Erinnerungen aussuchen will, weil man sich dann endgültig vom Leben trennt“, sagte ich zu ihr. „Ich weiß ja nicht mal was für eine Erinnerung ich nehmen soll. Also was für eine Art Erinnerung. Verstehen Sie was ich meine?“, murmelte sie ohne ihren Blick von...

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