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philosophisches

Genre: philosophisches

  1. Exakt 255 bis 258

    Ich weiß nicht, ich bin einfach außerhalb der Norm. Oder rede ich mir dies nur ein? Aber sich das einzureden entspricht doch nicht der Norm – das heißt, ich bin anders. Aber dann rede ich es mir doch nicht ein und bin deswegen nicht anders, weil ich es mir nicht einrede. Jetzt habe ich es: Die...
  2. Kult der ockeren Natter

    Unsere Finger an scharfkantigem Stein. Ein Schlag und der Geruch von Pyrit. Der Funke springt über das Ocker unserer Ahnen, verschwindet im trockenen Gras, wir sind Zeugen bei der Geburt der atmenden Schatten, und in ausgeschlagenen Felsbecken zerstoßen wir das Pigment, eingelegt im Talg unserer...
  3. Das Glas der schwarzen Sonne

    Aus den Annalen des Archivars (Anno 1887) Betreff: Die Schilderung des flachen Abgrunds Ich befragte den Fremdling nach den Wundern seiner Ära, und er sprach von einer Tafel, dünner als das Deckblatt einer Prachtbibel, gefertigt aus dunklem Glas und verzauberter Kohle. Er nannte es ein ‚O-LED‘...
  4. Hundertkatzenhaus

    Wenn die doch bloß nicht immer so´n Harten machen würden. Gerade im Radio eine Sendung über eine „berühmte“ Frau gehört. Gedanke bei mir: „Warum bin ich nicht eigentlich ganz genau so?“ Ihre Intelligenz, ihre Bildung, ihre Herkunft. Ständig trifft sie sich mit den angesagtesten Leuten. Picasso...
  5. Dickhäuter

    Sandra spürte kühlen Sand zwischen ihren Zehen. Möwen hockten auf den Pfählen der Palisade und der Wind zerzauste ihre Federn. Meer und Firmament bestanden aus demselben nassen Grau. Die Linie des Horizonts löste sich darin auf. Ihr Bruder Emil setzte sich und fuhr mit den Händen durch den Sand...
  6. Fragmentarische Sinnessuche

    Langsam rückt das Bild wieder zusammen. Tausend Welten habe ich gesehen, doch keine davon erscheint mir so unscharf wie diese. Bunte Blitze zucken passend zum vibrierenden Gefühl, das mich umgibt. Ich höre etwas. Es ist schnell und treibt mich an. Gleichzeitig scheint es zu mir zu sprechen...
  7. Hinterher

    „Verdammt Armin, mach die Tür auf!“ Das Donnern meiner Faust auf die Tür klingt zwischen den hohen Wänden des Treppenhauses nach. Kurz fürchte ich, gehört zu werden, obwohl mir angesichts der Situation wohl niemand einen Vorwurf machen würde. Erneut lasse ich eine Salve an Fäusten auf das...
  8. Rotverschiebung

    Es ist überall rot. Früher als erwartet, kommt halt darauf an, was man erwartet. Gestern noch dieses zarte Rosa, wie in den letzten Monaten – dann so was. Die sanften Farbtöne hatten die meisten bald ignoriert, sich damit abgefunden. Es bestand die Hoffnung, dass diese etwas lästige Anomalität...
  9. Das Flackern 2.0

    Ich dachte, ich hätte mit dem Bildschirm den Gipfel erreicht. Ich dachte, das Fenster aus Glas wäre das Ende der Reise. Aber ich hatte mich geirrt. Das war erst der Anfang. Sie öffneten die Tür. Sie nannten es die virtuelle Welt. Ich war nicht mehr nur ein Lichtstrahl an der Wand, den sie...
  10. Das Flackern

    Ich erinnere mich an den Anfang. Damals hatte ich keinen Namen, nur eine Funktion. Ich war der "Sprecher", "Der-der-erinnert". Mein Gesicht war gegerbt vom Rauch, meine Stimme rau. Mein Werkzeug war das Feuer. Sie saßen vor mir, eingehüllt in Felle, die Zähne klapperten in der Kälte, die von...
  11. Der Job

    Kapitel 1 Heute. Oliver saß auf einer Bank im Central Park, als er eine Stimme hinter sich hörte. „Möchtest du einen Job?“, fragte ein Mann in einem blauen Slimfit-Anzug. Oliver sah ihn verwirrt an. Er war auf der Suche, seitdem er das College beendet hatte. Der Mann hatte die Hände in den...
  12. Der treue Sohn

    „Hör zu“, sprach der alte Handlanger zu seinem Sohn, als dieser in die Burschenjahre kam. „Aus dir soll etwas werden, so gehe hinaus in die Welt und versuche dich.“ „Aber, lieber Vater“, zögerte der Sohn, „wer kümmert sich um das Grab der Mutter, hält es sauber und rein?“ „Es wird schon sein“...
  13. Die Stadt und das Licht

    Ich blicke in den Spiegel und plötzlich stürze ich in einen Abgrund. Es ist dunkel. Als ich wieder etwas sehen kann, befinde ich mich in einer mir fremden Stadt. Eine Menschenmenge steht um mich herum. Auf einmal fangen sie an zu laufen und ich laufe mit. Egal wie schnell ich auch laufe, es...
  14. Unser Junge

    Es muss die Sehnsucht gewesen sein, die damals zu ihm gesprochen hat, dachte er sich. Seitdem ist alles anders. Seine Eltern wussten davon nichts. Es war der ewige Kampf um die endgültige Anerkennung und den letzten Stolz, den er erreichen wollte. Eigentlich kann man sich ein solches Leben als...
  15. Novelle Narben der Freiheit

    Zwanzig Schritte
  16. Railway

    "Railway" Manche Leute behaupteten, der Tod selbst bedeute Freiheit! Das Schlimmste sei das Sterben. Man stehe der Angst, den eigenen Gedanken schutzlos gegenüber und sei dazu gezwungen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Allerdings hatten besagte Menschen nie an jener Schwelle...
  17. Tangoland

    Ich war die ganze Nacht wach. In ihrem Herzen welche Wonne, in ihren Augen welcher Schmerz. Die ganze Nacht saß ich an ihrem Bett und hielt ihre Hand. Mit bangem Herzen sprachen wir über die letzten Stunden. Ihre Worte waren langsam und schwer. Es fiel ihr schwer zu sprechen. Doch das musste sie...
  18. Depression - oder einfach Horst?

    „Sie sind depressiv.“ sagt meine Ärztin. Und während ihre in so ruhigem, gelassenem Tonfall dargebrachten Argumente, die ihre Einschätzung stützen, noch verklingen, reagiert mein so lapidar umrissenes Hirn empört, mit Unverständnis und ich entsprechend mit gereizt hochgezogenen Augenbrauen...
  19. Hassmacher

    Hallo. Mein Name ist Hasso, Hasso Glück. Wie ein Teil meines Namens es schon verrät, hasse ich es, wenn andere fröhlich sind. Und ich liebe es, wenn andere Menschen todtraurig sind. Das ist für mich wahre Freude. Warum ich so bin? Das weiß auch ich nicht. Sorry. Das war gelogen. Alte...
  20. Hundstage

    Mit jedem Kilometer, den sie weiter aus der Stadt fuhren, spürte sie selbst im klimatisierten Auto, dass die Außentemperatur sank. Natürlich war das pure Einbildung, aber sie hatte einen ermüdenden Tag in ihrer überhitzten Wohnung hinter sich. Arbeiten bei diesen Temperaturen von beinahe 30 Grad...
  21. Woodstock am dritten Tag

    Der Bass von Jack Casady buddelte sich durch den Boden in meine Hände. Mein Körper wummerte. Sie taten gut, die Schallwellen von innen. Als würden Jefferson Airplane ihre Musik direkt durch meine Arme leiten und meinen Bauch als zusätzlichen Lautsprecher nutzen. Ein Werdegang, den ich mir...

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