Was ist neu

mundart

Genre: mundart

  1. manchmal musst du rennen

    Du wirst angeschrien. Du verstehst aber nichts von dem was gesagt wird, das Schreien ist wie ein einziges Rauschen im Hintergrund. Dieses Rauschen sagt dir nichts, du fühlst dich erdrückt. Es wird etwas gesagt, endlich hörst du was. Du rauschst zurück, es wird zu viel. Du willst weg, es war zu...
  2. Die Dorfkneipe

    Es ist ein Spätsommertag in den frühen Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Ein Ort, an dem die D-Mark weniger wert ist, das Russische vertrauter als das Bayrische und das Bier günstiger am Tresen als im Kasten ist. Und dann geht die Tür auf. Von draußen tritt ein mittfünfzigjähriger Mann...
  3. Das Geheimnis der Gruft zu Köln

    Kratzend glitt die Feder über das Papier, hinterließ geschnörkelte Buchstaben, die violett und feucht im Morgenrot glänzten. Ein tiefes Seufzen entglitt der Frau im schwarzen Kleid. 22.07.1860 Ich wusste, dass die Küchenmagd Minna uns beobachtete und aus unseren geheimen Treffen Wiener Klatsch...
  4. Manni

    Leever Herr Kasulke, ich wieß jar nit, wo ich anfange sull, Jründerzick-Villa, leck mich an de Föß, et klingt schon su jemütlich, entschuldigen se, ich bin total aufjeregt, richtigjehend habbelich und dat in mingem Alter, ever eens lass dir jesagt sin, leever Herr Kasulke: Dat mit dingem...
  5. Kindheit unter Schwaben

    Ein hartes Schicksal verschlug mich im zarten Alter von 12 Jahren in eine der rauhesten Gegenden des deutschen Sprachraums - nach Schwaben. Auf einem Stuttgarter Gymnasium lernte ich die ganze Brutalität kennen, zu der die deutsche Zunge imstande ist. In Schwaben wurde mir klar, warum der...
  6. Hände

    Heute träume ich von Begegnungen. Schwitzend, laut atmend und hobeld steht der alte Mann in seiner Werkstatt und arbeitet. Diese fast antike Werkstatt voller Holz, Werkzeug und vergangener Tage; voller Staub, Sägespäne und Charakter ist sein kleines Reich. Wir befinden uns im Speckgürtel...
  7. An einem gottlosen Ort...

    Es ist Nacht in der Stadt. Schon längst hat die Finsternis ihren Zenit erreicht und doch bist du hier, Fremder. Hier an diesem gottlosen Ort. Die verwitterten Hausfassaden in tiefes Schwarz gehüllt, wie dickflüssige Tinte auf einem Gemälde verstrichen. Die Gassen in prasselnden Regen getränkt...
  8. Bildungsauftrag

    Bauer Vogt stieg von seinem Trecker und betrat den Kiosk, dessen Türschild „geschlossen“ behauptete. Vier Herren prosteten ihm zu. „Da hab ich ja de hiesige Elite auf einem Haufen. Männer, getz is Schluss mittem Frühschoppen, et gibt Arbeit.“ Günther Pawlak sah mit geweiteten Augen auf seine...
  9. Pottwale, Eine Nacht im Kiosk

    „Luigi, noch en Pilsken und en Kurzen, dann geht der Oppa na Bett!“ Reinhard Nölling lehnte sich mit einem satten Grinsen an die Raufaser und ließ seine Augen zwischen den Gesichtern wandern, die sich ihm zuwandten. „Ja, wat? Ich muss morgen raus, ihr Knalltüten.“ „Tu mich auch noch einen.“...
  10. Schattenmann // Entlein

    Ein Schattenmann im Sommer Er lässt sich auf ein Ästchen nieder, sein Blick entspannt und klar Die Lider werden müde, der Atem ist jetzt tief Aus dem Nichts doch, eine Lederhand, umschließt den ruh’nden Spatz Ein Schattenmann mit rotem Haar, wächst aus dem Stamm heraus Sie seh’n sich an, sie...
  11. Weiße Westen

    Hannes schlenderte mit Eimer und kleiner Harke zwischen Kartoffeln und Erdbeeren. Hier wie da war nicht wirklich etwas zu tun, außer so zu tun. Menning von nebenan war beschäftigt, obwohl auch dessen Frau schon vor einer halben Stunde zum Abschied gewunken hatte. Er trug Farbdosen und Pinsel in...
  12. D'Märel

    E Knuppert. Eng Märel ass widdert d’Glas vun der Veranda geflunn. De schwaarze Vullekierper läit um Réck. Eng onnatierlech Positioun. Kaze leien um Réck. Hënn, wann se wëlle geheemelt ginn. Awer eng Märel sëtzt um Bam a päift. Mueres fréi. Elo: d’Patten, déi sech lues no ënne bewegen...
  13. Wa(h)rsteiners Resi G. Nation

    In Baumfalkengrün kracht es. Der Fahrer des Wagens steigt voll in die Eisen, kann den Zusammenprall aber nicht verhindern. Das Reh donnert in die Windschutzscheibe, das Auto rauscht die Böschung hinunter. Blaulicht saust an Marianne vorbei, die gerade den Bürgersteig fegt. „Wos is denn do los?“...
  14. Apfelbrief

    Nich’ jeder Junge wird ‘n Sportler, nich’ jeder ‘n Arbeiter. Manche werd’n Wissenschaftler, Eierköppe, kann man lachen drüber, jau, aber die bring’n die Welt voran. Sagt der Karl vor ‘n paar Tage noch, sagt er: “Keine Stunde würd’n die aushalten auf’m Bau. Gibste den’ ‘n Ziegelstein, kannst’se...
  15. Feste Formen

    Juter Film. Saujut. Zustimmung. Und nu? Der junge Abend unbeendet, offen und formbar, formfordernd. Halbkahle Köpfe zwischen den Altbaufassaden, schwere Körper, Jeans, Lederjacken, die Augen tief im Schädel. Zur Kneipe. Bierchen. Zwei, Drei. Nicht Genuss, Gewohnheit. Das Spiel, Fred? Müdes...
  16. Der Jürgen

    Keine Sau im Betrieb, bin der Erste, wie immer. Hab noch Schnee aufn Schultern vom Weg übern Hof. Drinnen isses scheißkalt. Um die Uhrzeit läuft die Heizung noch nich. Ich drück den Schalter, es is stockdunkel, auch von draußen kommt nix rein. Die Lampe knackt, ich hör den Starter, aber das Ding...
  17. Gespräch mit Unbekannt

    Wie jeden Tag habe ich die Zeitung in der Hand. Normalerweise fliege ich über das Horoskop und das war es. Die Regionalzeitung gibt nicht viel her. Doch heute blättere ich weiter. Ein ganz normaler Montag, die Mittagspause verbringe ich allein daheim. Auf dem Tisch steht eine Tasse Kakao, das...
  18. Kauderwelsch

    In der Fragnerei mit Schaubendach und Marmelsteinwänden saß ein seigneuraler Seelenhirt und verkaufte Siedlerstolz. Angeblich! Dieser Tatarenmeldung musste ich als reputierlicher Hauptschriftleiter nachgehen. Es ist der tolldreiste Kokolores, von Possenreißern und unbemühten Holdrios, der nicht...
  19. An'er Als

    I. Tausch Als Mausi noch meine Freundin war, hatte ich Mumm. Sie passte auf mich auf. Ich hatte zwei Freundinnen. An’em Tag besuchten Mausi und ich unsere annere Freundin Hoka. Für sich nix Besonneres, aber als ich am Morgen die Tür öffnete — ganz ohne Bang — und die Luft in’e Lungen sog...
  20. Waat dat watt?

    Ole sitzt zum ersten Mal in seinem Leben alleine auf dem Dachboden. Es war immer Käthes Aufgabe, sich um Adventsschmuck, Weihnachtskugeln und all die schönen Dinge zu kümmern. Der brüchige Pappkarton in seinen Händen fühlt sich viel zu leicht an, dabei hängen die samtroten Kugeln doch schon seit...

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