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Die Dorfkneipe

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Die Dorfkneipe

Es ist ein Spätsommertag in den frühen Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Ein Ort, an dem die D-Mark weniger wert ist, das Russische vertrauter als das Bayrische und das Bier günstiger am Tresen als im Kasten ist.
Und dann geht die Tür auf. Von draußen tritt ein mittfünfzigjähriger Mann in die kleine Dorfkneipe ein. Ein einzelnes Zimmer, das so schmal ist, dass man es auf einmal überblicken kann. Der Raum ist dunkel und von blauem Rauch durchsetzt, dazu schummriges Licht von der Decke und den Kerzen an den wenigen Tischen. Die Plätze am Tresen sind stärker gefüllt als die Gläser davor, die Lampen sind an. Die Glühbirnen über dem Tresen funktionieren nicht. Über dem Tresen hängt ein Schild, auf dem steht: „Hier gibt’s nur Freibier, wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen oder die Mauer fällt.“
Am Tresen sitzen diejenigen, die keinen Augenkontakt mögen und nur wenig Zeit zwischen Finger heben und einem vollen Glas wollen. Wer hier sitzt, wird nicht vermisst, hat zu Hause schon lange keine sozialen Kontakte mehr oder versucht vor ihnen zu fliehen.
Am Tresen und an den Tischen sitzen die immer wiederkehrenden Gesichter. Fremde und Tageslicht sieht man hier selten. Alles wirkt verbraucht. Niemand spricht hier vom Glanz früherer Tage, da die Kneipe bereits mit kaputten Gläsern, Staub und in Vergessenheit eröffnet wurde.
Als die Tür hinter dem Mann schließt, erhebt sich kein gesenkter Kopf, stützt sich niemand am Tisch ab, um sich soweit umdrehen zu können, sodass er erkennt, wer die Kneipe betreten hat. Nur die Frau hinter dem Tresen blickt zur Tür, während sie unablässig Gläser trocknet. „Harry? Wat machst du’n hier?! Haste gestern wat verjessen? Heute is doch dein Sonntach!“
„Ne, Gitti, heute sitz ick mal auf die andere Seite vom Tresen. Machste mir mal n Pils und n Kurzen?“ „Klar, Harry, kommt sofort.“

Harry gehört die kleine Kneipe. Dieser schmale Raum ist für ihn Arbeit und Freizeit zugleich. Ist am Ende eines Abends noch Durst übrig und die eine Hälfte der Gäste längst torkelnd auf dem Heimweg und die andere Hälfte bereits so sehr bedient, dass Gesten Worte ersetzt haben, schenkt er gern noch sich und den Übriggebliebenen klare Getränke in unklaren Gläsern aufs Haus ein.
Einen Tag in der Woche hat er jedoch frei, sein persönlicher Sonntag. Dann übernimmt Gitti den Tresen. An diesem Tag ist er immer unterwegs. Packt Thermoskanne, Stullen und seinen Sohn ein und sie fahren in den Wald, an den See oder streifen ziellos durch die Landschaft. Dementsprechend verwundert war Gitti hier Harry heute zu sehen.

Harry sitzt ganz rechts am Tresen, vor ihm stellt Gitti die beiden Gläser ab. Er ext beide, kurzer Blick zu Gitti, dann zündet er sich eine Zigarette an. Am anderen Ende des Tresens hängt ein Regal an der Wand. Darin liegt ein Gedichtband von Rainer Maria Rilke. Die Seiten sind schwach abgegriffen, keine Eselsohren. Hier wiegen eben ein zustimmendes Nicken und ein langes Schweigen bedeutungsschwerer als die Worte eines Lyrikers der literarischen Moderne.
Gitti stellt zwei neue Gläser vor Harry. Sie schaut besorgt und mit heruntergezogenen Augenbrauen in seine Richtung, trocknet weiter Gläser. Vor ihr liegen drei Zettel der Mittrinkenden am Tresen. „Käthe – 4x Sekt; 2x Klare“; „Erwin – 3x Weinbrand-Cola; 3x Klare“ und direkt neben Harry sitzend „Rudi – 5x Bier; 4x Klare“.

Harry kennt die drei gut. Er könnte von ihren Gesichtern ablesen, was bei Gitti auf dem Zettel steht. Er kennt ihre Wehwehchen, weiß, an welchen Tagen sie trauriger als im Rest des Jahres sind. Sie sitzen hier schon eine ganze Weile und haben bereits ihren Frieden mit der Zukunft gemacht und werden es mit der Vergangenheit niemals können.
Heute sitzt er auf ihrer Seite, wortkarg und in sich gekehrt. Wer trinkt und schweigt, dem beschäftigt etwas und hier wird schon lang nicht mehr gesprochen.
Wenn die Arbeiter vom Feld kommen und für ihr Feierabendbier hier absteigen, steigt auch mit ihnen die Geräuschkulisse. Und dann kommen in die kleine Dorfkneipe die immergleichen Gesichter mit den immergleichen Geschichten, die bereits genauso vergilbt sind wie die Gardinen, die an der Stange vor den Fenstern wie erhängt baumeln.

Als Gitti zum vierten Mal die vollen Gläser vor Harry abstellt, sagt er, ohne sie anzuschauen, in den Raum hinein: „Gestern war Karin mit dem Kleenen bei ihren Eltern und kam abends nicht Heim. Heute hab ick n Zettel im Briefkasten jefunden, dass sie och nicht vorhat, so schnell wieder uffzukreuzen.“ „Ach, Scheiße, Harry. Dit tut mir leid. Kann ick dir irgendwat jutet tun?“
Harry schüttelt den Kopf. „Heute Morgen dachte ick noch, dass dit schlimmste heute der Kopfschmerz vom Kater werden würde aber jetze schmerzt mir nur noch dit Herze. Und ejal, wie viele Halbe und Kurze ick mir noch hinter die Binde kippe, et wird nich weniger.
Als ick vom Briefkasten wieder ins Haus jing und noch völlig neben mir stand, hab ick mich an den Küchentisch jesetzt und starrte erstmal nur Löcher inne Luft. Wusste nich, wat ick machen sollte. Heulen, schreien oder doch wieder saufen. Dann sah ick die leere Schnapsflasche am Mülleimer. Da dachte ick mir, nich nur der Fusel ist leer, mit jedem Schluck hab ick mir och dit Leben wegjespült zusammen mit Karin. Und jetz sitz ick hier, weil ick nich weeß wohin. Früher dacht ick, dass dit der Kreislauf des Lebens is. Morgens kräht zuerst der Gockelhahn im Stall und abends zuletzt der Zapfhahn in der Kneipe. Und wie bei unseren Alten uff m Feld früher hilft n Klarer im Verstand.
Aber jetz, ick weeß nich, wohin mit mir. Am liebsten würd ick wie Karin einfach wegfahren. Egal, ob Schweden oder Schwedt, Hauptsache weg von hier.“
„Wie willst n nach Schweden, türmen oder wat?“
„Ja, nee, weeß ick doch och nich. Ick weeß ja och nich, wat ick in Schwedt will aber hier is dit Haus, sind die Erinnerungen, is die Traurigkeit aber hier is keene Karin, obwohl mich allet an ihr erinnert und dit macht mich kirre.“
Harry guckt, während er redet, die ganze Zeit auf einen schwarzen Fleck an der Wand, wahrscheinlich eine ausgedrückte Zigarette und schaut Gitti dabei nicht einmal in die Augen. Gitti wiederum konzentriert sich voll auf Harry, was die Durstigen am Tresen allmählich verdrießt. ‚Dit Schlimmste am Tresen is n leeret Glas‘, murmelt Erwin, was aber Gitti nicht hört, da sich über die leise Unverständlichkeit noch ein dominantes Lallen legt.
„Und wat haste nun vor?“, fragt Gitti, „irgendwat musste machen. Wenn de nur uff n Wunder wartest, sitzte bald täglich hier neben die anderen drei.
Ick kenn doch Karin, die is n Dickkopf, jenau wie du. Wat euch aber unterscheidet, is ihr Stolz. Karin is stolz uff ihr Leben. Stolz uff ihr n Sohn, stolz uff dit Haus, stolz uff dich, Mensch! Wenn de ihr aber den Stolz nimmst, dann nimmste ihr och die Kraft dit Leben hier zu bewältigen. Dann is se nämlich nur irgendeene Frau, die nich uff ihre Mutter jehört hat, erst zu früh graue Haare und dann die ersten Gebrechen bekommen hat und et nich weiter jeschafft hat als in dieset kleene Dorf, dit schon lange verjessen wurde, wie sie dann och bald.“
„Ick würd se nie verjessen…“
„…dann zeig et ihr och! Harry, Mensch, denkste Erich, unser großer Erich hat n schönen Feierabend, weil wa ach so toll den 5-Jahresplan einhalten, jeder Jungpionier die Antwort uff ‚Für Frieden und Sozialismus – seid bereit!‘ kennt oder er über hundert Prozent bei irgendeener Wahl erreicht hat? Nee, Erich Ernst Paul Honecker hat n schönen Feierabend, wenn Margot n schönen Feierabend hat, fertig is die Laube. Honecker kann n janzet Land führen, also an der Nase herum aber am Ende vom Tach seid ihr gleich. Jede Arbeit is nur ne Nebentätigkeit. Die Ehe is ne Vollzeitstelle mit täglich Überstunden. Die Losung der Ehe heißt – ‚Für Friede und die Ehefrau – seid bereit!‘. Weg vom Tresen, ruff uffs Sofa! Tut der Seele jut, dem Herzen sowieso und die Leber sagt och noch ‚danke‘.“

Harry schnauft tief durch, erstmal eine Zigarette. Gittis spontane Rede zur weiblichen Lage der Nation knallte rein wie ein Rosenthaler Kadarka auf nüchternen Magen. Ihre Worte hallten noch in den leeren Gläsern nach und setzten sich erst allmählich in den alkoholgetränkten Köpfen der Anwesenden. Harry sagte eine Zigarette lang nichts. Erst langsam begann er seine Gedanken zu sortieren und in Worte zu fassen.

„Den Stolz nehmen…stolz uff mich sein, alleene dat de dit jesagt hast, hat meen Herz kurz hüpfen lassen. Dit is et doch, wat ick will, dass Karins Herz hüpft, meens hüpft wegen ihret und zusammen stehen wa uff der Hüpfburg der Honigkuchenpferdchen. Ick weeß zwar nich, ob wa jemals da jewesen sind, aber uns in diesem Bild jedanklich einzurahmen, is meene persönliche Mona Lisa.“
„Na, hömma, kieck dir einfach n Foto eurer Hochzeit oder von der Jeburt vom Kleenen an. Da haste deine Mona Lisa und brauchste och keenen da Vinci dafür, dit is dein Werk.“
„Wenn ick mir jetz die Bilder ankieckte, würde et mich zerreißen. Dann würde ick nie mehr trocken werden und n 6er Pack Kriepa würde och nich reichen.“

Da spricht auf einmal Rudi, der neben Harry sitzt, in die schwere Stille hinein: „Ick möchte mich ja nich in deine Anjelegenheiten einmischen aber du musst dich entscheiden, ob de morgen wieder an Gittis Stelle stehen und jeden Tag in unsere Jesichter kiecken willst oder doch lieber in die deiner Lieben? Bitte nich falsch verstehen, ick mag ja och Gitti aber ihre Schaumkronen sind manchmal größer als die der Birken uff n Friedhof.
Außerdem weeß ick leider wovon ick spreche, ick stand och mal vor der Wahl, ob Sekt oder Selters…“
„….und, wat haste jemacht?“, fragt Harry.
„Mich für dit falsche Pferd entschieden. Anstatt fett zu werden mit ner Wohlstandsplautze, die, wenn schon nich mit Jeld, wenigstens voll mit Liebe jewesen wäre, hab ick mich stattdessen für ne Fettleber entschieden. Seitdem sitz ick hier und anstatt ne Familie zu versorgen, versorge ick täglich meine Leber.“

Harry sucht heute zum ersten Mal Augenkontakt und schaut zu Rudi rüber. Er wirkt jetzt zum ersten Mal wach. Gittis Worte für Karins Nöte verbunden mit Rudis Dystopie für ihn bereiten Harry eine Schweißattacke, die ihm die Promille aus dem Körper verdunsten. Ein klarer Blick, ein gerader Rücken, Harry schien verstanden zu haben. Dann drückt er seine erst halbgerauchte Zigarette im Aschenbecher aus, steht auf und geht wortlos zur Tür hinaus. Rudi schaut kurz hinterher und sieht nur noch die Tür ins Schloss fallen. Dann dreht er sich wieder um und schiebt langsam Harrys halbvolles Bier zu sich herüber, der Schaum ist bereits komplett aufgelöst.
Am nächsten Tag kommt Gitti vorsorglich eine halbe Stunde vor Öffnung zur Kneipe. Sie möchte die Tür aufziehen und merkt, dass sie noch verschlossen ist. Sie schließt auf und bereitet alles vor, dass auch heute niemand im Dorf auf dem Trockenen sitzen muss. Die Kneipe ist nun seit mittlerweile einer Stunde geöffnet, der Tresen ist mit den bekannten Gesichtern besetzt und vor Gitti liegen drei neue Zettel, die jeweils mit den Namen Käthe, Erwin und Rudi überschriftet sind.

Und dann geht die Tür auf. Von draußen tritt ein mittfünfzigjähriger Mann in die kleine Dorfkneipe ein. Der Raum ist dunkel und von blauem Rauch durchsetzt. Kein gesenkter Kopf erhebt sich, nur Gitti guckt zur Tür, während sie unablässig Gläser trocknet. Er setzt sich ganz rechts an den Tresen. Gitti stellt ihm unaufgefordert zwei volle Gläser hin. Er ext beide, kurzer Blick zu Gitti, dann zündet Harry sich eine Zigarette an.
 
Senior
Monster-WG
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Hola @Fa Da,

ich mag Texte mit solchem Inhalt. Bisschen Retro, unspektakulär, doch mit viel Menschelei.
Ich falle mal gleich mit der Tür ins Haus, weil ich schon anfangs stolperte:

Ein Ort, an dem die D-Mark weniger wert ist, …
Weniger als was? Ist immerhin die Westmark …
das Russische vertrauter als das Bayrische
Klingt originell, nur war das Russische nie und nimmer vertraut bei ‚normalen‘ Bürgern. Auch mir ging‘s nicht rein nach fünf Jahren Unterricht.
Bayrisches war kein Problem, schließlich hatten wir ‚Westfernsehen‘ :D .

das Bier günstiger am Tresen als im Kasten ist.
Gefällt mir – das war vor dem Kneipensterben.

Die Plätze am Tresen sind stärker gefüllt als die Gläser davor, …
Plätze können nicht gefüllt sein, Räume sehr wohl. Hier war Dir aber der Gag wichtiger, oder?

die Lampen sind an
hehe:drool:
Die Glühbirnen über dem Tresen funktionieren nicht.
Diese nachgeschobene Erklärung für die Doofen braucht es nicht. Entweder kennt man‘s oder nicht. Dass kaputte Glühbirnen (gleich mehrere!) … bringt den Text nicht weiter. Aber noch ein Gag …

Freibier, wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen oder die Mauer fällt.
Haha, da hätte die Stasi ruckzuck Schild und Wirt einkassiert.

...Tageslicht sieht man hier selten.
Phrase. Eine Dorfkneipe hat schon vor Einbruch der Dunkelheit geöffnet.

… da die Kneipe bereits mit kaputten Gläsern, Staub und in Vergessenheit eröffnet wurde.
Kaputte Gläser sind Scherben. Vielleicht ‚angeschlagene Gläser‘?
Und eine Kneipe in Vergessenheit zu eröffnen …?

Dementsprechend verwundert war Gitti hier K Harry heute zu sehen.
Überflüssig. Die ist schon einen Absatz vorher verwundert:
„Harry? Wat machst du’n hier?!

Lieber Fa Da, ich habe jetzt dreißig Zeilen gelesen und keine Lust auf mehr.
Ich muss – wie Du siehst – zu oft unterbrechen, weil mich irgendwas im Text stört. Hätte aber lieber ein rundes Lesevergnügen.
Ich würde raten: Verzichte auf Gags, wenn sie nicht passen. Lies alles doppelt und dreifach, hinterfrage, klopfe Deine Geschichte auf Schwachstellen ab. Das dürfte bei dieser Länge etwas Aufwand bedeuten, aber wenn Du einer breiten Leserschaft einen Text präsentierst, sollte der wasserdicht (haha) sein.

Ich denke, das würde sich lohnen. Es ist eine anrührende Geschichte, auch wenn der Leser (ich hab dann doch zu Ende gelesen:Pfeif:) nicht unbedingt Empathie für hoffnungslose Alkis aufbringt.
Sicherlich gibt‘s Leute, die hier von menschlicher Tragödie reden würden, aber das ist Ansichtssache. Für mich würde die Tragödie dort anfangen, wo man ausbricht, weil der Druck zu groß ist, es wenigstens versucht, etwas zu ändern - auch wenn man es nicht schafft. Wenn aber jemand nur – wenn auch herzergreifend – labert und trotzdem ext, dann wird‘s zappenduster.

Übrigens hat mir auch der Dialekt-Teil zugesagt, klingt echt. Für mich ein Beispiel, wie durch Dialekt nicht nur Herzlichkeit direkter wirkt, sondern wie Rede und Sprüche erträglicher werden – das hat auch etwas Einlullendes. Gefährlich.

Auf jeden Fall gutes Thema, auch Deine Art zu schreiben finde ich angenehm und deshalb freue ich mich, Willkommen sagen zu können und Dir eine gute Zeit im Forum zu wünschen.

José
 
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José!

Vielen Dank für deine Zeit und deine angesprochenen Punkte, vieles dabei, was ich direkt nochmal ändern werde.
Einzelne Punkte waren anscheinend nicht eindeutig von mir formuliert.
"Ein Ort, an dem die D-Mark weniger wert ist, …"
--> die Mark der Deutschen Demokratischen Republik war weniger wert als die D-Mark.

"...Tageslicht sieht man hier selten."
--> sollte in die Richtung gehen, dass die Vorhänge zugezogen es tendenziell einfach...dunkel ist. Aber klar, du hast schon recht, dass man es genau so auch lesen kann.

Vielen Dank nochmal, hat mir sehr geholfen und danke für deine willkommenden Grüße - freue mich hier mehr aktiv zu werden!
Fab

Hola @Fa Da,

ich mag Texte mit solchem Inhalt. Bisschen Retro, unspektakulär, doch mit viel Menschelei.
Ich falle mal gleich mit der Tür ins Haus, weil ich schon anfangs stolperte:

Ein Ort, an dem die D-Mark weniger wert ist, …
Weniger als was? Ist immerhin die Westmark …
das Russische vertrauter als das Bayrische
Klingt originell, nur war das Russische nie und nimmer vertraut bei ‚normalen‘ Bürgern. Auch mir ging‘s nicht rein nach fünf Jahren Unterricht.
Bayrisches war kein Problem, schließlich hatten wir ‚Westfernsehen‘ :D .

das Bier günstiger am Tresen als im Kasten ist.
Gefällt mir – das war vor dem Kneipensterben.

Die Plätze am Tresen sind stärker gefüllt als die Gläser davor, …
Plätze können nicht gefüllt sein, Räume sehr wohl. Hier war Dir aber der Gag wichtiger, oder?

die Lampen sind an
hehe:drool:
Die Glühbirnen über dem Tresen funktionieren nicht.
Diese nachgeschobene Erklärung für die Doofen braucht es nicht. Entweder kennt man‘s oder nicht. Dass kaputte Glühbirnen (gleich mehrere!) … bringt den Text nicht weiter. Aber noch ein Gag …

Freibier, wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen oder die Mauer fällt.
Haha, da hätte die Stasi ruckzuck Schild und Wirt einkassiert.

...Tageslicht sieht man hier selten.
Phrase. Eine Dorfkneipe hat schon vor Einbruch der Dunkelheit geöffnet.

… da die Kneipe bereits mit kaputten Gläsern, Staub und in Vergessenheit eröffnet wurde.
Kaputte Gläser sind Scherben. Vielleicht ‚angeschlagene Gläser‘?
Und eine Kneipe in Vergessenheit zu eröffnen …?

Dementsprechend verwundert war Gitti hier K Harry heute zu sehen.
Überflüssig. Die ist schon einen Absatz vorher verwundert:
„Harry? Wat machst du’n hier?!

Lieber Fa Da, ich habe jetzt dreißig Zeilen gelesen und keine Lust auf mehr.
Ich muss – wie Du siehst – zu oft unterbrechen, weil mich irgendwas im Text stört. Hätte aber lieber ein rundes Lesevergnügen.
Ich würde raten: Verzichte auf Gags, wenn sie nicht passen. Lies alles doppelt und dreifach, hinterfrage, klopfe Deine Geschichte auf Schwachstellen ab. Das dürfte bei dieser Länge etwas Aufwand bedeuten, aber wenn Du einer breiten Leserschaft einen Text präsentierst, sollte der wasserdicht (haha) sein.

Ich denke, das würde sich lohnen. Es ist eine anrührende Geschichte, auch wenn der Leser (ich hab dann doch zu Ende gelesen:Pfeif:) nicht unbedingt Empathie für hoffnungslose Alkis aufbringt.
Sicherlich gibt‘s Leute, die hier von menschlicher Tragödie reden würden, aber das ist Ansichtssache. Für mich würde die Tragödie dort anfangen, wo man ausbricht, weil der Druck zu groß ist, es wenigstens versucht, etwas zu ändern - auch wenn man es nicht schafft. Wenn aber jemand nur – wenn auch herzergreifend – labert und trotzdem ext, dann wird‘s zappenduster.

Übrigens hat mir auch der Dialekt-Teil zugesagt, klingt echt. Für mich ein Beispiel, wie durch Dialekt nicht nur Herzlichkeit direkter wirkt, sondern wie Rede und Sprüche erträglicher werden – das hat auch etwas Einlullendes. Gefährlich.

Auf jeden Fall gutes Thema, auch Deine Art zu schreiben finde ich angenehm und deshalb freue ich mich, Willkommen sagen zu können und Dir eine gute Zeit im Forum zu wünschen.

José
 

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