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seltsam

Genre: seltsam

  1. Raubtier

    Es ging bergab. Er beschleunigte und lauschte dem schneller werdenden Klacken der Gangschaltung im Freilauf. Mona kam ihm in den Sinn, aber er verscheuchte den Gedanken gleich wieder. ‚Nicht hier und nicht jetzt‘, sagte er sich. Sein Entschluss stand ohnehin fest. Schließlich steuerte er auf das...
  2. Der Doppelgänger

    Berlin, März 1945 Wilhelmstraße 77 Die schwere Stahltür schließt sich geräuschlos wie von unsichtbarer Hand, nachdem der Leibarzt das Büro verlassen hat. Wieder allein, nur er und Blondi. Dort, wo die Nadel seine Haut durchstoßen hat, knapp unter der Armbeuge, juckt es ein wenig. Doch das...
  3. Der Maler

    Abends auf dem Bett. Am Ende derartiger Tage im Menschengewirr ist flach atmen angesagt. Anderes erscheint unmöglich. Die Wassertemperatur in der Luft liegt zwischen 35 und 40 Grad. Meine Kiemen öffnen sich träge im Minutentakt. Zu nichts in der Lage sehne ich mich der verdienten Ohnmacht...
  4. Der Riss

    Das schrille Klingeln des Weckers zerriss die Spannung im Schlafzimmer, sofort brachte ihn eine knöcherne Hand mit einer wachen, präzisen Bewegung zum Schweigen. Stephen hatte es an diesem Morgen nicht nötig geweckt zu werden, er hatte sich schon vor einer guten Stunde aus dem ruhelosen...
  5. Der Wecker klingelt.

    Nein. Er klingelt nicht. Sein scharfes Bellen zerreisst den warmen Morgen und liefert sich einen erbitterten Kampf mit jener Schläfrigkeit, die sich eben noch schützend über mich geworfen hat. Mühsam presse ich meine Augen zusammen und verliere ihn doch allmählich, den alltäglichen Kampf. Ich...
  6. "Hey, du"

    Ich liebte unsere jährlichen Ausflüge in die Berge. Mein guter Freund Robert und ich pflegten diese mittlerweile als eine Art heiliges Ritual und ich war schon Wochen bevor wir uns in meinem alten, klapprigen VW Golf auf den Weg machten, erfüllt von kindischer Vorfreude. Wir genossen das...
  7. Wegweiser

    Noch heute erinnere ich mich genau an jenen Tag, der mein Leben und meinen Blick auf mich selbst auf Ewig wandelte. Es war genau in der Mitte des Monats Mai. Die Sonne stand hoch und hell am Zenit und wärmte die Atmosphäre unter sich zu wieder angenehmen Temperaturen. Ich weiß nicht genau wie...
  8. Maois Geschichte

    Der Mann an der Theke hatte seinen Blick nach innen gekehrt. Das Bier vor ihm war kaum angerührt und seine Zigarette verglühte vergessen im Aschenbecher. Ein schweigsamer Mann war in dieser Bar, die eine Zuflucht für Außenseiter war, keine Seltenheit. Die Menschen, die den Weg in diese Bar...
  9. Copywrite Was die Späher fanden

    Severins Blick springt zwischen weißen Margeritenblüten und der langsam dichter kommenden Schneefront hin und her. Während noch Bienen und Hummeln schwirren, bildet sich am Bachlauf eine Eisschicht, geht die Sonne hinter einem im Raureif glitzernden Baum auf. Mit sorgenvoller Miene tritt der...
  10. Lörtsch

    „Ich glaub ja nicht an den Himmel, weißt du. Ich glaub an die Hölle.“ Ich mache eine Pause und deute mit meiner Hand vage aus dem Autofenster. „Da draußen.“ Mein Beifahrer zeigt sich unbeeindruckt. Lehnt mit seinem Körper lässig an der Tür und kippt in jeder Kurve mit seinem Kopf entweder aus...
  11. Copywrite Dein Mitbewohner ist ein Alien

    Nichts geschieht durch Zufall. Nichts ist so, wie es scheint. Alles ist miteinander verbunden. Der Anblick von Aliens ist für dich mittlerweile alltäglich geworden. Du siehst sie über die Straße laufen, Bus fahren, ja, einer sitzt sogar im Supermarkt, in dem du regelmäßig einkaufst, an der...
  12. Ende Juli

    Ich war dafür bekannt, meine Opfer unauffällig und lautlos in den sicheren Tod zu schicken. Geduldig wartete ich im Garten, einem Eldorado für Insektenliebhaber wie mich. Die Vorräte gesichert, der Winter in weiter Entfernung. Und die Konkurrenz? Sie schlief offenbar. Glücklich saß ich an der...
  13. Copywrite Wir waren eine Band

    Cleo studiert jetzt Psychologie in Kiel. Sie hat mich vollkommen durchschaut und in Einzelteile zerlegt. Psychologinnen lernen das ja. Sie müssen im Studium in einen Spiegel schauen und ihre Pupillen justieren, bis sich die Seele dreidimensional erhebt. Bildfreudige Kinder kennen ähnliche...
  14. Copywrite Die Hüter

    Ifa Jallow Unter den Rekruten gab es ein Gerücht: Wenn du in der Tiefe verloren gehst, dann öffnet sich zuletzt ein verborgenes Ventil und Gas strömt in den Helm. Du lächelst, während du stirbst. Noch atme ich. Wieder geht ein Ruck durch die Luzifer, die schimmernden Außenkanten verrutschen...
  15. Copywrite Wohin die Zikaden fliegen

    Etwas Zeit bleibt ihr. Margaux dreht am Hahn, das Wasser so heiß, wie sie es gerade ertragen kann, reibt die Seife über den Handballen, zwischen den Fingern, verschränkt sie, als wollte sie beten, verteilt Creme, wartet, bis sie eingezogen ist. Es riecht nach Lavendel. Wenn doch der Sommer bald...
  16. Zur Arbeit

    Die Luft flimmert über dem Asphalt. Schon morgens um kurz vor neun fällt Hano das Atmen schwer. Ein Jackett verdeckt das durchschwitzte Hemd. Am Ende der Straße steht das braune Bürogebäude. Die reflektierenden Fenster schirmen dessen Welt ab. Das eigene Spiegelbild statt eines Blickes ins...
  17. Knochenspreißel

    Unter den Reifen unseres Bentleys knirscht der Kies, als der Wagen beim Spielplatz zum Stehen kommt. Ich drücke mein bleiches Gesicht gegen die Scheibe. Hinter den Fenstern klebt eine verwaschene, graue Welt ohne Konturen. Hier drin wohnt die Kälte und Papa sitzt vorne, streichelt die Armaturen...
  18. Innerer Dialog mit: Postal

    going postal: umgangssprachliche Bezeichnung, vor allem in den USA, für gewaltsames Herumwüten, Amoklaufen. “ICH BRING SIE UM!”, schrie der junge Mann in der schwarzen Kutte. “Okay, was ist diesmal passiert, Postal?”, sagte Egon, der im Türrahmen von Postals Zimmer stand, “Meine Güte, wir...
  19. Der Klavierspieler

    Sonntag. Spät Abends, es ist dunkel. Die rotorangenen Laternen erhellen schwach das Pflaster. Der Nachbar hat zum Essen eingeladen. Ein Witwer, Mitte 40, Pianist von Beruf, ein ausgesprochen Guter dazu. Die Eingeladene, Frau Amenroth, setzt einen Fuß auf die Türschwelle, die linke Hand an den...
  20. Der Wanderer im Nebel

    Wie konnte ich nur so verblendet gewesen sein, mich zu dieser vermaledeiten Anstellung überreden zu lassen? Das war einer der üblichen Gedanken von Jonas, während er einen abendlichen Spaziergang durch den kleinen Ort machte. Ein verlockend klingendes Angebot eines Arbeitgebers hatte ihn...

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