Was ist neu

seltsam

Genre: seltsam

  1. Festgenommen

    Ich könnte vom Tanzen erzählen. Das mache ich aber nicht mehr. Oder vom Kickboxen, mache ich aber auch nicht mehr. Ich könnte von der Rothaarigen beim Penny erzählen, wo sie sich regelmäßig vor ihrem Fanclub auszieht und Lieder singt. Ich könnte erzählen, wie wir auf Gruppenfahrt mit neun oder...
  2. Herbstferien

    In diesen wenigen Herbstwochen verloren wir unsere Abenteuerlust. Eigentlich hätte Tante Sanna uns – meine kleine Schwester Annikki und mich – zu ihrem Sommerhaus in den Wäldern von Kuhmo mitnehmen sollen. Fischen, Schwimmen, Beerenpflücken. Aber erst würden wir ein Wochenende in der Wildnis...
  3. Schreibstube

    Die Zigarette im Aschenbecher ließ ihren Rauch in unregelmäßigen Schlangenlinien empor steigen. Es war eine ungewöhnlich lange Zigarette. Die Luft roch süßlich. Elia schenkte sich eine frische Tasse Kaffee ein. Er goss etwas Milch nach, bis das Getränk die gewünschte Färbung zeigte. Er...
  4. Der Alte

    Dieser Raum war sein Lieblingsort. Hier war es warm. Ab und an lagen Wäschestücke herum, in denen man es sich gemütlich machen konnte. Der schwarze Kater saß auf dem Boden der Waschküche, und leckte eine seiner Pfoten. Er massierte mit den Ballen seiner Tatze das rechte Ohr. Es war sein Ritual...
  5. Laufen in der Nacht

    Deine Freundin hat sich zur Ex gemacht. Das ging so: Sie saß auf einem roten Schemel in der Wohngemeinschaftsküche. Ihre Haut adlig blass. Der Himmel grau wie Dachpappe. Es gab schwarzen Tee. Sie berichtete aus eurer gemeinsamen Vergangenheit. Die, laut ihr, gar nicht so gemeinsam war. Du...
  6. Wo bist du jetzt?

    Marit löste sich von ihm, bevor er sie erneut küssen konnte. „Komm“, sagte sie und lief zum Seeufer. „Was hast du vor?“, rief Hendrik und folgte ihr. Fast wäre er in der Dunkelheit über eine Wurzel gestolpert. Der Halbmond reflektierte nur einen schwachen silbernen Schein. Sie erreichten das...
  7. Film

    Ein Gewirr aus Stimmen durchbricht die Stille, als die Tür aufschwingt und Licht meine Dunkelheit spaltet. Langsam gewöhnen sich meine Augen an den Kontrast, fixieren durch die Haare linsend den schmalen Grat, den ich überschreiten werde. Du trittst auf die Straße, ein kurzer Schockmoment...
  8. Bürden eines Sanitäters

    Im Hintergrund donnert die Artillerie. Hunderte Männer stehen knietief im Schlamm, ziehen die Köpfe ein. Es regnet. Einer lugt vorsichtig über den Rand des Grabens hinaus, Gehirn und Blut fliegen, er fällt tot in den Dreck. Keiner zuckt, niemand erschrickt, er ist nur einer von vielen. Sie sind...
  9. Der Wanderer

    Am Horizont leuchtet ein Licht. Sein Schein kämpft sich durch die dichten Nebelschwaden, treibt sie zur Seite. Es ist wie ein Leuchtfeuer für verlorene Seelen, die Erlösung suchen, sie wandern ziellos durch die endlose Weite und suchen etwas, von dem sie nicht einmal selbst wissen, was es ist...
  10. Der Mann zwischen Bühne und Publikum

    Er kam nicht auf die Bühne, wie man es gewohnt war oder wie man es von ihm erwartete. Die ersten zwei Schritte waren unbeholfen und er taumelte beinahe aus dem roten Vorhang hervor; aus dem Schatten in das Licht. An den Füßen, die ihn an den vorderen Rand der Bühne trugen, befanden sich schwarz...
  11. Serie (1) unerwarteter Halt

    Ich musste eingeschlafen sein. Die junge Frau, die neben mir gesessen hatte weckte mich sanft: „Sie müssen aufwachen, wir müssen aussteigen. Wir haben eine Panne." Ich schaute verschlafen in ihre karneolbraunen Augen. Ihre schönen Locken bewegten sich leicht im Zug der eiskalten...
  12. Serie (2) Der Fremde

    „Heute ist der Iraker gestorben. Oder vielleicht gestern, ich weiß es nicht. Ich habe ihn umgebracht.“ Gregor Meursel schrieb die Worte auf die Rückseite eines Aktiendepotauszuges, legte den Stift aus der Hand und ging zum Fenster. Er legte die Hand, die eben noch den Stift geführt hatte, auf...
  13. Papa strebt zum Erdengott

    Papa, Post von dir. Als deine Tochter antworte ich folgendes: Du ermahnst meine nonkonforme Lebensweise. Aber deine Worte erschrecken mich nicht mehr. Sie sind Fratzen auf Chlorpapier. Die schreien, und heben sich mit magischer Gruselkraft aus der Erkenntnis, dass das, was in Schwimmbädern...
  14. Eduard und der Fisch

    Eduard setzte sich auf den alten Klappstuhl und sah über den See hinaus. Es hatte leicht zu nieseln begonnen, doch er war noch nie der Typ gewesen, der sich über solche Naturgegebenheiten aufregte. Auf seinen nackten Unterarmen hatte sich eine dünne Wasserschicht gebildet, die er jetzt sanft...
  15. Ein Abend im November

    Durch die Dunkelheit prasselte der Regen gegen die Fenster. Ich hatte gerade meinen letzten Brief geschrieben und sah mich in der Wohnung um. Alles entsprach meinen Vorstellungen. Ein sehr trauriges und dennoch zugleich warmes Gefühl überkam mich. Ich würde jetzt gehen und Frieden finden...
  16. Raubtier

    Es ging bergab. Er beschleunigte und lauschte dem schneller werdenden Klacken der Gangschaltung im Freilauf. Mona kam ihm in den Sinn, aber er verscheuchte den Gedanken gleich wieder. ‚Nicht hier und nicht jetzt‘, sagte er sich. Sein Entschluss stand ohnehin fest. Schließlich steuerte er auf das...
  17. Der Doppelgänger

    Berlin, März 1945 Wilhelmstraße 77 Die schwere Stahltür schließt sich geräuschlos wie von unsichtbarer Hand, nachdem der Leibarzt das Büro verlassen hat. Wieder allein, nur er und Blondi. Dort, wo die Nadel seine Haut durchstoßen hat, knapp unter der Armbeuge, juckt es ein wenig. Doch das...
  18. Der Maler

    Abends auf dem Bett. Am Ende derartiger Tage im Menschengewirr ist flach atmen angesagt. Anderes erscheint unmöglich. Die Wassertemperatur in der Luft liegt zwischen 35 und 40 Grad. Meine Kiemen öffnen sich träge im Minutentakt. Zu nichts in der Lage sehne ich mich der verdienten Ohnmacht...
  19. Der Riss

    Das schrille Klingeln des Weckers zerriss die Spannung im Schlafzimmer, sofort brachte ihn eine knöcherne Hand mit einer wachen, präzisen Bewegung zum Schweigen. Stephen hatte es an diesem Morgen nicht nötig geweckt zu werden, er hatte sich schon vor einer guten Stunde aus dem ruhelosen...
  20. Der Wecker klingelt.

    Nein. Er klingelt nicht. Sein scharfes Bellen zerreisst den warmen Morgen und liefert sich einen erbitterten Kampf mit jener Schläfrigkeit, die sich eben noch schützend über mich geworfen hat. Mühsam presse ich meine Augen zusammen und verliere ihn doch allmählich, den alltäglichen Kampf. Ich...

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