Was ist neu
  • Macht bis zum 15.08.2020 mit bei der ersten jährlichen Sommer-Challenge für Kindergeschichten: Zielgruppe Krümel.

seltsam

  1. Hinterm Fenster

    Ich schaue aus dem Fenster und sehe Dunkelheit. Es ist Nacht, der Mond verweigert der Welt sein kaltes, beruhigendes Antlitz, und ohne ihn sind die Sterne äußerst scheu vor fremden Blicken, lassen sich nicht sehen. Die armen, denke ich, sie werden ja doch nur belächelt. „Wer auch nicht?“...
  2. Das -Ich-

    Dieser eine Moment der Stille. Alles fühlt sich an, als bleibt die Zeit kurz stehen. Der Fernseher läuft, aber ist auf lautlos geschaltet. Ich habe Kopfhörer auf und dröhne mich mit Linkin Park zu. Ich sitze am Schreibtisch und spiele nervös mit meinem Kugelschreiber in meiner rechten Hand...
  3. Timo Tusker ist nicht mehr.

    Mir ist, als ob es gestern wär - Timo Tusker ist nicht mehr. Am Morgen öffnete sich die schwere Eichentür der Kapelle von St. Johannis. Der dezent geschmückte, aber nicht sonderlich große Bauch des Kirchenschiffes lag vor den eintretenden Menschen. Auf dem Weg in den Raum stellte man fest...
  4. Es wird passieren

    Das Kind zog am Ärmel der Mutter und zeigte zum Himmel. „Was ist?“, fragte sie und blickte nach oben. Etwas breitete sich aus, wie eine schwarze Wolke, nur schien sie aus unzähligen Fäden zu bestehen. *** Die Lichter in der Eisdiele und der Umgebung gingen aus, Ampeln erloschen. Die Menschen...
  5. Serie Havanna-Blues

    Das mächtige Schiff schaukelt ein wenig, drängt sich an die Mauer, stößt sich rhythmisch ab, als könnte es sich nicht entscheiden, ob es bleiben oder aufs Meer treiben soll. Stahlseile halten es fest. Signallichter blinken. Auf den Decks sehe ich die Schatten der Wachleute. Sonst ist keiner mehr...
  6. Mehr Schein als Sein

    Sie brauchte einen Moment, um zu erkennen, aus welcher Richtung der matte Schein des Mondes auf sie fiel. Die Welt wirkte blass und fern, obwohl erkennbar war, wie sich draußen der Tag verabschiedete und seine betriebsamen Einwohner wechselten. Die Nachtgestalten kamen aus ihren Verstecken und...
  7. Gustaf

    I Gustaf trat aus dem Wald. Kurz war er geblendet. Von dem sonnengebleichten Weizen, der sich vor ihm erstreckte, und mit seiner vom Gestrüpp zerkratzten Hand beschattete er die Augen, seine müden Augen. Weiter, querfeldein, unter den Füßen knirscht das Stroh und am Himmel zerfasern die...
  8. Die Illusion, der Traum und die Wirklichkeit

    Ich öffne die Augen und sehe: nichts. Die Schwärze der Nacht hüllt sich um meinen Blick wie dunkler Samt, weich und warm. Ein behagliches Gefühl breitet sich in mir aus, obwohl ich heute alleine bin, meine Liebste weit entfernt von mir. Mein Herz gibt mir Kraft und ich sehne das Wiedersehen...
  9. Zwei Welten

    Sie schwebte durch die Finsternis, nur ein schwacher Lichtpunkt war zu sehen. Immer wieder gingen ihr die gleichen Bilder durch den Kopf: Der Freizeitpark. Die Achterbahn, der Looping. Lachende und schreiende Menschen. Alles stürzte zur Seite. Der Lichtpunkt wurde größer, schien näher zu kommen...
  10. Das Seil

    Er hatte den gebückten Gang jener Menschen, die innerlich gebrochen sind. Die Arme vor der Brust verschränkt, die Schultern nach vorne gezogen, die Schritte schwer, als schleppte er die Last der ganzen Welt auf seinen Schultern. Der Mund bewegte sich unentwegt, eine Litanei, klagend und seufzend...
  11. Deep Fears

    Ein Krankenzimmer, in einem verlassenen Krankenhaus, in einer Stadt, die auf keiner Karte verzeichnet war. Feine Staubpartikel tanzten in fahlem, grauen Licht vor dem Fenster. Die verdreckte Fensterbank bot ihr Dasein für ein Glas, trüb, voller Fettflecken. Auf einem schmalen, hohen Tisch lagen...
  12. Schweigen im Wind

    Erstaunt verknotete sich mein Magen, als ich auf der Düne zum Stehen kam. Im kühlen Wind kniete eine Frau und wirbelte Sand in alle Richtungen. Mein Hund raste hinunter und tat es ihr gleich, aber ich wollte weiter gehen. Und bleiben. Auf einer Fläche so groß wie zwei Picknickdecken waren Löcher...
  13. Familienzeit

    Weihnachten mit der Familie Kühne. Ein großes Schweigen. Der Sohn starrt auf das Handy, die neue Freundin. Die Tochter starrt auf die Narben auf ihrem Unterarm, der Ex-Freund. Einzig die Mutter starrt die beiden an und kaut an den Fingernägeln. Seit er weg ist, läuft nichts mehr rund...
  14. Die Jagd

    Lussi steht am Dorfbrunnen und kaut auf einem Stumpen. Daneben Gander und Niederberger, unrasiert und in grünen Faserpelzjacken. Sie haben die Arme verschränkt. Ruth dreht den Kopf weg, als sie an ihnen vorübergeht. Warst du einkaufen?, ruft Lussi. Sie hebt die Papiertüten in die Höhe. Darf ich...
  15. Der Schlund

    Wie auf Schienen lenkte ich das Auto die Serpentinen hinunter und nur gelegentlich warf ich einen Blick auf meine Kollegin. Sie saß auf dem Beifahrersitz und studierte aufrichtig konzentriert die Broschüre der Fortbildung, die wir besuchen wollten – Palliativmedizin in der Neurologie. „Sonntag...
  16. Die perfekte Frau

    David zog seine Bifi unter dem Bett hervor, riss die Verpackung auf und verschlang den Inhalt mit zwei Bissen. Das war der schönste Moment des Tages. Manchmal versuchte er ihn lange hinauszuzögern, denn alles, was danach kam, war Langeweile. Seine Mutter musste den Verstand verloren haben, als...
  17. Notbewegungshelfer

    „Notbewegungshelfer“. Ich wiederhole das Wort auf meinem Passierschein innerlich mehrmals. Das bin ich jetzt also. Irgendwie entspricht das dem Hauptinhalt meines gesamten Berufslebens. Vom Grundsatz her betrachtet, helfe ich anderen Individuen dabei, sich zu bewegen. Nur hat sich die Anzahl der...
  18. Heimfahrt

    Da stand er, ganz einsam auf seine Rückkehr wartend. Der Blaue, er hatte tapfer ausgeharrt, während seine morgens noch rücksichtslos dicht gedrängte Nachbarschaft den Nachmittag hindurch immer gefräßiger werdende Betonlücken hinterlassen hatte. Spät abends im Laternenlicht erinnerte er Lars...
  19. Der Schuss

    Spät ist es geworden, beinahe zu spät. Die Sonne ging schon langsam unter und immer noch hatte er es nicht getan. Er schaute nach links und rechts. Keiner, der ihn beobachtete. Gut so. Unter Druck war er noch nie besonders effektiv. Sein Blick richtete sich wieder nach vorne. „Ruhig atmen“...
  20. Doktor Brändli und das grosse Rennen gegen den wildgewordenen Suppentopf

    Doktor Brändli war heute schneller wach als sonst. Ihm war, als hätte er auch pfeilschnell geträumt. Er war noch ganz ausser Atem. Es war so ein Tag, an dem man das Gefühl hatte, der untergehende Mond - nein, der abstürzende Mond - hätte der aufgehenden Sonne einen Tritt versetzt und dabei...
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