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Genre: alltag

  1. Meeresleuchten

    alltag 
    „Ich möchte von Ihnen gar nicht im Einzelnen erfahren, welche Boshaftigkeiten Sie durch Ihren Vater erleiden mussten“, sagte der Therapeut, „stattdessen überlegen Sie doch bitte, wann es freudige Momente mit ihm gab.“ Sie wollte protestieren, noch viel lieber sich auf der Stelle erheben und...
  2. Vor und hinter Gittern

    Vor und hinter Gittern 5:34 Uhr und der Tag verspricht wie gefühlt jeder andere zu werden, seit dem ich im Gefängnis arbeite. Hauptsächlich befinde ich mich in der Untersuchungshaft. Für viele Menschen ein Unding sich freiwillig mit Mördern, Vergewaltigern und so weiter zu umgeben. Doch mir...
  3. Rock & Roll Queen

    Matze verschwand in einem Nebenraum. Ich bestellte mir ein Köpi, starrte auf die Schnapsflaschen im Regal und ließ den Tag Revue passieren. Uni, Mensa, Baumarkt. Abends die Gardinenstange angebracht und auf der Kochplatte Nudeln gemacht. Das war’s. Wieder mal nen Tag verschenkt … Jemand legte...
  4. Marshmallows

    alltag 
    "Sagen Sie nichts. Es geht um Jonas Finke, oder?" Der Schulleiter nickt. Wortlos reicht er mir das Schreiben. Ich nehme es entgegen und lese mit flackernden Augen. Den Briefkopf kenne ich schon. Jonas' Vater ist Anwalt. Hellermann, Finke und Partner. Eine Anwaltskanzlei im Stadtzentrum. Einige...
  5. Heimfahrt

    alltag 
    Seit drei Stunden fährt er durch die Nacht. Mitten im Herbst. Vorher hat er seine Tochter Sarah angerufen, die zur Zeit für ein Auslandsjahr in New York ist. „Jetzt in dieser Jahreszeit? Bist du verrückt?“, hat sie gefragt. Seit er am frühen Abend losfuhr, wird es immer kälter. In seinem alten...
  6. Lara

    Auf der Abendtour zeigst du mir Videos. Deine Freunde zünden Dum-Bum-Feuerwerkskörper an. Es gebe südlich der Stadt einen Mann, der einen Bunker betreibe. Von ihm kaufe jeder sein Feuerwerk. „Auf dem Sportplatz ist jetzt ein Krater“, lachst du und legst das Handy in die Seitenablage des Corsas...
  7. Felix und die Schon-Wieder-Worte

    »Ich mag das nicht«, hatte Mama gesagt. »Immer diese Wieder-Worte«. Felix läuft die letzten Meter zur Schule. Er läuft langsam. Gut, dass Mama ihn nicht sieht. Sie mag es nicht, wenn er trödelt. Aber sie hat ihn am Rathaus-Platz aussteigen lassen und ist schnell mit einem Aus-dem-Auto-Flugkuss...
  8. Erwachsen werden

    Das Rucken des Esstisches lies das darauf liegende Besteck erklirren, wärend eine Hand durch die Luft schwirrte. Mit einem lauten Schall, traf die Hand das Gesicht. Jay wurde, wie von einer Explosion, zur Seite geschleudert, wärend der Stuhl auf dem er saß nach Hinten umkippte. Es schlug ihm...
  9. Also bin ich

    Als ich meine Augenlider öffne, vermisse ich die Blumentapete in meinem Zimmer. Der Raum ist lichtüberflutet. Vor einer riesigen Fensterfront steht mein Vater unbewegt, ein Paket in der Hand. „Bist du wach?“ Seine Wörter wecken mich aus meinem Traum auf. Eine lästige, immer wiederkehrende...
  10. Auf der Schwelle

    „Hey, Weiler!“, rief der Schlotz, aber der Weiler reagierte nicht. „Hey, Weiler!“, rief der Schlotz noch einmal, aber der Weiler reagierte wieder nicht. „Hey, Weiler!“, rief der Schlotz erneut, aber der Weiler reagierte immer noch nicht. Hundert Mal ging das so. Und irgendwann guckte der Weiler...
  11. Vor ihrem Haus

    Christian steht neben seinem silbernen Toyota-Geländewagen auf dem Parkplatz von REWE; er hat den Rücken durchgestreckt, die Beine breit auseinander. Er trägt seine dunkelgrüne Arbeitshose mit den Seitentaschen, Sicherheitsschuhe, einen Fleece-Pullover und darüber die blaue Daunenweste mit dem...
  12. Der Einbrecher

    Das Echo eines kurzen Rumsens dringt bis ins Obergeschoss des Familienhauses. Christina, die augenblicklich den Weg zum Schlafzimmerfenster abbricht, setzt sich auf den Boden zurück. Etwas Mondlicht fällt ins Zimmer und erhellt ein geräumiges Doppelbett. Die junge Frau schiebt ihren Körper aus...
  13. Aus dem Leben gerissen

    Ich habe meinen Großvater ermordet. Vor drei Jahren war das. Heute stehe ich zum ersten Mal an seinem Grab, in der Hand eine Sonnenblume. Die ist für dich, Opa, deine Lieblingsblume. Miriam Richter starrt fassungslos auf das abgegriffene Notizbuch. Zeile für Zeile ist eng beschrieben in der...
  14. Im Mahlstrom

    »Wie weit ist es noch?« Sofias Stimme dringt kaum durch das an- und abschwellende Rauschen der hellgelben Birkenblätter. »Nicht mehr weit. Gleich nach dem Rondell geht es rechts rein«, beruhige ich sie. »Du hättest nicht mitgehen müssen. Ich glaube nicht, dass es deinem verstauchten Knöchel...
  15. Der Einäugige

    Das Wodanasz war noch verrauchter als früher, die Schwaden schon Teil des Inventars. Sie hingen in der Luft, krochen in meine Klamotten und bissen in der Nase. Die knarrenden Bodenbretter waren ausgetreten, mit Astlöchern wie dunkle Krater, die Tische über Jahrzehnte nachgedunkelt. Keine Kneipe...
  16. Der Wurstzipfel

    Hänger drehte auf. Das Herdloch vergrößerte sich. Normalerweise musste er sich dazu bemühen die Hitze des Feuers niedriger zu Regeln. Er wollte nicht schon wieder verbrannte Pfannkuchen essen. Doch heute war es anders. Die Hitze blieb aus. Er konnte alle vier Finger an den Herdrand legen und...
  17. Ad Man, Mad Man

    alltag 
    Thomas quetscht sich in den Vorraum der Toilette und öffnet den Schrank über dem Waschbecken. Leer. «Scheiße!», ruft er. «Warum ist hier wieder nichts gespült?» Von den beiden Redakteurinnen und der Praktikantin kommt keine Reaktion. Er hat es hundert Mal angesprochen. Er greift nach dem...
  18. Zeitreisen

    Er hat ihr wieder Blumen mitgebracht. Das tat er oft, wenn sie sich gestritten hatten. Keine besonderen Blumen, keine teuren. Es waren meistens die aus dem Discounter. Mit einem Freudenruf brachte er sie nach Hause: "Schatz, sieh was ich dir mitgebracht habe!" Dabei warf er sich stolz in seine...
  19. Dort, wo man noch atmen kann

    Der sorgsam plattgetretene und an seinen Rändern von Unkraut befreite Weg stieg sanft an und da er das schon seit einer geraumen Weile tat, blieb Monika stehen. Obwohl sie lange Wanderungen eigentlich gewohnt war, musste sie erst einmal etwas der Puste zurückbekommen, die ihr der Weg bisher...
  20. Mein Kamerad, der Eisbär

    Wir waren in einem Herbstwäldchen vielleicht einen Kilometer von der Jugendherberge weg. Kirchner saß neben mir auf der Bank und einer der beiden Polen reichte die Tüte weiter. Mir wurde mulmig. Ich sollte es lassen. Das Kraut schoss meinen Kopf in eine Einzelzelle, wo er wie eine kleine...

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