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alltag

  1. Hände

    Heute träume ich von Begegnungen. Schwitzend, laut atmend und hobeld steht der alte Mann in seiner Werkstatt und arbeitet. Diese fast antike Werkstatt voller Holz, Werkzeug und vergangener Tage; voller Staub, Sägespäne und Charakter ist sein kleines Reich. Wir befinden uns im Speckgürtel...
  2. Novelle Echo der Einsamkeit

    »Hanna?« Die Antwort, die Daniel bekam, war die Abwesenheit einer Antwort: die Stille der 2-Zimmer-Wohnung, die ihm fast vertrauter war, als die Stimme seiner Mutter Johanna—er nannte sie Hanna statt Mama. Seit er fünf war waren sie zu zweit. Allerdings schuftete Hanna jeden Tag von morgens bis...
  3. Das Judenhaus

    „Mama, Melli hat mich gefragt, ob ich heute Nachmittag zu ihr nach Hause käme. Ich hab jetzt Freundin!“ Mama war es egal. Melli hat keine Mutter und keinen Vater, nur eine Großmutter. Ihr Opa war Bahnwärter, ist aber seit dem Winter tot. Der Alte hat gesoffen, ist im Schnee eingeschlafen und...
  4. Das verlorene Paar

    Das verlorene Paar Was blieb, war nicht mehr als ein wellenartig wiederkehrendes, feines Kratzen auf den grünlichen Kachelfliesen unseres Balkons, der weit über den meisten anderen Hotelzimmern und hoch über dem Swimmingpool ragte, den die Ferienanlage, in der wir uns seit Freitagnachmittag...
  5. Kaufgeschwänder

    Ein blumiger Duft lag in der Luft und die Sonne stand hoch am Himmel. Es war ein warmer Sommertag und das Gezwitscher der Vögel hallte aus allen Baumkronen. Sie schlenderte die Straße entlang und ließ sich in der Menschenmenge treiben. Ein kleiner Laden mit einem einladendem Schild an der...
  6. Harter Junge

    Hans sitzt vor seiner Werkstatt, in der Hand hält er eine Flasche mit gelbem Etikett und roter Schrift. «Willst du?», fragt er. Simon blickt die Fassade hoch. Hätte seine Mutter einen sechsten Sinn - wie ein Reh vielleicht oder wie dieser Vogel, an dessen Namen er sich nicht erinnern kann -...
  7. Ehrenleute, Windmühlen und ich

    Daniel verbeugt sich, verlässt unter Applaus die Bühne. Ein gelungener Auftritt. Der Text – einfach klasse. Und wie gut er vorträgt. Auch die Performance davor: Horst, der Mann an der Gitarre – Poet, Songwriter und Sänger. Niederrheinisches Platt. Wie gewohnt in seinem Element, spritzig, witzig...
  8. Leben und leben lassen

    Ich kann nicht schreiben. Im orthografischen Sinn natürlich schon. Ich kenne sämtliche Buchstaben des deutschen Alphabets und dazu sogar einige des russischen. Ich kann Sätze sinnvoll aneinander reihen und ich hatte auch immer sehr gute Noten in der Schule. Ich meine, richtig schreiben, mit...
  9. Jolene

    Wäre mein Kaffee nicht zu heiß gewesen, hätte ich ihn wahrscheinlich nie gesehen. Aber nachdem ich mir bereits den Gaumen verbrannt hatte, beschloss ich, noch ein wenig zu warten und die Leute auf der Straße zu beobachten. Da entdeckte ich ihn, wie er draußen stand und sich mit einer Frau...
  10. Das Portrait

    „Tut mir leid, aber Sie können den Rucksack nicht mit reinnehmen.“ Die Frau vor der Infotheke sah Emily an, als hätte sie ihr soeben mitgeteilt, dass sie ihre Kinder einen Monat lang nicht mehr sehen könnte. Emily dachte sich, dass sie eine dieser Frauen sein musste, die an der Supermarkt-Kasse...
  11. Ghosting

    "Hallo, Unbekannte. Du bist gefühlt die tausendste Frau, die ich anschreibe. Bitte, schreibe mir zurück. Ich werde noch wahnsinnig vor Einsamkeit". Ich sitze an meinem Computer und lösche den Beitrag. Lieber copypaste, wie immer: "Hallo, Unbekannte. Dein Profil klingt spannend. Wollen wir in...
  12. Auf dem Weg nach oben

    Maja wäre eigentlich lieber geflogen, aber Jonas hatte darauf bestanden, den Campingvan schon in Deutschland zu mieten und den Weg nach Norwegen über Dänemark auf vier Rädern hinter sich zu bringen. „Komm schon Baby, das wird lustig. Wir machen einen Roadtrip!“. Sie mochte es wenn er sie so...
  13. Misstöne

    „Wann ist dein Konzert?“ Peter räumte gerade die Geschirrspülmaschine aus. Keine Antwort. Nur ein Stolpern, Stocken und Stoppen, begleitet von einem kurzen heftigen Fluch. „Scheissnoten.“ Ella mochte das Stück. Sie spielte weiter. Ludovico Einaudi. Una Mattina. Es erinnerte sie ans Meer. An den...
  14. Gespräche auf der Teststation

    Es war später Nachmittag. An der Teststation am Münchener Busbahnhof ging eine Schicht zu Ende. Die provisorisch aufgebauten Zelte flatterten im Wind. „Warten Sie noch einen Augenblick, ich muss hier noch desinfizieren.“ Weil die nächste Testperson ihn mit seiner Maske nicht verstand, gab Herr...
  15. Wer macht die Tür auf?

    Ich liege in meinem Garten auf der Wiese und habe die Augen geschlossen. Plötzlich landet etwas auf mir. Als ich mich aufsetze, purzelt ein kleiner Welpe hinunter und bellt protestieren. Es ist die Hündin Eila, sie gehört Familie Müller von nebenan. Sie ist mal wieder aus dem Garten...
  16. Enjoy the silence

    Es ist zu still. Nicht einmal die üblichen Geräusche der Autos vorne an der Ampel sind zu hören. Unheilschwanger hat ihre Schwester diese Art der Stille immer genannt, wenn sie sich einen Horrorfilm ansahen. Aber dies ist kein Film. Dies ist das wahre Leben. Ihr Leben und das von Thorsten...
  17. Jörn

    Jörns Zuhause war eine Parkbank. Sie stand auf einer kleinen Anhöhe vor dem Elbstrand. Es war der Strand, an dem er als kleiner Junge im Sand buddelte, Burgen baute und Drachen steigen ließ und später, als er ein Jugendlicher war, mit Freunden grillte, Bier trank und das erste Mal ein Mädchen...
  18. Hilflos

    Den Blick gesenkt, den Rücken gerade, sitze ich am Frühstückstisch, wie es von mir erwartetet wird. Ich tauche den Löffel in meine Plastik Schale – denn das Porzellan ist zu schade für uns sagt Mama – und zucke zusammen als ein schabendes Geräusch ertönt. Mats sitzt neben mir und zieht die...
  19. Der beste Job der Welt

    Dreizehn Jahre Schule lagen hinter mir. Nun warteten die längsten Ferien aller Zeiten auf mich. Ich hatte ein halbes Jahr Zeit, bis mein Studium begann. Vielleicht war ich nicht der glücklichste Mensch auf der Welt, aber es fehlte nicht viel. Meine Mutter hatte jedoch Bedenken. Du solltest die...
  20. Drüben, zweiter Stock

    Zu dritt saßen sie auf weichem Gras im Schatten ihres Lieblingsbaumes, und sie beobachteten die Tauben. „Kommen nie zu uns“, sagte Fisch. „Hier jibt’s ooch nüscht zu holn“, sagte Gonschorek. „Hm“, machte Hermann. Auf einer Parkbank saß ein alter Mann und schmiss den Tauben Brotkrümel hin. Die...
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