Was ist neu

alltag

  1. Das Leben ist woanders

    »550 Mark und 100 Kilometer«, sagte der Grieche und hielt mir seine ölverschmierte Hand hin. »550 Mark? Für zehn Tage?« Ich runzelte die Stirn. Die Hälfte meines Budgets. Ich schlug ein. Egal. Schließlich musste ich ja irgendwie meine Schlafstätte erreichen und Busse gab es keine, geschweige...
  2. Der letzte Kuchen für Leo

    Morgen wird Leo zehn. Sein erster runder Geburtstag. Ich muss ihm unbedingt einen Kuchen backen, koste es, was es wolle. Daher sitze ich vor dem beinahe blinden Fenster am wackeligen Küchentisch, mein zerfleddertes Rezeptbuch vor mir. „Süßes aus aller Welt“ lautet sein Titel. Staubpartikel...
  3. Else, Corona und ich

    Ich schenke mir gerade eine Tasse Kaffee ein, als das Telefon klingelt. Ein Blick auf das Display. Es ist meine Freundin. „Guten Morgen, Kirsten. Ich habe einen Coronatest gemacht. Er ist positiv. Euch habe ich als Kontaktpersonen genannt. Ihr werdet einen Anruf vom Gesundheitsamt bekommen."...
  4. Novelle Die traurige Nachricht

    Dieses Wochenende war toll! Wir haben gerade Herbstferien und ich habe zwei Nächte bei meiner besten Freundin übernachtet. Alles war perfekt. Wir hatten so viel Spaß, die Zeit ist viel zu schnell vorbei gegangen. Ich muss mich beeilen. Mein Vater wartet schon auf mich und ich muss noch schnell...
  5. Blöde, brave Ameisen!

    „Hey, du Göre!“ Janis und sein Kumpel Ivo bauen sich vor Becky auf. „Wat willst du denn hier?“, setzt er nach und tritt noch einen Schritt näher heran an das sitzende Mädchen. Becky zuckt zusammen, schielt ängstlich unter ihrem Pony zu den zwei Jugendlichen hoch. Der Geruch von Deodorant und...
  6. Ist so passiert!

    Häufig frage ich mich, wie viele niedergeschriebene Erzählungen aus dem realen Leben stammen? Geschichten zu erfinden und sie aufzuschreiben, ist eine Kunst! Aber manchmal lohnt es sich auch, einen zweiten Blick auf selbst erlebte Situationen zu werfen. Eine solche habe ich nachfolgend...
  7. Die Erprobung

    Ich sah Gustav auf halbem Weg in die Stadt im Scheinwerferlicht meines Wagens. Im ersten Moment wollte ich weiterfahren, doch dann tat er mir leid. Es war kalt. Der Wind warf den Regen gegen meine Scheibe und ich wusste nur zu gut: Wir hatten dasselbe Ziel. Ich bremste also. Im Spiegel sah ich...
  8. Filmriss

    Die Sonne verabschiedet sich langsam und der harte Arbeitstag neigt sich dem Ende. Meine Gedanken kreisen noch um das letzte Gespräch, das sich unendlich hinzog und es war anstrengend, mit einem, na ja, nicht ganz so guten Ergebnis. Gut, mich betrifft es letztendlich nicht, habe ne höhere...
  9. Der Raubüberfall

    Eine Straßenlaterne spiegelt sich in der Pfütze. Sie schaut sich kurz um. Kein Auto das sie bespritzen kann und keinen Fußgänger zu sehen. Klar, denkt sie, bei diesem Wetter führt man nicht mal seinen Hund Gassi. Es sind fünf Minuten vom Bahnhof nach Hause und sie hat keine andere Wahl, als dem...
  10. Verbunden

    Eine junge Frau mit kurzen, braunen Haaren geht die Fußgängerzone entlang. Sie hat es eilig, überholt andere Passanten. Wie wohl ihre Welt aussieht, frage ich mich, als ich aus dem Fenster meines Büros im zweiten Stock blicke. Ich sitze hier an diesem grauen Tag und erarbeite die Zukunft eines...
  11. Acht Stationen und einmal umsteigen

    Hier drin ist noch immer so staubig wie früher. Nur den Typen hinterm Tresen, den haben sie ausgetauscht. Der hier sieht fresh aus. Ein bisschen zu fresh für den Laden. Ach, wie schön, unser alter Stammtisch ist frei. Das freut mich jetzt richtig. Lass dich anschauen, gut siehst du aus...
  12. Die verlorene Batterie

    "Nein! Nein, nein und nochmals nein!" Fassungslos starre ich auf meine leere Hand, in der sich noch vor wenigen Augenblicken eine hübsche kleine, knopfförmige, silberne Batterie befand. Ich, eine Frau mittleren Alters, die seit ihrem 18. Lebensjahr Hörgeräte trägt, eine Veteranin im Wechseln...
  13. Hab ich viel getrunken?

    Als Tom aufwacht, hämmert es in seinem Kopf. Vorsichtig öffnet er die Augen. Tageslicht zwängt sich durch die Ritzen des Rollos. Er tastet die Bettseite neben sich ab. Kalt und leer. Ganz langsam dreht er den Kopf, sucht mit zusammengekniffenen Augen das Zimmer ab: Seine Kleidung über dem...
  14. Die Liebe meines Lebens

    "We are the champions, we are the champions", schallt es mir entgegen, als ich nach Hause komme. "Roos, mach die Musik leiser!", versuche ich Freddie Mercury zu übertönen. Meine Tochter Roos ist 16 und liebt normalerweise ganz andere Musik. Dabei handelt es sich hauptsächlich um junge Musiker...
  15. Mucksmäuschenstill

    „Und DU bist nicht eingeladen!“ Emma hat es zu Charlie gesagt. Die Mädchen haben gegickelt und dann sind sie abgehauen. Mir eh egal, denkt Charlie und knibbelt sich den pinken Nagellack vom Daumen. Sie hockt auf dem Pausenhof und wartet, bis die anderen gegessen haben. „Da hat wohl jemand...
  16. Café Rouge

    Es regnete als Kornelius Karpfenkauer um kurz vor acht Uhr am Morgen seine Wohnung in der Friedensstraße 14 verließ. Herr Karpfenkauer war nicht sehr groß, aber auch nicht klein, trug immer Schnurrbart und meistens Hut, und trotz seines Nachnamens mochte er keinen Fisch. Wer jedoch Fisch mochte...
  17. Die Schokoladenfabrik

    Das Mädchen läuft Hand in Hand mit ihrer Mama die Straße entlang. Sie gehen an dem Gebäude vorbei, in dem Kakaobohnen geröstet werden, woraus man später Schokolade herstellt. Sie weiß das, weil der Name auf dem Gebäude auch auf der Packung Schokoladestreusel zu Hause steht. Sie nennt das Gebäude...
  18. Träume schenken

    Es war ganz still. Thomas und seine Frau Katharina saßen sich gegenüber am Esstisch. Zwei Stühle waren leer. Sie hatte Spagetti mit Tomatensoße gekocht, was er besonders gerne mochte. Eigentlich empfand er diese Mahlzeit immer als langweilig, aber das war bevor er ihre gegessen hatte. Es war...
  19. Manche, die haben halt gar nichts

    Der Mann im abgetragenen Mantel nimmt eine Wasserflasche aus seiner großen Umhängetasche und schüttet einen Schluck daraus in den Mülleimer. Misstrauisch schaut er durch den Einwurf. Er steckt den Arm in den Behälter und durchwühlt den Inhalt. Ich vermute, er hat sich einmal die Finger...
  20. Rheinfahrt in die Vergangenheit

    Bis zum nächsten Ort wartete er. Beobachtete das Ablegen des Dampfers, der sich mit einem langgezogenem Pfeifen vom Anleger verabschiedete und zügig seine Position in der Fahrrinne einnahm. Nebel umwaberte den Turm der Burg hoch oberhalb des Ortes. Die Passagiere suchten sich einen sonnigen...
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