Was ist neu

alltag

  1. Erhards Sternstunde

    Horoskope sind ja ein eigenes Thema. Die einen schwören darauf, die anderen, so wie ich, können nichts damit anfangen. Oder ich konnte. So ganz, muss ich sagen, kann ich den Voraussagen aus Print- und Onlinemedien zumindest seit dieser Geschichte eine gewisse Bedeutung nicht mehr absprechen...
  2. Letzter Spieltag

    War ja klar, dass heute so ein Mistwetter werden würde. Es hatte die ganze Nacht geregnet und nicht mehr aufgehört. Brauche ich das? Bin ich Fritz Walter, oder was? Nein, mein Wetter ist das nicht. Mir ist Sonnenschein lieber. Scheiße, das hat mir gerade noch gefehlt. Ausgerechnet heute! Aber...
  3. Der Sand

    Es ist später Vormittag. Sie sucht ihr Buch zwischen den ganzen leeren Bierdosen. Sie trinkt ihr Bier lieber aus einem Glas. Der Weg runter zum Strand ist recht steil, eine Mischung aus Sand und Erde, zwischendrin lugen freigelegten Wurzeln hervor. Die kleinen Sandkörner findet sie auch noch...
  4. Hitzewelle

    "Hallo, ich bin wieder zu Hause!", rufe ich, während ich meine Schlüssel an das Schlüsselbrett hänge. Keine Reaktion. Natürlich hat er wieder seine Kopfhörer auf den Ohren. In der Küche packe ich die Einkäufe aus und räume sie ein. Gerade dann kommt Tim aus seinem Arbeitszimmer und fragt: "Hast...
  5. Im Fahrstuhl

    „Fuck.“ Patrick schlug mit der flachen Hand gegen die Wand, um seinem Ärger Luft zu machen, als der Fahrstuhl nach nur wenigen Sekunden zwischen dem zehnten und elften Stockwerk stecken blieb. Devin zuckte zusammen, was aber mehr Patricks Reaktion als dem Fahrstuhl geschuldet war. Patrick...
  6. Bike-Randys Blues

    Randolf war weder schmächtig noch besonders stark, aber fast immer blass. Sein Vater war schon so blass, als er noch lebte. Und Randolf dachte, dass er das von ihm geerbt hatte. Er trug am liebsten eine Lederhose, ähnlich wie Jim Morrison, und er wechselte sie genauso selten wie Jim. Sein...
  7. Rodeon

    Scheiße, ist das kalt. Ist das Rodeon da vorne? Ich will rauchen, aber hab kein Feuer. Meine Hände sind rot, taub und aufgequollen. Um halb fünf hab ich wieder Schicht. Wieso hat mich Rodeon achtzehn Mal angerufen? Ich hab auch meinen Schal und die Mütze vergessen. Ständig vergesse ich alles...
  8. Schicht 17

    Töpfe klappern, der Duft von geschmorrter Lammkeule weht einem schon entgegen, wenn man durch die neue automatische Tür geht, die eigentlich immer mit Soßenspritzer der letzten Tage versehen ist. Es gibt Tage, da kann man an der Türe erkennen, welches Menü es vorgestern gab. Stimmen wehen zu mir...
  9. Im Geschäftsgang

    Die Kaffeemaschine röchelte ihm aus dem Halbdunkel entgegen. Regentropfen schlugen gegen das Fenster und rannen in gezackten Bahnen die Scheibe hinab. Davor die Sammlung von kleinen Kakteen, ordentlich aufgereiht. Der Schreibtisch wurde in seinem Zentrum durch eine altmodische Gelenklampe...
  10. Turngarten

    Ich lernte die Blumen nach meinem Unfall lieben. Nicht die Exemplare, die man mir ins Krankenhaus brachte. Lieblos ausgewählte Sträuße, die abends weggeräumt werden mussten, um meinem Essenstablett Platz zu machen. Sondern die Blumen aus meinem späteren Garten. In meinen ersten Kliniktagen...
  11. Hunde, die lachen

    Es soll Hunde geben, die können lachen. Zumindest lächeln. Die machen die Augen halb zu und zeigen die Vorderzähne. Oskar kann das nicht, doch jetzt muss ich sagen ‚konnte das nicht‘ - obwohl es ihn ja noch gibt, Gott sei Dank. Einen Tag vor seinem Abtransport verhält er sich ganz anders als...
  12. Kein Stümper

    Das Teppichmesser glitt blitzschnell von einer Seite des Halses zur anderen und legte mit einem präzisen Schnitt die Kehle frei. Ein Blutschwall quoll aus der Wunde. Das »cazzo« war ein Gurgeln. Salvatore Rizzi, Salvi genannt, wachte auf. Er hatte sich nicht sonderlich erschrocken ob des...
  13. Wie kommt er dazu, so etwas zu tun?

    Ich traf Theresa wieder, wo ich es nie erwartet hätte: auf unserem Wochenmarkt, zwischen Blumenkohl und Apfelsinenkisten. Sie trug die Kleidung, die schon auf der Schule ihr Markenzeichen gewesen war, dezenter als früher, aber noch immer genauso elegant. Der hellbraune Mantel war von Burberry...
  14. Kathrins Tag

    Bzz, bzz, bzz. Bzz, bzz, bzz. Das ganze Kopfkissen und ihr Kopf beben. "Nein, bitte noch nicht …" Kathrin schließt noch mal kurz ihre Augen. Wenn, nach vier Minuten schlummern, ihr Kopfkissen und ihr Kopf erneut stark beben, ergibt sie sich in das Unvermeidliche und steht langsam auf. Sie zieht...
  15. Erfolg

    Er liebte seine Bücher. Liebe, Lust und Leidenschaft. Tod, Trauer und Traurigkeit. Fremde Menschen, fremde Länder. Verlangen, Verlust, vermissen, vergessen. Sie ließen ihn erleben; sie lenkten ihn ab. Gefährliche Geliebte, Liebesleben, Mann und Frau, Schmerz, der Weltensammler. Seine Wahl...
  16. Serie Der Keller des Judenhauses

    „Aufstehen!" Mama rüttelte mich am Arm. Benommen öffnete ich die Augen. Ich war noch so müde. „Du musst Opa helfen, Hasenfutter holen. Er wartet in der Waschküche auf dich. Frühstücken kannst du später." Schnell zog ich mich an. „Guten Morgen, meine Kleine." Die Waschküche war der größte Raum im...
  17. Trostlichter

    Leuchtgloben verteilen sich um sein Bett. Ich liebe das warme Licht, die Atmosphäre in seinem Zimmer. Er ist mein Lieblingsgast, obwohl ich ihn nicht kenne. Es gibt kaum etwas zu tun. Das einzig Wichtige: Ich soll mir die Hände desinfizieren. Warum? Ist er krank? Ich lasse den Staubsauger...
  18. Aus dem Tagebuch einer arbeitslosen Autorin

    Wir waren auf einer Party bei Jack, ein Typ, mit dem ich ein paar Mal geschlafen hatte. Ich weiß noch, dass ich mit seinem Mitbewohner Dani am Küchentresen stand und so was sagte wie: »Bist du sicher, dass du mich in diesem Zustand tätowieren kannst?« Seine Augen, zumindest das, was davon noch...
  19. Pandora

    »Patrón.« »Jorge … warum jetzt?« Kopfschüttelnd schaue ich Jorge an, dann ziehe ich intensiv an meinem Joint. Die Glut erreicht schnell meine Fingerspitzen. Der Schmerz wird heftig. Ich ziehe noch einmal und werfe den Stummel auf den Boden. Ein gutes Kraut. Wahrlich. Mit dieser Qualität kann ich...
  20. Bobs Frühling

    Bob sprang aus seinem Multifunktionssessel und lief zur Tür, mit einer Beweglichkeit, die er vor langer Zeit das letzte Mal gespürt hatte. Endlich war er da. Der Gesellschaftsroboter Cindy. Das neueste Modell. Drei Wochen lang hatte er den Prospekt analysiert, über die Vor- und Nachteile von...
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