Was ist neu

alltag

  1. Die Lotto-Oma

    Noch ahnte Tjark nichts. Gegen den Türrahmen gelehnt beobachtete er seine Oma, wie sie in der winzigen dunklen Kochnische herumwuselte. Der duftende Dunst, der wie jeden Sonntag aus unzähligen Töpfen und Schüsseln aufstieg und die Nische in ein Dampfbad verwandelte, ließ ihn die Köstlichkeiten...
  2. Warum?

    Endlich war Sophie am Kino angekommen. Vorsichtig stellte sie das neue Fahrrad, ihren ganzen Stolz, in einen Fahrradständer und schloss es sorgfältig ab. Aufgeregt betrat sie das große Kino, schon seit ungefähr einem Jahr freute sie sich auf die Fortsetzung ihres Lieblingsfilms. "Was darf ´s...
  3. Ganz anders als Holden Caulfield

    Wenn ihr was von mir hören wollt, dann bestimmt, warum ich immer so verschlossen und abweisend bin. Solltet ihr jetzt denken, dass ich anfange zu fluchen oder von der Schule geflogen bin, dann habt ihr euch getäuscht. Bin zwar ein Riesenfan von Holden, aber ich bin ganz anders. Manchmal wäre ich...
  4. Die Bucht

    Beinahe wäre Isaac an dem Hund vorbeigefahren. Von Weitem hatte er ihn zuerst für ein Stück Holz oder ein Palmblatt gehalten. Erst als er langsamer wurde, erkannte er das große Tier und brachte seinen Wagen mitten auf der Straße zum Stehen. Er zog den Schlüssel aus dem Zündschloss und stieß die...
  5. Mutter?

    Schuberts "Tod und das Mädchen" dudelte unbekümmert weiter, plötzlich viel zu laut und aufdringlich. Es war ein ganz albernes Lied, das er normalerweise im Traum nicht angehört hätte, aber er musste es tun für den Musikunterricht. Voller Elan und Freude schmetterten die Instrumente vor sich hin...
  6. Vom Weg, seine Träume zu erfüllen

    Irgendwann werde ich meinen Traum erfüllen, dachte sich Susanne mit einem Lächeln. “Entschuldigen Sie, dürfte ich auch kurz an den Zeitungsständer ran?” riss eine Stimme sie aus ihrem Tagtraum. Susanne blickte verwirrt auf. Der Einband der Zeitschrift zwischen ihren Fingern fühlte sich glatt und...
  7. Es ist soweit

    Die Tür fällt hinter ihm ins Schloss und die Treppen können gar nicht schnell genug unter seinen Füßen dahinfliegen. Seine Mutter hat er am Küchentisch sitzend zurückgelassen. Den Kopf auf die Arme gestützt blickt sie auf die Maserung des Tisches. Das Holz ist glatt und abgenutzt. Den Tisch hat...
  8. Café Tempus

    Jonas sah auf seine Armbanduhr, bevor er das Callcenter betrat. Er war schon wieder zu spät, fast zehn Minuten. Obwohl er diesmal extra früher losgegangen war. Wird Zeit für einen Urlaub, dachte er und ging zu seinem Arbeitsplatz. Die Kollegin, die ihm gegenübersaß, blickte kurz zu ihm hoch und...
  9. Füreinander

    Die Art, wie die schweren Eichenmöbel das Licht des Raumes schlucken ist beruhigend vertraut. Es bildet einen scharfen Kontrast zu den hellen und professionell freundlichen Räumen des Krankenhauses. Der Raum ist nicht hübsch. Alles ist einheitlich, gediegen und aus einer anderen Zeit. Das...
  10. Bis zur Frühschicht

    Ich betrete das Büro. Steven sitzt schon an seinem Platz und sagt: „Moin.“ Vor ihm flimmert der Monitor. „Moin“, sage ich, setze mich vor meinen Computer und mache ihn an. Es piept. Ich lege Portemonnaie, Hausschlüssel und Zugangskarte auf den Schreibtisch. „Bereit für eine weitere Nachtschicht...
  11. Lenas Puppe

    Lenas Puppe Heute morgen war Lena als Erste wach. Normalerweise fiel ihr das Aufstehen schwer, aber nicht heute. Noch bevor der Vater das Haus verliess, um ins Fitness-Studio zu gehen, und lange bevor die Mutter die ersten Lebenszeichen von sich gab, hatte Lena sich gewaschen, frische Kleider...
  12. Agnes

    „Erlösung.“ Sie blickte auf den geschlossenen Sarg. Hermann. Ohne Beine. Die waren vor zwei Jahren als Krankenhausabfall verbrannt worden. Die Vorstellung war für Hermann damals so schockierend gewesen, dass er Agnes das Versprechen abrang, nach seinem Tod nicht eingeäschert zu werden. Sie...
  13. Hände

    Heute träume ich von Begegnungen. Schwitzend, laut atmend und hobeld steht der alte Mann in seiner Werkstatt und arbeitet. Diese fast antike Werkstatt voller Holz, Werkzeug und vergangener Tage; voller Staub, Sägespäne und Charakter ist sein kleines Reich. Wir befinden uns im Speckgürtel...
  14. Echo der Einsamkeit

    Die Tür der kleinen Wohnung fiel hinter ihm ins Schloss. »Hanna?« … anna, anna, anna … Natürlich war seine Mutter nicht zu Hause, was hatte Daniel erwartet? Wie jeden Tag nach der Schule war da nichts außer dem Echo, welches in seinem Kopf widerhallte. Auf dem Weg ins Wohnzimmer ließ er seinen...
  15. Serie Das Judenhaus

    „Mama, Melli hat mich gefragt, ob ich heute Nachmittag zu ihr nach Hause käme. Ich hab jetzt eine Freundin!“ Mama war es egal. Melli hat keine Mutter und keinen Vater, nur eine Großmutter. Ihr Opa war Bahnwärter, ist aber seit dem Winter tot. Der Alte hat gesoffen, ist im Schnee eingeschlafen...
  16. Kaufgeschwänder

    Ein blumiger Duft lag in der Luft und die Sonne stand hoch am Himmel. Es war ein warmer Sommertag und das Gezwitscher der Vögel hallte aus allen Baumkronen. Sie schlenderte die Straße entlang und ließ sich in der Menschenmenge treiben. Ein kleiner Laden mit einem einladendem Schild an der...
  17. Guter Junge

    Luca steht vor der Kellertür und wartet. Er zählt auf zwanzig und danach noch einmal, bis Tim ruft, er sei bereit. Luca öffnet die Tür und sieht seinen Kumpel auf einer Picknickdecke liegen. «Was haben wir denn da?», fragt er, kniet hin und rollt Tim auf den Rücken. «Eine Leiche mitten im Wald!»...
  18. Ehrenleute, Windmühlen und ich

    *** In Bearbeitung *** Daniel verbeugt sich, verlässt unter Applaus die Bühne. Ein gelungener Auftritt. Der Text – einfach klasse. Und wie gut er vorträgt. Auch die Performance davor: Horst, der Mann an der Gitarre – Poet, Songwriter und Sänger. Niederrheinisches Platt. Wie gewohnt in seinem...
  19. Leben und leben lassen

    Ich kann nicht schreiben. Im orthografischen Sinn natürlich schon. Ich kenne sämtliche Buchstaben des deutschen Alphabets und dazu sogar einige des russischen. Ich kann Sätze sinnvoll aneinander reihen und ich hatte auch immer sehr gute Noten in der Schule. Ich meine, richtig schreiben, mit...
  20. Jolene

    Wäre mein Kaffee nicht zu heiß gewesen, hätte ich ihn wahrscheinlich nie gesehen. Aber nachdem ich mir bereits den Gaumen verbrannt hatte, beschloss ich, noch ein wenig zu warten und die Leute auf der Straße zu beobachten. Da entdeckte ich ihn, wie er draußen stand und sich mit einer Frau...
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