Was ist neu

alltag

  1. Knoten

    Halb Sieben. Morgens. Ein Wochentag. Knoten rührt sich. Wie immer zieht er es vor, die Entscheidung nicht mittels der Snooze-Taste auf die lange Bank zu schieben, sondern schwingt behände die Bettdecke über den Kopf, wobei er äußerst effizient den tösenden Wecker zu Fall bringt, dessen Batterie...
  2. Der Student und sein aufrechter Gang

    Es war an einem lauwarmen Spätsommerabend. Da ging der junge Student den Waldweg entlang, der Richtung Stadt führte. Stolz und aufrecht war sein Gang. Erst kürzlich hatte er etwas über Körpersprache gelernt und war nun voll darauf bedacht einen selbstbewussten Gang zu pflegen. Kopf nach oben und...
  3. Dämonen

    Acht Kinder waren wir. Eine irische Familie, in einem der Arbeiterhäuser mit den räudigen Wänden: Nässe, Salpeter, Schimmel. Die Straßen schwarz von Ruß und Dreck. Es war irrsinnig laut, ständig wurde gestritten und geschrien. Vier Jungen und vier Mädchen immerfort im Krieg, mit allen...
  4. Feuer-Fest

    Wer legt denn heutzutage noch Wert auf solche Klischees?! Bestimmt nicht wir, der neumodische, alternative Haufen, der sich geschworen hat, niemals zu der Spießer Fraktion zu gehören. So langsam bin ich dann doch in dem Alter, wo sich in meinem Bekanntenkreis immer mehr Familien gründen. Dies...
  5. Das, was ich sehen will

    Licht. Licht ist bekanntermaßen das Erste, was ein Mensch wahrnimmt. Ich war noch nie ein besonders optimistischer Mensch. Vielleicht lag das daran, dass nie etwas so funktionierte, wie ich es mir erhoffte. Ich war schwer zu erziehen. Versteh mich nicht falsch, ich war als Kind nie besonders...
  6. Ampelkreuzung

    Ampelkreuzung Die Ampel springt auf grün. Der linksabbiegende Turbodiesel zog schon bei gelb los. Der rote Golf, der nach rechts abbog fuhr ebenfalls auffallend zügig los. Ich bleibe stehen. Irgendwie fand ich es plötzlich sehr eigenartig, das rote und grüne Lampen mir den Weg weisen, und über...
  7. _amt6969.jpg

    Ich und meine Crew laufen gerade in Zeitlupe im Flur unserer Schule. Wie in einem dieser Highschool-Filme. Links neben mir: Juliette, das blühende Leben. Stolze 1,55, große Oberweite, die sie auch immer gut zur Geltung bringt, dicke lange Haare, rundliches Gesicht und dunkelbraune große Augen...
  8. Weiß und Rot

    Randolf war weder schmächtig noch besonders stark, aber fast immer blass. Sein Vater war schon so blass, als er noch lebte. Und Randolf dachte, dass er das von ihm geerbt haben musste. Er trug am liebsten eine Lederhose, ähnlich wie Jim Morrison, und er wechselte sie genauso selten wie Jim. Sein...
  9. Maik und der Teufel

    Es ist sehr kalt hier, dachte sich Maik, als er mit seiner Tasche vor der Haustür seiner neuen Pflegefamilie stand. Seine leiblichen Eltern waren drogenabhängig. Sie liebten Koks, Heroin, Marihuana mehr als ihr einziges Kind. Am Anfang ließ sich Maik alles Gefallen. Als er zu einem Teenager...
  10. Blaubeerkuchen

    Ein Kurstadt-Sonntagnachmittag im Mai. 14.00 Uhr. Wie immer sonntags um diese Zeit sitzt Hanne im Cafe am Kurpark. Sie wartet auf ihre Freundin Maria, die ebenfalls 75 Jahre alt ist. Die beiden Rentnerinnen treffen sich bereits seit 8 Jahren jeden Sonntag pünktlich in dem Cafe. Nur einmal hatte...
  11. Der Besuch des jungen Herrn

    Henriette von Leuberg steht im Morgenmantel am Panoramafenster des Salons und zieht an ihrer Zigarettenspitze. Sie pafft Rauchschwaden in die einfallenden Sonnenstrahlen, lässt den Blick über ihr Anwesen schweifen, das opulente Blumenbeet, akkurat gestutzte Ziersträucher, die Laube, in der sie...
  12. So ist das Leben

    Mein Handy vibriert. Es ist mein bester Kumpel, Jase. Ich weiß, was mir bevorsteht, Gwen hat mich „gewarnt“. Ich möchte nicht mit ihm schreiben. Ich öffne den Chat und hoffe, dass ich mich irre. Wir schreiben: ,,Hi, Karina", Smalltalk, darin bin ich nicht gut, vor allem, wenn ich weiß, dass es...
  13. Monochrome

    Ein träges und leises Fiepsen, was auf Batterieschwäche hinweist, verpasst ihr einen direkten Schlag im Kopf. Mürrisch dreht ihr Körper sich auf die Seite, eine Hand versucht vergeblich den Wecker auszuschalten, lieber wäre ihr natürlich vernichten und nie mehr aufstehen. Das Fiepsen wird...
  14. Nach der Lese

    Ein grün belaubter Park mit Ententeichen und leeren Sonnenbänken lag hingestreckt im peitschenden April. Der kleine Junge hatte seine Gummistiefel und eine gelbe Thermo-Jacke mit einem plüschigen Löwenkopf auf dem Rücken an. Er hatte vergessen, Socken unter die Stiefel zu ziehen und so stahl...
  15. Schon gut

    Es ist anders, manches ist besser. Pause. Anderes ist vielleicht nicht so gut. So oder zumindest so ähnlich sprach sie über ihre aktuelle Beziehung im Vergleich zu vorherigen, zu meiner Beziehung. Diesen Satz wollte ich mir eigentlich merken, um mir keine falschen Illusionen zu machen. Trotzdem...
  16. Der Plan

    Ich sitze mit Alex im Wohn-Schlaf-Alles-Zimmer. Wir trinken Rotwein aus Kaffeebechern und Alex, dem das Leben wieder einmal erst zu bunt und dann zu viel geworden ist, erklärt mir mit bedeutungsschwangerer Miene, er hätte jetzt DEN Plan. Seit zwanzig Jahren gibt es diese Abende zwischen uns...
  17. Grün ist die Nacht

    Der Blick aus meinem Turmzimmer ist wie der Blick in meine Seele. Im Sommer, da springt mir ein übertriebenes Grün ins Auge, die Baumkronen explodieren, es erschlägt einen förmlich, alles eine einzige Übertreibung. Zu viel grün, zu viele Blätter, ein Fest der Sinne, ein rauschendes Bad im reinen...
  18. Aber ich muss doch meinen Vater lieben

    Wir sitzen in der Küche. Wie zwei fremde. Schon immer so gewesen. Denke ich. Ich weiß es nicht. Meine Mutter sagt es war anders. Früher da war ich klein. Viele Erinnerungen. Wenige an ihn. Mein Kopf ist voll. Man sagt man speichert Erinnerungen und kann sie abrufen. Ich kann. Bestimmt. Ich will...
  19. Der beste Freund

    Als sie mir entgegenkommt, lächelt sie. Ihre kastanienbraunen, schulterlangen Haare sind zu einem Dutt gebunden. Ihre blauen Augen blicken mir mit einem Glitzern entgegen. Ich umarme sie zur Begrüßung. Wir sagen beide nichts. Als wir loslaufen, berühren sich unsere Hände. Ich will sie nehmen...
  20. Liebe meines Lebens

    Der Bus ist dunkel und still. Viele schlafen. Die Stimmung ist gedrückt und melancholisch. Mein Handy ist leer, ich kann keine Musik mehr hören. Mein Blick schweift durch den Bus. Das gleichmäßige Brummen des Motors ist der monotone Soundtrack zu den gleichbleibenden Bildern der grauen Autobahn...
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