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Das Kranke nhaus

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20.03.2026
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Das Kranke nhaus

Wir hatten uns alle darauf gefreut.

Neue Kameras. Frisches Equipment für die „Dresden Monarchs“. Endlich etwas Hochwertiges, endlich die Möglichkeit, richtig gute Aufnahmen zu machen. Bevor das Training wieder losging, wollten wir die Technik testen—und irgendwie kam ich auf die Idee mit diesem Krankenhaus.

Im Nachhinein wünschte ich, ich hätte es gelassen.

Alex, Basti und ich trafen uns am Eingang. Meine Frau war auch dabei, eher aus Neugier als wegen der Kameras. Das Gebäude wirkte von außen völlig normal—steril, ruhig, fast beruhigend.

Drinnen war es… anders.

Zu still.

Wir meldeten uns an, bekamen Besucherausweise und wurden kurz darauf von einem Arzt abgeholt. Ein schmaler Mann mit ruhiger Stimme und einem Blick, der schwer zu deuten war.

„Sie sind wegen der Drehgenehmigung hier“, sagte er knapp. „Dann kommen Sie bitte mit.“

Wir folgten ihm durch lange, weiße Flure. Türen, die sich automatisch öffneten. Kein Lachen, kein Stimmengewirr—nur das leise Summen von Geräten.

„Die Station ist speziell“, erklärte er. „Seien Sie bitte respektvoll.“

Die Tür am Ende des Flurs öffnete sich.

Und alles, was danach kam, werde ich nie wieder vergessen.

Die Betten standen in Reihen. Acht Stück.

In jedem lag… etwas.

Menschen. Irgendwie.

Aber gleichzeitig nicht.

Siamesische Zwillinge—doch nicht so, wie man es aus Dokumentationen kennt. Diese Körper waren unförmig, verzerrt, falsch zusammengesetzt. Zwei Köpfe, die sich unabhängig bewegten. Mehr Arme, als es geben sollte. Beine, die nicht funktionierten. Körper, die eigentlich nicht lebensfähig sein konnten.

Und doch lebten sie.

Ein leises Stöhnen hier. Ein Zucken dort.

Die Kameras liefen.

Ich weiß nicht, warum wir weiterfilmten.

Vielleicht aus Schock.

Vielleicht, weil wir nicht wussten, was wir sonst tun sollten.

„Seien Sie vorsichtig“, sagte der Arzt plötzlich. „Einer dieser Patienten hat bereits mehrere Menschen getötet.“

Wir hielten inne.

„Welcher?“ fragte Basti.

Der Arzt lächelte schwach. „Das kann ich Ihnen leider nicht sagen.“

Danach wurde es still.

Wir filmten noch ein paar Minuten, dann reichte es uns allen. Ohne ein Wort gingen wir zurück.

In der Cafeteria setzten wir uns hin. Keiner hatte wirklich Hunger, aber wir brauchten etwas Normales. Etwas, das uns zurückholt.

„Alter… was war das bitte?“ murmelte Alex.

Ich schüttelte nur den Kopf.

Dann griff ich nach meiner Kamera.

Und erstarrte.

„Wo ist die Kamera?“

Alle sahen nach.

Weg.

Alle.

Wir sprangen auf und suchten hektisch alles ab. Nichts.

Also gingen wir zurück zum Arzt.

Er hörte sich alles ruhig an, nickte. „Ja… das kann vorkommen.“

Ich starrte ihn an. „Wie bitte?!“

„Einige der Patienten… haben gewisse Tendenzen“, sagte er sachlich und verschwand.

Keine fünf Minuten später kam er zurück.

Mit unseren Kameras.

„Hier bitte.“

Wir waren erleichtert. Zu erleichtert.

„Okay“, sagte ich. „Wir gehen jetzt.“

Doch als wir die Kameras überprüften, fiel es mir sofort auf.

Die SD-Karten.

Alle weg.

Mir wurde kalt.

Wieder zum Arzt.

Wieder diese Ruhe.

„Ja“, sagte er. „Auch das kommt vor.“

Ich konnte es nicht fassen. „Und jetzt?!“

Er dachte kurz nach. „Sie könnten die Karten zurückbekommen.“

„Wie?“

„Mit einem Organsauger.“

Ich hoffte, ich hätte mich verhört.

„Sie saugen die Flüssigkeitsbehälter bei den Patienten ab. Die Geräte trennen Flüssigkeit und Feststoffe. Ihre SD-Karten sollten sich im Feststoffbehälter befinden.“

Mir wurde übel.

„Und… Sie kommen mit?“ fragte Marlen.

„Nein“, sagte er ruhig. „Ich denke, Sie schaffen das. Und… beeilen Sie sich bitte. Die Patienten werden unruhig.“

Unruhig.

Das Wort hallte in meinem Kopf nach.

Trotz allem gingen wir zurück.

Ich weiß bis heute nicht, warum.

Vielleicht wollten wir einfach nur, dass es vorbei ist.

Wir nahmen die Sauger und betraten die Station erneut.

Diesmal ohne den Arzt.

Es war schlimmer als zuvor.

Die Geräusche.

Die Bewegungen.

Das Gefühl, beobachtet zu werden.

Eine Patientin fiel mir besonders auf. Sie lag in einer seltsamen C-Form, der Körper verdreht. Zwei Köpfe—einer oben, einer unten. Beide unter einem Tuch verborgen.

„Hilfe… Hilfe…“ flüsterte eine Stimme.

Ich erstarrte.

„Hast du das gehört?“ fragte meine Frau leise.

Ich nickte.

Wir begannen zu arbeiten.

Ich saugte den schleimigen Inhalt aus den Behältern. Das Geräusch war widerlich—zäh, gluckernd.

Meine Frau arbeitete am anderen Ende.

„Wo sind Basti und Alex?“ fragte sie plötzlich.

Ich sah mich um.

Sie waren weg.

Einfach… weg.

„Basti?“ rief ich.

Keine Antwort.

Nur ein leises Rascheln.

Und irgendwo ein leises… Kichern?

„Wir müssen hier weg“, flüsterte sie.

„Erst die Karten“, sagte ich, obwohl ich mir selbst nicht mehr glaubte.

Wir gingen Bett für Bett ab. Acht insgesamt.

Acht Albträume.

Dann rannten wir zurück in den Aufenthaltsraum.

Mit zitternden Händen öffnete ich meinen Sauger.

Schleim.

Und darunter—

eine dicke, cremige Masse.

Der Geruch traf mich wie ein Schlag. Ich würgte.

„Bitte lass es da drin sein…“ murmelte ich.

Ich suchte.

Keine SD-Karte.

Stattdessen…

eine Kette.

Und eine Karte.

Ich erkannte sie sofort.

Basti.

Meine Hände begannen zu zittern.

„Und bei dir?“ fragte ich meine Frau.

„Nur Schleim… nichts.“

Stille.

Dann verstand ich.

Langsam. Schwer.

Zu schwer.

Alex und Basti waren nicht einfach verschwunden.

Ich ließ den Behälter fallen.

„Wir gehen“, sagte ich leise.

Meine Frau nickte sofort.

Keine Diskussion.

Keine Fragen mehr.

Nur noch weg.

Als wir den Flur entlangrannten, hatte ich das Gefühl, dass hinter den Türen etwas gegen das Metall schlug.

Und irgendwo—

ganz leise—

hörte ich wieder diese Stimme:

„Hilfe…“

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