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Der achtbeinige Untermieter

Seniors
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03.04.2003
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Der achtbeinige Untermieter

Vorsichtig holte ich zum Schlag aus - doch ich war zu langsam.
Viel zu langsam.
Die Spinne, nicht größer als ein Fünfmarkstück, verkroch sich einfach in einer Ritze.
Doch wieso war da überhaupt eine Ritze? Ich hatte die Küche vor drei Monaten renoviert, diese Ritze hatte kein Recht, zu existieren!
Aber da half kein Genörgel. Zwischen zwei gelbbraunen Fliesen war die Fuge herausgebröckelt und bot nun ein Versteck für das Vieh, das ganz offensichtlich meine Tötungsabsichten erkannt hatte. Erzähl mir keiner, Spinnen seien dumme Insekten. Sie sind weder das eine noch das andere. Sie waren lange vor dem Menschen auf diesem Planeten, und sie werden uns auch überleben.
Ich hatte allerdings nicht vor, diese Entwicklung in meiner Küche vorwegnehmen zu lassen.
Nichtsdestotrotz war ich an diesem Abend nicht in der Stimmung, länger als einige Sekunden mit der Gabel in der kleinen Höhle herumzustochern. Morgen war Samstag, und ich hatte Zeit und Ruhe, die Fuge neu auszufugen. War ja noch genug von dem Zeug übrig. Die Runde ging also für heute an die Spinne.
Als ich eine Stunde später ins Bett ging, machte ich mir immer noch Gedanken über die zerbröckelte Fuge. Sie war nur drei Monate alt gewesen! Würden sich die anderen Fugen jetzt auch auflösen? Wenn ja, wozu dann überhaupt noch renovieren?
Das Haus meiner Eltern war groß, aber es war in keinem guten Zustand. Nachdem Papa voriges Jahr gestorben war, hatte ich begonnen, den alten Kasten in Eigenregie wieder auf Vordermann zu bringen. Küche und Wohnzimmer waren schon fertig, blieben also nur noch fünfzehn Räume übrig. Ein Kinderspiel für eine versierte Heimwerkerin wie mich. Na ja, nicht ganz. Aber ich hatte ja Zeit, dank Halbtagsjob.

In der Nacht schreckte ich wieder einmal auf, weil ich glaubte, Papa hätte geklopft. Auch wenn er nun schon acht Monate tot war, war ich immer noch in ständiger „Alarmbereitschaft". Allerdings war ich inzwischen so weit, nicht mehr zuerst aus dem Bett zu steigen, bevor ich mich daran erinnerte, daß ich nicht mehr zu ihm raufgehen mußte. Fortschritt.
Ich wäre auch sofort wieder eingeschlafen, hätte ich nicht plötzlich gefühlt, wie etwas Großes, Spitzes an meinem Bein entlangkrabbelte. Es dauerte einen Moment, bis ich das aus dem Halbschlaf heraus überhaupt begriff, aber dann fand ich das doch nicht mehr so lustig! Ich schlug die Bettdecke zurück und machte das Licht an - der Schalter lag etwas ungünstig, deswegen dauerte es eine halbe Ewigkeit, bis ich ihn fand.
Durch die Schlitze meiner zusammengekniffenen Augen sah ich meine weißen Füße mit den dunkelbraun lackierten Nägeln aus dem Saum meines Nachthemdes ragen. Ich zog den Stoff hoch, bis ich auch meine Oberschenkel sehen konnte, aber zu meiner Erleichterung sah ich nichts Auffälliges - außer daß die nächste Enthaarung fällig war.
Ich entschied, daß ich wohl nur schlecht geträumt hatte, und schuld daran war die kleine Spinne gewesen, der ich nicht an Ort und Stelle den Garaus gemacht hatte, wie es sonst meine Art war. Zum Dank dafür, daß ich sie geschont hatte, war sie in mein Unterbewußtsein gekrochen, um mich in meinen Träumen heimzusuchen. - Meine Rache würde fürchterlich sein!

Am nächsten Morgen unter der Dusche bemerkte ich, daß meine linke Wade heftig juckte. Ich entdeckte einen roten Buckel, der aussah wie ein Mückenstich.
Offensichtlich hatte ich in der Nacht nicht geträumt. Beunruhigend. Ekelhaft.
Ich bin nicht die Sorte, die beim Anblick einer Spinne kreischend an die Decke hüpft, ich kann sie notfalls sogar anfassen, um sie in den Müll zu befördern, aber von so einem Vieh bekrabbelt und gebissen werden - das muß nicht unbedingt sein.

Nach dem Einkaufen verschloß ich die Fuge mit Fugenfix. Dann drehte ich die Stereoanlage auf und machte mich auf die Suche nach der Spinne. Als erstes durchsuchte ich das Schlafzimmer, bis auf den großen alten Eichenschrank rückte ich sogar die Möbel von den Wänden. Dabei ging mein Bett kaputt. Mist. Umso mehr Mist, als daß ich das hätte ahnen müssen. Das altehrwürdige Eisengestell wurde nur noch vom heiligen Geist zusammengehalten, da hätte ich nie drangehen dürfen. Zur Strafe würde ich die nächsten paar Nächte ebenerdig liegen müssen. Nach Murphys Gesetz war es auch Samstag Nachmittag, also Auszeit.
Die Spinne fand ich leider nicht, dafür jedoch unzählige Möglichkeiten, wo sie sich verstecken konnte: Ritzen im uralten Parkettboden, hinter der Fußleiste - und natürlich hinter dem großen Schrank.
Ich beschloß, an diesem Abend im Wohnzimmer zu übernachten.

Ich begegnete meinem achtbeinigen Untermieter, als ich gegen halb Zwei nach Hause kam. Ich hatte mit ein paar Jungs in der Disco etwas zuviel Cola mit Bacardi getrunken, glaube ich, deswegen war mein Gang leicht unsicher und meine Sinne abgestumpft. Erst, als ich schon fertig mit Abschminken war, sah ich im großen dreiteiligen Spiegel, daß das Vieh auf meiner Stirn saß wie eine bizarre Tätowierung.
Ich verlor für einen Moment die Beherrschung und schlug panisch auf mein Gesicht ein. Ich traf allerdings nichts außer mir selbst, und als ich wieder in den Spiegel blickte, war die Spinne auf meinem Mund.
Genauer gesagt, hockte sie auf dem Spiegel, es sah nur so aus, als wäre sie auf mir.
Ich Idiot!
Es war ganz sicher dieselbe Spinne, die ich in der Küche gesehen hatte: sie hatte schwarz-weiß gestreifte Beine, die mich an meine eigene Lieblings-Strumpfhose erinnerten, und sie hatte genau wie ich selbst ein paar blaue Strähnchen in ihrem schwarzen Haar. Sozusagen ich selbst als Spinne, welch bizarre Laune der Natur. - Fast schon schade, daß ich mein arachnides Ebenbild töten mußte, aber ich würde die sterblichen Überreste in einer Schachtel aufbewahren, um sie meinen Freunden zu zeigen - sonst glaubte mir ja wieder keiner.
Doch noch bevor ich meine Gedanken in die Tat umsetzen konnte, ließ sich die Spinne fallen und krabbelte zwischen meinen Siebensachen herum, die auf der Kommode vor dem Spiegel aufgereiht waren. Ich schlug nach ihr, doch das Labyrinth aus Flakons, Ohrringen und Halsketten bot ihr hinreichend Deckung. Schließlich ließ sie sich auf den Boden fallen und verschwand durch eine Lücke in der vergilbten Fußleiste.
Dieses Vieh war intelligent.
Es las meine Gedaken...
Brr - definitiv zuviel Biercola. Zu allem Überfluß wurde mir jetzt auch noch übel. Ich mußte mich sofort hinlegen, dann ging das weg. - Aber nicht im Schlafzimmer! Bis zur Wohnzimmercouch schleppte ich mich noch, allerdings zog ich mich nicht mehr aus.
Die Spinne war morgen dran - oder besser gesagt, heute. Das war der letzte Gedanke, an den ich mich noch erinnern kann.

Wieder weckte mich ein dumpfes Klopfen aus dem Obergeschoß. „Ja, Papa, ich komme!" rief ich, und stand schon auf, als mir einfiel, daß es nur wieder mein Pawlow´scher Reflex war. Dann aber klopfte es noch einmal, und mir wurde bewußt, daß ich nur geträumt hatte. Papa war gar nicht tot; es war alles so, wie immer.
Ich schwankte unsicher durch das Wohnzimmer. Mein Körper fühlte sich heiß an, mein Kopf schwer. Ganz wie Grippe. Das Zimmer und die Möbel kamen mir viel zu groß vor, und irgendjemand hatte die Stereoanlage eingeschaltet - ganz leise, kaum hörbar. Spielte irgendwas von Gershwin. Mein Vater hatte Gershwin geliebt, deswegen hatte ich alle Platten von ihm auf dem Flohmarkt verkauft. Ach nein, das war ja nur ein Traum gewesen. Ein Fiebertraum, ich hatte Grippe. Sommergrippe.
Vaters Bett war leer. Von den sechs Birnen in der Deckenleuchte brannte nur noch eine, aber es war genug, um zu erkennen, daß alles von einer dicken Staubschicht bedeckt war, und zwischen den Stäben der Bettgitter hingen verstaubte Spinnweben.
Ich war verwirrt, wußte micht mehr, auf welcher Realitätsebene ich mich befand. Im einen Augenblick war ich noch überzeugt, daß Papa nach mir klopfte, im nächsten wieder wußte ich, daß er tot war, und nie wieder klopfen würde. Und ich war wieder ein kleines Mädchen, das nur geträumt hatte, in der Disco gewesen zu sein. Und die Spinne...
...sie saß auf Papas Kopfkissen!
Sie starrte mich an. Jedenfalls kam es mir so vor.
Und sie war größer geworden!
Ich weiß nicht, was mich mehr schockte: der pure Anblick dieser schwarz-weiß-blauen Tarantel oder der Gedanke, daß das Vieh wuchs. Ich weiß nur, daß ich aufschrie.
Jeglicher Tötungstrieb war erloschen - allein die Vorstellung, mich der Spinne zu nähern, erschien mir völlig abwegig. Ich knallte die Tür zu, noch bevor sich das haarige Monster in Bewegung setzen konnte. Dann sank ich mit der Flurwand im Rücken in die Hocke und fing an zu weinen.
Während ich mich an den verschiedensten Körperstellen kratzte, überlegte ich, was ich tun sollte. Für einen Moment kam mir sogar der Gedanke, in ein Hotel zu gehen, aber der Nachtportier würde kein zwölfjähriges Mädchen aufnehmen.
Scheiße, was waren das für Gedanken? Ich war über dreißig, verdammt noch mal! Ich hatte einen Beruf, einen Freund... - ach nein, mit dem hatte ich vor zwei Jahren Schluß gemacht...
Scheiße, dieses Jucken am ganzen Körper war abartig, ich mußte dringend duschen!
Im Bad erwartete mich die nächste böse Überraschung: mein ganzer Körper war übersät mit „Mückenstichen", überall war die Haut gerötet, juckende Hügel mit winzigen Löchern in der Mitte reihten sich aneinander wie marsianische Vulkanlandschaften.
Das bedeutete Krieg!
Und diese Nacht würde er entschieden werden.

Mit dem langen Brotmesser bewaffnet kehrte ich in Vaters Zimmer zurück.
Die Spinne war nicht mehr auf dem Kopfkissen.
Es überraschte mich nicht sonderlich.
Aber groß, wie sie war, konnte sie kaum weit gekommen sein. Zumindest sagte das meine Logik, oder besser gesagt, was davon übrig war, denn zugleich kam mir der Gedanke, sie könnte durch eine kleine Hintertür verschwunden sein.
Ich sah mich um, von der Tarantel keine Spur.
Ich sah zur Decke.
Die Spinne landete mitten in meinem Gesicht.
Sie biß sofort zu.
Es hätte nicht viel gefehlt, und ich hätte mir das Brotmesser ins Auge gerammt, aber ein Rest Beherrschung war mir noch geblieben, und so packte ich das Ding mit der freien Hand und riß es mir vom Kopf.
Die Spinne seufzte. Sie seufzte ganz entschieden.
Und sie schien mir wieder ein Stück gewachsen zu sein. Ihre inzwischen fingerlangen Beine schwirrten, während sie in meiner Umklammerung zappelte.
Ich hätte sie in diesem Augenblick zerquetschen können, aber als ich ihr ins „Gesicht" sah, zerbrach etwas in mir: Die Spinne besaß acht Augen! Und es waren keine schwarzen Knöpfe, es waren weiße mit einer grünen Iris.
Augen wie meine...
In einer Mischung aus Ekel, Angst und namenlosem Grauen schleuderte ich das Monster von mir. Im nächsten Moment wußte ich, daß es ein Fehler gewesen war, und konnte nur noch hinterhersehen, wie die Spinne in einem Mauseloch-großen Spalt in der Wand verschwand.
Mein Kopf begann zu schmerzen, und die Knochen verwandelten sich in flüssiges Feuer. Das Messer glitt mir aus der Hand.
Ich mußte hier weg. Zum Arzt. Zu Papa. Zu Mama. Hinaus an die frische Luft, unter Leute.
Ich stolperte die Treppe hinunter, etwas in der Mitte brach ich dann zusammen. In meinen Beinen war einfach keine Kraft mehr, als hätte die Spinne gerade den letzten Rest Energie abgesaugt.
Irgendwie gelangte ich auf allen Vieren noch bis ins Wohnzimmer, wo die Treppe endete, dann war Schluß.

Ich verlor nicht das Bewußtsein, zumindest kam es mir nicht so vor. Ich erlebte wirre Fieberträume, während ich auf dem Teppich lag, kaum fähig, mich zu rühren.
Bei Sonnenaufgang kam die Spinne wieder, sie war so groß wie ich und drehte mich auf den Rücken. Im nächsten Augenblick war es Michael, mein Ex-Freund, den ich in die Wüste geschickt hatte. Er fickte mich durch, es tat weh, aber ich konnte mich nicht rühren. Dann war mein Vater über mir, und auch er fickte mich. Und schließlich war es wieder die Spinne, die ihre zentimeterlangen Kiefer in meinem Bauch versenkte, bis er ganz schwarz und weiß und haarig wurde. Aber die Spinne hatte nur noch vier Beine, und dann wieder hatte sie mein Gesicht. Und sie wurde immer noch größer. Am Ende war sie größer als das Haus - waren wir überhaupt noch im Haus?
Ja, wir waren. Ich hörte das Telefon klingeln und sah mich, wie ich den Hörer abhob, aber ich verstand nicht, was ich sagte. Ich war so groß wie ein Berg und die Erde bebte unter meinen Schritten.

Als ich mich wieder rühren konnte, hatte sich das Wohnzimmer in eine weite Steppe verwandelt, an deren Ende sich viereckige Berge und senkrechte Steilwände befanden. Ich versuchte, aufzustehen, verlor jedoch immer wieder das Gleichgewicht. Meine Arme kamen mir zu lang vor, und schließlich fand ich mich damit ab, mich auf allen Vieren fortzubewegen. Das wiederum war erstaunlich bequem, und ich durchquerte die Steppe in Höchstgeschwindigkeit.
Als ich an mir herabsah, sah ich keinen menschlichen Körper. Ich hatte acht haarige, schwarz-weiß-gestreifte Beine, und keine Hände mehr. Ich hätte erschrecken müssen, doch es kam mir irgendwie völlig normal vor. Gleich würde ich aus diesem Alptraum erwachen, Papa sein Essen bringen und dann zur Arbeit fahren.
Horch, da war es schon, das Klopfen.
Doch ich erwachte nicht.
Stattdessen erschien ein Riese auf der Steppe, die in Wirklichkeit der Wohnzimmerteppichboden war. Er war mindestens hundert Meter hoch und trug schwarzweiß-gestreifte Strümpfe.
Der Riese war ich. Eine Riesin.
Sie ging in die Küche, aus welcher der herrliche Duft gebratenen Schinkens kam, und ich lief ihr hinterher.
Aufwachen, ich will aufwachen...
Ich krabbelte auf die Arbeitsplatte und versuchte, mir zuzuwinken.
Bitte... bitte, schau doch her!
Ich will endlich aufwachen - bitte...
Jetzt sah sie mich! Endlich!
Doch was war das? Ihr Gesicht verzog sich angewidert! Sie holte zum Schlag aus...
Rein zufällig befand sich hinter mir eine Lücke zwischen den gelbbraunen Fliesen, in die ich mich zurückzog. Die Riesin nahm eine Gabel und stocherte mir nach, konnte mich jedoch nicht erreichen.
Kurze Zeit später hörte ich, wie die Eingangstür zuschlug, und ich wagte mich aus meinem Versteck.
Ich versuchte zu weinen.
Aber Spinnen können nicht weinen.

 

Hi Relysium,

interessante Geschichte, bei der ich Etappenweise an verschiedene Sachen erinnert wurde. Die Ausgangssituation "Kleines Tier treibt Menschen in den Wahnsinn" kenne ich aus einem Film, dessen Titel mir leider entfallen ist. Auf jeden Fall ist es dort eine Ratte, die seinen Besitzer Irre macht. Am Ende befinden sich beide Parteien im Krieg hehe

Dann wäre da noch die Sache mit dem toten Vater der immer noch Klopft. Erinnert mich persönlich an den alten Schinken "Wenn das Blut gefriert" (oder so ähnlich..)

Hab mich zwischenzeitlich echt gefragt, ob das Mädel entweder alles nur träumt oder aber wirklich eine kleine Macke hat.
Dann die Sache am Ende erinnert mich an die Thematik "Reinkarnation eines Menschen in ein Tier" was ich persönlich sehr interessant finde.
Allerdings ist es hier Unstimmig, weil ja die Protagonistin noch am Leben ist. Aber hattest ja gesagt, dass die Spinne das animalische Gegenstück zu dem Mädel ist! Vielleicht wurde ihre Seele geteilt??
Oder aber ich denk einach mal wieder viel zu kompliziert :D

Fand die Story auf jeden Fall sehr unterhaltsam und Surreal.
Außerdem habe ich eine ausgeprägte Arachnophobie, die sich weniger auf große Spinnen wie Taranteln, sondern mehr auf unsere kleinen, langbeinigen und Fettärschigen Hausspinnen bezieht. Brrrrr ekelhaft!

Christian

 

Ich hätte die Geschichte bei meiner Panik vor Spinnen nie lesen dürfen. Auch wenn ich deine Ideen und deinen Stil Klasse finde, es ist immer wieder ein Fehler deine Horrostories zu lesen :)

Ich werd jetzt erstmal meinen Staubsauger holen und auf Jagd gehen...

 

Surreal war die Geschichte auf jeden Fall, aber auch spannend und anschaulich.

Nur als die Prot. zunehmend in ihren Fieberwahn verfällt, geht es mir ein wenig zu sehr durcheinander.

Sehr geglückt fand ich dann wieder den Schluss, die ewige Wiederholung der gleichen Geschichte - bloß eben jetzt aus anderer Sicht.

LG
Aragorn

 

Hi Relysium...

von dieser Geschichte war ich diesmal nicht ganz so begeistert. Qualitativ sind "Süße Fäulnis" oder gar "Der Flugteufel" wesentlich besser.

In Sachen Orthographie, Interpunktion, Grammatik und dem ganzen Tschingderassabumm gibt es auch hier wieder mal nichts auszusetzen.

Die zugrundeliegende Idee hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Die anfängliche Szenerie, in der die Prot. die Spinne jagt, kehrt sich am Ende spiegelbildlich um. Dazu kommt, daß auch in meiner armen Krämerseele eine gewisse Arachnophobie wohnt und ich Spinnenstorys eh sehr gerne lese.

Was ich persönlich vermisse, ist eine ausgefeilte Atmosphäre in der Geschichte und eine differenziertere Charakterisierung der (insbesondere ängstlichen/panischen) Gefühle deiner Prot. Das kannst du viel besser (siehe vor allem deinen mitreißenden "Flugteufel").

Der Text ist aus meiner Sicht zu wenig emotional; angesichts der erschreckenden Erkenntnis, daß sie ihrem "arachniden Ebenbild" gegenübersteht, bleibt die Prot. erstaunlich gelassen. Da hätte ich viel mehr Panik und Entsetzen erwartet, halt mehr Emotionen im Text, die das Grauen greifbarer machen.

Sehr gut finde ich dann wieder den letzten Absatz. Der ist spinnenmäßig gruselig.

Detailanmerkungen:

Morgen war Samstag, und ich hatte Zeit und Ruhe, die Fuge neu auszufugen.

Klingt holprig. Vielleicht eher: "...Fuge neu zu füllen/aufzufüllen"?

Ich zog den Stoff hoch, bis ich auch meine Oberschenkel sehen konnte, aber zu meiner Erleichterung sah ich nichts Auffälliges - außer daß die nächste Enthaarung fällig war.

:D Fand ich gut

Dabei ging mein Bett kaputt. Mist. Umso mehr Mist, als daß ich das hätte ahnen müssen.

Unschöne Formulierung... es geht etwas kaputt, und das ist umso mehr Mist, als daß man das hätte ahnen müssen.
Du hast einen so großen Wortschatz, das kriegst du doch auch eleganter hin.

Ich hatte mit ein paar Jungs in der Disco etwas zuviel Cola mit Bacardi
etwas später
Brr - definitiv zuviel Biercola.

Was denn nun? Cola mit Bacardi oder Bier?

Sozusagen ich selbst als Spinne, welch bizarre Laune der Natur. - Fast schon schade, daß ich mein arachnides Ebenbild töten mußte, aber ich würde die sterblichen Überreste in einer Schachtel aufbewahren, um sie meinen Freunden zu zeigen - sonst glaubte mir ja wieder keiner.

Das hatte ich oben bereits angesprochen. Deine Prot. sieht sich selbst als Spinne, und was passiert? Eine fast schon distanzierte Neutralität, eine geradezu sachliche Herangehensweise an diese doch haarsträubende Entdeckung. Mir fehlt hier einfach viel mehr Emotion als nur ein lapidares "Fast schon schade, daß ich mein arachnides Ebenbild töten mußte..."

Ich war verwirrt, wußte micht mehr, auf welcher Realitätsebene ich mich befand

"...wußte nicht mehr..."

Die Spinne seufzte. Sie seufzte ganz entschieden.

Das fand ich sehr gelungen.

Ich krabbelte auf die Arbeitsplatte und versuchte, mir zuzuwinken.

Das fand ich genial. :thumbsup:

Insgesamt also eine unterhaltsame Geschichte, die mich im Vergleich zu anderen Stories von dir jedoch nicht ganz überzeugen kann.

Gruß,
Somebody

 

Hi Relysium, erstmal vielen Dank für die Gänsehaut. Auch ich leide unter chronischer Arachnophobie und habe bei deiner Geschichte wirklichen Horror erlebt (zu lebhafte Fantasie...). Zum Glück muß ich die Teile nicht selber töten sondern habe einen Kater der sie erlegt und frisst. Deine Story ist wie immer gut geschrieben und mir hat grade die Verwirrtheit der Protagonistin zum Ende hin gut gefallen (ist halt ziemlich verwirrend plötzlich zur Spinne zu mutieren, da können die Gedanken ruhig ein bißchen wirr durcheinander gehen). Meiner Meinung nach war es nicht deine beste Story aber für zwischendurch hat sie auf jeden Fall unterhalten und durchaus auch gegruselt (bähhh mitten im Gesicht, was bist du eklig, allein der Gedanke :sick: ).

Freu mich darauf mehr von dir zu lesen.

Narya

 

Irgendwie war mir danach, mal wieder was von dir zu lesen. Und da kam mir diese Geschichte, auf die du ja in keinster Weise auf Kommentare reagierst :D sehr gelegen.

Gut, sie steckt in den Kinderschuhen, aber is ja auch scho a bisserl alt, gelle?!
Faszinierend, wie du es mal wieder schaffst, den Leser in den Bann zu ziehen; ist man ja von dir gewöhnt. So, genug Honig, hat mir gefallen das Ding.

Gruß! Salem

 

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