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Der zweite Hunger

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01.04.2019
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Der zweite Hunger

Wolf war ganz ruhig, als er aufwachte. Er hatte weder schlecht geschlafen, noch schlecht geträumt. Er war einfach nur hungrig. Er hatte bereits befürchtet, dass es in dieser Nacht wieder passieren würde. In den letzten Wochen passierte es immer häufiger. Seine Armbanduhr, die er vor zwei Wochen von Natascha zum dritten Jahrestag geschenkt bekam, zeigte kurz nach Zwölf in der Nacht.
Wolf ertastete seine Brille auf dem Nachttisch. Es gab nur eine Möglichkeit wieder einzuschlafen. Er stand auf. Dabei gab er sich Mühe, Natascha nicht aufzuwecken.
In der Küche holte er ein Stück Käse aus dem Kühlschrank. Dazu öffnete er eine Flasche Bier und setzte sich an den Küchentisch. Schnell hatte er aufgegessen. Dieselbe unbefriedigende Routine. Er öffnete sich ein zweites Bier und lauschte der Stille in der Wohnung.
Dann setzte er sich in Bewegung. Beim Aufstehen hielt er sich an der Tischplatte fest. Mit ausgestreckten Armen wankte er durch die Dunkelheit des Flurs in Richtung des Schlafzimmers. Auf halbem Weg bog er rechts ab. Er torkelte geradewegs auf die Haustür zu. Neben der Haustür auf einer Kommode lag sein Telefon. Es war nur zu erkennen, wenn man wusste, dass es dort lag. Wolf tippte die Nachricht in das Display. Dann hielt er einen Moment inne. Nichts regte sich. Dann schickte er ab, ging er zurück in die Küche und wartete.
Es dauerte nicht lange, bis das Telefon unangenehm laut auf der Tischplatte vibrierte. Wolf reagierte schnell, hob es von der Tischplatte und prüfte anschließend für einige Sekunden den pechschwarzen Flur.
Danach las er die Nachricht, ging ins Bad und duschte. Er trug etwas Parfum auf. Aus dem Spiegelschrank holte er einen kleinen Karton für Brillenputztücher. Seine Brille setzte er ab und legte sie zur Seite. Aus dem Karton zog er ein Paar Kontaktlinsen.
Abschließend lehnte sich Wolf weit über das Waschbecken, sodass sein Gesicht nur wenige Zentimeter vom Spiegel hing und überprüfte sorgfältig seine Haut auf Unreinheiten. Er lächelte sich zu. Seine Zähne waren spitz und weiß.
Barfüßig und auf Zehenspitzen holte er ein frisches Shirt aus dem Schlafzimmer. Aus dem Schuhschrank neben der Kommode vor der Haustür nahm er ein Paar abgewetzte Lederboots. Er stopfte etwas Bargeld, sein Telefon und ein paar Pfefferminz in seine Hosentaschen und schloss die Haustür auf, ohne dabei ein Geräusch zu machen. Die Schuhe trug er in seinen Händen. Die Haustür ließ er sanft und routiniert hinter sich ins Schloss fallen.
Wolf ließ sich auf den Treppenstufen vor der Haustür nieder und schlüpfte in seine Lederboots. Mit den feinmaschigen Schnürsenkeln knüpfte er elegante Schleifen. Er war nicht in Eile. Er nahm einen Pfefferminz und inhalierte die frische Luft. Kühl zog die Nachtluft durch seinen Mund, vorbei am Pfefferminz und hinein in seinen Rachen. Immer noch hungrig machte er sich auf den Weg.

Picadora de Carne hieß die Bar, die Wolf betrat. Um in den kleinen Raum zu kommen, musste Wolf durch einen Vorhang, der mehr einem alten Teppich vom Sperrmüll ähnelte. Er schob den Teppichvorhang zur Seite und ging hinein. Dann traf ihn ein Ellenbogen direkt unter die Rippen. Wolf krümmte sich.
“BA-SEITE!”, grunzte ein großer Schatten und zog an ihm vorbei. Dem Großen folgten zwei weitere, aber schmächtige Schatten. Wolf stolperte in den Raum und prüfte seine Flanke. Das würde einen blauen Fleck geben. Der gewellte Teppich versperrte den Blick nach draußen. Wolf justierte sein Hemd mit wenigen Handgriffen und marschierte geradewegs auf den Teppich zu. Eine kleine Hand berührte ihn von hinten an der Schulter und ließ ihn herum fahren. Er packte die Hand.
“Aua!”
“Lily!”
Wolf ließ die Hand los. Vor ihm stand eine junge Frau. Sie war jünger als Wolf, trug ein weites Oberteil, das sich federleicht über ihre schmalen Schultern legte, einen kurzen Rock und durchsichtige Strumpfhosen, dazu glänzende schwarze Boots, auf denen sie nun hin und her wippte. Ihre schwarzen Haare hatte sie zu einem Zopf gebunden. Sie hielt ihr Handgelenk.
“Was ist denn mit dir los?”, fragte sie.
Wolf warf noch einen Blick zum Eingang, dann schüttelte er den Kopf.
“Nichts. Entschuldige.”
Sie nestelte weiter an ihrem Handgelenk herum.
“Ist geprellt glaube ich.”
Bei jedem Treffen trug sie ein anderes, selbst geknüpftes Band. Heute war es blau mit gelben Tupfern. Wolf assistierte ihr. In seinen Händen wirkte das Handgelenk winzig.
“Soll ich pusten, damit es schneller heilt?”, fragte Wolf.
Lily zog ihren Arm zurück.
“Fick dich, Wolf.”
“Komm ich spendiere dir was.”
Lily musterte ihn mit zusammengekniffenen Augen.

Gemeinsam suchten sie einen Platz an der Bar. Lily strich ihren Rock mehrfach glatt, bevor sie es sich auf dem Hocker gemütlich machte. Wolf bestellte zwei Bier. Er bevorzugte es zu stehen und sich nur an den Hocker zu lehnen. Die Bar war heute gut besucht. An allen Tischen steckten kleine Gruppen ihre Köpfe zusammen. Nur ein Tisch war leer. Drei leere Stühle standen um den Tisch und eine Menge leerer Glaskrüge, in denen sich Schaum in abgestandenes Wasser verwandelte, warteten auf Abholung. Wolfs Blick wanderte mehrfach zwischen dem Tisch und dem Eingang hin und her, aber es tat sich nichts. Er ließ ab.
Die Musik war nichts besonderes und Wolf versuchte sie so gut es ging zu ignorieren. Sie wurde durch das nervtötende Rattern eines alten Kühlschranks ersetzt.
“Wer geht eigentlich gerne in so eine beschissene Bar?”, fragte Wolf.
Der Barmann war ein großgewachsener, schlacksiger Mann mit kurzen Haaren, der meistens altmodische Westen trug. Wolfs Kommentar entging ihm nicht. Die zwei rostigen Ringe, die er an der rechten Hand trug, klapperten gegen die Bierflaschen, die er vor Wolf auf den Tresen knallte.
“Dann verpiss dich doch, Wolf”, sagte er.
Lily hob ihre Hände, um zu beschwichtigen.
“Er meint es nicht so.”
“Dein Handgelenk scheint ja doch ganz gut zu funktionieren”, sagte Wolf.
Dann warf er ihr einen provokanten Blick zu. Lily nahm ihre Hände wieder runter.
“Ich meine es so, wie ich es sage”, fügte Wolf an und nahm einen Schluck von seinem Bier, “Willst du uns keinen Untersetzter geben?”
Der Barmann schüttelte nur mit dem Kopf und drehte ihm den Rücken zu.
Lily strich über Wolfs Oberschenkel. Wolf reagiert darauf mit einem weiteren strengen Blick.
“Was ist denn los mit dir?”
Wolf zuckte mit den Schultern.
“Entspann dich.”
“Ich bin entspannt.”
Lily schüttelte den Kopf.
“Ich habe das Gefühl, du könntest jeden Moment den Barmann anfallen.”
“Wer so eine Musik spielt, hätte es auch verdient.”
“Du hast dich noch nie über die Musik hier beschwert.”
Wolf rutschte auf seinem Hocker hin und her.
“Mir gehen einfach Männer auf den Sack, die meinen, sie könnten machen, was immer sie wollen. Die denken, dass es sich nur um sie dreht. Denen nur wichtig ist, was sie wollen.”
Lily betrachtete ihn genau. Er starrte einfach nur gerade aus. Das Licht zeichnete kleine Furchen um seine Augen in die sonst makellose Haut.
“Du hast Ärger mit Natascha.” sagte Lily. Sie lehnte sich nach vorne und
strich weiter über Wolfs Bein. Ihre Fingernägel kratzten etwas über den Jeansstoff. Wolf wich zurück.
“Es geht nicht um Natascha.”
Lily ließ die Schultern hängen.
“Außerdem reden wir nicht über sie, das weißt du. Sie hat nichts mit uns zu tun”, sagte er.
“Und was ist, wenn ich doch über Natascha reden will?”
Ihre Augen funkelten.
“Hör auf”, sagte Wolf.
“Was hat sie gemacht?”
Wolf packte ihr Handgelenk und fixierte sie.
“Hör jetzt auf.”
Lily fasste ebenfalls an ihr Handgelenk.
“Du tust mir weh.”
Wolf ließ sofort los und schüttelte den Kopf.
“Tut mir leid. Ich bin nicht gut drauf.”
“Ach wirklich?”
Lily grinste, nahm einen kleinen Schluck aus der Flasche und beugte sich zu ihm und begann zu flüstern. Wolf roch den Alkohol in ihrem Atem.
“Ich hab was für dich, das dich vielleicht auf andere Gedanken bringt, eine Überraschung”, sagte sie, “aber dafür müssen wir zu mir.”
Wolf atmete tief durch. Die rauchige Luft brannte etwas in seiner Lunge. Er wollte seine Augen schließen, um sich auf ihre Worte zu konzentrieren, da stand sie schon neben ihm und zerrte an seiner Hand.
“Komm!”
Wolf brauchte einige Moment bis er bereit war, dann nahm er sein Bier und ließ sich durch den Raum führen. Hand in Hand verließen sie die Bar.
Lily ging voran und Wolf fiel einige Schritte zurück. Er schaute sich um. Die Straße war leer und die drei Männer waren nirgends zu sehen. Stattdessen bemerkte er einen Mann auf der anderen Straßenseite. Ein kleiner Kerl, nur eine gedrungene Silhouette im Schatten zwischen zwei Laternen. Er rauchte. Das Glühen der Zigarette warf einen warmen Schein auf seine Wangenknochen und Nasenspitze. Wolf fiel auf, dass sich der Kerl nur für Lily interessierte und ihm keine Beachtung schenkte. Wolf holte Lily ein.
“Kennst du den?”, fragte er.
“Hör auf Streit zu suchen”, antwortete Lily, ohne hinzusehen.
“Komm jetzt.”
Drei Häuser von der Bar entfernt führte eine Tür in ein schmales Treppenhaus. Lily schloss die Tür auf. Der Boden und die Wände waren gefliest. Jeder Schritt hallte wie ein Ping-Pong Ball von links nach rechts. Auf dem Weg die Treppen hinauf erzählte Lily von ihrer Schwester. Sie war Stewardess und kürzlich in Mexico und Kolumbien. Wolf hing einige Treppenstufen zurück, schaute ihr unter den Rock und dachte nach. Was immer in dieser Nacht passieren sollte, es würde wohl kaum ausreichen, das Gefühl in seinem Bauch zu beseitigen.

In der Wohnung verschwand Lily sofort im Schlafzimmer. Wolf ging daran vorbei ins Wohnzimmer und setzte sich auf einen alten Ledersessel in der Ecke. Das Wohnzimmer war mit alten Möbeln ausstaffiert, dunkles Holz und verschnörkelte Beine. So wie es aussah, hätte es nach Holzpflegeöl und Mottenkugeln riechen müssen, stattdessen lag ein süßliches Parfum und ein Hauch von Minze in der Luft. Aufwändiger Stuck rahmte die hohen Decken.
Lily ließ ihn für einige Minuten alleine. Gegenüber von Wolf auf der anderen Raumseite stand ein großer Vogelkäfig. Darin saß ein Vogel regungslos auf seiner Stange. Der Vogel war aus Metall. Er war einem blauen Wellensittich nachempfunden. Die Beine, der Kopf, Schnabel und die Flügel waren durch kleine Scharniere miteinander verbunden. Wolf hatte die Pose des Vogels anders in Erinnerung.
Wolf leerte sein Bier und sackte in den Sessel. Dann kam Lily mit einem großen, in schwarzem Leder eingebundenen Album in den Raum getrabt. Sie machte etwas Platz auf dem Holztisch neben dem Sessel und legte das Album ab. Dann warf sie sich auf Wolfs Schoß. Wolf wollte sie an der Hüfte berühren, aber zögerte. Lily bemerkte das. Sie nahm seine Hand und legte sie auf ihre Hüfte.
“Mach dich nicht lächerlich.”
Sie schlug das Album auf. Es war ein Münzsammelalbum. Reihe für Reihe und hinter Plastik geschützt, lagen silberne Münzen. Sie blätterte auf die vierte Seite und holte eine Münze unter dem Plastik hervor. Die Münze war so groß wie ein zwei Euro Stück. Sie legte die Münze in Wolfs flache Hand. Wolf prüfte ihr Gewicht.
“Aus Mexiko?”, fragte Wolf.
Lily nickte.
“Selten?” fragte Wolf.
Lily nickte enthusiastisch und grinste. Ihr weißen Zähne waren übermäßig perfekt, so wie man es nur von Schauspielern kannte. Sie rutschte auf seinem Schoß hin und her.
“Von meiner Schwester. Es soll nur ein paar Hundert davon auf der Welt geben.”
“Ist das die Überraschung?” fragte Wolf.
“Enttäuscht?”
Sie zwinkerte ihm zu.
“Warum machen wir das jedes Mal?”, fragte sie.
“Ich nehme einfach gerne etwas mit, damit ich mich besser erinnern kann.”
“Bist du schon so alt, dass du eine Gedächtnisstütze brauchst?”
Wolf setzte zu einer Antwort an, wurde jedoch unterbrochen. Es klingelte an der Tür. Lily schreckte hoch.
“Besuch?”, fragte Wolf.
Lily stand kerzengerade vor ihm. Dabei strich sie immer wieder durch ihr Haar.
“Bestimmt ein besoffener Idiot.”
Sie setzte sich wieder auf Wolfs Schoß. Dann klingelte es erneut.
“Scheiße”, rutschte es Lily raus. Sie schaffte es nicht, still zu sitzen.
“Du weißt, wer an der Tür ist”, sagte Wolf.
“Nein. Was glaubst du, wie die Nächte sind, wenn man neben einer Bar wohnt?”
“Schwachsinn”, sagte Wolf.
Lily rutschte näher an ihn heran. Nah genug, sodass ein Flüstern ausreichte. Sie streichelte seinen Hals. Dann klingelte es wieder, gefolgt von einem weiteren Klingeln. Es hörte nicht mehr auf. Jemand stand vor dem Haus und prügelte pausenlos auf die Türklingel ein. Wolf schob Lily von seinem Schoß und stand auf.
“Das reicht.”
Er stapfte zur Wohnungstür. Lily packte ihn an der Schulter.
“Bleib hier!”
Wolf ließ sich nicht aufhalten. Lily drängte sich an ihm vorbei und versperrte mit verschränkten Armen den Weg.
“Ich lasse dich da nicht raus gehen.”
Noch immer surrte die Klingel pausenlos. Wolf ging langsam auf sie zu.
“Und ich lasse nicht zu, dass hier jemand so eine Nummer abzieht.”
Mittlerweile standen sie nur ein handbreite voneinander entfernt. Lily legte ihre Hände auf Wolfs Brust.
“Erinnerst du dich an die Überraschung? Bleib hier und dann erzähle ich es dir.”
In diesem Moment gesellten sich zu dem pausenlosen Klingeln dumpfe Schläge gegen eine Tür. Der Unruhestifter prügelte auf die Treppenhaustür ein. Wolf schob Lily zur Seite. Sie riss an seinem Hemd und packte ihn am Hosenbund, aber Wolf bewegte sich einfach weiter. Sie hatte ihm nichts entgegenzusetzen.
“Bleib gefälligst hier!”
“Schließ die Tür hinter mir und mach erst wieder auf, wenn ich zurück bin.”
Mit diesen Worten riss sich Wolf endgültig los und stürmte anschließend die Treppen hinunter. Die schnellen Schritte hallten durch das Treppenhaus. Es klang, als würde eine Herde wütender Bullen die Stufen hinunter stürzen. Tatsächlich war es jedoch nur ein Bulle, aber nicht weniger wütend. Vor der Tür stoppte er für einen kurzen Moment und justierte sein Hemd und die Hose. Dann drückte er die Türklinke hinunter und warf sich mit seinem gesamten Gewicht dagegen. Die ersten Zentimeter bewegte sich die Tür ohne Widerstand, dann traf sie etwas Festes. Ein Mann schrie auf und Wolf presste die Tür hinaus in die kalte Nachtluft. Vor ihm auf dem Asphalt lag ein Mann auf dem Boden und hielt sich seine blutige Nase. Er trug einfache Jeans und eine dunkle Stoffjacke. Er war gut einen Kopf kleiner als Wolf und schmaler gebaut. Wolf erkannte ihn. Es war der Mann, der vor der Wohnung herumgelungert hatte.
“Was ist mit dir denn los man?”, sagte der Mann am Boden.
Das Blut lief ihm aus der Nase, über seine Finger auf die Lippen. Er leckte sich mit seiner Zunge darüber, dabei prüfte er seine verschmierten Hände.
“Scheiße”, sagte er.
Wolf ging auf ihn zu.
“Ich habe heute Abend keine Geduld. Du wirst jetzt aufstehen und dich von hier verpissen. Du wirst diese Frau nie wieder belästigen. Und dann wirst du nie wieder darüber nachdenken hier aufzutauchen. Haben wir uns verstanden?”
Der Mann spuckte etwas Blut aus. Dann rappelte er sich auf. Sein Stand wirkte alles andere als sicher. Er musterte Wolf.
“Du bist der Neue”, sagte er. Dem folgte ein blutverschmiertes Grinsen.
“Ich sags kein zweites Mal.”
“Du weißt es gar nicht, oder?”
Wolf ging auf ihn zu. Der Mann wich einen halben Schritt zurück. Wolf holte eine Münze aus seiner Hosentasche. Es war die Münze von Lily. Dann baute er sich vor dem Mann auf.
“Kopf oder Zahl?”
“Wie gefällt sie dir im Bett?”, fragte der Mann gehässig.
“Dann bestimme ich. Zahl”, sagte Wolf und schnippte die Münze in die Luft. Sobald die Münze in der Luft war, holt Wolf aus und verpasste dem Mann einen direkten Schlag ins Gesicht. Ein stechender Schmerz schoss durch seine Hand. Der Aufprall war härter, als Wolf vermutet hätte. Der Mann verlor sofort das Gleichgewicht und knallte zeitgleich mit der Münze stöhnend auf den Boden. Zu Wolfs Überraschung war er sofort wieder auf den Beinen und ging auf ihn los. Ein Schlag traf Wolf in die Magengrube und trieb die Luft aus seinen Lungen. Er hatte nun selbst Schwierigkeit auf den Beinen zu bleiben und taumelte zurück in das Treppenhaus. Er bereitete sich auf einen Gegenangriff vor, doch da traf ihn schon der nächste Schlag in den Bauch. Er krümmte sich vor Schmerz. Dann ließ er sich mit seinem Gewicht nach vorne fallen und holte dabei aus. Seine bereits angeschlagene Hand glühte vor Schmerz, als er erneut zu schlug. Der Schlag traf den Mann unvorbereitet. Wolf versuchte nachzusetzen, doch der Mann warf sich ihm mit seinem ganzen Gewicht entgegen. Wie zwei Boxer im Klinch rangelten sie einige Momente miteinander, bis Wolf etwas spürte, dass ihm nicht vertraut war. Der Mann ließ ihn los und Wolf taumelte einige Schritte zurück. Er hielt sich den linken Arm und als er die Hand vom Arm löste bemerkte er das viele Blut. Der Mann hielt ein Messer. Die fast weiße Klinge grinste hämisch in der Dunkelheit. Wolf sackte auf die Knie. Er hatte noch nie in seinem Leben soviel Blut gesehen.
“Idiot”, sagte der Mann. Die Worte hallten blechern durch das Treppenhaus. Dann ging er vorbei an Wolf die Treppe hinauf.
Wolf konnte nur an eins denken: Lily wartete in der Wohnung. Er eilte ihm hinterher, doch nach wenigen Schritten wurde ihm schwindelig und er musste sich am Treppengeländer festhalten. Er schaffte es kaum mehr als drei Schritte. Dann sackte er am kalten Metallgeländer entlang auf den Boden. Er hoffte, dass Lily seinen Rat befolgt hatte. Er hoffte, dass sie die Tür geschlossen hatte.

Die nächsten Minuten fühlten sich an wie eine Ewigkeit. Wolf schaffte es sein Hemd auszuziehen. Er legte es mehrfach übereinander und band es fest um die Wunde. Dann zog er sich am Geländer hoch. Jede Faser seines Körpers beschwerte sich. Sein linker Arm quittierte als erster die Arbeit. Der Rest wollte folgen, doch Wolf trieb seinen Körper vorwärts. Stufe für Stufe stieg er hinauf, dabei konnte er nicht sagen, wie schnell er war. Dann erreichte er die Tür, sie stand offen.
Wolf betrat die Wohnung. Am Ende des Flurs im Wohnzimmer sah er einen Körper liegen. Er humpelte so schnell er konnte in den Raum. Dort entdeckte er Lily, die in der Ecke des Raumes stand und das Messer hielt. Auf dem Boden lag der Mann und bewegte sich nicht. Sein Bauch war blutverschmiert. Der Raum roch nicht mehr nach Minze, sondern nach Eisen. Wolf fasste sich an den Kopf.
“Ach du Scheiße.”
Dann musterte er Lily.
“Bist du in Ordnung?”
Lilys Wangen glänzten. Sie starrte den Körper am Boden an und blieb regungslos. Wolf kniete sich zu dem Mann.
“Ist er?”
“Tot?”, sagte Lily, “Ich glaube schon.”
“Scheiße.”
Wolf ging auf und ab. Dabei schickte jeder Schritt neuen Schmerz durch seinen Körper. Er wollte nachdenken, aber es gelang ihm nicht.
“Wie ist das passiert?”
Lily stand noch immer in der Ecke. Sie kniff die Augen zusammen.
“Was glaubst du, wie es passiert ist? Denkst du, ich habe ihn einfach abgestochen?”
Dann bemerkte sie, dass Wolf kein Hemd mehr trug und langsam zu taumeln begann. Noch bevor Wolf antworten konnte, verlor er das Gleichgewicht, sackte auf die Knie und hielt sich den verletzten Arm. Lily ging zu ihm und half ihm. Sie prüfte den mittlerweile rot verfärbten Hemd-Verband. Wolf nahm ihr das Messer aus der Hand und warf es zur Seite.
“Leg das weg.”
“Du musst ins Krankenhaus”, sagte Lily.
Wolf schüttelte den Kopf.
“Nein. Ich kann nicht.”
“Willst du sterben?”
Lily begann den Verband zu bearbeiten.
“Ich muss nach Hause.”
Lily betrachtete ihn ratlos.
“Du musst wirklich ins Krankenhaus.”
Mittlerweile waren auch Lilys Hände von einem roten Film überzogen. Wolf atmete tief durch.
“Ich will nicht, dass Natascha hiervon erfährt.”
Lily verpasste ihm einen Schlag mit der Faust gegen die unversehrte Schulter. Wolf stöhnte.
“Du denkst jetzt an sie?”
Wolf ließ den Kopf hängen. Lily stand auf und zeigte auf den Mann am Boden.
“Weißt du wer das ist?”
“Nein.”
“Mein Ex-Freund.”
Ein stechender Schmerz durchfuhr Wolf, als er versuchte sich aufzurichten.
“Was?”
Lilys Augen wurden immer röter und begannen zu glänzen.
“Ich habe vor ein paar Tagen mit ihm Schluss gemacht.”
Sie zuckte mit den Schultern.
“Überraschung”, sagte sie und warf ihre Hände in die Luft, “Beschissenes Timing, oder?”
Wolf grunzte, als er sich langsam an der Wand hochschob.
“Ich muss nach Hause.”
“Ist das alles, was du mir zu sagen hast?”
“Ich kann nicht”, sagte Wolf, “Ich habe dir das immer gesagt.”
Mittlerweile war er wieder auf den Beinen. Lily ging auf ihn zu.
“Du hast gesagt, dass du mich liebst.”
“Das habe ich nicht.”
“Aber ich weiß es.”
“Ich liebe Natascha.”
Lily lachte und hielt sich die Hand vor den Mund. Dann drehte sie sich im Raum um ihre eigene Achse.
“Deshalb bist du hier? Schau dich doch um. Schau auf die Uhr. Schau auf den Boden. Warum bist du hier wenn du sie wirklich liebst?”
Wolf ging ein paar Schritte in dem Raum. Er konnte sich selbstständig auf den Beinen halten.
“Ich gehe jetzt.”
Damit machte er sich auf den Weg.
“Du kannst nicht einfach so gehen!”
Sie hielt ihn auf.
“Du lässt mich einfach hier zurück?”, sagte sie.
“Du lässt mir ja keine Wahl. Du hast einfach deinen Ex-Freund abgestochen! Du bist doch völlig irre!”
“Wie willst du Natascha erklären, was heute Abend passiert ist?”
“Mir fällt schon etwas ein. Das tut es immer.”
“Nein. Das bekommst du nicht wieder hin gebogen. Das wars für euch.”
Wolf riss sich von ihr los.
“Leb wohl, Lily.”
Er schleppte sich zur Wohnungstür. Lily verschränkte hinter ihm die Arme.
“Ich werde der Polizei sagen, dass du ihn umgebracht hast.”
Wolf machte auf der Stelle kehrt. Mit großen Augen starrte er sie an.
“Das macht keinen Sinn.”
“Du hast auch das Messer angefasst. Und es haben bestimmt ein paar Leute mitbekommen, dass ihr euch im Treppenhaus geprügelt habt. Ich konnte es jedenfalls auch durch die geschlossene Tür bestens hören.”
“Das wagst du nicht.”
“Finds heraus.”
Für einen Moment wurde es still im Flur. Dann waren sehr leise Polizeisirenen im Hintergrund zu hören. Wolf schaute sich um. Lily schien nicht überrascht.
“Die Polizei ist gleich hier. Ich hab angerufen, bevor du in die Wohnung gekommen bist.”
“Warum tust du mir das an?”
Wolf lehnte sich an die Wand und sackte an ihr hinab. Lily setzte sich zu ihm.
“Du glaubst wirklich, dass du hier das Opfer bist, oder?”
Lily lehnte ihren Kopf gegen die Wand und schaute zu Decke.
“Was glaubst du, wie ich mich gerade fühle?”
Wolf schwieg.
“Oder wie Natascha sich fühlt, wenn sie hiervon erfährt?”
“Was für ein beschissener Abend”, sagte Wolf.
“Warum trennst du dich nicht einfach von ihr?”
Wolf hustete.
“Weil ich nicht kann.”
“Und warum lässt du mich dann nicht in Ruhe?”
“Weil ich nicht kann.”
Lily lachte schräg.
“Du, Wolf, bist echt ein jämmerliches Weichei.”
Lily berührte seinen unverletzten Arm.
“Ich werde die Polizei nicht anlügen”, sagte sie.
“Mir ist schwindelig”, sagte Wolf.
Lily packte ihn am Kinn.
“Denk einmal nicht nur an dich, Wolf. Hör auf zu lügen. Hör auf Natascha und mich zu belügen.”
“Sie tut mir Leid”, sagte Wolf. Er hatte Tränen in den Augen.
“Mir auch”, sagte Lily.
Wolf ließ seinen Kopf an die Wand fallen. Lily gab ihm einen kleinen Kuss auf die Schläfe. Blaues Licht erhellte das Treppenhaus.

Als Wolf am nächsten Morgen das Schlafzimmer betrat, war Natascha bereits wach und saß auf der Bettkante. Wolf zog seine Jacke aus. Unter der Jacke trug er nichts außer einen strahlend weißen Verband. Natascha sagte nichts und Wolf ging zu seinem Nachttisch Schrank und öffnete die unterste Schublade. Aus ihr holt er eine kleine Schachtel. Die Schachtel stellte er zwischen Natascha und sich auf das Bett und nahm den Deckel ab. Die Schachtel war randvoll mit silbernen Münzen gefüllt. Aus seiner Hosentasche zog er eine weitere Münze, an der noch etwas rotes klebte und legt sie dazu.
Wolf räusperte sich, atmete tief durch und begann zu reden. Für den Moment war der Hunger verschwunden und Wolf hoffte, dass es so bleiben würde.

 
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04.12.2020
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Absolut klasse und spannend. Deine Geschichte hat eine Sogwirkung wie ein Strudel, der mich bis zum Grund mit hineinzog. Ich Freue mich auf deine nächste Story. Merci.

 
Monster-WG
Seniors
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10.09.2014
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Hola @tbrak,

ich finde in Deinem Profil zwei Dinge, die für mich nicht zusammenpassen wollen:

Als blutiger Anfänger bin ich auf der Suche nach …
und
Meine Geschichten gibt es hier: littleghosts

Demnach bist Du schon ein ausgefuchster Schreiber, kokettierst aber als ‚blutiger Anfänger‘?

… und neuen Wachstumsfeldern.
:confused: Keine Ahnung, was ich mir hierunter vorstellen soll. Oder doch? Du bist mit der Leimrute unterwegs, um neue Leserlein einzufangen? In einem solchen Forum gibt‘s ja einige von denen:D.

Na ja, jedenfalls habe ich Deinen Text gelesen. Eigentlich mehr aus Neugier, denn bis auf einen Winzkommentar fehlt jede Resonanz. Was ist da los?
Am Titel kann es nicht liegen – den finde ich sehr gelungen. Da will man doch herausfinden, was es damit auf sich hat, schließlich kennt jeder dieses unergründliche Gefühl.
Der Plot hingegen, die (Münz-)Geschichte selbst, hat sich mir nicht erschlossen.
In meinem Fall entstand eine Distanz zwischen Leser und Handlung, gleich zu Beginn:
Wolf ißt nachts Käse, schwankt schon, dass er sich festhalten muss, beim zweiten Bier ohne Schnapes (!), ist urplötzlich wieder okay und verlässt das Haus, in dem Natascha süß weiterschläft.
Er wird länger wegbleiben, doch sie wird schon durchschlafen (hoffe ich).
Ich lese noch von einer Barfrau Lily in Reizwäsche, die Bier aus der Flasche trinkt. Rülps. Die muss keinen Umsatz bringen mit Rotkäppchen alias Champagner, sondern säuft Flaschenbier. Und kann während der Arbeitszeit einfach mal so für ein paar Stunden abhauen.

Einen Teil der Dialoge fand ich gut – ohne ‚sagte fragte meinte‘, sondern kurz und bündig, trotzdem war immer klar, wer sprach. Doch unterm Strich hat mich der Text nicht berührt: Ein unnötiger Mord, Figuren ohne Innenleben. Emotionen null. Und das wiederum ließ den Text ziemlich lang erscheinen, aber das ist nur meine Privatmeinung.

Du bist mE. nicht Schreibwerkstatt-Mitglied geworden des Schreibens wegen (was Du schon beherrschst), sondern – vielleicht eine haltlose Unterstellung meinerseits – der neuen Wachstumsfelder wegen, oder?
Aber vielleicht lesen wir bald etwas von Ruan und Tara und freuen uns. Bis dahin!

José

 
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01.04.2019
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Hallo @Billi und @josefelipe :)

Danke, dass ihr euch beide die Zeit genommen habt, die Geschichte zu lesen! :)

Freu mich sehr, dass sie dir gefällt Billi :)

@josefelipe Sorry, wenn mein Profil für etwas Verwirrung sorgt. Den Text hatte ich gar nicht mehr so auf dem Schirm - den habe ich ganz zu Beginn, als ich das Forum entdeckt habe geschrieben. Ich glaube ich bin definitiv kein "blutiger" Anfänger mehr, trotzdem ein Anfänger und keineswegs ein ausgefuchster Schreiber. Ich bin hier auch nicht auf "Leserfang" - sondern habe einfach nur ein Seite gebaut, die mir hilft mich an Veröffentlichung (ist scary seinen Stuff zu zeigen :shy:) zu gewöhnen und Feedback zu bekommen und sie der Vollständigkeit auch hier in mein Profil eingesetzt (für jeden, der möchte). Was ich mit Wachstumsfelder damals meinte, weiß ich nicht mehr, aber was ich heute darunter verstehe, bringt uns direkt zu deinem Feedback:

Ich möchte lernen, Leute mit meinen Texten emotional zu erreichen und eine Verbindung zu schaffen (und ultimativ natürlich zu unterhalten). Deshalb sehr schade, dass ich das bei dir nicht geschafft habe.

Ein paar Dinge, die ich vermutlich nicht deutlich genug beschrieben habe: Lily ist nicht die Barfrau, sondern einfach nur ein Besucher, so wie Wolf auch und die Bar der Treffpunkt.

Was die Handlung (Münzen etc.) betrifft, ging es mir darum die Geschichte eines Mannes zu erzählen, der in seiner Beziehung unzufrieden ist, sogar eine Affäre hat, aber nicht mutig genug ist eine Entscheidung zu treffen, sondern versucht beides zu behalten und damit alle enttäuscht. Das mit den Münzen fand ich cool, weil es zeigt, dass es bereits ein ritualisiertes Ding ist zwischen ihm und Lily. Und vielleicht etwas interessantes über Wolfs Charakter aussagt, weil er immer etwas von seinen Abenteuern mit ihr in sein Leben mitnehmen möchte.

Ich bin insgesamt noch etwas ungeübt in Autoren-Feedback, aber ich meine zu verstehen, was dir fehlt. Bei dem Mord bin ich mir auch unsicher, weil diese Geschichte tatsächlich auch ohne diesen funktionieren würde.

Jetzt kommen wir wieder zu dem Punkt Wachstumsfeld und damit schließt sich der Kreis :D :

Ohne Innenleben. Das würde ich sehr gerne ändern und ich glaube zu wissen, wie es in meinen Charakteren aussieht (und hatte gehofft, dass davon zumindest etwas ankommt). Aber leider scheint mir das nicht gelungen zu sein - und deswegen bin ich sehr wohl des Schreibens wegen hier. Wie bekomme ich das besser hin?

Ich habe schon das Gefühl, dass es bei mir entweder zu versteckt oder am Rande ist, oder zu on-the-nose. Und oft möchte ich immer auch einiges an Plot oder "Konzept" haben und habe das Gefühl nicht so wie Zeit für Innenleben zu haben... ich glaube man merkt, ich bin etwas ratlos :D

Vielleicht hast du ja einen Tipp für mich! Auf jeden Fall danke ich dir, dass du dir die Zeit genommen hast! :)

 
Seniors
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01.09.2005
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Hallo @tbrak,

ich hab dir mal vor allem Kleinkram rausgesucht, s.u. Muss auch wer machen. Die Geschichte hatte für mich so was Hartes, Tristes, das ich ihr stellenweise nicht ganz abkaufen konnte bzw. das aufgesetzt auf mich gewirkt hat. Oder nein, nicht stringent, nicht durchgehend. Ich hab's einfach nicht zusammenbekommen, von den Beschreibungen und den Dialogen her und ich hab auch mehrmals gelesen, um zu sehen, woran das jetzt genau liegt, dass ich das so lese.

Am Anfang hatte ich ein Mittzwanziger-Paar vor Augen, Studenten meinetwegen, dann geht das so ins Milieumäßige, mit der Spelunke und dem schnellen GV für zwischendurch und dann kommt ihr Ex und es gibt Gewalt und ein Messer und am Ende ist einer tot. Kommt in den besten Familien vor, dann aber meist nach jahrzehntelanger Ehe und man fragt sich, was sich da wohl aufgestaut haut. Bei Jüngeren geht's recht oft um eine bestimmte Klientel, Alkohol, Kleinkriminalität, Sozialhilfe. Klingt versnobt, sorry, aber ich meine so marginalisierte Leute halt, bei denen Gewalt mitunter ein normaler Teil des Lebens ist.

“Dein Handgelenk scheint ja doch ganz gut zu funktionieren”
Das ist so ein Punkt, wie die Leute reden, das ist meist sehr korrekt, ein "Fick dich" hier und da ändert das nicht. Ich weiß, das ist eine Gratwanderung, wenn alle die ganze Zeit "Haste, Weißte, Verstehste" klingt das schnell nach akademisch geschultem Schriftsteller, der versucht, sich die Sprache der einfachen Leute vorzustellen, aber für mich ist das so ein Punkt, warum ich da gedanklich nicht so richtig ins fiese Stadtviertel komme, in dem Frauen ihren gewalttätigen Ex abstechen.

Der Unruhestifter prügelte auf die Treppenhaustür ein.
"Unruhe stiften" hört man wohl auch eher selten von jemandem, für den auf die Fresse hauen völlig normaler Lösungsansatz bei Konflikten ist. Klingt eher wie einer, dem der Nachbar zu wenig Rasen mäht.

Ich habe heute Abend keine Geduld. Du wirst jetzt aufstehen und dich von hier verpissen. Du wirst diese Frau nie wieder belästigen. Und dann wirst du nie wieder darüber nachdenken hier aufzutauchen. Haben wir uns verstanden?
Das mochte ich auch nicht, das ist mir zu Hollywood. Der starke Beschützer. Und ich steig immer noch nicht recht dahinter, wer Wolf ist.

Das heißt nicht, dass mir nichts gefallen hat. Ich hab nur eben das Beziehungsgeschichten-Gedöns nicht mit dieser Bluttat unter einen Hut gebracht. Diese Welt hier, die ist so aus Versatzstücken zusammengebracht, die einzeln funktionieren, aber für mich ergibt das kein zusammengehöriges Ganzes. Wäre es meine Geschichte, würde ich die Gewaltschraube zurückdrehen, ohne Messer, ohne Toten, und es bei einer blutigen Nase belassen, die vielleicht auch eher im Affekt passiert. Und ich würde dem Wolf bei der Konfrontation mit dem Ex die Coolness nehmen.

Seine Armbanduhr, die er vor zwei Wochen von Natascha zum dritten Jahrestag geschenkt bekam
bekommen hatte

Dann setzte er sich in Bewegung.
Klingt nach Maschine.

Es war nur zu erkennen, wenn man wusste, dass es dort lag.
Mag an mir liegen, aber ich krieg hier'n Knoten im Hirn.

Dann hielt er einen Moment inne. Nichts regte sich. Dann schickte er ab
"Etwas abschicken" gibt's meine ich nur.

unangenehm laut auf der Tischplatte vibrierte. Wolf reagierte schnell, hob es von der Tischplatte

schwarze Boots
Stiefel.

Wolfs Blick wanderte mehrfach zwischen dem Tisch und dem Eingang hin und her
hin und her wandern steckt mehrfach drin, ausdrücklich drauf hinweisen würde man wohl eher im umgekehrten Fall: Vom Tisch zum Eingang und wieder zurück.

und Wolf versuchte sie so gut es ging zu
und Wolf versuchte, sie so gut es ging zu

Sie wurde durch das nervtötende Rattern eines alten Kühlschranks ersetzt.
unnötig

Dann verpiss dich doch, Wolf”, sagte er.
Ist klar, wer redet

Was ist mit dir denn los man?
, Mann

Wie zwei Boxer im Klinch
Clinch

Die fast weiße Klinge
Sehe ich nix. Angemalt, die Klinge?

Nachttisch Schrank
zusammen. Oder nur Nachttisch. Dass es einer mit Schubladen ist, wird klar, wenn er die aufzieht.

Wolf brauchte einige Moment
einen

Klinch
Clinch ... auffälliges Wort, lieber nur ein Mal.

Die Schachtel stellte er zwischen Natascha und sich auf das Bett und nahm den Deckel ab. Die Schachtel war randvoll mit silbernen Münzen gefüllt.

Grüße
JC

 
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01.04.2019
Beiträge
14

Hey @Proof !

Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar! Ich kann alle deine Punkte sehr gut nachvollziehen...

Ich habe mich die Woche noch mal an die Geschichte gesetzt und dabei gemerkt, dass ich viel weniger über die Charaktere (und die Welt/Szenario) weiß, als ich dachte. Dementsprechend finde ich deinen Kommentar in Bezug auf die fehlende Stringenz und nicht ganz zu greifende Einordnung total passend und nachvollziehbar. Ich habe das Meiste leider nur sehr oberflächlich (oder gar nicht) beschrieben, was glaube ich zu einem Großteil daran liegt, dass ich es noch nicht besser weiß und erst jetzt im Prozess herausfinde.

Ich werde versuchen die Charaktere, die Welt und auch den Konflikt ganz klar zu bekommen und dann die Geschichte neu zu schreiben. Hoffentlich gelingt es mir dann, eine etwas glaubwürdigere und stringentere Geschichte zu schaffen.

Danke!

 
Beitritt
13.06.2021
Beiträge
4

Das ist sicherlich Geschmackssache, aber ich finde, der Text würde durch kürzen sehr profitieren. An sich fand ich es schon spannend, wie er nachts das Bett verlässt, in die Bar geht etc - aber ich fand es teilweise zu langatmig und habe deswegen auch nicht alles gelesen.
Beispiel: Die Bad- und Anzieh-Aktivitäten ganz am Anfang müssen vllt nicht so ausführlich beschrieben werden. Erst das Parfüm, dann die Brillenputztücher, das Shirt, usw ...
Auch das Gespräch mit Lili könnte durch kürzen, denke ich, profitieren.
Den Schreibstil an sich finde ich aber gut. Nur mir passiert zu wenig.

 

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