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Ein Abend im November

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Ein Abend im November

Durch die Dunkelheit prasselte der Regen gegen die Fenster. Ich hatte gerade meinen letzten Brief geschrieben und sah mich in der Wohnung um. Alles entsprach meinen Vorstellungen. Ein sehr trauriges und dennoch zugleich warmes Gefühl überkam mich. Ich würde jetzt gehen und Frieden finden. Niemand würde es merken. Wer sollte auch? Es gab weder Mann noch Kind in meinem Leben, noch war da eine Freundin, die mir einen Weg hätte aufzeigen können. Doch das alles war jetzt egal.
Langsam ging ich mit meinem Wasserglas in das Schlafzimmer. Als ich gerade auf dem Bett saß, klingelte es an der Tür. Unwillkürlich hielt ich den Atem an, in der Hoffnung, dass kein Lebenszeichen meine Anwesenheit verriet. Sicher würde es gleich aufhören. Herrgott Sakrament! Wieso heute? Es wollte doch sonst niemand etwas von mir. Der Postbote konnte es nicht sein. Der würde das Paket, ohne bei mir geklingelt zu haben, bei der selbsternannten Hausmeisterin im Parterre links abwerfen. Diese würde mich später auf der Treppe abfangen, mir gönnerhaft das Paket überreichen und mich wissen lassen, welche Last Sie – in Form eines winzigen Päckchens – auf sich genommen hatte. Sollte sie doch das nächste Mal das Paket ablehnen. Ich würde es auch vom Postschalter abholen. Es klingelte immer noch. Wer konnte nur so penetrant sein?

Ich stellte das Wasserglas auf dem kleinen Beistelltisch gleich neben dem Bett ab und stand seufzend auf. Ich musste wohl nachsehen, wer dort so dringend etwas von mir wollte. Durch den Türspion lächelte mir eine kleine alte Frau mit langem weißem Haar entgegen. Sie war in ein schneeweißes Kleid gehüllt. Eine Tasche hing quer über ihrer Schulter. Sollte ich öffnen? Aus den Polizeisendungen im Fernsehen war mir bekannt, dass dies ein Trick sein konnte. Sie könnte die Vorhut eines Verbrechertrios bilden. Einen Treppenabsatz tiefer könnten zwei schwarz vermummte Gestalten stehen, die nur darauf lauerten, sich Zutritt zu meiner Wohnung zu verschaffen. Unwillkürlich musste ich lächeln. Das wäre aber auch ein zu alberner Zufall, wenn genau an meinem letzten Tag in meine Wohnung eingebrochen würde. Im Grunde konnte es mir egal sein. Insofern war das Risiko, ihr zu öffnen, nicht wirklich groß und dass sie tatsächlich in verbrecherischer Absicht unterwegs war, konnte ich mir eigentlich auch nicht vorstellen. „Machen Sie auf, ich weiß, dass Sie hinter der Tür stehen. Ich kann Sie sehen und hören kann ich Sie auch. Nun machen Sie schon, ich habe nicht ewig Zeit!“.
Sie konnte mich sehen? Die war doch verrückt. Ich hängte die Kette ein und öffnete die Tür einen Spalt.
„Ja? Was möchten Sie?“
Sie tippelte etwas nach links, um mich durch den Türspalt besser sehen zu können. Braune Augen taxierten mich.
„Nun lassen Sie mich schon rein. Das Ganze ist doch witzlos hier. Sie wissen das und ich weiß das auch. Und wie ich schon sagte, ich habe nur ein begrenztes Zeitkontingent. Daher lassen Sie uns das hier abkürzen und Sie lassen mich jetzt rein.“
Einer Intuition folgend und weil es ja wirklich egal war, entriegelte ich die Tür und gewährte ihr Zutritt zu meiner Wohnung. Zielstrebig trat sie an mir vorbei, bog nach rechts ab und setzte sich an den Küchentisch. Genau auf den Platz, wo meine Mutter immer gesessen hatte.

Erst als sie auf dem Stuhl saß, bemerkte ich, dass sie etwas zitterte. Die Kraft schien aus ihrem zarten Körper gewichen zu sein.
„Darf ich Ihnen etwas anbieten? Ein Glas Wasser? Einen Tee?“.
„Ein Glas Pfefferminztee wäre nett, mein Kind. Und machen Sie sich doch bitte auch eins. Wir müssen ein Weilchen reden.“
Ich hatte tatsächlich noch zwei uralte Pfefferminzteebeutel im Wandschrank. Konnte Tee schlecht werden? Vielleicht schmeckte er nicht mehr, aber er würde uns schon nicht umbringen. Ich ging ins Badezimmer, wo ich den Hauptwasserhahn wieder öffnete, dann lief ich zur Küchenspüle und ließ das alte Leitungswasser einige Sekunden ablaufen, bevor ich den Teekocher mit dem nächsten Schwung füllte. Während die Temperatur im Teekocher langsam anstieg, nahm ich meine zwei Lieblingstassen aus dem leicht angegrauten Buffetschrank. Wie lange hatte ich die schon nicht mehr benutzt? „Fünf Jahre“, sagte eine Stimme in meinem Kopf. Ja, bestätigte ich, genau fünf Jahre. Der Siedepunkt des Wassers wurde überschritten und der Teekocher schaltete sich aus. Ich goss uns ein, stellte zuerst ihr und dann mir eine Tasse auf je ein kleines Platzdeckchen und sah sie fragend an. Im Zeitlupentempo ergriff sie die Teetasse, führte sie mühevoll an ihren winzigen, faltigen Mund und seufzte zufrieden.

„Wieso möchten Sie gehen?“, war die erste Frage, die sie mir stellte.
„Gehen? Was meinen Sie? Ich möchte nirgendwohin gehen und ich wäre schon viel weiter, wenn Sie mich nicht gestört hätten.“ Groß sah sie mich an, drang mit ihren braunen Augen förmlich in mich ein, sodass ich mich ziemlich unwohl fühlte.
„Sie wissen, dass das nur bedingt stimmt. Lügen Sie mich nicht an, damit verschwenden Sie nur unsere Zeit und gerade Sie sollten wissen, wie kostbar Zeit ist.“
Prompt hatte ich ein Flashback und sah meine Mutter und mich in einem Strandkorb an der Ostsee sitzen. Es war das letzte Mal gewesen, dass wir beide so vollkommen glücklich waren. Kurze Zeit später war sie tot. Der Krebs hatte schneller seinen Tribut gefordert, als die Ärzte es vorausgesagt hatten.
„Was haben Sie seitdem mit Ihrem Leben angestellt?“
„Seit wann?“, fragte ich. Ihr Gesicht zeigte allmählich Spuren von Verärgerung. Konnte sie Gedanken lesen?
„In den letzten fünf Jahren. Was haben Sie seitdem mit ihrem Leben gemacht? Bitte die Kurzversion. Sie wissen, wir haben nicht viel ...“
„Zeit.“, vervollständigte ich ihren Satz.

Ja, was hatte ich in den letzten Jahren gemacht? Gearbeitet! Neun, zehn, elf Stunden am Tag die Buchhaltung fremder Leute erledigt, die mir kurz vor Ablauf der Einreichungsfristen ihre Unterlagen sandten und von mir erwarteten, dass alles trotzdem pünktlich und korrekt bis auf die vierte Nachkommastelle beim Finanzamt eingereicht wurde. Selten gab es ein Dankeschön. Aber was erwartete ich auch? Es war ein Job. Wenn ich ehrlich war, war es nicht mein Job. Ich hatte immer etwas mit Kindern machen wollen, doch irgendwie hatte es sich nicht ergeben. Jetzt war ich Anfang Vierzig und es war sowieso zu spät.

„Das ist doch schon einmal ein Anfang. Sie sagen, Sie haben ihr Leben lang den falschen Beruf ausgeübt. Das ist nicht schön, aber auch kein Todesurteil. Wieso machen Sie keine Umschulung?“
Noch immer hielt die winzige Frau meine Pfefferminzteetasse in der Hand und sah mich fragend an. Der Tee in der Tasse wurde nicht weniger, trotzdem Sie schon einige kräftige Schlucke genommen hatte. Mir war leicht schwindlig.
„Machen wir weiter. Wieso wohnen Sie hier allein? Haben Sie keinen Mann … oder Frau?“, setzte sie noch hinzu. Was ging diese Frau mein Liebesleben an? Etwas unwillig antwortete ich:
„Ich war verheiratet, fast sieben Jahre. Dann kam das Übliche. Er wollte keine Kinder, ich schon. Erst später stellte sich heraus, dass ich keine bekommen konnte. Da hatte er schon über ein Jahr eine Geliebte. Als ich es herausfand, schien er erleichtert zu sein. Die Trennung war kurz und im Vergleich zu den letzten Jahren unserer Ehe ziemlich schmerzlos. Ein halbes Jahr später wurde er Vater. Als er mir ein Foto von seinem Sohn per WhatsApp sandte, habe ich seine Nummer blockiert. So ein Idiot.“

Schweigen. Dann begann sie mit ihrer runzligen Hand über meine Wange zu streicheln, wo ungewollt eine Träne herabgeronnen war.
„Du liebst ihn immer noch, Kleines.“
Die Tränen rollten nun sturzbachweise über mein Gesicht. Mit dieser zärtlichen Geste hatte meine Mutter mich immer getröstet. Sie hatte es immer geschafft, meinen Schmerz zu lindern, rein, weil sie da war, weil sie sich um mich kümmerte, weil ich ihr nicht egal war. Sie war meine beste Freundin gewesen und seit sie weg war, war meine Welt nur noch schwarz. Nichts hatte sich mehr relativiert.
„Wieso lässt du ihn dein Leben bestimmen? Wieso lässt du die anderen gewinnen? Wieso trennst du die Welt in Schwarz und Weiß?“
Verdutzt sah ich sie an. Ich machte was? Das Schwindelgefühl verstärkte sich.

„Sie sollten sich jetzt hinlegen. Ihnen geht es nicht gut.“
Etwas wackelig stand sie auf, straffte den Rücken und bot mir ihren erstaunlich starken Arm an. Dann führte sie mich hinüber direkt ins Schlafzimmer, wo das Wasserglas auf dem Boden lag und sich ein Fleck im Teppich gebildet hatte. Nun ja, es war ja nur Wasser. Als ich im Bett lag, spürte ich, wie schwach ich war. Das Licht wurde immer greller und nur die Anwesenheit der alten Dame, die noch immer meine Hand hielt, ließ mich nicht panisch werden.
„Hören Sie“, flüsterte sie direkt in mein Ohr, „meine Zeit ist jetzt wirklich abgelaufen, aber seien Sie versichert, Sie haben noch Zeit. Vergeuden Sie sie nicht. Sie sind eine wunderbare Frau und Sie können alles schaffen. Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist.“ Sie streichelte noch einmal über meine Wange, dann verkrampfte sich mein Körper in spastischen Zuckungen.

„Frau Teichert, Frau Teichert, bleiben Sie bei uns! Wir haben Ihnen ein Mittel injiziert, welches dazu führt, dass sich ihr Magen entleert. Bleiben Sie ruhig. Wir bringen Sie gleich ins Krankenhaus.“
Ich verstand nichts. Wieso Krankenhaus? Wo war die ältere Dame? Was machten die vielen Menschen in meinem Schlafzimmer? Weiter kam ich in meinen Gedanken nicht, dann musste ich mich übergeben.

Ein Jahr später:

„Eine irre Geschichte.“ Heike, die mir gegenübersaß, nippte genüsslich an ihrem Latte Macchiato. Ich hatte sie bei der Umschulung zur Erzieherin kennengelernt. Jetzt war sie meine beste Freundin. Am Nachbartisch schepperte es. Ein Teeglas war umgefallen. Als ich die Dame dort anblickte, lächelte sie.

 
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Hallo Margarete,

danke für deine Geschichte. Du hast einen angenehmen Schreibstil, mit abwechslungsreichen Formulierungen, einer sympathischen Figurenanlage und detaillierten Beobachtungen. Ich konnte der Handlung gut folgen, die Prämisse ist klar erkennbar.

Wenn du magst, ich bring dir ein paar Textstellen mit, die du dir ansehen könntest.

Ein Abend im November
...
Es war ein verregneter Abend im November.
Der erste Satz wiederholt die Aussage des Titels. Vielleicht gehst du nur auf Dunkelheit und Regen ein. Passt doch gut zur Grundstimmung.


Langsam ging ich ins Schlafzimmer, ein Wasserglas in der Hand haltend.

Diese würde mich später auf der Treppe abfangen, mir gönnerhaft das Paket überreichen und mich wissen lassen, welche Last Sie (in Form eines winzigen Päckchens!) auf sich genommen hatte.
Ich würde für den – erklärenden Einschub – eher Gedankenstriche, anstelle einer Klammer benutzen.


Durch den Türspion sah ich eine kleine alte Frau

Die Kraft schien aus ihrem kleinen Körper gewichen zu sein.

führte sie mühevoll an ihren kleinen, faltigen Mund
Entweder ein Synonym für „klein“, beim dritten Mal könnte es mMn auch weg.

alte Frau mit langen weißen Haaren
Vorschlag: „... mit langem weißen Haar.“

Sie könnte die Vorhut eines Verbrechertrios bilden. Einen Treppenabsatz tiefer könnten zwei schwarz vermummte Gestalten stehen, die nur darauf lauerten, sich Zutritt zu meiner Wohnung zu verschaffen.
Gefällt mir, wie du ihre etwas paranoiden Gedankengänge aufzeigst. :)

Ich hängte die Kette ein und öffnete die Tür einen Spalt. „Ja? Was möchten Sie?“ Sie tippelte etwas nach links, um mich durch den Türspalt besser sehen zu können.
Gut gemacht.
Ich hatte tatsächlich noch zwei uralte Pfefferminzteebeutel im Wandschrank. Konnte Tee schlecht werden? Vielleicht schmeckte er nicht mehr, aber er würde uns schon nicht umbringen.
Schön, diese leise Ironie.

Ich ging ins Badezimmer, wo ich den Hauptwasserhahn wieder öffnete, dann lief ich zur Küchenspüle und ließ das alte Leitungswasser einige Sekunden ablaufen, bevor ich den Teekocher mit dem nächsten Schwung füllte.
Sie hatte echt extra den Haupthahn abgedreht? Warum? Aber schon nettes skurriles Detail. :lol:


Während die Temperatur im Wasserkocher langsam anstieg
...
Der Siedepunkt des Wassers wurde überschritten, es machte „Klick“ und der Teekocher schaltete sich aus.
Hier könntest du etwas reduzieren/straffen.


Kurze Zeit später, war sie tot.
Komma weg.

Ich hatte immer etwas mit Kindern machen wollen, doch irgendwie hatte es sich nicht ergeben. Jetzt war ich Anfang Vierzig und es war sowieso zu spät.
Bitte, was?!:dagegen:

Haben Sie keinen Mann… oder keine Frau?
Leerzeichen vor den Auslassungszeichen fehlt. Ohne schreibt man es nur, wenn das Wort selbst abgeschni...

rein[Komma] weil sie da war

Wieso trennst du die Welt in schwarz und weiß?“
Schwarz und Weiß

„Hören Sie,“ flüsterte sie direkt in mein Ohr
Komma des Redebegleitsatzes muss hinter die WR-Zeichen.


Ich stellte das Wasserglas auf dem kleinen Beistelltisch gleich neben dem Bett ab und stand seufzend auf.
...
Dann führte sie mich hinüber direkt ins Schlafzimmer, wo das Wasserglas auf dem Boden lag und sich ein Fleck im Teppich gebildet hatte.
Aha, sie hatte das Glas gar nicht unberührt abgestellt. Solche aufklärenden Zirkelschlüsse mag ich. :)


Viele Grüße
wegen

 
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Hallo wegen,
vielen Dank für deinen Kommentar. Dies war meine erste Geschichte, die ich in die Freiheit entlassen habe. Ich habe soweit wie möglich versucht, deine Hinweise umzusetzen.

Wenn du magst, ich bring dir ein paar Textstellen mit, die du dir ansehen könntest.
Ein Abend im November
...
Es war ein verregneter Abend im November.
Der erste Satz wiederholt die Aussage des Titels. Vielleicht gehst du nur auf Dunkelheit und Regen ein. Passt doch gut zur Grundstimmung.
Ich habe den Einstieg gekürzt. Mir ist leider kein Satz eingefallen, der auch das Wort Abend nicht enthält. Nächstes Mal werde ich gleich darauf achten, hier nichts zu doppeln.

Langsam ging ich ins Schlafzimmer, ein Wasserglas in der Hand haltend.
Diese würde mich später auf der Treppe abfangen, mir gönnerhaft das Paket überreichen und mich wissen lassen, welche Last Sie (in Form eines winzigen Päckchens!) auf sich genommen hatte.
Ich würde für den – erklärenden Einschub – eher Gedankenstriche, anstelle einer Klammer benutzen.
Das Wort "haltend" würde ich gern behalten, da ich den Satz sonst verkürzen oder umstellen müsste. Den Einschub habe ich jetzt zwischen Gedankenstriche gesetzt.

Durch den Türspion sah ich eine kleine alte Frau
Die Kraft schien aus ihrem kleinen Körper gewichen zu sein.
führte sie mühevoll an ihren kleinen, faltigen Mund
Entweder ein Synonym für „klein“, beim dritten Mal könnte es mMn auch weg.
Beim zweiten und dritten Satz habe ich jetzt ein Synonym eingefügt. Danke für diesen Überblick. Das war mir gar nicht aufgefallen.
alte Frau mit langen weißen Haaren
Vorschlag: „... mit langem weißen Haar.“

Ist geändert.
Ich ging ins Badezimmer, wo ich den Hauptwasserhahn wieder öffnete, dann lief ich zur Küchenspüle und ließ das alte Leitungswasser einige Sekunden ablaufen, bevor ich den Teekocher mit dem nächsten Schwung füllte.
Sie hatte echt extra den Haupthahn abgedreht? Warum? Aber schon nettes skurriles Detail. :lol:
Ich wollte zeigen, wie viele Gedanken sie sich noch um die Zeit "danach" gemacht hat. War Absicht. :-)

Während die Temperatur im Wasserkocher langsam anstieg
...
Der Siedepunkt des Wassers wurde überschritten, es machte „Klick“ und der Teekocher schaltete sich aus.
Hier könntest du etwas reduzieren/straffen.
Ist ein wenig gekürzt.
Kurze Zeit später, war sie tot.
Komma weg.
Stimmt. Vielen Dank.
Ich hatte immer etwas mit Kindern machen wollen, doch irgendwie hatte es sich nicht ergeben. Jetzt war ich Anfang Vierzig und es war sowieso zu spät.
Bitte, was?!:dagegen:
Das sind ihre Gedanken, nicht meine.:shy:
Haben Sie keinen Mann… oder keine Frau?
Leerzeichen vor den Auslassungszeichen fehlt. Ohne schreibt man es nur, wenn das Wort selbst abgeschni...
rein[Komma] weil sie da war
Wieso trennst du die Welt in schwarz und weiß?“
Schwarz und Weiß
„Hören Sie,“ flüsterte sie direkt in mein Ohr
Komma des Redebegleitsatzes muss hinter die WR-Zeichen.
Alles geändert.

Nochmals vielen Dank, dass du dir so viel Zeit genommen hast.

Viele Grüße
Margarete

 
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13.07.2017
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Hallo Margarete,
ich noch mal kurz. :)

Ein Abend im November ...
...
Es war ein verregneter Abend im November. ...
Der erste Satz wiederholt die Aussage des Titels. Vielleicht gehst du nur auf Dunkelheit und Regen ein. Passt doch gut zur Grundstimmung.
Ich habe den Einstieg gekürzt. Mir ist leider kein Satz eingefallen, der auch das Wort Abend nicht enthält.
jetzt:
Es war ein verregneter Abend.

Nur als Idee, um das doppelte „Abend“ zu vermeiden. Vielleicht beschreibst du den Regen stärker aus der Perspektive/ der tatsächlichen Sicht deiner Prota, da du im nächsten Satz auch dicht bei ihr bist. In Richtung: „Durch die Dunkelheit prasselte der Regen gegen das Fenster. (Ich hatte gerade meinen letzten Brief geschrieben und sah mich in der Wohnung um.)“

Dabei frage ich mich gerade – und deine Prota fragt sich das sicher auch, bei dem Gedankenkarussell :lol:– wie das Muttchen trockenen Fußes ins Haus kam. Ich sehe bei ihr keinen weißen Schirm.

Langsam ging ich ins Schlafzimmer, ein Wasserglas in der Hand haltend. Erweitern ... Diese würde mich später auf der Treppe abfangen, mir gönnerhaft das Paket überreichen und mich wissen lassen, welche Last Sie (in Form eines winzigen Päckchens!) auf sich genommen hatte. Erweitern ... Ich würde für den – erklärenden Einschub – eher Gedankenstriche, anstelle einer Klammer benutzen.
Das Wort "haltend" würde ich gern behalten, da ich den Satz sonst verkürzen oder umstellen müsste. Den Einschub habe ich jetzt zwischen Gedankenstriche gesetzt.
Bitte behalte alles genauso, wie du möchtest. Ich finde es gut, dass du für deinen Text einstehst und es auch begründest.
Aber bitte die Binde-Striche mit Gedanken – Strichen ersetzten. Das Ausrufezeichen ist durch diese Hervorhebung entbehrlich.

Ich hatte immer etwas mit Kindern machen wollen, doch irgendwie hatte es sich nicht ergeben. Jetzt war ich Anfang Vierzig und es war sowieso zu spät. Erweitern ... Bitte, was?!:dagegen:
Das sind ihre Gedanken, nicht meine. :)
Haha. Das sehe ich doch an deiner Geschichtenauflösung. :shy:

Viele Grüße und schönes Wochenende für dich.
wegen

 
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Hallo @Margarete ,

trotz des ernsten Themas ein unterhaltsamer Handlungsverlauf zu einer Nahtoderfahrung.

Mit einem eher leichten, nicht ganz so ernstem Erzählton. Hatte mich am Anfang etwas verwundert, aber im Nachhinein passt er m.E. ganz gut. Die Handlung ist zwar einfach gestrickt, aber ich fand deine Geschichte insgesamt unterhaltsam.

Noch einige Details:

Es war ein verregneter Abend.
Es passt zwar zu dem, was die Protagonistin vorhat, aber dieser erste Satz wirkt mir zu offensichtlich konstruiert.

Langsam ging ich ins Schlafzimmer, ein Wasserglas in der Hand haltend.
Auch ich wäre dafür das Wort "haltend" zu streichen. Umstellen müsstest du den Satz dafür nicht.

Sollte sie doch das nächste Mal das Paket ablehnen. Ich würde es auch vom Postschalter abholen können.
Ein seltsamer Gedanken, sie hat ja vor, sich das Leben zu nehmen ...

Ich stellte das Wasserglas auf dem kleinen Beistelltisch gleich neben dem Bett ab und stand seufzend auf. Ich musste wohl nachsehen, wer dort so dringend etwas von mir wollte.
Das meinte ich eingangs mit dem eher lockeren Erzählton. So reagiert und denkt m.E. eher jemand, der beim Lesen unterbrochen wird und nicht bei einem Suizidversuch. Andererseits macht für mich genau das deine Geschichte aus.

Durch den Türspion sah ich eine kleine alte Frau mit langem weißen Haar. Sie war in ein schneeweißes Kleid gehüllt und hatte eine schillernd weiße Tasche quer über die Schulter geworfen.
Hier würde ich die Adjektive reduzieren. Die Botschaft mit dem Weiß kommt sonst überdeutlich rüber ;)

Einer Intuition folgend und weil es ja wirklich egal war, entriegelte ich die Tür und gewährte ihr Zutritt in meine Wohnung.
zu meiner

... bevor ich den Teekocher mit dem nächsten Schwung füllte. Während die Temperatur im Wasserkocher langsam anstieg ...
Fand ich für einen Moment verwirrend, du meinst hiermit ja das gleiche Gerät. Wenn es allerdings tatsächlich ein spezieller Teekocher ist, würde ich auch bei dem Wort bleiben, sie haben ja teilweise die Form einer Teekanne.

"Wieso möchten Sie gehen?“, war die erste Frage, die sie mir stellte. „Gehen? Was meinen Sie?
Gilt für den ganzen Text: Jeweils ein Zeilenumbruch, wenn der Sprecher wechselt. Ich würde auch die wörtliche Rede und andere Textinhalte nicht unbedingt direkt hintereinander schreiben, sondern auch dabei Zeilenumbrüche verwenden.

Es war das letzte Mal gewesen, dass wir beide so vollkommen glücklich gewesen waren.
Das zweite "gewesen" ist zeitlich nicht korrekt, glaube ich ...

Sie wissen, wir haben nicht viel...
Ein Leerzeichen vor den drei Punkten.

Jetzt war ich Anfang Vierzig und es war sowieso zu spät.
Bitte, was?! :dagegen:

Haben Sie keinen Mann … oder keine Frau?“, setzte sie noch hinzu.
"keine" streichen

Er wollte keine Kinder, ich wollte schon, wie sich später herausstellte, konnte ich nicht.
Vorschlag:
"Er wollte keine Kinder, ich schon. Erst später stellte sich heraus, dass ich keine bekommen konnte."

Sie war meine beste Freundin gewesen und seit sie weg war, war meine Welt schwarz geworden.
Bin mir nicht sicher, aber ich glaube, am Ende des Satzes stimmt die Zeit nicht. Vielleicht reicht es "geworden" zu streichen? Oder du schließt ab mit:
"..., war meine Welt nur noch schwarz."

Soweit meine Eindrücke,
Rob

 
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13.10.2019
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Hallo @wegen, hallo @Rob F
danke für die neue Einleitung. :-)

Es war ein verregneter Abend.
Nur als Idee, um das doppelte „Abend“ zu vermeiden. Vielleicht beschreibst du den Regen stärker aus der Perspektive/ der tatsächlichen Sicht deiner Prota, da du im nächsten Satz auch dicht bei ihr bist. In Richtung: „Durch die Dunkelheit prasselte der Regen gegen das Fenster.
Ich habe deinen Satz fast eins zu eins übernommen und empfinde ihn als gut passend. Meine ursprüngliche Intention war, etwas märchenhaft à la "Es war einmal ..." einzusteigen. Dass das als zu "konstruiert" klingen würde, habe ich nicht vorausgesehen. Eine Dopplung gibt es nun auch nicht mehr. :-)

Dabei frage ich mich gerade – und deine Prota fragt sich das sicher auch, bei dem Gedankenkarussell :lol:– wie das Muttchen trockenen Fußes ins Haus kam. Ich sehe bei ihr keinen weißen Schirm.
Das könnte sein. :D Allerdings habe ich die Geschichte ja auch der Kategorie "seltsam" zugeordnet.
Langsam ging ich ins Schlafzimmer, ein Wasserglas in der Hand haltend. Erweitern ... Diese würde mich später auf der Treppe abfangen, mir gönnerhaft das Paket überreichen und mich wissen lassen, welche Last Sie (in Form eines winzigen Päckchens!) auf sich genommen hatte. Erweitern ... Ich würde für den – erklärenden Einschub – eher Gedankenstriche, anstelle einer Klammer benutzen. Erweitern ... Das Wort "haltend" würde ich gern behalten, da ich den Satz sonst verkürzen oder umstellen müsste. Den Einschub habe ich jetzt zwischen Gedankenstriche gesetzt.
Bitte behalte alles genauso, wie du möchtest. Ich finde es gut, dass du für deinen Text einstehst und es auch begründest.
Aber bitte die Binde-Striche mit Gedanken – Strichen ersetzten. Das Ausrufezeichen ist durch diese Hervorhebung entbehrlich.
Langsam ging ich ins Schlafzimmer, ein Wasserglas in der Hand haltend.
Auch ich wäre dafür das Wort "haltend" zu streichen. Umstellen müsstest du den Satz dafür nicht.

Die Bindestriche wurden zu Gedankenstrichen und das Ausrufezeichen ist entfernt. Da ihr jetzt schon zu zweit seid mit der Meinung, dass das "haltend" weg muss, hatte ich es kurz gelöscht, aber ich brauche es irgendwie doch, damit der Satz nicht an Melodie verliert.
Ich werde überlegen, wie ich eine Umstellung vornehmen und das Wort streichen kann. Dafür benötige ich noch etwas Zeit.
Sollte sie doch das nächste Mal das Paket ablehnen. Ich würde es auch vom Postschalter abholen können.
Ein seltsamer Gedanken, sie hat ja vor, sich das Leben zu nehmen ...
Eigentlich hast du recht, aber ich habe den Text anderseits auch bewusst nicht eindeutig formuliert, sodass es sich nur aus dem Kontext ergibt, dass sie das vorhat. Noch eigentlicher wartet sie auch nur auf einen Grund, der sie genau davon abhält, da sie einfach ein großes verlassenes Mädchen ist, das sich gerade in der Welt verloren hat ...

Ich stellte das Wasserglas auf dem kleinen Beistelltisch gleich neben dem Bett ab und stand seufzend auf. Ich musste wohl nachsehen, wer dort so dringend etwas von mir wollte.
Das meinte ich eingangs mit dem eher lockeren Erzählton. So reagiert und denkt m.E. eher jemand, der beim Lesen unterbrochen wird und nicht bei einem Suizidversuch. Andererseits macht für mich genau das deine Geschichte aus.
Das ist schön. Diese Stimmung wollte ich erzeugen.
Durch den Türspion sah ich eine kleine alte Frau mit langem weißen Haar. Sie war in ein schneeweißes Kleid gehüllt und hatte eine schillernd weiße Tasche quer über die Schulter geworfen.
Hier würde ich die Adjektive reduzieren. Die Botschaft mit dem Weiß kommt sonst überdeutlich rüber ;)
Etwas gekürzt und einmal "Weiß" entfernt.
Einer Intuition folgend und weil es ja wirklich egal war, entriegelte ich die Tür und gewährte ihr Zutritt in meine Wohnung.
zu meiner
Ist geändert.
... bevor ich den Teekocher mit dem nächsten Schwung füllte. Während die Temperatur im Wasserkocher langsam anstieg ...
Fand ich für einen Moment verwirrend, du meinst hiermit ja das gleiche Gerät. Wenn es allerdings tatsächlich ein spezieller Teekocher ist, würde ich auch bei dem Wort bleiben, sie haben ja teilweise die Form einer Teekanne.
Ebenfalls geändert. Ich wollte eigentlich ein Synonym benutzen und habe gar nicht darauf geachtet, dass es hier einen echten Unterschied gibt.

"Wieso möchten Sie gehen?“, war die erste Frage, die sie mir stellte. „Gehen? Was meinen Sie?
Gilt für den ganzen Text: Jeweils ein Zeilenumbruch, wenn der Sprecher wechselt. Ich würde auch die wörtliche Rede und andere Textinhalte nicht unbedingt direkt hintereinander schreiben, sondern auch dabei Zeilenumbrüche verwenden.
Vielen Dank, das wusste ich nicht. Ich hoffe, ich habe es im ganzen Text richtig umgesetzt. Muss mir die wörtlichen Redeteile in euren Texten intensiver anschauen.

Es war das letzte Mal gewesen, dass wir beide so vollkommen glücklich gewesen waren.
Das zweite "gewesen" ist zeitlich nicht korrekt, glaube ich ...
Ohne gewesen klingt es in jedem Fall besser. Ist geändert.

Sie wissen, wir haben nicht viel...
Ein Leerzeichen vor den drei Punkten.
Oh, oh, übersehen. Das hatte mir @wegen auch schon geschrieben.

Haben Sie keinen Mann … oder keine Frau?“, setzte sie noch hinzu.
"keine" streichen
Ok.
Er wollte keine Kinder, ich wollte schon, wie sich später herausstellte, konnte ich nicht.
Vorschlag:
"Er wollte keine Kinder, ich schon. Erst später stellte sich heraus, dass ich keine bekommen konnte."
Dein Vorschlag klingt gefälliger. Das "Unwillige" in ihrer Antwort ist trotzdem noch zu hören. Daher gern übernommen.

Sie war meine beste Freundin gewesen und seit sie weg war, war meine Welt schwarz geworden.
Bin mir nicht sicher, aber ich glaube, am Ende des Satzes stimmt die Zeit nicht. Vielleicht reicht es "geworden" zu streichen? Oder du schließt ab mit:
"..., war meine Welt nur noch schwarz."
Auch den Vorschlag habe ich umgesetzt.

@wegen @Rob F
Vielen Dank nochmals euch beiden, dass ihr euch meines Textes angenommen habt. Ich muss noch viel lernen.

Herzliche Grüße
Margarete

 

CoK

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Hallo @Margarete

Ich bin etwas ratlos, denn ich habe Teile deiner Geschichte nicht verstanden. Zu Beginn glaubte ich, es handelt sich um eine Frau die Abschied nimmt, die sich umbringen will.
Dann ist das Wasserglas auf dem Boden, sie selbst hat eine Nahtoderfahrung und Sanitäter sind bei ihr.
Die etwas gespritzt haben, damit sich ihr Magen entleert?
Soviel ich weiß, wird bei Verdacht einer Vergiftung ein Magen ausgepumpt.
Was ist passiert?
Wo kommen die Sanitäter her?
Vielleicht liegt es an mir und andere Leser haben diese Schwierigkeit nicht.
Nimm dir von dem, was ich dir schreibe mit was du brauchen kannst.

hatte gerade meinen letzten Brief geschrieben und sah mich in der Wohnung um. Alles war so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ein sehr trauriges und dennoch zugleich
Mir ist in deinem Text aufgefallen dass du oft „hatte “schreibst. Ging mir am Anfang genauso dann hat mir eine Autorin geschrieben „hatte“ kann gar nichts. Möglichst vermeiden.
gab weder Mann noch Kind in meinem Leben, noch war da eine Freundin, die mir einen Weg hätte aufzeigen können. Doch das war jetzt egal, ich hatte meinen eigenen Ausweg gefunden

das war jetzt egal, ich hatte meinen eigenen Ausweg gefunden. Langsam ging ich ins Schlafzimmer, ein Wasserglas in der Hand haltend.

Ich hatte mich gerade auf das Bett gesetzt, als es an der Tür klingelte.

Sie – in Form eines winzigen Päckchens – auf sich genommen hatte

Ich würde es auch vom Postschalter abholen können. Es klingelte immer noch. Wer konnte nur so penetrant sein?
Vorschlag: ich würde es auch vom Postschalter abholen.

Ich stellte das Wasserglas auf dem kleinen Beistelltisch gleich neben dem Bett ab und stand seufzend auf. Ich musste wohl nachsehen, wer dort so dringend etwas von mir wollte. Durch den Türspion sah ich eine kleine alte Frau mit langem weißem Haar. Sie war in ein schneeweißes Kleid gehüllt und hatte eine Tasche quer über die Schulter geworfen. Sollte ich öffnen? Von den Polizeisendungen im Fernsehen wusste ich, dass dies ein Trick sein konnte.
Ein bisschen viel „ich“
Das Ganze ist doch witzlos hier. Sie wissen das und ich weiß das auch.
Warum hab ich mich in dem Text gefragt „Sie“ und nicht „Du“, es ist Nähe spürbar.
Die Kraft schien aus ihrem zarten Körper gewichen zu sein.
Würde ich weglassen denn ich dachte jetzt stirbt sie. Oder vielleicht nur, sie wirkte zusehends kraftlos auf mich.

Ich ging ins Badezimmer, wo ich den Hauptwasserhahn wieder öffnete, dann lief ich zur Küchenspüle und ließ das alte Leitungswasser einige Sekunden ablaufen, bevor ich den Teekocher mit dem nächsten Schwung füllte

den letzten fünf Jahren. Was haben Sie seitdem mit ihrem Leben gemacht? Bitte die Kurzversion.
Da habe ich mich auch gefragt wenn sie doch sonst alles weiß warum weiß sie das nicht?
Ja, was hatte ich in den letzten Jahren gemacht? Ich hatte gearbeitet, neun, zehn, elf Stunden am Tag. Ich hatte die Buchhaltung fremder Leute erledigt, die mir kurz vor Ablauf der Einreichungsfristen ihre Unterlagen sandten und von mir erwarteten, dass ich alles trotzdem pünktlich und korrekt bis auf die vierte Nachkommastelle beim Finanzamt einreichte. Selten bekam ich ein Dankeschön. Aber was erwartete ich auch? Es war ein Job. Wenn ich ehrlich war, war es nicht mein Job. Ich hatte immer etwas mit Kindern machen wollen, doch irgendwie hatte es sich nicht ergeben. Jetzt war ich Anfang Vierzig und es war sowieso zu spät.
Nur als Beispiel: Ja, was hatte ich in den letzten Jahren gemacht? Gearbeitet! Neun, zehn, elf Stunden am Tag die Buchhaltung fremde Leute erledigt. Die mir kurz vor Ablauf der Einreichungsfristen ihre Unterlagen sandten und von mir erwarteten, dass sie pünktlich und korrekt bis auf die vierte Nachkommastelle beim Finanzamt eingereicht wurden. Ein Dankeschön gab es selten. Was erwartete ich auch? Es war ein Job. Wenn ich ehrlich war, war es nicht mein Job. Mein Traum war es gewesen, etwas mit Kindern zu machen, doch irgendwie hat es sich nicht ergeben. Jetzt mit Anfang Vierzig war es sowieso zu spät.

Mir hat dein Thema gut gefallen, auch vieles an deinem Text.
Er war flüssig zu lesen und ich habe ihn gerne gelesen.

Liebe Grüße und einen schönen Wochenstart
CoK

 
Mitglied
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13.10.2019
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Hallo @CoK ,
bitte entschuldige die späte Rückmeldung. Eine Sommergrippe (PCR negativ) hat mich gerade ziemlich aus der Bahn geworfen. Langsam komme ich wieder auf Kurs.

Ich bin etwas ratlos, denn ich habe Teile deiner Geschichte nicht verstanden. Zu Beginn glaubte ich, es handelt sich um eine Frau die Abschied nimmt, die sich umbringen will.
Dann ist das Wasserglas auf dem Boden, sie selbst hat eine Nahtoderfahrung und Sanitäter sind bei ihr.
Die etwas gespritzt haben, damit sich ihr Magen entleert?
Soviel ich weiß, wird bei Verdacht einer Vergiftung ein Magen ausgepumpt.
Was ist passiert?
Wo kommen die Sanitäter her?
Du liegst mit allem schon ziemlich nah am Kern. Ich habe versucht, ihren geplanten Suizid mit ihrer schon eintretenden Nahtoderfahrung so zu überlagen, dass am Anfang nicht klar ist, was ganz genau passiert, an welcher Stelle die Realität in den Traum übergeht. Erst am Ende siehst du, dass sie nie vom Bett aufgestanden ist und dass nur das Klingeln noch real war, bevor sich die Sanitäter (wie auch immer, wahrscheinlich mit Hilfe der Hausmeisterin :-) ) Zutritt zu ihrer Wohnung verschafft haben. Die Frage, ob tatsächlich immer der Magen ausgepumpt wird, habe ich im Vorfeld recherchiert, da das tatsächlich nicht in die Geschichte gepasst hätte. Es gibt eine Ausnahme, wie du hier sehen kannst: Apomorphin - DocCheck Flexikon. Insofern hoffe ich, dass diese Interpretation unter der Rubrik "seltsam" noch im Bereich des Annehmbaren liegt.

Mir ist in deinem Text aufgefallen dass du oft „hatte “schreibst. Ging mir am Anfang genauso dann hat mir eine Autorin geschrieben „hatte“ kann gar nichts. Möglichst vermeiden.
Alles klar. Ich habe so viele "hatte" wie möglich entfernt und einige Sätze umgestellt.
Vorschlag: ich würde es auch vom Postschalter abholen.
Vorschlag angenommen. :-)
Ich stellte das Wasserglas auf dem kleinen Beistelltisch gleich neben dem Bett ab und stand seufzend auf. Ich musste wohl nachsehen, wer dort so dringend etwas von mir wollte. Durch den Türspion sah ich eine kleine alte Frau mit langem weißem Haar. Sie war in ein schneeweißes Kleid gehüllt und hatte eine Tasche quer über die Schulter geworfen. Sollte ich öffnen? Von den Polizeisendungen im Fernsehen wusste ich, dass dies ein Trick sein konnte.
Ein bisschen viel „ich“
Zweimal ich entfernt. - Da man später erfährt, dass sie die Geschichte ihrer neuen Freundin erzählt, halte ich die restlichen "Ichs" für vertretbar. Aber trotzdem ein wichtiger Hinweis. Vielen Dank.
Das Ganze ist doch witzlos hier. Sie wissen das und ich weiß das auch.
Warum hab ich mich in dem Text gefragt „Sie“ und nicht „Du“, es ist Nähe spürbar.
Das war schon Absicht, damit der Leser nicht sofort erfährt, um wen es sich bei der alten Frau handeln könnte. Später wechselt der Text einmal ins "Du", dann kann man es vielleicht erahnen:

„Du liebst ihn immer noch, Kleines.“
In meiner Vorstellung handelt es sich natürlich um den Geist ihrer Mutter, der sie noch einmal besucht, um sie zu retten und wie zu Lebzeiten auf ihr kleines Mädchen aufzupassen.
Die Kraft schien aus ihrem zarten Körper gewichen zu sein.
Würde ich weglassen denn ich dachte jetzt stirbt sie. Oder vielleicht nur, sie wirkte zusehends kraftlos auf mich.
Auch hier wollte ich den geneigten Leser nochmals etwas verwirren und davon ablenken, dass eigentlich gerade die andere Person stirbt. -Vielleicht etwas zu viel Verwirrung. Ich denke darüber nach.

den letzten fünf Jahren. Was haben Sie seitdem mit ihrem Leben gemacht? Bitte die Kurzversion.
Da habe ich mich auch gefragt wenn sie doch sonst alles weiß warum weiß sie das nicht?
Die ältere Dame weiß es vielleicht, aber in jedem Fall will sie, dass die Protagonistin sich selbst ihrer Situation bewusst wird und sich ihr stellt.
Ja, was hatte ich in den letzten Jahren gemacht? Gearbeitet! Neun, zehn, elf Stunden am Tag die Buchhaltung fremde Leute erledigt. Die mir kurz vor Ablauf der Einreichungsfristen ihre Unterlagen sandten und von mir erwarteten, dass sie pünktlich und korrekt bis auf die vierte Nachkommastelle beim Finanzamt eingereicht wurden. Ein Dankeschön gab es selten. Was erwartete ich auch? Es war ein Job. Wenn ich ehrlich war, war es nicht mein Job. Mein Traum war es gewesen, etwas mit Kindern zu machen, doch irgendwie hat es sich nicht ergeben. Jetzt mit Anfang Vierzig war es sowieso zu spät.
Vielen Dank für die Änderungsvorschläge in diesem Absatz, die ich in großen Teilen übernommen habe. Besonders die Kürzung auf: "Gearbeitet!" gefällt mir sehr gut.

Danke, dass du meinen Text so tief durchgegangen bist, obwohl er nicht alle Fragen zu deiner Zufriedenheit beantworten konnte.

Herzliche Grüße und eine schöne Woche
Margarete

 

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