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Ein Fenster

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26.02.2008
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Ein Fenster

Ein Fenster
Er starrte aus dem Fenster. Ein Blick voll Trübsal. Ein Blick in die niemals enden wollende Schwärze der Gewöhnung. Die Sonne schien. Es war angenehm warm. Lachen dröhnte zu dem Haus und zu seinem Fenster hinauf. Er saß vor dem Fenster. Er sah durch das Fenster. Ein Ausschnitt. Sein Ausschnitt.
Der Fensterrahmen müsste mal wieder gestrichen werden. Die Farbe blätterte ja schon ab. Schwarz, befand er, sei eine schöne Farbe. Vielleicht aber auch weiß. Man wird sehen. Schönes Wetter übrigens, fügte er noch in Gedanken hinzu und kratzte sich am Gesäß.
Das Treiben da draußen. Wohlbekannt. Seit Jahrzehnten wohl schon. Und der Mann saß auf seinem Stuhl, legte die Arme auf das schwarze Fensterbrett und blickte hinaus. Sein Kaffee wurde kalt. Er hatte ihn wohl vergessen. So wie jeden Tag. Jeden Tag kochte er Kaffee und ließ ihn kalt werden. Er führte den kalten Kaffee zum Mund und probierte ihn. Der Kaffee schmeckte einfach nicht. Kaffee kochen konnte er nicht, und er würde jetzt auch nicht anfangen, es zu lernen. Er stellte die Tasse auf die schwarze Fensterbank. Diese weiße Tasse mit dem schwarzen, kalten Kaffee.
Es klingelte. Sein Sohn. Brachte seine Einkäufe. Ein kurzes Hallo. Ein kurzes Gespräch. Nichts wichtiges. Nur Belanglosigkeiten. Ein kurzes Tschüss.
Zurück zum Fenster. Ein Blick nach draußen. Nichts passiert.
Er freute sich auf seine Suppe, die langsam auf dem Herd warm wurde. Wann er den Herd angestellt hatte, vermochte er nicht zu sagen. Die Suppe wird wohl bald fertig sein, dachte er, und stand auf und ging zum Herd. Er nahm sich einen Löffel und probierte die Suppe. Gut. Zwar nichts besonderes, aber gut. Er schöpfte Suppe in einen weißen Teller und ging zurück zum Fenster. Er stellte den weißen Suppenteller auf die schwarze Fensterbank und setzte sich hin. Er beugte sich vor und begann seine Suppe zu löffeln. Dabei sah er immer wieder aus seinem Fenster. Als er die Suppe ausgelöffelt hatte, begann die Dämmerung. Auf einmal musste er an einen Film denken, den er vor langer Zeit im Fernsehen mal gesehen hatte. Brooks was here. Er stand auf, beugte sich aus dem Fenster und blickte in den Himmel, in die unendliche Weite des Himmels.

 

Hallo Bambam!

Ich frage mich, was Du mit dieser Geschichte aussagen willst. Sie ist sicherlich sehr trist (kurze Sätze, viele Wiederholungen), also geht es wohl um die Eintoenigkeit des Lebens des alten Vaters. Daher wohl auch die "Pointe", die darin besteht, dass er am Ende wieder aus dem Fenster starrt, und der Leser ahnt, dass der Rest des Tages nicht anders aussehen wird (oder soll der Blick in den Himmel eine Mini-läuterung darstellen?)

So gesehen ist dir der kurze Einblick in die Welt des traurigen Rentnerdaseins geglueckt, die Stimmung ist fuer einen so kurzen Text gut heruebergesprungen.

Aber ich haette mir noch das gewisse Etwas gewuenscht, das diesen Mann besonders macht - damit man die Geschicht mit mehr Eindruecken verläßt, als man nach den ersten Zeilen vermuten würde.

Vielleicht schläft er seit 5 Jahren auf dem Boden vom Wohnzimmer, seit seine Frau im Ehebett gestorben ist?

Oder der Sohn, der die Einkaeufe bringt, ist nicht sein leiblicher Sohn, was er ihm schon laengst haette sagen wollen, es aber nicht tut weil er Angst um das Einkaeufe-Bringen hat?

Oder er versucht verzweifelt, seine Jugend-Potenz wiederzuerlangen, was in so einigen alchemistischen Absurditaeten und Schweinereien endet.

Oder, Du koenntest zeigen, wie er seit Ewigkeiten versucht, aus diesem Leben auszubrechen, was einfach waere, aber an seiner Routine-Gewoehnung scheitert.

Wie gesagt, ich haette mir etwas mehr Fleisch an den Knochen der Geschichte gewuenscht, aber der Stil hat mir gut gefallen.

Gernot

 

Erstmal Danke Gernot für Deine positive sowie negative Kritik.
Am Dienstag werde ich mich daran setzen, und Deine Fragen beantworten.
Ich hab am Montag einen Unterrichtsbesuch, und da ist die Vorbereitungszeit immer sehr stressig, so dass ich Dir nur unzureichend und unbefriedigend antworten könnte.
lg
bammbamm

 

Hallo zusammen,

also ich muss ja mal loswerden, dass mir das Lesen der Verbesserungsvorschläge von Gernot besser gefallen hat als die Geschichte. Trotzdem ist es sicher ein Versuch, eine gewisse Stimmung rüber zu bringen denke ich. Ein einsamer Mann, der nur noch aus dem Fenster starrt. Einer im Altenheim vielleicht? Leckofanni, auch mir fallen spontan ein paar Dinge ein, die man integrieren könnte. Lässt sich bestimmt was draus machen.

lg Schuld

 

Hallo Gernot,
hat ein bißchen länger gedauert mit meiner Antwort.
Ich hab lange über das, was Du geschrieben hast, nachgedacht. Und überlegt, ob ich diese KG nochmal umschreiben sollte. Um ehrlich zu sein, bin ich noch zu keinem Entschluss gekommen.
Deine Kritik bzgl. über "etwas mehr soziales Umfeld erfahren" wie Erinnerungen an die Ehefrau oder an eine Jugend ist natürlich vollkommen berechtigt.
Ich will aber mal erklären, warum ich das nicht mit hineingeschrieben habe.

Das Wichtigste war mir die Symbolik von Schwarz-weiß ohne jedwelche Zwischentöne. Der Mann hat nichts, er verrottet in seiner eigenen erschaffenen Welt, die aus nichts anderem besteht als Eintönigkeit und Gewohnheit. Nur diese Gewohnheit gibt ihm auch Sicherheit. Dabei träumt er. Er kommt allerdings aus seiner Haut nicht heraus. Sein Leben bietet keine Höhepunkte, keine Erinnerungen, sondern nur die stumpfe Gewohnheit. Deswegen auch kein von mir geschriebener Höhepunkt, sondern nur die Erzählung eines stumpfes Alltags mit immer denselben Wiederholungen.
Das Fenster ist sein Tor zur Welt, aber er begnügt sich mit dem Schauen, er tritt in keiner Aktion. Eine ihm fremde Welt, zu der auch sein Sohn gehört (deswegen findet kein eigentliches Gespräch statt), sieht er im Fenster. Aber dieses Fenster repräsentiert nur ein kleinen Ausschnitt. Alles andere interessiert ihn nicht (hier auch die Symbolik: über den Tellerrand schauen, die Suppe auslöffeln, die man sich eingebrockt hat). Sein Sohn wird von ihm nur toleriert.
Er passt nur in seine eigene Welt, obwohl er in ihr nicht zurecht kommt (sein Kaffee schmeckt nicht, es gibt Tütensuppe). Eine Ausflucht gibt es nicht.
Bis zum Schluss zumindest: dort erinnert er sich an einen Film (ich spiele hier auf "Die Verurteilten" an: Brooks ist ein sehr alter Mann, der sein ganzes Leben im Knast verbracht hat, und nun entlassen wird. Er kommt nicht zurecht, und erhängt sich. Vorher ritzt er in das Holz "Brooks was here") und sieht in den Himmel. Hier tritt er in Aktion. Die Wende, die er einläutet, ist zugleich das Ende der Geschichte.

Vielleicht kann das von mir Gesagte mit Deinen Vorschläge noch vertieft dargestellt werden. Ich denke auf jeden Fall weiter nach. ;-)

Nochmals Danke!

 

Hi!

Also ich finde die Geschichte gut. Ich finde es ein Kunststück über etwas Banales und Alltägliches zu schreiben und es gleichzeitig interessant zu machen. Irgendwie habe ich ständig das Gefühl da passiert gleich etwas


Grüsse
Arkadius

 

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