Ein Fenster
Ein Fenster
Er starrte aus dem Fenster. Ein Blick voll Trübsal. Ein Blick in die niemals enden wollende Schwärze der Gewöhnung. Die Sonne schien. Es war angenehm warm. Lachen dröhnte zu dem Haus und zu seinem Fenster hinauf. Er saß vor dem Fenster. Er sah durch das Fenster. Ein Ausschnitt. Sein Ausschnitt.
Der Fensterrahmen müsste mal wieder gestrichen werden. Die Farbe blätterte ja schon ab. Schwarz, befand er, sei eine schöne Farbe. Vielleicht aber auch weiß. Man wird sehen. Schönes Wetter übrigens, fügte er noch in Gedanken hinzu und kratzte sich am Gesäß.
Das Treiben da draußen. Wohlbekannt. Seit Jahrzehnten wohl schon. Und der Mann saß auf seinem Stuhl, legte die Arme auf das schwarze Fensterbrett und blickte hinaus. Sein Kaffee wurde kalt. Er hatte ihn wohl vergessen. So wie jeden Tag. Jeden Tag kochte er Kaffee und ließ ihn kalt werden. Er führte den kalten Kaffee zum Mund und probierte ihn. Der Kaffee schmeckte einfach nicht. Kaffee kochen konnte er nicht, und er würde jetzt auch nicht anfangen, es zu lernen. Er stellte die Tasse auf die schwarze Fensterbank. Diese weiße Tasse mit dem schwarzen, kalten Kaffee.
Es klingelte. Sein Sohn. Brachte seine Einkäufe. Ein kurzes Hallo. Ein kurzes Gespräch. Nichts wichtiges. Nur Belanglosigkeiten. Ein kurzes Tschüss.
Zurück zum Fenster. Ein Blick nach draußen. Nichts passiert.
Er freute sich auf seine Suppe, die langsam auf dem Herd warm wurde. Wann er den Herd angestellt hatte, vermochte er nicht zu sagen. Die Suppe wird wohl bald fertig sein, dachte er, und stand auf und ging zum Herd. Er nahm sich einen Löffel und probierte die Suppe. Gut. Zwar nichts besonderes, aber gut. Er schöpfte Suppe in einen weißen Teller und ging zurück zum Fenster. Er stellte den weißen Suppenteller auf die schwarze Fensterbank und setzte sich hin. Er beugte sich vor und begann seine Suppe zu löffeln. Dabei sah er immer wieder aus seinem Fenster. Als er die Suppe ausgelöffelt hatte, begann die Dämmerung. Auf einmal musste er an einen Film denken, den er vor langer Zeit im Fernsehen mal gesehen hatte. Brooks was here. Er stand auf, beugte sich aus dem Fenster und blickte in den Himmel, in die unendliche Weite des Himmels.