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Ein Kopf erzählt

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03.08.2003
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Ein Kopf erzählt

Als um Punkt sechs Uhr die Nationalhymne ertönte, wachte Oparin in dem Bewusstsein auf, dass irgendetwas anders war als sonst. Hatte er schlecht geträumt? Mit geschlossenen Augen blieb er noch eine Weile liegen und lauschte den eigens für ihn komponierten Klängen, während er versuchte, sich zu erinnern. Das Schmettern der Fanfaren setzte den Schlussakkord nach den Worten „… mögest du ewig leben, o großer Oparin“ und er öffnete die Augen. Ein Security-Robot salutierte.
„Alles Gute zum Geburtstag, Exzellenz!“
Ach das war es also. Wieder ein Jahr älter. Aber was war schon das Alter. Nur ein Ausdruck von westlicher Dekadenz, mangelnder Disziplin.
Der Robot neigte sich vor und flüsterte: „Heute noch keine Putschversuche, Exzellenz.“
Im Bad betrachtete sich Oparin im Spiegel, der eine ganze Wand ausfüllte. Mit Eye-Tracking ausgestattet krümmte sich der Spiegel genau an den richtigen Stellen, sodass Oparins Schultern verbreitert, seine Arm- und Brustmuskeln vergrößert und sein Kinn betont wurden. Oparin drehte sich nach links und rechts, hob den Kopf, lächelte und spannte seine Muskeln an. Vor ihm stand ein athletisch gebauter Mann, der mit kühnem Feldherrenblick in eine verheißungsvolle Zukunft blickte. Das Lächeln wirkte zugleich nachdenklich und Optimismus und Vertrauen verbreitend. Was für ein Anblick, befand er, und suchte nach dem passenden Wort. Übermenschlich? Nein, zu abgeschmackt, außerdem schon durch die Vergangenheit negativ besetzt. Überirdisch? Schon eher. Er nickte.
„Gottgleich“, wisperte ein Stimmchen in seinem Inneren.
Oparin räusperte sich. „Sei still!“, befahl er. „Wir wollen realistisch bleiben.“ Solche Gedanken waren gefährlich. Er war kein Gott, nur derjenige, der über Leben und Tod entschied. Das war ein Unterschied. Oder nicht? Rasch betrat er die Dusche und drehte den Wasserhahn auf. Nur kaltes Wasser natürlich. Nanu? War da ein Ziehen in seiner Brust? Nein, da war nichts.

Ich weiß es besser, doch warnen würde ich ihn nicht, selbst wenn ich es könnte. Mein Zustand ist – speziell. Ich kann nichts mehr bewirken. Die Welt ist für mich zu einem Film geworden, einem Film, in dem mir allerdings nichts verborgen bleibt. Was ich kann, ist, den Film vor- und zurückzuspulen, denn die Zeit existiert für mich nicht mehr. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft – nur inhaltsleere Begriffe.

Zum Frühstück gibt es Haferbrei mit exakt 217 Kalorien, einen Glycin-Shot und einen Aufguss vom Kraut der Hundertjährigen aus dem Altaigebirge. Kein Zucker, keine Früchte. Während er isst und darauf achtet, sorgfältig zu kauen, jeden Bissen genau zweiunddreißigmal, überfliegt er die ersten Kurzberichte des Tages. An der Front hat es keine nennenswerten Grenzverschiebungen gegeben. Produktionszahlen und Loyalitätsindizes bewegen sich ebenfalls im grünen Bereich. Also alles unter Kontrolle? Halt, da gab es einen Hackerangriff der DUE. Dilettantisch ausgeführt. Er schnaubt verächtlich.
Anschließend begibt Oparin sich in sein Büro. Auch an seinem Geburtstag wird er arbeiten.
Schließlich ist er der Lenker und Denker seines Volkes, die heilige Zweifaltigkeit der Macht. Nein, die Heilige Dreifaltigkeit. Legislative, Exekutive und moralische Instanz, gebündelt in einer Person. Seiner. Das ist effektiv und ressourcenschonend. „Der Starke ist am mächtigsten allein.“ In diesen Satz hat Oparin sich schockverliebt. Er legt die Hände auf den Schreibtisch und schließt die Augen. Wie den Tag beginnen? Oparin nimmt sich vor, heute besonders edelmütig zu sein, und er weiß auch schon wie.
Ein Knopfdruck ruft seinen persönlichen Assistenten herein.
„Bringen Sie mir die Akte Vladimirov!“
Wenig später liegt sie vor ihm, dick und staubig. Er blättert darin, ohne zu lesen, stellt sich dabei vor, wie es sein muss, fünfzehn Jahre Einzelhaft zu ertragen. Fünfzehn Jahre Beton und Neonlicht, fünfzehn Jahre Selbstgespräche. Vladimirov hat es verdient, jedes einzelne Jahr, hat geglaubt, einen Keil zwischen ihn und sein Volk treiben zu können, ein verhängnisvoller Irrtum. Nun, er hat genug Zeit gehabt, seinen Fehler zu bereuen.
„Veranlassen Sie die Freilassung Vladimirovs!“
Der Assistent nickt kurz und eilt zur Tür. Gerade will er den Raum verlassen, als ihn die Stimme Oparins zurückhält: „Das übliche Prozedere!“
„Selbstverständlich.“
Die Tür schließt sich und Wärme durchströmt Oparin. Wie angenehm ist es doch, edelmütig zu sein. Er stellt sich vor, wie beschwingt Vladimirov sich fühlen muss, wenn er endlich wieder die Luft der Freiheit schnuppern, sie tief in seine Lungen einsaugen darf. Sonnenlicht. Blauer Himmel ganz ohne Gitter. Leuchtende Farben. Weite. Ein Moment der Hoffnung. Warum diesen Moment unnötig ausdehnen? Gnade ist am effektivsten, wenn sie kurz ist. Vladimirov wird durch die lange Haft ohnehin krank und geschwächt sein. Er klappt die Akte zu.

Es stimmt, das Gefühl der Freiheit war überwältigend und für diesen winzigen Moment war ich Oparin fast ein wenig dankbar.

Das Klingeln des Telefons wird die Glückwunscharie einleiten. Könige, Kanzler, Präsidenten, Regenten werden sich darin überbieten, den besten Ton zu treffen. Doch da wird es subtile Unterschiede geben, die später genauestens zu analysieren sind. Betonung, Wortwahl, Pausen. Wer hatte als Erster gratuliert? War der Anrufer überschwänglich? Sachlich-nüchtern? Wohlwollend? Wer überschwänglich war, log. Wer sachlich war, plante etwas. Wohlwollende wähnten sich ihm überlegen.
Wer hatte nicht gratuliert?
Oparin wird die Glückwünsche gelassen entgegennehmen. Die Welt dreht sich um ihn, wenn auch widerwillig. Auch das ist eine Form von Edelmut, wird er denken: die Geduld, mit kleineren Geistern zu verkehren.
Es wird ein Meeting mit seinen Generälen folgen. Karten werden entrollt, Pfeile gezeichnet, Zahlenkolonnen werden aufmarschieren, die von hohen Verlusten seiner Soldaten künden.
Stabschef Romanov wird sagen: „Exzellenz, die Verluste Litheniens sind um ein Vielfaches höher.“
Das weiß ich doch, wird Oparin denken. Da er selbst die Strategie vorgibt, kann es gar nicht anders sein und Opfer müssen erbracht werden.
„Warum gibt das Schwein nicht auf? Das wäre doch eine nette Geste zu meinem Geburtstag“, scherzt er.
Brüllendes Gelächter wird den Konferenzraum erfüllen.
Oparin hat einen Einfall. „Erinnern wir ihn an meinen Ehrentag“, wird er gutgelaunt fortfahren: „Siebzig Raketen auf die Hauptstadt, für jedes meiner Lebensjahre eine.“
Die Generäle werden applaudieren.

Nach einem leichten Mittagessen – es gab einen Linsen-Walnusssalat nach einem Blue-Zone-Rezept, gedämpften Fisch ohne Salz und Josta-Beeren zum Dessert – begann die offizielle Geburtstagsfeier in der Präsidentensuite. Oparins engste Mitarbeiter, Vertraute, Freunde – oder diejenigen, die vorgaben, es zu sein, begrüßten ihn mit herzlichem Beifall. Champagner floss in Strömen. Oparin selbst schnitt die dreistöckige Geburtstagstorte an, wusste er doch, dass die Security-Robots sie durchleuchtet hatten. Das Essen überließ er anderen, nippte zum Schein an dem Champagner. Zucker und Alkohol würden nur eine Bresche in seine Verteidigungslinie gegen das Altern schlagen.
„Alexander Alexandrowitsch!“ Oligarch Pawel Patronski trat mit ausgebreiteten Armen auf ihn zu und ein Security-Robot dazwischen. Das Lächeln Patronskis erlosch.
„Schon gut“, sagte Oparin und bedeutete dem Robot, beiseitezutreten. „Komm an meine Brust!“ Gleich darauf lagen sich die beiden Männer in den Armen und herzten und küssten sich.
Nun, was hast du mir mitgebracht?“, fragte Oparin erwartungsvoll. Patronski war einer der reichsten Oligarchen seines Staates, das wusste Oparin genau, hatte er ihm doch höchstpersönlich die Kontrolle über Gasodar übertragen. Das Geschenk allerdings, dass Patronski ihm nun überreichte, war eine Enttäuschung. Ein winziges, mit einem Schleifchen verziertes Päckchen.
„Zu klein für eine Bombe“, witzelte er und Patronski stimmte beflissen in sein Lachen ein. Die Größe war es nicht, aber Patronski flüsterte gleich darauf: „Eine Delphis Dracula“. Wie Oparin wusste, war diese Armbanduhr bereits für etwa 70000 Dollar zu haben. Warum nicht zum Beispiel eine Tourbillon 950 Platin?
Oparin machte sich eine gedankliche Notiz. Er würde die Vermögensverhältnisse von Patronski überprüfen lassen. Überhaupt, eine Uhr! Deutete Patronski damit an, dass seine, Oparins Zeit abgelaufen war? Und die Marke! Eine Dracula. Die Zeichen waren klar, die Überprüfung überflüssig. Schon wollte er einem der Robots unauffällig zunicken, hielt sich aber gerade noch zurück. War nicht heute sein Geburtstag? Das konnte bis morgen warten.
Mit einem Lächeln, das er speziell für derartige Gelegenheiten reserviert hatte, strahlend, unverbindlich, aber nicht zu herzlich, nahm er die anderen Geschenke entgegen: ein echter Van Meer (ob echt, würde sich noch erweisen müssen), die Besitzurkunde für eine Insel, einen mit Diamanten besetzten Blutzuckersensor (limited Birthday Edition), der Kopf Vladimirovs – in Spiritus eingelegt, das Buch „Rückwärts altern“, den schwarzen Gürtel im Judo – ein Geschenk des Weltjudoverbandes, … , nach einer Weile begann er sich zu langweilen. Immer noch freundlich, aber bestimmt beendete er die Feierlichkeiten.

In einem Glas mit Spiritus zu enden hätte ich mir auch nicht träumen lassen.

Der nächste Termin hatte ihm sehr am Herzen gelegen, denn es war um die Zukunft gegangen. Sowohl seine als auch die seines Landes. Beide Zukünfte bildeten eine untrennbare Einheit, so wie Yin und Yang.
Das tägliche Longevity-Ritual unter der Anleitung des sibirischen Schamanen Schurai hatte mit Atemübungen im vorgeschriebenen 6-3-12-3-Rhythmus begonnen. Der Schamane begleitete die Übung mit einer sonoren Kopfstimme, die sich summend in einem geheimen Rhythmus mal in die Höhe schraubte, mal in gerade noch hörbare Tiefen hinabglitt. Oparin fühlte sich nach einer Weile losgelöst von der Zeit. Als er dieses Stadium erreicht hatte, sagte er laut: „Altern ist nur ein Narrativ“ und wiederholte den Satz einhundert Mal. Danach war er mehr denn je von dessen Richtigkeit überzeugt gewesen.
„Das war gut, Väterchen“, hatte Oparin gelobt und dem Greis auf die Schultern geklopft.

Oparin fühlt sich erfrischt wie nach einem Eisbad und ist nun bereit für die Judoka. Denen wird er zeigen, wo der Hammer hängt. Gleichzeitig kann er beweisen, wie gesund und fit er ist und dass die Zeit von ihm abperlt. Japanische Großmeister haben sich anlässlich der Verleihung des schwarzen Gürtels an den Jubilar unter den Augen der Medien zu einem Showkampf mit ihm in seinem Doyo versammelt. Nur ihre Fallkünste bewahren sie vor dem Schlimmsten. Mit betretenen Gesichtern sehen sie sich an und schütteln die Köpfe. „Er wird jedes Mal schneller“, sagt jemand auf japanisch und die Übersetzung wird sofort in die Live-Übertragung eingeblendet. Oparin wundert sich selbst darüber, wie leicht es ihm gefallen ist, die Japaner mit seinen Ukuri-ashi-barai auf die Matte zu legen. Unter dem spontanen Klatschen der Reporter schreitet er eine Ehrenrunde ab. Judo, der sanfte Weg, um Stärke nach Maß zu demonstrieren, eine Stärke, der kein Gegner widerstehen kann.
Wenig später wird er frisch geduscht in seinem Büro sitzen, als es zaghaft klopft. Innenminister Uspanski wird den Raum betreten.
„Exzellenz, ich möchte Sie davon in Kenntnis setzen, dass vor dem Regierungssitz eine Demonstration stattfindet. Geschätzte Teilnehmerzahl Hunderttausend.“
„Ah, verstehe. Mein Volk will mir zum Geburtstag gratulieren. Mein gutes Volk. Es ist für mich da, wie ich für sie da bin.“ Oparin wird strahlen.
„Verzeihung, Exzellenz, äh …“, wird Uspanski herumdrucksen, „es ist nicht ganz so. Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass ein erheblicher Teil der Demonstranten staatsfeindliche Parolen vorbringt.“
„Feindliche Parolen?“ Oparins Gesicht verfinstert sich.
„Ja, Exzellenz.“
Oparin wird sich erheben und mit raschen Schritten im Büro umhergehen. „Was erlaubt sich dieses Gesindel?“, murmelt er, „ich werde sie lehren, wie … vernichten … austilgen … Ungeziefer …. Doch dann hellt sich seine Miene auf. Ergibt sich nicht auch hier wieder die Möglichkeit, großherzig zu sein?, denkt er.
„Wo ist die Staatspolizei?“, fragt er Uspanski.
Der wird Haltung annehmen. „Vor Ort, Exzellenz.“
„Befehlen Sie eine Gewehrsalve in die Menge. Aber nur eine.“ Oparin hebt die Hand mit einem ausgestreckten Finger, dem Mittelfinger. „Schließlich ist heute mein Geburtstag.“
Uspanski wird verschwinden.
„Nur eine“, wiederholt Oparin, als ob er ein Kind ermahnen würde, nicht zu viele Süßigkeiten zu essen. Er sinkt in seinen Sessel. Der Tag war sehr gut verlaufen, er hatte zu seinem Geburtstag Freiheit verschenkt, sich als großzügig und stark erwiesen und die Gelegenheit gehabt, sein Volk an die Spielregeln zu erinnern.

Plötzlich wird da wieder ein Stich in seiner Brust sein, der dort nicht hingehört. Der Schmerz verschwindet so schnell, wie er gekommen ist, doch das wird ihn daran erinnern, dass er heute noch eine Verabredung hat. Professorin Kalinova, Leiterin des Instituts für angewandte Bioquantenenergetik, erscheint zur verabredeten Zeit. Sie ist groß und schlank und trägt eine Brille mit dicken, getönten Gläsern.
„Setzen Sie sich“, wird Oparin befehlen. „Sie wissen, weshalb Sie hier sind?“
„Ja, Sie wollen länger leben.“
„Nicht länger, sondern ewig“, korrigiert Oparin.

Ich hatte früher auch solche Anwandlungen. Heute weiß ich: Nur ein Toter lebt ewig.

Kalinova wird einen Moment schweigen, bevor sie sagt: „Das widerspricht den Naturgesetzen.“
Oparin beugt sich in seinem Sessel vor. „Die Naturgesetze sind mir egal. Ich habe sie nicht beschlossen. Ich investiere Milliarden in Ihr Institut. Dafür erwarte ich auch eine Gegenleistung. Ist das zu unbescheiden von mir?“
Professorin Kalinovas Blick huscht im Raum umher und bleibt an dem Kopf Vladimirovs auf dem Tisch mit den Geschenken hängen.

Es tat mir leid für sie, dass sie mich in diesem Zustand sehen musste. Meine Katinka!

„Es gäbe schon Möglichkeiten“, sagte sie zögernd. „Vielleicht könnte man Bewusstsein konservieren. Es digitalisieren oder klonen.“
„Vielleicht reicht mir nicht. Ich will Gewissheit. Ich will, dass mein Volk nie wieder ohne mich sein muss.“ Oparin erhob sich und trat ans Fenster. „Stellen Sie sich vor“, sagte er, „eine Welt ohne meinen Tod. Endlose Stabilität für unser Land.“
Kalinova dachte an Vladimirovs Kopf und nickte. „Wir werden es versuchen.“
Oparin setzte sich wieder und lächelte. „Sehen sie“, sagte er sanft, „ich befreie mein Volk von meiner Endlichkeit.“
Kalinova setzte die Brille ab. Tiefschwarze Augen blickten wie Revolvermündungen. Eine dritte richtete sich auf Oparin. „Schluss mit der Scharade!“
Oparin zuckte zurück und griff sich ans Herz.

Ich kann den Schmerz Oparins fühlen, doch mir macht er nichts aus, ich genieße ihn sogar. Der Schmerz ist ein weißglühender Stacheldraht, der durch sein Herz gerissen wird, hin und her, wieder und wieder, dort ein Feuer entfacht, das durch seinen Körper rast und Nerven, Muskeln, Fleisch verbrennt. Wenn ich könnte, würde ich den Moment ins Unendliche ausdehnen. Doch ich kann ihn wiederholen, wieder und wieder.
„Security“, wird Oparin ächzen. Was er nicht weiß, aber ich – die Security war das Ziel der letzten Hackerattacke, die gar nicht so stümperhaft ausgeführt wurde, wie Oparin glaubte. Auch die DUE als Ausführende war nur Tarnung.
Der Robot in der Ecke seines Büros nimmt Haltung an und salutiert. „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Exzellenz.“
Katinka wird ebenfalls ihre Glückwünsche aus- und den Revolver abdrücken. Oparin wird das bekommen, das er sich immer gewünscht hat – die Ewigkeit.

 

Hallo @Sturek ,

ich würde mich einmal an deiner Geschichte versuchen. Ich muss aber zugeben, dass ich den Text nur einmal gelesen habe, um den ersten Eindruck einzufangen. Grundsätzlich habe ich ihn sehr gerne gelesen, auch wenn diese Art von Text nicht so wirklich in mein bevorzugtes Genre fällt.

Ich würde mit ein paar textlichen Einzelheiten anfangen, die mir aufgefallen sind und dann zu meinem persönlichen Eindruck kommen.

„Alles Gute zum Geburtstag, Exzellenz!“
Das ist nur Geschmackssache, aber ich finde, dass es sich besser ließt, wenn da "eure Exzellenz" stehen würde. Aber du bleibst wenigstens den Text über konsequent, von daher ist das nur ein Geschmackspunkt.
Das Lächeln wirkte zugleich nachdenklich und Optimismus und Vertrauen verbreitend.
Der Satz ließt sich sehr holprig. Vorschlag: "Das Lächeln verbreitete Vertrauen und Optimismus und wirkte zugleich nachdenklich."

Zum Frühstück gibt es Haferbrei mit exakt 217 Kalorien,
Will der Mensch ewig leben, oder will er sich zu Tode hungern? Ist zwar nur eine Kleinigkeit, aber 217 kcal sind extrem wenig. Da hat fast jeder Proteinriegel mehr. Auch mit dem, was der Mann den Rest des Tages isst, was du ja schön aufgeführt hast, würde er sich in einem massiven Kaloriendefizit befinden. Mit seinen körperlichen Aktivitäten, vor allem Judo, braucht er am Tag mindestens 3000 kcal, um sein Gewicht zu halten.
Das tut zwar für die Geschichte nichts zur Sache, und wahrscheinlich werde ich der einzige sein, der sich daran gestört hat, aber ich wollte es erwähnen :lol:

Zweifaltigkeit der Macht. Nein, die Heilige Dreifaltigkeit. Legislative, Exekutive und moralische Instanz, gebündelt in einer Person.
Ich finde das an sich einen schönen Weg seine Macht darzustellen, aber ich würde von einer Dreifaltigkeit, in eine Vierfaltigkeit gehen. denn was ist mit der Judikativen? Er ist ja ganz offensichtlich auch derjenige, der Recht spricht. Wenn dann würde er eher den ausführenden Teil jemand anderem überlassen. Aber die moralische Instanz hat eine schöne Note der Selbstverliebtheit. Das gefällt mir sehr gut.

„Feindliche Parolen?“ Oparins Gesicht verfinstert sich.
„Ja, Exzellenz.“
Oparin wird sich erheben und mit
Das ist nur ein Beispiel, dass ich die Wahl deiner Erzählzeit nicht verstehe. Du wechselst sehr oft zwischen der Gegenwart und der Zukunft hin und her. Wenn das ein stilistisches Mittel ist, dann habe ich es nicht verstanden.


Mein persönlicher Eindruck von der Geschichte ist zwiegespalten. Du hast es als Satire getagt und ich musste während des Lesens immer wieder an den Film: "Der Diktator" denken, was auf jeden Fall in Richtung Satire gehen würde. Aber ich finde, dass das Ende dafür zu drastisch und schnell war. Da hätte mir noch ein Hauch von Witz gefehlt.
Allgemein ließt sich der gesamte Text wie ein unterhaltsamer Sachbericht, was ich grundsätzlich gut finde, das Ende fühlt sich dann aber so an, als hätte es einen Spannungsbogen geben sollen, den ich verpasst habe. Auch der Abschluss durch die Erzählerstimme, ist zwar an sich gut geschrieben, aber mir fehlt die Hinarbeit dafür. Du löst durch die Erzählerstimme Dinge auf, die du zuvor nur ganz kurz bei dem Morgenbericht erwähnt hast. Da hätte ich mir entweder eine erneute Erwähnung des Hackerangriffs o. ä. gewünscht.
Außerdem weckt diese sachliche, unemotionale Beschreibung des Tages eher das Gefühl von Belustigung und dass der Oparin jemand ist, den man belächeln sollte, als jemand, den man hassen sollte. Am Ende habe ich mir dann aber plötzlich gedacht: "Ach so, das ist eine Geschichte, die auf einen Bösewicht hinausläuft."

Fazit: Ich hätte mir entweder ein amüsanteres Ende gewünscht, wobei der Oparin gerne sterben darf, aber nicht so humorlos. Oder einen größeren Spannungsbogen, der mehr Emotionen in mir weckt.

Ich persönlich würde aber eher zur ersteren Variante tendieren, da ich diese Beschreibung des Alltags mit den vielen unterschiedlichen Einzelheiten doch sehr unterhaltsam fand und ich denke, dass du mit dem Text auch keine hoch dramatische Geschichte erzählen wolltest, sonst hättest du ihn nicht als Satire gelabelt.

Das war meine Meinung dazu. Ich hoffe, dass du etwas mit dem Feedback anfangen kannst. Und ich bin gespannt, ob du und die anderen Leser es komplett anders sehen als ich:lol:

Grüße
DripsDrops

 

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